P . ABRAHAMS
a S . Clara P. ABRAHAMS a S. Clara
Gemahlte
Toden-Capell .
REV . P . ABRAHAM
à S . Clara ,
Augustiner=Barfüsser=Ordens / weyland Kayserl . Predigers und
Definitoris Provinciæ ,
Besonders meublirt- und gezierte
Todten =Capelle /
Oder
Allgemeiner Todten =Spiegel /
Darinnen
Alle Menschen / wes Standes sie sind / sich beschauen / an denen mannigfältigen
Sinn=reichen Gemählden das
MEMENTO MORI
zu studi ren / und die Nichtigkeit und Eitelkeit dieses Lebens
Democriticè oder Heracliticè ,
Das ist :
Mit lachendem Mund / oder thränenden Augen / wie es beliebt / können betrachten
und verachten lernen .
Nürnberg /
Bey Christoph Weigel / Kupfferstecher und Kunsthändlern gegen der Kayserl . Reichs=Post /
über zu finden .
Würtzburg / Druckts Marrtin Martin Frantz Hertz . An . 1710 .
Jhro Excellentz /
Dem
Wohl =Gebohrnen Herrn /
Herrn
ADAMO
ANTONIO
Grundemann /
Von
Falckenberg / und Egeregg /
Herrn der Herrschafften Engelstein /
Süssenbrunn / und Heindorff / &c .
Der Römischen Kayserlichen Majest .
Würcklichen
Geheimen Rath / r c. r c.
Einer Hoch=Löbl . Todten=Bruder
schafft wohl=erkiesten
PRÆFECTO .
WEltkündig ist / was
massen grosse Gemüther
ihren Geist=Feuer / und
Tugends=Krafft entweders durch
den Degen / oder die Feder pflegen
außzubilden / und kühnlich zu ma
chen . Hierinfalls hat der in teut
schen Landen / bekandt= und hoch
berühmbte / nunmehr in GOTT
ruhende Wohl=Ehrwürdige Pater
Abraham in seinen mit Sin̅=reicher
Feder verfasten Schrifften und Bü
chern der Nach=Welt zum Vor
schein gespielet / und klare Prob vor
Augen gelegt / dergestalten daß Er
sich nicht allein der auff dieser Welt
annoch streitenden / sondern auch
dero in der anderen Welt also ge
nandt nandt purgierenden Kirchen höchst
meriti rt / und verdient / ja mit de
nen Abgelebten gar eiue eine Bündnuß
und höchst Lob=würdige Alliantz
gemacht zu haben scheinet . Ange
sehen Er schon vor 31 . Jahren bey
Jhro Hoch=Gräflichen Excellentz
Herrn Grafen von Hojos , damah
ligen Land=Marschallen allhier
zu Wienn als Lieb=wertester Gast /
ja Hauß=Genoß wohnent / gleich
als in einem Kloster Geist=reichen
Betrachtungen obligent in Mitley
dender Hertzens=Erwegung / daß
selber Zeit so viel tausend in denen
Federn des Schmertz=bitteren Ruh=
und Todt=Bettlein ihren Geist auß
schwitzent / vermuhtlich vielen dero
selben die erwünschte ewige Ruhe
verschoben / als welche gleich dem
Gold im Feuer von restierenden
Sünd= Sünd=Macklen musten gereiniget
und geleuteret werden / in sothaner
Betrachtung wolte auch P . Abra
ham seiner Feder noch Ruhe noch
Feyer=Tag verlauben / sondern
vielmehr selbe spitzen / umb aller noch
lebenden Hertzen zum Christlichen
Mitleyden zu verwunden / denen
Abgelebten aber zu tröstlicher Hülff
jene Geist=volle Tractätl mit dem
Mercks= und Lösch Wienn betitlet /
unter die Preß / und folgsamb die
erste Prob seiner Geistlichen Allian
tze legen . Mittler Zeit muste das
feurige Hertz Augustini mit zwölff
Sinn=Bilderen beleuchtet / dann
auch die viel Jahr ( in Persönlicher
Gegenwart Kayserlichen Majestä
ten ) bestiegene Bruderschaffts=
Cantzel der getroffenen Bündnuß=
Beypflichten / massen Er von selber /
als als ein recht anderer Abraham ge
gen den armen Lazaro ( will sagen
den armen Seelen ) sein zart Hertz
liches Mitleyden zu beweglichen
Beyspill der Zuhörer an Tag geben /
umb zu erlehrnen / diese Arme in der
Schooß eines danckbahren Her
tzens und Gedächtnuß zu tragen /
und auffzunehmen . Gestalten nun
bey herzunahenden grauen Alter /
und dero begleitenden Unpäßlich
keiten / so wohl Stimm= als Feder
mercklich zu ermieden begunten /
als haben Sie den künstlichen Mah
ler=Pemsel zu Hülff geruffen / umb
jene Geist=volle Sinn=Bilder und
merck=würdige Sprüche Göttlicher
Schrifft der annoch= und künfftig
hin lebenden Nach=Welt zum
Denck=Zeichen und Vale in der
Todten=Bruderschaffts=Capellen
zu zu hinterlassen / daß also die so Lob=
als Verdienst=würdige Geistliche
Alliantz mit diesem Werck schließli
chen bekrönet / und hoffentlich auch
in dem Himmel von dem allwal
tent=gütigsten GOtt mit dem gul
denen Gnaden=Pfenning ewig=weh
render Seeligkeits=Geniessung wür
det seyn belohnet worden .
