Todten-Capelle, digitale Ausgabe Abraham â Sancta Clara herausgegeben von Ulrike Czeitschner Claudia Resch unter Mitarbeit von Barbara Krautgartner Eva Wohlfarter Vollständig digitalisierte Ausgabe 2015 Institut für Corpuslinguistik und Texttechnologie Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien Jubiläumsfonds der Österreichische Nationalbank 57.448 Tokens 546 Faksimiles Austrian Centre for Digital Humanities, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Sonnenfelsgasse 19 1010 Wien
Wien 2015 abacus.3
Abraham â Sancta Clara: Todten-Capelle. Würzburg, 1710. [Abraham â Sancta Clara]: Besonders meublirt- und gezierte Todten=Capelle / Oder Allgemeiner Todten=Spiegel / Nürnberg / Bey Christoph Weigel Würtzburg / Druckts Marrtin Frantz Hertz. An. 1710. Abraham â Sancta Clara Besonders meublirt- und gezierte Todten-Capelle / Oder Allgemeiner Todten-Spiegel / Darinnen Alle Menschen / wes Standes sie sind / sich beschauen / an denen mannigfältigen Sinn-reichen Gemählden das MEMENTO MORI zu studiren / und die Nichtigkeit und Eitelkeit dieses Lebens Democriticè oder Heracliticè, Das ist: Mit lachendem Mund / oder thränenden Augen / wie es beliebt / können betrachten und verachten lernen. Erstausgabe Martin Frantz Hertz Christoph Weigel Nürnberg / Würzburg 1710 546 [davon 162 unpagiert, 384 paginiert] Illinois, USA University Illinois University Library Illinois Emblem Collection of the University of Illinois, Urbana-Champaign 832Ab8

vorbereitet im Rahmen eines Forschungsstipendiums der Gemeinde Wien "Barocke literarische Totentänze von und mit Abraham â S. Clara"

weiterbearbeitet im Rahmen des Projekts "Texttechnologische Methoden zur Analyse österreichischer Barockliteratur", gefördert vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank (Nr. 14738)

Der elektronische Text wurde nach den Richtlinien der TEI P5 annotiert.

Korrekturen sind als solche ausgewiesen.

Die Orthografie des Originals wurde beibehalten.

Die Typografie des Originals wurde außer im Falle von Ligaturen, Umlauten und Schaft-s beibehalten. Längenstriche sind durch den Unicode 305 repräsentiert, der dem jeweiligen Buchstaben nachgestellt ist.

Worttrennungen am Zeilenende wurden beibehalten.

Personennamen, Ortsnamen, Datumsangaben, Zitate und bibliographische Verweise

Tokenisierung, PoS-Tagging (54-teiliges Stuttgart-Tübingen-TagSet, Guidelines 1999), Lemmatisierung (Referenzwerke: Duden bzw. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm), manuelle Korrektur

Erbauungsliteratur Älteres Neuhochdeutsch

P. ABRAHAMS a S. ClaraP. ABRAHAMS a S. Clara Gemahlte Toden-Capell.

REV. P. ABRAHAM à S. Clara, Augustiner=Barfüsser=Ordens / weyland Kayserl. Predigers und Definitoris Provinciæ, Besonders meublirt- und gezierte Todten=Capelle / Oder Allgemeiner Todten=Spiegel / Darinnen Alle Menschen / wes Standes sie sind / sich beschauen / an denen mannigfältigen Sinn=reichen Gemählden das MEMENTO MORI zu studiren / und die Nichtigkeit und Eitelkeit dieses Lebens Democriticè oder Heracliticè, Das ist: Mit lachendem Mund / oder thränenden Augen / wie es beliebt / können betrachten und verachten lernen. Nürnberg / Bey Christoph Weigel / Kupfferstecher und Kunsthändlern gegen der Kayserl. Reichs=Post / über zu finden. Würtzburg / Druckts MarrtinMartin Frantz Hertz. An. 1710.

Jhro Excellentz / Dem Wohl=Gebohrnen Herrn / Herrn ADAMO ANTONIO Grundemann / Von Falckenberg / und Egeregg / Herrn der Herrschafften Engelstein / Süssenbrunn / und Heindorff / &c.

Der Römischen Kayserlichen Majest. Würcklichen Geheimen Rath / rc. rc. Einer Hoch=Löbl. Todten=Bruderschafft wohl=erkiesten PRÆFECTO.

WEltkündig ist / wasmassen grosse Gemüther ihren Geist=Feuer / und Tugends=Krafft entweders durch den Degen / oder die Feder pflegen außzubilden / und kühnlich zu machen. Hierinfalls hat der in teutschen Landen / bekandt= und hochberühmbte / nunmehr in GOTT ruhende Wohl=Ehrwürdige Pater Abraham in seinen mit Sin̅=reicher Feder verfasten Schrifften und chern der Nach=Welt zum Vorschein gespielet / und klare Prob vor Augen gelegt / dergestalten daß Er sich nicht allein der auff dieser Welt annoch streitenden / sondern auch dero in der anderen Welt also genandtnandt purgierenden Kirchen höchstmeritirt / und verdient / ja mit denen Abgelebten gar eiueeine Bündnuß und höchst Lob=würdige Alliantz gemacht zu haben scheinet. Angesehen Er schon vor 31. Jahren bey Jhro Hoch=Gräflichen Excellentz Herrn Grafen von Hojos, damahligen Land=Marschallen allhier zu Wienn als Lieb=wertester Gast / ja Hauß=Genoß wohnent / gleich als in einem Kloster Geist=reichen Betrachtungen obligent in Mitleydender Hertzens=Erwegung / daß selber Zeit so viel tausend in denen Federn des Schmertz=bitteren Ruh= und Todt=Bettlein ihren Geist außschwitzent / vermuhtlich vielen deroselben die erwünschte ewige Ruhe verschoben / als welche gleich dem Gold im Feuer von restierenden Sünd=Sünd=Macklen musten gereiniget und geleuteret werden / in sothaner Betrachtung wolte auch P. Abraham seiner Feder noch Ruhe noch Feyer=Tag verlauben / sondern vielmehr selbe spitzen / umb aller noch lebenden Hertzen zum Christlichen Mitleyden zu verwunden / denen Abgelebten aber zu tröstlicher Hülff jene Geist=volle Tractätl mit dem Mercks= und Lösch Wienn betitlet / unter die Preß / und folgsamb die erste Prob seiner Geistlichen Alliantze legen. Mittler Zeit muste das feurige Hertz Augustini mit zwölff Sinn=Bilderen beleuchtet / dann auch die viel Jahr (in Persönlicher Gegenwart Kayserlichen Majestäten) bestiegene Bruderschaffts=Cantzel der getroffenen Bündnuß=Beypflichten / massen Er von selber / alsals ein recht anderer Abraham gegen den armen Lazaro (will sagen den armen Seelen) sein zart Hertzliches Mitleyden zu beweglichen Beyspill der Zuhörer an Tag geben / umb zu erlehrnen / diese Arme in der Schooß eines danckbahren Hertzens und Gedächtnuß zu tragen / und auffzunehmen. Gestalten nun bey herzunahenden grauen Alter / und dero begleitenden Unpäßlichkeiten / so wohl Stimm= als Feder mercklich zu ermieden begunten / als haben Sie den künstlichen Mahler=Pemsel zu Hülff geruffen / umb jene Geist=volle Sinn=Bilder und merck=würdige Sprüche Göttlicher Schrifft der annoch= und künfftighin lebenden Nach=Welt zum Denck=Zeichen und Vale in der Todten=Bruderschaffts=Capellen zuzu hinterlassen / daß also die so Lob= als Verdienst=würdige Geistliche Alliantz mit diesem Werck schließlichen bekrönet / und hoffentlich auch in dem Himmel von dem allwaltent=gütigsten GOtt mit dem guldenen Gnaden=Pfenning ewig=wehrender Seeligkeits=Geniessung würdet seyn belohnet worden.

Wann nun jener Poëtische Reimen=Dichter Homerus bey dem Macedonier König Alexander mit seinen gebundenen Lob=Schrifften so grosse Ehr eingelegt / daß der König selbe in einem guldenen Trücherl verschloßner mit sich so gar auch auff denen Reisen herumb geführt / zum Zeichen seiner hohen Æstim und sonderen Werthshaltung: Als lebe auch ich verläßlichen Zuversicht und getröster Hoffnung /uungnung / Euer Excellentz werden diesen unseren Simbolischen P. Abraham ebenfalls genehm halten / da ich vor Selben im Nahmen Sambtlicher respectivè, &c. Herren dero hoch=löblichen Bruderschafft Officialen bey Jhro Excellentz / als ehedessen 43. Jahr höchst=meritirtisten Land=Unter=Marschallen die Einkehr außbitte: und zwar auß folgenden Beweg=Ursachen: Weilen der Author selbst bey Lebs=Zeiten öffters sich vernehmen lassen: Jn warheit wir AngustinerAugustiner Barfüsser haben einen recht Grund=Hertzig geneigt gnädigen Vatter / und unabläßlich gutthätig freygebigen Mann an dem Gnädigen Herrn GrundeMan / uudund ligt auch die Prob klar vor Augen:gen: Als wann Jhro Excell. im Geist hätten vorgesehen / daß 1700. auß Päbstlicher Gutheissung der groß=heilige Vatter Joseph / denen Augustinern Barfüssern hoher Schutz=Herr / und H. Ordens=Patron wurde erkiesen und erwählet werden / als wolten sie ihme zu sondern Ehren etliche Jahr zuvor den so schön als kostbaren Altar / nebst beygeschaffter wohl schönen Paramenten / Leuchtern und anderen Cirathen / mit eingestifftetewig=bren̅enden Lampen von Grunde erheben und auffrichten lassen.

Auch in keiner anderen / als dieser Kayserlichen Hoff=Kirchen Jhro künfftige Ruhe=Statt / und ihrer nachstamment Hoch=Adelichen Famili zuerwählen belieben getragen / massen das schöne Kunst=reiche Epita-pitaphium von Marmor / nebst Sinnreich beygesetzter Grabschrifft alldorten zu sehen ist / rc.

Gleich wie nun dieses eine lebhaffte Schilderey der sterblichen Menschheit / und menschliche̅ Sterblichkeit allen Ansehenden vorstellet / mit stummer Erinnerung daß Sie Dero unumbgänglich verpflichtet / also kan ich unwidersprächlich sagen: daß Euer Excell. schon vor mehr als einem halben Jahrs=HundetJahrs-Hundert mit denen auff dieser Welt abgelebten = in der Anderen = aber ewig=lebenden Seelen einen Bund und Alliantz gemacht haben / Selbigen allmögliche Hülff und Succurs zu leisten / getraute mir solches nicht kund zu machen / zum Fall ich nicht Jhro Excell. selbst aigenhändige Unterschreibung auß dem AlboAlbo und grossen Bruderschaffts=Buch kunte zur Prob vorzeigen / in welchem folgende Wort zu lesen: Anno 1659. den 21. Tag Novembris: Adam Antoni Grundeman. Von diesen 51. Jahren her haben die Herren Sodales und Bruderschaffts=Beambte mit Augen gesehen / die arme Seelen aber im Werck erfahren / wie ihnen dieser Grund so häuffig und heylsambe Früchte der Geistlichen übermachten Verdienst getragen.

Den Grund liebt GOtt: da Er von Grund des Hertzens will geliebt werden. Den Grund lieben die Menschen / da sie im Grunde der Erden den Gold und Silber=Aderen nachgraben / im Grunde des Meers unter dem Wasser schwim=schwimment köstliche Corallen / Perlen und Million verborgene Schätz suchen. Dahero kein Wunder / daß auch die Herren Officialen auff Jhro Excellentz ein danckbahres Aug gewendet / und Sie erstlichen als einen Assistenten / nachmahls Vice-Præfecten, nun aber als best=erkießnestes Ober=Haubt und Præfecten der Hoch=Löblichen Todten=Bruderschafft liebet und beehret: umb Willen Euer Excellentz so Grund=Eyffrig beygeholffen mittelst recht=freygebiger Gutthätigkeit / daß die Bruderschafft zu solchem Flor und Auffnehmen / in welchem Sie heunt zu Tag zu sehen / gelanget / den Verstorbenen aber hierdurch mehrere Beyhülff geleisteit worden / welche auch von denen in die triumphirentriumphirendede himmlische Freuden=Stadt einziehenden Alliirten mit einer Gegen=Alliantz reichlich ertheilten Seegens auch auff der Welt erstattet / und beglückseeliget worden.

Wohin dann Jhro Excell. adeliches Stammen=Wappen selbst will abziehlen durch Vorzeigung deren drey Creutz im rothen Felde: Nun weiß man schon / daß die Bischoffliche Benediction und Seegen durch dreyfaches Creutz unter Anruffung der Drey Einigen GOttheit ertheilet und gegeben werde; also seynd Euer Excell. sonderen Zweiffel auch wegen dieser loblichen heylsamben Alliantz dreyfach geseegnet.

Geseegnet an dem Gemüth:

Da Dero drey Seelen=Kräfften / GedächtuußGedächtnuß / Verstand / und Willenlen noch unermüdet nichts gedencken / betrachten und wollen / als wie die Ehre GOttes / und NutzenNutzen des Neben=Menschen befürderet werden.

Geseegnet an dem Geblüth:

Jn dem Sie solches allbereith in der dritten Generation vermehrter sehen / und mit dem tröstlichen Namen eines Ur=Anherrn begrüsset werden / auch mit einem Alt=Testamentischen 85. Jährigen Caleb sagen können / an Gesund= und Leibs=Kräfften so vermögent zu seyn als bey 40. Jahren. Josue c. 14. v. 11.

Geseegnet an dem Gebieth:

Da ihre getreue liebe Unterthanen Zeit Lebens keine andere Herrschafft verlangen / weil diese so gut und gnädig ist. Nichts zu melden daß Jhro Kayserliche Majestät sebstenselbstenselbsten in mildester Erwegung Dero dem Durchleuchtigsten Ertz=Hauß in Justiz-Land= und Policey=Sachen mit unermüdeten Fleiß und Sorgfalt in die 62. Jahr treu=geleisten Diensten Jhro Excell. zu der hohen Würde eines würcklich Geheimen Raths mit Stimm / Rang / Vorzügen und Ehren den 8. diß Monaths Octobris ernennt und allergnädigist erkiessen.

So daß ich nicht wuste / was Jhro Excellentz noch ferners wünschen kunte / als villeicht daß denen 86. Jahren ihres Ehren=Alters noch zweymahl Siben beygelegt wurden / und folgends ein guldenes Sæculum und Jahr=Hundert kunten celebriren / solte aber dieses nicht geschehen / so haben Sie sich vonvon der erschaffenen Dreyfaltigkeit JEsu / Maria und Joseph / bey ihrem Altar sicherlich zuvertrösten / daß Jhro Nahmen seye verzeichnet und eingeschrieben in dem Buch der Lebendigen; Jst dieses / so haben Sie die höchste Glückseeligkeit / und das beste glückseeligste Ziehl und End.

Womit ich mich

Jhro Excellentz

Jn aller Unterthänigkeit Empfehlend

Verharre gehorsamer Diener

Georg Augustin Widtman Capell=Diner.

Jhro Excellentz / Dem Wohlgebohrnen Herrn / Herrn ADAMO ANTONIO Grundeman von Falckenberg / auff Waldenfels / und Egeregg / Herrn der Herrschafften Engelstein / Süssenbrunn / und Heindorff / rc. rc. der Römischen Kayserlichen Majestät würcklichen Geheimen Rath / rc. rc. einer Hoch=Löblichen Todten=Bruderschafft wohl=erkiesten PRÆFECTO.

Jhro Excellentz / Dem Hoch= und wohlgebohrnen Hn. Hn. JOANNI VOLCKHARDO, Des Heil. Röm. Reichs Grafen von Conzin, &c. der Röm. Kayserl. Maj. würcklichen geheimen Rath / rc. cr.rc. einer Hoch=Löbl. Todten=Bruderschafft VICE-PRÆFECTO.

ASSISTENTI .

Jhro Gnaden / Dem Wohl=Edel Gebohrnen Reichs=Rittern / und Herrn / Herrn CHRISTOPHORO IGNATIO Edlen Herrn von Quarient und Raall / der R. Kays. M. Hof=Kriegs=Rath / rc.

Dem Wohl=Ehr=würdigen / Jn GOtt Geistlichen P. ANSELMO à S. CHRISTOPHORO Augustiner Barfüsser=Ordens Priori in Wienn / der der Röm. Kayserl. Maj. Theologo, und einer Hoch=Löbl. Todten=Bruderschafft Geistlichen Vattern.

CONSULTORIBUS .

Dem Wohl=Ehrwürdigen in GOtt Geistlichen Hn. TOBIÆ Soldner J. U. Licentiato, und Beicht=Vatter des Löblichen Stiffts / und Klosters bey St. Ursula.

Dem Edel=Gebohrnen Hn. Jacobo Mätz / der Röm. Kayserl. Majest. Hof=Cammer=Rath / und Schloß=Haubt=Mann zu Laxenburg.

Dem Edel=Gebohrnen Hn. Johann Ludwig Gößsinger / der Röm. Kayserl. Maj. Rath / Ober=Schiff=Ambts=Lieutenant / und Feld=Schiff=Ambts Ober=Haubt=Mann.

Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn. Paul Schmuderer / des Jnnern Stadt=Raths / und des Löbl. Burger=Spitals wohl=verordneten Superintendenti.

Dem Wohl=Edel Gestrengen Herrn Johann Michael Eineder / der Römischen Kayserl. Maj. Hof=Buchhalterey Raith=Rath.

Dem Wohl=Edel=Gestrengen Hn. Johann Georg von Gerstenbrand / Kayserl. Hof=Kriegs= und Zeugs=Secretario.

Dem Wohl=Edel Gebohrnen Ritter und Herrn Wenceslao Maximiliano Z’diarsky von Koßmatschow / und Sternfeld / dedes Röm. Kays. M. Böhaimbischen Hof=Cantzley Taxatori / und Registratori.

Dem Wohl Edel Gestrengen Hn. Frantz von Polckowitz / der Röm. Kays. Maj. J. Oe. Geheimen Hof=Cantzley Registratori, und Taxatori.

Dem Wohl=Edel Gestrengen Herrn Georg Ferdinand von Schott / Königl. Böhaimischen Agenten.

Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn. Friderico Emanueli Müller von Freyburg / der Röm. K. M. J. Oe. geheimen Hof=Cantzeley Concipisten.

Dem Wohl=Edlen Herrn Martin Kullmayr / Gemeiner Stadt Wienn Metzen=Leyher / des Aussern=Raths.

Dem Edlen Hn. Francisco Priestersperger / Burgerl. Handels=Mann / des Aussern=Raths. PROVISORI und Schatz=Meistern.

Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn. Johann Christoph Dittel von Dittenberg / der. R. K. M. geheimen Reichs=Hof=Cantzley=Verwandten.

PROCURATORI .

Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn. Johann von Seltenreich / der R. K. M. Stadt= und Land=Gerichts=Beysitzern.

Wie auch allen Einverleibten Respectivè Herren Brüdern / Frauen / und Jungfrauen Schwestern der Hoch=Löblichen Todten=Bruderschafft bey denen Wohl=Ehrwürdigen P.P. Augustiner Barfüssern allhier offeritr zu einem glückseeligen / Fried= und Freudenreichen Neuen Jahr /

Von dero Capell=Diener.

Georg Augustin Widtman .

CENSURA .

CUm præsens opusculum, gemahlte Todten=Capellen intitulatum, à Patre Abrahamo à S. Clarâ piæ memoriæ morti proximo velut opere Bombycino elaboratum, à Theologis relectum, omni ex parte sericum deprehensum fuerit, & Capellam approbamus, & Defuncti piis manibus benè precamur dicentes: Requiescat in pace. Datum Bambergæ in monte S. Stephani Proto-Martyris die 19. Sept. An. 1710.

JOANNES WERNERUS, Episcopus Dragonensis, Eminentissimi Electoris Moguntini per Civitatem ac Diœcesin Bambergens. in Pontifical. & Spiritual. Vicarius Gener. insignis Collegiata ad S. Steph. ibidem Decanus & ad S. Martinum Parochus.

Ap-
Approbatio Theologica.

PRæsentem Capellam mortualem Patris Abrahami à Sanctâ Clarâ nuper in Domino defuncti, quam Reverendissimus, Perillustris ac perquam Gratiosus Dominus Joannes Wernerus, Episcopus Dragonensis &c. mihi infrà scripto revidendam commisit, pyræ Phoenicis per omnia similem deprehendi, utpote ex meris lignis aromaticis, & odoriferis compositam; ardeat ergò, & præluceat aliis ad felicem mortem, & gloriosam resurrectionem, ità Censeo Bambergæ in monte S. Michaëlis Archangeli die 19. Septembris Anno 1710.

P. Gregorius Pfodenhauer, O. S. B. in monte St. Michaëlis Professus, & Lector.

J. J.
J. J. Geneigter Leser.

JNdem die letzte Schrifft von dem in Teutschland so hoch beliebten P. Abraham de S. Clara zum Vorscheine kommt / worin̅en Er erwiesen / daß Er / als ein Palm=Baum / in dem Alter eben so viel Safft als in der Jugend besitze / und als ein ausgehendes Feuer sein Liecht nur zuvor verdoppele; So wird es verhoffentlich so angenehm seyn / als sehr es biß anhero verlanget worden / wann man von seinem merckwürdigen Leben einige Nachricht erstattet / und Jhn / aus dem Tode / von neuem zu aller Verwunderung vorstellet.

Sein Name erinnert uns des grossen Jsraelitischen Patriarchens / oder des Stamm=Vatters / des geheiligten Saamens / welcher unzählig war als der Sand am Meer / und die Sterne am Himmel / al 2leinVorrede.lein weil Er niemals in einer Ehe gestanden / sondern / Krafft seiner heiligen Gelübbe / nur die Braut des hohen Liedes zum Zweck seiner Liebe hatte / so ist Er zwar allezeit / den Kindern nach / in dem Stande / als Sara war ehe sie lachte / zu betrachten / aber wir können Jhn nichts desto weniger auf zweyerley Art / eben wie Abraham / einen Vatter vieler Völcker und unzähliger Nachkommen nennen.

Es hatte Jhn der Höchste mit so viel unzähligen Gaben ausgerüstet / daß das daraus entstandene Lob / welches Er sich selbst gebahr / dem unzahlbaren Sande gleichte. Seine GOttes=Furcht / seine Andacht / seine Demuth / sein Eiffer in der Religion / seine Treue gegen die Kirche / seine Liebe gegen den Nechsten / seine Gelehrsamkeit / seine Beredtsamkeit / sein Erkandtnuß / seine Kunst allen alles zu werden / sein Geheimnuß aller Hertzen zu gewinnen / sein Art zu straffen ohne zu beleidigen / sein Meister=Stück den Weinberg des HErrn zu bauen / in welchem Er das grobe Holtz abhieb / daß zwar die Thränen darnach flossen / die aber nicht ein bitterer Schmertz der Beleidigung / sondern eine verwundernde BewegungVorrede.gung des erkannten Guten heraus pressete. Dieses / sage ich / sind die zwölff Geschlechts Aeltesten / welche Jhm so viel Verwunderung bey denen / so Jhn höreten / so viel Liebe bey denen / so Jhn sahen / und so viel Hochachtung bey denen / so Jhn lasen / zuwege brachten / daß die daraus entsprossene Lob=Sprüche eben so unzählig als des gesegneten Abrahams fruchtbare Nachkommen. Ohne allhier zu berühren / daß Jhn die Menge seiner heraus gegebenen Schrifften / von welchen wir hernach reden wollen / zu einen andern und gedoppelten fruchtbaren Abraham machten.

Unter diesen oberzehlten Stamm=Tugenden theilte sich seine Beredtsamkeit als das Geschlechte Josephs in zwey Haubt=Aeste ausauf / nemlich in die Annehmlichkeit / alles geschickt vorzubringen / und in Hertzhafftigkeit die Warheit ohne Scheu zu reden. Wenn die übrigen Tugenden unseren Abraham zu einen grossen Mann machen / so erwirbt Jhm diese den Namen eines Meisters der Vollkommenheit / und zwar um so viel desto gewisser / als es wahr ist / daß alle Menschen durch den Klang der musicirten Warheit beleidiget werden / und daß 3wegenVorrede.wegen dieser Gefahr gar selten ein solcher Musicus einen reinen Thon vorbringet / sondern vielmehr die Saiten nach den Ohren der Welt verstimmet. Unser Abraham war an dem grösten Hof der Welt Hof=Prediger / wo Er / zu seinen grossen Gaben / zwar den Vortheil fand / daß die Majestät / der Er predigt / selbst haben wollte / daß Er die Laster dem Hof ohne Masquen vorstellete / ob ihn nun solches zwar ausser Gefahr setzete / so war doch dieser Zweck noch lange nicht erhalten / daß ein jeder / so von unserm Pater Abraham die Warheit gehöret / mit dem scharffen Prediger der Warheit vergnügt gewest / dieses geschahe aber; alle trungen sich / von Pater Abraham die Warheit zu hören / und solcher Zulauff rührte nicht von dem Schutz des Kaysers her / denn dieser konnte Jhm nur Sicherheit verschaffen / sondern aus dem Geheimnus / so Er besaß / alle Menschen zu zwingen / seine ungeheuchelte Warheit zu hören.

Als die Königin Christina aus Schweden zu erst nach Rom kam / ward ihr alles / was diese grosse Stadt von so vielen Jahren Wunder=würdiges gesammlet / gewiesen / unter allen diesen bezeugte sie über keines so vielVorrede.viel Verwunderung / als über eine / von dem vortrefflichen Bernini / aus Marmor verfertigte Warheit. Ein dabey stehender Cardinal sagte / Er müste dieses vor ein Zeichen glücklicher Zeiten halten / weil sonst die Warheit bey Hofe nicht so sehr geachtet würde! ja / versetzte die Königin / es sind auch nicht alle Warheiten von Marmor. Unser P. Abraham wuste die Verachtung dieser Tugend bey Hofe allzuwohl / Er wuste / daß man mit dieser Königin alle Warheiten zu Marmor=Säulen wünschete / aber diese Verwünschung irrete Jhn so wenig / daß Er desto mehr Regung bekam / die Warheit unter Bildern vorzustellen / welche alle Menschen verwundern musten. Die Laster / so Er / als in der Medusä Haubt / vor sich sahe / hatten bey Jhm gantz andere Würckung / denn an statt versteinert zu werden und zu verstummen / machten sie Jhn beredt / daß Er die Warheit denen Zuhörern desto deutlicher in das Gesichte sagte / und diese insgesamt rissen sich / von einem Mann / welcher nicht zu heucheln / und den Wein sehr wenig mit Oel zu vermengen wuste / die Warheit zu hören.

Hierinn gleichte Er einem geschickten Wund=Vorrede.Wund=Arzt / welcher ohne Furcht die unnütze Glieder schneidet und brennet / worbey ihm seine bewährten Curen nur desto mehr Zulauffen machen. Es ist wahr / dieser erfahrne Prediger der Warheit besaß die Kunst / auch die bitterste̅ Lehren annehmlich vorzubringen / aber dieses waren keine Gewande / worunter sich etwann die nackete Warheit verstecket / und nur halb sehen lässet / oder Zucker und Säffte / welche durch die überhäuffte Anmischung die Artzney halb verderben / nein / Er war niemals beliebter / als wann Er ohne Verblümung redete / weil Er so dann als ein guter Baum nichts anders als lauter Früchte trug. Wann ich also den Auszug des unzähligen Lobs unsers berühmten Predigers zusammen fassen soll / so bestehet es in dem / daß Er / biß in seinen Tod / die Warheit / ohne Verstellung / mit jedermanns Approbation, geprediget.

Wir sind bemühet / wenn wir vortreffliche Früchte sehen / deren Vatterland zu wissen. Unsere Begierde aber ist viel gerechter / zu erfahren / wo ein solcher berühmter Lehrer seinen Ursprung hat. Hier hat sich nun niemand zu ärgern / wann er höret / daß Greensteten / ein Dorff in Schwaben / der schlech=Vorrede.schlechte Geburts=Ort unsers unvergleichlichen Abrahams. Die Eichen pflegen am besten in denen Thälern zu wachsen / und die wohlriechenden Blumen sind öffters mehr in den Gründe̅ als in den Höhen. Der Sinn=reiche Boccalini meldet von dem Parnaso: Die daselbst verlohrne Treue wäre nirgends als in des Adonis Hunds=Stall bey denen Hunden als treuen Thieren wieder zu finden gewest / weil sie in denen Palästen bey denen Menschen keinen Raum gehabt. Kan man hier nicht sagen die Warheit findet ihr sicherstes Vatterland auf den Dörffern unter denen Bauern / welches freye Land die Pest der Heicheley nicht so leicht inficiret als die Paläste des Hoffs.

Seine Eltern waren also zwar arme und schlechte Leute / welche ihm aber einen grossen Reichthum der Ehre und des Vermögens gegönnet / da sie ihm den Vortheil erworben / daß er von ehrlichen Leuten gebohren war. Denn dieses ist der Schatz welchen der vornehmste Adel zum Grunde haben muß / wann er anders ein beständiges und unumstößliches Werck der Ehre aufführen will. Die Zeit seiner Geburt war der 4. Julii des 1642.2. Julii des 1644. Jahrs Christi / welcheVorrede.welche Zeit unserm Vatterlande wegen des annoch anhaltenden dreyssig=jährigen Krieges betrübt war / aber auch dadurch nicht gantz ohne Erholung und Respiration gewest zu seyn scheinet / weil ein solches Gemüthe / so hernach die Laster mit so einer unausgesetzter Freudigkeit bekämpffen helffen / die erste Lufft darinn gezogen.

Kaum vergönneten die Jahre / daß dieses Kind / woran hernach die verderbten Sitten der Menschen ihren Mann und Bestreiter so nachdrücklich gefunden / eine Begierde zeigen könnte / so war es unersättlich unterrichtet zu werden und etwas Gutes zu begreiffen. Jn solcher Bemühung ward seine erste Kindheit zugebracht. Er hatte aber noch nicht die Kinder=Schuhe ausgezogen / so führet ihn sein Verhängnuß aus seinem Vatterlande / und hieß ihn in Oesterreich wandern / in das Land / wo er hernach vor Kaiser und Fürsten zum Vergnügen sollte vorgestellet werden. Hier fand er nun mehre Gelegenheit / seiner Lehr=Begierde Genügen zu thun / wie er dann in denen Studiis / welche bey seinen Jahren können erfordert werden / andern zum Beyspiel dienete / welche hingegen in ihm Vorrede.Prophezeyen lerneten. Denn sie sagten einstimmig zu voraus / Abraham würde mit der Zeit ein groses Merck=ZeitMerck=Zeichen o. Merck=Zeug der Göttlichen Ehre werden / und der Stand / worinnen er sich auch begäbe / würde an ihm eine Säule zu gewarten haben.

Nachdem er zwantzig Jahr in einer solchen Vorbereitung / die ihm zu den künfftigen Ruhm=würdigen Leben gleichsam den Weg gebahnet / zugebracht / entschloß er sich die Welt nicht zu verlassen / sondern mit ihr nunmehr recht zu thun zu haben / indem er die Laster darinn zu besiegen nebst andern geistlichen Ordens=Leuten die geweihete Hand anlegen wollte. Er erwählte also denjenigen Orden / worinnen er schon viel Gutes empfangen / und ward im Jahr 1662. ein Mit=Glied Ordinis Eremit. Sancti Augustini. Dieses geschah zu Marien=Brunn in Oesterreich / welchen süssen Namen er ohnedem allezeit vor den Quell seiner Andacht und seines geistlichen Nachforschens gehalten. Jn diesem neuen Stande verdoppelte er seine Begierde / in dem Erkänntnuß Göttlicher Wissenschafften zuzunehmen / gleichwie die in andere Erde umgesetzte Pflantzen zu mehrer Stär 2ckeVorrede.cke und Vollkommenheit gelangen; worbey wir auch den Ordens=Namen / welchen er damahls angenommen / nicht zu übergehen haben / denn es geschahe nicht ohngefehr / daß er Abraham de Sancta Clara genennet war / weil ihm dadurch der helle Ruhm seiner Geistlichen Verdienste gleichsam zuvor verkündiget worden. Es brauchte auch nicht lange Zeit / so sahe man die gesetzten Merckmahle seiner erworbenen Gelehrsamkeit / die er mit der Geschicklichkeit / solche wohl an den Mann zu bringen / verknüpfte / welches so eine rare Tugend / als gemein es ist / daß man zwar schöne und spielende Blumen / aber ohne Geruch findet. Denn er ward noch vorher andern betrettenen Staffeln der Gelehrsamkeit / der höchsten Doctor=Würde in der Theologi theilhafftig gemachet.

Hierbey blieb sein Ruhm=würdiger Eiffer nicht / er war der Meinung / daß dieser alleine Meister zu seyn verdienete / welcher täglich ein Meisterstuck zu machen geschickt / und also befließ er sich durch öffters Predigen dem Volcke die Göttlichen Befehl und die Menschlichen Laster auszulegen / und zu zeigen / wie sie die ersten auf die Un=Vorrede.Unterdruckung der andern Gründen und so dann beobachten müsten. Seine Lehre war so Geistreich / seine Darthuung so überzeugend und seine Ausdruckung so geschickt / daß alle Hertz und Ohren sich an ihme zu sättigen verlangten. Es sollte hier etwas von seiner Beredtsamkeit gedacht werden / allein gleichwie die Mahler nur Roth mit Roth ausdrücken können / so müste man eben die Arth seiner Beredtsamkeit besitzen / wenn man von derselben geschickt reden wollte. Es haben sich viel bemühet das Geheimnuß zu ergründen / wie es käme daß alle Leute auch zum öfftern die wiederholte Darthuung ihrer Laster von ihm ren wollten / es kam aber bloß daher / weil er nicht allein die Schädlichkeit der Sünden straffte / sondern auch ihre Hässlichkeit verlachte / und die Ernsthafftigkeit des straffenden Cato mit der Freudigkeit des Weltverlachenden Democritus zu verknüpffen wuste / dann er hatte beobachtet / daß dieses Gold wie bey den Pillen die Bitterkeit bedecket / und der beisenden Lehre den Platz öffnete / damit sie hernach die sicherste Wirckung verrichten konnte. Kein Mensch konnte ihm widerstehen / ihn nicht hören zu 3wol=Vorrede.wollen / also war er geschickt bey allen Menschen / welche nur einiger massen der gesunden Vernunfft Platz geben / auch wider ihren Willen zu fruchten. Auf solche Art bediente er sich des Kunst=Griffs Horatii zu einen viel heiligern Absehen und wuste noch mit mehrer Geschicklichkeit und Nutzen zu Wercke zu richten / was Persius von jenen lobet: Omne vafer vitium ridenti Flaccus amico,Tangit & admissus circum præcordia ludit.Weil nun seine Tugenden dem erleuchtesten Käyserlichen Hof nicht verborgen bleiben konnten / ward er hervorgezogen und unter die Zahl der Käyserlichen Hoff=Prediger gesetzet / welches die höchste Vergeltung seiner grossen Verdienste und ein unwiedersprechliches Zeugnuß seiner Würdigkeit seyn kan. Nicht zwar bloß daher daß er Hof=Prediger gewesen / es enthält zwar auch dieses etwas ungemeines / aber viel grösser / daß ihn der grosse und fromme Käy=Vorrede.Käyser Leopold dazu erklärte. Denn dieses unsterblichen Printzens erleuchte Weisheit und allgemeine Gelehrsamkeit war so groß / daß derjenige das Urtheil der gantzen vernünfftigen Welt vor sich hatte / welcher von ihm vor andern auserlesen ward. Jn solcher hohen Verrichtung hat unser Pater 20. Jahr lang die Bewunderung des Hoffs und aller andern / so ihn gehöret / gehauffet.

Die übrigen Verrichtungen / so Pater Abraham geführet / gehören meinsten zu seinen Orden / und sind so löblich von ihm verwaltet worden / als sein grosser Geist fähig war / alles verdienet zu übernehmen und geschickt zu verrichten. Wie er nun an dreyen Orthen sein gewidmetes Leben geführet / als nemlich zu Marienbrunn / zu Grätz und zu Wien / so hat er daselbst alle Officia, so bey den Orden gebrauchlich / getragen / als eines Provincialis, Procuratoris, Lectoris, Patris Spiritualis, wie nicht weniger eines Prioris, und hat er absonderlich das erste Amt drey Jahr die Verwaltung aber eines Definitoris seiner Provintz zwölff Jahr verrichtet. Jn diesen dreyen Conventen hielt man ihn vor einen neuen Fun 4da-Vorrede.dator und Stiffter / weil er selbe durch unermüdete Vorsorge an vielen Stucken verbesserte und vermehrte.

Bey so vielen Laste̅ / so dieser emsige und unermüdete Lehrer getragen / muß man sich billich verwundern / wie es möglich gewest daß er die Welt noch mit so vielen gelehrten Schrifften glücklich machen können. Aber wer eine solche Vollkommenheit der Wissenschafften besitzet / arbeitet ohne Mühe / und sammlet mehr Früchte in seinen reichen Stunden als andere in ihren ledigen Jahren. Also will ich nur das Verzeichnuß seiner Schrifften mit anhängen; denn einem jeden das verdiente Lob bey zu legen / wird dieser Raum eben so enge als die Feder zu unvermögen seyn. Sein erstes Werck war die Grammatica religiosa, worinn so viel Geist als Gelehrsamkeit zu finden. Jn dem so genannten Mercks=WienAuf! auf! ihr Christen weiset er die wunderthätige Hülffe GOTTES bey der Türckischen belagerungBelagerung dieses Haupt=Orts / und in Lösch=Wien will er / daß die Buß=Thränen der Lebenden in der Pest abgeschiedenen und nochVorrede.noch leidenden Seelen erquicken sollen. Jn Reim dich / oder ich ließ dich / hat er absonderlich erwiesen daß er Schertz zu Ernst wie ein guter Koch / Saltz zu den Speissen nicht zu viel und nicht zu wenig zu mischen weiß. Judas der Ertz=Schelm sind Predigten / welche die Lasterhafften bekehren und die Frommen bekräfftigen. Damit die Christen desto williger wären / gegen den Feind dieses heiligen Namens zu fechten / rufft er ihnen in dem Buch zu: Auf! auf! ihr Christen. Die Verachtung der Welt lehret er in Huy und Pfuy. Alle Stände der Welt empfangen seine Lehren in: Etwas vor Alle. Damit er die Gemüther desto besser aufwekte / vermengte er den Kern der Historien mit gestlichengeistlichen Andachten in dem so genannten Misch Masch. Jn dem Geistl. Kram=Laden / finden alle / so Geist und Andacht suchen / die verlangte Hülffe / und ist dieses absonderlich ein vollständiger Begriff aller seiner Predigten. Ausser 5die=Vorrede.diesen ist noch ein so genannntesgenanntes Kacka / kacka bekannt / worinnen er durch eine legende Henne die Andacht erwecket. Jn seiner letzten Kranckheit war er nach der göttlichen Hülffe durstig / und also schrieb er den Wohlangefüllten Wein=Keller er bereitete sich aber immer mehr und mehr zu der annahenden Stunde des Tods / weil er nun bey der Todes=Arbeit nicht müssig gehen wollte / sondern verlangte / daß auch die Welt seine letzte Todes=Gedancken nuzbar anwenden möchte / zierte er die Toden=Capell zu Loretto in Wien mit Sinn=Bildern über alle Stände / sehr nachdencklich aus / welche auch daselbst durch den Pensel der Ewigkeit einverleibet worden / doch damit sie nicht weniger ausser Wien dem Leser zu Theil werden / sind sie demselben hiemit unter dem Name̅ der gemahlten Toden=Capelle als Pater Abrahams letzte Arbeit überlieffert.

Mit solcher Annehmlichkeit hat Pater Abraham geprediget / und mit solchem Beyfall hat er geschrieben / welches beydes die Rechenschafft seiner nutzlich vollbrachten Le=Vorrede.Lebens=Lauffs stellen kan. Nachdem er nun also 67.65. Jahr seinen Beruff vollführet worinnen er seinem GOtt möglichste Andacht / seinem Nechsten unzehliche Liebe / seinem Orden unermüdete Treue / den Lastern / Hohn und Verfolgung / denen Tugenden Beyhülffe und Vorschub erwiesen / schloß er sein Leben An. 1709. den 1. December unter Ruhm und Hochachtung aller dere̅ / so ihn gekannt oder seine Schrifften gelesen. Wie sein gantzes Leben merckwürdig / so enthält sein Tod selbst etwas besonders in sich. Er wahr ohnfehlbar weinend / wie alle Menschen / auf die Welt gebracht worden / und er hatte Ursach Thränen zu vergiessen / da er mit so vielen Lastern sollte zu streiten bekommen. Sein Ende aber verhielte sich gantz anders / dann nachdem er die Eitelkeit und Ohnmacht der Menschlichen Thorheit in dieser Welt verspotten lernen / hat er lachend die Augen zugethan / welches besondere Ende wenig Menschen in der Welt wiederfahren / und kan man daraus erkennen / wie gesetzt sein Gemüthe / und wie Standhafftig er sich gegen den sonst entsetzlichen Tod gefasset. Man hält es vor ein Wunder eines unerschrockenen Muths / daß / als der KäyserlicheVorrede.che General Graff Roth=Kirch auf das Tod=Bette kam / er einen Spiegel zu Füssen setzen liesse / damit er sehen möchte sagte er / ob er / der niemahls eine Furcht gehabt / sich nun vor dem Tod fürchten würde. Pater Abraham weist noch viel was grössers in diesem Augenblick / welches der erschröcklichste des gantzen Menschen Lebens / er braucht keinen Spiegel / seine Hertzhafftigkeit zu erfahren / das Lachen / womit er den Tod empfängt / ist andern ein Spiegel / wormit er noch die letzte Lehre gibt: daß / nach einer guten Vorbereitung / der Tod keine Furcht sondern lauter lachende Vergnügen erwecken kan.

Regi=
ES ist die weite Welt ein Schau=Platz vieler Siege Der blassen Sterblichkeit / die sich an alles wage / Und neben uns herschleicht / gleich bey der frischen Wiege / Da sie / durch jede Stund / an unserm Leben nagt. Denn sie hilfft Jugend nicht / wenn sie gleich freundlich lachet Aus einem Rosen=Mund / der Hertzen lockt und lenckt: Nicht weisen Alters Witz / der sich zur Seule machet / Wann sich der Wohlfarths=Bau der Städt und Länder senckt. Die Kronen müssen sich vor ihrem Scepter neigen: Sie leget in den Staub der Pyramiden stoltz / Wann ihr gespitztes Haubt will nach den Wolcken steigen; Der Der Sieger Grösse messt ihr Särge=Zinn und Holtz. Vor seine Schätze legt der Reiche Schloß und Riegel: Das Sterben nimmt sie ihm / und theilt sie Erben aus. Rühmt der und jener sich von schätzbarem Adels=Siegel; So lachet solches Ruhms des Grabs uraltes Haus. Nur der gelehrte Kiel / den nicht die Eitelkeiten / Zum hohen Flug gebracht / entschwingt sich diesem Sieg: Mit dem will Famä Hand die Sterblichkeit bestreiten / Und dieser ist ihr Schwerdt in dem Verwesungs-Krieg. Denn wenn des Fleissigen / der löblich hat geschrieben / Sein Geist unsterblich lebt; so lebt auch in der Zeit Was von dem Geist herkommt / und was man stets wird lieben / So So lang man lobt und ehrt Kunst und Gelehrsamkeit. Auf solche Weise lebt auch noch in seinen Schrifften / Herr Pater Abraham / den Fama groß gemacht: Den Ehren=Seulen selbst so manche Zeilen stifften / Als dessen kluger Geist scharffsinnig vorgebracht. Er that / was er gelehrt und blieb in diesen Schrancken / Wo der Gehorsam wird gekrönet nach dem Lauf; Er tödtete sein Fleisch durch süsse Sterb=Gedancken / Und opfferte sein Hertz zu JEsus Füssen auf. Daß dieser leben mögt in vieler Menschen Hertzen / Wollt er die Eitelkeit zuvor da löschen aus / Und führte sie gemach von roher Luft und Schertzen / Durch Durch Schrifften und Gemähl / zum duncklen Todten=Haus. Er aber ist recht klar von Sancta Clara worden / Weil er die Klarheits=Quell / das Heil der Welt geliebt. Er lässt die Brüderschafft / geht von dem Todten-Orden Zur Ewigkeit / die ihn mit Lebens=Schmuck umgibt. Sollt ihm nun mancher Kiel nicht noch Lob=Blumen bringen / Aus Danck / zu seinem Grab? Hie gilt kein Wörter=Glantz: So taugt auch keine Gans den Schwanen zu besingen / Noch unser welckes Laub zu jenem Sternen=Krantz .
Regi=
Register aller Numerorum und Titul / Welche in diesem Werck enthalten.

Num. 1. Per peccatum Mors. Rom. 5. v. 12. Durch diesen Apffel=Biß /Jst uns der Tod gewiß. pag. 1.

Num. 2. Mortuus est Aaron. Devt. 32. v. 50. Der Stadthalter auf der Erden / Muß dem Tod zu Theil auch werden. 45

Num. 3. Quasi Aquæ dilabimur. 2. Reg. 14. v. 14. Auch Biret und Kappen / Kan ich wohl ertappen. p. 8

Num. 4. Mortuus ergo Saul. 1. Reg. 31. v. 4. Auch selbst die Cron / Jch nicht verschon. 11

Num. Register /

Num. 5. Non erat Mercator ultra. Zach. 14. v. 21. Jch / spricht der Tod / Mach Bancorot. p. 14

Num. 6. Non est sermo in lingua mea Ps. 138. v.v. 4. So wohl beredet als du bist / So fäht dich doch des Todes List 17.

Num. 7. Utinam saperent ac novissima providerent. Deut. 32. v. 29. Den gelehrten Kopff Nehm ich auch beym Schopff. 23

Num. 8. Submersi sunt quasi plumbum. Exod. 15. v. 10. So weich das Wasser immer ist / So viel es harte Menschen frist. p. 2029

Num. 9. Pestilentia, aut corruptus aër. Reg. 8. v. 57. Der Tod nie mehre trifft / Als wann die Lufft vergifft. 35

Num. 10. Dies ejus sicut umbra prætereunt. Psalm 143. v. 4. Alle Kunst ist umsunst / Und beym Tod ohn alle Gunst. 40

Num. aller Titul.

Num. 11. Cùm morietur homo, hæreditabit serpentes. Eccl. 10. v. 13. Wann man dich wird begraben / Must du Gesellen haben. p. 43

Num. 12. O mors, quàm amara est memoria tua! Eccl. 41. v. 1. O wie bitter kommts ihn an / Wann da stirbt ein reicher Mann. p. 48

Num. 13. Abjectus est Clypeus fortium. 2. Reg.Sam. 21. Mars hin / Mars her / Mors gilt noch mehr. p. 54

Num. 14. Suspensus igitur Haman. Esth. 7. v. 10. Auch der Hofmann / der so stutzt / Wird von schnellem Tod getrutzt. p. 57

Num. 15. Et sic repentè præcipitas me. Job. 10. v. 8. Offt mancher trinckt / Todt nieder sinckt. p. 63

Num. 16. In mortibus civium? suorum Lev. 21. v. 1. Burger / fahre dort und hier / Du fleuchst dennoch nicht vor mir. p. 69

2 Num. Register /

Num. 17. Tanquam vas figuli confringet. Ps. 2. v. 9. Betracht dich wohl und dich nicht irr / Du bist des Hafners blöds Geschirr. p. 73

Num. 18. Numerus mensium apud te est. Job. 14. v. 5. Wann du stirbst / ist dir verborgen / Drum steh immer fort in Sorgen. p. 77

Num. 19. Utinam saperent ac novissima providerentiproviderent. Deut. 32. v. 29. Sie sind so sehr vermessen / Weil sie des Tods vergessen. p. 81

Num. 20. Defecit spiritus meus. Psal. 76. v. 4. Der Geist ist hinaus / Nun ist der Kehraus. p. 85

Num. 21. Non est tibi pars, neque sors. Act. 8. v. 21. Du kanst nicht den Tod entfliehen / Und wirst bald den Kürtzern ziehen. p. 88

Num. 22. Sagittæ tuæ acutæ. Psal. 44. v. 6. Mein Pfeil ist gut / Nie fehlen thut. p. 92

Num. aller Titul.

Num. 23. Crucior in hac flamma. Luc. 16. v. 24. Ach was leid ich doch / Und muß leiden noch. p. 96

Num. 24. Linivit lutum super oculos. Joh. 9. v. 6. Des Laims vergiß nit mehr / Von welchem du kommst her. p. 100

Num. 25. Educ de custodia animam meam. Psal. 141. v. 8. Ein Kercker ist mein Leib / Worinn ich gerne bleib. (Wo ich nicht gerne bleib) p. 104

Nvm. 26. Cecidit flos. Es. 40. v. 7. Auch die Wiegen / Jst schon zum Tod ein Stiegen. p. 108

Num. 27. Non habemus hîc permanentem civitatem. Heb. 13. v. 14. Auch Jnful und Hut / Der Tod nicht schonen thut. p. 111

Num. 28. Tempus breve est, qui habent uxors tanquam non habentes. 1. Cor. 7. v. 29.

3 O wie Register /

O wie kurtz ist doch die Zeit / Und der Lüste Nichtigkeit. p. 114

Num. 29. Omnes Nobiles Juda occidit. Jerem. 29. v. 6. Der Adel ist mir / Wie Porcellan=Geschirr. p. 119

Num. 30. Post hoc erimus, tanquam non fuerimus. Sap. 2. v. 2. Auch der gröste Tittel Jst fürm Tod kein Mittel. p. 125

Num. 31. Solum mihi super est sepulcrum. Job. 17. v. 1. Jns Grab thu ich scharren / Den Weisen und den Narren. p. 133

Num 32. Interfecit flamma ignis. Dan. 3. v. 22. Dieses wilde Element / Hat schon manchen gmacht das End. 139

Num. 33. Occisi sunt terræ motu. Apoc. 6. v. 12. Ob ich schon eine Mutter bin / Doch mein Bewegen nimmt viel hin. p. 142

Num. aller Titul.

Num. 34. Versa est in luctum Cithara mea. Job. 30. v. 31. Music und Saiten=Spiel / Gelten bey mir nicht viel. p. 147

Num. 35. Medice, cvracura te ipsum. Luc. 4. v. 23. Des Artzten sein Kunst Find bey mir kein Gunst. p. 152

Num. 36. Dives cum dormierit. Job. 27. v. 19. Geld und Gut / Nichts helffen thut. p. 158

Num. 37. Quasi Aquæ dilabimur in terram. 2. Reg. 14. v. 14. Wie das Wasser sinckt in die Erden / So wirds mit uns nicht anders werden. p. 161

Num. 38. Defecerunt sicut fumus dies mei. Psalm 10. v. 4. Mein Leben bestehet / Wie der Rauch vergehet. p. 164

Num. 39. Æstimaverunt, lusum esse vitam nostram. Sap. 15. v. 12.

4 Das Register

Das Leben ist ein Spiel / Mit mir gwinnt keiner viel. p. 168

Num. 40. Cecidit flos. Es. 40. v. 7. Auch die schönesten Narcissen Werden von mir abgerissen. p. 172

Num. 41. Oritur Sol & occidit. Eccl. 1. v. 5. Schöne steigt die Sonn hinauf / Endet aber bald den Lauff. p. 176178

Num. 42 Messis quidem multa. Matth. 9. v. 37. Bauer gehe mit / Du ghörst in mein Schnitt. p. 182

Num. 43. Vita enim vestra vavorvapor ad modicum. Jac. 4. v. 15. Du stoltzirest / aber doch umsunst / Dann dein Leben ist nur Erden=Dunst. p. 185

Num. 44. Periit memoria eorum cum sonitu. Ps. 7. v. 9.9. v. 7. Das Leben währt nicht lang / Gleich wie der Glocken=Klang. p. 190

Num. aller Titul.

Num. 45. Mortuus est in Senectute bona. 1. Paral. 29. v. 28. Baufällig und alt / Kommt bald in Tods=Gewalt. p. 194

Num. 46. Comedent canes Carnes Jesabel. 4. Reg. 9. v. 37. Glatte Gsichter / schöne Gstalten / Kommen nicht allzeit zum Falten. p. 198

Num. 47. Quis est Homo, qui non videbit mortem? Dem Menschen bin ich gar nicht gewogen / Er wird von mir durch die Hechel gezogen. p. 203

Num. 48. In omnes homines mors pertransit. Rom. 5. v. 12. Jch thu auslachen. Das Possen=Machen. p. 207

Num. 49,. Sicut fur in nocte. 1. Thess. 5. v. 2.

5 Nnm. Num. Register

Jch komm zu Nacht wie ein Dieb / Es sey dir leyd oder lieb. p. 212

Num. 50. Cœcus sedebat juxta viam mendicans. Marc. 10. v. 46. Jch find / ob ich kein Aug mehr hab / Bey blinden Tritten doch mein Grab. p. 216

Num. 51. Repentinus eis venitveniet interitus. 1. Thess. 5. v. 3. Der Tod ist blind / Und doch geschwind. p. 222

Num. 52. Homo vanitati similis factus est. Psalm 143. v. 4 O Mensch! ach prahle nicht so viel / Dein Leben ist ein Kinderspiel. p. 228

Num. 53. Folium, quod vento rapitur. Job. 13. v. 25. Die Blätter fallen ab! Und du wirst auch schabab. p. 233

Num. aller Titul.

