Augustini Feuriges Hertz, digitale Ausgabe Abraham â Sancta Clara herausgegeben von Ulrike Czeitschner Claudia Resch unter Mitarbeit von Barbara Krautgartner Eva Wohlfarter Vollständig digitalisierte Ausgabe 2015 Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank 17.273 Tokens 112 Faksimiles Austrian Centre for Digital Humanities, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Sonnenfelsgasse 19 1010 Wien
Wien 2015 abacus.9
Abraham â Sancta Clara: Augustini Feuriges Hertz. Salzburg, 1693. Abraham â Sancta Clara: AUGUSTINI Feuriges Hertz Tragt Ein Hertzliches Mitleyden mit den armen im Feeg=Feuer Leydenden Seelen Gedruckt zu Saltzburg bey Melchior Haan Anno 1693. Abraham â Sancta Clara AUGUSTINI Feuriges Hertz Tragt Ein Hertzliches Mitleyden mit den armen im Feeg-Feuer Leydenden Seelen / Das ist / Ein kleiner Haußrath etliche Sententz auß den Schrifften vnsers Heil. Vatters. Zu Trost den verstorbenen Christ-Glaubigen / [et]c. Durch P. Abraham / Augustiner Barfüsser. Cum Licentia Superiorum, & Privilegio Sac. Cæs. Majestatis. Erstausgabe Melchior Haan Salzburg 1693 112 [davon 10 unpagiert, 102 paginiert] Wien Österreichische Nationalbibliothek Österreichische Nationalbibliothek Sammlung von Handschriften und alten Drucken 484.862-A Alt

bearbeitet im Rahmen des Projekts "Texttechnologische Methoden zur Analyse österreichischer Barockliteratur", gefördert vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank (Nr. 14738)

Der elektronische Text wurde nach den Richtlinien der TEI P5 annotiert.

Korrekturen sind als solche ausgewiesen.

Die Orthografie des Originals wurde beibehalten.

Die Typografie des Originals wurde außer im Falle von Ligaturen, Umlauten und Schaft-s beibehalten. Längenstriche sind durch den Unicode U+305 repräsentiert, der dem jeweiligen Buchstaben nachgestellt ist.

Worttrennungen am Zeilenende wurden beibehalten.

Personennamen, Ortsnamen, Datumsangaben, Zitate und bibliographische Verweise

Tokenisierung, PoS-Tagging (54-teiliges Stuttgart-Tübingen-TagSet, Guidelines 1999), Lemmatisierung (Referenzwerke: Duden bzw. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm), manuelle Korrektur

Erbauungsliteratur Älteres Neuhochdeutsch

ICL. f.

AUGUSTINI Feuriges Hertz Tragt Ein Hertzliches Mitleyden mit den armen im Feeg=Feuer Leydenden Seelen / Das ist / Ein kleiner Haußrath etliche Sententz auß den Schrifften vnsers Heil. Vatters. Zu Trost den verstorbenen Christ=Glaubigen / rc. Durch P. Abraham / Augustiner Barfüsser. Cum Licentia Superiorum, & Privilegio Sac. Cæs. Majestatis. Gedruckt zu Saltzburg bey Melchior Haan / Einer Löbl. Landschafft vnd Stadt=Buchdruckern vnd Handlern / Anno 1693.
(5)
Cie̅t extincta tumultum.

NImiæ Impudentiæ est, negare animas interdum ad nos redire, Deo jubente vel permittente, habemus enim Testimonium gravissimorum Authorum. lib. de cura pro Mort. Pag. 15.

Es spricht vnser H. Vatter Augustinus: Daß Jemand sehr frech vnd vnverschambt seye / der da laugnen darff / daß bißweilen die Seel durch Befehl oder Zulassung GOttes wiederumb zu vns kommen / vnd vns erscheinen können / zumahlen solA 3ches(6)ches von den bewehrtisten Lehrern bestättiget wird.

ES ist zwar nicht ohne / daß bey dergleichen Erscheinungen gar offt vil Betrug vnderlauffe / entweders durch den bösen Feind / welcher den Tück vnd Arglist / womit er Anfangs die Eva übervorthelt / noch immerfort bey den vnbehutsamen Adams=Kindern spühren läst / oder aber durch schlimme vnd vermessene Leuthe / welche under dem Schein der Erscheinungen nicht selten einige Boßheit suchen oder vermäntlen / so geschicht auch offt / daß vnser einbilderische Phantasey / oder schwache vnd verwirrte Sinne / bißweilen seine Geist=Erscheinungen von freyen Stucken ihnen selbsten schnitzlen; Dergleichen geschicht in einer solchen Menge / daß man gantze Bücher könte damit anfüllen: Es hat vnlängst ein solcher eingebildeter Geist etliche Leuth auß der Stuben dergestalten hinauß gejagt / daß einer über den andern trippelweiß über die Stiegen hinunder gefallen / vnd als man hernach die Sach weiters erwegt / vnd besser nachgesucht / so war der Geist nichts anders / als ein gebratner Apffel in dem Ofen=Rohr / so wegen der Hitz angefangen zu seufftzen vnd zu pfeiffen. Ohnangesehen / vieler solcher(7)solcher phantastischen Einbildungen / oder anderen frechen Bubenstück / wordurch zu weilen vermessene Leuthe andere suchen zu erschröcken / das zu ihrem bösen Vortheil zu gebrauchen / kan ohne grosse Thorheit nicht widersprochen werden / daß nicht mehrmahl dergleichen warhaffte Erscheinungen der Geister sich begeben.

Käyser Ferdinandus seeligister Gedächtnus / hatte stäts bey sich / vnd vmb sich einen geheimen Secretari, deme seine Majestät als einem allertreuesten Diener alles anvertrauet / nachdeme solcher auch die Schuld der Natur bezahlet / vnd durch den zeitlichen Hintritt in die Ewigkeit passiret / ist er nicht lang hernach dem Käyser / als seinem zuvor allergnädigisten Herrn gantz sichtbarlich erschinen / welchen dann der fromme Käyser mit vnerschrockenem Gemüth angeredet / vnd vmb die Ursach seiner Ankunfft auß jener Welt befragt / weil aber hierüber keine Antwort erfolget / sondern an statt deß der Geist Jhro Mayestät seine Hand dargereicht / welche der vnerschrockene Monarch auch nit gewaigert / aber wegen übermässigen Hitze seine Hand alsobald muste zuruck ziehen / worauff auch der Geist verschwunden / vnd nicht mehr nachmahls erschinen / weil der mildhertzigste Käyser sehr vil H. Messen für ihn hat lesen lassen. Jan. Nic. Ex. 154.

Nach= (8)

Nachdeme der H. Elisabeth einer Königlichen Tochter in Ungarn / ihre Frau Mutter mit Todt abgangen / ist sie einsmahlen bey der Nacht besagter ihrer Tochter in schwartzem Auffzug / vnd betrübtem Angesicht erschinen / sich zu dero Füssen geworffen / liebste Tochter sprach sie / seufftzte sie: Jch beschwöre dich / daß du mit deiner betrangten Mutter wollest ein Mitleyden tragen / dann ich leyde vnermeßliche Qualen vnd Tormenten in dem Feegfeuer / dieweil ich etlichmal lau vnd nachlässig gewesen in dem Dienst GOttes. O Tochter! O Tochter! ich klopffe mehrmal an die Porten deiner Barmhertzigkeit / ich bitt / ich bitt / ich bitt / rc. Wie nun die H. Elisabeth hierüber sich zu dem Gebett begeben / vnd mit vilen vndermengten Zähren / mit tieffen Hertzens=Seufftzern die Göttliche Milde vmb Erlösung ihrer Frau Mutter ersucht / ist sie nicht lang hernach in ein sanfftes Schläffel gerathen / worinn sie gesehen / daß ihr liebste Mutter / vermög ihres Gebetts / gantz frohlockend auß solchem feurigen Kercker in die ewige Seeligkeit übertragen worden. Jacob. Mont. in vit. c. 23.

Unzahlbare solcher Erscheinungen findet man schier in allen Büchern / ja es streicht mehrmahl nicht ein Jahr vorbey / in welchem nicht da vnd dort dergleichen Begebenheiten sich(9)sich ereignen / allein begegnet hierinfalls eine Beschwärnus vnd harte Frag / wie vnd was gestalten man erkennen kan / ob sothane Erscheinung warhafftig sey / oder aber grundloß / vnd mit Spiegelfechterey gefüttert.

Wann erstlich die Person / so dergleichen Erscheinung vorgibt / einen frommen vnd vnsträfflichen Wandel führet / so muß man doch dero Erzehlungen ein willkühriges Ohr vergönnen / vnd ihre Wort nicht gleich in Wind schlagen.

Wann nachmahls ein solche Person hierdurch kein Interesse, oder zeitlichen Gewinn suchet; Dann gar offt ein gemeine Dienst=Magd mit solchen Erscheinungen auffziecht / dadurch bey ihrer Herrschafft besser in Gnaden zu kommen / vnd folgends mehrer belohnt zu werden.

Wann das Begehren deß Geistes in billichen Sachen bestehet / vnd nicht einige Andachten vndermischt / worinnen vil Aberglauben sich anhencken / wie nicht vnlängst ein Geist soll begehret haben / man solle seinetwegen / biß nacher Alten=Oetting wallfahrten gehen / aber mit solchen Schuhen / mit denen man niemahl über ein Freydhoff / oder Gottsacker gangen.

Wann der Geist erscheinet in Menschlicher Gestalt / vnd nicht in Gestalt der wilden A 5Thier/(10)Thier / als Katzen / Hund / Bären / Wolff oder anderer Bestien / massen solche Erscheinungen mehr dem bösen Feind / als den guten Geistern zugemessen.

Wann der Geist kein Scheühen tragt ob dem H. Creutz=Zeichen / an dem süssesten Namen JESU vnd Maria / H. Reliquien / Weyhwasser / Agnus Dei &c.

Wann der Geist zu frieden ist mit deme / was er Anfangs begehrt / vnd allbereit für ihn schon verricht worden / dann so fern er nach Abstattung der verlangten guten Wercke noch fernere Ungelegenheit im Hauß / vnd der Person machet / kan dißfalls gar leicht ein Betrug vnd Falschheit deß bösen Feindes / oder auch der Person vermuthet werden.

Wann endlich die Erscheinung deß Geistes anfangs einen Schrecken verursachet / vnd sich die Natur darob erstlich entsetzt / nachgehends aber ein sonder Hertzens=Trost entsteht / so scheint es ein gewisses Kennzeichen eines guten Geists / der da Hülff sucht zu seiner Erlösung: soll aber der Geist zu Anfang das Gemüt mit Trost erfüllen / zuletzt aber Angst / Forcht / vnd allerley Entrüstungen verursachen / so kan man gar leicht abnehmen / dises sey ein böser Geist / vnd zwar nicht allemahl ein verdammte Seel / sondern meistens der böse Feind / vnd Sathan(11)than selbst / welcher vil Oerther solcher gestalt auß Göttlicher Verhängnus pflegt zu beunruhigen.

Rathsam vnd heylsam ist es / so offt man nächtlicher Weil ein vnnatürlich Getöß oder Klopffen spühren thut / wie ich es selbst erfahren / da in Gegenwart meiner vnd eins andern Gespan / ein vnsichtbare Hand alle grosse eyserne Leuchter zur Metten=Zeit / in dem Chor ordentlich an ihr Ort gestellet / rc. Gut ist es / daß man bey dergleichen Zufällen ohne weitern Verzug das H. Gebett ergreifft / vnd solches GOtt dem Allmächtigen auffopffert für jene Seel / so da auß Zulassung GOttes auff solche Weiß Hülff verlangt / wie dann wir auch gethan vor den Pater / so deß vorigen Tags mit Todt abgangen.

Gleichwie auch in der Charwochen nach Außlöschung der Kertzen auff dem dreyeckigten Leuchter / pflegt ein Getöß vnd schlagen zu geschehen / worvon die Metten den Nahmen schöpffet die Pumper=Metten / also geschichts mehrmahlen / wann vnser Freunde vnd Anverwandten mit Todt abgehen / vnd gleichsamb wie die Kertzen außlöschen / daß nachmahls im Hauß ein Tumult zuweilen gespühret wird / welches meistens dahin deutet / daß wir ihnen in jener Welt sollen ein Hülff leisten.

Non
(12)
Non nisi Spicula torquet.

HIc ignis, & si non sit æternus, miro tamen modo gravis est, superat enim omnem pœnam, quam homo unquam passus est in hac vita, vel pati potest.

Es spricht der Heil. Vatter Augustinus, daß jenes Feuer / ob es schon nicht ewig / doch auff ein wunderliche Weiß schwär sey / ja es übertreffe alle Pein vnd Marter / die ein Mensch auff der Welt einmahl gelitten hat / oder leyden kan. S. P. Augustinus serm. de igne Purgatorii.

Nach= (13)

NAchdeme Jonas seine Buß=Predigt zu Ninive vollendet / begab er sich auß der Stadt hinauß / vnd setzte sich vnweit derselben auff einen Hügel / den Außgang zu erwarten / was doch der Stadt möchte widerfahren / machte ihm auch anbey ein kleine Lauber=Hütten / damit ihme die Sonnen=Hitze nicht so hart könte zusetzen / auch liesse der allmächtige GOtt ein Kürbes auffwachsen / dessen grosse breite Blätter dem Propheten einen angenehmen Schatten gemacht / worüber er sich nicht ein wenig erfreut / aber solche Begnügung hatte einen kleinen Bestand / massen auß Befehl deß Allerhöchsten in aller Frühe / noch vor Auffgang der Morgenröth ein kleines Würmel den Kürbis zerbissen / worauff er alsobald verdorret / und nachmahls den brennenden Sonnen=Strahlen freyen Paß auff das Haupt deß Propheten geben / welches ihme so grossen Verdruß verursachet / daß er vor lauter Zorn vnd Ungedult sich gegen GOTT nicht ein wenig beklagt / ja so gar ohne Scheu sich hören lassen / daß er auff solche Weiß lieber todt als lebendig wolle seyn.

Ey du vngedultiger Jonas! so kanst du nicht leyden kleine Sonnen=Hitz? so machen dir die Sonnen=Strahlen so grosse Quälen? aber(14)aber du bist nicht allein so häcklich / deines gleichen find man / sieht man / hört man unzahlbare Adams=Kinder / welche die allergeringste Hitze nicht können außstehen / wann sie von einem einigen Tropffen Pettschierwax getroffen werden / so muß auwe hundert vnd neun vnd neuntzigmahl widerhohlt werden / wann sie mit blossen Händen nur ein Liecht butzen / so schnellen sie mit den Fingern / als hätten sie dem Feuer=speyenden Berg Ætna in den Busen griffen; wann sie mit einem heissen Löffel=Suppen das Maul verbrennen / so jammern vnd lamentiren sie / daß auch die Augen derentwegen in die Schwemm reiten. O GOtt! O Himmel! wie wird euch dann das Feegfeuer ankommen / gegen dessen Schmertzen / alle Pein der Welt nur für ein Schertzen zu halten.

Ein Truck under der Preß sagt / ich leide; ein Haar oder Flachs durch die Hächel sagt / ich leyde. Ein Amboß vnder dem Hammer sagt / ich leyde. Ein Brett vnder dem Hobel sagt / ich leyde. Ein Weyrach auff der Glut sagt / ich leyde. Ein Braten an dem Spieß sagt / ich leyde. Ein Erd vnder dem Pflug sagt / ich leyde. Ein Traydkörnel vnder dem Mühl=Stein sagt / ich leyde. Ein jeder Mensch / so geplagt wird / sagt / ich leyde / ich leyde: Aber hört ein wenig / macht die Ohren auff / wann man(15)man euch sagt / daß all euer Leyden / nur Freuden seyn gegen dem Feegfeuer.

Laß dir mit glüenden Pfriemen außstechen die Augen / dise gläserne Kuppler; laß dir mit glünendemglüendem Messer abschneiden die Nasen / disen pollierten Rauchfang; laß dir mit glüenden Scheeren abschneiden die Ohren / dise zwey Audienz-Zimmer; laß dir mit glüendem Schnitzer außschneiden die Zung / disen so künstlichen Sprachmeister; laß dir mit glüenden Zangen außbrechen die Zähn / dise helffenbeinene Zuschrotter; laß dir mit glüendem Beyl abhauen die Finger / dise so spitzfindige Künstler; laß dir mit glüenden Stämmeisen abhacken die Zehen / disen so steiffen Fußboden; laß dir mit glüenden Scheermessern Riemen schneiden auß der gantzen Haut / auß disem so häcklichen Uberzug / so ist doch alles dises nur ein Schatten / mehr nichts als ein Schatten / weiter nichts als ein Schatten gegen der mindesten Pein im Feegfeuer.