Wann nun jener Poëti sche Rei
men=Dichter Homerus bey dem
Macedonier König Alexander mit
seinen gebundenen Lob=Schrifften
so grosse Ehr eingelegt / daß der
König selbe in einem guldenen Trü
cherl verschloßner mit sich so gar
auch auff denen Reisen herumb ge
führt / zum Zeichen seiner hohen
Æstim und sonderen Werthshal
tung : Als lebe auch ich verläßli
chen Zuversicht und getröster Hoff
nung / uung nung / Euer Excellentz wer
den diesen unseren Simbolischen P .
Abraham ebenfalls genehm hal
ten / da ich vor Selben im Nah
men Sambtlicher respectivè , &c .
Herren dero hoch=löblichen Bru
derschafft Official en bey Jhro
Excellentz / als ehedessen 43 . Jahr
höchst=meritirti sten Land=Unter=
Marschallen die Einkehr außbitte :
und zwar auß folgenden Beweg=
Ursachen : Weilen der Author selbst
bey Lebs=Zeiten öffters sich verneh
men lassen : Jn warheit wir Angu
stiner Augustiner Barfüsser haben einen recht
Grund =Hertzig geneigt gnädigen
Vatter / und unabläßlich gutthä
tig freygebigen Mann an dem
Gnädigen Herrn Grunde Man /
uud und ligt auch die Prob klar vor Au
gen: gen : Als wann Jhro Excell .
im Geist hätten vorgesehen / daß
1700 . auß Päbstlicher Gutheis
sung der groß=heilige Vatter Jo
seph / denen Augustinern Barfüssern
hoher Schutz=Herr / und H . Or
dens=Patron wurde erkiesen und
erwählet werden / als wolten sie ih
me zu sondern Ehren etliche Jahr
zuvor den so schön als kostbaren Al
tar / nebst beygeschaffter wohl schö
nen Paramen ten / Leuchtern und
anderen Cirathen / mit eingestifftet
ewig=bren̅enden Lampen von Grun
de erheben und auffrichten lassen .
Auch in keiner anderen / als die
ser Kayserlichen Hoff=Kirchen Jhro
künfftige Ruhe=Statt / und ihrer
nachstamment Hoch=Adelichen Fa
mili zuerwählen belieben getragen /
massen das schöne Kunst=reiche E
pita- pitaphium von Marmor / nebst
Sinnreich beygesetzter Grabschrifft
alldorten zu sehen ist / r c.
Gleich wie nun dieses eine leb
haffte Schilderey der sterblichen
Menschheit / und menschliche̅ Sterb
lichkeit allen Ansehenden vorstellet /
mit stummer Erinnerung daß Sie
Dero unumbgänglich verpflichtet /
also kan ich unwidersprächlich sa
gen : daß Euer Excell . schon
vor mehr als einem halben Jahrs=
Hundet Jahrs-Hundert mit denen auff dieser Welt
abgelebten = in der Anderen = aber e
wig=lebenden Seelen einen Bund
und Alliantz gemacht haben / Sel
bigen allmögliche Hülff und Suc
curs zu leisten / getraute mir solches
nicht kund zu machen / zum Fall ich
nicht Jhro Excell . selbst aigen
händige Unterschreibung auß dem
Albo Albo und grossen Bruderschaffts=
Buch kunte zur Prob vorzeigen / in
welchem folgende Wort zu lesen :
Anno 1659 . den 21 . Tag Novem
bris : Adam Antoni Grundeman .
Von diesen 51 . Jahren her haben
die Herren Sodales und Bruder
schaffts=Beambte mit Augen ge
sehen / die arme Seelen aber im
Werck erfahren / wie ihnen dieser
Grund so häuffig und heylsambe
Früchte der Geistlichen übermach
ten Verdienst getragen .
