ICL . f .
AUGUSTINI
Feuriges Hertz
Tragt
Ein Hertzliches Mitleyden
mit den armen im Feeg=Feuer
Leydenden
Seelen /
Das ist /
Ein kleiner Haußrath etli
che Sententz auß den Schriff
ten vnsers Heil . Vatters .
Zu Trost den verstorbenen Christ=
Glaubigen / r c.
Durch
P . Abraham / Augustiner Barfüsser .
Cum Licentia Superiorum , & Privilegio Sac .
Cæs . Majestatis .
Gedruckt zu Saltzburg bey Melchior Haan /
Einer Löbl . Landschafft vnd Stadt=Buchdruckern
vnd Handlern / Anno 1693 .
✾ (5)✾
Cie̅t extincta tumultum .
NImiæ Impudentiæ est , negare animas in
terdum ad nos redire , Deo jubente vel
permittente , habemus enim Testimonium
gravissimorum Authorum .
lib . de cura pro
Mort . Pag . 15 .
Es spricht vnser H . Vatter Augusti
nus : Daß Jemand sehr frech vnd vnver
schambt seye / der da laugnen darff / daß biß
weilen die Seel durch Befehl oder Zulas
sung GOttes wiederumb zu vns kommen /
vnd vns erscheinen können / zumahlen sol
A 3 ches ✾ (6)✾
ches von den bewehrtisten Lehrern bestät
tiget wird .
ES ist zwar nicht ohne / daß bey der
gleichen Erscheinungen gar offt vil
Betrug vnderlauffe / entweders durch
den bösen Feind / welcher den Tück vnd Arg
list / womit er Anfangs die Eva übervorthelt /
noch immerfort bey den vnbehutsamen A
dams=Kindern spühren läst / oder aber durch
schlimme vnd vermessene Leuthe / welche un
der dem Schein der Erscheinungen nicht sel
ten einige Boßheit suchen oder vermäntlen /
so geschicht auch offt / daß vnser einbilderische
Phantasey / oder schwache vnd verwirrte Sin
ne / bißweilen seine Geist=Erscheinungen von
freyen Stucken ihnen selbsten schnitzlen ; Der
gleichen geschicht in einer solchen Menge / daß
man gantze Bücher könte damit anfüllen :
Es hat vnlängst ein solcher eingebildeter Geist
etliche Leuth auß der Stuben dergestalten hin
auß gejagt / daß einer über den andern trippel
weiß über die Stiegen hinunder gefallen / vnd
als man hernach die Sach weiters erwegt /
vnd besser nachgesucht / so war der Geist nichts
anders / als ein gebratner Apffel in dem Ofen=
Rohr / so wegen der Hitz angefangen zu seuff
tzen vnd zu pfeiffen . Ohnangesehen / vieler
solcher ✾ (7)✾
solcher phantastischen Einbildungen / oder an
deren frechen Bubenstück / wordurch zu wei
len vermessene Leuthe andere suchen zu erschrö
cken / das zu ihrem bösen Vortheil zu gebrau
chen / kan ohne grosse Thorheit nicht wider
sprochen werden / daß nicht mehrmahl derglei
chen warhaffte Erscheinungen der Geister sich
begeben .
Käyser Ferdinandus seeligister Gedächt
nus / hatte stäts bey sich / vnd vmb sich einen ge
heimen Secretari , deme seine Majestät als
einem allertreuesten Diener alles anvertrauet /
nachdeme solcher auch die Schuld der Natur
bezahlet / vnd durch den zeitlichen Hintritt in
die Ewigkeit passiret / ist er nicht lang hernach
dem Käyser / als seinem zuvor allergnädigisten
Herrn gantz sichtbarlich erschinen / welchen
dann der fromme Käyser mit vnerschrockenem
Gemüth angeredet / vnd vmb die Ursach seiner
Ankunfft auß jener Welt befragt / weil aber
hierüber keine Antwort erfolget / sondern an
statt deß der Geist Jhro Mayestät seine Hand
dargereicht / welche der vnerschrockene Mo
narch auch nit gewaigert / aber wegen übermäs
sigen Hitze seine Hand alsobald muste zuruck
ziehen / worauff auch der Geist verschwunden /
vnd nicht mehr nachmahls erschinen / weil der
mildhertzigste Käyser sehr vil H . Messen für ihn
hat lesen lassen . Jan . Nic . Ex . 154 .
Nach=
✾ (8)✾
Nachdeme der H . Elisabeth einer Köni
glichen Tochter in Ungarn / ihre Frau Mutter
mit Todt abgangen / ist sie einsmahlen bey der
Nacht besagter ihrer Tochter in schwartzem
Auffzug / vnd betrübtem Angesicht erschinen /
sich zu dero Füssen geworffen / liebste Tochter
sprach sie / seufftzte sie : Jch beschwöre dich / daß
du mit deiner betrangten Mutter wollest ein
Mitleyden tragen / dann ich leyde vnermeßliche
Qualen vnd Tormenten in dem Feegfeuer /
dieweil ich etlichmal lau vnd nachlässig gewe
sen in dem Dienst GOttes . O Tochter ! O
Tochter ! ich klopffe mehrmal an die Porten
deiner Barmhertzigkeit / ich bitt / ich bitt / ich
bitt / r c. Wie nun die H . Elisabeth hierüber
sich zu dem Gebett begeben / vnd mit vilen vn
dermengten Zähren / mit tieffen Hertzens=
Seufftzern die Göttliche Milde vmb Erlösung
ihrer Frau Mutter ersucht / ist sie nicht lang
hernach in ein sanfftes Schläffel gerathen / wo
rinn sie gesehen / daß ihr liebste Mutter / ver
mög ihres Gebetts / gantz frohlockend auß sol
chem feurigen Kercker in die ewige Seeligkeit
übertragen worden . Jacob . Mont . in vit . c . 23 .
Unzahlbare solcher Erscheinungen findet
man schier in allen Büchern / ja es streicht
mehrmahl nicht ein Jahr vorbey / in welchem
nicht da vnd dort dergleichen Begebenheiten
sich ✾ (9)✾
sich ereignen / allein begegnet hierinfalls eine
Beschwärnus vnd harte Frag / wie vnd was
gestalten man erkennen kan / ob sothane Erschei
nung warhafftig sey / oder aber grundloß / vnd
mit Spiegelfechterey gefüttert .
Wann erstlich die Person / so dergleichen
Erscheinung vorgibt / einen frommen vnd vn
sträfflichen Wandel führet / so muß man doch
dero Erzehlungen ein willkühriges Ohr vergön
nen / vnd ihre Wort nicht gleich in Wind schla
gen .
Wann nachmahls ein solche Person hier
durch kein Interesse , oder zeitlichen Gewinn
suchet ; Dann gar offt ein gemeine Dienst=
Magd mit solchen Erscheinungen auffziecht /
dadurch bey ihrer Herrschafft besser in Gnaden
zu kommen / vnd folgends mehrer belohnt zu
werden .
Wann das Begehren deß Geistes in billi
chen Sachen bestehet / vnd nicht einige Andach
ten vndermischt / worinnen vil Aberglauben sich
anhencken / wie nicht vnlängst ein Geist soll be
gehret haben / man solle seinetwegen / biß nacher
Alten=Oetting wallfahrten gehen / aber mit sol
chen Schuhen / mit denen man niemahl über
ein Freydhoff / oder Gottsacker gangen .
Wann der Geist erscheinet in Menschli
cher Gestalt / vnd nicht in Gestalt der wilden
A 5 Thier/ ✾ (10)✾
Thier / als Katzen / Hund / Bären / Wolff oder
anderer Bestien / massen solche Erscheinungen
mehr dem bösen Feind / als den guten Geistern
zugemessen .
Wann der Geist kein Scheühen tragt ob
dem H . Creutz=Zeichen / an dem süssesten Na
men JESU vnd Maria / H . Reliqui en /
Weyhwasser / Agnus Dei &c .
Wann der Geist zu frieden ist mit deme /
was er Anfangs begehrt / vnd allbereit für ihn
schon verricht worden / dann so fern er nach Ab
stattung der verlangten guten Wercke noch fer
nere Ungelegenheit im Hauß / vnd der Person
machet / kan dißfalls gar leicht ein Betrug vnd
Falschheit deß bösen Feindes / oder auch der
Person vermuthet werden .
Wann endlich die Erscheinung deß Gei
stes anfangs einen Schrecken verursachet / vnd
sich die Natur darob erstlich entsetzt / nachge
hends aber ein sonder Hertzens=Trost entsteht /
so scheint es ein gewisses Kennzeichen eines gu
ten Geists / der da Hülff sucht zu seiner Erlö
sung : soll aber der Geist zu Anfang das Gemüt
mit Trost erfüllen / zuletzt aber Angst / Forcht /
vnd allerley Entrüstungen verursachen / so kan
man gar leicht abnehmen / dises sey ein böser
Geist / vnd zwar nicht allemahl ein verdammte
Seel / sondern meistens der böse Feind / vnd Sa
than ✾ (11)✾
than selbst / welcher vil Oerther solcher gestalt
auß Göttlicher Verhängnus pflegt zu beun
ruhigen .
Rathsam vnd heylsam ist es / so offt man
nächtlicher Weil ein vnnatürlich Getöß oder
Klopffen spühren thut / wie ich es selbst erfah
ren / da in Gegenwart meiner vnd eins andern
Gespan / ein vnsichtbare Hand alle grosse ey
serne Leuchter zur Metten=Zeit / in dem Chor
ordentlich an ihr Ort gestellet / r c. Gut ist es /
daß man bey dergleichen Zufällen ohne weitern
Verzug das H . Gebett ergreifft / vnd solches
GOtt dem Allmächtigen auffopffert für jene
Seel / so da auß Zulassung GOttes auff solche
Weiß Hülff verlangt / wie dann wir auch ge
than vor den Pater / so deß vorigen Tags mit
Todt abgangen .
Gleichwie auch in der Charwochen nach
Außlöschung der Kertzen auff dem dreyeckigten
Leuchter / pflegt ein Getöß vnd schlagen zu ge
schehen / worvon die Metten den Nahmen
schöpffet die Pumper=Metten / also geschichts
mehrmahlen / wann vnser Freunde vnd Anver
wandten mit Todt abgehen / vnd gleichsamb
wie die Kertzen außlöschen / daß nachmahls im
Hauß ein Tumult zuweilen gespühret wird /
welches meistens dahin deutet / daß wir ihnen
in jener Welt sollen ein Hülff leisten .
Non
✾ (12)✾
Non nisi Spicula torquet .
HIc ignis , & si non sit æternus , miro tamen
modo gravis est , superat enim omnem
pœnam , quam homo unquam passus est in hac
vita , vel pati potest .
Es spricht der Heil . Vatter Augu
stinus , daß jenes Feuer / ob es schon nicht
ewig / doch auff ein wunderliche Weiß
schwär sey / ja es übertreffe alle Pein vnd
Marter / die ein Mensch auff der Welt
einmahl gelitten hat / oder leyden kan .
S . P . Augustinus serm . de igne Pur
gatorii .
Nach=
✾ (13)✾
NAchdeme Jonas seine Buß=Pre
digt zu Ninive vollendet / begab er
sich auß der Stadt hinauß / vnd setzte
sich vnweit derselben auff einen Hügel / den
Außgang zu erwarten / was doch der Stadt
möchte widerfahren / machte ihm auch anbey
ein kleine Lauber=Hütten / damit ihme die Son
nen=Hitze nicht so hart könte zusetzen / auch liesse
der allmächtige GOtt ein Kürbes auffwach
sen / dessen grosse breite Blätter dem Prophe
ten einen angenehmen Schatten gemacht /
worüber er sich nicht ein wenig erfreut / aber
solche Begnügung hatte einen kleinen Be
stand / massen auß Befehl deß Allerhöchsten
in aller Frühe / noch vor Auffgang der Morgen
röth ein kleines Würmel den Kürbis zerbissen /
worauff er alsobald verdorret / und nach
mahls den brennenden Sonnen=Strahlen
freyen Paß auff das Haupt deß Propheten ge
ben / welches ihme so grossen Verdruß verur
sachet / daß er vor lauter Zorn vnd Ungedult
sich gegen GOTT nicht ein wenig beklagt / ja
so gar ohne Scheu sich hören lassen / daß er
auff solche Weiß lieber todt als lebendig wol
le seyn .
Ey du vngedultiger Jonas ! so kanst du
nicht leyden kleine Sonnen=Hitz ? so machen
dir die Sonnen=Strahlen so grosse Quälen ?
aber ✾ (14)✾
aber du bist nicht allein so häcklich / deines glei
chen find man / sieht man / hört man unzahlbare
Adams=Kinder / welche die allergeringste Hitze
nicht können außstehen / wann sie von einem ei
nigen Tropffen Pettschierwax getroffen wer
den / so muß auwe hundert vnd neun vnd neun
tzigmahl widerhohlt werden / wann sie mit blos
sen Händen nur ein Liecht butzen / so schnellen sie
mit den Fingern / als hätten sie dem Feuer=spey
enden Berg Ætna in den Busen griffen ;
wann sie mit einem heissen Löffel = Suppen das
Maul verbrennen / so jammern vnd lamentiren
sie / daß auch die Augen derentwegen in die
Schwemm reiten . O GOtt ! O Himmel !
wie wird euch dann das Feegfeuer ankommen /
gegen dessen Schmertzen / alle Pein der Welt
nur für ein Schertzen zu halten .
Ein Truck under der Preß sagt / ich leide ;
ein Haar oder Flachs durch die Hächel sagt /
ich leyde . Ein Amboß vnder dem Hammer
sagt / ich leyde . Ein Brett vnder dem Hobel
sagt / ich leyde . Ein Weyrach auff der Glut
sagt / ich leyde . Ein Braten an dem Spieß
sagt / ich leyde . Ein Erd vnder dem Pflug sagt /
ich leyde . Ein Traydkörnel vnder dem Mühl=
Stein sagt / ich leyde . Ein jeder Mensch / so
geplagt wird / sagt / ich leyde / ich leyde : Aber
hört ein wenig / macht die Ohren auff / wann
man ✾ (15)✾
man euch sagt / daß all euer Leyden / nur Freu
den seyn gegen dem Feegfeuer .
Laß dir mit glüenden Pfriemen außste
chen die Augen / dise gläserne Kuppler ; laß dir
mit glünendem glüendem Messer abschneiden die Nasen /
disen pollierten Rauchfang ; laß dir mit glü
enden Scheeren abschneiden die Ohren / dise
zwey Audienz- Zimmer; laß dir mit glüen
dem Schnitzer außschneiden die Zung / disen so
künstlichen Sprachmeister ; laß dir mit glüen
den Zangen außbrechen die Zähn / dise helffen
beinene Zuschrotter ; laß dir mit glüendem
Beyl abhauen die Finger / dise so spitzfindige
Künstler ; laß dir mit glüenden Stämmeisen
abhacken die Zehen / disen so steiffen Fußboden ;
laß dir mit glüenden Scheermessern Riemen
schneiden auß der gantzen Haut / auß disem so
häcklichen Uberzug / so ist doch alles dises nur
ein Schatten / mehr nichts als ein Schatten /
weiter nichts als ein Schatten gegen der min
desten Pein im Feegfeuer .
Alles Auwe wegen deß Augenweh / alles
auwe wegen deß Zähnweh / alles auwe wegen
deß Halsweh / alles auwe wegen deß Brust
weh / alles auwe wegen deß Ruckenweh / alles
auwe wegen deß Seitenweh / alles auwe we
gen deß Hertzweh / alles auwe wegen deß
Miltzweh / alles auwe / so der Mensch am Leib /
im ✾ (16)✾
im Leib / vmb den Leib erlitten hat / vnd noch
leidet / vnd ferners leiden wird / ist / ist / ist / was ?
ist nur ein Einbildung / ein Gedicht / nur ein ge
mahltes Wesen gegen dem Feegfeuer .
Wie ist dir Jeremias gewesen in der Gru
ben ? übel / das glaubt man . Wie ist dir Jo
seph gewesen in der Gefängnus ? übel / das
glaubt man . Wie ist euch Burgern gewest
in der Brunst zu Sodoma / vnd Comorra ?
übel / das glaubt man . Wie ist dir Achan ge
west vnder dem Steinhauffen ? übel / das glaubt
man . Wie ist dir Absalon gewest an dem
Eichbaum ? übel / das glaubt man . Wie ist
dir Samson gewest / da du an Händ vnd Füsse
gebunden worden ? übel / das glaubt man .
Wie ist euch armen Seelen im Feegfeuer ?
übel / übel ! Aber das will kein Mensch glauben /
vnd kans kein Mensch glauben / O GOtt !
Die Costnitzer Chronick registriret ein
wunderseltzame Geschicht / so sich nach Christi
Geburt Anno 1134 . soll zugetragen haben .
Herr Albrecht Freyherr von Zimmern bediente
mehrmahl den Hof deß Hertzog Friderich in
Schwaben / einsmahls begleitete er den Her
tzog / sambt den Fürstlichen Hof biß nacher
Monheimb zu dem Grafen Erhingern / allwo
neben andern Lustbarkeiten auch ein Jagt wur
de angestellt / meistens darumb / weil in dem
nächst ✾ (17)✾
nächst entlegenen Wald von vilen Jahren her /
ein Hirsch von einer vngeheuren Grösse / so aber
niemahl von den Jägern konte erdapt werden .
