Mercks
Wien .
A : 1679
Respect
M Hoffman del : I . Mart : Lerch sc :
Mercks Wienn /
Das ist
Deß wütenden Todts
ein vmbständige Be
schreibung
Jn
Der berühmten Haubt
vnd Kayserl . Residentz
Statt in Oesterreich /
Jm sechzehen hundert / vnd
neun vnd sibentzigsten Jahr /
Mit Beyfügung so wol
wissen als gwissen antref
fender Lehr .
Zusammen getragen mitten in der
betrangten Statt vnd Zeit /
Von P . Abraham â S . Clara Re
formierten Augustiner Baarfüsser vnd
Kayserlichen Prediger :
Gedruckt zu Wienn / bey Peter Paul Vi
vian / der löbl : Universitet Buchdrucker 1680 .
Denen Hochwürdigen / in
Gott Geistlichen / auch Edlen vnd
Hochgelehrten / Hoch : vnd Wohlge
bohrnen / Herrn Herrn / auch Wohl=
Edl=Gebohrnen Herrn N : N :
Denen drey obern Land=Stän
den deß Ertz=Hertzogthumbs Oester
reich vnter der Ennß / r c.
Gnädig / vnd Hochgebie
tende Herrn Herrn :
DEr Welt berüm
te Mahler Fiviza
nus hat mit seinem
schier wunderthäti
gen Pembsel solche Stuck den
menschlichen Augen hinterlassen /
daß DEDICATIO .
daß jemand möcht sagen / dieselbe
Kunst=Gemähl wollen der Natur
selbst einen Trutz bieten . Es setzet
sich diser allkündige Mann eins
mahls nieder / stellet die Zeich
nung / ziehet die Linien / mischet
die Farben / führet den Pemb
sel / in Willens den Todt mit
möglichsten Fleiß zuentwerffen ;
er mahlet demnach den dürrn / den
beinigen / den vngestalten / den
türmischen / den ohnmilden / den
vnersättlichen / den Menschen=
Mörder den Todt so natürlich /
daß der kunstreicheste Mahler
Fivizan selbst also daran erschro
cken / daß ihme der Pembsel ent
fallen / vnd er vhrplötzlich dahin
gestorben: DEDICATIO .
gestorben : Wessenthalben der
Poet bey seiner Leicht=Begäng
nuß / neben anderen Sinn=Ge
mähl auch obberührtes Todten=
Bild angezogen mit beygefügten
Verß .
Viva igitur sum Mors , non
mortua Mortis Imago ,
Si fungor , quo Mors fungi
tur officio .
Bey Leib nenn mich ein Todts=
Bild nicht /
Dan̅ ich der Todt selbsten bin /
Weil ich deß Todts = Ambt ver
richt /
Und raub deß Menschen Le
ben hin .
Disem Mahler kan ich es in
der DEDICATIO .
der Kunst nicht nach thun / habe
mich aber gleichwohl vnterfan
gen / den Wiennerischen Todt nach
meiner Geringfügigkeit zuent
werffen / dann es duncket mich /
als tauge gar wohl das Elend zu
beschreiben ein elender Scribent ,
muß aber beynebenst nit verschwei
gen die gute Meinung / so mich
hierzu veranlasset hat ; Es ist zu
Weilen der Mensch in einer Sach
dem langsamen Schnecken nicht
vngleich / diser abgeschmache
Maurkriecher last nicht ein eini
ges mahl ein Stimm hören / son
dern bleibt allzeit ein schmutziger
Stumm / vnd stumme Schmu
tzer / so man ihn aber auff ein
Glut DEDICATIO .
Glut leget / fanget er an zu kir
ren vnd zu pfeiffen / Vrget silen
tia mæror : Wir elende Adams=
Kinder seynd offt also in das Jrr
dische versenckt / daß wir schier
deß Himmels vergessen / vnd die
wenigste Stimm nicht zu GOtt
erheben / so bald vns aber der
gerechteste GOtt auff die Glut
leget / so bald er vns einige Trang
sall vnd Elend zu schicket / da fan
gen wir an nach dem Himmel /
nach GOtt / vnd nach den Gött
lichen zuschreyen mit dem gekrön
ten Harpfenisten : Ad Dominum ,
cum tribularer , clamavi : Das
hat man genugsamb abgenom
men allhie zu Wienn / allwo bey
der DEDICATIO .
der betrangten Pest=Zeit män
niglich zu GOtt geruffen / vnnd
hat wohl mancher vielleicht in
drey Jahren / ja in dreissig Jah
ren nicht so viel gebett / als da
mahl in drey Monath ; Vrget
silentia mæror : Wann aber
das Ubel vnd häuffige Elend
vorbey / so dann pflegen gemei
niglich die gute Gedancken vnd
heilige Werck verschwinden / vnd
wann die Trübsall in ein Ver
gessenheit kommet / so zerschmel
tzet folgsamb auch die Gottsee
ligkeit vnd Forcht Gottes . Da
mit derohalben die Wiennstatt
ins künfftig immer der jenigen
Ruthen DEDICATIO .
Ruthen / mit dero sie Anno
1679 . getroffen worden / möge
gedencken / vnd so wohl sie / wie
nicht weniger andere Stätt vnd
Länder die Forcht Gottes nicht
vergessen / welche Göttliche
Forcht ein starcker Zam ist / der
die schwache Menschen von
Sünd vnd Laster abhaltet ; der
Ursach halber / hab ich die Wien
nerische Sterbens=Noth auff
das Papier getragen / mit mög
lichen Umbständen / deren ich
theils den Augenschein selbsten
eingenom̅en / theils durch war
haffte Leuth benachrichtiget wor
den / damit also dises getruckte
Mercks Wienn der Gedächt
nuß DEDICATIO .
nuß daß außgestandene Elend
wider vorlege / vnd in manchen
einigen gottseeligen Gedancken
wider erwecke .
Das ich aber Eur Excellenz ,
Hochwürden vnd Gnaden dises
wintzige Werckel demütigst zu
schreibe / hab ich ein sehr fügliche
Ursach / weil ich nemlich dises klei
ne Tractätl habe zusammen ge
tragen in der stattlichen Behau
sung Jhro Hochgräfflichen Ex
cellenz Herrn Hanß Balthasar
Graffen von Hojos der Zeit
wertisten Landmarschall vnnd
geheimen Deputir ten Rath /
allwo ich fünff gantzer Mo
nath bey diser betrangten Pest=
Zeit DEDICATIO .
Zeit gewürdiget worden / die
Cappellan Stell zuvertretten /
vnnd bin ich von erstgedach
ten Hochgräfflichen Hauß / mit
so grossen Gnaden über häuffet
worden / daß selbige abzudienen
ich mir auch in Mathusalems
Jahren nicht getraue / sondern
lasse es dem Allerhöchsten über /
der es mit der Schoß Abrahæ
ersetzen wird ; Habe derowegen
für gut angesehen / das jenige
den löblichen Land=Ständen zu
überreichen / welches in dem
Landmarschallischen Hauß von
meiner geringen Feder zusammen
geschrieben worden : Bin also
der vnverruckten Hoffnung / Eur
Excellenz DEDICATIO .
Excellenz Hochwürden vnnd
Gnaden werden dise meine we
nige Gab nicht verschmähen /
zu mahl mir auß heiliger Schrifft
bekant ist / daß auch GOtt die
geringe Gaißhar von seinem Opf
fer nicht außgeschlossen / Exod .
35 . 25 . Offeri re dahero Eur
Excellenz Hochwürden vnnd
Gnaden disen meinen auffgeputz
ten Todt / vnd wüntsche beyne
benst ein langwieriges gesundes
Leben / wie auch allen ersättlichen
Wohlstand / vnd reichfliessenden
Seegen von dem Allerhöchsten .
Euer Excellenz Hochwürden
vnd Gnaden
Demütigster Diener
Fr . Abraham .
EGo Infrascriptus FFr . Erem . Discal
ceatorum S . Augustini Provincia
lis per Germaniam ac Bohemiam .
Patri nostro Abrahamo facultatem
lubens Impertior , ut opusculum , cujus
titulus Mercks Wienn / prælo subjicere va
leat , servatis tamen servandis , prout Sa
crarum Nostrarum Constitutionum te
nor , & Censorum Judicium exigit ; in hu
jus vigorem , propriam Manum & consue
tum officij Sigillum apponere volui . Da
tum Græcij in Conventu S . Matris Annæ ,
Die 15 . Januarij Anno 1680 .
P . Fr . Elias â S . Januario ,
Provinc . ut supra .
Imprimatur
Rudolphus Carolus Kazius ,
Excels . Reg . Consiliarius & p . t .
Rector Magn .
Laurentius Grüner , SS .
Theol . Doct . Canon . Vien
nens . & p . t . Inclytæ Fa
cult . Theolog . Decanus .
✾ (1) ✾
LJeber LIeber Leser / dir ist vngezweif
felt sattsamb bewust / was
gestalten die Kinder / bevor
sie anfangen zulesen / erstlich
zu dem gewöhnlichen A . B . C . gewisen
werden / weilen ich dann dich deines
vnsträfflichen Wandls halber vor ein
Kind = GOttes halt / so wirst du mir es
ja nicht in übel auffnehmen / noch we
niger die Nasen darüber rumpffen /
wann ich dir vor weiterem lesen das A .
B . C . vorlege / wie folgt .
E . Jst ein schwärer Buchstab / den
König David Vnbericht / mit seiner
E=h Frauen Michol .
G . Jst ein verwunderlicher Buch
stab / den Propheten Baalam Vnbe
richt / deme es ja seltzam vorkommen .
A
G.
✾ (2) ✾
G . Wie sein Eßlin Hebreisch ge
redt .
O . Jst ein starcker Buchstab / die
Fuhrleuth Vnbericht / als die darmit
Roß vnd Wagen / vnd solt es auch
der Wagen seyn / auff den die Archen
deß Bunds geladen / können arresti
ren vnd auffhalten .
S . Jst ein schlemmender Buch
stab / den reichen Prasser Vnbericht /
welcher / so etwan vnbekandt wäre /
was er für ein Landsmann ? billich vor
ein Frißländer zuhalten / epulabatur
quotidie splendide : vnd ist sein gan
tzes Leben mit dem einigen Buchsta
ben / S . zubeschreiben : Dannenhero
weil ers allzeit wolte kiechelt haben in
der Welt / last ihn GOtt ewig bratten
in der Höll .
Z . Jst ein schleiderischer Buchstab /
den verlohrnen Sohn Vnbericht /
der / weil er darvor gehalten / das Es
sen vnd Trincken vnd anders gut Le
ben / habe ihm sein Vatter zum Hey
rath= ✾ (3) ✾
rath=Gut geben ; mehr auff Becher
als Bücher / mehr auff das Wierths=
Hauß als GOtts=Hauß gehalten /
dahero solcher gestalten sein Gelt Z .
seine Mittel Z . sein Ehr Z . das er end
lich bey den Seien muste in die Kost
gehen .
X . Jst ein heiliger Buchstab / wei
len er die Form eines Creutz hat / den
Teuffel Vnbericht / deme gar wohl
bewust / daß deß Adams S . im Pa
radeyß mit dem X . deß Göttlichen
Sohns ist bezahlt worden .
W . Jst endlich der allerschwäre
ste Buchstab ; nichts als W . W . wi
derholte jener armer Tropff der etlich
30 . Jahr als ein verlassener Krippel
bey dem Schwem=Teuch zu Jerusalem
lage : nichts als W . W . sagte jener
vnverschambte Gast vnd gastige Böß
wicht Malchus / als ihme der be
hertzhaffte Petrus ein Ohr abgehauen /
vermeinend / der ohne Ehr ist / soll auch
ohne Ohr seyn ; nichts als W . W . sag
A 2 te ✾ (4) ✾
te jener starcker Samson / da ihme die
Philisteer auß Anlaitung der liebkosen
den Dalilæ die Augen außgestochen /
vnd als er nun Stockblind war / hat
er erst gesehen / das einem liederlichen
Weib nicht zutrauen ; W . W . sagte
jener hipsche Printz Absolon / da er mit
seinen Haaren am Aichbaum hangen
gebliben : fürwar hat nicht bald ein
Baum schlimmere Frucht tragen / als
diser : mit einem Wort W . W . ist ein
schmertzlicher Buchstab / ein lamentir
licher Buchstab / vnd auß allen der je
nige / so der Menschen Gmüther heff
tig entrüstet / vnd selbige Trostloß ma
chet .
Liebster Leser / solchen widerwärtigen
vnd trangseeligen Buchstaben wirst du
folgsamb antreffen / nicht ohne Ver
wunderung .
Die Kayserliche Residentz Statt in
Oesterreich / dises verfestigte Graniz -
Hauß / dise Ehr=reiche / Lehr=reiche
vnd Gwehr=reiche Statt hat von vhr
alten ✾ (5) ✾
alten Zeiten her / den Namen Wienn /
dessen erster Buchstab ein W . Nun
muß ich es mit nassen Augen anzeigen /
vnnd nicht mit geringen Hertzens=
Seufftzer erinnern / das wer anjetzo
wil Wienn schreiben / muß es schreiben
mit einen grossen W . allermassen ein
grosses vnd aber grosses W . vnd Weh
klagen in Wienn / ahn an Wienn vnd vmb
Wienn .
Starck hat sich gwendt vnd geendt
das Glück deß Königs Nabuchodo
nosor , in dem derselbe von der König
lichen Hochheit verstossen / vnd in ein
wildes Thier vermumbt worden / daß
er also müste Graß essen wie ein Ochs /
Jst ihm aber nicht vnrecht geschehen /
dann er war ein lauters Vnkraut .
Starck ist gfallen in allen das Glück
deß vornehmen vnd angenehmen Hoff
Ministers Amman , welcher den König
allzeit in Händen gehabt / vnd doch
zuletzt das Spiel verlohren / auch den
Raaben zutheil worden / der die Ra
A 3 keiner ✾ (6) ✾
biner wolte vertilgen . Starck hat sich
gwendt das Glück der gekrönten Kö
nigin Vasthi , die durch Einrathung
etlicher Hoffschmeichler vnd Ohren
Tittler / von welchen Vnziffer fast kein
Haubt sicher ; aller ihrer Ehren ent
setzt worden / vnd also von der Hoff
statt auff die Brandtstatt kommen .
Noch vil stärcker / wer soll sich nicht
darob verwundern ! ist gfallen das
Glück vnd Wohlstand der berühmbten
Haubt Statt Wienn in Oesterreich .
Die H . Schrifft schreibt vil von dem
Auffbutz der wohlgestalten Judith /
von der Zier der holdseeligen Esther /
von dem Gschmuck der freundlichen
Rebecca , vnd von der Schönheit der
Jungen Rachel ; ich lasse die Göttliche
Schrifft in ihrem Gwicht / vnd verehr
sie / zweiffle aber / ob nicht mehr zu
schreiben von der ansehlichen Wienn
Statt .
Anno 1679 . noch in dem Anbre
chenden ✾ (7) ✾
chenden Monath Julij stunde obbe
rührte Statt in höchster Glory / die
schöne Residentz vnd Burg ware würck
lich von dem Römischen Kayser / vnd
dessen volckreicher Hoffstatt bewohnt /
der Adl fast in einer vnzahlbahren
Menge nicht ohne kostbahren Pracht /
frequentir te gantz diensthafft den
Hoff / von allen Orthen vnd hochen
Höffen thäten ab vnd zulauffen die
Eilfertige Curir / absonderlich dazu
mahlen ware mit höchster Verwun
derung zusehen / der prächtige Ein
zug der grossen Moscowittischen Ge
sandtschafft / die in etlich hundert Per
sohnen bestunde / so dann auch der an
seheliche / vnd den alten Römern zu
Trutz angestelte Einritt deß Polnisch :
Ambassedors , allwo auch ein hundert
augiger Argus hätte gnug zugaffen
gehabt / warbey das versamblete Volck
in den Gassen beederseits wie ein leben
dige Ring=Mauren gestanden / vnd
A 4 sich ✾ (8) ✾
sich über solchen jrrdischen Pompp ver
creutziget : alles war in der Statt in
höchsten Wohlstand / nichts manglete /
was zu Lust vnd Gust der Welt kunte
traumen / auff allen Gassen vnd Stras
sen / deren über hundert / war kein Kisel
stein / so nicht von dem Volck vnd häuf
figen forast ier wurde betretten / die
klingende Trompeten vnd allerseits er
schallende Music auß den Adelichen
Pallast vnd Höffen / machten immerzu
ein solches annembliches Getöß / das
man darvor gehalten / der Himmel
muß haben ein Loch bekommen / war
durch die Freuden Metzenweiß in die
Wienn Statt gefallen .
Aber O wanckelhafftes Glück ! gleich
wie bald verwelcket die Kürbes=Blät
ter Jonæ / gleich wie vnverhofft zu
Boden gefallen / die künstliche vnnd
köstliche Bildnuß deß Königs Nabu
chodonosor / gleich wie bald wurmsti
chig worden das süsse Manna ; also
vergehet ebener massen das öde vnnd
schnöde ✾ (9) ✾
schnöde Glück der Welt ; welches dann
vhrplötzlich sich gestaltermassen geend
hat in der Wiennstatt / dann mitten
in gedachten Monath Julij risse ein die
laidige Sucht / welche schon lang her
vnter dem Titul hitziger Kranckheit
von gewissens losen Leuthen verhült /
endlichen in ein allgemeine gifftige
Contagion außgebrochen / daß man
mit meniglicher Bestürtzung gleich
hin vnd her auff freyer Gassen todte
Cörper gefunden / vnd also die trauri
ge Tragedi offentlich kundbar worden :
wie man nun Augenscheinlich wahr ge
nommen / daß solches vnverhofftes
Ubel von Tag zu Tag in merckliches
Auffnehmen kommen / also ist es nach
reiffer Erwegung Jhro Mayestät von
Dero hocherfahrnen Leib=Medicis vn
terthänigist eingerathen worden / Sel
bige wollen Jhnen gnädigist belieben
lassen / auff das schleunigste als es seyn
kan / sich anderwerts hin zu salvi ren /
vnd einen günstigern Lufft zu suchen /
wel= ✾ (10) ✾
welches dann mit allerseits geschäffti
ger Zubereitung in kurtzen Tagen voll
zogen / vnd haben Jhro Mayestät den
geraden Weeg genommen nach Maria
Zell in Steyermarck / allwo sie die
schon längst vorgehabte Andacht bey
dem wunderthätigen Gnadenbild mit
grosser Aufferbauligkeit eyffrigst abge
legt / vnd mit Hinterlassung kostbahrer
Præsen ten / die Ruck=Reiß ferners an
gestellt / nach der Königlichen Residenz
Statt Praag in Böhmen .
Allhier ist mit keiner Feder zube
schreiben / das vielfältige Fliehen der
Menschen / vnd hat es den Augenschein
gehabt / als seye ein neuer Moyses auff
erstanden / welcher die Leuth auß
Egypten in das gelobte Land zu lo
cken vorhabe ; Man hat Tag vnnd
Nacht fast nichts zu hören gehabt / als
das klägliche Behüt dich GOTT .
Und welches die Menschen noch meh
rer ansporte zu der eylfertigen Flucht /
ware das traurige Spectacul der hin
vnd ✾ (11) ✾
vnd her ligenden Todten=Cörper auff
der Gassen / dahero in kurtzen Tagen
die Wiennstatt also Volckloß worden /
daß sie der hunderte für ein zerstörtes
Troja hätte zu abcopiren gedacht / deß
wegen dann der Poet durch die drey
vornehmste Gassen obbenennter Statt
melancholisch getretten / vnd da ihme
nichts als die traurige Schwindsucht
aller Freuden vor Augen kommen / hat
er still schweigend bey ihme selbst fol
gender gestalt geseuffzet .
Was Pappagey / was Lapperey /
Fand man bey denen Fenstern !
Und neben ihnen viel Schwatzerey /
Mit freundlichen Gespenstern !
Nun ist alles auß / es ist kehr auß /
Es ist nichts mehr als Jammer /
Das hat vns gmacht / bey Tag vnnd
Nacht
Der dürre Rippen=Kramer .
Wo vor Laggey / mit Keyerey
Die Posten musten tragen /
Ob
✾ (12) ✾
Ob d’ Polster=Katz noch wohl auff sey ?
Mit allen Umbständ fragen :
Jetzt ist alls still / man siht nicht viel /
Grün / Blau / oder Rothe /
Man find darfür / früh vor der Thür /
Nur Krancke oder Todte .
Ein
✾ (13) ✾
Omnes morimur
2 . Reg . 42 . 14.
Gickes gackes bloder=Zung /
Rede dannoch einmahl bescheyd /
Sag sterben müssen alt vnd jung /
Sterben müssen alle Leuth .
Omnes quot quot orimur
,
Sag / omnes quoque Morimur ,
Es sey gleich morgen oder heut /
Sterben müssen alle Leuth .
✾ (14) ✾
Ein lebendiger Entwurff
deß sterblichen Lebens / vnd daß
der Todt ein Regel ohne Unterscheid
allen vorschreibe .
NJcht NIcht vmbsonst list man das
Wort Leben / zu ruck Nebel /
kaum daß ein Nebel dieser
trampische Sohn der morastigen Er
den gebohren wird / so trohen ihme
schon die Sonnen=Strahlen den Gar
auß : Also hat es ein gantz ähnliche
Beschaffenheit mit vnseren Leben / vix
orimur morimur . Unser erster Lebens
Athem ist schon ein Seuffzer zum Todt /
vnd der erste Augenblick deß menschli
chen Lebens fallt schon vnter die Bott
mässigkeit deß Knochenreichen Sensen
tragers / auch den ersten Trunck an der
Säu= ✾ (15) ✾
Säugammel bringt das vnmündige
Kind schon zu / solchem dürren Welt
stürmer / die hin vnd her wanckende
Wiegen / zeigt allbereit die Unbestän
digkeit deß Lebens .
Die Natur Erfahrne schreiben / daß
ein Kind noch in Mutterleib einge
schranckter / nicht anderst liege / vnd das
Maul hencke / als wie ein Melancholi
scher ; zeigt demnach dieser wintzige Le
bens Scolar schon an / daß er dessent
halben in diesem neun monathlichen
Arrest pfnotte / vmb weilen sein erst er
worbnes Leben schon worden ein Vigil
deß Todts .
Wann ein Weib von ihrer Leibs=
Bürde loß / mit glücklicher Gene
sung Kinds=Mutter wird / vnnd
das Hauß mit einem neugebohrnen
Söhnl erfreuet / so frolocket nicht al
lein die solches Lasts entbürdet wor
den / sondern pflegt auch andere zu die
sem Freuden=Fest / welches ins gemein
das Kindelmahl genennt wird / höff
lich ✾ (16) ✾
lich einladen / bey dem dann die Frau
Obergefatterin / die Frau Untergefat
terin / die Frau Nebengefatterin / die
Frau Gespielin / die Frau Gespanin /
die Frau Maimb / die Frau Schwiege
rin / die Frau Nachbahrin mit ge
wöhnlichem Geschmuck vnnd Aprili
schen Auffzug gantz Freuden voll er
scheinen / vnd ihrer angebohrnen Wohl
redenheit die hierzu gehörige Glück
wünschung dem Gebrauch nach able
gen : Wann nun die süsse Speisen / die
verzuckerte Trachten / die Christallene
Sultzen / die schleckerige Possen vnd
Bissen den völligen Sturm leuden / vnd
die vergulte Kandeln sambt den Zeh
ment fähigen Wein=Datzen den völli
gen Kallop herumb dantzen / so fangen
an die Zungen etwas beredters zu wer
den / vnd ohne allen Zweiffel gantz Lieb
volle Discurs von den neugebohrnen
Engerl einzumengen . Die erste sagt /
vielleicht wird auß diesem Kind ein
vornehmer Doctor werden / vnnd ver
mittels ✾ (17) ✾
mittels seiner Wissenschafft zu hohen
Ehren steigen / dann ein halb Pfund
Kunst soll mehr gelten / als ein Centner
Gunst / vnd gleich wie Salomon zu
seinem Weltkündigen Tempel=Gebäu
lauter abgerichte / vnd pollirte Stein
hat genommen / also sollen zu vorneh
men Aembtern fein lauter abgerichte /
vnd polite Leuth befördert werden .
Die andere sagt / vielleicht wird auß
diesem Kind ein Geistlicher / vnd mit
ler Zeit ein vornehmer Prælat / wegen
seines vollkommnen Wandels / vnd
rühmlicher Erfahrnuß / so meistens
darzu erfordert wird . Die Dritte sagt /
vielleicht wird auß diesem Kind ein
tapferer vnd kühner Soldat werden /
der volgsamb wegen brafer Curagi ,
vnd nicht wegen pravirender Lagi / zu
einer Haubtmann Stell wird gelan
gen / dann in solchen Triumph=Spiel
soll Spadi in höherem Preyß seyn / als
Denari , wordurch mancher zu einen
B Haubt ✾ (18) ✾
Haubt wird / der ein schlechten Kopff
hat . Die Vierdte sagt / vielleicht
wird auß diesem Kind ein vornehmer
Handelsmann werden / der die Wahr /
vnd die Warheit mit gleicher Ehlen
wird außmessen / bey welchem auch
nicht wie zu weilen pflegt geschehen /
Taffet in dem Gewölb / vnd Sündes
Bänder in Gewissen anzutreffen . Die
Andere reden anderst / vnd begint ein
jede in dem Fall ein halb gewachsene
Sybilla zu scheinen / doch gesellen sie
gantz vernünfftig allezeit hinzu daß das
Wörtlein vielleicht / sintemahlen al
les der Menschen Absehen / mit diesem
Ring versiegelt wird / außgenommen
das Sterben / vnd dafern sich eine sol
te vernunfft loß hören lassen / sprechend
vielleicht wird dieses Kind sterben /
solcher schrib ich unverzüglich mit gros
ser Fractur=Feder den Titul einer Lap
pin .
O Mensch laß dirs gesagt seyn / laß
dirs ✾ (19) ✾
dirs klagt seyn / schrey es auß / vnnd
schreib es auß / allen / alles / allenthal
ben / Es muß gestorben seyn / nicht
vielleicht / sonder gewiß . Wann ster
ben / ist nicht gewiß ; wie sterben / ist nit
gewiß ; wo sterben / ist nicht gewiß ;
aber sterben ist gewiß .
Auff den Frühling folgt der Som
mer / auff den Freytag folgt der Sam
stag / auff das dreye folgt das Viere /
auff die Blüe folgt die Frucht / auff
den Fasching folgt die Fasten / ist ge
wiß / auff das Leben folgt der Todt /
Sterben ist gewiß .
Leben vnd Glaß / wie bald bricht das /
Leben vnnd Graß / wie bald ver
welckt das /
Leben vnd ein Haaß / wie bald ver
laufft das .
Das Leben ist allein beständig in der
Unbeständigkeit / vnd wie ein Blat
auff dem Baum / auff dem Wasser
B 2 ein ✾ (20) ✾
ein Faumb / ein Schatten an der Wand /
ein Gebäu auff dem Sand / sich kan
rühmen geringfügiger Beständigkeit /
noch minder darff ihm zumessen das
menschliche Leben .
Klopf mir bey Leib nicht / wann
ich dir werde folgende Wort vor der
Thür singen : Heut roth / morgen
todt / heut Jhr Gnaden / morgen
gnad dir GOTT / heut Jhr
Durchleucht / morgen ein todte Leich /
heut allen ein Trost / morgen tröst ihn
GOtt / heut kostbahr / morgen ein tod
ten=Bahr / heut huy / morgen pfuy .
Jn dem Hohenlied Salomonis muß
die Braut gar einen manirlichen Ver
weiß / oder soll ich sagen / eine Unterwei
sung anhören / in dem sie folgsam ange
spracht wird . Si ignoras te ô pulcher
rima inter mulieres , abi post vestigia
gregum :
Cantic . 1 . 7 . Kenst dich selb
sten nicht du schönste vnder den Wei
bern / so tritte herfür vnd gehe nach
den Fußstapffen der Vich=Herd : wie
ist ✾ (21) ✾
ist es müglich das jemand ein Copey
seiner Nüchtigkeit kenne entworffner
absehen / in den Fußpfaden der strauch
lenden Vich=Herden ? gar wohl ist es
müglich / gehe zur heissen Sommers=
Zeit / da die Landstrassen aller Safft
loß mit Staub gantz verhült / vnd
folge einer Herd = Ochsen Herd Ochsen nach / die
man etwan in der Menge auß Ungarn
treibt / wie dan beobacht worden / das
in einem Jahr von dannen auff die
80000 . in Teutschland abgeführt wor
den / so wirst du hinter ihnen den auff
gewühlten Staub / wie ein truckne
Wolcken sehen empor steigen : si igno
ras te , abi Post vestigia gregum , wann
demnach dich nicht recht kennest / so ge
he hinter solcher Herd / alsdann wirst
du / so die Augen mit lauter Staub an
gesteckt seynd / erst wohl sehen / wer du
seyest / Pulvis es , & in pulverem re
verteris , du bist halt Staub vnd
Aschen / vnd wirst zu Staub vnd A
schen werden ; destwegen soll dir bil
B 3 lich ✾ (22) ✾
lich alles vnzimmendes Feuer erlö
schen / wann du an solchen Aschen ge
denckest .
Lieber gehe mit mir / ich wil dich
nach deinem Wunsch in ferne Länder
beglaitten / es küzelt dich doch / glaub
ich / auch der vnruhige Vorwitz / etwas
neues zusehen / nimb aber mit dir einen
Stecken / dann es vonnöthen wird
seyn / über manchen Graben zu sprin
gen / oder soll ich sagen über manches
Grab : erstlich verfügen wir vns na
cher Rom / welche Statt ein Gstatt
alles Vorwitz dich geduncken wird / ab
sonderlich kan sie sich rühmen / daß sie
die vornehmbste Fischer=Herberg der
gantzen Welt seye : allda seynd nicht
allein die Schlüssel zur Himmels=
Porten anzutreffen / sonder es stehet
auch die Thür offen zu allen Rari tä
ten ; vnter anderen laß dir zeigen / den
grossen Kayser Trajanum , so allda be
graben : alsdann so mach dich hurtig
wider auff den Weeg / vnd raise nach
der ✾ (23) ✾
der berühmbten Statt Mayland / all
wo von rechtswegen lauter hochwitzi
ge Leuth solten wachsen / weilen vor
disem an selben Orth Kayser Friderich
Saltz gesäet ; dort melde dich an ge
hörigen Orth an / so werden sie dir vn
beschwert weisen / wo Kayser Valenti
nianus begraben : von dannen nimb
dein Ruckraiß wider auff den Teut
schen Boden / dafern dir etwann die
wälsche Menesterl den Magen schimpff
ten / vnd gehe nach der Statt Minster
in Westphalen / frag daselbst / wo be
graben der Kayser Carolus Crassus :
nachmahls wend dich etwas herauff
vnd mach dich vnverhinderlich nach
der vornehmen Statt Speyer / laß dir
alldort eröffnen das Grab / in wel
chem ruhet Kayser Conradus Secun
dus , von dar ist der Weege nicht gar
vngelegen nach der Reichsstatt Regen
spurg / welche Statt nach der Astrolo
gorum Außsag vnter dem Fisch ligt /
vnd gibt dannoch allda bey etlichen
B 4 nicht ✾ (24) ✾
nicht vil Fastag ; hier wirst du ohne
weitläuffigs nachfragen antreffen / das
Grab deß Kaysers Ludovici Tertij .
Von diser Statt ist ohne daß die ge
meine Landstrasse̅ nacher Prag / sihe daß
du behutsamb den grossen Wald durch
gehest / damit dir nicht die Schwind
sucht in den Rantzen gerathe / alßdann
wirst ohne fernere Ungelegenheit / die
Königliche Haubstatt in Böhmen er
reichen / alldort frag / wo ? vnd wie das
Grab deß Kaysers Rudolph deß An
dern ? Uber dieß so verweile dich nicht /
sondern nimb deine Ruckkehr in Ober=
Oesterreich nacher Lintz / da wird man
vngezweiffelt diese wenige Mühe auff
sich nehmen / vnd dir zeigen / wo Kay
ser Maximilianus der Ander begraben :
nach dem allen gibt sich ohne daß der
gelegneste Weeg nacher Unter=Oester
reich / da in dem ansehnlich erbauten
Charteuser Kloster Maurbach / ob
man allda im Reden zwar gesparsamb
ist / so zeigt man sich doch aller freygebig
in ✾ (25) ✾
in der Höffligkeit / vnd also ohne wi
drigen Abschlag wird dir gezeigt wer
den / das Grab deß Kaysers Friderici
Pulchri : Von dannen erheb dich nach
der Wiennerischen Neustatt / dort
wirstu sehen das Grab deß Kaysers
Maximiliani deß Ersten : Endlich
komb wieder nach Wienn / vnd ende
deinen Vorwitz in Beschauung der
Krufften bey den P . Capuci nern auff
den neuen Marckt / allda neben andern
Kayser Matthias liegt ; wann du dann
in allen deine Augen mit erfreulichem
Contento aufs vollkommnest ergetzet
hast / so sag mir / was hast du gesehen .
Omnes morimur , ich hab gesehen /
daß es muß gestorben seyn / ich hab
gesehen / daß der Todt ein Fischer /
der nicht allein kleine Schneider Fi
schel ziehet / sondern auch grosse Wall
fisch ; ich habe gesehen / daß der Todt
ein Mader / der mit seiner Sensen
nicht allein abschneidet die niedrige
Klee / sondern auch das hochwach
sende ✾ (26) ✾
sende Graß / ich hab gesehen / daß der
Todt ein Gartner / der nicht allein / die
auff der Erd kriehende Veigeln abbro
cket / sondern auch die hinauff steigen
de Rittersporen ; ich hab gesehen / daß
der Todt ein Spieler / vnd zwar ein
Ohnartiger / indem er kegelt / vnd nicht
auffsetzet / vnd nit allein sticht nach dem
Bauren / sondern auch nach dem Kö
nig ; ich hab gesehen daß der Todt ein
Donnerkeil / der nicht allein trifft die
durchsichtige Strohütten / sondern
auch die Durchleuchtigste Häuser der
Monarchen ; ich hab gesehen / daß ein
guldene Cron vnd ein Schmeer=Kap
pen / ein Scepter vnd ein Holtzhacken /
ein Purpur vnd ein Joppen / bey dem
Todt eines Gewichts / vnd eines Ge
sichts seyn ; Jch hab gesehen die Leiber /
nicht die Leiber / ich will sagen die Cör
per / nicht die Cörper / ich will sagen
die Beiner / nicht die Beiner / ich will
sagen den Staub / nicht den Staub /
ich will sagen das Nichts der gecrön
ten ✾ (27) ✾
ten Kayser vnd Monarchen : Jch hab
gesehen / daß wann ich die dürre Bei
ner der hohen Kayser wolte in einen
Mörser zerstossen / vnd mit Mischung
weniges Wassers ein Massa darauß
dalcken / kaum könte darmit verstopf
fen daß das auffgesperrte Maul der höni
schen Michol dazumahl / als sie ihren
Herrn den David außgelacht : Jch hab
endlich gesehen / das daß es muß gestor
ben seyn / vnd vnser Alles nichts
seye .
Josue der streitbahre Held / bevor
er die Statt Jericho eroberte / hat ein
ernsthafftes Verbott von GOtt erhal
ten / daß keiner auß seinen Kriegsknech
ten sich freventlich solte vnterfangen
das geringste zu rauben . Lieber Gott !
die Soldaten lassen es hart / vnd ob
sie schon wenig durch die Schulen ge
rust / so wissen sie doch meisterlich
daß in Ermanglung deß Dativi der
Ablativus zugrüssen seye : Dahero
ohn= ✾ (28) ✾
ohngeacht deß scharffen Verbotts ein
Soldat Nahmens Achan / krumpe
Finger gemacht / vnd nach dem Streitt
die Beuth gesucht / als er nun durch
Verhängnuß Gottes nach vielen nach
forschen ertapt worden / vnd von obbe
rührtem Feldherrn Josue in die strenge
Frag gezogen / wohin er das geraubte
Guth habe gelegt ? hat er gestaltermas
sen geantwortet / Abstuli , abscondi in
terra , & fossam humo operui : Josue
7 . 21 . Jch nam es hinweck / sagt er /
vnd verbarg es in die Erd / vnd habe
die Gruben mit Erd bedeckt .
Eben ein gleichförmige Antwort
erhalt ich von den Todt / der ohne
Zahl vnnd Ziehl fein sauber alles
raubt vnnd klaubt ; sag her Todt /
wo ist hinkommen ein Kayser Mat
thias / ein Prophet Mathatias ? Wo
ist hinkommen ein Eleazer / ein Elie
zer ? Wo ist hinkommen ein Leo /
ein Leontius ? Wo ist hinkommen
ein Maximus , Maximinus ? abstu
li & ✾ (29) ✾
li & abscondi in terra , sagt der
Todt / ich namb sie hinweg / vnd ver
bargs in die Erd / vnd hab die Gruben
mit Erd bedeckt : Nun siehe ichs wohl /
vnd höre es wohl / vnd greiff es wohl /
vnd schmecke es wohl / daß nicht an
derst kan seyn / es muß gestorben
seyn ; Und ist das Leben allezeit zinß
bar dem Todt : Ein Pabst Cornelius
nachdem er nicht gar zwey Jahr regie
ret / ist gestorben ; Ein Pabst Sixtus
Secundus , nachdem er nicht gar ein
Jahr regieret / ist gestorben ; Ein
Pabst Severinus , nachdem er nicht
gar ein halbes Jahr regieret / ist ge
storben ; Ein Pabst Valentinus , nach
dem er nicht gar ein viertel Jahr regie
ret / ist gestorben ; Ein Pabst Dama
sus Secundus , nachdem er nicht gar
ein Monath regieret / ist gestorben /
Pabst Urbanus Septimus , nachdem
er nicht gar vierzehen Tag regieret / ist
gestorben ; Ein Pabst Stephanus Se
cun- ✾ (30) ✾
cundus , nachdem er nicht gar ein Wo
chen regieret / ist gestorben / gestorben /
gestorben . Omnes morimur . Es
muß gestorben seyn ; Wer es nicht
glauben will / frag Wienn in Oester
reich darumb .
Ob der Todt gewisse Vor
botten nach Wienn geschickt / vnd
seiner Ankunfft erinnert ?
EHe vnd bevor der gantze
Verlauff der leydigen Sucht
weitläuffiger vor Augen ge
stellt wird / scheint nothwen
dig zu wissen / ob nicht gewöhnliche
Zeichen seyn vorbey gangen / auß dem
man ein Pest zu Wienn vermuthen
hat können . Solche Zeichen werden ge
meiniglich in viererley außgetheilt / be
nantlich in lufftige / wassrige / jrrdische
vnd ✾ (31) ✾
vnd himmlische / den himmlischen wer
den zugeeignet die vnglückhaffte Aspe
cten vnd schädliche zusammen Gesel
lungen der Gestirn / wie auch die trau
rige Cometen / welche sonst gewöhnig
lich warhaffte Vorbotten der Pest ab
geben / wie dann Anno 1618 . ein Co
met erschienen / warauff vnterschiedli
che Pestilentz erfolgt seyn . Anno 1006 .
hat sich ein Comet gezeigt / nach wel
chem ein allgemeine Pest / die gantze
Welt durchstrichen . Anno 1582 . führ
te der Comet mit sich im Majo / zu
Prag / in Thüringen / Niederland /
vnd andern Orthen ein so reissende
Pestilentz / daß selbige in Thüringen
allein 37000 / in Niederland aber /
46415 . auffgerieben : Das ein Comet
allhier vmb diese Zeit seye erschienen /
wird es niemand mit Warheit können
behaubten ; Das aber eine schädliche
Conjunction der Gestirn von oben her
ab diß Jahr seye gewest / hat es ohn
längst ein berühmtister Medicus in ei
nem ✾ (32) ✾
nem Tractatl sattsamb erwiesen . Was
die Lufftzeichen anbelanget / seynd die
se die vnbeständige Gewitterung der
Zeiten / Sudwindige Constitution , ü
berhäuffige Regen / an deme allen diß
Jahr kein Abgang gewest / so werden
auch die stinckende Nebel beschuldiget /
als ob sie die Pest verkünden / deren
zwar etliche verwichenen Herbst seynd
vermerckt worden . Meinem Sinn
nach wird die Pest verursachet nicht
allein durch die Nebel / sondern auch
durch gottlose Nebulones .
Wässrige Zeichen seynd gemeinig
lich die gähliche Uberschwemmung der
Flüß / Jtem die Bronnen / wann sie
in laimichte vnd trübe Schleiff=Was
ser sich verkehren / nachmals seynd ge
wisse Vorbotten die Fisch vnd Krebs /
wann sie ihre Wässer vnd Löcher ver
lassen / vnd sich auff die Gstätten reti
ri ren / auch so man in grosser Menge
die Frösch vnd Kroten siehet . So ist
aber auch gewiß / wan̅ man bey den Tri
bunal ✾ (33) ✾
bunal mit faulen Fischen vmbgehet /
wann die allgemeine Tugenden den
Krebsgang nehmen / wann man in al
len finstern Winckel vnd Wirthshäu
sern leichtfertige vnnd vnverschamte
Krotten antrifft / daß Gott gemeinig
lich hierauff ein Pest schicket .
Jrrdische Zeichen seynd die vnge
wöhnliche Unfruchtbarkeiten der Er
den / vnd Mißwachs der Bäum / Saat /
vnd Weinstock / Jtem die Erdbeben /
mehr / wann die Frühlings Blumen
vnd Kräutl im Herbst wider blüen
vnd grünen / wann die grosse Zahl der
Heuschrecken / Keffer / Weinfalter vnd
Mäuß die Erden=Gewächs allenthal
ben abätzen . Man kan es nicht laugnen
daß nicht dieses Jahr ein ziemliches
Mißgewächs vmb Wienn seye gewest /
absonderlich deß lieben Gedrayts / so
hat man auch vnzahlbahr mehr
Schwammen / Maurachen / vnd der
gleichen Stieffgwächs der Erden ge
funden / als andere Jahr . Es ist aber
C zu ✾ (34) ✾
zu wissen / daß nicht allein viel Mäuß
sondern auch viel lasterhaffte Mäuß
köpff ein Pest vorkünden / Jtem wann
die Kräuter Bocksbarth / Saublu
men / Mertzenbecher / Frauenmüntz /
Penglkraut / in der menge wachsen / man
versteht es schon / was dardurch ver
standen wird / alle diese seynd gar offt
Vorzeiger der Pest .
Uber das gibts andere Zeichen / die
gemeiniglich einem Sterbend vnd Pe
stilentz vortretten / als da seynd die vil
fältige Chasmata oder Stern Geschoß .
Also hat man Anno 1538 . in Schwa
ben / Schweitzerland vnd Bayern mit
Zufäll einer vnerhörten Colica ein
strenge Pest außgestanden / vnd soll
diese von dergleichen Stern=Geschoß
seyn vor bedeut worden . Anno 1536 .
hat man in Ungarn dergleichen Stern=
Geschoß wahr genommen / welche in
Form einer Zungen mit schwartzen
Tipfflein gezeichnet ware̅ . Vmb Wien̅
herumb haben die gemeine Leuth ab
sonder= ✾ (35) ✾
sonderlich die Hüter in den Weingar
ten Eydlich betheuret / wie daß sie
vmb diese Zeit vielfältige dergleichen
Chasmata haben wahr genommen .
Daher gehört auch diß / so man bey
nächtlicher Weil ein Weinen vnd Weh
klagen höret / welches an vielen Or
then der glaubige Pöbel die Klag / in
dem Saltzburgerland aber die gemei
ne Leuth den Todt vnnd die Tödtin
nennen / die Erfahrnuß gibts / daß
dergleichen Ding / es sey was es wolle /
einen Sterbend ansagen / wie Andreas
Gallus tract . de pest . fasc . 3 . Mel
dung thut . Deßgleichen hat man auch
beobacht / wann die kleine spielende
Kinder auff der Gassen neben ihren
Stecken reithen / vnd Häusel bauen /
zu weilen Leicht Begegnuß vnd Leicht
Procession führen / daß solche Kin
derspiel gemeiniglich ein Trauerspiel
vorgebildet / dem man kein gewisse Ur
sach / sonder nur die Erfahrnuß bey
messet ; Von dergleichen weiß man all
C 2 hier ✾ (36) ✾
hier nichts zu schreiben noch schreyen /
auch hat sich kein Prophet angemelt /
der dieses ankommende Ubel hätt ver
rathen / ob zwar das benachtbarte
Königreich Ungarn / so starck mit die
ser würcklichen Seuch angesteckt war /
die Stell einer Sybilla vertretten / so
hat aber der Allwissende GOTT
durch seine vnergründliche Urthel sol
che Prophezeyung bey vns verächtlich
gelassen / zweiffelsohne / damit desto
mehr seine genaue Gerechtigkeit ihren
Lauff gewinne . Wunderseltzam ist
doch / was etliche glaubwürdige haben
außgesagt / auß denen einer in seinem
Sterbstündl durch ernstliches Befra
gen deß Beichtvatters hoch betheuret /
vnd auff solche Zeugnuß auch zuster
ben begehre / wie daß er neben einen an
dern / gewissen Geschäfften halber seye
gewest / in dem nechst an Wien̅ entle
genen Flecken Herrnalß / vnd sich all
da wieder seinen Willen etwas verwei
let / daß er also von der Nacht über
fallen / ✾ (37) ✾
fallen / den Ruckweeg muste in der
Finster nehmen / gleichwohl aber der
bleiche Monschein / so dazumahl in vol
lem Liecht ware / verwandlete die
Nacht in einen hellen Tag / vnd kenn
te er alles so augenscheinlich abnehmen /
daß er ihme auch einen Brieff zu lesen
getraute ; da habe er gehört / seye auch
deßwegen lang still gestanden / an einen
wohlbekanten Feldplatz eine klägliche
Music / also / daß vielerley traurige
Stimmen vntereinander gantz kläg
lich intonir ten vnd wiederholten fol
gende Worth : Placebo Domino in
Regione Vivorum : Welche Wort
sonst die Catholische Kirch in den Leich
begängnussen zu singen pfleget ; vnnd
siehe ! nicht lang hernach hat die Pest
eingerissen / vnd hat man vnbewust al
les dessen an demselbigen Orth / wo
solche Klag=Music gehört worden / ei
ne Gruben gemacht / warinnen etlich
tausend begraben liegen / dieses ist von
etlichen mehr wahr genom̅en worden /
C 3 denen ✾ (38) ✾
denen aber die Lateinische Sprach vn
bekannt / vnd also solchen Vers . nicht
verstunden ; Jch setze an solchem Ge
schicht kein einigen Zweiffel / vnd glau
be gäntzlich / daß noch andere mehr Zei
chen seyn vorbey gangen / deren der
Pöbel viel bey bringet / solche aber all
hier nicht habe setzen wollen / auß Ur
sachen / weilen gar offt in dergleichen
Begebenheiten einige Unwarheiten
einschleichen : wahr ist es / daß der gü
tigste GOtt gar offt durch gewisse
Vorbotten die grosse Vbel pflegt anzu
künden : Gleichwohl nicht ein gerin
gen Trost soll es allen seyn / weil obbe
rührter Versicul Placebo Domino von
einer vnsichtbahren Todten=Music ist
wargenommen / als habe der barmher
tzigste GOtt den mehristen Theil Men
schen geseeligt / vnd die Abkürtzung
der zeitlichen Täg mit dem ewigen Le
ben ersetzt / wie dann offenbahrt wor
den / das / als Anno 1489 . zu Brüssel
drey vnd dreyssig tausend Menschen an
der ✾ (39) ✾
der Pest gestorben / alle seyn seelig wor
den / außgenommen zwey / deren einer
an der grundlosen Barmhertzigkeit ver
zweiffelt / der ander die nothwendige
Beicht vnd Sacrament der Buß frey
willig vernachlässiget . Pedag . Chris .
tom . 2 . p . 1 . c . 14 . n . 6 .
Umbständige Erzehlung
deß Todts zu Wienn / vnd der
traurigen Zeiten .
ERstlich hat der Todt seinen An
fang genom̅en in der Leopold
statt / so vor etlichen Jahren
wegen der schlimmen Jnwohner die
Judenstatt genannt ware / vnd alldort
ein lange Zeit hero / jedoch auff eine
gsparsame Manier die Menschen ver
zehret / nachgehends ist solche Seuch
über die Donau oder vielmehr über
den Arm der Donau / in die andere
Vorstätt geschlichen / vnd ist anfäng
C 4 lich ✾ (40) ✾
lich das Ansehen gewest / als traue sich
der Todt nicht in die Residenz- Statt /
sondern wolle sich mit den Vorstätten
befriedigen / wie er dann dieselbe vmb
vnd vmb ziemlich verwüst / jedoch sol
cher gestalten / daß mehristen Theil die
vnsaubere Winckel von diesem Ubel an
gegriffen / vnd nun gemeiner Pöbel /
wie auch das schlimme Lotter=Gesin
del / von welchen kein Statt befreyt /
dem Todt vnter die Sensen gerathen /
daß also nicht ohne Frevel die Red
gangen / der Todt nehme nur die
Spreyer hinweg / durch suche die Bett
ler=Säck / vnd wolle seinen Hunger
mit gemeinen Gesindl=Brod in den
Vorstätten stillen / also gar vermuth
lich vor seiner die Herrn=Häuser vnd
reicher Leuth Bewohnungen die Salv .
Quard . erhalten / holla ! sagt der Todt /
damit ihr gleichwohl solt wissen / daß
mir keine Vestung zu starck / vnd sol
le sie auch versehen seyn mit Pasteyen /
die so hoch / wie der Diezberg in Karn
ten / ✾ (41) ✾
ten / der Schöckl in Steyermarck / der
Chasteiner in Saltzburg / der Cara
vancas Karwendel in Bayern / der Läber=Berg
in Schweitzerland / der Fichtelberg in
Böhmen / der Kallenberg in Oester
reich / r c. vnd soll sie auch vmbgeben
seyn mit einen Graben / der dem gros
sen Oceano könte Wasser leihen / so
will ich ohngeacht alles diß die Statt
erobern ; welches dann leyder gesche
hen ist in dem Julio / vnd hat solcher
Todt fast mitten im August : das of
fenlich Plündern / vnd grausame Rau
ben vorgenommen .
Zu Zeiten Cæsaris Dictatoris hat in
Rom ein Ochs geredt / Ful : 9 . lib .
Zu Zeiten deß Propheten Balaam hat
ein Eßlin geredt / Num . 2 2 . Zu Zei
ten Kaysers Mauritij hat ein Metal
line Bildnuß geredt / P . Dic . lib . 17 .
Zu Zeiten Tarquinij Superbi hat ein
Hund geredt . Ful : lib . 1 . Zu Zeiten
Bedæ haben die Stein geredt Cæsar :
lib . 1 . Bey der Zeit zu Wienn aber /
C 5 weil ✾ (42) ✾
weil bald an disen Eck ein Krancker
lainte / auff der anderen Seyten ein
Sterbender seufftzte / über etlich Schritt
ein Todter lage / vnd die Cörper auff
offentlichen Wägen auch den Fuhr=
Leuthen den Paß verstellten / auff sol
che Weiß zu Wienn haben die Gassen
geredt / vnd menniglich gleichsamb zur
Buß vnd Penitentz ermahnt : auff auff
ihr sündige Menschen ! die Axt ist
schon an dem Baum gesetzt / der Zorn
GOttes ist vor der Thür / die Stimm
deß Allerhöchsten wird euch beruffen
zur Ewigkeit / der H . Ertz=Engel Mi
chael halt schon die Waag / eure Werck
hierdurch zubeurtlen / auff / auff ! vnd
thut die wenige Tag vnd Stund so
euch noch übrig / der Buß schencken /
dann dise ist allein noch der Schwam
men / der eure Sünd kan abwaschen /
dise ist allein das Feur / welches eurern
Schuldbrieff kan verbrennen / dise ist
allein der Nast / an dem ihr euch noch
vor dem Fall der ewigen Verdamnuß
könnt ✾ (43) ✾
könnt erhalten : Bußzäher / glaubet /
daß sie seyn das Schaidwasser / wel
ches noch die Ketten kan zertrennen /
mit dero ihr an die Dienstbarkeit deß
bösen Feinds seyt angefesselt ; die reuen
de Hertz=Klopffer / haltet für gewiß /
können noch die euch versperrte Him
mels=Thür einschlagen : die inbrünsti
ge Seufftzer / trauet wohl / seynd noch
die Music / so GOttes Zorn können
lindern ; auff ! auff ! bereitet euch zu der
Reiß in die Ewigkeit / damit wenigst /
wo ihr das zeitliche Leben müsset dran
wagen / nicht zugleich auch das Ewige
verschertzet / auff ; auff ; beynebens auch
ihr vnschuldige Menschen / es ist also
in dem geheimen Rath deß Allerhöch
sten beschlossen / das / ob ihr zwar durch
einen Christlichen Wandl den Zorn
Gottes nicht auffgehetzet / gleichwohl
vil auß euch müssen den Schuldigen
das Glait geben in die Ewigkeit / rei
niget euch demnach auch von den klei
nen Mackl / ohne welche wir elende
Adams= ✾ (44) ✾
Adams=Kinder kaum leben können /
damit ihr der zeitlichen Straff entge
hen möget ; auff solche Weiß redeten
einem jeden zu alle Gassen / vnd Stras
sen / vnd das Pflaster / so man mit
Füssen tratte / erinnerte alle / daß sie
ein Pflaster über ihre Gwissens=Wun
den vnverweilig suchen sollen / wie
dann mit Verwunderung zusehen
war / daß die Leuth häuffig den Got
tes=Häusern zugeeilt / vnd mit nassen
Augen den Beicht=Vättern zu Füssen
gfallen / sich also zu dem Todt gericht ;
wie dann deren vil hundert kaum den
Altar vnd Kirchen verlassen / in der
Ruckkehr nach Hauß von der Hand = GOttes Hand GOttes berührt worden / die Beul
vnd Tipel an dem Leib auffgefahren /
ja vil bereits vor dem Beichtstühlen
vhrblätzlich nidergefallen / das mans
halb todt zur Thür hinauß schlaiffte /
etliche bey denen noch ein Fünckl von
einer Curaggi sich blicken liesse / tratten
auff offentlicher Gassen zusammen / je
doch ✾ (45) ✾
doch mit verstopfften Naßlöchern / vnd
gerauchten Schnufftüchern / ziechten
aber nicht mehr an nach alten Brauch /
was etwann der Curir auß dem Reich
noch was die Zeitung von Madritt
mitführe / sonder es ware das traurige
Reden von dem gegenwärtigen El
lend / vnd wann sie nach abgekürtzten
Discurs einander beurlaubten / seynd
ihnen die Augen übergangen / als Pro
phezeyeten sie ihnen selber / daß sie den
dritten Tag einander nicht mehr sehen
wurden . Die Wierths=Häuser seynd
sonsten Einkehr der Freuden auch zu
weilen der Freyheiten / dann es ist nicht
ohne Geheimnuß / das / wie die seeligste
Jungfrau mit Joseph nacher Bethle
hem kom̅en / sie in einem übel bedeckten
Stall die Herberg nehmen müssen / non
enim erat eis locus in diversorio , Luc .