Num. 54. Quâ horâ non putatis. Luc. 12. v. 40. Die Stund einmahl ist ungewiß! Drum des Gewissens nicht vergiß. pag. 237

Num. 55. Quotidiè morior. 1. Cor. 15. v. 31. Betracht ich / was ich muß werden / So veracht ich wol die Erden. p. 242

Num. 56. Pretiosa in Conspectu Domini mors Sanctorum. Ps. 115. v. 15. Der ist wohl gerecht gestorben / Weil er den Himmel erworben. p. 247

Num. 57. Posuisti in Nervo pedem meum. Hiob, 13. v. 27. Jch bin wol ein elender Krippel / Und tantz doch nach des Todes=Trippel. p. 251

Num. 58. Sicut tela aranearum. Job. 8. v. 14. Des Menschen Leben / Wie Spinnen=Weben. p. 254

Num. 59. Quid superbis terra & cinis. Eccl. 10. v. 9.

Von Register

Der Mensch ist in dem Tod verführt / Wenn er auf Erd und Asch stoltzirt. p. 258

Num. 60. Advena sum & Peregrinus. Ps. 38. v. 13. Mein Leben ist ein Wandern / Von dieser Stadt zur andern. p. 265

Num. 61. Nihil coinquinatum introibit in Regnum Cœlorum. Apocal. 21. v. 27. Lern Mensch die Sünde meiden / sonst must du auch hier leyden. p. 269

Num. 62. Miseremini mei, miseremini mei. &c. Erwäget doch auch unser Pein / So werdet ihr Mitleidig seyn. p. 273

Num. 63. Hæccine est illa? 4 Reg. 23.2. Reg. 9. v. 37. Man kennet sie nicht mehr / Wer sie gewest vorher. p. 281

Num. 64. Ascendit Angelus ad locum flentium. Jud. 2. v. 1.

Ach aller Titul.

Ach dieses Brod / Hilfft uns aus Noth. 285

Num. 65. Salubris est cogitatio pro defunctis orare 2. Matth. 12. v. 46. Vergesset der Verstorbnen nit / Es bringt auch euch viel Gutes mit. pag. 295

Num. 66. Vestra abundantia illorum inopiam suppleat. 2. Cor. 8. v. 14. Das Allmosen löscht das Feuer / Den wir zahlen hoch und theuer. p. 302

Num. 67. Breves dies hominis. Job. 4. v. 5. Schnitzel und hau / Gleichwol umschau. p. 309

Num. 68. Sedet in insidiis. Ps. 10. v. 8. Jch komm in aller still / Und das erfahren viel. p. 312

Num.

Per peccatum mors. Ad Rom. c. 5. v. 12. Durch dieser Apfel-Biß,ist uns der Tod gewiß.

1 Num. 1. Per Peccatum Mors. Ad Rom. c. V. v. 12. Durch diesen Apffel=BißJst uns der Tod gewiß.

DEr Ursprung aller bösen Sprünge ist des Teuffels Neid=Zahn / durch welchen leyder! die Sünde und der Tod in die Welt kommen / daß wir alle Sünder und Kinder des Todes seynd: Denn als der Lust empfangen hatte / gebahr er die Sünde / die Sünde aber / da sie vollendet / gebahr er den Tod. Jac. 1.

Ey du abscheuliche Mißgeburth! O schändliche Genealogie! Jst doch das gantze Herkommen nicht weit her. Ach aber unseeliger Lust / der dem ersten Weib das AMaul2 Maul nach einer so gefährlichen und schändlichen Unlust wässernd gemacht! O sauerer Apffel=biß / davon allen Eva=Kindern die Zähne stumpff und morsch worden! du liebe Groß=Mutter aller Menschen / ey hättest du an statt der Frucht des verbottenen Baums / einen harten Kiesel aufgeklaubt / und darein gebissen / daß dir die Zähne davon gekracht / so würden deine arme Kinder nicht so hart zahnen / und nicht so viel Zahnluckigte Matronen und Jungfrauen auf der Welt Sorge tragen / wie sie die / an dem halben Mond ihres Munds / ausgefaulte Pallisaden / mit Elfenbeinen wiederum zierlich ausflicken und bevestigen möchten! So würde man auch nicht so viel Kosten und Posten auf wohlriechend Zahn=Pulver / Zahn=Balsam / Zahn=Pillen / ja Zahnputzer / Einsetzer und Ausbrecher wenden müssen. Ja es würden auch nicht so viel in der Hölle Zähnklappen.

Alleine zu geschehenen Sachen soll man das Beste reden / und inzwischen die angebohrne böse Lust / so uns / wie der Katzen das Maussen / anhängt / also eine heßliche Kranckheit / so die Medici Picam nennen 3nennennen und die Menschen / Menschen=Fleisch / Kohlen / Kreiden / Heuschrecken und dergleichen / mit Begierd zu essen / angereitzet / und also ein Genäsch / von gifftigen Sodoms=Aepffeln / daran man leichtlich die Zähne ausbeissen / oder das Gewissen brandig machen kan / ansehen und meyden: damit man nicht das Maul immer auf ein Neues verbrenne / und zu besorgen habe / es dörffe der Neidische Lebens=Feind der Tod / da es am besten schmeckt / einem dasselbige / wie der genäschigen Katzen / auf den Tisch stossen / oder gar ein incurables Zahn=Weh machen; wie jene im 48. Ps. empfunden / von welchen man liesst: Mors depascit eos, der Tod naget sie / wie ein Wolff an einem Schöps=Bein: denn wodurch man sündiget / dadurch wird man gestrafft. Beisst du viel in den süssen Apffel der Wollust / so wird dich der Unlust / der saure Apffel=Safft der Sünden wieder beissen / daß dir die Zähn davon aufstehen und die Augen übergehen werden.

Es war kein Apffel=Muß / sondern sonst ein bitterer Koch / von wilden Rancken und Coloquinten / worüber dorten A 2in4 in 4. Reg. 4. die Propheten=Kinder / zu Zeiten Elisa / geschrien und geklaget: O Mann GOttes / der Tod in Häfen! Aber die armen Menschen=Kinder müssen alle noch immer / über das Apffel=Genäsch ihrer ersten Eltern / also über bittere Coloquinten=Aepffel / schreyen und schreiben:

Durch diesen Apffel=Biß Jst uns der Tod gewiß.
Num.

Mortuus est Aaron. Deuter. c 32. v. 50. Der Statthalter auf der Erden,muß dem Tod zu theil auch werden.

5 Num. 2. Mortuus est Aaron. Deut. 32. v. 50. Der Stadthalter auf der ErdenMuß dem Tod zu Theil auch werden.

DEr Tod ist kein guter Grammaticus: Aller Schulfüchse Groß=Vatter Priscianus macht / nechst seinen Bacalaureis einen Hauffen Excipe daher / daß einem / der Lateinisch lernen soll / darfür grauet / also wie dem Hund vor der Hechel / ja er schämt sich nicht / diese Regel / ohn alle Excepcion, für die richtigste zu preisen: Nulla Regula sine Exceptione.

Es heist: In Or Masculina sunt, ut Amor, Honor, aber es hängt gleich das Excipe daran: Excipe Arbor fœmininum est. Es heist: In A & E, primæ Declinationis fœminina sunt, als Mensa, Petra &c. Aber das Excipe heisst: Excipe Cometa, Planeta A 3Papa6 Papa &c. Masculina sunt. Alleine der Herr Doctor Tod weiß von diesem Excipe nichts. Er hat eine ganze Compendieuse Grammatic, und statuirt kein Masculinum, kein mininum, kein Neutrum, sondern es ist ihm alles Generis Communis, und Generis Omnis. Fragst du: Cujus generis est Papa? so wird er also balden dem Prisciano eine Ohrfeige geben und sagen: Papa est generis Omnis, ja Homo est generis omnis. Es gilt mir ein Mensch so viel als der andere / er sey darnach Pabst oder Schüler / er trage eine dreyfache Cron oder einen Stroh Hut und Nebel=Kappen.

Wo sind so viel H. Vätter und Christi Stadthalter zu Rom / in so viel 100. Jahren hinkommen? Musten sie sich nit alle von dem Tod unter das Generis Communis und Omnis rechnen lassen? Quis est homo, qui vivet, & non videbit mortem? Ps. 88. v. 48. Es hat kein einiger ein Excipe erlangen / erkauffen / noch erbetteln können. Wie es in Deut. 32. geheisen: Mortuus est Aaron, in 3. Reg. 4. Mortuus est Eli, 3. Reg. 25. Mortuus est Samuel, also hieß und heißts noch: Petrus der Heilige Stadthalter starb / Linus der Heilige Vatter starb / Anacletus des= 7dessen Nachfolger starb. Alexander der I. II. III. IV. V. starb / Bonifacius der I. II. III. IV. V. &c. starb. Clemens I. II. III. &c. Innocentius I. X. XI. XII. &c. starb / so wirds noch / nach der Todten Grammatica biß ans Ende gehen und heissen: Papa est generis omnis.

Der Stadthalter auf der Erden Muß dem Tod zu Theil auch werden.
A 4 Num. 8
Num. 3. Quasi Aquæ dilabimur. 2. Reg. 14. v. 14. Auch Biret und KappenKan ich wohl ertappen.

DJeDIe Weiber=Predigten sind denen Männern gar selten angenehm: zumahlen wann sie mit nachdrücklichen Emphatischen Acuminibus und Xantippinischen Flosculis Oratoriis, geschmückt und gespickt sind: da heissts bald: der Apostel Paulus hat den Weibern das Predigen verbotten / sie sollen dafür die Edle Kunst Schweigen lernen und in dem Tacito studiren. Ja wann es manche zu lange machen und zu viel Interrogationes und Exclamationes, mit unzeitigem Eiffer / einmischen wollen / so recommandirt man ihnen einen Schloß=Riegel an ihren Mund / und ein vest Siegel auf ihr Maul / damit das unruhige Ubel / so ein kleine Feuer / aber tödliches Gifft ist / das ist ihre Zunge / nicht ausbreche und Wald und Welt anzünde.

Allein

Quasi aquæ dilabimur. 2. Reg. 14. v. 14. Auch Biret und Kappen,kan ich wohl ertappen.

9

Alleine die Predigt eines klugen Weibes ist so wenig zu verwerffen / als König David selbst die ausbündige Oration deß klugen Weibes von Thekoa / ob sie gleich mit Jacob unter einer Deck gelegen / und David / mit ihrer verdeckten Schaalen / listig hinter das Licht geführt / verachtet hat / da sie ihn angeredet: Herr König: wir müssen des Todes sterben / wie das Wasser in die Erde versiegt und versinckt / so müssen wir uns auch endlich zerstreuet in die Erde verkriechen. Denn dadurch hat sie des Königs Grimm wider Absolon, als ein verborgenes Aschen-Feuer / glücklich gedämpfft und gelöscht.

Hat ein so grosser König sich nicht geschämt / aus solcher Weiber-Predigt / sich zu erbauen; Was bilden sich dann wohl geringere ein / so sich / etwas erbauliches von einem Weib / auch einem listig und bösen Weib / gedultig anzuhören / zu gut düncken? Absonderlich wenn sie über das Memento mori glossiren? denn die Todten Prediger sind allezeit die besten / sie mögen darnach Hosen anhaben oder nicht. Nunquam satis dicitur, quod nunquam satis discitur. Meditatio mortis A 5ist10 ist und bleibt die beste Philosophie und Theologie.

Aber gelehrten / und sonderlichen Geistlichen Personen / scheinet solches Predigen eine ungereimte Sache zu seyn / die offt meinen / ihnen stehe das Predigen allein zu / sie haben diese Lehre an den Schuhen und Pantoffeln zerrissen und darinnen längst ausgelernt; hören auch / zumahl wan̅ sie in hohem Ehrenstande leben / nichts ungerners / als von solchen Melancholischen Grillen schwätzen / und dencken nicht / daß auch die Schaben und Matten in Purpur und Jnfulen / Biretten und Kappen sich einquartiren / als wie die sechs füssigen Dragoner / so die Egyptischen Zauberer nicht vermöchten ins Feld zu stellen / in die Beltz und Wammes. Aber ach sie müssens doch hören / und täglich erfahren / daß der Menschen=Fischer der Tod pralet:

Auch Biret und Kappen / Kan ich wohl ertappen.
Num.

Mortuus ergo Saul. 1. Reg. c. 31. v. 4. Auch der Cron,ich nicht verschon.

11 Num. 4. Mortuus ergo Saul. 1. Reg. 31. v. 4. Auch selbst die CronJch nicht verschon.

NJchtNIcht allein Saul / David und Salomon / sondern auch Crœsus, Cyrus, Alexander M. Darius und unzehlich viel gekrönte Häubter sind großmächtige / herrliche / tapffere / weise / reiche und berühmte Könige gewesen: Aber gewesen; Sie waren zuvor / dem Titul nach alle einander gleich / aber an Weisheit / Macht / Statur / herrlichen Reichthum und Tapfferkeit / einander sehr ungleich. Einen hat das falsche Glück so vexirt / den andern anderst / aber jetzt sind sie einander alle gleich / sie sind alle Staub und Aschen / und kan sie ein einiger Mensch alle zugleich in einen Trag=Korb fassen / und öffentliche Schau tragen. Was jetzt des Alexandri M. Reit=12 M. Reit=Knecht ist / der den Bucephalum gestrigelt / was der Wagner ist / der des Darii güldenen Wagen gekünstelt / was des Crœsi Prophet Solon, und des Cyri Feldscheerer / ja des Sauls Schwerdt=Feger / des Davids Taschen=Macher ist / und wes jetzt Salomons Goldschmids / Zimmermanns= und Steinmetzen=Gesellen sind / das sind jetzt alle diese grosse Könige selbst auch. Wie man jener ihr Grab nicht mehr finden kan; So kan man auch dieser ihre nicht mehr finden. Denn der grobe Dieb / der Tod / erweiset niemand Respect / sondern er wirfft alles über= und untereinander ins Grab / Könige und Bauern / Edelleut und Bettelleut / wie die Karten und Schach=Spiel / und wenn man Feuerabend macht / untereinander geworffen werden / das thut er so wohl bey dem / der auf einem herrlichen Stuhl sitzt / biß zu dem untersten / der auf der Erden und in der Asche liegt / von dem an / der mit Himmel=blauen Seiden bekleidet ist / und die Crone trägt / biß zu dem / der mit einem groben Leinwandt bedeckt ist. Sagt der Ecclesiastes im 40. Capitel und in 10. macht er schier gar zu teutsch: Was erhebt 13hebt sich doch / schreibt er / Erde und Asche? Heute König / morgen todt / und der nimmt den Gassen=Jungen nicht allein den Hut / sondern auch gar den Königen die Cron / und sagt:

Auch selbst die Cron Jch nicht verschon.
Num. 14
Num. 5. Non erat Mercator ultra. Zach. 14. v. 21. Jch / spricht der TodMach Bancorott.

DJeDIe Cananitter waren rechte Schnitter und Beutel=Spicker / sie haben eingeschnitten / wo sie nicht gesäet und gesammlet / wo sie nicht gestreuet haben / und waren unter denen Jsraeliten was heutiges Tags die langfingrichten moßigten Ebräer unter den Christen sind: Die / wie der Magnet den Stahl / also dieselben Gold und Silber an sich stehlen / in sucum & sanguinem vertiren / wie die Egel das Menschen=Blut.

Ob gleich viel unbeschnittene Mauschel unter den Christlichen Kauffleuten zu finden / so ist doch der Kauffmanns=Stand an sich selbsten ein Gott=gefälliger / rühmlich= nutzlich= und nöthiger Stand / und hat nig Salomon selbst seine eigene Kauffleuth gehabt / die ihme Pferde aus Egypten und allerley Wahr eingekaufft. 1. Reg. 10. v. 18. Bey denen zu Tyro haben die Kauffleuth mit

Non erit Mercator ultra. Zach. c. 14 v. 21. Jch, spricht der Todt,mach Bancorott

15mit ihrer Kunst so wohl profidirt und Pancraticè herum springen können / daß Esaias am 33. Cap. von ihnen meldet: Sie seyen Fürsten und ihre Krammer die Herrlichsten im Lande gewesen. Diese Wechsel=Bälge müssen die Wechsel=Brieffe wohl verstanden haben. Ob es bey ihnen auch eingetroffen / was Hoseas am 12. v. 7. gesagt. Der Kauffmann hat eine falsche Waag in der Hand / er lebt unrecht und betreugt / daran wird schwerlich ein Jud selber zweiffeln. Zumal Sirach in 26. 28. gar bedencklich schreibt / ein Kauffmann wird schwerlich ohn Versäumnis seyn / und wer Wirthschafft treibt / wird nicht gerecht seyn von Sünden in seinen Reden. Was aber offtmal für ein Facit heraus kommt / lehrt die Erfahrung; Heut spielt der / morgen ein anderer / ja manchmal eine gantze Compagnie / aber was? Keine Comödie / keine Politionelle / sondern eine Tragödie / der Titul heisset: Bancorott / das Possen=Spiel heisset Petrus currit, da fället einer von einem Falliment in das andere / daß manchem die Haare gen Berge stehen / und ein anderer in eine Ohnmacht fallen möchte.

Ob viel dergleichen Kauffleuthe auf den16 den Börsen herum spatziern / so / mit jenem klugen Kauffmann zu vergleichen / von welchem Christus beym Matthäo am 13. Cap. rühmet; er habe alles verkaufft / und einen einzigen Acker / darauf er eine köstliche Perle gefunden / an sich gehandelt / damit er himmlisch reich werden möchte / solches stehet dahin / mancher verkaufft wohl seine Seele / und kaufft die Hölle / denn es heist noch immer Virtus post nummos. Die Fuchsen und Schimmel sind manchem lieber als der Himmel. O wie viele schreiben ihren Glauben mit dem K. und können sich nicht gnug klauben / je mehr sie klauben / je weniger sie glauben. Allein sie klauben und glauben so viel sie wollen / so müssen sie doch endlich manquiren und Schiffbruch leyden / wenn ihnen der ärgste Practiquenmacher und Beutel=Schneider / der Tod / Wechsel=Brieff und Capitalien vor der Nasen weg fischet und gantze Ballen Kauffmanns=Güter aus und davon trägt.

Jch / spricht der Tod / Mach Bancorott.
Num.

Non est sermo in lingua mea. Psal. 138. v. 4 So wohl beredet als du bist,so fängt dich doch des Todes List

17 Num. 6. Non est sermo in lingua mea. Psalm 138. v. 4. So wohl beredet als du bist /So fäht dich doch des TodesList.

OB gleich Schweigen eine grössere Kunst ist / als Reden / so ist doch die Beredtsamkeit nicht genug zu loben / und mit den auserlesensten Worten nicht genug zu preisen. Was manche zierliche kluge Rede für Gewicht und Nachdruck so vielen mißlichen Sachen gegeben / ist mit Demosthenis und Ciceronis Zungen nicht auszusprechen. Was ist wohl nöthigers / so wohl in geistlichen als politisch=weltlichen Ständen / auch im Krieg selbst / da man zwar öffters einander mit Bomben und Carcassen / viertels und halben Carthaunen responditr / und nützlicher als die Kunst / wohlbedächtlich und nachdrücklich Bzu18 zu reden / so auf der Cantzel und dem Catheder / vor Kayser= und Königliche Thronen / bey allen Audientzen und Assembleen rc. beliebet und belobt ist.

Die alten Gallier haben ihren Herculem / wegen seiner ungemeinen Beredtsamkeit / abgebildet / wie ihme eine güldene Ketten aus dem Munde heraus gegangen / und biß zu den Ohren und Hertzen seiner Zuhörer gereichet; als wenn er sie / mit denselben / ziehen und bewegen können / wie er gewollt. Wenn ein Prediger von der Cantzel heutiges Tages güldene Ketten aus seinem Munde ziehen / und seinen Zuhörern nur um die Hälse hängen oder sie damit beschencken würde / so würden bald alle Kirchen zu eng werden: Denn es will ohnedem ein jeglicher Hanns Wurst und Hanna Wurstin in einer güldenen Ketten oder dergleichen prangen / als wie eine englische Tock aus Bayerland im guldenen Hals=Band; Aber mit der geistlichen guldenen Ketten der Bußpredigten / wollen sich wenig mehr ziehen noch zieren lassen / und wenn gleich Paulus und Chrysostomus 19mus selbsten aufstünden / und lauter Honig aus ihrem Munde herfür fliessen liessen / deren Maul ohnedem / wie auch von Demosthene, Pindaro und andern gesagt wird / in ihrer Jugend ein Bien=Haus gewesen / darinnen die Jmmen das Honig abgelegt haben / so würde man ihrer doch bald genug haben: Wiewohl manches Redners Mund mehr ein Wespen=Nest / als ein Jmmen=Haus ist / daraus / an statt des Honigs / öffters Gifft und Gall herfür fleust / und ein gantzer Schwarm Wespen und Horneissen den Zuhörern um die Ohren also herum summen und brummen / daß man besorgen sollte / sie dürfften ihnen in die Augen nisteln wollen / wie die Schwalben in Tobias Schlaff=Gemach. Dergleichen die alten und jungen Kater und Ketzer / und andere stachlichte / spitzige und scharffe Scheer=Messer / Zungen=Krämer geistlichen und weltlichen Stands / gewohnt waren und noch sind.

Wiewohl auch höchstnöthig / daß absonderlich ein geistlicher Redner offtmals seine Zunge / wie eine kluge Schlange oder Biene ihren Stachel schleiffen / spitzen B 2durch20 durch die scharffen Buß=Predigten / die Hertzen seiner Zuhörer verwunden / und aber bald mit dem Hönig des Göttlichen Trosts hinwieder lindern soll / welche Kunst der Apostel Paulus / absonderlichen gegen seine Corinther / so wohl schrifftlich als mündlich fürtrefflich bewiesen / und kan diß vielleicht eine Ursache seyn / warum der Heilige Augustinus unter andern auch gewünscht / daß er den Apostel Paulus hätte mögen predigen hören: Unerachtet er selber am Maul nicht lahm gewesen.

Die meinsten aber / weil sie vielleicht des Schmierens nöthig haben / oder aus Geitz wollen geschmiert seyn / taugen ihre Zungen in lauter Honig und Oel / und sind glücklich / die Hertzen und Beutel zu bewegen / sie leinen den Stab weg hinter die Thür des Schaaf=Stalls / und bedienen sich nur des Stabs sanfft. Da gehets gantz sachte daher / daß man ja keinem Schäfflein das Aureum vellus verwirren oder einen Beulen schlagen möge.

Da gehets aller Orten alles heraus / als wenns geschmiert wäre / wie ein N. geschmier= 21schmierter Wagen / oder Chaise Rulande und polierter Braten=Wender. Allein sie werden einmal wieder dafür geschmiert und gesalbet werden / daß ihnen der Kopff saussen und die Zähn davon klappen werden.

Die alten Griechen müssen mit dem Zungen=Handwerck wohl haben herum springen können: Massen / beym Val. Maximo, von Cynea, des Königs Pyrrhi Gesandten sein Herr selber rühmt: Sein Orator habe ihm mit seiner Beredtsamkeit / mehr Städte unterthänig gemacht / als er / der König / mit all seinem Kriegs=Heer / nicht bezwingen können. Vielleicht hat dieser solche Kunst / mit dem Zungen=Schwerdt zu siegen / von Meister Pericles, oder dieser bey jenem gelernt; denn Pericles, der berümte Zungen=Fecht= und Tantzmeister hat zum wenigsten ein unvergleichliches Meister=Stuck darinnen gemacht / daß / ob er gleich von Archidamo überwunden und aus dem Feld geschlagen worden / er ihn doch mit seiner Beredtsamkeit dahin gebracht / daß derselbegestehenderselbe gestehen müssen / Pericles habe ihn überwunden. Das heist B 3wohl22 wohl auf der Maul=Drommel spielen können / und andere nach seiner Leyer tantzen lernen. Aber wo sind alle diese Wunderwürdige alte und junge / geistliche und weltliche Red=Meister hin? Jhre Svada ist verschwitzt / ihre polierte Zungen verrost / ihr Hönig=reicher Mund verstummt / ein jeder unter ihnen muß mit David klagen: Non est sermo in lingua mea, und heist / hieß und wird ferner heissen:

So wohl beredet / als du bist / So fäht dich doch des Todes List .
Num.

Utinam saperent, ac novissima providerent. Deut. 32. v. 29. Den gelehrten Kopfnim ich auch beym Schopf.

23 Num. 7. Utinam saperent ac Novissima providerent! Deut. 32. v. 29. Den gelehrten KopffNehm ich auch beym Schopf.

ZWischen einem Gelehrten und Ungelehrten ist ein solcher Unterschied / sagt der spitzfündige Aristippus, als zwischen einem gewandten Schul=Pferd und einem Karn=Caball; Ja als zwischen einem wohl=angelegten Lust=Garten und verwildem Gebüsch / zwischen einem besaamten Acker und einem Distel=Feld / zwischen einer gesaltznen und geschmaltzenen und einer ungesaltzenen und ungeschmaltzenen Wasser Suppen. Wann der Ungelehrte eine ungemeine Sache wie ein Kuh ein neues Thor anglotzet / hat hergegen ein Gelehrter wohl zwey und ein halb Duzend und ein Spießlein voll: curiose Observationes und Wunderns=würdige Speculationes darüber / ob er gleich keine Augen=Spiegel auf die catonische Nasen setzt / noch die Sache durch ein Flöhe=Glas beB 4gu=24 gucket. Zum Exempel: Wenn ein Astronomus, Geometra, Historicus, Geographus, in seinen Tabellen und Charten / auf der schnellen Augen=Post geschwinder / als die Türckischen Tauben=Postillionen / bald im Himmel / bald auf Erden / bald etliche tausend Meil und Jahre zuruck / bald vor sich / herum streichet / bald den Colossum, bald die Mausolæa, bald Rom / bald Constantinopel / und andere Mirabilia und Mirawundria mit grosser Lust betrachtet; So sieht ein Davus solche Tabellen und Caracteren für Krähen=Füß an / und will die Kunst fast für eine Hexerey ausschreyen.

Eben dieser Aristippus hat / da er einsten Schiffbruch erlitten / nichts als sein blosses Leben und seinen Philosophischen Barbarossam davon gebracht / aber wegen seiner Gelehrsamkeit von denen Unbekandten / Land=Fremden / da er ans Ufer kam / sehr wehrt gehalten / und samt seinen Gesellen bestens tractirt worden / seinen Lands=Leuten heim entbiethen lassen: Sie sollten ihnen solche Schätze sammlen / welche auch im Schiffbruch nicht verlohren giengen / sondern mit an das Land schwimmen. 25men. Was hat er aber anders gemeynt / als die Gelehrsamkeit? Welches auch Bias mit seinem Exempel erklärt / welcher / da er aus der Feuers=Brunst seines Hauses / als eine Seele aus dem Fegefeuer / Faden=nackender heraus gefahren / und ihm ein anderer zugeruffen / warum er so gar nichts mitgenommen habe / geantwortet: Omnia mea mecum porto. Jch habe schon alles das Meinige bey mir: Anzuzeigen / daß ein Mensch nichts so eigentlich besitze als Kunst Gelehrsamkeit und Wissenschafft. Denn Geld / Gut / Kleider und Zierrathen / ja gantze Fürstenthümer und Königreiche können so leichtlich von Feinden weggetrapert werden / als 1. Schiff voll Heering und Stockfisch. Aber die Gelehrsamkeit nicht. Was ist aber ein grosser Herr / ein reicher Herr / ein schöner Herr / so aber nichts studirt oder sonsten in nützlichen Künsten und Wissenschafften / nicht unterrichtet und gewixt ist? Wenn man einem solchen seine Herrlichkeit nimmt / so ist er ein elender Tropff / der im Exilio die Bettel=Rhetoric profitirt. Wenn man einem reichen Ignoranten und stoltzen Thaler=Schmeltzer sein silbern und güldenes Nest ausnimmt / B 5so26 so ist er so viel als des Croesi Maul=Esel / dem die güldenen Zäum und kostbahren Decken und Reichthümer abgenommen worden. Er taugt weder zum Reiten noch zum Ziehen / weder zum Sieden noch zum Braten.

Ein schöner Galan und aus der A. B. C. Schul entlauffener Narcissus und lebendiger Affen=Spiegel / wenn er seine Englische Schönheit / durch die Galanterie / oder ein 3. tägiges Liebes=Fieber / samt seiner Courage verlohren / ist einem Haus gleich / daran Gewitter und Regen die Tünch und Gemählde also ausgelöschet / daß man kaum sehen und erkennen kan / ob es geschrieben oder gemahlt gewesen.

Aber auch ein abscheulicher Æsopus, ein staubigter Epictectus und Hunds=Theogenes ist viel edler / reicher / schöner und glücklicher / als alle diese. Ja der ärmste / verachteste Holtzhauer ist glücklicher als ein solcher Schissel=Räumer / Gläser=Leerer und Pflaster=Tretter / jener verdient sein Taglohn ohne Grießgrämen / und läst sich mit Nudeln und Wasser=Spatzen / Pompernickel und Quellen=Safft abfüttern und vergnügen: Aber ein solcher Brocken=Fresser 27ser und Kannenheber / ein reich gewesener armer Schlucker / der schon alles verschluckt und vergluckt / ist nicht so capable / ein einiges viertheil Holtz zu hauen / um seinen leeren Magen und Beutel / nur im wenigsten zu consoliren / und die Wurm=Löcher / an statt des Parmesans / mit einem Böhmis. Streich=Käß zu verschmieren: Denn er würde sich darzu schicken / als wie die fetten Schooß= und Bussen=Hündlein zum Haasen=Jagen / und ein Elephant zum voltisiren.

Da hingegen das Sprichwort noch täglich wahr bleibet: Sæpè sub sordido palliolo magna sapientia latet. Ein armes Mäntelein verhült einen / am Verstand und Gelehrsamkeit reichen Mann. Allein es bleibt bey dem auch diß noch immer wahr / daß öffter unter einem köstlichen Castor- und Doctor-Hut / unter einem seidenen Mantel / unter einem sammeten Rock und Hosen / unter einer ungeheuren Fuder Heugleichen Geiß= und Schäps=Perruquen rc. Magna stultia verborgen. Denn mancher blähet sich / als hätte er / bey eingenommener Purganz, den Bartholum und Platonem, und die Quint Essenz aller Gelehrten /28 ten / in allen Facultäten / im Leib / und heist bey ihnen: Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus. Dieser meynet / es sey kein solcher Statist und Ertz=Politicus, kein solcher Polyhistor, kein solcher Orator, & omnia tresque jemals in der Welt gewesen als er / er hört das Gras in den Elisischen Feldern wachsen / und die schwindsüchtigen Flöh / in Seraglio zu Constantinopel / biß auf Paris / husten / und die Fisch im Wasser singen; Allein seine Kunst bestehet im Traum thörigten Einbildungen / indem er meynet / er sey gelehrt / so wissens andere gewiß / daß er doch ein Thor ist. Utinam saperent! &c. Ach daß sie alle diese Grillen / in dem Meer der Vergessenheit auf ewig erträncken / und an den Tod gedencken mögten / dem ein Oedipus so viel gilt / als ein Davus, und einem so wohl als dem andern nach dem Leben greifft und spricht:

Den gelehrten Kopff Nehm ich auch beym Schopf.
Num.

Submersi sunt, quasi plumbum. Exod. c. 15. v. 10. So weich das Wasser im̅er istso viel es harte Menschen frist.

29 Num. 8. Submersi sunt quasi plumbum. Exod. 15. v. 10. So weich das Wasser immer ist /So viel es harte Menschenfrist.

SO weich sonst das Wasser ist / daß ein Mensch leichtlich darinnen als eine Mücke in der Butter-Milch ertrincken kan / so hart ist es hergegen im Winter: denn man auf dem Eiß schleiffen / auf Schlitt-Schuhen fliegen / aber auch auf Nasen und Stirn tantzen / mit allerley Schlitten allerhand aufhebends machen auch wohl den Hals brechen kan / zu verwundern ist / daß das weiche Wasser so hart wird / daß grosse geladene Wägen / gantz gerüstete Armeen mit Stuck und Bagage / Trummel und Pfeiffen darüber hingehen kön=30 nenkönnen. Wiewohl auch das Eisenharte Eiß denjenigen / so sie getragen / öffters ein kaltes Deckbette abgegeben / oder gar bey den weissen Beern in Grönland / so eingeschlossen worden; daß sie gleichsam Cristallisirt un̅ in Stein vermetamorphosirt worden. Es sey aber das Wasser hart oder weich / so ist die passage darauf sehr gefährlich / und wird auf der See das Sprichwort offt erfüllet: Wer sich in Gefahr gibt / der kommt darinnen um. Das müssen harte verwegene Waghälse gewesen seyn / die sich zu erst so tief ins Wasser gewaget / und so wohl Sommer und Winter / als Herbst und Frühling auf der ungetreuen See / in so manchen Sturm und Ungestümm / zwischen Wind und Wellen / Klippen und Sandbäncken / mitten zwischen Tod und Leben / herum vagiren und sich immerzu mit dem Tod herum balge̅ und plagen müssen / biß sie endlich sich zu tod schwimmen und ersauffen müssen. Wiewohl sich auf der Erden vielmehr durch Wein / Bier / Brandwein / und dergleichen Wasser gelepper zu todt sauffen / als auf der See ertrincken und versincken.

Columbus und Magellanus haben vielen 31len andern hierinnen das Eiß gebrochen und manchen solche Lust erweckt / daß sie mit tausend Unlust / Gefahr und Verwegenheit / mehr als einmahl den gantzen Erd=Kreiß umgesegelt / und einen sehr grossen Reyhen auf dem weichen Wasser=Platz herum getantzt / da ihnen der heulende Æolus wenige liebliche Mascaraden / Boures, Menuet und Couranten aufgepfiffen.

Ob gleich solche hinter und vor sich Schiff und Volck verunglücken / und das Jngeräusch solcher Wasser=Pasteten ausleeren gesehen / so achten sie es doch nicht / und meinen / sie seyn auf der Erden eben so unsicher als auf der offenbahren See. Zumahlen ihrer mehr auf dem Land sterben und sonst umkommen / als auf der See. Was mag aber wohl die Ursach seyn / warum die Menschen solche beschwehrliche Gefährlichkeiten nicht scheuen / sondern Leib und Leben so liderlich in die Schantze schlagen? Ach nichts anders als das leydige Jnteresse und die unersättliche Neugierigkeit. Der Jndianer guldene tzen und Affen / da ein Aff hundert ja tausend Affen macht. Die Peruvianische / Mexicanische und Hexicanische guldene Mist=Hauf=32 Hauffen und Goldhölen / die mit Perlen und Edelgesteinen / mit Pfeffer / Zimmet Mußcatenblüh und Nüssen / Caca, Zucker und dergleichen Raritæten und Kostbarkeiten angefüllte Bauernhütten und unterirrdische Palläste haben diesen Wasser=Mäusen das Maul so wässerig gemacht / und wie der Magnet das Eissen / so einen weiten Weeg und gefährliche Spatzier Reise an sich gezogen.

Womit die Europæischen Amphibia und Gold=Würmer ihre schwimmende Austern und Schnecken=Palläste pflegen anzufüllen / und nach Hauß zu eilen / als flögen sie davon / als hätten sie solche Schätze / auf der ungekehrten Seebanck gefischt. Aber wie viel solche Hamster und Gold=Mäuse sind mit ihren Reichthümern unter Weegen verschwitzt / als wie eine Juden=Seel. Wie viel hat der Scharbock zu todt gehutzt / die Klippen und Sand=Bäncke / Würbel und Capers verzescht und verschluckt / als wie die Katze sich zur Zeit der Vogelweyde / mancher Troschel / Lerchen und Fincken in der Speißkammer ungerupfft impatrocinirt und incorporirt.

Das schlimste ist / daß man auch mitten 33ten im tieffsten Wasser einander blutige Battallien lieffert / und mit Feuer einander wider Gewohnheit / nicht zum Wein= sondern zum Wasser=trincken / nöthiget / mit Bombardier=Galliotten und Branders einander sehr Warm einheitzt / ein solchen rondeau dazu aufspielt / daß mancher so hoch voltisirt / daß er das Aufstehen vergisst / eh daß ers meint / toll und voll wird / und wider seinen Willen muß schwimmen lernen. O manchem wäre es alsdann besser / wenn das weiche Wasser alsdann hart wäre! er würde lieber auf einem Buben=Schlitten / ohne Rennthier und Geleut / ohne Gold und Perlen / nach Hauß schleichen / wie die Katz aus der Speiß=Kammer! Allein in diesen Weyhern fäht man solche Fische / und heisst offt wie beym Fisch / der in der Angel gefangen wird: Dum capit capitur: Es ist fürwahr ein arge List / daß offt der Fisch den Fischer frisst. Was machts? der Contre Admiral Tod commandirt en Chef, auf der See / er fähret und zerbricht Steuer und Rudern / Mast und Ancker / er zerreisst Tau und Seegel und admirirt den Admiral so wenig als den Matrossen, sondern führt sie unverCsehend34 sehend allzusammen ins Bad / und lieffert sie dem alten Charon pfützen Naß ein / schiebt hernach die Schuld / als hätte er nie kein Wasser betrübt / auf die harten Menschen / die nicht zu Haus bleiben wollen / und auf das weiche Wasser sich begeben / vorgebende:

So weich das Wasser immer ist / So viel es harte Menschen frisst .

HODIE MIHI CRAS TIBI.

Num.

Pestilentia, aut corruptus aër. 3. Reg. c. 8. V 37. Der Tod nie mehre trifft,als wan̅ die Lufft voll Gifft.

35 Num. 9. Pestilentia, aut corruptus aer. 3. Reg. 8. v. 57. Der Tod nie mehre trifft /Als wann die Lufft vergifft.

FEuer und Wasser haben schon unzehlig viel Millionen Menschen mehr / als alle Menschen=Fresser und Hottentodts gefressen; aber die Lufft hat noch viel tausendmahl mehr verschluckt. Der Mader mit der Sensen / der Schnitter mit der Sichel / die Graß=Magd mit dem Stumpf / der Holtz=Hauer mit der Hacken / die Barbier und Bader mit dem Scheer=Messer / machen zwar eine grosse Niederlage; aber die in Finstern schleichende langbeinigte Pestilentz giebt / mit ihrer Sensen / obigen allen nichts nach. Da fallen hundert zur LinC 2cken36 cken / dort zehen tausend zur Rechten. Ach leyder! gantze Städt / gantze Königreich und Länder werden ruinirt. Es ist zwar kein Wunder: denn diese Welt ist ja nichts anders / als ein Hof=Spital / Lazareth und Siech=Haus / darinnen das gantze Menschliche Geschlecht / von der Sünden=Pest / so durch alle hindurch gedrungen / und wie ein Käß von Maden / und ein eingebeitzt Wild=Bret von Essig / mit ihrem Gifft durch gekrochen / und durch gebeitzt hat / so inficirt / daß es offtmals heisst: da liegen sie bey Hauffen / wie in einer Nacht / im Syrischen=Lager / hundert und fünff und achtzig tausend Mann / allenthalben voller Leichnahme herum gelegen. Es. 37.

Und was das ärgste / je mehr die Pest aufreibt und aufraumt / je mehr greifft sie um sich. Je mehr Menschen sterben / je mehr wird die Lufft vergifft; je mehr unbegraben bleiben / je gräßlicher und ansteckender wird der Gestanck. Man zündet mit Diogene Cynico, gantze Wälder an / die Lufft von denen Arsenicanischen und Mercurialischen Gifft zu reinigen. 37gen. Man macht einen so dicken Pest=Rauch / als wenn die Feuer=Mauer in der Hölle wollte brennend werden / man perfumirt die Zimmer mit Virginischen / Türckischen und Englischen rc. Tobacks=Rauch / mit Myrrhen und Aloë, man löscht Kalch mit Essig ab / und verschmiret so viel Pest=Balsam / als Wagenschmier. Man isst so viel und vielerley Gifft=Pulver und himmlische auch andere Theriacs-Pillen / Methridat, Orphietan, Gifft=Latwergen und dergleichen / daß es zu verwundern / wie der Tod nicht selbsten von solchen lebendigen Alexipharmacis und Antidotis inficitr werde.

Ja Kröten und Vipern / Schlangen und Drachen werden wider die Pest aufgehetzt. Da kriegt mancher einen Beulen und weiß nicht wie / wo und warum; indem er sich nicht entsinnen kan / daß er irgend wo angehutzt / oder von einem andern hinter den Ohren gekräuet worden. Mann verschoppet und vermacht Thür und Thor / Fenster und Lufft=Löcher / vor dem bösen Lufft / aber es hilfft am Ende doch nichts / Doctor / Apothecker / Barbierer / Bader und Wund=Artzt / Distilator und C 3The-38 Theriacs-Krämer / Methridat=Wurtzel= und Kräuter=Jubilirer / Marck=Schreyer / Ziegeuner / Hencker und Henckers=Gesind / Juden und Judengenoßen / werden alle mit ihrer Kunst zu Schanden / denn die Pest ist so unverschämt / daß sie ungeladen und ungebetten auch gar in die Apothecken Material-Kammern und Theriacs-Büchsen selbsten kommt / ja auch in die Clöster / Collegia, Studier= und Schreib=Stuben in Käyserliche und Königliche Palläste so wohl / als in die Bauern=Hütten / und heisst offt: Wer Herr im Haus der geh hinaus. Und wenn mancher grosser Herr manche galande Staats-Dame und Frauen=Zimmer sich mehr vor solchem Ubel als für allem Fräulichen Ungeziefer hütet / alle Alexipharmaca ausleckt / und sich / wie jener / an nackenden Kraut und Ruben / kranck gegessen / auch so viel Myrrhen und köstiche Specereyen eingebackt / daß sie eine lebendige Mumia abgeben könnten; so schleicht doch die Pest hinter ihnen her / und blässt auf einmahl alle Schönheit und Lieblichkeit / Holdseligkeit und Annehmlichkeit weg / daß Helena un̅ Cleopatra, Absolon und Narcissus gantz Wetterfarb werden / als wann 39wann sie in einem sehr heissen Sommer campiren müsten. Da halten sie gleichsam die Hand vor das Gesicht / und ruffen: Sehet mich nicht an / daß ich so schwartz bin / denn die Sonn hat mich so verbrennt. O des Elends! Ach des Jammers! kan man doch offtmals nicht Todten=Gräber genug um theures Geld erlangen. Mercks Wien! mercks Dantzig! mercks Ungern! mercks Pohlen! rc.

Der Tod nie mehrer trifft / Als wann die Lufft vergifft.

IHS

C 4 Num. 40
Num. 10. Dies ejus sicut umbra prætereunt. Psalm 143. v. 4. Alle Kunst ist umsonst /Und beym Tod ohn alle Gunst.

DJeDIe klugen Affen der Natur / denen / wie denen Poeten / das Lügen und mit Schatten zu handeln erlaubt ist / die Mahler / Bildhauer / Gold= Silber= und Kupffer=Stecher / Eisen= Stahl= Glas= und Holtz=Schneider / Contrefait=Drechsler / Wachs=Posierer / Künst=Giesser / Tockenmacher und dergleichen von Kunst= und Gunst=Professionmacher / Apelles, Praxiteles, Protogenes, Zeuxes, Parrhasius, Verones, Bot und Vos, Paluca und Carl Loth, Titian und Callot, König und Bauer / und was noch heutiges Tags die fruchtbare Kunst für Weiß=Roth= und Schwartz=Künstler ausbrutet. Diese alle / Meister und Gesellen / Künstler und Stümpler / so nit allein die Augen der Pferd u. Vögel / sondern auch die schärpfste̅ Menschen=Augen mit blossen Schatten und Liecht

Dies ejus sicut umbra prætereunt. Ps. 143. v. 4. Alle Kunst ist umsunst,und beym Tod ohn alle Gunst.

41Liecht meisterlich hinter das Liecht führen können / sind vor des Todes Pensel nicht sicher / er contrafait sie endlich alle nach seinem Ebenbild ab / ob sie gleich so viel nach dem Leben gezeichnet / u. sie mit lebendigem Farben so ähnlich entworffen / daß man ihnen das Zeugnus geben müssen: Es fehle ihren Bildern nichts als die Rede.

Es haben zwar die herrlichsten Meister / vielleicht sich beym Tod zu recommendiren / diesem beindrechslerischen Dürrer die Ehre gethan / und ihn viel hundertmal / gleichsam nach dem Leben / erschröcklich schön abgemahlt / abgebildet und abgestochen / und zwar mit höchsten Respect, wie er zum Exempel bald auf einem Päbstlichen Stuhl oder Königl. Thron sitzt / bald in einem Cardinals=Hut oder Jnful / bald in einem breiten Hut / mit bunten Federn stutzet / bald wie er bey einem Reichen die Ducaten wägen hilfft / bald wie er eine schöne Dame zum Tantz führet / bald wie er / mit grossen Gesundheit=Gläsern / an grosser Herren Tafeln ein Bombardement anstellet / und was dergleichen Flatterien mehr sind / so ihm schon tausend Künstler gemacht haben: Allein es scheint / C 5aller=42 allerdings der undanckbare Gesell sey nicht allein selbst kein Virtuos, sondern er achte auch dergleichen Ornamenta des Menschlichen Geschlechts / dadurch so viele verewiget werden / sehr wenig oder gar nichts / und gelte ihm ein Grab=Tüncher und Todten=Graber mehr / als ein Hof=Mahler und Kunst=Stecher: Denn wenn diese manchmal die rarsten Stücke kaum halb ausgekünstelt haben / so rufft er ihnen unversehens zu: Manum de Tabula. Die Hand von der Butten oder Politten. Leg den Pinsel und Stichel / und dich zugleich mit nieder / streck dich / machs Maul auf / thu den letzten Seufftzer und stirb. Da liegt die Kunst samt dem Künstler in Staub und Aschen / und wird von den Würmern anatomirt und dem Tode verähnlichet. Dies ejus sicut umbra prætereunt. Er liegt im Schatten des Tods / und sein Leben ist dahin / wie ein Schatten. Und heist:

Alle GunstKunst ist umsonst Und beym Tod ohn alle Gunst.
Num.

Cum morietur homo, hæreditabit serpentes. Eccl. c. 10. v. 13. Wan̅ man dich wird begrabenso mustu die Gesellen haben.

43 Num. 11. Cùm morietur homo, hæreditabit serpentes. Eccles. 10. v. 13. Wann man dich wird begrabenMust du Gesellen haben.

DAs schöne und edle Geschöpff der Mensch ist / wenn man ihn beym Liecht beschauet / auch ein elender Wurm / der im Leben und nach dem Tod unzehlig viele Würmer ausheckt. Auch die MilchfinderMilchkinder hegen schon gantze Wurm=Nester im Leib / als wie die welschen Nudeln / dick und dünnnedünne / groß und kleine / lang und kurtze. Ob das Marck in dem Ruckgrad des Menschen / im Grab zu einer Schlangen / die Zunge aber zu einer Kröte werde / und mehr andere aushecke / haben zwar viel geglaubet / aber wenig gesehen: Daß aber das Menschliche Jngebäude / Lungen / Hertz / Leber / Miltz / Magen44 gen / Nieren und Gedärmer absonderlich das Gehirn eine Residentz der Maden und Würmer / Schlangen und Kröten / ja manchmal Läus und allerley schändliche Ungezieffer sey / das werden die Todten=Gräber am besten bezeugen können. Wieviel wackere vornehme Leut sind nicht etwann von Mäusen / sondern gar / was sich darauf reimt / von Müller=Compagnionen / bey lebendigem Leib gefressen worden.

Es ist unlängst in einer namhafften Stadt ein alter Dödel gestorben / oder zu todt gebissen worden / nach dessen Todt so viel Schwadronen / ja gantze Armeen grau mondirte Dragoner andere Quartier gesucht / daß man sie mit Kehrwischen hat abweisen müssen.

Beym König Herodes werden wohl dergleichen Trabanten genug / so wohl in seinem Leben / als Tod gewacht und aufgewartet haben / Act. 12. was ist ein solcher Mensch anders / als ein todtes Aas / bey lebendigem Leibe.

Ach Menschen=Kind! du stinckender Maden=Sack / was erhebst du dich doch? Was prangest du doch? Wie viele männlichen und weiblichen Geschlechts / tragen / in 45in ihrem Pracht / gleichsam zum Vorbild / was sie seynd / Schlangen= und Ottern=Gezichte / von Haaren / Banden und Spitzen / Ketten und Perlen um das Haubt / an dem Hals und sonsten anders wo. Daß es kein Wunder wäre / wenn sich Medusa und alle Furien in der Hölle darüber beschwehrten / daß man ihre galante Mode so gemein machet. Aber was erhebt sich doch die arme Erde und Asche? Jst doch der Mensch ein eitel / greulicher / abscheulicher / heßlicher / gräßlicher Koth / weil er noch lebet / und wenn er ein gantz Regiment Doctores und zwar der Extract, die Quint Essenz aller Gallericorum und Hippocritorum &c. lange daran flicken / purgiren / clystiren / aderlassen / schrepffen / schmieren / pflasteriren und balsamiren / so gehets doch endlich also: Heute König / morgen todt / heunt Monarch / morgen im Sarg und wenn der Mensch todt ist / fressen ihn die Schlangen und Würmer. Eccles. 10. und gehet ihnen wie dem aus Geitz zu viel gesammleten Manna in der Wüsten / davon Mose registrirt / daß Würmer darinnen gewachsen und dasselbe seye stinckend worden. Ey wie hält man doch offtmals / wann man die46 die Leichnahme so lang herumziehet / und einen besondern Staat und Gepräng damit machet / die Nasen / vor dem allerschönsten / liebsten und werthesten Hertzens=Schatz so sorgfältig zu / als hätte jemand den Beltz verbrennt. HErr / er stinckt schon! heist es / ja schon im Leben / noch mehr aber im Tod! wohl hat Hiob gethan / daß er solches beyzeit recht betrachtet / und gesagt: Das Grab ist mein Haus und in Finsterniß ist mein Bett gemacht. Die Verwesung heiß ich meinen Vatter und die Würmer meine Mutter und meine Schwestern. Hiob 17. Jesaias redet noch von einem wunderlichern aber lebendigen Ober= und Unter=Bett / wenn er in 14. Cap. schreibt: ModenMaden werden dein Unter=Bett seyn / und die Würmer dein Decke. Wunder / daß einen diß Bett nicht wegträgt oder gar mit einem davon laufft! vielleicht deckt man deßwegen so groß und schwehre Steine auf die Gräber / und wo der meinsten Würmer sind / die grösten / ja gantze Mausolöen.

Diß gieng noch endlich alles hin / wenn es nur nicht bey den meinsten hiesse: Jhr Wurm wird nicht sterben / nemlich der Gewissens=Wurm / den sie wegen ihrer Unbußfer= 47bußfertigkeit im Leben / und auch nach dem Tod in ihren Seelen herum getragen / und hernach von der höllischen Schlangen vergesellschafftet / einen solchen den Höllen=Aas ewig naget / beisset und frisset / ärger als viel 1000. ModenMaden / Würmer und Schlangen dessen vermoderten Säu=Sack / in stetem General=Sturm / angefallen haben: O Menschen=Wurm vergiß dieser Würmer in deinem gantzen Leben nit / und hüte dich für dem unsterblichen Wurm. Es bleibt dabey:

Wann man dich wird begraben. Wirst du Gesellen haben.
Num. 48
Num. 12. O mors, quàm amara est memoria tua! Eccles. 41. 1. O wie bitter kommts ihn an /Wenn da stirbt ein reicherMann.

O Tod / du Kräuter=Salat / du Gall=Aepffel=Brey und Fieber=Tinctur / wie bitter bist du! wenn an dich gedenckt ein reicher Korn=Jud und voller toller Schwermer und Schlemmer / der guter Tag und Nächt / ja alles genug hat / ohne Sorgen lebt / dem es nach Wunsch allenthalben gehet / und noch wohl bröseln und kleiben mag. Der keinen Eckel vor dem Wein hat / ob er gleich den besten im Maul nicht leyden mag / darneben ein Spißlein Endten / samt einer Schüssel

O mors, quam amara est memoria tua! Eccl. c. 41. v. 1. O wie bitter komts ihn an,wan̅ da stirbt ein reicher Mann.