Als nun der Fürst mit dem häuffigen Adel in
würcklicher Jagt begriffen / vnd Herr Albrecht
von Zimmern hierinn nit der mindeste seyn wol
te / hat sich vngefähr zugetragen / in dem besag
ter Cavalier auff die Seiten in etwas geritten /
daß ihme der grosse Hirsch vnder die Augen
kommen / dem er mit allen Eyfer vnd möglich
sten Fleiß nachgesetzt / dergestalten / daß er sich
von der Hofstadt gäntzlich verlohren / vnd als
er vermeinte den Hirschen schon zu haben / da
ist an statt dessen ein grosser Mann vor ihm ge
standen / worvon der sonst vnerschrockene Ca
valier sich nicht ein wenig entrüst / endlich redet
ihn diser Geist folgender Gestalten an : Förch
te dir nit Albrecht / dann ich habe einen beson
dern Befehl von GOtt dir etwas hochwichti
ges anzudeuten / reite mit mir / so wird ein vn
erhörte Sach geoffenbahret werden . Albrecht
von Zimmern / weil er von GOtt gehört / wei
gerte solches gar nicht / folgte ohne weitere
Forcht dem Geist / biß sie endlich zu einem herr
lichen Pallast gelangt / in dessen Mitte ein sehr
kostbarer Saal zu sehen war / darinn ein grosse
Taffel voller hochansehlicher adelicher Gäst /
welche alle sich zeigten / jedoch mit höchstem
B Still= ✾ (18)✾
Sillschweigen Stillschweigen / als thäten sie essen / wie nun
Herr Albrecht / alles genaue besichtiget / vnd
sich nicht genug hierüber konte verwundern / be
kombt er von dem Geist ein Befehl / daß er sich
wider auff den Zuruckweeg solle begeben / wel
ches auch ohne fernern Verzug geschehen / der
Geist aber fragte ihn / was er von diser Sach
halte / vnd was er vermeine wer dise seyn ?
Als solches der Freyherr mit nein beantworte
te / so dann offenbahrte ihme der Geist / wie daß
solches sein Freundschafft seye / so schon vor
vilen Jahren mit Tod abgangen / anjetzo aber
wegen gewissen Sünden / noch in zeitlicher
Straff lige / vnd vnglaubliche Peinen leyde /
worüber diser Geist auch verschwunden ; Herr
Albrecht wolte noch einmahl vmbschauen / vnd
den wunderschönen Pallast noch einmahl an
blicken / sihet aber daß selbiger in völligem Feu
er vnd Flammen / mit erschröcklichem praßlen
deß Schwefels vnd Pechs / dann auch ein weh
mütiges Schreyen vnd lamentiren / worüber
er dergestalten erschrocken / daß vneracht er ein
Cavalier von etlich vnd dreissig Jahren / am
gantzen Kopff schnee=weiß worden wie ein eiß
grauer Mann / welches den Hertzog vnd die
gesambten Hofstadt in höchste Verwunderung
gestellet ; Bald hernach ist zu Trost der ver
storbenen Christglaubigen / forderist seiner
Freund= ✾ (19)✾
Freundschafft / eine schöne Kirchen / sambt ei
nem Jungfrau=Closter dahin gebauet worden .
Chronic . Constant .
Reden last sich vil / aber nit genug / erzeh
len last sich vil / aber nit genug / mahlen last
sich vil / aber nit genug / schreiben last sich vil
von dem Feeg=Feuer vnd dessen grösten Peyn /
aber nit genug / nie genug ; Gleich wie nun
ein Jgel über vnd über voller Spitz vnd
Spieß / vnd gäntzlich nichts linds an ihm /
sondern alles nur zum verwunden vnd beley
digen / also ist in jenem zeitlichen Kercker nichts
zu sehen / zu hören / zu riechen / zu ko
sten / zu fühlen / als lauter
weh / weh / weh .
B 2
Prospe-
✾ (20)✾
ICL
.
Prosperè Si prosperè .
FEstinate orare pro Defunctis Ecclesiæ .
S . Pater Augustinus sermon . 44 . ad ffr :
in Erem .
Eylt / eylt zu betten für die verstorbene
Christglaubige . Spricht der Heil . Vat
ter Augustinus .
NAchdem die übergebenedeite Jung
frau Maria durch Uberschattung deß
H . Geistes / GOttes Sohn in ihrem
reinesten Leib empfangen / hat Sie sich alsobald
auff die Reiß gemacht / ihre liebste Mäimb vnd
Baaß ✾ (21)✾
Baaß Elisabeth / so dazumahl im sechsten Mo
nat groß Leibs gangen / zu besuchen / vnd folg
samb zu bedienen / sie hat aber solche Raiß in al
ler Eyl vollzogen / massen sie den ersten Tag
deß Aprilis an einem Freitag / ( wie Colvene
rius zeugt / ) außgangen / vnd am Montag schon
bey Zeiten in dem Hauß Zachariæ / vngeacht
deß grossen vnd harten Gebirgs / sich eingefun
den / also in so wenig Tagen 95 wälsche / das ist
19 . teutsche Meil gemacht / welches an dem so
zarten Jungfräulein höchst zu verwundern /
wie dann solches der Evangelist selbst vmbstän
dig beschreibet / daß sie nemblich eylends gegan
gen über das Gebirg in die Stadt Juda / r c.
Luc . 1 . 40 . vers . weil sie wuste / daß durch ihre
Ankunfft der kleine Joannes noch im Mutter=
Leib von dem Band der Erbsünd solte loß ge
machet werden / also hat sie solche Reiß ohne
einigen Auffenthalt / auffs allerschleunigste
vollzogen / gantz eylends / vns zu einer sonder
bahren Lehr ; Wann wir doch wollen der
mahlen vnserem Nächsten auß einem Elend
helffen / daß wir solche Hülff im geringsten
nicht auffschieben / sondern ohne weitern Ver
zug vnsere barmhertzige Hände darreichen / ey
lends / eylends .
Nichts tyrannischer vnd grausamer kan
erdacht werden / als wann wir die Hülff gegen
B 3 den ✾ (22)✾
den abgestorbenen Christglaubigen auff so lan
ge Banck schieben . Wann ein Todsfall ge
schicht / ist meistens das erste Schicken zu dem
Schneider / damit die Klag=Kleyder ohne Hin
dernuß verfertiget werden / vnderdessen bratet /
vnd brinnet er ; man schickt zu zwey oder drey
Tischler / welcher vmb leichtern Werth die
Truhen mache / vnderdessen brat er / vnd brinnt
er ; Man deutet es der Obrigkeit an wegen
der gewöhnlichen Sper / vnderdessen brat er /
vnd brinnt er ; Man thut es der gantzen
Freundschafft zu wissen / vnderdessen bratet er /
vnd brinnet er ; mit harter Mühe deß folgen
den Tags wird ein oder andere H . Meß gele
sen . Die Pia Legata können dermahl nicht
abgestattet werden / dann das Testament hat
ein Clausel / auß welchen vermuthlich ein Pro
cess geschmidet wird / der sich aber vor Jahr
vnd Tag nicht enden wird / vnderdessen bratet
er / vnd brinnet er . Kurtz vor seinem Tod / hat
mir mein Vatter aufferlegt / ich solt dise
Schuld bezahlen / welches auch / geliebts
GOtt / geschehen soll / aber ich will erst warten
in was für einem Preiß heuer das Traidt wer
de kommen / vnderdessen bratet er / vnd brinnet
er . Die Kirchfahrt die er nacher Maria Zell
verlobt / soll ich so bald es nur möglich / an statt
seiner verrichten / aber dermahl weil es Herbst
zeit / ✾ (23)✾
zeit / vnd der Wein=Garten ein wachtsames
Aug braucht / kans nicht seyn / will sehen / wie
es sich im Frühling wird schicken / vnderdessen
brat er / vnd brinnt er . O Grausambkeit ei
nes solchen Tyger=Hertzen / eines solchen stein
harten Gemüts !
Wie der verlohrne Sohn wider auß den
Ländern vnd Elenden kommen / vnd dem alten
Vatter zu Füssen gefallen / wie der Vatter ge
sehen / daß er vor Hunger so außgemerglet / vnd
so wenig Fleisch / als deß Samsons gebrauchter
Esels=Kinbacken ; wie er war gekommen / daß
er sal . ven . kein Schuch an Füssen / vnd nur
zum Kraut=eintretten gericht / der als ein Un
kraut gelebt ; wie er vermerckt / daß sein Rock
so voller Löcher / als hätten die Erdmäuß da
rinnen ihren Tummel=Platz ; wie er gesehen
den elenden Auffzug vnd mühseeligen Standt
seines Sohns / da hat er / der liebe Vatter be
fohlen / citò proferte , &c . geschwind / daß man
ihme ein neues Kleid anlege / citò , geschwind /
daß man zu der Kuchel schaue / vnd ein Mittag=
Mahl zurichte / citò , geschwind vnd eylends / r c.
Mein Vatter / last lieber den saubern Gesellen
noch etliche Tage in seinen Hadern herumb
schlampen / vielleicht buelen die Papiermacher
vmb ihn / last ihn einige Zeit fasten / er hat ohne
das zu vil gelöffelt / last ihn noch ein Weil ley
B 4 den / ✾ (24)✾
den / damit es ihme ein Witzigung seye : Ach
nein / sagte der Vatter / ich kunt es über mein
Hertz nicht nehmen / er ist mein Fleisch vnd
Blut ! Jch kan nicht auch nur ein Viertel=
Stund mehr zusehen / daß er solche Noth soll
leyden / citò , citò , Luc . 15 .
Wie könnet dann ihr Kinder vmb GOt
tes willen / wie könt ihr ein so stachel=hartes
Hertz haben / vnd zulassen / daß euer liebste El
tern nicht nur ein Viertel=Stund leiden / son
dern so vil Jahr vnd Zeit ; Dann erwegt nur /
daß ein einige Viertel=Stund / an welcher ihr
die H . Meß / das Allmosen auffschiebt / ihn vil
Jahr gedunckt zu seyn . Nur gar zu bekandt
ist jene Geschicht / so sich mit zweyen frommen
vnd gottseeligen Religiosen zugetragen / welche
als vertrauteste Freund vnder ihnen disen Pact
gemacht / daß wer vor dem andern werde mit
Tod abgehen / vor den soll der Lebendige also
bald das H . Meß=Opffer verrichten / vnd zwar
ohne den geringsten Verzug / welches auch al
so vermög deß Versprechens geschehen / aber
nach vollendter H . Meß erscheinet der Todte
dem Lebendigen / ropffte ihme vor seine Nach
lässigkeit / daß er seinen Schwur / vnd so treu
em Versprechen nicht nachkommen / vmb weil
er grausamer Weiß ihn zwantzig gantzer Jahr
im Feegfeuer gelassen : Mit nichten / antwort
der ✾ (25)✾
der Lebendige / deme sey nicht also / es seye erst
ein halbe Stund daß er Tods verblichen / vnd
den Augenblick gleichsamb nach seinem Hin
scheiden / habe er die H . Meß angefangen .
Wann deme also / sagt hinwider der Todte / so
muß man bekennen / daß einem im Feegfeuer
ein einige halbe Stund vorkomme wie 20 . gan
tzer Jahr . Biga solut . sermo . de Sanct .
Citò , citò , wohlan dann barmhertzige
Gemüther / verweilet nicht einen Augenblick de
nen Verstorbenen zu helffen / schiebt es nicht
ein Viertel=Stund auff vor sie zu betten / last
doch vmb GOttes willen nicht hören das Mor
gen / das Ubermorgen / das ein andersmahl /
sondern gleich jetzt / jetzt / da die Seel vom Leib
geschiden / werfft ein Allmosen in die Händ der
Armen / jetzt / da der Cörper noch warm / schickt
in die Kirchen vnd GOtts=Häuser zu betten /
jetzt / da man ihm die Augen zutruckt / erhebet
eure Augen gen Himmel / vnd seufftzet vmb
Barmhertzigkeit bey dem allmächtigen GOtt .
Citò , citò . Wann deß Nächsten Hauß
brinnet / vnd alles im Feuer stehet vnd stecket / ist
doch niemand der nicht laufft und schnaufft /
vnd sucht zu löschen / vnd wir sollen können zu
sehen / daß etliche Tage / etliche Monat / ja vil
Jahr vnd Zeit vnsere Eltern / vnsere Freunde
vnd Anverwandte / sollen im Feuer vnd Flam
B 5 men ✾ (26)✾
men ligen ? Ach nein / das soll man von eines
Menschen Hertzen nicht vermuthen .
Abraham , Abraham , der GOttsförchtige
Patriarch / macht vns vil zu Schanden ; Er
hat auff eine Zeit 3 . frembde Männer erblickt /
denen er nicht allein entgegen gangen / sondern
geloffen / cucurrit , selbe demüthigst ersucht / sie
wollen doch die Einkehr bey ihme nehmen / er
seye erbietig ihnen die Füsse zu waschen / vnd sie
mit einem Bissen Brod zu bedienen : Das
war noch nicht genug / Abraham eylte in die
Hütten zu der Sara / eyle / sagt er / vnd bache
geschwind ein weiß Brod für die Leuthe / er
aber lieff zum Vieh vnd hollte das beste Kalb /
gabe es dem Knaben / vnd diser eylte / vnd koch
te es / Gen . 18 . Wer seynd doch dise gewest /
wessenthalben sie zu bedienen man allerseits
eylte in dem Hauß deß Abrahams ? Abraham
currit , Uxor festinat , Puer accelerat , &c .
Orig . Tom . 4 . in Gen . Frembde seynd sie ge
west / die der Abraham nie gesehen noch gekent .
Pfui der Schand bey vns ! Abraham
springt den Frembden so eylends bey / vnd wir
unsern nächsten Bluts=Verwandten in jener
Welt so lau vnd langsam ; er spendiert ihnen
alsobald ein weisses Brod / vnd wir lassen offt
etliche Tag vnd Wochen verstreichen / biß wir
ihnen ein Bissel vergönnen vnd vorlegen von
dem ✾ (27)✾
dem schneeweissen Brod der Engeln . Jch will /
sagt mancher / wol etliche H . Messen lesen las
sen / aber ich muß vorhero wissen / ob es die Ver
lassenschafft außträgt / was für Schuldner sich
nach vnd nach werden einfinden / damit ich mit
der weil nicht mit lauter Meß=Opffer das
Meinige auch auffopffern : vnterdessen heist es
so vil als last ihn brinnen vnd braten . O eyß
kalte Hertzen ! habt ihr doch ein Mitleyden /
wann ein Hund mit einem Stein getroffen
wird / vnd durchs Geschrey vnd Wimbseln
sein Zuflucht zu euch nimbt : Wie könt ihr dann
zusehen / zulassen / zuhören / daß eure eigene Be
freundte / oder beste Bekandte / so lang warten
müssen in Feuer vnd Flammen auff euer Hülff !
Citò , citò , ach eylet / eylet doch vmb GOttes
Willen ihnen zu helffen / vnd feuret nicht einen
Augenblick wegen deß vnbeschreiblichen Feu
ers / nehmet dißfalls die Schnelle deß Hirschen
an euch / damit ein jeder zu seiner Zeit mit dem
Psalmisten David sprechen könne : Perfe
cit pedes meos tanquam Cervorum Psal 17 .
Er hat meine Füß den Hirschen gleich
gesetzt .
Accipit
✾ (28)✾
Accipit & reddit .
O Homo , ut tui miseratur Deus , fac ut pro
ximo miserearis in purgatorio ; nam
tantum tibi miserebitur Deus , quantum tu mi
sereberis proximo . Ora ergo pro Defunctis .
S . P . Augustinus serm . ad ffr . in Eremo .
Wilst du O Mensch / sagt der Heili
ge Vatter Augustinus / wilst du daß Gott
sich deiner erbarme / sihe zu / daß du inglei
chem deinem im Feegfeuer ligenden Näch
sten Barmhertzigkeit erweisest / dan̅ in so vil
wird GOtt dir in seiner Erbarmung mit
theilen / ✾ (29)✾
theilen / wie vil du dich über deinen Näch
sten wirst erbarmet haben ; So bitte dann
für die Abgestorbene .
WJe WIe Anno 1683 . der Ottomanni
sche Erb=Feind durch sondere Ver
hängnus GOttes / mit einer so gros
sen Kriegs=Macht den meisten Theil deß Unter=
Oesterreichs überschwembt / vnd auff grausame
Weiß mit den Christen verfahren / da haben
sich etliche zu Solenau / ein Ort gegen 5 . Meil
von Wienn entlegen / vmb weilen ihnen aller
Weeg zum fliehen abgeschnitten war / reterirt
in das Todtenbein=Hauß / auff den Freydhoff /
worinn sie / vngeacht so viler vnd mannigfalti
ger Nachstellung etliche Wochen sich auffge
halten / vnd nur zu weilen bey nächtlicher Zeit
behutsam herauß gekrochen / da vnd dort eini
ge Lebens=Mittel gesucht / vnd solche wider mit
sich in die Todten-Retirada genommen : Nach
deme endlich der Ottomannische Monschein
ein Finsternus gelitten / vnd diser Christliche
Erbfeind hat müssen das Fersen=Geld geben /
seynd obgedachte / nicht ohne sondern Trost auß
ihrem Todten=Hauß hervor gangen / GOtt
dem Allmächtigen höchstens gedanckt vmb wei
len sie durch die Todte das Leben erhalten .