Alles Auwe wegen deß Augenweh / alles auwe wegen deß Zähnweh / alles auwe wegen deß Halsweh / alles auwe wegen deß Brustweh / alles auwe wegen deß Ruckenweh / alles auwe wegen deß Seitenweh / alles auwe wegen deß Hertzweh / alles auwe wegen deß Miltzweh / alles auwe / so der Mensch am Leib / im(16)im Leib / vmb den Leib erlitten hat / vnd noch leidet / vnd ferners leiden wird / ist / ist / ist / was? ist nur ein Einbildung / ein Gedicht / nur ein gemahltes Wesen gegen dem Feegfeuer.

Wie ist dir Jeremias gewesen in der Gruben? übel / das glaubt man. Wie ist dir Joseph gewesen in der Gefängnus? übel / das glaubt man. Wie ist euch Burgern gewest in der Brunst zu Sodoma / vnd Comorra? übel / das glaubt man. Wie ist dir Achan gewest vnder dem Steinhauffen? übel / das glaubt man. Wie ist dir Absalon gewest an dem Eichbaum? übel / das glaubt man. Wie ist dir Samson gewest / da du an Händ vnd Füsse gebunden worden? übel / das glaubt man. Wie ist euch armen Seelen im Feegfeuer? übel / übel! Aber das will kein Mensch glauben / vnd kans kein Mensch glauben / O GOtt!

Die Costnitzer Chronick registriret ein wunderseltzame Geschicht / so sich nach Christi Geburt Anno 1134. soll zugetragen haben. Herr Albrecht Freyherr von Zimmern bediente mehrmahl den Hof deß Hertzog Friderich in Schwaben / einsmahls begleitete er den Hertzog / sambt den Fürstlichen Hof biß nacher Monheimb zu dem Grafen Erhingern / allwo neben andern Lustbarkeiten auch ein Jagt wurde angestellt / meistens darumb / weil in dem nächst(17)nächst entlegenen Wald von vilen Jahren her / ein Hirsch von einer vngeheuren Grösse / so aber niemahl von den Jägern konte erdapt werden. Als nun der Fürst mit dem häuffigen Adel in würcklicher Jagt begriffen / vnd Herr Albrecht von Zimmern hierinn nit der mindeste seyn wolte / hat sich vngefähr zugetragen / in dem besagter Cavalier auff die Seiten in etwas geritten / daß ihme der grosse Hirsch vnder die Augen kommen / dem er mit allen Eyfer vnd möglichsten Fleiß nachgesetzt / dergestalten / daß er sich von der Hofstadt gäntzlich verlohren / vnd als er vermeinte den Hirschen schon zu haben / da ist an statt dessen ein grosser Mann vor ihm gestanden / worvon der sonst vnerschrockene Cavalier sich nicht ein wenig entrüst / endlich redet ihn diser Geist folgender Gestalten an: Förchte dir nit Albrecht / dann ich habe einen besondern Befehl von GOtt dir etwas hochwichtiges anzudeuten / reite mit mir / so wird ein vnerhörte Sach geoffenbahret werden. Albrecht von Zimmern / weil er von GOtt gehört / weigerte solches gar nicht / folgte ohne weitere Forcht dem Geist / biß sie endlich zu einem herrlichen Pallast gelangt / in dessen Mitte ein sehr kostbarer Saal zu sehen war / darinn ein grosse Taffel voller hochansehlicher adelicher Gäst / welche alle sich zeigten / jedoch mit höchstem BStill=(18)SillschweigenStillschweigen / als thäten sie essen / wie nun Herr Albrecht / alles genaue besichtiget / vnd sich nicht genug hierüber konte verwundern / bekombt er von dem Geist ein Befehl / daß er sich wider auff den Zuruckweeg solle begeben / welches auch ohne fernern Verzug geschehen / der Geist aber fragte ihn / was er von diser Sach halte / vnd was er vermeine wer dise seyn? Als solches der Freyherr mit nein beantwortete / so dann offenbahrte ihme der Geist / wie daß solches sein Freundschafft seye / so schon vor vilen Jahren mit Tod abgangen / anjetzo aber wegen gewissen Sünden / noch in zeitlicher Straff lige / vnd vnglaubliche Peinen leyde / worüber diser Geist auch verschwunden; Herr Albrecht wolte noch einmahl vmbschauen / vnd den wunderschönen Pallast noch einmahl anblicken / sihet aber daß selbiger in völligem Feuer vnd Flammen / mit erschröcklichem praßlen deß Schwefels vnd Pechs / dann auch ein wehmütiges Schreyen vnd lamentiren / worüber er dergestalten erschrocken / daß vneracht er ein Cavalier von etlich vnd dreissig Jahren / am gantzen Kopff schnee=weiß worden wie ein eißgrauer Mann / welches den Hertzog vnd die gesambten Hofstadt in höchste Verwunderung gestellet; Bald hernach ist zu Trost der verstorbenen Christglaubigen / forderist seiner Freund=(19)Freundschafft / eine schöne Kirchen / sambt einem Jungfrau=Closter dahin gebauet worden. Chronic. Constant.

Reden last sich vil / aber nit genug / erzehlen last sich vil / aber nit genug / mahlen last sich vil / aber nit genug / schreiben last sich vil von dem Feeg=Feuer vnd dessen grösten Peyn / aber nit genug / nie genug; Gleich wie nun ein Jgel über vnd über voller Spitz vnd Spieß / vnd gäntzlich nichts linds an ihm / sondern alles nur zum verwunden vnd beleydigen / also ist in jenem zeitlichen Kercker nichts zu sehen / zu hören / zu riechen / zu kosten / zu fühlen / als lauter weh / weh / weh.

B 2 Prospe- (20)

ICL .

Prosperè Si prosperè.

FEstinate orare pro Defunctis Ecclesiæ. S. Pater Augustinus sermon. 44. ad ffr: in Erem.

Eylt / eylt zu betten für die verstorbene Christglaubige. Spricht der Heil. Vatter Augustinus.

NAchdem die übergebenedeite Jungfrau Maria durch Uberschattung deß H. Geistes / GOttes Sohn in ihrem reinesten Leib empfangen / hat Sie sich alsobald auff die Reiß gemacht / ihre liebste Mäimb vnd Baaß(21)Baaß Elisabeth / so dazumahl im sechsten Monat groß Leibs gangen / zu besuchen / vnd folgsamb zu bedienen / sie hat aber solche Raiß in aller Eyl vollzogen / massen sie den ersten Tag deß Aprilis an einem Freitag / (wie Colvenerius zeugt /) außgangen / vnd am Montag schon bey Zeiten in dem Hauß Zachariæ / vngeacht deß grossen vnd harten Gebirgs / sich eingefunden / also in so wenig Tagen 95 wälsche / das ist 19. teutsche Meil gemacht / welches an dem so zarten Jungfräulein höchst zu verwundern / wie dann solches der Evangelist selbst vmbständig beschreibet / daß sie nemblich eylends gegangen über das Gebirg in die Stadt Juda / rc. Luc. 1. 40. vers. weil sie wuste / daß durch ihre Ankunfft der kleine Joannes noch im Mutter=Leib von dem Band der Erbsünd solte loß gemachet werden / also hat sie solche Reiß ohne einigen Auffenthalt / auffs allerschleunigste vollzogen / gantz eylends / vns zu einer sonderbahren Lehr; Wann wir doch wollen dermahlen vnserem Nächsten auß einem Elend helffen / daß wir solche Hülff im geringsten nicht auffschieben / sondern ohne weitern Verzug vnsere barmhertzige Hände darreichen / eylends / eylends.

Nichts tyrannischer vnd grausamer kan erdacht werden / als wann wir die Hülff gegen B 3den(22)den abgestorbenen Christglaubigen auff so lange Banck schieben. Wann ein Todsfall geschicht / ist meistens das erste Schicken zu dem Schneider / damit die Klag=Kleyder ohne Hindernuß verfertiget werden / vnderdessen bratet / vnd brinnet er; man schickt zu zwey oder drey Tischler / welcher vmb leichtern Werth die Truhen mache / vnderdessen brat er / vnd brinnt er; Man deutet es der Obrigkeit an wegen der gewöhnlichen Sper / vnderdessen brat er / vnd brinnt er; Man thut es der gantzen Freundschafft zu wissen / vnderdessen bratet er / vnd brinnet er; mit harter Mühe deß folgenden Tags wird ein oder andere H. Meß gelesen. Die Pia Legata können dermahl nicht abgestattet werden / dann das Testament hat ein Clausel / auß welchen vermuthlich ein Process geschmidet wird / der sich aber vor Jahr vnd Tag nicht enden wird / vnderdessen bratet er / vnd brinnet er. Kurtz vor seinem Tod / hat mir mein Vatter aufferlegt / ich solt dise Schuld bezahlen / welches auch / geliebts GOtt / geschehen soll / aber ich will erst warten in was für einem Preiß heuer das Traidt werde kommen / vnderdessen bratet er / vnd brinnet er. Die Kirchfahrt die er nacher Maria Zell verlobt / soll ich so bald es nur möglich / an statt seiner verrichten / aber dermahl weil es Herbstzeit /(23)zeit / vnd der Wein=Garten ein wachtsames Aug braucht / kans nicht seyn / will sehen / wie es sich im Frühling wird schicken / vnderdessen brat er / vnd brinnt er. O Grausambkeit eines solchen Tyger=Hertzen / eines solchen steinharten Gemüts!

Wie der verlohrne Sohn wider auß den Ländern vnd Elenden kommen / vnd dem alten Vatter zu Füssen gefallen / wie der Vatter gesehen / daß er vor Hunger so außgemerglet / vnd so wenig Fleisch / als deß Samsons gebrauchter Esels=Kinbacken; wie er war gekommen / daß er sal. ven. kein Schuch an Füssen / vnd nur zum Kraut=eintretten gericht / der als ein Unkraut gelebt; wie er vermerckt / daß sein Rock so voller Löcher / als hätten die Erdmäuß darinnen ihren Tummel=Platz; wie er gesehen den elenden Auffzug vnd mühseeligen Standt seines Sohns / da hat er / der liebe Vatter befohlen / citò proferte, &c. geschwind / daß man ihme ein neues Kleid anlege / citò, geschwind / daß man zu der Kuchel schaue / vnd ein Mittag=Mahl zurichte / citò, geschwind vnd eylends / rc. Mein Vatter / last lieber den saubern Gesellen noch etliche Tage in seinen Hadern herumb schlampen / vielleicht buelen die Papiermacher vmb ihn / last ihn einige Zeit fasten / er hat ohne das zu vil gelöffelt / last ihn noch ein Weil leyB 4den /(24)den / damit es ihme ein Witzigung seye: Ach nein / sagte der Vatter / ich kunt es über mein Hertz nicht nehmen / er ist mein Fleisch vnd Blut! Jch kan nicht auch nur ein Viertel=Stund mehr zusehen / daß er solche Noth soll leyden / citò, citò, Luc. 15.

Wie könnet dann ihr Kinder vmb GOttes willen / wie könt ihr ein so stachel=hartes Hertz haben / vnd zulassen / daß euer liebste Eltern nicht nur ein Viertel=Stund leiden / sondern so vil Jahr vnd Zeit; Dann erwegt nur / daß ein einige Viertel=Stund / an welcher ihr die H. Meß / das Allmosen auffschiebt / ihn vil Jahr gedunckt zu seyn. Nur gar zu bekandt ist jene Geschicht / so sich mit zweyen frommen vnd gottseeligen Religiosen zugetragen / welche als vertrauteste Freund vnder ihnen disen Pact gemacht / daß wer vor dem andern werde mit Tod abgehen / vor den soll der Lebendige alsobald das H. Meß=Opffer verrichten / vnd zwar ohne den geringsten Verzug / welches auch also vermög deß Versprechens geschehen / aber nach vollendter H. Meß erscheinet der Todte dem Lebendigen / ropffte ihme vor seine Nachlässigkeit / daß er seinen Schwur / vnd so treuem Versprechen nicht nachkommen / vmb weil er grausamer Weiß ihn zwantzig gantzer Jahr im Feegfeuer gelassen: Mit nichten / antwort der(25)der Lebendige / deme sey nicht also / es seye erst ein halbe Stund daß er Tods verblichen / vnd den Augenblick gleichsamb nach seinem Hinscheiden / habe er die H. Meß angefangen. Wann deme also / sagt hinwider der Todte / so muß man bekennen / daß einem im Feegfeuer ein einige halbe Stund vorkomme wie 20. gantzer Jahr. Biga solut. sermo. de Sanct.

Citò, citò, wohlan dann barmhertzige Gemüther / verweilet nicht einen Augenblick denen Verstorbenen zu helffen / schiebt es nicht ein Viertel=Stund auff vor sie zu betten / last doch vmb GOttes willen nicht hören das Morgen / das Ubermorgen / das ein andersmahl / sondern gleich jetzt / jetzt / da die Seel vom Leib geschiden / werfft ein Allmosen in die Händ der Armen / jetzt / da der Cörper noch warm / schickt in die Kirchen vnd GOtts=Häuser zu betten / jetzt / da man ihm die Augen zutruckt / erhebet eure Augen gen Himmel / vnd seufftzet vmb Barmhertzigkeit bey dem allmächtigen GOtt.

Citò, citò. Wann deß Nächsten Hauß brinnet / vnd alles im Feuer stehet vnd stecket / ist doch niemand der nicht laufft und schnaufft / vnd sucht zu löschen / vnd wir sollen können zu sehen / daß etliche Tage / etliche Monat / ja vil Jahr vnd Zeit vnsere Eltern / vnsere Freunde vnd Anverwandte / sollen im Feuer vnd FlamB 5men(26)men ligen? Ach nein / das soll man von eines Menschen Hertzen nicht vermuthen.

Abraham, Abraham, der GOttsförchtige Patriarch / macht vns vil zu Schanden; Er hat auff eine Zeit 3. frembde Männer erblickt / denen er nicht allein entgegen gangen / sondern geloffen / cucurrit, selbe demüthigst ersucht / sie wollen doch die Einkehr bey ihme nehmen / er seye erbietig ihnen die Füsse zu waschen / vnd sie mit einem Bissen Brod zu bedienen: Das war noch nicht genug / Abraham eylte in die Hütten zu der Sara / eyle / sagt er / vnd bache geschwind ein weiß Brod für die Leuthe / er aber lieff zum Vieh vnd hollte das beste Kalb / gabe es dem Knaben / vnd diser eylte / vnd kochte es / Gen. 18. Wer seynd doch dise gewest / wessenthalben sie zu bedienen man allerseits eylte in dem Hauß deß Abrahams? Abraham currit, Uxor festinat, Puer accelerat, &c. Orig. Tom. 4. in Gen. Frembde seynd sie gewest / die der Abraham nie gesehen noch gekent.

Pfui der Schand bey vns! Abraham springt den Frembden so eylends bey / vnd wir unsern nächsten Bluts=Verwandten in jener Welt so lau vnd langsam; er spendiert ihnen alsobald ein weisses Brod / vnd wir lassen offt etliche Tag vnd Wochen verstreichen / biß wir ihnen ein Bissel vergönnen vnd vorlegen von dem(27)dem schneeweissen Brod der Engeln. Jch will / sagt mancher / wol etliche H. Messen lesen lassen / aber ich muß vorhero wissen / ob es die Verlassenschafft außträgt / was für Schuldner sich nach vnd nach werden einfinden / damit ich mit der weil nicht mit lauter Meß=Opffer das Meinige auch auffopffern: vnterdessen heist es so vil als last ihn brinnen vnd braten. O eyßkalte Hertzen! habt ihr doch ein Mitleyden / wann ein Hund mit einem Stein getroffen wird / vnd durchs Geschrey vnd Wimbseln sein Zuflucht zu euch nimbt: Wie könt ihr dann zusehen / zulassen / zuhören / daß eure eigene Befreundte / oder beste Bekandte / so lang warten müssen in Feuer vnd Flammen auff euer Hülff! Citò, citò, ach eylet / eylet doch vmb GOttes Willen ihnen zu helffen / vnd feuret nicht einen Augenblick wegen deß vnbeschreiblichen Feuers / nehmet dißfalls die Schnelle deß Hirschen an euch / damit ein jeder zu seiner Zeit mit dem Psalmisten David sprechen könne: Perfecit pedes meos tanquam Cervorum Psal 17. Er hat meine Füß den Hirschen gleich gesetzt.