49sel voll Lamms=Nierlein / an statt der Capern / mit gutem Appetit verzehren kan / und sich noch nach mehr umsiehet. Der viel Säck im Seckel / und Kisten und sten voll Gold und Silber / wie Heu / gantze Regimenter Louisdor, und Holländische Curassier, bey ihm einquartirt oder arrestirt hat. Bey dem die alten Kappen= und Schlappen Thaler / die wilden Männer zu Roß und Fuß / ja die gantze Thaler=Histori / von dem ersten Joachims=Thaler an biß zu dem letzten / die gantze Genealogie der Kayser / Könige und Churfürsten / alle Gedächtnus=Müntzen / Contrefayen der Heiligen Vätter zu Rom / so ohne was die Antiquen Ebräisch / Griechisch und Lateinische / silbern und guldene Müntzen / von David und Salomo / von Philippo und Alexandro M. von Romulo und Remo her sind. Aufs beste conservirt / und gleich als ein Bataille rangirt zu finden. Oder der allein von Silber=Geschmeid / die Leipzig= und Franckfurter=Meß verlegen kan. Der heut spatziren fährt / morgen spatziren reitet / übermorgen spatziren geht / zu früh das Frühstuck biß auf Mittag ausdehnet / nach der MitDtag=50 tag=Mahlzeit bene potus die Commödie oder Opera besucht / ferner da ein Ball / dort ein Assemblee frequentirt / discurirt / courtisirt / chartisirt / conversirt / divertirt / biß er endlich unter der Music / oder andern fleischlichen Lustbarkeiten und Süssigkeiten einschläfft / und in sanffter Ruh die übrige Nacht und den folgenden Tag / biß es 9. oder 10. schlägt / trotz allen Murmel=Thieren / so von S. Gallen=Tag / biß auf S. Jürgen=Tag in ihren Nestern rasten / im sanfften Pflaumen=Bett liegend zuruck legt / ja wohl aus Nacht Tag / und aus Tag Nacht machet. Und also an nichts wenigers / als an den Tod und Sterben / noch weniger aber an das Lamento des in der Höllen lächtzenden Schlemmers gedencket / der auch ein Tröpfflein Wassers seine glühende Zunge damit zu kühlen / vergebens betteln / und hören müssen: Du hast dein Gutes empfangen in deinem Leben.

Allein er mag daran dencken oder nicht / gerne davon hören oder nicht / gerne sterben oder nicht / so macht ihm der Tod kein besonders / sondern wenn seine Zeit aus / und das Ende seiner Freude und eiteln Glückseeligkeit herbey kommt / so beraubt ihn 1551ihn der Tod alles seines Reichthums / und zeucht ihm an statt seiner sammeten und seidenen / guldenen u. silbernen / verschamerirten und bosementirten Kleider / seinen Küttel an / und wenn er gleich sich zu todt schreyen möchte: Ach nur Zeit / biß morgen! so ist alles vergeblich / die Uhr ist aus / zur Welt hinaus.

Ey das heist gar zu sehr übereilet / sagt mancher / ich muß vor mein Testament machen und mein Haus bestellen / was für Unordnungen würde es unter meinen Erben geben / Dinten / Federn / Pappier / Doctor / Notarien / Zeugen rc. her. Ein anderer läst zu seinem Trost seinen Abgott / ein Kästlein voll Ducaten bringen / und rührt sie zu guter letzt noch einmal herum / daß sie nicht anbrennen. Ein anderer läst etliche Küppel seiner liebsten Jag=Hunde vor sein Bett ruffen / ihnen vielleicht das Ultimum vale zuzuruffen: Die dann ihrem Herrn / nachdem er sie beklagt / daß er ein so armes Häufflein hinter sich verlassen müsse / und ihnen per testamentum mehr / als allen Hospitælen vermacht / auch zu guter letzt eins herab heulen und bellen müssen / vielleicht daß er sich vor der Höllen=Hunde D 2Ge=52 Geheul / desto weniger entsetzen möge / dahin er auf der schon gesatteteln schnellen Toden=Post / in kurtzen würde gebracht werden.

Ach aber thörigte Welt=Kinder! Ubersehen ist auch verspielt; Jhr wustet wohl / daß ihr keine Stunde für dem Tod sicher gewesen / warum habt ihr euch nicht eher dazu geschickt. Jhr seyd deßwegen ja offt genug auf der Cantzel und von der Todten=Glocken / dem unvernünfftige̅ Leich=Prediger selbsten erinnert und gewarnet worden.

O arme Reiche! wohlan nun ihr Reichen / weinet und heulet über euer Elend / das über euch kommen wird. Jhr habt herrlich gelebt in dieser Welt / und eurer Wollust gepflogen / und euere Hertzen geweidet und geschoppet als auf einen Schlacht=Tag Jac. 5. beym Henckermahl. Derowegen sagt David im 48. Ps. v. 17. Fürchte dich nicht / wenn ein Mensch reich wird / und wenn sich die Herrlichkeit seines Hauses mehret / denn er wird / wenn er stirbt / nichts mitnehmen / und seine Herrlichkeit wird mit ihm nicht hinunter fahren noch nachrennen. Es bleibt alles in der Welt. Fuimus Troes, Irus & est subito, qui modo 53modo Crœsus erat. Und gehet mit vielen als wie mit den grossen Flüssen / je grösser und breiter sie werden / je näher sie zum Meer kommen / und werden letzlich gantz saltzigt: Also versaltzt der Tod dene̅ Reichen die Süssigkeit ihrer Freude auf die Letze / wenn ihr Lebens Strom in das Meer der Ewigkeit fallen soll und muß / gantz entsetzlich / daß sie klagen müssen: O mors, quàm amara est memoria tua! O bitteres Todten=Träncklein.

O wie bitter kommts ihn an / Wenn da stirbt ein reicher Mann .
D 3 Num. 54
Num. 13. Abjectus est Clypeus fortium. 2. Reg.Sam. 1. v. 21. Mars hin Mars her /Mors gilt noch mehr.

WEr da? Wer da? Gieb Antwort / oder ich schieß dich / daß dir der Dampff zum Hals heraus geht! der u. der / dieser und jener schwartze Käsperlein hol mich? Antwort! oder ich geb Feuer auf dich. Gemach! gemach! Herr Horribilicribrifax, halts Maul / oder ich treffe dich mit meinem Pfeil / daß dir das Hertz als wie ein Kalbs=Leber / am Brat=Spieß stecket. Holla! wer da? Jch bin der auf dem fahlen Pferd. Was fahl / gelb / weiß / schwartz Pferd? Wer da? Mein Nam heist Tod / und die Hölle folget mir nach. Grossen Danck! behüt mich GOtt vor dir / und machte dieser Martis-Sohn mehr als 3. Creutz / von Hertzen wünschende / daß es die Stund schlüge / damit er abgelöset und zugleich von diesem Abentheuer erlöset würde / ingedenck / daß ihm mehr denn eine Katz

Abjectus est clypeus fortium. 2. Reg.Sam. c. 1. v. 21. Mars hin, Mars her,Mors gilt noch mehr.

55Katz den Buckel hinauf geloffen / und weil ihm ein Schauer über den andern ankommen / zum Anzeichen / daß / so offt der Tod ihm über sein Grab geschritten / habe er nur an den Tod zu dencken.

Allein was? Jch soll mich für den Tod fürchten? Jch / der ich so viele Feldzüge gethan / so mancher Bataille und Belagerung / Parthey und Rencontre beygewohnt / und wie eine Mauer gestanden / ja biß aufs Blut gekämpffet / so viel Stich und Hieb / Schuß und Bomben=Ohrfeigen gekriegt / und also nie Feuer / noch Tod / gefürchtet / soll ich mich jetzt vor dem General Haut und Bein fürchten? Mit nichten! heraus du Reuter auf dem fahlen Pferd! heraus du Soldaten Feind! wie es meinen Cameraden ergangen / so gehe es mir auch. Jch fürchte mich nicht für dir / du Marode-Reuter und Strassen-Rauber! Hab ich so manchem Türcken-Kopff auf meinem Säbel getragen / so manchen Rebellen erlegt / so manchen Frantzosen Gras lehren fressen / so offt mit Läusen / Hunger und Durst / Hitz und Frost chargirt / und jetzt soll ich mich weich finden lassen! heraus du Hund! ich wehr mich biß auf den letzten Bluts-Tropffen.

D 4 Al= 56

Allein Mitten in solchem Combat kommt ein Pfeil / und macht alles Pralens ein End. Die Ronde kommt / und findet diesen tapffern Herrn frist mich nicht / am Schiller=Häußlein / eißkalt erstart und gefrohren / lehnend. Denn / O wie viele hat man auf der Schildwacht also gefunden.

Ein grosser General / von Pfeil des Todes getroffen / schreibt zwar aus Mangel Feder und Dinten / auf seinen Schild / mit einem / in seinen Wunden Blut / eingetauchten Finger: Invictus morior, aber indem er solches schreibt / verrathet er / daß er vom Tod überwunden worden; und bleibt also dabey:

Mars hin Mars her / Mors gilt noch mehr.
Num.

Suspensus est igitur Aman. Esth. c 7. v. 10. Auch der Hofman̅ der so stutztwird vom schnellen Tod getrutzt.

57 Num. 14. Suspensus igitur Haman. Esth. 7. v. 10. Auch der Hofmann / der sostutzt /Wird von schnellem Tod getrutzt.

AUs dem Weg! macht Platz! Jhr Hochgräfliche Excellentz / der geheime Rath / der hohe Officiant und der grosse Staats=Mann kommt / ziehet den Hut ab / macht Reverentz / biß auf die lincke Kniescheiben; seht / welche ein grosser Haman, den der König ehren will: betet an / denn der König hats gebotten / vor dem müssen sich gantze Völcker fürchten / den er gilt alles. Er ist das Factotum, er hat des Königs Hertz in Händen. Siehe / da kommen Supplicanten / dorten unterthänige Vasallen. Hier sitzt Absolons Affe und wartet / wenn jemand einen HanD 5del58 del hätte / daß er zum Könige vor Gericht kommen sollte / und rufft sie zu sich / und spricht: Aus welcher Stadt bist du / wann er dann spricht: ich bin aus dem Stamm Jsrael aus Jtalien / Teutschland einer / antwortet er ihm: Siehe deine Sache ist recht und schlecht; aber du hast keine Audientz beym Könige. Jch will dir præter propter schon helffen: O wer setzet mich zum Richter im Lande / daß jedermann zu mir käme / der eine rechte Sache hat / daß ich ihm helffe? 4. Könige 15. Aber du Polypragmon! wo steigst du hin? weisst du nicht: wer hoch steigt / der fällt oder hängt hoch? denckst du nicht an den hochansehligen Amon, und viel andere hochgestiegene Staat= und Stands=Ragetten / mit denen es geheissen: Dum splendet frangitur. Judas der Ertz=Schelm hat aus Ehr= und Geld=Geitz seinem Herrn und dem gantzen hochwürdigen Collegio, den Heiligen Aposteln vorschreiben wollen / wie man das Narden=Wasser besser amploiren und vor theuer Geld verkauffen sollte; er machte mit denen beschnittenen Hohen Priestern eine Verrätherey / spickte seinen Beutel und schmerbte seinen Barbarossen aufs beste 59ste / aber wie ist ihm solcher Staats=Streich gelungen? Er starb wie Ahitophel, und eine Amsel in der Schnatt / ein Fuchs in der Fallen / und ein Hecht an der Angel.

Mancher Hof=Fuchsschwantz blässet sich auf wie ein Dudel=Sack / und startzt wie eine gefrohrne Köhl=Stauden / die Strassen sind ihm zu eng / die Hosen sind ihm zu schmahl / so daß man besorgen muß / er dörffte wie ein überfüllter Säusack zerbörsten. Er steckt im Sammet und Seiden / in Pracht und Herrlichkeit wie ein Pfau in seinen Federn und ein Stachel=Schwein in seiner Rüst=Kammer / und will / wie ein neuer Heiliger / angebetet / verehret / beschenckt und gefeyret werden.

Ach aber / wie lange währet solcher Bauernstoltz? wie alles seine Zeit hat so hat auch solcher Hochmuth seine Zeit / und nimmt ein Ende mit Schrecken wie ein Orlog=Schiff / darinnen Feuer in die Pulver=Kammer kommen. Wann man hinter seine Spring kommt / und offtmals nur ein Füncklein Warheit und Gerechtigkeit / seine heimtückische verborgene Mordbrennerey=60 nereyen angreifft / so geht alles in die Lufft und in Stücken / Ehre / Credit, Macht und Kunst / Staat und Prahlerey.

O wie viel sind schon solcher Staats=Stutzer in Teutschland und Engelland / Spanien und Franckreich zwischen Himmel und Erden arrestirt / oder sonst wie die Pickling / aufgehängt worden.

Wie es aber bey Hof viel Aemtlein gibt / und selten ein Aemtlein ist / das nicht Hängens werth / also giebt es auch kleine / mittelmässige und grosse Hof=Stutzer / grosser Herrn Haarstutzer und Schuchbutzer / Schwammendrücker und Strimpfflicker / Dinten=Lecker und Papier=Verderber / Quintenmacher und gen=Drechsler / die aber alle einen solchen ansehnlichen Staat führen / gantze Schober Heu auf dem Kopff tragen / und so voller Haar=Puder sind als eine Maus so aus dem Beutel=Kasten / und ein Arcadisches Pferd / so aus der Mühl entloffen.

Fragt man: wo kommt dieser Pral=Hanns zu solchem Staat / ist er doch vor weniger Zeit des Hunds=Jungens Jung / oder 61oder wanns hoch kommt / dieses oder jenes Herrn Laquey oder Kammer=Diener / Amanuensis, oder Universal-Serviteur gewesen? da bekommt man bald zur Antwort: Er ist wegen einer glücklichen Mariage oder anderer Heimtragerey und sonderbahrer Treu so hoch recommendirt und promovirt worden; er sitzt in Röhren und kan sich Pfeiffen schneiden wie er will. Er hat dieses galante Aemtlein / sein Weib verdient viel neben her / er hat viel Schwäger / aber nur einem Schwähr. Wiewohl er dennoch seinen prächtigen Habit / von der Fuß=Solen an / biß übers Haupt noch schuldig ist / und solchen lieber mit vielen höflichen Complimenten als harten Thalern bezahlen wollte / wenn ihn nur der verdrießliche Creditor quittiren wollte. Da heissts recht: Es ist nicht alles Gold was gleisst.

Was haben aber endlich alle solche Hoff=Stutzer und ehrlicher Leuth=Trutzer davon? Ein böses Gewissen / die Haut voll Schelmen / wo nicht dem Strick / doch das Glück / daß sie wie die Katz aus dem Tauben=Schlag / mehrentheils sine62 sine lux & sine Crux, wie jene Latenische Dorf=Schulmeister gereimt / quasi incognito, aus der Welt schleichen und so viel Ruhm hinter sich lassen / als der Teuffel=Stanck / wann er per Exorcismum, aus einer alten Capelle / verjagt worden. Denn:

Auch der Hofmann / der so stutzt / Wird von schnellem Tod getrutzt.
Num.

Et sic repentè præcipitas me. Job. cap. 10. v. 8. Offt mancher trinckt,Todt nider sinckt.

63 Num. 15. Et sic repentæ precipitas me. Job. 10. v. 8. Offt mancher trinckt /Todt nieder sinckt.

MAn sagt mir wohl von zu viel Trincken / aber nicht von viel Dürsten. Der Durst ist eine grosse Qual / absonderlich wenn es einem geht / wie jenem Edelmann / welcher geklagt / daß man ihn zu Nacht im Schlaff so sehr Durst leyden lassen / und also sein Diener sich erbotten: Jhr Gnaden sollten nur befehlen / wenn er ihm zu trincken bringen sollte / geantwortet: Hanns / weck mich auf / wenn du wilst / so dursts mich.

Es ist aber hierinnen nichts so schuldig als die böse Gewohnheit. Es werden heutiges Tags in allen Religionen / viel gefunden / noch mehr aber der Nassen=Brü=64 Brüder / so wie Frösche immer am oder im Wasser / sondern in Wein und Bier=Gelagen sitzen / und ziehen / daß sie erschwartzen mögten. Coaxen / schwätzen und schreyen / als wenn sie es den Nachtigalen zuvorthun wollten. Wenn mancher nicht schwimmen kan / in all dem Liquido, Bier / Wein / Theè, Caffeè, Chockelate, Rossolis und dergleichen / so er Zeit Lebens ausgetruncken / wenn es zusammen in einem tieffen Ort geleitet würde / baden solten / so ist zu fürchten / er dürffte darinnen ersauffen müssen. Allein sie ersauffen dennoch zu letzt: Wenn sie auch sonsten trotz einem Meer=Schwein schwimmen / und ihre Ruhe in solcher Bewegung finden können / denn wenn ein Schiff gar zu viel Wasser einnimmt / muß es endlich versincken / und hilfft offt das Pumpwerck weniger als nichts. Wenn die Menschen aus der Wein= und Biersucht die Wassersucht bekommen / klagen sie sehr über suppressionen Urinæ, und werden durstiger als sie zuvor gewesen / biß sie von dem Durst verschmachten müssen.

Es ersauffen des Jahrs zwar viele Leuthe / wie wohl ungerne im Wasser; aber 65aber noch vielmehr und zwar muthwillig in Wein / Bier / Brandwein und dergleichen rc. die grossen Gesundheit=Gläser haben mehr Menschen verschlungen / als der Strudel in der Donau / und der See=Würbel in Norwegen / sie sollen Kranckheit=Gläser heissen und Charons-Schiffe / die einen in die andere Welt führen. Jener desperate Kauffmanns=Diener hat nach eingenom̅enem Schmauß und Sauß sich gar einen überflüssigen Schlaff=Trunck belieben lassen / indem er die Spiel=Leuth mit ihm zu einem Schiffreichen Fluß geführet / und daselbst tapffer aufmachen lassen / auch ihnen zu guter Letze noch einen Thaler zugeworffen und so gleich in der Tieffe des Wassers sich vorsetzlich ersäufft. Was thun die lebendige Wein= und Bierschleuche / die sich ein Ronda nach dem andern hinein machen lassen / anders als dieser verzweiffelte Sauf=Teuffel gethan!

Manche halten viel auf schöne güldene und silberne Trinck=Geschirr / sonderlich auf schöne Cristallene künstlich geschnittene und mit Sinnreichen Emblema- Etibus66 tibus gezierte Gläser / und schaffen sich gantze Bibliothecken davon / man könnte aber manchen solchen Liebhaber fragen / wie jener Philosophus einen so ihm ein sonderbar kostbar und schönes Trinck=Geschier / als ein Rarität gezeuget: Quot Dominos occidit hoc poculum? O es sind solche irritamenta malorum nichts anderst als instrumenta mortis.

Der König Belzac hat an seinem Hof auch diese Pestilentz / auszusauffen was voll eingeschenck worden / zu seinem grossen Schade̅ eingeführt / und ein böß Exempel gegeben / nach welchem man sich an den meinsten Höfen grosser Herren richtet und Sauf=Helden machet / über welche doch der eifferige Prophet Esaias am 5. Capitel vers. 11. und 12. das Weh ausgeruffen: Weh euch / die ihr des Morgens früh aufstehet / der Trunckenheit nachzugehen / und zu sauffen biß auf den Abend / anfauf daß ihr von Wein erhitzet werdet. Jhr habt Harpffen und Trummeln / und Leyern und Pfeiffen / und Wein in euern Zechen.

Allein 67

Allein was hilffts? der Apostel warnet auch darfür daß man sich nicht voll sauffen soll / weil ein liederlich unordentlich Leben daraus erfolget / ja er schreibt ausdrücklich / die Trunckenbolde sollen das Reich GOttes nicht ererben: dennoch ist nichts gemeiners fast aller Orten; wenn GOTT nicht versprochen hätte / er wollte keine Sündflut mehr über den Erdboden kommen lassen / so könnte man gefürchtet haben / er dürffte sie den dürfftigen Brüdern zur Straffe / noch einmahl verhängen / damit sie sich genug sauffen möchten.

Es hat aber GOTT der HERR schon einanderein ander Straffmittel an dem verdammten Schlemmer in der Hölle gewiesen / der / im höchsten Durst / nach einem Tröpfflein Wassers vergeblich gelechzet / da er zuvor in Wein geschwommen / und als ein guter Bassist manchen Bassauischen Vertrag wird haben machen helffen. Man lieset nicht / daß sich jemahls eine Kuh zu todt gesoffen / aber leyder / sind alle Historien voll / wie sich so viele auch tapffere Leuthe schändlich zu todt gesoffen / oder E 2von68 von andern mit salus und profit in die andere Welt fortgeschicket worden. Zumahlen öffters eben der effect erfolgt / als wenn einer einen Becher voll Gifft ausgetruncken / und todt zur Erden gesuncken ist. Deßwegen Astiages nicht Wein trincken wollen / weil er geglaubt / er führe Gifft mit sich / und mache die Leuthe rasend; noch weniger wird er Wein getruncken haben / wenn er gesehen / wie öffters sich manche den schnellen Tod über den Hals gezogen. Denn:

Offt mancher trinckt / Todt niedersinckt .
Num.

In mortibus civium suorum. Levit. c. 21. v. 1. Burger fahre dort und hierdu fliehst dennoch nicht von mir.

69 Num. 16. In mortibus civium suorum. Levit. 21. v. 1. Burger / fahre dort und hier /Du fleuchst dennoch nichtvor mir.

EJnEIn erbahrer bürgerlicher Mantel und redlicher Handel und Nahrung / wie er Namen haben mag / ist fast der glückseeligste Stand in der Welt / und haben solche Leute nicht halb so viel Sorgen und Verantwortungen auf ihnen als geistliche und weltliche Regenten und Herren; denn die Seelen und Landes=Sorgen sind die grösten und schwehrsten. Ein Handelsmann expedirt seine Brieffe / und vertauscht seine Waaren / so er redlich und mit redlichen Leuten handelt / ist er mit mittelmässigem Profit zu frieden. Laufft er aber mit dem Juden=Spieß / und sucht mit Gewalt reich zu werden per fas & nefas, so macht er sich selber viel vergebliche Unruh und schwehre Sorgen / und kan niemand als E 3sich70 sich selber die Schuld seiner Beschwehrung beymessen. Ein Krämmer erwartet der Kauffer / und wenn er nicht Mäuß=Pillen für Pfeffer verkaufft / noch falsche Waar / Maaß und Gewicht führet / sondern was recht und billich ist / jedermann zukommen läst / kan ohne grosses Kopffreissen / in seinem Kram / manches Profitigen machen / da ein betriegerischer Filtz nicht hindencken darff.

Ein Künstler / Handwercks=Mann / welcherley Profession er auch zugethan ist / wo er nicht lieber schläfft und saufft / als arbeitet und spahret / kan sich des Seegens GOttes täglich getrösten / da mancher arme Bauer und Soldat mit Frohnen und Wachen / Marchiren und Strapatzieren ärger geplagt wird / als die Stockfische auf der Hammer=Mühl. Daß aber viele Burger mit ihrem Stand nicht zufrieden seyn / sondern immer höher steigen und grosse Herren / Edelleut und dergleichen werden wollen / das lehrt zwar die tägliche Erfahrung. Allein O wie manchem gehts / wie des Æsopi Dächslein / der nach den Schatten geschnappt und das Fleisch in dem Bach fallen lassen! wenn darnach der Pracht und Hoch= 71Hochmuth / das Wohlleben / Spatzierngehen und Popitzen dazu kommt / so heist bey solchen Einbildern / Edelmann / Bettelmann / Stockfisch / da trägt der Jud eins nach dem andern hin / die Kleider / Bett / Kupffer und auch das Zihn. Da machen die Handwercker liederliche Arbeit / und geben um halb Geld dahin / verderben sich und andere mit ihnen / der Kauffmann verliehrt mit solchem bösen Gut / Credit und Profit im Land / und fallen endlich in Schulden und Armuth / daß weder der eine noch der ander etwas hat. Weib und Kinder sind des reichlichen Haushaltens gewohnt / und treiben öffters die Männer zu solchen Practiquen und Hildperts=Griffen an / daß sie verkauffen und entlauffen müssen: Da heists darnach / O des bösen Weibs! O der Hoffärtigen Kinder / niemand bringet mich in solch Unglück / als die Meinigen / ich bin vor wenig Jahren so und so gestanden / habe die Wochen so viel verdient / habe so viel ererbt / so viel erspahrt / aber jetzt ist die Spahr=Büchse zerbrochen / und samt der Bahrschafft in nichts vermetamorphisirt worden / darauf laufft man die Allmosen an / will sich in die Spitäler E 4reti=72 retiriren und post festum fasten lernen / oder in dieses oder jenes Hängens=würdige Aemtlein einschleichen / allerley verwegene unzulässige Professionen treiben / biß man sie auf die Finger / oder gar auf den Buckel klopfft / daß ihnen die Schwarten kracht; Wenn manche aber alles versucht / über Berg und Thal herum gezogen / sich in bessern Stand zu setzen / so begegnet ihnen endlich der Tod / und sagt so wohl glücklichen als unglücklichen / guten als liederlichen Bürgern unter das Gesicht:

Burger / fahre dort und hier / Du fleuchst dennoch nicht vor mir.
Num.

Tanquam vas figuli confringet. Psal. 2. Betracht es wohl und dich nit irrDu bist des Haffners blödsGeschirr.

73 Num. 17. Tamquam vas figuli confringet. Psalm 2. v. 9. Betracht dich wohl und dichnicht irr /Du bist des Hafners blödsGeschirr.

DEr Allmächtige Schöpffer war gleich Anfangs ein Töpffer / und hat den Adam / aus einer rothen Erden gemacht / und ist also der Mensch nichts anders / als ein Leimen=Patz / ein erdenes Gefäß / welches leichtlich zu Trümmern gehet / wie ein blödes Werck und gebrechlicher Hutzel=Hafen. GOtt wird zwar / beym Propheten Jesaia und Jeremia / und sonst öffter in H. Schrifft / mit einem Töpffer verglichen / der allerley grosse und kleine Geschirr / zu Ehren und Unehren / machen kan / aber beym Esa. 30. Cap. wird er einem / der die Töpff wieder wacker zerschmeissen und zertrümmern kan / der ein E 5gan=74 gantzes Volck wie einen Topffe zerschmettern will / den man zerstösst und sein nicht achtet / also / daß man von seinem Hafen=Scherben nicht einen so gantz findet / darinnen man nur Feuer vom Heerde wegholen / oder Wasser aus dem Brunnen schöpffen könnte. So muß der Topff wieder zu Erden werden / daraus er gemacht ist / und wenn ein Mensch noch so lang lebet / und als ein guter Fleisch=Hafen oder Wasser=Krug lang gehalten / so wird doch das Sprichwort endlich an ihm erfüllet: Der Topff und Krug gehet so lange zum Ofen=Loch und Brunnen / biß er zerbricht. Da mancher böser Bub darüber lacht / manch böses Weib aber darüber flucht oder schilt.

Es giebt zwar heutiges Tags / wie ehedessen bey denen Römern / gar künstliche Töpffer / die von andern Leimen=Händlern / als wie die Goldschmid von dem Grobschmieden / unterschieden seyn wollen: Welche nicht mit rothen / schlechten / Dohn / wie andere Schmierhaintzen umgehen / sondern mit Porcellan / nicht zwar mit Bayrischen / sondern mit Holländischen / ja gar Jndianischen / Chinesischen zierlich formirten und gemahlten Nacht=Geschirren / Schal= 75Schallen und Tellern / Köpigen und dergleichen Raritäten handeln und prangen; wenn mans aber beym Liecht besiht / so ist einer so wohl ein schmieriger Töpffer / als der ander / und bricht des einen Arbeit so leicht / als des andern zu vielen Stücken. Wenn eine Holländische oder Jndianische Schaale vom Tisch hinab fällt / so giebts Trümmer / und zwar offtmals eher / als von teutschen / groben / starcken Geschirr zu befürchten.

Diese Töpffer und Töpffe bilden uns gar ähnlich die eitle Impression, die sich ein sterblicher Menschen=Kopff und zerbrechlicher Topff / vor dem andern machet / da immer einer besser / angesehener / edler und hochschätzbahrer seyn will / als der andere. Da sie doch alle aus einer Mutter der Erden entsprungen / und einer so wohl aus Laimen possirt worden als der andere. Erd ist Erd / sie sey weiß oder roth / gelb oder schwartz / ja der Dauerhafftigkeit nach hält offt ein Bauern Milch=Hafen länger und besser als eine Königl. Confect=Schaale. Glück und Glas / wie bald bricht das? Kopf und Topff wie bald bricht der? Reimt sich zwar nicht / ist aber doch wahr / Glück und Schaalen (wer lacht / muß zahlen) brechen allzumalen.

Es 76

Es haben lustige Studenten einsten / auf einem Jahr=Marck einem Töpffer sein übriges Geschirr / so er nicht gar verkauffen können / überhaubts abgekaufft / und angefangen einen Topff / eine Schüssel / Deller und Napf nach dem andern zu zerschmeissen / als nun die armen Weiber solche Unbarmhertzigkeit gegen die unschuldigen Geschirr gesehen / sind sie zugelauffen / und haben dieselben retten / erbitten und erbetten wollen / allein sie haben wenig oder nichts erhalten. Was thut der Tod anders / wenn er bald grosse / bald kleine Menschen=Köpffe als Töpffe zerschmeist / und unerachtet manche liebe Mutter für ihre zarte Kinder flehentlich bitten / manche Kinder für ihre Eltern und Geschwistrigt / so ist doch der Tod gantz unerbittlich / er macht allenthalben Trümmer / und achtet nicht / ob man darüber weint oder lacht Tanquam vas figuli confringit.

Betracht dich wohl / und dich nicht irr / Du bist des Hafners blöds Geschirr .
Num.

Numerus mensium ejus apud te est. Job. c. 14. v. 5. Wan̅ du stirbst, das ist verborgen,drum steh im̅er fort in Sorgen.

77 Num. 18. Numerus mensium apud te est. Job. 14. v. 5. Wann du stirbst / ist dir verborgen /Drum steh immerfort inSorgen.

DJeDIe Stern=Gucker habens weit gebracht / sie können schon zum voraus wissen und unfehlbar ausrechnen / wenn die Sonne oder der Mond soll halb oder gantz / ein Trittel oder Viertel verfinstert werden / an welchem himmlischen Zeichen / in welchem Monat / an welchem Tag / in welcher Stund / vierthel Stund / ja fast in welcher Minuten / über 1. 10. 20. 30. 100. und mehr Jahr solche Finsternüssen sich ereignen werden / aber die Stund ihres Todes können sie nicht wissen / und wenn alle Albahazer, Halo und Nativität=Steller ihre Häfelein zusammen trügen / und alle Zigeuner und höllische Mordbren=78 brenner ihre Kräfften 10. Joch Ochsen weiß / anspanneten / würden sie ihrer oder anderer Sterbens=Stunde eben so wenig zuvor wissen können / als sie zuvor ihre eigene Geburts=Stunde gewust haben. Der Mensch kommt in die Welt / und weiß weder wenn oder wie / er kommt aus der Welt und undund weiß nicht wenn oder wie. Meine Zeit stehet in deinen Händen / sagt David / als wenn GOtt eine Sonnen Uhr in seiner Hand / mit denen gewissen Stund=Linien hätte / wie er ohnedem beym Esaia gesagt / daß er uns in seine Hände gezeichnet / alle Stunden vor Augen habe / und allein wisse / wenn unsere letzte Stund herbey komme. Denn seiner Vorsehung und Allwissenheit ist nichts verborgen. Diese Allwissenschafft GOttes und Allunwissenheit der Menschen hat schon manchen gelehrten frommen / auch grossen und gekrönten Häubtern / nicht geringe Grillen in Kopff / und Mücken ins Hertz gesetzt. Wie viel haben sie deswegen studirt / lucubrirt / disputirt / spintisirt / haselirt / spendirt und critisirt. Die besten Hertzens=Freunde / Ehegatten und Bluts= und Muths=Freunde / haben es mit einander angelegt und einander 79ander bey vielen Contestationen, mit Hertz / Mund und Hand / versprochen / sie wollen / 8. 6. 4. 2. Täge / welcher Theil eher / als der andere stirbt / kommen / und den Uberbleibenden / wegen seines herannahenden Todes erinnern: Aber es ist keiner kommen / und hat sein Versprechen gehalten / auch nicht halten können; denn kein Engel im Himmel weiß / wie viel weniger eine Menschen=Seele / wenn dieses oder jenes Menschen Todes=Stunde præcise einfällt / sondern nur allein GOtt. Wann ja zuweilen jemand in eines solchen Freundes Gestalt erschienen / so ists vielleicht ein Anzeichen gewesen / daß der Verstorbene in einen solchen Quartier einlogirt / da der Wirth ein Lügner und Mörder von Anfang gewesen / und einen solchen verwegenen Menschen / mit lauter Betrug / geäffet/ oder da er als eine listige alte Schlange aus natürlichen Ursachen / wohl abnehmen können / zu spat und recht zur Unzeit einige zweydeutige Anzeigen gegeben / die aber denselben wenig / ja nichts mehr nutzen noch helffen können. Was An. 1090. zu Nante in Bretagne mit zweyen solchen verwegenen Personen vorgegangen / und was der letztere80 tere für schlechten Nutzen davon gehabt / solches ist aus Vincentii Historien=Spiegel zu sehen. Diß sind Versuchungen GOttes und thörigte Rathschläge der sichern Welt=Kinder / die gern gottloß leben / aber seelig sterben möchten / Nein! GOtt hat schon einen Riegel vorgeschoben / und Lebens= und Sterbens=Stunden der Menschen / ihm als ein besonder Regale, vorbehalten / und in Deut. 18. ausdrücklich verbotten / daß man die Todten nicht fragen / und also auch keine Antwort von ihnen erwarten sollen. Zu einem besondern Absehen / wie der H. Augustinus angezeigt / da er geschrieben: Latet ultima aut observetur omnis. Deßwegen soll man jede Stund für die letzte halten / da es heissen dörffte: Punctum!

Wenn du stirbst / ist dir verborgen / Drum steh immerfort in Sorgen .
Num.

Utinam saperent ac novissima providerent. Deut. c. 32. v. 29. Sie sind so sehr vermessen,weil Sie dess Tods vergessen.

81 Num. 19. Utinam saperent ac Novissima providerent! Deut. 32. v. 29. Sie sind so sehr vermessen /Weil sie des Tods vergessen.

TAntz Dockele tantz / und vertantz dein Crantz / spring / und verstolper die Ehr / der Tod ist Spielmann und Tantz=Meister. Setz die Füß fein zierlich / die pas müssen fein nach der Mensur gehen / mach die Coupée fein sachte wende kein Aug von deinem Spaß=Galan / kehr ihm ja den Rücken nicht zu / mache eine einfache / eine gedoppelte Tour. Trag den Kopff wie ein Pfau in der Höhe / spring wacker / schneid Capriolen / merck drauf! jetzt spielt man ein Menuet, ein Bourée, einen Französischen / einen Spanischen / einen FTeut=82 Teutschen in folio. Aber was ist das? der Pfeiffer macht zu letzt eine Courante, da sie doch sonst zu erst pflegen getantzt zu werden laufft! laufft! rufft der Tod / curre cito. Der Tantz ist aus / fort mit mir nach Haus! wohin! ins Todten=Haus / ins Bein Haus. WiewielWieviel sind also über dem Tantzen plötzlich gestorben / und haben aus dieser Welt hinaus getantzt! wohin? Vielleicht dahin / da die Teuffel auf dem Gesimse tantzen / und der Vizlipuzli, nebst seinen Cameraden / auf dem Bock blasen / daß sie gantz schwartz werden. Das heisst seine Ehr sein Leben / ja seine Seeligkeit vertantzt.

Es muß wunderlich ausgesehen haben / wenn als Alexander der dritte König in Schottland / mit seiner Braut / nebst vielen andern vornehmen / und Adelichen Personen getantzt / und der langbeinigte Capriolen-Schneider mit seiner Scheer oder Sensen / wie man sie sonst pflegt in Lebens=größ abzumahlen / hinter ihm her gehupfft / was hats aber bedeutet? noch im selbigen Jahr ist er ums Leben kommen / und hat mit dem Tod selbst eine Courant machen müssen.

Wäre wohl zu wünschen / daß auf allen 83len Tantz=Böden des gelehrten Erasmi Philosophia sacra, wie man sich zum Tod bereiten solle / abgemahlet würde / da er den Tod in allen Geistlichen und Weltl. Ständen / hohen und niedern Personen / recht nachdencklich abgebildet / und jedermann zeiget / daß er nirgend vor dem Tod sicher sey. Päbst / Käyser / Könige / Fürsten / Edelleut / Burger und Bauren / Doctores und Narren / Riesen und Haasen müssen alle an den Todten=Tantz. König Alphonsus hat nicht allein zugeben / daß das Tantzen eine erbare Thorheit seye / sondern geurtheilet / es wäre zwischen einem Tantzer und einem Naren kein anderer Unterschied / als daß der eine sein Lebtag narret / der ander aber / so lang er tantzet. Zum wenigsten / wenn einer die Ohren zuhält und bloß mit den Augen allein von Tantz judicirt / wird man dessen Eitelkeit am besten erkennen können / und auf die Gedancken kommen / es müssen diejenigen / so also hupffen / tantzen / sich drehen / schwingen und springen / etwan im Hirn nicht recht verwahrt / oder von der Tarantula gestochen worden seyn. Daß aber / wo Uppigkeit / Geilheit und Hoffart mittantzet / nicht F 2al=84 allein der Tod / sondern auch der Teuffel mit tantze / daran ist gantz kein Zweiffel / absonderlich wenn es am Sabbath=Tag geschiehet / und Venus / Bacchus und Mars den Reyhen führen / und eine Dina oder der Herodias Töchterlein um den Vorzug certiren. Diß Tantze=Dockele / der Herodias Töchterlein / so dem Heiligen Johanni dem Täuffer den Kopff abgetantzt / hat / wie Nicephorus berichtet / auch ohne Kopff tantzen müssen / indem einsten das Eiß mit ihr eingebrochen und ihr den Kopff abgeschnitten / daß derselbe ober dem Eiß getantzt / der Rumpf aber unter dem Eiß fort capriolisiren müssen. Wo sie jetzt / der Seelen nach / tantzt / ist leicht zu schliessen.

Sie sind so sehr vermessen / Weil sie des Tods vergessen.
Num.

Defecit spiritus meus Psal. 76. v. 4. Der Geist ist hinaus,nun ist der Köraus.

85 Num. 20. Defecit spiritus meus. Psalm 76. v. 4. Der Geist ist hinaus /Nun ist der Kehraus.

WJeWIe es denen Tantzern gehet / so gehets auch den Spielleuten. Sie Pfeiffen hernach auf der Sack=Pfeiffen oder Hobboyen / sie fingern auf der Leyern oder Lauten / auf der Viola di Camba oder Violino. Ehe sie sichs versehen / reisst der Tod die Säiten entzwey / sticht ein Loch in die Sack=Pfeiffen / zerbricht das Spiel / und stimmt ein Lamento nach dem andern an / daß man nichts als Klagen / Weinen und Heulen höret. Da hat sichs dann ausgepfiffen / ausgeblasen / ausgeleyert / ausgefingert / ausgegeigt / ausgefidelt und gedudelt / ausgeklämpert / ausgeschlagen und gehackbretelt. Da hat wohl manchmal derden Bocks=Pfeiffer samt seinem Bock / der Bock geholt. Die Wald=Hörner / Clarinetten / Fagotten / F 3Chal=86 Chalmoen / von der Trompeten an biß auf die Maul=Drommel sind den Harpffen gleich / so die weinenden Jsraeliten / an dem Wasser zu Babel / an die Weyden gehangen haben. Da folgt dann die stille Musica: die Lunge / das ist / die Lateinische Sackpfeiffe / welche dem Æolo nichts nachgeben / ist so lumpicht und verschrumpfft / als ein welcker und leerer Juden=Beutel von einer Ochsen=Blasen. Der sonst immer feuchte / nasse und schmaltzigte Mund / ist so dürr und trocken / wie ein alte Latwergen=Schachtel. Die liebliche Stimme ist verstummt / die Finger / so stetig auf der schnellen Post Tag und Nacht gelauffen / sind erstarret und erkrummt / die subtilsten Ohren / so dem besten Wind=Hund nichts nachgegeben / sind den Ohren einer tauben Natter gleich / die vor dem Beschwörer verstopffet worden.

Die so manches Rondeau gemacht / so manche Gesundheit hinein drechseln helffen / und an und vor sich selbsten aber dergleichen gar nicht bedorfft / indem ihnen Wein und Bier / sonderlich wann es Fran geheißen / ohnedem gelauffen oder geflossen wie jenem Poeten die Verse / bey einer 87ner 3. Mässigen Butteliæ Koscher Wein / ohne Anstoß und beschwehrlich / sehen jetzt so sauer drein / und so durstig und schmachtend aus / als wenn man sie an der Sonnen gedörret / oder sie sich selbst so auscasteyet / daß ihnen der letzte Odem ausgegangen ist. Jetzt heissts / Ritternello tacet. Es gehet alles Piano und wird von keinem Allegro mehr gehöret / es sey dann / daß der Toden Capell=Meister mit sechzehen Theilen und zwey und dreyssig Theilen auf das Grab zueilet / als wenn es auf der Post gienge da gilt kein contra punct, aber wohl der Chöraus / so endlich unversehens aufschnappt / und heisst Geld her! Leben her!

Der Geist ist hinaus / Nun ist der Kehraus.
F 4 Num. 88
Num. 21. Non est tibi pars, neque sors. Act. 8. v. 21. Du kanst nicht dem Tod entfliehen /Und wirst bald den Kürtzern ziehen.

DJeDIe breitbartigten Jüden / Hecken=Müntzer / Geld=Scheerer / und Gold=Beschneider / Nativität=Steller / Wahrsager / Zeichen-Deuter / Cristallen=Schauer / Vestmacher / Hexen=Meister / Zauberer / Beschwörer / und was sonst diesen Ehr=bedürfftigen Tausend=Künstlern / von beederley Geschlecht verwandt und bekandt ist / sind des Teuffels Apostel und Propheten / so er / in dieser letzten Zeit / in aller Welt ausgesandt / und dadurch viel tausend leichtglaubige und aberglaubige Lappen elendiglich beschmitzet und betrogen hat. Denn der Teuffel verstellt sich in ihnen in einen Engel des Liechts / und lehrt sie sonst viele andere Brod= und Diebs=

Non est tibi pars neque sors. Act: c. 8. v. 21.

Du kanst dem Tod nicht entfliehen,und wirst bald den kürtzern ziehen.
89Diebs-Künste / als Taschen-Spiele̅ / Gauckeln / Seiltantzen / Quacksalben / meisterlichen Lügen und Zungen-Dreschen / Kuppeln / Rauben / Stehlen / Mordbrennen / Meuchel=Morden / Vergifften / Betrügen / Practicken machen; Hieher gehören auch die / so Silber und Gold machen wollen / doch niemals können. Pasquillanten / falsche Bettel- und Wechsel-Brieff / Jubilierer / Kux-Kräntzler / Gard-Brüder / Zeitung-Singer / Spielewercks-Esel / Stadt-Land-Welt- und Leut-Betrüger / Verräther / die unter dem Schein eines unsträfflichen Lebens und Wandels / alle Boßheiten der höllischen Schlangen heimlich und öffentlich ausüben / und / wie der Teuffel / alle Land umher umziehen / meynen öffters / sie haben mit Tod / Teuffel und Höll einen ewigen Bund gemacht / er werde sie als Cameraden und getreue Handlanger ferner passiren lassen: Deswegen leben sie ohn alles Gewissen / ohn allen Scham und Scheu / ohn alle Religion / ohne allen Gehorsam / in aller Reichs-freyer Sicherheit und Boßheit / viel Jahr dahin / und gedencken an nichts wenigers als an den Tod / noch weniger an den Galgen / oder an die F 5Hölle /90 Hölle / als wenn sie die herrlichsten / kräfftigsten Privilegia dawider hätten / und ihnen weder Hencker / Tod noch Teuffel den geringsten Gewalt nur anbieten / geschweige anthun dörffte: Da doch der Hanff / daran sie öffters in der Lufft verarrestirt werden / schon blühet / ja schon geröst / gebrecht / gehechelt / gesponnen und gewunden / vom Hencker gekaufft und solcher Execution accomodirt wird; da doch der Tod sich schon in ihre Gruckel-TaschenGauckel-Taschen und Schmier-Büchsen einquartirt / und das Stüblein in der Höll allbereit für sie geheitzt / das Bad zubereitet / und alles zu ihren Einzug im Gewehr und Parade stehet / sie mit einem extraordinairen rahren Feuerwerck zu bewillkommen. Denn je grösser und berühmter / wohlverdienter / lieber und getreuer des Teuffels einer gewesen / je eine grössere Ehrbezeugung und Freude werden die Teuffel ohne Zweiffel beweisen / biß sie dieselbe recht in die Mitten kriegen / und ihnen alle Adern / Nerven und Eingeweyde aus dem Leibe haspeln / auch ihre Seelen zum Ballen-Spielen gebrauchen / wie die heutigen Juden dergleichen Höllen-Straffe vestiglich glauben: Es stehet aber denen unglau= 91glaubigen Christen noch grössere Höllen-Qual bevor / so sie sich aus solcher gottlosen Wahrsagers / Zigeuners und übrigen obbenandter Teuffels=Zunfft nicht beyzeiten wegbegeben / ein ordentliches Leben und rechtschaffenes Christenthum / nach völliger Absagung deß Teuffels und dessen Wercken und Wesen / anfangen / ingedenck / daß sie sonst weder Theil noch Zuspruch zu Christo und dessen Verdienst und allen Wohlthaten der Kirchen / noch vielweniger zum Himmel haben: Es bleibt sonst dabey: Non est tibi pars neque sors.

Du kanst nicht dem Tod entfliehen / Und wirst bald den Kürtzern ziehen.
Num. 92
Num. 22. Sagittæ tuæ acutæ. Psalm 44. v. 6. Mein Pfeil ist gut /Nie fehlen thut.

DEr Tod ist ein gewieser Schütz / trotz allen Jägern und Schützen=Meistern / die mit einer Kugel einen Vogel / einen Fisch und einen Haasen auf einen Schuß zugleich treffen können / wie jener / so über einen Fluß nach einem Haasen gezielt / da inzwischen ein Vogel zugleich in den Schuß geflogen / und ein Fisch aus dem Wasser in die Höhe gesprungen / so / daß er drey auf einmal erschossen: Aber der Tod schiesst und trifft mit seinem scharpffen Pfeil offtermals viel Haasen und lose Vögel auf einmal / und die besten Schützen noch dazu. Die besten Schützen verfehlen offt das Schwartze / aber der Tod niemal / sondern er schiesst auf ein gelein und trifft das Hertz ungezielet. Wie die verliebten Affen von ihrem blinden Bogen=

Sagittæ tuæ acutæ Psal. 44. v. 6.

Mein Pfeil ist gut,nie fehlen thut.
93gen-Schützen dichten / daß er blindlings mehr als ein Hertz auf einmal treffe / von welchen Patienten man insgemein sagt: Er hat einen Schuß / der Schußbarthel. Der H. Sebastian ist / unter dem Diocletiano, zwar mit vielen Pfeilen verwundet worde̅ / aber derer / die vom Tod tödlich verwundet worden / und die Pfeile noch in ihrem Leib steckend herum tragen / ist noch mehr; einen hat er mit dem Pfeil der Pestilentz getroffen / daß ihm der gifftige Pfeil bald das Hertz gar durchbohren wird. Ein anderer steckt voller Pfeile der Schwind- und Wassersucht. Diesen hat er im Kopff so getroffen / daß er den Schlagfluß / als eine invisible Ohrfeige herum trägt / einem andern ist er den Händen und Füssen zu nahe kommen / und hat ihn gleichsam als einen Hüner-Geyer / an die Haus-Thür an Zipperleins-Bett angenagelt / daß er von den Nerven-Flüssen / welche man sonsten Podagra und Chiragra genennet / gantz immoble gemacht wird / als wie die höltzern Statua mercurialis. Manchen trifft der Todes=Pfeil / wie die Schwalbe den Tobias ins Aug / daß er sich in des Bartimäi Zunfft begeben / ja gar endlich mit gebro=94 gebrochenen Augen die Fenster-Läden / beym hellen liechten Tag / zumachen muß. Manchen trifft der Französische Todes-Pfeil / daß ihm Nasen und Hosen von Leib faulen wollen. Manchem trifft er die Lunge / dem andern die Lebern / dem dritten die Nieren und Blasen / den Collum und Colan, und so fort an. Wie gefährlich und gifftig diese Pfeile seyen / können wir nur daraus schliessen / daß / da sie offt kaum einen kleine Finger an Hand oder Fuß / ein wenig streiffen / ein solcher Mensch am Brand sterben muß / an einer Nagel-Wurtzel / an einem Hüner Aug.

Am allergewiesten scheust der Tod im Krieg / in Batallien / Belagerungen und Rencontren / da hilfft offt kein Harnisch / kein Vestmachen / kein Amulet / kein Versprechen / weder schwartze noch weisse Kunst. Jndem der eine nach dem andern ziehlt / drückt der Tertius, der Tod schon loß und läst / wie der Satan / seine feurige Pfeile als wie die Wespen und Horneisen ausfliegen / dem schiest er den Kopff weg / ey das ist gar zu grob / es wäre ein Ohr genug gewesen / einem andern einen Arm oder Bein / ey das ist gar zu grob / es wär ein Fin= 95Finger genug gewesen. Da erlegt er eine gantze Reyhe / ein gantzes Regiment / ja wohl eine halbe oder gantze Armee / ey das ist zu grob. Es wäre eine Compagnie genug gewesen. Je mehr sich einer hinter dem Ofen versteckt oder entfernt / je eher ihn der Tod erlauscht / und gilt hier das Sprichwort nicht: Weit davon ist gut vor dem Schuß: Sondern sein Pfeil ist gut.gut.

Nie fehlen thut / weder in der Nahe noch Ferne. Denn ohnerachtet er keine Augen hat / so weiß er schon das Kind im Mutter=Leib zu treffen / und den Diogenem in seinem Faß / den Phaleridem in seinem Ochsen / und den Taucher in der Tieffe des Meers.

Mein Pfeil ist gut / Nie fehlen thut.
Num. 96
Num. 23. Crucior in hac flamma. Luc. 16. v. 24. Ach was leyd ich doch /Und muß leyden noch!

FEuer! Feuer! rufft offt ein gantzes Haus / ein gantzes Dorff / eine gantze Stadt. Da laufft alles zu und schreyt: Wasser her! Wasser! man laufft / man trägt / man schleifft und fährt Wasser zu / man geust ins Feuer / man spricht ins Feuer / man reist gantze Häuser ein / es will doch offtmals nichts helffen / das Feuer nimmt überhand / es schlägt zum Fenster / zum Schlot zum Dach heraus / es greifft um sich / entzündet gantze Strassen und Gassen / O Jammer / der sucht sein Weib / seine Kinder / sein Geld und Gut zu retten / und muß offtmals zusehen / wie das / was man am lieb=

Crucior in hac flam̅a. Luc. c. 16. v. 24.

O! was leid ich doch,und muß leiden noch.
97liebsten hat / ersticken oder lebendig braten muß. Liebster GOTT / wie ist dein Zorn / ein Feuer=brennender Zorn! Aber wenn dessen Zorn recht anbrennt / so brennt er biß in die unterste Hölle!

Leibliche Feuers=Noth ist zwar erschröcklich / aber wenn die geistliche Feuers=Noth einbricht / da ist das leibliche Feuer nichts dagegen / wenn das Gewissens=Feuer unversehens aufgehet / und endlich wenn es an rechtschaffenen Buß=Thränen mangelt / dadurch allein dasselbe kan gelöschet werden / wenn das höllische Feuer dazu schlägt / da ist keine Rettung / wenn der Rhein und Mayn / die Oder und Donau / ja alle Meeres-Wellen zugleich schen wolten / un̅ Neptunus alle seine Macht der Heeres-Wellen zum Löschen commandirte / so wäre es nicht so viel / als wenn man einen Laskopff Wassers in die gröste Feuers-Brunst ausgösse / wenn alle Wasser Künste und Feuer-Spritzen aus Nürnberg und Augspurg zugleich ihre Kunst bewiesen.

Die vergebliche thörichte Hoffnung der verdammten Höllen-Brände können wir nur an dem in höllischer Flamme lächGzenden98 zenden reichen Schlemmer beym Luc. am 16. Cap. erkennen / welcher / als er in der Höll und in der Quaal war / sich vergeblich eingebildet / man könne nur / mit einem einigen Tröpfflein Wassers / so viel an einem eingetaugten Finger hangen bleibt / seine glüende Zunge kühlen.

Als Phalaris in seinem / dem Menschlichen Geschlecht zu Leyd / erfundenen ähernen Ochsen / zu wohl verdienter Straff / wegen seiner bösen und schädlichen Invention, gebraten wurde / und er gerüllet und gebrüllet wie ein Ochs / muß solche lamentable Music, nicht wenig Schauern und Schrecken verursacht haben; Aber wenn die Gottlosen und Verdammten in der Hölle zusammen heulen / muß es warlich viel tausendmal gräßlicher und entsetzlicher lauten / absonderlich wenn der höllische Music=Chor der Teuffel mit einstimmet / da es figuraliter und choraliter heisset: Wir leyden Pein in dieser Flammen. Wir Narren haben des rechten Weegs verfehlet / und das Liecht der Gerechtigkeit hat uns nicht geschienen / und die Sonne ist uns nicht aufgegangen / wir haben lauter böse / unrechte / schädliche Weege gegangen / und haben 99haben gewandelt wüste Umweege / aber des HErrn Weege haben wir nicht gewust (noch wissen wollen) was hilfft uns nun der Pracht / was bringt uns nun der Reichthum / samt dem Hochmuth? Es ist alles dahin gefahren / wie ein Schatten / wie ein Geschrey / das vorüberfährt / wie ein Schiff / ein Vogel / ein Pfeil dahin fährt.

Ach weh du armer Mensch / so bist du gar verlohren / viel besser wäre es dir / du wärest nie gebohren / dein Quälen nimmt kein End / dein Pein hat keine Zeit in Ewigkeit / sondern must immerdar vergeblich klagen und seufftzen.

Ach was leyd ich doch / Und muß leyden noch!
G 2 Num. 100
Num. 24. Linivit lutum super oculos. Joh. 9. v. 6. Deß Laims vergiß nit mehr /Von welchem du kommsther.