Das zeitliche Leben ist endlich nit so hoch
zu ach= ✾ (30)✾
zu achten / zumahlen es nur ein verdrießlicher
Arrest der Seelen / in dem wilden Kercker deß
sterblichen Leibs ist : entgegen ist mit höchstem
Fleiß auff alle erdenckliche Weiß dahin zu trach
ten / wie wir können das ewige Leben erwerben /
so aber gewisser vnd sicherer nicht geschehen
kan / als durch die Todte / da wir nehmlich vns
der Todten annehmen / vnd den verstorbenen
Christglaubigen in jener Welt / einige Hülff
reichen werden .
Dann zu wissen / daß wann wir auch alle
vnsere gute Wercke den armen Seelen im
Feegfeuer schencken / solche auff kein Weiß in
Verlust gehen / sondern noch doppelt / ja hun
dertfältigen Nutzen hierauß schöpffen : Und
geschicht es auff gleiche Weiß / wie mit den
Brüdern deß Joseph . Dise saubere Gäst
wurden durch die harte Hungers=Noth dahin
gezwungen / daß sie müsten gar in Egypten
reisen / daselbst vmb das baare Geld Traid ein
zuhandlen / es geschahe aber / daß gleich dazu
mahl das völlige Governo deß gantzen König
reichs ihr Bruder Joseph führte / den sie schon
längst für Todt gehalten / oder wenigst glaub
ten sie / daß er etwan zu End der Welt s . v . ei
nen Sau=Hirten abgebe / Joseph erkannte dise
schlimme Gesellen alsobald / sich aber gab er nit
zu erkennen / sondern ließ sie fein sauber vnder
dem ✾ (31)✾
dem Schein als wären sie Verräther vnd Auß
speher in die Keuchen werffen / ( auff solche Köpff
gehört kein andere Laug / ) endlich verwilligt er
neben Darlegung deß Gelds / daß man ihnen
das Traidt solle lassen erfolgen / befilcht aber in
der Geheime / man solle einem jeden sein Geld
ohne dero wissen in Sack hinein legen / so auch
geschehen ; Wie sie nun nach langer Reiß na
cher Hauß kommen / vnd ihr Traid bereits auß
geschüttet / da haben sie mit höchster Verwun
derung wahrgenom̅en / daß ein jeder sein Geld /
so er außgeben / wider zuruck bekommen / sambt
einem reichen Vorrath vom Traid Gen . 42 .
Auff gleiche Weiß begegnet allen den Je
nigen / welche all ihr Andacht vnd gute Wercke
den armen Seelen im Feeg=Feuer schencken /
H . Messen schencken / H . Ablaß schencken / H .
Allmosen schencken / H . H. Fasten schencken / Heil .
Communion schencken / H . Wallfahrten schen
cken / r c. alles dises / was sie dermahlen auß mit
leydendem Hertzen den armen Verstorbenen
spendiren / bekommen sie gleich nach ihrem Tod
widerumb / vnd noch darbey einen grossen Vor
rath der Göttlichen Barmhertzigkeit / massen
der Allerhöchste in Ansehung solcher Lieb deß
Nächsten nicht anderst kan / als auch sich ihrer
zu erbarmen . Dahero spricht mehrmahl vnser
H . Vatter Augustinus : Igitur pro mortuis
semper ✾ (32)✾
semper orandum est , & sic malâ morte perire
non poterimus . S . P . August . in Psalm . 40 .
Wir sollen in allweeg vnd allzeit für die verstor
bene Christglaubige betten / dann solcher Ge
stalten können wir einen bösen vnd vnglücksee
ligen Tod nicht nehmen .
Die H . Jungfrau Gertraud / vmb weilen
sie auß purem Mitleyden gegen den armen
Seelen alle ihre gute Werck ihnen überlassen /
thäte sich nicht ein wenig bekümmern in ihrem
Todbettlein / auß Forcht / sie möchte etwan selbst
wegen Mangel der guten Werck Noth leyden /
indem sie nun in solchen Aengsten begriffen / er
scheinet ihr Christus der HErr / vnd redet sie
trostreich also an : Damit du sehest vnd sattsam
erkennest / wie werth vnd angenehm mir dein
mildhertzige Lieb seye gewesen / welche du gegen
den armen Seelen im Feegfeuer getragen / so
laß ich hiemit alle Straffen nach / die du hättest
sollen in demselben außstehen / vnd weil ich für
die Werck der Barmhertzigkeit habe hundert
fältige Belohnung versprochen / also will ich
dich nicht allein vngestraffter lassen / sondern
noch anbey dein Glory in der Ewigkeit vermeh
ren . Dionys . Carthus . lib . de San .
Jener Religios von deme Baronius regi
stri ret / hat es genugsam erfahren / daß sich
GOtt eines solchen erbarme / der sich auch über
die ✾ (33)✾
die armen Seelen erbarmet hat / massen diser
nach seinem zeitlichen Hintritt mit vilen andern
Seelen / so gleich dazumahl in derselbigen
Stund von hinnen abgeschiden / vor dem Gött
lichen Richterstul gestellt / vnd von den bösen
Geistern dermassen hart angeklagt worden / daß
bereits über ihn solte gefällt werden das Urtheil
der ewigen Verdamnuß . Weil er aber seyn
Lebtag ein sonderbahrer Liebhaber der armen
Seelen gewest / vnd selbiger in seinem Gebett
nie vergessen / also hat GOtt in Ansehung diser
Lieb zu den abgestorbenen Christglaubigen /
auch vermittels der Vorbitt der armen See
len / ihn verschonet / vnd beynebens anbefohlen /
er solle widerumb zum Leben kehren / vnd noch
genugsame Buß auff der Welt würcken . Tom .
9 . ad Ann . 716 .
Wer in Himmel will kommen hinauff / der
schick den armen Seelen einige Hülff hinunter ;
Wer erhalten will das ewige Leben / der verges
se nicht der Todten ; Wer gelangen will zur
Seeligkeit / der helff den armen Seelen auß
ihrer Müheseeligkeit ; Wer kommen will zu
dem ewigen Abendmahl / der fast für die armen
Seelen im Feegfeuer ; Wer will / daß er ewig
soll brinnen in der Liebe GOttes / der lösche den
armen Seelen das Feegfeuer auß ; Wer will
daß ihme GOtt solle die Sünden nachlassen /
C der ✾ (34)✾
der schencke den armen Seelen einen Ablaß ;
Wer gelangen will zu dem himmlischen Vat
terland / der spendiere offt denen armen See
len einige Vatter Unser ; Wer will kommen
zu dem ewigen Liecht / der führe die arme See
len auß der Finsternuß ; Wer will / daß sich
GOtt seiner dazumahl soll erbarmen / der er
barme sich dermahlen der armen Seelen im
Feegfeuer .
Unmöglich scheint es / daß jemand / so ein
mildhertziger / Hülffräicher der armen Seelen
ist / könne ewig verlohren werden / zumahlen sol
che Seelen vnauffhörlich für ihre Gutthäter zu
GOtt dem Allmächtigen schreyen vnd seufftzen :
Es gibt der Exempel genug / daß solche Seelen
ihre Liebhaber bey nächtlicher Weil auß dem
Schlaff auffgeweckt / vnd sie ihres herbeyna
hendes Sterbstündleins erinnert : Es gibt der
Exempel vil daß solche Seelen ihre Patronen
auß augenscheinlichen Todts=Gefahr errettet /
damit sie nit im Stand einer Todtsünd möch
ten sterben : Es gibt der Exempel nicht wenig /
daß solche Seelen den Gutthätern in ihrem
Sterbstündlein beygestanden / vnd ihnen in sol
chem letzten Streit haben helffen victorisi ren.
Binetus schreibet selbst von einem / der sonst ei
nes vntadelhafften Wandels war / daß er in
seiner tödtlichen Kranckheit / nicht allein von
dem ✾ (35)✾
dem Leibs=Schmertzen / sondern forderst von
den Gewissens=Scrupeln also geplagt worden /
daß er bereits in der Gefahr der Verzweiff
lung gestanden / aber bald sahe er einige Heili
ge vom Himmel steigen / welche ihme in dessen
harten Kampff beygestanden / mit verlauten /
sie seyn die Jenige / die er mit seinem Gebett
vnd guten Wercken aus dem Feegfeuer zum
Himmel befördert habe / anjetzo wollen sie auch
solche Gutthat erwidern / vnd ihn den geraden
Weeg zum ewigen Leben führen . De statu ani
mar . c . 1 .
Gleich wie nun das jenige Traydt / so in
den obern Mühlstein geschüttet wird / nicht in
Verlust gehet / sondern es kombt wider vnter
halb hervor / vnd zwar weit besser / schöner vnd
nutzlicher / gestalten es in das beste Mehl ver
wandelt worden ; Deßgleichen seynd alle vn
sere gute Werck / so wir denen armen Seelen
im Feegfeuer schencken vnd schicken / nit vmb
sonst hinweg geworffen / sondern wir finden die
wider in jener Welt / vnd weit besser / wegen
der Lieb zu vnsern Nächsten / krafft solcher GOtt
auch sich vnser erbarmet / vnd vns das Jenige
gütigist ertheilet / zu dem wir ihnen ver
hülfflich gewest seyn .
C 2
Major
✾ (36)✾
Major conceditur , negatur
minor .
ILlo transito̅rio igne , de quo paulò ante A
postolus , ipse autem salvus erit , sic tamen
quasi per ignem ; non Capitalia , sed minuta
Peccata purgantur .
S . P . Augustinus serm . 41 .
de Sanctis .
Durch dises zeitliche Feuer / von de
me kurtz vorhero der H . Apostel Meldung
gethan : Er wird seelig werden / gleichwol
dergestalt durch das Feuer . 1 . ad Co
rinth . 13 . werden nicht die gröste Haupt=
oder ✾ (37)✾
oder Tod=Sünden / sondern die kleine vnd
läßliche Sünden gereiniget / also spricht vn
ser H . Vatter Augustinus .
JN der Schwedischen Unruh / be
nantlich vmb das Jahr Christi 1631 .
zoge von Jngolstatt hinweg der
sehr gelehrte Mann / vnd berühmte Professor
daselbst / Pater Adamus Tanner , ein Priester
der Socie tät JEsu / kame nacher Passau / von
dannen setzte er sein Raiß weiter in Tyrol / als
in sein Vatterland / es zoge ihm aber auch nach
der Todt / vnd traff ihn an in einem Dorff / mit
Nahmen Umken / da starbe er gottseelig / vnd
war ein sehr grosse Red von ihm / daß er bey
Lebzeiten ein sehr gelehrter Mann sey gewesen /
indeme aber seine Kleyder außgesucht worden /
fand man bey ihme ein Microscopium , oder
künstliches sauber gefastes Mucken=Gläßl /
welches die kleineste Ding so darinn verschlos
sen werden / groß macht / vnd auß einer Mu
cken einen Elephanten / wie man pflegt zu reden ;
Dazumahl war gleich ein Floch darinnen ein
gesperrt / die gute einfältige Zuseher wusten nit
was dises Pixlein vnd Glaß möchte seyn / gaf
fen doch darein / vnd sehen ein haariges abscheu
liches Thier mit einem vngeheurigen Schna
bel / erschrecken hierüber nit wenig / vnd werden
C 3 letzlich ✾ (38)✾
letzlich eins / daß müse der lebendige Teuffel
seyn den diser Jesuiter mit sich herumb gefüh
ret habe / darumben gar kein Wunder / daß er
ein so gelehrter Mann gewesen / als der einen
schwartzen Engel für einen Lehrmeister gehabt /
wolten also deß guten Paters , als eines ver
meinten Zauberes Leichnam nit in das geweyh
te Erdreich bestatten . Diser Ruff kombt al
sobald weiter / vnd gar nacher Passau zu den
Ohren eines vornehmen Manns / der ein son
derer Freund war deß Pater Tanners , welcher
dann ohne einige Verweilung sich auffge
macht / die gute Bauren besser zu berichten /
kombt auff Umcken / fangt ihnen an zu sagen /
wie daß dises kein Teuffel / sondern ein armer
gefangener Floch / der doch zehenmal grösser
scheine als er von Natur sey / vnd dises auß
Mathemati scher Kunst ; schütt hierauff nicht
ohne Schrecken der vmbstehenden Bauren / den
eingebildeten Teuffel herauß / welcher doch
nichts anders war / als ein blosser Floch / last
ihme hernach einen andern Floch herbey brin
gen / den die einfältige Leuth selbsten gefangen /
schliesset solchen in das Glaß / Microscopium
genannt / hinein / vnd befihlt ihnen darauff alles
wohl zu besichtigen / da lachte aber ein Jeder
dises vnruhigen herumb hupffeten Teuffels / als
der mehrmahl zehenfach grösser scheinte / als
zuvor / ✾ (39)✾
zuvor / worüber das Spiel ein End / vnd wurde
der fromme vnd wackere Mann mit sonderm
Gepräng vnd Zulauff begraben . P . Ott . in
Rom . glori 30 .
Jch muß bekennen / daß dergleichen lächer
liche Possen nicht sollen zu ernstlichen Sachen
gesellet werden / allein ist solches hieher gesetzet
worden / zu sehen die wunderliche Kunst / vnd
seltzame Griff der Mathematic , als welche mei
sterlich weiß kleine Sachen groß zu machen .
Wir vnbehutsame Adams=Kinder machen vn
sere tägliche / ja stündliche Mängel vnd Unvoll
kommenheiten allezeit klein / die läßliche Sün
den haben bey vns den ordinai Titul / vnd wer
den kleine Possen vnd Narradey benahmet /
aber bey GOtt dem Allmächtigen werden sie
für groß gehalten / vnd solche Mucken für Ele
phanten angesehen / auch derentwegen in jener
Welt / durch das Feegfeuer vnermeßlich ge
strafft .
Mahomet der Andere / hat einen auß sei
nen Edl=Knaben lassen lebendig auffschneiden /
vmb weil er einen verbottenen Apffel auß sei
nem Hof=Garten entfrembd . Fulgos , lib . 9 .
Ein Hertzog von Mäyland / schreibet Corius ,
hat einen Priester lassen Hunger sterben in der
Gefängnuß / weil solcher ihme vorgesagt / daß
er nur 9 . Jahr werde regiren . Wenceslaus
C 4 König ✾ (40)✾
König in Böhmen hat seinen Koch lassen leben
dig am Spieß braten / wie ein Jndianisch
Stuck / weil solcher ihme die Speisen nicht
nach seinem Gusto hat zugericht : Aber der ge
rechte GOtt züchtiget die kleine Verbrechen
weit schärpffer in jener Welt .
Antonius de Monte , einer von den ersten
Capucinern zu Rom / eines sehr frommen
Wandels / stunde auff ein Zeit bey der Nacht
auff / vnd gienge in die Kuchel / daselbst ein Licht
anzuzünden / merckt aber von fern in derselben
ein grosses Feuer / wessenthalben er sich nicht
genug könte verwundern / vmb weilen zu solcher
Zeit nicht gewöhnlich / ein Feuer zu brennen /
als er nun in die Kuchel getretten / da erblickt
er alsobald ein erbärmliches Spectackel / be
nanntlich zwey kohl=schwartze Mohren / welche
zwey Capuciner=Brüder / so vnlängst zuvor mit
Todt abgangen / an gantz glüenden Spiessen
gebraten ; Der fromme Pater , nachdem er sich
wegen grossen Schrecken in etwas erhohlt / be
fragt dise zwey / als vorhin seine gute Bekann
te / was doch dises bedeute ? Ob sie dann in
das ewige Feuer oder aber in das Zeitliche ver
urtheilt worden ? Worauff sie geantwortet /
daß sie zwar durch die grundlose Barmhertzig
keit GOttes dem ewigen entgangen / leyden
aber dise erschröckliche vnd vnermäßliche Peyn /
derent= ✾ (41)✾
derenthalben / was glaubt man hier / was ihr
Verbrechen gewesen sey ? Etwan haben sie ihre
strengen Regul=Fasten nicht nach Pflicht vnd
Schuldigkeit gehalten ? Das nicht : Vielleicht
seynd sie ihren Pater Quardian rebellisch gewe
sen / vnd ihn als ein rechte vnd vorgesetzte Ob
rigkeit veracht / oder andern Spott angethan ?
das noch weniger : etwan haben sie ihr von dem
Orden vorgeschriebenes Gebett Jahr vnd Tag
nicht verricht / oder wenigst selbst halbiert ? das
gar nicht : Vielleicht seynd sie wegen strenge
deß Ordens abtrinnig worden / etliche Jahr in
der Apostasia verharret / vnd endlich wegen na
genden Gewissens=Wurm wider zuruck ge
kehrt / aber für solches schwere Verbrechen nit
genugsame Buß gewürckt ? dises auff kein
Weiß : sonder GOtt macht auß einer Mucken
einen Elephanten / darumb seynd sie auff etliche
Jahr in dise grausame Pein verurtheilt wor
den / weil sie zu Zeiten bey dem Herdt vnnütze
Worte geredt / vnd manche Stund mit leeren
Geschwätz zugebracht . Annal . Capucc . p . 212 .