Accipit (28)
Accipit & reddit.

O Homo, ut tui miseratur Deus, fac ut proximo miserearis in purgatorio; nam tantum tibi miserebitur Deus, quantum tu misereberis proximo. Ora ergo pro Defunctis. S. P. Augustinus serm. ad ffr. in Eremo.

Wilst du O Mensch / sagt der Heilige Vatter Augustinus / wilst du daß Gott sich deiner erbarme / sihe zu / daß du ingleichem deinem im Feegfeuer ligenden Nächsten Barmhertzigkeit erweisest / dan̅ in so vil wird GOtt dir in seiner Erbarmung mittheilen /(29)theilen / wie vil du dich über deinen Nächsten wirst erbarmet haben; So bitte dann für die Abgestorbene.

WJeWIe Anno 1683. der Ottomannische Erb=Feind durch sondere Verhängnus GOttes / mit einer so grossen Kriegs=Macht den meisten Theil deß Unter=Oesterreichs überschwembt / vnd auff grausame Weiß mit den Christen verfahren / da haben sich etliche zu Solenau / ein Ort gegen 5. Meil von Wienn entlegen / vmb weilen ihnen aller Weeg zum fliehen abgeschnitten war / reterirt in das Todtenbein=Hauß / auff den Freydhoff / worinn sie / vngeacht so viler vnd mannigfaltiger Nachstellung etliche Wochen sich auffgehalten / vnd nur zu weilen bey nächtlicher Zeit behutsam herauß gekrochen / da vnd dort einige Lebens=Mittel gesucht / vnd solche wider mit sich in die Todten-Retirada genommen: Nachdeme endlich der Ottomannische Monschein ein Finsternus gelitten / vnd diser Christliche Erbfeind hat müssen das Fersen=Geld geben / seynd obgedachte / nicht ohne sondern Trost auß ihrem Todten=Hauß hervor gangen / GOtt dem Allmächtigen höchstens gedanckt vmb weilen sie durch die Todte das Leben erhalten.

Das zeitliche Leben ist endlich nit so hoch zu ach=(30)zu achten / zumahlen es nur ein verdrießlicher Arrest der Seelen / in dem wilden Kercker deß sterblichen Leibs ist: entgegen ist mit höchstem Fleiß auff alle erdenckliche Weiß dahin zu trachten / wie wir können das ewige Leben erwerben / so aber gewisser vnd sicherer nicht geschehen kan / als durch die Todte / da wir nehmlich vns der Todten annehmen / vnd den verstorbenen Christglaubigen in jener Welt / einige Hülff reichen werden.

Dann zu wissen / daß wann wir auch alle vnsere gute Wercke den armen Seelen im Feegfeuer schencken / solche auff kein Weiß in Verlust gehen / sondern noch doppelt / ja hundertfältigen Nutzen hierauß schöpffen: Und geschicht es auff gleiche Weiß / wie mit den Brüdern deß Joseph. Dise saubere Gäst wurden durch die harte Hungers=Noth dahin gezwungen / daß sie müsten gar in Egypten reisen / daselbst vmb das baare Geld Traid einzuhandlen / es geschahe aber / daß gleich dazumahl das völlige Governo deß gantzen Königreichs ihr Bruder Joseph führte / den sie schon längst für Todt gehalten / oder wenigst glaubten sie / daß er etwan zu End der Welt s. v. einen Sau=Hirten abgebe / Joseph erkannte dise schlimme Gesellen alsobald / sich aber gab er nit zu erkennen / sondern ließ sie fein sauber vnder dem(31)dem Schein als wären sie Verräther vnd Außspeher in die Keuchen werffen / (auff solche Köpff gehört kein andere Laug /) endlich verwilligt er neben Darlegung deß Gelds / daß man ihnen das Traidt solle lassen erfolgen / befilcht aber in der Geheime / man solle einem jeden sein Geld ohne dero wissen in Sack hinein legen / so auch geschehen; Wie sie nun nach langer Reiß nacher Hauß kommen / vnd ihr Traid bereits außgeschüttet / da haben sie mit höchster Verwunderung wahrgenom̅en / daß ein jeder sein Geld / so er außgeben / wider zuruck bekommen / sambt einem reichen Vorrath vom Traid Gen. 42.

Auff gleiche Weiß begegnet allen den Jenigen / welche all ihr Andacht vnd gute Wercke den armen Seelen im Feeg=Feuer schencken / H. Messen schencken / H. Ablaß schencken / H. Allmosen schencken / H.H. Fasten schencken / Heil. Communion schencken / H. Wallfahrten schencken / rc. alles dises / was sie dermahlen auß mitleydendem Hertzen den armen Verstorbenen spendiren / bekommen sie gleich nach ihrem Tod widerumb / vnd noch darbey einen grossen Vorrath der Göttlichen Barmhertzigkeit / massen der Allerhöchste in Ansehung solcher Lieb deß Nächsten nicht anderst kan / als auch sich ihrer zu erbarmen. Dahero spricht mehrmahl vnser H. Vatter Augustinus: Igitur pro mortuis semper(32)semper orandum est, & sic malâ morte perire non poterimus. S. P. August. in Psalm. 40. Wir sollen in allweeg vnd allzeit für die verstorbene Christglaubige betten / dann solcher Gestalten können wir einen bösen vnd vnglückseeligen Tod nicht nehmen.

Die H. Jungfrau Gertraud / vmb weilen sie auß purem Mitleyden gegen den armen Seelen alle ihre gute Werck ihnen überlassen / thäte sich nicht ein wenig bekümmern in ihrem Todbettlein / auß Forcht / sie möchte etwan selbst wegen Mangel der guten Werck Noth leyden / indem sie nun in solchen Aengsten begriffen / erscheinet ihr Christus der HErr / vnd redet sie trostreich also an: Damit du sehest vnd sattsam erkennest / wie werth vnd angenehm mir dein mildhertzige Lieb seye gewesen / welche du gegen den armen Seelen im Feegfeuer getragen / so laß ich hiemit alle Straffen nach / die du hättest sollen in demselben außstehen / vnd weil ich für die Werck der Barmhertzigkeit habe hundertfältige Belohnung versprochen / also will ich dich nicht allein vngestraffter lassen / sondern noch anbey dein Glory in der Ewigkeit vermehren. Dionys. Carthus. lib. de San.

Jener Religios von deme Baronius registriret / hat es genugsam erfahren / daß sich GOtt eines solchen erbarme / der sich auch über die(33)die armen Seelen erbarmet hat / massen diser nach seinem zeitlichen Hintritt mit vilen andern Seelen / so gleich dazumahl in derselbigen Stund von hinnen abgeschiden / vor dem Göttlichen Richterstul gestellt / vnd von den bösen Geistern dermassen hart angeklagt worden / daß bereits über ihn solte gefällt werden das Urtheil der ewigen Verdamnuß. Weil er aber seyn Lebtag ein sonderbahrer Liebhaber der armen Seelen gewest / vnd selbiger in seinem Gebett nie vergessen / also hat GOtt in Ansehung diser Lieb zu den abgestorbenen Christglaubigen / auch vermittels der Vorbitt der armen Seelen / ihn verschonet / vnd beynebens anbefohlen / er solle widerumb zum Leben kehren / vnd noch genugsame Buß auff der Welt würcken. Tom. 9. ad Ann. 716.

Wer in Himmel will kommen hinauff / der schick den armen Seelen einige Hülff hinunter; Wer erhalten will das ewige Leben / der vergesse nicht der Todten; Wer gelangen will zur Seeligkeit / der helff den armen Seelen auß ihrer Müheseeligkeit; Wer kommen will zu dem ewigen Abendmahl / der fast für die armen Seelen im Feegfeuer; Wer will / daß er ewig soll brinnen in der Liebe GOttes / der lösche den armen Seelen das Feegfeuer auß; Wer will daß ihme GOtt solle die Sünden nachlassen / Cder(34)der schencke den armen Seelen einen Ablaß; Wer gelangen will zu dem himmlischen Vatterland / der spendiere offt denen armen Seelen einige Vatter Unser; Wer will kommen zu dem ewigen Liecht / der führe die arme Seelen auß der Finsternuß; Wer will / daß sich GOtt seiner dazumahl soll erbarmen / der erbarme sich dermahlen der armen Seelen im Feegfeuer.

Unmöglich scheint es / daß jemand / so ein mildhertziger / Hülffräicher der armen Seelen ist / könne ewig verlohren werden / zumahlen solche Seelen vnauffhörlich für ihre Gutthäter zu GOtt dem Allmächtigen schreyen vnd seufftzen: Es gibt der Exempel genug / daß solche Seelen ihre Liebhaber bey nächtlicher Weil auß dem Schlaff auffgeweckt / vnd sie ihres herbeynahendes Sterbstündleins erinnert: Es gibt der Exempel vil daß solche Seelen ihre Patronen auß augenscheinlichen Todts=Gefahr errettet / damit sie nit im Stand einer Todtsünd möchten sterben: Es gibt der Exempel nicht wenig / daß solche Seelen den Gutthätern in ihrem Sterbstündlein beygestanden / vnd ihnen in solchem letzten Streit haben helffen victorisiren. Binetus schreibet selbst von einem / der sonst eines vntadelhafften Wandels war / daß er in seiner tödtlichen Kranckheit / nicht allein von dem(35)dem Leibs=Schmertzen / sondern forderst von den Gewissens=Scrupeln also geplagt worden / daß er bereits in der Gefahr der Verzweifflung gestanden / aber bald sahe er einige Heilige vom Himmel steigen / welche ihme in dessen harten Kampff beygestanden / mit verlauten / sie seyn die Jenige / die er mit seinem Gebett vnd guten Wercken aus dem Feegfeuer zum Himmel befördert habe / anjetzo wollen sie auch solche Gutthat erwidern / vnd ihn den geraden Weeg zum ewigen Leben führen. De statu animar. c. 1.

Gleich wie nun das jenige Traydt / so in den obern Mühlstein geschüttet wird / nicht in Verlust gehet / sondern es kombt wider vnterhalb hervor / vnd zwar weit besser / schöner vnd nutzlicher / gestalten es in das beste Mehl verwandelt worden; Deßgleichen seynd alle vnsere gute Werck / so wir denen armen Seelen im Feegfeuer schencken vnd schicken / nit vmbsonst hinweg geworffen / sondern wir finden die wider in jener Welt / vnd weit besser / wegen der Lieb zu vnsern Nächsten / krafft solcher GOtt auch sich vnser erbarmet / vnd vns das Jenige gütigist ertheilet / zu dem wir ihnen verhülfflich gewest seyn.

C 2 Major (36)
Major conceditur, negatur minor.

ILlo transito̅rio igne, de quo paulò ante Apostolus, ipse autem salvus erit, sic tamen quasi per ignem; non Capitalia, sed minuta Peccata purgantur. S. P. Augustinus serm. 41. de Sanctis.

Durch dises zeitliche Feuer / von deme kurtz vorhero der H. Apostel Meldung gethan: Er wird seelig werden / gleichwol dergestalt durch das Feuer. 1. ad Corinth. 13. werden nicht die gröste Haupt= oder(37)oder Tod=Sünden / sondern die kleine vnd läßliche Sünden gereiniget / also spricht vnser H. Vatter Augustinus.

JN der Schwedischen Unruh / benantlich vmb das Jahr Christi 1631. zoge von Jngolstatt hinweg der sehr gelehrte Mann / vnd berühmte Professor daselbst / Pater Adamus Tanner, ein Priester der Societät JEsu / kame nacher Passau / von dannen setzte er sein Raiß weiter in Tyrol / als in sein Vatterland / es zoge ihm aber auch nach der Todt / vnd traff ihn an in einem Dorff / mit Nahmen Umken / da starbe er gottseelig / vnd war ein sehr grosse Red von ihm / daß er bey Lebzeiten ein sehr gelehrter Mann sey gewesen / indeme aber seine Kleyder außgesucht worden / fand man bey ihme ein Microscopium, oder künstliches sauber gefastes Mucken=Gläßl / welches die kleineste Ding so darinn verschlossen werden / groß macht / vnd auß einer Mucken einen Elephanten / wie man pflegt zu reden; Dazumahl war gleich ein Floch darinnen eingesperrt / die gute einfältige Zuseher wusten nit was dises Pixlein vnd Glaß möchte seyn / gaffen doch darein / vnd sehen ein haariges abscheuliches Thier mit einem vngeheurigen Schnabel / erschrecken hierüber nit wenig / vnd werden C 3letzlich(38)letzlich eins / daß müse der lebendige Teuffel seyn den diser Jesuiter mit sich herumb geführet habe / darumben gar kein Wunder / daß er ein so gelehrter Mann gewesen / als der einen schwartzen Engel für einen Lehrmeister gehabt / wolten also deß guten Paters, als eines vermeinten Zauberes Leichnam nit in das geweyhte Erdreich bestatten. Diser Ruff kombt alsobald weiter / vnd gar nacher Passau zu den Ohren eines vornehmen Manns / der ein sonderer Freund war deß Pater Tanners, welcher dann ohne einige Verweilung sich auffgemacht / die gute Bauren besser zu berichten / kombt auff Umcken / fangt ihnen an zu sagen / wie daß dises kein Teuffel / sondern ein armer gefangener Floch / der doch zehenmal grösser scheine als er von Natur sey / vnd dises auß Mathematischer Kunst; schütt hierauff nicht ohne Schrecken der vmbstehenden Bauren / den eingebildeten Teuffel herauß / welcher doch nichts anders war / als ein blosser Floch / last ihme hernach einen andern Floch herbey bringen / den die einfältige Leuth selbsten gefangen / schliesset solchen in das Glaß / Microscopium genannt / hinein / vnd befihlt ihnen darauff alles wohl zu besichtigen / da lachte aber ein Jeder dises vnruhigen herumb hupffeten Teuffels / als der mehrmahl zehenfach grösser scheinte / als zuvor /(39)zuvor / worüber das Spiel ein End / vnd wurde der fromme vnd wackere Mann mit sonderm Gepräng vnd Zulauff begraben. P. Ott. in Rom. glori 30.

Jch muß bekennen / daß dergleichen lächerliche Possen nicht sollen zu ernstlichen Sachen gesellet werden / allein ist solches hieher gesetzet worden / zu sehen die wunderliche Kunst / vnd seltzame Griff der Mathematic, als welche meisterlich weiß kleine Sachen groß zu machen. Wir vnbehutsame Adams=Kinder machen vnsere tägliche / ja stündliche Mängel vnd Unvollkommenheiten allezeit klein / die läßliche Sünden haben bey vns den ordinai Titul / vnd werden kleine Possen vnd Narradey benahmet / aber bey GOtt dem Allmächtigen werden sie für groß gehalten / vnd solche Mucken für Elephanten angesehen / auch derentwegen in jener Welt / durch das Feegfeuer vnermeßlich gestrafft.

Mahomet der Andere / hat einen auß seinen Edl=Knaben lassen lebendig auffschneiden / vmb weil er einen verbottenen Apffel auß seinem Hof=Garten entfrembd. Fulgos, lib. 9. Ein Hertzog von Mäyland / schreibet Corius, hat einen Priester lassen Hunger sterben in der Gefängnuß / weil solcher ihme vorgesagt / daß er nur 9. Jahr werde regiren. Wenceslaus C 4König(40)König in Böhmen hat seinen Koch lassen lebendig am Spieß braten / wie ein Jndianisch Stuck / weil solcher ihme die Speisen nicht nach seinem Gusto hat zugericht: Aber der gerechte GOtt züchtiget die kleine Verbrechen weit schärpffer in jener Welt.