7 . 2, 7 dann es ware kein Platz mehr für
sie in dem Wierts=Hauß / vnd ist wohl
war / das der gütigste GOtt keinen
Raum findet in solchen Häusern zu
Zeiten / ✾ (46) ✾
Zeiten / weil allda alles Vbel einlogi
ret ; das von einem Lambl ein Schwein /
von einem Adler ein Rab / von einem
Roß ein Bock komme / ist so gar kein
grosses Meer=Wunder / dann die öffte
re Erfahrnuß macht vns dergleichen
Begebenheiten nicht seltzamb / wer weiß
nicht ? das zu weilen sich nicht einer
beym weissen Lambl Sauvoll trinckt /
beym gulden Adler ein Galgenvogel /
beym rothen Rößl ein gailer Bock
wird / wundere dich dessen nicht / dann
wann Bachus ein haitzt / so setzt sich
die Venus hinter den Offen . Dardurch
seynd nicht alle offentliche Wierths=
Häuser verstanden / sondern nur die je
nige / in denen die Zech / so wol die Wei
ber als Weinbeer antrifft : Wierths=
Häuser mit einem Wort seynd Freu
den=Häuser / vnd wird dem Pfeiffer
sein auffblassene Arbeit an keinen
Orth mehr bezahlt als in disen / auch
alle Spihl=Leuth vnd Possen=Kram
mer thun hierinnen ihre Wahr versil
beren ✾ (47) ✾
beren / aber der Zeit in dem Volckrei
chen Wienn hat man das klägliche
Widerspiel erfahren / vnd ist mancher
Kellner mehr beschäfftiget gewest in
Auffzeichnung nicht der Zech / sonder
der Zecher die er Morgents fruhe hin
ter oder vor der Thür Todter gefun
den / ja man schlepte gar offt den Gast
vnd den Gastgeb herauß auff den
Todten=Wagen ; der Boden so vor
hero wegen stätes Tantzen must mit
Wasser besprengt werden / würde nach
mahls mit Zäher benetzet / so hatten
auch die Wierth vnnöthig die Gläser
außzuschwencken / sonder es thäte mehr
daß das wie Glaß zerbrechliche Men
schens=Leben ihre Gedancken abmat
ten / an Statt deß vielfältigen Juitz
gen / schöpffte man tieffe Seufftzer /
vnd ware mehr / O Veränderung !
mehr vom Weinen als vom Wein zu
sehen ; Es gangen die Leuth auff der
Gassen so wohl als Hertzloß als Red
loß daher / vnd ihre entferbte Ange
sichter ✾ (48) ✾
sichter waren gar scheinbahre Zaiger /
wie das inwendige Vhrwerck beschaf
fen seye : bißweilen auff der Gassen /
ware die Ansprach / willkomm Bru
der / lebest du auch noch ? deme solcher
mit ja geantwort / vnd beynebens mit
halb gebrochnen Wörter folgends hin
zugesetzt / ja ich lebe noch / aber mein
Vatter / mein Mutter / mein Schwe
ster seynd mir gestorben / warüber das
Valete die Stim̅ verschlagen / vnd die
nasse Augen allein Urlaub genommen .
Jm grossen Elend ware Anno
1578 . die Statt Lißbona / in dero auff
die siebenzig tausend Menschen gestor
ben . Sehr betrangt ware / Anno 1542 .
die Statt Preßlau in Schlesien / all
wo in zwey vnd zwantzig Wochen /
fünff tausend neunhundert Persohnen
darauff gangen . Ein trauriges Spec
tackel war dazumahl in Rom / allwo
zu weilen in einem Tag zehen tausend
Menschen gestorben / Plutarch . in Vit .
Camill . Ein vnbeschreibliche Trübsal
ware ✾ (49) ✾
ware Anno 1381 . zu Prag / daß ein
mahl auff einen Tag tausend einhun
dert vnd sechzehen Menschen begra
ben worden / wie Hedius bezeuget . Ein
grosse Sterbens=Noth litte An . 1466 .
die Statt Pariß / in dero in weniger
Zeit in die viertzig tausend Burger vn
ter die Erd geschart worden / Riccius
Neap . Ein absonderliches Elend /
stunde auß Anno 1576 . die Statt Ve
nedig / allda innerhalb 9 . Monath
auff die sechzig tausend Menschen der
Todt hinweg gezuckt / Petrus Forst . lib .
6 . obser . Jst demnach zuerkennen /
daß alle diese Stätt mit grossem Elend
seynd überfallen worden ; wer aber
Anno 1679 . in der Wiennstatt in dem
Monath September hat gelebt / der
muß es hoch betheuren / das solches
Elend allen Mahlern zu entwerffen
vhnmöglich vnmöglich o. ohnmöglich scheinet / dann der Todt
solcher gestalten gewütet / daß vielen
vorkommen / es sey der allgemeine Epi
logus vnd Weltschluß verhanden / es
D findet ✾ (50) ✾
findet sich nicht ein einige Gassen noch
Gassel / deren doch so viel in dieser
Volckreichen Residentz Statt / welche
deß Todts Grimmen nicht hätte auß
gestanden . Jn der Herrengassen
hat der Todt geherrschet . Jn der Klu
gerstrassen / ist der Todt nicht klueg
gewest / sondern verschwenderisch . Jn
der Bognergassen / hat der Todt
ziemlich seinen Bogen abgeschossen ; Jn
der Singerstrassen / hat der Todt
vielen das Requiem gesungen . Jn der
Schulerstrassen / hat der Todt kein
Vacanz gesetzt . Jn der Riemerstras
sen / hat der Todt auß frembden Häu
ten Riemen geschnitten . Jn St . Do
rotheagassen / hat der Todt keinen
Feyertag gehalten . Jn der Becker
strassen / Wallerstrassen / Breiner
strassen / Kärnerstrassen / Don
falt= ✾ (51) ✾
faltstrassen / Wiplingerstrassen /
hat der Todt einen Strassenrauber ab
geben ; Jn der Naglergassen / hat der
Todt seine Pfeil gespitzt ; Jn der
Himmelportgassen / hat manchen
der Todt geschickt im Himmel oder
darneben . Jn der Joannesgaß /
ist der Todt Joannes in eodem gewest .
Auff dem Hohenmarckt / hat der
Todt viel erniedriget . Auff dem
Fischmarckt / hat der Todt keinen
Fastag gehabt . Auff dem Neuen
marckt / hat der Todt keinen nichts
Neues gemacht . Auff dem Kohl
marckt / hat der Todt nichts als kohl
schwartze Trauerkleider verursachet .
Auff dem Kienmarckt / hat der Todt
auch angezündet . Auff den Bauren
marckt / hat der Todt viel Burger
angetroffen . Auff dem alten Fleisch
D 2 marckt / ✾ (52) ✾
marckt / hat der Todt auch sein
Fleischbanck gehabt . Auff dem Saw
marckt / nunmehr Schaumarckt
genannt / hat der Todt manches
Spectackel erwiesen . Auff dem Gra
ben / hat der Todt nichts als eingra
ben . Auff der Freyung / waren wenig
befreyt vor dem Todt . Auff den Hey
denschuß / hat der Todt nach Chri
sten geschossen . Auff dem Judenplatz /
hat der Todt ziemlich geschachert . Auff
der Sailerstatt / hat der Todt vielen
die Fall=Strick gelegt . Auff der
Brandstatt / hat der Todt viel ab
gebrannt / daß sie seynd zu Staub vnd
Aschen worden . Auff dem Saltzgriß /
hats der Todt manchen versaltzen .
Auff dem Katzensteig / hat der Todt
starck gemauset . Den Sauwinckl /
hat der Todt ziemlich gesäubert . Bey
den ✾ (53) ✾
den zwölff Aposteln / hat der Todt
einen Jscariot abgeben . Auff dem
Grünanger / hat der Todt gemacht
daß viel wie ein Graß verdorret /
Omnis caro fœnum . Den Peters=
Freythoff / hat der Todt bey seinen
Nahmen gelassen . Auff der Hohen
brucken / hat der Todt manchen ge
stürtzt . Jm Ofenloch / ist manchen
der kalte Todtschweiß über das Ange
sicht geronnen . Jn dem Schlosser
gassel / hat der Todt vielen die Thür
auffgesperrt in die Ewigkeit . Jn dem
Jungfraugassel / hat der Todt nicht
wenig Galanisieret . Jn dem Huter
gassel / hat der Todt wohl nicht vnter
dem Hütel gespielet / sondern offent
lich gewütet . Das Rathgassel / ist
vor dem Tod kein Röttgassel gewest .
Jn dem Rosengaßl / hat der Todt
D 3 zimlich ✾ (54) ✾
zimlich abgebrockt . Jn dem Ju
dengaßl / hat der Todt keinen Sa
bath gehalten . Jn dem Blutgassel /
ist auch der Todt nicht schamroth wor
den . Jn dem Renngassel / seynd
dem Todt wenig entloffen . Jn dem
Strohgassel / hat manchen auff dem
Strosack der Todt erwürgt . Jn dem
Ferbergassel / hat der Todt zum
mehristen die bleiche Todten=Farb an
gestriche̅ . Jn beeden Schenckerstras
sen / hat der Todt nicht vielen das Le
ben geschenckt . Jn der Lands=Cron /
hat der Todt den Scepter geführet .
Auff der Fischerstiegen / seynd dem
Todt viel in das Netz gerathen . Jn
der Weidenburg / hat der Todt ei
nen Burggraffen vertretten . Jm
Stock in Eysen / hat sich der Todt
hart gnug erzeigt : Summa es ist keine
Gassen ✾ (55) ✾
Gassen noch Strassen / ob auch ihre
Nahmen nicht alle hier beygefügt / so
wohl in Wienn als in dero grossen
weiten Vorstätten / welche der rasen
de Todt nicht hätte durchstrichen ;
Man sahe das gantze Monath vmb
Wienn / vnd in Wienn nichts als
Todte tragen / Todte führen / Todte
schlaiffen / Todte begraben / ja so weit
wachste das Elend / das weil der Be
dienten hierzu ein grosse Anzahl erfor
dert wurde / diese betrangte Statt ge
ge
nöhtiget worden / mit offentlichen
Trommelschlag durch etliche Wochen
Todtengräber vnd Todtentrager zu
werben / vnd hat solche Trommel ei
nen so traurigen Hall von sich geben /
daß hierdurch männiglich bestürtzt /
dahero auß tausend gemeinen Leuthen
kaum einer sich eingefunden zu solcher
Dienstverrichtung / den man dannoch
mit überhäuffigen Geld besolden mu
ste / deßhalben auch alle Keichen /
Thürn / Stockhäuser vnd Ambthäu
D 4 ser / ✾ (56) ✾
ser / in denen nicht wenig verhafft la
gen / seynd empsigst durchsucht wor
den / vnd die / so ohne das durch ge
richtliches Urthel ihrer Unthat halber
das Leben verwürckt hätten / zu sol
chen Diensten angestrengt / deren
zwar der mehriste Theil auß den ey
senen Banden deß Huetstocks
gerathen vnter die Sensen
deß Todts .
Der
✾ (57) ✾
Mortuus est & Aaron :
2 . Reg .
Deut. 32
Auff ! auff ! du fromme Clerisey
Mit allen Ordens=Gnossen /
Jhr alle seyd vorm Todt nicht frey /
Man macht kein neuen Possen :
Das Reverende Domine ,
Mit schönen Titl vnd Nomine ,
Thut euch vorm Todt nicht retten /
Dann sterben müssen alle Leuth /
Das ist ein alte Metten .
D 5
Der
✾ (58) ✾
Der Todt hat auch ein
ziemliche Anzahl der Geistlichen
in der Wiennstatt zur Ewigkeit
befürdert .
KOmbt her ihr silber weisse
Schwanen / die ihr mit eue
ren Flügeln dem Schnee zu
Trutz auff dem Wasser her
umb rudert / vnd so mich der wahre
Glaub nicht anderst lehrete / sagete
ich ohne Scheuh / daß zwar alle Vö
gel von dem Allmächtigen auß dem
Wasser erschaffen / wie Genes . 1 . ver
zeichnet / ihr aber auß der Milch ;
kombt vnd leichet mir etliche Federn /
damit ich recht ob schon kurtz möge be
schreiben die Würdigkeit deß geistli
chen Orden ; diser / diser ist der
Acker / ✾ (59) ✾
Acker / den GOtt hat gesegnet / Deut .
28 . diser ist die Statt der Zuflucht /
Deut . 29 . Deut. 19 diser ist der schöne Garten
Aßveri / Ester . 7 . Diser ist der gebe
nedeyte Berg Sion / Psalm . 2 . Diser
ist das Paradeyß deß Wollusts / Gen .
2 . Diser ist der heilsame Schwem=
Teich zu Jerusalem / Joan . 5 . Diser
ist der veste Thurn David / Cant . 4 .
Diser ist der hohe Berg Libani / auff
welchem so schöne Cederbäum / das
ist so anseheliche Männer hervor stam
men . Diser / diser ist ein Arsenal
vnd Rüst=Cammer / auß welcher die
Catholische Kirch die beste Waffen
vnd Schild wider die Ketzer nimbt .
Zu Cana Galilæa nach dem ihm gar
ein höffliches Ladschreiben zu handen
kommen / hat sich vnser HErr vnnd
Heyland bey dem Hochzeitlichen
Gastmahl eingefunden / vnd mit dem
Brauthvolck sambt allen Anverwand
ten gar sittsamb zur Taffel gesessen /
nun ist aber bald geschehen / daß der
Wein ✾ (60) ✾
Wein als die beste Erquickung der
Gäst / manglete / es ist glaubig daß
es geschehen sey durch absonderliche
Schickung Gottes ; diesen verdrießli
chen Mängl hat der gebenedeyte
HErr auff anflehen seiner wertisten
Mutter wunderbahrlich ersetzt / in
dem er etliche grosse Krüg befohlen
hat anzufüllen mit Wasser / welches er
nachgehends in den edlesten Wein
verwandlet / vnd hat dieser Geseng
GOtt erst zum besten geschmeckt / da
man gewust hat / daß er kurtz vorhero
ein Wasserburger gewest ist . Auß
Wein Wasser machen ist leicht / vnd
gerath diß einen jeden Lumpelsüchti
gen / aber auß Wasser Wein machen
ist viel / vnd ein absonderliches gros
ses Wunderwerck ; Jch sage aber auch
auß schlimmen gute machen / Vnglau
bige in Glaubige / vnd Heyden zu
Christen machen / ist auch viel / vnd
wer hat diß gethan / als eben die statt
liche ✾ (61) ✾
liche Ordens=Männer Dominicus in
Spanien / Bernardus in Burgund /
Xaverius in Jndien / Franciscus Pau
lanus in Franckreich / Severinus in
Oesterreich / Berchtoldus in Bayern /
Wolfgangus in Schwaben / r c. Auß
einen harten Stein Wasser locken / ist
viel / das hat gethan Moyses dem
Volck Jsrael ; aber auß hartnäckigen
Gemüthern Buß=Zäher erwecken ist
auch viel / das haben gethan die Heil .
Ordens=Männer ; alle Flüß vnnd
Wässer durch Egypten in Blut ver
kehren ist viel / das hat gethan Aaron ;
aber die verbainte Ketzer schamroth
machen ist auch viel / das haben ge
than die Heil . Ordens=Männer ; mit
dem Schatten Wunderwerck würcken /
ist viel / das hat gethan Petrus ; aber
mit der schwartzen Dinten die Leuth
weiß machen / ist auch viel / das haben
gethan / die Heil . Ordens=Männer
durch ihre Schrifften ; daß also recht
messig solche Heil . Orden können ge
nennt ✾ (62) ✾
nennt werden / ein Schutz / ein Schatz /
ein Schantz / ein Freud / ein Fried / ein
Freund / der Catholischen Kirchen .
Was ist würdiger als die Societet
Jesu ? welche wie ein strahlende Son̅
in der Catholischen Kirchen glantzet /
dahero kein Wunder / daß neidige
Nachteulen / vnd Ketzerische Feder
mäus oder Fledermäuß ihre Mißgön
ner seyn / dann ja solchem Geflügl
werck das Liecht ein Marter ist ; Pau
lus der wunderthätige Apostel / diese
Welt=Posaunen / dieser Seelen=Fi
scher / dieser Schützer der Glaubigen /
vnd Stürtzer der Unglaubigen / diese
Säulen der Kirchen / hat sich einmahl
schon im dritten Himmel befunden /
hat schon gesehen / hat schon gehört /
hat schon genossen / was ein menschli
cher Witz nicht fassen kan / O was
Glory ! Phantaseyen / Schnellfingerl /
Dockenwerck / Kinderrollen / Grillen
vnd Pfrillen seynd alle Lust vnd Gust
der Welt / gegen dem was Paulus
schon ✾ (63) ✾
schon gekost / vnnd dannoch ist dieser
wider in die Welt zu ruck kehrt ; Sagt
mancher / es solt mich kein Teuffel
mehr herunter bringen / wann ich ein
mahl so weit droben wehre / Paulus
ist dannoch wider herunter / dann als
er zu ruck dachte / daß noch viel seiner
Apostolischen Lehr von nöthen hat
ten / vnnd durch ihn könten bekehrt
werden / also hat er Himmel lassen
Himmel seyn / vnnd wider auff die
Erd gestiegen / Seelen zu fangen /
Seelen zu bekehren / laß einer das ein
Eyffer seyn ! Dise Apostolische Jnn
brunst / spürt man nicht wenig in der
Societet Jesu , in dero viel vnzahl
bahre Männer gezehlt werden / welche
Vatter vnd Vatterland verlassen / ja
alles was angenehm / beurlauben / sich
in weit entfernte Länder begeben / See
len zu gewinnen / wo auch die Welt ein
End setzt / dort hat ihr Eyffer kein
End ; Was thun die Jesuiter zu Peru ?
Pegu ? zu Malaca ? Malucco ? zu Ma
gor, ✾ (64) ✾
gor , Palipor ? zu Paquim , Nanquim ?
zu Scay , Isafay ? zu Callecuth ? an sol
chen Orthen wo Menschen schier nicht
Menschen seynd ? Eben das was Pau
lus gethan / sie gewinnen Seelen / be
kehren Seelen / nicht nur hundert tau
send / nicht nur hundertmahl hundert
tausend / nicht nur tausend mahl tau
send tausend / sondern noch mehr / ja
so viel / daß auch einen Arithmetico zu
zehlen schwer fallt / deßwegen würdig
alle Ehr von der Welt zu empfangen /
deßwegen Paulus der dritte / Pius der
vierdte / Pius der fünffte / Gregorius
der dreyzehende / Gregorius der vier
zehende Römische Papst mit stattli
chen Lob / vnd außerleßnischen Preiß=
Nahmen die Societet begnadet .
Was ist würdiger als der Orden
deß Heil . Benedicti ? Jn dem Evan
gelio Matth . 13 . geschicht außführli
che Meldung von einem Saamen / den
ein Ackersmann außgeworffen / ein
Theil dieses Saamens ist gefallen auff
den ✾ (65) ✾
den Weeg / den haben die Vögel deß
Luffts verzehrt / diß ist ein Lehr allen
Jungfrauen / die da wollen Ersahm
vnnd Tugendsahm verbleibe̅ / daß sie
die Weeg vnd Gassen nicht viel betret
ten / sonst thun ihnen die Vögel / ver
stehe Ertz=Vögel / Spay=Vögel /
Spott=Vögel Schaden zu fügen ; ein
ander Theil dieses Saamens ist gefal
len auff die Stein / der zwar bald auff
gangen / aber wegen deß seichten
Grund von der Sonnen Hitz bald
wider verwelckt ; Diß kan ein Lehr
seyn / allen denen / die nicht wol in der
Vollkommenheit gegründ / daß sie sich
nicht leicht der Gefahr sollen vertrau
en / wann sie dem Stolpern vnd Fal
len wollen entweichen : Ein ander
Theil dises Saamens ist gefallen vn
ter die Dörner / welcher darvon / wie
leicht glaublich / ersticket . Jch aber
zeige einen Saamen der mitten vnter
denen Dörnern auffgangen / vnd tau
E send= ✾ (66) ✾
sendfältige Frucht tragen ; Dieser
Saamen ist Benedictus der Heil . Pa
triarch / so die Schneeweisse Rosen sei
ner Unschuld zuerhalten / sich blosser
in den Dörner herumb geweltzet / dieser
gebenedeyte Saamen ist der gestalten
auffgesprossen / daß die Zahl seiner
Frucht fast die Stern übertrifft / wel
che dem Abraham seynd von GOtt
gezeigt worden : Ein vnd dreyssig Rö
mische Päpst seynd auß dem Orden
deß Heil . Benedicti erkiesen worden /
ist das nicht auffgangen ? Hundert
vnnd achtzig mit Purpur gezierte
Vätter vnnd Cardinal auß disem
Orden / drey tausent fünff hundert
vnnd eylff Bischöff / fünffzehen tau
sent vnnd mehr Abten / so wegen
Doctrin vnd Wissenschafft berühmt /
ist dann der Saamen nicht auff
gangen ? Vier vnnd vierzig tau
sent vnd etlich zwantzig Canonici erte
Heyligen auß dem Orden deß H . Be
nedicti zeigen die Schrifften / ist der
Saamen ✾ (67) ✾
Saamen vnter den Dörnern nicht
auffgangen ? Zachæus damahl noch
Zach zun geben / vnd hurtig zunehmen /
mit einem Wort / noch damahl ein
Partiteschmidt / stiege auß guten Ge
dancken Christum zusehen / auff einen
Baum / ich aber weise mehr auß dem
Orden deß H . Benedicti , welche vom
Baum herunter gestiegen / Christum
besser in der Nieder zusehen / wil sa
gen / das viel / vnd aber viel ihren ho
hen Stammenbaum verlassen / vnd in
disem vollkommnen Orden GOtt ge
dient / zwölff Orientalische Kayser /
so den Purpur mit der Münchs Cap
pen vertauscht / vierzehen Orien
talische Kayserin / so die guldene
Cron mit dem niderträchtigen Klo
ster=Weyhl verwechßlet / ohnzahlbar
viel Königliche vnd gefürste Persoh
nen / so alle disen heiligen Orden ein
getretten / vnd darinn einen vollkomm
nen Wandl geführt / dahero nicht
leicht zubeschreiben / wie lobwürdig /
E 2 wie ✾ (68) ✾
wie liebwürdig / wie seegenreich / wie
siegreich / wie Gottseelig / wie glück
seelig diser wohl recht gebenedeyte Or
den Benedicti .
Was ist würdiger als der Orden
deß H . Dominici ? Exod . 28 . Hat
GOtt der Allmächtige dem Hohen
priester Aaron anbefohlen / auff was
Weiß seine Kleydung sollen geformbt
seyn / erstlich solle er einen Rock an
tragen von Himmelblauer Seiden /
vnd an statt deß Brams sollen von
gedachter Farb seidene Knöpff auff
Granatapffel Manier angehefft wer
den / zwischen denen jedesmahls ein
guldene Schellen hange / auff daß der
Priester / so er in den Tempel eintritt /
einen Klang von sich gebe : Muß beken
nen / das der übermüthige̅ Welt der Zeit
ihre Kleydung in tausenterley lächer
liche Modi sich vermaßkern vnd tragt
man fast ein gantzes Jahr hindurch
die Faßnacht auff dem Rucken / aber
solcher von GOtt angegebene Prie
sterliche ✾ (69) ✾
sterliche Ornat ist gleichwohl ein we
nig wunderlich vnd seltzamb ; Quanta
Profunditas misteriorum ! nunquid
de vestibus cura est Deo ? Spricht
der Heilige Thomas Villanovanus ,
O was seynd das für grosse Geheim
nussen ? GOtt wolte durch solchen
Priesterlichen Auffzug andeuten / vnd
durch solches guldenes Geleut an den
Priester / daß diser in dem Tempel
fein einen guldenen Schall solle von
sich geben / merckts wohl / ein Prie
ster soll ein guldenen Hall vnd Schall
von sich hören lassen : Diser Hohe
priester Aaron ist ein eigentliche Fi
gur gewest deß H . Dominici , dann
wer hat in der Catholischen Kirchen
ein solchen guldenen Hall vnd Schall
hören lassen / als eben Dominicus
durch seinen Heiligen Orden / welcher
auch derentwegen den Nahmen führt
der Prediger Orden / dann ihr
Apostolische Stimm alle trübe Wet
E 3 ter / ✾ (70) ✾
ter / so über die Catholische Kirchen
kom̅en / vertriben / dan̅ ihr eyffriger Pre
digschall / alle Wölff so in den Schaff
stall Gottes beginten einzureissen / ver
jagt / dann ihr erklingende Lehr wie
ein starcker Schild / alle Ketzerische
Pfeil / so auff das Schiffel Petri zu
geflogen / auffgehalten . Petrus ist ein
Apostel gewest / Petrus de Tarente
sia auß dem Orden deß H . Domini
ci auch ein Apostolischer Mann . Joan
nes ist ein Apostel gewest / Joannes
Taulerus auß dem Orden deß Hei
ligen Dominici auch ein Apostolischer
Mann . Matthæus ist ein Apostel
gewest ; Matthæus Ursenus auß dem
Orden deß Heil . Dominici auch ein
Apostolischer Mann : Thomas ist ein
Apostel gewest / Thomas Aquinas
auß dem Orden deß Heil . Dominici ,
auch ein Apostolischer Mann . Philip
pus ist ein Apostel gewest / Philippus
Gezza auß dem Orden deß H . Domi
nici auch ein Apostolischer Mann ;
Bartho- ✾ (71) ✾
Bartholomæus ist ein Apostel gewest /
Bartholomæus de Ledesma auß dem
Orden deß Heil . Dominici auch ein
Apostolischer Mann / r c. Vnd wann
schon Aaron ein Schlangen in ein Ru
then verkehrt / so haben auch dise viel
gifftige Sünder in Bußfertige ver
wandlet ; Und wann schon Josue die
Stattmauren zu Jericho mit dem Po
saunen Schall vmbgeworffen / so ha
ben auch dise mit ihrigem Predig=
Schall / manche Stein harte Gemüh
ter erobert ; vnd wann schon Elisæus
sauers Wasser / in ein süsses verkehrt /
so haben auch dise mit ihrer Lehr /
auß Gottlosen / Gottseelige gemacht ;
ja ich will nicht mehr loben disem lob
würdigsten Orden / weil ihn an stadt
meiner loben Bonifacius der Neunte /
Clemens der Sechste / Alexander der
Vierdte / Innocentius der Vierdte /
Gregorius der Neunte / Honorius
der Anderte / r c.
E 4
Was
✾ (72) ✾
Was ist würdiger / als der Sera
phische Orden deß Heiligen Francis
ci ? Jener Blinde / welchem der Hey
land mit so wunderlicher Manier das
Gesicht erstatt / in dem er ihme eine
durch Speichel befeuchtigte Erden an
die Augen gerieben / welches sich dem
Menschlichen Vrtel nach so wenig
reimbte / als ein Faust auff ein Aug /
als er von Christo gefragt worden /
was er sehe / gabe ein artliche Antwort .
Video homines velut arbores , &c .
Jch sihe die Leuth wie die Baumer da
her gehen / diser Blinde hat nicht übel
von der Farb geredt / dann in aller
Warheit seynd wir Menschen dem
Bäumern ähnlich vnd dem Holtz / des
sen Natur ist / das es allzeit oben
schwimbt im Wasser / also seynd wir
Menschen gesitt vnd gesind / daß wir
nur nach Höhe trachten / dahero der
Welt ihr Prædicata sich mehristen
Theil / auff die Berg retiriren / vnd
wil niemand anderst als Back von
Backs= ✾ (73) ✾
Backsberg / Böcker von Böckersberg /
Buck von Bucksberg heissen / vnd
singt die Welt weit lieber den Alt als
den Paß ; Von dem Heiligen Marco
Evangelisten schreibt Hugo Cardina
lis , daß er ihme freywillig den Daum
habe abgebissen / damit er nicht möch
te Bischoff werden / bey der Zeit
schneidt ihm keiner mehr die Finger
ab / sonder man schleckt wohl die Fin
ger nach Hochheiten / vnd wil ein je
der lieber das Gloria in Excelsis als
das De profundis Intoni ren. O Mi
rackl / O Wunder über Wunder !
Franciscus , vnd Francisci Orden /
vnd dises Ordens=Regel / vnd diser
Regel zugethane Geistliche zeigen der
Welt das Widerspiel / in deme sie mit
keinen andern Nahmen prangen / als
Fratres Minores die mindere Brü
der / aber in der Warheit nicht min
der der Catholischen Kirchen nutzen
sie als andere Orden / dahero dessen Lob
dises wintzige Blattel nicht fähig zu
E 5 fassen ✾ (74) ✾
fassen / sonder vonnöthen gantze Bü
cher hierzu . Was sagst du zu dem /
wann du hörest / daß durch dise Or
dens=Leuth in der Jnsul Canari al
lein zehenmahl hundert tausent Men
schen seynd getaufft worden / hat doch
Moyses kaum so vil durch das Was
ser geführt ; Diser Seraphische Or
den hat durch absonderliche Hülff deß
Allerhöchsten der Gestalten sich ver
mehrt / das wann ich nicht wuste die
vnermeßliche Weite deß Himmels /
mich schier ein Forcht anstoßte / ich
könnte kein Orth mehr antreffen / vor
Menge mindern Brüder allda ; Di
ser Seraphische Orden zeigt forderist
seine Strengheit in den Capucinern /
dero Armuth vnd Demuth der Welt
sattsambt bekant ; mir kommen sie
vor / wie jener Fisch / welchen Petrus
auß dem Meer gezogen / in dessen Maul
ein paares Gelt gefunden / vnd also
diser Fisch mit dem Maul bezahlt ;
gleicher Gestalten tragen gedachte
strenge ✾ (75) ✾
strenge Ordens=Männer ihre Müntz
auff der Zungen / welche nichts an
ders ist / als Deo gratias , warmit
auch der seelige Capuciner Felix gros
se Wunder gewürckt ; mit einem Wort /
wie vornehm / wie angenehm / wie
sinnreich / sittenreich / wie heylsamb /
diser Seraphische Orden / kan allein
ein Seraphische Zung füglich vorstel
len .
Was ist würdiger / als der Orden
der Carmeliter ? Diser ansehliche Or
den / rühmet sich / als seye er der aller
älteste / wie kan das seyn ? Lebt doch
ihr erster Ordens=Stiffter noch auff
der Welt / auch noch nicht gstorben /
ist wahr / diser ist Elias der Prophet /
welcher auff dem Berg Carmelo das
erste Novitiat den Carmelitern auff
gericht / der wunder eyffrige Prophet
lebt annoch in dem irrdischen Para
deyß / wohin er durch ein feurigen
Wagen ist überbracht worden / wird
aber zur Ankunfft deß Antechristi
zweiffels ✾ (76) ✾
zweiffels ohne mit Beystand seiner
Carmeliter streitten vnnd kämpffen /
das Lob dises H . Orden / soll nicht
mit Dinten sonder Gold beschrieben
werden .
Was ist würdiger als der Orden
deß H . Francisci von Paula ? Diser
H . Ordens=Stiffter hat wohl gewust /
das auff die Vigill vnd Fastag ohn
fehlbar das Fest folge / dahero er den
seinigen ein immerwehrende Fasten
aufferlegt / damits desto sicher das
ewige Fest zugewarten hätten ; so gar
hat er in seiner Regel Schmaltz vnnd
Butter verbotten / damit sie etwan in
Wiederkämpfung der feindlichen An
stoß nicht wie der Butter an der Sonn
möchten bestehen / auch kan wohl seyn /
daß deßhalben der Heil . Fundator
die seinige mit strengster Fasten also
außmergelt / damit sie nicht faist wur
den / vmb willen die Porten deß Him
mels gar eng / angusta Porta , vnnd
feiste Schmeerbäuch küm̅erlich hinein
können; ✾ (77) ✾
können ; Durch solche strengste Mes
sigkeit ist gleichsamb ohnmessig wor
den dieser Heil . Orden / daß also
derselbe von vil Röhmischen Bäpsten
vnd gecrönten Kayser vnd König in
grösten Ehren gehalten worden .
Was ist würdiger als der Orde̅ der
Serviten ? Die Welt hat zwar keinen
Abgang an Serviten , vnd so ich hun
dert auff der Gassen solle mit einen
Gruß empfangen / so wird in der ge
gen Antwort entweder Servus oder
Servitor oder Diener zu vernehmen
seyn / bey denen aber die Dienstbarkeit
so wolfeil / wie bey den Schwanen die
schwartze Federn / vnd triefft offt zu
mit jenem Spruch auß den Heiligen
Evangelio : Serve nequam : Weit an
dere Servos vnd Diener zehlet diser H .
Orden / in welchem da lauther Diener
der seeligsten Mutter Gottes anzutref
fen / die in der schwartzen Trauer=Li
bere zur Gedächtnuß der beschmertzten
Mutter / in dem Leyden ihres Sohns /
zur ✾ (78) ✾
zur grössern Vollkommenheit steigen ;
Und hat schon dazumahl ein sichere
Propheceyung geschienen / weil diser
Heil . Orden von sieben Florentiner
herstammet / daß er auch absonderlich
in der Catholischen Kirchen flori ren
werde .
Was ist würdiger als der Orden
der Barnabi ten genannt ? von deme
mit wenig Worten vil kan geschrieben
werden / daß er seye ein Schul deß
Wissens vnd Gewissens / warin die
Heiligkeit mit der Doctrin nicht ohne
grossen Nutzen der Christlichen Kir
chen vermählet ist .
Was ist würdiger als der Orden
der Barmhertzigen Brüder ? So ich
nicht wuste / daß die von dem seeligen
vnd wunderthätigen Joanne Dei her
kommeten / glaub ich es wehre wäre ihr Or
dens=Stiffter gewest / jener Samari
tan in dem Evangelio / welcher dem
armen halb todten Menschen Wein
vnd Oehl in die Wunden gossen / vnd
selbsten ✾ (79) ✾
selbsten barmhertzig verbunden / diser
Orden bleibt so lang gesund / wie lang
er den Krancken dienet / vnd werden
ihme alle Wunden der Krancken für
Wunderwerck außgerechnet .
Was ist endlich würdiger als der
Orden deß H . Vatters Augusti
ni ? mit dessen Lob gantze Bücher an
gefüllt ; gewiß ist es / daß Augu
stinus und folgsamb Augusti
ni Orden ein Aug der Braut Chri
sti / verstehe der Catholischen Kir
chen / kan genennt werden / wie hoch
vnd theuer aber diß Aug zu halten / laß
ich es andern über / weil ich weiß / daß
eignes Lob nach Knoblauch riechet /
sonst wolte ich den Schein dises herr
lichen Ordens nach müglichkeit ent
werffen / muß demnach der Feder den
Arrest anerbieten / vnnd ferners Lob
mit der Verschwiegenheit einschran
cken .
Was ist endlich würdiger als alle
heilige Orden vnd Ordens=Männer /
welche ✾ (80) ✾
welche der öden vnd schnöden Welt
den Rucken gewend / wohl wissend /
daß das Wörtl Welt von dem Wör
tel Wild ein geringfügigen Unter
scheid in dem Nahmen / gar keinen
aber in der That erweise / dann was
ist die Welt anderst als ein Garten
voller Brennessel / ein verzuckertes
Gifft / ein verguldter Misthauffen /
ein zerlöcherter Sack / ein außspalirte
Keichen / ein angenehme Kopffraiß /
ein silberner Angel mit Grillen über
kädert / ein Handels=Gwölb voller
Narren=Kappen / ein Apotecken vol
ler Tillitalli Latwergen / ein verblüm
te Schelmerey / vergulte Pfui Pillu
len / r c. Dahero viel tausend vnd vn
zahlbar haben ein Eckel vnd Grausen
gefast ob der nunmehr schepernden
Welt / vermerckt daß selbe so wohl
fruchtloß / als zuchtloß / derentwegen
freymütig sich den strengen Regl vnd
Satzungen vnterworffen / in die Fuß
stapffen ✾ (81) ✾
stapffen der Apostel getretten / mit fri
scher Erinnerung / daß der Heyland
JEsus das Reich Gottes verglichen
habe / einem reiffen Senffkörnl / vnd
nicht einem Zuckercandl / daß solches
Reich Gottes gleich seye einem Sau
ertaig / vnd nicht einem Süssen . Der
Ursach halber sie gar wohl vnd recht
den engen vnd strengen Weeg ange
tretten / solcher gestalten die Vollkom
menheit erreicht / daß dero höchstge
priesene Tugenden wehrt vnd würdig
seyn / von männiglich verehrt zu wer
den / wie dann ihnen der eigenthumb
liche Titul Euer Ehrwürden ge
bühret .
Als Petrus / damahl noch ein treu
er Diener / wahr genommen / daß sein
liebester HErr von den Scherganten
vnd Hebreischen Lothers Knechten /
wie ein Lambel von den Wölffen /
feindlich angegriffen worden / vnd di
se allen Muthwillen an ihme verübten /
gedachte er an seine gegebene Parola ,
F fasset ✾ (82) ✾
fasset ein stattliche Curachi , zieht von
Leder / vnd hauet einem meisterlosen
Spitzbuben Nahmens Malcho ein
Ohr ab / worüber Petrus nicht allein
kein Lob / so er ihme ohnaußbleiblich
eingebildet / sondern neben einen schar
ffen Verweiß / noch darzu einzustecken
befelcht worden / vnd der gebenedeyte
Heyland alsobald ohne Pflaster vnd
Wundsalben dem Bößwicht das Ohr
angeheilet : Ach HErr soll jemand
sagen / laß geschehen / daß Petrus
auch das andere Ohr / auch die Na
sen / auch gar den Kopff absäble / dan̅
ja ein solcher nicht werth ist / daß er ein
Kopff trage / der ein Maußkopff ist :
Viel Scriben ten wollen / es seye diser
Ursachen halber geschehen / daß der
Heyland einen solchen heilsamen
Wund=Artzten abgeben / weil diser
Malchus ein Laquey ware / vnd ein
Diener eines Hohenpriesters / deß
halben wolte nicht der HErr / daß di
ser sollte entohnert werden / wann er
were ✾ (83) ✾
were ein Nachtretter / oder Vortret
ter / oder ein ander Diener einer Dama
oder eines Herrn gewest / hätte etwan
der HErr nachgesehen / so ihme auch
der Kopff were zerspalten worden / aber
eines Hohenpriesters Bedienter hat
müssen respecti rt werden . Auß dem
kan ein jeder / auch der mindeste in ei
nem Dorff / Sonnen klar abnehmen /
weil GOtt die Dienstboten so gar der
Geistlichkeit wil verehret haben / wie
viel mehr Ehr solle dem Geistlichen
Standt selbst ertheilt werden : Bekant
ist / daß einmahl der böse Feind vor
der Kloster=Porten auffgepast / vnd
einen Bauren so mit schmutzigem
Maul herauß tretten / wie ein grimmi
ger Löw angefallen / mit dem Verlaut /
wann er nicht hätte in dem Kloster ge
schmarotzt / vnd annoch bey sich im Ho
sensack ein Klosterbrodt tragte / so wol
te er ihn zu tausend Stückl zerreissen .
Chron . Cassi . lib . 3 . c . 39 . Diß vnd al
le andere bestettigen gnugsamb / wie
F 2 Ehrwür= ✾ (84) ✾
Ehrwürdig der geistliche Standt / deß
wegen keineswegs in Zweiffel zu setzen /
daß nicht auch der Todt / ob schon al
lerseits vnhöfflich / doch sich gegen di
sem Standt werde manirlich verhal
ten ; Jch antwort / der Todt / weiß
vmb kein einige Höfflichkeit : Als mir
anfänglich aufferlegt worden / ich solle
die Geistliche Euer Ehrwürden ti
tuliren / so hab ich / ohne das halb ge
hörloß / Euer Erdwürden verstan
den / dahero von selbiger Zeit sie sambt
andern in die Erd einscharre / vnd laß
mich von solcher meiner Arth nicht ab
schrecken / wann schon jenem die schwe
re Bürd der Excomunication vnnd
geistlichen Banns auff den Rucken
gebunden wird / welcher gewalthätige
Hand an solchen Stands=Persohnen
anleget / so entschüt ich mich doch aller
solcher Straff / ja bin noch darüber so
keck / daß ich die geweichte Platten gar
in das Grab wirff / wer an dem zweif
felt / ✾ (85) ✾
felt / dem kan die Wiennstatt auß dem
Traum helffen .
Weilen die schöne Residentz Statt
Wienn Volck halber mehr einem Land
gleichet / dahero find man neben einer
ziemblichen Anzahl Wirthshäuser
auch viel herrliche Gottshäuser / deren
an der Zahl sambt den offentlichen
Capellen in vnd vor der Statt fünff
vnd funffzig gezehlt werden / in denen
die eyfferige Priesterschafft dem Aller
höchsten GOtt das heilige Altar=Op
ffer mit aufferbaulicher Andacht täg
lich ableget / gehe nun der Klang der
vngezähmten Mäuler von der Wienn
statt / wie er wil / guacksen doch auch
die grünhosende Frösch mit auffge
spannter Pfundtgoschen den Himmel
an / so sie nur ein trübes Wölckel dar
an ergaffen : Was ist Wunder daß
etliche Mißgön̅ende Schlangen=Zun
gen gedachte Haubtstatt gar zu hefftig
verschwertzen / als seye zu Wienn fast
ein jeder Pflasterstein ein Lasterstein /
F 3 ich ✾ (86) ✾
ich kans zwar nit gäntzlich verneinen /
daß nicht solches Orth deß Patriar
chen Jacobs Lambl ähnlich seye / die
da nicht gantz weiß waren / sondern
mit schwartzen Flecken vntersprengt ;
Wo ist dann ein Baum auff dem nicht
auch wurmstichendes Obst wachst ?
wo ist dann ein Summa Geld wo
man nicht auch bleyene Fünffzehner
antriffet ? warumb soll dann Wienn
allein einen Schein tragen ? seynd
doch wohl andere Stätt auch nicht
Canonici rt; vnnd zu dem kan mans
nicht laugnen / daß der Saamen deß
Unkrauts / so zu Wienn etwan auff
spriesset / mehristen theil anderst woher
kommet / vnd also frembde Länder der
Wiennstatt die Laster leihen ; Viel
Ubelthaten / ja / grosse Unthaten / ja /
viel Schandthaten / ja / find man / hört
man / sieht man zu Wienn / so muß
man aber auch das Gute mit neidiger
Verschwiegenheit nicht verhüllen / son
dern zu wissen ist / daß nicht bald ein
Statt ✾ (87) ✾
Statt in Teutschland zufinden / allwo
so grosse Andachten vnd andächtige
Solennite ten in den Tempel vnnd
Gottshäusern gehalten werden / als
wie zu Wienn . Es seynd in erstge
dachter Haubtstatt neben sieben Gott
gewidmeten Jungfrau=Klöster / neben
hohen Stifftern / Pfarreyen / vnnd
vornehmer Prælaten=Höff / in denen
mehristen Theil auch geistliche Ju
gend den Studijs obliegen / neunzehen
schöne vnd wohlerbaute Klöster / in
welchen die andächtige Ordens=Män
ner mit aufferbaulichem Wandel Gott
vnd dem Nechsten dienen / also zwar
daß die Anzahl der Geistlichen / so
wol inner als ausser der Klöster sich
in die dritthalb tausend erstrecket / wel
che nichts anders verrichten / als daß
sie mit dem guten Hirten das verlohr
ne Lambl suchen / mit dem Joanne die
Buß predigen / mit Petro die Kran
cken trösten / mit Paulo die Laster
straffen / vnd mit dem David GOTT
F 4 vnauß= ✾ (88) ✾
vnaußsetzlich loben / auch Tag vnnd
Nacht mit heiligem Lobgesang Gott
innbrünstig preysen . Allhier stehen
mir die Augen voller Wasser / wann
ich zu Gemüth führe den türmischen
Todt / wie er seine Sensen so scharff
gewetzet hat wider die Geistlichkeit zu
Wienn / vnd welches noch mehr zube
tauren / daß die Priesterschafft mehri
stentheil den Todt geerbet hat / an
demselben Orth / allwo sie pflegt den
Todten Seelen das Leben ertheilen /
verstehe in der Kirchen / in dem
Beichtstuhl / bey dem Altar . Anno
1606 . zu Franckenstein in Schlesien
haben etliche Todtengräber vnerhörte
Ubelthaten begangen / vnd bevor sie
durch glüende Zangen vnd verdiente
Straff seynd hingericht worden / ha
ben sie bekennt / wie daß sie die Todten
Menschen / welche schon zwey oder
drey Jahr vnter der Erden gelegen /
widerumb außgegraben / Pulver dar
auß gemacht / solches hin vnd wider
außge= ✾ (89) ✾
außgestreuet / zuvor an Schaffen /
Viech / vnd ihren eignen Kindern / sol
ches Gifft=Pulver probirt / vielen vn
ter dem Schein eines absonderlichen
Præservativ vnnd Artzney=Mittl in
warmen Bier einzunehmen gerathen /
das halb gefaulte Fleisch der außge
grabenen Todten wie ein Papp zu
sammen gestossen / vnd darmit alle
Stühl in der Kirchen angeschmieret /
warvon geschehen ist / daß die Leuth
in die Kirchen frisch vnd gesund seynd
gangen / darauß aber mit Verlurst der
Gesundheit vnd Pestilentzischen Leib
kommen ; Von dergleichen vnmensch
licher Boßheit weiß man nichts zu
Wienn / wohl aber daß der Todt die
Stühl in den Kirchen vnd forderst die
Beichtstühl zu seinem Vortel hatte /
vnd ist schier die Pestilentzische Seuch
auff kein andere Weiß in die Klöster
gerathen / als durch das Beicht
hören / auch der Todt selten durch die
Kloster=Porten / sondern öffter durch
F 5 die ✾ (90) ✾
die Sacristey=Thür eingeschlichen / da
hero ein Religios nach dem andern er
krancket vnd welche andere frey vnnd
loß gesprochen von den Sünden / seynd
selbst vor dem Todt nicht befreyet ge
wesen / diß ist die Ursach / warumb
nicht nur hundert / nicht nur zweyhun
dert / nicht nur dreyhundert / sondern
mehr Priester vnnd Geistliche dem
Todt zu Theil worden / welche aber
alle glückseelig gestorben / zumahlen
ihnen der Todt nur ein Thür ware /
durch welche sie in die himmlische Freu
den eingangen .
Ein Unkeuscher stirbt nicht wohl / ein
solcher war Heliogabalus der Kay
ser / welcher in den Wollüsten also
Viehisch versencket ware / daß er mit
Gewalt die Medicos vnd Artzten wol
te zwingen / die sollen ihn vermittelst
ihrer bewehrtister Wissenschafft vnd
Artzney=Mittl in ein Weib verkehren /
Cæli . lib . 4 . O Heliogabl vielmehr
ein Höllgabel ! Ein solcher stirbt nicht
wohl / ✾ (91) ✾
wohl / aber ein Geistlicher stirbt wohl /
welcher ob dem verzuckerten Venus
Confect einen Grausen geschöpfft / sich
mit einem Gelübt ewiger Keuschheit
verbunden / fein die leibliche Sinnlig
keiten dem Verstandt als einem Ober=
Pfleger vnterworffen / welcher einem
gleich zeiget daß kein Orth in einer
Statt erger muffe / als der Fleisch
marckt / oder die Fleischbänck / vnnd
daß der Himmel nur dieselbige Sol
daten besolde / welche zu Reinfelden
vnd nit welche zu Magdeburg auß
der Guarnison sein .
Ein Geitziger stirbt übel ; Ein sol
cher ist gewest jener reiche Handels
mann / von deme Menochi p . 2 . H . 3 .
schreibt / als derselbe bereits in die Zü
gen gegriffen / vnd die halb vergläser
te Augen den nahenden Todt ange
kündet / hat er dannoch seines Geld=
Schatz nicht können vergessen / dann
als ihme der Priester nach Christli
chen ✾ (92) ✾
chen Brauch die letzte Oehlung ertheil
te / darmit auch die Hände deß Kran
cken zu salben / sihe / da hat er auß der
rechten Hand keines wegs den Schlüs
sel zum Geld lassen wollen / welches
dem Priester ein satsame Ursach gege
ben / daß er ihme endlich die heilige
Oehlung geweigert ; Aber ein Geistli
cher stirbt wohl / welcher sein Leben in
freywilliger Armuth zugebracht / al
lem Weltkraffel den Rucken gezeigt /
wohl wissend / daß sein JEsus nicht
gestorben / vnter einem mit seidenen
Fransen vmbhengten Himmelbeth /
sondern arm vnd bloß am Creutz .
Ein Gottslästerer stirbt übel / ein
solcher ist jener fünff jähriger Knab
gewest / von deme der Heil . Gregori
us Dial . 4 . schreibet / daß diser von
den Eltern solches Laster erlernet / dan̅
wann ein grosser Stein von dem Berg
herunter fallet / so folgen ihme auch
kleine nach / wie kan es seyn / daß die
alte Frösch ihr abgeschmaches Qua
Qua ✾ (93) ✾
Qua schreyen / vnd die junge Frosch
mäuler sollen wie Canari singen ? Ob
berührter Knab auß anartiger Ge
wonheit Gottslästerte dergestalten /
daß der höchste GOtt ihn schon zeit
tig für die Höll ersehen / deßwegen ge
stattet / daß er von dem bösen Feind
auß deß Vatters Armen ist hinweg
geführt worden ; Ein solcher stirbt nit
wohl / aber ein Geistlicher stirbt wohl /
der nicht allein sein Zung von derglei
chen Frevels=Reden vnd schädlichem
Fluchen in Zaum gehalten / sondern
noch Tag vnd Nacht durch steten Chor
GOTT gelobt / auch der Harpffen
David zugesellt seine andächtige
Psalmen / warinnen er gar offt schon
einen Vorgeschmack der ewigen Freu
den verkostet .
Ein Hoffärtiger stirbt nicht wohl /
wie ein solcher gewest der Printz Ab
salon vnd seines gleichen Galienus / der
allemahl seine Haar vnd Barth mit
guldener Streu eingepulvert / dar
durch ✾ (94) ✾
durch sich halb zu vergöttern phanti
sieret . Ein solche ist gewest die stoltze
Jezabell / welche ihr verbuhltes Ange
sicht mit hunderterley Anstrich ver
glätt hat / ein solche ist gewest Poppea
deß Neronis Gemahlin / die allzeit so
offt sie reiste / ein gantze Herd Eselin
mit sich führte / zu keinem andern Ziel /
als daß sie sich mit dero Milch könte
abwaschen : es gibt annoch solche feine
Weltmuster / welche ihr madiges Lar
ven=Gsicht sorgfältig zu verbessern / al
lerley Farben mischen / ja alle Tag an
dere Kleyder anziehen / vnnd können
die Würm ihre Mistbutten zudecken
nicht gnug Seiden spinnen / da vnter
dessen GOtt / wessen Abbildung der
arme / halb nackender auff der Gassen
seuffzet / solche sterben nicht wohl / aber
ein Geistlicher stirbt wohl / der in sei
nem niederträchtigen Habit allen
Welt=Pomp verlachet / den Leib mit
etlichen Ellen Tuch verhüllt / damit
dises Unthier nicht gar zu zartlich ge
zieglet ✾ (95) ✾
zieglet werde / dann je mehr man es
liebkoset / je mehr beist es : Man ku
tert vnd hönet jetzt einen Geistlichen
auß mit seiner gespitzten Kappen / mit
seiner runden Kappen / mit seiner brei
ten Kappen / mit seiner schmalen
Kappen / r c. aber wann es zum Ab
trucken kommet / vnd das eytle Welt=
Wesen abflieget / wie die Mucken auß
einer kalten Kuchl / so dann wüntscht
ihm mancher / sein Kopff were in einer
Münch=Kappen gesteckt / wurde also
leichter sterben .