ES wäre eine wohlfeyle Augen=Salbe / wenn von Speichel und Erden dergleichen könnte gemacht werden / wie CHristus zubereitet und dem Blind=gebohrnen armen Bettler / unweit von Jerusalem / die Augen damit geschmieret / und ihn sehend gemacht. Allein es kan solche niemand / wenn es auch der künstlichste privilegirte und approbirte Oculist in der Welt wäre / so kräfftig nachmachen / denn es fehlet ihnen an GOttes Finger uneracht nichts wenigers als Materie dazu fehlet.

Doch kan diese kotigte Collyrium geistlicher Weiß die Augen ziemlich aufthun / wenn man es recht gebraucht; wenn man nemlich die Worte des 3. Cap. aus dem 1. Buch

Linivit lutum super oculos Joan. 9. v. 6. Des Laims vergiß nit mehr,von welchem du komst her.

101Buch Mose / fleissig vor Augen hat: Pulvis es, & in pulverem reverteris: Du bist Erden und sollst zur Erden werden. Du bist ein armer Erden=Kloß / und wirst gebohren nackt und bloß. Schau / dein hoher Stamm ist doch ja entsprungen aus dem Erden=Schlam / als es ihm gelungen. Erd und Asche bist du doch / wärest du gleich noch so hoch / noch so klug / noch so reich / noch so tapffer / noch so schön / noch so gelehrt / noch so künstlich und geschickt. Was erhebt sich doch Erd und Asche? ist doch der Mensch ein schändlicher Koth / so lang er noch lebet Eccl. 10. Es heisst nicht nur nach dem Tod mit ihm / wie dort von Lazaro gesagt und geklagt worden: Herr er stinckt schon / sondern es heisst schon bey Lebenszeit / von der Geburt an / biß ins Sterb=Bett / also von jedem Menschen / er stinckt schon!

Es stinckt schon der Königliche Printz so kräfftig / als des schlechten Mistbauerns neugebohrner Hansel / warum? sie sind beede aus einem Teich gebacken und aus Laime̅ posiert / ob gleich der Eine weisser / zarter / schöner un̅ dergleichen aufgezogen kommt / der Andere aber schwartz und ungestalt. Denn es ist einer Erden wie der ander / und G 3muß102 muß wieder zu Erden werden / wenn er gleich von Zucker gebacken zu seyn schiene. Verulamius erzehlet / daß er einen alten Edelmann gekannt / der ihm alle Morgen / wenn er aufgestanden / einen frischen Erden=Kloß bringen lassen / daran er eine Weile gerochen / und solches / als ein Mittel zur Erhaltung der Gesundheit und Verlängerung des Lebens ausgeruffen.

Jch wollte / daß nicht allein alle Edelleuthe / sondern auch alle Käyser / Könige / Fürsten / und Geistliche / und Weltliche / ja alle Menschen / diese Gewohnheit hätten / wenn es eben dem Leibe nicht zur Gesundheit dienen sollte / so werde es doch der Seelen gewißlich dienen / so sie sich dabey ihrer Sterblichkeit / und daß sie von der Erden ursprünglich entsprossen / und wieder Erden werden müssen / fleissig erinnerten. Denn der Mensch mag sich aufblasen und brüsten wie der gröste Frosch in dem Frösch=Krieg deß Homeri, oder ein Frosch=MänßlerFrosch-Mäußler / der Frosch=König LaußbeckBausback genannt / so ist er doch nichts anders als ein Erden=Kloß / welchen GOttes Hand in kurtzen zermalmen und zu Koth und eiteln Staub und Aschen machen wird / es fähet ja 103ja offtmahls mancher schon bey lebendigen Leib an zu faulen / und wie ein Aas zu stinken als wenn er schon 4. Tag im Grab gelegen wäre / so / daß er sich an wohlriechenden Haarbudern / Zahnpulvern und Bisam=Katzen / fast arm kaufft / wie jener Neapolitaner / der die Peruquen und Haarbuder aus dergleichen Noth soll aufgebracht haben / damit die Cornua, so aus seinem Cranio begunnten / wie die gepeltzten Bäume / in die höhe zu wachsen / versteckt und verdeckt würden. Denn es siehet nicht schön / wann die Männer Hörner tragen / wie die cke / sie seyen darnach natürlich oder übernatürlich / doch nutzen die hohen gehörnten Peruquen / so gleichsam aus des Müllers Beutel=Kasten und aus der Jesmin Flaschen neugebohren worden / in solchem Fall sehr viel.

Besser wäre es wann wir Erd und Aschen auf unsere Häupter streuten / im Sack und in der Asche mit Hiob Buß thäte nundthäten und uns selbsten erinnerten:

Deß Laims vergiß nit mehr / Von welchem du kommst her .
G 4 Num. 104
Num. 25. Educ de custodia animam meam. Psalm. 141. v. 8. Ein Kercker ist mein Leib /Worinn ich gerne bleib.(Wo ich nicht gerne bleib.)

EJnEIn Vögelein in Käfig ist öffters seines Gefängnus so gewohnt / daß es immer frölich herum springet / singet und jubiliret / und wenn auch zuweilen das Thürlein / aus Unvorsichtigkeit / offen gelassen wird / verlangt es doch nicht heraus / sondern bleibt freywillig in solchem Gefängnus: So machen es die Welt verliebten Seelen / die nicht erkennen / daß / so lange sie in dem Leibe wohnen / sie gleichsam in einem Kercker leben / und mit den Ketten der fleischlichen Lüsten und Begierde̅ angefesselt sind / denn corpus animi carcer est, hat schon längsten Seneca profitirt / und geschrieben: Corpus non aliter aspicio, quàm vin-

Educ de custodia animam meam. Psal. 141. v. 8. Ein Kercker ist mein Leib,worin̅ ich nit gern bleib.

105vinculum libertati meæ circumdatum. Contemptus corporis certa libertas est. Diß aber wolle̅ viel tausend nicht wissen / daß der Leib der Seelen Kercker / und die gewisseste Freyheit die Verachtung desselben sey. Wie aber gefangene Leute arme Leute sind / also sind wir / solang wir in diesem Elend lebe̅ / übel daran / u. ist kein Wunder / wann wir aus dieser zerbrechlichen Hütten u. baufälligem Kercker wünschen erlöset zu seyn / mit Paulo seufftzende: Cupio dissolvi. Die Himmlisch=gesinnten Seelen sind denen Vögeln gleich / welche gern aus ihren Käfig heraus und ihren freyen Flug in der Lufft haben mögten / damit sie / mit der Lerche Himmelan steigen / ihrem GOTT und HErrn ein schönes Danck= und Lob=Liedlein nach dem andern anstimmen und mit den Heiligen Engeln singen möchten: Gloria in excelsis Deo! zum wenigsten schwingen sich Himmelbegierige Seelen / mit Heiligen Gedancken / in die Höhe / mit allerley Himmlischen Betrachtungen / und beschauen die irrdische Eitelkeiten von oben herab / mit erleuchteten Augen an / und vergessen gleichsam allgemach das Jrrdische / in dem sie sich an dem Himmlischen ergötzen. Gleich denen Paradeiß=Vögeln / die sich immer in G 5der106 der höchsten reinsten Lufft aufhalten / und sich der Erden nicht anders / als nur in äusserster Noth / zu Erhaltung ihres Lebens / bedienen.

O quàm sordet mihi terra, quando cœlum respicio! je mehr ich den Himmel betrachte / je mehr stinckt mich die Erden an. Wer wird mich erlösen aus dem Leibe dieses Todes? fragt ein solche Erden=müde Seele und wünschet / daß der HERR über Leben und Tod / der die Schlüssel der Höllen und des Todes hat / dem Kercker=Meister aller gefangenen Seelen / dem Tod / wollte Befehl geben / daß er bald komme / sie auslasse / und aus allem Ubel erlöse. Doch verlangt eine solche Seele sich nicht mit Gewalt selbst loß zu machen durch Beförderung seines Todes / wie jener gefangene König in eisernem Käfig / oder sonst ein wilder Vogel sich selbst zu todt hutzet / oder wie ein an Ketten gefesselter Adler immer nach der Sonnen in die Höhe flattert und mit Gewalt sich losreissen und seine Freyheit suchen will.

O nein! so eine grosse Tugend der Selbst=Mord bey denen Heydnischen Stoickern 107ckern gewesen / so ein schändliches Laster ist er bey uns Christen. Sondern die nach den Himmel sich sehnende Seelen / warten auf das Nun Simeonis / auf das / von dem HERRN über Leben und Tod / bestimmte Todes=Stündlein / wenn derselbe seinen Diener im Friede heimfahren lässt / in die himmlische Freyheit Evolemus! Evolemus! Educ de custodia animam meam!

Ein Kercker ist mein Leib / Wo ich nicht gerne bleib.
Num. 108
Num. 26. Cecidit flos. Es. 40. v. 7. Auch die WiegenJst schon zum Tod eine Stiegen.

DJeDIe Geschicht-Schreiber erzehlen von einem Mörder eine entsetzliche doch bewegliche / Geschicht / daß einsten ein Rauber in ein Haus gebrochen und nach dem er / wie ein Wolff im Schaafstall / was ihm vor die Klauen und Zähne kom̅en / Mann / Weib un̅ Magd erwürgt / sey er endlich zu einen kleinen Kind gekom̅en / welches in seiner Wiegen gelegen / und solchen Jammer mit Angst und Furcht angehöret / weil es aber schon etwas reden können / und besorgt / daß es auch sein junges armes Leben gelten würde / sprach es den Mörder / mit freundlichen Minen und holdseeliger wehmüthiger Stimm / (wie der Mörder es hernachmals bekennet und beklagt) also an:

Cecidit flos. Esaiæ 40. v. 7. Auch die Wiegen,ist schon zum Tod ein Stiegen.

109an: Lieber Mann! ach laß mich leben / ich will dir all mein Docken geben. Aber dieser unbarmhertzige Bößwicht / hat sich durch das sehnliche / bewegliche / kindliche Bitten / nicht bewegen lassen / dem armen Kind das Leben zu schencken. Deßwegen er auch / Zeit währender Gefangenschafft / absonderliche Anfechtung in seinem Gewissen gefühlet / und nichts mehr bereuet / als / daß er des armen Kindes in der Wiegen nicht verschonet. Solche Grausamkeit ist auch öffters von denen gemeine̅ Soldaten in denen Städten / so sie mit stürmender Hand einbekom̅en / ausgeübet worden / daß sie / in der Furie, alles was ihnen begegnet / alt und jung / niedergemacht / und auch des Kinds in der Wiegen / ja in Mutter=Leib / nicht verschonet haben!

O brutale Grausamkeit der Menschen. Es scheinet / diese Unmenschen haben solche Unbarmhertzigkeit / gegen die armen unschuldigen Kinder in der Wiegen / dem General Haut und Bein / dem grausamen Tod / abgelernt / der unerbittlich ist / wenn ihnen die Kinder alle ihre Puppen- und Docken-Kräme / ihre Docken-Kuchen / ihre Pferd und Wägen / alle Schätze ihrer Rechen-Pfenninge und Spielwercke für ihr Leben110 ben anböten / ja wenn ihre Eltern viel 1000. Ducaten versprecheten / um ihres einig lieben Kindes Leben zu erbetteln / so würde doch alles vergebens seyn. Es ist ihm das Kind in der Wiegen schon zu alt. Solchen armen Kindern gehts wie den Mertzen=Veilgen und andern Frühlings-Blümlein / die offt wenn sie kaum die Blätter ausgebreitet / von einem Mertzen=Schnee oder Reiff auf einmal wieder vernichtet werden; denn kaum haben sie das Liecht der Welt gesehen / so kommt der Lebens=Feind / der Tod / zur Wiegen / und reist diß Mertzen=Veilgen ab. Wiewohl solche Kinderlein / wie die Mertzen-Veilgen / von fernen am lieblichsten riechen / indem wir glauben und hoffen / daß sie bey GOtt viel besser aufgehebt sind / als in diesem Todes-Thal / und lernen aus der Erfahrung:

Auch die Wiegen Jst schon zum Tod eine Stiegen.
Num.

Non habemus hic permapermanentem civitatem. Hebr. 13. v. 14. Auch Jnful und Hut,der Tod nicht schonen thut.

111 Num. 27. Non habemus hîc permanentem civitatem. Hebr. 13. v. 14. Auch Jnful und HutDer Tod nicht schonen thut.

WJeWIe es in dieser Sterblichkeit / Päpst / Kaysern / Königen / Fürsten und Herren gehet / so gehets auch Cardinälen / Ertz-Bischöffen / Bischöffen / Prälaten und grossen geistlichen Herren. Sie haben so viel Privilegie̅ wider den Tod / als der ärmste Bauer und Schaaf-Hirt. Der Tod fürchtet sich für einen silbern verguldten Hirten-Stab / er heisse darnach sanfft oder weh / eben so wenig / als für einen höltzernen / und setzet so bald den Cardinals-Hut auf / als einen gemeinen. Die Jnfuln gelten bey ihm nicht mehr als die Schlappen / und andere Kappen. Wenn man alle Zierrahten und Schmuck / samt Ehr und Herrlichkeit / in eine Wag-Schalen und in die andere aber seine Sensen und Uhr legete / so würden diese jene alle überwägen. Denn wenn die Lebens=Uhr eines Cardinals /112 nals / Bischoffs und dergleichen ausgeloffen / und das Grummet ihres Haubts zeitig / so kommt er mit seiner Sensen / mähets ab / und sammlets in die Scheure des Grabs / zum Zeichen / daß man hier keines Bleibens habe / so wenig das Gras auf den Wiesen und die Garben auf den Feldern.

Auch das Conclave ist vom Tod nicht befreyet: Als nach dem Tod Pabsts Urbani des VIII. dieses Namens An. 1644 die Herren Cardinäle im Conclavi beschäfftiget waren / einen neuen Pabst zu wählen / schlich der Tod auch mit hinein und bließ dem Cardinal Guido Bentivoglio von Ferrara, unerachtet er / unter andern auch deß H. Stuhls fähig geachtet wurde / unter den wichtigsten Gedancken / das Lebens=Licht aus. So liessen sich auch dazumal / aus Beysorge / es dörffte ihnen auch so ergehen / die Cardinäle Matthæi und Gabrielli kranck heraus tragen / frische Lufft zu schöpffen und dem Tod noch eine Weile zu entfliehen. Aber wie lange? Alle ihr Herrlichkeit / hohe Würde / Gelehrsamkeit / Weißheit und hoher Verstand in denen schwehrsten geistl. und weltl. Verrichtungen der Welt / sind gegen denen Intriquen des Todes nur Kinder=Spiel. Alle 113Alle ihre in geistl. und weltl. Rechten wohlgegründete Rationes sind / wenn sie der Tod überschlagen und gewogen / jederzeit viel zu leicht erfunden worden / so / daß öffters in einem Jahr viel alte Patriarchen ad Patres gehen / und alles der Welt dahinten lassen müssen. Schade ists / daß sie ihre Gelehrsamkeit / Weißheit und Erfahrenheit keinem andern guten Kopff per Testamentum vermachen können / welches billig mehr zu achten wäre / als alle Schätze der Welt. Allein was wäre auch dieses! wenn einer 10. Cardinæl, Ertzbischöffe / Patriarchen und Bischöffe im Leib unter einem Hut beysammen hätte / so würde der Tod eben so wenig darauf regardiren / als auf die Gelehrsamkeit eines einfältigen Dorff=Priesters und A. B. C. D. Professoris! sondern sagen: Jhr Eminenz! Non habemus hic permanentem civitatem.

Auch Jnful und Hut / Der Tod nicht schonen thut.
H Num. 114
Num. 28. Tempus breve est, qui habent uxores tanquam non habentes. 1. Cor. 7. v. 29. O wie kurtz ist doch die Zeit /Und der Lüste Nichtigkeit.

JHr Männer liebet euere Weiber / befiehlet der Apostel in der Epistel an die Epheser am 5. 22. und Colos. 3 / 16. und wiederholt solches und schreibt / ihr Weiber seyd euren Männern unterthänig / wie sichs gebühret im Herrn im 33. v. an die Epheser / nachdem er zuvor die Ursach / warum es billig sey / daß ein jeglicher sein Weib liebe / dabey gesetzt / wer sein Weib liebet / der liebet sich selbst: Denn niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehasset / sondern er pfleget sein / was sich ein Mann selbst Guts gönnet und thut / das soll er auch

Tempus breve est, qui habent uxores, tanquam non habentes. 1. Corinth. 7. v. 29. O wie so kurtz ist doch die Zeit,und aller Lust ein Nichtigkeit.

115auch seinem Weib thun. EsEr soll sie so lieben als sich selbst. Wie wohl derer sehr viel zu finden / die nichts wenigers als diesen Apostolischen Befehl respectiren. Sie lieben sich / und ihre Weiber hassen sie. Sie mästen sich / und ihre Weiber lassen sie fast Hungers sterben. Sie schaffen sich allerhand Lust und Ergötzlichkeit / die Weiber lassen sie daheim wie einen Essig=Krug hinter dem Offen verschimmlen und versäuren. Wenn solches frommen und häußlichen / fleissigen / friedfertigen / klugen und keuschen Weibern begegnet / trägt man billig ein Mitleyden mit ihnen / daß sie eine so verkehrte Welt zum Manne genommen und bekommen: Sinds aber böse / die so wenig geliebt und geehrt werden / so geschiehet ihnen nicht unrecht / weil sie auch ihr Pflicht nicht ebenfalls reciprocè in acht nehmen / und ihre Männer nicht lieben als sich selbst / sondern andere / ja ihren eigensinnigen Weisel-Kopffe mehr lieben als ihre Männer. Und weil sie dann ihren Männern / als ihren Herren / nächst dergleichen mässige Gegen=Liebe sollen unterthänig seyn / haH 2ben116 ben sie desto mehrern Verweiß und Straffe verdienet. Was aber manche wilde Männer zu wenig thun / und ihre auch fromme / kluge / fleissige / keusche und unterthänige Weiber nicht als ihre eigene Leiber lieben / das thun manche Weiber=Hänsel zu viel / sie ehren sie als ihre Göttinen / es fehlet nicht viel / indem sie ihre Weiber ohnedem auf den Händen tragen / daß sie selbige nicht gar aus Liebe fressen oder zum wenigsten wie die Affen ihre Jungen rings um belecken und fast zu todt drücken. Da heists mein Schatz! mein Kind! mein Hertz! mein Engel! mein Ander ich! mit was soll ich eine Ehr erweisen? Welche Freud oder Ergötzlichkeit soll ich ihr schaffen? Beliebet diß? Beliebt jenes? Nicht allein das Hertz / sondern auch Haab und Gut / Ehr und Reputation verschwendet ein solcher Gockel=Mann seiner Brut=Hennen zu lieb: Absonderlich wenn sie alle paar Monat ein neu Mode=Kleid / und so offt sich das Wetter ändert / neue Handschuch / Fantagen / Fugger und Vorstecker / Borten und Spitzen / rc. rc. haben müssen / und sich sonst 117sonst ums Haushalten so wenig bekümmert / als ihr Kind im Lauf=Wagen / sondern lieber in die Commödie / als Kuchen / lieber auf den Ball / als in den Keller / ja lieber ins Bett und zu Tisch / als in die Kirche und zur Messe geht / hergegen bald da / bald dorten bey ihres gleichen einkehrt / spatziren fährt / und wohl gar hinter ihrem so tödtlich verliebten Schatz / eine Handelschafft / mit Hirsch=Geweyhen anfängt / und ein Falliment über das andere machet / biß endlich / wo es die Einkünfften und Amts=Bestallungen nicht auswerffen / solche generose Ausgaben fortzusetzen / der Schatz das fas und nefas spielen / und auf den stehlern Gelächter musiciren lernen muß. Aber in fine videbitur, cujus Toni; Denn endlich muß ein solcher Windel=Wascher in der Lufft Capriolen schneiden lernen / oder sonsten seinen lieben Schatz mit dem Rucken ansehen / zum Thor hinaus schleichen / und sich nicht einmal umsehen / wie der Jltes aus dem Tauben=Schlag. Oder wenns noch wohl abgehet / so er sich zu todt geliebt und gekümmert hat / macht er in grosser Desperation ein Testament / wie jener: Der auf seinem Tod=Bett also testirt: Jch verH 3schaffe118 schaffe und legire meinen Leib der Erden / meine Seel dem Teuffel / ja nicht allein meine Seel / sondern auch die Seele meines Weibs und die Seele meines Beicht=Vatters. Denn mein Weib / indem sie mich zu vielen 1000. Sünden verreitzt / hat mich in solch Unglück gestürtzt / und mein Beicht=Vatter hat durch die Finger gesehen / und mir nicht scharff genug auf die Hauben gegriffen / mich zu bekehren. Gehe es also einem wie dem andern! O besser nie kein Weib gehabt / als mit dergleichen Raben=Vieh den Raben / oder gar dem Raben=Vatter in der Höll zu Theil werden müssen! was muß mancher in so kurtzer Zeit mit einem solchen Haus=Ubel / mit einer solchen Muß dich haben ausstehen / ertragen / erdulten und leyden? Besser kein Weib haben / als seines Weibs Serviteur und in ihre Liebes=Garn verstrickter Haas und eingesponnener Seyden=Wurm seyn. Zum wenigsten sollen die / so Weiber haben / sich also aufführen / als hätten sie keine.

O wie kurtz ist doch die Zeit / Und der Lüste Nichtigkeit!
Num.

Omnes Nobiles Iuda occidit. Jerem. 39. v. 6. Der Adel ist mir,wie ein Porcellan G’schirr.

119 Num. 29. Omnes Nobiles Juda occidit. Jerem. 39. v. 6. Der Adel ist mir /Wie Porcellan=Geschirr.

DEr Welt Geschlechte / Adel / hohe Anverwandschafft und vornehme Freundschafft / mit allen ihren Wappen und Prærogativen gehören zur Welt und in das Register der Eitelkeit. Niemand kommt in den Himmel / als eines Käysers / Königs oder Fürsten Kind / niemand als ein Graf / Baron oder Edelmann / sondern als ein GOTTes=Kind / als ein Bluts=verwandter und Bruder des HErrn JESU. Gelten also Wappen und Adels=Briefe im Himmel nichts / so respectirt auch schon der Tod auf Erden dieselben weniger als nichts. Könige und Bauer / Edelmann und Bettelmann gelten bey ihm einer so viel / als der ander. Zeigt H 4ihm120 ihm ein grosser Herr seine viele vornehme Ahnen und Vorfahren / so weisst er ihm hergegen den Stamm=Vatter aller Menschen / mit der Uberschrifft: Du bist Staub und sollst wieder zu Staub werden. Gen. 3. v. 19. Schau / dein hoher Stamm ist doch ja entsprungen aus dem Erden=Schlamm da es ihm gelungen. Erd und Asche bist du doch / wärest du gleich noch so hoch. Nimm nur ein rein weisses Schnup=Tuch / und wische dein Angesicht damit ab / so wirst du alsobald dein Stamm=Wappen darinnen finden / nemlich Staub und Aschen.

Der Prediger Salomon hat dieses wohl betrachtet / deßwegen er im 3. Cap. v. 20. schreibt: Es ist alles von Staub gemacht / und wird wieder zu Staub. Und Syrach bekennet im 17. Cap. Alle Menschen sind Staub und Erden. Der nig David stimmet auch mit ein / im 21. Ps. Du legest mich in den Staub des Todes. Wer es nicht glauben will / der gehe in die Todten=Krüffte grosser Herren und Potentaten in der Welt: Was wird er anders finden / als Erde / Staub und Aschen? und leicht schliessen können / was er auch werde bald werden / Asche und Erden.

Jch 121

Jch will zwar keinem nicht zu nahe geredt haben / sondern einem jeden gerne seine Ehre gönnen / doch die Warheit gehet allem Respect vor. Wir Menschen führen alle den Todten=Kopff im Wappen / setzt man noch so viel offner Helm dazu / so sind sie doch nichts anders als Zierrathen und Deckel der Todten=Köpffe / welche immer einer dem andern erblich überlässt / und heisst endlich / viel Ahnen viel Todten=Köpff / und hat ein solcher desto mehr Zeugnüsse / daß auch ihn die Ordnung des Sterbens treffen werde / wie seine Vor=Eltern.

Es heisst zwar im gemeinen Sprichwort: Fortes generantur fortibus Heroes heroibus. Tapffere Helden zeugen wieder tapffere Helden. Diß ist zwar offt wahr / aber auch offt nicht. Das ist aber allezeit unfehlbar wahr: Mortales generantur mortalibus.

Ein Adler wird keine Tauben oder Wachtel ziehen / ein Löw keinen Haasen / aber doch wieder einen Sterblichen. Jnzwischen trifft diß bey Menschen nicht allezeit ein / daß der Sohn eines Helden=müthigen / weisen / klugen Vatter / nebst Namen und Wappen auch dessen Qualtæten H 5erer122 ererbe. Wann sich aber ein solcher nur dem Stamm / Schild und Namen nach edler Mensch seines hohen Geschlechts rühmet und erhebet / was ist es anders / als die Elster Æsopi, die mit fremden Federn ausgeputzt einher stutzt / auf ihren Pracht getrutzt / und aber von andern verlacht worden? Es hat den grossen Alexander sehr verdrossen daß ein Soldat / so auch Alexander geheissen / ein liederlicher und verzagter Tropf gewesen: Deßwegen er ihm einsten diesen Verweiß gegeben: Aut nomen muta, aut mores; Aendere deine Sitten und Lebens=Art / oder deinen Namen / denn ich mag keinen Alexanderum bey mir leyden / der nichts nutz ist / wie du.

Ob nicht mancher tapfferer Ritter / gegen seinen zwar ehlichen aber nicht ähnlichen Sohn eben dergleichen Verweiß gebrauchen müste oder sollte / laß ich einen jeden judiciren.

Wanns wahr ist / was die Natur=Kündiger vom Adler schreiben / daß er seine jungen an die Sonne trage / und sie gleichsam probire / ob sie ihm ähnlich seyn / denn welche die Sonne mit unverwandten Augen anschauen / diese hegt und trägt er wieder 123der ins Nest / die aber das Sonnen=Licht nicht vertragen können / lasse er auf die Erden zu todt fallen / so wäre es wundernswürdige Sache / und könnte wohl auf diejenigen Eltern gezogen werden / so eine Prob unter ihren Kindern anstellen und erfahren sollen / welche ihnen nachgerathen oder nicht / damit sie nach eines jeden Conduite angesehen und versetzet werden möchten. Denn es sind nicht alle gleich / die mit dem Käyser reiten; einer kan seinen Adel verherrlichen mit dem Degen / ein anderer mit der Feder / mancher in allen beeden: Ex utroque Cæsar, Princeps, aut Nobilis wie mans heutiges Tags gerne haben will und zu grössern Würden erhöhet / und sind solche besondere Qualitæten an einem vornehme̅ Herrn desto scheinbarer und ansehnlicher / als wie ein Diamant / in einem güldenen Ring schöner spielt und in das Aug fällt / als wenn er in einem messingen oder kupffernen Ring gefasst wäre. Doch sollen von GOtt gedoppelt hochbegabte und gesegnete Leute sich dessen nicht erheben / noch andere geringern Stands / die etwann nicht die Geburt / sondern die Kunst / Gelehrsamkeit / Geschicklichkeit und124 und Erfahrenheit adelt und erhöhet / neben sich oder ober sich nicht neiden noch verachten / sondern allezeit im frischen Gedächtnis behalten und in Praxi erweisen / was Eccl. am 3. v. 10. ermahnet. Je grösser du bist / je mehr dich demüthige in allen Dingen so wirst du für GOtt Gnade finden / ja nicht allein für GOtt / sondern auch für allen Tugend liebenden Menschen der Welt. Dabey aber soll er nicht vergessen / daß wer hoch steigt / auch hoch falle / und daß Glück und Glaß bald zerbreche / und ein sterblicher Erden=Kloß / ob er zu einen schönen Porcellan oder gemeinen Topf vom Glücke præparirt / geschmiert oder geziert worden / leichtlich zerbrochen werde / denn dem Tod gilt einer so viel als der ander / welcher sagt:

Der Adel ist mir / Wie Porcellan=Geschirr.
Num.

Domi Domi

Post hoc erimus.erimus tanquam non fuerimus. Sap. 2. v. 2. Auch der gröste Tittel,ist fürn Tod kein Mittel.

125 Num. 30. Post hoc erimus, tanquam non fuerimus. Sap. 2. v. 2. Auch der gröste TittelJst fürm Tod kein Mittel.

DJeDIe Tittel=Sucht ist eine Verrätherin der verborgenen Eigenliebe und Ehrgeitzes / und greifft heutiges Tags / wie die ansteckende Pest / weit und breit um sich / indeme fast niemand mit seinem Ehren=Tittel will vergnügt seyn: sondern fast ein jeder hoch / hoch / hoch gescholten seyn. Ob sie gleich noch so von schlecht / schlecht / schlechten und geringern Stamm und Herkommen / als wie die Zwerg=Bäumlein in denen heutigen Gärten. Wann sich ein liederlicher Hopffen oder Winter=Grün ein wenig an einen hohen Baum anhänget / so steigt und steigt er immer höher / als wann er den Baum über wachsen wollte / dem er doch sehr beschwehrlich wird / und ihm öffters Safft und Krafft126 Krafft aussaugt wie die Blut=Egeln. Also hängen sich manche Ehrsüchtige / gerngrosse / geringe aber schädliche und unverschämte Leute an manchen grossen Herrn / klettern an demselben hinauf / und wenn sie sich per fas & nefas vest gesetzt / in einem Aemtlein / das hängens wert / eingebettelt / eingeschlichen rc. und etwann eine wohlverdiente Haußhalterin oder Hager zum Weib auf Abrechnung genommen / wollen sie mehr angesehen werden / als ihr Herr selbst / so daß man offt zehenmal lieber mit dem Gnädigen Herrn selbst reden wollte / als mit ihre Ungnaden / mit seinem in einem grossen Quasi Herrn vermetamorphisirten Staats-Serviteur. Und da kan man den auch mehr Hoch / hoch / hoch rc. nicht genung ehren / tittuliren / und caressiren / hoffieren rc. Mancher Edelmann / der das B nicht gerne voransetzt / und doch an allen / als hieran nicht Mangel leidet / mag leicht etliche Monat / oder ein und anders Jahr an einem Hof sein Fortun zu machen gesucht / oder ein oder den andern Feldzug / in höchster Unschuld / ohne alle Blutschuld / beygewohnet haben / wenn er wieder kommt / und einen grossen Feder=Busch auf dem Hut trägt / 127trägt / da siehet der Gnädige Herr schon nach grössern Respect um / und darf sich wohl schon von einer künfftigen Excellenz von weiten traumen lassen. Wenn dieses nur von edeln Gemüthern geschiehet / die durch solche Begierden / ihren edlen Stamm nicht nur im Ruhm zu erhalten oder mehr zu vergrössern suchen / denen solche Ehrsucht öffters angeboren und ein Sporn zu Tapfferkeit und Unternehmung gefährlicher Dinge ist / so wärs ihnen noch wohl eher zu verzeihen: Aber wenn gemeine Bürger / unedle Praler und Eisen=fresser / Geld=Wipper / Feder=Fechter / Käß= und Toback=Jubilirer / ja wohl Handwercks=Leute / so von Schmid=Eß und Rußheim entsprossen / mit ihrer Titulatur und Rang nicht zu frieden seyn / sondern immer Edel Wohl=Edel / Hoch=Edel rc. heissen / und zugleich den Rang vor andern / die zwar nicht so viel Geld / mit dem Juden-Spieß / wie sie erloffen / aber am gewissen Verstand und redlichen Künsten und Wissenschafften / so weit der Himmel von der Erden ist / ihnen überlegen sind / prætendiren / das ist billig vor aller Welt ein schändlicher Bauern=Stoltz zu schelten: Zumahlen wenn sie so128 so insupportable sind / daß sie die Brieffe / darauf der Tittel nicht nach ihrer Inpression, eingerichtet ist entweder gar nicht / oder doch mit Protestiren und Unwillen annehmen / und sonst in gemeiner Conversation, weder Geistlich noch Weltlich mehr æstimiren / noch ihren schuldigen Respect bezeugen / sondern sich so brüsten und aufblähen / daß man fast dörffte fürchten / sie würden wie Judas zerbörsten. GOtt erbarme sich über diejenigen / so ihnen / Nahrungs wegen / einiger Massen unterthänig seyn / und ihnen in die Hand sehen müssen! Der gestrengste General / so vorzeiten die Leute / um geringer Ursach willen aufzuhängen befohlen / und öffters geruffen: Hängt die Bestie! kan nicht so horrenda tonitrua aus seinem Munde haben heraus fulminiren lassen / als diese Wohl und Hoch=Edle Herren von Friß mich nicht.

Welches dann denen noch geringern von Scheerhaussen und Wollen=Thal / von Spitzbergen und Dockenheim rc. eine Aergernis gibt / daß sie / weil sie / im Rang die nächsten / ihren Kram des Ehrgeitzes gleichfalls auslegen / und sich Adelich oder weit über Stands=mässig kleiden / Kutschen 129schen und Pferd halten / und so groß thun / als hätten sie ihr lebetag weder von der Elen noch Scheer / Waag noch Maas / Pfeffer oder Teuffels=Dreck rc. Profession gemacht.

Also narriren absonderlich in grossen Städten gege̅ Ost / Sud / West und Norden / leyder! sehr viele / und zwar nicht allein im Leben / sondern auch im Sterben / da befehlen sie / was man ihnen für prächtige Leichbegengnis und grosse Titulaturen geben oder erkauffen soll. Aber der Armen und Dürfftigen gedencken sie am allerwenigsten. Was für unnütze Kosten übermachter Pracht und Hochmuth öffters bey solchen Leichbegängnüssen ausgeübet werde / ist nicht zu beschreiben. Wunder ists daß sie nit auch ihre Katzen und Hunde in seidenen Flor kleiden. Da müssen Oratores und Poeten alle Kunst wahrscheinlich zu lügen zusammen fassen / damit ja kein Lob auf der Welt vergessen werde / daß man diesen verstorbenen grossen Hansen nicht geben sollte. O Thorheit von den Grossen auf der Welt / grösser / höher / besser / edler seyn wollen / als man ist! ja etwas Grosses seyn wollen / da man doch nichts ist!

J Wann 130

Wann das nicht nach der Narren Kappen tappen heisst / so weiß ich nicht / was man also nennen soll. O ihr Tittel=Narren! was habt ihr davon? merckt ihr nicht daß alle verständige Leute euch auslachen und euren Hochmuth und Phantasey hassen und verfluchen? Was habt ihr für Interesse davon zu hoffen / als daß eure Kinder wenn sie sich künfftighin der Bürgerlichen Nahrung schämen und Edelleut abgeben / oder nur wie die Comödianten agiren / wenn sie wieder solche Tittel=Affen nach ziehen / endlich sich so vermehren und verzehren / daß sie euchs unter der Erden / mit dem / weiß nicht wer / dancken / daß ihr aus Verwegenheit und Hochmuth so hoch gestiegen / und sie zu einen so gefährlichen Fall auf eine gefährliche Spitz gestellet / da sie von Tittel weder zu nagen noch zu beissen finden / sondern den Schwindel bekommen / und gerne wieder unten anfangen wollten / wann es ihnen keine Schande wäre / oder wol / wo sie nicht fallen wollen / müssen. Oder endlich gar mit ihnen heisst: Edelmann / Bettelmann Stock=Fisch.

Wollte GOTT / daß diese eitele Leute 131te an anderer Leut Schaden wollten klug werden. Zumahl ihnen täglich solch ungleiche Kinder vor den Augen herum gehen / die ihnen in ihrer miserablen Gestalt gleichsam zuruffen: Betrachte mich / bedencke dich. O wär mein Groß=Vatter / an statt deß Degens bey seiner Ellen und an statt des Adelichen Wappen=Schilds bey der Waag=Schale geblieben / so dörffte ich und die meinigen nicht alle Bissen mit Sorg und Kummer abmessen und abwägen!

Weg mit solcher Eitelkeit! wir haben schon rechte alte Edelleuth und vornehme Stands=Personen genug / und können dieselben nicht alle amploirt werden: es ist unnöthig / daß gemeine Leute nach hohen Dingen trachten / besser ists / gern im niedrigen Stande bleiben / wie Ecclesiastes vermahnet / und sich als ein rechtschaffener Christ aufführen / und diesem Titel gemäß leben / den wir von unserm Erlöser ererbt haben / daß wir nemlich Christen / GOttes Kinder / Brüder und Schwestern des HERRN JESU / Tempel und Wohnungen deß J 2Hei=132 Heiligen Geistes / Gesellschaffter der Heiligen Engel und Auserwählten / ja Bürger des Himmels betittelt und von GOTT selbsten Liebe und Getreue genennet werden. An diesen Titeln lassen wir uns billig genügen / es mag uns sonst die Welt tituliren so schlecht sie wolle. Es müssen doch alle Edle und Unedle sterben.

Auch der gröste Tittel Jst fürm Tod kein Mittel.
Num.

Solum mihi super est sepulchrum. Job. 17. v. 1. Jns Grab thue ich scharrenden Weisen und den Narren.

133 Num. 31. Solum mihi super est sepulcrum. Job.Job. 17. v. 1. Jns Grab thu ich scharrenDen Weisen und den Narren.

EJnEIn thörichter Mensch merckt seinen Untergang nicht / wenn er schon siehet / daß auch die Weisen sterben / der Unwitzige und der Narr werden zugleich umkommen / sagt David im 48. Psalm v. 11. und lehret dabey / daß die Weisen so wohl sterben als die Narren. Der thörigte Nabal muste so wohl den Todten=Tantz antretten / als der weise Salomon.

Der weise Ecclesiast. schreibt im 2. Cap. v. 12.12. 17. sehr nachdencklich hievon: Jch bin fortgangen / die Weißheit zu beschauen / J 3auch134 auch Jrrthum und Thorheit / und ich sahe / daß die Weißheit der Thorheit so weit vorgienge / so groß der Unterschied ist zwischen Liecht und Finsternis; Der Weise hat seine Augen im Haubt / aber der Narr wandelt im Finsternuß / ich habe gemerckt / daß ihrer beyden Untergang gleich war. Da sprach ich in meinem Hertzen: Wann des Narren und mein End gleich seyn wird / was ist mir dann nutz / daß ich grösern Fleiß auf die Weißheit angewendet habe? Und ich hielte sprach mit meinem Gemüth / und merckte / daß diß auch Eitelkeit war / denn man wird so wenig an den Narren immerdar gedencken / und die künfftige Zeit wird alles zugleich in Vergessenheit stellen: Der Gelehrte stirbt gleich wie auch der Ungelehrte. Und dieses gehet noch immer also auf der Welt fort / der geheime Rath und klügste Staats=Minister stirbt sowohl als der Hof=Narr / der Doctor so wohl / als Arlekin. Und ist kein Wunder; Denn es ist einer wie der ander. Beede sind sterbliche Menschen / und haben einerley Sold und Lohn zu gewarten / nemlich den Tod / welcher der Sünden Sold und Liedlohn ist.

Sonst 135

Sonst ist zwar ein grosser Unterscheid zwischen einem weisen Mann und einem Narren! der Unweise spricht in seinem Hertzen: Es ist kein GOtt. Wie David im 12. Psalm klaget / der Narr redet Thorheit / macht viel Wort / schwätzt von dem / das er nicht verstehet / verleumdet seinen Nächsten / ist jähzornig und ungedultig. Hat Wohlgefallen an ihm selbst / und verliebt sich in sich selbst / wie Narcissus / er will alles besser wissen als andere / hat allenthalben das gröste Maul / und will vor klug angesehen seyn / ist stoltz und hoffärtig / verachtet alle andere / lässt sich nicht weisen / sondern will allezeit recht haben / freuet sich seiner Thorheit / und schleppt sich mit viel Præjudiciis und Jrrthumen / hält die Sünde für Spielwerck / lebt in steter Sicherheit / glaubt weder Teuffel noch Höll / weder Himmel noch Engel / ist unbeständig in allen seinen Wissen / Glauben und Lebens=Wandel. Hält viel auf Wahrsagerey / Träume und Aberglauben. Hält die Weißheit für Thorheit / die Frommen für Narren / hassen / was sie lieben / und lieben / was J 4sie136 sie hassen sollen / sind ihnen und andern Leuten beschwehrlich / waschhafftig und falsch / voller Lügen und Lästerungen / ja ein Narr stirbt endlich in seiner Thorheit. Der Weise hergegen thut von dem allen das Widerspiel: Er ehret GOTT in seinem Hertzen und hat ihn allezeit vor Augen / er redet Weißheit und macht nicht viel Wort / er redet nicht von Sachen / die ihm zu hoch oder unbekannt sind / er verleumdet niemand / und redet von niemand etwas Böses / er ist sanfftmüthig und gedultig / er verläugnet sich selbst / und hat kein Wohlgefallen an sich selbst / die Eigen=Liebe ist ihm ein Greul. Lässt gerne andere reden und sich berichten / schweigt gerne und macht nichts aus sich selbst / ist demüthig und ehrerbietig / hält andere höher als sich selbst / nimmt gerne gute Lehre und Unterweisung an / ist friedfertig und giebt gerne nach / betrübt sich über seine Fehler und Schwachheiten / glaubet nicht alles / was er höret / und lässet sich mit Præjudiciis nicht præoccupiren: Beweinet seine Sünden / suchet in steter Wachsamkeit und Buß zu leben / fürchtet sich vor 137vor Teuffel und Höll / und hoffet einsten in dem Himmel den Engeln gleich zu werden / er liebet Beständigkeit in allem seinen Wesen / er lässt sich von GOTT und seinem Wort / und von seiner GOttes=Furcht weder Glück noch Unglück / weder Fleisch / Teuffel noch Welt abtreiben. Meydet allen Aberglauben und Betrug des Satans / liebt und ehret die Weißheit und die Weisen / hasset und fliehet die Narren / ist verschwiegen und niemand beschwehrlich / warhafftig und redlich / ohne alle Heucheley / und bereitet sich täglich zu einen seeligen Sterben / ja hält diese Kunst für die beste Philosophie: Sterben vor dem Sterben / der Welt absterben.

Spiegel her! Mensch betrachte dich / wer bist du? Prüffe dich / dein eigenes Hertz und Gewissen / wird dir / als in einem Spiegel am besten zeigen / wer du unter den zweyen seyest / ein Weiser oder Narr / und bedencke / was für einen Bund du mit dem Tod habest: Daß nemlich Weisen und Narren / einer wie der ander / sterben muß. Stirbst du in deiner Thorheit / so wirst du ewiglich ein Narr bleiben / und müssen. J 5Zeuchst138 Zeuchst du aber bey Zeiten das Narren=Kleid deiner Unbußfertigkeit aus / und bekehrest dich von Hertzen=Grund / und befleissigst dich der Christlichen Weißheit seelig zu sterben / so wird dir deine Thorheit nicht schaden / Ezech. 33. v. 12. und vergiß nicht / daß du sterben must / du werdest und bleibest hernach klug oder nicht: Denn beym Tod ist alles eins.

Die Weisen und Narren Thu ich ins Grab verscharren.
Num.

Interfecit flam̅a ignis. Dan. 3. v. 22. Dieses wilde Elementhat schon Manch’ng’macht ein End.

139 Num. 32. Interfecit flamma ignis. Dan. 3. v. 22. Dieses wilde ElementHat schon manchen g’machtdas End.

WJrWIr haben in gantzer H. Schrifft nicht mehr als ein Exempel / daß ein Mensch Mitten unter dem Feuer lebendig gen Himmel gefahren / als des feurigen Propheten Eliä / von welchem der Ecclesiastes rühmte. Elias der Prophet stund auf / wie ein Feuer / und sein Wort brande wie eine Fackel / er hat dreymal Feuer vom Himmel herab geworffen. Er ist im Würbel des Feuers aufgenommen worden / auf einem Wagen mit feurigen Rosen. Eccles. 48. und ist also im Wetter auf einer feurigen Post gen Himmel gefahren / wie solche Geschicht im 4. Buch der Könige am 2. v. 11. zu lesen. Das war ein groß Wunder / daß das Feuer diesen Propheten nicht sollte jämmerlichen verbrand haben. Allein wenn GOttes All=140 Allmacht befiehlet / so darff auch das Feuer nicht brennen noch anzünden / wie wir ebenfalls ein klares helles Exempel an denen 3. Männern im Feuer-Ofen haben / welche nicht nur allein das Feuer / aus GOttes Direction, nicht anzünden noch brennen / sondern man hat auch an ihren Kleidern nicht einmal einen Brand riechen können / auch ihre Haubt=Haare / noch weniger ihre Mäntel sind im geringsten nicht versehret worden. Dan. 3. 27.

So ists gut in dem Fegefeuer oder gar in der Hölle zu seyn / wenn das Feuer einen nicht heiß machen würde / dürffte mancher Spott=Vogel sagen; allein wisse du / daß erstlich GOtt deinetwegen nichts besonders machen werde / und daß auch durch GOttes Verfügung / ein klein Feuerlein / grössere Qual verursachen könne / als der brennende Ætna, Vesuvius, Hecla und dergleichen Vulcani selbst: Und diß in deinem unbußfertigen Hertzen und bösen Gewissen / da öffters ein Compendium zu finden / endlich die vollen höllischen Flammen zum Augen / Ohren / Nasen und Maul / das ist / zu allen Fenstern heraus schlägt.

Es fehlt auch der Allmacht GOttes nit das 141das leibliche Feuer so zu verstärcken / daß man es nicht löschen kan / wie dergleichen Feuers=Brünste observirt worden / da man das Feuer mit keinem Wasser löschen können / welches so lang wie ein Krebs heimlich und öffentlich um sich gefressen / biß man demselben alle umstehende Gebäude aus den Zähnen gerissen / oder zum wenigsten vor dem Maul weg geraumet. Kan leibl. und natürlicher Weise das Sonnen=Feuer / durch ein grosses Brenn=Glas / einen so unglaublichen Gewalt üben / daß auf einem kleinen runden Platz / kaum eines Guldiner groß / Gold und Silber / Eisen und Kupffer / Stein und Talck kan zerschmoltzen werden / wie viel mehr kan ein Füncklein des Zorn=Feuers GOttes / welches biß in die unterste Hölle hinab brennt / in Leib und Seelen würcke̅ / daß manche lebendige Höllenbränd schon in diesem Leben klagen müssen: Wir leyden Pein in dieser Flammen. Gedencke an die aufrührische Rotte / Core, Dothan und Abiram, Sodom und Gomorra. Gedencke an das Feuer in Podagra, hitzigen Fiebern / Pest=Bäulen und dergleichen. Auch

Dieses wilde Elemet Hat schon manchen g’macht ein End.
Num. 142
Num. 33. Occisi sunt terræ motu. Apoc. 6. v. 12. Ob ich schon eine Mutter bin /Doch mein Bewegen nimmtviel hin.

NEapol und Sicilien / Rom und gantz Welschland / auch viel Länder in der N. Welt haben schon viel Jahr her erfahren / was es für ein Jammer sey / wenn die liebe Mutter aller Menschen / die Erde / den Schüttler oder das kalte Fieber bekommt / wie des Apostel Petri Frau Mutter / oder sonst vor dem Zorn des Allmächtigen Schöpffers so erschrickt / daß sie wie ein Espen=Laub zittert und bebet.

Wenn unser Heyland die erschröckliche Zeichen / so vor dem Jüngsten Tag hergehen sollen / verkündiget / so sagt er: Es werden Erdbeben seyn hin und wieder. Matth. 24. Es hat aber diß Ubel sich schon von undencklichen Jahren her öffters ereignet / ob gleich der Jüngste Tag noch nicht ein=

Occisa sunt terræ motu. Apoc. 6. v. 12. Ob ich schon eine Mutter bin,doch mein Bewegen nimtviel hin.

143eingebrochen / daß man klagen müssen: Parturiunt Montes, und die Leute besorget / es dörfften die Berge über sie fallen und die Hügel sie bedecken. Zumalen öffters gantze Dörffer / ja gantze Städte / die grösten Palläste / an geistlichen und weltlichen Gebäuen / in gar kurtzer Zeit / kaum daß man ein Ave Maria oder Vatter Unser betten können / über den Hauffen geworffen worden / wie der Kinder Lust=Häuser / so sie von Karten=Blättern auf den Tisch bauen / und wenn sie ein wenig daran stossen / alle bey Hauffen da liegen. Der Welt=berühmte P. Kircher kan einem ein Lied davon singen / und hat in der Vorrede seines schönen Buchs Mundus subterranius genannt / weitläufftig erzehlet / wie er mit seinen Augen / da er zu Schiff war / von ferne eine gantze Stadt / durch Erdbeben versincken gesehen. Da er auch die Ursachen solcher Erdfäll / Erbeben und wunderliche Einfälle der alten Mutter der Erden / weitläufftig anführet. Was für einen grausamen Schrecken solche Erbeben bey denen Menschen / bey gantzen Städten und Königreichen erwecken können / und allbereit erwecket habe / können die alten und neuen Geschicht=Schrei=144 Schreiber nicht genugsam ausdrücken. Moses selbsten erzehlet / was das Volck Jsrael für Angst und Schrecken ausgestanden / da der gantze Berg Sinai sehr gebebet / Exod. 19. v. 18. Ps. 28. v. 9. So sind / nach der Ausrechnung Eusebii, im Jahr Christi 33. so starcke Erdbeben gewesen / biß gen Bythinien hin / davon viel Städt eingefallen.

Zu Zeiten des Kaysers Tiberii sind / nach Aussag Plinii, allein in Asia 12. Städte durchs Erdbeben ruinirt worden / nach Nicephori Rechnung sind deren 14. gewesen / wobey besagter Tyrann die Schuld solches Unfalls auf die Christen geschoben / und eine grosse Verfolgung wider dieselbigen ergehen lassen.

Es hat aber der Allweise / Allmächtige GOtt / auch aus diesem Unheil das Beste heraus zu ziehen gewust / indem er denen Christen zu Antiochia so viel Gnade und Barmhertzigkeit erwiesen / daß wenn sie die Häuser / so von dem Erdbeben beweget wurden / angesprochen: Christus nobiscum state. Christus ist bey uns / stehet stille! dieselben auch stehend und unversehrt geblieben. Da hergegen andere Wohnungen bald da / bald dorten Schaden gelitten / und viele Menschen dabey um das Leben gekommen. 145men. O wie viel 1000. hat der Tod durch Erdbeben weggerafft! Zu Zeiten Herodis Ascalonitæ sind in einen einige̅ über 30000. Menschen umkommen / wie Orosius meldet. Plato und Marcellinus erzehlen / daß eine gantze Jnsul / so grösser als Africa und Asia gewesen / derer Könige vor Zeiten gantz Egypten und Lydien unter ihr Joch gebracht / in einem Erdbeben samt allen ihren tapffern Jnwohnern / gäntzlich versuncken und nicht mehr zu finden sey. So ist also ein Mensch fast eben so wenig auf dem festen Lande / als auf dem Meere seines Lebens versichert; Ach freylich nicht wegen des Erdbebens des Macrocosmi, sondern auch wegen des Erdbeben des Microcosmi, der kleinern Welt / nemlich des Menschlichen Leibes. O welches Zittern und Schüttern erfährt mancher Mensch an seinem Leib und allen Gliedern desselben! so wohl wenn die Seelen= und Sünden=Angst wie ein unversehens Erdbeben / einen überfällt; oder wenn Unglück / Kriegs=Gefahr / Hertzenleyd / schnelle Todes=Fälle der lieben Unserigen / sich ereignen / oder wenn eine gefährliche Kranckheit sich einfindet / daß einem die Haut für den Tod schauert / die Knie schlottern / die Lenden schüttern und die KBeine146 Beine zittern / wie dergleichen Erdbeben an seinem eigenen Leib der stoltze König Balthasar erfahren müssen / wie Daniel 5. 6. bezeugt / und die tägliche Erfahrung so wohl an Krancken als Sterbenden selbst redet / da manche mit David auf der Zittern schlagen und klagen: Mein Hertz ist erschrocken in mir / die Furcht des Todes hat mich überfallen / Grausen und Zittern ist über mich kommen. Ps. 54. v. 5. 6. O wohl dem / der vorhero sich schon befliessen / dem Befehl des H. Apostels Pauli Phil. 2. v. 12. wohl nachzukommen: Würcket eure Seeligkeit mit Furcht und Zittern! denn auch dem festen Land und der besten Gesundheit ist nicht wohl zu trauen / derowegen man sich allezeit bereyt halten soll / daß man von dem Tod / auch durch ein Erdbeben nicht unversehens übereilet werde; Denn der Erde und allen irrdischen Dingen ist einmal so wenig zu trauen als dem falschen Meer. Sondern sie muß selber in dergleichen Casibus bekennen:

Ob ich schon ein Mutter bin / Doch mein Bewegen nimmt viel hin.
Num.

Versa est in Iuctumluctum Cithara mea. Job. 30. v. 31. Music und Saiten=Spiel,gelten bey mir nit viel.