Antonius de Monte, einer von den ersten Capucinern zu Rom / eines sehr frommen Wandels / stunde auff ein Zeit bey der Nacht auff / vnd gienge in die Kuchel / daselbst ein Licht anzuzünden / merckt aber von fern in derselben ein grosses Feuer / wessenthalben er sich nicht genug könte verwundern / vmb weilen zu solcher Zeit nicht gewöhnlich / ein Feuer zu brennen / als er nun in die Kuchel getretten / da erblickt er alsobald ein erbärmliches Spectackel / benanntlich zwey kohl=schwartze Mohren / welche zwey Capuciner=Brüder / so vnlängst zuvor mit Todt abgangen / an gantz glüenden Spiessen gebraten; Der fromme Pater, nachdem er sich wegen grossen Schrecken in etwas erhohlt / befragt dise zwey / als vorhin seine gute Bekannte / was doch dises bedeute? Ob sie dann in das ewige Feuer oder aber in das Zeitliche verurtheilt worden? Worauff sie geantwortet / daß sie zwar durch die grundlose Barmhertzigkeit GOttes dem ewigen entgangen / leyden aber dise erschröckliche vnd vnermäßliche Peyn / derent=(41)derenthalben / was glaubt man hier / was ihr Verbrechen gewesen sey? Etwan haben sie ihre strengen Regul=Fasten nicht nach Pflicht vnd Schuldigkeit gehalten? Das nicht: Vielleicht seynd sie ihren Pater Quardian rebellisch gewesen / vnd ihn als ein rechte vnd vorgesetzte Obrigkeit veracht / oder andern Spott angethan? das noch weniger: etwan haben sie ihr von dem Orden vorgeschriebenes Gebett Jahr vnd Tag nicht verricht / oder wenigst selbst halbiert? das gar nicht: Vielleicht seynd sie wegen strenge deß Ordens abtrinnig worden / etliche Jahr in der Apostasia verharret / vnd endlich wegen nagenden Gewissens=Wurm wider zuruck gekehrt / aber für solches schwere Verbrechen nit genugsame Buß gewürckt? dises auff kein Weiß: sonder GOtt macht auß einer Mucken einen Elephanten / darumb seynd sie auff etliche Jahr in dise grausame Pein verurtheilt worden / weil sie zu Zeiten bey dem Herdt vnnütze Worte geredt / vnd manche Stund mit leeren Geschwätz zugebracht. Annal. Capucc. p. 212.

Joseph in Egypten muste zwey Jahr ligen in der Keuchen / vnder der Erden / der doch mehrer Englisch gelebt als irrdisch; Joseph muste ligen in Eysen und Band / welcher doch gewest ist Gemüth halber gantz gulden; Joseph muste verhafft seyn in der Finsternuß / der C 5doch(42)doch jederman mit einem guten Exempel vorgeleucht; Joseph muste gefangen ligen / der sich von einem leichtfertigen Weib nicht hat fangen lassen; Joseph muste dergestalten leyden am Leib / der nicht hat leyden wollen an der Unschuld / warumb aber 2. Jahr dise so harte Straff? Der H. Vatter Augustinus spricht: daß GOtt den Joseph über ein oder zwey Tag nicht hätte in der Gefängnuß gelassen / weil er aber einen Fehler begangen / hat ihn der Allerhöchste derentwegen so scharpff gezüchtiget. Serm. 82. de Temp.

Was hat dann Joseph gestifft? Villeicht hat er einem den Halß brochen? nichts dergleichen: Vielleicht hat er geflucht vnd gewunschen / der Teuffel soll seyn Frau hohlen / derenthalben er in das Vnglück gerathen? nichts dergleichen: sondern er hat ein läßliche Sünd begangen / als er ein gar zu grosses Vertrauen gesetzt hat auff den Mund=Schenck / mit solchem Memento hat er sich versündiget. Ein so leichte Sache / wird so hart gestraffet / das heist ja auß einer Mucken einen Elephanten machen.

P. Jacobus Rem, ein Jesuiter eines gottseeligen Wandels / ist nach dem Tod einem andern gantz lebhafft erschienen / jedoch in wilder Kleidung / vnd sehr verstellten Angesicht / als er aber(43)aber derenthalben befragt worden / gäbe er dise Antwort: Er leyde harte Pein in dem Feegfeuer / vmb weil er ohne wissen seiner Obrigkeit habe Disciplin gemacht vnd sich gegeißlet. Annal. Ingolst. 1618.

Vor 28. Jahren in vnserm Kloster Maria Brunn / vnweit Wienn / war ein alter Leyh=Bruder / den wir wegen der kleinen Statur nur den frommen Thomerl genennt / sein Leben war gar einfältig / jedoch fromb vnd andächtig / vnd konte man ihme wenig außstellen / ausser daß er zuweilen in der Kuchel vnder dem Abspühlen gemurrt; Nachdeme diser mit Tod abgangen / hat das gantze Convent etliche Nächte nacheinander hören abwaschen / vnd kaum / daß man mit Verwunderung halber die Kuchel eröffnet / vnd nachmahls wider gesperrt / hat das Abwaschen vnd Schüssel=setzen mehrmahl seinen Anfang genommen; nachdeme aber etliche Andachten / vorderist heilige Meß=Opffer für ihn verricht worden / ist im wenigsten nichts mehr zu hören gewest.

Noch recht hat der Alexandrinische Macarius gethan: Als diser H. Mann einest im Gebett begriffen / vnd ihn vnversehenst ein Wespe gestochen / hat er sich / wie menschlich / gäh erzürnet / vnd die Wespen vmbgebracht / nachmahls aber in sich selbsten gangen / vnd gedacht /(44)dacht / GOtt möchte ihn diser Ungedult halber in jener Welt straffen / vnd auß einer Wespen einen Elephanten machen / dahero ihme dise Buß selbsten aufferlegt / vnd blutt=nackend durch / 6. gantzer Monat gestanden auff den Scitischen Feldern / vnd von den Wespen / deren allda ein vnzahlbare Anzahl / sich also zurichten lassen / daß man ihn nicht mehr für einen Menschen hat angesehen. Surius in vita.

O gerechter GOtt! wie wird es dann den jenigen ergehen / die nicht nur ein läßliche Sünd / sondern mehrer als sie Haar auff dem Kopff zehlen / begangen? Wie den jenigen / die so grosse vnd häuffige Todt=Sünden gethan / für welche sie offt in der Beicht zu einer Buß etliche Vatter Unser zu betten gewäigert. Wann Religiosen vnd Ordens=Leuth sambt ihren strengen Leben noch so hart leyden müssen in dem Feegfeuer / was haben dann dieselbige zu gewarten / die immerfort in Freuden vnd Ergötzlichkeit ihr Leben zubringen.

Pauci (45)
Pauci Electi.

NIhil sic probat amicum, quemadmodum oneris amici supportatio. lib. 12. S. P. Augustinus.

Nichts probiert vnd prüfet also einen guten Freund / spricht der H. Vatter Augustinus / als wann Er seines Freundes Last hilfft tragen.

FReund gibts genug / aber die da seynd wie der Aal=Fisch / welcher meistens außschlüpffert / vnd den Reißauß nimbt / wann man vermeint ihn zum besten zu halten.

Freund (46)

Freund gibts genug / aber die da seynd wie das Quecksilber / so bald dises zum Feuer gestellt wird / vnd solche Feuersnoth erblickt / so nimbt es geschwind wie der Wind das Valete, vnd wird auß einem Quecksilber ein GehWeck=Silber.

Freund gibts genug / aber die da seynd wie die Schwalben / so lang die lustige vnd annehmliche Sommerszeit dauret / so lang bleiben sie bey vns / gleich aber da es anfanget kalt zu werden / vnd kühl herzu gehen / da nehmen sie mehrentheils hinder der Thür Urlaub.

Freund gibts gnug / aber die da seynd wie die Sonnen=Uhr / welche sich so lang dienstlich zeigt / wie lang die guldene Sonn pflegt zu scheinen / so bald aber dise den Untergang nimbt / alsdann ist bey ihr der Dienst auch auß.

Freund gibts gnug / aber die da seynd wie die Egel / welche so lang einem anhangen / vnd nicht von der Haut kommen / biß sie ihr Wampen gefüllt / nachgehends schämen sie sich nicht / ob schon voller Blut / den Kehrauß zu nehmen.

Freund gibts gnug / aber die da seynd wie die Mäuß / welche so lang im Hauß verbleiben / so lang es in einem guten Standt ist / so bald sie aber vermercken / daß selbiges allgemach zu grund will gehen / vnd zu Boden fallen / so dann(47)dann verlassen sie es / vnd retiriren sich anderwerts hin.

Freund gibts gnug / aber die da seynd wie die Vögel deß Nabuchodonoserischen Baums / auff dem sie mit stätem singen vnd pfeiffen ihr Wohnung hatten / so bald aber diser auß dem Befelch deß Allerhöchsten ist vmbgehauen worden / da haben sich die saubere Vögel auch verlohren.

Freund gibts gnug / aber die da seynd wie die Melaunen / auß denen fast die mehriste außwendig gut scheinen / wann man sie nachmahls aber einwendig beschauet / so ist kaum auß zehen einer etwas nutz.

Freund gibts gnug / aber die da seynd wie ein Bach / bey deme immerzu ein guter Rausch anzutreffen / indeme von allen Bergen die Wasser zulauffen / vnd mit ihme in gutem Rausch leben / wann aber die gröste Hitz ist / da findet man manichsmahl nicht einen Troffen Wasser. O wie vil gibts dergleichen Freundschafften! wie offt hört man / diser vnd diser ist gestorben / er ist mein guter Freund gewest / wir haben offt einen guten Rausch miteinander gehabt / tröst ihn GOtt. Mit disen ist die gantze Freundschafft bezahlt / jetzt da er in der grösten Hitze / in grösten Quälen deß Feegfeuers / da aller Rausch ein End hat / ist nicht ein Freund /(48)Freund / der ihme ein Tropffen spendiert bey diser Hitz.

Solche Freund seynd keine gute vnd rechte Freund / die nur bey freundlichen Zeiten wollen gute Freunde seyn.

Wie auß der Stadt Naim / ein Todter zum Grab getragen worden / vnd zwar ein einiger Sohn einer reichen Wittib / da war ein grosse Menge der Leuth bey diser Leiche / überauß vil Herren / überauß vil Frauen / überauß vil wackere junge Gesellen / rc. Aber der Evangelist sagt / daß sie nicht den Todten haben begleit / sondern die reiche wohlhabende Wittib / welche bey stattlichen Mitteln / rc.Turba Civitatis multa cum illa, Luc. 7. Vil Volcks auß der Stadt war mit ihr. Es hatte ja der Verstorbene auch gute Freund gehabt? Ja / ja / nur gar vil / mit denen er Tag vnd Nacht lustig vnd guter Ding gewest / vnd eben derenthalben ihme das Leben abgekürtzt / jetzt aber / da er mit Tod abgangen / heist es nicht mehr mit ihm / sondern mit ihr: Die Freundschafft hat ein End / weil er todt ist; aber ein solche Freundschafft ist schlecht / vnd nicht recht / thut nichts gelten / sondern ist zu schelten / verdient kein Lob / weil sie so geringe Prob.

Ein guter Bruder / soll seyn wie ein Ruder / dises braucht man meistens / wann ein übler(49)übler Wind ist; Ein guter Gespan / soll seyn wie ein Span / diser ist zum leuchten nöthig / wann es finstere Zeit ist. Ein guter Camarad / soll seyn wie ein Rad / welches forderst bey den üblen Weeg / ein Beständigkeit erweist; dann ein guter Freund forderst in der Noth probiret wird.

Luc. am 11. Capitel / erzehlt vnser gebenedeyter Heyland selbst / ein guter Freund / sagt Er / kombt bey nächtlicher Weil für die Thür / klofftklopfft an / macht ein Tumult / da jederman in dem ersten Schlaff / schreyt / sagt / klagt vnd bitt den andern Freund / der in der Ruhe ist / er wolle ihm doch die Freundschafft erweisen / vnd ihme drey einige Laibel Brod leyhen / der zwar / wie es einen schläffrigen Menschen leicht begegnet / wird hierüber vngedultig / weil aber der andere nicht auffhört zu klopffen / vnd zugleich sein guter Freund ist / so will er so grob vnd vnfreundlich nicht seyn / daß er nicht alsbald auffstehe / vnd dem guten Freund auß der Noth helffe.

Es geschicht gar offt / vnd aber offt / daß mancher bey der Nacht / wo alles still / alles in der Ruhe / der Himmel voller Stern / etwas hört / ein Tumult / ein Getöß / ein Klopffen / sicht doch weiter nichts als einen finstern Schatten / aber die Haar stehen ihm gen Berg / Des(50)es schaurt ihm die Haut / es klofft ihm das Hertz / es rinnt ihme der kalte Schweiß über das Angesicht herunter / er weiß nicht wer da / wer diser / wer klopfft. Wohl auff mein guter Mensch / du dörffst dessenthalben kein solchen Schrecken fassen / weist dann nicht wer diser ist? Amicus Tuus, es ist dein guter Freund / er ist vor wenig Zeit mit Tod abgangen / er muß ein erschröckliche Straff in dem Feegfeuer außstehen / er hat nirgends wohin sein Zuflucht / als zu dir / weil du je vnd allemahl sein guter Freund warest / deßwegen klopfft er bey dir an / begehrt von dir ein Hülff / vnd glaubt / daß du sein Freund auch nach dem Todt in diser grösten Noth werdest seyn.

Mir hat einer glaubwürdig erzehlt / auß einer sehr berühmten Orden / auch mit einem Schwur bestättiget / so annoch im Leben / vnd eines guten Wandels: als er bey der Nacht dem Studiren abgelegen / vmb weilen ihme die Verhindernussen beym Tag zu häuffig / habe ihme zwey Nacht nacheinander / ein vnsichtbare Hand immerzu die Bibel / oder H. Schrifft vor seiner vmbgeblättert / welches er Anfangs für natürlich gehalten / der Meynung / als wurden die Blätter von einem kleinen Wind berührt; Nachdeme er aber einist den beinernen Streicher / als ein Signaculum in die Bibel gesteckt /(51)gesteckt / da hat er wahrgenommen / daß jemand denselben vnsichtbarer herauß gezogen / vnd in Gegenwart seiner in ein anders Orth in besagtembesagtem Buch gelegt / welches ihme wie billich / einen Grausen verursacht / weil er sich aber an dises auch nicht vil kehren wolte / da hat endlich ein vnsichbare Hand widerumb den beinernen Streicher herauß genommen / vnd mit solchem Gewalt auff den Tisch geschlagen / daß er vor Schrecken fast in Ohnmacht gefallen / deß andern Tags wolte er / weil ihme je mehr vnd mehr Gedancken eingefallen / die Bibel wohl beschauen / findt aber den Streicher widerumb darinn / vnd darzu mit dem Reißbley / auff der Seiten deß Blats ein gemachtes Creutzel / so ihn nicht wenig befrembdet / meistens darumb / weil auch ein NB. darbey gesetzt war / welches ihn dann veranlast hat weiter zu sehen / vnd zu lesen / was dann jene Zeil in sich halte / so mit dem Creutzel bezeichnet / findt endlich den kurtzen Text deß H. Evangelii: Dixit ad Philippum, unde ememus panes? Er sprach zu dem Philipp / wo werden wir dann Brod nehmen / Joann. am 6. Capitel / dises hat ihme alsobald die Gedächtnuß bewegt / daß er nichts anderst gedacht / als daß sein bester Freund mit Nahmen Philipp / der vor 14. Tagen mit Tod abgangen / noch fernere Hülff D 2von(52)von ihme verlange / vnd forderst ein vnd andere heilige Meß / in welchen das Brod der Engeln auffgesetzet wird / welches auch nachmahls geschehen / worauff er nichts mehr gespühret.

So soll man dann niemahls seines guten Freunds vergessen / absonderlich / wann solcher in jener Welt in harten zeitlichen Peinen noch leidet / vnd ihme selbst nicht helffen kan / da soll vns das NB. stäts vor Augen seyn. NB. wie offt seynd wir lustig bey einander gewest. NB. wie offt hat er mir etwas zu gefallen gethan. NB. Er hat nicht einen halben Tag können ohne meiner seyn. NB. Er hat mehrmahl nicht einen Bissen Brod gehabt / den er mit mir nicht getheilt. NB. Er wär für mich in ein Feuer gangen / rc. So ist dann billich / daß ich ihn auch in dem erschröcklichen Feuer nicht verlasse / so seye es. Alle Heil. Messen die ich höre / alle Heil. Communion die ich verrichte / die Heil. Ablaß so ich gewinne / das Allmosen so ich gibe / alle gute Werck die ich übe / sollen ihme geschenckt seyn / biß er erlöst wird.