Ein Schlemmer stirbt nicht wohl ;
Ein solcher ist gewest der reiche Pras
ser / der nur darumb gelebt / damit er
essen könt / vnd nicht darumb gessen
damit er leben möcht / dem das Maul
stets feucht ware wie ein Badschwam /
der einen Magen gehabt / wie dieselbe
Thier / welche den Lambl ihre Peltz
zertrennen / der auß dem Tag ein
Nacht gemacht / verstehe Faßnacht /
der auß der Nacht ein Tag gemacht /
verstehe ✾ (96) ✾ verstehe Kirchtag : Ein solcher ist auch
gewest Clodius Albinus von deme Sa
bellicus l . 20 . noti ret / daß er Keller
vnd Kuchl für seinen Himmel gehal
ten / den Schmeerbauch aber für sei
nen Abgott / welchem er nur gar zu
häuffig geopffert / absonderlich dazu
mahl / als er in einer Mahlzeit neben
andern Speisen / fünffhundert Au
stern / vnd zehen Capauner geschlickt ;
Ein solcher stirbt nicht wohl / aber ein
Geistlicher stirbt wohl / der allzeit sei
ner Seelen ein Vatter / dem Leib aber
ein Stieffvatter abgeben / der fast alle
Tag zu Freytag gemacht / damit er de
sto gewisser einen ewigen Sabbath
oder Ruhe zu hoffen hätt / der sich der
Nüchterkeit beflissen / wohl wissend /
wann ein Schiffl überladen / daß sel
biges nechst bey dem Untergang seye ;
Es ist demnach wohl höchst zubetau
ren / daß so viel Geistliche vnd Gott
gewidmete Priesterschafft dem ohnmil
ten Todt in die Händ gerathen / ab
sonder= ✾ (97) ✾
sonderlich weil dieselbige der Statt
vnd ihren Heil . Orden zu fernerem
Nutzen wären wohl angestanden : wei
len sie aber wohl gestorben / vnd das
zeitliche Leben mit dem Ewigen ver
tauscht / ist mehr Ursach zu frolocken
als trauren ; O wie mancher frommer
Religios seufftzte auff seinem Todtbettl
folgender gestalt / O GOtt ! ich ver
lasse gern das jenige / auff das sich nie
mand verlassen kan ; Jst doch die Welt
nichts als ein Eysen / so allbereits gar
zu rostig / ist sie doch nichts als ein
Eyß / auff deme mancher so vnbehut
samb geschlipffert / ist doch die Welt
nichts / als ein Statt / dero Ringmau
er Elend vnd Jammer / ist doch die
Welt nichts als ein Gestadt / so gantz
vntergraben vnd gefährlich / ist doch die
Welt nichts als ein Schlingen / vor
dessen Gefahren sich schier niemand
retten kan / ist doch die Welt nichts
als ein Schlangen / die da voller Gifft /
A dio wie gern dann reise ich in die
G Ewig= ✾ (98) ✾
Ewigkeit ; O süssester JEsu / du stre
ckest darumb deine Armb am Creutz
auß / damit du mein arme Seel vmb
fangest / O güttigster Heyland / es
seynd deine fünff purpurfarbe Heil .
Wunden / fünff schöne rothe Petschier /
welche für mich bey dem himmlischen
Vatter gnugsame Bürgschafft leisten ;
O gütigster GOTT ! der Baum an
dem du hangest / wird hoffentlich mir
ein Steeg vnd ein Weeg seyn / in die
Glory : Fahre demnach auß O aller
liebste Seel / vnd beschleunige mit Freu
den deinen Außgang / auß dem Leib /
der nichts anders ist / als ein Gefäng
nuß / vnd verdrießliche Arrest Stuben /
zertrenne gern dise Gespanschafft mit
dem Leib / in Erwegung / daß diser Spiß
gesell am jüngsten Tag mit vnauß
sprechlicher Glory dir wird wider ver
einiget werden : Adio ! behüt euch Gott
meine liebe Patres vnd Ordens=Mit
brüder / ist mir leyd / daß ich euch we
gen meiner abscheulichen Kranckheit
nicht ✾ (99) ✾
nicht kan vmb das Bettl sehen / nimb
demnach Urlaub von euch / vergebet
mir vmb Gottes willen von Hertzen /
so ich euch etwan im Kloster / in dem
Chor / in dem Refectorio , oder in der
Zellen hätte beleydiget / O wie hart
dunckt es mich / daß ich nicht kan mit
meinen liebsten Ordens=Genossen ru
hen vnd faulen in vnser Grufften / son
dern an statt dero vnter einer verdorr
ten Hollerstauden mein Grab etwan
erwarte / aber aber frisch auff mein
Seel / bekümmere dich dessen nicht so
sehr / die jenige / so da anjetzo verlas
sest / werden in der Glory vnter einem
Fahnen deß glorwürdigsten Ordens=
Stiffter mit dir GOtt loben vnd be
nedeyen / Adio ! so seyß dann / O JE
su dir leb ich / O JEsu dir stirb ich .
Auff gleiche Weiß seuffzte mancher
geistreiche Religios vnd Priester / vnd
ware seine einige Hertzstärck der süsse
ste Nahmen JEsus vnd Maria .
Man hat sonsten in der Apotecken
G 2 gewisse ✾ (100) ✾
gewisse Zeltel die da Manus Christi ,
das ist / Händ Christi / genennt wer
den / wer ihnen den Nahmen hat ge
ben / muß ein Nasenwitziger Tropff
vnnd Gewissenloser Gesell gewesen
sein / seytemahlen sie nur von Zucker
vnd Rosenwasser gemeiniglich zuge
richt werden / solche Manus Christi
hätten fürwar manchen Geistlichen
ein geringe Labnuß geben / wofern sie
nicht anderst gestärckt hätten die wah
re Händ Gottes / in die sie sich sambt
Leib vnd Seel befohlen / welcher allein
ist der jenige der alle Betrübte kan
trösten .
Da muß ich hierzu setzen / was man
mich für ein Warheit auß dem Laza
reth bericht hat / vnnd es die Sieh
knecht für ein Gewißheit bekennt / als
sie im Anfang deß Septembers dises
Jahrs vnterschiedliche Todten auff
den Gassen vnd Strassen haben ange
troffen / seye vnter andern ein Priester
kein Ordens=Mann / todter gefunden
worden ✾ (101) ✾
worden bey der Blancken deß Spani
schen Klosters in der Vorstatt / wel
cher da halben Theil knyete / mit der
rechten Hand die Blancken haltent /
vnd in der andern Hand ein kleines
Büchel / welches insgemein das Diur
num genennt wird / die Siehknecht
aber / als welche ohne das auff allen
Raub begierig / wolten ihme solches
Büchl auß der Hand reiben / könten
aber mit allem möglichen Gewalt sol
ches nicht zu wegen bringen / sondern
waren gezwungen ihn sambt dem
Büchl zubegraben : Wer solches nicht
für ein gutes Zeichen achtet / muß we
nig glauben geben / ich bin der vnver
ruckten Meinung / als seye diser sambt
andern Geistlichen / deren etlich hun
dert dises Jahr zu Wienn vnter die
Erden gerathen / Freudenvolle
Kinder der Seeligkeit .
G 3
Es
✾ (102) ✾
Mortua est Rahel
Gen . 48 .
Allo ! hinweck Allabaster Gesicht /
Mit Spiegel vnd mit Kampl /
Eur schöne Gestalt überredt mich nicht /
Mir ist schön wie der Trampl /
Fort Helenæ , Penelope ,
Und was dergleichen Contraphe /
Mit sambt deß gemeinen Plunders /
Dann sterben müssen alle Leuth /
Man macht euch wohl nichts besonders .
✾ (103) ✾
ES wissens die Weibs=
Bilder gar wohl / daß deß
Adams Stammen=Hauß
die Laimbgruben / vnd die
Werckstatt in dero deß Manns Leib
zusammen pabt worden / der Damas
cenischer Acker / vnnd folgsamb der
erste Mann von Gey herein / sie aber
mit mehrerm Favor im Paradeyß auß
feinerer Materi erschaffen / dahero ih
nen von selber Zeit die Leibs Schönheit
annoch erblich zufalle : Der War
heit zu steur / muß ich bekennen / daß
ein abtruckter Pfeil nicht also nach
dem Zweck / daß ein frey geweltzter
Stain nicht also nach dem Centrum ,
daß ein durstiger Hirsch nicht also
nach dem Brunnquell trachte / wie ein
Weib nach der Schönheit .
G 4
Die
✾ (104) ✾
Die Heilige Schrifft thut diß
falls meine ob zwar etlichen miß
hellige Meinung bestettigen : Ein ar
me Frau / dero Mann kurtz vorher
den gebührenden Lebens=Zinß abge
legt / vnd in GOTT entschlaffen /
wurde von ihren Schuldnern immer
hefftig zur Bezahlung angestrengt /
so gar daß ihre zwey Söhn den Ab
gang deß Gelds mit harter Dienst
barkeit ersetzen sollten : Jn der War
heit ein Wittib vnd ein Barth haben
ein Arth / Barba cum Barbara : So
lang ein Barth an dem Mann hafftet /
so lang wird ihme alle Höffligkeit er
wisen / geschichts / daß der Barbier sol
chen mit dem Messer abschneid / als
dann wirfft man ihn auff die Erd vnd
wird mit Füssen getretten : Wie lang
ein Frau ihren lieben Mann hat / so
lang gniest sie allerseits Gunst vnnd
günstige Augen / so bald der Todt
aber solchen mit seiner Sensen hinweg
zuckt / alßdann tritt man die arme
Wittib ✾ (105) ✾
Wittib mit Füssen / vnd wer weiß ; ob
nicht auch die jetzige Ruthen zu Wien̅
hab GOtt eingewaicht in den Thre
nen der Wittib vnd Waysen ? Als nun
gedachte Matron ihres Kummers
kein Außgang ersinnen kunte / fallt
ihr endlich ein die guthhertzige Bekant
schafft deß Propheten Elisæi , dem sie
dann ihr Elend gantz vmbständig be
richt / mit nassen Augen / Elisæus last
sich bald erweichen von solchen Wit
tib Threnen / fragt was sie dann im
Hause habe : Gedencke jemand vmb
Gottes willen ! Sie antworth / nihil ,
nisi parum olei quo vngar , ich hab
nichts im Hauß als ein wenig Oehl /
darmit ich mich salbe / ey so salb ! Ge
denckt wunder / in der äusserste̅ Armuth
hat sie sich noch beflissen / daß ob sie
schon war ein arme Hauth / noch möcht
seyn ein schöne Hauth ! Die Schönheit
mit einem Worth ist das einige Be
gnügen deß weiblichen Geschlechts .
Was lange Höltzer / was kur
G 5 tze ✾ (106) ✾
kurtze tze Höltzer / was grosse Höltzer /
was kleine Höltzer / was dicke Höl
tzer / was schmale Höltzer / was run
de Höltzer / was eckete Höltzer / was
gerade Höltzer / was krumpe Höltzer
hat man nicht braucht zu bauen den
Thurn Babel ? Wie viel grosse Stein /
wie viel kleine Stein / wie viel runde
Stein / wie viel gevierte Stein / wie
viel rauche Stein / wie viel glatte
Stein / wie viel weisse Stein / wie viel
rothe Stein / wie viel gemeine Stein /
wie viel Marmelstein / waren nicht
vonnöthen zu dem Bau vnd Zier deß
Thurn Babel ? fast gleiche Beschaf
fenheit ereignet sich mit der Baberl /
wie mit dem Babel / was taffete̅ Zeug /
was sameten Zeug / was glatten Zeug
was geblümbten Zeug / was frischen
Zeug / was schmalen Zeug / was breit
ten Zeug / braucht dise nicht ? welcher
Zeug einen warhafften Zeugen abgibt /
was nicht kost ein Baberl ? vnd ge
reicht alles dises zu keinem andern
Zihl ✾ (107) ✾
Zihl / als schön seyn / schön geheissen
seyn / schön genennt seyn : Da fallt mir
ein was wunderlichs / so sich mit etliche̅
jungen Töchtern zutragen / dise wa
scheten auff ein Zeit bey einem klar
rauschenden Bach / mit einem gar vn
manirlichen Auffputz / wie bey gleicher
Begebenheit pflegt zu geschehen / ihre
Arm waren biß über die Ellenbogen
entblöst / vmb den Halß hüpsch schleu
derisch wie ein Tantler=Butten / die
Kittel so hoch auffgeschürtzt / daß ei
nem hätte mögen einfallen / sie wolten
durch den Fluß Jordan waden / mit
einem Wort / sie waren in allem mit
3 . F / deren gesambten Wäscherin Ge
brauch nach gezeichnet / nemblich /
frech / frisch / frey . Nun hat es sich
begeben / daß ohngefehr allda seinen
Weeg vorbey genommen / der von
grosser Heiligkeit berühmte Mann
Jacobus Nisibitanus , den da fremb
der Bekleydung vnd demütigen Auff
zugs halber dise Naßkittel maulaffent
ange= ✾ (108) ✾
angeschaut / vnd nicht allein wie es die
liebe Erbarkeit erheischte / ihre Röck
nicht hinunter gelassen / sondern noch
darüber den Heil . Mann außgelacht /
vnnd wer weiß / was vngewaschene
Mäuler dise Wäscherin angehängt /
der Heil . Mann solche Frechheit zu
rechnen / erhalt vom Himmel geschwind
dise Gnad / daß der fliessende Bach
vrplötzlich außgetrucknet / vnd damit
auch dero übermütiges Verhalten /
nicht Zoll frey ablauffe / ist durch sein
Gebett geschehen / daß gedachte junge
Töchter wider alles Vermuhten Au
genblicklich Eyß grau worden auff den
Köpffen / es schaut eine die andere an /
erstumbten ins gesambt über solchen
vnverhofften Schimmel vnd Schim
pel / lauffen schnur gerad dem Hauß
zu / vnd erzehlen gantz zitterend wie
ein Laub von der Espen / was ihnen
begegnet ; was in dem fall meistens
zuverwundern / ist dises / daß obbenen̅
te junge alt Mütterl nimmermehr wol
ten ✾ (109) ✾
ten offentlich erscheinen / wegen Ver
lurst ihrer verschwundenen Schönheit /
worauß erhellet / daß schön seyn /
schön heissen / vnd schön bleiben / den
Weibern also angelegen / wie den
Pfauen das Prangen / den Raben das
Fangen / den Schaben das Hangen /
auch im Fall ihnen die Natur in einem
oder dem andern mißgönnet / oder von
dem lauffenden Alter das glatte Fell
in ein rauches Hackbrettl verwend
wird / so müssen kurtzumb anderwerts
entlehnte Farben daß geraspelte Ge
sicht vergletten / wie auch die theur er
kauffte Anstrich / vnd Falten=Popo
litanischer Firneyßluckenbüsser abge
ben / welche die alte Jahr Mirakel
weiß / oder besser geredt Makelweiß /
wie die Sonnen=Uhr deß Achab zu
ruck ziehen sollen / dafern aber dises
Schmieren vnd Zieren / nicht vil wir
cket / so muß der arme Spiegel diser
gläserne Richter für ein Lugner gehal
ten werden / vnnd wird er Spiegel
in ✾ (110) ✾
in einem Annagramatismo oder Buch
staben Wechsel für ein Gispel gespöt
telt . Zu was aber ihr üppige Welt=
Docken / dient solcher euer vnmässiger
Auffputz vnd angemasste Schönheit ?
Jst nicht wahr ? damit man euch nur
solle loben / lieben / vnd mit Centner
schweren Respect en laben / dann euch
gar wohl bewust ist / daß die Schön
heit ein Angel / ein Engel / ein Ag
stein / ein Eckstein / ein Brunn / ein
Brunst / ein Wiesen / ein Waasen / ein
Bach / ein Pech / ein Taffel / ein Teuf
fel : Ein Teuffel / von dem sich ein jeder
gern lasst holen / ein Taffel / bey der
ein jeder gern thut schmarotzen / ein
Pech / an dem ein jeder wil kleppen / ein
Bach in dem sich ein jeder wil baden /
ein Waasen / auff dem ein jeder wil gra
sen / ein Wiesen die ein jeder wil mähen /
ein Brunst / bey der sich ein jeder wil
wärmen / ein Brunn / auß dem ein jeder
wil trincken / ein Engel / von dem sich
ein ✾ (111) ✾
ein jeder gern lasst laithen / ein Angel /
von dem sich ein jeder gern last fangen .
Samson derselbe starcke Held / der
mit höchster Verwunderung gantze
schwere Stattporten getragen / ist end
lich von einer stattlichen scilicet Port
nerin überwunden worden / derselbe /
so mit dem Eselskinbacken / zu Boden
geschlagen etliche gewaffnete Compa
gnien / ist von einer schlimmen Com
pagnin überwunden worden / dersel
be / so die fruchtbahre Philisteische
Traydt=Felder mit bren̅enden Fuchs
schwaiffen in Aschen gelegt / ist von ei
nem losen Schlepsack entzündt wor
den / derselbe / so mit seiner allbekanten
Stärcke Löwen vnd wilde Thier zer
rissen / ist von einer wilden Diern über
wunden worden / derselbe / der von
GOtt ein vngewöhnliche Stärcke in
den Haaren erhalten / hat durch Anlei
tung seiner Liebsten nit ein Haar vmb
sein Gewissen gefragt / wer ist dann
Ursach alles dises ? Frag nicht lang /
die ✾ (112) ✾
die vorgebildte Schönheit der Dalile .
David ein Mann nach allem
Wuntsch / welcher ob schon klein von
Leibs=Statur , hatte doch eine ab
sonderliche Großmühtigkeit in dem
Hertzen / vnd wie es von rechtswegen
sich geziemet / daß wie das Haubt der
Bildnuß Nabuchodonosor von puren
Gold / also ein jedes Oberhaubt gul
dene Sitten an sich zeigen solle / welche
man sattsahm kunte abnehmen in
dem Wandl deß Davids ; Zu dem so
hat die günstige Natur kein Frucht
mit der Cron begnadet / als den Gra
natäpffel / welcher inwendig nichts als
rothe Hertzel in der Schoß traget /
als solle es ein Lehr sein dem jenigen /
so gekrönt / nichts als hertzig vnnd
hertzhafft sich erzeigen / welches alles
in disem Jsraelitischen Fürsten ansehe
lich erhellete ; vnd wann auch darumb
von den Bäumen in göttlicher Schrifft
die Dorn=Stauden zur Cron erkiesen
worden / vmb willen selbe in den ge
schärpfften ✾ (113) ✾
schärpfften Dörnern die ernsthaffte
Justitz vorbildet / so find man eben
messiges Lob bey dem König David /
als welcher Degen / vnd Seegen in gleichem Gewicht vnter seinen Unter
gebenen spüren liesse ; gewiß ist es / daß
diser einen solchen vnversehrten Tu
gend=Spiegel abgeben / worein allen
gekrönten Monarchen zuschauen / kei
ner mißrathen wird / vnd dannoch ist
diser schöne Cederbaum wurmstichig
worden / vnd dannoch ist dise grosse
Welt=Saulen gefallen / einen Ehe
bruch mit dem Todtschlag verdoppelt .
Wer ist Ursach alles dises gewest ?
frag nicht lang / die Schönheit der
Bethsabee : Von wem ware Holofer
nes verblent ? Von wem ware Am
mon Amnon verwent ? Von wem ware Abi
melech gebrent ? Der erste von der
Schönheit der züchtigen Judith / der
ander von der Schönheit der vnzüch
tigen Thamar / der dritte von der
Schönheit der keuschen Sara . Daß
Jacob vierzehen Sommer grosse Hitz
H gelitten ✾ (114) ✾
gelitten / vierzehen Winter starcke
Kälten empfunden vmb der Ra
hel Schönheit willen / veranlasst
mich zu einer Verwunderung / daß
aber Anno 1567 . Ericus König in
Schweden sich mit einer Schergens
Tochter vermählet / ihrer Schönheit
halber / vnd also seyn Stam̅en=Hauß
dem Stockhauß einverleibt / das brin
get mich gar zum Lachen . O was
Respect hat nicht allerseits die Schön
heit ! so wird dann ohne Zweiffel auch
der Todt deß Respects nicht vergessen .
Es sagt der vnhöflliche vnhöffliche Tod / ich hab
den Respect nicht gelehrnt / ich hab ihn
nicht geübt / ich hab ihn nicht ge
wohnt ; wer Demuth sucht bey dem
Pfauen / wer Auffrichtigkeit sucht bey
dem Fuchs / wer Fastag sucht bey dem
Wolff / der sucht auch bey mir Re
spect , nicht ein Pfund / nicht ein halb
Pfund / nicht ein Vierting / nicht ein
Loth / nicht ein Quintl Respect ist vn
ter meiner Wahr anzutreffen / ich ma
che es wie die vngebertige Lottersbu
ben ✾ (115) ✾
ben bey nächtlicher weil / die nicht al
lein die grobe vnd gemeine Fenster
scheiben einwerffen / sondern auch die
durchsichtige ; also raube ich / höffli
cher geredt / raume ich auß dem Weeg
nicht allein die mostige / rostige / tostige
Kuchel Diern / sondern auch die glatte
Polster=Katzen / vnd ist mir ein Putz
te / wie ein Geschmutzte / acht auch den
Unterscheid nicht deß Saalbisems
oder Stallbisems . Mir ist gleich ein
Sabina oder Christina / mir gilt
gleich ein Monica oder Veronica / mir
gilt gleich ein Anna oder Susanna /
mir gilt gleich ein Brigitta oder
Margaritha / mir gilt gleich ein
Lampel oder Trampel / ohne Respect ,
wer es nicht glauben wil / befüg sich
nacher Wienn / vnd nehme allda auß
führlichen Bericht ein .
Nicht allein vngeformbte Gesichter /
Csopische Æsopische Larven / schroffige Mißge
burthen der Natur / seynd zu Wienn in
die Gruben vnnd Gräber geworffen
H 2 wor= ✾ (116) ✾
worden / sondern auch schöne Gestalte̅ /
wegen deren mancher ohnbehutsahmer
zu einen Götzen Diener worden ; als
man in allen Gassen die Todten=Wä
gen hat angetroffen / ist gar offt zusehen
gewesen / wie die Taffete Röck herab
floderten / wie die seidene Schlayrl
hinauß hangten / wie die verbandlir
te Har=Zirathen gezett wurden / vnd
weil die Todten=Cörper durch beson
dere Leuth / welche man die Siehknecht
nendte / musten auß den Cammern
zogen werden / also hat gar offt solches
gewissenlose Luder=Gesind alle gegen
wertige kostbahre Kleydungen ent
zuckt / vnd ist die Seiden schon so ge
mein worden / daß mancher solcher
Troßbub die Chatarrische Nasen an
den Taffet gewischt . Es ist zwar nicht
zu laugnen / daß nicht solche tödtliche
Seuch ohne allen Unterscheid habe
grassirt / so hat doch aber mehri
stentheil dises Ubel das weibliche Ge
schlecht verfolgt / auß Ursachen / weil
selbi= ✾ (117) ✾
selbiges der Forcht vnd übermessigen
Einbildungen mehr vnterworffen / dan̅
ja keinem verborgen ist / was Wun
dersachen die grosse Einbildungen
außbrüten . Der Heil . Damascenus
bezeuget / daß zu seiner Zeit eine Frau
seye glücklich genesen vnd Kinds=Mut
ter worden / das Kind aber ware am
gantzen Leib gantz haricht vnd zottet /
als habe ihm der Esau sein rauche
Haut geliehen / ist aber solches von
nichts anders herkommen / als daß
die Mutter die Bildnus deß Heil . Jo
annis mit einer Cameelhaut bekleidter
in der Schlaff=Cammer gehabt / des
sen öffteres Anschauen ihr solche Ein
bildung verursachet .
Sebast . Munsterus lib . 3 . suæ Comogr . Cosmogr.
schreibt / als vnweit von der Chur
fürstlichen Statt Maintz einsmals
zwey Weiber auff der Gassen mit ein
ander redeten / vnd weiß nicht was
für Kuchl Discurs . vnd Pfan̅en=Rath
schläg führeten / ein andere Muthwil
H 3 lige ✾ (118) ✾
lige vnvermerckt hinzu geschlichen / vnd
deren beede Köpff zusammen gestossen /
weil nun eine auß disen groß Leibs
ware / vnd nicht lang hernach nieder
kommen / hat sie zwey Mägdlein ge
bohren / deren beede Köpff biß auff
die Nasen an einander gewachsen / vnd
haben solche in das zehende Jahr ge
lebt / was nicht der Schrocken thut !
Cornel . Gemma lib . 1 . suæ Cosmog . be
theuret / wie daß in Niederland sich
habe ein Frau bey einer guten Gesell
schafft eingefunden / vnd als die Red
gangen von ihren groß schwangern
Leib / habe sie gemelt / wie daß ihre
Rechnung auß seye auff das Fest der
Heil . drey König / welches alle be
wegt / daß sie überlauth gewuntschen /
sie möchte mit drey König erfreuet
werden / darauff sie mit lachenden
Mund widersetzt : Ey GOtt gebs !
vnd weil ihr nachgehends dise Wort
ziemlich in der Gedächtnuß haffteten /
vnd sie zu benannter Zeit nieder kom
men / ✾ (119) ✾
men / hat sie drey Knaben auff die
Welt bracht / deren einer ein gantz
kohlfärbiges Angesicht dem Mohren
gleich hatte / was die Einbildung nit
würcket ! Vor etlichen Jahren als in
einer Reichsstatt spatzirte eines vor
nehmen Burgers seine Frau über den
Marckt / die groß schwanger ware /
thät ein Kayserl . Soldat hinter ihr
ein Schuß auß einer Mußqueten /
dessen die gute Frau sehr erschrocken /
vnd anderst nicht meinte / dann er hab
sie mit der Kugl in die Lenden getrof
fen / als sie nun in gar weniger Zeit
durch Gottes Hülff ihrer weiblichen
Bürde entlediget wird / befindt sich
in den Lenden deß Kinds ein Loch / an
ders nicht formirt / als obs warhafftig
mit einer Mußqueten=Kugel geschos
sen worden were . Ludovic . Hörnik
Quæst . 65 . was der Schrocken vnnd
die allzu grosse Einbildung nicht kan
bey den Weibern ! Wegen solcher ha
ben viel tausend junge Weibsbilder
H 4 allhie ✾ (120) ✾
allhie zu Wienn das Valete von der
Welt genommen : zuweilen geschahe
es / daß eine in ihren Kleyder=Kasten
die Favor Bänder zusammen raumte /
welche sie etwann von disem oder je
nem vergafften Gesellen vmbsonst er
worben / als sie aber das Klapffern
vnd Schottlen eines Wagens ver
nommen / vnd sie der anartige Vor
witz zum Fenster zogen / da ist sie deß
traurigen Todten=Wagens ansichtig
worden / vnd darüber also erbleicht /
daß den Augenblick die Pest an dem
Leib auffgefahren / worüber sie die
neckerfarbe Bandlerey vnd Tandlerey
beyseits gelegt / schwartze Maschen
vmb die Händ gebunden / vnd den
Weeg zum Lazareth / nachgehents
zur Ewigkeit genommen : O wie man
che Eltern thäten offt ihre Gedancken
abmatten / vnnd verkürtzten ihren
Schlaff / in Berathschlagung / wie
sie etwann möchten ihre gewachsene
Töchter nach Wuntsch versorgen / in
dem ✾ (121) ✾
dem sie vielleicht schon an ihnen erblickt
haben / daß sie besondere Maschen am
Rosenkrantz tragen / bey denen offt
mehrer Verdacht als Andacht / vnnd
ist gar nichts neues / daß offt Ellen
lange Bändl zehen Klaffter lange Lie
be nach sich ziehen : O liebe Eltern / ein
gute Nacht / schlafft fein wohl / macht
euch nicht übermessige Phantaseyen
von Heyrath Stifftung eurer Töchter /
es wird sich bald ein prafer Gesell ein
finden / der sie freyen wird / diser ist
der Todt / welcher dann in der War
heit nicht nur hundert / nicht nur tau
send / sondern viel tausend junge Mägd
lein in die Gruben geworffen .
Muß beken̅en / daß bald kein kleiners
Gassel allhier zu Wien̅ / als das Jung
frau Gassel / auß dem aber folgt nit / daß
solche Lilien=Zahl soll gering seyn / son
dern glaublich / daß wir auch mit der
Heil . Ursula sambt ihrer weissen Ar
mee könten zehlen / vnd find man an
noch viel adeliche vnnd vnadeliche
H 5 Töchter ✾ (122) ✾
Töchter / bey denen Zucht vnd Erbar
keit das beste Kleynodt / vnd die sil
ber weisse Ehr der grösste Schatz / nit
weniger viel Erbahre Matronen / die
auch Tugend halber der Römischen
Lucretia nicht viel nachgeben / weil
aber noch wenig Garten seyn gefunden
worden / in denen nicht auch vnnütze
Brennessel seynd auffgewachsen / vnd
haltet auch das beste Weinfaß trübes
Boden=Gleger / so kan mans auch
dem Himmel vorrupffen / daß nicht
lauter gute Engel darin gewesen seyn /
was ist dann Wunder / daß nicht
manche Haubtstatt frey ist / von gar
zu freyen Leuthen ; vnd kan nicht ge
laugnet werden / daß nicht zuchtlose
Schleppsäck vnnd einige verführende
Höll=Zeisel in Wienn anzutreffen ge
west / die aber der embsige Todt mei
sterlich auff die Seiten geraumbt / vnd
ist nur diß zu tauren / daß in einer
Gruben manche Tugendvolle Jung
frau muß auff der Seyten eines sol
chen ✾ (123) ✾
chen geilen Misthammel verfaulen .
Moyses nachdem er von dem Berg
Sinai herab gestiegen / fande nit ohne
absonderliche Gemüths=Bestürtzung /
daß seinem Volck der Würbel in den
Kopff gerathen / in dem dise Mamme
lucken ein guldes Kalb für einen Gott
angebetten / O Ochsenköpff ! wie kans
euch doch einfallen / daß ein Kalb euer
Gott soll seyn / dahero der Eyffer vol
le Mann Gottes alsbald die steinerne
Taffel zertrümmert / vnd auff solche
weiß der erste gewest / der die zehen
Gebott gebrochen / nachgehends das
guldene Kalb gantz zu Aschen verbren̅t ;
Wann ich wäre gegenwärtig gewest /
so hätte ich dem Heil . Mann gantz
glimpffig eingerathen / er wolle diß
guldene Kalb nicht zwar dem Fleisch
hacker / wohl aber dem Müntzmeister
einhändigen / damit er bahres Geld
darauß brackte / worvon den armen
Leuthen könte Beyhülff geleist werden /
es ist ja immer Schad / daß solches
kostbahre ✾ (124) ✾
kostbahres Metall in vnnutzbahren
Aschen solle gelegt werden ; Moyses
aber hatte hierin ein weit anders Auß
sehen / vnnd verbrante darumb dises
guldene Kalb zu Aschen / damit die vn
besonnene Tilltappen sehen sollen / was
sie bethöret haben angebet .
Kombt her ihr Welt=Affen / ihr
Gesichter=Narren / ihr Venus Genos
sen / geht mit mir an vnterschiedliche
Orth zu Wienn / allwo grosse Gru
ben mit vielen tausend Todten=Cör
per angefüllt / schaut ein wenig das je
nige was ihr habt angebett / vor dem
vielfältige Ceremoni geschnitten / dem
ihr habt mehr geschmeichlet / als die
Egyptische Katzen im Brauch haben /
mit dem ihr in die Lustgarten gefahren /
vnd allda in der kühlen Grotta bey
dem klaren Wasser trübes Gewissen /
darvon tragen / die ihr offt mit rothen
Röcken vnd Kleyder versehen / vnnd
darfür das Weisse außgezogen / schaut
die jenige / die euch vmb Schaff vnnd
Schlaff / ✾ (125) ✾
Schlaff / vmb Kuhe vnd Ruhe / vmb
Wissen / vnd Gewissen gebracht / geht
her / schaut recht in die Gruben / darin
viel tausend liegen / dort ligt diselbe / die
dich mit ihren gekrausten Harlocken
gleichsamb verzaubert / jetzt seynd di
selbige Laußstauden nicht mehr von
der Biesemschachtel eingepulvert / son
der vor Rotz vnd Eyter bicken sie zu
sammen wie die erharte Fürneiß Pem
sel / sihe / dort liegt die jenige / die mit
ihren Magnetischen = Augen Magnetischen Augen dein Hertz
gezogen / dero Klarheit du über Dia
mant erhoben / nunmehr stecken selbe
in dem Kopff vertieffter / vnnd seynd
nichts als außgehölte Wurm=Nester /
sihe / weck mit dem Schnuptüchl von
der Nasen / damit du besser könnest se
hen die jenige / dero Rosen in den Wan
gen dich offt zu einem Goldkäffer hatte̅ ;
gehet weiter mit mir / da ist ein andere
Gruben / darin̅en viertausend Mensche̅
nicht anderst liegen / als wie daß das ein
geschla= ✾ (126) ✾
geschlagene Wildpred in dem Faß / mit
dem Unterscheid / daß an stadt deß
Saltz der vngelöschte Kalck / sihe dort
ligt diselbe / dero rothe Leffzen dir über
Zuckercandel gewest / nunmehr hat der
vngelöschte Kalck diselbe Lecker=Bißl
verzehrt / daß anjetzo die Zähn hervor
blecken / wie einem murrenden Hund an
der Ketten ; Kombt herzu / schaut das
jenige / was euch angereitzt / was euch
bezaubert / was euch bethört / was
euch verzuckt / was euch ergetzt / was
euch erfreut / jetzt ist alles ein stincken
de Allabatritta , ein Hauffen Wust /
ein Versamblung Koths / ein Keder
der Würmen / ein graußliches Ei
terwesen / ein Zusammenrottung deß
Unflats / nembt ein einiges Tüchl voll
dises Gestancks / tragts mit euch nach
Hauß / vnd betracht / was das ist
vmb ein solches Pfui / ewig leyden /
ewig / O ewig ! gedencke wie es man
chem solchen stinckenden Gründschüp
pel ✾ (127) ✾
pel vmb das Hertz ist / der in deinen
Armen gelegen vnd nunmehr leydet in
dem Höllischen Pechstrudel . O was
wurde für Buß ergreiffen / ein solche
elende Tröpffin / so ihr noch wurde
ein Außgang gestatt werden / ist aber
vmbsonst / ewig / ewig / ewig / O ewig !
ewig immer / ewig nimmer / nimmer
herauß auff ewig / immer darin auff
ewig .
Jch kan auch nicht vmbgehen / son
dern gleichmessig bekennen / wie daß
der Todt auch den Eyßgrauen Ha
ren nicht verschont habe / vnd ebenfals
nach der Fechhauben griffen / als nach
dem Jungfrau Börtel / vnd also zwi
schen den glatten Gesichtern vnnd
grunzelten Stirnen geringen Unter
scheid spüren lassen / ja so gar auch sie
benzig / achtzig / neunzig / vnd wohl
hundertjährige Mütterl mit solchem
vergifften Pfeil getroffen worden / so
ist auch beynebenst vnlauglich / daß
nicht weit mehrer junge Töchter ha
ben ✾ (128) ✾
ben müssen den Todten=Tantz hupffen .
Es hat Pestilentzen geben wie Fabi
paul Paul de præele lib . 2 . verzeichnet / dar
in allein die Männer vnd keine Weiber
geblieben . Jtem so seynd eine gewest /
wormit allein gewisse Nationen seynd
angesteckt worden / wie dann zu Basel
ein Pestilentz regierte / dardurch al
lein die Schweitzer seynd vmbkom
men / nicht aber die Hispanier / Fran
tzosen vnd Jtalianer / so eben in selber
Statt sich befanden / Philip . Mac .
probl . de pest . Jn den Occidentali
schen Jndie̅ ist ein Geschlecht der Pest /
welche allein die Jndianer auß dem
Weeg raumet / vnd allen andern Völ
ckern verschonet / Alex Trajan : lib . 2 .
d . mor . gal . Jn der Belägerung Bre
da Anno 1627 . als auch die Pest all
da grassirte / seynd allein die Calvini
sten von derselben angefochten wor
den / der anderen fast wenig .
Aber die Pest allhie / so vns dises
Jahr betrangt / hat zwar ihre Zähn
an ✾ (129) ✾
an alle gerieben / doch mehristen Theil
die Weibsbilder vnd ledige Menscher
verfolgt / also daß sieben tausend ledi
ge Menscher allein gezehlet worden /
die alle vom Todt nicht ledig waren /
die Ursach wird von denen Medicis der
grossen Forcht zugemessen / wordurch
in dergleichen Leuthen die Pest leicht
lich gezieglet wird / weil nemblich das
von Forcht vnnd Schrocken ermüte
vnd außgematte Hertz nicht gnugsa
me Kräfften hat dem Gifft zu wider
stehen / wie auch durch die grosse
Forcht vnd Schrocken wird die natür
liche Wärme sehr geschwächt / vnd da
hero die lebhaffte Geister häuffig das
selbe zuerhalten eylen / vnd so etwan̅
dieselbige das geringste von dem Gifft=
Lufft gefangen / thun sie alßbald sol
che böse Qualiteten dem Hertz mit
theilen / vnd verursachen also die Pest ;
O wie viel arme Tröpfinnen auß Be
fehl ihrer Herrschafft / gute Bissel ein
zu kramen / seynd auff den Marckt gan
J gen / ✾ (130) ✾
gen / vnd von dem nechsten Krancken
vnd bleichen Schwefel=Gesicht also
erschrocken / daß sie nachmals die Vi
ctuali en / in dem Korb / die Pest aber
an dem Leib nach Hauß getragen .
Wolte wüntschen / ihr junge Töch
ter / ihr hätt ein solche Forcht vnnd
Schrecken gefast an der Sünd / wie
euch eine die Pest eingejagt / so würd
ihr weit besser bey dem gerechtisten
Richter bestanden seyn / hoffe aber
den gütigsten GOTT / dessen Milde
kein Maß / kein Zihl / kein Zahl / kein
End haltet / werde eure Schwachheit
vnd schlüpfferiger Willen bewegt ha
ben / zu einem Ablaß vnd Verzeihung /
deren du auch liebster Leser mit einem
tröst sie GOtt vnnd Requi
escant in Pace wollest ge
dencken .
Der
✾ (131) ✾
Mortuus est autem & dives
Luc . 16 .
Fort / fort / du reicher Batzen=Gesell /
Mit deiner Müntz vnd Lage ,
Es ist nicht beständig deine Stell /
Du gehörst in mein Pagage ,
Was helffen die Marsupia ,
Und guldene Aucupia ,
Du must doch alls verlassen /
Dann sterben müssen alle Leuth /
Jn dem Spiel gibts nicht passen .
✾ (132) ✾
Der Todt hat nicht allein
zu Wienn viel Arme hinweg ge
raumt / sondern auch den Reichen
nicht verschont .
JSt es dem Samson nicht für
vnguth auffgenommen wor
den / daß er zu mehrer lusti
ger Gemüths Erwegung sei
nen Gästen ein Sinnreiches Rätzel
vortragen / so wird man meines ohn
gezweiffelt auch nicht in Ubel außdeu
ten / wann ich folgends fragen werd /
was ist das ? Es hat keine Füß / vnd
dannoch gehts durch die gantze Welt /
es hat keine Händ / vnnd dannoch
schlagts gantze Kriegsheer / es hat kein
Zung vnd dannoch redts besser / als
Bartolus oder Baldus , es hat keinen
Verstand / vnd dannoch gilts mehr als
alle Weisen / es ist ein Ding / welches
GOtt ✾ (133) ✾
GOtt in dem Nahmen Lateinischen
vnd Teutschen schier gantz ähnlich ist ?
Sag her was ist das ? Beiß mir dise
Nuß auff / dise Geheimbnuß / Gelt du
wirst es errathen ? Gelt es fallt dir ein ?
nichts anderst ist es als Gelt . Dann
wann man von dem Wörtel Gold
nur das L hinweg ruckt / so heisst es
God / vnd in Latein heisst Numen
ein Gott vnd Nummus ein Gelt / wel
che beede dann Nahmens halber ein
rechte Verwandschafft tragen / dahe
ro diser gelbsüchtige Erdstrollen Erdschollen / diser
bleiche Dalcken so weit in seiner Macht
gestiegen / daß die gewissenslose Welt
so wohl O allmächtiges Gold / als
O allmächtiger GOtt seuffzen pflegt .
Wasser her / wans brinnt ! Zu Zei
ten Noe ware die gantze Welt von
dem stinckenden Venus- Feuer ange
zündt / dahero vonnöthen gewest / daß
der gerechte Gott mit dem Wasser deß
J 3 Sündfluß ✾ (134) ✾
Sündfluß die in Ungebühr eingeflam̅
te Welt muste löschen / als nun durch
göttlichen Befelch die wassersüchtigen
Wolcken mit langwürigem Regen den
gantzen Erdboden in ein See verkeh
ret / vnd alles lebendiges ausser der
Archen muste dises strenge Badt auß
trincken / schickt nach geraumer Zeit der
Altvatter Noe als Oberherr dises
schwimmenden Hauß einen Raben /
mit dem Befelch / diser kohlfärbige Cu
rier solle seinen Flug beschleunigen / vnd
nach eingenommenen Augenschein den
gewissen Bericht erstatten / ob der
Sündfluß noch die Wassersucht ha
be / oder die Schwindsucht / der Rab
fliegt auß / vnd weil er vnterwegs ein
Aas / so empor schwim̅ete / thät antref
fen / hat er mit demselbige̅ seinen schwar
tzen Rantzen also überhäuffig ange
schopt / daß er vntüchtig zum fliegen /
auch folgsamb muste ersauffen : gar
recht / auff einen so verbottenen Bissen /
gehört ✾ (135) ✾
gehört ein solcher Trunck / also schickt
Noe einen andern vnd zwar einen vn
schuldigern Bothen auß / nemblich ei
ne Tauben / welche dienstfertiger als
oben gedachtes Raben=Viech / den
Nachricht wolle bringen / diser from
me vnd einfältige Vogel nach kurtzer
Verweilung kehrt wider nach Hauß /
vnnd setzt sich auff die Archen / Noe
streckt seine Hand auß / vnd ergriff sie /
vnd nam sie in die Archen / nach kur
tzer Zeit schickt er sie widerumb auß /
welche dan̅ damahls vnverzüglich zu
ruck kommen / mit einem Oehl=Zweigl
in dem Schnabel / vnd hier meldt die
Heil . Schrifft nichts / daß sie Noe
auch dißmahl habe ergriffen / vnnd in
die Archen genommen / ist also glaub
lich / daß die Tauben daß andere mahl
freywillich in die Archen geflogen ;
Worinnen dan̅ nicht ein geringe Ver
ständnuß verborgen liegt ; Das erste
mahl muste Noe mit Gewalt das
Täublein in die Archen nehmen / das
J 4 ander= ✾ (136) ✾
andermahl fliegt es freymütig selbst
hinein : es ist dise Ursach / das Täubel
hatte das erste mahl nichts / das Täu
bel war ein armer Teuffel / dahero trau
te es sich nicht in die Archen / si nihil
attuleris , ibis Homere foras : daß das an
dermahl hatte es ein Oehl=Zweigl /
Schmieralien / deßwegen es freymütig
hinein geflogen / wohl wissent / daß
demselben Thür vnd Thor offen stehe /
so etwas bringt : Lieber Leser / bemühe
dich ein wenig / vnd verwechsele die
Buchstaben in dem Wörtl Teubel /
alsdann wirst du eigentlich herauß
bringen das Wort Beutel : Kombt
anitzo ein Lächrer / ein Schwindsüch
tiger / ein armer Beutel / wie das
arme Teubel für ein Hauß / vmb
willens ein Gnad zu fischen / vmb ein
Ambt zu buhlen / den doch die Talen
ta vnd natürliche Gaben / würdig
zeigen / den doch Treu vnd Redlichkeit
rühmen / O lieber Gott ! er traut sich
nicht ✾ (137) ✾
nicht hinein / es geht ihm schon vor den
Augen vmb / daß Matth . am letzten /
es kuglet ihm der Korb schon entge
gen / vnd ist der Sthul Stuhl / auff dem er si
tzen soll / noch beym Tischler : Jst aber
der Beutel nicht eytel / sondern voll /
wohl gefüllt / so heisst es auch wohl
gefallt / dann ihme steht aller Paß of
fen / ihm fliegen Klaffter lange Will
kom entgegen / vnd steht das Fiat schon
vnter der Thür / da kaum das Peti
tum hat angeklopfft ; O du allmäch
tiges Gold ! du kanst alles / du ver
magst alles / du heist alles / du halst al
les / du gewinst alles / du überwindest
alles / du zierest alles / du verdeckst
alles / du überwegst alles / alles / alles .
So ich fragen sollt / welches die
angenehmste Farb wäre / wurde mir
vielleicht die Antwort begegnen / die
grüne Farb ? wormit prangte der vn
glückseelige Feigenbaum / deme ver
dienter massen Christus der HErr die
J 5 Jäger ✾ (138) ✾
Jäger Liberey wider alles Vermuthen
außgezogen ; etwann die weisse Farb ?
mit dero schimmerte die glorreiche Be
kleidung Christi auff dem Berg Tha
bor / allwo Petrus sambt seinen zwey
en Cammeraten ein kleinen Bissen
der himmlischen Ergetzligkeit gekost
hat ; etwann die rothe Farb ? mit
welcher gantz gähling überzogen
worden / das keusche Angesicht Su
sannæ / als sie die zwey alte / aber nit
kalte Bößwicht in dem Garten fre
ventlich angetast ; etwan die schwartze
Farb ? so sichtbahr war in jenem Ra
ben / welcher dem Propheten Eliæ
ein Proviant=Meister wider Willen
abgeben : Nein / nein / du hast es nicht
errathen / Goldfarb ist die schönste /
wer mit solcher angestrichen ist / der
gefallt jedermänniglich / vnnd schiest
keine weniger ab als dise / Goldfarb
hat bey der bethörte̅ Welt den Vorzug
vor der weissen / vnnd möcht jemand
noch ✾ (139) ✾
noch so schwartz seyn / so macht ihn die
Goldfarb weiß / verstehe vnschuldig .
Wann ich fragen sollt / welches
das beste Kraut auff Erden / so
wurde ich vielleicht dise Antwort er
halten / das Kraut so da genen̅t wird
Manns=Treu / das Kraut so da
heisst Fünff Finger Kraut . Nein /
nein / du hast es mehrmahl nit getrof
fen : Tausendguldenkraut ist das
beste / dises heilt alle Schaden / dises
curirt alle Wunden / dises hat mehr
Safft vnd Krafft / als aller Apotecker
verschammerirte Büchsen / auß denen
offt einige außwendig mit grosser
Cantzley=Schrifft pochen / vnd seynd
inwendig mit halb geschimbleter Hol
lersalsen anklend ; Tausendgulden
kraut / mit einem Wort ist so heil
samb / daß es auch denselben in gros
sen Ruhm stellet / der sonst ein lauters
Vnkraut . Wann ich fragen sollt /
welcher ✾ (140) ✾
welcher der angenehmste vnd vornem
ste Vogel ? so wurde mir vielleicht mit
solcher Antwort begegnet werden / et
wan der Adler / als welcher ein Kö
nig vnd Oberhaubt deß gantzen gefi
derten vnd geflügleten Geschlechts / der
auch mit vnverwendten Augen das
strahlende Sonnen=Liecht im̅erzu an
blickt / vnd in Anschauung diser Him
mels=Fackel sein einige Ergetzlichkeit
fühlet ; als seyn jene gar schlecht ade
lich / dero Sinn vnd Gewinn wenig
nach dem Himmel zielet ? etwan der
Vogel Phönix / welcher mit verwun
derlicher Curachi sich freymütig auff
den klein brennenden Scheiterhauffen
setzet / jedoch mit mercklichem Vor
theil / weil auß dessen Aschen ein neuer
Phönix hervor stammet / diser Vogel
kan füglich alle Christen behertzter ma
chen / daß sie ob dem Todt wan̅ schon
erbleichen / wenigist nicht sollen er
schrecken / zumahl der entzogne Leib
am Jüngsten Tag in allgemeiner Auff
erste= ✾ (141) ✾
erstehung wider erstattet wird . Et
wan die Tauben ist der angenembste
Vogel ? weilen diser vor all andern
mit dem Titul der Unschuld pranget /
vnd so er an der Sonnen steht / wird
man an dem Halß gleichsamb ein Co
pey von einem vielfärbigen Regenbo
gen abnehmen / der eine Deutung gibt /
daß freylich nichts schöners seye / als
wann jemand in den Strahlen der
göttlichen Sonnen / will sagen in den
Gnaden Gottes stehet ; du hast es
dannoch nicht errathen / weder die
Tauben / weder der Phönix / weder
der Adler ist der schönste vnd ange
nembste Vogel / sondern der Habich ;
Habich singt bey der Zeit zum lieb
lichsten / der Habich schwingt sich
der Zeit über alle Verdienste / Habich
Geld so Habich alles in der Welt /
der Habich macht auch ein Galgen
Vogel zu einer Tauben / wer den
Habich ✾ (142) ✾
Habich hat / der hat was er haben
will / vnd will was er haben wüntscht
vnd will . O Geld ! du machst offt ein
lähren Topff zu einem gelehrten Kopff /
O Geld ! du verschacherst offt ein Dunst
für ein Kunst .
Die Phariseer / meldet der Evange
list / haben einsmahls ein freches
Weibsbild in den Tempel / allwo
Christus der HErr sich auffhielte / mit
sich geführt / vnd selbige ehelicher Un
treu halber ernstlich angeklagt / mit
Vermeldung / daß sie solche in würck
licher Schand=That ertapt hätten /
weilen das Mosaische Gesatz dise zu
versteinigen ihnen starck auffbünde /
also wolten sie seine Meinung vnd be
dachtsahmes Urthel dißfalls auch ver
nehmen / was er darzu sag ? Der gebe
nedeyte HErr auff solche eingebrachte
Klag / neigt sich vnter sich / vnd schreibt
mit dem Finger auff die Erd ; Nun
forschet ein andächtiger Vorwitz / was
doch ✾ (143) ✾
doch der eigentliche Jnhalt diser
Schrifft seye gewesen / alda antwor
tet der Seraphische Bonaventura , weil
Christus der HErr zweymahl auff die
Erd geschrieben / als habe er das erste
mahl dise Worth verfast / qui sine pec
cato est , &c . der ohne Sünd ist / der
hebe zu allererst die Stein auff / vnnd
werffe auff sie ; welches dann die tum
pere Gesellen nicht verstunden / oder
nicht verstehen wolten / deßwegen der
HErr zum andertenmahl auff die Erd
geschrieben / vnd solche wunderliche
Charactern vnd Schrifft auffgesetzt /
auß dero ein jeder alle sein lebenlang
begangene Sünde vnd saubere Stü
ckel als auß einem lebendigen Beicht
spiegel könte ersehen / welches ihnen
also in die Nasen gerochen / vnd solchen
Purper in den Wangen gewürckt / daß
einer nach dem andern schamroth oh
ne weitere Verweilung zum Tempel
hinauß geschlichen .
Vielen thut es nicht vnfüglich
frembd ✾ (144) ✾
frembd geduncken / warumb Christus
der HErr allhier nicht die genaue Ju
stiz wegen deß verübten Ehebruchs in
Obacht genommen / vnd solche wohl
Doctorirte Leuth zu Vollziehung
der gebührenden Straff ermahnt / auch
etwan sie wegen eyffriger Obsicht ihrer
Satzung gelobt ? hat sich wohl loben !
Ertz=Schalck / Ertz=Bößwicht /
Ertz r c. seynd sie gewest / indem sie ein
Weib vorgestellt / welche sie im Ehe
bruch ertapt / wie es dann der War
heit gemeß ist / wo haben sie dann den
Ehebrecher gelassen / wo ? wann sie
ertapt worden / folgt nothwendiger
Weiß / daß er auch muß seyn in die
Händ gerathen / wann deme also / wie
geschicht / daß nur das Weib zum Ge
richt zogen worden / vnd er nicht ?