Den Grund liebt GOtt : da
Er von Grund des Hertzens will
geliebt werden . Den Grund
lieben die Menschen / da sie im Grun
de der Erden den Gold und Silber=
Aderen nachgraben / im Grunde
des Meers unter dem Wasser
schwim= schwimment köstliche Corallen / Per
len und Million verborgene Schätz
suchen . Dahero kein Wunder / daß
auch die Herren Official en auff
Jhro Excellentz ein danckbah
res Aug gewendet / und Sie erst
lichen als einen Assisten ten / nach
mahls Vice-Præfecten , nun aber
als best=erkießnestes Ober=Haubt
und Præfect en der Hoch=Löblichen
Todten=Bruderschafft liebet und
beehret : umb Willen Euer Ex
cellentz so Grund=Eyffrig bey
geholffen mittelst recht=freygebiger
Gutthätigkeit / daß die Bruder
schafft zu solchem Flor und Auff
nehmen / in welchem Sie heunt zu
Tag zu sehen / gelanget / den Ver
storbenen aber hierdurch mehrere
Beyhülff geleisteit worden / welche
auch von denen in die triumphiren
triumphiren
de de himmlische Freuden=Stadt ein
ziehenden Alliirten mit einer Ge
gen=Alliantz reichlich ertheilten See
gens auch auff der Welt erstattet /
und beglückseeliget worden .
Wohin dann Jhro Excell .
adeliches Stammen=Wappen selbst
will abziehlen durch Vorzeigung
deren drey Creutz im rothen Felde :
Nun weiß man schon / daß die
Bischoffliche Benediction und See
gen durch dreyfaches Creutz un
ter Anruffung der Drey Einigen
GOttheit ertheilet und gegeben
werde ; also seynd Euer Excell .
sonderen Zweiffel auch wegen dieser
loblichen heylsamben Alliantz drey
fach geseegnet .
Geseegnet an dem Gemüth :
Da Dero drey Seelen=Kräfften /
Gedächtuuß Gedächtnuß / Verstand / und Wil
len len noch unermüdet nichts geden
cken / betrachten und wollen / als
wie die Ehre GOttes / und Nutze n Nutzen
des Neben=Menschen befürderet
werden .
Geseegnet an dem Geblüth :
Jn dem Sie solches allbereith in
der dritten Generation vermehrter
sehen / und mit dem tröstlichen Na
men eines Ur=Anherrn begrüsset
werden / auch mit einem Alt=Testa
mentischen 85 . Jährigen Caleb sa
gen können / an Gesund= und Leibs=
Kräfften so vermögent zu seyn als
bey 40 . Jahren . Josue c . 14 . v . 11 .
Geseegnet an dem Gebieth :
Da ihre getreue liebe Untertha
nen Zeit Lebens keine andere Herr
schafft verlangen / weil diese so gut
und gnädig ist . Nichts zu mel
den daß Jhro Kayserliche Majestät
sebsten selbsten selbsten in mildester Erwegung Dero
dem Durchleuchtigsten Ertz=Hauß
in Justiz- Land= und Policey=Sa
chen mit unermüdeten Fleiß und
Sorgfalt in die 62 . Jahr treu=ge
leisten Diensten Jhro Excell .
zu der hohen Würde eines würck
lich Geheimen Raths mit Stimm /
Rang / Vorzügen und Ehren den
8 . diß Monaths Octobris ernennt
und allergnädigist erkiessen .
So daß ich nicht wuste / was
Jhro Excellentz noch ferners
wünschen kunte / als villeicht daß
denen 86 . Jahren ihres Ehren=Al
ters noch zweymahl Siben beyge
legt wurden / und folgends ein gul
denes Sæculum und Jahr=Hundert
kunten celebrir en / solte aber dieses
nicht geschehen / so haben Sie sich
von von der erschaffenen Dreyfaltigkeit
JEsu / Maria und Joseph / bey
ihrem Altar sicherlich zuvertrösten /
daß Jhro Nahmen seye verzeichnet
und eingeschrieben in dem Buch der
Lebendigen ; Jst dieses / so haben
Sie die höchste Glückseeligkeit / und
das beste glückseeligste Ziehl und
End .
Womit ich mich
Jhro Excellentz
Jn aller Unterthänigkeit Empfehlend
Verharre gehorsamer Diener
Georg Augustin Widtman
Capell=Diner .
Jhro Excellentz /
Dem Wohlgebohrnen Herrn /
Herrn ADAMO ANTONIO
Grundeman von Falckenberg / auff Wal
denfels / und Egeregg / Herrn der Herr
schafften Engelstein / Süssenbrunn / und
Heindorff / r c. r c. der Römischen Kay
serlichen Majestät würcklichen Geheimen
Rath / r c. r c. einer Hoch=Löblichen Tod
ten=Bruderschafft wohl=erkiesten
PRÆFECTO .
Jhro Excellentz /
Dem Hoch= und wohlgebohrnen Hn . Hn .
JOANNI VOLCKHARDO ,
Des Heil . Röm . Reichs Grafen von
Conzin , &c . der Röm . Kayserl . Maj .
würcklichen geheimen Rath / r c. cr . rc. einer
Hoch=Löbl . Todten=Bruderschafft
VICE-PRÆFECTO .