Luemus, (53)
Luemus, si non abluemus.

PRiùs in hoc sæculo per DEI Justitiam vel misericordiam amarissimis tribulationibus sunt excoquendi, &c. aut certe longo igne Purgatorii cruciandi sunt, ut ad vitam æternam sine macula perveniant. S. P. Augustinus in Epist. ad Aurel.

Die jenige / so läßliche Sünden begangen / oder für die gebeichte Tod=Sünden noch nicht genugsame Buß̅ haben gewürcket / spricht der H. Vatter Augustinus / die müssen entweder auff diser D 3Welt(54)Welt durch die allerbitterste Trübsal außgekocht werden / oder aber in jener Welt seynd sie durch langes Feuer zu creutzigen damit sie also ohne Mackel / zum ewigen Leben eingehen.

NJemahlNIemahl / ich sags allezeit / niemahl ich schreibs allezeit / niemahl ich bekenns allezeit / niemahl ist in der Welt ein solches Gebäu gestanden / wie da ware der Tempel Salomonis, massen zu demselben allein achtzig tausend Steinhauer gebraucht worden: Unkosten auff dises so herrliche Gebäu seynd auffgangen in Gold / tausend sechshundert vnd drey Million / sambt achtmahl 100000. Ducaten / in Silber aber über tausend / 200. vnd neun Million: Villa pand. in Ezech. das war ein Gebäu! Das wunderbahrlichste aber bey disem weltberühmtesten Fabrica war dises / daß in währender Auffrichtung deß gantzen Tempels niemahl ein Streich von einem Hammer oder Beyl / Stemmeysen / oder eines andern Jnstruments gehört worden 3. Reg. cap. 6.1. Reg. cap. 6. Die Ursach ware / weil alles Holtz zuvor auff dem Berg Libano auff das allergenaueste zugericht / vnd alle Stein dergestalten pollirt / vnd præparirt worden / daß fast nicht ein Haar abgangen.

Ein (55)

Ein gleiche Beschaffenheit hat es mit dem Himmel / mit dem obern Jerusalem / so wir wollen zu demselben als Lebendige / vnd durch das Blut Christi so theuer erkauffte Stein gelangen / ist vonnöthen / daß wir auch vorhero auff das beste pollirt werden / es muß die allergeringste Mackel an vns nicht gefunden werden / dann der allergeringste Mängel / der wintzigste Fleck kan nicht eingehen in das Reich GOttes.

Wie die Apostel sich einmahl in einen kleinen Zanck eingelassen / da sie nehmlich von der Præcedenz im Himmel disputierten / da hat vnser lieber HERR gleich in Mitte derselben einen kleinen Knaben gestellt / vnd sich anbey verlauten lassen / daß wann sie nicht werden seyn wie die kleine Kinder / so werden sie in das Himmelreich nicht eingehen. Dazumahl hätten sich die Apostel wie die meiste H. Lehrer außgeben / läßlich versündiget / vmb weilen sie in einen geringen Zanck gerathen / also wolt ihnen der HErr JEsus andeuten / daß sie mit disem kleinen Verbrechen das Reich GOttes nicht können besitzen / sondern sey nothwendig / daß sie darvon gereiniget / entweder anffauff der Welt / oder nachmahls im Feegfeuer / ja wer in die ewige Seeligkeit will eintretten / muß seyn so rein vnd vnschuldig / wie ein kleines Kind. Sicut Pueri, id est puri.

D 4 Han- (56)

Hannon der Ammoniter König hat deß Davids / der es so treuhertzig vermeint / gesandte Bottschaffter sehr spöttlich tractiret / nachdem daß er ihnen die lange Röck biß auff die Lenden abschneiden lassen / vnd folgsam spöttlich entblöst / weil dazumahl die Weltliche nicht pflegten Hosen zu tragen / neben disem Schmach hat er ihnen lassen den Barth halb abschneyden / welches zur selben Zeit ein grosse Schand war / nachdem solches dem David kundbar worden / hat er alsobald ihnen entgegen geschickt / vnd sagen lassen / sie sollen zu Hof so lang verbleiben / biß ihnen der Bart wider wächst / theils darumben / damit sie nicht vor jederman zu schanden wurden / theils auch damit sie nicht mit einer solchen Ungestalt vor dem Angesicht deß Königs erscheinen / 2. Reg. c 10.

Hat nun David als ein irrdischer Monarch nicht wollen zulassen / daß jemand solle vor ihme mit einer Ungestalt sich sehen lassen / wie vil weniger lasset solches der Allerhöchste zu / dahero nothwendig daß alle Maal vnd Mackel / ohne die auch die grossen Heiligen nicht leben / entweders auff Erden durch strenges Buß=Leben / oder aber in dem Feegfeuer müssen gereiniget werden.

Jn der Capuciner Cronic / wird registriret / daß Anno 1602, eines sehr heiligen Lebens ein(57)ein Lay=Bruder mit Todt abgangen / acht Tag aber nach seinem zeitlichen Hintritt dem Pater Prediger erschienen / vnd mit sehr lamentirlicher Stimm ihn also angeredet: O Theologe, Theologe! warumb befleist du dich nicht auff die Lieb deß Nächsten / der Prediger gab die Antwort / wie daß er zwar kein Meß vor ihn habe gelesen / aber seye der Meynung gewest / als wäre er wegen eines so frommen Wandels von Mund auff gegen Himmel gefahren / worauff der Verstorbene: Anderst seynd die Urtheil deß Menschen / anderst die Urtheil GOttes / der auch die allermindiste Sünd nicht vngestraffter läst / vnd vor der allergeringsten Mackel die Himmels=Thür versperret.

Die schöne Susanna zu Babylon / wolte sich bey heisser Sommers=Zeit in etwas erfrischen in ihrem eignen Garten / nimbt derenthalben zwey Kammer=Menscher mit sich / schaffte ihnen / sie sollen Oel vnd Seiffen mit sich nehmen / damit sie sich bey dem Brunnen könne waschen / vnd reinigen; Afferte mihi oleum & smigmata. &c. Dan. 13. Die Seiffe womit sich Susanna / vnd all anders Frauenzimmer wascht / die geht hin / vnd macht keine Schmertzen / aber jene Seiffen / mit der GOtt die verstorbene Christglaubige im Feegfeuer wascht D 5vnd(58)vnd reiniget / vnd die geringste Mackel außbringt / ist erschröcklich / vnd ist dessen Schärffe nicht zu beschreiben.

Udalricus, Bischoff zu Augspurg / lebte gantz heilig / würcket grosse Miracul vnd Wunderwerck / hat Fleisch in Fisch verwandlet / hat gemacht / daß er durch den Fluß Lech vnweit Augspurg passirt / vnd nicht von einem Tropffen benetzt / da doch sein Gespan über vnd über auff den halben Leib naß worden; Er hat gemacht / daß keine Katzen in dem gantzen Closter Ottobeürn / auff ewige Zeit sich sehen lassen / ja / so einer dahin getragen wird / muß er alsobald verrecken / vil andere dergleichen hat der Allmächtige gewürcket / durch disen H. Bischoff wegen seiner Verdiensten / aber weil ein einige kleine Mackel an ihme / benanntlich weil er seinen Vettern Adalberonem zu seinem Nachfolger benennt / da hats geheissen: Seiffen her / vnd muste derenthalben im Feegfeuer gereiniget werden. In vit.

Die Schwester deß H. Damiani starb in grossem Concept der Heiligkeit / vnd weil sie ein so vnsträfflichen Wandel führte / auch glaubte man / daß ehender ein Schnee ein Schwärtze / als an ihr ein Mackel zu finden wäre / weil sie aber einmahl auß Vorwitz einer lustigen Music zuhörete / hats geheissen: Seiffen her / vnd(59)vnd muste 15. Tage im Feegfeuer von diser Mackel gereiniget werden. Specul. Exempl. dest. 9.

Ein Knab mit 9 Jahren / hatte einem andern 9. Heller entfrembt / vnd weil er mit diser Mackel als vngebüster gestorben / so hats geheissen Seiffen her / massen er seiner Mutter gantz feurig erschinen / vnd Hülff verlanget / dann / sagt er / daß gäntzlich nicht Unreines in Himmel gehe / vnd komme ihn solches reinigen härter an / als wann aller Kohlbrenner der gantzen Welt ihre Kohlen auff ihme brinnen thäten. Berlaomont in Paradis.

Die H. Jungfrau Gertraud / hat auff ein Zeit ein Seel im Feegfeuer gesehen / wie solche mehrmahl das Angesicht Christi geflohen / da doch diser himmlische Bräutigam selbe freundlichst zu sich geladen / fragte auch derenthalben die Ursach / worauff sie Antwort von der Seel erhalten / wie daß sie noch einige kleine Mackel an sich habe / dessentwegen sie sich scheuhe vor GOtt zu stehen / ja wann ihr schon der Allerhöchste die Seeligkeit wolte vergonnen / so möchte sie doch solche waigern / so lang / biß sie gäntzlich gereiniget werde / dann es sich nit gezieme / daß etwas vnreines vnd bemacklet von dem Göttlichen Bräutigam vmbfangt werde. Blos. in Mon. Spir. cap. 13.

Manet
(60)
Manet altâ mente repôstum.

CAdit Asinus, & omnes eum sublevare festinant: sed clamat in tormentis fidelis, clamat Pater, clamat filius, clamat uxor, maritus, amicus, & non est qui respondeat, S. Pater Augustinus serm. 44 ad Hi.

Es fallt ein Esel / vnd alle eylen ihm auffzuhelffen; entgegen schreit in den Peinen deß Feegfeuers der Christglaubigen; Es schreyet der Vatter / es schreyet der Sohn / es schreyet das Weib / es schreyet der Mann / vnd ist fast Niemand der sie erhöhrt. Also spricht der H. Vatter Augustin.

Wie (61)

WJeWIe David durch sondere Schickung GOttes zu der Cron gelanget / da hat er gleich ein Knopff an ein Tüchel gemacht / da war sein ernstlicher Befelch: Geht / schaut / fraget / suchet / ob nicht etwan noch jemand von der Freundschafft / vnd Hauß deß Sauls vorhanden / demselben will ich nach Müglichkeit Guts thun wegen meines besten Freunds Jonatha, dessen mir erwisene Gnaden ich nimmermehr vergessen will / vnd als endlich herauß kommen / daß deß Jonathæ noch leiblicher Sohn / mit Namen Miphiboseth, im Leben / ein armer Tropff / der an Händ vnd Füssen krumb / da muste solcher alsobald vor den König geführet werden / vnd neben andern war ihme die Gnad ertheilet / daß er allezeit bey der Königlichen Taffel dörffte speisen. 2. Reg. 9. cap.

Zu wünschen wäre / daß die gantze Welt also beschaffen / wie der David / so wurde manche Seel auß dem Feegfeuer nicht also auffschreyen: Oblivioni datus sum tanquam mortuus à corde! Jch bin gleich einem Todten auß dem Hertzen vergessen worden. Ps. 30. Dann ja nichts ehender wurmstichig wird / als die Gedächtnus der Menschen / vnd vergessen wir so bald der jenigen / die von vns in jene Welt den(62)den Abschid genommen / da wir doch so grosse / vnd manche Gutthaten von ihnen empfangen. Hätte jener Mundschenck bey dem Hof deß Königs Pharaonis ein Knopff an das Tüchel gemacht / welches gar wol hätt sollen geschehen / so wäre Joseph nit 2. Jahr in so harter Gefängnus verbliben. Wann mancher ihme thät öffter in die Gedächtnus führen / wer ihme Guts gethan? wer Ursach seines Glücks? wer ihme nach GOtt zu einem Stücklein Brod geholffen? so wurde er so leicht nicht der verstorbenen Gutthäter vergessen / vnd würden dise weit ehender ihres feurigen Arrests entlassen werden.

Von Pio dem Fünfften seeligen vnd heiligen Papsten wird geschriben; daß solcher lang vorhero / ehe er zur Päpstlichen Würde erhoben worden / habe einsmahls bey eitler Nacht von Pergamo auß die Flucht genommen / vmb weil einige ihm nach dem Leben gestrebt / vnd den Weeg nacher Mayland genommen / endlich noth halber / da er von der finstern Nacht überfallen / die Einkehr genommen bey einem Bauren / von welchem er gar wohl / obschon unbekandter gehalten vnd tractiret worden / so verursacht hat / daß Pius ein Knopff an das Tüchel gemacht / zu zeigen / daß er seiner auch nicht wolle vergessen; wie nun mittler Zeit Pius(63)Pius zum höchsten Ambt der Kirchen erkiset / vnd von Laterano auß offentlich getragen worden / da hat der fromme Herr / auß so vil tausend Personen / so diser Solennität halber zugeloffen / den gedachten Bauren erkennt / vngeacht er denselben nur bey der Nacht gesehen / sich deß gemachten Knopffs erinnert / denselben zu sich lassen ruffen / vnd zum Danck vnd Vergeltung seinen 2. Töchtern 2000. ihme aber für sein Nothdurfft 500. Ducaten angeschafft. Rho. 1. 4. c. 8.

Dises war ein löbliche Danckbarkeit / vnd wolte GOtt / es wären mehrer dergleichen Pii zu finden / so würde auch nicht die so grosse Vergessenheit einschleichen in den menschlichen Hertzen. Offt mancher gedenckt doch / wär er vorhero gewest / vorhero so vil gehabt / als Petrus in seinem Netz da er die gantze Nacht gefischt nihil / jetzt aber voller Gold / wie das Kalb in der Wüsten so die Hebreer angebett. Vorhero so schlecht / daß er müste mit dem Stroh vorlieb nehmen / wie die Götzen=Bilder deß Labans / jetzt aber so wohl eingericht / daß er auch mit einem Egyptischen Joseph nicht wolte tauschen. Vorhero so gering / daß er fast die verlohrne Eselin mit dem Saul hat müssen suchen / jetzt aber so vornehm / daß er wie ein Mardochæus beym Brett sitzt; Vorhero so arm / daß(64)daß er mit der Samaritanin müste das Brunnenwasser schöpffen / jetzt aber so vermöglich / daß ihme die Keller mit Wein angefüllt / wie die Krüg zu Cana usque ad summum, &c. Er gedenckt aber / wer ihm zu allem disem nach dem Allmächtigen GOtt / verhülfflich gewest / wer? diser und diser wann er nicht gewest wäre / so wär ich so weit nicht kommen; wann dem also / so schau doch / was der Knopff beweist an deinem Tüchel / nehmlich / du sollst der empfangenen Gutthaten nicht vergessen; Dise deine Gutthäter sind schon todt / seynd in einem Stand da sie ihnen selbst nicht helffen können / sitzen vnd brinnen vnd braten im Feuer vnd Flammen / vnd warten alle Augenblick auff deine Danckbarkeit.

Wie GOttes Sohn auff die Welt kommen / vnd auß der vnbefleckten Jungfrau Maria gebohren zu Bethlehem / da waren gegenwärtig ein Ochs vnd Esel / welche / wie Thomas de Villa nova bezeugt / beyde ihre Knye gebogen / vnd den HERRN angebett / vnd sollen sich derenthalben etliche nicht wenig schämen / daß Ochsen= vnd Esels=Köpff höfflicher seynd / als sie; Der Esel stellte sich absonderlich freundlich gegen dem neugebohrnen Messia / als den er mit dem stäten Keuchen erwärmet / vnd von dermahligen Kälte defendirt / der(65)der kleine JEsus machte (also zu reden /) dazumahl ein Knopff an die Windlein / als wolle er deß Esels nicht vergessen / sondern zu seiner Zeit vergelten / vnd so er am Palmtag / da er wolte triumphirend in die Stadt Jerusalem einreiten / hat er hierzu ein solches Thier erwöhlet / ja so gar bedeckten die Juden den Weeg mit ihren Kleydern / wo der Heyland geritten / solche Ehr ist dem Esel niemahl widerfahren.