Joseph in Egypten muste zwey Jahr ligen
in der Keuchen / vnder der Erden / der doch
mehrer Englisch gelebt als irrdisch ; Joseph
muste ligen in Eysen und Band / welcher doch
gewest ist Gemüth halber gantz gulden ; Jo
seph muste verhafft seyn in der Finsternuß / der
C 5 doch ✾ (42)✾
doch jederman mit einem guten Exempel vor
geleucht ; Joseph muste gefangen ligen / der sich
von einem leichtfertigen Weib nicht hat fangen
lassen ; Joseph muste dergestalten leyden am
Leib / der nicht hat leyden wollen an der Un
schuld / warumb aber 2 . Jahr dise so harte
Straff ? Der H . Vatter Augustinus spricht :
daß GOtt den Joseph über ein oder zwey Tag
nicht hätte in der Gefängnuß gelassen / weil er
aber einen Fehler begangen / hat ihn der Aller
höchste derentwegen so scharpff gezüchtiget .
Serm . 82 . de Temp .
Was hat dann Joseph gestifft ? Villeicht
hat er einem den Halß brochen ? nichts der
gleichen : Vielleicht hat er geflucht vnd ge
wunschen / der Teuffel soll seyn Frau hohlen /
derenthalben er in das Vnglück gerathen ?
nichts dergleichen : sondern er hat ein läßliche
Sünd begangen / als er ein gar zu grosses Ver
trauen gesetzt hat auff den Mund=Schenck /
mit solchem Memento hat er sich versündiget .
Ein so leichte Sache / wird so hart gestraffet /
das heist ja auß einer Mucken einen Elephan
ten machen .
P . Jacobus Rem , ein Jesuiter eines gott
seeligen Wandels / ist nach dem Tod einem an
dern gantz lebhafft erschienen / jedoch in wilder
Kleidung / vnd sehr verstellten Angesicht / als er
aber ✾ (43)✾
aber derenthalben befragt worden / gäbe er dise
Antwort : Er leyde harte Pein in dem Feeg
feuer / vmb weil er ohne wissen seiner Obrigkeit
habe Disciplin gemacht vnd sich gegeißlet . An
nal . Ingolst . 1618 .
Vor 28 . Jahren in vnserm Kloster Ma
ria Brunn / vnweit Wienn / war ein alter Leyh=
Bruder / den wir wegen der kleinen Statur
nur den frommen Thomerl genennt / sein Leben
war gar einfältig / jedoch fromb vnd andäch
tig / vnd konte man ihme wenig außstellen / aus
ser daß er zuweilen in der Kuchel vnder dem
Abspühlen gemurrt ; Nachdeme diser mit Tod
abgangen / hat das gantze Convent etliche
Nächte nacheinander hören abwaschen / vnd
kaum / daß man mit Verwunderung halber die
Kuchel eröffnet / vnd nachmahls wider gesperrt /
hat das Abwaschen vnd Schüssel=setzen mehr
mahl seinen Anfang genommen ; nachdeme
aber etliche Andachten / vorderist heilige Meß=
Opffer für ihn verricht worden / ist im wenig
sten nichts mehr zu hören gewest .
Noch recht hat der Alexandrini sche Ma
carius gethan : Als diser H . Mann einest im
Gebett begriffen / vnd ihn vnversehenst ein We
spe gestochen / hat er sich / wie menschlich / gäh
erzürnet / vnd die Wespen vmbgebracht / nach
mahls aber in sich selbsten gangen / vnd ge
dacht / ✾ (44)✾
dacht / GOtt möchte ihn diser Ungedult halber
in jener Welt straffen / vnd auß einer Wespen
einen Elephanten machen / dahero ihme dise
Buß selbsten aufferlegt / vnd blutt=nackend
durch / 6 . gantzer Monat gestanden auff den
Sciti schen Feldern / vnd von den Wespen / de
ren allda ein vnzahlbare Anzahl / sich also zu
richten lassen / daß man ihn nicht mehr für einen
Menschen hat angesehen . Surius in vita .
O gerechter GOtt ! wie wird es dann den
jenigen ergehen / die nicht nur ein läßliche
Sünd / sondern mehrer als sie Haar auff dem
Kopff zehlen / begangen ? Wie den jenigen /
die so grosse vnd häuffige Todt=Sünden ge
than / für welche sie offt in der Beicht zu einer
Buß etliche Vatter Unser zu betten gewäigert .
Wann Religiosen vnd Ordens=Leuth sambt
ihren strengen Leben noch so hart leyden müssen
in dem Feegfeuer / was haben dann dieselbige
zu gewarten / die immerfort in Freuden
vnd Ergötzlichkeit ihr Leben
zubringen .
Pauci
✾ (45)✾
Pauci Electi .
NIhil sic probat amicum , quemadmodum
oneris amici supportatio .
lib . 12 . S . P .
Augustinus .
Nichts probiert vnd prüfet also einen
guten Freund / spricht der H . Vatter Au
gustinus / als wann Er seines Freundes
Last hilfft tragen .
FReund gibts genug / aber die da
seynd wie der Aal=Fisch / welcher mei
stens außschlüpffert / vnd den Reiß
auß nimbt / wann man vermeint ihn zum besten
zu halten .
Freund
✾ (46)✾
Freund gibts genug / aber die da seynd
wie das Quecksilber / so bald dises zum Feuer
gestellt wird / vnd solche Feuersnoth erblickt /
so nimbt es geschwind wie der Wind das Va
lete , vnd wird auß einem Quecksilber ein Geh
Weck=Silber .
Freund gibts genug / aber die da seynd
wie die Schwalben / so lang die lustige vnd an
nehmliche Sommerszeit dauret / so lang blei
ben sie bey vns / gleich aber da es anfanget kalt
zu werden / vnd kühl herzu gehen / da nehmen
sie mehrentheils hinder der Thür Urlaub .
Freund gibts gnug / aber die da seynd wie
die Sonnen=Uhr / welche sich so lang dienstlich
zeigt / wie lang die guldene Sonn pflegt zu schei
nen / so bald aber dise den Untergang nimbt /
alsdann ist bey ihr der Dienst auch auß .
Freund gibts gnug / aber die da seynd wie
die Egel / welche so lang einem anhangen / vnd
nicht von der Haut kommen / biß sie ihr Wam
pen gefüllt / nachgehends schämen sie sich nicht /
ob schon voller Blut / den Kehrauß zu nehmen .
Freund gibts gnug / aber die da seynd wie
die Mäuß / welche so lang im Hauß verblei
ben / so lang es in einem guten Standt ist / so
bald sie aber vermercken / daß selbiges allgemach
zu grund will gehen / vnd zu Boden fallen / so
dann ✾ (47)✾
dann verlassen sie es / vnd retiriren sich ander
werts hin .
Freund gibts gnug / aber die da seynd wie
die Vögel deß Nabuchodonoserischen Baums /
auff dem sie mit stätem singen vnd pfeiffen ihr
Wohnung hatten / so bald aber diser auß dem
Befelch deß Allerhöchsten ist vmbgehauen wor
den / da haben sich die saubere Vögel auch ver
lohren .
Freund gibts gnug / aber die da seynd wie
die Melaunen / auß denen fast die mehriste auß
wendig gut scheinen / wann man sie nachmahls
aber einwendig beschauet / so ist kaum auß ze
hen einer etwas nutz .
Freund gibts gnug / aber die da seynd wie
ein Bach / bey deme immerzu ein guter Rausch
anzutreffen / indeme von allen Bergen die Was
ser zulauffen / vnd mit ihme in gutem Rausch
leben / wann aber die gröste Hitz ist / da findet
man manichsmahl nicht einen Troffen Was
ser . O wie vil gibts dergleichen Freundschaff
ten ! wie offt hört man / diser vnd diser ist ge
storben / er ist mein guter Freund gewest / wir
haben offt einen guten Rausch miteinander
gehabt / tröst ihn GOtt . Mit disen ist die gan
tze Freundschafft bezahlt / jetzt da er in der grö
sten Hitze / in grösten Quälen deß Feegfeuers /
da aller Rausch ein End hat / ist nicht ein
Freund / ✾ (48)✾
Freund / der ihme ein Tropffen spendiert bey
diser Hitz .
Solche Freund seynd keine gute vnd rech
te Freund / die nur bey freundlichen Zeiten wol
len gute Freunde seyn .
Wie auß der Stadt Naim / ein Todter
zum Grab getragen worden / vnd zwar ein eini
ger Sohn einer reichen Wittib / da war ein
grosse Menge der Leuth bey diser Leiche / über
auß vil Herren / überauß vil Frauen / überauß
vil wackere junge Gesellen / r c. Aber der Evan
gelist sagt / daß sie nicht den Todten haben be
gleit / sondern die reiche wohlhabende Wittib /
welche bey stattlichen Mitteln / r c. Turba Ci
vitatis multa cum illa , Luc . 7 . Vil Volcks
auß der Stadt war mit ihr . Es hatte ja der
Verstorbene auch gute Freund gehabt ? Ja /
ja / nur gar vil / mit denen er Tag vnd Nacht
lustig vnd guter Ding gewest / vnd eben derent
halben ihme das Leben abgekürtzt / jetzt aber / da
er mit Tod abgangen / heist es nicht mehr mit
ihm / sondern mit ihr : Die Freundschafft hat
ein End / weil er todt ist ; aber ein solche Freund
schafft ist schlecht / vnd nicht recht / thut nichts
gelten / sondern ist zu schelten / verdient kein Lob /
weil sie so geringe Prob .
Ein guter Bruder / soll seyn wie ein Ru
der / dises braucht man meistens / wann ein
übler ✾ (49)✾
übler Wind ist ; Ein guter Gespan / soll seyn
wie ein Span / diser ist zum leuchten nöthig /
wann es finstere Zeit ist . Ein guter Camarad /
soll seyn wie ein Rad / welches forderst bey den
üblen Weeg / ein Beständigkeit erweist ; dann
ein guter Freund forderst in der Noth probi
ret wird .
Luc . am 11 . Capitel / erzehlt vnser gebe
nedeyter Heyland selbst / ein guter Freund /
sagt Er / kombt bey nächtlicher Weil für die
Thür / klofft klopfft an / macht ein Tumult / da jeder
man in dem ersten Schlaff / schreyt / sagt / klagt
vnd bitt den andern Freund / der in der Ruhe
ist / er wolle ihm doch die Freundschafft erwei
sen / vnd ihme drey einige Laibel Brod leyhen /
der zwar / wie es einen schläffrigen Menschen
leicht begegnet / wird hierüber vngedultig /
weil aber der andere nicht auffhört zu klopffen /
vnd zugleich sein guter Freund ist / so will er so
grob vnd vnfreundlich nicht seyn / daß er nicht
alsbald auffstehe / vnd dem guten Freund auß
der Noth helffe .
Es geschicht gar offt / vnd aber offt / daß
mancher bey der Nacht / wo alles still / alles in
der Ruhe / der Himmel voller Stern / etwas
hört / ein Tumult / ein Getöß / ein Klopffen /
sicht doch weiter nichts als einen finstern
Schatten / aber die Haar stehen ihm gen Berg /
D es ✾ (50)✾
es schaurt ihm die Haut / es klofft ihm das
Hertz / es rinnt ihme der kalte Schweiß über
das Angesicht herunter / er weiß nicht wer da /
wer diser / wer klopfft . Wohl auff mein guter
Mensch / du dörffst dessenthalben kein solchen
Schrecken fassen / weist dann nicht wer diser
ist ? Amicus Tuus , es ist dein guter Freund / er
ist vor wenig Zeit mit Tod abgangen / er muß
ein erschröckliche Straff in dem Feegfeuer auß
stehen / er hat nirgends wohin sein Zuflucht / als
zu dir / weil du je vnd allemahl sein guter Freund
warest / deßwegen klopfft er bey dir an / begehrt
von dir ein Hülff / vnd glaubt / daß du sein
Freund auch nach dem Todt in diser grösten
Noth werdest seyn .
Mir hat einer glaubwürdig erzehlt / auß
einer sehr berühmten Orden / auch mit einem
Schwur bestättiget / so annoch im Leben / vnd
eines guten Wandels : als er bey der Nacht
dem Studiren abgelegen / vmb weilen ihme die
Verhindernussen beym Tag zu häuffig / habe
ihme zwey Nacht nacheinander / ein vnsichtbare
Hand immerzu die Bibel / oder H . Schrifft
vor seiner vmbgeblättert / welches er Anfangs
für natürlich gehalten / der Meynung / als wur
den die Blätter von einem kleinen Wind be
rührt ; Nachdeme er aber einist den beiner
nen Streicher / als ein Signaculum in die Bibel
gesteckt / ✾ (51)✾
gesteckt / da hat er wahrgenommen / daß jemand
denselben vnsichtbarer herauß gezogen / vnd in
Gegenwart seiner in ein anders Orth in be sag
tem besagtem Buch gelegt / welches ihme wie billich / ei
nen Grausen verursacht / weil er sich aber an
dises auch nicht vil kehren wolte / da hat end
lich ein vnsichbare Hand widerumb den bei
nernen Streicher herauß genommen / vnd mit
solchem Gewalt auff den Tisch geschlagen / daß
er vor Schrecken fast in Ohnmacht gefallen /
deß andern Tags wolte er / weil ihme je mehr
vnd mehr Gedancken eingefallen / die Bibel
wohl beschauen / findt aber den Streicher wide
rumb darinn / vnd darzu mit dem Reißbley /
auff der Seiten deß Blats ein gemachtes
Creutzel / so ihn nicht wenig befrembdet / mei
stens darumb / weil auch ein NB . darbey gesetzt
war / welches ihn dann veranlast hat weiter zu
sehen / vnd zu lesen / was dann jene Zeil in sich
halte / so mit dem Creutzel bezeichnet / findt end
lich den kurtzen Text deß H . Evangelii : Dixit
ad Philippum , unde ememus panes ? Er
sprach zu dem Philipp / wo werden wir dann
Brod nehmen / Joann . am 6 . Capitel / dises hat
ihme alsobald die Gedächtnuß bewegt / daß er
nichts anderst gedacht / als daß sein bester
Freund mit Nahmen Philipp / der vor 14 .
Tagen mit Tod abgangen / noch fernere Hülff
D 2 von ✾ (52)✾
von ihme verlange / vnd forderst ein vnd andere
heilige Meß / in welchen das Brod der En
geln auffgesetzet wird / welches auch nach
mahls geschehen / worauff er nichts mehr ge
spühret .
So soll man dann niemahls seines gu
ten Freunds vergessen / absonderlich / wann sol
cher in jener Welt in harten zeitlichen Peinen
noch leidet / vnd ihme selbst nicht helffen kan /
da soll vns das NB . stäts vor Augen seyn .
NB . wie offt seynd wir lustig bey einander ge
west . NB . wie offt hat er mir etwas zu gefal
len gethan . NB . Er hat nicht einen halben
Tag können ohne meiner seyn . NB . Er hat
mehrmahl nicht einen Bissen Brod gehabt /
den er mit mir nicht getheilt . NB . Er wär
für mich in ein Feuer gangen / r c. So ist
dann billich / daß ich ihn auch in dem erschröck
lichen Feuer nicht verlasse / so seye es . Alle
Heil . Messen die ich höre / alle Heil . Commu
nion die ich verrichte / die Heil . Ablaß so ich ge
winne / das Allmosen so ich gibe / alle gute Werck
die ich übe / sollen ihme geschenckt seyn / biß
er erlöst wird .
Luemus,
✾ (53)✾
Luemus , si non abluemus .
PRiùs in hoc sæculo per DEI Justitiam
vel misericordiam amarissimis tribulatio
nibus sunt excoquendi , &c . aut certe lon
go igne Purgatorii cruciandi sunt , ut ad vitam
æternam sine macula perveniant .
S . P . Au
gustinus in Epist . ad Aurel .
Die jenige / so läßliche Sünden be
gangen / oder für die gebeichte Tod=Sün
den noch nicht genugsame Buß̅ haben ge
würcket / spricht der H . Vatter Au
gustinus / die müssen entweder auff diser
D 3 Welt ✾ (54)✾
Welt durch die allerbitterste Trübsal auß
gekocht werden / oder aber in jener Welt
seynd sie durch langes Feuer zu creutzigen
damit sie also ohne Mackel / zum ewigen
Leben eingehen .