Höre die rechtmessige Vrsach / das
Weib ware ein arme Haut / ein dürff
tige Lappin / hatt nichts zu spendiren /
er aber ware ein reicher Vogel / hat sich
wissen mit guldener Erkantnuß einzu
stellen / ✾ (145) ✾
stellen / dahero solcher Gestalten sich
aller fernerer Vngelegenheit außge
schraufft mit dem verruchten Mam
mon oder Geld : Also vermag das
Geld alles / das Geld macht auß den
Richtern / richtige Gesellen / das Geld
macht auß Treu / treulose Leuth / das
Geld macht auß Feinden Freund / auß
Freunden Feind / das Gelt kan alles /
wer guldene Flügel hat der fliegt zum
Höchsten / wer einen guldenen Schlüs
sel hat / sperrt alles auff / auch die Her
tzen der Menschen / wer mit guldenen
Kugl schiest / erobert auch die stärckeste
Vestung / wer mit guldenen Angl
fischt / der fangt alles was er wil / wer
ein guldenen Præceptor hat / der wird
der Gelehrteste / Pecuniæ obediunt
omnia , O allmächtiges Gold / dir
geschicht die gröste Ehr .
Jenem silber Geld / so vor Zeiten in der
Statt Hamburg ist gebrackt worden /
ins gemein ein Reichsthaler genannt /
wird absonderliche Ehr erwiesen in
K dem ✾ (146) ✾
dem Collegio der Soc . Jesu zu Vilnæ ,
ist aber dessen ein erhebliche Ursach / dan̅
dises Geld führet auff einer Seiten
folgende Brackschrifft : Moneta nova
Civitatis Hamburgensis : Neue Müntz
der Statt Hamburg : Auff der ander
Seiten zeigt sich die Bildnuß der seeli
gisten Mutter Gottes mit beygefügten
Worten : Fiat mihi secundum Verbum
tuu̅ : Mir geschehe nach deinem Wort :
eins mahl begab es sich in Gesellschafft
prafer Leuth / welche sich mehr auff die
Sabel als Sabindl verstunden / daß
einer sich rühmte / er könne mit seinem
Sabel einen Reichsthaler auff dem
Tisch mitten entzweyen ; Worauff die
Prob zusehen / der nechste Mitgspan
ein Thaler auff den Tisch gelegt / ohn
wissend / daß dise ein alte Hamburgische
Müntz wäre / mit obengedachter Ma
ria Bildnuß ; Andreas Kaliszevv
schy , also war sein Nahm / zieht von
Leder / vnd führt ein Streich mit vn
gewöhnlicher Stärcke / von dem aber
solches ✾ (147) ✾
solches Geld nicht allein vnverwunt
verblieben / sondern noch Trutzweiß in
die Höhe gehupfft / vnd was solches
Wunder vergrössert / haueten noch an
dere mit gleichen Kräfften zum öfftern
mahl / in benennte Müntz / so gar
daß einem der Sabel zu Trümmern
gangen ; vnnatürlich dunckte alle dise
Geschicht / deßwegen solches halßstär
riges Gelt / wie sie es nennten / gantz
genau besichtiget / vnd nicht ohne män
niglicher Bestürtzung gefunden / daß
solches Wunder gewürckt habe die sil
berne Bildnuß der guldenen Mutter
Maria / derentwegen dann geschehen /
daß solcher Reichsthaler wegen seines
wunderthätigen Gnaden=Bild noch
offentlich heutigs Tags nit ohne häuf
figer Gnaden=Spendt verehret wird .
Nicht allein geniesst dises Gelt
so grosse Ehr / welche dann gar löblich
vnd von keiner ketzerischen Schnader=
Zungen zu schimpffen / sondern alles
Geld wird verehret in der Welt / das
K 2 Gelt ✾ (148) ✾
Gelt gilt / es gilt das Gelt alles in
der Welt ; O du mächtiges Gelt ! ist
dann ein Stärcke die du nicht schwä
chen / ist dann ein Schwachheit die du
nicht stärcken kanst ? Es ist keine / es
ist keine ; ist dann ein Unschuld / die du
nicht schuldig / ist dann ein Schuld
die du nicht vnschuldig machen kanst ?
Es ist keine / es ist keine ; ist dann ein
Schand die du nit beschönen : ist dann
ein Schönheit die du nicht schänden
kanst ? Es ist keine / es ist keine ; es ist
kein Stand / wo du nicht Bestandt
hast / es ist kein Port / wo du nicht
Orth hast / es ist kein Wandl wo nicht
Hand vnd Handl hast ? Auro & Ar
gento appetitur Veritas , expugnatur
integritas , Justitia vincitur , Innocen
tia proditur , fidesque violatur .
Euseb . hom . 4 . in Epiph . O was Re
spect halt nicht das Gelt vnd die Rei
che ? Ohne allen Zweiffel wird auch
solcher nicht manglen bey dem Todt ;
Jch / antwort der Todt / diser beinige
wohl ✾ (149) ✾
wohl recht verbeinte Gesell / ich weiß
vmb keinen Respect , ich rühre kein
Gelt an / Arm vnd Reich / gilt mir
gleich / auch ist bey mir Holdselig vnd
Goldselig nicht ein Ding / es mag
das gelbe Metall / gelten viel überall /
so gilt es doch bey mir nichts / ein
Hanß vnd Joannes / ein Fritz vnd ein
Fridericus / ein Balthasar vnnd ein
Hausel / ein Matthias vnd ein Hiesel
ist mir eins / ich nimme alle zusammen /
schlags nieder in Gottes Nahmen vnd
mache ein Allabatritta drauß / das ist
mein Schmauß / wer dem nicht will
Glauben geben / der frag die Wienner
drumb .
Man weiß daß die Pestilentzische
Seuch auch vor Zeiten den Reichen
nicht verschont hat / wie dann Kayser
Claudius sonst in allem ein sieghaffter
Monarch nach zwey jähriger Regie
rung an der Pest gestorben . Cuspin .
Deßgleichen auch Kayser Constan
tinus sonsten Monomachus genannt /
K 3 sambt ✾ (150) ✾
sambt seiner Frau Gemahlin Zoe ist
durch die Pest auffgerieben worden .
Volater lib . 23 .
Jtem Kayser Lotharius ist bey
Trident in einer niedern Bauren Hüt
ten Anno 1138 . müheseelich an der
Pest gestorben . Oth frisin . lib . 7 .
Fridericus Hertzog in Schwaben /
ist mit der mehristen Mannschafft deß
teutschen Kriegsheer durch die Pest
hingericht worden . Sidon . lib . 15 .
Barbara / deß Kaysers Sigmund
hinterlassene Wittib / ein sauberer Höll
brocken / ist an der Pest gestorben / vnd
von den Hussitischen Priestern zu
Prag vnverdienter massen prächtig
zur Erden bestatt worden . Cranz . lib .
12 . Van .
Joannes Zisca ein Tyran in Böh
men / vnd Ertz=Feind der Geistlichen /
der auch sein eigne Haut nach dem
Todt zu einer Trummel verordnet / ist
an der Pest erstickt . Æn . syl . c . 46 .
Hist . Boh .
Ladislaus
✾ (151) ✾
Ladislaus König in Böhmen vnd
Ungarn / ist als ein Bräutigamb zu
Prag in anderthalb Tagen an der
Pest gestorben . Ibi c . 71 .
Alphonsus der eilffte König in
Spanien / ist am Heil . Charfreytag
an der Pest verschieden . Ritius neap .
lib . 3 .
Hippolytus Medices Cardinal / ist
auch an diser Seuch gestorben . Jov .
l . 34 . Weilen dergleichen vornehme
vnd hohe Standts=Persohnen zu
Wienn nicht verblieben / sondern durch
heilsamen Rath sich anderwerts bege
ben / also seynd folgsamb solche der Ge
fahr vnd diser gifftigen Seuch entgan
gen / etliche wenige Cavallier seynd
allhier der Statt vnd dem Land zu
Nutz vnd Schutz verblieben / jedoch
aber mit äusserster Gefahr / indeme
deroselben Bediente auch ihnen von
der Seiten durch die Pest seynd
hingerissen worden / vnd so fern der
allerhöchste GOtt nicht hätte abson
K 4 derliche ✾ (152) ✾
derliche Schutzhaltung geleist / vmb
weil die Statt sonst gar trostloß in Be
stürtzung gerathen wäre / hätte ohne
Zweiffel auch der Todt solche hohe
Stammen=Bäumer geschüttelt ; Jm
übrigen hat solche grassi rende Pest den
Sammet so wenig respecti rt / als den
groben Zwilch / vnd ist der Todt so
wohl dem Reichen nachgeschlichen als
dem Armen / vnd weilen allenthalben
mehristen aber vor der Statt viel tau
send Bettgewander / vnd Kleyder / r c.
gelegen / welche zwar neben überhäuf
figen Geschäfften von der embsigen
Obrigkeit bald seynd verbrennt wor
den / also hat es das Ansehen gehabt /
als wann ein Raub=Vogel ein vn
schuldige Tauben ropffet / darvon die
zerstreute Federn hin vnd her auff der
Strassen liegen / man sahe bald da ei
nen Rock / bald da einen Huth / bald
anderwerts zerstreute Leinwath / wor
unter nicht nur lauter gemeine Kotzen /
zottete Tagwercker Decken / schmutzi
ge ✾ (153) ✾
ge Schlosserschürtz anzutreffen / son
dern auch schöne mit kostbahren Spi
tzen gebrambte Bettgewander / taffete
Polster / vnd edler Haußrath / auch
hat man auff dem Weeg nach dem La
zareth zum öfftern verwühlte Paro
cken gefunden / worauß wohl abzuneh
men war / daß der Todt nicht ein Haar
frage nach dem Reichen .
Ein mancher armer Tropff / der von
solchem Ubel angesteckt worden / wei
len ihme deß Galeni Wissenschafft nicht
bekan̅t / curirte sich zu weilen mit so ge
ringen Medicamen ten / die ihme vmb
sonst zu handen kommen / da vnterdes
sen den Reichen der distilir te Bezowar
nicht könte vom Todt erretten / vnnd
wann schon mit deß Paracelsi Hauß
rath / Tisch vnd Taffel bedeckt ware /
so muste dannoch mancher Reiche we
gen gar zu starcken Gifft die Hauth
lassen .
Das heicklich seyn ist sonst dem Rei
chen ziemlich angewachsen / vnd ist der
K 5 gering= ✾ (154) ✾
geringste üble Geruch ihrer zarten Na
sen ein Marter / auch muß an Bisam
vnd Balsam nie kein Abgang seyn /
damit nur der safftige Schmecker nicht
beleidiget werde / aber bey diser Pest=
Zeit ware auch dem Reichen der üble
Geruch nicht zu wieder / sondern in
Meinung / daß deß Bocks=Geruch ein
bequemes Mittel wieder das Pesti
lentzige Gifft seye / ware in manchem
reichem Hauß dem Bock alle Zimmer
außzugehen erlaubt / vnd dörffte sol
cher gastige Gast zu manchem Tisch
tuch schnubtzen / deme sonst zu einer
andern Zeit ein truckner Willkom die
Thür gezeigt hätt / aber was thut man
nicht / vmb Erhaltung deß Lebens .
Jn den vnteren Schulen / so ein
Knab vnbehutsamb wieder die Regel
der Gramatic schreibet / pflegt man
disen Fehler einen Bock zu nennen /
vnd ist solcher Bock den armen Schu
ler zu keinem Vorthl / sondern wird
offt deßhalben bestrafft ; Ob nun der
Bocks= ✾ (155) ✾
Bocks=Geruch zur Pest=Zeit heilsamb
seye / ist meines Ambts nicht zu entör
tern / vnd glauben wohl etliche auß
Averoe , als seye diser bartige Stincker
zu solcher Zeit nicht gar übel / wann
dem schon also / so ist doch manchem
Reichen der Bock zum geringen Vor
theil gereicht / wie den armen Schuler /
noch hierdurch beim Leben erhalte̅ wor
den ; vnd wolte wüntsche̅ O lieber Gott /
daß ein solcher von dem Bockstall wä
re zu dem ewigen Schaffstall gelanget .
Allhier ist vielen Reichen begegnet /
was sich mit dem Absolon zutragen /
diser Königliche Printz hatte wohl ein
schönes Haubt / aber keine Haubt=
Tugenden an ihme / es waren seine
schöne Haarlocken den geflochtnen
Goldfaden nicht vngleich / wohl recht
nennt man sie Haar=Locken / weil sie
gar offt vnbehutsame Augen pflegen
zu locken / der schöne Absolon tragte
wohl Rosen auff den Wangen / aber
Dörner in dem Gewissen / der wohlge
stalte ✾ (156) ✾
stalte Printz führte wohl Schnee
auff der Stirn / aber Kohlen in dem
Hertzen / vnd gleichte er dißfalls den
Pillulen in der Apotecken / welche
zwar außwendig vergolt / inwendig
aber Pfui wie bitter !
Unter andern Untugenden ware
mehristentheil der auffgeblasene Ehr
geitz / von dem er also angesport wor
den / daß er auch suchte Cron vnnd
Scepter seinen gnädigsten Herrn
Vatter dem David hinterlistig zu
rauben ; es phanthasirte der übermü
tige Printz / daß die guldene Cron
möcht weit schöner stehen / auff seinen
goldfarben Haaren / als auff dem
nunmehr kahlen Kopff seines Vat
ters : aber Kinder Untreu gegen den
Eltern / hat noch nie nichts als eignes
Unheil gespunnen ; es kombt die Sach
zum Degen / Absalon lieffert ein
Schlacht / es ware ihme aber das son
sten wanckelmüthige Kriegs=Glück
nicht willfährig / also / daß der junge
Herr ✾ (157) ✾
Herr auß zwingender Noth muste sich
in die Flucht begeben / in dero er vn
gefähr vnter einem Eichbaum durch
sprengt / vnd weiß nicht / ist diser zu
nieder gewest / oder er der Absalon zu
hoch / ich glaube das andere ; wenigst
war er hochmüthig / ist geschehen / daß
er mit den Haarlocken an dem Baum
hangen geblieben / vnd das Maulthier
vnter ihm durchgangen / welches et
wan ein paar Feldwegs geloffen / vnd
von einem Bauren ersehen worden / der
dann die gute Gelegenheit nicht wolte
mißbrauchen / sondern mit einem Bü
schel Heu dises stoltz gezierte Maul
thier zu sich gelockt / ihme den gulde
nen Zaum außgezogen / den mit Gold
vnd Silber gestickten Sattel abge
nommen / die mit Rubin versetzte
Stegreiff außgelöst / die silberne Fuß
sohlen abgezwickt / daß der arme Lang=
Ohr nunmehr muste barfuß gehen .
Es hat ihm diser Bauer die Haut voll
eingelacht / daß er also vnverhoffter
Weiß ✾ (158) ✾
Weiß / zu einer solchen Erbschafft ge
langet / vnd ist ja wunderlich / daß der
Schatz deß Absalons in die Händ ei
nes solchen Feld=Lümmel gerahten ist .
Solche Begebenheiten hat man
auch allhie zu diser Pest=Zeit warge
nommen / dann ein mancher hatte ent
weder durch vätterliche Verlassen
schafft / oder durch silberne Heyrath /
oder durch wohl eintragendes Ambt /
oder durch eigene Embsigkeit / oder
wohl auch durch Partitische Vortheil
grosse Reichthumb zusammen gesam
let / der aber ohngefähr bey diser elen
den Zeit dem Todt in die Schlingen
gangen / auch ihme seine Kinder an
der Seiten hinweg gestorben / weil
nun die rechte Verwandten wegen ob
stehender Gefahr nicht bey handen / ist
geschehen / daß sein Gelt vnd Schatz
in die Händ eines schlechten Menschen
kommen / deme sein Lebtag nicht ge
traumet hat von einem solchen Vogel=
Nest / ja was das saubere Gesind
zu wei= ✾ (159) ✾
zu weilen geübriget / haben die Tod
tentrager vnnd Todtenführer ohne
Scrupel eingesacket / vnd seynd sie zu
weilen zu solchen Geld=Mittel gelan
get / daß sie auff offentlicher Gassen
halbe Händ voll Müntz den Armen
dargereicht / dahero gar offt ein sol
cher berauschter Baur dem Bettler lie
ber war / als ein nüchterer Edelmann .
Hier kan ich es nit lassen / daß ich nit
ein wenig den Geitzigen anschnarche ;
Lieber Leser ich glaub wohl von dir / du
seyest auch ausser deß Zaun deines
Vatters Garten gewest / vnd nicht
wenig die Länder vnnd Provintzen
durchstrichen / sag mir aber / ob du ein
mahl einen lebendigen Gelt Beutel ha
best gesehen / solche Raritet wird dir
hart seyn vnter die Händ gerathen /
sihe aber Matth . 17 . v . 23 . da wird
geschrieben / als der gebeneneyte gebenedeyte HErr
zu Capernaum angelangt sambt sei
nem lieben Apostel Petro / haben sich
gleich die Herrn Einnehmer angemelt
vmb ✾ (160) ✾
vmb den gewöhnlichen Zinßgroschen /
vnd weilen der Seligmacher kein Gelt /
vnd Petrus kein Müntz hatte / also
gab der HErr dem Apostel disen Be
fehl / er solle vnverzüglich den Angel
in das Meer werffen / dem nechsten
Fisch so er fange / in das Maul greif
fen / da werde er Gelt finden / wie es
dann alles nicht anderst erfolgt / vnnd
ware also das Maul deß Fisch ein
lebendiger Gelt Beutel : disem Fisch
seynd nicht vngleich alle Geitzige / dan̅
was haben dise anderst im Maul als
nur das Gelt / sie schnappen nach
Gelt / sie reden allzeit von Gelt / sie
zancken wegen deß Gelts / sie singen
vom Gelt / sie loben das Gelt / sie
trachten nach Gelt / sie seuffzen vmbs
Gelt / sie vergessen das Gelt gar in
Todtbett nicht / wie dann jener ver
ruchte Mensch von dem Jacobus Vi
tria : schreibt / als ihm in seinem Todt
bett der Priester das höchste Altar
Geheimnuß nach Christlichem Brauch
in ✾ (161) ✾
in das Hauß brachte / sagte mit fre
ventlicher Zungen / Herr Pfarrer / was
in dem Kelch ist / verlang ich nicht /
dafern ihr aber begehrt / daß ich soll
auff dero gulden Kelch Gelt leihen /
habt ihr mich vrbietig / über welche
Wort er gleich seinen verdambten
Geist auffgeben . Auß dem sieht man
das Gelt / Gelt / Gelt / deß Geitzi
gen sein einiger Wuntsch in der Welt :
O ihr elende Simpl ! ihr thut schaben
vnd graben / ihr thut schnauffen vnd
lauffen / ihr thut treiben vnd reiben / ihr
thut springen vnnd ringen / ihr thut
thrennen vnd rennen / nur vmbs Gelt /
nur wegen deß Gelts / ihr trinckt nicht
gnug / ihr esset nicht gnug / ihr schlafft
nicht gnug wegen deß Gelts / dahero
stecken euch die Augen im Kopff wie
zwey hole Nußschalen / die Wangen
seynd erbleicht / wie ein alter Perga
menter Lehr=Brieff / die Haar seynd
euch zerstreut / wie ein abgestochnes
Schwalben=Nest / eure Bein seynd
L nur ✾ (162) ✾
nur mit der Hauth überzogen / wie ein
alte Guarnison Trummel / O elende
Narren / disen Fractur Titul gibt
euch der Heyland selbsten : Stulte hac
Nocte repetent Animam tuam . Wan̅
ihr nur halben Theil thät so viel ley
den / wegen GOtt / was ihr außste
het wegen deß schandvollen vnd schad
vollen Mammon / so wurdet ihr in der
Glory etwan gleich sitzen einem Ba
chomio oder Paphnutio , aber ihr
elende Gelt=Schaben / Gelt=Raben
müst sambt aller euer Mühe vnd Ar
beit noch darzu ewig brathen / vnnd
da andere Welt=Bürstel gleichwohl
nach verkosten Lust vnd Gust zur Höl
len schlipffern / müst ihr allhier Hitz
vnd Schwitz übertragen / vnd noch
in jener Welt das vnendliche Wehe
außstehen ; Jhr vernunfftlose Gold=
Käffer / wem samlet ihr ? wem sparet
ihr ? sehet dasselbige Gelt / mit dem
ihr so leicht hättet können den Him
mel einkramen / mit dem ihr hättet
können ✾ (163) ✾
können deß Armen Schoß zu einer
Schatz=Kammer machen / mit dem ihr
hättet können eure Sünd / wie mit ei
nem Schwammen außlöschen / schaut
noch zum letzten mahl an / mit halb
vergläserten Augen dasselbe Gelt /
weßhalben ihr die Gebott Gottes / die
Gebott der Kirchen / die Gebott der
Natur habt überschritten / blintzlet
noch dasselbe Gold an / weßwegen ihr
den Höchsten vnd Nechsten habt be
leydiget / sehet / dasselbe kombt jetzt in
die Händ eines lachenden Erben / ei
nes vnverwandten Dienstbotten / ei
nes weinsüchtigen Siehknecht / vnnd
euer Seel steigt hinunter in das ewige
Feuer / O Ewigkeit .
Ein mancher Reiche hatte schon
längst bey reiffen Verstand vnd voll
kommner Vernunfft sein Testament
vnd letzten Willen gar außführlich
vnd vmbständig verfast / vnter andern
auch darein vermengt / wie daß sein
Leib solle mit gebührendem Leich=
L 2 Pracht / ✾ (164) ✾
Pracht / mit Begleitung vnterschied
lichen Ordens=Männer / mit bren
nenden Kertzen vnd Fackeln / sambt
andern gewöhnlichen Traur=Pomp
zum Grab getragen werden / weilen
aber wohl öffter vnsere Vorhaben den
Krebsgang nehmen / vnd deß Menschen
Will vnd Zihl nit selten im Außgang
stolpern / also hat auch die üble Zeit
manchem Reichen einen Rigl geschos
sen / daß er dißfals zu seinem ge
wüntschten Zweck nicht gelangt / son
dern an stadt seiner Leich=Begängnuß
ist er von vier berauschten Taback=
Brüdern / auß den Zimmer geschleifft
worden / vnnd etwan hinter einem
Zaun / oder vnter einer übel bedeckten
Wagen=Schupffen / oder in einem en
gen Garten=Winckel / wo Schwam
men vnd Schnecken=Gemüß das be
ste Gewächs / eingescharrt / vnd ein
graben worden : laß aber geschehen /
verfaule der Leib auch in einem Gar
ten=Winckel / wann nur die Seel im
Paradeyß ✾ (165) ✾
Paradeyß / zergehe der Madensack
auch vnter einem Felber=Baum / wan̅
nur die Seel lebt bey JEsu / der da
ein Baum ist deß Lebens / laß zu den
Würmen / daß sie auch disen Eiter=
Rantzen verzehren vnter einem Mist
hauffen / wann nur die Seel mit
dem Heil . Job GOTT
anschauet .
L 3
Es
✾ (166) ✾
Et finem habuit Salomon cum Patri
bus suis .
Ecc . 47 .
Jhr hoch= vnd wohlgelehrte Köpff /
Doctores vnd Discipel ,
Jhr seit mir gleich wie andere Geschöpff /
Kombt / singt mit mir den Trippel /
Jch nimb auch sine venia ,
Euere witzige Ingenia ,
Acht weder Buch noch Büchlein /
Dann sterben müssen alle Leuth /
Man wirds euch wohl nicht küchlen .
✾ (167) ✾
Es seynd nit wenig auß der
Gelehrten Zahl zu Wienn in die
allgemeine Todten=Zahl
gerathen .
ALbekant ist es / daß deß Loths
sein Frau durch göttliche
Verhängnuß in ein Saltz=
Seul verkehrt / vmb weil sie
wieder die göttliche Vermahnung zu
ruck geschaut / deßwegen kein Wun
der / daß auch gleichmessig ihr Glück
zu ruck gangen ; daß sie aber gleich in
ein Saltz=Seulen / vnd nicht in ein
Dorn=Hecken / so auch ziemlich spitz
findig / oder in etwas anders verwand
let worden / ist die Ursach / weil kurtz
vorher sie die Englen / welche in
Frembdlings Gestalt ankommen / auß
L 4 Anschaf= ✾ (168) ✾
Anschaffung ihres Herrn gastirte / ih
nen aber / damits solcher Gäst öffterer
Einkehr befreit wäre / weder in noch
ausser der Speisen das Saltz auffge
setzt / ohne welches dann alle Richten
abgeschmack zugeniessen seyn .
Das Saltz ist noch allzeit für ein
Sinnbild der Weißheit vnd Wissen
schafft gehalten worden / wie dann
nicht allein die erste Sillaben in dem
Nahmen deß König Salomon sol
ches weiset / sondern der gebenedeyte
Heyland selbsten wolte seinen Apo
steln den gebührenden Titul zueignen /
sprechend : Vos estis Sal terræ : Jhr
seyd ein Saltz der Erden / als rede er /
ihr seyd gelehrte vnd wohlverständige
Leuth / durch die ich die jrrige Men
schen auff die rechte Bahn zu bringen
gesinnt bin ; gleich wie nun ohne Saltz
ein Speiß / also ohne Wissenschafft
der Mensch abgeschmack ist / welches
Liedl gleichförmig singt der Poet .
Ein
✾ (169) ✾
Ein Stuben ohne Tisch /
Ein Teich ohne Fisch /
Ein Thurn ohne Glocken /
Ein Suppen ohne Brocken /
Ein Schiff ohne Ruder /
Ein Zech ohne Bruder /
Ein Schreiber ohne Feder /
Ein Schuster ohne Leder /
Ein Baur ohne Pflug /
Ein Haffner ohne Krug /
Ein Soldath ohne Gwehr /
Ein Mensch ohne Lehr /
Seynd alle nicht weit her .
Lehr vnnd Wissenschafft seynd in
dem Menschen wie in der Erden das
Gold / in dem gulden Ring der Edl
gstein / in dem Edlgstein der Glantz .
Jch habe mit absonderlichem Fleiß
die H . Bibel durchblättert / vnd in der
selben gefunden das Wörtl Ackers
mann 36 . mahl / das Wörtl Acker
314 . mahl / das Wörtl Säen 20 .
mahl / das Wörtl Wachsen 500 .
L 5 mahl / ✾ (170) ✾
mahl / das Wörtl Korn 57 . mahl /
das Wörtl Einschneiden 52 . mahl /
das Wörtl Scheuer 21 . mahl /
das Wörtl Treschen 15 . mahl / das
Wörtl Heu 48 . mahl / aber das
Wörtl Stroh nur ein einiges mahl /
vnnd zwar nicht mit absonderlichen
Lob / weil die Rachel darauff gesessen /
als sie die guldene Götzen=Bilder ih
ren Vatter Laban verborgen ; weil
dan̅ kaum einmahl das Wörtl Stroh
in göttlicher Schrifft anzutreffen /
darff ich schier muthmassen / daß selbi
ges sehr für verächtlich gehalten seye .
So geringfügig nun ein Stroh / also
soll auch ein plumper vnd tumper
Strohkopff geschätzt werden / indeme
derselbe nur Seel halber das Contra
fee eines Menschen führet / im übrigen
den Vernunfftlosen Thieren nicht vn
gleich scheinet . Dahero gar wohl
der weise Socrates geredt hat / als er
einen ✾ (171) ✾
einen Reichen aber vngelehrten Mon
sieur mit Goldgestickten Kleydern sa
he daher prangen / hic Equus est pul
chrè ornatus : Erasm . lit . lib. 8 . appoph . apoph.
Dises Pferd ist wohl auffgezaumbt /
vermeinte daß ohne Wissenschafft ein
Paul vnd ein Gaul nicht gar vn
gleich einander / außgenommen / daß
einer Haber isset / der ander ein Ha
ber Narr ist .
Der Herrn Medicorum heilsahme
Außsag / muthet dem Obst nit gar viel
guts zu / sprechend / daß solche Baum=
Frücht der menschlichen Gesundheit
höchstschädlich seye / vnnd wegen der
Bäum manches junges Zweigl wil sa
gen junge Leuth ob solchem vnverdäu
lichen Confect zu Grund gehen / gesetzt
aber / es ist jemand der auß vnmessigen
Appetit Oepffel isset / damit ein merck
licher Schad vermeidet werde / ist rath
samb / daß man bald darauff Nuß
esse / damit also der Oepffel ihr Crudi
tet ✾ (172) ✾
tet gezüchtiget werde ! abzukürtzen / auff
die Oepffel gehören die Nuß / weil dann
dem göttlichen Gebott zu Schimpff
Adam der erste Vatter / wohl recht vn
ser Stieffvatter verbottnes Obst ges
sen / vnnd hierdurch der gesambten
Menschheit eine gefährliche vnd jedem
bekante Kranckheit angehängt / auff
daß aber solcher Apffel nicht gar den
ewigen Todt zu füge / hat es der Him
mel für gut angesehen / daß Gottes
Sohn sollte hierauff die Nuß essen /
nemblich Kummer=Nuß / Verfolg=
Nuß / Betrüb=Nuß / Gefäng=Nuß /
vnd dergleichen / welche er dann die
erste Nacht / da er von Maria der rei
nesten Jungfrauen gebohren / schon
must kosten / dann ja der guldene Je
sulus wege̅ äusserster Armuth zu Beth
lehem wie ein Bettelkind im Stall
muste logi ren / dessen sonst eigenthum
liches Quartier der schöne Himmel /
dann ja disem liebsten Hertzel wegen
Frost ✾ (173) ✾
Frost vnd Kälte das zartiste Leiberl
zitterte / vnnd es allein die gegen vns
entflambte Lieb in etwas erwärmet /
dann ja dises göttliche Schatzerl mit
keinen andern Auffwarten versehen /
als mit einem Ochs vnd Esel / deme
doch alle Englische Schaaren zu die
nen willkürig stehen : Damit ich aber
mein Vorhaben nicht gar zu weit su
che / ist zu wissen / daß bey diser heylig
sten Kindelbett absonderliche hohe
Geheimbnussen sich ereignen / vnter
andern vermerckt der Heil . Vincenti
us Ferrerius / daß der Ochs seye ge
standen bey dem Haubt deß neuge
gohrnen neugebohrnen Christkindl / der Esel aber
bey den Füssen / durch welches der
göttliche Sohn schon wolte zeigen /
daß die Esel / vnnd wie die gemeine
ohn=Manier pflegt zu reden / die Esel
köpff vnd vngelehrte Tiltappen keines
Weegs sollen über sich erhebt werden /
sondern allzeit beyn Füssen bleiben /
vnd allein die jenige hoch steigen / denen
die ✾ (175 174 ) ✾
die Doctrin vnnd erschöpffte Wissen
schafft die Laiter haltet ;
Der Zeit zwar spüret man zum öff
tern das Widerspiel / vnd zieht mancher
das Längere / der in der Wissenschafft zu
kurtz kom̅en / sitzt mancher beym Bret /
welcher in den Schulen die Eselbanck in
bestand gehabt / es geht mehrmalen her
mit dem Doctor wie mit dem Dotter /
so man zwey Eyer / deren eins voll das
ander lähr / in ein Geschirr voll Wasser
wirfft / so fallt das Volle hinab zum
Boden / das Lähre in welchem kein
Dotter / schwimbt oben ; Nicht vnglei
che Begebenheiten zeigen gar offt / daß
derselbe / welcher gantz lähr im Hirn /
vnd weder Doctor noch Dotter hat /
oben schwimbt / der aber / so viel Er
mel in Schulen zerrissen / muß in sol
cher Metten wieder seinen Willen den
Baß singen / deßwegen kein Wunder /
daß in manchem Land oder Republic
das Glück den Krebsgang nimbt / wo
der Gelehrte vnd Erfahrne weder
Vorgang ✾ (174 175 ) ✾
Vorgang noch Fortgang gewinnet /
vnd ist es ein Elend höchst zu betau
ren / daß zu weilen bey der Welt ge
schicht / was mancher Bauer in seinem
Ruben=Acker verwundert / daß bey den
Ruben das beste vnter sich wachset /
das schlechte über sich / also geschicht
gar offt / daß gute vnd witzige Leuth
vnterdruckt werden / vnd manches Un
kraut in die Höhe steiget / vnnd gilt
auff solche weiß mehr ein Barrabas als
ein Christus / O Elend ! nichts der
gleichen find man bey GOtt / der ih
me vnterschiedliche Thier in dem al
ten Testament zu opffern anbefoh
len / aber nur kein Esel / primogenitum
asini mutabis ove . Exod . 13 . Warumb ?
seynd doch die Esel so gar vnbeschaf
fen nicht ? Der Esel schreibt Jonstonus ,
ist ein Arcadischer Astrologus , der
mit Wendung seiner Ohren künffti
ges Ungewitter weiß zu propheceyen /
nur kein Esel / warumb ? Jst doch auß
allen Thieren diser das Sanfftmütig
ste / ✾ (176) ✾
ste / vnd nimbt keins mit so geringer
Kost verlieb / als dises ? Nur kein Esel /
sondern an stadt dessen ein Lampel
verlangt GOtt zu seinem Opffer / daß
also solchem Verlauth nach alles was
Eselisch ist / bey GOtt nicht viel gilt /
folgsamb auch die Ungelehrte bey ih
me in geringem Ansehen / dann er die
Doctorirte allezeit vorgezogen / vnnd
billich / dann nichts schöners als das
Studium vnd die Wissenschafft ;
Wir wissen auß H . Schrifft / daß
Judith ein starckes Weib / Esther ein
schönes Weib / Mihol ein böß Weib /
Dalila ein arglistiges Weib / Lia ein
schantliches Weib / Raab ein leichtferti
ges Weib / Abigail ein bescheits Weib /
Ruth ein haußlichs Weib / Thamar
ein buhlerisch Weib / Susanna ein keu
sches Weib / Sara ein frommes Weib /
Thematitis Thecuitis ein barmhertziges Weib /
die Königin Saba sonst Candaces ge
nannt ein vorwitziges Weib / dann
nach dem ihr viel Ruhm vnnd Ruff
von ✾ (177) ✾
von der Weißheit deß Königs Salo
mon zu Ohren kommen / konte sie sich
auß Zwang deß gierigen Vorwitz nit
enthalten / sondern begibt sich sambt
einer volckreichen Hoffstadt auff die
weite Reiß / vnd wie Cornelius à Lap .
sambt vielen wil / gar auß Morenland /
mit grossen Gefahren / grossen Unko
sten / vnd grossen Ungelegenheiten / biß
sie endlich zu Jerusalem ankommen /
vnd als sie dort die Weißheit deß Sa
lomons mit höchster Verwunderung
selbsten angehöret / hat es sie nicht al
lein ihrer grossen angewendten Unko
sten nicht gereuet / sondern noch dem
Salomon hundert vnnd zwantzig
Centner pures Gold verehret / so hoch
vnd aber hoch schätzte sie die Weißheit
vnd Wissenschafft .
Was ist schöners als ein Philoso
phi sche Wissenschafft / wo mancher zu
weilen hundert Griff versuchet / ein
verwirte Frag recht zu entörtern / vnd
gleichwohl letztlich mit dem Verstand
M scheit= ✾ (178) ✾
scheittert / aldort ohne Mühe besser
als ein Macedonischer Alexander / löst
solchen Knopff auff der Philosophus .
Warumb ein Mensch der sich über
satt hat angessen / vnd ihme der Leib
wie einem reisenden Handwercks=
Bürstel der Rantzen startzet / doch viel
leichter vnd geringer im Gewicht ist /
als da er nüchter war ? Die Ursach
weiß der Philosophus .
Warumb einem Menschen / der
würcklich gestorben / dannoch Haar
vnd Barth wachst / da doch kein Seel
mehr im Leib ? Die Ursach weiß der
Philosophus .
Warumb ein Holtz / so geschlacht im
Voll=Mond / dem Wurmstich vnter
worffen / vnd selbes / so geworffen im
Neu=Mond / dises nagenden Gasts
befreit ? Die Ursach weiß der Philo
sophus .
Warumb ein Pfann mit Wasser
ober dem Feuer vnter sich am Boden
gantz erkühlet / da doch selbes das
nechste ✾ (179) ✾
nechste beym Feuer / entgegen das obe
re Theil heisser / der doch weiter von
Flammen ? Die Ursach weiß der Phi
losophus .
Warumb ein Brunn in der grö
sten Sommers=Zeit vnd schwölhitzi
gen Hundstagen kälter ist / als mit
ten im Winter / da der rauche Decem
ber allen Bäumern die Haar einpul
vert ? Die Ursach weiß der Philoso
phus .
Warumb derselbe / so sich vnmessig
überweinet / gern für sich / entgegen der
vom Bier vollgetruncken / gemeinig
lich hinter sich fallt ? Die Ursach weiß
der Philosophus .
Warumb ein purpurfarbe Rosen
ihren Geruch vergrössert / wann sie
bey einem übel schmeckenden Knob
lauch wachset ? Die Ursach weiß der
Philosophus .
Tausend dergleichen Wunder Ding
veranlassen manchen Ungelehrten zu
viel vnruhigem Nachsinnen / da vnter
M 2 dessen ✾ (180) ✾
dessen ein Philosophus den stillen Fuß=
Pfaden der Natur nachschleichet / vnd
dero heimliche Würckungen erhaschet .
Der Ursachen halber solche Weise je
derzeit zu grossen Ehren gelangt / vnd
von den Verständigen allen gebüh
renden Respect vnd verdiente Glory
einzogen ;
Was ist schöners als ein Theologi
sche Wissenschafft ? Wie der süsseste
JEsus das zwölffte Jahr erreicht / ist
er sambt seiner liebsten Mutter Maria
vnd Nehr=Vatter Joseph zu Erfül
lung deß allgemeinen Gebotts nacher
Jerusalem gangen / vnd allda in dem
Tempel dem Gottsdienst beygewohnt /
nach Vollendung dessen beede werti
ste Eltern wider nach Hauß geeylet /
vnnd weilen dazumahl das Erbahre
Frauen Volck von den Männern ab
gesöndert gangen / also war die zarte
ste Mutter der Meinung / ihr göttli
cher Knab sey bey der Gemeinschafft
der Männer / entgegen ware Joseph
der ✾ (181) ✾
der Tröstung / sein JESUS seye ein
Reiß=Gspan der Mutter / durch wel
che jrrige Meinung der gebenedeyte
Knab also verlohren / vnd erst nach 3 .
Tagen in dem Tempel zu Jerusalem
mit vnermeßlichem Frolocken mitten
vnter den Doctores vnd Lehrer gefun
den worden ; Nun entstehet ein so wohl
wichtige als witzige Frag / wo doch
vnter solcher Zeit der süsseste Knab sei
ne Lebens=Nahrung genommen ? Et
wan ist er diser Zeit als ein lieber Gast
bey seinen Freunden verharret ? Nichts
wenigers / dann die Freund einem
schmelere Gutthaten erweisen als
Frembde ; Etwan hat er sich dise drey
Tag im Wirthßhauß auffgehalten ?
Das gar nit / vnd da es hätte geschehen
sollen / so wäre er beym weissen Creutz
zu erfragen gewest ; Vieler Lehrer
wohlgegründte Meinung wil es be
haubten / daß die Herrn Doctores zu
Jerusalem sich dergestalten haben ver
liebt in die Lehr dises guldenen Kna
M 3 ben / ✾ (182) ✾
ben / daß einer nach dem andern ihn
zur Taffel gar höfflich eingeladen / vnd
wo er zu Mittag speiste / da muste er
schon versprechen / das Nachtmahl
bey einem andern einzunehmen / sie
könten nicht gnug satt werden an
dem Theologi schen Discurs , den er
führte / dahero sie ihme mit allen er
dencklichen Ehrbeweisungen willfahr
ten ; Dise Rabiner achteten nichts
höhers / wie dan gar billich / als eine
Wissenschafft von göttlichen Dingen .
Wie schön ist es / wann einer weiß / wie
GOtt Vatter von Ewigkeit hero von
sich selbst / Gottes Sohn von dem
Vatter / Gott Heil . Geist von beeden /
wie der Vatter den Sohn gebohren /
vnd doch nit älter als der Sohn / vnd
diser nicht jünger als der Vatter / wie
der Heil . Geist von beeden nicht ge
bohren / sondern spiri rt worden / doch
nicht jünger als die zwey / wie die zwey
eins / vnnd eins in den zweyen ; Wie
schön ist es / wann einer weiß / in wem
die ✾ (183) ✾
die Glory der Seeligen / die Züchti
gung der Verdambten / die Wür
ckung der Sacramenten / die Warheit
deß Glaubens / die Unfehlbarkeit der
Kirchen / die Gutthat der Prædestina
tion , die Ursach der Reprobation , die
Stärcke der Gnad / die Freyheit deß
Willens bestehet / alles dises weiß der
Theologus , deßwegen solche Lehr ein
Jsraelitisches Manna / ein Leyter Ja
cob / ein Cistern zu Bethlehem / ein
Schlingen Davids / sambt ohnzahl
bahren andern Preiß=Titul benamset
wird .
Was ist schöners als ein Rechts=
Gelehrter zu seyn / vnd ein Advoca
ten abgeben / ob schon manche bissige
Wort brauchen / vnnd sich in die
Schneider=Zunfft eintringen / verste
he Ehr abschneider Ehrabschneider / welche den Advo
ca ten mit so wohl haßlichem als has
sendem Schimpff disen warlosen Nach
klang auff bringen / daß sie nemblich
ihre Satzungen vnd Leges können zie
M 4 hen / ✾ (184) ✾
hen / wie die Schuster das Leder / vnd
verhalten sich zwey Advocaten / wie
die Wäscher Diern mit der nassen Lein
wath / eine reibt hin / die ander her / biß
kein Tropffen mehr drin bleibt / also
jene mit ihren widrigen Argumen ten
vnd Documen ten manchen der gestal
ten außreiben / daß ihm der Seckel
staubt / ich widersprich es nicht / daß
nicht auch Gewissens lose Advoca ten
zu finden seyn / welche auß Mißbrauch
der Wissenschafft mit ihrer verschmitz
ten Lehr auß einem Flöh=Huster fein
meisterlich einen Rechtshandl schmie
den / in welchem durch etliche Schalck=
Jahr kein Trumb zu finden / damit sie
nur einem guldenen Amerling die Fe
dern mit Genügen können rupffen /
wie dann jenem der gottseelige Gene
ral der Capuciner / Nahmens P . Mat
thæus wohl gezeigt / als er auß dem
Tischtuch deß Advoca tens das helle
Blut heraußgetruckt / in solcher Menge
daß ✾ (185) ✾
daß ein gantzes Beck darmit angefüllt .
Zu warhaffter Zeugnuß / daß all sein
erworbenes Gelt vnd Guth mit vnge
rechtem Juristen List / ein Blut der Ar
men seye / vnnd folgsamb über ihn
Rach schreye : zu wissen ist aber / daß
eines oder deß andern Privat- Boßheit
vnd geübter Muthwill der wertisten
Juristen- Zahl nichts beymesse / so hab
ich auch noch selten ein Hauß ohne
Winckel / ein Rosen ohne Dörner / ein
Wein ohne Gleger / ein Garten ohne
Unkraut / also ein Standt ohne böse
Wahr gefunden / hat sich doch vnter
den zwölff Aposteln ein Partita=ma
cher finden lassen / seynd doch vnter
den Engeln im Himmel Mammelucken
gezehlt worden / vnd in der Archen Noe
nur acht Persohnen gewest / darunter
gleichwohl ein schlimmer Vocativus ,
der in dem Nominativo Cham heisset /
wie sollen dann gleich alle Juristen zu
Canonici ren seyn ? Jst schon genug /
M 5 daß ✾ (186) ✾
daß dero Lehr dem gemeinen Wandl
höchst nöthig ist .
Der Prophet Elisæus hat allezeit
viel grosse Wunderwerck gewürckt / vn
ter andern ist dises nicht das geringste /
als auff eine Zeit die Kinder der Pro
pheten zu Erhebung ihrer Hütten das
nothwendige Bauholtz bey dem Fluß
Jordan fällten / vnd einem ohngefähr
die Hacken von dem Stihl in das
Wasser gefallen / so hat der wunder
thätige Vatter der Hacken geschwind
einen Stihl gefunden / vnd durch ein
Wunderwerck gemacht / daß selbiges
Eysen wie ein Bimbsen auff dem Was
ser geschwommen : Wann man schon
einem Advocaten den Nahmen eines
Propheten nicht vergönnet / so muß
man gleichwohl bekennen / daß er
ebenfalls weiß schwere Sachen gering
zu machen / vnd wo vieler Hirn vnnd
Stirn nicht weiß zu helffen / da kan
er der Hacken ein Stihl finden .
Jener Daniel der die Löwengruben
zu ✾ (187) ✾
zu einer Lebensgruben hatte / gabe ein
Advocaten ab / dazu mahl / als zwey
alte Kautzen vnd Bößwicht heimblich
einschlichen in dem Garten / allwo
die keusche Susanna bey dem kühlen
den Abends=Lufft zur heissen Som
merszeit sich zu baden begunte in ein
wie Christall strudleten Bachel / vnd
als ihr böses Vorhaben Faßnacht
suchte / nichts aber als Quatember an
troffen / haben sie zu vermantlung ih
rer Freyheit die vnschuldigste Matron
angeben / als seye sie sola cum solo mit
einem vnverschambten Buhler in der
Grüne ertapt / vnd beede Kammer=
Mägd / ihrer Unthat zu Hülff / an
derwerts hingeschickt : O klaffter lan
ge Lugen ! es ist alsobald dem göttlichen
Gebott gemeß das Urthel ergangen /
Susanna solle versteiniget werden :
Wer hat diser Hacken einen Stihl ge
funden / wer ? Wer hat disen Knopff
auffgelöst / wer ? Wer hat der verlas
senen vnnd beklagten Unschuld die
Hand ✾ (188) ✾
Hand gereicht / wer ? Ein Advocat ,
vnd zwar ein Heiliger / Nahmens
Daniel / welcher mit seiner Wohlre
denheit / mit gewichtigen Argumen
ten die verfolgte Ehr der Susannæ
ans Tagliecht gebracht / vnnd alles
Recht behaubtet .
Jm alten Testament hatten die
Weiber einen wunderlichen Trunck /
vnnd ob schon manche keinen Durst
klagte / muste sie dannoch über Wil
len bescheid thun ; Wann ein Mann
wegen deß vnruhigen Eyffer=Geist ei
nen Argwohn hatte / als ob ihme seine
Frau treuloß worden / muste er auß
Befehl Gottes solche zu dem Priester
vor dem Altar führen / welcher dann
ein gewisses vnd mit tausend Fluch ge
mischtes Wasser ihr darreichte zu trin
cken / so sie nun vnschuldig bezüchtigt /
fügte ihr diser Trunck den wenigsten
Schaden nicht zu / dafern sie aber in
der Warheit auff dem Löffel=Marckt
gewest / vnnd ihren Ehegenossen mit
Erken= ✾ (189) ✾
Erkennung eines andern veruntreuet /
ist durch stetes Wunderwerck gesche
hen / daß sie von solchem Wasser also
bald auffgeblähet / vnd einem Böhmi
schen Hopffensack gleich auffgeschwol
len / auch nach vnd nach elendiglich
verfault vnd gestorben . Also hat man
dazumahl fein können auff die Spur
kommen / wer schuldig oder vnschuldig
seye . Mein ! sagt mancher ? Warumb
daß dises nicht mehr geschicht ? Wir
hätten es jetziger Zeit so wohl vonnö
then als damahlen / vnd da auch sol
ches Wasser auff viel Gelt solte stei
gen / wurde man es doch reissend kauf
fen ; Antworte / solches Mirackel seye
nunmehr vnnöthig / weil es die Advo
caten vnd Juristen mit ihrer Lehr er
setzen / als welche mit ihren Citationi
bus , Notationibus , Appellationi
bus , Replicationibus , Contestatio
nibus , Protestationibus , Acceptila
tionibus , Certiorationibus , Confir
mationibus , Connotationibus , &c .
Sonnen= ✾ (190) ✾
Sonnen klar auß einander bringen
vnd tringen / wer schuldig oder vnschul
dig ist : in pandectis seynd 9198 . Le
ges vnd Satzungen / in Codice 4554 .
in Novellis 198 . alle dise suchen sie vnd
versuchen sie / wie sie doch mögen die
Warheit erleutern / die Strittigkeit
beyseits legen / die Unschuld betheu
ren / vnd dem Rechten seinen Lauff
lassen . Und zwar ist dergleichen wür
digsten Männer ein grosse Anzahl :
Ivo ein Heil . Jurist , Godegrandus ein
Heil . Jurist , Theophilus ein Heil .
Jurist , Josias ein Heil . Jurist , Salvius
ein Heil . Jurist , Gordianus ein Heil .
Jurist , Arnulphus ein Heil . Jurist ,
Raymundus ein Heil . Jurist , &c .
Dergleichen ist ein absonderliche grosse
Letaney / so kürtze halber allhier nicht
zusetzen .
Was ist schöners als die Medicin ?
Die Brüder deß Egyptischen Jo
seph prangten nicht ein wenig mit ih
ren Säcken / weilen selbe voller Traydt /
wir ✾ (191) ✾
wir entgegen haben nicht Ursach zu
prallen mit vnsern Säcken / die da
voller Leyd / wil sagen / vnsere Leiber /
was seynd sie anderst / als wüste Ma
densäck / in denen alle Müheseeligkeiten
logi ren / ja solche Säck / an welchen im
mer zuflicken / die Noth erfordert ; Der
menschliche Leib bestehet in zwey hun
dert vnd vier vnd zwantzig Beiner /
etlichen Pfund Fleisch / vnnd wenig
Maß Blut / vnnd ist doch tausend
Seuch vnd vnpäßligkeiten vnterworf
fen ; deß Menschen Gedärm vnd Jn
geweid / so gemeiniglich vierzehen El
len lang / ist also übel beschaffen / daß
dero Futtertuch nicht allein den Au
gen / sondern forderst der Nasen miß
fallet / vnd also der Leib ein Ledernes
Geschirr / worinn nichts als Noth vnd
Koth verborgen / auch seynd die vier
Elementen / auß denen der menschliche
Leib zusammen gewalckt / in einem ste
ten Hader vnd Strittigkeit / wor
von der arme Tropff der Mensch
nichts ✾ (192) ✾
nichts als Aweh vnd Schmertzen er
bet / vnd die Cholerische / Sanguini
sche / Phlegmatische / vnd Melancholi
sche Qualite ten vnnd Artungen der
Natur hunderterley Kranckheiten ei
nem vor die Thür legen / in solcher
Noth wohin ? Wo auß ? Als eben zu
dem Medicum vnd Artzten / der durch
seine anseheliche Wissenschafft vermit
telst der vorgeschriebenen Medicin die
Kranckheiten abwendet / vnd glück
lich die Gesundheit erstattet / welche
ohngezweiffelt das köstlichste in der
Welt : dahero die Frau / von de
ro das Evangelium Registri ert / all
ihr Haab vnd Gut / Hauß vnd Hoff
zu Gelt gemacht / vnnd darmit die
Herrn Doctores so ansehelich besoldet /
daß sie letzlich gar nicht geübriget / al
les vnd alles wegen der Gesundheit /
welche ob schon nicht allzeit / doch zum
öfftersten durch solche hocherfahrne
Medicos erworben wird / deßwegen
billich ihr Lob allenthalben weltkündig
erschallet / ✾ (193) ✾
erschallet / vnnd ein Lucas vnter die
Heilige / ein Galenus vnter die herrli
che / ein Pantaleon vnter die Seelige /
ein Hyppocrates vnter die Glückseeli
ge / ein Esculapius vnter die Lehrrei
che / ein Cosmas vnter die Glorreiche
gezehlt wird / auch wann schon jetziger
Zeit nicht mehr verhanden seind ein
Praxagoras , ein Machaon , ein Poda
lirius , ein Cassius , Calpitanus , Arun
cius , Albutius , Rubrius , durch wel
che die alte Welt gleichsamb mit dem
Todt trutzte / so finden sich annoch
viel / dero Lob in Cederholtz einzu
hauen würdig . Gleich wie nun ein
schlechter Dampff der sunffigen Erden /
welcher durch die Sonnenstrahlen in
die Höhe zogen wird / gar offt in ei
nen hellen vnd schnellen Donner=Keil
wird verwandlet / also begibt es sich
zu offtermahlen / daß auch gemeine
vnd von Strohütten vnnd Strohüe
tern hergeloffene Leuth / wegen gefaster
Wissenschafft vnd Lehr zu hohen Eh
N ren ✾ (194) ✾
ren steigen ; Annaxagoras eines Pet
schierstechers Sohn ist wegen der Do
ctrin zu weltkündigen Ehren kommen ;
Demostenes eines Messerschmieds
Sohn / ist Wissenschafft vnd Lehr hal
ber fast von der Welt angebetten wor
den ; Bion eines Flecksieders Sohn / ist
wegen seiner ansehelichen Scientz von
gekrönten Häubtern besucht worden .
Socrates einer Hebammen Sohn ist
wegen seiner halb göttlichen Wissen
schafft / vor ein Oracul vnd Mirakel
gehalten worden ; solchen Respect ha
ben noch jederzeit genossen alle Gelehr
te / wird also ohne Zweiffel auch der
Todt / wann er schon alle Winckel
durch nascht / den hohen Schulen ver
schonen / vnd seine Sichel in der Ge
lehrten Erndt nicht einsetzen .