Jst nun der gebenedeyte Heyland danckbar gewest gegen einem Esel / so lösche ich den ersten Buchstaben in disem Wort auß / so bleibt Seel / vnd hoffe du werdest nicht in Vergessenheit stellen / die so mannigfaltige Gutthaten / die du von diser vnd diser Seel / als selbige noch in dem Leib auff der Welt wanderte / empfangen. Dem Tobias hat der Raphael vil Guts erwisen / das aber hat er nicht vergessen. Der Ruben hat dem Joseph vil Guts gethan / das hat er wol nicht vergessen. Jethro hat vom Moyse in Egypten vil Guts empfangen / das könte er gar nicht vergessen. Josue hat ein zimliche Gutthat erhalten von der Rahab, das wolt er nie vergessen. Naam Syrus, hat von Elisæo vil Gutes empfangen / das wolt er auff kein Weiß vergessen. Die Ruth hat von der Booz sehr vil Gutthaten erfahren / das wolt sie nimmermehr vergessen. Elias hat von der EWittiben /(66)Wittiben / die ihn erhalten / vil Guts empfangen / das könte er kurtzumb nicht vergessen. Jch / du / vnd er / wir / ihr / vnd die haben sehr vil Guts empfangen von disem vnd jenem / der schon längst mit Todt abgangen / so last vns dann seiner nicht vergessen / es solt kein Tag vorbey gehen / daß ich nicht ein Ave Maria hinunter schicke / es solt die Sonn nicht vntergehen / daß ich ihme nicht das ewige Liecht wünsche / es sollen nicht 24. Stund verfliehen / daß ich seiner nicht soll gedencken; so lang ich lebe / so will ich das bissel Brod mit ihm theilen / vnd das öftere Allmosen / welche ich den Armen gibe / ihm überlassen / tröst ihn GOtt / das will ich allezeit gedencken / GOtt geb ihm die ewige Ruhe / das will ich allezeit reden / GOtt sey ihm gnädig / das will ich allezeit sprechen.

Ein Knopff an das Tüchel machen / forderst die Religiosen / welche nach der Evangelischen Armuth leben / vnd von Allmosen ihr Underhaltung haben / dise vergessen niemahl der verstorbenen Gutthäter / sondern fast in allen ihren Zusammenkunfften vnd GOtts=Diensten ist man ingedenck derselben. Jn unserer reformirten Religion / bettet man nicht allein bey allen Conventual=Capitel / Provincial=Capitel / General=Capitel für die verstorbenen Gutthäter / wie auch jedesmahl nach dem Chor /(67)Chor / sondern so gar endet sich kein Tisch noch Taffel / wo man nicht dergleichen Bescheid=Essen schickt denen verstorbenen Christglaubigen / so zuvor einige Gutthaten den armen Geistlichen erwisen; vnd ist ja recht vnd billich / massen so gar die Juden nicht so vngeschlacht gewesen. Nachdem der HErr JEsus mit fünff Brod vnd zwey Fisch fünff tausend Personen gespeist / so haben sie ihn zu einem König wollen auffwerffen / vnd ihme die Cron auffsetzen / also ist vnser Verpflicht vnd Schuldigkeit / daß wir an alle empfangene Gutthaten gedencken / vnd forderst den jenigen verstorbenen Gutthätern helffen zu der ewigen Cron / von welchen wir einige Lebens=Mittel bekommen. Pon. 6.

E 2 Solven- (68)
Solvendo salvabimur omnes.

SCio misericorditer operatám (Matrem meam) & ex corde dimisisse debita debitoribus suis, dimitte illi & tu debita sua, si qua etiam contraxit per tot annos post aquam salutis. S. P. August. lib. 10. Confess. c. 13.

Jch weiß wohl / daß sie (mein Mutter) sich sehr barmhertzig gegen jederman verhalten / vnd ihren Schuldnern die Schuld nachgelassen habe / derohalben O GOtt vergib derselben gleichfalls ihre Schulden / die sie nach dem heiligen Tauff von(69)von so vilen Jahren her etwann gemachet hat.

FOrt mit dir in die Keuchen / sagt das Evangelium / es seye dir gesagt / Amen; es seye dir geschworen / du wirst von dannen nicht herauß kommen / biß du den letzten Heller bezahlest. Matth. 5. v. 26. Dises alles geht die armen Seelen im Feegfeuer an / welche ihre gemachte Schulden in jenem feurigen Kercker bey Heller vnd Pfenning bezahlen müssen / aber wo nehmen? qui non habet in ære, luat in pelle, da heist es / der nicht bey Mittel ist / der bezahle es mit der Haut / oder ein anderer auß Mitleyden vnd Barmhertzigkeit bezahle für ihm / massen der gerechte Richter nicht einen Heller nachlasset.

Seltzam ist / was von einem Schwedischen Hauptmann Mancinus vorbringet / weil disem Soldaten so vil Monet=Gold außständig / zumahl vom Gold der Soldat den Nahmen geschöpfft / hat er endlich die Sach vor den König Carolum selbst gebracht / vnd verlangte vnderthänigst die ihme außständige 600 Rthlr. was? sagte der dazumahl vngedultige König: dir 600. Rthlr. an statt diser / will ich dir 600. Teuffel auff den Kopff wünschen. Das schmertzete nicht ein wenig den guten Officier / kundte E 3aber(70)aber dermahl wider den Strohm nicht schwimmen / vnd muste dermahl die liebe Gedult anzihen / vnderdessen wachsen seine Schulden nit ein wenig im Wirthshauß / also zwar / daß solche bereits auff 300. Reichsthaler sich beloffen / welches Geld die Frau Wirthin in baarer Bezahlung forderte / worüber aber der besagte Hauptmann ein sehr saures Gesicht gemacht / was? sprach er / 300 Thaler? an statt deren / solt ihr 300. Teuffel auff den Kopff haben; Solche freche Antwort veranlaste die Wirthin / daß sie gar die Sach nacher Hof brachte / vnd kam die ernstliche Bescheidung / der Officier soll erscheinen / deme dann vnder grosser Leibs=Straff aufferlegt worden / er solle bezahlen; worauff der Soldat geantwortet: wie daß er sie bereits mit Königlicher Müntze baar contentiret / dann ihme vnlängst der König auff Erforderung 600. Rthlr. 600. Teuffel habe geben / vnd weil er ihr der Wirthin nicht mehr als 300. Rthlr. vermög der gemachten Rechnung / schuldig seye / also habe er sie mit 300. Teuffel abgefertiget / man werde hoffentlich hierinnfalls deß Königs Müntz nicht verachten / rc.cap. 840. Auff solche Weiß last sich der Göttliche / gerechte Richter nicht bezahlen / sondern es müssen die arme verstorbene Christglaubige / die noch mit einem Schulden=Rest von(71)von der Welt geschiden / ihn contentiren / biß auff den letzten Heller / aber wo nehmen? vmb Gottes willen / wo nehmen? Sie haben nichts / dahero werden sie arme Seelen genennt / vnd eben weil sie nichts haben / wormit sie den Allmächtigen befridigen können / müssen sie darfür lange / grosse / schwäre / harte / strenge vnd vnbeschreibliche Pein vnd Tormenten außstehen / oder / oder / oder welches ihr einiges bitten / bitten vnd seufftzen / seufftzen vnd schreyen ist / oder / oder jemand anderer auß vns muß auß Mitleyden für sie bezahlen / damit doch einmahl der allmächtige GOtt / ein Creutz mache durch das Schuld=Buch / aber wo nehmen? das sage nur kein Mensch.

Petrus ließ sich wohl einmahl verlauten / da er von einem Bettler bey der Kirch=Thür vmb ein Allmosen angesprochen worden / daß er weder Pfenning noch Heller / weniger etwas von Gold habe / rc. aber dise Entschuldigung können wir auff keine Weeg vorschützen / Geld gnug / Geld ohne Abgang / Geld so vil man verlangt / vnd zwar die beste Maria=Groschen; ist ein Geld / so der Zeit sehr im Schwung gehet / durch dise Maria=Groschen kan man verstehen das H. Ave Maria / vnd folgsam gar den Heil. Rosenkrantz / womit die grosse Schulden im Feegfeuer können bezahlt werden.

E 4 Der (72)

Der seelige Alanus de Rupe erzehlt / daß ihme sehr vil Brüder vnd Schwestern auß der Ertz=Bruderschafft deß H. Rosenkrantz gesagt haben / auch mit einem Eyd betheuret / daß ihnen gar offt / da sie den H. Rosenkrantz andächtig gebettet / seyen Seelen auß dem Feegfeuer erschinen / dero Stirn mit einem rothen Creutzlein bezeichnet gewesen / welche sehr grossen Danck ablegten / vmb dises Heil. Gebett / auch anbey ermahnten / sie sollen ferners in diser Andacht fortfahren / massen nach dem H. Meß=Opffer kein kräfftigers Mittel seye / ihre Peynen zu nindernmindern / vnd die Schulden für sie zu bezahlen / als der H. Rosenkrantz; deßgleichen in Surio zu lesen / daß deß Königs Philippi in Franckreich leibliche Tochter vnd Hertzogin in Braband / der H. Ludgarden erschinen / vnd ihr angedeutet / daß sie nicht lang im Feegfeuer verbliben / vermittels deß H. Rosenkrantz / den sie täglich bey Lebzeiten andächtig gebettet. Wann die Rosen kühlen / wie aller Medicorum Aussag ist / so wundert mich nicht / daß die mit grosser Hitz geplagte Seelen / in jenem zeitlichen Kercker also trachten nach dem heiligen Rosenkrantz.

Von der seeligen Elisabeth auß Aragonia wird geschriben: Daß sie einsmahls durch Göttliche Eingebung ein Kirchen=Gebäu / dessen(73)sen Abriß der Himmel selbst gemacht / habe angefangen / wie nun zur Abend=Zeit die Arbeiter nacher Hauß gangen / gab sie jedem eine Rosen / in dem bestunde der Taglohn; weil die gute Leuthe nur wohl erkannt die gröste Heiligkeit diser Elisabeth / also haben sie derowegen kein widriges Gesicht gezeigt / sondern die Rosen mit Danck angenommen / solche wegen ihres guten Geruchs an die Nasen gehalten / vnd gleichsamb darumb gedanckt; Aber / sihe Wunder! da sie die Rosen in Händen hielten / seynd solche augenblicklich in grosse guldene Pfennig veränderet worden. In annal. Min. 1311.

Was dazumahl geschehen / geschicht noch öffter / daß nemblich die Rosen zu Geld werden / solches vmb Bericht die arme Seelen im Feegfeuer / die es mit grossem Danck bestehen / daß ein Rosenkrantz / so man für dise arme Tropffen GOtt auffopffert / das angenehmeste Geld seye in den Augen GOttes / vnd nicht ein wenig von ihren Schulden abzahle.

Zu Capharnaum wurde der Peter angeredt / er solle den Zinß=Groschen zahlen / wo nehmen? Unser HERR befilcht ihm / er solle den Angel ins Meer werffen / den nächsten Fisch / den er werde herauß zihen / soll er ins Maul greiffen / da werde er schon Geld finE 5den /(74)den / wie es dann auch geschehen / Matth. 17. vers. 26.

Wir wollten gern für die arme Seelen im Feegfeuer die Schuld bezahlen / aber wo Geld nehmen? Geld genug; zu Capharnaum hat ein Fisch Geld gespendiret / jetzt aber gibt vns der Fischer Geld. Beschau jemand alle Ablaß=Brieffe / so nun von dem Päpstl. Stuhl kommen / ob selbe nicht von Fischer? Ein jeder wird vom Fischer=Ring bestättiget / sub annulo piscatoris, ein solcher Ablaß ist an statt deß besten Gelds / womit die Schulden der armen Seelen können bezahlt werden.

Anno 1308. ist ein Edelman sambt seinen Beambten / nach dem Kirchlein Portiuncula geräist / allda den vollkommenen Ablaß zu gewinnen / in der Zuruck=Räiß wurde diser Beambte erkrancket / vnd schribe solchen seinen Zustand keiner andern Sach zu / als der grossen vnd langen Räiß / murrte derentwegen nicht ein wenig / worauff der Edelmann ihn getröst / er soll eines guten Muths seyn / den Räiß=Unkosten wolle er bezahlen / ja / so gar auch auff seinem eigenen Pferd biß nacher Hauß liffern / wann er den H. Ablaß / den er vermuthlich gewunnen / seinem schon längst verstorbenen Bruder wolte überlassen / gar gern / sagt hinwider der andere / gar gern / wann ich nur reiten kan.

Deß (75)

Deß andern Tags erscheint disem Edelmann seyn längst verstorbener Bruder in gantz glorreicher Gestalt / mit Meldung / daß er / GOTT sey Lob / vermittels deß ihme überlassenen Heil. Ablaß / aller Peyn sey loß worden / vnd anjetzo in die ewige Seeligkeit eingehe. Chron. Min.

Diser Seel ist Portiuncula weit besser zu Nutzen kommen / als jenem verlohrnen Sohn sein Erb=Portion. Da mihi Portionem, &c. Luc. 15. Ablaß=Pfenning seynd bey den armen Seelen weit bessers Geld / als alle Ducaten / rc. O wer ist doch dißfalls reicher / vnd mehrer mit Geld versehen / als die Brüder vnd Schwestern in der Ertz=Bruderschafft der Toden allhier zu Wienn bey vns PP. Augustinern / massen ein gantzes Jahr hindurch sie mit so häuffigen Ablaß versehen / womit sie / als mit dem besten Geld / vnd himmlischer Müntz der armen verstorbenen Christglaubigen / forderst deren in GOTT entschlaffenen Brüder vnd Schwester Schulden können bezahlen / vnd also durch das Schuld=Buch ein Creutz machen / zumahlen der mittere Creutz=Altar von dem Päpstlichen Stul / mit dergleichen Gnaden bereicht ist.

Ostium (76)

EVCHARISTIA

Ostium pandit Hostia.

POnite hoc Corpus ubicumq; nil vos ejus cura conturbet: Tantum illud vos rogo, ut ad Altare Domini memineritis mei ubicúmque fueritis. S. P. August. lib. Conf. 9. c. 11.

Legt disen meinen Leib / sagte die H. Monica / als ein Mutter Augustini / legt ihn hin / wo ihr immer wolt / därfft euch denselben wenig lassen angelegen seyn / noch derenthalben vil Kummer machen / aber mein einige Bitt ist nur / daß ihr meiner in dem H. Meß=Opffer wollt ingedenck seyn / also schreibt selbst der H. Vatter von ihr.

Dazu= (77)

DAzumahl ist dem Peter das Concept nicht angangen / wie er auff dem Berg Tabor / allwo der gebendeyte HErr vnd Heyland sein Glory in etwas entworffen / dem Moysi / dem Eliæ / vnd forderst dem HErrn / wolte drey Tabernackel bauen; Facimus hic tria Tabernacula, &c. Aber bey vns kan nichts heylsamers geschehen / als wann wir den armen Seelen in jener Welt Tabernäckel schencken / verstehe aber die Tabernäckel in den Kirchen vnd GOtts=Häusern / in welchen das höchste Gut auffbehalten wird / welches auß allen Mitteln das wertheste vnd beste ist / die in jenem zeitlichen Kercker verhaffte Seelen zu erlösen.

Die Gartner suchen vnd sorgen / vnd sehen / sehen wohl / sorgen vil / suchen stäts was für ein Zeichen im Mond seye / ob er im Auffnehmen oder Abnehmen / ob er im ersten oder letzten Viertel / ob Neumond oder Vollmond / rc. Dann die meiste Influenz deß Monds ist in die Erd=Gewächs. Die arme Seelen im Feegfeuer / die schauen auff nichts so sehr als auff den Mond / sie seufftzen nach nichts so starck als nach dem Mond / sie dencken auff nichts so offt / als auff den Mond / vnd zwar auff halben Monschein / welcher in der guldenen Monstrantzen das höchste Gut haltet / dises(78)dises Brod der Engeln / dises Göttliche Manna / dann von disem ist aller Gnaden vnd Barmhertzigkeit einige Influenz.