NJemahl NIemahl / ich sags allezeit / niemahl
ich schreibs allezeit / niemahl ich be
kenns allezeit / niemahl ist in der Welt
ein solches Gebäu gestanden / wie da ware der
Tempel Salomonis , massen zu demselben allein
achtzig tausend Steinhauer gebraucht worden :
Unkosten auff dises so herrliche Gebäu seynd
auffgangen in Gold / tausend sechshundert vnd
drey Million / sambt achtmahl 100000 . Du
caten / in Silber aber über tausend / 200 . vnd
neun Million : Villa pand . in Ezech . das war
ein Gebäu ! Das wunderbahrlichste aber bey
disem weltberühmtesten Fabrica war dises / daß
in währender Auffrichtung deß gantzen Tem
pels niemahl ein Streich von einem Hammer
oder Beyl / Stemmeysen / oder eines andern
Jnstruments gehört worden 3 . Reg . cap . 6 . 1. Reg. cap. 6.
Die Ursach ware / weil alles Holtz zuvor auff
dem Berg Libano auff das allergenaueste zu
gericht / vnd alle Stein dergestalten pollirt / vnd
præparirt worden / daß fast nicht ein Haar ab
gangen .
Ein
✾ (55)✾
Ein gleiche Beschaffenheit hat es mit dem
Himmel / mit dem obern Jerusalem / so wir wol
len zu demselben als Lebendige / vnd durch das
Blut Christi so theuer erkauffte Stein gelan
gen / ist vonnöthen / daß wir auch vorhero auff
das beste pollirt werden / es muß die allerge
ringste Mackel an vns nicht gefunden werden /
dann der allergeringste Mängel / der wintzigste
Fleck kan nicht eingehen in das Reich GOttes .
Wie die Apostel sich einmahl in einen klei
nen Zanck eingelassen / da sie nehmlich von der
Præcedenz im Himmel disputie rten / da hat
vnser lieber HERR gleich in Mitte derselben
einen kleinen Knaben gestellt / vnd sich anbey
verlauten lassen / daß wann sie nicht werden
seyn wie die kleine Kinder / so werden sie in das
Himmelreich nicht eingehen . Dazumahl hät
ten sich die Apostel wie die meiste H . Lehrer
außgeben / läßlich versündiget / vmb weilen sie
in einen geringen Zanck gerathen / also wolt ih
nen der HErr JEsus andeuten / daß sie mit di
sem kleinen Verbrechen das Reich GOttes
nicht können besitzen / sondern sey nothwendig /
daß sie darvon gereiniget / entweder anff auff der
Welt / oder nachmahls im Feegfeuer / ja wer in
die ewige Seeligkeit will eintretten / muß seyn
so rein vnd vnschuldig / wie ein kleines Kind .
Sicut Pueri , id est puri .
D 4
Han-
✾ (56)✾
Hannon der Ammoniter König hat deß
Davids / der es so treuhertzig vermeint / gesan
dte Bottschaffter sehr spöttlich tractiret / nach
dem daß er ihnen die lange Röck biß auff die
Lenden abschneiden lassen / vnd folgsam spött
lich entblöst / weil dazumahl die Weltliche nicht
pflegten Hosen zu tragen / neben disem Schmach
hat er ihnen lassen den Barth halb abschney
den / welches zur selben Zeit ein grosse Schand
war / nachdem solches dem David kundbar
worden / hat er alsobald ihnen entgegen ge
schickt / vnd sagen lassen / sie sollen zu Hof so
lang verbleiben / biß ihnen der Bart wider
wächst / theils darumben / damit sie nicht vor
jederman zu schanden wurden / theils auch da
mit sie nicht mit einer solchen Ungestalt vor dem
Angesicht deß Königs erscheinen / 2 . Reg . c 10 .
Hat nun David als ein irrdischer Mo
narch nicht wollen zulassen / daß jemand solle
vor ihme mit einer Ungestalt sich sehen lassen /
wie vil weniger lasset solches der Allerhöchste
zu / dahero nothwendig daß alle Maal vnd
Mackel / ohne die auch die grossen Heiligen
nicht leben / entweders auff Erden durch stren
ges Buß=Leben / oder aber in dem Feegfeuer
müssen gereiniget werden .
Jn der Capuciner Cronic / wird registri
ret / daß Anno 1602 , eines sehr heiligen Lebens
ein ✾ (57)✾
ein Lay=Bruder mit Todt abgangen / acht Tag
aber nach seinem zeitlichen Hintritt dem Pater
Prediger erschienen / vnd mit sehr lamentirli
cher Stimm ihn also angeredet : O Theologe ,
Theologe ! warumb befleist du dich nicht auff
die Lieb deß Nächsten / der Prediger gab die
Antwort / wie daß er zwar kein Meß vor ihn
habe gelesen / aber seye der Meynung ge
west / als wäre er wegen eines so frommen
Wandels von Mund auff gegen Himmel ge
fahren / worauff der Verstorbene : Anderst
seynd die Urtheil deß Menschen / anderst die
Urtheil GOttes / der auch die allermindiste
Sünd nicht vngestraffter läst / vnd vor der aller
geringsten Mackel die Himmels=Thür ver
sperret .
Die schöne Susanna zu Babylon / wolte
sich bey heisser Sommers=Zeit in etwas erfri
schen in ihrem eignen Garten / nimbt derent
halben zwey Kammer=Menscher mit sich / schaff
te ihnen / sie sollen Oel vnd Seiffen mit sich neh
men / damit sie sich bey dem Brunnen könne
waschen / vnd reinigen ; Afferte mihi oleum &
smigmata . &c . Dan . 13 . Die Seiffe womit
sich Susanna / vnd all anders Frauenzimmer
wascht / die geht hin / vnd macht keine Schmer
tzen / aber jene Seiffen / mit der GOtt die ver
storbene Christglaubige im Feegfeuer wascht
D 5 vnd ✾ (58)✾
vnd reiniget / vnd die geringste Mackel auß
bringt / ist erschröcklich / vnd ist dessen Schärffe
nicht zu beschreiben .
Udalricus , Bischoff zu Augspurg / lebte
gantz heilig / würcket grosse Miracul vnd Wun
derwerck / hat Fleisch in Fisch verwandlet / hat
gemacht / daß er durch den Fluß Lech vnweit
Augspurg passirt / vnd nicht von einem Tropf
fen benetzt / da doch sein Gespan über vnd über
auff den halben Leib naß worden ; Er hat ge
macht / daß keine Katzen in dem gantzen Closter
Ottobeürn / auff ewige Zeit sich sehen lassen / ja /
so einer dahin getragen wird / muß er alsobald
verrecken / vil andere dergleichen hat der All
mächtige gewürcket / durch disen H . Bischoff
wegen seiner Verdiensten / aber weil ein einige
kleine Mackel an ihme / benanntlich weil er sei
nen Vettern Adalberonem zu seinem Nach
folger benennt / da hats geheissen : Seiffen her /
vnd muste derenthalben im Feegfeuer gereini
get werden . In vit .
Die Schwester deß H . Damiani starb in
grossem Concept der Heiligkeit / vnd weil sie
ein so vnsträfflichen Wandel führte / auch glaub
te man / daß ehender ein Schnee ein Schwär
tze / als an ihr ein Mackel zu finden wäre / weil
sie aber einmahl auß Vorwitz einer lustigen
Music zuhörete / hats geheissen : Seiffen her /
vnd ✾ (59)✾
vnd muste 15 . Tage im Feegfeuer von diser
Mackel gereiniget werden . Specul . Exempl .
dest . 9 .
Ein Knab mit 9 Jahren / hatte einem an
dern 9 . Heller entfrembt / vnd weil er mit diser
Mackel als vngebüster gestorben / so hats ge
heissen Seiffen her / massen er seiner Mutter
gantz feurig erschinen / vnd Hülff verlanget /
dann / sagt er / daß gäntzlich nicht Unreines in
Himmel gehe / vnd komme ihn solches reinigen
härter an / als wann aller Kohlbrenner der gan
tzen Welt ihre Kohlen auff ihme brinnen thä
ten . Berlaomont in Paradis .
Die H . Jungfrau Gertraud / hat auff ein
Zeit ein Seel im Feegfeuer gesehen / wie solche
mehrmahl das Angesicht Christi geflohen / da
doch diser himmlische Bräutigam selbe freund
lichst zu sich geladen / fragte auch derenthalben
die Ursach / worauff sie Antwort von der Seel
erhalten / wie daß sie noch einige kleine Mackel
an sich habe / dessentwegen sie sich scheuhe vor
GOtt zu stehen / ja wann ihr schon der Aller
höchste die Seeligkeit wolte vergonnen / so
möchte sie doch solche waigern / so lang / biß sie
gäntzlich gereiniget werde / dann es sich nit ge
zieme / daß etwas vnreines vnd bemacklet von
dem Göttlichen Bräutigam vmbfangt werde .
Blos . in Mon . Spir . cap . 13 .
Manet
✾ (60)✾
Manet altâ mente repôstum .
CAdit Asinus , & omnes eum sublevare fe
stinant : sed clamat in tormentis fidelis ,
clamat Pater , clamat filius , clamat uxor , ma
ritus , amicus , & non est qui respondeat ,
S . Pa
ter Augustinus serm . 44 ad Hi .
Es fallt ein Esel / vnd alle eylen ihm
auffzuhelffen ; entgegen schreit in den Pei
nen deß Feegfeuers der Christglaubigen ;
Es schreyet der Vatter / es schreyet der
Sohn / es schreyet das Weib / es schreyet
der Mann / vnd ist fast Niemand der sie er
höhrt . Also spricht der H . Vatter Augustin .
Wie
✾ (61)✾
WJe WIe David durch sondere Schi
ckung GOttes zu der Cron gelan
get / da hat er gleich ein Knopff an
ein Tüchel gemacht / da war sein ernstlicher Be
felch : Geht / schaut / fraget / suchet / ob nicht
etwan noch jemand von der Freundschafft / vnd
Hauß deß Sauls vorhanden / demselben will
ich nach Müglichkeit Guts thun wegen meines
besten Freunds Jonatha , dessen mir erwisene
Gnaden ich nimmermehr vergessen will / vnd
als endlich herauß kommen / daß deß Jonathæ
noch leiblicher Sohn / mit Namen Miphibo
seth , im Leben / ein armer Tropff / der an Händ
vnd Füssen krumb / da muste solcher alsobald
vor den König geführet werden / vnd neben an
dern war ihme die Gnad ertheilet / daß er alle
zeit bey der Königlichen Taffel dörffte speisen .
2 . Reg . 9 . cap .
Zu wünschen wäre / daß die gantze Welt
also beschaffen / wie der David / so wurde man
che Seel auß dem Feegfeuer nicht also auff
schreyen : Oblivioni datus sum tanquam mor
tuus à corde ! Jch bin gleich einem Todten auß
dem Hertzen vergessen worden . Ps . 30 . Dann
ja nichts ehender wurmstichig wird / als die
Gedächtnus der Menschen / vnd vergessen wir
so bald der jenigen / die von vns in jene Welt
den ✾ (62)✾
den Abschid genommen / da wir doch so grosse /
vnd manche Gutthaten von ihnen empfangen .
Hätte jener Mundschenck bey dem Hof deß
Königs Pharaonis ein Knopff an das Tüchel
gemacht / welches gar wol hätt sollen geschehen /
so wäre Joseph nit 2 . Jahr in so harter Ge
fängnus verbliben . Wann mancher ihme
thät öffter in die Gedächtnus führen / wer ihme
Guts gethan ? wer Ursach seines Glücks ? wer
ihme nach GOtt zu einem Stücklein Brod ge
holffen ? so wurde er so leicht nicht der verstor
benen Gutthäter vergessen / vnd würden dise
weit ehender ihres feurigen Arrests entlassen
werden .
Von Pio dem Fünfften seeligen vnd hei
ligen Papsten wird geschriben ; daß solcher
lang vorhero / ehe er zur Päpstlichen Würde er
hoben worden / habe einsmahls bey eitler
Nacht von Pergamo auß die Flucht genom
men / vmb weil einige ihm nach dem Leben ge
strebt / vnd den Weeg nacher Mayland genom
men / endlich noth halber / da er von der finstern
Nacht überfallen / die Einkehr genommen bey
einem Bauren / von welchem er gar wohl / ob
schon unbekandter gehalten vnd tractiret wor
den / so verursacht hat / daß Pius ein Knopff an
das Tüchel gemacht / zu zeigen / daß er seiner
auch nicht wolle vergessen ; wie nun mittler Zeit
Pius ✾ (63)✾
Pius zum höchsten Ambt der Kirchen erkiset /
vnd von Laterano auß offentlich getragen wor
den / da hat der fromme Herr / auß so vil tau
send Personen / so diser Solennität halber zu
geloffen / den gedachten Bauren erkennt / vnge
acht er denselben nur bey der Nacht gesehen /
sich deß gemachten Knopffs erinnert / denselben
zu sich lassen ruffen / vnd zum Danck vnd Ver
geltung seinen 2 . Töchtern 2000 . ihme aber
für sein Nothdurfft 500 . Ducaten angeschafft .
Rho . 1 . 4 . c . 8 .
Dises war ein löbliche Danckbarkeit / vnd
wolte GOtt / es wären mehrer dergleichen Pii
zu finden / so würde auch nicht die so grosse Ver
gessenheit einschleichen in den menschlichen
Hertzen . Offt mancher gedenckt doch / wär er
vorhero gewest / vorhero so vil gehabt / als Pe
trus in seinem Netz da er die gantze Nacht ge
fischt nihil / jetzt aber voller Gold / wie das Kalb
in der Wüsten so die Hebreer angebett . Vor
hero so schlecht / daß er müste mit dem Stroh
vorlieb nehmen / wie die Götzen=Bilder deß La
bans / jetzt aber so wohl eingericht / daß er auch
mit einem Egyptischen Joseph nicht wolte tau
schen . Vorhero so gering / daß er fast die ver
lohrne Eselin mit dem Saul hat müssen su
chen / jetzt aber so vornehm / daß er wie ein Mar
dochæus beym Brett sitzt ; Vorhero so arm /
daß ✾ (64)✾
daß er mit der Samaritanin müste das Brun
nenwasser schöpffen / jetzt aber so vermöglich /
daß ihme die Keller mit Wein angefüllt / wie
die Krüg zu Cana usque ad summum , &c . Er
gedenckt aber / wer ihm zu allem disem nach dem
Allmächtigen GOtt / verhülfflich gewest / wer ?
diser und diser wann er nicht gewest wäre / so
wär ich so weit nicht kommen ; wann dem also /
so schau doch / was der Knopff beweist an dei
nem Tüchel / nehmlich / du sollst der empfange
nen Gutthaten nicht vergessen ; Dise deine
Gutthäter sind schon todt / seynd in einem
Stand da sie ihnen selbst nicht helffen können /
sitzen vnd brinnen vnd braten im Feuer vnd
Flammen / vnd warten alle Augenblick auff dei
ne Danckbarkeit .
Wie GOttes Sohn auff die Welt kom
men / vnd auß der vnbefleckten Jungfrau Ma
ria gebohren zu Bethlehem / da waren gegen
wärtig ein Ochs vnd Esel / welche / wie Tho
mas de Villa nova bezeugt / beyde ihre Knye
gebogen / vnd den HERRN angebett / vnd sol
len sich derenthalben etliche nicht wenig schä
men / daß Ochsen= vnd Esels=Köpff höfflicher
seynd / als sie ; Der Esel stellte sich absonder
lich freundlich gegen dem neugebohrnen Mes
sia / als den er mit dem stäten Keuchen erwär
met / vnd von dermahligen Kälte defendi rt /
der ✾ (65)✾
der kleine JEsus machte ( also zu reden / ) dazu
mahl ein Knopff an die Windlein / als wolle er
deß Esels nicht vergessen / sondern zu seiner
Zeit vergelten / vnd so er am Palmtag / da er
wolte triumphirend in die Stadt Jerusalem
einreiten / hat er hierzu ein solches Thier erwöh
let / ja so gar bedeckten die Juden den Weeg
mit ihren Kleydern / wo der Heyland geritten /
solche Ehr ist dem Esel niemahl widerfahren .
Jst nun der gebenedeyte Heyland danck
bar gewest gegen einem Esel / so lösche ich den
ersten Buchstaben in disem Wort auß / so bleibt
Seel / vnd hoffe du werdest nicht in Vergessen
heit stellen / die so mannigfaltige Gutthaten /
die du von diser vnd diser Seel / als selbige
noch in dem Leib auff der Welt wanderte / em
pfangen . Dem Tobias hat der Raphael vil
Guts erwisen / das aber hat er nicht vergessen .
Der Ruben hat dem Joseph vil Guts gethan /
das hat er wol nicht vergessen . Jethro hat vom
Moyse in Egypten vil Guts empfangen / das
könte er gar nicht vergessen . Josue hat ein
zimliche Gutthat erhalten von der Rahab , das
wolt er nie vergessen . Naam Syrus , hat von
Elisæo vil Gutes empfangen / das wolt er auff
kein Weiß vergessen . Die Ruth hat von der
Booz sehr vil Gutthaten erfahren / das wolt sie
nimmermehr vergessen . Elias hat von der
E Wittiben / ✾ (66)✾
Wittiben / die ihn erhalten / vil Guts empfan
gen / das könte er kurtzumb nicht vergessen .