Mit was seltzamer Sprach tasten
mich die Lateiner an / so war ich leb /
schwert der Todt / verstehe ich nit latei
nisch / vn̅ weiß dahero nit / was Respect
für ein Thier ist / Respect vnd Despect
liegen ✾ (195) ✾
liegen bey mir in einem Schubladel /
vnd siht eins dem andern gantz gleich ;
Mein Vatter der Teuffel / gar ein ehr
licher Kerl / scilicet , vnd mein Mutter
die Sünd / gar ein feine Frau / scil .
haben mich zu Ersparung der Unko
sten nichts lernen lassen / von dannen
kombts / daß ich so gar mit denen La
teiner nicht weiß vmbzuspringen / es
hat mich zwar der allerhöchste GOtt
selbst vnterricht / so find ich aber daß
meine Studien weit ein andere Arth
in sich haben / dann in meiner Gra
matic ist Mors Generis Communis ,
in meinem Syntax hat das Verbum
Vivo , auff der Welt kein Infinitivum ,
in meiner Dialectica macht man allein
den Syllogismum über Barbara , in
meiner Theologia ist das Stehlen er
laubt / in meiner Jurisprud . ist der
Todtschlag allezeit recht vnd gültig /
in meiner Medi : ist das heilsambste
Recipe , daß man dem Patien ten das
Maul mit Erd zu schoppe / ich / der ich
N 2 dann ✾ (196) ✾
dann alles anderst gestudirt / so hab
ich mit den Gelehrten diser Welt kein
Respect , vnnd mach ihnen folgsamb
kein besonders / sondern nimb Cato
nes , Marones , Platones , Solones ,
Stolones , Biones , Spiones , Zenones ,
vntereinander / übereinander / durch
einander / wer es nicht glauben wil / der
laß sich besser von den Wiennern be
richten .
Es pranget mit der hohen Schul die
Statt Bononien in Wälschland / die
Statt Salmantica in Spanien / die
Statt Lugdon in Franckreich / die
Statt Prag in Böhmen / die Statt
Jngolstatt in Bayern / die Statt
Saltzburg in selbem Land / viel ande
re mehr auff dem teutschen Boden /
aber sonderlich überschätzt sich glor
reich die Haubtstatt Wien̅ in Oester
reich / welche bereits in die dreyhun
dert vnd neunzehen Jahr ein solche be
rühmte Schul zieret / auß welcher biß
hero so viel anseheliche Männer her
vor ✾ (197) ✾
vor gangen / dann weilen der Adler
seine Residenz allhier erkiesen / wolte
nicht weniger auch da die Welt=nutz
bahre Wissenschafft ihren Sitz neh
men . Die Türcken als vnsere schlim
me Nachbahren trachten nicht viel
nach grosser Wissenschafft / sondern
seynd zu Frieden / wann ihre Schulen /
so sie in ihrer Sprach Ochummachi
erlei , den Lehrer aber Hogsialar nen
nen / einen Muder , einen Minestum ,
einen Taursman hervor geben / welche
weiter nichts anders lehrnen / als et
liche Ceremoni schneiden / vnnd die
Blätter zehlen in dem Alcoran : Wir
aber / die wir glauben an Christum /
der mit zwölff Jahren mitten vnter den
Doctores vnd Lehrer gesessen im Tem
pel zu Jerusalem / die wir verehren die
zwölff Apostel / die vier Kirchen=Leh
rer / r c. streben weit eyffriger nach der
Lehr / in Erwegung / daß dieselbe ein
heilsamer Artzt seye / der vielen das
Fell von den Augen ziehet / vnd man
N 3 chem ✾ (198) ✾
chem für ein Fackel in der Finsternuß
dienet / forderist zeigt sich ein grosser
Eyffer zur Wissenschafft allhie zu
Wienn / allwo absonderlich die Ge
lehrte in hohen Ehren seyn / wie dann
die Grammatica das Musa auch vor
dem Dominus setzet .
Aber der vnhöffliche Todt hat nicht
einen geringen Schnitt geführet in vn
sere Gelehrte / vnd ist wohl traurig
zu sehen gewest / wie die Todten=Wa
gen auch bey deß Doctors Hauß still
gestanden / vnd hat man also man
chen Gelehrten zu einem Stallknecht
auffgeladen / wer hät ihm einmahl sol
che Gesellschafft eingebildet ? Julius
Cæsar , Antonius Pius , Hadrianus ,
Carolus Magnus , Albertus Austria
cus , vnd andere hohe Monarchen ha
ben die gelehrte Leuth mit absonderli
chen Privilegi en vnnd Freyheiten be
begnadet begnadet / es hat aber ihnen niemand
die Freyheit vor dem Todt ertheilt /
das haben wir absonderlich da hier zu
Wienn ✾ (199) ✾
Wienn erfahren / indeme wir nicht
ohne Mitleyden wargenommen / daß
ein Gelehrter so wol als ein anderer in
die Gruben geworffen worden / vnnd
die Schrifftgelehrte sambt dem Schiff
gelehrten vnter einer Decken müssen
verfaulen / ja es ist nicht ein Tag vor
bey gangen / an deme nicht ein Stu
dent in der Todten=Zahl ist gefunden
worden / vnd hat dißfals der Todt
gar einen vnmilden Pedellen abgeben .
Ein mancher zehlte mehrer Freund
als die Statt Constantinopel gespitzte
Thurn / vnd hat wohl kein Tag ge
schienen an dem er nicht von solchen
Gästen besucht wurde / im Winter
hatte diser nit von nöthen den Schnee
vor der Thür hinweg zu schaufflen ein
Bahn zu machen / dann die öfftere
Fußpfaden seiner Cammeraden / lassen
den Weeg wohl nit verschneyen / aber
leyder ! tragt mancher solcher nur den
äusserlichen Titl eines Freunds / vnd
ist nicht vngleich dem gefaulten eich
N 4 nen ✾ (200) ✾
nen Holtz / welches nächtlicher Weil
in einem Winckel wie ein Feuer schim
mert / vnd ist doch kein Feuer / es gibt
viel / die sich gute Freund tauffen / vnd
seynd gleich den Gocklhanen auff de
nen Thürnen / welche sich nach dem
Wind kehren / seynd aber meistentheils
nur Tisch=Freund vnd Fisch=Freund .
Es ist ein Trinck=Geschirr in
Oesterreich / dises tragt den Nahmen
Angster / also Angster=Freund gibts
viel / aber Aengsten=Freund gar we
nig / sondern die Welt=Freundschafft
gleichet den Schwalben / welche die
gantze Sommers=Zeit in vnsern Häu
sern ihre Losamenter nehmen / auch
frühe vnd spat ihr Gesang / so vielmehr
ein Schwatzerey ist / vor vnsern Fen
stern hören lassen / so bald aber der
October anklopffet / vnd allgemach
die Kühle herbey nahet / da fliegen sie
vnbegrüster deß Haußwirths hinweg
in andere Länder / vnd lassen nichts
als ✾ (201) ✾
als ein kothiges Nest nach ihnen .
Nicht anderst seynd die Welt=Freund /
welche dich vnauffhörlich lieben vnnd
loben / ja so lang tausenterley lachende
Gesichter / winckende Augen / freund
liche Ja / vrbietige Dienst / Comple
ment volle Händ zeigen / wie lang bey
dir ein guter Wind / wie lang deine
Kisten vnd Kasten voll seynd / vnnd
dich das günstige Glück anlachet / so
bald es aber anfangt kühl herzu gehen /
vnd die Noth bey der Taffel sitzt / die
Armuth das Wammes flicket / die
Trübsahl beym Fenster außschaut / vnd
das Elend deß Thorwartels=Ambt
vertritt / so fliehen dise Freund wie die
Schwalben hinweg / vnd zergehen wie
das Saltz im Wasser vnd verschwin
den / wie der Schatten an der Sonnen=
Uhr / wans Abend ist .
O / wie mancher allhie zu Wien̅ / der
gar offt mit einer gantzen Guarnison
Freund vmbgeben war / als ihn das
Pestilentzische Gifft angegriffen / vnd
N 5 dort ✾ (202) ✾
dort auff seinem Bettl die Awe wieder
holet / konte nicht den Trost haben /
daß ihn ein einiger voriger Freund be
suchte / sondern männiglich tragte an
ihm ein Abscheuen / mit harter Mühe /
daß etwan ein alte Stuben=Reiberin
oder Bettl=Weib / die man vmb das
Gelt geworben / ihn bedienen thäte ;
Da hatte mancher also Verlaßner / die
Gelegenheit mit sich selbst also zu re
den : O ich elender Tropff / mir zeigt
nun jedermänniglich den Rucken / vnd
ist auß so vielen Freund vnd Camme
raden / nicht ein einiger / der mir die ge
ringste Erquickung oder Beyhülff lei
stete / O hätt ich fein / an stadt daß
ich euch so offt mit Unkosten die Mäu
ler außgewaschen / mir die arme Bett
ler auff der Gassen mit Darreichung
eines Allmusen zu Freund gemacht ;
Diselbe trösteten anjetzo mein betrang
tes Hertz / O hätt ich fein / an stadt
daß ich mit euch die Karten gemischt /
vnterdessen in einem andächtigen Bü
chel ✾ (203) ✾
chel gebett / es wäre anjetzo mir eine Er
quickung . O hätt ich / an stadt daß ich
mit euch die guldene Zeit verschwend /
etwan ein Stund meinem GOTT ge
widmet / so empfunde ich jetzt deßhal
ben einen Trost ; O hätt ich an stadt
daß ich mit euch dem langrockenden
Willbret nach gehetzt / mich vnterdes
sen in einen Winckel vnser Lieben
Frauen Loreto Capell begeben / vnnd
allda einen Heil . Rosenkrantz abge
legt / so wäre es mir anjetzo viel ringer
vmb das Hertz ; O hätt ich / an stadt
daß ich ohne Noth mit euch in warme
Bäder gereisst / vnd nur schwärtzer an
der Seel worden / darfür ein General=
Beicht verricht / vnd mein Seel gesäu
bert / wäre es mir der Zeit viel leichter
vmb das Gewissen .
Jch bild mir wohl ein / dergleichen
Noth=Seuffzer haben manche Stu
ben vnd Cammer eingefüllt / dann ge
meiniglich wo viel W W seynd / dort
finden sich viel O O / aber leyder gar
offt ✾ (204) ✾
offt zu spatt ; Doch aber hat sich hier
in der Gelehrte besser trösten können /
vnd sich mit dem allgewaltigen Willen
Gottes gäntzlich vereiniget / solche
zeitliche Straff zur Abbüssung seiner
Sünden der göttlichen Barmhertzig
keit mit geneigtem Hertzen auffgeop
ffert / wie ich dann selbsten einen ge
kennt / der bey diser elenden Zeit mit
gebognen Knyen vor dem Altarl seiner
Schlaff=Cammer gestorben / auch nit
anderst wolte / ob schon mit vnwil
len der Krancken=Warterin / seinen
Geist auffgeben / dahero trifft gar sel
ten zu deß gemeinen Pövels mißgön
nendes Sprichwort : Je gelehrter /
je verkehrter .
Gar offt ein Gelehrter Disputirte
gantz sinnreich / von wem doch solche
Pest herrühre / zumahlen bekant ist /
daß dergleichen Pestilentzische Seuch /
durch die bösen Feind / durch die Ju
den / durch die Todtengraber / auch
durch ✾ (205) ✾
durch die Hexen verursacht worden /
weilen Paracels . tract . de Pesti . 4 . c . 2 .
also schreibt : Die Hexen nehmen ei
nen Spiegel so in Holtz eingefast ist /
legen solchen auff das Wasser eines
grossen Gießbeck / dergestalten / daß
der Spiegel mit dem glantzenden
Theil gegen dem Himmel über sich ge
kehrt liegt / vnd auff solchen Spiegl
legen sie einen Krantz von sinecrusi
montes gemacht / daß der Krantz den
Spiegl vmbgreiffet / vnd weil sie wis
sen / daß der Mond vnd der Mensch
nicht ein wenige Verwandschafft / son
dern gar in vielen Regungen der Leib
mit dem Mond zu schaffen hat / also
vergifften sie durch solchen Zauber=
Krantz den Mond / vnd diser entge
gen wirfft wiederumb das Gifft in den
Spiegl / nach dem nach dem nehmen dise Gabel=
Reuterin ein wachsenes Bildl / lassen
den Glantz deß vergifften Spiegl auff
dasselbige gehen / wordurch alsobald
der Mensch / in dessen Nahmen gedach
tes ✾ (206) ✾
tes Wachs formiert worden / an sei
nen Leib die Pest bekombt / welche aber
vielmehr ein particular Pest / als ein
Infection zu nennen ist .
Ein anderer Gelehrter sin̅te nach / wie
doch so wunderbarlich dises Gifft der
Mensch zu erben pflege / welches mehri
sten Theil durch die Kleidung geschicht .
Anno 1448 1348 . zu Florentz muß ein wun
derliches Gifft gewesen seyn / dann all
da hat man war genommen / daß ei
nes Armen Inficir ten Lumpen seynd
auff die Gassen geworffen worden / dar
über zwey Schwein kommen / welche
nach ihrer Arth dise Fetzen mit ihren
Schnautzen oder Riesseln durch wüh
let / vnd gleich darauff im Kreyß her
umb geloffen / vnd todter nieder ge
fallen . Deßgleichen Anno 1511 . wie
Verona in Wälschland belägert wor
den / vnd die Pest in das teutsche La
ger gerathen / wordurch bey zehen tau
send gestorben seyn / hat man beobacht /
daß fünff vnd zwantzig Teutsche ge
storben ✾ (207) ✾
storben in einem Peltz / dann wann ei
ner gestorben ist / so hat alsobald ein
anderer den Peltz angezogen / so bald
man aber solchen verbrennt / hat gleich
die Pest mercklich abgenommen / Lu
dovic . Hernik . Quæst . 151 . viel hun
dert dergleichen Begebenheiten hat
man auch allhier beobacht / vnd hat es
gar offt geheissen Kleyder / leyder /
ich kan nicht vmbgehen / was sich da
hie zu Wienn ereignet / ein gar wacke
rer vnd gelehrter Mann ist allhier bey
diser Zeit vmb die Statt spatzieren
gangen / vnd als ihme von fern ein ar
mer Bettler vmb ein Allmusen gantz
flehentlich ersuchte / griff er alsobald in
den Sack vmb ein Gelt / dann die gu
te Werck waren bey diser Pest=Zeit sehr
häuffig / deßwegen nicht übel der
Poet sagt .
Die Noth bricht Eysen /
Die Noth macht auch essen grobe
Speisen /
Die
✾ (208) ✾
Die Noth macht auß einem Tho
ren ein Weisen /
Die Noth macht auch GOTT
ehren vnd preisen .
Weil demnach ein so grosse Noth
die Wiennstatt überfallen / also ist
man in der Andacht / vnd guten Wer
cken viel eyffriger gewest ; Dahero ob
gedachter Herr desto hurtiger in Dar
reichung deß Allmusens sich gezeigt /
indem er aber das Gelt auß dem Sack
gezogen / ist ihm vnvermerckt zugleich
ein Brieff entfallen / den da der arme
Mensch auffgehoben / vnd auff vieles
nachschreyen den Herrn widerumb ein
gehändiget / O GOtt ! wer hat ihme
eingebild / daß diser Brieff deß Uriæ
gleich den Todt solte zubringen / wei
len aber der Bettler mit der Pest schon
würcklich inficirt ware / also hat er auch
den Brieff vnbehutsamb mit dem ver
gifften Athem zu einem Ladschreiben
deß Todts gemacht / dann kaum daß
der vnglückseelige Herr den Brieff
empfan= ✾ (209) ✾
empfangen / hat ihn gleich ein Ent
schüttung deß Leibs vnd verenderliche
Hitz angegriffen / vn̅ wie er nach Hauß
kommen / die schon würckliche Pesti
lentz=Zeichen an dem Leib befunden .
Ein mancher Gelehrter brache ihm
schier den Kopff über dergleichen Be
gebenheiten / vnd sihe / als er zum be
sten die Ursach dises subtilen Giffts
nachforschte / vnd von der Pest geredt /
von der Pest gelesen / von der Pest
geschrieben / da ist ihm dise über den
Leib kommen / vnd solches grosse Ubel /
dessen Ursach er müglichst nachgegrün
det / ihn auch vnverhoffter angetast .
Seynd also der Gelehrten nicht wenig
vnter die Erden kommen / vnd abson
derlich der studirenden Jugend ein
ziemliche Anzahl von disem Ubel auff
geraumt worden / vnd ob sich die Herrn
Studenten sonst in allweeg kühn vnd
tapffer erzeigen / vnd so wohl mit der
Klingen als der Feder können vmb
springen / wie sie dann ansehelich vnd
O ritter= ✾ (210) ✾
ritterlich Anno 1545 . zu Pariß in
Franckreich sich verhalten / indem sie
von gedachter Haubt=Statt den
Feind abgetrieben / dero damahlen
Hasenmüthige Bürger zu dem wehr
dich auffgemuntert / vnnd also den
Sieg erhalten ; aber dises Jahr seynd
sie der Sensen deß Todts vnterlegen /
vnd leyder viel die Schul mit der Erd
vertauschet .
Jch kans nicht lassen / daß ich den
Gelehrten nicht auch einen kleinen Zu
satz beyfüge / zumahlen mich darzu
veranlasset das gemeine Sprichwort /
den Gelehrten ist gut predigen /
sagt her ihr Schrifftgelehrte Männer /
die ihr bereits seyd in der Ewigkeit /
als ihr verwichenen September , Octo
ber vnd November , seyd vor Gottes
Richterstuhl erschienen / was Nutzen
hat euch gebracht euer Wissenschafft ?
Es hat mich Gott nicht gefragt /
sagt der Theologus , ob ich alle Arti
ckel ✾ (211) ✾
ckel deß Englischen Lehrers Thomæ
außwendig habe gelernt / sonder ob
ich nach den Artickel deß wahren
Catholischen Glauben habe mein Le
ben angestellt ; Es hat mich Gott nicht
gefragt / sagt der Philosophus , ob ich
wisse die Würckungen vnd Stellun
gen der zwölff Himmels=Zeichen / son
dern ob ich der Lehr der zwölff Apostel
nachkommen ; Es hat mich GOTT
nicht gefragt / sagt der Jurist , ob ich
dem Bartolo sondern ob ich dem Heil .
Bartholomæo habe nachgefolgt / ob
ich deß Baldi , sondern ob ich deß
Heiligen Sebaldi Discipel seye ge
west ! Es hat mich Gott nich nicht gefragt /
sagt der Medicus , ob ich viel Patien ten
habe curi rt / sondern ob ich Patiens
seye gewest / vnd auch etwas seinetwe
gen gelitten ; Es hat mich GOTT
nicht gefragt / sagt der Rethor , ob ich
habe zierlich lernen reden / sondern ob
ich habe recht geredt von einem jeden /
vnd keinen seine Ehr geschmelert ; Es
O 2 hat ✾ (212) ✾
hat mich GOtt nicht gefragt / sagt
der Poet , ob ich hab schöne Reim vnd
Verß gemacht / sondern ob ich habe
nicht vngereimbt gelebt ; Also hat
GOTT nicht geurtheilt über vnser
Wissen / sondern über vnser Gewis
sen / vn̅ ist vns bey Gott dienlicher ge
west / ein Hand voll gute Werck / als
ein gantze Truhen voll Wissenschafft ;
Deßwegen O ihr eytle Welt=Men
schen / thut euch wegen eurer Wissen
schafft nicht auffblähen / sondern ge
dencket / daß derselbe der Gelehrtiste
ist / welcher in der Tugend=Schul ge
studirt hat ; schutzbar / schatzbar / vnd
nutzbar ist wohl ein Wissenschafft /
aber nur diselbe / welche mit der Tu
gend vermählet ist / sonst ist die Scienz
ohne Conscienz , wie ein Pferd ohne
Zahm / ein Spiegel ohne Rahm / ein
Kleyd ohne Bram / vnnd ein Marckt
ohne Kram ; Isidorus in Spanien ist
ein Baur gewest / vnnd sitzt anjetzo
glor= ✾ (213) ✾
glorreich vnter den Außerwöhlten im
Himmel / Plato vnd Cato seynd Do
ctores gewest / vnd brinnen annoch
in der Höll / jetzt laß ich es dei
ner Betrachtung über /
wie ? was ?
O 3
Ein
✾ (214) ✾
Abraham mortuus est .
Joh . 8 . Sepeli
vit Abraham Saram Vxorem suam
Gen . 23 .
Gebunden hin / gebunden her /
Wanns noch so starck seyd bunden /
Jhr Ehleuth habt doch nimmermehr
Vorm Todt ein Kräutl gfunden .
Gedenckt / das nihil stabile ,
Was in der Welt / sed labile ,
Die Ehe muß sich auch enden /
Dann sterben müssen alle Leuth .
Das Gesatz last sich nicht wenden .
✾ (215) ✾
WAnn man einen Raben zu
der Tauben stellt / wan̅ man
ein Lia zu der Rahel setzt /
wann man einen Bauren
dem Edelmann zugesellt / wann man
Zuckercandl mit dem Aloe kostet / so
entdecket sich dero Eigenschafft weit
besser / contraria enim juxta se posita ,
magis elucescunt , dann zwei Wie
drige neben einander geben sich eigent
licher zu erkennen : also auch auß Vor
stellung eines vnglückseeligen vnd vn
friedlichen Ehestands wird desto mehr
eine gute vnd ruheseelige Ehe erwo
gen .
Wie vnser gütigster Gott die Her
lichkeit mit der Beschwerligkeit / den
Him̅el mit dem Getümmel / den Saal
mit dem Stall vertauscht / vn̅ zu Beth
O 4 lehem ✾ (216) ✾
lehem gebohren / da seynd auch neben
andern / 3 . gekrönte König auß Orient
mit grosser Andacht / mit andächtigem
Pracht / mit prächtigem Auffzug / durch
Beyhülff eines Sterns / so die Furier=
Stell vertretten / ansehelich ankom
men / vnd bey dem neugebohrnen Mes
sia vnd göttlichem Kind mit hindan
setzung aller Königlichen Hocheit / auff
die Erde nieder gefallen / nach eyffrig
sten Anbeten / ihme sehr stattliche
Schanckungen allervnterthänigist
überreicht / vnd bestunden obberührte
Præsen ten in Gold / Weyrauch vnd
Myrren ; Der grosse Lehrer Hierony
mus deutet dise drey Gaben auff die
drey Ständ der Catholischen Kirchen /
vnnd könne durch das schimmernde
Gold der Jungfrau=Stand / durch
den wohlriechenden Weyrauch der
Wittib=Stand / durch die heilsame
Myrren der Ehestand abgebildet seyn ;
wann dem also / so rathe ich einem / de
me etwan der Myrren Eigenschafft
vnbe= ✾ (217) ✾
vnbekant / er wolle ein Stückl dersel
ben einer Nuß groß mit den Zähnden
wohl zermalen / nachmahls mir treu
hertzig nicht verhelen / wie sie ihme
schmecke / pfui Teuffel wie bitter ! sagt
er mir / so bitter / daß wann ich mit
dem Samson einen gantzen Tag auß
deß Löwens Rachen das Hönig sollte
schlecken / mir doch kümmerlich dises
Gall=Futter vergehen wurde : Die bit
tere Myrren ist ein Sin̅bild vnd Vor
bild deß Ehestands / forderst deß jeni
gen / welcher da vnfriedlich / vnd folg
samb nichts als bitter bitter ist .
Wann das Weib einen Mann be
kombt / welcher so höfflich / wie dassel
bige Instrument , mit deme der Cain
den Bruder Abel ermort / ist ein Kol
ben gewest .
Wann der Man̅ ein Weib bekombt /
welche so süß auß siehet / wie jener
Kraut=Topff der Propheten Kinder
Mors in olla , ist nichts darinnen ge
O 5 west ✾ (218) ✾
west als Gall bitters Colloquinten=
Kraut .
Wann das Weib einen Mann be
kombt / welcher so fein ist / wie jene
Klingen / mit dero Samson tausend
Philisteer erlegt / ist ein Trumb von
einem Eselkopff gewest .
Wann der Mann ein Weib bekomt /
welche so still schweigend / wie jene
Thierl / so Aaron durch die Ruthen
von denen Egyptischen Wässern ge
lockt / seynd quackigtzte Frösch gewest .
Wann das Weib einen Mann be
kombt / welcher so manirlich ist / wie
jenes Instrument , mit deme der Booz
das Trayd außtroschen / ist ein Fleg : Flegl
gewest .
Wann der Man̅ ein Weib bekombt /
welche so freundlich / wie jene Thier /
so die hönische Außlacher deß Elisæi
gezüchtiget / seynd brum=brum=brum
mende Bären gewest ; O was ist alles
diß nicht für ein Bitterkeit !
Der Prophet Ezechiel hat einen
Wagen ✾ (219) ✾
Wagen gesehen / an dem ein Ochs
vnd ein Löw neben einander gespannt ;
Ungleiche Thier seynd dise gewest / die
Eheleuth werden auch an ein Joch ge
spant / dahero sie Conjuges benamset
werden / aber gar offt auch vngleich /
deßwegen manches mahl dise elende
Mutteten in lauter la – mi – fa – re .
gehört wird / nemblich .
Wil er Saur / so wil ich Süß /
Wil er Mehl / so wil ich Grieß /
Schreyt er Hu / so schrey ich Ha /
Jst er dort / so bin ich da /
Wil er Essen / so wil ich fasten /
Wil er gehen / so wil ich rasten /
Wil er recht / so wil ich linck /
Sagt er Spatz / so sag ich Finck /
Jsset er Suppen / so iß ich Brocken /
Wil er Strümpff / so wil ich Socken /
Sagt er ja / so sag ich nein /
Saufft er Bier / so trinck ich Wein /
Wil er diß / so wil ich das /
Singt er de̅ Alt / so sing ich den Baß /
Steht er auff / so sitz ich nieder /
Schlagt er mich / so kratz ich wieder /
Wil
✾ (220) ✾
Wil er Hy / so wil ich Hott /
Das ist ein Leben / erbarm es Gott .
Jst dann ein solcher Ehestand nicht
ein bittere Myrren ? Wo die zwey zu
sammen sagen / wie ein Speck vnd Ju
den=Magen / wo sie sich zusammen
schicken / wie ein Sichel vnd Messer
schaid / wo ihr Willen weither von ein
ander / als Preßburg vnd Straßburg /
wo die Lieb so inbrünstig ist / daß mans
sicher könt in einen Schaab Stroh
einsperren ; O Bitterkeit ! Der Pro
phet Jonas / nachdem er die eyffrige
Predig in der Statt Ninive vollzogen /
hat sich vnweit darvon auff einen in
etwas erhobenen Bühl begeben / seines
Sinns nach den vnfehlbahren Un
tergang vnnd Verherung desselben
Orths zuerwarten / wie er sich nun da
selbst nieder gesetzt / vnd aber von der
Sonnen gar zu starck angestralet wur
de / hat ihm Gott augenblicklich einen
großblättrigen Kürbs=Stock lassen
auffwachsen / vnter dessen Schatten er
als ✾ (221) ✾
als in einem angenehmen grünen Lust=
Häusel wegen abgematten Leibs=
Kräfften sanfft eingeschlaffen ; Uber
diß hat ein Wurm auß Befehl deß
Allerhöchsten / den Kürbes abgebis
sen / wordurch er alsobald verwelcket /
vnd da die auffgehende Sonn mit so
grossem Ernst dem Jonas auff das Ge
sicht spielte / ist er darüber erwacht / den
häuffigen Schweiß von der Stirn ab
gestrichen / vnd als er wargenommen /
daß ihm ein Wurm solches angethan /
hat er sich höchstermassen gegen Gott
beklagt / auch vnwillich worden über
solchen Wurm / das der Prophet ih
me selbst den Todt gewuntschen . Jona
4 . c . 5 . 6 . Holla ! Die Ungedult ist
schier zu groß über einen Wurm ; Ein
manche arme Tröpffin hätte wohl füg
licher Ursach die Gedult zu verlieren /
über ihren Mann / der da ein lauterer
Wurm / ein bissiger Wurm / ein tür
mischer Wurm / ein vnruhiger Wurm /
ein gifftiger Wurm / in dessen Garten
nichts ✾ (222) ✾
nichts als saur Holtz=Oepffel wach
sen / in dessen Calender fast alleweil
Finsternuß / in dessen Himmel schier
allezeit Wetter vnnd Donner / dessen
Wald nichts als Prügel tragt / dessen
Zinn=Geschirr in nichts als in Fla
schen besteht / dessen stete Arbeit den
Organisten gleichet / ein solcher vn
menschlicher Wurm phantasi ret / als
seye das Weib deßhalben von der
Seiten erschaffen / daß sie immerzu
sich soll auff die Seiten keyen / vn̅ seinem
thumbs Hirn freyen Paß gestatten /
O bittere Myrren ist wohl ein solcher
Ehestand ! die arme Haut gleichet fast
in allem dem Strauß=Vogel / weil sie
so wohl muß manchen Strauß außste
hen / als viel harte Brocken vertäuen /
wan schon nicht von Eysen .
Es ist ein Kraut welches die Latei
ner Eringion , die Teutschen aber
Manns=Treu nennen / Lieber rathe
ein wenig / was Kraut dises sey ? vnd
wie es auffwachse ? etwan blühet es wie
die ✾ (223) ✾
die purpurfarbe Rosen ? Etwan rie
chet es wie der zarte Jesumin ? Etwan
grünet es wie das angenehme Bisem=
Kraut ? Nichts weniger als diß / sol
ches Kraut mit Nahmen Eringion
oder Manns=Treu ist ein Distel /
ein Brach=Distel / voller Stächel / als
wäre er dem Jgel befreunt / über vnnd
über mit feindlichen Spitzen gewaff
net / als wolle gleichsamb die Natur
an Tag geben / daß in dem Ehestand
bey der Man̅s=Treu gar offt nichts
als Weh vn̅ Ach / brich vnd krach / Zorn
vnd Rach zu finden seye / O Bitterkeit !
Es ereignet sich aber auch gar
offt das Wiederspiel / vnnd bekombt
mancher ein so liebe Ehegenossin / daß
er ihm getraute ehender auß der Do
nau einen truckenen Kiselstein zuheben /
als auß ihr ein gutes Wort / vnd ob
sie schon der Astrologiæ nicht viel er
fahren / weiß sie doch ansehelich ih
me die Planeten zu lesen / daß ihme
zum ✾ (224) ✾
zum öfftern die Augen / wann auch
die Kuchel nicht rauchet / voller Was
ser stehen .
Der anseheliche Scribent Stenge
lius registri ret von zweyen Eheleu
ten / welche in dem Regieren vnnd
Herrschen ordentlich vmbwechsleten /
vnd so der Mann vierzehen Tag die
Oberhand führte / muste er auff die
gesetzte Bedingnuß auch so lang das
Regiment der Frauen überlassen / die
mehriste Zeit aber / in dero das Weib
zu gebieten hatte / befande sich der gu
te Mann ausser deß Hauß / vnd wolt
sich mit truckenem Brot lieber befridi
gen anderswo / als zu Hauß das ge
stössene verkosten / auch so es gesche
hen / daß er mit müglichsten Fleiß die
stille Music zu Hauß gehalten / hat er
dannoch dem vngestümen Tackt deß
Weibs nicht mögen entgehen . Laß
mir das ein Höll=Riegel seyn ! bey
dem auch einem Socrates möcht die
Gedult erwelcken / dan̅ ja wahr ist das
Sprich= ✾ (225) ✾
Sprichwort / ein Rauch / ein böß
Weib / vnd ein Regen / seynd einem
Hauß überlegen ; Wie abgeschmach
lauth nun ein Lauthen / wan̅ die Sey
ten nicht zusammen stimmen / also ab
geschmach lauth es bey den Eheleuten /
wann die Sitten nicht zusammen
stimmen / ein solcher Ehestand was ist
er anderst als ein Wehestand / ein
Fechtplatz / ein Creutz=Schull / ein
Besen=Marckt / ein Riebeysen / ein
Hader=Suppen / ein Jgel=Balg / ein
Pein=Folter / ein Distelkraut / ein
Schlag=Uhr / ein Gemüths=Hächl / ein
Pfeffer=Mühl / ein Copey von allem
Elend ? Was ist entgegen angeneh
mers in der Welt / als ein freundlicher
Ehestand ;
Die Catholische Kirch sterckt sich
mit den Heil . Sacramenten / setzt aber
in dero ordentlicher Zahl den Heili
gen Ehestand gantz zu letzt / vnd wis
sen die sieben jährige Knaben in der
P Kinder= ✾ (226) ✾
Kinderlehr / auff die Frag / wie viel
seynd Sacramenta ? schon zu antwor
ten / sieben / das sechste die Priester
weyh / das siebende die Ehe ; nicht
ohne erheblichen Ursachen wird solches
an das siebende Orth gesetzt / dann je
vnd allemahl / man durchblättere die
gantze Heil . Bibel / die siebende Zahl
ein Ruhe vnd Ruhestand angedeut /
so gar daß auch GOtt den siebenden
Tag ruhen vnd rasten wolte / dar
durch zu zeigen / daß auch das sieben
de Sacrament die Ehe nichts anders
seye / als ein Ruhe zweyer Gemüther /
vnd ein Ruhe=Stand zweyer Hertzen .
Von dem prächtigen Tempel Sa
lomonis ist es weltkündig / wie anse
helich derselbe seye gebauet worden /
erstlich befanden sich bey solchem Ge
bäu siebenzig tausend Tagwercker /
was die Maurer vnd Steinmetzen be
langet / waren selbe an der Zahl acht
zig tausend / auch musten dreytausend
Ambtleuth / neben dreyhundert An
schaffer ✾ (227) ✾
schaffer bey disem nie erhörten Gebäu
sich einfinden / die Unkosten diser an
sehelichen Structur erstreckete sich in et
liche tausend Centner Gold vnd Sil
bers / es ware ein solches Werck / dar
an man viel Jahr gearbeith / daß auch
einem künstlichen Appelles solches mit
dem Pembsel zu entwerffen schwer fall
te / die Länge / die Breite / die Höhe
die Tieffe / das Außwendige / das Jn
wendige / das Obere / das Untere /
das Holtzwerck / das Steinwerck / wa
re also künstlich vnd köstlich in einan
der / auff einander / übereinander / daß
es mancher wohl auch für ein Meister
stuck der Englischen Wissenschafft
möchte außruffen ; Das Allerwunder
barlichste aber in solchem Gebäu ware
diß / daß man in wehrendem Gebäu
nicht einen einigen Streich oder Ham
mer oder Eysen hörte / nec ferrum
audiebatur . Reg . 3 . Das ist ja ein
Wunderwerck / etliche Lehrer seynd
der Meinung / als seye durch göttliche
P 2 Bey= ✾ (228) ✾
Beyhülff / vn̅ folgsamb durch ein Wun
derwerck geschehen / daß sich die Stein
vnnd alles auff einander so wohl ge
schickt / andere muthmassen / der aller
weisseste Salomon habe von einem ge
wissen Thier ein Blut beygeschafft /
durch welches die härteste Stein zer
spalten wurden / vnnd also Hammer
vnd Eysen nicht vonnöthen : Seye de
me wie ihm wöll / wunderlich ist gleich
wohl / daß bey einem solchen weltkün
digen Gebäu / nicht ein Hammer / nicht
ein Eysen gehört worden .
Disem ansehelichen Hauß Gottes
gleichet gantz natürlich das Hauß
zweyer lieben Eheleuthen / ubi nec fer
rum auditur , allwo man vmb einen
Streich in viel Jahren nicht weiß / wo
man nie kein Eysen hört / nie kein
Zanckeysen / sondern schickt sich alles
auff das aller beste zusammen / ihre
zwey Hertz seynd gleichsamb in einen
Model gegossen / ihre zwey Gemüther
über ein Laist geschlagen / ihre zwey
Willen ✾ (229) ✾
Willen nach einer Regel gemessen / hab
mich geirrt / in ihnen ist nichts zerzweyt /
sondern alles eins / dahero Tag vnd
Nacht / frühe vnd spat nichts Wieder
wertigs zu hören / vnnd ist ein solcher
Ehestand ein Uhr / die allezeit auff
Eins stehet / vnd ist ein solcher Ehe
stand ein Garten / in deme nichts als
Liebstöckel wachsen / vnd ist ein sol
cher Ehestand ein Grammatic , in dero
man nichts als Amo conjungirt , vnd
Rixa declinirt , vnd ist ein solcher Ehe
stand ein guldener Ring / dessen edle
stes Edelgstein Unio die Einigkeit / vnd
ist ein solcher Ehestand ein Calender / in
deme die gröste Heiligen S . Pacificus ,
vnd S . Concordia .
Jn einem solchen Ehestand ist ja
nichts als Sieg vnnd Seegen anzu
treffen / vnnd weil der Himmel=Tau
nur pflegt zu fallen / wann es Wind
still ist / also vermuthlich fallt über sol
che zwey liebe Eheleuth der häuffige
P 3 Him= ✾ (230) ✾
Himmels=Seegen / weil nichts als
Ruhe vnd Stille darinnen .
Die Heil . Ehefrau Francisca Ro
mana schätzte solche Einigkeit über al
les / dahero / als sie einest ihren andäch
tigen Gebrauch nach das Officium
oder Tagzeiten vnser Lieben Frauen
auß dem Büchl eyffrigst abgelesen /
vnd von ihrem Mann zu einer andern
Hand=Arbeit beruffen worden / hat sie
den Versicul halb vnterlassen / vnnd
deß Manns Befehl hurtigst nachkom
men / damit nur die geringste Ursach
zur Uneinigkeit vermeidet werde / als
sie nun nach vollbrachter Arbeit zu
dem Gebett kehret / fande sie / daß der
auß Gehorsamb vnterlassene Versicul
mit guldenen Buchstaben von ihrem
Schutz=Engel außgeschrieben worden /
wie ihr nachmahls der Heil . Paulus
offenbahret / Sales de Amo : lib . 12 . Di
se Heil . Francisca hielte also die Regel
deß Heil . Ehestands / daß Gott ein
absonderliches Wohlgefallen daran
schöpffte / ✾ (231) ✾
schöpffte / vnnd zum öfftern es mit
Wunderwerck begnadet ; Zwischen
dem Booz vnd der Ruth / zwischen
dem Aßvero vnnd der Esther / zwi
schen dem Abraham vnnd der Sara /
zwischen dem Jsaac vnd der Rebecca /
zwischen dem Jacob vnd der Rahel /
zwischen dem Mausolo vnd der Arthe
misia , zwischen dem König Clodo
væo vnnd Clothildis , zwischen dem
Sulpitio vnd Lentula , zwischen dem
Moyses vnd der Sephora , zwischen
tausend andern mehr ist ein solche Ei
nigkeit gefunden worden / daß dero
Ehestand ein Ehrenstand hätte sol
len genennt werden .
Es ist denckwürdig / ja wohl in das
Protocoll aller rechter Eheleuth for
derst mit Gold auff zuzeichnen / was
Fulgosus lib . 4 . vermercket . Jn dem
Königreich Neapel ware ein ehrlicher
Mann / der hatte seine Behausung na
het bey dem Ufer deß Meers / als sol
cher auff ein Zeit gewisser Geschäfften
P 4 halber ✾ (232) ✾
halber vnweit von dannen sich bege
ben / seynd vnterdessen die hin vnd her
streiffende Corsaren an selben Orth
angelendt / vnd ihme seine allerliebste
Ehefrau sambt andern in Eyl zusam
men Pauschten Haabschafften mit sich
genommen / da nun gedachter Mann
eylfertig nach Hauß kehrte / vnnd we
hemüthig vernommen / daß sein Lieb
ste von denen Meer=Raubern seye ge
walthätig entführet worden / auch seye
das Raub=Schiff / in dem sie vnlängst
abgefahren / noch im Meer zu sehen / hat
er sich alsobald gantz behertzt in das
tieffe Meer gestürtzt / möglichster mas
sen nach dem Schiff geschwummen /
immerzu schreyend / Voi conducete ,
mia moglie , menate ancora me di
‘ gratia Insieme con lei . Jhr entführt
‘ mir mein allerliebstes Weib / seyd mir
‘ doch sambt euerer Tyranney so gnä
‘dig / vn̅ nembt mich auch mit ihr : über
welches sie sich höchlich verwundert /
auch ihn nach Begehren neben sein
Weib ✾ (233) ✾
Weib angebunden / nachmahls den
gantzen Verlauff beytragen dem Kö
nig zu Tunis , welcher dan̅ solche Ehe
liche Treu nicht allein höchst gepriesen /
sondern neben ertheilter Freyheit / vnd
ansehelicher Beschenckung ein ewige
Unterhaltung angeschafft .
Jetziger Zeit / muß bekennen /
schwimbt sich nichts mehr dergleichen /
vnd wann man auch das Wasser mit
dem Heil . Petro könte tretten / thät
man sich im Nachlauffen nicht über
eylen / aber / daß nicht vnzahlbahr viel
vereinigte Eheleut gezehlt werden / ist
in keinen Zweiffel zu setzen / vnd finden
sich annoch viel tausend / bey denen
Hertz=Treu die beste Karten / dann ja
der Handl verspielt / wo solche nicht ist .
Ein solcher lieber vereinigter Ehe
stand / ist mit keiner Feder sattsamb
zu loben / vnd so man ihn schon prey
set / daß er seye ein blüender May /
ein Abriß vom Paradeyß / ein Bol
P 5 ster ✾ (234) ✾
ster deß Fridens / ein Schuel der Tu
genden / ein Speiß=Cammer der Lieb /
ein Register der Einigkeit / ein Con
trafe deß Himmels / so ist zwar alles
diß gut gesagt / aber nicht gnug ge
sagt ; Wird also zweiffels ohne der
Todt dißfahls alles Frevels verges
sen / vnd solchem Stand die gebüh
rende Ehrerweisung zulaisten / aller
seits sich befleissen ?
O was grundlose Gedancken /
vnnd nebeldicke Fausen nehret ihr
meine Leuth in eueren Hertzen / sagt
der Todt / ich führe / wie männig
lich bewust / ein wohlgewetzte Sen
sen / warmit ich alles Graß vnd alle
Blumen abschneide / folgends auch die
Ringel=Blumen / es mag euch der
Priester zusammen binden wie starck
er will / so löse ich doch solchen Knopff
auff mit meiner Sichel / vnd weiß
der verschlayerte Cupido vnd über
müthige Bub auß zwey Eins ma
chen ✾ (235) ✾
chen / so weiß ich auch demselben zu
Trutz / das Eins / in zwey zertri
mern / vnd wo Mann vnd Weib gleich
samb Sonn vnd Mond vorstellen /
wie es Joseph der Egyptische im
Traum gesehen / so kan ich vnverhofft
ein Finsternuß darein machen / das
man weder Placebo Domino , noch
Placebo Dominæ lesen kan / ob schon
die Lieb dem Feur gleichet / so kan man
doch auch das Feur mit Erd dämpf
fen / vnd nimb fein sauber Lieb / Leib
vnd Leben / als wie die zeitige Re
ben / vnnd legs vnter mein Todten=
Preß / wer an dem einen Zweiffel
hat / der kan Wienn in Oesterrich Oesterreich
darumb befragen .
Der elende Zustand diser Zeit vn
ter denen Eheleuthen zu Wienn / soll
mehr mit Trähnen beschrieben wer
den / als mit Dinten / vnd ist nicht
müglich / daß ihme es die Menschli
che Vernunfft könne vorbilden / was
Trangsalen / Kummer vnd Noth die
Verhey= ✾ (236) ✾
Verheyrathe getroffen : Ein Felsen mit
ten im Meer / welchen vnauffhörlich
die auffbambte Wellen mit grimmen
Anstossen / ein Weinbeer vnter der
Preß / welche allerseits die Trähnen
vergiessen thut / ein Eisen auff dem
Amboß / so von den schwären Ham
merstreichen immerzu geschmidt wird /
kan nicht seyn ein sattsames Sinn=
Bild der Verheyrathen bey diser
Zeit .
O wohl blutige Zäher waren von
nöthen manche betrübte Begebenheit
zubeweinen ; Es ist geschehen / daß
der todte Mann zum Hauß hinauß
ist geschlaifft worden / das Weib auch
bereits den letzten Athem schöpffte /
vnd die verlassene Kinder vmb ein
Brodt geschryen / denen aber nicht
lang hernach der Todten=Graber an
stadt deß Beckens auß der Noth ge
holffen .
Es ist geschehen / daß man das klei
ne Kind hat angetroffen an den Brü
sten ✾ (237) ✾
sten der todten Mutter hangen / allwo
das vnschuldige Engerl nicht gewust /
daß es auff solche Weiß durch solchen
Trunck / dem Todt eins bescheydt
thue .
Es ist geschehen / wann man die
todte Mutter auff den Wagen gelegt /
daß das kleine Töchterl mit Gewalt
sie wollte begleiten / deßhalben mit
vngelöster Zungen vnauffhörlich Ma
mi / Mami geschrien / wordurch auch
den harthertzigen Siehknechten das
Wasser auß den Augen getrieben wor
den .
Es ist geschehen / daß auff der
Strassen naher dem Kayserl . Marckt
Himberg / daß man bey einer Geiß
hat angetroffen / ein verlassenes klei
nes Knäbl / welches mit kindlichen
Geberden gleichsamb dise zottete Am
mel vmb einen Trunck ersucht / auff
solche Weiß / wie Romulus vnd Re
mus in ihrer Kindheit bey einer Wölf
fin in die Kost gegangen .
Es
✾ (238) ✾
Es seynd die verlassene Weysel in
solcher Menge gewest / daß mans
Wagen weiß zusammen führte / vnd
in der Spitlaw gleichsam ein kleine
Kinder Armee auffrichtete / die aber
meistens den Freydhoff belägert / vnd
denselben ohne vielen Streitt erobert /
seynd also solche / die vnlängst von der
Mutter kommen / bald wieder in die
Schoß der allgemeinen Mutter der
Erd gerathen .
Zu weilen hat ein Mutter / die von
diser Pestilentzischen Seuch angegrif
fen worden / in ihrem Todt=Beth vn
auffhörlich geseufftzet / wann sie be
reits ihre erwachßne Kinder hat an
geschaut / die da theils ihre Nasen
zustopffeten / theils von weiten stun
den / vnd gedichte Trähnen vergossen ;
ich möcht aber wohl die Vrsach erra
then / warumb so häuffige Seufftzer
auß dem Mütterlichen Hertzen auff
gestossen / ich glaube wohl / es seye die
Reüe / daß sie ihre Kinder nicht bes
ser ✾ (239) ✾
ser gezogen / dann ihr liebe Eltern /
ihr solt wissen / vnd müsset wissen / daß
ihr genaue Rechenschafft dem Aller
höchsten ablegen müst / wegen euerer
Kinder / dann der Kinder Missetha
ten werden in das Protocoll der El
tern verzeichnet .
Wist ihr dann nicht / wie der All
mächtige GOtt die vier Theil der
Welt mit den vier Buchstaben deß
Wörtels Fiat erschaffen / vnd in der
Welt allerley Thier / vnter andern
hat er die Vögel auß dem Wasser er
schaffen / dann also redet die Göttli
che Schrifft / pro ducant aquæ re
ptile animæ viventis , & volatile
super terram sub Firmamento Cæli .
‘ GOtt sprach : Die Wasser bringen
‘ kriechende Thier herfür / die ein le
‘bendige Seel haben / vnd die Vögel
‘ auff Erden vnter dem Firmament deß
‘ Himmels : Jst also das Wasser die
erste Mutter gewest / von dero die
Vögel seynd kommen ; Auff den heu
tigen ✾ (240) ✾
tigen Tag wundere dich nicht / kom
men die Vögel von dem Wasser her /
dann warumb mancher Sohn gantz
tugendloß vnd mit einem Wort ein
lauterer Vogel vnd Galgen=Vogel
wird ? Jst die Ursach / weil sein Mut
ter ein Wasser ist gewest / verstehe /
gar zu weichhertzig / vnd ihn nie recht
gestrafft ; Die Brillenmacher haben
Vrsach sich zubeklagen / daß sie ihre
Wahr so gar nicht mehr können ver
silberen / vnd anwehren / weilen die
Obrigkeiten / absonderlich die Eltern
gar offt durch die Finger schauen :
So lang Aaron der Hoche=Priester
bey dem König Pharao die Ruthen
in den Händen gehalten / so ist sie ein
Ruthen verbliben / so bald er sie aber
auff die Erd geworffen / alsdann ist
sie in ein Schlang verwandlet wor
den . Versa est in Colubrum . Exod . 4 .
Hört ihrs meine Eltern ? Wie lang
ihr die Ruthen in den Händen hal
tet / vnd genaue Obsicht über die
straff= ✾ (241) ✾
straffmässige Kinder traget / so lang
ist es alles gut / so bald ihr aber sol
che Ruthen hinweck werfft / vnd den
Kindern alles übersiehet / alsdann
wird ein gifftige Schlang auß diser
Ruthen / vnnd kan kein schädlichers
Gifft seyn den Kindern / als das gros
se Ubersehen vnd Nachsehen der El
tern .
Liebe Eltern / es seynd euch nicht
vnbekant die Heil . Ceremoni en / de
ren sich die Catholische Kirch in der
Heil . Charwochen gebrauchet / vnter
andern ist auch die Heil . Metten / wel
che da wegen grossen Getümmel ins
gemein die Pumper=Metten genennt
wird ; sagt mir aber / wann pflegt
man in derselben zuschlagen ? Jhr ant
wort ; damahlen wann die Liechter
außgelöscht seyn / dort geht das
Schlagen an : Last euch diß ein Lehr
seyn / wann die Tugenden in euren Kin
dern außlöschen / vnd nicht mehr wol
len mit guten Sitten leuchten / da
Q schlagt ✾ (242) ✾
schlagt darein / vnd spart die Ruthen
nicht / dann auff solche Weiß rettet
ihr dero Seelen von der Höll / wie
der weise Salomon bezeuget / vnd rin
gert dardurch euer eigenes Gewissen /
sonst wird Gott den Verlust der theu
ren Seel von euch erfordern .
Jene Mutter / von welcher der Evan
gelist Matth . 15 . schreibet / ist vnserm
gebenedeyten HErrn starck nachge
loffen / vnd mit offt wiederholter Stim̅
gantz flehentlich zugeschrien / Miserere
mei Domine Fili David , Filia mea
‘ male à Dæmonio vexatur . O HErr !
‘ sagte sie / du Sohn David erbarme
‘ dich meiner / dan̅ meine Tochter wird
‘ übel von dem bösen Geist geplagt ; Es
möcht jemand wohl in den Sinn kom
men / daß er dises Cananeische Weib für
vnbedachtsamb halte / in Erwegung /
daß sie so starck Christum ersucht vmb
Barmhertzigkeit / indeme doch nicht
sie / sondern vielmehr ihr Tochter di
selbe vonnöthen ? Ein solcher muß
aber ✾ (243) ✾
aber wissen / daß dise Mutter recht
vnd wohl zu JEsu vmb Barmhertzig
keit geruffen / dann sie gedachte wohl /
daß der Tochter Sünd auff den Ach
seln der Mutter liegen ; Warhafftig
die Sünden der Kinder werden in kein
andere Schreib=Taffel auffgezeichnet /
als in das Gewissen der Eltern / die
Boßheit der Kinder stecken in dem
Busen der Eltern / die Sünden der
Kinder kommen in die Rechnung der
Eltern .
Daß manche Tochter Cecilia mehr
nach dem Organisten trachtet / als
nach der Orgel / wer ist daran schul
dig ? Daß mancher Sohn Ernest zu
einem Schandnest wird / wer ist dran
schuldig ? Daß mancher Sohn Da
mian zu einem Damischen wird / wer
ist daran schuldig / als die Eltern ?
Dahero gebt Rechenschafft / omnia
quæ deliquerunt Filij , à Parentibus
requiruntur : Vatter / Mutter / wird
GOtt sagen / gebt mir Rechenschafft /
Q 2 ich ✾ (244) ✾
ich habe euch ein Tochter Rosina ge
ben / ihr durch euere Nachlässigkeit
habt derselben die Dörner der Sünden
lassen anwachsen / ich habe euch ein Un
schuldige Tochter Clara geben / die
habt ihr durch euer übels Nach
sehen selbst auff den Weeg der Finster
nuß gebracht / ich hab euch einen vn
schuldigen Sohn Peter geben / den
habt ihr aber nicht wie der Gockelhan
ermahnt / wie er gesündiget ; Jch hab
euch einen Sohn Christoph geben / di
ser ist aber durch euer böse Weichher
tzigkeit in den Tugenden gar klein ge
wachsen ; Gebt Rechenschafft : daß mir
dises Edlgstein in das Koth gefallen /
daß mir dises Lambl vnter die Wölff
gerathen / daß mir dise Frucht wurm
stichig worden / daß mir dise Tauben
entflogen / daß mir dises Kind / dise
Seel / die ich so theur mit meinem
Todt erkaufft / ist entgangen / bist du
Vatter / du Mutter daran schuldig /
gebt Rechenschafft .