147 Num. 34. Versa est in luctum Cithara mea. Job. 30. v. 31. Music und Saiten=Spiel /Gelten bey mir nicht viel.

DEr den Menschen die Ohren / Kehle und Finger gemacht / hat auch die Music erfunde̅. Pythagoras, Orpheus und Lynus sollen / der Heydnischen Erzehlung und alten falsch gestimmten Leyren nach / die ersten Erfinder der Music gewesen seyn / allein die H. Schrifft lehrt uns ein anders / daß nemlich von Jubal / Lamechs Sohn / die ersten Geiger und Pfeiffer herkommen. Gen. 4. v. 21. Daher vielleicht Jubilum und Jubilare bey denen Lateinischen Spiel=Leuten entsprungen. Als das Volck Jsrael aus der Egyptischen Dienstbarkeit erlöset worden / sang nicht allein Mose / mit Einstimmung des gantzen JsraeK 2litischen148 litischen Volcks / GOTT dem HErrn ein schönes Danck= und Lob=Lied / sondern Mirjam Mosis Schwester / samt ihren Gespielen / musicirten mit Paucken / und undund diese Prophetin sang darein. Exod. 15. Der künstliche Harpffenist David und sein Capell=Meister Assaph waren so glücklich / daß sie GOTT im Himmel und seine Kirche auf Erden mit lieblichen Meister=Stucken erfreuen und den Teuffel verjagen können. So haben auch die grossen Könige in Jsrael / Salomo / Ezechias / Josaphat und Josias die Music sehr geliebet und GOTT in dem Tempel zu Jerusalem mit allerley Saiten=Spielen und andern Jnstrumenten gelobet und gedancket / wie solche Lieder / als die Psalmen David solches selbst an den Tag legen / daß man GOTT mit neuen Liedern / mit Paucken / lieblichen Harpffen / Psalten und Posaunen / ja wie im 2. Buch der Könige 6. v. 5. mit Schellen und Zimbeln / und allerley Saiten=Spielen gelobet haben / deßwegen im allerletzten Psalm zu solcher Music jederman ja alles was Odem hat / aufgemuntert wird: Lobet GOTT mit dem Schall der Posaune / lobet ihn mit Trummeln und Rey= 149Reyhen / mit Saiten=Spiel und Pfeiffen / lobt ihn mit wohl=lautenden Freuden=Cymbeln.

Aus der Kirchen ist ferner die Music in die Privat=Häuser gezogen worden / da mancher Liebhaber der Music sich und andere mit seiner lieblichen Laute oder Harffe / viola di Gamba, Spinet oder Orgelwerck / Violin oder Flöthen / und dergleichen sich so ergötzt / u. in die Music verliebt / daß er sich selbst vergist / wie jener / der über seine Viola di Gamba geschrieben: Tu mea sera & sola voluptas du bist mein letztes und einiges Vergnügen / oder Musica noster Amor. Warum? Musica difficiles abigit de pectore curas. Denn auch der alte Tättel Socrates, sich nicht geschämet mit seinem Mondschein auf dem Haubt / mitten unter die Schüler sich zu stellen / und erst in seinem hohen Alter die Music / und zwar Geigen oder Leyern zu lernen / weil er dafür gehalten / daß solches Wissen in gemeinem Leben nützlich und nöthig sey: Welches auch die Erfahrung bezeuget / zumalen man manche Grillen / ja den Teuffel selbst damit öffters vertreiben kan.

Es giebt auch die Natur Anlaß / die MuK 3sie150 sic unter diejenigen Dinge zu rechnen / welche den Menschen nützlich und nöthig sind: Denn wenn ein Mensch kaum etliche Tage auf diese Welt gebohren worden / oder auch hernachmals / in seiner schwachen Kindheit / vor Schmertzen nicht schlaffen kan / wenn aber die Amme oder Kinds=Kapell=Meisterin ein und anders Wiegen=Liedlein vorsinget / O wie süsse schlummern / sausseln und schlaffen sie ein! wenn sie vor der Zeit aufwachen und unruhig werden wollen / kan ein einig liebliches Josephs=Liedlein die Augen wieder wundersam zuschliessen. Nicht allein den neugebohrnen Kindern ist solche Schlaff=Music nützlich und nöthig / sondern es erquicken sich viele galante vornehme erwachsene Personen daran / wenn sie mit einer lieblichen Nacht=Music beehret / aufgewecket und gleichsam wieder eingeschläffert werden.

Am wundersamsten sollte einem fürkommen / wenn er in 4. Reg. 3. v. 15. lieset / daß / wann der Prophet Elisa weissagen sollen / er einen Spielmann begehrt / damit sein Gemüth desto besser ermuntert worden.

Ob aber ein Sterbender Freude und Ver= 151Vergnügung an der Music finden könne / sollte einer wohl zweiffeln / wenn nicht ein bekandtes Exempel solches etlicher massen erwiesen / indem wir lesen / daß nicht nur Ludovicus Cortes ein Jurist zu Padua Vermög seines Testaments / mit lauter lustigen Music und Saiten=Spielen sich auf seinem Tod=Bette / sondern auch daß ein anderer vornehmer Herr sich die fürtrefflichste Music bestellet / unter welcher er gantz vergnügt eingeschlaffen / und diß Zeitliche samt der Music geseegnet.

Wann dieser gemeynt / den Tod noch eine Weile zu avertiren und divertiren / und also sein Leben zu fristen / hat er sich sehr betrogen / denn der Tod schneidet Saiten und Freuden in einem Augenblick ab / machet eine Pausam generalem und bekennet selber:

Music und Saiten=Spiel Gelten bey mir nicht viel.
K 4 Num. 152
Num. 35. Medice, cura te ipsum. Luc. 4. v. 23. Des Artzten sein KunstFindt bey mir kein Gunst.

WElche denen feindlichen Aprochen und Sappen des Todes am meinsten contraminiren / sind die Medici, die Herren Doctores der Artzney. Sowohl die Galenici als Hippocratici, und was sonsten von diesen Ertz=Vättern abstam̅et / von alten und neuen Schismaticis, darunter die Paracelsisten und Helmontianer mit ihren vermeynten Gold=Pulvern und Gold=Tincturen / guldenen Panaceen und Universal-Artzneyen / item mit ihrem verlohrnen oder nie erfundenen Lapide Philosophorum sich aller Orten sehen und hören lassen / mit der allerzierlichsten Praler= und Lügner=Rhetoric ausgeschmückt und ausgespickt / daß man sie wohl für delicate zugerichtete Haasen mögte passiren lassen. Derer Anzahl heutiges Tags / bey der nach dem Auro potabili so durstigen Welt / so angewachsen / daß man in grösten Städten kaum so viel scheck=

Medice Cura te ipsum. Luc. 4. v. 23. Des Artzten sein Kunst,find bey mir kein Gunst.

153scheckigte Hund finden kan / als solche Medicastros und Affter=Doctores in einem Städtlein / zumalen sie auch das Privilegium der Herren Medicorum, impunè occidendi, mit zu geniesen haben. Es will jetzt ein jeder Narr ein Doctor seyn / da sie wahrhafftig Doch=Toren sind. Die um ein schlechtes Geld manche albere / leichtglaubige Leute von hohen und niedern Stands zu Narren zu machen und zu persuadiren wissen / sie könnten mit ihren NB. Arcanis den Tod auf viel Meil Weeg von ihren Höfen und Pallästen verbannen / daß er in einem halben Seculo sich dort herum nicht dörffte blicken noch spühren lassen / als wie einer der Vogel=frey gemacht worden.

Mit was für sesqui pedalibus verbis sie ihre Schmiererey und Antidota Mortis, Alexipharmaca wider alle Pestilentzialische / ansteckende / hitzige Fleck= und Haupt=Fieber / und Summa Summarum alle Kranckheiten / sie mögen Namen haben wie sie wollen / sie mögen sich von Neapoli oder Franckreich / Ungarn oder Polen herschreiben / herausstreichen / ist billig zu verwundern. Der prangt mit einem herrlichen Specifico wider die Gelbsucht / und K 5hat154 hat er sie selber am Hals: Ein andere stoltziert mit seinem Antipodagrico, Antihectico, Antinephritico &c. &c. und ist er schon davon fast erkrummet / erlahmet und verhutzelt / wie ein verwelckter Pfifferling. Dieser prahlt mit einem Elixier vitæ und Tinctura Carminativa wider die Ructus Stomachi und Flatus intestinorum, und kroltzt ihm der Bauch. Er kan besser als Demosthenes und Cicero, ore clauso, reden / daß man ihn einen Büchsen=Schuß weit vernemlich hören kan. Ein anderer pflegt / deme der Tod selbst schon aus den Augen heraus lacht / seine Antimonialischen / Solarischen / Lunarischen / Martialischen / Tatarrischen Saltz und Magisteriis und himmlischen Theriacks-Pillen fast Göttliche Natur zuzuschreiben / daß es kein Wunder / wenn manche grosse Herren / die sich von der Immortalität träumen lassen / einen oder zween Gran von solchem Remedio mortis für ein grosses Geld bezahlen und sich aber öffters den Tod / den sie sonsten viel wohlfeyler bekommen können / allzutheuer an sich gekaufft. Denn ach wie bey vielen hat eine Panacea oder Mercurius vitæ den Tod befördert! das aqua vitæ mirabilis 155bilis ist manchen schon ein Aqua mortis lamentabilis worden / auch dem / der sie gemacht und verschrieben / und zwar nit eben nur aus Verordnung eines Pseudochymici oder Circumforanei, eines Marckschreyers / Theriacalisten / Methridatisten Orphianisten und Oculisten / Stein= und Bruch=Schneiders / der die Sehenden blind und die Krancken todt machen kan / sondern auch / von manchen Hochgelehrten / Hochberühmten / Hocherfahrnen / Hochansehnlichem vieler grosser Herren und Fürsten hochbeliebten und principe Medicorum.

Denn auch grosse Medici, denen der Hippocrates und Galenus Paracelsus und der Apollo selbsten an allen Orten zu Sack und Taschen hervor guckt / haben unzehlig vielmal den Fleck neben das Loch gesetzt / und mortem pro vita procurirt / die doch sich eingebildet / sie könnten den Tod ins Narren=Häussel sperren / wenn sie nur wollten / ja sie hätten ihn wie ein Gespenst gefangen / und vor aller Welt öffentlich Schau getragen. Allein wenn ihre Excellenz bißweilen kommt / den Patienten zu besuchen / so laufft man ihm entgegen / er soll sich nicht bemühen / der Patient habe auf die gestri=156 gestrigen Stärck=Pillen und empfangenen Clystier, Purgier und Aderlässe / Vomitiv und Schwitz=Pulver diß Zeitliche schon mit dem Ewigen verwechselt. Holla! folget die Antwort: Wie kommt das? Jst das möglich? Es muß nur ein Schlagfluß per accidenz dazu kommen seyn / denn meine Medicamenta sind præsentissima, probatissima, infallibilia. Effectus testatur de causa. Bald hat sich der Patient nicht medicè genug verhalten / bald ist der Monds=Bruch daran schuldig / bald müste in der Apothecken ein Fehler vorgangen seyn / oder er müste sich verschrieben und vor zwey Gran von Tartaro Emetico, zwey Drachmas oder gar Untzen gesetzet und ein X. für ein V. gemacht haben. Wiewohl die Haubt=Excüse alsobalden angeführet wird: Non est in Medico semper relevetur ut æger, interdum docta plus valet arte malum. So eine gefährliche und ungewiesse Sache um die Medicin, so liederlich und verwegen gehen manche damit um / lebt also ein Medicus in einem gefährlichen Stand / und ist doch ein malum necessarium in hac mortalitate. Wohl dem / der dessen entbehren kan! die guten Bissel aus der Todten=Kuchen sind jeder= 157jederman wohl zu vergönnen. Doch haben auch solche Leute schwehre Verantwortungen auf ihnen / wann sie eines einigen Menschen Leben verwahrlosen / noch viel schwehrer / wenn sie so viele dem Tod in die Hände lieffern und den Kirchhoff füllen. Sie mögen nicht vergessen / was in der Epistel an die Hebr. 9. v. 27. auch ihnen zur Nachricht aufgezeichnet worden: Den Menschen ist gesetzt einmal zu sterben / darnach aber das Gericht.

Denn es kommt die Zeit so wohl alten Practicis, als jungen Doctoribus, die kaum angefangen / wider den Tod zu agiren / und ihn mit ihren Pilulis, Wind=Kugeln und Stinck=Töpffen zu bombardiren / daß der Tod sie ausspöttelt und ausbeutelt: Medice, cura teipsumte ipsum.

Des Artzten seine Kunst Findt bey mir keine Gunst.
Num. 158
Num. 36. Dives cum dormierit. Job. 27. v. 19. Geld und GutNichts helffen thut.

ES hat schon mancher sein Leben mit Geld errettet / nicht nur im Krieg / sondern auch sonst auf der Reiß / ja wohl zu Haus. Jn mancherley Leibes und Lebens=Gefahren haben öffters die Schimmel und Fuchsen das beste gethan / und manchen dem Unglück glücklich entzoge̅ / der sonst als wie ein schwehrer Karrn im Morast hätte müssen stecken bleiben. Mancher hat mit seinem weissen und rothen Vigerner / seine Kercker=Meister samt der Wacht / so ihn auf dem Tod sollten gefangen halten / so geschmiert / berauscht und geschwärtzt / daß er samt seinem Kopff / der schon gewackelt hatte / davon lauffen können. Das mag wohl seyn / und lehrt es zwar auch die tägliche Erfahrung / daß man mit Geld sein Leben in mancherley Fällen retten und erhalten können. Das geschicht aber nur zwischen Menschen / die sich gerne mit solchem

Dives cum dormierit. Job. 27. v. 19. Geld und Gut,nichts helffen thut.

159chem Balsam schmiren lassen / aber zwischen GOtt und Menschen / und zwischen Tod und Menschen gehet diese Schmierung nicht an / GOtt und der Tod hält Gold und Geld für Koth. Was kan ein Mensch geben / daß er sein Leben wieder von GOtt erkauffen möchte / wenn er dasselbe einmal verlohren / oder nicht gerne verliehren wolte? Es gehet solchen Gold=Käfern / die zum Gold=Klumpen sagen: du bist mein Trost / recht wie den albern Kindern / die sich Geld von Karten=Blättern machen / und meynen sie seye̅ reiche Leute / wenn sie aber im Kram Zucker dafür kauffen wollen / sich auslachen lassen und hören müssen / daß ihr Geld nicht gültig sey.

So machts auch der Tod / wann ihm ein reicher Gold=Wurm und Thaler=Würbel / der gantze Schiffe / so mit Geld und Gold beladen / an sich gezogen / alle seine Louy d’or, alle Duplonen / Pistoletten / Kronen / Ducaten und Reichsthaler / und zugleich all sein Gold und Silber=Geschmeid Perlen und Edelgestein / seine gantze Schaz=Kammer / ja sein gantzes Königreich anbötte / wie der Teuffel dem HErrn CHristo auf einem sehr hohen Berg / alle Reiche der Welt160 Welt und ihre Herrlichkeit offerirt / daß ihm der Tod nur noch einige Tage sein Leben schencken wollte / so würde er ihn nur auslachen und sagen: Du Narr! meinestu / daß man allenthalben so viel von Geld hält / als bey euch thörichten Menschen? Jch achte des Drecks nicht / auf! fort! packe dich mit deinem gläntzenden Misthauffen. Fort mit dir / du must sterben und nicht lebendig bleiben.

Und wenn auch mancher / den Tod zu trotzen und ihm zu entwischen / die berühmtesten Doctores und Todten=Feinde auf der Welt von allen Orten und Enden der Welt herbeschreiben / und durch seinen güldenen Magnet an sich ziehen ließ / mit den allerreichesten Verheissungen und Belohnungen / über das auch gantze Fuder Perlen=Milch und Aurum potabile ausschöpffe / gantze Kübel voll Lebens=Balsam verschmierte / so wird er doch endlich mit seinem Schaden erfahren / und mit seinem Tod bezeugen und klagen:

Geld und Gut / Nichts helffen thut.
Num.

Quasi aquæ dilabimur in terram. 2. Reg. 14. v. 14. Wie das Wasser sinkt in die Erden,so wirds mit uns nit anders werden.

161 Num. 37. Quasi Aquæ dilabimur in terram. 2. Reg. 14. v. 14. Wie das Wasser sinckt in dieErden /So wirds mit uns nicht anders werden.

OB gleich offt starck und lang regnet und ein Kittel=Wascher nach dem andern kommt / daß man fast besorgen sollte / wenn GOtt dem Noah / und dem Menschlichen Geschlecht / nicht ein anders versprochen und gesagt hätte: Meinen Bund will ich mit euch aufrichten / und soll hinführo mit nichten alles Fleisch durchs Wasser der Sündfluth getödtet werden / auch soll hinführo keine Sündfluth mehr kommen und die Erden verwüsten / Gen. 9. v. 11. es dörffte noch eine Sündfluth kommen / so verschlaufft / verlaufft un̅ verkriecht sich doch offt in wenig Stunden all solches Regen=Wasser / als wie die Regen=WürLmer162 mer in die Erden / daß man nicht glauben sollte / wie doch solche Menge Wasser so geschwind sich unsichtbar gemacht habe: Also werden offtmals in kurtzer Zeit gantze Länder von der Pestilentz / gantze Armeen, die / wie die Sündflut / die gantze Welt überschwemmt / von der Erden verschluckt und wie Wasser eingesoffen / daß man bald nichts als Staub und Aschen daselbst finden kan. Es mag leicht ein dürrer Ost=Wind darüber streichen / so wird die durstige Mutter der Erden alles Blut und Leben so vieler tausend Menschen an sich ziehen / wie ein dürr Fuder Heu ein Schaff voll warm Wasser. Ne gutta supersit.

Wie viel tausend Jsraelitten sind in der Wüsten / auf der Reise nach dem gelobten Land / wie Wasser versiegt? Jn einer Nacht schlug der Engel des Herrn im Lager von Assyrien 185000. 4. Reg. 19 / 35. Wo ist das grosse Heer deß Königs Darii / die mit ihren Cameelen und Pferden fast gantze Ströme ausgetruncken? sie sind wie Wasser in die Erde verschlupfft. O wie viel 100000. haben doch nur in etlichen Jahren her von Krieg / u. Pestilentz / und 100. andern Krankheiten und Zufällen getödtet in die Erden sich 163sich verkrochen! weil die Menschen die Sünde / wie Wasser in sich sauffen. Hiob. 15. v. 16. so werden sie auch von der Erden hinwiederum wie Wasser eingeschluckt / und muß ein jeder mit David aus dem 21. Ps. endlich klagen: Jch bin ausgeschüttet wie Wasser. Wie bald wird mich die Erde gar verschlinge̅? Sehr nachdenklich schreibt der weise Salomon in seinen Sprüchen am 30. Cap. v. 16. Die Erde wird nicht Wassers satt / so wenig das Feuer spricht / es ist genug. So wird auch die Erde nicht Menschen satt. Derowegen / O Mensch! schike dich bey Zeit recht dazu / die Erde hat vielleicht schon ihr Maul und Rachen weit gegen dich aufgethan / dich zu verschlingen / wie dorten der grosse Fisch den jungen Tobiam verschlungen wollte / welcher mit lauter Stimm geschrien: O Herr er will mich fresse̅! Schreyen hilfft zwar hier nicht / aber wohl bereuen und seine Nichtigkeit demütig erkennen.

Wie das Wasser sinckt in die Erden / So wirds mit uns nicht anders werden.
L 2 Num. 164
Num. 38. Defeceruntsicutfumusdiesmei.Ps. 10. v. 4. Mein Leben bestehet /Wie der Rauch vergehet.

UNter andern eiteln nichtig=flüchtig=eiteln u. vergänglichen Dingen / womit das Menschliche Leben gar wohl und schicklich kan verglichen werden / ist auch Rauch und Dampf / welcher geschwind entstehet / und zwar bald eine grosse Figur macht / sich weit und breit ausdehnet / aber auch wieder nach un̅ nach zertheilet und verjaget wird. So ist auch warhafftig unser Leben beschaffen / es bestehet u. vergehet bald. Wie ein Rauch einen lieblichen Geruch von sich giebt / als der andere / nachdem die Materien beschaffen / so auf die Kohlen geworffen werden / zum Exempel wenn man Teuffels=Dreck / asam fœtidam, Filtz / Bocks=Horn und Klauen / alte Beltze und Lumpen rc. auf

Defecerunt sicut fumus dies mei. Ps. 10. v. 4. Mein Leben bestehet,wie der Rauch vergehet.

165auf eine mit glüenden Kohlen gefüllte Kohl=Pfannen legt / so wird die Nase wenig dadurch soulagirt werden / wenn sie klaget: Es stinkt! Hergegen / wenn man Weyrauch / Zimmet / Galban / Nägelein / Agtstein Storax und dergleichen dem Rauch=Gefäß einverleibet / so wird man den lieblichen Geruch nicht genugsam rühmen und preisen können.

So ists auch mit deß Menschen Leben beschaffen / der sich mit Teuffels=Wercken / und allerley Schanden und Sünden / wider sein Gewissen / beflecket / dessen Leben und Lob stinckt / und solches Gestänck währet öffters biß in den Tod / und nach dem Tod: Hergegen giebt auch eines Menschen Gottseliges Leben einen lieblichen Geruch / so im Leben / als nach dessen Absterben / von sich / so allezeit länger dauret / als solches tugendhafften Menschen Leben selber.

Hierzu kommet noch dieses / daß ein gifftiger Dampf viele Menschen inficiren / ein klein Körnlein Weyhrauch aber viele erquicken kan. Also kan auch ein böses Leben eines eiteln hoffärtigen / geitzigen / wollüstigen / unzüchtigen Menschen viele ärgern / und hergegen ein gutes Leben eines L 3from=166 frommen Christen auch viele erbaue. Es gehet aber auf dieser Welt insgemein so zu / daß ein stinckender Bock un̅ Mast=Schwein für dem die H. Engel / und alle rechtschaffne Christen die Nasen zuhalten / sich einbildet / es sey alles Bisam / so von ihm ausdünstet / und hergegen wär ein anderer / alles mit Mistbalsam / der den lieblichsten Geruch eines GottseeligeuGottseeligen Lebens und Andächtigen Gebets täglich auf dem Altar seines glaubigen Hertzens GOtt opffert.

Solchen Leuten hat der Teuffel den Schnuppen gemacht / daß sie entweder nichts Gutes von ihren neben Christen riechen können / oder / wie die hystericæ den lieblichen Geruch nicht leyden wollen / sondern lieber alte angezündete Schuchfleck / und andere stinckende Species, damit man Menschen und Vieh mortificiren kan / für Ambra und Bisam achten. Solche Mist=Fincken mögen wol eines Schnupptobacks der selbst=Erkändtnis sich bedienen / damit der Unflath aus ihren Nasen und Gehirn gezogen werde. Sie mögen nur in ihren eigenen Busen / oder in ihr und anderer Sterblichen Todten=Särge und Gräber ihre verkehrten Nasen stecken / damit sie nicht 167nit / als Nasen=Weise / dermaleins zum ewigen Schwefel=Dampf verwiesen werden / da der Rauch ihrer Quaal wird aufsteigen in Ewigkeit / Offenb. Johannis Cap. 14. vers. 11.

Ach ihr Sterbliche! lasset uns bedencken / daß von Natur nichts guts in uns / nichts / als Stanck / unserer Sünden / in die Höhe steige / und daß all unser Leben eitel / nichtig / flüchtig / vergänglich und ein Dampf / und der Reinigung allezeit höchstbenöthiget seye / damit wir uns bey Zeit recht erkennen / und / an statt deß eiteln Dampfs unserer Eigenliebe / nach beständigen / und sonderlich nach solchen Dingen trachten / die uns einen Geruch des Lebens zum Leben / und nicht einen Geruch des Todes zum Tode geben / 2. Cor. 2. v. 16. Denn es wird doch einmahl mit einem jeden heissen: Defecerunt sicut fumus dies mei:

Mein Leben bestehet Wie ein Rauch vergehet.
L 4 Num. 168
Num. 39. Æstimaverunt lusum esse vitam nostram. Sap. 15. v. 12. Das Leben ist ein Spiel /Mit mir g’winnt keiner viel.

DJeDIe eigennützige / gewinnsichtige gewissenlose / GOtt und Ehr=vergessene Spieler und Doppler / Leut=Beschneutzer und Beutel=Credenzer, und dergleichen spitzfündige tausend Künstler / die dafür halten unser Leben sey nur eine Kurtzweil / und der Wandel des Menschen sey allein auf zeitlichen Gewinn gerichtet / den man überall her / auch aus bösen Dingen / ziehen müsse / kommen auch auf das Theatrum / in dieser Todten=Capell / aber so lustig und listig sie sonsten drein sehen / so betrübt sieht dieser aus. Wenn er auch sonst so viel verspielt hätte / glaub ich nicht / daß er sich gar die Haar würde ausgerissen haben / allein jetzt ist er gantz ausser Sin=

Æstimaverunt lusum esse vitam nostram. Sap. 15. v. 12. Das Leben ist ein Spiel,mit mir g’wint keiner viel.

169Sinnen. Warum? Er ist über den Unrechten kommen: Denn der Tod versteht das Elphenbein und Ochsenbein so gut / als die Menschen=Bein. Es kan niemand so gut knüpffen als er. Mit wem er anfäht zu spielen / der verspielt / wenn er sein lebtag nicht ein Spiel verspielt hätte. Die Ursach solcher Verzweifflung ist / weil er Zeit Lebens an nichts wenigers / als an den Tod und sein Sterben gedacht und nun aber allzufrüh erfahren muß / daß er Labet, seine zusammen gespielte gestohlene Ducaten und Thaler / samt seinem Leben und seiner Seelen Heyl und Seeligkeit verspielet / gemartscht und geschneidert worden. O wie viel sind also schachmatt worden / eh sie sichs versehen! Der berühmte Jesuita / Delrio erzehlet an einem Ort / daß er einen Edelmann / so in grossen Ehren war / gekannt / der sein lebenlang das Karten=Spiel geliebet / als er aber auf sein Tod=Bette kam / hat er begehrt / daß man Karten hergeben sollte / auf daß / ob er selbst nicht mehr spielen könnte / er doch andern Spielenden zusehen und sich daran belustigen möchte. Ob ihn dieses verfluchte Gebet=Buch in seiner letzten Stunde / L 5so170 so viel Trost ertheilen können / als er wohl wird vonnöthen gehabt haben / oder noch vonnöthen hat / mag er auf seine Gefahr / erfahren haben. Ach unglücklich gespielt / das Leben verspielt! wie betrüben sich manche Kriegs Gurgeln / wenn sie / ihrer Ubelthaten halber / auf der Trummel / wer unter ihnen soll gehangen werden / ums Leben spielen müssen! wie bald ist da das Leben verspielt! wenn aber an solchem Verlust auch der Verlust des ewigen Lebens hanget / O so ist der Verlust / Schimpff und Schande noch grösser und unersetzlicher.

Besser in Ewigkeit nicht spielen / als also spielen!

Das Menschliche Leben ist einem Spiel auf dem Bret=Spiel gleich / so man das Verkehren nennet. Gleichwie in diesem Spiel nicht allemal der Wurff geräth wie man will / die Kunst aber meinstens darinnen bestehet / daß man / was unglückliche Augen verwirren durch fürsichtiges Setzen und Versetzen wieder einbringen muß: Also geräths in unserm Leben auch nicht wohl / wie wir wünschen / der ist aber klug / der mit gebührender Aufsicht seinen Fehlern und Unfällen begegnet / und was zu ändern 171ändern ist / mit standhaffter Gedult erträget und überwindet / vornemlich aber auf das Ende des Spiels fleissig Achtung giebt / wohl wissende / wie das Spiel ein Ende nimmt / und die Bret=Stein wieder zusammen und unter einander geworffen werden / also müsse auch unser Leben ein Ende nehmen / und / wir haben gewonnen oder verspielt / endlich dem Tod Hosen und Wammes überlassen / und ihm gewonnen geben; deßwegen er auch rühmt:

Das Leben ist ein Spiel / Mit mir g’winnt keiner viel.
Num. 172
Num. 40. Cecidit flos. Es. 40. v. 7. Auch die schönesten NarcissenWerden von mir abgerissen.

DEr Heilige Apostel Jacobus verkündiget denen Reichen dieser Welt in seiner Epistel am 1. Capitel eine schlechte Zeitung / wenn er im 10. und 11. Versicul schreibt. Der Reiche wird wie ein Blum des Gras vergehen / denn die Sonn ist aufgegangen mit der Hitze / und das Gras verwelckt / und seine Blum ist abgefallen / und die Schönheit seiner Gestalt vergangen; Was hier von denen Reichen verkündiget wird / daßdas spricht der Prophet Esaias am 40. Capitel

Cecidit Flos. Esaiæ. 40. v. 7. Auch die schöneste Narcissenwerden von mir abgerissen.

173pitel von allen Menschen: Alles Fleisch ist Gras / und alle seine Herrlichkeit ist wie eine Blume auf dem Felde / das Gras ist verdorret / und die Blume ist abgefallen / denn der Geist des HERRN hat geblasen. Jn der Warheit / das Volck ist groß. Das Gras ist dürre worden / und die Blum ist abgefallen. Welches auch Sanct Peter in seiner 1. Epistel 1. Capitel v. 24. wiederholet. Job und David haben von dieser vergänglichen Blum ein schönes Liedlein gesungen: Der Mensch vom Weib gebohren / lebt kurtze Zeit / und wird mit vielen Elend erfüllet / er gehet auf wie eine Blume / und wird zertretten. Job 14. v. 1. 2. David schreibt im 102. Psalm v. 15. Des Menschen Tage sind wie Gras / er wird ausblühen / wie eine Blume auf dem Felde: Denn es wird ein Wind darüber wehen / so wird er nicht mehr bestehen / und er wird seinen Ort hinführo nicht mehr kennen.

Es ist zu verwundern / warum uns der Heilige GOtt so offt wissen lassen / daß alle Menschen den Blumen gleich sind / ehe welche / mans sich versiehet / verwelcken / und ihre174 ihre Zierd und Schönheit verliehren: Ohne Zweiffel / weil diß gleich uns so gar aptè, schicklich und eigentlich sich appliciren lässt. Denn was ist dem Menschen in allen Stücken ähnlicher / als eine Blume? und was ist einer Blume ähnlicher als ein Mensch?

Eine Blume geht erst nach und nach aus ihrer Zwiebel oder Wurtzel auf / wenn sie die Sonnen=Wärme empfindet / kommt sie hervor / und wächset gleichsam im Verborgenen / biß ihr Haubt / nach vielem ausgestandenem Ungemach vom Regen / Wind / Hitz und Frost hervor bricht / und ihre Schöne sich nach und nach zeiget. Ein Mensch wird in Mutter=Leib empfangen / und durch die natürliche Wärme belebet und geheget / und wächset so lang im Verborgenen / biß die Stund seiner Geburt herein bricht / und er sein Haubt empor heben / und des Tages Liecht / und freyer Lufft / geniesen kan. Darauf wächst er unter mancherley Anstoß / Unruh / Schmertzen und Kinder=Beschwehrnissen immer grösser / biß er eine vollkommene Gestalt bekommt / rothe Wangen und Lippen / Krafft 175Krafft und Stärck / Anmuthigkeit und Schönheit. Keine Blume kan offtmals so herrlich prangen / keine Rose so schön glühen / keine Tulipan die Augen so hoch ergötzen / als manche schöne holdseelige Menschen=Blum: Ein schöner Absolon / eine schöne Esther. Ein lustiger und anmuthiger Narcissus und Narcissa. Deren Engel=Angesichter auch die Mohren und Teuffel bewundern und beneyden / und Paris und Helena sich vor ihnen verkriechen müssen. Sie sehen öffters aus / als wenns erst neulich aus einem Ey ren geschählet worden: Der Mahler kan die Farben nicht hoch genug treiben / und die liebliche / holdseelige / anmuthige / und Engel=gleiche Minen nicht zierlich und ähnlich genug ausdrücken und ausschmücken. Ach aber hinfällige / vergängliche Waar! O eitler Blumen=Kram von aller Menschen Schönheit und Zierd! wie es den schönsten Blumen gehet / so gehets auch den Menschen=Kindern / Wann die Rose / die Tulipan / das tollgeschmückte Mahen=Haubt / die Narcissen und Tuberosen / und alle Reichthum und Zierd / und Flo=176 Floren=Kinder am schönsten und anmuthigsten prangen / und den herrlichsten Glantz u. lieblichsten Geruch trotz allen Apotheckern / von sich geben / so kommt der Gärtner und schneidets in einem Schnips ab / oder kommt ein rauer Nord= oder hitziger Sud=Wind / oder sonst ein Unfall von einem Ungewitter oder Ungeziefer / Vogel / Maus / Raupen und dergleichen / und legen die schöne Blume mit all ihrem Schmuck und Geruch in des Todes Staub. So gehts natürlich mit denen schönsten Menschen=Kindern sowohl / als mit den heßlichen Affen=Gesichtern auch. Eh sie sichs versehen / kommt eine Kranckheit und endlich ein Todten=Windlein / so liegt die Blum im Staub / und der Gärtner / der Tod / schneidet und reisst gantz unbarmhertzig den Lebens=Faden und die Sonnen=Blum ab. Cecidit flos, heisst es alsdenn: Ach meine schöne Liebste / ach meine schöne Tochter / meine schöne Schwester / mein schöner Bruder / Mann oder Freund / liegt in des Todes Staub. Die holdseligen Augen sind gebrochen / die Lippen und Wangen verblichen / der weisse Lilien=Leib erblasset und ver= 177verwelcket. O Schönheit / Eitelkeit! wer sich darinnen vergaffet / der ist dem gleich / der sich in eine schöne Blume verliebet. Wie bald aber verwelcken beede / und bleibet solchen Liebhabern nichts zuruck / als die Einbildung und Klag: Ach Schad / daß die so edle Blum so bald verwelcken müssen. Je mehr sie sich darüber betrüben / je weniger fragt der Tod darnach. Da macht sich der Blumen=Feind kein Gewissen drüber / und heist bey ihm offt / je schöner / je lieber / die heßlichen bleiben über / die schönen sterben.

Auch die schönesten Narcissen Werden von mir abgerissen.
M Num. 176 178
Num. 41. Oritur Sol & occidit. Eccl. 1. v. 5. Schöne steigt die Sonne hinauf /Endet aber bald den Lauff.

ES steigt und fällt alles in der Welt / und ist also nichtes beständiges unter der Sonnen. Sie gehet auf und gehet unter / und kehret wiederum zu ihrem Ort / daselbst kommt sie abermal hervor / und drehet sich durch den Mittag / und wendet sich gegen Mitternacht. Der Wind gehet rings herum / und durchwehet alles / und kommt wieder zu seinen Kreissen. Alle Ströme lauffen ins Meer und das Meer gehet nicht über / die Ströme kommen wiederum zu dem Ort / daraus sie hergegangen sind / damit sie aufs neue fliessen / wie der Ecclesiastes im 1. Cap. ferner philosophirt. Also gehet die Sonne deß menschlichen Lebens auf / und gehet wieder mit dem Tod unter. Manchmal geht sie frölich auf / aber traurig unter / manch=

Oritur Sol et occidit. Eccl. 1 v. 5. Schöne steigt die Sonn hinaufendet aber bald den Lauf.

179manchmal geht sie traurig auf / aber frölich unter. Welches ist nun besser? Wenn die Sonne in einer schönen lieblichen Abend=Röthe heiter und hell untergehet / so verkündiget sie einen schönen folgenden Tag; Wann sie aber in schwartzen stern Wolcken untergehet / besorgt man nicht unbillig / sie werde mit dergleichen Wolcken aufgehen und einen trüben Tag machen. Also / wenn ein Mensch im Glauben und Busse mit willig= und frölichem Hertzen seelig stirbt / so folgt der allerlieblichste Morgen des lieben Jüngsten Tags / daran der seelig verblichene Cörper mit der Seele vereinigt / wieder neu belebet / herrlich=verkläret / ja schöner als die lieblichste Morgen=Sonne / wieder aufferstehen / und zur ewigen Freud und Seeligkeit wird eingehen. Wann aber ein Mensch ohne Glauben und Buß unwillig und traurig stirbt / so folgt ein trüber / sterer / ja der allerunglücklichste Tag eines solchen Menschen drauf / daran sein verstorbener Leib zwar neu=belebt / und mit der Seelen vereiniget / aber in die äusserste Fünsternuß hinaus und ewig verdammt und gequälet werden muß. O unglückM 2seeli=180 seeliger Untergang / und noch unglückseeliger Aufgang.

Wie eine Braut / wenn sie Morgens aufwachet / und siehet den schönen heitern Tag / daran sie ihr Bräutigam heimführen wird / sich von gantzem Hertzen erfreuet / also werden sich die Frommen und Glaubigen / so seelig und frölich verschieden sind / einsten in der Aufferstehung unaussprechlich freuen / wenn sie den lieben Jüngsten Tag anbrechen / und sich herrlich verklärt / und von ihrem Seelen=Bräutigam JESU Christo / in seines Vatters Hause / da viel Wohnungen sind / sich werden heimführen sehen.

O Liecht / O Freud / O Wonne! jetzt gehet auf die Sonne / die nimmer untergehet und ewiglich bestehet.

Wie aber ein Maleficant, wenn er Morgens erwacht / und deß Sonnen=Liechts / und desjenigen Tages gewahr wird / daran er soll gerädert / oder sonst erbärmlich hingerichtet werden / von gantzem Hertzen zu erschrecken / ja zu zittern und zu zagen pfleget / also wird es auch einsten am Jüngsten Tag denen / so unbußfertig gestorben / ergehen / es wird ihnen ban= 181bange seyn / und werden zagen und verzagen / weil der Gerichts=Tag angebrochen / daran sie hören werden: Gehet hin von mir ihr Vermaledeyten / in das ewige Feuer / das dem Teuffel und seinen Engeln bereitet ist. Alsdann werden sie in die ewige Pein gehen. Matth. 25. v. 41. 46.

Wer also nicht ewig brennen und braten will / der bekehre sich noch heut / damit die Morgen=Sonne / die Barmhertzigkeit GOttes / wie bishero alle Morgen neu aufgegangen ist / und lasse die Sonne nicht untergehen über seinen und über GOttes Zorn: Denn

Schöne steigt die Sonn hinauf Endet aber bald den Lauff.
M 3 Num. 182
Num. 42. Messis quidem multa. Matth. 9. v. 37. Bauer gehe mit /Du ghörst in mein Schnitt.

DEr mühsame Bauers=Mann läßt sichs sein Lebenlang Blut=sauer werden / muß im Schweiß seines Angesichts sein schwartzes Brod mit Sorg und Kummer essen / und sich von manchem Blut=Egel Krafft und Safft / ja das helle Blut aussaugen lassen / und das Fest des Heil. Märterers Bartholomäi nicht nur deß Jahrs einmal / sondern öffters par sine begehen. Thuts sein Herr nicht / so thuts sein Schreiber / thuts der Vogt nicht / so thuts der Soldat / die ohnedem sich von Nimwegen schreiben / und des Dings gewohnt sind. Da heists öffters / Bauer Schelm / Geld her! Fleisch her! Fisch

Messis quidem multa. Matth. 9. v. 37. Bauer gehe mit,du g’hörst in mein Schnit.

183Fisch her! Bier her! Wein her! Brandewein her! Schuncken her! Gänß her! rc. Ob dieser noch so hefftig im Kopff kratzt / daß sein Ober=Parlament in Confusion geräth / so hilfft doch kein Zittern vor dem Frost. Was er manchmal so tief vergraben und vor den Räuberischen Fleder=Mäusen und Ziegeunerischen Mauß=Köpffen noch so heimlich verborgen und gleichsam in einen Wetz=Stein eingenehet / das muß jetzt hervor / ob der Rost Messer=Rucken dicks darüber stünde. Es sey denn / daß man ihm den Kopff und den Beutel gar zu sehr incommodirte / daß er Rebellisch werden / nebst seinen Nachbarn das Toden=Schwerdt / die Sense ergreiffen und dem Tod ins Amt greiffen müste / denn niemand kan mit diesem Gewehr / Trotz allen Fecht=Meistern / so tapffer herum springen / als der Bauer und der Tod. Der Tod mähet die Menschen um / wie der Bauer das Graß auf der Wiesen / und ob man den Menschen=Mörder nur allein mit der Sensen / und nicht zu gleich mit der Sichel und Graß=Stumpff zu mahlen pfleget / so verstehet er sich doch auf diese JnstrumenM 4ta184 ta ebenfalls sehr wohl / denn zur Zeit der Erndte / wann die Aehren das Haupt hangen / das Getraid zeitig ist / und die Felder beginnen grau und weiß zu werden / da kommt der Menschen=Schnitter / der Tod mit seiner Sichel / und schneidet mit dem Bauern in die Wette / und eh sichs derselbe versiehet / schneidet er demselben / da er noch die Sichel in Händen hat / Witz! dem Lebens=Faden / wie einen Stroh=Halm ab / und legt ihn / wie der Schnitter / eine Hand voll Korn nach der Länge zu seiner Arbeit hin / und heißt:

Bauer gehe mit! Du ghörst in mein Schnitt.
Num.

Enim vita vestra vapor ad modicum. Jacob. 4. v. 15. Du stolzirest aber doch umsunstdan̅ dein Leben ist nur Erden=Dunst.

185 Num. 43. Vita enim vestra vapor ad modicum. Jac. 4. v. 15. Du stoltzierest / aber doch umsunst /Dann dein Leben ist nur Erden=Dunst.

WJeWIe alle Creaturen Propheten und Prediger unserer Sterblichkeit abgeben: also können / vor und nach der Sonnen Auf= und Untergang / die Morgen= und Abend=Röthe / nemlich die aus der Erden und allen Wassern und Feuern aufsteigende Dienste und Dämpffe / ob sie noch so schön von den Sonnen=Strahlen illuminirt und gezieret sind / die menschliche Nichtigkeit und Flüchtigkeit vor die Augen und Nasen mahlen und stellen.

Wie solches der H. Apostel Jacobus M 5in186 in seiner Epistel am 4. Cap. und 15. Versicul gleichfalls zu erinnern nicht unterlassen / und geschrieben: das menschliche Leben sey nichts anders / als ein Dampff / der eine kleine Weile stehet / bald aber zergehet und verschwindet. Und gesetzt / es seyen solche Dünste / wie dicke Nebel / hohe Säulen und grosse breite Wolcken / noch so hoch / daß sie uns die Sonne verfinstern / und gleichsam aus Tag Nacht machen können / so müssen sie alle doch in weniger Zeit / als ein Thau / Regen / oder Schnee herab stürtzen / ob sie sich noch so lang der Sonnen widersetzet / ja mit Kollern und Pollern / Donnern und Krachen / Strahlen und Blitzen / Hageln und Schlagen / gleichsam Himmel und Erden bestürmen wollen. Sie werden wieder zu Wasser und Dampff / der sie zuvor gewesen.

Was können uns diese erst=beschriebene prahlende Regen= und Wetter=Wolcken deutlicher abbilden / als die grossen und mächtigen Tyrannen der Welt? welche / durch viel blutige Kriege und andere gewaltsame Unternehmungen und Grausamkeiten / zwar eine Zeitlang steigen und stür= 187stürmen / donnern und blitzen / morden und brennen / verfolgen und wüten / bald aber wie ein Ungewitter vorbey gehen / und zu nüchte werden: daß man noch sagen kan: Nubes erant. Es waren nur Wetter=Wolcken / die sich selbsten untereinander zerschlagen / zu nicht machen / und in Regen und Dampff herab fallen müssen.

Wie jener Kirchen=Lehrer seine verfolgten Schäflein getröstet: Nubecula est, citò transitura. Die Verfolgung sey nur ein kleines Wölcklein / so aber bald werde vorbey gehen.

Ferner können auch die stinckende gifftige Dünste und Dämpffe ein Vorbild geben der gen Himmel schreyenden Sünden der Menschen / welche sie und GOtt von einander scheiden / und sich zwischen beeden lagern / also / daß sie ihnen die Strahlen der Göttlichen Gnade nndund Seegens aufhalten / endlich aber mit lauter Donnern und Blitzen des Göttl. Zorns ihnen auf den Kopff herab kommen / daß sie in ihrer Boßheit / ehe sie sichs versehen / wie Sodom und Gomorra / entsetzlich gestrafft / und in solchem Wetter / nicht wie Enoch188 Enoch und Elias in den Himmel / sondern wie Core / Dathan und Abiram in den Höllen=Pfuhl hinunter fahren müssen. Wovon der Rauch ihrer Quaal aufsteigen wird in Ewigkeit / Apoc. 14. 11.

O hätten sie am Rauch und Dampff die Eitelkeit und Flüchtigkeit ihres Lebens bußfertig betrachtet / so würde sie der Rauch nicht ewig in die Augen und Gewissen beissen!

Aber wer achtet und betrachtet solches zu rechter Zeit?

Sollten denn nicht zum wenigsten diejenigen / so immer mit Dunst / Rauch und Dampff umgehen / sonderlich die perfumirten Tobacks=Schmaucher / so ihren Mund zum Ofen Loch / und ihr Hirn=Häusel zu einer Rauch=Kammer machen / solche meditationem mortis anstellen / da sie doch so schöne Observationes haben können? Zumalen wenn sie ihr kleines Feuerwerck anstecken / und so manchen schönen Himmelblauen / von kleinen und grossen ringlichtgedrehten und abgezirckelten Dampff=Raritäten in die Höhe blasen / und dem Vulcano ihr stinckendes Opffer bringen. Giebt ihnen doch alles / was sie bey solcher Schlot= 189Schlotfeger=Arbeit zu Hand / und in den Mund nehmen / zu solchen unnützlichen Gedancken überflüssige Anleitung. Sehen sie die Tobacks=Pfeiffen an; sie ist Erd und Dohn / und leichtlich zerbrochen. Was sind ihre Feuer=Wercke anders? Dohn und Koth / ein zerbrechlich und zergängliches Töpffer=Werck. Sehen sie den Toback selbsten an / er sey ein Jndianer / Engelländer / Holländer oder Teutscher / so sind es Blätter einer verwelcklichen Pflantzen. Was ist der Mensch anders / als ein Graß / das bald welck wird / und verdorret / ehender als die Tobacks=Blätter? Es ist bald eine Pfeiffe ausgeschmaucht; wie bald ist die Lebens=Krafft eines Menschen verraucht! Was wird endlich aus dem Toback? Staub und Aschen. Was aus dem Menschen? eben das / was lässet solch Feuer zuruck? Dampff und Stanck; was der Mensch? eben das. Was bilden sich dann die so elende stinckende Dämpffe und nichtige flüchtige Eitelkeiten / die immer höher steigen wollen / die Menschen / endlich noch ein? O gehet doch zum Dampff und Toback=Rauch in die Schul und lernet: Vita nostra vapor ad modicum.

Du stolzierest / aber doch umsunst Denn dein Leben ist nur Erden=Dunst.
Num. 190
Num. 44. Periit memoria eorum cum sonitu. Psal. 7. v. 9.9. v. 7. Das Leben währt nicht lang /Gleich wie der Glocken=Klang.

DAs andächtige Alterthum hat unter andern löbl. und zu mancherley erbaulicher Andacht anmahnenden Ceremonien auch das Todten=Geläut angestellt / daß man / nemlich wenn man eine Christliche Leiche zu Grab trägt / und als ein geistlich Waitzen=Körnlein / in den Heil. Gottes=Acker versencken will / die Todten=Glocke pfleget zu läuten / und diß nicht eben bloß dem seelig=Verstorbenen zu Ehren / wie in den See= und andern Nordischen Städten der Gebrauch / daß man nur zum Gepräng / das Glocken=Spiel dem Verstorbenen / oder vielmehr seinem Beutel zu Ehren gehen und zusammen spielen läßt / sondern vielmehr die lebendig Hinterbliebene zu erinnern / daß nun abermal einer aus ihrem Mittel den Weeg

Periit memoria eorum cum sonitu. Psal. 9. v. 7. Das Leben wehrt nit lang,gleichwie der Glocken klang.

191Weeg aller Welt / den sie alle gehen müssen / gegangen / und nun an dem sey / daß man dessen verblichenen Cörper jetzo der Erden einverleiben / und denen Motten und Würmern zu Preiß geben werde / sie dabey zu ermahnen / daß sie sich bey solchem Glocken=Klang ihrer Sterblichkeit erinnern / sich bußfertig zum Tod bereiten und gedencken sollen: Wer weiß / wie bald mir auch diese Glocke werde geläutet werden. Ja von diesem Schall sollen ihnen die Ohren immer klingen / und so offt sie eine Stunde schlagen hören / gedencken: Vielleicht ist diß die letzte Stunde meines Lebens. Vielleicht rufft mir diese Glocke zu: Kling klang / du lebst nicht lang. Heut heut ist aus dein Zeit. Wenn die Todten=Glocken ausgeläutet und etliche Schläg noch thut / glauben manche / es werde bald wieder eines sterben / ja es fürchten sich wohl einige Krancke / und klagen: Es gilt mir / der Tod rufft mir. Die Todten=Glocke gibt das Zeichen. Recht so! jederman / nicht allein die Krancken und alte verlebte Leute / sondern auch alle Christen / die nicht unbereit sterben wollen / sollen also129192 also gedencken / und aber sich unverzüglich von denen Eitelkeiten der Welt / absonderlich von allen Sünden sich abziehen und von gantzen Hertzen zu GOTT bekehren. Damit / wenn jemand ungefähr / bey einem jählingen Schlag=Fluß die beeden Ohren zugleich anfangen zu klingen und sein Hertz zu pochen und zu zerspringen / welches die rechten Todten=Glocken sind / er alsdann frölich abscheiden / und der Seelen nach / die tröstliche Stimme Christi hören möge: Ey du frommer und getreuer Knecht / gehe ein zu deines HErrn Freude!

Ferner kan man auch sich der Kürtze und Vergänglichkeit des Menschlichen Lebens / ja seiner Ehren und Herrlichkeit / Schönheit / Gelehrsamkeit / Kunst und Geschicklichkeit bey dieser Todten=Glocke erinnern.

Der Kürtze unsers Lebens können wir gedencken / wenn wir abnehmen / wie kurtz diß Todten=Geläut sey / ein jeder Glocken=Schlag ist gleichsam ein Wiederholung der Täge unsers vergangenen Lebens / und wenn man aufhört zu läuten / so klingt die Glocke zwar ein wenig 193nig nach / aber bald ist alles still / als wenn sie nicht geläutet worden wäre. So gethsgehts mit unserm Leben / wann wir aufhören zu leben / so hört man zwar noch eine kleine Zeit einigen Nach=Klang unserer Tugenden / unserer Ehren und Glückseeligkeiten / aber wie lang währt solcher Ruhm? wie bald werden wir in der Welt vergessen / ob gleich das Gedächtnus der Frommen im Seegen bleibt / bey den Frommen / allein bey den Welt=Kindern / ist was man Gutes gethan / leichtlich vergessen. Und wenn manchen ewiges Ehren=Gedächtnus aufgerichtet wird / so wird es mit der Zeit kaum so viel æstimirt / als wenn man von Ferne eine Glocke läuten hört / und verschwindt solcher Thon leichtlich wieder. Pietas pulchra sepultura pulchrum Epitaphium est. Die Gottseeligkeit ist die schönste Begräbnus und das schönste Epitaphium / ja Mausolœum selbst. Sonsten heißts von den grossen Hannsen und Tyrannen in der Welt: Periit memoria eorum cum sonitu.

Jhr (Wüten) Leben währt nicht lang / Gleich wie der Glocken=Klang.
N Num. 194
Num. 45. Mortuus est in Senectute bona. 1. Paral. 29. v. 28. Baufällig und altKommt bald in Tods Gwalt.

WEnn ein Haus lang stehet / so wirds baufällig / eh man sichs versieht und neigt sich zum Ruin / wenn ein Mensch lang lebt / wird er schleifferlich / alt / kahl und kalt / und neigt sich zum Grab eh ers offt glaubt.

Der alte und kluge Kreiß Seneca kam einmal in sein Suburbanum oder Land=Guth / und sahe / daß die Gebäu desselben gleichsam aus Ehrerbiethen / sich gegen ihm neigten / und schiene / als wenn sie ihm gar zu Füssen fallen wollten. Diß Compliment verdroß ihm sehr / expostulirte deßwegen mit dem Gärtner / warum er alles so eingehen / und nicht bey Zeit / wann etwas Schadhafft worden / repariren lassen: Der

Mortuus est in senectute bona 1. Parali. 29. v. 28. Was baufällig morsch u. altkom̅t bald in die Tods Gewalt.