Jch / du / vnd er / wir / ihr / vnd die haben sehr
vil Guts empfangen von disem vnd jenem / der
schon längst mit Todt abgangen / so last vns
dann seiner nicht vergessen / es solt kein Tag
vorbey gehen / daß ich nicht ein Ave Maria hin
unter schicke / es solt die Sonn nicht vnterge
hen / daß ich ihme nicht das ewige Liecht wün
sche / es sollen nicht 24 . Stund verfliehen / daß
ich seiner nicht soll gedencken ; so lang ich lebe /
so will ich das bissel Brod mit ihm theilen / vnd
das öftere Allmosen / welche ich den Armen
gibe / ihm überlassen / tröst ihn GOtt / das will
ich allezeit gedencken / GOtt geb ihm die ewige
Ruhe / das will ich allezeit reden / GOtt sey
ihm gnädig / das will ich allezeit sprechen .
Ein Knopff an das Tüchel machen / for
derst die Religiosen / welche nach der Evangeli
schen Armuth leben / vnd von Allmosen ihr Un
derhaltung haben / dise vergessen niemahl der
verstorbenen Gutthäter / sondern fast in allen
ihren Zusammenkunfften vnd GOtts=Dien
sten ist man ingedenck derselben . Jn unserer
reformi rten Religion / bettet man nicht allein
bey allen Conventual=Capitel / Provincial=Ca
pitel / General=Capitel für die verstorbenen
Gutthäter / wie auch jedesmahl nach dem
Chor / ✾ (67)✾
Chor / sondern so gar endet sich kein Tisch noch
Taffel / wo man nicht dergleichen Bescheid=Es
sen schickt denen verstorbenen Christglaubigen /
so zuvor einige Gutthaten den armen Geistli
chen erwisen ; vnd ist ja recht vnd billich / mas
sen so gar die Juden nicht so vngeschlacht ge
wesen . Nachdem der HErr JEsus mit fünff
Brod vnd zwey Fisch fünff tausend Personen
gespeist / so haben sie ihn zu einem König wollen
auffwerffen / vnd ihme die Cron auffsetzen / also
ist vnser Verpflicht vnd Schuldigkeit / daß wir
an alle empfangene Gutthaten gedencken / vnd
forderst den jenigen verstorbenen Gutthätern
helffen zu der ewigen Cron / von welchen
wir einige Lebens=Mittel be
kommen . Pon . 6 .
E 2
Solven-
✾ (68)✾
Solvendo salvabimur omnes .
SCio misericorditer operatám ( Matrem me
am ) & ex corde dimisisse debita debitori
bus suis , dimitte illi & tu debita sua , si qua eti
am contraxit per tot annos post aquam salu
tis .
S . P . August . lib . 10 . Confess . c . 13 .
Jch weiß wohl / daß sie ( mein Mut
ter ) sich sehr barmhertzig gegen jederman
verhalten / vnd ihren Schuldnern die
Schuld nachgelassen habe / derohalben
O GOtt vergib derselben gleichfalls ihre
Schulden / die sie nach dem heiligen Tauff
von ✾ (69)✾
von so vilen Jahren her etwann gema
chet hat .
FOrt mit dir in die Keuchen / sagt
das Evangelium / es seye dir gesagt /
Amen ; es seye dir geschworen / du
wirst von dannen nicht herauß kommen / biß du
den letzten Heller bezahlest . Matth . 5 . v . 26 .
Dises alles geht die armen Seelen im Feeg
feuer an / welche ihre gemachte Schulden in je
nem feurigen Kercker bey Heller vnd Pfenning
bezahlen müssen / aber wo nehmen ? qui non
habet in ære , luat in pelle , da heist es / der
nicht bey Mittel ist / der bezahle es mit der
Haut / oder ein anderer auß Mitleyden vnd
Barmhertzigkeit bezahle für ihm / massen der
gerechte Richter nicht einen Heller nachlasset .
Seltzam ist / was von einem Schwedi
schen Hauptmann Mancinus vorbringet / weil
disem Soldaten so vil Monet=Gold außstän
dig / zumahl vom Gold der Soldat den Nah
men geschöpfft / hat er endlich die Sach vor den
König Carolum selbst gebracht / vnd verlangte
vnderthänigst die ihme außständige 600 Rthlr .
was ? sagte der dazumahl vngedultige König :
dir 600 . Rthlr . an statt diser / will ich dir 600 .
Teuffel auff den Kopff wünschen . Das schmer
tzete nicht ein wenig den guten Officier / kundte
E 3 aber ✾ (70)✾
aber dermahl wider den Strohm nicht schwim
men / vnd muste dermahl die liebe Gedult an
zihen / vnderdessen wachsen seine Schulden nit
ein wenig im Wirthshauß / also zwar / daß sol
che bereits auff 300 . Reichsthaler sich beloffen /
welches Geld die Frau Wirthin in baarer Be
zahlung forderte / worüber aber der besagte
Hauptmann ein sehr saures Gesicht gemacht /
was ? sprach er / 300 Thaler ? an statt deren /
solt ihr 300 . Teuffel auff den Kopff haben ;
Solche freche Antwort veranlaste die Wir
thin / daß sie gar die Sach nacher Hof brachte /
vnd kam die ernstliche Bescheidung / der Offi
cier soll erscheinen / deme dann vnder grosser
Leibs=Straff aufferlegt worden / er solle bezah
len ; worauff der Soldat geantwortet : wie
daß er sie bereits mit Königlicher Müntze baar
contenti ret / dann ihme vnlängst der König auff
Erforderung 600 . Rthlr . 600 . Teuffel habe
geben / vnd weil er ihr der Wirthin nicht mehr
als 300 . Rthlr . vermög der gemachten Rech
nung / schuldig seye / also habe er sie mit 300 .
Teuffel abgefertiget / man werde hoffentlich
hierinnfalls deß Königs Müntz nicht verach
ten / r c. cap . 840 . Auff solche Weiß last sich
der Göttliche / gerechte Richter nicht bezahlen /
sondern es müssen die arme verstorbene Christ
glaubige / die noch mit einem Schulden=Rest
von ✾ (71)✾
von der Welt geschiden / ihn contenti ren / biß
auff den letzten Heller / aber wo nehmen ? vmb
Gottes willen / wo nehmen ? Sie haben nichts /
dahero werden sie arme Seelen genennt / vnd
eben weil sie nichts haben / wormit sie den All
mächtigen befridigen können / müssen sie darfür
lange / grosse / schwäre / harte / strenge vnd vnbe
schreibliche Pein vnd Tormenten außstehen /
oder / oder / oder welches ihr einiges bitten / bit
ten vnd seufftzen / seufftzen vnd schreyen ist / oder /
oder jemand anderer auß vns muß auß Mitley
den für sie bezahlen / damit doch einmahl der
allmächtige GOtt / ein Creutz mache durch das
Schuld=Buch / aber wo nehmen ? das sage
nur kein Mensch .
Petrus ließ sich wohl einmahl verlauten /
da er von einem Bettler bey der Kirch=Thür
vmb ein Allmosen angesprochen worden / daß
er weder Pfenning noch Heller / weniger etwas
von Gold habe / r c. aber dise Entschuldigung
können wir auff keine Weeg vorschützen / Geld
gnug / Geld ohne Abgang / Geld so vil man ver
langt / vnd zwar die beste Maria=Groschen ; ist
ein Geld / so der Zeit sehr im Schwung gehet /
durch dise Maria=Groschen kan man verstehen
das H . Ave Maria / vnd folgsam gar den Heil .
Rosenkrantz / womit die grosse Schulden im
Feegfeuer können bezahlt werden .
E 4
Der
✾ (72)✾
Der seelige Alanus de Rupe erzehlt / daß
ihme sehr vil Brüder vnd Schwestern auß der
Ertz=Bruderschafft deß H . Rosenkrantz gesagt
haben / auch mit einem Eyd betheuret / daß ih
nen gar offt / da sie den H . Rosenkrantz andäch
tig gebettet / seyen Seelen auß dem Feegfeuer
erschinen / dero Stirn mit einem rothen Creutz
lein bezeichnet gewesen / welche sehr grossen
Danck ablegten / vmb dises Heil . Gebett / auch
anbey ermahnten / sie sollen ferners in diser
Andacht fortfahren / massen nach dem H . Meß=
Opffer kein kräfftigers Mittel seye / ihre Pey
nen zu nindern mindern / vnd die Schulden für sie zu be
zahlen / als der H . Rosenkrantz ; deßgleichen
in Surio zu lesen / daß deß Königs Philippi in
Franckreich leibliche Tochter vnd Hertzogin in
Braband / der H . Ludgarden erschinen / vnd ihr
angedeutet / daß sie nicht lang im Feegfeuer ver
bliben / vermittels deß H . Rosenkrantz / den sie
täglich bey Lebzeiten andächtig gebettet . Wann
die Rosen kühlen / wie aller Medicorum Aus
sag ist / so wundert mich nicht / daß die mit gros
ser Hitz geplagte Seelen / in jenem zeitlichen
Kercker also trachten nach dem heiligen Ro
senkrantz .
Von der seeligen Elisabeth auß Arago
nia wird geschriben : Daß sie einsmahls durch
Göttliche Eingebung ein Kirchen=Gebäu / des
sen ✾ (73)✾
sen Abriß der Himmel selbst gemacht / habe an
gefangen / wie nun zur Abend=Zeit die Arbeiter
nacher Hauß gangen / gab sie jedem eine Ro
sen / in dem bestunde der Taglohn ; weil die gu
te Leuthe nur wohl erkannt die gröste Heilig
keit diser Elisabeth / also haben sie derowegen
kein widriges Gesicht gezeigt / sondern die Ro
sen mit Danck angenommen / solche wegen ih
res guten Geruchs an die Nasen gehalten / vnd
gleichsamb darumb gedanckt ; Aber / sihe
Wunder ! da sie die Rosen in Händen hielten /
seynd solche augenblicklich in grosse guldene
Pfennig veränderet worden . In annal . Min .
1311 .
Was dazumahl geschehen / geschicht noch
öffter / daß nemblich die Rosen zu Geld wer
den / solches vmb Bericht die arme Seelen im
Feegfeuer / die es mit grossem Danck bestehen /
daß ein Rosenkrantz / so man für dise arme
Tropffen GOtt auffopffert / das angenehmeste
Geld seye in den Augen GOttes / vnd nicht ein
wenig von ihren Schulden abzahle .
Zu Capharnaum wurde der Peter ange
redt / er solle den Zinß=Groschen zahlen / wo
nehmen ? Unser HERR befilcht ihm / er solle
den Angel ins Meer werffen / den nächsten
Fisch / den er werde herauß zihen / soll er ins
Maul greiffen / da werde er schon Geld fin
E 5 den / ✾ (74)✾
den / wie es dann auch geschehen / Matth . 17 .
vers . 26 .
Wir wollten gern für die arme Seelen im
Feegfeuer die Schuld bezahlen / aber wo Geld
nehmen ? Geld genug ; zu Capharnaum hat
ein Fisch Geld gespendiret / jetzt aber gibt vns
der Fischer Geld . Beschau jemand alle Ab
laß=Brieffe / so nun von dem Päpstl . Stuhl
kommen / ob selbe nicht von Fischer ? Ein jeder
wird vom Fischer=Ring bestättiget / sub annu
lo piscatoris , ein solcher Ablaß ist an statt deß
besten Gelds / womit die Schulden der armen
Seelen können bezahlt werden .
Anno 1308 . ist ein Edelman sambt seinen
Beambten / nach dem Kirchlein Portiuncula
geräist / allda den vollkommenen Ablaß zu ge
winnen / in der Zuruck=Räiß wurde diser Be
ambte erkrancket / vnd schribe solchen seinen Zu
stand keiner andern Sach zu / als der grossen
vnd langen Räiß / murrte derentwegen nicht
ein wenig / worauff der Edelmann ihn getröst /
er soll eines guten Muths seyn / den Räiß=Un
kosten wolle er bezahlen / ja / so gar auch auff sei
nem eigenen Pferd biß nacher Hauß liffern /
wann er den H . Ablaß / den er vermuthlich ge
wunnen / seinem schon längst verstorbenen Bru
der wolte überlassen / gar gern / sagt hinwider
der andere / gar gern / wann ich nur reiten kan .
Deß
✾ (75)✾
Deß andern Tags erscheint disem Edelmann
seyn längst verstorbener Bruder in gantz glor
reicher Gestalt / mit Meldung / daß er / GOTT
sey Lob / vermittels deß ihme überlassenen Heil .
Ablaß / aller Peyn sey loß worden / vnd anjetzo
in die ewige Seeligkeit eingehe . Chron . Min .
Diser Seel ist Portiuncula weit besser zu
Nutzen kommen / als jenem verlohrnen Sohn
sein Erb=Portion . Da mihi Portionem , &c .
Luc . 15 . Ablaß=Pfenning seynd bey den ar
men Seelen weit bessers Geld / als alle Duca
ten / r c. O wer ist doch dißfalls reicher / vnd
mehrer mit Geld versehen / als die Brüder vnd
Schwestern in der Ertz=Bruderschafft der To
den allhier zu Wienn bey vns PP . Augustin ern /
massen ein gantzes Jahr hindurch sie mit so
häuffigen Ablaß versehen / womit sie / als mit
dem besten Geld / vnd himmlischer Müntz der
armen verstorbenen Christglaubigen / forderst
deren in GOTT entschlaffenen Brüder vnd
Schwester Schulden können bezahlen / vnd
also durch das Schuld=Buch ein Creutz ma
chen / zumahlen der mittere Creutz=Altar von
dem Päpstlichen Stul / mit dergleichen
Gnaden bereicht ist .
Ostium
✾ (76)✾
EVCHARISTIA
Ostium pandit Hostia .
POnite hoc Corpus ubicumq ; nil vos ejus
cura conturbet : Tantum illud vos rogo ,
ut ad Altare Domini memineritis mei ubicúm
que fueritis .
S . P . August . lib . Conf . 9 . c . 11 .
Legt disen meinen Leib / sagte die H .
Monica / als ein Mutter Augustini / legt
ihn hin / wo ihr immer wolt / därfft euch
denselben wenig lassen angelegen seyn / noch
derenthalben vil Kummer machen / aber
mein einige Bitt ist nur / daß ihr meiner in
dem H . Meß=Opffer wollt ingedenck seyn /
also schreibt selbst der H . Vatter von ihr .
Dazu=
✾ (77)✾
DAzumahl ist dem Peter das Con
cept nicht angangen / wie er auff dem
Berg Tabor / allwo der gebendeyte
HErr vnd Heyland sein Glory in etwas ent
worffen / dem Moysi / dem Eliæ / vnd forderst
dem HErrn / wolte drey Tabernackel bauen ;
Facimus hic tria Tabernacula , &c . Aber bey
vns kan nichts heylsamers geschehen / als wann
wir den armen Seelen in jener Welt Taber
näckel schencken / verstehe aber die Tabernäckel
in den Kirchen vnd GOtts=Häusern / in wel
chen das höchste Gut auffbehalten wird / wel
ches auß allen Mitteln das wertheste vnd beste
ist / die in jenem zeitlichen Kercker verhaffte See
len zu erlösen .
Die Gartner suchen vnd sorgen / vnd se
hen / sehen wohl / sorgen vil / suchen stäts was
für ein Zeichen im Mond seye / ob er im Auff
nehmen oder Abnehmen / ob er im ersten oder
letzten Viertel / ob Neumond oder Voll
mond / r c. Dann die meiste Influenz deß
Monds ist in die Erd=Gewächs . Die arme
Seelen im Feegfeuer / die schauen auff nichts
so sehr als auff den Mond / sie seufftzen nach
nichts so starck als nach dem Mond / sie den
cken auff nichts so offt / als auff den Mond / vnd
zwar auff halben Monschein / welcher in der gul
denen Monstrantzen das höchste Gut haltet /
dises ✾ (78)✾
dises Brod der Engeln / dises Göttliche Man
na / dann von disem ist aller Gnaden vnd
Barmhertzigkeit einige Influenz .
Jn vnserm werthen Teutschland / ist fast
ein gemeiner Brauch / daß bey Marck=Zeiten
ein guter Freund dem andern ein Jahr=Marck
kaufft / ja mancher spendirt nicht wenig / der
ziecht dem Beutel zimlich / es fliegen vil Denari
auß / damit er nur seiner Liebsten einen ange
nehmen Jahr=Marck einkauffe . Das Bitten
der armen Seelen zu vns / das Schreyen der
armen Verstorbenen zu vns / das Seufftzen der
Bekandten vnd Anverwandten auß dem Feeg
feuer zu vns / ist mehrer theils nur vmb ein
Jahr=Marck / aber man muß es also verstehen :
Jn grossen vornehmen Handels=Städten wird
ein Jahr=Marck ein Meß genennt / benannt
lich Franckfurther Meß / Leibtziger Meß / r c.
Aber die verstorbene Christglaubige verlangen
kein solche / sondern ein H . Meß / in welcher
nicht zeitliche Waaren / sondern die Göttliche
Waar / welche der vermessene Judas vmb ein
so geringen Preiß / benanntlich nur vmb dreis
sig Silberling verhandlet / das wahre Fleisch
vnd Blut JEsu Christi in dem Heil . Altar=
Opffer .