Jn vnserm werthen Teutschland / ist fast ein gemeiner Brauch / daß bey Marck=Zeiten ein guter Freund dem andern ein Jahr=Marck kaufft / ja mancher spendirt nicht wenig / der ziecht dem Beutel zimlich / es fliegen vil Denari auß / damit er nur seiner Liebsten einen angenehmen Jahr=Marck einkauffe. Das Bitten der armen Seelen zu vns / das Schreyen der armen Verstorbenen zu vns / das Seufftzen der Bekandten vnd Anverwandten auß dem Feegfeuer zu vns / ist mehrer theils nur vmb ein Jahr=Marck / aber man muß es also verstehen: Jn grossen vornehmen Handels=Städten wird ein Jahr=Marck ein Meß genennt / benanntlich Franckfurther Meß / Leibtziger Meß / rc. Aber die verstorbene Christglaubige verlangen kein solche / sondern ein H. Meß / in welcher nicht zeitliche Waaren / sondern die Göttliche Waar / welche der vermessene Judas vmb ein so geringen Preiß / benanntlich nur vmb dreissig Silberling verhandlet / das wahre Fleisch vnd Blut JEsu Christi in dem Heil. Altar=Opffer.

Anno 1667. in der Stadt Straubing in dem Hertzogthum Bayrn / hat ein frommes baar(79)baar Ehe=Volck bey finsterer Nacht an einem Sambstag ein andächtiges Gespräch gehalten / wie daß sie nemlich den morgigen Tag auch wollen erscheinen in der General=Communion bey den PP. Jesuitern / da sie nun ein kleine weil von disem so heiligen Vorhaben geredt / da ren sie etwas klopffen in der Kammer / endlich seufftzen / vnd dise Wort außsprechen: Date & mihi micam, last doch / ach! last doch mir auch einen Prosen zukommen. Als wolt gleichsamb diser Geist sagen / ihr habt so offt ein stattliches Pancket / vmb welches / wann es möglich wär / auch die Engel euch sollten benedeyen / ihr habt mehrmahl ein Tractament / daß auch GOtt selbst mit aller Allmacht nichts kostbahres kan auffsetzen / vnd wir leiden allhier ein so unaußsprechlichen Hunger / schickt vns doch vmb GOttes Willen auch ein wenig ein Bescheid=Essen / vergunt vns nur als euren Bluts=Freund / als den allerverlassnesten Tropffen nur ein Prosen von diser Göttlichen Taffel / ihr könt ja nicht ein so Stein=hartes Hertz haben / wie jener reicher Prasser / der dem armen Lazaro vor der Thür nicht den wenigsten Bissen hat lassen zukommen / dann diß allein ist das allerkräfftigste vns zu helffen / dises zertrennt vnsere Eysen vnd Bande / an die wir gefesselt seyn / dises eröffnet den Kercker in dem wir gefangen ligen /(80)disesligen / dises versüsset vnsere Bitterkeiten / mit denen wir allerseits vmbgeben.

Lippomanus schreibet den 22. April von dem H. Priester Gregorio / wie disen Theodorus in der GefängnnßGefängnuß wolte versehen mit dem heiligisten Fronleichnam / zuvor aber die Wächter vnd Soldaten gebetten / daß sie ihn auß den Eysen vnd Banden nur so lang wolten schlagen / biß er das heilige Werck vollzogen / als er aber von disen vnbarmhertzigen Gesellen nichts erbitten konte / so hat er gleichwohl die H. Communion ihme dargereicht; sihe aber Wunder! kaum hat Theodorus dem H. Mann die heiligste Hostien auff die Zungen gelegt / da seynd alsobald von Gregorij Händ vnd Füssen die Bande vnd Ketten abgesprungen / vnd folgsam der H. Mann aller Banden befreyet worden.

Wann nun dises höchste Pancket solche Band auffgelößt / so ist es nicht weniger kräfftig / auch jene feurige Ketten / an denen die armen Seelen im Feegfeuer gefangen ligen zu zerbrechen. Wann jene Speiß / welche der Prophet Habacuc dem Daniel in die Löwen=Gruben getragen / ihme so ersättlich gewest ist / wie wird erst den armen Seelen seyn / das hochwürdigiste Sacrament deß Altars? Wan̅ den Propheten=Kindern / denen Elisæus mit wenig weissen Meel hat können den bitteren Kraut=(81)Kraut=Topff versüssen / was wird dann erst für Krafft haben / der vnder der Gestalt deß weissen Brods verhüllte Heyland selbst? Wann ein Engel hat können den im Gefängnuß verhafften Peter auff freyen Fuß stellen / was wird nun thun können GOtt selbst / so den armen Seelen in dem allerheiligsten Sacrament wird zugeschickt?

Auß dem Cistercienser=Orden zu Claraval war ein Lay=Bruder / welcher kein anders Ambt hatte / als die Schaaff zu hüten / dann vor disem in dergleichen Clöstern keine weltliche Leut gebraucht worden / sondern alle Hand=Arbeit / so gar ackern / säen / schneiden vnd treschen die Geistliche musten verrichten; Als besagter Lay=Bruder einest bey seiner Heerd Schaaff sich befunden / da erscheint vnversehens vor seiner ein Mensch / den er alsobald vnd ohne Schrecken befragt / wer er seye? woher er komme? ich / sagte diser / bin dein Vetter / bin vor wenig Zeiten mit Todt abgangen / bin von dem gerechten GOtt in das Feegfeuer verurtheilet worden / worinnen ich vnermäßliche Pein vnd Schmertzen leyde / also bitte ich dich vmb GOttes willen / halte bey deiner Obrigkeit an / daß sie mir drey heilige Messen schencken / vermög diser wird GOtt mein zeitliche Straff enden; Nachdem nun solches heiligistes OpfFfer(82)fer für dise arme Seel verrichtet worden / ist sie mehrmal in Gegenwart anderer erschinen / vnd sich gantz glorreich gezaigt / auch offentlichen Danck abgelegt / vmb dise ihre grosse geleiste Hülff.

Warumb aber / möcht einer sagen / soll man mehr Messen lesen für einen Verstorbenen? indem doch ein einige H. Meß genug ist das gantze Feegfeuer außzuleeren / hierauff wird geantwortet: Wann man ansicht das jenige / was in dem H. Meß=Opffer auffgewandelt wird / so ist selbiges eines vnendlichen Werths / massen es / der wahre Heyland JEsus selbst / vnd diser ist freylich genug / nicht allein außzulöschen ein Feegfeuer / sondern vnzahlbare; so man aber betracht den Effect vnd Frucht der H. Meß / so ist diser nicht vnendlich / sondern der Höchste hat durch sein Göttliche Weißheit beschlossen / es soll ein H. Meß=Opffer so vnd so vil gelten / so vnd so vil läßliche Sünden außlöschen / so vnd so vil Schulden bezahlen / vnd nicht mehr; was aber eigentlich für einen Preiß oder Werth der Allmächtige gesetzt hat auff ein solches Heil. Opffer / ist dermahl vns Menschen nicht bekandt / wird auch in Göttlicher H. Schrifft eigentlich hiervon kein Meldung gethan / noch haben wir dessen durch einige Offenbahrung ein Wissenschafft.

Es (83)

Es last sich mehrmahl jemand hören / wann ein vornehmer Herr mit Tod abgeht; wann ein reiche adeliche Dama stirbt / für welche etlich tausend H. Messen gelesen werden / so kombt ja ein solche Seel bald auß ihren Schulden in jener Welt / da vnderdessen ein armer Tropff / der keine Mittel hinderlassen / muß seine Schulden so langsam vnd so theuer bezahlen; Allhier ist die Antwort / daß solcher Gestalten wenig Edelleuth im Feegfeuer ren / es ist aber zu wissen / daß solche H. Messen vnd andere gute Werck nicht allezeit den jenigen zukommen / für welche sie verricht werden / dann wann solche bey Lebzeiten nie / oder gar selten der armen Seelen im Feegfeuer seynd ingedenck gewesen / so nimbt ihnen GOtt gleichsam solche H. Werck vor dem Maul weg / vnd theilt sie vnder andere bedürfftige Seelen auß / die sonsten aller Hülff entblöst seyn; wohl aber last der gütigste GOtt den jenigen die für sie verrichte Suffragia zukommen / so vorhin auch mitleydent gewest bey Lebszeiten gegen den armen verstorbenen Christglaubigen. Non omnibus Defunctis prosunt Suffragia infallibiliter, sed aliquibus qui meruerunt in hac vita, & ij censentur esse animæ eorum, qui in hac vita habuerunt specialem devotionem circa animas Purgatorii. Ita Cajet. ex S. P. August. Opus 1. c. 16. Q. 2. art. 1.

Gau- (84)
Gaudent proximiora magis.

INspira Domine Deus meus, inspira servis tuis; Fratribus meis filiis tuis, Dominis meis, quibus & voce & corde & litteris servio, ut quot quot hæc legerint, meminerint ad Altare tuum Monicæ famulæ tuæ cum Patritio quondam ejus conjuge, per quorum carnem introduxisti me in hanc vitam. S. P. August. lib. 9. Confess. c. 13.

Verschaffe mein HERR vnd mein GOtt / (seufftzte der heilige Vatter Augustinus /) verschaffe in deinen Dienern / meinen(85)nen Brüdern / deinen Kindern / meinen Herrn / welchen ich mit Wort vnd Schrifften / mit Hertz vnd Mund zu diensten bin / auff daß alle / die diß lesen werden / deiner Dienerin Monicæ / sambt ihrem Ehegemahl Patritio, durch welche ich dises zeitliche Leben empfangen hab / bey dem Altar gedencken wollen.

EJnEIn vornehmer Edelmann auß Franckreich / wurde von dem Vorwitz angetriben / daß er einen Lust bekommen / die neue Welt / von der ein so grosser Ruhm vnd Ruff / zu sehen / zu welchem End er ein stattliche Schiffart dahin angestellt / deme auff alle Weiß auch nach allem Widerrathen / sein erwachsene Schwester die Gesellschaft geleist / ein Fräule von wunder=schöner Gestalt / vnd Leibs=Beschaffenheit; Nach andern befand sich auch auff gedachtem grossen Schiff ein anderer sehr adelicher Cavalier / welcher nach vnd nach ein Aug geworffen in deß Schiff=Herrn sein adeliche Schwester / (im Würffel=Spielen seynd vil Augen gut / vnd bringen Glück / aber in disem Fall seynd die Augen meistens schädlich /) sein Lieb wachste so weitweit / daß er auch ein Gegen=Lieb erworben / ja so gar haF 3ben(86)ben sich beyde in eheliche Verlöbnuß eingelassen / doch ohne Achthaben deß Schiff=Herrns / deme hiervon das Wenigste vertraut worden / auß Forcht / er möchte als ein hochtrabender Herr der Sach einen Rigel schiffen; Der kleine schleckers Bub Cupido hätt nicht gefeuret / biß endlich auch bey glücklicher Schifffarth die Ehr zwischen disen beyden gescheittert / welches der hernach wachsende Leib verrathen / worüber sich der Schiff=Herr nicht ein wenig entrüstet / auch gäntzlich bey sich beschlossen / dise vermessene That zu rechnen / vnd zu Vermändlung seines Vorhabens / zaigte er sich / als re er ihrer Verehligung nicht zu wider / biß er endlich bey einer kleinen vnbekandten Insul die Ancker gesenckt / deß Verlauts / als wolle er einen Rastag nehmen / vnd zugleich mit frischem Wasser sich versehen / da dann neben andern dises paar Liebste auch außgestigen / nachdeme er etliche Sachen / als Pulver / Bley / Feuerzeug vnd einige Speisen auff das Land laden lassen / befilcht er bey finsterer Nacht in aller Still abzuseeglen / vnd das neue paar Ehe=Volck in der Insul zu lassen / so auch werckstellig gemacht worden. Bey auffgehender Morgenröth sahen sich dise zwey gantz allein / vnd von männiglich verlassen; das Schreyen / das Bitten / Wäinen war vmbsonst / vnd alles Fruchtloß; Nach=(87)Nachdeme sie nun aller Menschlicher Hülff beraubt waren / musten sie sich endlich in die Noth schicken / aber außzusprechen ist nit / was Angst vnd Trübsal sie diser Orth / allwo mehr Wildnuß vnd wilde Thier zu sehen / außgestanden. mitMit etlichen Gesträuß vnd Stauden bauten sie endlich / dises edle vnd zart aufferzognes paar Ehe=Volck / ein schlechte Hütten; Er gienge täglich auff die Jagt / vnd versahe nach Möglichkeit die arme Kuchel; Sie spahrte nicht weniger ihren Fleiß / vnd grabte mit ihren zarten Händen / die sich vorhero fast vor der Seyden scheueten / die Wurtzel auß der Erden / auß sonderm Seegen deß Himmels / hat sie gleichwohl ein frisches Brunn=Quell / welches ihnen besser als der reicheste Hoff=Keller gedient. Nach etlichen Monathen / wie dann ein Elend dem andern auff dem Fuß folget / erkrancket der Herr vnd stirbt / massen ein Abgang war aller Mittel / muste also die Frau allein tragen / was zuvor beyden schwär genug ankommen / vnd dises Elend taurte über ein gantzes Jahr nach dem Todt ihres Herrn; Kein Augenblick / wie sie es nachmahlens bestanden / ist nicht verflossen / daß sie nicht (als von jederman verlassen /) ihre Augen gewendet auff das weite vnd breite Meer / vnd geschaut / ob nicht etwan ein Schiff daher seegle / vnd sie auß diser Noth erlöse / F 4stunde(88)stunde also ihr gantzes Leben nur in Hoffnung. Endlich doch ist ein Frantzösisch Schiff / so vom Ungewitter an besagte Insul geworffen worden / ihr zu Hülff kommen / vnd sie mit elenden / zerrissenen vnd zerfaulten Kleydern / in fast wilder vnd abscheulicher Gestalt mit sich genommen / vnd erlediget Harsdorff. n. 104.

Jn grossem Elend war dise; Ein Elend / wo mehrer Noth als Brod ist. Ein Elend / wo mehrer Leyd als Freud ist. Ein Elend / wo mehrer Frost als Trost ist. Da war Kammer vnd Jammer ein Ding. Da war Ach vnd Dach ein Ding. Da war Hausen vnd Grausen ein Ding; ist das nicht ein Elend?

Alles dises Elend vnd menschlicher weiß grosse Trangsal / ist gar nicht zu vergleichen denselben / was da in jener Welt leyden die im Feegfeuer verhaffte arme Christ=glaubige / allein in dem findt sich einige Schattierung / daß sie gleich diser betrübten Wittib stäts vnd immerzu ihre Augen werffen in disem bittern Meer hin vnd her / wann doch einmahl ein Schiff sich blicken liesse / so ihnen Hülff leiste / vnd sie erlöste; Aber zu wem haben dise trostlose vnd verlassne Geister ihr meiste Hoffnung; zweiffels ohne zu ihrem nächst Anverwandten vnd Befreundten / dann sie gar wol wissen / daß ein Brunn im Feld / ein Brunn im Garten zwar alles(89)alles befeuchte / aber doch zu allererst die jenige Pflantzen / das jenige Graß / welches ihnen nahend ist; Also wann wir mitleydige Christen gegen männiglich ein Barmhertzigkeit tragen / so ist ja recht vnd rathsam / daß wir ehender ein Hülff leisten / den jenigen / die vns nahend anverwandt seynd / vnd an Blut befreundt.

AlsmanAls man einen Gichtbrüchtigen zu vnserm HErrn getragen / vnd demüthigst ersuchet / er wolle doch sich seiner erbarmen / vnd ihme die gewünschte Gesundheit ertheilen / da hat der gebenedeyte Heyland sochesolche Gnad auff kein Weiß wollen abschlagen / sondern ihn alsobald gesund gemacht / ihme aber anbey befohlen / er solle sein Bett nehmen / vnd in sein Hauß gehen. Surge tolle lectum tuum, & vade in domum tuam. Warumb aber der HErr JEsus ihme gebotten / daß er sich solle nacher Hauß den geraden Weeg begeben / war die Ursach / spricht der H. Joan. Chrysostomus in cap. 6. Hom. 30. damit er den Leuten daselbst andeute die grosse Wunderwerck Christi / vnd damit sie ihre Jrrthumb verlassen / vnd an den wahren Messiam glauben. Wann deme doch also / warumb den geraden Weeg nach Hauß vnd seiner Wohnung / vnd warumb nicht anderwärts hin? Die Ursach ist dise / weil er doch F 5hat(90)hat sollen vnd wollen den Leuten etwas Guts thun / vnd zu der Nachfolg Christi deß HErren anfrischen / so hat es sich gebühret / daß er geschwind vnd den graden Weeg nach Hauß genommen / dann allda waren seine Befreundte / seine Anverwandte / seine Geschwistrige / seine Bekandte; dann wann sich jemand der Armen erbarmet / vnd ihnen begehrt Hülff zu laisten / so ziembt sich / daß er vor allen andern den Blutsfreunden helffe.