195Der Gärtner gab zur Antwort / es sey ohnedem geschehen / und hierinnen nichts versäumet worden. Die Ursach solcher Baufälligkeit sey einig und allein / weil es schon alte Gebäude wären / die endlich mit der Zeit verfallen müsten. Er gieng mit Ungedult weiter im Garten / und sahe die schönsten Bäume / als verdorrete und abgestutzte Storn da stehen / und beschwehrte sich abermal über den Unfleiß des Gärtners / er hätte sie nicht fleißig gewartet und begossen: Allein er muste wieder hören / die Ursach solches Ruins wäre das Alterthum. Seneca verwundert sich / daß diese Gebäude / dazu er den ersten Grund=Stein geleget / schon sollten einfallen wollen / und daß die Bäume / die er mit eigner Hand gesetzt / sollten schon Alterthums wegen verdorren und zu Storren werdenwerden. Er sahe aber einen uralten Kreißen unter der Thür stehen / und fragt den Gärtner: was er für eine Freude hätte / einen halbtodten Menschen auf der Gassen aufzuklauben und zu beherbergen? als er nahe hinzu kam / redet ihn derselbe also an: Mein gnädiger Herr / kennt er mich dann nicht? ich bin der und der / an welchem er / da ich N 2noch196 noch ein Kind war / so grosse Freude hatte / und mir öffters schöne Bildlein und Puppen mit gebracht: Aber jetzt kan ich hohen Alters wegen nicht mehr fort. So muß ich wider Verhoffen glauben und mich überzeugen lassen / daß ich alt sey / sagte Seneca. Tacitis senescimus annis. Wir werden stillschweigends alt / und wachsen unvermerckt zur Erden. Ja wir baufällige / hinfällige Menschen sind übler daran / als die Gebäude u. Bäume. Manche stehen viel hundert Jahr / wir / ja aus 1000. kaum einer lebt hundert Jahr / darnach heißts: Er starb. Vor der Sündfluth mags in diesem Stuck etwas besser mit des Menschen Leben beschaffen gewesen seyn / da es geheissen: Adam war 930. Jahr alt und starb / Seth war 112912. Jahr alt und starb / Enos war 905. Jahr alt und starb / Kenan war 910. Jahr alt und starb / Mathusalah war gar 965969. Jahr alt und starb. Gen. 5. aber jetzt heißts: Unser Leben währet 70. Jahr / und wenns hoch kommt / so sinds 80. Jährl. und darnach heist es schon: Und starb. Ein grosser Abschlag 60. 70. 80. von acht / neun hundert und 65. Jahren. Allein es liegt nicht an der Vielheit der Lebens=Jahre / GOtt 197GOtt ist ein Kind von 8. Tagen alt genug zum Sterben / GOtt fragt nicht: Quàm diu, sed quàm bene. Nicht wie lange wir gelebt haben / sondern wie wohl. Hat Einem GOTT viel Jahre zugelegt / so muß er auch mehr Rechenschafft geben / wie er solche angewendet. Wem viel anvertrauet ist / von dem wird man viel fordern. Je weniger nun unsere Jahre und je kürtzer unser Leben ist / je sorgfältiger sollen wir die Zeit in acht nehmen / und die Baufälligkeit unsers Leibes als ein Kennzeichen und Warnung ansehen / wegen unsers herannahenden Todes / und gedencken:

Baufällig und alt Kommt bald in Tods Gwalt.
N 3 Num. 198
Num. 46. Commedent canes carnes Jesabel. 4. Reg. 9. v. 37. Glatte Gsichter schöne GstaltenKommen nicht allzeit zum Falten.

JN die Comödien und auf die Ball / Hochzeiten und Festivitäten hört und sieht man wohl / daß sich das Frauenzimmer schmücke / und sich auf das galanteste aufbutze / aber zum Sterben hat sich schwehrlich noch eine geschmückt und geschminckt / poudresirt und pomadesirt / flasterirt und fabriclesirt; ausser die schändliche Jesabel / zum Hunds=Mahl / da sie selber die Wildpret=Pasteten und Canari-Sect-Pipen abgegeben.

Diese erschröckliche Hunds=Gasterey / dabey eine geschmückte und geschminckte Königs=Tochter / biß auf den Haupt=Schedel und die Füsse / und das Obertheil der Hände verzehret / und zuvor von den Pferden fricasirt worden / ist nicht ohne Verwunderung zu lesen im 4. Reg. 9. Cap. da

Comedent oanescanes carnes Iezabel. 4. Reg. 9. v. 37. Glatte Gsichter, schöne Gstaltenkom̅en nit alzeit zum Falten.

199da Jesabel den Einzug Jehu hörte / bestrich sie ihr Angesicht mit Schmincke und schmückte ihr Haupt / und sahe aus dem Fenster. Wer ist diese? fragte Jehu / und sprach: stürtzet sie von oben herab / und die Wand war mit Blut besprenget / und die Pferde zertratten sie mit ihren Füssen / alsdann leckten die Hund ihr Blut / und frassen sie auf biß auf obbesagte wenige Stücke / denn es muste das Wort des Herrn / das er durch seinen Knecht Eliam / den Thesbiter geredt hatte / wahr werden: Auf dem Acker Jesrael sollen die Hunde Jesabel Fleisch essen / u. das Fleisch Jesabel / soll auf dem Acker Jesrael / wie Koth auf dem Angesicht der Erden liegen / dergestalt / daß die vorübergehen / sagen sollen! Jst diß die Jesabel?

Kommt her ihr schönen Jesabel / ihr stoltzen / hoffärtigen und geschmückten Staats=Tocken / ihr übertünchte Todten=Gräber / seht an das Straff=Gericht / so GOtt über eine abgöttische / blutgierige / boßhaffte / hochmüthige Pfaffen=Feindin / ob sie gleich eines Königs Tochter gewesen / ergehen lassen / weil sie die Propheten des HErrn erwürget und ausgerottet / ja dem Propheten Eliä selbst den Tod geschwohren / N 4und200 und ihm durch einen Bothen sagen lassen: diß thun mir die Götter und das darzu / wo ich nicht morgen um diese Stunde deine Seele machen werde / wie die Seele eines von diesen erschlagenen Propheten im 3. Buch der Kön. 19. Cap. Sehet aber an / was sie für ein Ende mit Schrecken genommen / wie auch ihr Blut / weil sie der Propheten Blut vergossen / hat müssen vergossen werden / denn wer Menschen=Blut vergeußt / deß Blut soll auch vergossen werden. Gen. 9. v. 6. Womit man sündiget / damit wird man gestrafft.

Wenn man heutiges Tages alle Pfaffen=Feindinnen / die nicht leyden und hören können / daß man ihre Babylonische Huren=Hoffart auf der Cantzel und im Beichtstuhl straffet / und dahero / weil sie nicht anderst können / diejenigen mit der Zunge todt schlagen / so ihnen die Warheit in ihre geschminckte Goschen hinein sagen / gleicher Weis sollte zu einem Hunds=Confect machen / so würden die Hunde manchen fetten Schlamp bekommen. Allein obs ihnen gleich manchmal lang hingehet / so müssen ihre glatte Gesichter und schöne Gestalten erblassen und erbleichen / eh sie noch zu Falten 201ten kommen / und die Schmincke nicht mehr auf den Wangen hangen bleiben und hafften kan: Denn der Tod ruffet offt unversehens / wie Jehu! Stürtzet sie von oben herab! wohin? ins Grab. Wo mehr hin? in die Höll / da die Höllen=Hunde / der ewige Tod sie naget! Wer euch verachtet / der verachtet mich / sagt Christus zu seinen Dienern / Luc. 10. Wer aber euch verachtet / der verachtet den / der mich gesandt hat. Wer aber GOTT den HErrn verachtet / der wird wieder verachtet werden. Weh dir / der du verachtest / wirst du nicht auch verachtet werden? Es. 33. v. 1.

Merckts wohl ihr spöttischen / gefürneste Jezabels=Gesichter! wenn ihr auch euern gantzen Köcher gifftiger Lästerungs=Pfeile / alle auf die / so euch die klare Warheit ohne Schminck und Gleißnerey / unter das Gesicht sagen / und euch schamroth machen / wegen eurer alle Tag neuen ärgerlich= und lächerlichen Mode ausfiltzen / loß schiesset / so trefft ihr euch nur selber / und macht eure Verdammnus nur grösser. Ach daß ihr bey Zeiten mit heissen Buß=Thränen eure übertünchte Todten=Larven / ablegen und abreiben möget / damit ihr nicht in der N 5Helfft202 Helfft eurer Tage eure Schönheit und die Röthe eurer Wangen / mit der Todten=Schmincke vertauschen müsset. Jhr machts natürlich / wie die Tochter des Herodis / die dem H. Johanni dem Täuffer den Kopff abgetantzt / weil er gesagt hat: Non licet. Es ist nicht recht. Tantzt u. schminckt und lästert wider die / so sagen: Non licet. Es ist nicht recht / daß ihr euch so toll der Welt gleich stellet / so lang ihr wollt / wer weiß / wie lang euch der Kopff in der Höhe stehet. Es ist die Todes=Axt dem Baum schon an die Wurtzel gelegt / welcher stoltze Feigen=Baum / so nur BlättterBlätter und keine Früchte bringet / wird abgehauen / und ins Feuer geworffen. Prosit das Bad!

Ach ihr Drechslers=Docken und Hof=Mahlerin bildet euch / und keine / wer sie auch sonst sey / wann sie noch so schön / glatt / weiß / zart / wohlgebildet / wohlgefärbet / wohlgebutzt und gestutzt / mellirt und pollirt wäre / ja nicht ein / als würdet ihr lange leben / und die Ehren=Runtzeln eures Lob=bedürfftigen Alters sehen / und dieselben mit ein paar Loth Pomade ausfüllen können. O vergebliche Hoffnung!

Glatte Gsichter schöne Gstalten Kom̅en nicht allzeit zum Falten
Num.

Quis est homo, qui non videbit mortem. Ps. 88. v. 49. Jch kan dich, Mensch, ohn viel Bemühen,gewaltig durch die Hechel zihen.

203 Num. 47. Quis est homo, qui non videbit mortem? Dem Menschen bin ich garnicht gewogen /Er wird von mir durch dieHechel gezogen.

DEr schwartz=braune Hechel= und Mausfallen=Jubilirer / der Tod / weiß mit seiner Manufactur und Hechel=Spielewerck so meisterlich herum zu springen / als der leichteste Mode=Schneider mit seiner Scheer / und die Weiber mit dem Flachs / und pflegt die Leute so zu handthieren / als nimmermehr die ärgsten Plauder=Taschen den Flachs durch die Hechel ziehen.

Das edle Geschöpff GOttes der Flachs muß sehr viel leiden / eh er zur Leinwat / und auf einen Altar oder Tisch gebreitet zu werden / würdig wird. Kaum als er aus der Erden hervor kommt / ist er schon Frost und Hitz / Regen und Wind unterworf=204 worffen / und muß / bis man ihn mit Wurtzeln und allen ausraufft / viel erdulten; Dan̅ wird er gantz ungeschwungen in schel zusammen gefasset / und ihm der Kopff herab gerüffelt / der übrige Leib wird ins Wasser versenckt / mit Steinen beschwehrt und wenn er genug gerößt ist / muß er an der Sonnen trocknen / ja gar im Backofen sich dörren / ferner mit Wäsch=Bläuen jämmerlich zerklopffen / unter der Brechen zerfleischen und zu knicken / öffters durch die Hechel ziehen / in kleine Härlein zerzausen / flechten und winden / überdas / spinnen / abhaspeln / in Laugen und Aschen sieden / von Weber abspuhlen und zusammen schlagen / würcken / schmieren und abschneiden / im Keller peitzen / mit der Ellen da und dort herum vexiren / auf das Neue läuchnen / sieden und kochen / auswaschen und ausbleuen / bleichen und besprengen / pressen und mangen / messen und abschneiden / stechen und flicken / bemackeln und färben / beschmutzen / abschwärtzen / besudeln / wieder waschen / sieden / reiben / winden und mangen / stärcken / biegeln und baden / ja endlich zerschlittern / zerfasen und zerreissen lassen.

Das gröste Glück aber ist des Flachs / daß 205daß er unter die Haderlumpen=Weiber geräth / und wiewol mit gräßlichem Geschrey gassatim aufgesucht und gekaufft wird / was er inzwischeminzwischen abermal in der Stampff=Mühl und sonst ausstehen muß / ist bekandt.

Wie aber andere Dinge der Natur / nachdem sie unzähliche widrige Dinge ausgestanden / endlich wie Sammet und Seiden / Scharlach und Damast selber zu nichte werden müssen / also hat sich der sonst so viel geplagte Flachs / auf die letzte eben auch nicht viel Gutes zu getrösten / indem er sich manchmal zu viel bösen / falschen / schädlichen Briefen / Schrifften und Büchern muß gebrauchen / ja wol wo anders hin / zum Käß und Toback einwickeln rc. anwenden lassen.

Wiewol er im Gegentheil auch öffters das grosse Glück hat / ein unschätzbar Mittel abzugeben / wodurch so wol das Wort GOttes / als andere herrl. Wissenschafften / dem gantzen Menschl. Geschlecht zum Besten / in alle Welt ausgebreitet werden können / ja er kommt vielmals in der vornehmsten hochgelehrtesten Männer / ja Königl. und Fürstl. Personen Hände / und wird manchmal von denen galantesten Personen im206 im Busen getragen / gehertzt und geküsset / und höher als Gold und Perlen geschätzt.

Wenn aber die Herrlichkeit des Flachs noch so hoch gestiegen / und viele Secula gedauret / so ziehet ihn der Tod aufs neu wieder durch die Hechel / daß er wegen Alterthums / verliegen / vermodern / den Schaben und Motten zu theil / und wieder zu Staub und Aschen werden muß / welches das End vom gantzen Lied ist.

Wenn man nun zwischen der Genealogie / dem Lebens=Lauff und Fatalität deß Flachses eine Vergleichung mit des Menschen Geburt / Leben / vielerley Leyden / Sterben / Verfaulen / Auferstehung und herrl. Verklärung nach dem verklärten Leib Christi wollte anstellen / würden wir viele schöne Gleichheiten finden / wobey wir unserer Sterblichkeit herrlich erinnern / und die Eitelkeit und Mühseeligkeit unsers Lebens wohl durch die Hechel ziehen / und den Schluß machen können / daß wir der Todten=Hechel alle unterworffen seyn / und dabey bleiben / was der Tod hier sagt:

Dem Menschen bin ich gar nicht gewogen / Er wird von mir durch die Hechel gezogen.
Num.

In omnes homines mors pertransiit. Ad Rom. 5. v. 12. Jch thu’ auslachen,das Possen machen.

207 Num. 48. In omnes homines mors pertransit. Rom 5. v. 12. Jch thu auslachenDas Possen machen.

DJeDIe Narren wollen immer was besonders haben / und die immer was besonders haben wollen / sind Narren. Wenn alle Narren Narren=Kleider tragen müsten / würden viel neue Moden zuruck bleiben / und würden die Schellen=Macher mehr zu arbeiten haben / als die nach den Frantzosen stinckende a la mode Schneider. Was will man aber machen: Jedem Lappen gefällt sein Kappen / ich für mich / jeder bleib auch Narr für sich. NB. Dem Narren gefällt seine Weise wohl / Prov. 12. v. 15. die alten abergläubischen Lügen=Schmiede / so von Geheimnussen der Natur geschrieben / haben zwar närrisch geglaubt / daß / wenn man seine Augen mit Fleder=Mauß=Blut schmiere / so könne man zu Nacht die Teuffel und Hexen in der Lufft fliegen sehen: Wenn man eine solche Augen=208 gen=Salbe haben könnte / daß / wann man die Augen damit schmieret / man alle Narren sehen und erkennen könnte / so glaube / daß ich / nachdem ich mich im Spiegel der Selbst=Erkänntnis zwar wohl betrachtet / damit ich mir nit vielleicht selbst erscheinen möchte / vor ein Büchslein voll selbst einen Reichsthaler bezahlen würde; denn / O wie viel Verdruß könnte man überhoben seyn / wenn man die Narren von den Gescheiden unfehlbar unterscheiden könnte: Ach mit Narren / deren leyder unzählich viel giebt / kan der Allerklügste / Gedultigst und Sanfftmüthigste nimmermehr zu recht kommen. Wenn du den Narren im Mörsel zerstiessest mit dem Stempffel wie Grütz / so liesse doch seine Narrheit nicht von ihm. Prov. 27. So wenig ein Mohr sein Haut verwandeln kan / wenn man ihn auch mit 10. Pfund Venedischer Saiffen wäsche / so wenig wird man einen Narren in bessern Stand setzen können. Ein Doctor setzt doch sein groß D. zu seinem Namen / aber wen̅ ein jeder Narr ein N. zu seinem Namen vorn oder nachsetzen sollte / so würden die Schrifftgiesser viel tausend N extra machen müssen.

Denn 209 209

Denn ach wie viel und vielerley grosse kleine und mittelmässige Narren finden wir doch in der gantzen Welt / ne detur vacuum, und in jeder Stadt / ja jeder Gassen / und leyder offmals in einem Hauß.

Jn manchem Hauß schilt der Vatter / es schilt die Mutter / es schilt Sohn und Tochter / das gieng noch hin / aber wanns heisst: der Vatter ein Narr / die Mutter ein Närrin / der Sohn ein Narr / die Tochter eine Närrin / und weil sich gleich und gleich gerne zusammen gesellet / der Diener ein Narr / der Jung ein Narr / die Magd ein Narr rc. rc. rc. Da ist ein rechter Narren=Spital und heisst einmal bey ihren Nachkommen! Narraverunt Patres, & nos narrivimusnarravimus omnes.

Daher entspringen so viel abentheuerliche Singularisten als Sand am Meer / es giebt allerley Narren / Kleider=Narren / Parruquen=Narren / Tantz=Narren / Freß=Narren / Geiz=Narre̅ / Hunds=Narren / Compagnie=Narren / Sauf=Narren / Spiel=Narren / Huren=Narren / Geld=Narren / Zanck= und Rauf=Narren / Opern= und Comödien=Narren / verliebte=Narren / gelehrte=Narren / Schmarotzer=Narren / Bart=Narren / Brillen=Narren / Pferd=Narren / Chaise-ONar=210 Narren / Bücher=Narren / Stock=Narren / Courieuse Narren / und so fort / und so weiter und so ferner rc.

Was hält aber der Tod von solchem grossen Karren voll Narren? Eben so viel als er von einem Karren voll Klugen / Hochverständigen / Hochgelehrten / Hochgeehrten / mit dem schlechten E. und von allen Hocherfahrnen rc. hält. Die Weisen sterben so wol / als die Thoren und Narren umkommen / sagt David im 48. Ps.

Jst zwar nichts desto besser / dörffte wohl ein Hochgelehrter / so das D. und N. zugleich führt / sich wider den Phantasten den Tod beschwehren wollen / und sagen: Jch habe mich fast närrisch studirt / disputirt / practicirt / docirt / Platonisirt / Aristotelisirt / und so viel Papier verderbt / daß man alle Käß=Krämer im Prag / Franckfurt und Nürnberg / mit meinen Concepten / ReResponsis, Supplicken / Replicken / Dup- und Triplicken / Recepten und Consiliis Medicis, ja Wunderwürdige Postillen und gen= oder Leichen=Predigten auf viel Jahr verlegen könnte / und nun soll ich im Tode nit besser respectirt werden / als der Claus=Narr und andere Æsopens posteri. Ach du arme 211armer Narr / je wunderlicher du dich zum Sterben schickest / und je mehr du dich / als wie die Katze vor der Schellen spreissest / je tieffer verfällst du ins Narren=Register.Narren=Register.

Denn der Tod hat nit studirt, sondern ist ein rechter Bücher=Feind / er achtet kein Politionello, keinen Arlequin weder Gauckler noch Tantzmeister / weder Doctor noch Narren. In omnes homines mors pertransiit, und wenn der lustige Pickelhering und Scarmuzi deß Mollieri und der vornehmste Hof=Narr in der Welt alle Künste und Muster / wodurch sie schon viel tausend Narren gemacht / sich bey ihm zu recommendiren / anwenden wollten / würden sie doch hören müssen:

Jch thu auslachen! Das Possenmachen.
O 2 Num. 212
Num. 49. Sicut fur in nocte. 1. Thes. 4.5. v. 2 Jch komm zu Nacht wie einDieb /Es sey dir leyd oder lieb.

WAnn man offt am stärcksten schläft / pfeifft / blässt und schnarcht / wie Jonas unten im Schiff / im tieffen Schlaff und vielleicht in einem schwehren verwirrten Traum gelegen / so schleicht und steigt offtmal ein ungebettener Nacht=Vogel zum Fenster hinein. Der Tod machts eben so / aber nur etwas gröber / denn er fällt gantz zum Fenster hinein / wie der Bauer in die Nüsse und Töpffe. Der Tod ist zu unsern Fenstern hinein gefallen / und in unsere Häuser kommen / klaget der Prophet Jeremias im 9. Cap. v. 21.

Es mag wohl kein geringer Schrecken seyn

Sicut fur in nocte. 1. Thessal 5. v. 2. Jch kom̅ zur Nacht Zeit wie ein Dieb,es sey dir leid gleich oder lieb.

213seyn / wenn bey nächtlicher Weil ein Dieb / aus Unvorsichtigkeit in ein Zimmer hinein fiel / und ein Gepolter u. Gerümpel machte / darüber die Leute aus dem Schlaff erweckt würden. Wer da! wird es heissen / Knecht / Magd! Auf! schlagt ein Licht / lasst sehen wer da ist. Wenn aber der Dieb kommt / fäht an zu würgen und zu morden / O welcher Schrecken / welch Zetter=Geschrey entstehet alsdann! je weniger man sich solches versehen / je grössere Bestürtzung kan es verursachen: So gehts / wenn der Tod gantz unversehens / bey Tag oder Nacht / bey uns Menschen einsteigt / und bald diesen bald jenen plötzlich übereilt / da ist Schrecken und Furcht / Angst und Weh / so wohl bey dem / den solches selber trifft / als bey denen / die solches sehen / und einen so unverhofften Todes=Fall nicht genugsam bewundern noch beweinen können. Oder wenn eine lustige Compagnie beysammen sitzt / isst / trinckt / lacht / schwätzt / courtisirt / rc. und der Tod kriegt einen darunter unversehens beym Kopff / daß er anfängt zu erblassen / die Augen zu verdrehen / daßdas Maul zu krümmen und O 3den214 den letzten Geber zu thun. O welche Furcht / Angst und Noth entstehet dann in der Compagnie / wie bald geht alles aus einander voller Courage scilicet. Allein diß alles soll man vorher schon besorgen und bedencken / was für einen Bund wir mit dem Tod haben / nemlich keinen / denn er kommt / wenn er will / und nicht wenn wir wollen oder meinen / so werden wir dann / wenn uns oder andern dergleichen begegnet / nicht so sehr erschrecken / absonderlich wenn wir wachsam sind / und alle Stund uns auf die Zukunfft des Todes bereiten / damit wenn er kommt / er komme darnach bey Tag oder Nacht / früh oder späth / wir ihn / als einen von GOTT zugesandten Bothen / der uns in die seelige Ewigkeit einführen soll / freundlich empfangen und sagen: Komm lieber Tod / drück mir die Augen zu. Erwünschter Both / komm / führe mich zu Ruh / ich weiß / daß mir am besten wird geschehen / wann ich durch dich werd an das Liecht gebracht / aus dieser Nacht. Grossen Danck wird der Bott mit den leichten Lauffer=Füssen sa= 215sagen / und unverzüglich fort eilen / denn er kommt wie ein Dieb / und schleicht weg wie ein Dieb. Wie ein Katz aus dem Taubenschlage / und bleibt dabey: Sicut fur in nocte.nocte.

Jch komm zu Nacht wie ein Dieb / Es sey dir leyd oder lieb.
O 5 O 4 Num. 216
Num. 50. Cœcus sedebat juxta viam mendicans. Marc. 10. v. 46. Jch find / ob ich kein Augmehr hab /Bey blinden Tritten dochmein Grab.

WEnn ein Blinder den andern führet und den Weeg weiset / werden sie nicht alle beede in die Gruben fallen? So führt der Tod so wohl die Scharff=sehenden als Stockblinden zu Grab ohne Latern und Brillen / ob er zwar selbst die Augen verlohren.

Doch haben die Blinden in vielen Stücken einen grossen Vortheil vor allen sehenden Menschen / so wohl im Leben als auch im Sterben. Jm Leben darff er nicht sorgen / daß er etwas sehen muß / woran er sich ärgern könnte / die Leichtfertigkeit / Uppigkeit

Coecus sedebat juxta viam mendicans. Marc. 10. v. 46. Jch find, ob ich kein Aug mehrhab,bey blinden Tritten dochmein Grab.

217pigkeit / Hoffart und tausend andere Eitelkeiten der Welt. Er darff nicht sorgen / daß ihm die Sonne oder ein Liecht blende rc. Er kan alle Brillen erspahren / welches sonderlich in Spanien gar profitable für einen Blinden seyn mag / da die grösten Herren die grösten Brillen tragen / und was Grosses dafür bezahlen müssen. Es ist selten ein Schad / es ist ein Nutz dabey. Und sind die Brillen / absonderlich wo man sie nur zum Staat trägt / ein Uberfluß / dessen man leichtlich entbehren könnte. Deßwegen jener lustige Advocat / als sein Gegenpart in seiner Oration versprochen / alles Uberflüssige abzuschneiden / denselben nicht unbillig einer Unwarheit beschuldiget / weil derselbe eine Brille mit zweyen Gläsern auf der Nasen / und doch nur ein Aug im Kopff hatte / und sagte / wenn er allen Uberfluß hätte abschneiden wollen / so sollte er auch das eine Glas aus der Brillen gleichfalls weggethan haben / weil es ihm nichts nutz und überflüssig gewesen. Aber hier war die Antwort: Superflua hæc non nocent, besser zuviel / als zu wenig.

Jm Sterben haben die Blinden den O 5Vor=218 Vortheil / daß ihnen nicht erst die Augen brechen müssen / weil sie ohnedem schon gebrochen und verdorben / zumalen / wenn ihnen dieselben sind ausgestochen oder ausgestossen worden.

Doch bleibts dabey: Ein blinder Mann ein armer Mitleydens=würdiger Mann; was soll ich für Freude haben / der ich im Finstern sitze / und das Liecht des Tages nicht sehen kan? Fragt und klagt nicht vergebens der blinde Tobias dem Engel Raphael. Tob. 5. Absonderlich Blind=gebohrne sind sehr unglückseelig / die Zeit Lebens weder Sonn noch Mond / weder Stern noch Himmel / weder Bäume noch Blumen / weder Thier noch Menschen / Vögel oder andere schöne / denen Augen erfreuliche Wunder= und Pracht=Geschöpff GOttes sehen noch betrachten können.

Zwar hat GOTT manchmal solchen elenden Leuten besondere / wundersame Gaben des Verstandes und der andern Sinnen mitgetheilt. Zum Exempel / wie aus Engelland bekandt / daß ein gewisser Stockblinder / durch das blosse Fühlen seiner vördersten Finger / an mancherley seidenen 219denen Bändern / die Farbe wahrhafftig errathen können. So ist in einer grossen Stadt vor einigen Jahren ein blinder Bettler berühmt gewesen / welcher die kleinen gangbahren Müntzen / absonderlich die Creutzer und Pfenninge / gantz richtig zu unterscheiden / und sonsten die schwehrsten Rechnungen ohne Verzug / auszurechnen gewust. Nicht weit von obigem Ort ist ein junger Mensch bekandt / der / mit einer / nach seiner Invention äusserlich auf dem Schnitt gezeichnete Karten / mit sehenden Cameraden / manche halbe Nächte durch gespielt / und selten ohne Gewinn nach Haus gegangen. Von blinden Doctoren, Predicanten / Organisten / Pfeiffern und Geigern ist unnöthig viel zu erwehnen / indem nicht wenige derselben da und dorten anzutreffen. Was die ersten betrifft / ist sonderbahr merckwürdig / daß in einer berühmten teutschen Stadt / etwann vor 30. Jahren / ein junger blinder Mensch gelebt / so die Predigten / so öffentlich gehalten wurden / nicht allein von Wort zu Wort mercken / und auswendig mehr als einmal / wie bey Alten und Krancken des Tags öffters geschehen / hersagen /220 gen / sondern auch die Erhebungen und Manieren der Stimme / oder der Musicæ Oratoriæ so perfect nachäffen können / nach allen Gelegenheiten der Affecten und Materien / daß einer / der ausser dem Zimmer / allwo der Orator, vor einem Stuhl stehend / perorirt / gestanden und zugehört / schwöhren sollen / es wäre der P. Prediger selbst zugegen und lege seine Predigt persöhnlich ab.

Liebster GOTT / giebst du so viel herrliche wundersame Gaben denen Blinden / wofür man dich billig loben / und deine wundersame Schicksalen preisen / und dir davor dancken muß / wie viel mehr und höhere Gaben giebst du denen Sehenden / darunter offtmals nicht wenige zu finden / denen es besser gewesen / wenn sie wären blind worden / als daß sie mit sehenden Augen solche herrliche Wohlthaten schändlich und unverantwortlich mißbrauchen und bey sich sonsten verliegen lassen. O wie viel Blinde / Sehende giebt es doch in der Welt / die sich / von bösem Feind / an dem Stab mancherley Schanden und Lastern / von einer Seelen=Gefahr in die andere lassen herum führen / und offt anstossen 221sen und fallen / biß sie endlich durch den zeitlichen Tod in den ewigen Tod gelieffert / und in die Gruben der ewigen Verdammnis / in den Pful / der mit Schweffel und Feuer brennet / elendiglich gestürtzt werden! HErr eröffne denen Blinden und Sehenden die Augen / daß sie vorsichtiger auf ihre Weege sehen und behutsamer wandeln / damit sie nicht unversehens und unbereitet von Tode zu Grab geführet und noch tieffer verfallen mögen! denn es muß ein leiblicher und geistlicher Blinder gestehen:

Jch find / ob ich kein Aug mehr hab / Bey blinden Tritten doch mein Grab.
Num. 222
Num. 51. Repentinus eis venitveniet interitus. 1. Thes. 5. v. 3. Der Tod ist blindUnd doch geschwind.

GEschwindigkeit ist keine Zauberey. Die Rennthiere / Hirsch / Pferd u. Haasen / und die gantze Post=Lauffer=Zunfft / sie lauffen darnach auf 2. oder 4. Mercurius-Füssen / begehen die grösten Hexereyen / indem sie / mit ihren Hexen oder Füsen / solche Wunder thun / die ihnen der beste Hexen=Meister natürlicher Weise nimmermehr nachthun kan: Und doch ist solche Kunst keine Zauberey / unerachtet sie öffters bey Königen und Fürsten sehr bewundert und für eine unglaubliche Sache Anfangs angesehen wird: Was vor wenig Jahren her / so wohl Illustriss. als andere

Repentinus eis veniet intcritusinteritus. 1. Thessal. 5. v. 3. Der Tod ist blind,und doch geschwind.

223dere Personen / für unbegreiffliche Ritt (es ist kein Schnitt ) gethan / wiewohl manches gutes Füchslein dem Tod in den Hals collopirt / diß können die Warheit=Schreiber in denen Novellen / Kriegs=Curriren und schnellen Postillionen nicht gnugsam amplificiren / illustriren und admiriren. Lat lopen! sagt der Holländer: Sie werden doch dem Tod nicht entlopen. Sein Rennthier / oder wie sein Leib=Pferd sonst in der hohen Offenbahrung Johannis recommendirt wird / ist ein Falb=Pferd und der drauf saß / ward der Tod / und die Hölle folget ihm nach. Apoc. 6. 8. Eine schöne Reuterey!

GOTT behüt uns für den letzten Post=Kleppern! tausendmal besser zu Fuß gegangen / als so postirt! unterdessen aber reutet er alle und die allerschnellsten und geschwindesten Post=Reuter zu Boden. Der bricht den Fuß / der ander ein Arm / der dritte erstickt vom Blut / der vierdte reutet sich so merode / daß ihm die Gedärme schier vor die Füsse zu fallen / viel andere brechen gar den Hals; Allein der beste Bereuter / Perforce-Jäger und Waghalse / das eigentliche Oppositum der Schne=224 Schnecken=Post / der Tod blässt gleichsam vor allen lustig das Post=Horn meisterlich vornen her / und weiset ihnen den Weeg in die andere Welt.

Ob es nun auf dem schmalen oder breiten Post=Weeg in die Ewigkeit angestellet worden / da lässt er seinen General=Postmeister den HErrn über Leben und Tod dafür sorgen / aus dessen Ordre er nie gehen darff. Jn wie viel Stunden oder Jahren einer seine Lebens=Reise zuruck legt / daran ist ihm nicht viel gelegen. Mit manchem eilet er aus dieser Welt. Sap. 4. Manchen führt er über Stock und Stein / durchs finstere Todten=Thal / durch viele Wälder und Creutz=Weege und bringt sie / ehe sie sich versehen / in ihre Vatter=Stadt / da sie absteigen und völlig ausruhen können / von ihren vielfältigen Strapatzen. Apoc. 14. 13.

Auf dieser schnellen Post ist auch geritten Job / deßwegen bekennet er im 9. Capitel v. 25. Dies mei velociores sunt cursores. Noch geschwinder / aber weit unglücklicher ist geritten Absolon der schöne Davids Sohn; Denn nachdem er seinem leiblichen Vatter nach Cron / Thron und Scep= 225Scepter gestrebt / muste er in völligem Rennen mit seinen langen Gold=gelben Haaren / an einer Eichen den Post=Ritt seines wenigen aber bösen Lebens / elendiglich beschliessen / und mit dreyen Lantzen solch Tournier schändlich enden. 2. Reg. 18. und hieß: Verflucht sey der am Holtz hängt. Deut. 21. 23. O unseeliger Post=Reuter! Der Heilige liebe Vatter Augustinus schreibt sehr nachdencklich: Vita præsens est cursus ad mortem, das gegenwärtige Leben ist nichts / denn ein Lauff / ein Post=Ritt zum Tod.

Wie nun die Posten immerzu aufeinander folgen und einander folgen / ablösen / also löset auch eine Lebens=Zeit die andere ab / wie sie nach einander folgen.

Die Jahre der Menschen werden insgemein in sieben Jahr eingetheilet / schreibt ein gelehrter Prediger / das erste Alter ist die unmündige Kindheit / biß ungefähr ins achte Jahr / das andere das kindliche Alter / biß ins funffzehende Jahr. Das dritte die wachsende Jugend / biß ins zwey und zwantzigste / das vierdte / Pdas226 das blühende Alter / biß ins dreyssigste / das fünffte / die Mannheit / biß ins fünfftzigste / das sechste / das graue Alter biß ins sechtzigste / das siebende / das hohe Alter / biß zum Tod / also hört der Post=Ritt an einem Alter auf / so geht der neue an.

Mors infantiainfantiæ est pueritapueritia, sagt Seneca, mors pueritiæ est adolescentia, mors adolescentiæ est juventus, mors Juventutis est virilitas, mors virilitatis est senectus, mors senectutis est decrepita ætas, mors decrepitæ ætatis est ipsa mors. Das ist: Der Tod der Unmündigkeit ist die Kindheit / der Tod der Kindheit ist das Wachsenthum / der Tod des Wachsthums ist die blühende Jugend / der Tod der blühenden Jugend ist die Mannheit / der Tod der Mannheit ist das graue Alter / der Tod des grauen Alters ist das hohe Alter / der Tod des hohen Alters ist der Tod selbst und Hintritt aus diesem Leben.

Wenn wahr ist / was Hugo Victorinus 227nus schreibt: Ipsa caro est jumentum ani, unser Fleisch ist das Pferd / worauf die Seele auf der Post reitet / so steiget die Seel alsdann ab / und das Pferd kommt zu Ruh.

Ende gut ist alles gut / Ende böß ist alles böß / weh dem / der zu letzt mit dem Pferd stürtzt! Reuter und Pferd ist verlohren und heisst: Repentinus eis venis interitus.

Der Tod ist blind / Aber doch geschwind.
P 2 Num. 228
Num. 3252. Homo vanitati similis factus est. Psalm 143. v. 4. O Mensch / ach prale nicht soviel /Dein Leben ist ein Kinder=Spiel.

DEr Mensch ist der Eitelkeit gleich worden / seine Tage gehen fürüber wie ein Schatten / sagt hier der heilige König David / und im 38. Psalm mahlt er den Menschen noch schlechter ab: Siehe / du hast meinen Tagen kurtze Frist und Maas gesetzt / und mein Wesen ist für dir gleich wie nichts. Ferner / es ist lauter Eitelkeit alle Menschen / die das Leben haben.

So ist also auch ein grosser König / wie Da=

Homo vanitati similis factus est. Psal. 143. v. 4 O Mensch! ach prahle nit so viel,dein Leben ist ein Kinder-Spiel.

229David gewesen / der so viel Könige überwunden / so viel Siege wider seine Feinde erhalten / der so grosse Schätze gesammlet / seinem eignem Ausspruch nach / samt all seinem Wesen / lauter Eitelkeit? Jst dann eine so herrliche und rühmliche Cron und Thron / Purper und Zepter / ja alle Herrlichkeit / Pracht / Weisheit und Schönheit / Gewalt und Hochheit Salomonis selbst nichts als lauter Eitelkeit gewesen? Ach freylich ist dem also! Jst eine Lilie / Tulipan / das schönste Mahen=Haupt nicht ein vergänglich eitles Wesen? Wie bald ist sie umgebrochen! wie bald siehet man ihre Stätte nicht mehr! doch ist Salomon in aller seiner Herrlichkeit nicht so bekleidet gewesen / als nur eine von denen Feld=Lilien / sagt unser Heyland selbst beym Matthäo / am 6. Capitel. Jst also Salomon mit all seiner Herrlichkeit noch eitler gewesen / als eine Feld=Blume. Wie viel eitler werden wir / so gegen Salomon betrachtet / arme elende Tropffen sind / zu æstimiren seyn: Die lange nicht die Weisheit / Herrlichkeit / Schönheit / Macht und Reichthümer Salomonis haben / und bilden uns doch öffters weiß nicht was ein / P 3was230 was wir für grosse Thier in der Welt seyn wollen.

Es blähet sich mancher Haas / wie eine Wasser=Blaß. Die Eitelkeiten=Mahler haben unter andern es ziemlich wohl getroffen / wenn sie des Menschlichen Lebens Vergänglichkeit mit einer Wasser=Blase verglichen / welche / da sie kaum entstehet / schon wieder zerspringt und vergeht. Sie bilden einen Genium oder nackend Kindlein ab / so vermittelst eines Stroh=Halms / aus einem Seiffen=Wasser / Blasen machet / und dieselbigen in die Lufft hinaus blässt / es sollte einer meynen / er habe sein Lebentag nichts artigers und schöners / subtilers und zierlichers gesehen / als eine solche fast Kugel=runde guldene Blasen; Allein dum splendet, frangitur, indem sie im schönsten Glantz daher fleugt / schnips ist sie zersprungen und verschwunden.

Was ist für ein edlers Geschöpff und herrliches Geschenck GOTTES / als der Mensch / und des Menschen Leben? Was ist aber auch vergänglicher als dasselbe? Es ist ein Kinder=Spiel / ein Wasser=Blasen=Werck / welches / ehe man sichs versiehet / 231siehet / zu nichte wird und verschwindet augenblicklich auch schon im Mutter=Leibe / ehe es von der Sonnen können angelacht werden. Wird dann ein Mensch mehrentheils mit Leib= und Lebens=Gefahr auf diese Welt gebohren / so findet man an vielen kaum ein Leben / man muß ihnen offt in den Mund blasen nur daß man den Lungen=Blasbalg ein wenig in die Bewegung bringt / ist doch offt vergebens / und blasen solche arme Tröpfflein zugleich den Lebens=Geist aus. Wie viel 1000. sterben / von 10. 12. Jahren / ehe sie noch zum Verstand kommen. Dieses Kind reisst das Kinder=Freiß / ein anders das Zahnen / dieses die Kinder=Pocken / ein anders die Flecken / Durchschläge / Friessel / Fieber / Ruhr und Schlag=Flüßlein / aus der Mutter Armen und legt es in den Sarg. Wann die Menschen erwachsen / groß / alt und kalt werden / sind sie alle Tag und Stunde dem Todes=Hauch unterworffen / der in einem Augenblick die Wasser=Blase ihres Lebens zerblasen und vernichten kan. Obs gleich die wenigsten glauben / ists doch wahr. Der Glaub wird ihnen schon einmal in die Hände gehen / absonderlich den aufgeblasenen MoP 4de=232 de=Tocken / die nicht wissen / wie sie sich genug brüsten und ausbreiten sollen / denen die Gassen zu eng und die Welt zu klein. Die sich blähen / als der allervornehmste Frosch des Æsopi in der nächsten Mist=Pfitzen / daß man fast besorgen sollte / sie dörfften zerbersten. Man betrachte sie / wo man wolle / vom Haubt an biß auf die Fuß=Sohlen / aussen und innen / vornen und hinten / ihre Minen / ihre Geberden / ihre Kleidung und Zierrathen / ihren Gang / ihre Wort und Wercke / so muß man gestehen und mit David ein= und anstimmen. Homo vanitati similis, imò simillimus factus est.

Mensch / ach pral doch nicht so viel! Dein Leben ist ein Kinder= Spiel.
Num.

Folium, quod vento rapitur. Job. 13. v. 25. Die Blätter fallen ab,und du wirst auch schab ab.

233 Num. 53. Folium quod vento rapitur. Job. 13. v. 25. Die Blätter fallen ab!Und du wirst auch schabab.

SO schön der Baum im Frühling geblühet und im Sommer gegrünet / so falb und gelb werden im Herbst und bey herannahendem Winter dessen Blätter und Zierrathen / es mag sich leichtlich ein rauhes Windlein regen / so fallen die Blätter wie Schneeflocken häuffig ab / und wird der Baum endlich seiner Zierd also beraubt / daß er gleich gantz nackend und bloß / ja als Dürr und voller feuerwürdigen Reiser / dastehet / wie ein wilder vermosster Storr / dem der Holtz=Hacker bald die Axt an die Wurtzel legen soll. So gehts mit uns Menschen und unserm Leben: P 5P 5Wir234 Wir grünnen / blühen und wachsen und eilen vom Frühling / durch den Sommer / mit dem schnellen Sonnen=Lauff / und kommen öffters in einen gar frühen Herbst / da fangen die Blätter unserer Lebens=Krafft / unserer Schönheit / Stärcke und Anmuthigkeit augenscheinlich anfalban falb und gelb zu werden / und nach und nach sich zuverlieren / biß wir offt / vor der Zeit / kahl und kalt werden / und unter die abstehenden dörren Storn gehören / die faulen un̅ umfallen wolle̅. Kein Baum kan uns dieses deutlicher vor Augen stelle̅ als der Maulbeer=Baum / so Arbor prudens, der kluge Baum von den Gelehrten genennet wird / weil er mit seinen grünen Blättern sehr zuruck hält / biß er gleichsam merckt / daß keine Kält mehr hinterstellig sey / da öffters andere Bäume ihre Blätter und Blüthen frühzeitig reichlich hervor geben / so aber nicht selten / durch einen einigen Mordbrennischen Reif in einer Nacht verbrennt und zu nichte werden. Wie aber dieser kluge Baum später ausschlägt / also verlieret er auch seine Blätter später / als andere / aber ob er noch so lang mit seinen breiten Blättern und Seiden=Würmer Futter prahlet / muß er doch desto plötzlicher derselben 235selben sich berauben lassen. Wenn ein einiger weniger Frost unversehens entstehet / denn da kan man seine Wunder sehen / wie zum Exempel in einer einigen Stunde ein Blat nach dem andern gleichsam anfäht zu krachen und gantz sachte abgebrochen zu werden / ob sie noch so lebhafft und grün zu seyn scheinen. Und diß geschiehet zusehen / so / daß wann man ein oder anders Blat in das Gesicht fäst / und dencket: Jetzt / jetzt wird die Ordnung an dir seyn / es offtmals mit Verwunderung eintrifft / biß nach so kurtzer Zeit / der vor einer Stunde so schöne grüne Baum / wie ein dürres Besen=Reissig dastehet / und aller Zierd beraubet ist worden.

Solchem Maulbeer=Baum sind offt manche starcke / tapffere / ansehnliche frische kluge und verständige Leute sehr gleich / die sonst eben nich tvielnicht viel Maulbeerens wider die Gewalt des Todes machen / weil sie meynen / er sey noch ferne von ihnen: Allein es vergehet offtmals keine Stunde / wann der Todten=Reif ihnen den Hauptreif ihres Lebens fast zersprenget / so entgehet ihnen Krafft und Safft / und fallen die noch grünen Blätter ihres besten Alters und Lebens zu=236 zusehends ab / ob sie auch manchmal wegen ihrer guten starcken und dauerhafften Natur / schon zimlich lang gestanden und viele andere ausgedauret / nichts destoweniger werden sie vom Todes=Frost übereilet / und fast mit rothen Wangen und vollem Leib Muth und Courage ins Grab gelegt / daß man klagen könnte / wie dorten 2. Reg. 1. v. 19. geschehen: Ach wie sind die Helden gefallen! Quomodo ceciderunt fortes! Allein wenns Goliath samt allen Enacks=Kindern selbsten wäre / so bleibts dabey: Sie sind in folio folio à vento rapta!

Die Blätter fallen ab / Und du wirst auch schabab.
Num.

Quâ horâ non putatis Luc. 12. v. 40. Die Stund ist einmal unungewiß,drum deß gewissennit vergiß.

237 Num. 54. Qua hora non putatis. Luc. 12. v. 40. Die Stund einmahl ist ungewiß!Drum deß Gewissens nichtvergiß.

DAs sollt ihr aber wissen / wenn der Haus=Vatter wüste / zu welcher Stunde der Dieb käme / so wachet er freylich / und liesse sein Haus nicht durchgraben: Darum seyd ihr nun auch bereit: Denn des Menschen Sohn wird zu der Stunde kommen / da ihrs nicht meinet vermahnet Christus selbsten / u. will allen Christen die nöthige Wachsamkeit bestens anbefehle̅ damit sie nicht unbereit von Jüngsten Tag oder vom Lebens=Feind / dem Tod übereilet werden / denn auf beedes gilts wachen. Wie dich GOtt findet / wird er dich richten. Wenn der Baum gegen Mittag oder Mitter=238 ternacht fällt / auf welchen Ort er fallen wird / da wird er liegen / Cohelet. 11. v. 3.

Wir fragen den Tag manchmal: wie viel schlägts? damit wir diese und jene Zeit und Gelegenheit nicht versäumen. Wie offt ziehet mancher seine Englische / silberne / güldene / mit kostbarem Schmeltzwerck gezierte Repetir-Uhr heraus / theils zum Pracht / theils damit er nichts / keine Compagnie / keine Opera oder Comödie / keinen Ball versaume. Aber wie wenig sehen deßwegen nach der Uhr / daß sie sich gefast halten / die ungewisse Zukunfft des HErrn nicht zu versäumen! wie fleissig zieht doch mancher seine Uhr auf / aber die Gewissens=Uhr verwahrloset er / und lässet dieselbe liederlich ins Stecken gerathen und gleichsam verstehen und verrosten.

Rechtschaffene Liebhaber der Uhren sehen fleissig nach der Sonnen / und richten ihre Hauß= und Sack=Uhren nach der Sonnen=Uhr / und können also nicht betrogen werden / so anders ihre Uhren richtig / und wenn sie auch nicht allzurichtig gehen / so suchen sie selbige doch / so viel möglich / nach der Sonnen zu richten. Rechtschaffene Christen und Liebhaber der göttlichen Ordnung 239nung richten ihr Leben fleissig nach dem unbetrüglichen Wort und Willen GOttes / und wenn es nicht damit übereinstimmen will / so ändern sie sich / so viel möglich / darnach / wolwissend daß solche Diferentz Gott / der ein GOtt der Ordnung ist / unmöglich gefallen könne / sondern lauter gefährliche Mißhelligkeiten und schädliche Fehler daraus entstehen.

Nun will aber GOTT / daß wir wachen und beten / und uns auf die letzte Stunde des Todes so wohl / als auf die letzte Stunde der Welt immerzu gefast machen und bereit halten sollen / auf daß wir unserm Tod so wohl / als auch dem Himmlischen Bräutigam mit den 5. klugen Jungfrauen / entgegen gehen / und mit ihm zum Himmlischen Hochzeitmahl seelig eingehen mögen. Man hat nicht nur Zeig= und Schlag=Uhren / sondern auch Weck=Uhren / welche man also richten kan / daß sie Morgens gegen Tag / oder auch um welche Stund man es haben will / ein grosses Geschell machen und die Menschen von Schlaff erwecken / welches gar ein nützlich und manchmal nöthiges Ding im Haußhalten ist / zumahl man leichtlich eine Zeit und Gelegenheit ver=240 verschlaffen kan / daraus offtmals ein empfindlicher Schade entstehet. GOtt hat die Seelen der Menschen zu einer Weck=Uhr gemacht indem er / ihr das Gewissen beygefüget / welches uns von Sündenschlaff pflegt fleissig aufzuwecken / und offtmals unversehens / wie die Ohren / anfängt zu klingen und zu kollren / daß mancher Mensch / dem sein Christenthum ein Ernst ist / davon erwecket und erschröcket wird / daß er anfäht / wie dort David / da ihm das Hertz angefangen zu schlagen / und er geklagt: Jch werde sehr hart beängstiget 1. Reg. 24. v. 10. Voller Angst zu werden und sich nach Gnade umzusehen. Denen aber ihr Christenthum kein Ernst ist / begegnet / was allen faulen Gesellen geschieht / die nemlich / ob sie gleich den Wecker ihrer Uhr hören / sich aber nicht daran kehren wollen / sondern sich erst noch auf die andere faule Seiten legen / und also die bestimmte Zeit / wenn sie hätten aufstehen sollen / liederlich verschlaffen. Denn also verachten viel den Gewissenswecker ihrer Seelen / und fahren im Sünden=Schlaff fort / und ob sie auch dessen öffter / durch öffentliche Warnungs= und Straff=Predigten auch besondere Erinnerungen erin 241erinnert / und ihnen die Worte CHristi vorgehalten werden aus dem Marco am 13. Cap. v. 33. Sehet zu / wachet und betet / denn ihr wisset nicht / wenns Zeit ist / so wollen sie nicht hören.

O verdammte 7. Schläffer! Jhr werdet nicht hören noch von euerm Sünden=Schlaff aufstehen / biß ihr die Gnaden=Zeit verschlaffen / und der letzte Donner=Schlag deß Jüngsten Tags euch erwecken und erschröcken wird: da ihr zu spath heulen und schreyen werdet: O ihr Berge fallet über uns und ihr Hügel bedecket uns! Was ich nun euch sage / das sage und schreibe ich hier allen: Wachet!

Die Stund einmahl ist ungewiß / Drum deß Gewissens nicht vergiß .
Q Num. 242
Num. 55. Quotidie morior. 1. Cor. 15. v. 31. Betracht ich / was ich mußwerden /So veracht ich wohl die Erden.

WJeWIe ein angezündtes Liecht / so bald es anfängt angebrandt zu werden / von seinem Wesen etwas durchs Feuer verleuret / und je länger es brennt / je kürtzer es / und immer fast unempfindlich abnimmt / biß es endlich gantz ausgebrannt und erlischt / vergeht und stirbt / und lässt nichts / als ein wenig Docht / Unflat und viel Gestanck hinter sich / davor man die Nasen zuhält / und besorgt / man dörffte eine Galanterie=Kranckheit davon bekommen.

So gehts so wohl denen / in den Gedancken der Stoltzen / verachteten Liechtlein / als auch denen grösten Kirchen= und Staats=Liechtern der Welt / und heisst mit ihnen

Quotidie morior. 1. Cor. 15. v. 31. Betracht ich, was ich noch muß werdenSo frag ich wenig nach der Erden.

243ihnen allen: Quotidie morimur. Wir sterben täglich / und verliehren alle Stunden eine Stund von unserm Leben und eilen zum Ende / je länger wir leben / je mehr wir sterben. Wir meynen zwar offt / unser Leben sey einer langen grossen Wachs=Kertzen gleich / welche lang zu brennen pflegt / und bilden uns ein / wir wollen noch lange und herrlich leuchten: Allein es ist unser gantzes Leben offtmals nur ein Stümpfflein / nur ein dünnes Gauckel=Liechtlein / welches / ehe man sichs versiehet / auslöscht. Wie viel verlöschen schon in der Latern / das ist / im Mutter Leib / vielen / die kaum etliche Stunden brennen / blässt der Tod desdas Lebens=Liechtlein plötzlich aus. Es mag leicht ein rauhes Windlein / ein Fieberlein eine Gelb= oder Schwindsucht / ein Flüßlein sowohl Grosse als Kleine / Hohe als Niedere / Reiche als Arme / ein wenig anwehen / so ists mit ihnen geschehen. Das Lebens Liecht ist ausgelöscht. Absonderlich geht das Ding offt zu / zur Zeit der Pestilentz / oder im Krieg / da blässt immer einer dem andern das Liecht aus / ehe man Hui! oder Pfui sagt / da hält man bald die Q 2Na=244 Nasen zu / und fürcht sich vor dem Todten=Blasbalg.

So ist dann das gantze Menschliche Leben / so lang es währet / ein continuirliches Sterben? Ey / wer lebt dann auf der Erden / wenn alle fort und fort / von Stunden zu Stunden sterben? Ach niemand denn GOTT / die Heilige Engel und der Menschen Seelen / wiewohl der Menschen Seele geistlicher Weise ebenfalls sterben können / sowohl wenn sie / durch boßhaffte wissentliche Sünden / das Leben / das aus GOTT ist / den Heiligen Geist verliehren und vor GOttes Augen / wie jener Bischoff zu Sarden Apoc. 13. v. 1. lebendig todt sind / als auch wenn die Seelen ihren bösen Lüsten und Sünde absterben. Wie jenes Sterben ein unseliges Sterben ist / wenn eine Menschliche Seele GOTT und seiner Gnade abstirbt / so ist hergegen dieses Sterben / wenn ein Menschen=Seel den Sünden und Eitelkeiten der Welt / der Wollust / dem Ehr= und Geld=Geitz / der Hoffart / Zorn und Eigensinn abstirbt / ein GOtt=gefälliges / rühmliches und seeliges Sterben. Denn wer stirbt / ehe er stirbt / der stirbt nicht / wann er stirbt.