Anno 1667 . in der Stadt Straubing in
dem Hertzogthum Bayrn / hat ein frommes
baar ✾ (79)✾
baar Ehe=Volck bey finsterer Nacht an einem
Sambstag ein andächtiges Gespräch gehalten /
wie daß sie nemlich den morgigen Tag auch
wollen erscheinen in der General=Communion
bey den PP . Jesuit ern / da sie nun ein kleine weil
von disem so heiligen Vorhaben geredt / da hö
ren sie etwas klopffen in der Kammer / endlich
seufftzen / vnd dise Wort außsprechen : Date &
mihi micam , last doch / ach ! last doch mir auch
einen Prosen zukommen . Als wolt gleichsamb
diser Geist sagen / ihr habt so offt ein stattliches
Pancket / vmb welches / wann es möglich wär /
auch die Engel euch sollten benedeyen / ihr habt
mehrmahl ein Tractament / daß auch GOtt
selbst mit aller Allmacht nichts kostbahres kan
auffsetzen / vnd wir leiden allhier ein so unauß
sprechlichen Hunger / schickt vns doch vmb
GOttes Willen auch ein wenig ein Bescheid=
Essen / vergunt vns nur als euren Bluts=
Freund / als den allerverlassnesten Tropffen
nur ein Prosen von diser Göttlichen Taffel / ihr
könt ja nicht ein so Stein=hartes Hertz haben /
wie jener reicher Prasser / der dem armen Laza
ro vor der Thür nicht den wenigsten Bissen hat
lassen zukommen / dann diß allein ist das aller
kräfftigste vns zu helffen / dises zertrennt vnse
re Eysen vnd Bande / an die wir gefesselt seyn /
dises eröffnet den Kercker in dem wir gefangen
ligen / ✾ (80)✾
dises ligen / dises versüsset vnsere Bitterkeiten / mit denen
wir allerseits vmbgeben .
Lippomanus schreibet den 22 . April von
dem H . Priester Gregorio / wie disen Theodo
rus in der Gefängnnß Gefängnuß wolte versehen mit dem
heiligisten Fronleichnam / zuvor aber die Wäch
ter vnd Soldaten gebetten / daß sie ihn auß den
Eysen vnd Banden nur so lang wolten schla
gen / biß er das heilige Werck vollzogen / als er
aber von disen vnbarmhertzigen Gesellen nichts
erbitten konte / so hat er gleichwohl die H . Com
munion ihme dargereicht ; sihe aber Wunder !
kaum hat Theodorus dem H . Mann die hei
ligste Hostien auff die Zungen gelegt / da seynd
alsobald von Gregorij Händ vnd Füssen die
Bande vnd Ketten abgesprungen / vnd folgsam
der H . Mann aller Banden befreyet worden .
Wann nun dises höchste Pancket solche
Band auffgelößt / so ist es nicht weniger kräff
tig / auch jene feurige Ketten / an denen die ar
men Seelen im Feegfeuer gefangen ligen zu
zerbrechen . Wann jene Speiß / welche der
Prophet Habacuc dem Daniel in die Löwen=
Gruben getragen / ihme so ersättlich gewest ist /
wie wird erst den armen Seelen seyn / das
hochwürdigiste Sacrament deß Altars ? Wan̅
den Propheten=Kindern / denen Elisæus mit
wenig weissen Meel hat können den bitteren
Kraut= ✾ (81)✾
Kraut=Topff versüssen / was wird dann erst für
Krafft haben / der vnder der Gestalt deß weissen
Brods verhüllte Heyland selbst ? Wann ein
Engel hat können den im Gefängnuß verhaff
ten Peter auff freyen Fuß stellen / was wird
nun thun können GOtt selbst / so den armen
Seelen in dem allerheiligsten Sacrament wird
zugeschickt ?
Auß dem Cistercienser=Orden zu Clara
val war ein Lay=Bruder / welcher kein anders
Ambt hatte / als die Schaaff zu hüten / dann
vor disem in dergleichen Clöstern keine weltli
che Leut gebraucht worden / sondern alle Hand=
Arbeit / so gar ackern / säen / schneiden vnd tre
schen die Geistliche musten verrichten ; Als be
sagter Lay=Bruder einest bey seiner Heerd
Schaaff sich befunden / da erscheint vnversehens
vor seiner ein Mensch / den er alsobald vnd oh
ne Schrecken befragt / wer er seye ? woher er
komme ? ich / sagte diser / bin dein Vetter / bin
vor wenig Zeiten mit Todt abgangen / bin von
dem gerechten GOtt in das Feegfeuer verur
theilet worden / worinnen ich vnermäßliche Pein
vnd Schmertzen leyde / also bitte ich dich vmb
GOttes willen / halte bey deiner Obrigkeit an /
daß sie mir drey heilige Messen schencken / ver
mög diser wird GOtt mein zeitliche Straff
enden ; Nachdem nun solches heiligistes Opf
F fer ✾ (82)✾
fer für dise arme Seel verrichtet worden / ist
sie mehrmal in Gegenwart anderer erschinen /
vnd sich gantz glorreich gezaigt / auch offentli
chen Danck abgelegt / vmb dise ihre grosse ge
leiste Hülff .
Warumb aber / möcht einer sagen / soll
man mehr Messen lesen für einen Verstorbe
nen ? indem doch ein einige H . Meß genug ist
das gantze Feegfeuer außzuleeren / hierauff wird
geantwortet : Wann man ansicht das jenige /
was in dem H . Meß=Opffer auffgewandelt
wird / so ist selbiges eines vnendlichen Werths /
massen es / der wahre Heyland JEsus selbst /
vnd diser ist freylich genug / nicht allein außzu
löschen ein Feegfeuer / sondern vnzahlbare ;
so man aber betracht den Effect vnd Frucht der
H . Meß / so ist diser nicht vnendlich / sondern
der Höchste hat durch sein Göttliche Weißheit
beschlossen / es soll ein H . Meß=Opffer so vnd
so vil gelten / so vnd so vil läßliche Sünden
außlöschen / so vnd so vil Schulden bezahlen /
vnd nicht mehr ; was aber eigentlich für einen
Preiß oder Werth der Allmächtige gesetzt hat
auff ein solches Heil . Opffer / ist dermahl vns
Menschen nicht bekandt / wird auch in Göttli
cher H . Schrifft eigentlich hiervon kein Mel
dung gethan / noch haben wir dessen durch eini
ge Offenbahrung ein Wissenschafft .
Es
✾ (83)✾
Es last sich mehrmahl jemand hören /
wann ein vornehmer Herr mit Tod abgeht ;
wann ein reiche adeliche Dama stirbt / für wel
che etlich tausend H . Messen gelesen werden /
so kombt ja ein solche Seel bald auß ihren
Schulden in jener Welt / da vnderdessen ein
armer Tropff / der keine Mittel hinderlassen /
muß seine Schulden so langsam vnd so theuer
bezahlen ; Allhier ist die Antwort / daß solcher
Gestalten wenig Edelleuth im Feegfeuer wä
ren / es ist aber zu wissen / daß solche H . Messen
vnd andere gute Werck nicht allezeit den jeni
gen zukommen / für welche sie verricht werden /
dann wann solche bey Lebzeiten nie / oder gar
selten der armen Seelen im Feegfeuer seynd
ingedenck gewesen / so nimbt ihnen GOtt gleich
sam solche H . Werck vor dem Maul weg / vnd
theilt sie vnder andere bedürfftige Seelen auß /
die sonsten aller Hülff entblöst seyn ; wohl aber
last der gütigste GOtt den jenigen die für sie
verrichte Suffragia zukommen / so vorhin auch
mitleydent gewest bey Lebszeiten gegen den ar
men verstorbenen Christglaubigen . Non
omnibus Defunctis prosunt Suffragia infalli
biliter , sed aliquibus qui meruerunt in hac vi
ta , & ij censentur esse animæ eorum , qui in hac
vita habuerunt specialem devotionem circa
animas Purgatorii . Ita Cajet . ex S . P . August .
Opus 1 . c . 16 . Q . 2 . art . 1 .
Gau-
✾ (84)✾
Gaudent proximiora magis .
INspira Domine Deus meus , inspira servis
tuis ; Fratribus meis filiis tuis , Dominis me
is , quibus & voce & corde & litteris servio ,
ut quot quot hæc legerint , meminerint ad Al
tare tuum Monicæ famulæ tuæ cum Patritio
quondam ejus conjuge , per quorum carnem
introduxisti me in hanc vitam .
S . P . August .
lib . 9 . Confess . c . 13 .
Verschaffe mein HERR vnd mein
GOtt / ( seufftzte der heilige Vatter Augu
stinus / ) verschaffe in deinen Dienern / mei
nen ✾ (85)✾
nen Brüdern / deinen Kindern / meinen
Herrn / welchen ich mit Wort vnd Schriff
ten / mit Hertz vnd Mund zu diensten bin /
auff daß alle / die diß lesen werden / deiner
Dienerin Monicæ / sambt ihrem Ehege
mahl Patritio , durch welche ich dises zeit
liche Leben empfangen hab / bey dem Al
tar gedencken wollen .
EJn EIn vornehmer Edelmann auß
Franckreich / wurde von dem Vor
witz angetriben / daß er einen Lust be
kommen / die neue Welt / von der ein so grosser
Ruhm vnd Ruff / zu sehen / zu welchem End er
ein stattliche Schiffart dahin angestellt / deme
auff alle Weiß auch nach allem Widerrathen /
sein erwachsene Schwester die Gesellschaft ge
leist / ein Fräule von wunder=schöner Gestalt /
vnd Leibs=Beschaffenheit ; Nach andern be
fand sich auch auff gedachtem grossen Schiff
ein anderer sehr adelicher Cavalier / welcher
nach vnd nach ein Aug geworffen in deß Schiff=
Herrn sein adeliche Schwester / ( im Würffel=
Spielen seynd vil Augen gut / vnd bringen
Glück / aber in disem Fall seynd die Augen mei
stens schädlich / ) sein Lieb wachste so wei t weit / daß
er auch ein Gegen=Lieb erworben / ja so gar ha
F 3 ben ✾ (86)✾
ben sich beyde in eheliche Verlöbnuß einge
lassen / doch ohne Achthaben deß Schiff=
Herrns / deme hiervon das Wenigste vertraut
worden / auß Forcht / er möchte als ein hochtra
bender Herr der Sach einen Rigel schiffen ;
Der kleine schleckers Bub Cupido hätt nicht
gefeuret / biß endlich auch bey glücklicher Schiff
farth die Ehr zwischen disen beyden gescheittert /
welches der hernach wachsende Leib verrathen /
worüber sich der Schiff=Herr nicht ein wenig
entrüstet / auch gäntzlich bey sich beschlossen / dise
vermessene That zu rechnen / vnd zu Vermänd
lung seines Vorhabens / zaigte er sich / als wä
re er ihrer Verehligung nicht zu wider / biß er
endlich bey einer kleinen vnbekandten Insul die
Ancker gesenckt / deß Verlauts / als wolle er ei
nen Rastag nehmen / vnd zugleich mit frischem
Wasser sich versehen / da dann neben andern
dises paar Liebste auch außgestigen / nachdeme
er etliche Sachen / als Pulver / Bley / Feuerzeug
vnd einige Speisen auff das Land laden lassen /
befilcht er bey finsterer Nacht in aller Still ab
zuseeglen / vnd das neue paar Ehe=Volck in der
Insul zu lassen / so auch werckstellig gemacht
worden . Bey auffgehender Morgenröth sa
hen sich dise zwey gantz allein / vnd von männi
glich verlassen ; das Schreyen / das Bitten /
Wäinen war vmbsonst / vnd alles Fruchtloß ;
Nach= ✾ (87)✾
Nachdeme sie nun aller Menschlicher Hülff be
raubt waren / musten sie sich endlich in die Noth
schicken / aber außzusprechen ist nit / was Angst
vnd Trübsal sie diser Orth / allwo mehr Wild
nuß vnd wilde Thier zu sehen / außgestanden .
mit Mit etlichen Gesträuß vnd Stauden bauten sie
endlich / dises edle vnd zart aufferzognes paar
Ehe=Volck / ein schlechte Hütten ; Er gienge
täglich auff die Jagt / vnd versahe nach Mög
lichkeit die arme Kuchel ; Sie spahrte nicht
weniger ihren Fleiß / vnd grabte mit ihren zar
ten Händen / die sich vorhero fast vor der Sey
den scheueten / die Wurtzel auß der Erden / auß
sonderm Seegen deß Himmels / hat sie gleich
wohl ein frisches Brunn=Quell / welches ihnen
besser als der reicheste Hoff=Keller gedient .
Nach etlichen Monathen / wie dann ein Elend
dem andern auff dem Fuß folget / erkrancket der
Herr vnd stirbt / massen ein Abgang war aller
Mittel / muste also die Frau allein tragen / was
zuvor beyden schwär genug ankommen / vnd
dises Elend taurte über ein gantzes Jahr nach
dem Todt ihres Herrn ; Kein Augenblick / wie
sie es nachmahlens bestanden / ist nicht verflos
sen / daß sie nicht ( als von jederman verlassen / )
ihre Augen gewendet auff das weite vnd breite
Meer / vnd geschaut / ob nicht etwan ein Schiff
daher seegle / vnd sie auß diser Noth erlöse /
F 4 stunde ✾ (88)✾
stunde also ihr gantzes Leben nur in Hoffnung .
Endlich doch ist ein Frantzösisch Schiff / so vom
Ungewitter an besagte Insul geworffen wor
den / ihr zu Hülff kommen / vnd sie mit elenden /
zerrissenen vnd zerfaulten Kleydern / in fast wil
der vnd abscheulicher Gestalt mit sich genom
men / vnd erlediget Harsdorff . n . 104 .
Jn grossem Elend war dise ; Ein Elend /
wo mehrer Noth als Brod ist . Ein Elend /
wo mehrer Leyd als Freud ist . Ein Elend / wo
mehrer Frost als Trost ist . Da war Kammer
vnd Jammer ein Ding . Da war Ach vnd
Dach ein Ding . Da war Hausen vnd Grau
sen ein Ding ; ist das nicht ein Elend ?
Alles dises Elend vnd menschlicher weiß
grosse Trangsal / ist gar nicht zu vergleichen den
selben / was da in jener Welt leyden die im
Feegfeuer verhaffte arme Christ=glaubige / al
lein in dem findt sich einige Schattierung / daß
sie gleich diser betrübten Wittib stäts vnd im
merzu ihre Augen werffen in disem bittern Meer
hin vnd her / wann doch einmahl ein Schiff
sich blicken liesse / so ihnen Hülff leiste / vnd sie
erlöste ; Aber zu wem haben dise trostlose vnd
verlassne Geister ihr meiste Hoffnung ; zweif
fels ohne zu ihrem nächst Anverwandten vnd
Befreundten / dann sie gar wol wissen / daß ein
Brunn im Feld / ein Brunn im Garten zwar
alles ✾ (89)✾
alles befeuchte / aber doch zu allererst die jenige
Pflantzen / das jenige Graß / welches ihnen na
hend ist ; Also wann wir mitleydige Chri
sten gegen männiglich ein Barmhertzigkeit tra
gen / so ist ja recht vnd rathsam / daß wir
ehender ein Hülff leisten / den jenigen / die vns
nahend anverwandt seynd / vnd an Blut be
freundt .
Alsman Als man einen Gichtbrüchtigen zu vnserm
HErrn getragen / vnd demüthigst ersuchet / er
wolle doch sich seiner erbarmen / vnd ihme die
gewünschte Gesundheit ertheilen / da hat der
gebenedeyte Heyland soche solche Gnad auff kein
Weiß wollen abschlagen / sondern ihn alsobald
gesund gemacht / ihme aber anbey befohlen / er
solle sein Bett nehmen / vnd in sein Hauß ge
hen . Surge tolle lectum tuum , & vade in do
mum tuam . Warumb aber der HErr JEsus
ihme gebotten / daß er sich solle nacher Hauß
den geraden Weeg begeben / war die Ursach /
spricht der H . Joan . Chrysostomus in cap . 6 .
Hom . 30 . damit er den Leuten daselbst andeu
te die grosse Wunderwerck Christi / vnd damit
sie ihre Jrrthumb verlassen / vnd an den wahren
Messiam glauben . Wann deme doch also /
warumb den geraden Weeg nach Hauß vnd
seiner Wohnung / vnd warumb nicht ander
wärts hin ? Die Ursach ist dise / weil er doch
F 5 hat ✾ (90)✾
hat sollen vnd wollen den Leuten etwas Guts
thun / vnd zu der Nachfolg Christi deß HErren
anfrischen / so hat es sich gebühret / daß er ge
schwind vnd den graden Weeg nach Hauß ge
nommen / dann allda waren seine Befreundte /
seine Anverwandte / seine Geschwistrige / seine
Bekandte ; dann wann sich jemand der Ar
men erbarmet / vnd ihnen begehrt Hülff zu lai
sten / so ziembt sich / daß er vor allen andern den
Blutsfreunden helffe .