Derglei=
✾ (245) ✾
Dergleichen Gedancken beschweren
manches Mutter=Hertz / daß es auch
in dem Todt=Bethl wünschet / es hät
te nie gebohren / zumahlen der Mut
ter=Titl ihr Elend nur vergrössert /
bildt mir also wohl ein / das in diser
Pest gleichförmige Trangsall manche
Eltern auch in dem Todt habe ge
quält ; O was Elend muß dann diß
seyn ! Allwo nicht allein der arme
Leib durch die brennende Gifft=Ge
schwer geplagt wird / sonder auch
manches Gemüth vnd verletztes Ge
wissen sein Marter außstehet / darumb
liebste Eltern ziecht euere von GOtt
ertheilte Kinder recht / damit sie auch
zu euerem Trost Kinder der Seelig
keit werden .
Vor dem Vbel fliehen / ist nicht
übel / zumahlen bekant ist / daß der
Patriarch Abraham sein Unglück zu
vermeyden in das Land gegen Mit
tag gezogen . Gen . 2 . Gen. 12. Jacob weil ihm
sein Bruder Esau der Saubere Ge
Q 3 sell ✾ (246) ✾
sell den Todt geschworen / ist auch
geflohen zu seinem Anverwanten dem
Laban . Gen . 27 . Deßgleichen David ,
als ihm der vndanckbahre Saul nach
dem Leben getracht / hat sich mit der
Flucht salviert : Nicht weniger hat
die Flucht genommen der eyffervolle
Prophet Elias , wie er benachrichtiget
worden / daß ihme die Königin Jeza
bel den Todt antrohe : So ist auch
nicht vnbekant / wie der Tarsensische
Prediger Paulus nächtlicher Weil in
einem Korb durch ein Fenster sich hat
hinunder gelassen / vnd also die Zu
flucht zu der Flucht genommen ; auch
von Christo dem Heyland selbsten
registrieren die Evangelisten / daß er
der Hebreer feindliches Nachstellen
zumeyden / sich etlich mahl habe in die
Flucht begeben ; Jst demnach keines
Wegs zu widersprechen / das nicht
heylsamb seye in der Pest=Zeit zuflie
hen / ja absonderlich für rathsamb
von den bewehrtisten Medicis gehal
ten ✾ (247) ✾
ten wird / disem Rath ist man zu
Wienn embsig nachkommen / vnd ist
der Zeit nichts anders zusehen gewest /
als das viel tausend diser Residentz
Statt den Rucken gewisen / ja wohl
etliche seynd also forchtsamb anzutref
fen gewest / daß sie sich in der Flucht
viel mässiger gehalten / als deß Loths
sein Weib / wie sie die Statt Sodoma
verlassen / vnd vermeinten viel / das
auch das zuruck Schauen nacher
Wienn nicht Gifftfrey werde ablauf
fen .
O Wienn ! du bist kurtz vorhero ein
schöne Rachel gewest / sihe / wie dich
GOtt kan so geschwind in ein schant
liche Lia verungstalten / du bist seyt
hero immerzu gleichsamb ein gelob
tes Land gewest / sihe wie dich der Al
lerhöchste so bald kan in ein bestürtz
tes Egypten verwandlen / du bist schon
so lange Zeit hero ein Brunn alles
Trosts vnd Freuden gewest / sihe wie
so vnverhofft dich der Allmächtige hat
Q 4 in ✾ (248) ✾
in ein außgetruckne Cistern verkehrt /
hab mich geirrt / Wasser gnug / aber
lauter trangseelige Trähnen ; Doch
aber seye getröst / der jenige / der ver
wundet hat / kan dich heylen auch /
laß es allein dir ein Wahrnung seyn /
das nicht ein Quintl Beständigkeit
auch in einem Centner schweren Wohl
stand seye .
Damit ich aber meine obberührte
Erzehlung zu End bringe / ist zuwis
sen / das viel vnd aber viel sich von
der Wiennstatt haben abgesöndert /
vnd neben denen / welche ausser der
Statt auff freyen Feldern von Holtz
zusammen geschlagene Hütten be
wohnten / deren so viel waren / daß
der hunderte für ein feindliches Lager
thätte ansehen / neben disen seynd viel
gewest / die sich in wilde vnd finstere
Wälder begeben / vnd hätten ihnen
wohl nie eingebildet / daß sie einmahl
solten das Eremitten Leben kosten .
Andere retiri erten sich in weit entle
gene ✾ (249) ✾
gene baufällige Geschlösser / allwo
sonsten die Nacht=Eulen vnd wilde
Raub=Vögel ihre gewöhnliche Losa
menter hatten ; Viel suchten zu Was
ser ein anders Land ! Aber leyder !
Brachten sie den Todt mit ihnen /
oder fanden denselben schon allda ;
Hat also mancher sein Grab gefun
den hinder dem Zaun eines Ruben=
Ackers / einem manchen ist noch die
Gnad begegnet / daß er bey einer ein
schichtigen Marter=Seulen ist einge
scharrt worden / zuweilen fande einer
seine Krufften in einem Holweeg /
das also viel vnd aber viel die Wienn
statt verlassen vnd von derselben ver
lassen worden / weil ihnen das Gifft /
die Pest / oder soll ich sagen / die Straff /
die Hand Gottes eylfertigist nachge
folget .
Jn dem Fall aber seynd mehristen
Theil allhier verharrt die Eheleuth /
welche die treue Lieb vnd liebe Treu
also gebunden / daß eins das ander
Q 5 keines ✾ (250) ✾
keines Wegs wollte verlassen / befor
derist / weilen die Dienstbotten an
fänglich mehristen Theil von dem
Todt seynd hingerissen worden / dahe
ro wäre mancher Mann gantz Hülff
loß verschmacht / so ihme nicht seine
getreue Gemahlin wäre beygestanden ;
Und ist nicht nur einmahl geschehen /
daß das krancke Weib auff allen Vie
ren hinzu gekrochen / vnd etwan ihrem
Mann in höchstem Durst ein Wasser
dargereicht ; Bilde dir ein / was Elend
es seyn muß / wann der Mann im
Beth schon todter lieget / in dem an
dern ein Kind todt / in dem dritten die
krancke Mutter / vnterdessen aber ist
kein Dienstbott bey handen / sondern
derselbe hat kurtz vorher die Kasten ge
raumbt / vnd in die Flucht gangen .
Gedencke was Trübsall dises seyn
muß / wann das Weib schon in dem
Lazareth die wehrende Chur auß ste
het / vnd als sie vmb Nachricht ihres
Manns fraget / führte man gleich
densel= ✾ (251) ✾
denselben todter auff dem Wagen da
her ; Erwege was Noth es seyn muß /
wann der Vatter mit Todt abgehet /
vnd zu dessen Begräbnuß nicht ein ei
niger Mensch sich wil auch vmb das
Gelt gebrauchen lassen / daß also die
einige Tochter selbst muß das Grab
machen / vnd den Vatter einscharren /
welches zweyen / wie bekannt / auff der
Reiß begegnet / als sie von dannen die
Flucht genommen .
Franciscus Lucas schreibet / wie
der gebenedeyte HErr vnd Heyland
triumphirend nacher Jerusalem einge
ritten / vnnd ihn das Hebreische
Volck mit müglichem Pomp einge
holt / haben sich vor den Häusern die
steinerne Bilder der heydnischen Kay
ser geneigt / mit höchster Verwunde
rung : die göttliche Schrifft bezeuget /
was gestalten der Felsen / auff den die
Ruthen Moyses getroffen / habe Was
ser von sich geben : Jch muß bekennen /
dazumahlen stunde allhie zu Wienn
männig= ✾ (252) ✾
männiglich ein so grosses Elend vor
Augen / daß sich auch ein Stein vnd
ein Felsen hätt mögen erweichen / vnd
erbarmen / vnd hat man augenschein
lich wargenommen / daß der Himmel
selbst ein lange Zeit getrauret / vnnd
mit vielfältigen kleinen melancholi
schen Wölckl das Sonnen=Liecht ver
hüllt . Jn den Häusern hat man
nichts anders gehört / als Weinen
vnd Betten / absonderlich die liebe
Eltern haben ihre Kinder in einen
Heil . Crayß zusammen gestellt / wel
che sammentlich mit auffgehebten
Händen GOTT vmb Hülff vnnd
Barmhertzigkeit anrufften / es hat aber
das vnerforschliche Urthel Gottes
gleichwohl zum öfftern geschehen las
sen / daß dise auch von dem gifftigen
Pest=Pfeil getroffen worden / vnd al
so zu ihren Leibs Heyl das jnnbrün
stige Gebett nichts ge
würcket .
Es
✾ (253) ✾
Omnis Militia eorum defluet .
Isa . 34 .
Du Martialisch Helden=Blut /
Niemand kan dich gnug preysen /
Aber trutze nicht / mein Pfeil ist gut /
Durchtringt ein Kleyd von Eysen /
Alexander Bellicos ,
Und Meander generos ,
Uberwunden seynd von mir /
Dann sterben müssen alle Leuth /
Jm Freythoff sucht Quartier .
✾ (254) ✾
Es hat der grimmige Todt
mit seinem Pfeil absonderlich
nach dem Leben der Soldaten gezielt /
vnd deren viel zu Wienn erlegt
.
DEr gnädigste GOtt vermög
seiner Allmacht hat mit dem
kleinen Werckzeug Fiat , die
grosse Welt erschaffen / vnd
in der Welt vnterschiedliche Geschöpff /
vnd vnter den Geschöpffen vnterschied
liche Thier / vnnd vnter den Thieren
vnterschiedliche Naturen ; Ein andere
Natur vnd Eigenschafft hat der Luchs /
als der Fuchß / ein anders Thier ist
der Pfab als der Rab / ein anders
Geschöpff ist der Schwan / als der
Hahn ; kein ansehelichers Thier aber
ist / als der Löw / dahero das Wörtl
Leo ✾ (255) ✾
Leo , Löw / anderthalbhundertmahl
in der Heil . Schrifft zu lesen / deß
Hasen aber nur zwey mahl Meldung
geschicht / vnd wird so gar diser vnter
die vnreine Partheyen gezehlt ; Ein
Haß auff solche Weiß ist wohl in ge
ringen Ansehen ; Das Lambel hat den
Nahmen eines Einfalts / der Esel hat
den Nahmen eines Faullentzers / der
Wolff hat den Nahmen eines Schlem
mers / der Fuchß hat den Nahmen ei
nes Arglistigen / der Beer hat den
Nahmen eines Murrers / der Rab hat
den Nahmen eines Diebs / der Pfaw
hat den Nahmen eines Pracht=Han
sen / der Haß hat den Nahmen eines
Forchtsamen / der Löw hat den Nah
men eines Hertzhafften vnd Starcken /
von welchem Plinius schreibet / daß er
seine mehriste Kräfften in dem Her
tzen habe / vis summa in pectore l . 8 .
c . 16 . weil nun so vielfältige Erinne
rung deß Löwens die Heil . Bibel bey
füget / wenig vnd schier gar nichts / deß
Hafens ✾ (256) ✾
Hasens gedencket / ist mercklich zu
schliessen / daß die tapffere / behertz
haffte / streitbahre vnd kühne Solda
ten / denen der Löw ihr eigenthumliches
Sin̅bild / forderist grossen Ruhm vnd
Glory verdienen .
Zuerinnern seynd aber alle recht
schaffene Kriegs=Männer / daß sie ih
nen den Nahmen Solldat wohl vor
Augen stellen / vnd denselben nicht für
sich / sondern zu ruck lesen / worauß
ihr gantze Regel mit einem Wort ge
schriebner abzunehmen ist ; Dann das
Wort Solldat / heist zuruck Tadlloß :
Als soll ein steiffer vnd tapfferer Sol
dat ohne Tadl vnd Mangl leben / ei
genthumlich aber wird zu einem lob
würdigen Kriegsmann erfordert / daß
er drey Stuck an sich habe / etwas von
dem Garten / etwas von der der der Kar
ten / etwas von der Schwarten ;
von der Schwarten diß / daß er bey ein
fallender ✾ (257) ✾
fallender Noth könne Hunger außste
hen / daß ihm die Schwarten krachen ;
von der Karten muß er haben Hertz
bue / von dem Garten muß er haben
das Blümel Ritterspohren / wo dise
drey Ding seynd beysammen / verdient
man erst eines Soldaten Nahmen .
Nachdehme Joannes der Tauffer
sieben Jahr alt in die Wüsten getret
ten / vnd allda viel Jahr in der Wü
sten sauber gelebt an der Seel / in der
Wildnuß zahm gelebt an den Sitten /
in der Einöde nicht öd gelebt an den
Tugenden / hat er durch göttlichen
Beruff in der Gegend deß Fluß Jor
dans mit grossem Eyffer anfangen zu
predigen von der Buß / vnd bußfer
tigem Wandl / parate Viam Domi
ni , vnd hat dises alsobald solche Wür
ckung gethan / daß allerseits häuffig
die Leuth auß gantz Juden=Land zu
disemn euen disem neuen Propheten in die Wüsten
geeylt / vnd ihn vmb ergeblichen vnnd
R heilsa= ✾ (258) ✾
heilsamen Rath ersucht / was ihnen
doch obliege / damit sie das ewige Le
ben möchten erwerben / quid facie
mus ? Unnd zwar erstlich seynd die
Mautner vnd Zöllner kommen / mit
vnterthänigster Bitt / er wolle ihnen
doch ein Regl vorschreiben / nach der
sie ihren Wandl möchten richten vnnd
schlichten / gar gern sagt der Heilige
Mann / vnd wust schon was für ein
Pflaster auff ihre Wunden taugte :
Nembt nicht mehr als daß euch
verordnet ist : Welche kurtze Predig
in acht Wörtl vnd ein vnnd dreyssig
Buchstaben nur besteht / aber gleich
wohl solchen guten Leuthen ein lange
Lehr war : nach dem nach dem so haben sich auch
die Soldaten eingefunden / vnd bitt
lich einkommen bey dem Heil . Mann /
wie daß sie ein gantze Zeit müsten auff
der Schiltwacht stehen / vnd von ei
ner Pastey zu der andern wandern / ein
gantzes Jahr öffter im Zeughauß als
im ✾ (259) ✾
im Gottshauß / vnd wissen sie vmb
kein Capittel auß der Bibel / wohl
aber vmb Capittel / die sie täglich von
ihren Offici ren einnehmen / bitten de
rohalben / er wolle ihnen die Weiß an
die Hand geben / wie sie auch möch
ten den Himmel erwerben / ihnen ant
worth der Heilige Joannes : Thut
niemand Uberlast an / noch Ge
walt / vnnd seyd fein mit eurer
Sold zu frieden : Mit dem ware die
gantze Predig beschlossen ; Da hätt
ich mir ohnfehlbar eingebild / der er
leuchte Mann Gottes hätte ihnen mit
grossem Eyffer vortragen / wie daß sie
den Soldaten=Standt sollen beyseits
legen / den Harnisch hurtig außzie
hen / vnnd darfür in einen rauchen
Eremiten Rock schlieffen / die Lenden
mit harten Cilici en vmbgürten / vnnd
also die übrige Zeit ihres Lebens der
Buß abwarten / dann ein Krieg auff
Lateinisch heisset Bellum / vnd meinen
R 2 viel / ✾ (260) ✾
viel / es rühre her von dem Wort Bel
lua , so auff Teutsch ein wildes Thier
heist / als seyn die Kriegsleuth ihres
sträfflichen vnd gewissenlosens Wan
del halber den Thieren nicht vngleich .
Nichts dergleichen hörte man auß
dem Mund deß Heil . Joannis / sonder
mit gantzer Höffligkeit liesse er sie ab
weichen / als thätt er gleichsamb sa
gen / meine wackere Soldaten / thut
niemand keinen Gewalt an / vnd seyd
mit euerer Soldt befridiget / im übri
gen bleibts Soldaten / dann Solda
ten haben auch einen Platz im Him
mel / vnnd auff diser strittigen Welt
seynd die Soldaten nothwendig / der
Soldaten kühne Thaten / vnd heroi
sche Tapfferkeit ist dem Himmel nicht
zuwider / sonder ihr starcke Faust vnd
vnüberwindliche Curachi muß auch
die sichtbahre Kirchen Christi auff
Erden von den Feinden schutzen / Sol
daten seynd wackere Leuth .
Ein ansehlicher Soldat ware Ju
das ✾ (261) ✾
das Machabæus bey den Hebreern /
ein tapfferer Soldat ware Pausanias
bey den Lacedemonier / ein vnüber
windlicher Soldat ware Cyrus bey
den Persier / ein streittbahrer Sol
dat ware Hannibal bey den Carta
gine sern / ein kühner Soldat ware
Cornelius Scipio bey den Römern /
ein heroischer Soldat ware Sebastia
nus Zianus bey den Venetianern , ein
Martialischer Soldat ware Frideri
cus Ænobarbus bey den Schwaben /
ein lobwürdigster Soldat ware Fran
ciscus Sforzia bey den Jtalianern /
ein trefflicher Soldat ware Rolandus
bey den Frantzosen / ein behertzhaff
tister Soldat ware Antonius Leva
bey den Spanier / ein berühmbtester
Soldat ware Joannes Gisera bey den
Böhmen / ein trefflichster Soldat wa
re Iratho bey den Dennemärckern /
ein bekantester Soldat ware Gusta
vus bey den Schweden / ein vner
schrockner Soldat ware Joannes Hun
R 3 niades ✾ (262) ✾
niades bey den Vngern / ein sigrei
cher Soldat ware Amurathes bey
den Türcken : was ist Carolus Quin
tus gewest ? Ein solcher Soldat / des
sen vnsterblicher Nahm in Gold vnd
Ceder einzuhauen würdig .
Man kan es zwar nicht laugnen /
das bey den Soldaten die Heylig
keit zimblich schitter wachse / vnd fin
de man mehrer Federbusch als Schein
auff den Chaßkett vnd Peckelhauben :
die grosse Kriegsstuck pflegt man der
Zeit ins Gemein die Cano nen zunen
nen / dahero ein Spitzfindiger die
Gelegenheit genommen zusagen / der
Soldaten ihr Geistliches Recht oder
Jus Canonicum seyen die Cano nen
oder Kriegsstuck ! nun wer es wohl
zu leyden / wann nur Metalline Stuck
vnter den Soldaten anzutreffen wä
ren / man findt aber auch zuweilen
andere Stuck / Schel=Stuck / Die=
Stuck / r c. Dann also singt der Poet /
nulla Fides pietasque viris , qui Ca
stra ✾ (263) ✾
stra sequuntur , das ist auff Teutsch /
die Pickenierer seynd Pancketierer /
die Mußquetierer seynd Leuth=Ver
führer / die Reutter seynd Außbeit
ter / die Tragoner seynd Tragdon
ner / r c. Die Soldaten seynd Leuth
voller Vnthaten ; Den Poeten aber
muß ich entschuldigen / daß er disen
Spruch nit allen Soldaten vnd tapf
fern Kriegs=Leuthen zum Schimpff
gesetzt / sonder nur auff etliche ge
zielet / dann ja nicht in Abredt zu
stellen / das nicht auch fromme / red
liche / treue vnd Gottseelige Leuth in
disem Stand anzutreffen seyn .
Jn Beschreibung deß Oberen glor
reichen Jerusalem registrieret der Apo
caliptische Engel Joannes , was gestal
ten er in seiner Verzuckung habe war
genommen / das obberührte Resi
dentz Statt GOttes vierecket gebaut
seye / vnd ein jede Seyten mit drey
Porten versehen / drey von Auffgang /
drey von Vntergang / drey von Mit
R 4 tag / ✾ (264) ✾
tag / drey von Mitternacht / welches
dem Heil . Dionysio füglichen Anlaß
gegeben hat zuschreiben / das deßwe
gen diß Himmlische Jerusalem durch
drey Porten allerseits offenstehe / da
mit man sicher könne abnehmen / das
von allen Seyten vnd Theil der Welt
einige in den Himmel kommen vnd
seelig werden .
Demnach spricht der Heil . Joan
nes , hab ich viel tausend vnd tau
send Außerwöhlte GOttes in dem
Himmel gesehen auß dem Jsraeliti
schen Volck ; Uber das / Post hæc vi
di turbam magnam , quam dinume
rare nemo poterat , ex omnibus Gen
‘tibus & tribubus & populis : So
‘ hab ich auch ein solche Schaar Volck
‘ in der Glory wahr genommen / das
‘ selbige keinem müglich zuzehlen / auß
‘ allen Geschlechtern / Völckern / Zunff
‘ten vnd allerley Ständen : ohne al
len Zweiffel hat diser Him̅lische Chro
nist auch gesehen in der Glory viel
Solda= ✾ (265) ✾
Soldaten / vnd nit allein lauter solche /
die von der Chartausen / sondern auch
viel / die von der Chartaunen kommen /
nicht lauter solche / die in den Zellen /
sondern auch viel / die vnter den Zel
ten gewohnt / nicht allein lauter sol
che / die sich auff den Chorall / son
der auch viel / die sich anff auff das Arse
nall verstanden .
Der Heil . Athanasius beobachtet
gar weißlich von dem Jsraelitischen
Volck / wann selbes ein Feld=Zug ge
than / vnd mit völligen Marsch wo
hin geruckt / so muste allezeit die Ar
chen deß Bunds / in dero die Tafflen
Moysis mit den zehen Gebotten la
gen / zu forderst an dem Spitz deß gan
tzen Kriegsheer getragen werden / da
mit sie möchten der göttlichen Gebott
ingedenck seyn / vnd diselbe jederzeit
vor Augen haben ; Atha : de Interpr :
Psalm : Hört ihrs edle Christliche Sol
daten / die zehen Gebott musten vor Zei
ten den Jsraelitschen Kriegsknechten /
R 5 die ✾ (266) ✾
die Avanquarde seyn / daß GOtt er
barm ! bey euch müssen sie gar offt die
Retroquard . halten ; Nichts destowe
niger seynd gleichwohl noch fromme
vnd viel gewissenhaffte Soldaten zu
finden / welche sich nicht allein auff
den Schuß / sondern auch auff die
Schuß=Gebettl befleissen / es seynd
dergleichen noch wohl anzutreffen / die
nicht allein an das gewöhnliche Pro
viant=Brodt gedencken / sondern auch
den jenigen vnter dergestalt deß
Brodts verhielten Gott eyffrigst an
betten vnnd verehren / es seynd noch
viel / die nit allein auff die Kriegs=Pa
rola embsig acht haben / sondern auch
das Wort Gottes müglichst anhören /
auch seynd nicht wenig / die in Anhö
rung der Trummel / ihnen auch wohl
die letzte Posaunen vorbilden / welche
anmuthige Gedancken manchem das
Hertz also säubern / daß er vnter dem
eysenen Harnisch ein guldenes Gewis
sen tragt ; Dergleichen tapffere Sol
daten / ✾ (267) ✾
daten / seynd bey männiglich ewigen
Lobes werth / vnd werden dise so glück
lich Himmels=Burg erobern / als sie
Philippsburg eingenommen / auch
gebühret solchen allermüglichster Re
spect auff diser Welt .
Uber das hat man zu allen Zeiten
der Soldaten ihre kühne Thaten wohl
in obacht zogen / vnd solche fein auff
alle Weiß mit schuldigster Danckbar
keit vergolten / dann die Vergeltung
vnd verpflichte Erkantnuß ist der beste
Trompeten=Schall / welcher dem
Kriegsmann die Curachi vermehrt /
vnd zu dem tapffern wehr dich an
frischet .
Es ist ein gewisses Spiel / ins
gemein genannt das Schack=Spiel /
allwo mit Lust zusehen ist / wie ein
Stein dem andern so ernstlich nachse
tzet / vnnd weil sie mit gewissen Nah
men vnd Titl gezeichnet seyn / darun
ter der König vnd die Königin die
Vornehmste / also ist mit Verwunde
rung ✾ (268) ✾
rung zusehen / wie der Lauffer den
Springer auß dem Sattel hebt / wie
der Springer dem Bauren zwiefflet /
wie sich der Springer an der Pastey
versteiget / wie dem Bauren der Lauf
fer seinen Rest gibt / vor allem aber ist
in besagtem Spiel diß zu lachen /
daß manches mahl ein Baur / der sich
wohl haltet / vnnd tapffer vmb sich
schlaget / kan zu Königlicher Hocheit
gelangen / ist ja viel ; Seye diß ein
Spiel / vnd bleibs ein Spiel / so ist
doch war beynebenst / daß die Solda
ten ihnen wünschten / es möchte jetzige
Welt auß disem Spiel ein Spiegel
machen / vnd sich darin fein wohl
ersehen / wie man der Soldaten nicht
ihr niederträchtiges Herkommen / vnd
mit Strohbedecktes Stroh bedecktes Stam̅en=Hauß
solle anschauen / sondern vielmehr dero
Martiali sche Thaten vnd ritterliche
Faust hoch achten / dann es ist gar
nichts neues daß auß Ackerleuth wa
cker Leuth worden .
Iphicra=
✾ (269) ✾
Iphicrates Atheniensis , dessen Vat
ter die Schuch geflicket / Plut . Tul
lius Hostilius , dessen Vatter die
Schaff gehütet / Liv . lib . 1 . Servius
Tullius , dessen Mutter ein Dienst=
Magd / Tarquinius Priscus , des
sen Vatter ein Kauffmann ; Æmilius
Scaurus , dessen Vatter ein Kohlbren
ner / Opimius Macrinus , dessen Vat
ter ein Haußknecht ; Maxim . Pupie
nus , dessen Vatter ein Schmied / Di
ocletianus , dessen Vatter ein Schrei
ber / Valerius Maximianus , dessen
Vatter ein Bauer / Justinus Trax ,
dessen Vatter ein Bettler / alle dise
vnd noch viel andere mehr / seynd al
lein wegen ihrer heroischen Tapffer
keit vnd behertzhafftesten Gemüth zu
hohen Ehren gestiegen / ja so gar zu
Scepter vnd Cron gelanget / vnd al
so bey der Welt vnd vor der Welt satt
samb gezeugt / wie sehr man die wacke
re Soldaten soll respecti ren.
Wer da ? Nicht guter Freund / wer
ist ✾ (270) ✾
ist nicht guter Freund ? ich sagt der
Todt / allo ! Pursch ins Gewehr / mei
ne liebe Soldaten / antwort der Todt /
ich lache mir die Haut nicht voll an /
dann ich hab keine / aber das Schmu
tzen kan ich gleichwohl nicht lassen /
daß ihr vermeint / meine Sensen soll
sich vor euren Piquen vnd Hellebar
ten entsetzen / das gereichet mir zu ei
nem ewigen Spott / wie vielen Hebre
er allein hab ich gewalthätig das Le
ben genommen !
Exod . c . 32 . Drey tausend . Nu
mer . 14 . Sechsmahl hundert : drey
tausend / fünff hundert vnd fünfftzig .
Ibi . Zwey vnd zwantzig tausend / drey
hundert / Num . 16 . Zwey hundert
vnd fünfftzig . Num . 14 . Vier tau
send siben hundert . Num . 25 . Vier
vnd zwantzig tausend . Num . 7 . Sechs
vnd dreyssig . Jud . 9 . Sibentzig . Jud .
12 . Zwey vnd viertzig tausend . Jud .
20 . Fünff vnd zwantzig tausend . Jud .
20 . Viertzig tausend vnnd dreyssig .
Jud. ✾ (271) ✾
Jud . 9 . Ein tausend . 1 . Reg . 4 . Vier
vnd dreyssig tausend . 1 . Reg . 4 . Fünff
tzig tausend vnd sibentzig . 1 . Reg . 22 .
Fünff vnnd achtzig . 2 . Reg . 2 . Drey
hundert vnd achtzig . 1 . Reg . 19 . Zwan
tzig tausend . 2 . Reg . 23 . Drey tau
send . 2 . Reg . 24 . Sibentzig tausend .
3 . Reg . 18 . Vier hundert vnd fünfftzig .
3 . Reg . 18 . Vier hundert . 4 . Reg . 1 .
Ein hundert vnd zwey . 4 . Reg . 10 .
Sibentzig . 2 . Reg . 23 . Acht hundert .
2 . Par . 25 . Drey tausend . 2 . Par . 13 .
Fünff hundert tausend . 2 . Par . 28 .
Ein hundert vnd zwantzig tausend .
Joseph . in antiq . Zehen tausend acht
hundert vnd zwey vnd dreyssig . 1 .
Mach . 2 . Ein tausend . 1 . Mach . 5 .
Zwey tausend . 1 . Mach . 14 . Ein tau
send . 2 . Mach . 5 . Achtzig tausend . Ib .
Viertzig tausend . Naucl . in gener . 60 .
Zehen tausend . 2 . Mach . 12 . Zwey
hundert . Naucl . in gener . 61 . Dreyssig
tausend . In gen . 68 . Sechs tausend .
Ibid . Fünfftzig tausend . Ibid . Acht hun
dert. ✾ (272) ✾
dert . In generat . 62 . Vierzehen tau
send . Hist . Eccles . Ann . 3 . Drey tau
send . Ibid . Drey tausend . Ann . Chr . 64 .
Fünfftzig tausend . Ann . Chr . 46 . Hist .
Dreyssig tausend . Ibid . Ein hundert
vnd zwantzig tausend . Ibid . Zwey tau
send . Ibid . Fünfftzig tausend . 16 . Hist .
Eccl . Acht tausend vier hundert . Hist .
Ann . Chr . 67 . Zwantzig tausend . Ibid .
Zehen tausend . Ibid . Zehen tausend .
Ibid . Acht tausend . Ibid . Zwölff tau
send . Ibid . Drey tausend . Ibid . Eylff
tausend sechs hundert . Ibid . Viertzig
tausend . Sub Vesp . Neun tausend . Item
Zwey tausend . Item Zwölff tausend ,
Item Dreyzehen tausend . Item Zehen
tausend . Sub Tit . Vesp . Eylff hundert
tausend . Item Drey tausend . Item
Drey tausend . Sub Julio Sever . Ann .
Christ . 134 . Vier tausendmahl tau
send . Sub Mart . Turbo . Zwölff hun
dert tausend . Summa aller deren
Juden / denen ich gewalthättig habe
das Leben genommen / sagt der Todt /
vnd ✾ (273) ✾
vnd sie ritterlich obgesiget / steigt nach
klarer Zeugnuß der Göttlichen Schrifft
auff die Achtmahl hundert vier
vnd fünfftzig tausendmahl tau
send / zwey tausend / siben vnd
sechtzig . Vnd ich soll euch Solda
ten förchten ? Nein / nein / nein / nein /
das Gwehr ab ! ob zwar Euer
Kriegs=Haubt Mars , vnd ich Mors
Namens halber etwas verwandt / so
mag ich doch dißfals die Neutrali
tet nicht lassen einschleichen / sonder
erklär mich euch zu einem ewigen
Feind / vnd ist keiner befreyt von
meiner Bottmässigkeit / wer daran ei
nen Zweiffel fasset / der frag zu Wienn
die erste Schildtwacht .
Weilen Wienn ein Vormaur deß
Löblichen Teutschland für den Otto
mannischen Erbfeind / deßwegen ist
solche Statt auff das ansehlichst be
vestiget / vnd mit starcken Pasteyen
S vnd ✾ (274) ✾
vnd Schantzen wider allen feindli
chen Gewalt auff das sicherist vmb
geben / da nun die obere Statt Jerusa
lem von dem Apocaliptischen Chro
nisten beschrieben wird / als habe sie
zwölff starcke Thor Apocal : 21 . Und
die Wiennstatt aber sechs Thor / als
kont mans für ein halbes Himmelreich
benambsen / wann man doch wil disen
Nahmen auff Erden mißbrauchen ;
vernünfftig aber ist es / daß ein Ve
stung nicht allein bestehet in hocher
bauten Ringmauren / vnd starcken Pa
steyen / sondern auch / ja vorderst in
gewehrhaffter Man̅schafft / dahero ist
auch die Wiennstatt jederzeit auff das
Vorsichtigst mit einer außerlesenen
Guarnison versehen gewest / welche
aber auch Anno 1679 . der allgemeine
Todt ziemlich gemustert / vnd hat zwar
von vhralten Zeiten hero die Wienne
rische Soldatesca ihr grosse Wacht
gehabt mitten in der Statt / vnnd
ist Schiltwacht gestanden auff dem
Orth ✾ (275) ✾
Orth Peters=Freythoff genannt /
heur hat der Todt die Ordnung vmb
gekehrt / auch wider den Willen der
hohen Offici ren / vnd haben der mehri
ste Theil müssen Schildwacht liegen
auff dem Freythoff / wie dann anfäng
lich diser grassirenden Pest der Todt
zum allerersten in die Wachtstuben ge
schlichen / auff den Pasteyen / allwo der
Soldaten ihre bequemliche Wohnun
gen seyn / vnauffhörlich Rund gegan
gen / vnnd auff ein vnbeschreibliche
Weiß vnter ihnen gewütet .
Man wird es mir dißfalls nicht für
Unguth außmessen / wann ich etwas
von Taback / als der Soldaten gewön
liches Confect beyfüge ; Dises Krauth
wird von Joanne Nicotio Francisci
II . Königs in Franckreich Rath vnnd
Legat en in Portugall Nicotiana , von
den Jnwohnern der Jnsul Virginiæ ,
Vppotwoc , von dem groß Prior in
Franckreich / der solches Krauth von
Nicolio zu Lysabona in Portugall
S 2 empfan= ✾ (276) ✾
empfangen ; Herba Magni Prioris ,
von den Jnwohnern Hispaniolæ Co
zobla , von andern Planta Indica , Pi
perina , Buglosum antarcticum &c .
genannt / ja hunderterley dergleichen
Nahmen gewinnt dises Krauth / mich
wundert nur / daß es keiner Herba
militaris , oder Soldaten=Krauth nen
net / zumahlen es bey niemand so ge
wöhnlich als bey disen / so viel man
aber von der Erfahrnuß bißhero war
genom̅en / hat dises Kraut ein sehr heil
same Würckung auch wieder die Pest /
wie dann Neander l . c . vermercket / daß
Weinrauthen vnd Taback in Wein
ein Stund geweicht / vnd mit Citroni=
Safft den Pestsüchtigen seye gegeben
worden / nicht ohne Nutzen : Abson
derlich seye dienlich bey diser Zeit der
Taback=Rauch / wieder den vergifften
Lufft / disen haben die gute Soldaten
allhier mehr als sonst nach Gewonheit
gebraucht / vnd er muhtmaßlich vie
len ein bewehrtes Mittel gewest /
viel ✾ (277) ✾
viel aber seynd gleichwohl von dem to
benden Todt hingerissen worden / als
zeuge er / daß er keinen Standt vnan
gefochter lassen wolle ; Der Todt thät
übersteigen / durch suchen / auß kund
schafften alle Pasteyen vnd Vestung=
Werck diser Statt / wo er etwan möchte
einen Soldaten erhaschen ; diser zaun
dürre Gefreitter mit keinem andern
Gewehr als mit seiner Todten=Sen
sen gange Rund durch alle Schiltwach
ten / machte den Anfang auff der
Kärner Pastey / von dannen auff
die Augustiner Cordina , von dan
nen auff die Burck Pastey / von dan
nen auff die Burck Cordina , von
dannen auff die Lewel Pastey / von
dannen auff die Lewel Cordina ,
von dan̅en auff die Melcker Pastey /
von dannen auff die Schotten Cor
dina , von dannen auff die Arsenal
S 3 Cordina, ✾ (278) ✾
Cordina , von dannen auff die Neu
Pastey / von dan̅en auff die Münch
Cordina , von dan̅en auff das Neue
Werck / von dannen auff die Piber
Cordina , von dannen auff die Do
minicaner Pastey / von dan̅en auff
die Stuben=Thor Cordina , von
dannen auff die Praun Pastey /
von dannen auff die Praun Cordi
na , von dan̅en auff die Wasserkunst
Pastey / von dannen auff die Kärner
Cordina ; vnnd wollt fast der Todt
auß einer jeden Pastey einen Graben
machen / absonderlich aber ist zwischen
der Schotten Cordina , vnd Ar
senal Cordina , ein Pastey mit Na
men Elend Pastey / welcher Namen
von vhralten herrühret / auff diser
hat der vnersättliche Todt zum meh
risten seinen Grimmen spüren las
sen; ✾ (279) ✾
sen ; dann allerliebste Soldaten /
ihr könnt mirs nicht absprechen /
daß in vnd an der Pest sterben / nit seye
warhafftig ein Elend zu sterben .
Der streitbahre König Asa / weil er
sich vorderist auff Gott verlassen / deß
halben ist er auch nicht verlassen wor
den / hat einest wieder die Mohren
Krieg geführet / auß denen in einer
Schlacht zehen mahl hundert tausend
geblieben . Paral . c . 14 . auff solche
Weiß sterben ist bey den Soldaten
kein Elend .
Gedeon der kühne vnnd tapffere
Kriegs=Held / deme gleichmessig der
Schutz deß Allerhöchsten der beste
Kriegs=Schild ware / hat ein blutige
Schlacht wieder vier König geführt /
in dero hundert / vnd zwantzig tausend
Mann in das Graß gebissen ; Joseph .
lib . 5 . Auff solche Weiß sterben / ist bey
den Soldaten kein Elend .
Als Boleslaus der fünffte König in
Pohlen wieder die Tartarn ein grosse
S 4 Mann= ✾ (280) ✾
Mannschafft in das Felt stellte / ist ih
me das Glück dergestalt mißgönnet
gewesen / daß er gar auff das Haubt
geschlagen worden / vnnd damit die
Tartarn die Anzahl der Todten möch
ten wissen / haben sie einem jeden auff
der Wahlstadt das rechte Ohr abge
schnitten / vnd gestaltermassen neun
grosse Säck angefüllt . Crome Crome. lib . 8 .
Auff solche Weiß sterben ist bey den
Soldaten kein Elend ; Dann es pfleg
te der Welt berühmte Soldat Epami
nondas zu sagen / Pulcherrimum esse
Genus Mortis , in bello mori , es seye
kein schönerer Todt als im Krieg . Plu
tar . in apoph . Aber im Quartier ster
ben / auff dem Strohsack sterben / ohne
sichtbahren Feind sterben / ohne Sieg
vnd Victori sterben / ohne Degen ster
ben / im Lazareth sterben / an der Pest
sterben / das dunckte manchen tapffern
Soldaten ein Elend seyn zu sterben /
vnnd seyn solcher Gestalten auß der
Wienne= ✾ (281) ✾
Wiennerischen Guarnison nicht nur
hundert / nicht nur zwey hundert / nit
nur drey / vier / fünff vnd sechs hun
dert / sonder mehr von der leydigen
Sucht hingerissen worden / also zwar /
daß man genöthiget worden / die be
rühmtiste Vestung mit neuer vn̅ taug
licher Mannschafft zu versehen ; ein
Elend ist es allen Augen vorkommen /
wann sie fast täglich sahen / abson
derlich in dem Monath September
vnd October , wie die Schildwachten
auff den Pasteyen gantz erbleichter ge
standen / vnnd manches mahl wäre
vonnöthen gewesen / die Mußqueten
hätte den Soldaten getragen / vnnd
nicht der Soldat die Mußqueten ; ist
aber dessen kein Wunder / dann er sa
he den gantzen Tag / die gantze Nacht
nichts als Todten=Wägen / Todten=
Truhen / Todten=Trag / Todten
Sessel : O wie mancher / als man ne
ben seiner einen Wagen vmb den an
dern mit Todten angeladener zu dem
S 5 Thor ✾ (282) ✾
Thor hinauß geführt / dachte bey ihm
selbsten / vielleicht morgen / vielleicht
übermorgen wird diser mein Matter = Leib matter Leib auch dise Strassen wandern / vnd
dises elenden Todts sterben ; das
heist Schildwacht abgelöst auff der
Elend=Pastey .
Liebe Soldaten / was die Pastey
dises Nahmens in Wienn anlanget /
kan ich nichts wider leinen / aber ihr
bekleidet mir ins gemein den Todt mit
lauter Elend=Leder / ihr müst aber
wissen / daß nicht ein jeder Todt sol
chen Titel verdienet ; wann ich schon
stirb in einer stinckenden Senckgru
ben / wie die Römische Jungfrau Fe
licula Mart . Rom . So ist diß doch kein
Elender Todt / wann ich nur mit gu
ten Gewissen stirb / vnnd keinen Ge
stanck der Todt=Sünd an mir habe .
Wann ich schon stirb in einem tief
fen Brunnen / wie der Burgundische
König Sigismund . Æmil . lib . 1 . So
ist dannoch diß kein elender Todt / da
fern ✾ (283) ✾
fern mir nur die Gnad Gottes nicht
in Brunnen gefallen ; Wann ich schon
stirb durch Einfallung eines Hauß /
wie der starcke Held Samson / Jud . 14 .
so ist gleichwohl diß kein elender Todt /
wann nur mein Gewissen gantz ver
bleibet .
Wann ich schon vor Hunger stirb
wie der Engelländische König Richar
dus II . Polydo Polydo. lib . 2 . da ist auch diß
kein elender Todt / so nur die Seel mit
der Gnad Gottes ersättiget ist . Wann
ich schon stirb in einem kothigen Mo
rast / wie der Ungarische König Lud
wig / Jovi . so ist gleichwohl diß kein
elender Todt / wann nur das Gewis
sen nicht bemailiget ist . Wann ich
schon stirb in einer Schlacht / wie Ala
ricus König in Spanien . Ritius . nichts
destoweniger ist auch diß kein elender
Todt / wofern nur die Seel kein tödt
liche Wunden hat . Wann ich schon
stirb in einer Jagt = wie Jagt / wie Kayser Ludo
vicus Bau . Hedio . so ist diß keines
Wegs ✾ (284) ✾
Weegs ein elender Tod / dafern nur
die Seel nicht in die Garn deß bösen
Feinds gerath . Wann ich schon stirb
an einer Mucken in einem Trunck /
wie Adrianus der Vierdte / Naucl .
so ist diß auch kein elender Todt /
wann nur nicht sündige Grillen in
dem Gewissen eingenistet haben .
Also wan̅ ich schon stirb an der Pest /
so ist diß kein elender Todt / dafern
nur die Gnad Gottes in mir lebet / ist
doch der Heil . Ludovicus König in
Franckreich an diser laidigen Sucht
gestorben : Æmil . Dahero laß sterben
den Leib im Feuer / oder im Lufft / oder
im Wasser / oder auff Erden / was
liegt daran ? Laß sterben disen Ma
densack / disen Mist=Fincken / dises
Wurm=Nest / dises Laim=Hauß / di
sen Knollfincken / dise Kothbutten / di
ses Eyter=Geschierr / disen Erdstrol
len ; laß sterben / ein mächtigs Weesen !
Dises gastige Rathhauß / disen leben
digen Wuest / disen Laim=Lümmel / di
sen ✾ (285) ✾
sen Wiltfang / disen Sauwinckel / di
se Gestanck=Büchsen / disen zierlichen
Unflat / diß lebendige Aaß / disen
Aprillanten / dise verhüllte Senckgru
ben / disen Geschwersüchtigen Dal
cken / disen Kretzen=Marckt / dises
sechs Schuch lange Nichts / laß ster
sten sterben / laß verderben / er ist nicht zu be
tauren / müst nur seyn / daß man et
wan einer Mistbutten einen schwartzen
Flor solt anhängen / damits für ihn die
Klag trage / Si consideras , quid per
os , quid per nares , quid per aures
cæterosque corporis meatus exit ,
vilius sterquilinium non vidisti .
Spricht gar schön von dem schantli
chen Leib der klare Vollensische Abt
‘ Bernhardus . Mein Mensch / wann du
‘ erwegest / was du durch das Maul /
‘ durch die Nasen / durch die Ohren /
‘ vn̅ durch die übrige Leibs=Porten für
‘ ein Unflat außführest / kanst doch kein
‘ gastrigern Misthauffen nicht antref
‘fen / als dich .
Laß
✾ (286) ✾
Laß demnach sterben den Leib / dises
Krancken=Spittal / dises Spott=Mu
ster / dise kleine Portion der Erden ;
laß sterbe̅ / laß verderben wie / wo / wan̅ /
wordurch er stirbt / liegt nichts daran /
aber das bitt ich dich vmb das Blut
JEsu Christi / das bitt ich dich vmb
deiner Seelen Seeligkeit willen / mit
auffgehebten Händen schreye ich vor
dir / ja in beede Ohren / du wollest
die Seel nicht sterben lassen / die Seel /
dises künstliche vnd köstliche Ebenbild
Gottes / die Seel / dise schöne vnd schei
nende Contrafee der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit / die Seel / dises kost
bahre vnd schatzbahre Kleynod Got
tes / die Seel / dise friedliche vnnd
freundliche Schwester der Engeln / di
se O Mensch ! laß nicht sterben / wel
ches da geschicht durch ein freywillige
Todt=Sünd / diser Todt allein ist
ein Elend .
Allhier
✾ (287) ✾
Mittam Pestilentiam in medio vestri :
Lev . 26 .
Menschen=Witz / was quälst dich viel /
Mit Sinnen vnd mit Tichten /
Du jrrest doch / verfehlst das Ziel /
Und fangst nur lähre Geschichten /
Siehe / meine Sensen hat gewetzt /
Der die Menschen zu Richten gesetzt /
Wirst sonst keinen andern finden /
Singt vnd sagt nun alle Leuth /
Gott strafft wegen der Sünden .
✾ (288) ✾
Allhier wird der jenige ent
deckt / welcher die Wiennstatt /
wie auch sonst andere Orth der Welt
mit der Pestilentzischen Seuch angesteckt .
WAs die Pest seye / thun es mit
reiffem Urthel die wolerfahr
ne Medici gnugsamb entör
tern / sprechent / die Pest seye
ein gifftige / ansteckende / tödtliche
Kranckheit / von einer solchen gifftigen
Materi herrührent / welche dem Her
tzen durch auß vnd forderst zuwieder /
alle dessen Lebens Geister vnd Kräff
ten vnversehens abzehret / wie nit weni
ger auch viel schantliche Zufäll vnd Ne
bens=Schwachheiten Lebens-Schwachheiten mit sich führet ;
Worvon die Pest verursacht wer
de / beantworten es mehrmahl die
Artzney= ✾ (289) ✾
Artzney=Erfahrne / vnnd fügen es
zweyerley Ursachen bey / tadlen entwe
der die Gestirn / daß diselbe mit ihren
Influen tzen vns mißgönnig / oder ro
pffen es den jrrdischen Clementen Elementen vor /
daß sie mit ihren gifftigen Dämpffen
vnd verfaulten Qualite ten vns solche
Ubel schmieden ; Jch lobe so weit der
Medicorum Aussag / vnnd wolt der
Zeit ihnen nicht gern einen Stein in
den Garten werffen / allein ihr Wahr
taugt mir auff meinen Marckt nicht /
vnd ob ich schon mit dem Heil . Pau
lo nicht bin verzuckt worden in dritten
Himmel / auch nicht in das Protocoll
der göttlichen Geheimnuß einge
schaut / so weiß ich doch / daß diser
gifftige Pfeil mehristen Theil von der
Hand Gottes abgetruckt wird / wie
dessen vielfältige Zeugnuß die göttli
che Schrifft beylegt : Exod . 5 . 9 . Jerem .
14 . 21 . 24 . 27 . 29 . 32 . 34 . 38 . 42 . 44 .
Ezech . 5 . 6 . 7 . 33 . 38 . Levit . 26 . Num .
14 . Deut . 28 . 2 . Reg . 24 . 3 . Reg . 8 . 1 .
T Para. ✾ (290) ✾
Para . 21 . 2 . Para . 6 . 7 . 20 . Jerem . 21 .
29 . 37 . Ezech . 5 . 7 . 12 . 14 . 28 . &c .
Auß welchem augenscheinlich kund
bar vnd offenbar / daß die Pestilentz
ein Ruthen seye / so die obere Hand
Gottes flechtet ; Allbekant ist / was
dem David disem Jsraelitischen Mo
narchen begegnet / vmbwillen selber
wieder den Willen Gottes das Volck
gezehlt / vnd dardurch etwan einen
eitelen Ehren=Kützel empfunden / daß
ihn deßhalben GOtt gezüchtiget mit
der Pestilentzischen Seuch / wordurch
in drey Tagen von dan̅ Dan biß gen Bersa
bea in die siebenzig tausend Männer
verzehrt worden ;
Meine Menschen / ihr gebt mir diß
fals eine fügliche Anleitung / weitläuf
figer von der schweren Hand Gottes
zu schreiben / vnd ob ich zwar mit mei
ner geringen Lehr keine Bäumer würd
außreisse̅ / so traue ich doch wenigst den
Baum zu zeigen / worvon Gott die Ru
the̅ flechtet . Diser Baum ist die Sünd .
Mich
✾ (291) ✾
Mich dunckt / ich sehe vor Augen
einen Bachomium in der Wüsten /
welcher allda zwischen den holen
Stein=Klüfften seine Wohnung auff
geschlagen / so mehrist in vier krumpen
Stützen sambt einem von zerrüttenen
Gsträuß durchsichtigen Tachwerck be
stehet / er aber nach vollzogenem eyff
rigen Gebett / vnnd langwierigen
Psalliren eine kleine Hand=Arbeit
vor ihme / vnnd damit ihn die alte
Schlang nicht feyrend ertappe / etli
che rauche Decken von Bimbsen flech
tend / sitze bey einem Felsen / auß dem
die silberne Wasser=Adern herauß
strudlen / welche durch ihren Christal
linen Fall ein annehmliches Getöß
verursachen / nebenst darbey auff den
grünen Nastlen die liebe Wald=Vö
gerl / welche gar offt pleno Choro mit
ihren natürlichen Trillern vnnd klar
schallenden Halß=Flötel den Wald zu
einer Singstuben verwandlen / auch
T 2 die ✾ (292) ✾
die lauffende Hirsch / die springende
Dendl / die bockende Hasen / die
schleichende Beern / die kriechende
Taxen / die kirrende Schwein für ste
te Spießgesellen ohne Spieß / wil sa
gen ohne Schaden / bey sich vnd vmb
sich siehet / welches alles ihme zu einer
Ergetzligkeit dienet / absonderlich aber
duncket mich / als spiele der gottseelige
Waldbruder gar offt mit dem Echo
oder Wiederhall / welcher ihme die kla
re Seuffzer gantz artlich wiederholet /
Exempelweiß / der Heil . Eremit er
hebt dise Stimm O barmhertziger
JEsus ! so wird alsobald der Echo
vnd Wiederhall / diser leiblose Stimm
fanger / dieser vnsichtbare Redner die
Antwort gleich lautend wieder ent
gegen kehren / O barmhertziger
JEsus ! ist es Sach aber / daß etwan
der fromme Einsidler von der arglisti
gen Höll=Schlangen gar zu hefftig an
gefochten wird / vnd schier auß Heil .
Ungeduldt ✾ (293) ✾
Ungedult auffschreyt / O du ver
ruchter Teuffel ! So glaube / daß
der Echo seine vorige Heil . Sprach
beyseits lege / vnd vnverzüglich auch
wieder entgegen ruffe dise Wort /
O du verruchter Teuffel ! der Echo
ist ein solcher angenehmer Leuth=
Spöttler / daß er jederzeit einem
danckt / wie man ihn empfangt / wer
ihn schimpffet / Du bist ein Dieb /
der ist ohnfehlbahr dises Gegen Titul
gewärtig ! wer ihme schmeichlet / Du
bist mir lieb / dem wird er Sylben
weiß dise Zucker=Wort zu ruck werffen :
Mit einem Wort / wie man sich gegen
disem Echo haltet / so haltet er sich
wieder .