Heilig ist / heilsam ist / liebwürdig ist / lobwürdig ist / wann sich ein Christlicher Mensch der armen Seelen im Feegfeuer annimbt / aber er soll vor allen anderen den jenigen Hülff reichen / die da in seiner Freundschafft / zu allererst den lieben verstorbenen Eltern / weil dise forderst ihr Hoffnung setzen auff die Hülff der hinderlassenen Kinder; Nach dem Exempel meines H. Vatters Augustini / welcher jederman ersuchet / vnd inständig gebetten / sie wollen doch in ihrem Gebett / vnd absonderlich die Priester in ihrem H. Meß=Opffer seiner verstorbenen Mutter Monicæ / vnd seines Vatters Patritij ingedenck seyn.

Es hoffen die liebe Eltern auff ihre Kinder / daß sie werden nachfolgen dem Samson / welcher den jenigen Honigfladen / so er in dem Rachen deß erwürgten Löwens gefunden / nicht(91)nicht allein für sich behalten / sondern darvon ein gute Portion seinen Eltern zugebracht; also werden sie ihnen auch lassen zukommen das Göttliche Manna / vnd süsseste Himmel=Brod deß Altars.

Es hoffen die Kinder auff ihre annoch lebende Eltern / daß solche werden nachfolgennachfolgen der Agar / welche auff kein Weis konte ertragen / daß Jsmael ihr SonnSohn solte vor Durst sterben / sondern sie hat so lang bey dem Himmel suppliciert / biß GOTT einen Engel gesandt / der ihr ein klares Brunn=Quell gewisen hat in der Wüsten; Also werden sie auch ihnen verhülfflich seyn / damit sie doch einmahl gelangen zu dem jenigen / welcher der Samaritanin gesagt hat / daß er seye der Brunn deß ewigen Lebens.

Es hoffen die Geschwistrige auff ihre hinderlassene Brüder vnd Schwester / daß sie werden nachfolgen der sorgfältigen Martha / welche alle Haußgeschäfften bey seyts gelegt / vnd in aller Eyl (hat so gar der Magdalena nichts darvon angedeut /) dem HErrn JEsu entgegen geloffen / vnd ihren verstorbenen Bruder recommendirt / wie dann bald der Bescheid ergangen: Resurget frater tuus, dein Bruder wird aufferstehen; Also werden sie ebenfalls ihrer öfter gedencken / vnd bey dem Göttli=(92)Göttlichen Heyland das ewige Leben ihnen zu wegen bringen.

Es hoffen die verstorbene Ehemänner auff ihre hinderlassene Weiber / vnd hinwider die Eheweiber auff ihre annoch im Leben verblibene Männer / daß sie werden nachfolgen der bescheyden / vnd bescheydenen Abigail, welche alle Mittel angewendt / kein einigen Unkosten gespart / damit sie nur das Ubel von ihrem ob schon groben Mann möchte abwenden / so ihme von David getrohet ware; Also werden sie gleicher Gestalten in allweg suchen / wie sie doch das grosse Elend / worinn sie allbereits stecken / einmahl von ihnen können wenden.

Cedunt (93)
Cedunt candida nigris.

COnsilio inito emerunt ex illis agrum figuli in Sepulturam peregrinorum, &c. Invenit tandem mens cæca remedium. S. P. August. Serm. 121. De Tempo.

Sie funden aber einen Rath / (verstehe die Juden wegen deß Gelds / mit dem der Heyland verkaufft worden /) vnd kaufften darumb eines Haffners=Acker / zur Begräbnuß der Frembden / rc. Matth. 28. Dißfalls haben die verblendte Gesellen gleichwohl noch etwas gefunden / (spricht der(94)der H. Vatter Augustinus /) wormit sie sich auß außauß allem Ubel / dafern sie nur Gewalt hätten / hätten können herauß helffen.

DEr erste Willkomm / welchen der Engel den dreyen andächtigen Frauen hat geben / als sie mit kostbahren Salben das Grab deß HErrn besuchten / war diser: Nolite timere, förchtet euch nicht / rc. Matt. 28. Allen den jenigen / so die Gräber der verstorbenen Christglaubigen verehren / vnd der Todten sich annehmen / sey es für einmahl vnd allemahl auch gesagt / nolite timere, förchtet euch nicht / massen euch nichts Ubels kan widerfahren / dann gleichwie in dem Würffeln vil schwartz werffen / ein sonders Glück ist / also hat nicht weniger Glück auff der Welt / (massen von der ewigen Belohnung vorhin schon Meldung geschehen /) zu hoffen vnd zu gewarten / derselbige / deme die schwartze Farb beyfallt verstehe hierdurch die Todte. Dann durch die Todte schon mehrmahl den Lebendigen grosse Hülff geleist worden.

Die Hohepriester der Juden / seynd so wohl ja mehrer als der Iscarioth Ursach gewest / an dem bittern Tod deß HErrn JEsu / dann kein Tag ware / da sie nicht den Undergang diser Göttlichen Sonnen suchten; Kein Nacht(95)Nacht ware / da sie nicht sich bemühten / dises Göttliche Liecht außzulöschen; Wie die Wölff verfolgten sie dises Lamm GOttes; Wie die Geyer vnd Raub=Vögel dise vnschuldige Tauben; Wie tobende Sturm=Wind dises Schiffel deß Heyls / biß sie endlich / dise blutgierige Egel / vnd vnmenschliche Tyger=Gemüther den Heyland an das Creutz gebracht / vnd folgsamb mehrer verschuldet / als der Judas Iscarioth, dannoch aber auff der Welt nicht also gestrafft worden / wie er / nicht eines so vnglückseeligen Tods gestorben / wie er / nicht der gantzen Welt zu Schand vnd Spott worden / wie er / warum? Die Ursach war dise: Jhre Würffel haben vil Schwartz geworffen / sie haben sich der Todten angenommen / dann sie vmb jenes Blut=Geld / wormit das höchste Gut verkaufft worden / einen Acker eingehandelt / der da zu allen Zeiten soll seyn ein Freudhoff vnd Begräbnuß der Frembdling; In sepulturam Peregrinorum, Matth. 27. Wie dann von besagtem Acker sehr vil Erd nach Rom überbracht worden / vnd wird das Ort genennt: Capo Santo, allwo noch auff heuntigen Tag dise Erd nur die Leiber der Frembden behaltet / der Jnwohner aber gleich wider außwirfft.

Gar gewiß hätt sie sonsten der Teuffel lebendig hingeführt / oder Donner in Aschen gelegt /(96)gelegt / oder die Erd lebendig verschlückt / oder den wilden Thieren zum Raub worden / weil sie sich aber der Todten haben angenommen / so konte sie kein zeitliches Unglück berühren. Nolite timere, so fürchtet euch dann nicht / alle Liebhaber der armen Seelen im Feegfeuer / es kan euch so bald kein Unglück über den Hals kommen / die Todten helffen den Lebendigen.

Es wird geschriben von einer armen Wittib zu Genua, wie daß selbige ihren gar vngerathenen Sohn von der Galee erledigen wolte / hierzu aber ein Summa von 300. Thaler erfordert wurde / so vil aber in ihrem gantzen Vermögen nicht zu finden / ist demnach von der Noth gezwungen worden / das Geld zu betteln / vnd bey wohlhabenden Leuthen nach vnd nach zu suchen. Einsmahl trifft sie einen Priester an / mit einem sehr saubern Auffzug / von deme sie gar demüthig ein Beysteur gebetten / der aber gar mitleydent geantwortet / daß er selber Noth leyde / vnd wisse nicht / wo er etwan heunt das Mittagmahl werde einnehmen / dann er schon lang in der Kirchen gewart / der Hoffnung es möchte jemand ein heilige Meß bestellen / seye aber all sein Hoffnung leer abgeloffen / vnd folgsam ihme nicht so vil baare Mittel / womit er sich könne erhalten; die arme Haut erbarmet sich seiner / vnd gibt ihme ein Geld / dessen sie weit(97)weit mehrer bedürfftig / er soll darfür ein Heil. Meß lesen für die abgestorbene Christglaubige. (O Frau! vil Schwartz werffen in Würffel bringt Glück.) Nolite timere, förchtet euch nicht / die Todte werden euch nicht verlassen / wie es auch geschehen; Nach vollendtem H. Meß=Opffer sucht die fromme Matron ein andern Wohlthäter / vnd findt ein alten jedoch vnbekandten Herrn / deme sie ihr gantze Noth geklagt / der sie dann alsobald getröst / vnd ihr ein Zettel geben / welchen sie zu disem N. Kauffmann solle tragen / deme sie auch also nachkommen / der Kauffmann aber konte den Zettel nicht genug anschauen / konte sich nicht genug verwundern / fragt die Frau / von wem sie dise Schrifft habe? ob sie ihn möchte kennen / wann er ihr denselben gemahlter thäte zeigen? warumb nicht / sagte sie / ich hab seine Gestalt gar wohl gemerckt. Darauff führt er sie in einen grossen Saal / worinnen beyderseyts ein lange Reyh underschiedlicher Bilder vnd Contrafeten hangten / sie schaut / sie siht / sie zaigt mit den Fingern auff ein Bild / vnd sagt: Diser seye es gewest / er sehe ihm gantz gleich vnd ähnlich; Worauff der Kauffmann geseufftzt / ach! sprach er / der ist mein Vatter gewest / vnd schon vor zehen Jahren mit Todt abgangen / vnd sein Handschrifft erkenn ich gar zu wohl in disem GZettel /(98)Zettel / ich will euch also gern das verlangte Geld zur Rantzion eures Sohns darschiessen / dann also verlangt es mein Vatter seeliger. Die Frau / vnd alle die jenige denen solches kundbar worden / erkannte gar leicht / daß dises ein Danck der armen Seelen wegen der Heil. Meß / die sie hat lesen lassen. Nadal. prædest. sig. 7. n. 52.

Die arme Seelen in dem Feegfeuer lassen niemahl vnvergolten die Gutthaten / so ihnen erwisen werden; die Danckbarkeit ist bey ihnen weit besser vnd beständiger / als bey vns wanckelmüthigen Adams=Kindern. Die liebe Schutz=Engel kommen mehrmahlen zu ihnen hinunder / vnd berichten sie vmbständig / was vnd wer ihnen etwas Guts thue / ja sie nehmen solches auch meistens wahr / bey Linderung vnd Minderung ihrer Pein / daß jemand für sie bette / vnd einige Hülff leiste / worüber sie die Händ mit tausend Danck zusammen schlagen / vnd versprechen / solche Wolthat nimmehr zu vergessen / wann dann die Schutzengel ihnen offenbahren / es seye diser / es sey dise / von denen solches H. Meßopffer / vnd andere gute Wercke übermacht worden / so dann lassen sie nit nach immer vnd immer zu GOtt zu ruffen / vnd schreyen vmb Wohlfahrt ihrer Gutthäter / ja durch Zulassung GOttes vnd sonderer Mitwür=(99)Mitwürckung deß Allerhöchsten / seynd sie mehrmahl sichtbarlich erschienen / vnd ihre Patron auß vnderschiedlichen Gefahren errettet. O wie vil haben erfahren / vnd erfahren es noch / daß sie sich nicht ehender auß einer Gefahr oder Unglück können wicklen / als wann sie den armen Seelen etwas schencken / oder wenigst versprechen zu schencken.

Die Allerdurchleuchtigste vnd Tugendsambste Käyserin Maria / Ferdinandi deß III. werthiste Gemahlin / hat die arme Seelen im Feegfeuer meistens auff ihrer Seiten gehabt / vnd in allen Nöthen ihre Zuflucht zu denselben genommen / massen dise so wohl als die Heiligen in dem Himmel in der Göttlichen Gnad bestättiget / vnd folgsamb auch fähig seynd für andere / nicht aber für sich selbsten zu betten; Besagte Allerdurchleuchtigste Frau / war auff ein Zeit mit ihrem Herrn Gemahl dem Käyser zu Regenspurg / vnd befanden sich beyde Majestäten dazumahl mit Feinden vmbgeben / ja die grosse Kälte war zu ihrem gewünschten Vorthel / massen die Donau also überfrohren / daß sie dem Feind zu einer Brucken gedient / wie dann solcher allbereits in dem Anmarsch begriffen / da solches die andächtigste Käyserin wahrgenommen / hat sie alsobald ihr Zuflucht geschöpfft zu den armen Seelen im Feegfeuer / G 2ihnen(100)ihnen 1000. Seelmessen verlobt / rc. Sihe Wunder! Jn derselben Nacht (Zweiffels ohne durch Hülff vnd Fürbitt der armen Seelen /) hat die Donau starck angefangen zu schmeltzen / daß also der im ersten Anzug begriffene Feind hat müssen mit Schaden erfahren / daß all sein Vorhaben zu Wasser worden / massen deren über 1000. ertruncken. Fürsten=Spiegel fol. 161. So bringt dann schwartze Farb Glück / vnd helffen die Todte den Lebendigen.

Ein brüllender Löw / hat den Propheten von Juda auff dem Weeg zerrissen / durch sondere Verhängnuß GOttes / massen er in etwas vngehorsamb war / als solches einem andern Propheten / der sonst nicht gar zu heilig / kundbar worden / machte er sich alsobald auff / raiste von Bettel hinweg / vnd findt den todten Leichnamb deß Propheten auff der Strassen / neben ihm aber auch den Löwen stehen / mit feurigen Augen / vnd blutigen Rachen / vneracht alles diß / gehet er hin / nimbt den todten Leib mit sich / vnd begrabt ihn ehrlich. Aber wie hat sich doch diser getraut / in einer so grossen vnd augenscheinlichen Gefahr zu begeben? Tostatus antwortet: Der gute Mann habe ihme gäntzlich eingeblildeteingebildet / daß / wann er dem Todten ein Lieb werde erweisen / er kein Unglück(101)glück zu förchten habe / in lib. Reg. 13. So bringt dann schwartze Farb Glück / vnd helffen die Todten den Lebendigen. 3. Reg. 13.

Anno 1650. hat ein vornehmer Buchdrucker zu Cölln / in seinem Hauß bettligerig / vnd zwar in augenscheinlicher Todts=Gefahr seine liebe Ehefrau / wie auch sein kleinen Sohn / wuste also nicht / wohin er sich in solcher Trangsaal solte wenden / begibt sich demnach in die Kirchen / vnd fallen ihme die arme Seelen im Feegfeuer ein / verspricht derohalben / daß er den armen Seelen zu Nutz vnd Trost / ein Büchel von dem Feegfeuer auff ein neues widerumb wolle under die Preß nehmen / vnd dessen 100. Exemplaria für den kleinen krancken Sohn / 200. aber für sein krancke Frau vmbsonst vnder die arme Geistlichen außtheilen; Die Sach ist ihm also wohl angangen / daß gleich beyde von freyen stucken seyn besser worden / vnd in wenig Tagen frisch vnd gesund.

Dergleichen Geschichten seynd nicht allein in vilen Büchern zu finden / sondern es gibts die tägliche Erfahrenheit / was Hülff einer zu hoffen habe von den armen Seelen im Feegfeuer / wann man ihnen hilfft. Probire es nur jemand / vnd laß ihme die abgestorbene Christ=glaubige befohlen seyn / so wir er handgreifflich spühren / daß mehrer Seegen im Hauß /(102)Hauß / daß besser Glück in der Wirthschafft / daß sicherer Fortgang seines Gewerbs / daß kräfftiger Widerstand seiner Feinde / daß weniger Unhayl in dem Zeitlichen / daß weniger Anstöß in dem Ampt / daß minder Trangsaal in dem Leben / daß geringer Unruhe in dem Gewissen / daß schlechtere Forcht in dem Hertzen. Jn Summa / er wird es mercken / er wird es sehen / er wird es greiffen / er wird es erfahren / daß wer ein Patron ist der armen Seelen / daß für ihn auch Himmel vnd Erd patrocinire.

Requiescant ergo in Pace.

So gebe ihnen dann GOTT die Ewige Ruhe.

AMEN .