Heilig ist / heilsam ist / liebwürdig ist / lob
würdig ist / wann sich ein Christlicher Mensch
der armen Seelen im Feegfeuer annimbt / aber
er soll vor allen anderen den jenigen Hülff rei
chen / die da in seiner Freundschafft / zu allererst
den lieben verstorbenen Eltern / weil dise for
derst ihr Hoffnung setzen auff die Hülff der hin
derlassenen Kinder ; Nach dem Exempel mei
nes H . Vatters Augustini / welcher jederman
ersuchet / vnd inständig gebetten / sie wollen doch
in ihrem Gebett / vnd absonderlich die Priester
in ihrem H . Meß=Opffer seiner verstorbenen
Mutter Monicæ / vnd seines Vatters Patritij
ingedenck seyn .
Es hoffen die liebe Eltern auff ihre Kin
der / daß sie werden nachfolgen dem Samson /
welcher den jenigen Honigfladen / so er in dem
Rachen deß erwürgten Löwens gefunden /
nicht ✾ (91)✾
nicht allein für sich behalten / sondern darvon
ein gute Portion seinen Eltern zugebracht ;
also werden sie ihnen auch lassen zukommen
das Göttliche Manna / vnd süsseste Himmel=
Brod deß Altars .
Es hoffen die Kinder auff ihre annoch le
bende Eltern / daß solche werden nachfol gen nachfolgen
der Agar / welche auff kein Weis konte ertra
gen / daß Jsmael ihr Sonn Sohn solte vor Durst
sterben / sondern sie hat so lang bey dem
Himmel supplici ert / biß GOTT einen Engel
gesandt / der ihr ein klares Brunn=Quell ge
wisen hat in der Wüsten ; Also werden sie auch
ihnen verhülfflich seyn / damit sie doch einmahl
gelangen zu dem jenigen / welcher der Sama
ritanin gesagt hat / daß er seye der Brunn deß
ewigen Lebens .
Es hoffen die Geschwistrige auff ihre hin
derlassene Brüder vnd Schwester / daß sie
werden nachfolgen der sorgfältigen Martha /
welche alle Haußgeschäfften bey seyts gelegt /
vnd in aller Eyl ( hat so gar der Magdalena
nichts darvon angedeut / ) dem HErrn JEsu
entgegen geloffen / vnd ihren verstorbenen
Bruder recommendi rt / wie dann bald der
Bescheid ergangen : Resurget frater tuus , dein
Bruder wird aufferstehen ; Also werden sie
ebenfalls ihrer öfter gedencken / vnd bey dem
Göttli= ✾ (92)✾
Göttlichen Heyland das ewige Leben ihnen zu
wegen bringen .
Es hoffen die verstorbene Ehemänner auff
ihre hinderlassene Weiber / vnd hinwider die
Eheweiber auff ihre annoch im Leben verbli
bene Männer / daß sie werden nachfolgen der
bescheyden / vnd bescheydenen Abigail , wel
che alle Mittel angewendt / kein einigen Un
kosten gespart / damit sie nur das Ubel von
ihrem ob schon groben Mann möchte abwen
den / so ihme von David getrohet ware ; Al
so werden sie gleicher Gestalten in allweg su
chen / wie sie doch das grosse Elend / worinn sie
allbereits stecken / einmahl von ihnen kön
nen wenden .
Cedunt
✾ (93)✾
Cedunt candida nigris .
COnsilio inito emerunt ex illis agrum figu
li in Sepulturam peregrinorum , &c . In
venit tandem mens cæca remedium .
S . P . Au
gust . Serm . 121 . De Tempo .
Sie funden aber einen Rath / ( ver
stehe die Juden wegen deß Gelds / mit dem
der Heyland verkaufft worden / ) vnd kauff
ten darumb eines Haffners=Acker / zur Be
gräbnuß der Frembden / r c. Matth . 28 .
Dißfalls haben die verblendte Gesellen
gleichwohl noch etwas gefunden / ( spricht
der ✾ (94)✾
der H . Vatter Augustinus / ) wormit sie
sich auß auß auß allem Ubel / dafern sie nur Ge
walt hätten / hätten können herauß helffen .
DEr erste Willkomm / welchen der
Engel den dreyen andächtigen Frauen
hat geben / als sie mit kostbahren Sal
ben das Grab deß HErrn besuchten / war diser :
Nolite timere , förchtet euch nicht / r c. Matt . 28 .
Allen den jenigen / so die Gräber der verstorbe
nen Christglaubigen verehren / vnd der Todten
sich annehmen / sey es für einmahl vnd alle
mahl auch gesagt / nolite timere , förchtet euch
nicht / massen euch nichts Ubels kan widerfah
ren / dann gleichwie in dem Würffeln vil
schwartz werffen / ein sonders Glück ist / also
hat nicht weniger Glück auff der Welt / ( mas
sen von der ewigen Belohnung vorhin schon
Meldung geschehen / ) zu hoffen vnd zu gewar
ten / derselbige / deme die schwartze Farb bey
fallt verstehe hierdurch die Todte . Dann
durch die Todte schon mehrmahl den Lebendi
gen grosse Hülff geleist worden .
Die Hohepriester der Juden / seynd so
wohl ja mehrer als der Iscarioth Ursach ge
west / an dem bittern Tod deß HErrn JEsu /
dann kein Tag ware / da sie nicht den Under
gang diser Göttlichen Sonnen suchten ; Kein
Nacht ✾ (95)✾
Nacht ware / da sie nicht sich bemühten / dises
Göttliche Liecht außzulöschen ; Wie die Wölff
verfolgten sie dises Lamm GOttes ; Wie die
Geyer vnd Raub=Vögel dise vnschuldige Tau
ben ; Wie tobende Sturm=Wind dises Schif
fel deß Heyls / biß sie endlich / dise blutgierige
Egel / vnd vnmenschliche Tyger=Gemüther den
Heyland an das Creutz gebracht / vnd folg
samb mehrer verschuldet / als der Judas Isca
rioth , dannoch aber auff der Welt nicht also
gestrafft worden / wie er / nicht eines so vnglück
seeligen Tods gestorben / wie er / nicht der gan
tzen Welt zu Schand vnd Spott worden / wie
er / warum ? Die Ursach war dise : Jhre Würf
fel haben vil Schwartz geworffen / sie haben
sich der Todten angenommen / dann sie vmb je
nes Blut=Geld / wormit das höchste Gut ver
kaufft worden / einen Acker eingehandelt / der
da zu allen Zeiten soll seyn ein Freudhoff vnd
Begräbnuß der Frembdling ; In sepulturam
Peregrinorum , Matth . 27 . Wie dann von
besagtem Acker sehr vil Erd nach Rom über
bracht worden / vnd wird das Ort genennt :
Capo Santo , allwo noch auff heuntigen Tag
dise Erd nur die Leiber der Frembden behaltet /
der Jnwohner aber gleich wider außwirfft .
Gar gewiß hätt sie sonsten der Teuffel
lebendig hingeführt / oder Donner in Aschen
gelegt / ✾ (96)✾
gelegt / oder die Erd lebendig verschlückt / oder
den wilden Thieren zum Raub worden / weil
sie sich aber der Todten haben angenommen /
so konte sie kein zeitliches Unglück berühren .
Nolite timere , so fürchtet euch dann nicht / alle
Liebhaber der armen Seelen im Feegfeuer / es
kan euch so bald kein Unglück über den Hals
kommen / die Todten helffen den Lebendigen .
Es wird geschriben von einer armen Wit
tib zu Genua , wie daß selbige ihren gar vnge
rathenen Sohn von der Galee erledigen wol
te / hierzu aber ein Summa von 300 . Thaler
erfordert wurde / so vil aber in ihrem gantzen
Vermögen nicht zu finden / ist demnach von der
Noth gezwungen worden / das Geld zu betteln /
vnd bey wohlhabenden Leuthen nach vnd nach
zu suchen . Einsmahl trifft sie einen Priester
an / mit einem sehr saubern Auffzug / von deme
sie gar demüthig ein Beysteur gebetten / der
aber gar mitleydent geantwortet / daß er selber
Noth leyde / vnd wisse nicht / wo er etwan heunt
das Mittagmahl werde einnehmen / dann er
schon lang in der Kirchen gewart / der Hoffnung
es möchte jemand ein heilige Meß bestellen /
seye aber all sein Hoffnung leer abgeloffen / vnd
folgsam ihme nicht so vil baare Mittel / womit
er sich könne erhalten ; die arme Haut erbarmet
sich seiner / vnd gibt ihme ein Geld / dessen sie
weit ✾ (97)✾
weit mehrer bedürfftig / er soll darfür ein Heil .
Meß lesen für die abgestorbene Christglaubige .
( O Frau ! vil Schwartz werffen in Würffel
bringt Glück . ) Nolite timere , förchtet euch
nicht / die Todte werden euch nicht verlassen /
wie es auch geschehen ; Nach vollendtem H .
Meß=Opffer sucht die fromme Matron ein an
dern Wohlthäter / vnd findt ein alten jedoch
vnbekandten Herrn / deme sie ihr gantze Noth
geklagt / der sie dann alsobald getröst / vnd ihr
ein Zettel geben / welchen sie zu disem N . Kauff
mann solle tragen / deme sie auch also nachkom
men / der Kauffmann aber konte den Zettel
nicht genug anschauen / konte sich nicht genug
verwundern / fragt die Frau / von wem sie dise
Schrifft habe ? ob sie ihn möchte kennen / wann
er ihr denselben gemahlter thäte zeigen ? wa
rumb nicht / sagte sie / ich hab seine Gestalt gar
wohl gemerckt . Darauff führt er sie in einen
grossen Saal / worinnen beyderseyts ein lange
Reyh underschiedlicher Bilder vnd Contrafe
ten hangten / sie schaut / sie siht / sie zaigt mit den
Fingern auff ein Bild / vnd sagt : Diser seye
es gewest / er sehe ihm gantz gleich vnd ähnlich ;
Worauff der Kauffmann geseufftzt / ach ! sprach
er / der ist mein Vatter gewest / vnd schon vor
zehen Jahren mit Todt abgangen / vnd sein
Handschrifft erkenn ich gar zu wohl in disem
G Zettel / ✾ (98)✾
Zettel / ich will euch also gern das verlangte
Geld zur Rantzion eures Sohns darschiessen /
dann also verlangt es mein Vatter seeliger .
Die Frau / vnd alle die jenige denen solches
kundbar worden / erkannte gar leicht / daß dises
ein Danck der armen Seelen wegen der Heil .
Meß / die sie hat lesen lassen . Nadal . prædest .
sig . 7 . n . 52 .
Die arme Seelen in dem Feegfeuer lassen
niemahl vnvergolten die Gutthaten / so ihnen
erwisen werden ; die Danckbarkeit ist bey ih
nen weit besser vnd beständiger / als bey vns
wanckelmüthigen Adams=Kindern . Die lie
be Schutz=Engel kommen mehrmahlen zu ih
nen hinunder / vnd berichten sie vmbständig /
was vnd wer ihnen etwas Guts thue / ja sie
nehmen solches auch meistens wahr / bey Linde
rung vnd Minderung ihrer Pein / daß jemand
für sie bette / vnd einige Hülff leiste / worüber
sie die Händ mit tausend Danck zusammen
schlagen / vnd versprechen / solche Wolthat nim
mehr zu vergessen / wann dann die Schutzengel
ihnen offenbahren / es seye diser / es sey dise / von
denen solches H . Meßopffer / vnd andere gute
Wercke übermacht worden / so dann lassen sie
nit nach immer vnd immer zu GOtt zu ruffen /
vnd schreyen vmb Wohlfahrt ihrer Gutthä
ter / ja durch Zulassung GOttes vnd sonderer
Mitwür= ✾ (99)✾
Mitwürckung deß Allerhöchsten / seynd sie
mehrmahl sichtbarlich erschienen / vnd ihre Pa
tron auß vnderschiedlichen Gefahren errettet .
O wie vil haben erfahren / vnd erfahren es
noch / daß sie sich nicht ehender auß einer Gefahr
oder Unglück können wicklen / als wann sie den
armen Seelen etwas schencken / oder wenigst
versprechen zu schencken .
Die Allerdurchleuchtigste vnd Tugend
sambste Käyserin Maria / Ferdinandi deß III .
werthiste Gemahlin / hat die arme Seelen im
Feegfeuer meistens auff ihrer Seiten gehabt /
vnd in allen Nöthen ihre Zuflucht zu denselben
genommen / massen dise so wohl als die Heili
gen in dem Himmel in der Göttlichen Gnad
bestättiget / vnd folgsamb auch fähig seynd für
andere / nicht aber für sich selbsten zu betten ;
Besagte Allerdurchleuchtigste Frau / war auff
ein Zeit mit ihrem Herrn Gemahl dem Käy
ser zu Regenspurg / vnd befanden sich beyde
Majestäten dazumahl mit Feinden vmbgeben /
ja die grosse Kälte war zu ihrem gewünschten
Vorthel / massen die Donau also überfrohren /
daß sie dem Feind zu einer Brucken gedient /
wie dann solcher allbereits in dem Anmarsch
begriffen / da solches die andächtigste Käyserin
wahrgenommen / hat sie alsobald ihr Zuflucht
geschöpfft zu den armen Seelen im Feegfeuer /
G 2 ihnen ✾ (100)✾
ihnen 1000 . Seelmessen verlobt / r c. Sihe
Wunder ! Jn derselben Nacht ( Zweiffels oh
ne durch Hülff vnd Fürbitt der armen See
len / ) hat die Donau starck angefangen zu
schmeltzen / daß also der im ersten Anzug begrif
fene Feind hat müssen mit Schaden erfahren /
daß all sein Vorhaben zu Wasser worden / mas
sen deren über 1000 . ertruncken . Fürsten=
Spiegel fol . 161 . So bringt dann schwartze
Farb Glück / vnd helffen die Todte den Le
bendigen .
Ein brüllender Löw / hat den Propheten
von Juda auff dem Weeg zerrissen / durch son
dere Verhängnuß GOttes / massen er in et
was vngehorsamb war / als solches einem an
dern Propheten / der sonst nicht gar zu heilig /
kundbar worden / machte er sich alsobald auff /
raiste von Bettel hinweg / vnd findt den todten
Leichnamb deß Propheten auff der Strassen /
neben ihm aber auch den Löwen stehen / mit
feurigen Augen / vnd blutigen Rachen / vner
acht alles diß / gehet er hin / nimbt den todten
Leib mit sich / vnd begrabt ihn ehrlich . Aber
wie hat sich doch diser getraut / in einer so gros
sen vnd augenscheinlichen Gefahr zu begeben ?
Tostatus antwortet : Der gute Mann habe
ihme gäntzlich eingeblildet eingebildet / daß / wann er dem
Todten ein Lieb werde erweisen / er kein Un
glück ✾ (101)✾
glück zu förchten habe / in lib . Reg . 13 . So
bringt dann schwartze Farb Glück / vnd helffen
die Todten den Lebendigen . 3 . Reg . 13 .
Anno 1650 . hat ein vornehmer Buch
drucker zu Cölln / in seinem Hauß bettligerig /
vnd zwar in augenscheinlicher Todts=Gefahr
seine liebe Ehefrau / wie auch sein kleinen
Sohn / wuste also nicht / wohin er sich in solcher
Trangsaal solte wenden / begibt sich demnach
in die Kirchen / vnd fallen ihme die arme See
len im Feegfeuer ein / verspricht derohalben /
daß er den armen Seelen zu Nutz vnd Trost /
ein Büchel von dem Feegfeuer auff ein neues
widerumb wolle under die Preß nehmen / vnd
dessen 100 . Exemplaria für den kleinen kran
cken Sohn / 200 . aber für sein krancke Frau
vmbsonst vnder die arme Geistlichen außthei
len ; Die Sach ist ihm also wohl angangen /
daß gleich beyde von freyen stucken seyn besser
worden / vnd in wenig Tagen frisch vnd gesund .
Dergleichen Geschichten seynd nicht al
lein in vilen Büchern zu finden / sondern es
gibts die tägliche Erfahrenheit / was Hülff ei
ner zu hoffen habe von den armen Seelen im
Feegfeuer / wann man ihnen hilfft . Probire
es nur jemand / vnd laß ihme die abgestorbene
Christ=glaubige befohlen seyn / so wir er hand
greifflich spühren / daß mehrer Seegen im
Hauß / ✾ (102)✾
Hauß / daß besser Glück in der Wirthschafft /
daß sicherer Fortgang seines Gewerbs / daß
kräfftiger Widerstand seiner Feinde / daß we
niger Unhayl in dem Zeitlichen / daß weniger
Anstöß in dem Ampt / daß minder Trangsaal
in dem Leben / daß geringer Unruhe in dem Ge
wissen / daß schlechtere Forcht in dem Hertzen .
Jn Summa / er wird es mercken / er wird es
sehen / er wird es greiffen / er wird es erfahren /
daß wer ein Patron ist der armen Seelen /
daß für ihn auch Himmel vnd Erd
patrocini re.
Requiescant ergo in Pace .
So gebe ihnen dann GOTT die
Ewige Ruhe .
AMEN
.