Der ewige GOtt ist einem solchen
Echo oder Wald=Stimm gantz ähn
lich vnd gleich / dann es ist die vnge
fälschte Warheit / wie wir vns gegen
GOtt zeigen / daß sich GOtt also ge
T 3 gen ✾ (294) ✾
gen vns zeige / Qualis appares Deo ,
talis oportet , ut appareat tibi Deus ,
sagt mein Heil . Ertz=Vatter Augu
stinus ; verehrest du deinen GOtt /
so verehrt dich GOtt hinwieder / vnd
segnet dich sambt den deinigen ; den
ckest du selten an GOtt / vnnd nisten
dir die Welt=Schnacken immer in dei
nem Hertzen / so denckt auch GOTT
wenig an dich / vnnd muß folgsamb
dein Glück verrosten ; kehrest du Gott
durch die Missethat den Rucken / so
wendet auch der Höchste seine Augen
von dir / vnd gestaltermassen muß all
dein Heyl verschimplen ; Halt das
Maul / du Statt / du Land / du König
reich / es ist ein Frevel / wann du vor
giebest / es habe dich GOTT ohne
Schuld verlassen / wisse / weil du
gantz Gewissenloß durch so viel Un
thaten GOtt vorderist verlassen / daß
er dich mit gleicher Müntz auß zahle /
gedencke / daß der gerechtiste GOtt
dißfalls gleiche einem Spiegel / so man
diesem ✾ (295) ✾
disem gläsernen Richter ein sauers
Gesicht zeiget / so wird er dich wohl
auch nicht freundlich anblicken ; vnnd
wie ? Sollen wir GOTT beleydigen /
vnd GOtt soll vns belohnen ? Ver
blendter Mensch ! probier es / vnd giebe
acht auff den Wald Echo , ob dersel
be auff die Stimm beleydigen / hin
wieder setz die Stim̅ belohnen ? das
wohl nicht ;
Zu Santaremo in Portugall weh
ret auff den heutigen Tag nachfolgen
deß Wunderwerck ; an demselben Orth
wird mit absonderlicher Andacht ver
ehret die Bildnuß vnsers Heylands /
mit schönen kostbahren Christall be
deckt / worbey dises ewige Miracul
zu finden / das gedachte Bildnuß in
vnterschiedliche Gestalten sich ver
wandlet / vnd schauet es ein vnschuldi
ger vnd Jungfräulicher Jüngling an /
so dunckt ihn dises Bild seye ein Con
trafet Christi / als er zwölff Jahr alt
T 4 ware; ✾ (296) ✾
ware ; Jst das ein vollkom̅ner vnnd in
Christlichen Wandel gerechtfertigter
Man̅ selbes Man̅ so selbes ansiehet / so scheinet es ihm
nicht anderst / als sehe er JEsum im
dreyssigsten Jahr / da er angefangen
zu lehren ; Unterstehet sich aber je
mand mit einer Todtsünd behafft di
se Heil . Bildnuß zuschauen / so wird
er hoch betheuren / es komme ihme
JEsus vor in der Gestalt / wie er an
dem Creutz gehangen / oder wie er
kommen wird zu richten die Lebendi
gen vnd die Todten . Assiduo mira
culo in pellucida Christallo visitur
Christus , pro cujusque devotione ,
nunc puer tenellus , nunc duode
cim annorum , nunc triginta , nunc
crucifixus , nunc Judex rigidus : Cor
nel . à lap . in Exo . c . 28 . Es zeiget sich
nicht allein an disem Orth durch ein
stetes Wunderwerck GOtt also / wie
man sich gegen ihm zeigt / sondern in
der gantzen weiten breiten Welt las
set der Himmel kein andere Manier
spüren ✾ (297) ✾
spüren ; vnd erfahren es so wohl Un
gerechte als Gerechte die genaue Ur
thel Gottes / wiewohl dieselbe nach
der Ellen vnserer Werck gemessen seyn .
Einmahl zur rauchen Winter=Zeit /
da der Erdboden mit weisser Decken
überhüllt / die Bäumer wie die sieben
tzig jährige alte Tattel mit weissen
Haaren überwachsen / die Hauß=Dä
cher vnter sich mit langen Spitzen
verbrambt / das ist / mit durchsichtigen
Eyßzapffen / die klare Bächl durch die
übermessige Kälte wie ein Christall er
hartet / die Wasel vnd Grasel mit
gleicher Liberey bekleydet / die Fustap
ffen Fußstapffen so wohl deß Wolffs als deß
Wolffgangs verrathen / da die Stau
den mit Schneeflocken bedecket / als
wolten sie den Mayen Blüh halber tru
tzen ; zu einer solchen Zeit / da man die
Händ in Busen steckt / wollte die Edl
schöne Princessin deß Königs Hero
dis sich mit einer Jagt erlustigen / vnd
in solcher Weidmannischer Unruhe
T 5 ihre ✾ (298) ✾
ihre Freud suchen / zu solchem End
fahrt sie auß mit einer ordentlicher
Begleitschafft / vnnd weil man den
Weeg muste über einen zugefrornen
Fluß nehmen / also ist ihr in Unter
thänigkeit eingerathen worden / daß
sie solchen kurtzen Weeg möchte zu Fuß
verrichten / es geschicht also / dise steigt
ab / sie geht / sie schleifft / sie schlipffert /
sie fallt / wordurch das Eyß / ist kein
Wunder / ob solcher schweren Sünde
rin / eingebrochen / daß sie also mit dem
blossen Kopff herauß geschaut / vnnd
weilen sie mit den Füssen ; in Willens
ihr zu helffen / hin vnd her zappelte / hat
ihr das scharpffe Eyß den Kopff wurtz
abgeschnitten / vnd also die vnvermuthe
Henckers=Stell vertretten ; O was
Unglück ! zu Hoff alsbald dise trau
rige Zeittung ankommen / erhebte sich
ein vngewöhnliches Geschrey vnd la
menti ren / vnter andern schlugen die
Cammer=Jungfrauen ihre Händ
ober dem Kopff zusammen / mit diser
so ✾ (299) ✾
so wohl kläglicher als klagender als klagender Stim̅ /
wann es doch hätte sollen geschehen /
daß dise wunderschöne Princessin in
den blüenden Jahren hätte sollen ver
welcken / wann es gleichwohl auff sol
che Weiß der Todt nicht hätte ange
tast ! O ihr lappische Cammer=Brut !
ziehet ein wenig eure gekrauste Haar
locken auff die Seiten / damit ihr kön
net recht in die Höhe schauen / vnd die
gebillichte Urtel Gottes ansehen / daß
nemblich GOtt mit gleicher Müntz
bezahle / Judicium Dei nostris actio
nibus assimilatur ; Dise Princessin
hat durch Hupffen vnd Tantzen dem
Heil . Joanni das Haubt abgesprun
gen / also hat ihr rechtmessig durch
Hupfen vnd Gumpen das Eyß den
Kopff abgeschnitten / gleiche Müntz .
Wie du dich gegen Gott verhaltest /
so verhalt sich GOtt gegen dir / bist du
anjetzo so vermessen / daß du dem
Nechsten seine Ehr abstimmelst ohne
einige Ursach / vnnd ihme den guten
Nahmen ✾ (300) ✾
Nahmen als das edleste Kleynodt
entfrembdest / nach zehen Jahren /
wann du oder deine Kinder vnverhoff
ter Weiß den Leuthen in die Mäuler
gerathest / vnd allerseits von solchen
gifftigen Zungen=Wiesel angeblasen
wirst / verwundere dich nicht / sondern
dencke zuruck / so wirst du gar schön
registrirter finden / daß dich GOTT
mit gleicher Müntz bezahle ;
Jch habe selbst einen gekennt / welcher
sich öfftern gantz übermüthig verneh
men ließ / als sehe er lieber einen dick
kräsenden Juden als einen Geistlichen /
nach viel Jahren hat es sich begeben /
daß solcher mit einer tödtlichen Kranck
heit gähling überfallen / deßwegen der
Diener gantz eylfertig nach einem ge
wissen Kloster muste lauffen vmb einen
Beichtvatter / deme dann die geschwin
de Antwort kommen / daß der Pater
schleunig werde nachfolgen / der Pater
samt seinem Gespan gehen hurtig auß /
vnd ist ihnen die Wohnung obgedach
ten ✾ (301) ✾
ten Herrens so bekannt gewest / wie
die Stephans Thumbkirchen allhier /
nichts destoweniger / durch absonderli
che Schickung Gottes seynd sie zwey
gantzer Stund in der Statt durch al
le Gassen herumb geirret / vnd als sie
endlich das bekantiste Hauß erreicht /
ist ihnen der Diener mit der traurigen
Zeittung entgegen gangen / daß sein
Herr gleich jetzt seye verschieden : O
gleiche Müntz !
Ein manche Statt oder Land wird
von dem gerechtisten GOtt mit ei
ner gifftigen Pestilentz heimbgesucht /
wordurch die Menschliche Leiber durch
abscheuliche Drüssen / durch vergiffte
Beulen / vnd Tüpeln / durch grauß
liche Geschwer elendiglich vergehen /
O gütigster GOtt ! seufftzet mancher /
warumb züchtigst du also ? ein Erd
bidmen ist auch ein Straff / ein Was
sergieß ist auch ein Straff / ein allge
meine Feuers=Brunst ist auch ein
Straff / Kriegs=Lauff ist auch ein
Straff ✾ (302) ✾
Straff / Vnfruchtbarkeit der Erden
ist auch ein Straff / wie das nicht ei
ne auß disen Ruthen dir ist in die
Händ kommen ? Ey du vnbesonner
Mensch / es scheint / du habest eine
so lange Gedächtnuß / daß sie ein halb
Jähriges Kind möchte überspannen /
wie offt hat man dir schon vorgesun
gen / daß GOtt mit gleicher Müntz
bezahle ; darumb wird manche Statt /
ich rede endlich nicht von Wienn / ob
zwar dises Orth gar kein Rosen ohne
Dörner / ist mit Pestilentzischen Leibs=
Geschweren / vnd gifftigen Beulen
gezüchtiget / weil auch GOtt mit gai
lem Leib / mit Viehischen Leibs=Ge
lüsten ist beleydiget worden . Das An
no 1127 . ein so grosse Pest durch
gantz Europa grassiret / darvon schier
der dritte Theil Menschen vnter die
Erd kommen / sagt man / seye schuldig
gewest die damahlige Zusam̅enkunfft
♄ . vnd ♃ in ♍ . das Anno 1346 .
ein solche Pest erfolget / die schier al
le ✾ (303) ✾
le Länder außgekehrt / hat man die
Schuld zugemessen gedachter zweyen
Planeten Conjunction in ♒ . Zu Zei
ten Marci Antonij hat die Pest Grie
chenland / Babilonien / vnd Jtalien
jämmerlich durchstrichen / vnd soll diß
Vbel von der Zusammenkunfft ♂ vnd
♄ kommen seyn . Anno 1574 . ist ein
grosse Pest entstanden / vnnd haben
müssen das Bad außtrincken ♄ vnd
♃ / weil sie sich mit ☿ vnd ♂ nicht
recht könnten vergleichen : muß also
gar offt die Conjunction eines lang
samben Saturni , eines türmischen
Martis , eines hochmüthigen Jovis ,
oder eines andern Planeten die Schuld
tragen / als seye durch sie diß oder je
nes Orth angesteckt worden / da vn
derdessen der Planet Venus die Kuh
gestohlen . Vnd wann endlich die
Planeten vnd Clementen Elementen nicht vn
schuldig / sonder in der Warheit ih
re böse Würckungen solches Vbel
schmiden / so seye du dannoch verge
wist / ✾ (304) ✾
wist / das alles dises vhrheblich der
Sünd zuzueignen / welche auch die
vernunfftlose Gstirn in Harnisch brin
get .
Wie Christus der HErr / das Gött
liche Lamb auff das Creutz genaglet
worden / damahlen haben die He
breer wohl vnser Glück an Nagl ge
henckt ; wie diser Geber vnd Uhrhe
ber deß Lebens / Todts verblichen am
Creutz / vnnd also durch den alten
Schuld=Brieff deß Adams ein Creutz
gemacht / alsbald hat sich die liebe
Son̅ verfinstert / vnd ist über den gan
tzen Erdboden ein allgemeine Finster
nuß worden ; etwann der Ursach hal
ber / weil nach löblicher Gewohnheit
wegen Absterben eines Verwandten
man sich mit schwartzen Klag=Kleyd
anziehet / vnd weilen Christus ein
Sonn der Göttlichen Gerechtigkeit
ware / also hat solches Himmels=
Gstirn ebenmässig sich mit einem
Trauer=Mantl wollen überhüllen .
Ein=
✾ (305) ✾
Ein anderer frommer Contem
plant vermeinet / es seye die schöne
Sonn also ob dem schmertzlichen Todt
JEsu erschrocken / vnd solches Leyd
darüber gefast / daß sie gantz erblei
chet / vnd fast keiner Sonnen mehr
gleich / ja gar etlich Stund gleichsam
in Ohnmacht gelegen : Jch stimme
dißfals dem gelehrten Tostato bey /
vnd halte gäntzlich darvor / daß wie
das strahlende Sonnenliecht hat ge
sehen / die vnmenschliche That der He
breer / in dem sie den wahren Erschaf
fer gecreutziget / seye sie also darüber
ergrimmet / daß sie ihr glantzendes
Angesicht abgewend / als spreche sie /
ihr gottlose Menschen / ihr seyd nicht
wehrt / daß ich euch günstig anscheine /
vnd anschaue / weil ihr Gottes Sohn
getödtet .
So man die jährliche Calender
durchblättert / so wird neben andern
zu lesen seyn / wie daß die Planeten
vns so mißgönnig / bald trohet der
V Mercu- ✾ (306) ✾
Mercurius , bald siehet saur auß der
Mars , bald zürnet die Sonn / bald
pfnottet der Mond / vnd zeigen sich al
le Planeten gegen vns feindlich / als
wolten sie sagen / ihr sündige Men
schen wundert euch desthalben nicht /
daß wir euch so vngnädig / ihr seyd
nicht wehrt / daß wir euch mit günsti
gen Influen tzen begegnen / indem ihr
täglich vnsern Schöpffer an das Creutz
naglet / vnnd tödtet / welches Quoad
causam wie August . vnnd Thomas
Ang . lehren / jederzeit geschicht durch
ein freywillige Todt=Sünd : Dahero
wird auch am Jüngsten Tag der
Monschein in der allgemeinen Auffer
stehung glantzen wie die Sonn / die
Son̅ aber wird noch siebenmahl grös
sere Strahlen von sich werffen / als
anjetzo / alle Planeten werden mit
weit prächtigerem Schein auffziehen /
als sie der Zeit pflegen / auß Ursach /
weil zur selben Zeit die Sünden der
Menschen sich werden enden / spricht
der ✾ (307) ✾
der Englische Lehrer mit Vatablo N .
q . 91 . a . 3 . welches auch vermuthlich
dazumahlen gewest ist / als die Sünd
noch nicht außgebrüt ; daß aber der
zeit alle Himmels=Gestirn vns so
schel anblicken / vnnd immerzu finstere
Gesichter weisen / seynd die Ursach vn
sere Sünd / westhalben sie vns also an
feinden : Omnia propter hominem
facta , sunt ejus lapsu pejorata , &
Sol & Luna in suo lumine minorata .
Daß auch die Elementen von Tag zu
Tag in ihrem Spendiren gegen vns
gesparsamer seyn / ja fast allezeit einen
verdrießlichen vnd schädlichen Streitt
gegen vns führen / ist auch kein andere
Ursach / als die Sünd .
Cain der erste Bauer / Cain autem
erat Agricola , wor von worvon vielleicht her
rühret / daß alle Bauren Cain heissen /
wenigst ist ihr allgemeine Klag / daß
mans ziemlich keyen pflegt ; Diser
gottlose Mensch gantz eingenommen
von dem Neid gegen seinem Bruder
V 2 Abel / ✾ (308) ✾
Abel / beschliest bey ihme / demselben
den Kehrauß zumachen / vnnd wie über
alle Boßheiten die Politica ein Fute
ral muß abgeben / also hat auch er vn
ter dem Schein einer Freundligkeit den
Abel gar brüderlich angeredt / Egre
diamur in agrum , ob es ihme nicht
beliebe / ein wenig auff das Feld zu spa
tziren ; der fromme vnschuldige Bru
der muthmasset nichts Ubels / bildet
ihm gar nicht ein / daß sein Bruder
soll mit Bernheuterzeug gefüttert seyn /
gehet derohalben mit ihm hinauß / all
dort / wie der Bößwicht seinen Forthl
ersehen / schlagt er hinterwerts mit ei
nem dicken Ohr=Löffel den vnschuldi
gen Abel zu todt / worüber alsobald
das vnschuldige Blut Rach geschrien /
vnd was noch mehr ist / schreibt der
Heil . Ambrosius , daß an demselben
Orth / wo diser blutige Bruder=Mordt
vorbey gangen / habe sich der frucht
bare Acker augenblicklich in ödes Feld
verwandlet / vnd nichts als Distel vnd
Unkraut ✾ (309) ✾
Unkraut getrage̅ / gabe also dises nidere
vnd in allweeg sonst gedultige Element
zu verstehen / daß es wegen der Sünd
dem Menschen nicht mehr möge nu
tzen . Propter scelus igitur hominum
& ipsa Elementa damnantur . Amb .
in lib . de Cain .
Wan̅ man an heut einen alten vnnd
Eyßgrauen Bauren / der schon an
statt deß Pflugs seine Arm mit der
Krucken vnterstützet / solle befragen /
was vor disem für Zeiten seynd ge
west / so wird er sein Zahn=ödes Maul
in alle weit auffreissen / vnd ein O dem
Senff=Fassel Raiff nicht vngleich ma
chen / O lieber Herr ! Es seynd keine
solche Jahr mehr wie vor disem / ich
denck noch wohl / daß mein Acker in der
Steinrey / hat mir zwey Muth Korn
getragen / jetzt fexe ich kümmerlich sechs
Metzen / vor disem hab ich ein Scheur
angefüllt / daß jetzt vnser Edelman mit
pochen wurde / nun ist alles nicht mehr
wie vor Zeiten .
V 3
So
✾ (310) ✾
So man einen alten Hauer / der
Jahr vnd Haar halber den Kopff zur
Erden senckt / als suche er ihm schon
ein Grab auß / solle ihn die Frag stel
len / was er der Zeit von dem Wein
garten halte / so wird er noch wohl mit
seiner rothen Nasen nasenwitzig genug
antworten / daß keine Jahr mehr seyn /
wie gewesen ; vor Zeiten habe ihme
ein Weingarten funfftzig Emmer ge
tragen / in dem anjetzo kaum so viel ge
fext wird / daß zu einem Opffer=Wein
für ein Dorff Capellen klecket / es seynd
nicht mehr die vorige Zeiten : Jst wahr /
wahr ists / der Acker ist nicht mehr so
gut / auff dem Acker wachset das
Trayd nicht mehr so gut / der Wein
garten ist nicht mehr so gut / in dem
Weingarten ist der Weinstock nicht
mehr so gut / der Baum ist nit mehr
so gut / auf dem Baum wachst der
Apfel nicht mehr so gut / alles vnnd
alles ist nicht mehr so fruchtbar / so
gut / wie vor Zeiten / ist wahr / so wisse
aber ✾ (311) ✾
aber auch / daß die Leuth nicht mehr so
gut / die Sitten nicht mehr so gerecht /
wie vor disem / die Elementen richten
sich nach dem menschlichen Wandel /
ist der schlim / so tantzen sie / wie wir
pfeiffen / vnd seynd auch böß .
Schlag ein wenig die Bücher vmb / so
wirst du mit Verwunderung lesen /
daß vor alten Zeiten man da hier zu
Wienn einen Tagwercker deß Tags
mit einem Pfennig besoldet ; man lie
set in den alten Oesterreichischen Ge
schichten / daß die von Wienn einen
Hertzog haben mit einem präch
tigen Panquet empfangen / sambt ei
nem lustigen Badt / wie es damahl
die Gewohnheit / vnd sollen sich die Un
kosten gar auff sechs Gulden erstreckt
haben / welches zur selben Zeit eine ab
sonderliche Summa war : ich habe ein
vhraltes Buch auß der berühmten
Kayserl . Bibliotec durch absonderliche
Gnaden auff kurtze Zeit zu lesen erhal
ten / worinnen die Beschaffenheit vn
V 4 sers ✾ (312) ✾
sers Klosters von dreyhundert Jahren
her gantz deutlich entworffen / vnter
andern ist mir denckwürdig vorkom
men / daß in vnser Kayserl . Hoff=Kir
chen vor disem ein Heil . Meß vmb
drey Pfennig ist gelesen worden / ist
aber dise Ursach / weil man dazumahl
vmb drey Pfennig könte so viel Lebens=
Mittl schaffen / was anjetzo ein halber
Gulden kaum richtet / dann alles war
zur selben Zeit gantz wolfeil / vnnd
darumb alles so wolfeil / weil alles
wohl gerathen / vnd nie oder selten ein
fehl Jahr / darumb alles so wohl ge
rathen / weil die Himmels=Gestirn
mit ihren Influen tzen die Erden also
begnadet / die Erde hinwider mit
häuffiger Fruchtbarkeit geprangt /
vnd alle Elementen mit absonderlicher
Wohlgewogenheit auff deß Menschen
Seiten gewest / warumb aber ? damit
ich alles außfische / waren dazumahl
alle Elementen so favorabel ? darumb /
weil auch die Menschen besser waren .
Dazu=
✾ (313) ✾
Dazumahl waren die Leuth viel
frömmer / die Gerichter viel gewissen
haffter / die grosse Herren viel behut
samer / die Geistliche viel eyffriger /
die Alte viel eingezogner / die Junge
viel sittsamer / die Männer viel mäs
siger / die Weiber viel tugendsamer /
die Töchter viel schamhafftiger / die
Reiche viel freygebiger / die Arme viel
gedultiger / der Edlmann viel demü
thiger / der Baur viel redlicher / der
Burger viel GOttsförchtiger / der
Handwercksmann viel embsiger / der
Dienstbott viel treuer / die Leuth viel
Gottseeliger / vnd destwegen auch
viel Glückseeliger : Das aber bey
der Zeit ein Elend dem andern die
Schnallen in die Händ reichet / ein
Trübsall an der andern Kettenweiß
hanget / ein Unglück das andere auß
brütet / ja schier alles vmbgekehrt / vnd
zu weilen der Winter dem Sommer
in die Karten schaut / der Sommer
V 5 zu ✾ (314) ✾
zu Zeiten dem Winter in das Hand
werck greifft / der Frühling mit dem
Herbst / der Herbst mit dem Früh
ling pochet ; Kein Jahr ist mehr in den
Zeiten / wie es soll seyn / sondern von
oben / von vnten / vnd auff der Seyten
nichts / als lauter Trübsall ; ist aber Ur
sach / merckt mir diß wohl / Ursach al
les diß Vbels / ist das Vbel / verstehe
die Boßheit vnd Sünd jetziger ver
kehrter Welt : der du zu Wien̅ bist / der
du vmb Wienn bist / der du hundert
Meil von Wienn bist / der du zu Cal
lecuth bist / so offt dir etwas widri
ges begegnet / glaube es vest / das es
wachse von der Wurtzel / die heist die
Sünd / das es gebohren werde von
der Mutter / so da ist die Sünd / das
es geschnitzlet werde von dem Mei
ster / welcher ist die Sünd : wer gibt
freyen Paß allen Trübsalen in die
Welt ? Du Sünd ; Wer schmidet dem
blutigen Marti seine Waffen ? Du
Sünd ; Wer wetzet den wilden Thie
ren ✾ (315) ✾
ren gegen vns ihre Zähnd ; Du Sünd ?
wer veranlasset den Lufft / das er vns
Schaden zufüge ? Du Sünd ; wer ri
glet die Erd / daß sie erbömet ? Du
Sünd ; wer spohret das Feuer / das
es vns brenne ? Du Sünd ; wer wal
tzet die Wellen / daß sie vns träncken ?
Du Sünd ; wer spitzt den zaun
dürren Todt seine Pfeil ? Du
Sünd .
Rupertus Olkort schreibt was denck
würdigs / das nemblich in einer ge
wissen Provintz in Engelland sich ha
be einmahl gar ein fruchtbahres Jahr
angelassen / vnd als das liebe Traidt
schon gezeitiget / vnd gleichsamb die
vnter sich geneigte Korn=Aehren die
Sichel stillschweigend beruffen / sie sol
len kommen vnd einschneiden ; siehe / da
haben sich vnverhofft ein vnzahlbahre
Menge wilder Heuschrecken eingefun
den / welche dergestalten die frucht
bahre Erden abgeätzt / das nicht ein
Körnl ✾ (316) ✾
Körnl übrig gebliben / dise rauberi
sche Heuschrecken thätten wohl män
niglich erschröcken / vnd als deren etli
che gefangen / vnnd gantz genau be
sichtiget worden / hat man vnter ih
ren Flügl wunderbarlicher Weiß di
se Wort geschribner gelesen / Ira Dei
Zorn Gottes .
Wir elende Adams=Kinder seynd
gar offt wie die Wein=Trauben vnter
der Preß / wie ein Rosen vnter den
Dörner / wie ein Uhr mit dem schwä
ren Gewicht / wie ein Bürckenbaum
mit lauter Ruthen besteckt / wie ein
Garten / in deme lauter Wermuth
wachset / wie ein Meer=Vffer / so von
stätten Wellen angestossen wird / vnd
nistet vns fast allezeit das Unglück in
das Hauß wie die Schwalben : In
Affrica gibts viel Löwen / in India
gibts viel Elephanten / in Palestina
gibts viel Füchs / in Umbria gibts
viel Wölff / in Pohlen gibts viel Bee
ren / vnd in Nordweegen gibts viel
Elend= ✾ (317) ✾
Elend=Thier / ich zweiffle aber / so
man es recht beym Liecht schaut / ob
nicht bey vns Teutschen mehrer Elend
anzutreffen / vnd so man nur den Armb
zum Fenster hinauß strecket / so last
sich schon ein Elend fangen / woher
aber diß ? Jst deine öfftere vernunfft
lose Frag / ich Antwort dir mehr
mahl / von der Sünd ; nimb dir so
viel Zeit / vnd besichtige wohl ein je
des vorlauffendes Elend / so wirst du
gleichmässig auff dessen Rucken dise
Wort lesen / Ira Dei Zorn Gottes :
Warumb ist Abimelech von der
gifftigen Pest überfallen worden ? We
gen der Sünd ; Warumb ist Pharao
mit so vielen Plagen gezüchtiget wor
den ? Wegen der Sünd ; Warumb
seynd die Hæbreer von feurigen
Schlangen gepeiniget worden ? we
gen der Sünd ; Warumb ist Datan
vnd Abiron von dem auffgesperrten
Erd=Schlund erschlickt worden ? We
gen der Sünd ; Warumb ist Achan
von ✾ (318) ✾
von dem gesambten Volck versteini
get worden ? Wegen der Sünd ; War
umb ist Ozias mit dem gähling Todt
übereilt worden ? Wegen der Sünd ;
Warumb ist Heliodorus von dem
Engel so scharpff gehalten worden ?
Wegen der Sünd ; Warumb ist Ab
solon mit einer dreyfachen Lantzen
durchstochen worden ? Wegen der
Sünd ; Jenem müheseeligen Tropf
fen / der so viel Jahr als ein verlasse
ner Krippl bey dem Schwemm=Teich
zu Jerusalem kein anders Liedl stimb
te / als das klägliche Awe / nachdem
ihm der Göttliche Artzt die tausend
gewünschte Gesundheit erstattet / must
es ein heylsame Warnung seyn / Ec
ce sanus factus es , jam noli pecca
re , ne deterius tibi aliquid contingat ,
‘ siehe du bist gesund worden / sündige
‘ hinführan nicht mehr / damit dir nit
‘ etwas ärgers widerfahre : Auß wel
chem Sonnenklar erhellet / das die
Kranckheiten vnd schwerliche Leibs=
Zuständ ✾ (319) ✾
Zuständ ursprünglich herstam̅en von
der Sünd ; Anno 170 . zur Regie
rung Kaysers Marci Aurelij vnd Lu
cij Veri , hat in dem Römischem Reich
ein vnerhörte Contagion grassiret / diß
haben verursacht die Sünden / schreibt
Baron . 7 . n . 2 . in eo ann . Anno 225 .
vnter Regierung Galli vnd Volusiani
ist ein so grausame Pest eingefallen /
das man die Todten Cörper nit mehr
könnte zur Erden bestättigen / dahe
ro ein jeder ihme selbst ein Gruben
graben / vnd so er sich übel befunden /
freywillig sich in dieselbe gelegt / sich
der Gestalten selbst begraben / diß al
les ist herkommen von der Sünd /
schreibt Paulus Orosius lib . 7 . c . 21 .
Anno 544 . ist ein so reissende Pestilentz
entstanden / daß diselbe fast den gan
tzen Erdboden durchsucht / vnd nicht
ein Orth vnberührter gelassen / dises
allgemeinen Elends ist kein andere
Ursach erfunden worden / als die
Sünd / schreibt Procopius lib . 2 . de bell .
pers. ✾ (320) ✾
pers . Anno 1630 . ist Jtalien sehr von der
zehrenden Pest betrangt worden / dise
hat niemand anderst angesteckt / als die
Sünd / schreibt Paziuke . lect . 10 . sup .
Jon .
Anno 1679 . hat die vornehme Statt
Wienn in Oesterreich ein so starcke
Pest außgestanden / daß wann man
einen jeden hätte sollen in ein besonders
Grab legen / vnd selbiges nach Christ
lichem Brauch mit einem Creutz be
stecken / wäre hierzu fast ein halber
Wald erfordert worden / wer weiß / ob
dises Ubel nicht werde den gantzen
teutschen Boden durchwandern / wie
es sich schier anlasset / vnd soll ? vnnd
soll ? vnd soll dise Ruthen nicht
von der Sünd herrühren ?
Die
✾ (321) ✾
Die Anzahl der Verstor
benen zu Wienn / mit beyge
fügter Ermahnung an die
Lebendige .
DAs Wiennerische Lazareth /
wie allgewöhnlich / ligt aus
ser der Statt / gegen Ni
dergang der Sonnen / bey
einem rinnenden Wasser mit Namen
Alsterbach / vnd ist also bequemlich
gebaut / das der Lufft / vnd durch
streichende Wind selbes aller Seyten
reinigen kan / in mitten dessen stehet
ein schön erbaute vnd grosse Ca pel
len Capellen / allwo der Heilige GOttes=D enst GOttes-Dienst
nach Christlichen Gebrauch täglich
X gehal= ✾ (322) ✾
gehalten wird ; obgedachtes Gebäu
ist neben vielen Bedienten=Zimmer
absonderlich mit grossen Haubt=Stu
ben versehen / benanntlich / S . Salva
tor- Stuben / S . Maria- Stuben / S .
Rochi- Stuben / S . Sebastiani- Stu
ben / S . Joannis- Stuben / S . Rosalia -
Stuben / S . Joseph- Stuben / S . An
na- Stuben / S . Magdalena- Stuben /
die Schutz=Engel=Stuben / S . Anto
nij- Stuben / S . Dominici- Stuben /
S . Ignatij- Stuben / S . Xaverij- Stu
ben / S . Joannis Dei - Stuben; weilen
nun die leydige Sucht dergestalten
gewachsen vnd zugenommen / das di
ses allgemeine Lazareth für die Kran
cke viel zu eng vnnd vnfähig erkennt
worden ; Also hat die wachtsambe
Obrigkeit das neue vnd grosse Con
tumatz- Gebäu in ein neues Lazareth
verkehrt / deßgleichen ist auch in der
Leopoldstatt ein besonders auffgericht
worden / wie nicht weniger in ande
ren Vorstätten solche gehörige Vor
sichtig= ✾ (323) ✾
sichtigkeit geschehen ; Seynd demnach
in den Lazarethen / in den Häuseren /
in den Gärten / auff den Gässen / in
den Hütten / in der Wiennstatt / in
den Wiennerischen Vorstätten dises
Anno 1679 . Jahr innerhalb 6 . Mo
nat durch die Pestilentzische Seuch
fast auff die Siebentzig Tausend
Menschen dahin gerissen worden / wie
man von hoher Obrigkeit gewissen
Bericht dessen erhalten / vnd trifft
dahero keines Weegs mit der Warheit
zu / die erdichte grosse Summa / wel
che der gemeine grundlose Ruff allent
halben außgebreit : Es ist leyder diß
ein grosse Anzahl / ein merckliche
Straff / ein vnbeschreibliche Tragedi ,
ein vnaußlöschliches Angedencken / ein
ewiges Mercks=Wienn .
Vor einem halben Jahr / auß di
sen so viel tausend Persohnen / ist viel
leicht nicht ein einige gewest / die ihr
hätte ein so geschwinden Todt einge
X 2 bildet ✾ (324) ✾
bildet ; Aber last es euch ein Witzi
gung seyn ihr Menschen=Kinder vnd
gedencket fein / das der Todt gewiß /
die Stund deß Todts vngewiß .
Heut stehest holdseelige Dama vnter
lauter Edlgstein / vielleicht morge̅ oder
übermorgen wirstu schon liegen vnter
dem Grabstein ; hoch vnd sinnreicher
Kopff / heut heist man dich ein Doctor ,
vielleicht morgen wirst du heissen ein
Todter ; reicher Kauff= vnd Handels
man̅ / heut stehest du vnter gantz Ballen
deß köstlichen Tuch / vielleicht morgen
liegst du schon vnter dem Bar=Tuch ;
Baur vnd Ackersman̅ / heut grabst du
auff dem Acker / vielleicht morgen
grabt man dich in den Gotts=Acker /
ihr Schlemmer vnd Demmer / heut
heist es noch bey euch / geseng GOTT /
morgen vielleicht / tröst euch GOTT ;
auch ihr Geistliche seyd dißfals nicht
befreyt / heut seyd ihr geistlich / mor
gen vielleicht schon ein Geist ; Hätt
euch bald vergessen ihr Hoffleuth / ihr
prangt ✾ (325) ✾
prangt heut zu Hoff / morgen viel
leicht auff dem Freythoff ; Derohalben
dann seyd alle Augenblick bereit zu der
vngewissen Todt=Stund / vnd spart
die Buß nicht auff die letzt .
Balthasar der König / nachdem er
den Tempel Gottes beraubet / vnd ein
kostbahres Panquet angestellt / da
nun die Gläser lähr / die Köpff voll /
kombt ein Gesandter von GOtt / vnd
deutet dem König den Todt an / wer
hats vermeint ? Amon der Königli
che Printz ist bey der Mahlzeit nichts
als frölich gewesen / wie dann der
Wein ein Arrest ist der Melancholey /
siehe / als er den Becher in den Händen
haltet / muste seyn Leben herhalten /
wer hats vermeint ? Ecolompadius
stirbt vhrplötzlich im Beth / wer hats
vermeint ? Carolus König zu Navar
ra , verbrinnt in Feuer / wer hats ver
meint ? Zu Wienn seynd dises Jahr so
viel tausend gestorben / wer häts ver
meint ? Niemand ; So ist dann das
X 3 Jahr / ✾ (326) ✾
Jahr / das Monath / der Tag / die
Stund / der Augenblick vngewiß /
deßwegen O Menschen Kinder ! hal
tet jederzeit den Todt vor Augen /
vnd lasset dessen Gedächtnuß nimmer
mehr in euch erlöschen / spart die Buß
nicht biß in das Todt=Bethl .
Von der grossen Büsserin Magda
lena schreibt der Evangelist / daß sie
die Allabaster Büchs / worinn die
köstliche Salben / habe mit Fleiß zer
brochen / Fracto allabastro : Also ist
auch mein hertztreuister Rath ihr Men
schen / so fern ihr etwann eine Spar
büchsen für die Buß habt / brecht di
selbige / spart doch nicht ein Viertl
Stund euer Buß auff / zumahl nicht
ein Augenblick von der künfftigen Zeit
in euer Macht stehet .
Christus der HErr ist gesessen bey
dem Brunnen / vnd mit der Samarita
nin geredt / das Volck ist gesessen auff
dem Heu in der Wüsten / Elias der
Prophet / als er von dem schlimmen
Weib ✾ (327) ✾
Weib Jezabel geflohen / ist gesessen
vnter einer Cronabett / Salomon ist
gesessen auff einem hohen königlichen
Thron / Mardocheus der fromme Jud
ist gesessen vor dem Pallast deß Kö
nigs Assueri / der gedultige Job ist ge
sessen auff dem Misthauffen / Matthe
us damahls noch ein Gelt vnd Gold=
Egl vnd Jgl ist gesessen auff der Zoll
banck / Petrus ist gesessen in dem Vor
hoff deß Hohenpriesters / eh ihn noch
das Weibl Hertzloß vnd treuloß ge
macht / der Blind / welcher die Hülff
JEsu von Nazareth deß Sohns David
gebeten / ist gesessen auff dem Weeg /
Magdalena ist gesessen bey den Füssen
deß HErrn / vnd hat das Wort Got
tes angehört / Joannes vnd Jacobus
wolten sitzen mit Christo in seinem
Reich / r c. möcht einer fragen / wo
sitzt der böß Feind ? Antwort ; Nicht
auff einem Sessel / nit auff einem Stein /
nit auff einem Stuhl / nit auff einem
Block / sondern auff einer langen
X 4 Banck / ✾ (328) ✾
Banck / vnd allda ertapt er die meiste
vnglückseelige Seelen / dann die jeni
ge / so ihr Buß / vnd Pœnitenz auff die
lange Banck schieben / gerathen ge
meiniglich in die Händ deß Höllischen
Erbfeinds ; weil den Sitz im Himmel
GOtt dem Lucifer nicht vergunt / auß
Ursachen / daß er ihn gar zu hoch ge
stellt / Similis ero Altissimo , also hat
dem Himmel zu Trutz / der Höllische
Neid=Vogel die lange Banck auff
gebracht / auff welche die vnbesonnene
Adams=Kinder ihre Buß schieben /
vnnd hierdurch der vnglückseeligen
Mensche̅ ewiges Heyl verschertzt wird .
Mit Erlaubnuß deß Allerhöchsten /
klopff ich an der Höll an / vnd for
sche auß einem oder dem andern die Ur
sach seiner Verdamnuß / sag her / der
du dorten mitten vnter den feurigen
Schlangen vnnd Atern sitzest / auch
diser elendiglichen Gesellschaff Gesellschafft auff E
wig nicht mehr entgehen kanst / eröffne
mir ✾ (329) ✾
mir die Ursach deines Verderbens ? ich /
antwort er / bin den üppigen Wollü
sten ergeben gewest / vnd dem stincken
den Venus- Luder nachgesetzt / hab
mir aber vorgenom̅en / ich wolle schon
einmahl solches Höllkeder verlassen /
vnd die gebührende Buß ergreiffen /
bin aber vnverhofft ermort worden /
ist demnach das Auffschieben auff die
lange Banck die Ursach meines E
wigen Verderbens / O Ewig ! Sag her /
der du alldort in dem zerlassene̅ Metall /
wie ein Arbes in einem siedenten Hafen
empor strudlest / was hat dise deine
Verdamnuß verursacht ? Antwort ;
Jch hab ein lange Zeit / ein vnauß
löschlichen Haß getragen gegen ei
nem / jedoch mir vorgenommen / im
Todt=Bethl einmahl denselben able
gen / vnd mich mit GOTT vnd dem
Nechsten versöhnen / bin aber vhrplötz
lich an einem Steck=Cathar gestorben /
vnd also Ewig verdorben / ist dessenwe
gen die Ursach meines Ewigen Unheyls
X 5 das ✾ (330) ✾
das Auffschiebe̅ auff die lange Banck .
Sag her / der du mitten in den Flam
men wie ein Salamandra brinnest / wer
hat dich in dise vnendliche Peyn ge
stürtzet ? Ach antwort er / ich hab der
verführenden Welt=Regl nachgelebt /
vnnd allen leiblichen Sinnlichkeiten
den freyen Paß zu aller Frechheit er
statt / ich hab aber diß kräfftige Vor
haben geschöpfft / so ich werde alte
Jahr vnd Haar erreichen / mich zu
bessern / vnd so dann gebührende Buß
würcken / bin aber vnverhofft von der
Pest ergriffen worden / wardurch mir
der Verstand verruckt / vnd folgsamb
vnbereiter gestorben / dahero die Ur
sach meines ewigen Unheyls / das
Auffschieben auff die lange Banck
dise Antwort geben mir viel hundert
tausend armseelige verdambte Seelen .
O wie wahr ist es was der Poet sagt !
Das Raben Cras , hat schon den Paß /
Vielen zum Heyl verschlossen /
Der
✾ (331) ✾
Der schlim̅e Morgen / vnd lange Borge̅
Hat viel zur Höll gestossen .
Gesetzt aber / O bedörte Gemüther /
daß ihr von dem gähen Todt nicht
hingerissen werdt / sonder in dem Todt=
Bethl noch ein Zeit gewin̅et zur Buß /
so müsset ihr doch für ein vnableinli
che Warheit halten / das dergleichen
auffgesparte Reu gar selten vor dem
Angesicht GOttes gültig ist / dann es
spricht mein Heiliger Ertz=Vatter
‘ Augustinus , die Buß eines Kran
‘cken vnd Schwachen / förcht sie seye
‘ auch schwach / die Buß eines Ster
‘benden / förcht sie sterbe gleichmässig ;
Pænitentia , quæ ab Infirmo petitur ,
infirma est , quæ â moriente pe
titur , timeo ne & ipsa moriatur .
Lib . 5 . hom . 41 . Dann wann du da
mahl erst in dem Todt=Bethl wilst
Buß thun / da du nicht mehr sündi
gen kanst / so haben dich die Sünden
verlassen / vnd du nicht die Sünden .
GOtt hat in seinem Alten Testament
allerley ✾ (332) ✾
allerley Thier für beliebige Opffer an
genommen / allein die Fisch hat er ge
weigert / auß Ursachen / weil man die
selbe nicht lebendig könnte in den Tem
pel zu Jerusalem bringen / todte aber
vnd abgestandene Fisch dörfften für
seinen Augen nit erscheinen ; also auch
schwache krafftlose vnnd gleichsamb
todte Pœnitenz vnd Buß im Todt=
Bethl / ist dem Göttlichen Angesicht
ein mißfälliges Opffer ; Deßgleichen
hat auch der allerhöchste GOtt von
seinem Opffer den Schwanen außge
schlossen / ob schon der Schwan mit sei
ner weissen Farb als einer Englischen
Liberee gar füglich pranget / dannoch
konte er vnter die GOtt gewidmete
Opffer nicht gezehlt werden / vmb weil
diser gefiederte Gesell ein Sinnbild
vnd Abriß ist eines Sünders / der
seine Bekehrung in das Todt=Bethl
spahret / dann der Schwan die gan
tze Lebens=Zeit stillschweiget / vnd nur
singet / wann er auff hört zu leben : Es
ist ✾ (333) ✾
ist aber mein gäntzliche Aussag nicht /
das ein jede in das Todt=Bethl ge
sparte Bekehrung vngültig ablauffe /
zumahlen gar zu wohl bekant der je
nige Dismas , welcher zu der rechten
Seyten Christi gehenckt / vnd dan
noch den rechten Weeg zum Himmel
antroffen / aber auß tausend / auß zehen
tausend gerath es keinem also glück
lich wie disem / sonder wie das Leben /
ist der Todt eben ; derohalben dann
spart die Buß nicht in das Sterb
stündl / in welchem kaum der Gerech
te wegen vngestümer Nachstellung
deß bösen Feinds obsiget / dann vn
beschreiblich scheinet es / was ein Ster
bender auch ein Gerechter vnd Ge
wissenhaffter für Trangsalen außstehet .
Wie die Eva so vnbedachtsamb
sich von der höllischen Schlangen hat
lassen vergifften / hat GOtt in dero
Gegenwart die gröste Boßheit deß bö
‘sen Feinds entdeckt / mit disen Worten /
‘ Tu insidiaberis calcaneo ejus , du
Hölli= Höll= ✾ (334) ✾
Höll=Schlangen wirst der Eva / vnnd
‘ was ins künfftig von ihr herstammen
‘ wird / ihren Fuß=Fersen nachstellen ;
ein Wunder ! vnd noch einmahl ein
Wunder ! Viel ehender hätt ich ver
meint / der leydige Satan wurde nach
stellen deß Menschens Augen / dann
mit den Augen versündiget man sich
nicht wenig / Augen seynd sie dann
nicht gläserne Liebsbotten ? Augen
seynd sie dann nicht heisse Brenn=
Gläser ? Augen seynd sie dann nicht
Cristallene Kupler ? Den David vmb
Bericht ; Dazumahl / als er die Bersa
bea Bethsabee vnziement angeblickt ; Jch hätte
vermeint / der Lucifer solte ehender den
Ohren deß Menschen nachstellen / dan̅
mit den Ohren versündiget man sich
nicht wenig / wann man vngereimbte
Reim singet / wie gern hört mans ?
Wann man deß Nechsten Nahmen
stimplet vnnd stimlet / wie gern hört
mans ? Jch hätte vermeint / der böse
Feind wurde ehender nachstellen dem
Mund ✾ (335) ✾
Mund deß Menschen / als den Fuß=
Fersen ? Dann mit dem Maul ver
sündiget man sich zum mehristen / das
Maul ist ein Hafen / worin alle Vn
warheiten gekocht werden / das Maul
ist ein Gwölb / wo die Fluchwort
ohne Maß verkaufft werden ; Oder
ich hätte vermeint / als solte der böse
Feind den Händen deß Menschen meh
risten nachstellen / dan̅ mit wem duel
liert man ? Mit wem trapuliert man ?
Mit wem spoliert man ? Als mit den
Händen ? Oder ich hätte vermeint der
böse Feind solte nachstellen deß Mensche̅
seinem Hertzen / dan̅ die böse Gedancken
wachsen auff dem Acker deß Hertzens /
der Neyd logiret in dem Quartier deß
Hertzens / die schnöde Lieb brind ja
auff dem Herdt deß Hertzens / der
Zorn wird abgeschossen von dem Bo
gen deß Hertzens . Tu insidiaberis
calcaneo ejus . Warumb soll dann
die höllische Schlangen den Fuß=Fer
sen deß Menschen so starck nachstellen ?
Ver= ✾ (336) ✾
Versündiget sich doch niemand weni
ger als mit den Fersen ? Allhie ist
zumercken / das nicht alles dem Buch
staben nach in Göttlicher Schrifft
außzulegen ist / dann sonsten müsten
fast alle Menschen auff Krucken hin
cken / weil die H . Bibl also lautet /
wann dich dein Fuß ärgert / so
schneidt ihn ab : sonder es hat zum
öfftern der H . Geist vnter der Schalen
solcher Wort / den Kern der grösten
Geheimnuß verborgen : Jn deme dann
GOtt von der höllischen Schlang
redet / daß selbige deß Menschen Fuß=
Fersen werde nachstellen / so ist hier
durch nicht der vnterste Theil der
Füß angedeut / sonder wie es weißlich
außleget Lorinus , durch die Fersen /
als der letzte Theil deß Menschlichen
Leibs / wird verstanden das letzte
Sterbstündl deß Menschen / vnd disem
stellet der Satan zum hefftigsten
nach / vnnd in solchem letzten Streitt
wendet ✾ (337) ✾
wendet er alle Kräfften an / den ar
men Sterbenden zustürtzen .
O vnbeschreibliche Aengsten in dem
Todt=Bethl ! So bald deß Men
schen letztes Stündl herbey nahet / so
vmbgeben vnverzüglich die höllische
Larven das Bethl / nicht anderst / als
wie die Geyr ein Tauben / nicht an
derst / als wie die Hund ein Hasen /
nicht anderst / als wie die Raben ein
Todten Aß / vnd da ist kein Gewalt /
den sie nicht probieren / kein List / den
sie nicht versuchen / kein Weiß / die sie
nicht annehmen / kein Schrocken / den
sie nicht verursachen / kein Abscheu
ligkeit / die sie nicht anziehen ; da zei
gen sie dem armen Sterbenden alle
Tag / alle Stund / alle Augenblick /
die er gelebt hat ; zum Exempel / es
ist ein Sterbender / welcher gelebt hat
dreyssig Jahr / dem werden die böse
Feind zeigen / zehen tausend / neun
hundert vnd fünfftzig Tag ; sie werden
ihm zeigen zweymahl hundert tau
Y send ✾ (338) ✾
send / zwey vnd sechtzig tausend / vnd
acht hundert Stund ; sie werden ihm
zeigen fünffmahl hundert tausend /
fünff vnd zwantzig tausend / sechs hun
dert halbe Stund ; sie werden ihm zeige̅
zehenmahl hundert tausend / ein vnnd
fünfftzig tausend / zwey hundert Vier
tel Stund / ja so gar werden sie dem
Sterbenden vor Augen stellen fünff
zehen tausendmahl tausend / siben
mahl hundert tausend / vnd acht vnd
neuntzig tausend Augenblick oder Mi
nuten ; vnd ein jedem gantz genau vor
tragen / was er in demselben Augen
blick gethan / vnd was er zuthun vn
terlassen ; Die gute Werck / so er ge
würckt hat / die werden sie verkleinern /
die böse Werck / so er geübt hat / die wer
den sie vergrössern / die Barmhertzig
keit GOttes werden sie vermindern /
die Gerechtigkeit GOttes werden sie
vermehren / die Hoffnung werden sie
baufellig / die Verzweifflung werden
sie gleichsamb nothwendig machen / O
ein ✾ (339) ✾
ein erschröcklicher Streitt deß Ster
benden .
Der H . Graff Elzearius lebte mit
einem Apostolischen Eyffer in immer
wehrender Vnschuld / fast wie ein jrr
discher Engl / also daß er mit vielen
Wunderwercken geleuchtet ; diser wie
er sich auff das vollkommneste zu den
Todt bereit / sich auch gäntzlich in die
heiligste Wunden JEsu / wie ein Tau
ben in die offne Ritzen deß Felsen
verschlossen / hat gleichwohl ein trauri
ges Angesicht vnd gantz forchtsame
Geberde̅ in seinem Sterbstündl gezeigt /
endlich in dise Wort außgebrochen .
O quam ego magnam experior esse
potestatem Dæmonum in moritu
ros : O ! wie erfahr ich jetzunder / wie
die böse Feind ein grossen Gewalt ha
ben in die Sterbende ! Schweigt hier
über ein wenig still / endlich schreit er
wider auff folgendlichen lauts Vici , Vi
ci , ich hab überwunden / überwun
den : seine aller letzte Wort seynd
Y 2 gewest ✾ (340) ✾
gewest / wie folgt / me totum censuræ
Divinæ submitto , ich vnterwürffe
mich gäntzlich dem Göttlichen Urthl .
Wann dan̅ ein solchen gefährlichen
Streitt vnd erschröcklichen Kampff hat
außgestanden ein Heyliger / ein solcher /
der nichts anders gethan als Guts /
ein solcher / der nur stets in den Ar
men deß gecreutzigten JEsu gehan
gen / ein solcher / dessen Augen seynd ge
west ein Spiegel der Unschuld / dessen
Mund ist gewest ein Chor deß Gött
lichen Lobs / dessen Ohren seynd gewest
Porten der Keuschheit / dessen Händ
seynd gewest ein Speiß=Gwölb der Ar
men / ein solcher ? Dessen Füß seynd ge
west Currier der Andacht / dessen Hertz
ist gewest ein Thron vnd Sitz deß Hei
ligen Geists / hat ein solcher / der gantz
Vollkommen vnd Heylig / ein so stren
gen Streitt müssen außstehen in seinem
Sterbstündl mit dem bösen Feind ?
Wie wird es mir vnd dir ergehen ?
Wie dem jenigen / welcher sein Bekeh
rung ✾ (341) ✾
rung vnd Buß dahin sorgloß auffge
spart ! O erschröcklich ! Die H . Ger
trudis hat bekennt / sie wolle lieber
biß auff den Jüngsten Tag mit blos
sen Füssen auff glüenden Kohlen ge
hen / als nur noch einmahl wie ihrs
Christus gezeigt / auff ein Augenblick
ansichtig werden einer höllischen Lar
ven : Dionysius Cartusianus ist der
gäntzlichen Aussag / daß der höl
lische Satan einem jeden Sterben
den erscheine / die allerseeligste Mut
ter GOttes alleinig außgenommen ;
Der Heilige Bischoff Martinus hat
in seinem Todt=Beth gesehen den bösen
Feind in der Gestalt einer grausamben
Bestien / dessenthalben er gantz be
hertzt auffgeschryen / quid astas cruen
ta bestia ! was stehest du dar blutgie
riges Thier ! Jn Oesterreich hat ein
vornehmer von Adel in seinem Sterb
stündl gesehen gantz feurige Wägen /
vnd darauff gantz kohl schwartze Gut
scher ; Scher . in Con . Dom . 1 . quad .
Y 3 Anno ✾ (342) ✾
Anno 1557 . Seynd einem getaufften
Juden in dem Todt=Beth viel hun
dert tausend böse Geister erschienen
in Gestalt feuriger Schlangen / deren
Gröste ihn wie ein Wißbaum gedunck
te / O erschröcklich ! Hieronymus Plati
schreibt von Hugone einem vornehmen
Herrn / nach dem derselbe viertzig
Jahr den öden vnd schnöden Welt=
Wollüsten nachgesetzt / ist er endlich
einen strengen Orden eingetrette̅ / darin
würdige Buß gewürcket gantzer drey
Jahr / nach welcher Zeit er in tödtli
che Kranckheit gerathen / vnd endlich
in sein Sterbstündl / damahls seynd
ihme fünffzehen tausend böse Feind
erschienen / so alle mit vnbeschreiblichen
Grimmen ihn zur Verdamnuß reissen
wolten / dafern es die geübte Buß
werck nicht verhindert hätten . Eu
sebius ist gewest ein Discipl deß Heil .
Hieronymi , hat gleichmässig in des
sen gottseelige Fußstapffen getretten /
führte einen vnsträfflichen Wandel /
ware ✾ (343) ✾
ware bekannter dem Himmel / als der
Erd ; als diser eingefleischte Engl in
das Sterbstündl kommen / hat er der
gestalten von den höllischen Larven ge
litten / daß er derentwegen gantz ent
setzliche Geberden gezeigt / vnd als die
herumbstehende Geistliche vor Schro
cken zur Erd nidergefallen / hat er mit
heller Stimm auffgeschrien / Nonne
videtis Dæmonum acies , qui me de
‘bellare contendunt ? Sehet ihr dan̅
‘ nicht gantze Armeè der höllischen
‘ Feind / die mich zu überwinden begeh
ren ? O erschröcklich .