Zu 245

Zu dieser Kunst / täglich zu sterben / gehört mehr als ein paar Schuh / mehr als ein geistlicher Rock / mehr als eine Capuziner=Kutten. Man darff eben nicht mit jenem Altvatter in einem Todten=Grab wohnen / damit man täglich sich seiner Sterblichkeit bestens erinnern und täglich sterben möge. Wir haben in allen Orten Anleitungen genug / solches zu betrachten und zu lernen. Wir dörffen nur in unsere Busen fühlen / und die Schläge unsers Hertzens zehlen / um einen jeden Schlag kommen wir näher zum letzten / wenn das Hertz zerbricht und nicht mehr schlägt. Da man denn gemeiniglich / wenn ein Mensch gestorben ist / wie viel es schlägt / zu fragen pfleget / damit man anzeigen könne / in welcher Zeit und Stunde er verschieden. Hörst du aber eben jetzt / da du dieses liesst / etwann eine Uhr schlagen / schlägts drey / vier / fünff / oder ein und anders Viertel einer Stunde; Vielleicht ists eben diß die Zeit / da man auch von dir sagen wird: Um diese Stunde und diese Viertel Stunde ist der oder die verschieden / und hat eben den letzten Seufftzer gethan. Diese Meditatio mortis solle unser gantzes Studiren seyn / so werden Q 3wir246 wir nicht Zeit haben / mit so vielen eitlen / irrdischen / nichtigen / ja sündlichen und verdammlichen Dingen uns zu schleppen und die Köpffe darüber zu zerreissen / und also das nöthigste / die Kunst täglich und seelig zu sterben / darüber nicht versäumen / wie viel tausend Sterbliche pflegen / die von keinem Sterben hören noch wissen wollen / und wenns möglich wäre / gern ewig lebten / allein indem sie sich vor dem Sterben fürchten / so sterben sie schon täglich / sie wollen oder wollen nicht / oportet! und muß jeder Mensch bekennen: Quotidie morior.

Wohl aber denen / die täglich absterben / und diß Jrrdische bey Zeiten verachten lernen! sie werden im Sterben täglich und stündlich zum ewigen Leben neugebohren werden.

Betracht ich / was ich muß werden / So veracht ich wohl die Erden.
Num.

Pretiosa in conspectu Domini mors Sanctorum Psal. 115. v. 15. Der ist wohl gerecht gestorbender den Him̅el hat erworben.

247 Num. 56. Pretiosa in conspectu Domini mors sanctorum. Psalm 115. v. 15. Der ist wohl gerecht gestorben /Weil er den Himmel hat erworben.

SEelig sind / die in dem HErrn sterben. Ob sie manchmal noch so unseelig auf dieser Welt zu seyn scheinen / und wegen der schwehren Last des Creutzes CHristi / so sie ihrem Heyland / in Verachtung / in Armuth / in Kranckheit und Schmertzen / in Verfolgung und tausenderley Qual / Marter / Noth und Tod / gehorsam und getreulich nachtragen / nichts geachtet werden.

Hergegen unseelig sind / die nicht im HErrn sterben / ob sie schon öffters noch so seelig auf dieser Welt / wegen ihrer äusserlichen zeitlichen Glückseeligkeit / Ehre / Herrlichkeit / Reichthum / Gesundheit WolQ 4lust248 lust und Freuden zu seyn scheinen / und von Creutz wenig wissen noch fühlen / vor glückseelig gepriesen werden. Denn wer nicht im HErrn lebt / kan nicht im HErrn sterben / und also in der Ewigkeit den Nutzen und Früchte des Creutzes Christi nicht geniesen / sondern weil er hier / als ein Feind des Creutzes Christi in Unglauben / Sünd und Lastern gelebt / so wird er auch als ein solcher sterben / und als ein Feind des Creutzes Christi in der Ewigkeit tractirt werden. Ob er hier noch so seelig gepriesen / noch so soso herrlich begraben worden / so ist und bleibt er doch in den Augen GOTTES / aller Heiligen Engel und Auserwehlten ein Greul und Höllen=Brand. Da hingegen die im HErrn sterben / und hier weder Ehr noch Lob / ja weder ehrliche Begräbnis / noch Leich=Begängnis / erlangen können / sondern als ein Fluch und Feg Opffer aller Leute verdammt und verworffen worden / in den Augen GOttes und des gantzen Himmels / hoch angesehen / lieb und werth geachtet werden. Die in den Gedancken der Stoltzen hier verachtete Liechtlein / werden dorten als Sonnen gläntzen / da hergegen die grosse Sonnen und Mond 249Mond und Stellæ primæ magnitudinis, dorten totaliter eclipsiren und verfinstert werden sollen. Da wird man erst sehen / was für ein Unterscheid seye zwischen den Gerechten und Gottlosen / zwischemzwischen dem / der GOtt gefürchtet und im HErrn gestorben / und zwischen dem / der nicht im Herrn gestorben ist / noch GOtt vom Hertzen kindlich gefürchtet hat. Da werden die Gottlosen erschrecken für der grossen Seeligkeit der Frommen / und für Seelen=Angst seufftzen und sagen: Das ist der / welchen wir für einen Narren hielten und für ein nisch Bey= und Possen=Spiel. Wir Narren hielten sein Leben für unsinnig / und sein End für eine Schande / wie / ist er nun gezehlet unter die Kinder GOttes und hat sein Erb und Platz unter den Heiligen? Ach wir haben des rechten Weegs verfehlet und sind eitel unrechte und schädliche Weeg gegangen! was hilfft uns nun der Pracht? Was giebt uns nun der Reichthum samt dem Hochmuth? Es ist alles dahin / aber wir sitzen in der Brüh und haben den Fleck neben das Loch gesetzt / indem wir die zeitliche Glückseeligkeit vor die ewige erwählet. Das Gute verspottet / das Böse gelobet / Q 5das250 das Jrrdische geliebet / das Himmlische negligirt / unter welchen unseelig verachteten und verdammten Höllen=Bränden auch ohne Zweiffel / der Seelen nach / schon braten wird / jener Spötter / so / auf wohl=gemeynten Zuspruch eines Dominicaners: Moriamur in Domino! demselben die Kappe / oder den sogenandten Dominum abgezogen sein Haubt darein verhüllet und Spott=weise gesagt: Moriamur in Domino! und ist also nicht in Domino, sondern im Diabolo gestorben / und in solchem Narren=Schertz in die Hölle gefahren. Wohl denen / die hier verachtet / doch aber bey GOtt in Ehren sind. Lasset uns fein fromm und heilig leben und in guten Wercken uns unaufhörlich üben / so wird auch unser Tod / er werde hernach vor der Welt werth oder unwerth geachtet / vor den Augen GOttes werth gehalten werden / und uns zur Grabschrifft dienen können:

Er ist wohl gerecht gestorben Weil er den Himmel hat erworben.
Num.

Posuisti in nervo pedem meum. Job. 13. v. 27. Jch bin wohl ein elender Krippelund tantz doch nach des Todes trippel.

251 Num. 57. Posuisti in Nervo pedem meum. Hiob. 13. v. 27. Jch bin wohl ein elenderKrippel /Und tantz doch nach des Todes Trippel.

DJeseDIese Welt ist voller Schlingen und Fuß Eisen gelegt / und gehets den Menschen / wie einem Hun / so beym Sailer in der Stuben herum laufft / welches sich bald da / bald dorten in das Wergg und Hanff verwickelt / und je länger es herum gehet / je mehr verwickelt wird / biß es endlich gar nimmer fort gehen kan. Das sind erstlich die geistliche Bande / darein uns die Welt verwirret / wenn man durch Unnachlässigkeit / Fressen und Sauffen / Kollern / Zörnen / Hadern und Zancken / Schlagen / Hauen / Stechen / Huren und Ehebrechen / und dergleichen Uppigkeiten nicht allein die Seele sündlich und gefährlich verwickelt /252 wickelt / sondern auch die Glieder des Leibs / sonderlich Hände und Füsse also mißbrauchet / daß endlich dieselben contract, krumm und Lahm / und von so hitzigen Nerfen=Flüssen / so man vor Zeiten Chiragra und Podagra beehrntittelt / angefesselt / daß solche Patienten denen Heydnis. Götzen gleich werden / von welchen gesagt wird: Sie haben Hände und greiffen nit / sie haben Füsse und gehen nicht. Kommt dann Stein und Colic dazu / so ist der Tanz fertig. Dieses abscheuliche Trifolium, so gerne an einander hängen / als wie die Blätter im Klee / können einen zu einem grössern Hiob machen / als jener / da er auf dem Mist=Hauffen gesessen / und seine Schwären mit Scherben geschabt / jemals gewesen.

Jn diesen schlimmen Hanff verwickelt gehen viel 1000. auf der Welt / als in Ketten und Banden herum / wenn es nicht gehinckt oder gezescht heissen soll. Denn man muß gar spitzig mit und von solchen Leuten handeln / die Excandescia überlaufft sonst ihr gantz Angesicht / als wie einem welschen Hahn der Pip / daß sie anfangen zu kollern und zu schreyen / als wie jene / wenn man ihnen ein Scharlach=farbes Fleckel vor die 253die Augen hält / oder zu einen Galliard eines aufpfeifft / da wollen sie oben aus und nirgend an / allein das Beste / sie sind von Tod arrestirt / damit sie ihm nicht davon lauffen.

Ehe sie sichs versehen / steigt der erbare Herr Zipper wie die Katz dem Buckel hinauf / und setzt sich in den Nacken / daß sie den Kopf weder wenden noch aufheben können / und folgends in den innern Leib / und marschirt als die lauffende Gicht / bald da bald dort um einen Creiß herum / biß der Herr Tod ihne̅ die Füsse wieder zu recht legt / regt und streckt / daß ihnen das Hertz kracht / und alle Gelencke zerbrechen möchten / wenn sie mit ihm forttantzen und klagen müssen: Posuisti in Nervo pedem meum.

Jch bin wohl ein elender Krippel / Und tantz doch nach des Todes Trippel.
Num. 254
Num. 58. Sicut tela Aranearum. Job. 8. v. 14. Deß Menschen Leben /Wie Spinnen=Weben.

DA Adam hackt und Eva span / wer war damals ein Edelmann. Ob sie einen klaren oder groben Faden gesponnen / ist schwehr zu errathen / so ist nicht wissend / wer sie spinnen gelehret / und ob sie es denen Spinnen oder Seiden=Würmern abgespickt habe. Jch habe zwar in keiner Kunst=Kammer / auch unter keinem Heiligthum dergleichen Rarität / angetroffen. Die Holländischen Mägdigen oder vielleicht auch Jungfern pflegen so wohl in denen Spinnhäusern / als andern Privat=Häusern / ob sie gleich nicht allezeit Seiden spinnen / den aller subtilsten / klärsten / reinsten und nettesten Faden zu spinnen / darüber sich unsere Lands=Leuth / die ohnedem nicht gerne spinnen / öffters höchlich verwundern. Allein was soll alle diese zarte Ar=

Sicut tela aranearum. Job. 8. v. 14. Des Menschen Lebenwie Spin̅eweben.

255Arbeit der Menschen gegen dem subtilen Spinnen der unvernünfftigen Thiere / nemlich der Seyden=Würmer und Spinnen seyn? da gehets mit subtilern Flachs und Fingern / Spulen und Haspel zu. Der Seyden=Wurm ist zwar künstlich / indem er sich selbst in einem Knäul einspinnet / und sich gleichsam sein Bett und Grab selbst bereitet. Die Spinne aber ist noch künstlicher / sie spinnt nicht allein einen durchsichtigen kaum sichtbaren Faden / sondern sie giebt auch einen Weber und Netzstricker / welches sie gar künstlich nach der Geometrie pflegt auszuwürcken / ja sie gibt zugleich einen Seil=Tantzer / so auf solchem subtilen Faden unaussprechlich geschwind herum laufft / und überdas alles auch einen Vogelfänger / denn sie lauscht in der Mitten ihres Garns / kommt nun eine Mucke so ziehet die Spinne augenblicklich das Netz zu / und eilet auf den Fang geschwinder als alle Vogelsteller nach den Lerchen und Fincken / wenn sie zugezogen. Jndem aber diese künstliche Spinnerin / Weberin / Seil=Tantzer= und Vogelfängerin ihren Raub am begierigsten verzehrt / siehe so kommt unversehens eine schmutzigte / schmerbigte / ge=256 geschäfftigte / aufgepfläntzelte staubige Tocken / die Stuben=Magd mit ihrem stumpffigten Kehrbesen / und reisst der allerkünstlichen Spinnerin der Welt / von der vielleicht die Eva selbst das Spinnen gelernet / mit vielen harten / rauhen / tyrannischen Schmäh=Worten ihr gantz Meister=Stuck und Kunstgeweb in einen Augenblick ein / tritt sie gar mit Füssen / da die ungeschickte Spinnen=Feindin / nicht ein einiges Fädenlein so subtil, zart und nett spinnen könnte / wenn ihr das Leben gelten solte. So bald ist die Spinn=Kunst / das allen seidenen Flor übertreffende Geweb / die Wundersame Seiltantzerin und Vogelfängerin / samt Meister und Gesellen zu nichte gemacht / daß man kein Härlein davon mehr sehen kan. Jch weiß nicht / haben die Mägd vom Tod / oder der Tod von Mägden diese geschwinde Vernichtung solcher raren Künstwercke gelernet.

Weil das Menschliche Leben leyder auch einer Spinnen=Webe gleich / die augenblicklich kan zu nichte werden / so macht sich der Tod kein Gewissen / und reisst eines Menschen Lebens=Faden samt seinem gantzen Hirn=Gespinst / ob es manchmal noch so 257so subtil und künstlich gesponnen und schön gewebet ist / in einem Hui und Augenblick gäntzlich ein / und zwar offtmals mitten im Säiltantzen und Vogelfangen / mitten in Spintisiren und Stilisiren.

So offt wir dergleichen Kunst=Werck und Geweb an unsern Fenstern hängen sehen / sollen wir gedencken / GOtt und die Natur haben uns solches auch deßwegen vor die Augen weben lassen / damit wir uns / bey Betrachtung desselben / unserer Sterblichkeit erinnern / unverzüglich durch wahre Buß / zum Sterben bereiten und bekennen sollen:

Deß Menschen Leben! Wie Spinnen=Weben.
R Num. 258
Num. 59. Quid superbis terra & cinis. Eccles. 10. v. 9. Der Mensch ist in dem Todverführt /Wenn er auf Erd und Aschstoltzirt.

JCh hab mein Lebtag keinen Pfauen mit einem Menschen=Todten=Kopff gesehen / aber viel Menschen mit Pfauen= und Todten=Köpffen! Man darf nur die guldenen u. Silbernen Hörner zusamt der Haut über den Kopff ziehen / so werden wir bald einen A la mode Pfauen / mit einem Todten=Kopff und galanten Frauen=Schmuck sehen / der Pfau ist zwar ein stoltzes Thier / wenn er 10. Schwäntz mit noch viel 100. Spiegeln hätte / so würde er sie alle ausbreiten / und solte er die gantze Donaubrücken damit einnehmen / aber ein

Quid superbis, terra & cinis? Eccl. 10. v. 9. Der Mensch ist in den Tod verführtwan̅ Er auf Erd v. Asch stolzirt.

259ein hoffärtiges Frauen=Zimmer ist bey weitem viel stöltzer. Der Pfau prangt nur mit seinem eignen Schwantz / aber manches in sich und viel andere verliebte und verschossene Frauen=Zimmer pranget mit viel fremden Schwäntzen / so wohl auf dem Haupt / als sonst an ihren langen / weit nach schleiffenden / und weit sich ausbreitenden Pfauen=Federn.

Die Jndianer / in warmen Ländern schürtzen sich mit allerhand bunten Papegeys= und andere schön gefärbten Vögel Federn. Jch glaube / wanns mancher Dalilä keine Schande wäre / sie äffte auch dieser Mode nach / und kleidete sich in lauter Pfauen=Federn. Wer weiß / was der Mode=Teuffel für neue Muster aus Frankreich bringen wird / damit die Feder=Schmucker / so ohnedem nit viel Schlitten=Pferde auszustaffiren haben / vor das Frauen=Zimmer etwas zu arbeiten bekommen mögen. Da wird dann ein Pfau zehen Pfauen und ein Papegey zehen Papegeyen machen. Da wird man den Vogel an den Federn bald können lernen. Wiewol solche Tracht wohl manchen Königlichen Schmuck übertreffen möchte. Dahero R 2der260 der weise Philosophus Solon, den König Crœsum, welcher ihm / auf dem Thron in seiner höchsten Zierd und Herrlichkeit sizend seinen Pracht gezeigt und gefragt: Ob er dergleichen Schmuck gesehen / nur ausgelacht / und gesagt: Er habe Pfauen / Phasanen / Papegeyen und andere Vögel gesehen / welche viel schöner und herrlicher geschmuckt gewesen / als er der prächtige Crœsus, in solchen zusammen geklaubten Eitelkeiten. Lächerlich kommts heraus wenn man bedenckt / was die elende stinckende Menschen für eine leichtfertige Thorheit mit ihrem Pracht und Hoffart begehen. Sie nehmen und berauben anderer Creature das ihre / und prangen damit / von denen Schafen nehmen sie die Wollen / und spinnens / färben sie entweder mit Holtz=Blume̅ / oder Purpur=Würmlein / die Kleider / so sie ihnen daraus nach der lächerliche̅ Mode machen lassen / ziehen sie an / und bedecken damit ihre Schand= und Sünden=Blösse / so ihr Frau Groß=Mutter mit Feigen=Blättern im Paradieß zugedeckt / brüsten sich wohl in solchen ihrem Schanddeckel / und bilden sich ein / wenn ihr schönes tolles gefärbtes Kleid schön gläntzet und schim= 261schimmert / sie gläntzen und schimmern also / da ihr gelbe / schwarze oder blasse Haut ehender einem Todten=Kittel / als einem solchen Schmuck ähnlich. Die armen Seiden=Würmer berauben sie ihrer Spinnen=Weben / und machen allerley Taffend und andere Gezeiche daraus / und prangen darinnen / die Würmer mit Würmer=Gespinst. Die unschuldigen Muscheln berauben sie mit Gewalt ihrer gläntzenden Perlen / hängens / als einen Strick um den Hals und Arme / und meynen / sie gläntzen so schön; So machen sie es auch mit den Edelgesteinen / Gold und Silber / welche sie theils aus tieffem Sand im Meer / oder aus den ausgehöhlten Bergen / mit vieler 1000. Leib= und Lebens=Gefahr heraus graben und wühlen; Wann die an ihnen wie Sonn und Sternen funckeln / so glauben sie gantz alber / sie seyen so Majestätisch / schön und herrlich? da doch alles / was sie um und an haben / nur von andern geraubte Sachen / und dazu bloß aus der Einbildung der Menschen so hochgeschätzete / nichtige vergängliche Eitelkeiten sind. Solte man nicht ein Vergleichung anstellen zwischen denen Hottentotten / so sich mit Menschen=Balsam beR 3strei=262 streichen / und meinen / wer am besten stinckt der sey der Schönste. O klügste Narren und vornehmste / aber Respect, Frauen=Zimmer da! Und kommt mir solcher Schmuck nicht anders für / als wie beym Æsopo, von der Aelster erzehlet wird / daß sie / ihr ein Ansehen bey andern Vögeln zu machen / sich mit allerhand andern Vogel=Federn ausgeschmückt / als aber hernach die andern Vögel den Betrug gemerckt / und ein jeder seine Federn wieder zu sich genommen / siehe so stund die zuvor so herrlich gekleidete Aelster gantz beschämt nackend da / und muß sich von andern sen Vögeln auslachen lassen. Also / wenn die Schafe ihre Wolle / der Seiden=Wurm sein Gespinst / die Bäum ihre Baum=Wolle / der Flachs seine Leinwad / die Muschel ihre Perle / das Meer seine Edelgesteine / und die Berge ihre Gold und Silber und Diamanten / die weissen Geißböck ihre blonden Fabricklein wieder abholten / was sollte hernach eine mit fremden Gütern und Federn so toll heraus gebutzte Aelster haben / da stehet sie nackend und bloß / arm und elend / ohne Glantz und ohne Krantz.

Von Pfauen glaubt man / daß wenn er mit= 263mitten in seinem Prangen unversehens seiner heßlichen / gelbschwartzen Adamischen Füsse ansichtig wird / er sich dafür entsetze und schäme / auch alsobalden seinen ausgebreiten schönen Spiegel=Kram einlege und zusammen ziehe / wie die Frauen=Zimmer einen Parißischen Fugger. Ach daß doch alle solche Pfauen=Affen / alle stoltze Frauen=Zimmer / in den Spiegel der Selbst=Erkänntnis / wenn sie pralen und prangen / ein wenig sich betrachteten / und ihres Menschlichen Elendes und absonderlich deß Weiblichen Geschlechtes Schwachheit / Unvollkommenheit und Beschwehrlichkeit / womit sie GOtt vor andern Geschöpffen belegt / vornemlich aber daß sie mit Leib= und Lebens=Gefahr und vielen entsetzlichen Schmertzen / Kinder gebähren / und ihren Männern / als ihren Herren müssen unterthan seyn / und noch überdasüber das alles / alle Stunden des Todes / und so sie in Kinds=Nöthen sterben / des erschröcklichen und erbärmlichen Todes sterben / und zu Staub und Aschen werden / ja auch vor dem gestrengen Richterstuhl CHristi / am Jüngsten Gericht / wegen ihres verfluchten Prachts / Stoltz= Hoch= und Ubermuths schwehre R 4Rech=264 Rechenschafft geben müssen / so würden sie doch etwann in ihrem Gewissen schamroth werden / und ein jede sich selbst bestraffen und anreden! Quid superbis terra & cinis? Was erhebt rc. und selber diesen Schluß machen:

Der Mensch ist in den Tod verführt / Wann er auf Erd und Asch stoltzirt .
Num.

Advena sum, et Peregrinus. Psal. 38. v 13. Mein Leben ist ein Wandernvon dieser Welt zur andern.

265 Num. 60. Advena sum & peregrinus. Psalm 38. v. 13. Mein Leben ist ein WandernVon dieser Stadt zur andern.

ES ist zwar ein altes und bekandtes Sprichwort / wenn man von einem Menschen / der sich in sich selbst vergehet / oder auf teutsch nicht gar zu regulier in seinem Verstand und Hirn=Häusel ist / sagt: Er ist nicht recht zu Haus. Allein man muß diß Sprichwort über alle Menschen ausdehnen. Es ist leyder! hier kein Mensch recht zu Haus. Wir haben hier keine bleibende Stätte / unser Leben ist eine Wallfarth / ein Pilgerschafft. Unser Heimat und Vatterland ist im Himmel. Warum schreiben sich aber so viele grosse / mittelmässige / kleine und gar kleine Herren / von diesem oder jenem Strich der Erden von diesem oder jenem Königreich / Fürstenthum / von dieser oder jener Grafschafft und Herrschafft / von und auf diesen oder jenem Ritter=Sitz und Bauren=Gut / so offt R 5nicht266 nicht einmal in rerum natura zu finden / und in diejenige Land=Charten zu setzen / welche einsten einem grossen Potentaten ein grosser kurtzweiliger Rath / (weil man solche keine Narren mehr heissen darff) præsentirt / darinnen lauter neugebackener / erschröcklicher grosser Herren invisible Land Güter / davon sie sich herschreiben / sub loco eingezeichnet zu finden waren? Weil sie nicht wissen wollen / daß sie sterben und davon müssen / unerachtet sie täglich erfahren / wie dieser Land Herr / jener reiche Nabal unversehens fort gemust / und sein vermeynte erbliche Eigen=herrliche Güter andern lassen müssen. Der alte Jacob hat diese Pilgerschafft besser verstanden / wenn er dem Pharao bekannt: Die Zeit meiner Wallfarth ist 130. Jahr / wenig u. böß ist die Zeit meines Lebens / und langet nicht an die Zeit meiner Vätter in ihrer Wallfarth Gen. 47.

Dieweil wir im Leibe wohnen / so wallen wir dem Herrn / sagt Paulus 2. Cor. 5. und giebt ein gutes Exempel zur Nachfolge / wenn er dazu sagt: Wir befleissigen und bemühen uns / daß wir sind daheim oder wollen / daß wir dem HErrn wohlgefallen gen. Allein könnte hier wohl jemand fragen 267gen / kan denn ein Mensch zugleich auf dieser Welt und daheim seyn / und als ein Pilger hier fremd seyn und wallen? Freylich: Jch bin beedes / dein Pilgram u. dein Bürger / wie alle unsere Vätter / bekennet David vor GOtt selber im 38. Ps. v. 13 dein Bürger dorten im Himmel / da unser Politevma und Burger=Recht ist / Philip. 3. 20. dein Pilger hier auf Erden. Wie kommts aber / daß die Menschen / so hier nicht recht zu Haus / sondern Pilger und Fremdlinge sind / auf dieser Welt doch also leben / als wollten oder müsten sie hier ewig leben? Und hätten kein ander oder besser Vatterland zu hoffen? Darinnen sind sie eben nicht recht zu Haus / weil sie meynen / sie seyen hier recht zu Haus.

Wenn ein Pilgram oder Wandersmann sich im Wirths=Haus einlogiren und auf der Reiß verweilen wollte / als wollte er beständig daselbst verbleiben / gleichsam als in den Seinigen / was würden ihm von der Wirthin / für scheele Gesichter zu Gesicht kommen / wie offt würde ihm ausgebotten / und das Allon / fort! fort! vorgepfiffen und vorgesungen werden? Absonderlich wo er kein Geld mehr hat / ja es dörffte ihm end=268 endlich gehen / wie dem verlohrnen Sohn / den man die Müh überhoben / daß er seine a la mode Kleider nicht selbst tragen dörffen / und der Post=Weeg mit einem Böhmischen Ohr=Löffel gezeiget / daß es heisset: Hier ist nicht gut seyn. Mein Weeg ist der weiteste. Noch weniger sind viel 100000. Menschen recht zu Haus / als ein solcher unglücklicher Quartier-Meister: Denn sie leben / als wenn sie hier ewig leben müsten oder dörfften. Sie bauen Palläste / kauffen Güter und machen sich mehr zu schaffen / als jener reicher Korn=Jud / der Juda dem Ertz=Schelmen an Bart und Part, nicht ungleich gewesen / so schon ein neues Korn=Haus / wie ein Schloß in die Lufft gebauet / aber zu Stund hören müssen: Du Narr / heute wird man deine Seele von dir fordern. Heute wird dich der Tod auf seiner leichten Post-Chaise in die andere Welt abholen. Du must nur endlich auch gestehen: Hier niemand zu Haus:

Mein Leben ist ein Wandern Von einer Welt zur andern.

Vergiß nur das Beste nicht!

Num.

Nihil coinquinatum introibit in regnum coelorum. Apoc. 21. v. 27. Lern Mensch die Sünde meiden,Sonst must auch du hier leiden.

269 Num. 61. Nihil coinquinatum introibit in Regnum Cœlorum. Apoc. 21. v. 27. Lern Mensch die Sünde meiden /Sonst must du auch hier leyden.

DEr bußfertige David / wenn er in seinem Gewissens=Register zuruck geblättert und so viel grobe Schnitzer gefunden / so er in seiner Jugend gemacht / ist er dafür hertzlich erschrocken / und hat GOtt dieselben immer wieder aufs neu abgebetten und geseufftzet: HERR / gedencke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Ubertrettung rc.

Wenn der verlohrne Sohn / nach seiner Bekehrung / zuruck gedacht / wie er sein Gut mit Huren verschlungen / verhoffartet / verbralet und verprasset hat / so wird er sich ohne270 ohne Zweiffel / wo er anderst in wahrer Busse beharret / wenig darüber erfreuet / wohl aber hertzlich betrübet / und eben dergleichen Kyrie eleison! mit David angestimmet haben. Gleichwie sich alte Gottlose ihrer Sünden der Jugend rühmen und freuen / und aber damit dieselben / weil sie Wohlgefallen daran haben / auf das Neue begehen und wiederholen / auch ihre Gewissens=Wunden / sie zur Zeit / aus Verblendung des Satans / noch nicht fühlen / nur grösser / tieffer und gefährlicher machen; also pflegen hergegen / alte / kluge / fromme / bußfertige Ehren=Greissen / so offt sie einiger Sünden ihrer Jugend eingedenck / oder / durch allerley Gelegenheit / daran erinnert werden / wie David dafür hertzlich zu erschrecken / und mit Daniel und dem Jsraelitischen Volck bekennen; Wir müssen uns schämen / daß wir uns so sehr versündiget haben / trösten sich aber dabey / daß ihnen solche begangene Sünden in der Beicht vergeben / und mit dem Purpur=Mantel des blutigen Verdiensts Christi zugedecket / und ihre Gewissens=Wunden durch Christi Wunden zugeheilet worden: Und warnen die jungen Leute / daß sie sich bey= 271beyzeiten für solchen Sünden hüten sollen / damit sie nicht im Alter dermaleins eben dergleichen Nachwehen / in ihrem Gewissen fühlen / und sich ihres vorigen Lebens vor GOtt und allen H. Engeln und Menschen schämen müssen. Deßwegen der H. Apostel seinem lieben Lehr=Schüler dem Timotheo 2. Epist. 2. 22. fest eingebunden: Fleuch die Lüste der Jugend / als da sind Frechheit / Sicherheit / Hoffart / Muthwillen / Verwegenheit / Unmässigkeit / Unzucht und Scortesie, Spielen / Rauffen / Balgen und andere Wercke der Finsternis. Wie dann solche saure Früchte auf den jungen ungeschnatten Bäumen gar gerne wachsen / und manches junges Blut / wie ein junges ungezäumtes Pferd sich in allerley Sünden und Wollüsten / pflegen zu tum̅eln und herum zu weltzen / die aber offtmals in solchen Dölpel=Jahren / da sie sich klüger düncken / als alle ihre Lehrer / ja alle Weltweisen und Schwartzen aus Griechenland so anlauffen / und manchmal zu ihren Glück / den̅ mit Schaden wird man klug / manche zu ihren zeitlichen und ewigen Unglück so anhutzen / daß sie des Aufstehens vergessen. Denn O wie viel solcher Kalbs=Häute hat der272 der Tod schon zu Marck getragen! die sich zu todt geritten / zu todt getruncken / zu todt gefochten / zu todt getantzt / zu todt courtisirt. rc. So führen auch die Sünden der Jugend zu einen frühzeitigen Tod unversehens Berg ab / ins Grab. Wenn nun nichts Gemeines oder Unreines ins Reich GOttes soll eingehen / so mögen solche zusehen / wenn sie nicht in der Gnaden=Zeit sich rechtschaffen bekehren / wie sie dem Feuer entgehen mögen / welches die Flammen und Brunst der hitzigen Jugend besser schen kan / als alle kalte und warme Bäder in Welschland und Teutschland.

Lern Mensch die Sünde meiden / Sonst must du auch hier leyden.
Num.

Miseremini mei, miseremini mei, &c. Job. 19. v. 21. Erweget doch auch unsr Pein,So werdet ihr mitleidig seyn.seyn.

273 Num. 62. Miseremini mei, miseremini mei &c. Job. 19. v. 21. Erweget doch auch unserPein /So werdet ihr mitleidig seyn.

NAchdem Jonas sein Buß=Predig zu Ninive vollendet / gab er sich aus der Stadt hinaus / und setzete sich unweit derselben auf einen Hügel / den Ausgang zu erwarten / was doch der Stadt möchte wiederfahren / machte ihm auch anbey eine kleine Lauber=Hütten / damit ihm die Sonnen=Hitze nicht so hart könnte zusetzen / auch liesse der Allmächtige GOtt ein Kürbes aufwachsen / dessen grosse breite Blätter dem Propheten einen angenehmen Schatten gemacht / worüber er sich nicht wenig erfreuet / aber solche Begnügung hatte einen kleinen Bestand / massen aus Befehl des Allerhöchsten in aller FrüShe /274 he / noch vor Aufgang der Morgenröth / ein kleines Würmlein den Kürbes zerbissen / worauf er alsobald verdorret / und nachmals den brennenden Sonnen=Strahlen freyen Paß auf das Haubt des Propheten geben / welches ihm so grossen Verdruß verursachet / daß er vor lauter Zorn und Ungedult sich gegen GOTT nicht ein wenig beklagt / ja so gar ohne Scheu sich ren lassen / daß er auf solche Weis lieber todt als lebendig wollte seyn.

Ey du ungedultiger Jonas! so kanst du nit leyden kleine Sonnen=Hitz! so machen die Sonnen=Strahlen so grosse Qualen? Aber du bist nicht allein so heickel / deines gleichen find man / sieht man / hört man / unzählbare Adams Kinder / welche die allergeringste Hitze nit können ausstehen / wenn sie von einem einigen Tropffen Pettschier=Wachs getroffen worden / so muß das Auwe hundert und neuntzigmal wiederholt / wann sie nur mit den blossen Händen ein Liecht butzen / so schnellen sie mit den Fingern / als hätten sie dem Feuer=speyenden Berg Ætna in den Busen griffen / wann sie mit einem heissen Löffel=Suppen das Maul verbrennen / so jammern und lamentiren 275tiren sie / daß sie auch die Augen derentwegen in die Schwemm reiten / O GOtt! O Himmel! wie wird euch das Fegfeuer ankommen / gegen dessen Schmertzen alle Pein der Welt nur für ein Schertzen zu halten?

Ein Truck unter der Preß / sagt / ich leyde; Ein Haar oder Flachs durch die Hächel / sagt / ich leyde; Ein Amboß unter dem Hammer / sagt / ich leyde; Ein Weyrauch auf der Glut / sagt / ich leyde; Ein Braten auf dem Spieß / sagt / ich leyde; Ein Erd unter den Pflug / sagt / ich leyde; Ein Trayd=Körnlein unter dem Mühl=Stein / sagt / ich leyde; Ein jeder Mensch / so geplagt wird / sagt / ich leyde; Aber hört ein wenig / macht die Ohren auf / wann man euch sagt / daß all euer Leyden nur Freuden seyn gegen den Feg=Feuer.

Laß dir mit glühenden Pfriemen die Augen ausstechen / diese gläsere Kuppler; Laß dir mit glühendem Messer abschneiden die Nasen / diesen polierten Rauch=Fang; Laß dir mit glühender Scheer die Ohren abschneiden / diese zwey Audientz=Zimmer / laß dir mit glühendem Schnitzer die S 2Zung276 Zung ausschneiden / diesen so künstlichen Sprachmeister / laß dir mit glühenden Zangen die Zähn ausbrechen / die Helffenbeinen Zerschroder; Laß dir mit glühendem Beul die Finger abhauen / die so spitzfindigen Künstler; Laß dir mit glühendem Stemmeisen die Zehen abhacken / diesen so steiffen Fuß=Boden; Laß dir mit glühendem Scheermesser Riemen aus der gantzen Haut schneiden / aus diesem so heicklen Überzug / so ist doch alles dieses nur ein Schatten / mehr nicht als ein Schatten / weiter nichts als ein Schatten / gegen der mindesten Peyn im Fegfeuer. Alles Auwe gegen das Augen=Weh / alles Auwe wegen Zahn=Weh / alles Auwe wegen des Hals=Weh / alles Auwe wegen des Brust=Weh / alles Auwe wegen des Ruck=Weh / alles Auwe wegen des Miltz=Weh / alles Auwe / so der Mensch am Leib / im Leib / um den Leib erlitten hat / und noch leidet / und ferners leyden wird / ist / ist / ist / was? Jst nur ein Einbildung / ein Gedicht / nur ein gemahltes Wesen gegen dem Fegfeuer.

Wie ist dir Jeremias gewesen in der Gruben? Ubel / das glaubt man. Wie ist 277ist dir Joseph gewesen in der Gefängnuß? Ubel / das glaubt man; Wie ist euch Burgern gewesen in der Brunst zu Sodoma und Gomorra? Ubel / das glaubt man. Wie ist dir Achan gewesen unter dem Stein=Hauffen? Ubel / das glaubt man. Wie ist dir Absolon gewesen an dem Eich=Baum? Ubel / das glaubt man. Wie ist dir Samson gewest / da du an Händ und Füß gebunden worden? Ubel / das glaubt man. Wie ist euch armen Seelen im Fegfeuer? Ubel übel! Aber das will kein Mensch glauben / O GOTT! Reden läst sich viel / aber nicht genug / erzehlen läst sich viel / aber nicht genug / mahlen läst sich viel / aber nicht genug / schreiben läst sich viel von dem Fegfeuer und dessen grösten Pein / aber nicht genug / nie genug / gleichwie nun ein Jgel über und über voller Spitz und Spieß / und gäntzlich nichts lindes an ihm / sondern alles nur zum Verwunden und Beleydigen / also ist in jenem zeitlichen Kercker nichts zu sehen / zu hören / zu riechen / zu kosten / zu fühlen / als lauter Weh! Weh! Weh!

Moyses der Jsraelitische Führer sandte einmals / aus Befehl GOttes / zwölff S 3Män=278 Männer aus / welche das gelobte Land Canaan sollten auskundschafften / und fein die gewisse Avisa zuruck bringen / wie dasselbe beschaffen seye / diese nach viertzig Tagen kommen zuruck / und weilen sie schlechte behertzte Gesellen waren / auch dero Busen mit Hasen=Balg gefüttert / traueten ihnen nicht / obberührte Landschafft mit gewaffneter Hand zu erobern / und damit sie auch andern die Courage möchten mindern / haben sie unverhofft vorgeben / wie daß in demselbigen Land so grosse Leute leben / quibus comparati, quasi locustæ videbamur, daß sie gegen ihnen wie die Heuschrecken aussehen / ey warum hat nicht das gantze Volck gepfiffen zu dieser Centner=schwehren Lügen / daß sie gegen denselbigen ungeheuren Leuten nur wie Heuschrecken zu achten / das heist aufgeschnitten!

Aber das heist nicht aufgeschnitten / sondern ist die klare Warheit: Wenn man die grosse und schwehre Pein des Fegfeuers wohl erwägen thut / so sind alle Pein und Tormenten der Heiligen Martyrer gegen denselben Heuschrecken / ja wie nichts zu schätzen / sondern können noch wohl den NaNa= 279Namen tragen eines kühlen Tau: Die Heilige Magdalena de Pazzis wurde auf eine Zeit verzuckt / nach solcher ziemlich lang verweilter Verzuckung hat sie beyde Händ in die Höhe gehebt / und mit weinenden Augen aufgeschryen: Omnia tormenta, quæ passi sunt Martyres, sunt tanquam amœnus hortus, respectu eorum, quæ infliguntur in purgatorio; Alle Pein der Martyrer und Blut=Zeugen Christi / sagte diese heilige Jungfrau / alle / alle seynd / gegen den Qualen / so die arme Seelen im Fegefeuer ausstehen / wie ein ergötzlicher Lust Garten zu halten; Der Rost Laurentii ist kein Rost / sondern ein Rast; Die Kieselstein Stephani seynd keine Kieselstein / sondern Kitzelstein; Das Feuer Theopistä ist kein Feuer / sondern ein Feuerabend; Die Zang Apolloniä ist kein Zang / sondern ein Gesang; Der Mühl=Stein Simeonis ist kein Mühl=Stein / sondern ein Milderstein; Die Pfeil Sebastiani seynd keine Leibs=Pfeil / sondern Liebes=Pfeil zu achten / gegen denen Peinen / in denen / bey denen / unter denen die armen Seelen liegen in dem Fegfeuer / welcher vergleicht den Bach S 4Cedron280 Cedron mit dem grossen Oceano; welcher vergleicht das schlechte Städtlein Hai / mit der grossen Stadt Jericho; welcher vergleicht die PharoanischenPharaonischen Mucken mit den Machabeischen Elephanten / derselbe vergleicht auch alle gesambte Feuer=Flammen / Funcken / Kohlen / Offen und Brünsten der gantzen Welt mit der geringsten Peyn / so alldort ein arme Seelen in einem Augenblick leydet! O leyden! O leyden. Miseremini mei, miseremini mei,

Erweget doch auch unsere Pein / So werdet ihr mitleidig seyn.
Num.

Hæccine est illa. 4 Reg. 9. v. 32.2. Reg. 9. v. 37. Wer kan aus diesen lesenwer Sie zuvor gewesen.

281 Num. 63. Hæcine est illa? 4. Reg. 23.2. Reg. 9. v. 37. Man kennet sie nicht mehr!Wer sie gewest vorher.

MAnche Menschen verändern sich bißweilen schon im Leben also / daß man / wo sie eine Zeitlang abwesend gewesen / wenn sie wieder kommen / sie kaum mehr kennen kan / und dieses geschiehet auch den / so verreist gewesen / daß sie bey ihrer Zuruck=Kunfft / kaum die alte Katz oder den alten Schatz mehr kennen. Tempora mutantur & nos mutamur in illis, so wohl physicè als moraliter. Wir verändern uns mit der Zeit unwissend wie. Mancher Mensch wird schon bey jungen Jahren alt / bleich und runtzlicht / es mag leicht ein Fieberlein sich einfinden / ein Creutz / eine schwehre Sorge oder Unglück rc. So fallen die rothen völligen Wangen ein / verbleichen / werden runzlich und heßlich wie ein schöner Apffel und Citronen in einer S 5war=282 warmen Stuben. Die schönsten Jungfern werden offt die heßligsten Goldgelben Weiber / so / daß man meynen sollte / sie hätten sich mit einem Gold=Fürnis lackirt / oder mit Saffran angestrichen. Mancher schön gewesene Absolon und Paris / so sich allzusehr das salus und prosit, das Courtesiren oder Crackelieren lassen angelegen seyn verschrumpft und verhutzelt in seiner blühenden Jugend / als wie eine Wurmstichige Frucht oder frühzeitige Hutzel am Biern=Baum / geschicht das am grünen Holtz / was will am dürren werden? Geschicht das im Leben / was will erst im Tode werden? Heu quàm subita mutatio! So bald der Mensch den Todten=Kittel angezogen und den Mund zu weit aufgemacht / siehet er ihm schon öffters nicht mehr gleich. Liegt er nur etliche Tage / absonderlich bey warmen schwilligtem Wetter / was ist das für ein entsetzlicher Anblick! Grün und Gelb / Braun und Blau / ja offt fast Mohren=färbig ist das Angesicht / der übrige Leib mehrmals dick aufgeschwollen / der noch überdas so abscheulich stinckt / auch offtmals die Gesundesten inficirt / daß es nicht zu beschreiben. Eröffnet man solche Särge nach etlichen Wochen 283Wochen / Monaten oder Jahr / O welche Spectackel siehet man da! O welche heßliche Ungeziefer / Würmer und Motten / ja Kröten und Schlangen siehet man an dem gantzen Leib / an den so kurtz vorher so schönen Rosen=farben Wangen und Corallen=Lippen / hauffenweis herum kriechen und schwärmen / da guckt eine Kröte zum Mund heraus / dort frisst eine Schlange an den Brüsten / die Augen sind schon ausgehohlt und sitzen weiß nicht was für kleine Crocodillen darinnen / oder so die Mahlzeit schon geendet und sie selber einander wieder aufgezehrt / so liegt nichts anders im Sarg / als ein Bein=Gripp / für dem sich fast jederman fürchtet und entsetzet.

Grosse Herren / Käyser / Könige / Fürsten oder auch andere / die / vermittelst Gold und Gelds / der Fäulnis und Zerstäubung entfliehen wollen / lassen sich einbalsamiren und mit köstlichen Olitäten innen und aussen einschmieren und fast braten / oder wie die Egyptier aufdürren und gleichsam in der Zeit verewigen. Aber O eitles Beginnen! Mensch du bist Erden und sollst zur Erden werden / und wenn du noch so lang diesem Befehl GOttes widerstrebest / so muß284 muß doch endlich auch dein Balsamirter Maden=Sack vermodern und verfaulen. Denn auch die Mumien sind endlich der Corruption unterworffen / und wie viele sind schon von krancken Menschen verzehrt und wieder zu Staub und Aschen worden! komme her / zeig mir der grossen Egyptischen Könige und Königinnen Cörper / wo sind die grossen Ptolomæi? Wo ist Salomonis aller schönst=gewester Leichnam? Auch die Pyramiden und Mausolea / die Wunder der Welt verfallen mit der Zeit. O homo, vanitas! vanitas & omnium vanitatum vanitas! Nach dem Tod wird alles gleich. Könige und Bauren / Arm und reich. Fragst du von der schönen Helena / Cleopatra und andern Venus-Bildern: Hæccine est illa? So wirst du bekennen müssen: Jch sehe keine Gestalt noch Schöne.

Man kennet sie nicht mehr / Wer sie gewest vorher. Fui!
Num.

Ascendit Angelus ad Locum flentium. Jud. c. 2. v. 1. Ach dieses Brod,hilfft uns aus Noth.

285 Num. 64. Ascendit Angelus ad Locum flentium. Jud. 2. v. 1. Ach dieses BrodHilfft uns aus Noth.

NAchdem die übergebenedeyte Jungfrau Maria durch Uberschattung des Heiligen Geistes / GOttes Sohn in ihrem reinesten Leib empfangen / hat sie sich alsobald auf die Reis gemacht / ihre liebste Mum und Baaß Elisabeth / so dazumahl im sechsten Monat groß Leibs gangen / zu besuchen und folgsam zu bedienen / sie hat aber solche Reis in aller Eyl vollzogen / massen sie den ersten Tag deß April an einem Freytag / (wie Colvenerius zeiget) ausgangen / u. am Montag schon bey Zeiten in das Haus Zachariä / ungeacht deß grossen un̅ harten Gebürgs / sich ein=286 eingefunden / also in so wenig Tagen 95. Wälsche / das ist 19. Teutsche Meilen gemacht / welches an dem so zarten Jungfräulein höchst zu verwundern / wie dann solches der Evangelist selbst umständig beschreibet. Daß sie nemlich eylends gegangen über das Gebürg in die Stadt Juda rc. Weil sie wuste / daß durch ihre Ankunfft der kleine Johannes noch im Mutter=Leib von dem Band der Erbsünd sollte loß gemacht werden / also hat sie solche Reis ohne einigen Auffenthalt / aufs allerschleunigste vollzogen / gantz eylends / uns zu einer sonderbaren Lehr; wann wir doch wollen dermahlen unserm Nechsten aus einem Elend helffen / daß wir solche Hülf im geringsten nicht aufschieben / sondern / ohne weitern Verzug unsere barmherzige Händ darreichen / eylends / eylends.

Nichts Tyrannischer und grausamer kan erdacht werden / als wenn wir die Hülff gegen den abgestorbenen Christglaubigen auf so lange Banck schieben. Wann ein Todsfall geschicht / ist meinstens das erste Schicken zum Schneider / damit die Klag= 285287Klag=Kleider ohne Hindernuß verfertiget werden / unter dessen bratet und brennet er / man schickt zu zwey oder ja wohl gar drey Tischler / welcher um leichtern werth die Truhen mache / unter dessen bratet er und brinnet er; man deutet es der Obrigkeit an wegen der gewöhnlichen Speer / unterdessen bratet er / brennet er / man thut es der gantzen Freundschafft zu wissen / unterdessen bratet er / und brennet er / mit harter Mühe des folgenden Tags wird ein oder andere Meß gelesen. Die Pia legata können dermahlen nicht abgestattet werden / denn das Testament hat ein Clausul, aus welchem vermuthlich ein Process geschmiedet wird / der sich aber vor Jahr und Tag nicht enden wird / unterdessen bratet er / und brennet er. Kurtz vor seinem Tod hat mir mein Vatter auferlegt / ich soll diese Schuld bezahlen / welches auch / geliebtesgeliebt es GOTT / geschehen soll / aber ich will erst warten / in was für einen Preiß heuer das Traid werde kommen / unterdessen bratet er und brennet er. Die Kirchfahrt / die er nacher Marien=Zell verlobt / soll ich / so bald288 bald es nur möglich / an statt seiner verrichten / aber dermahl weil es Herbstzeit / und der Wein=Garten ein wachsames Aug braucht / kans nicht seyn / will sehen wie es sich im Frühling wird schicken / unterdessen bratet und brennet er. O Grausamkeit eines solchen Tieger=Hertzen / eines solchen steinharten Gemüths!

Wie der verlohrne Sohn wieder aus den Ländern / und Elenden kommen / und dem alten Vatter zu Füssen gefallen / wie der Vatter gesehen / daß er vor Hunger so ausgemergelt / und so wenig Fleisch / als deß Samsons gebrauchter Esels=Kinnbacken / wie er wahrgenommen / daß er keine Schuh an Füssen / und nur zum Kraut eintretten gericht / der als ein Unkraut gelebt / wie er vermerckt / daß sein Rock so voller Löcher / als hätten die Erdmäuß darinnen ihren Tum̅elplaz / wie er gesehen den elenden Aufzug und mühseligen Stand seines Sohns / da hat er der liebe Vatter befohlen citò proferte &c. geschwind / daß man ihm ein neues Kleid anlege / citò, geschwind / daß man zu der 289Kuchelder Kuchl schaue / und ein Mittagmahl zurichte / Cito, geschwind und eylends rc. Mein Vatter / lasse lieber den saubern Gesellen noch etliche Tage in seinen Hadern herum schlampen / vielleicht buhlen die Pappier=Macher um ihn / lasse ihn eine Zeit fasten / er hat ohnedas zu viel gelöffelt / lasse ihn noch eine Weil leyden / damit es ihm eine Witzigung sey: Ach mein! sagte der Vatter / ich kunte es über mein Hertz nicht nehmen / er ist mein Fleisch und Blut: Jch kan nicht auch nur ein Viertel Stund mehr zusehen / daß er solche Noth soll leyden / Citò, Citò.

Wie könnt dann ihr Kinder / um GOttes willen / wie könnt ihr ein so Stachelhartes Hertz haben / und zulassen / daß eure liebste Eltern nicht nur eine Viertel=Stund leyden / sondern so viel Jahr und Zeit / denn erweget nur / daß ein einige Viertel=Stund / an welcher ihr die Heilige Meß / das Allmosen aufschiebt / ihnen viel Jahr dunckt zu seyn. Nur gar zu bekandt ist jene Geschicht / so sich mit zweyen frommen und gottseeligen Religiosen zuTgetra=290 getragen / welche als vertrauteste Freund unter ihnen diesen Pact gemacht / daß welcher vor den andern werde mit Tod abgehen / vor dem soll der Lebendige alsobald das Heilige Meß=Opffer verrichten / und zwar ohne den geringsten Verzug / welches auch also Vermög des Versprechens geschehen / aber nach vollendter Heiliger Meß erscheinet der Todte dem Lebendigen / ropffte ihm vor seine Nachlässigkeit / daß er seinem Schwuhr / und so treuen Versprechen nicht nachkommen / um weil er grausamer Weis ihn zwantzig gantzer Jahr im Fegfeuer gelassen: Mit nichten / antwortet der Lebendige / deme sey nicht also / es sey erst ein halbe Stund / daß er Todes verblichen / und den Augenblick gleichsam nach seinem Hinscheiden habe er die Heilige Meß angefangen. Wann deme also / sagt hierwieder der Todte / so muß man bekennen / daß einem im Fegfeuer eine eintzige halbe Stund vorkomme wie zwantzig gantzer Jahr.

Citò, Citò, wohlan dann barmhertzige Gemüther! verweylet nicht einen Au= 291Augenblick denen Verstorbenen zu helffen / schiebt es nicht eine Viertel Stund auf vor sie zu beten / last doch um GOTTES willen nicht hören das Morgen / das Ubermorgen / das ein andermal / sondern gleich jetzt / jetzt / da die Seel von Leib geschieden / werfft ein Allmosen in die Händ der Armen / jetzt da der Cörper noch warm / schickt in die Kirchen / und GOTTES=Häuser zu beten / jetzt da man ihm die Augen zutruckt / erhebt euere Augen gen Himmel / und seufftzet um Barmhertzigkeit bey dem Allmächtigen GOtt.

Cito, Citò. Wann des Menschen oder Nächsten Haus brennt / und aller im Feuer stehet und steckt / ist doch niemand der nicht laufft und schnaufft / und sucht zu löschen / und wir können zusehen / daß etliche Tage / etliche Monat / ja viel Jahr und Zeit unsere Eltern / unsere Freund und Anverwandte / sollen im Feuer und Flammen liegen? Ach nein / das soll man von eines Menschen Hertzen nicht vermuthen.

T 2 Ab= 292

Abraham / Abraham der Gottsförchtige Patriarch / macht nun viel zu Schanden. Er hat auf eine Zeit drey frembde Männer erblickt / denen er nicht allein entgegen gangen / sondern geloffen / cucurrit, selbe demüthigst ersucht / sie wollen doch die Einkehr bey ihme nehmen / er sey erbietig ihnen die Füsse zu waschen / und sie mit einem Bissen Brod zu bedienen. Das war noch nicht genug / Abraham eylet in die Hütten zu der Sara / eylet und sagt: Bache geschwind ein weiß Brod für die Leut / er aber lieff zum Vieh und holte das beste Kalb / gabe es dem Knaben / und dieser eylte / und kochte es / Gen. 18. Wer seynd doch diese gewesen / wessenthalben sie zu bedienen man allerseits in dem Haus des Abrahams? Abraham currit, Uxor festinat, Puer accelerat, &c. Fremde seynd sie gewest / die der Abraham nie gesehen noch gekannt. Pfuy der Schand bey uns! Abraham springt den Fremden so eylends bey / und wir unsern nechsten Bluts=Verwandten in jener Welt so lau und langsam; Er spendirt ihnen alsobald ein weisses Brod / und wir lassen offt etli= 293etliche Tag und Wochen verstreichen / biß wir ihnen ein Bissel vergönnen und vorlegen von dem Schnee=weissen Brod der Engeln. Jch will / sagt mancher / wohl etliche Heilige Meß lesen lassen / aber ich muß vorhero wissen / ob es die Verlassenschafft austrägt / was für Schuldner sich nach und nach werden einfinden / damit ich mit der Welt nicht mit lauter Meß=Opffer das Meinige auch mit aufopffere: Unterdessen heist es so viel / als lasst ihn brennen / und braten. O eyskalte Hertzen? Habt ihr doch ein Mitleyden / wann ein Hund mit einem Stein geworffen wird / und durchs Geschrey und Winseln sein Zuflucht zu euch nimmt: Wie könnt ihr dann zusehen / zulassen / zuhören / daß eure eigene Befreunde oder beste Bekandte so lang warten müssen im Feuer und Flammen eurer Hülff!

Citò, Citò, ach eylet doch um GOttes willen / ihnen zu helffen / und feyret nicht einen Augenblick wegen des unbeschreiblichen Feuers / nehmet dißfalls die T 3Schnel=294 Schnelle des Hirschen an euch / damit ein jeder zu seiner Zeit mit dem Psalmisten David sprechen könne: Perfecit pedes meos tanquam Cervorum. Psalm 17. Er hat meine Füß den Hirschen gleich gesetzt. Ja den Engeln gleich: Ascendit Angelus ad locum flentium.

Auch dieses Brod Hilfft uns aus Noth.
Num.

Salubris est cogitatio pro defunctis orare. 2. Mach. 12. v. 46. Vergesset der Verstorbnen nites bringt auch euch viel gutes mit.

295 Num. 65. Salubris est cogitatio pro defunctis orare. 2. Mach. 12. v. 46. Vergesset der Verstorbnen nitEs bringt auch euch viel Gutes mit.

FOrt mit dir in die Keichen / sagt das Evangelium / es sey dir gesagt / Amen! es sey dir geschwohren / du wirst von dannen nicht heraus kommen / biß du den letzten Heller bezahlest. Dieses alles gehet die armen Seelen im Fegfeuer an / welche ihre gemachte Schulden in jenem feurigen Kercker bey Heller und Pfening bezahlen müssen / aber wo nehmen? Qui non habet in ære, luat in pelle: Da heist es / der nicht bey Mitteln ist / der bezahle es mit der Haut / oder ein anderer / aus Mitleyden und Barmhertzigkeit bezahle für ihn / massen der gerechte Richter nicht einen Heller nachlässet.

T 4 Sel= 296

Seltzam ist / was man von einem Schwedischen Haubtmann Mancinus vorbringet / weil diesem Soldaten so viel Monat=Sold ausständig / zumal von Sold der Soldat den Namen geschöpfft / hat er endlich die Sach vor den König Carolum selbst gebracht / und verlangte unterthänigst die ihme ausständige 600. Reichs=Thaler / was sagte der dazumal ungedultige König? 600. Reichs=Thaler / an statt dieser will ich dir 600. Teuffel auf den Kopff wünschen: Das schmertzte nicht ein wenig den guten Officier, kunte aber dermalen wider den Strom nicht schwimmen / und muste dermal die liebe Gedult anziehen / unterdessen wachsen seine Schulden nicht ein wenig im Wirths=Haus / also zwar / daß solche bereits auf 300. Reichs=Thaler sich beloffen / welches Geld die Frau Wirthin in baarer Bezahlung forderte / worüber aber der Haubtmann / ein sehr sauers Gesicht gemacht / was? sprach er / 300. Reichs=Thaler / an statt deren sollt ihr 300. Teuffel auf dem Kopff haben; solche freche Antwort veranlasste die Wirthin / daß sie gar die Sach nacher Hof brachte / und kame die ernstliche Bescheidung / der Officier soll erscheinen / deme 297me dann unter grosser Leibes=Straff auferlegt worden / er solle bezahlen / worauf der Soldat geantwort: Wie daß er sie bereits mit Königlicher Müntze baar contentirt / dann ihm unlängst der König auf Erforderung 600. Thaler / 600. Teuffel habe geben / und weil er ihr der Wirthin nicht mehr als 300. Thaler / vermög der gemachten Rechnung / schuldig sey / also habe er sie mit 300. Teuffel abgefertiget / man werde hoffentlich hierinnfalls des Königs Müntze nicht verachten / rc. Auf solche Weis läst sich der Göttliche gerechte Richter nicht bezahlen / sondern es müssen die arme verstorbene Christglaubige / die noch mit einem Schulden=Rest / von der Welt geschieden / ihn contentiren / biß auf den letztern Heller / aber wo nehmen? Um GOttes willen / wo nehmen? sie haben nichts / dahero werden sie arme Seelen genennt / und weil sie nichts haben / wormit sie den Allmächtigen befriedigen können / müssen sie dafür lange / grosse / schwehre / harte / strenge und unbeschreibliche Pein und Tormenten ausstehen / oder / oder / oder / welches ihr einiges Bitten / Bitten / und Seufftzen / und Schreyen ist / oder jemand anderer aus T 5uns298 uns muß aus Mitleyden für sie bezahlen / damit doch einmal der Allmächtige GOtt / ein Creutz mache durch das Schuld=Buch; Aber wo nehmen? Petrus ließ sich wohl einmal verlauten / da er von einem Bettler bey der Kirch=Thür um ein Allmosen angesprochen worden / daß er weder Pfennig noch Heller / weniger etwas von Gold habe / rc. Aber diese Entschuldigung können wir auf keine Weeg vorschützen / Geld genug / Geld ohne Abgang / Geld so viel man verlangt / und zwar die beste Maria=Groschen / kan man verstehen das Heilige Ave Maria / und folgsam den Heiligen Rosen=Krantz / wormit die grosse Schulden im Fegfeuer können bezahlet werden.

Der seelige Alanus de Rupe erzehlt / daß ihm sehr viel Brüder und Schwestern aus der Ertz=Brüderschafft des Heiligen Rosen=Krantz gesagt haben / auch mit einem Eyd betheuert / daß ihm gar offt / da sie den H. Rosen=Krantz andächtig gebetet / seyen Seelen aus dem Fegfeuer erschienen / dero Stirn mir einem rothen Creutzlein bezeichnet gewesen / welche sehr grossen Danck ablegten um dieses Heilige Gebet / auch anbey ermahnten / sie sollen fernes in die= 299dieser Andacht fortfahren / massen nach dem Heiligen Meß=Opffer kein kräfftigers Mittel sey / ihre Pein zu mindern / und die Schulden für sie zu bezahlen / als der Heilige Rosen=Krantz / desgleichen in Surio zu lesen / daß des Königs Philippi in Franckreich leibliche Tochter und Hertzogin in Braband / der Heiligen Ludgarden erschienen / und ihr angedeutet / daß sie nicht lang im Fegfeuer verblieben / vermittels des Heiligen Rosen=Krantz / den sie täglich bey Lebzeiten gebetet. Wann die Rosen kühlen / wie aller Medicorum Aussag ist / so wundert mich nicht / daß die mit grosser Hitz geplagte Seelen / in jenem zeitlichen Kercker / also trachten nach dem Heiligen Rosen=Krantz.

Von der seeligen Elisabeth aus Aragonien wird geschrieben: Daß sie einsmals durch Göttliche Eingebung ein Kirchen=Gebäu / dessen Abriß der Himmel selbst gemacht / habe angefangen / wie nun zur Abends=Zeit die Arbeiter nacher Haus gangen / gab sie jeden eine Rosen / in dem bestund der Taglohn; Weil die gute Leute nur wohl erkännt die gröste Helligkeit dieser Elisabeth / also haben sie derowegen300 gen kein widriges Gesicht gezeigt / sondern die Rosen mit Danck angenommen / solche wegen ihres guten Geruchs an die Nasen gehalten / und gleichsam darum gedanckt; Aber siehe Wunder! da sie die Rosen in Händen hielten / seynd solche augenblicklich zu grossen güldenen Pfenningen verändert worden.

Was dazumalen geschehen / geschicht noch öffter / daß nemlich die Rosen zu Geld werden / solches um bericht die arme Seelen im Fegfeuer / die es mit grossem Danck bestehen / daß ein Rosen=Krantz / so man für diese arme Tropffen GOtt aufopffert / das angenehmste Geld sey in den Augen GOttes / und nicht ein wenig von ihren Schulden abzahle. Zu Capernaum wurde der Peter angeredet / er solle den Zinß=Groschen zahlen / wo nehmen? Unser HErr befiehlt ihm / er solle den Angel ins Meer werffen / dem nechsten Fisch / den er würde heraus ziehen soll er ins Maul greiffen / da werde er schon Geld finden / wie es dann auch geschehen.

Wir wollten gern für die arme Seelen im Fegfeuer die Schuld bezahlen / aber wo Geld nehmen? Geld genug / zu Capernaum 301naum hat ein Fisch Geld gespendirt / jetzt aber giebt uns der Fischer Geld. Beschaue jemand / alle Ablas=Brieffe / so nun von dem Päbstlichen Stuhl kommen / ob selbe nit vom Fischer? Ein jeder wird vom Fischer=Ring bestättiget / sub annulo Piscatoris; Ein solcher Ablas ist an statt des besten Gelds / womit die Schulden der armen Seelen bezahlt werden. Bleibt also dabey: Salubris est cogitatio, pro defunctis orare.

Vergesset der Verstorbnen nit Es bringt auch euch viel Gutes mit.
Num. 302
Num. 66. Vestra abundantia illorum inopiam suppleat, 2. Cor. 8. v. 14. Das Allmosen löscht dasFeuer /Dem wir zahlen hoch undtheuer.

HEilig ist / heilsam ist / Liebwürdig ist / Lobwürdig ist / wann sich ein Christlicher Mensch der Armen Seelen im Fegfeuer annimmt / aber er soll vor allen andern denjenigen Hülf erreichen / die da in seiner Freundschafft / zu allererst den lieben verstorbenen Eltern / weil die forderist ihre Hoffnung setzen auf die Hülffe der hinterlassenen Kindern; Nach dem Exempel des Heiligen Vatters Augustini / welcher jemand ersucht und inständig gebetten / sie wollen doch in ihrem Gebet / und absonderlich die Priester in ihrem

1000

Vestra abundantia illorum inopiam suppleat. 2. Corinth. 8. v. 14. Das Almosen löscht das Feuer,drin̅ wir zahlen hoch v. theuer.

303rem H. Meß=Opffer seiner verstorbenen Mutter Monicä und seines Vatters Patritii eingedenck seyn.

Es hoffen die lieben Eltern auf ihre Kinder / daß sie werden nachfolgen dem Samson / welcher denjenigen Hönig=Fladen / so er in dem Rachen des erwürgten Löwens gefunden / nicht allein für sich behalten / sondern davon eine gute Portion seinen Eltern zugebracht: Also werden sie auch ihnen lassen zukommen das Göttliche Manna / und süsseste Himmels=Brod des Altars.

Es hoffen die Kinder auf ihre annoch lebenden Eltern / daß solche werden nachfolgen der Agar / welche auf keine Weis könnte ertragen / daß Jsmael ihr Sohn sollte vor Durst sterben / sondern sie hat so lang bey dem Himmel suppliciret / biß GOtt einen Engel gesandt / der ihr ein klare Brunnquell gewiesen hat in der Wüsten: Also werden sie auch ihnen verhülflich seyn / damit sie doch einmahl gelangen zu demjenigen / welcher der Samaritanin gesagt hat / daß er sey der Brunn deß ewigen Lebens.

Es hoffen die Geschwistrige auf ihre hin=304 hinterlassene Brüder und Schwestern / daß sie werden nachfolgen der sorgfältigen Martha / welche alle Hausgeschäfften beyseits gelegt / und in aller Eyl (hat so gar der Magdalena nichts darvon angedeut) dem HErn JEsu entgegen geloffen / und ihren verstorbenen Bruder recommendirt / wie dann bald der Bescheid ergangen / resurget Frater tuus. Dein Bruder wird auferstehen! Also werden sie ebenfalls ihrer öffters gedencken / und bey dem Göttlichen Heyland das ewige Leben ihnen zu wegen bringen.

Es hoffen die verstorbenen Ehe=Weiber auf ihre hinterlassene Männer / und hinwiederum die Ehemänner auf ihr annoch im Leben verbliebene Weiber / daß sie werden nachfolgen der bescheidenen Abigail / welche alle Mittel angewandt / keinen einigen Unkosten gespahrt / damit sie nur das Ubel von ihrem / obschon groben Mann / möchte abwenden / so ihme von David gedrohet wäre: Also werden sie gleicher gestalten in alleweg suchen / wie sie doch das grosse Elend / worinnen sie allbereits stecken / einmahl von ihnen können wenden. Spiegelt euch alle an demjenigem Kind von dem 305dem geschrieben wird / wie daß es einmahl bey nächtlicher Weil in dem Traum ein H. Bischoff gesehen hab / was gestalten ein Knab eine überaus schöne Frau und Matronin mit einem guldenen Angel / und silberne̅ Schnürlein aus einen tieffen See heraus gezogen: nachdem der H. Mann hierüber erwacht / so führte er den geschöpften Traum etwas mehrers zu Gemüth / sinnet und ersinnet / daß was anders dardurch bedeutet werde / erhebt sich deßwegen alsbald auf und eylet nach der Kirchen: wie er auf dem Freyhof oder Kirchhof kommen / wird er ansichtig eines Knabens / der auf einem Grab gesessen. Es fragt gleich der H. Mann: mein Kind! was machest du da? dem Knaben als einem weichhertzigen Kind / giengen die Augen über / gabe also mit Seufftzer untermengte Antwort / es seye seine liebe Mutter allda begraben also bete er aus Kindlicher Schuldigkeit ein Vatter Unser für sie: Woraus der fromme Mann ungezweiffelt abgenommen / daß die Mutter durch dieses Kindes Gebett seye von dem Fegfeuer erlöst worden / und daß der guldene Angel / den er in dem Traum gesehen / seye das Gebet gewest / mit deme Uder306 der Knab seine Mutter aus der Tieffe gezogen.

O Kinder! forderist ihr Welt=Kinder! Euer Jugend versausst gemeiniglich in unnützer Zeit=Verschwendung / und wässern euch die Zähn mehr nach Lustbarkeiten / Spielen / Hertzen und Fischen; Klaubt doch euch aus so guldener Zeit / die ihr das gemeine Gesindel=Brod offt unachtsam verschimmeln läst / nur ein einiges Stündlein aus / und stellet ein gleichmässiges Fischen an wie obberührter danckbarer Sohn / damit ihr eure betrangte Eltern von der Tiefe / de profundo lacu heraus ziehet und erlöset / spiegelt euch Christliche Kinder / an dem allgemeinen Christen=Feind dem Türcken / obschon dessen Sitten mit den wilden Thieren ähnlicher seynd als den Menschen / so neigt sie doch der natürliche Antrieb darzu / daß sie auch für ihre abgestorbene Freund beten: Dann also schreibet Giraldus, daß die hohe und vornehmsten Türcken zu ihren Gräbern gemeiniglich schöne Tempel anbauen / welche sie in ihrer Sprach Mosche nennen / und zu derselben etliche Türckische Priester / so sie Jalasum, und Patrocad heis= 307heissen / mit ewigen Renthen und Einkommen stellen / damit sie für die verstorbene Freund beten / auch so ein Bluts=Verwandter mit Tod abgehet / theilen sie häuffige Allmosen aus / und nicht nur allein denen armen Leuthen / sondern auch den Thieren. Da wird man sehen / daß manche die gel in einer grossen Menge zusammen kauffen / und sie nachmals in freye Lufft loß lassen; Etliche zerbrösslen viel Brods / und werffen es denen Fischen ins Wasser; Etliche schütten gantze Metzen des besten Getrayds zu dem Omeißhauffen bey Begräbnüssen / neben andern verwunderlichen Ceremonien, schreyen sie mit lauter Stimm: Huon alla, Anon alla, so auf unser teutsche Sprach heist / GOtt erbarm dich deß Verstorbenen.

Thun nun dieses diejenigen / die in dem Jrrthum biß über die Ohren sitzen / die in dem wahren Glauben nicht erleucht / die sonst von der Mutterschoß an zu aller Tyranney und Grausamkeit geneigt seynd / was sollt dann erst ihr Christliche Kinder die ihr von Christlichem Blut herstammet? Die ihr sowohl von der Natur / als von U 2den308 den Gebotten GOttes bewohnt und gemahnet werdet / den Eltern helffen / und ihrer nicht vergessen. Dem Befehl nachzukommen: Vestra abundantia illorum in opiaminopia suppleat:

Das Allmosen löscht das Feuer / Dem wir bezahlen hoch und theuer .

IHS

Num.

Breves dies homimshominis. Job. 4. v. 5. Schnitzel und hau,gleichwohl umschau.

309 Num. 67. Breves dies hominis. Job. 4. v. 5. Schnitzel und hauGleichwohl umschau.

DA Athen und Rom im besten Flor gestanden / hat auch unter andern edlen Künsten / die Bildhauerey daselbsten herrlich florirt / davon heutiges Tags kaum ein Schatten übergeblieben. Praxiteles und seine Gesellen / haben gleichsam mit der Natur gestritten / und die leblosen Marmor=Steine mit solchen Minen und Stellungen ausgekünstelt / daß man meynen sollen / sie hätten ihnen ein Leben gegeben / daß sie einen anreden oder umarmen wollten. Wie denn zu Athen ein nackend Marmor=Bild / bona fortuna genannt / so natürlich und holdseelig zubereitet worden / daß sich ein vorU 3neh=310 nehmer Jüngling in dasselbe biß in den Tod verliebet / und nächtlicher Weile seine sündliche Kurtzweil mit demselben Kunst=Bild getrieben habe / und als ihm solches vom Rath verwehret worden / für Unmuth soll gestorben seyn. So liebte Pygmalion, der König in Cypern / das Bild Veneris. Kayser Verus ließ sein liebes schönes Pferd von Gold machen / und trugs stesstets bey sich auf der Brust.

Jn curieusen Kunst=Kammern findet man hier und dorten noch wenige gantze Bilder von obigen Griechischen oder Lateinischen Meistern / sondern bald diß / bald jenes Stuck / so in denen Zerstörungen des alten Griechen=Landes und Roms / von denen zerbrochenen Kunst=Bildern / übergeblieben / oder nachmals aus denen Ruinen sind heraus gegraben worden. Da ist eine Kunst=reiche Hand / dort ein Arm oder Bein rc. Daran die heutigen Künstler können ihre Augen weyden und ihre Meisel exerciren.

Wiewohl in Jtalien noch manche unschätzbare Meister=Stücke von dergleichen wundersamen Arbeit zu finden; und schon von 311von viel tausend Künstlern abgezeichnet und nachgestümpelt worden / und zwar offtmals nicht mit geringen Unkosten / Fleiß und Müh / ja offtmals nicht ohne Gefahr Leibes und Lebens. Dann indem mancher an seinem Kunst=Bild am allerfleissigsten geschnitzelt und gehauet / so schnitzelt und haut der Tod an ihm und seinem Leben / biß er den Meister selbst zu einer leblosen Statuen macht / und zwar / ehe er sich versieht / deswegen heists:

Schnitzel und hau / Gleichwohl umschau.
U 4 Num. 312
Num. 68. Sedet in insidiis. Psalm 10. v. 8. Jch komm in aller Still /Und das erfahren viel.

DJeDIe galantesten Dames bringen öffters ihre meinste Lebens=Zeit zu / womit? Mit Kirchen=gehen? Meßhören? Krancke und Arme besuchen? Betten / Lesen / Allmosen geben / Wahlfarthen und dergleichen? Oder mit häußlichen Verrichtungen / Aufsehen auf das Haußhalten / und Gesind / Versorgung ihres Ehegemahls / Lehr und Zucht ihrer Kinder? Mit Nehen / Sticken und andern dem weiblichen Geschlecht wohl anständigen Künsten und Tugenden? Ach leyder! solche sind so dünn gesäet / als der armen Leute Korn auf einem sandigten Acker. Es giebt wenig Martha / aber viel Marien

Sedet in insidiis. Psal. 10. v. 8. Jch kom̅ in aller Still,und das erfahren viel.

313rien / die mit Haaren umgehen / aber nicht daß sie ihre Buß=Thränen an den Füssen des lieben Heylandes abtrückneten / sondern sie gehen des Morgens manche liebe Stund mit ihren Haaren um / wenn sie anders nicht zu faul sind / mit ihren eigenen Haaren so viel Müh zu haben / sondern dieselben / wie die Nonnen abschneiden lassen / und sich mit fremden / lockierten / geschmierden / pomadisirten / poudeisirten mit allerhand Zitter=Nadel und Edelsteinen gezierten Haar=Aufputz / krönen und schmücken / daß sie manchem Schnee=weissen Löwen=Hündlein nicht viel nachgeben.

Pomade und Haar=Buder sind heutiges Tags solch Dinge / die man unter diejenigen rechnen kan: Quibus carere non possumus. Wo wollte manche gern jungaussehende / in dem alten Testaments=Register verschimmelte Dame ihren Grau=Schimmel oder Mühl=Haasen auf dem Kopff verbergen / wenn sie der Haar=Pouder und der Rosen=Pomade / wie des Zähn=Klappens / beraubt wäre. Wo wollte manches Füchslein ihre Eichhörnlein=Schwäntzlein vermetamorphisiren U 5und314 und manch aus der schwartzen KuustKunst entlehnte Fronte, als wie der Teuffel in einen Engel des Liechts können verstellet werden / wo nicht dergleichen Schmiralien das Beste thäten?

Und so will also manche in ihr Haar verwirrte Crispina leyder! auch geschmieret seyn. Mit was für Zeit / Verlust / Versaumung des Heiligen Dienst GOttes und nothwendigen Haus=Geschäfften / manche die Locken in eine Ordnung bringen / damit keiner einen Præcedens-Streit mit dem andern anfahe / ist mehr bekandt / als mit dem allersubtilsten Haar=Pensel abzumahlen: Gerad wider den Befehl des Apostel Petri / welcher befohlen / daß der Weiber=Schmuck nicht auswendig mit Haar=flechten und Gold=umhängen seyn soll. 1. Petr. 3. v. 3. und der grosse Heyden=Lehrer Paulus schreibt in der 2. Tim. 2. v. 9. Die Weiber sollen sich in einen zierlichen Kleide / mit Scham und Zucht schmücken / nicht mit Zöpffen oder Gold / oder Perlen oder köstlichen Gewand. Welcher Haar=Pracht auch schon im Alten Testament GOTT dem HERRN an den 315den stoltzen Töchtern Zion nicht gefallen / die mit aufgerichtem Hals und geschmücktem Angesichte / und krausen Haaren einher geschwäntzt / denen er aber gedrohet er wolle ihre Scheitel kahl machen und ihnen eine Glatze für ein kraus Haar geben / und die Haar=Band / Spiegel und Borten und Beutel rc. wegnehmen / ja er woll ihnen Stanck / an statt des guten Geruchs / zuwehen lassen. Es. 3. v. 16. 24.

Da wird manche scheel dazu gesehen haben / und noch ins künfftige scheel sehen alle / die / wie Narcissus / sich in ihr eigen Gestalt und goldene Haar=Locken verschammerirt; Absonderlich wenn sie der Tod beym Schopff kriegt und ihnen die Haar / als wie die Weiber den Flachs / ausraufft / und zwar da sie sichs am wenigsten versehen / ja Mitten in der Haar=Arbeit begriffen sind. Alsdann wird an denen / so fortfahren in ihrer Sünde / erfüllet werden / was David im 67. Psalm v. 22. gedrohet: Er wolle ihren Kopff / samt dem Haar=Schedel zerbrechen und zerschmeissen.

Weil nun zwischen des Menschen Leben und316 und Tod kein Haar breit Distanz ist / so sollen alle / so wohl Manns= als Weibs=Personen / so sich an denen Haaren versündigen / sich besser bedencken / damit sie nicht einmal Haar lassen / und von dem leidigen Teuffel bey den Haaren in die Hölle gezogen werden müssen / nachdem sie vom Tod übereilet in aller Still überrumpelt worden: Sedet in insidiis und sagt:

Jch komm in aller Still / Und das erfahren viel.

IHS

Regi=
Register über die vornehmsten Sachen / Die in diesem Wercklein begriffen.
A .

ADam wurde von dem Allmächtigen Schöpffer aus einer roten Erden gemacht. pag. 73

Adel ist dem Tod wie ein Porcelan=Geschirr 119. gehört in das Register der Eitelkeit 119. Asch und Erde ist er doch / wäre er auch gleich noch so hoch. 120

Adels= Brieff gelten im Himmel nichts. 119

Adler ziehet keine Tauben oder Wachteln 121. probiret seine Jungen bey den Sonnen=Strahlen. 122. 123

Aertzte / derer giebts an manchem Orth mehr als der scheckigten Hunde. 152. 153

Aff / in Jndien macht einer huntert tausend. 31.

Ahnen / viel Ahnen viel Todten=Köpffe. 121

Alexander Magnus verbietet einem Soldaten der auch Alexander geheissen, entweder diesen Namen fahren zu lassen / oder anderst zu leben. 120122

All= Register

Allwissenschafft GOttes und Allunwissenheit der Menschen hat manchem nicht geringe Grillen im Kopff und Mucken ins Hertz gesetzet. 78

Apffel=Biß / von dem sind allen Eva KiudernKindern die Zähn Stumpf worden 2. Apffel=Biß der Wol=Lust / macht daß uns der sauere Safft wieder beisset ibid.3 Apffel=Genäsch hinterlässet einen bittern Coloquinten=Apffel=Safft. 3

Aschen ist der Mensch. 120.

B .

Bauer lässt ihms werden sauer 182. kan mit seinem Sensen=Gewehr trotz allen Fechtmeistern recht dapffer herum springen / und zwar gleich dem Tod. 183

Beredtsamkeit suche Redkunst. Beschwörer / sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Biret und Kappen kan der Tod ertappen. 8

Burger / viele sind mit ihrem Stand nicht zu frieden 70. werden beschrieben / wie es ihnen gehet. 70. 7572

Burger=Stand ist unter allen Ständen fast der glückseeligste. 69

C .

Cananiter waren rechte SchnittterSchnitter und Beutelspicker. 14

Cardinals=Hut wird vom Tod nicht verschonet. 111

Chrysostomus / sein Mund ist in seiner Jugend ein Bienenhaus gewesen. 19.

Colo= über die vornehmsten Sachen.

Coloquinten=Mus der Propheten Kinder schmäckt wie der Tod in Häfen. 4

Columbus hat den gantzen Erdkreiß umgesegelt. 30. 31

ConchaveConclave wird vom Tod nicht verschonet. 112

Cristallen=Schauer sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Cronen will der Tod nicht schonen. 11. 12

D .

Dampf ist des Menschen Leben. 164. 185

Demosthenes sein Mund ist in seiner Jugend ein Bienenhaus gewesen. 19

Dieb / ein grober ist der Tod / erweiset niemand Respect. 12

Doctor stirbt so wol als der Arlekin. 134. jetzt will ein jeder Narr ein Doctor seyn / da sie gemeiniglich Dach=TorenDoch-Toren sind 153. sind gemeiniglich Prahler 153 Oculisten Stein= und Bruchschneider 155. grosse Medici haben vielmahl den Fleck neben das Loch gesetzt 155. bilden ihnen ein / sie können den Tod in Narren=Häuslein sperren ibid. wie sie sich gemeiniglich entschuldigen / wann die Artzney nicht angeschlagen. 156

Dunst ist das Menschliche Leben. 185

Durst ist eine grosse Qual 63. darüber jener Edelmann geklaget 63. Art der durstigen Brüder. 64

E .

Edelleut und Betelleut sterben ohne Unterscheid. 12

Ehrfüchtige sind den Zwerg=Bäumlein / und dem HopfenRegisterHopfen und Winter=Grün gleich 125. 126. sind Edelleute / die das B. nicht gern voransetzen 126. sind offt Käs= und Toback=Jubilirer 127. sind offt von Schmid=Ess und Rußheim entsprossen 127. sind hoch= und Wohl=Edle Herren von Frißmich=nicht 128. sind von Scheerhaussen und Wollen=Tal / von Spitzbergen und Dockenheim 128. sind rechte Titul=Narren 130. Mit ihnen heists: Edelmann / Bettelmann / Stockfisch. 130

Erdbeben erschröcken manchen Menschen / daß er zitteret wie ein Espen=Laub 142. thun plötzlich erschröcklichen Schaden 143. Exempla hiervon 144. 145. 146. das zu Antiochia / hat den Christen kein Leid zugefüget. 144

Erde wird nicht Wassers noch Menschen satt. 163

Exempel von einem Kind in der Wiegen / und einem Mörder. 108

F .

Fegfeuer / im selbigen gehts übel her 275. 286280. seq. 302. 303. seq.

Feuers=Noth / die leibliche ist erschröcklich 96. 97. das Gewissens=Feuer / wann es an rechtschaffenen Buß=Thränen mangelt / noch erschröcklicher ibid. höllisches Feuer ist das allererschröcklichste 97. die Gottlosen werde̅ grausamer in dem höllischen Feuer brüllen / als der Phalaris in seinem selbst=erfundenen brüllenden=Ochsen. 9798

Feuer / dieses wilde Element hat schon manchem ge=der vornehmsten Sachen.gmacht das End 139. mitten unter demselben ist Elias lebendig gen Himmel gefahren 139. wenn GOtt nicht befiehlt / so darf das Feuer nicht brennen 140. ein kleines kan grössere Qual verursachen als Aetna / Vesuvius und Hecla 140. eines und anders kan man nicht löschen. 141.

Finsternissen wissen die Sterngucker accurat zu prophezeyen / wann sie kommen werden. 77

Fisch frisst offt den Fischer. 33

Flachs muß sehr viel leiden / ehe er zu Leinwat wird. 203. seq.

G .

Geheimer=Rath und klügster Staats=Minister stirbt so wol als der Hof=Narr. 134 Geld kan so leicht von Feind hinweg getragen werden als ein SchilffSchiff voll Hering u. Stockfisch 25. mancher hat sein Leben mit Geld errettet 158. der Tod aber fragts nichts nach demselben 159. Luy d’Or, Duplonen / Pistoletten / Kronen / Ducaten und Reichsthaler werden nicht geacht 159. Es heist / Geld und Gut nichts helffen thut. 160

Gelehrter / zwischen demselben u. einem Ungelehrten ist ein Unterschied wie zwischen einem gewanten Schulpferd und Karrn=Caball. 23. &c. 24. seq. 134

Geographus wird artig beschrieben. 24

Geometra wird artig beschriben. 24

Gesichter und schöne GestaltenGestalten kommen nicht allzeit zum Falten. 198. seq.

X Glo= Register

Glocke / dessen kurtzer Klang ist unserm Leben gleich 109190 Kling klang du lebst nicht lang. 191

Gold=Beschneider sind des Teuffels Apostel und Propheten. 5888

Gott wird mit einem Töpffer oder Haffner verglichen 73. und einem solchen / der die Töpffe wieder wacker zerschmeissen kan. 73

Grab=TücherGrab=Tüncher und Todten=Graber gelten beym Tod mehr als Hof=Mahler und Kunst=Stecher. 42

H .

Haffner / mit dem wird Gott verglichen 73. es giebt heutiges Tages gar künstliche 74. auch Schmier=Hantzen ibid. 75. ihren Häfen sind den Menschen gleich / da immer einer besser seyn will als der ander. 75

Handwercks=Mann / wo er nicht lieber schläfft und saufft / als arbeitet und sparet / kan sich des Seegens Gottes reichlich getrösten. 70

Hanns=Wurst u. Hanna=Wurstin wollen güldene Ketten tragen / wie eine englische Tock aus Beyerland im güldenen Halsband. 18

Heckenmüntzer sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Hercules wie er wegen seiner Beredsamkeit von den Galliern gebildet worden. 18

Herr / ein grosser / der nichts studirt / wann man ihm seine Herrlichkeit genommen / ist ein elender Tropff. 25

Hexenmeister sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Histo= über die vornehmsten Sachen.

Historicus wird artig beschrieben 24

Hoffman / steigt gemeiniglich hoch / fällt aber auch tief 58. sind Staats= und Stands=Raggeten ibid. mancher blässt sich auf / wie ein Dudel=Sack / und startzet wie eine gefrohrne Köhlstauden 59. Nimmt ein End mit Schrecken wie ein Orlog=Schiff / darinnen Feuer in die Pulver=Kammer gekommen. ibid. ein anderer ist grosser Herren Haar=Stutzer / und Schuh=Butzer / Schwammen=Drucker und Strimpff=Flicker / Dinten=Lecker und Papier=Verderber / Quintenmacher und Lügen=Drechsler. 60. nimmt gemeiniglich ein schlechtes End. 61

Hunds=Gasterey ist erschröcklich. 198

Hurtigkeit ist kein Zauberey. 222

J .

Jesabel hat viel ihres gleichen / das Schmincken belangend. 198. 199. Jesabels Gesichter sollen an die Hunds=Gasterey gedencken. 201

Jgnoranten tragen offt unter einem seidenen Mantel / sammeten Rock und Hosen grosse Thorheiten verborgen. 27

Jnful wird vom Tod nicht verschont. 111

Jubal Lamechs Sohn ist der erste Geiger und Pfeiffer gewesen. 147

Judas / will ein Staats=Mann seyn / sein Staats=Streich aber ist ihm übel gelungen. 59

Juden sind langfingrichte Mosigte Ebreer 14. Stehlen Gold und Silber / wie der Magnet den Stahl. ibid. Sind unbeschnittne Mauschel. ib. X 2dieRegister /die Breitbartigten sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

K .

Kappen kan der Tod ertappen. 8

Kauffleute sind in einem GOtt gefälllgengefälligen / rühmlichen / nutzlich und nöthigen Stand. 14. 15. unterweilen Wechsel=Bälge / die die Wechsel=Brieffe wohl verstehen. 15. Spielen Bancorott / einer fällt von einem Falliment ins ander. 15. die Fuchsen und Schimmel sind manchem lieber als der Himmel. 16. der Tod fischt ihnen Wechsel=Bälg und Capitalien vor der Nasen hinweg. 16. welche mit dem Juden=Spieß lauffen / machen sich viel vergeblicher Unruhen. 69

Kinderspiel ist des Menschen Leben. 228

König achtet der Tod wenig. 11. Sind Staub und Aschen / ein einiger Mensch kan sie in einen Trag=Korb fassen. 11

Krämer / wann er nicht Mäuß=Pillen für Pfeffer verkaufft / noch falsche Waar und Gewicht führet / kan manches Profitigen machen. 70

Krippel müssen tantzen nach den Todes=Trippel. 251

Kunst / alle ist beym Tod ohn alle Gunst. 40. alle die von ihr Profession machen / müssen an den Todes=Reyhen. 41

Künstler / wo er nicht lieber schläfft und saufft / als er arbeitet und spahret / kan sich des Seegens GOttes täglich getrösten. 70

L .

Läuse sind sechsfüssige Dragoner / die sich gerne in Beltzüber die vornehmsten SachenBeltz und Wammes einquartieren. 10. haben manchen Menschen gefressen / wie den König Herodem. 44

Leimen / daraus ist der Mensch formirt. 103

Leben der Menschen bestehet / wie der Rauch vergehet. 164. ist ein Spiel. 168. das Leben währt nicht lang gleichwie der Glocken=KlengGlocken-Klang. 190. ist ein continuirliches Sterben. 242. 243. 244. 245. 246. ist wie Spinnen=Weben. 254. Leben ist ein Wandern von einer Stadt zur andern. 265

Leib des Menschen ist der Seelen Kercker. 104

Lufft / sonderlich die inficirte / hat viel 1000. mal mehr Menschen verschluckt als alle Menschen=Fresser und Hottentotts. 35

Lust / die böse gebiert / Unlust. 1. 2. hängt uns wie der Katzen das Mausen an. 2. daraus entspringet die Pica / oder schwanger Weiber Gelüste. 2. 3

Lynus soll ein Erfinder der Music gewesen seyn. 147

M .

Männer sollen ihre Weiber lieben. 114. sie lassen sie aber unterweilen daheim wie einen Essigkrug hinter dem Ofen verschimmeln und versauren. 115. Manche Weiber=Hänsel aber wollen ihre Weiber gar aus Liebe fressen. 116. Haab und Gut verschwendet ein solcher Gockelmann seiner Bruthennen zu Lieb. 116

Mäntelein / ein armes verhüllt einen am Verstand und GelǝhrsamkeitGelehrsamkeit reichen Mann. 27

Magellanes hat den gantzen Erdkreiß umgesegelt. 30. 31

X 3 Mars Register.

Mars vorm Mors sich muß verkriechen / und demselben unterliegen. 54

Matronen / die Zahnluckigten pflegen ihre ausgefaulte Pallisaden mit Elfenbeinen wieder zugleich auszufliecken und zu befestigen. 2

Mauldromme / was auf derselben Spielen können bedeute. 22

Mensch ist ein elender Wurm / der im Leben und nach dem Tod unzehlig viel Würmer aushecket 43. ein Maden=Sack. 44. ist ein eitel / greulischer / abscheulicher / heßlicher gräßlicher Koth. 47.45 Motten werden sein Unterbett und die Würmer seine Decke seyn. 46. die Menschen=Würmer sollen der Würmer in ihrem gantzen Leben nicht vergessen. 47. ist ein Leimen=Patz und gebrechlicher Hutzel=Hafen. 73. einer ist ein Bauren=Milch=Hafen / ein anderer gleichet einer Confect=Schalen. 7375. brechen doch allzumalen. ib. ein artiges Studenten=Stücklein wird erzehlt / das sich trefflich hieher schickt. 76. der Mensch kommt in die Welt / und weiß nit wenn oder wie / kommt aus der Welt / und weiß nicht wenn oder wie. 78. Erd und Aschen ist er doch / u. wär er gleich noch so hoch. 101. 120. 121. der Königl. Printz stinckt eben so kräfftig als des schlechten Mist=Baurens Hansel. 101. der Mensch vergeß des Laimens nit als woraus er ist zugericht. 103. alle führen den Toden=Kopf im Wappen 121. ist ein Gras. 172. 173. eine Blume. 172. 173. muß viel leyden wie der Flachs 206. sein Leben ist ein Kinderspiel. 220228. seq.

Men= über die vornehmsten Sachen.

Menschen sind gleich den Baum=Blättern. 233. seq. der Mensch ist in dem Tod verführt / wann er auf Erd und Asch stoltzirt. 258. manche kennet man nicht mehr / wer sie sind gewest vorher. 281

Mißgeburt / eine abscheuliche ist die Sünd. 1. daher der Tod kame. ibid.

Music Erfinder ist GOtt. 147. hat viel Liebhaber gehabt. 148. ist aus der Kirchen auch in die Privat=Häuser gezogen worden. 149. Die Natur giebt Anlaß / die Music unter diejenigen Dinge zu zehlen / welche den Menschen nützlich und thig sind. 150. wenn die Kinds=Capellmeisterin ein Liedlein singt / da schlaffen die Kindlein sanfft ein. ibid. die Nacht=Music ist vielen angenehm. 150. giebt auch manchem Vergnügung im Tod. 151

N .

Nabal der Thörichte muß so wohl den Toden=Tantz antretten als der weise Salomon. 133

Narren / worinnen sie von dem Weisen unterschieden? 135. der Tod pflegt auszulachen die nichts als Possen machen. 207. es giebt allerley Narren. 209

Nativität=Steller sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Neid=Zahn ist der Ursprung aller bösen SpüngSprüng. 1

O .

Oedipus gilt dem Tod so viel als ein Davus. 28

Orpheus soll ein Erfinder der Music gewesen seyn. 147

X 4 Papa Register.
P .

Papa ist dem Tod nicht generis masculini oder fœminini, sondern generis omnis, es gielt ihm ein Pabst so viel als der ander. 6

Pestilentz / die im Finstern schleichende trifft mit ihrer Sensen viel 1000. Menschen ohne Aufstehen. 35. 36. je mehr sie aufreibt / je mehr greifft sie um sich. 36. 37. unzehlich Mittel werden gebrauchet. ibid. da heists: Wer Herr im Haus / der geh hinaus. 38

Pfeil des Todes ist gut / nie fehlen thut. 92

Philosophus Aristippus und Bias werden artig beschrieben. 24. 25

Pindarus / Sein Mund ist in seiner Jugend ein Bienen=Haus gewesen / darein sie ihr Honig geleget. 19

Prahler hören das Gras in den Elysischen Feldern wachsen / und die schwindsüchtigen Flöh in Seraglio zu Constantinopel bis auf Paris husten / und die Fisch im Wasser singen. 28

Predigten der Weiber sind den Männern selten angenehm 8. werden von Geistlichen Personen vor ungereimte Sachen gehalten. 1110

Priscianus. Dem giebt der Tod eine Ohrfeigen über die ander. 6

Pythagoras soll ein Erfinder der Music gewesen. 147

R .

Rauch ist des Menschen Leben. 164

Redkunst ist nit genugsam zu loben. 17. Demosthenes und Cicero haben darinn excellirt. 17

Redner / unterschiedlich haben aus ihrem Munde lauter Honig herfür fliessen lassen. 18. 19. mancherüber die vornehmsten Sachen.cher Mund ist mehr ein Wespen=Nest als Jmmen Haus. ibid. mancher geistlicher muß seine Zunge wie eine kluge Schlangen oder Biene ihren Stachel spitzen rc. 19. 20. andere / die gerne geschmiert seyn wollen / taugen ihre Zungen in lauter Honig und Oel. 20. die alten Griechen waren auch treffliche Redner. 21.

Regul / keine ist ohne Ausnahm. 5

Reicher Jgnorant und Thaler=Schmeltzer / wann man ihm sein gülden und silbern Nest ausnimmt / so ist er so viel als des Crösi Maul=Esel. 25. 26. wann stirbt ein reicher Mann / wie bitter kommts ihn an. 48. reicher Schlemmer wird artig beschrieben. 48. 49. seq. der Reiche wird wie ein Blum des Grases vergehen: 172

Reich gewesener Schlucker schickt sich zum Arbeiten wie die Busen Hündlein zum Haasen=Jagen / und ein Elephant zum Voltisiren. 26. 27

S .

Saitenspiel gilt beym Tod nicht viel. 147

Salomon der Weise muß sowohl den Toden=Tantz antretten als der thörigte Nabal. 133

Sauffer / viele ersauffen im Wasser / aber noch vielmehr muthwillig in Wein / Bier / Brand=Wein und dergleichen rc. 65. Exempel von einem Kauffmanns=Diener / der gar ein Sauff Teuffel war. 65. seq. sind unterweilen gute Bassisten / welche manchen BaussauischenBassauischen Vertrag werdenwerden haben machen helffen. 67. haben offt einanX 5derRegister.der mit Salus und Prosit in die andere Welt fortgeschickt 68

Sauff=Gläser und Geschirr sind nichts anders als Jnstrumenten des Todes. 66

Schöner Galan gleicht einem Haus / das denen Winden und Regen unterworffen. 26

Schöpffer war Anfangs ein Töpffer. 73

Schützen / der Tod ist ein gewisser. 92. einer hat einen Haasen / Vogel und Fisch auf einmal geschossen. 92. die besten verfehlen offt das Schwartze / der Tod aber schiest auf ein Nägelein. 92

Schweigen ist eine grössegrösser Kunst als reden. 17

See=Battallien werden beschrieben. 33

Seele / dero LiebLeib ist ihr Kercker. 107

Selbst=Mord war bey den Heyden eine Tugend / bey den Christen aber ist er ein schändliches Laster. 106. 107

Soldat ist istist unterweilen ein Horribilicribrifax, 54. den achtet der Tod nicht viel / er mag kollern wie er will 55. mancher ist auf der Schildwacht todt gefunden worden. 56

Sonne steiget schön hinauf / endigt aber bald den Lauff. 176. 177.178 180. 181

Spiel ist des Menschen Leben. 168

Spieler sind Leut=Beschneutzer und Beutel=Credentzer. 168. Exempel von einem Spieler. 169

Spielleut sind vom Tod nicht befreyt 85. manchen Bocks=Pfeiffer / samt seinem Bock hat der Bock geholt. ibid. bey ihnen heists / der Geist ist hinaus nun ist der Kehraus. 87

Spin= über die vornehmsten Sachen.

Spinnenweben ist des Menschen Leben. 254

Sterben müssen alle Menschen / durch den Apffel=Biß ist der Tod gewiß 1. der Aaron / alle Heil. Vätter und Christi Stadthalter 5. 6. 7. und ist doch den Menschen verborgen 77. Sterben soll man täglich 242. dieser ist wol recht gestorben / der den Himmel hat erworben. 247. 248. 249.

Sterngucker habens mit ihrer Kunst weit gebracht 77. wissen aber ihre Todes=Stund nicht. ibid. seq.

Stiegen zum Tod ist die Wiegen. 108

Stoltze sollen an den Tod gedencken. 258

Stund des Todes ist ungewiß. 237

Sünd ist eine abscheuliche Mißgeburt 1. welche den Tod in die Welt gebracht 1. 2. 3. soll man lernen meiden. 259269

T .

Tantzen mag gern das Frauenzimmer 81. was dabey in acht genommen werde ibid. über dem sind viele plötzlich gestorben 82. in der Hölle tantzen die Teuffel auf dem Gesims / und der Vizliputzli samt seinen Cameraden blasen auf dem Bock 82. bey Alexandri III. Königs in Schott=Land Tantz mit seiner Braut / hat sich der Caprioln=Schneider der Tod auch eingefunden und per Compagnie mit getantzt 82. Todes=Bereitung gehört auf die Tantz=Böden abgemahlet zu werden 83. Tantzen ist ein erbare Thorheit ibid. zwischen einem Tantzer und Narren ist ein schlechter Unterschied 83. das Tantze=Dockele Herodias Töchterlein / so dem H. JohanniRegisterhanni den Kopff abgetantzt / hat auch ohne Kopff auf dem Eiß tantzen müssen. 84

Testament / ein verzweiffeltes eines Ehemanns. 118

Teuffel werden ihre Liebe Getreue mit einem extraordinari Feuerwerck in der Höll empfangen. 90

Titel auch der gröste Tittel ist fürm Tod kein Mittel 125. die besten sind Gottes Kinder / Brüdern und Schwestern des Herrn JEsu / Tempel und Wohnungen des H. Geistes 131. 132.

Titul=Sucht greifft heutiges Tags wie die ansteckende Pest um sich. 125

Tobacks=Schmaucher können den Tod am besten betrachten. 188. 189

Tod kommt von der Sünd her 1. als von einer abscheulichen Mißgeburt 1. 2. ist ein neidischer Lebens=Feind 2. stöst uns wie der genäschigen Katzen / das Maul auf den Tisch 3. naget uns wie ein Wolff an einem Schöpf=BeinSchöps=Bein ibid. ist aller Schul=Fuchs Groß=Vatter und kein guter Grammaticus 5. bey ihm ist Papa, der Pabst generis omnis, ibid.6 Aaron / alle Heil. Vätter und Stadthalter Christi sind bey ihm generis communis und omnis 6. Er ertappt Biret und Kappen 8. verschonet nicht der Kron 11. ist ein grober Dieb / wirfft alles über und untereinander ins Grab 12. macht Bancorott 15. ist der ärgste Practiquenmacher und Beutelschneider fischet den Kauffleuten Wechsel=Brief und Capitalien vor der Nasen hinweg 16.über die vornehmsten Sachen.16. sowol beredt der Redner ist / so fällt ihn doch des Todes List 17. 22. den gelehrten Kopf nim̅t der Tod beym Schopff 23. seq. 28. der Contre=Admiral Tod commandirt en Chef auf der See zerbricht Steuer und Ruder rc. 33. der Tod nie mehrer trifft / als wann die Lufft vergifft 35. alle Kunst ist beym Tod ohn alle Gunst 40. ist ein Gall=Apffel=Brey und Fieber=Tinctur 48. er versaltzt den Reichen die Süssigkeit ihrer Freud 53. Mars hin Mars her / Mors gilt noch mehr 54. ob gleich der Hofman̅ stutzt / der Tod ihn dannoch trutzt 57. der Tod macht manchen im Trincken sincken 63. der Burger mag sich sehr bemühen / kan dannoch dem Tod nit entfliehen 69. 72. der Tod ist ein unerbittlicher Haffner oder Töpffer 76. wann der Tod kommt / ist verborgen / darum steht man stets in Sorgen 77. 80. er ist ein Spielmann und Tantzmeister 81. ist ein langbeinigter Capriolen=Schneider 82. es sind die Spielleuth vom Tod nicht befreyt 83. seq. mit der Zauberer=Rott hat der Tod sein Spott 88. seq. sein Pfeil ist gut / nie fehlen thut 92. ist ein gewisser Schützenmeister ibid. zum Tod ist die Wiegen ein Stiegen 108. Jnful und Hut der Tod nicht schonen thut 111. dem Tod ist der Adel wie ein Porcellan=Geschirr 119. er ästimirt keine Wappen oder Adels=Brief 119. nig und Bauer / Edelmann und Bettelmann gelten bey ihm einer so viel als der ander 119. Auch der gröste Titel ist fürm Tod kein Mittel 125. der Tod ins Grab thut scharren den WeisenRegister.sen und den Narren 133. ist der Sünden=Sold und Liedlohn 134. die Music und Saitenspiel gelten bey dem Tod nicht viel 147. 151. des ArzenArzten seine Kunst findt bey dem Tod kein Gunst 152. bey dem Tod das Geld und Gut / wenig ja nichts helffen thut 158. das Leben ist ein Spiel / mit dem Tod gwinnt man nicht viel 168. verstehet das Elffenbein und Ochsenbein so gut als die Menschenbein 169. auch die schöneste̅ Narcissen werden vom Tod abgerissen 172. 175. Es nim̅t der Tod den Baure̅ mit / ob er gleich sehr um Aufschub bitt 182. mähet die Menschen um wie der Bauer das Gras auf der Wiesen 183. seq. baufällig und alt kommt bald in Tods Gewalt 194. der Tod denen Menschen ist gar nicht gewogen / sie werden von ihm durch die Hechel gezogen 203. ist ein schwartz=brauner Hechel= und Maus-Fallen Jubilirer 203. seq. kommt zu Nacht wie ein Dieb / es sey einem leyd oder lieb 212. der Tod ist blind und führt den Blind/nBlinden / kan ihn auch in der Blindheit finden 216. kan alle Brillen erspahren 217. der Tod ist blind und doch geschwind 222. des Todes=Stund ist ungewiß 237. Krippel müssen tantzen nach den Todes=Trippel 250251. man schnitzele und schau / doch nach dem Tod umschau 309. 309.309. 310. 311. Es kommt der Tod in aller Still / und das erfahren ihrer viel. 312. 313

Todte soll man nicht fragen / und auch keine Antwort von ihnen erwarten. 80

Tod= über die vornehmsten Sachen

Todten=Glocke giebt gute Erinnerung. 190. 191. 192

Todtenkopf führen alle Menschen im Wappen. 121

Töpfer S. Haffner.

V .

Verstorbene / derer soll man nicht vergessen. 286 sep.seq. 295. seq. 301

Vestmacher sind die Teuffels Apostel und Propheten. 88

Uhren Rechtschaffene LiehabenLiebhaber derselben sehen fleissig nach der Sonen. 238. 239

W .

Wahrsager sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Wanderschafft ist unser Leben. 265. seq.

Wasser / so weich es sonst ist / so hart ist es dagegen 29. auf dem Wasser wird das Sprichwort offt erfüllet: Wer sich in Gefahr begiebt / der kom̅t darinnen um 30. mehr sauffen sich zu todt auf Erden durch Wein / Bier / Brandwein / und dergleichen Gelapper=Oels auf dem Wasser 30 wie dasselbe in die Erde sincket / also sterben die Menschen dahin. 162

Weiber ihne Predigten sind den Männern selten angenehm 8. doch haben manche kluge damit viel ausgerichtet 9. auch die listigen und sen soll man gedultig anhören 9. ob sie gleich keine Hosen anhaben ibid. sollen ihren Männern unterthänig seyn 114. bekümmern sich mehrmalen so wenig um ihr Haushalten als ihr Kind imRegisterim Lauffwagen 117. besser kein Weib haben / als seines Weibs Serviteur seyn. 118

Weiser hat seine Augen im Haubt / der Narr wandelt in Finsternis 134. worinen die Narren von deuden Weisen unschieden sind. 135

Welt ist ein Hofspital / Lazareth und Siechhaus darinnen das gantze Menschliche Geschlecht von der Sünden Pest wie ein Käs von Maden / und ein eingebeizt Wilden=Bret von Essig mit ihrem Gifft durch krochen / und gantz inficirt ist. 36

Wiegen ist zum Tod ein Stiegen 108. Exempel von einem Kind in der Wiegen und einem Mörder. ibid.

Wollust bringt Unlust 3. ist nichtig. 114

Wurm / ein elender ist der Mensch S. Mensch.

Zahnlucken kommen von der Even Apffel=Biß her / daß sie Stumpf und Morsch werden / hernach ausgefallen. 2

Zauberer sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Zeichendeuter sind des Teuffels Apostel und Propheten. 88

Zeit des Lebens ist kurtz. 114

Zungenhandwerck / mit demselben haben die alten Griechen wol herum springen können. 21

Zungen=Schwerdt / mit demselben hat Pericles seinen Obsieger Archidamum beredet / daß derselbe gestanden / Pericles hab ihn überwunden. 21

ENDE .