Cæsareus schreibt / daß der Satan
einest auß einer besessenen Persohn ha
be bekennt / daß er bey dem Todt einer
Benedictiner Abtissin seye gewest / vnd
haben seine Mitgespan in solcher
Menge sich allda befunden / daß der
gröste Wald zu grüen Mayen=Zeit
nicht so viel Blätter zehlet ; O er
schröcklich ! Stehen solchen Streit
auß die jenige / welche doch gantz gewis
Y 4 senhafft ✾ (344) ✾
senhafft gewandlet / vnd ihre Lebens=
Zeit in der Forcht Gottes möglichst
zugebracht / was Aengsten werden
dan̅ diselbige überhäuffen ? welche wie
die blinde Maulwärff ihren Lust nur in
die Erd vnd in das Jrrdische gesetzt ?
schier niemahl das Ewige vor Augen
gestellt / sondern die heilsame Bekeh
rung vnd Reu in das vngewisse Sterb
stündl auffgeschoben / in welchem auch
die Gerechtiste in der Gefahr stehen .
Filij hominum usquequo gravi
corde ? O vnbehutsame Menschen=
Kinder / lasset dißfalls eure harte Ge
müther erweichen / von der Warnung
so euch der Heyl liebende JEsus selb
sten in die Ohren schreyet / Vigilate ,
wachet / dann ihr wisset nicht zu wel
cher Stund der HErr kommen wird /
Matth . 42 24, 42 . Jst es / daß ihr auß Mensch
licher Schwachheit seyd gefallen / so
fallet wider / aber zu den Füssen Chri
sti mit Magdalena / vnd schiebet nicht
auff / die Reuvolle Buß=Zähren in
das ✾ (345) ✾
das Sterbstündl / zumahl vnbekant /
wann der HErr kommen wird / vnd
euch fordern in die Ewigkeit ; O wann
es der Allerhöchste gestatten thäte /
das nur einer auß so viel tausend
Menschen / welche von hier dises Jahr
in die Ewigkeit geschieden / solte auß
einer grossen Gruben aufferstehen / vnd
predigen / glaube wohl / sein gantze
Redt wurde in folgenden Worten be
stehen / quærite Dominum dum in
veniri potest . Joan . Isa. 55
Stehet auff von euren Sünden /
Suchet GOtt / wann er zufinden /
Weil ihn gar selten gefunden hat /
Der gespart in die letzt sein Buß /
Als man damals schon sterbe̅ muß /
Dort ist die Buß gar offt zu spat .
Y 5
Was
✾ (346) ✾
Was man in der Wienn =
Statt über die Krancke vnd Pe
stierte für ein Obsicht getragen / vnd
wie selbigen zu Seel vnd Leib
müglichst seye beygesprun
gen worden .
ZU End deß Monats Novem
ber erst verwichenen Jahrs
ist von einem Evangelischen
Pastor in einer vornehmen
Reichsstatt / dero Namen ich dißfalls
verschweige / offentlich geprediget wor
den / wie daß in der Statt Wienn
bey grassierender Pest die Leuth ohne
einigen Geistlichen Trost seyn elend
dahin gestorben / ja es seye die Wehe
mütigkeit der betrangten Leuth ver
grössert ✾ (347) ✾
grössert worden nicht ein wenig / durch
die sorglose Obsicht der Geistlichen /
sonder so wohl Münch als Pfarrherrn
haben alle Seelsorg beyseyt gelegt /
vnd sich entweder zwischen vier Mau
ren in Sicherheit gehalten / oder aber
fern von der Statt die Flucht genom
men . Ob ich zwar von obberührten
Pfarrherrn in Glaubens Articul ent
zweyet bin / so hat vns doch beede
der Tauffstein anverwandt gemacht /
dahero ich dißfalls nicht mit vnge
schlachten Worten vnd knoperten Wi
derwillen in ihn anzuschnarchen gesinnt
bin / sonder als ein lieben Freund be
nachrichtige ich ihn / wie daß mir
nicht einfallt / als habe er solche Zei
tung mit einem Poetischen Hammer
geschmidet / sonder ich glaube / es ha
be ein mißgönnende Feder solche Vn
warheit vnd grundlose Geschicht über
schrieben / ich nimb aber der Seyts
meine eigne Glaubens=Genossen nicht
zu Zeugen / sondern euch Evangeli
sche ✾ (348) ✾
sche selbst / die ihr hin vnd her bey sol
cher trangseeliger Zeit in der Wien̅statt
habt gewohnet / bekennt mir / habt aber
vor Augen das jenige Ohr / so alles hö
ret / bekennet mir vmb die Wunden vn
sers allgemeinen Heylands / der da
mich vnd euch richten wird / sagt an / ob
nicht allerseits allein genugsame / son
der wohl überflüssige Obsorg wegen
der Seelen geschehen seye .
Und hat solche weiseste Anstalt ge
macht der Hochwürdig vnd Hochge
lehrte Herr Joann Baptista Mayer /
der Heiligen Schrifft Doctor , Jhro
Kayserl . Mayest . Rath / wie auch
Jhro Fürstl . Gnaden vnd Bischoff
zu Wienn Vic : Gener . vnd Officialis ,
welcher die gantze Pest=Zeit zu allge
meiner Seelsorg allhier verblieben /
vnd ist durch Göttliche Beyhülff noch
bey gewüntschter Gesundheit .
Bekant ist jene Parabl vnd Gleich
nuß / so auß dem süssesten Mund der
vermenschten Göttlichen Weißheit ge
flossen / ✾ (349) ✾
flossen / wie nemblich das Himmel
reich gleich seye einem Hauß=Vatter /
der an morgen fruhe außgieng Arbei
ter zu dingen in seyn Weingarten /
als er nun etliche zu vnderschiedlichen
Zeiten angetroffen / hat er sie in sei
nen Weingarten gewisen vmb den bil
lichen Lohn / da es nun bey Unter
gang der Sonnen zur Bezahlung
kommen / vnd die jenige / so den gan
tzen Tag in Arbeit embsig waren / nicht
höher belohnt worden / als dieselbige /
welche nur den halben Tag gearbeit
hatten / also ist es ihnen zuverschma
chen gefahlen / vnnd schier vnbil
lich vorkommen / das nemblich lange
Arbeiter / vnd langsame Arbeiter / sol
len mit gleichen Lohn besoldet werden /
dessenwegen gegen den Hauß=Vatter
sich murrerisch beklagt / sprechend : Qui
portavimus pondus diei & æstus ,
die wir deß Tags Last vnd Hitz getra
gen haben / sollen nicht besser belohnt
werden als die andere ? Als wöllen sie
sagen / ✾ (350) ✾
sagen / es seye kein redlichs Stuck / vnd
könne dißfalls der Hauß=Vatter kein
redlicher Mann verbleiben .
Liebe Arbeiter eur murrige Zung
kan ich dermahlen nicht loben / auß
Ursachen / weil euch der gedingte Lohn
nicht ist geweigert worden / doch aber
verdienet / muß bekennen / gebühren
des Lob euer arbeitsamer Eyffer / in
dem ihr den gantzen Tag so embsig in
dem Weingarten gearbeit habt / las
set aber euch nicht traumen / als seyd
ihr die allerfleissigste / dann ich zeige
euch weit lobwürdigere / welche in dem
Weingarten GOttes nicht nur deß
Tags Last vnd Hitz getragen / son
der auch gantze Nächt vnabläßlich
ihr Mühe vnd Arbeit nicht gesparret /
dise seynd gewest die Geistliche vn̅ Gott
gewidmete Priesterschafft zu Wienn /
bey solcher leydiger Zeit ; dann als
erstgedachte Contagion vnvermuther
über Hand genommen / vnd von ho
her Geistlicher vnd Wetlicher Weltlicher Obrig
keit ✾ (351) ✾
keit auß Vätterlicher Obsorg / so wohl
Decreta als auch freundliche Ersu
chungen an alle Geistliche abgeloffen /
da ist mit Verwunderung zusehen ge
west / mit was Eyffer sich die Seel=
Sorger anerbotten / ja in viel Klö
stern ereignete sich ein fast löbliche
Strittigkeit / in deme einer vor dem
andern auß Apostolischer Jnbrunst
zu solchem Seelen=Werck sich wolte
brauchen lassen / dahero dise Geistrei
che Männer Tag vnd Nacht / fruhe
vnd spat die Krancke besucht / die
Krancke versehen / dieselbe getröst / ge
stärckt / sich nicht geschichen in solche
Zim̅er einzutretten / wo zu weilen drey
vnd vier Pestierte gelegen / wo das
Gifft wie ein blauer Dunst die gantze
Wohnung verfinstert / wo man über
die Todten=Cörper hat müssen schrei
ten / wo allerseits der traurige Todt
vor Augen schwebte ; alles dises über
häuffte Elend thäte sie nicht abschrö
cken von ihrem Seelen=Eyffer .
Ein
✾ (352) ✾
Ein witziger Poet hat auff ein Zeit
einem solchen embsigen Seelsorger di
ses Sinnbild gestellt / nemblich auff ei
nem guldenen Leuchter ein schön bren
nende Kertzen / so fast gantz dahin
abgeronnen / mit beygefügter Schrifft :
Officio mihi officio , andern zu Ehrn /
thu ich mich verzehren : Solches
kan in aller Warheit von den Wien̅eri
schen Geistlichen außgesprochen werde̅ /
daß sie nemblich wegen deß Nechsten
ihr eigne Leibs=Gesundheit / ja so gar
das Leben in die Schantz geschlagen /
welches der Allerhöchste vngezweifflet
mit der ewigen Cron belohnet .
Jener Herodes / von deme der eyf
fervolle Prediger Joannes Baptista
Warheit halber enthaubt worden /
hat seinem hupffenden Töchterl vmb
etliche üppige Sprüng das halbe Kö
nigreich anerbotten ; Wird nicht leicht
bekant sein / das einem die Füß hätten
ein so mercklichs Interesse getragen ;
so ✾ (353) ✾
so ich aber die Augen gehn Himmel
wende / fallt mir gleich ein trostreichere
Belohnung ein / vnd getraue ich mir
vor gewiß außzusagen / das der aller
mildiste GOtt vmb die vielfältige
Schritt vnd Tritt / vmb das bey Tag
vnd Nacht vnverdroßne Lauffen / den
Geistlichen vnd Seelsorgern nicht ein
halbes Reich / sondern das allsättliche
Him̅elreich vnd ewiges Heyl ertheile .
Dann hat der gütigste GOtt ver
sprochen auch einen kalten Trunck
Wasser nicht vnbelohnt zulassen / den
man seinetwegen den Armen reichet /
wie wird er dann erst belohnen die
jenige Geistliche / welche ihme so viel
vnschätzliche Seelen haben eingehän
diget ? Hat das Wasser in Erschaf
fung der Welt disen absonderlichen
Ruhm erhalten / das es ein Thron deß
Göttlichen Geists worden / dann an
fänglich schwebte der Geist GOttes
ober dem Wasser / vnd schreiben es
etliche Heylige Lehrer diser Ursachen
Z zu / ✾ (354) ✾
zu / weil damahl GOtt hat vorgese
hen / das künfftiger Zeit dises nasse
Element werde durch den Tauff die
Erbsünd abwaschen ; was Thron /
Cron vnnd Lohn wird dann nicht
verdient haben ein solcher Geistlicher ?
der so manche Seel von den Sünden
gewaschen / gereiniget / vnd zu einem
Göttlichen Qpffer Opffer gewidmet .
Damit aber männiglich bekant seye /
mit was Eyffer von der Geistligkeit
den Krancken vnd Sterbenden sey
beygesprungen worden / konte ich ein
zimbliche Anzahl beysetzen deren / so
noch durch sondere Göttliche Hülff
bey Leben seyn / welche mit vnsterbli
chem Ruhm solches Apostolische Ambt
haben vollzogen / weil aber dero lob
würdigste Demuth alles Lob scheuet /
hab ich vor gut angesehen / nur die je
nige allhier zu zeichnen / welche wegen
deß Nechsten Seelen Heyl / ihr Leben
in diser Pest willig verlohren .
Erstlich
✾ (355) ✾
Erstlich auß den Priestern / so
keine Religio sen waren / sondern als
Pfarrherrn den Krancken beyge
standen /
R . D . Joannes Jgnatius Arnezhofer ,
R . D . Georgius Schlegel ,
R . D . Casparus Mathoi .
R . D . Paulus Steffinger ,
R . D . Joann : Adam : Schumacher ,
R . D . Thomas Antonius Pruskauer ,
R . D . Laurentius Ignatius Fugger .
Auß der löbl . Societet Jesu .
R . P . Ægidius Pruner ,
R . P . Leopoldus Helmling ,
R . P . Franciscus Winsauer ,
R . P . Valentinus Stärzer .
Auß dem Schotten Kloster Ord .
S . Benedicti .
R . P . Gregorius ,
R . P . Maurus Perneger ,
Auß dem Kloster Monserrat
Ord . S . Benedicti .
Auß disem seynd zwar keine ex
Z 2 ponirt ✾ (356) ✾
poni rt gewesen / wegen Abgang der
Wohnung / doch seynd sieben Patres
gestorben / so mehristen auß Besu
chung der Krancken infici rt worden .
Auß dem P . P . Dominicaner
Kloster .
R . P . Dominicus Schmuzer ,
R . P . Dominicus Müller ,
R . P . Hiacynthus Weigl ,
R . P . Hiacynthus Tebetman ,
Auß dem Seraphischen Orden
deß Heil . Francisci in dem Kloster
bey S . Hieronymum .
R . P . Honorius Schârff , so im Laza
reth mit sondern Eyffer gedienet . Jm
übrigen seynd viel auß disem Orden
außgesetzte Seelsorger gewest / so aber
alle annoch bey Leben .
Auß dem P . P . Capuciner Klo
ster auff dem neuen Marckt / wie auch
bey St . Ulrich .
R . P . Theodosius ,
R. P. An-
✾ (357) ✾
R . P . Antonius Maria ,
R . P . Didimus ,
R . P . Burchardus ,
R . P . Conradus ,
R . P . Anacletus ,
R . P . Raymundus .
Auß der P . P . Minori ten Kloster
beym Heil . Creutz .
R . P . Christianus Ponazko ,
R . P . Sebastianus Kameringer .
Auß der P . P . Carmeliten Discal
cea ten über der Schlagbrucken .
R . P . Henricus â S . Anna ,
R . P . Cassianus â S . Elisæo ,
R . P . Spiridion â S . Serapione ,
R . P . Hironymus Joseph â S . Anna ,
R . P . Alexander â S . Michaele ,
R . P . Casparus â S . Justino .
Auß den P . P . Carmeliten auff
der Laimgruben .
R . P . Maximinus â S . Simone Stock ,
R . P . Anselmus â S . Pelagia ,
Z 3
R. P.
✾ (358) ✾
R . P . Casparus â S . Angelo Custode ,
R . P . Raphael â S . Mathæo ,
R . P . Mathæus â S . Francisco .
Auß dem Kloster bey St . Mi
chael Cleric . Regul . S . Pauli .
R . P . Don Paulus Colman ,
R . P . Don Virgilius Pleiferer ,
R . P . Don Maurus Haas ,
R . P . Don Antonius Hasreitter ,
R . P . Don Antonius Zani ,
Auß dem Kloster der P . P . Pau
laner in der Vorstatt .
R . P . Hiacynthus Nusser ,
R . P . Vitus Gruber ,
Auß dem Kloster der P . P . Servi
ten in der Rossau .
R . P . Chrysogonus Maria Humel ,
R . P . Bernard . Maria Blanchenstainer ,
R . P . Anselmus Maria Kempter ,
R . P . Petrus Maria Gatterer .
Auß
✾ (359) ✾
Auß dem Kloster der P . P . Au
gustiner auff der Landstraß vor
der Statt .
R . P . Constantinus Crane .
Auß vnseren Kloster der P . P . Au
gustiner Baarfüsser bey Maria
Loreto der Hoff=Kirchen .
R . P . Gratianus â S . MARIA ,
De . Fr . Antonius â S . Francisco Laic .
R . P . Carolus ab Assumptione B . V .
Deren zwey Erste den 27 . Augu
sti in das Lazareth gangen / allwo sie
mit vnverdrossener Mühe vnnd Lieb
den Krancken gedient / beede aber den
siebenden Tag erkrancket / vnd den ach
ten in einer Stund seelig verschieden .
Jch hätte wollen vnnd sollen eben
messig aller Fratrum vnd Lay=Brü
der der Religio sen gedencken / deren
sehr viel auß Lieb den Krancken gedie
net / vnd nachmahls auch also ihr Le
ben dargestreckt / es ist aber mein Sin̅
Z 4 allhier ✾ (360) ✾
allhier nur satsamb dem schimpffli
chen Nachreden zu zeigen / wie so gar
nichts in der Seelsorg verabsaumet
worden .
Haben derowegen alle obbenente
Priester ihr Leben auß purem See
len=Eyffer nicht allein in die Gefahr
gesetzt / sondern willig / freymütig
vnnd gern dasselbe verlassen / wel
ches ihnen vngezweifflet der Allerhöch
ste mit ewiger Belohnung wird ver
golten haben ; Ja wann man die Sa
chen eigentlich erweget / so find sich / daß
nicht allein dise auß Lieb deß Nechsten
gestorben / sondern ins gesambt alle
Geistliche / deren in die vierdthalb
hundert vnter die Erd kommen ; dan̅
dise nicht anderst als durch die Beicht
stühl seynd angesteckt worden / werden
demnach solche alle am Jüngsten Tag
absonderlich prangen mit den jenigen
Seelen / welche sie bey diser Zeit Gott
haben gewonnen / kan sich also nie
mand mit Fug beklagen / daß nicht
in ✾ (361) ✾
in allweeg der Geistligkeit embsigste
Seelsorg sey gemerckt worden .
Zu wissen ist aber / daß nicht allein
der Eyffer deß Geistlichen Stands
zu diser trübseeligen Zeit sich sattsamb
gezeigt habe / sonder es haben auch
die Weltliche Oberen die embsigste
Obsicht vnnd genauiste Wachtsamb
keit der Residentz Statt zu sondern
Trost spüren lassen ; vnd ist fürwar
jener Kriegs=Officier tausendfaches
Lob werth / in dem er so grosse Sorg
getragen über den krancken Knecht zu
Hauß / daß er auch seinethalben we
der Schritt noch Tritt gesparrt / son
der zu dem heylmachenden JEsum
geeylt / ihme ein demütigste Suppli
cation überreicht / darin gantz instän
dig gebetten vmb die Gesundheit
deß Knechts / vnd als sich Christus
der HErr gantz willferig anerbotten /
den Krancken selbst zu besuchen / hat
solches der redliche vnnd auffrichtige
Haubtmann auß Demuth geweigert /
Z 5 sprechend / ✾ (362) ✾
sprechend / HErr / ich bin nicht wür
dig / daß du eingehest vnter mein Dach /
sonder sprich nur ein Wort / so wird
mein Knecht gesund : Ein anderer
hätt es für die gröste Ehr vnnd Glory
auffgenommen / so der gebenedeyte
Messias mit der heiligsten Gegenwart
sein Hauß vnd Thür=Schwellen hät
te begnadet / aber der gute Haubt
mann wolte es nicht zu lassen / das
der HErr vnter sein Dach soll kom
men : ich bilde mir gäntzlich ein / der
gute Officier habe gedacht / in mei
nem Hauß stehet alles vnauffgeraum
ter / da sonsten die Soldaten zu weilen
fleissig auffraumben / da hangt ein
Sabl / dort ligt ein Spieß / da laint
ein Spring=Stecken / dort stehet ein
Picken / da ligen Würffel / dort ein
Taback=Pfeiff / r c. Schickt sich also
nicht / das der gebenedeyte Messias soll
in ein solches vnauffgeraumtes Quar
tier eintretten ; Merck es wohl lauer
Christ / daß du den süssesten GOtt
vnter ✾ (363) ✾
vnter der Gestalt deß Brods nicht sol
lest einlogieren in dein Hertz / es seye
dan̅ / selbiges werde vorhero durch ein
Reuvolle / rechte / vnd vollkom̅ne Beicht
wohl außgeraumbt / vnd gesäubert /
welche Lehr dir diser Kriegs=Officier
gar gnugsamb vor Augen stellet / vnd
ist der stattliche vnd fromme Haubt
man̅ in allem vnd jedem Lobens werth /
absonderlich aber sein Sorg / Mühe /
Fleiß / Obsicht vnd Wachtsambkeit / die
er hatte wegen deß krancken Knecht .
Noch mehrer Lob haben verdienet
alle die jenige Weltliche Vorsteher
zu Wienn / die nicht allein Tag vnd
Nacht eyffrigst Sorg getragen über
die vielfältige Krancke / deren zu weilen
in die vier tausend in dem grossen La
zareth allein gezehlt worden / sonder
haben noch ihr eignes Leben der eus
sersten Gfahr / dem gemeinen Heyl zu
Guten / vnterworffen / ja etliche mit
würcklichen Verlust deß Lebens gnug
samb an Tag geben / wie embsig sie ih
nen ✾ (364) ✾
nen das gemeine Weesen haben las
sen angelegen seyn / wie dann billich
vnd fugsamb alle dero Namen hier
bey verzeichnet seyn .
Erstlich die Herrn Gehei
me vnd Deputirte hinterlassene
Kayserl . Räth / welche neben anderen
hohen Geschäfften ihnen die Sterbens=
Noth haben höchst eyffrig mit tägli
cher Lebens=Gefahr angelegen
lassen seyn .
Jhro Hochgräffliche Excellenz
der Hoch= vnd Wohlgebohrne Herr
Conrad Balthasar / deß Heil . Röm :
Reichs Graff vnd Herr von Staren
berg / Kayserl . Herr Gubernator , deß
hinterlassenen geheimb= vnd Deputir
ten Raths Director , vnd Statthalter
der N : O : Regierung .
Jhro Hochgräffliche Excellenz ,
der Hoch= vnd Wohlgebohrne Herr
Hanß Balthasar / Graff von Hoyos /
der ✾ (365) ✾
der Röm . Kayserl . May . geheimer
Deputir ter Rath / vnd Landmarschall
in Oesterreich vnter der Ennß .
Jhro Hochgräffl : Gnaden der
Hoch= vnnd Wohlgebohrne Herr
Quintin deß Heil . Röm : Reichs
Graff Jörger / r c. der Röm . Kayserl .
May . geheimer Deputir ter Rath /
Hoff=Cammer Vice-Præsident , vnd
angesetzter Hoffmarschall .
Jhro Hochgräfflich : Gnaden der
Hoch= vnd Wohlgebohrne Herr Carl
Ludwig / deß Heil . Röm : Reichs Graff
von Hoffkirchen / der Röm : Kayserl .
May : geheimer Deputir ter Rath / deß
Kayserl . Kriegs=Rath Vice-Præsident .
Jhro Gn . Herr Johan̅ Oßwald
Hartmann / der Röm : Kayserl . May :
geheimen Deputir ten Raths / vnd N :
O : Regiments Cantzler .
Das Collegium Sanitatis , so von
der Hochlöblichen N : O : Regierung
darzu ✾ (366) ✾
darzu verordnet / haben verwaltet .
Der Wohlgebohrne Herr Jo
hann Jgnatius Spindler / Frey= vnd
Edler Herr zu Wildenstein / Sanitatis
Collegij Præses , vnnd N : O : Regi
ments=Rath .
Der Wohl=Edlgebohrne / Ge
streng / vnd Hochgelehrte Herr Ru
dolph Carl Khazzius / beeder Rechten
Doctor , vnnd N : O : Regiments=
Rath / wie auch / p . t . Universitatis
Rector Magnificus .
Welchen zugegeben worden von der
Medicini schen Facultet Facultet.
Der Wohl=Edl Gestrenge vnnd
Hoch gelehrte Herr Paulus de Sor
bait , Phil . & Medic . Doctor . Profes
sor Primarius , Jhro Mayest . der
verwittibten Kayserin Eleonoræ
Leib=Medicus , wie auch Superin
tendent deß Lazareth / r c.
Neben dem Inspectore in Infections
Sachen .
Herr ✾ (367) ✾
Herrn Johann Andre von Lie
benberg / damahls Kayserl . Statt=
Richter / anjetzo aber der Statt Wienn
Burgermeister / mit Zuziehung / deß
Herrn Johann Schnitzenbaumb
N : O : Regierungs Secretari .
Von der Hochlöbl . N :
O : Regierung .
Jhro Hochgräfflich Gnaden der
Hoch= vnnd Wohlgebohrne Herr
Frantz Maximilian / deß Heil . Röm :
Reichs Graff von Mollart / der N :
O : Regierung Vice Statthalter .
Herr Theobald Franck / beeder
Rechten Doctor , vnnd N : O : Regi
ments Rath .
Herr Johann Ferdinand Hen
thaller / beeder Rechten Doctor , vnd
N : O : Regiments Rath .
Herr
✾ (368) ✾
Herr Johann Heinrich Reutter /
deß geheimen Deputir ten Raths / vnd
Regierungs Secretarius .
Herr Johann Jacob Häckl / deß
geheimen Deputir ten Raths / vnnd
Regierungs Secretarius .
Herr Herman Noltæus Regie
rungs Secretatius Secretarius .
Herr Johan̅ Georg Höffenstock /
Regierungs Secretarius .
Von dem Kayserl . Kriegs =
Rath.
Jhro Hochgräfflich : Gnaden der
Hoch= vnd Wohlgebohrne Herr
Wilhelm Johann Antonius / deß
Heil . Röm : Reichs Graff von Dhaun /
der Röm : Kayserl : May : Hoff=Kriegs=
Rath / vnd der Statt Wienn Quar
dia Obrist Leutenant / damahls an
gesetzter Statt=Obrister .
Der
✾ (369) ✾
Der Hoch= vnd Wohlgebohrne
Herr Marches Ferdinand de Obizi ,
&c . Statt Quardia Obrist Wacht
meister .
Der Wohlgebohrne Herr Johan̅
Bambey / Freyherr von vnd zu An
trimont , der Röm : Kayserl : Mayest :
Hoff=Kriegs=Rath / r c. General
Wachtmeister / r c.
Herr Hieronymus Bozo / der
Röm : Kayserl : May : Kriegs=Rath
Secretarius .
So dann von dem Kay
serl. Statt=Magistrat .
Herr Peter Sebastian Fügen
schue / J . U . D . vnd deß Statt=Raths ;
gestorben .
Herr Johann Frantz Pfeiffer von
Schallamheimb / deß Lazareths / vnd
Burger Spitals gewester Superin
tendent , gestorben .
A a
Herr
✾ (370) ✾
Herr Johann Wich / gewester
Superintendens deß Lazareths / vnd
Burger Spitals / gestorben .
Herr Matthæus Schmiedt / der
Statt Wienn gewester Infections
Viertl=Commissarius , gestorben .
Herr Georg Heyweck / der Statt
Wienn gewester Infections Viertl=
Commissarius , gestorben .
Herr Simon Stephan Schu
ster / Superintendent deß Lazareths
vnd Burger Spitals .
Herr Johann Martin Drach /
der Statt Wienn Infections Viertl=
Commissarius .
Von dem Kayserl . Statt =
Gericht.
Herr Magnus Schmutz / J . U . D .
gestorben .
Herr
✾ (371) ✾
Herr Matthias Ferfilla , deß
Kayserl . Statt Gerichts gewester
Beysitzer / anjetzo aber Kayserl . Statt=
Richter .
Herr Johann Nicola Rucken
baumb .
Herr Martin Barnabe /
gestorben .
Etliche tausend Menschen seynd
forderist durch Göttliche Beyhülff
von den Medicis curi rt worden / bey
vielen aber seynd die allerheilsambste
Medicamenta ohne gewünschte Wür
ckung abgeloffen / also / daß augen
scheinlich erhelte / wie Gott wolte seinen
gerechtigsten Urthl den Lauff lassen .
Hier folget die Anzahl dersel
ben Hochgelehrten Herrn Medico
rum , so mit absonderlicher Embsig
keit der betrangten Statt seynd bey
gestanden .
A a 2
Herr
✾ (372) ✾
Herr Friederich Jllmer von War
tenberg / Professor , wie auch der Me
dicini schen Facultet Decanus .
Hr . Bernhard Schlütter /
Hr . Wolffgang Plöckner /
Hr . Frantz Ganser /
Hr . Peter Leonhard Moquentin /
Hr . Paul de Sorbait Professor . &c .
Hr . Johann Schubert /
Hr . Johann Conrad Kremer / Prof .
Hr . Johann Jacob Stumpff /
Hr . Johann Adam Spenholtz /
Hr . Johann Christoph Resch /
Hr . Zacharias Manigetta /
Hr . Jacob Heinrich Kielmann /
Hr . Augustin Frantz Vogel /
Hr . Carl Festa /
Hr . Adam Racher /
Hr . Ferdinand Friederich Pock /
Hr . Johann Sigmund Linck /
Hr . Johann Wolffgang Rostmann /
Hr . Johann Peter Bachmayr /
Hr . Johann Christoph Jgnatius
Kotius / /
Herr
✾ (373) ✾
Hr . Johann Baptist Albruni .
Folgende Herrn Medici seynd
storben .
Hr . Maximilian Ludwig Ursinus /
Hr . Paul Frantz Stusche /
Hr . Matthias Unger /
Hr . Martin Furlan /
Hr . Frantz Blöhmer /
Hr . N . Stockdejus /
A a 3
Ein
✾ (374) ✾
Ein kurtze Ermahnung an
die Wienner / was Danck sie sol
len der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit
abstatten / wie auch der verstorbner
Freund nicht vergessen .
MEine Wienner / es seynd we
nig vnter euch anzutreffen /
die etwann so einfältig / daß
sie nicht könten drey zehlen /
weil dann euch der Himmel mit so
fähigen Witz ist günstig gewest / daß
ihr mehrer könt als drey zehlen / so
wünsche ich doch gern / ihr möcht we
nigst nicht können dreymahl drey zeh
len / das ist Neune / verstehe aber je
ne außsätzige Männer / so von der
heylwürckenden Hand Christi ihr ge
wünschte Gesundheit erhalten / vnd
nur ✾ (375) ✾
nur einer von disen auß verpflichter
Danckbarkeit das Deo gratias dem
HErrn demütigst abgelegt / die übri
ge Neun seynd wegen ihrer Vndanck
barkeit nit vngleich gewest den jenigen
Dingen / welche da die Brüder Joseph
über ihre Traydt=Säck in Egypten
gemacht / in deme sie dieselbe zusam
men gebunden ( seynd Knöpff gewest )
dahero nicht vnbillich der Seeligma
cher es geandt hat / novem ubi sunt ?
Dise dreymahl drey / dise vndanck
bahre Zahl / glaub ich ja nicht / das
die Wien̅statt werde zehlen / sonder trö
ste mich / als werde sie ewig dem mildse
ligsten Gott mit auffgehebten Händen
dancken vmb die übermässige Gnad /
daß er sie so bald von der verdienten
Ruthen barmhertzigst erlöset hat .
Wohl recht setzet der H . David
in einem Psalmen siben vnd zwantzig
mahl die vnendliche Göttliche Barm
hertzigkeit / quoniam in æternum mi
sericordia ejus .
A a 4
Warumb
✾ (376) ✾
Warumb Saltzburg disen Nah
men tragt / ist Ursach der Heilige
Rupertus / welcher allda wunder
thätiger Weiß das Saltz erfunden ;
Warumb die Statt Constantino
pel disen Namen führet / ist Ursach
der Kayser Constantinus / der sie also
kostbar erbauet hat ; warumb Franck
furt mit disem Namen pranget / seynd
Ursach die Francken / so alldorten ihr
gewöhnliche Furth vnnd Durchzug
hatten ; Warumb Bern in Schwei
tzerland also heisset / ist dise Ursach :
derselbige Fürst / so sie erbauet / befan
de sich einmahl auff einer Jagt / vnd
tragte seinen Hoff Cavalieren vor /
wie daß er gesin̅t seye / an demselbigen
Orth ein Statt zuerbauen / vnd ihr
den Namen schöpffen von dem nech
sten Wildt / so ihm werde begegnen /
vnd weil er zum ersten einen Bern
angetroffen / also muste die Statt
Bern heissen / dahero die Bau=Leuth
vnd Bauers=Leuth / wie sie den Wald
vmbge= ✾ (377) ✾
vmbgehauen / pflegten diß gemeine
Liedl zusingen :
Jhr Bäumer vnd Höltzer fallet gern /
Dann dise Statt soll heissen Bern .
Jetzt laß sehen / was dann der je
nige vor ein Namen führt / der vns
erschaffen vnd erlöst hat / vnter dem al
les / auß dem alles ? Wir Teutsche
nennen ihn GOTT / welches so vil
ist als Gut / vnnd pflegte man bey
den alten Teutschen an statt gut
GOTT zusagen / also / wann sie
wolten sagen / die Sach ist gut / re
deten sie / die Sach ist GOtt / auß
welchem allen Sonnenklar erhellet /
das die Teutsche ein absonderlichs
Vertrauen auff GOtt setzen / vnd die
Göttliche Gütigkeit / welche sie dann
zu allen Zeiten reichflüssig erfahren
haben / forderst wir allhier zu Wienn /
die wir zwar von dem gerechtisten Gott
vnserer Sünden halber seynd gezüch
A a 5 tiget ✾ (378) ✾
tiget worden / so bald man aber sam
mentlich an die Brust geklopfft / Stim̅
vnd Händ gegen Himmel gehebt /
hat vns der mildhertzigste GOtt er
höret / vnd gnädigst solche grassiren
de Contagion gelindert / auch endlich
gar abgewendt / absonderlich / wie man
mit offentlicher Andacht vnd höchst
aufferbaulichem Eyffer zu Ehren der
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit ein schö
ne Seulen auffgericht auff dem Gra
ben / vnd haben damahl die Wien
ner schier besser gethan / als Petrus
auff dem Berg Tabor , allwo er drey
Tabernackel wolte auffrichten / die an
dächtige Wienner aber bauten ein
dreyecketen Tabernackel / verstehe das
dreyeckete Hertz / welches ein jeder
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit da
mahlen vhrbietigst gewidmet hat .
Die Astrologi stellen allerley wun
derseltzambe Figuren in Himmel / vn
ter andern ist eine gleich vnter dem
Fisch vnd Widder / die hat sehr viel
Stern / ✾ (379) ✾
Stern / deren aber drey seynd Spar
sibiles , das ist / an einem jeden Eck
ein grosser wohlscheinender Stern / di
se Himmels=Figur tauffen sie den
Triangel / vnd bilden ihn solcher Ge
stalt vor : Lassen sich lauten / das wer
vnter dem Trian
gel gebohren wird /
der verkehre sich gar
offt im Hoffen / ley
de mehrmahl ein vnseeligs Leben /
seye der Armuth vnterworffen / vnd
gelange in die Bettler=Zech / auch so
er schon zu hohen Ehren gereichet / so
breche doch bald wider die Banck mit
ihm ; dergleichen Calender Schimpff
messen die Stern=Seher dem Trian
gel zu / vnd hat solcher gar ein gerin
ges Lob bey den Astrologos ; Seye
dem wie es wolle / dises Orths begehr
ich solches Gestirn nicht zuverfechten ;
ich zeige aber einen schönern / vn̅ vnend
lich günstigern Triangel in dem Him
mel / diser ist die Allerheiligste Drey
faltig= ✾ (380) ✾
faltigkeit / in disem Göttlichen Trian
gel hat die Wiennstatt nichts als
Stern gefunden / verstehe lauter Glück
vnd Stern / will sagen / lauter Gnad
vnd Huld hat erstgedachte Haubt
statt erworben / vnd förchtet künffti
ger Zeit von dem Himmel nimmer
mehr die scharffe Ruthen / sonder
hoffet allerseits einen vnverwendlichen
Wohlstand vnd Seegen / zu mehrerm
Trost hat sie angeruffen / vnnd ruffet
noch an allhiesige Residentz Statt die
übergebenedeyte Jungfrau vnd Kö
nigin deß Himmels Mariam / damit
durch dero vielwürckende Vorbitt /
GOtt Vatter / dessen sie ein Tochter /
GOtt Sohn / dessen sie ein Mutter /
GOtt Heiliger Geist / dessen sie
ein Gesponß / die Allerheiligste
Dreyfaltigkeit / dero sie ein gewid
meter Tempel / die gütigste Augen
vnd vnerschöpffliche Gnadenschoß de
sto ✾ (381) ✾
sto willfähriger gegen vns wende ;
bleibt also jene Feder ohne Grund /
welche vor drey Monat zu Preßlau
einen Bogen in Druck verfertiget / mit
Vorgebung / daß die gemeine Leuth
zu Wienn außsagen / wann sie vnser
Frau auff dem Hoff hätten seyn las
sen / vnd ehender zu der Allerheilig
sten Dreyfaltigkeit geruffen / wären
sie schon längsten der scharffen Ru
then befreyt worden ; Jch wüntsche
nur / ein solcher möchte auff einen hal
ben Tag nacher Wienn kommen / da
wurde er augenscheinlich noch finden /
die immer beständige Andacht zu der
Mutter GOttes / vnd zielet solcher
Eyffer nur dahin / daß wir nur fle
hentlich ersuchen die Vorbitt diser
mächtigsten Mutter bey GOtt / bey
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit / auch
gereichet dises im wenigsten nicht dem
Allerhöchsten zu einer Unehr / sonst
müsten auch die Gebett / so der Ge
gentheil zu dem Schutz=Engel hat / nit
zu ✾ (382) ✾
zu lässig seyn / dann so man einen En
gel kan anruffen / warumb nicht auch /
ja forderst die Königin der Engel ?
Jch weiß zwar wohl / daß dises
kleine Tractatl werde auch gerathen
in die Händ vieler / welche das Feg
feuer vor ein Affter=Wunder vnd
Heiliges Gedicht halten / denen ich es
vor dißmahl mit häuffigen Argumen
ten nit gesint bin zuwiderlegen / son
der lasse an statt meiner reden folgen
de Zeugen vnd Zeugnussen : Tob . c .
4 . 2 . lib . Mach . c . 12 . S . Paul . 1 . Cor .
c . 3 . S . August . Epist . 118 . S . Ambros .
in Psal . 65 . S . Chrysost . hom . 32 . super
Math . S . Ephrem in suo Testament . S .
Hieron . in Epist . 150 . S . Gregor . lib . 4 .
Decalog . c . 39 . S . Thomas Angel . 3 . p .
986 art . 4 . Wende mich dahero for
derst zu den Wiennern / vnd erinnere
dieselbe / daß sie doch ihrer durch die
Contagion verstorbener Anverwand
ten nicht sollen vergessen / dann gar
wohl glaubig ist es / das viel vnd
aber ✾ (383) ✾
aber viel von der Göttlichen Justitz in
die zeitliche Pein deß Fegfeuers seyn
geworffen worden . Es ist ein Blum
mit Namen Sonnen=Wend / dise
ist also verliebt in das strahlende Son
nen=Liecht / daß sie auß Zwang der
übermässigen Lieb selbiges vnverwend
lich anblicket / vnd wie sich dise Him̅els=
Fackel wendet / also wend sich gleich
förmig dise Blum / ja wann solche an
statt der Blätter Flügel hätte / glaub
te ich vngezweiffelt / daß sie schnell eyf
ferig wurde hinauff fliegen zu disem
guldenen Schatz / wann nun die Sonn
vntergehet / vnd ihre schönste Strah
len vnter die Erd fallen / so vermu
thest du etwann / als erlösche gleich
mässig die Lieb diser Blumen ? Nein /
nein / sonder nicht ohne Verwunde
rung ist zu sehen / wie die Blum vor
lauter Traurigkeit die gelbe Blätter
zusammen ziechet / das goltfarbe An
gesicht halben Theil verhült / vnd mit
geneig= ✾ (384) ✾
geneigtem Haubt gegen der Erden
schauet / wo das Liebste verborgen .
Von diser Sonnenblum kanst vnd
solst billich mein Wienner ein heyl
sambe Lehr schöpffen ; Gedencke / das
du disen vnd dise Verwandte geliebt
hast über alles / gedencke / das dero Ge
sellschafft dir ein einige Erquickung
gewest ist / gedencke / das dero Gut
thaten in Magnets Kräfften dein
Hertz gezogen / weil aber dise durch
den wütenden Todt seynd vnter die
Erd gerathen / also lasse fein dein vor
gehabte Lieb vnd Treu noch nicht
erlöschen / sondern wende mit der
Sonnen=Wend dein Angesicht zu
der Erden / in dero / vnter dero dein
verstorbener Vatter / Mutter / Schwe
ster vnd Anverwandte ligen / schen
cke vnd schicke ihnen ein heiliges All
mosen / ein Heilige Communion / ein
Heiligen Rosenkrantz / forderst ein
Heilige Meß / damit sie Krafft deren
auß ✾ (385) ✾
auß dem peinlichen Fegfeuer desto
ehender die Seeligkeit erreichen .
Ob zwar der harte König Pharao
gegen seinen zwey Hoff=Bedienten we
gen geringster Fähler / ja wegen eines
geringen Härl in dem Mund=Becher /
mit Keichen vnd scharpffer Gefäng
nuß verfahren / so ist doch viel schärf
fer die Göttliche Justitz / welche auch
in jener Welt die wintzigste Mängel /
vnd läßliche Sünden nicht vngestraff
ter lasset / Zeugnuß dessen gibt jener Re
ligios , welcher vnbeschreibliche Peyn
vnd Tormenten in dem Fegfeuer auß
gestanden / vmb weil er zu Zeiten in
dem Chor zu dem andächtigen Vers
Gloria Patri , &c . Das Haubt nicht
geneigt hat . In vitis Viror . Ill . Ci
sterc . Zeugnuß dessen gibt auch / die in
Heyligkeit berühmbte Jungfrau Vi
telina , welche dem Heiligen Bischoff
Martino nach ihrem Todt die vner
mäßliche Qualen in dem Fegfeuer ent
deckt / vmb keiner anderer Ursach hal
B b ber / ✾ (386) ✾
ber / als daß sie an dem heiligen Frey
tag vnnöthig das Haubt gewaschen /
an welchem Tag sie hätt sollen das
Leyden Christi betrachten ; weilen
dann GOtt in jener Welt die kleine
ste Sünden in den Flammen vnnd
Feuer so streng gezüchtiget / also erhe
ben deine verstorbene Freund vnauff
hörlich auß dem flammenden Ofen
ihre lamentierende Stimm / Misere
mini mei saltem vos Amici mei , er
barmet euch meiner / wenigst ihr mei
ne Freund .
Gott ersuchte vor disem alle Weiß /
wie er doch möcht den hartnäckigen
König Pharao bekehren ; Durch den
Moyses vnd Aaron verwandlete Gott
alle Wasser durch Egypten in lauters
Blut / damit hierdurch der Pharao
auch soll Schamroth werden / wegen
seiner Hartnäckigkeit / aber vmbsonst :
Durch den Moyses vnd Aaron schi
cket GOtt in das gantze Königreich
ein vnzahlbare Menge Frösch / damit
der ✾ (387) ✾
der König nicht soll wie ein stoltze vnd
auffgeblassene Krott verharren / aber
vmbsonst : Durch den Moyses vnnd
Aaron überhäuffet GOtt das gan
tze Land mit Käffer vnd schädlichen
Mucken / damit dem Pharao seine när
rische Grillen sollen verwendt wer
den / aber vmbsonst : Durch den Moy
ses vnd Aaron füllt GOtt das gan
tze Egypten mit einer solcher Finster
nuß an / das niemand den andern
kunte sehen / damit durch solche Fin
sternuß der König möcht erleuchtet
werden / aber vmbsonst : Dahero der
Allerhöchste über disen hochmütigen
Monarchen noch mehrer erzürnet /
auch endlich die gröste Straff an die
Hand genommen / dem Moyses vnd
Aaron entdeckt / wie daß er gäntzlich
gesint seye alle Erstgebohrne durch
gantz Egypten zuerwürgen / damit
aber dise Ruthen die vnschuldige Jsrae
liter nicht berühre / so sollen sie alle
ihre Thür=Schwellen mit Lambl=
B b 2 Blut ✾ (388) ✾
Blut besprengen : Es ist auch gesche
hen ; Das bey Mitternacht die scharf
fe Hand GOttes alle Erstgebohrne
in gantz Egypten ermort / so gar deß
Königs Printzen nicht verschont / ja
kein Hauß war anzutreffen / in wel
chem nicht ein Todter lage / außge
nommen dieselbe Häuser / dero Thür=
Schwellen mit Lämbl=Blut besprengt
waren : Erit autem sanguis in si
gnum vobis .
Nun ist niemand eines so gering
fertigen Verstands / der nicht folg
samb schliessen kan / wann das Blut
des Lambs in dem alten Testament die
zornige Hand Gottes abgewend / da
solches Lämbl nur ein Figur / ein
Schatten / ein Model / ein Zeiger / ein
Bedeutung deß wahren Lamb Got
tes gewest / was wird dann erst vor
ein Würckung haben das wahre Lamb
Gottes in dem allerhöchsten Meß=
Opffer . Frag ich etwan ein arme
Seel im Fegfeuer / wie es dann mit ihr
beschaf= ✾ (389) ✾
beschaffen / so antwort sie mir . Manus
Domini tetigit me , die Hand Got
tes hat mich getroffen / ich stehe / vnd
liege zu gleich / ich stehe / zwar in der
Gnad Gottes / aber ich liege allhier
in der grösten Pein ; Das Feuer / so in
dem Babilonischen Ofen gebronnen /
ist schmertzlich gewest ; Das Feuer / so
die Stätt Sodoma vnd Gomorra ein
geäschert / ist peinlich gewest ; Das Feu
er / so das guldene Kalb der Jsraeliter
zerschmeltzet hat / ist heiß gewest ; aber
das heiß seyn / das peinlich seyn / das
schmertzlich seyn dises Feuers ist nichts
vnd abermahl nichts gegen dem Feuer /
so mich brennt / Manus Domini , die
Hand Gottes hat mich so hart getrof
fen / dahero bitt / vnd bitt ich euch hin
terlassene Freund vmb ein einigen
Bluts=Tropffen von dem Göttlichen
Lamb in der Heil . Meß / wormit ich
könne die zornige Hand Gottes von
mir abwenden ; Dergleichen wehkla
gende Seuffzer vnd bewegliche Thrä
B b 3 nen ✾ (390) ✾
nen sollen sie dann nicht dich Mensch
zu einer Erbarmnuß erweichen / du
forderst O Kind ! der du anjetzo Platz
vnd Schatz deiner verstorbnen Eltern
in aller Ruhe vnd Wohlstand besitzest /
kan es dann möglich seyn / daß du das
bittere Bitten deiner Eltern nicht solst
erhören ? Hast dann nie gelesen in dem
Heil . Evangelio / Matth . 22 . von ei
nem König / der seinem Sohn Hochzeit
machte / vnd sandte deßhalben seine
Knecht auß / damit sie die Gäst zur
Mahlzeit einladeten / als aber solche
vnhöffliche Gesellen nicht wolten er
scheinen / wurde der König erzürnt /
schafft dahero seinen Dienern / Ite ad
exitus Viarum , gehet hin auff die
Landstrassen / da sich die Weeg schei
den / vnnd ladet zum Hochzeit=Mahl /
wem ihr findet .
Allerliebste Wienner / ihr wisset gar
wohl / daß kein kostbahrere Mahlzeit
gefunden werde / als das Heiligste
Meß=Opffer vnnd Göttliche Abent
mahl / ✾ (391) ✾
mahl / gehet deßwegen hinauß vor die
Statt Wienn / auff die Strassen vnd
Weeg / wem ihr alldort findet / den
ladet ein zu disem Göttlichen Panquet /
ihr find aber draussen vnter so viel tau
send / die allda in Gruben vnd Grä
bern / vnnd beyn Creutzen begraben /
auch eure liebste Eltern / eure Freund /
Schwester / Brüder / sambt andern
Verwandten / die wegen der laidigen
Sucht hinauß seynd geschlept wor
den / dise / dise ladet höfflich ein / es er
forderts also euer kindliche Treu / es
gebiets also die verpflichte Schuldig
keit / es thut euch zu solchem euer selbst
eignes Gewissen anspohren / dise / dise
ladet ein zu der Göttlichen Mahlzeit /
schenckt ihnen ein Meß=Opffer / ein in
brünstige Com̅union / oder ein anders
Gott wohlgefälliges Werck / in dem sie
also vnauffhörlich zu euch schreyen vnd
seufftzen ; erinneret euch ihr Kinder / das
GOttes Sohn auff dem bitteren
Creutz=Stammen / in Mitte deß vner
B b 4 mäßli= ✾ (392) ✾
mäßlichen Leydens gleichwohl seiner
gebenedeyten Mutter nicht verges
sen / sonder dieselbige dem Heili
gen Joanni disem Jungfräulichen
Jünger bestermassen anbefohlen / da
mit er sich ihrer annehme ; Vnd du
Kind ! Vnd du solst mitten in Glück
stand anjetzo deiner verstorbnen Mut
ter vergessen ? Deines liebsten Vat
ters vergessen ? Deiner treuesten
Schwester vergessen ? Deines besten
Freunds vergessen ? Vergessen ? Das
will ich gäntzlich nicht von dir ver
muthen / es müsset nur seyn / das dein
Hertz in jenen Stein verkehret wäre /
der dem Jacob ein Polster abgeben /
es müste nur seyn / daß das Blut in
deinen Adern muste verwandlet seyn
in jene Gall / mit dero dem Tobiæ
die Augen bestrichen worden . De
rohalben dann O gütigster vnd barm
hertzigster GOtt hast du erhört Jo
nam in dem Wallfisch / hast du er
hört den Job auff dem Misthauffen /
hast ✾ (393) ✾
hast du erhört die drey Knaben in
dem Babilonischen Ofen / hast du er
hört die Agar in der Wüsten / so er
höre auch mich armseeligen Sünder /
erhöre vns alle / die wir bey deinen
allerheiligsten Füssen ligen / vnd bitten
vmb Barmhertzigkeit / vmb fernern
Wohlstand der Wiennstatt / vmb be
ständigen gesunden Lufft / wie wir an
jetzo geniessen / erhöre vns alle / die wir
zu dir vnd deiner grundlosen Gütig
keit auffschreyen für vnsere verstorbene
Freund vnd Anverwandten / schlies
se auff O mildreichister GOtt deine
Reichhabende Gnaden=Schoß / vnd
gibe ihnen das ewige Leben / vns
eben / Amen .
B b 5
Regi=
Register.
Register etlicher Merck
würdigen Ding .
BEschreibung deß sterblichen Le
bens . Folio 14
Vorbotten der Pestilentz . 31
Wierths=Häuser . 45
Verzeichnuß der Gassen in der Wienn
statt . 54
Der Geistlichen seyn viel von der Con
tagion hingerissen worden . 58
Der Ordens Persohnen Lob vnnd
Nutzbarkeit . 67
Andacht der Wiennstatt . 85
Wunderlicher Todt eines Priesters .
101
Die Schönheit ist der Weiber eini
ges Verlangen . 104
Dreyer Wasch=Menscher seltzame Ge
schicht . 107
Die
Register.
Die Forcht ist zur Pest=Zeit sehr schäd
lich . 118
Das Gelt vermag alles in Welt . 133
Vornehme Herrn seynd auch nicht
befreyt von der Pest . 149
Der Geitzigen verblendte Thorheit . 156 159
Jdioten seynd ein verworffnes Con
fect . 170
Scienz vnd Wissenschafft ist sehr nutz
lich . 177
Advocaten Lob . 183
Freund wie sie gemeiniglich beschaf
fen . 200
Hexen schädliche Boßheit . 205
Wie wunderlich ein Wiennerischer
Herr von der Contagion angegrif
fen worden . 207
Eines Haderischen Ehestands rech
ter Entwurff . 216
Weiber Gifft . 223
Regel eines GOtt gefälligen Ehe
stands . 225
Manstreu eines Jtalianer . 231
Kinderzucht wie nothwendig . 239
Sollda=
Register.
Solldaten Lob . 256
Juden seyn sehr viel vmbgebracht
worden . 270
Deß Tabacks heylsambe Würckung .
276
Der Wiennerischen Pasteyen Beschrei
bung . 277
Die Sünd ist ein gewöhnliche Ur
sach der Pest . 288
Wunderbarliche Bildnuß S . Salva
toris in Portugal . 295
Engeländische Heuschrecken mit ge
schribnen Flügel . 315
Die Buß soll man nicht auffschieben .
326
Seelsorg zu Wienn in dermahligen
Pest . 351
Anzahl der jenigen Geistlichen / welche
den Krancken beygestanden / vnnd
dessenthalben auch gestorben . 255 355
Obsicht der Weltlichen Obrigkeit /
wie auch aller deren / so sich dem ge
meinen Weesen zu Guten in die Ge
fahr geben . 364
Andacht
Register.
Andacht zu der Allerheiligsten Drey
faltigkeit wie nutzlich . 373 378
Vergiß mein nicht / einer armen
Seelen in Fegfeuer . 381
ENDE
.