ASSISTENTI
.
Jhro Gnaden /
Dem Wohl=Edel Gebohrnen Reichs=
Rittern / und Herrn / Herrn
CHRISTOPHORO IGNATIO
Edlen Herrn von Quarient und Raall /
der R . Kays . M . Hof=Kriegs=Rath / r c.
Dem Wohl=Ehr=würdigen /
Jn GOtt Geistlichen P . ANSELMO
à S . CHRISTOPHORO Augustiner
Barfüsser=Ordens Priori in Wienn / der
der Röm . Kayserl . Maj . Theologo , und
einer Hoch=Löbl . Todten=Bruderschafft
Geistlichen Vattern .
CONSULTORIBUS
.
Dem Wohl=Ehrwürdigen in GOtt
Geistlichen Hn . TOBIÆ Soldner J . U .
Licentiato , und Beicht=Vatter des
Löblichen Stiffts / und Klosters
bey St . Ursula .
Dem Edel=Gebohrnen Hn . Jacobo
Mätz / der Röm . Kayserl . Majest . Hof=
Cammer=Rath / und Schloß=Haubt=
Mann zu Laxenburg .
Dem Edel=Gebohrnen Hn . Johann
Ludwig Gößsinger / der Röm . Kayserl .
Maj . Rath / Ober=Schiff=Ambts=Lieu
tenant / und Feld=Schiff=Ambts
Ober=Haubt=Mann .
Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn .
Paul Schmuderer / des Jnnern Stadt=
Raths / und des Löbl . Burger=Spitals
wohl=verordneten Superintendenti .
Dem Wohl=Edel Gestrengen Herrn
Johann Michael Eineder / der Römischen
Kayserl . Maj . Hof=Buchhalterey
Raith=Rath .
Dem Wohl=Edel=Gestrengen Hn .
Johann Georg von Gerstenbrand / Kay
serl . Hof=Kriegs= und Zeugs=
Secretario .
Dem Wohl=Edel Gebohrnen Ritter
und Herrn Wenceslao Maximiliano
Z’diarsky von Koßmatschow / und
Sternfeld / de des Röm . Kays . M . Böhaim
bischen Hof=Cantzley Taxatori / und
Registratori .
Dem Wohl Edel Gestrengen Hn .
Frantz von Polckowitz / der Röm . Kays .
Maj . J . Oe . Geheimen Hof=Cantzley
Registratori , und Taxatori .
Dem Wohl=Edel Gestrengen Herrn
Georg Ferdinand von Schott / Königl .
Böhaimischen Agenten .
Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn .
Friderico Emanueli Müller von Frey
burg / der Röm . K . M . J . Oe . geheimen
Hof=Cantzeley Concipi sten.
Dem Wohl=Edlen Herrn Martin
Kullmayr / Gemeiner Stadt Wienn Me
tzen=Leyher / des Aussern=Raths .
Dem Edlen Hn . Francisco Prie
stersperger / Burgerl . Handels=Mann /
des Aussern=Raths .
PROVISORI und Schatz=Meistern .
Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn .
Johann Christoph Dittel von Ditten
berg / der . R . K . M . geheimen Reichs=
Hof=Cantzley=Verwandten .
PROCURATORI
.
Dem Wohl=Edel Gestrengen Hn .
Johann von Seltenreich / der R . K . M .
Stadt= und Land=Gerichts=Beysitzern .
Wie auch allen Einverleibten Re
spectivè Herren Brüdern / Frauen / und
Jungfrauen Schwestern der Hoch=Löblichen
Todten=Bruderschafft bey denen Wohl=Ehr
würdigen P . P . Augustiner Barfüssern allhier
offeri tr zu einem glückseeligen / Fried= und
Freudenreichen Neuen Jahr /
Von dero Capell=Diener .
Georg Augustin Widtman
.
✾ ✾ ✾
CENSURA
.
CUm præsens opusculum ,
gemahlte Todten=Capellen
intitulatum , à Patre Abrahamo
à S . Clarâ piæ memoriæ morti
proximo velut opere Bom
bycino elaboratum , à Theo
logis relectum , omni ex parte
sericum deprehensum fuerit ,
& Capellam approbamus , &
Defuncti piis manibus benè
precamur dicentes : Requiescat
in pace . Datum Bambergæ in
monte S . Stephani Proto-Mar
tyris die 19 . Sept . An . 1710 .
JOANNES WERNERUS , Episco
pus Dragonensis , Eminentissimi Electoris Mogun
tini per Civitatem ac Diœcesin Bambergens . in
Pontifical . & Spiritual . Vicarius Gener . insignis
Collegiata ad S . Steph . ibidem Decanus & ad S .
Martinum Parochus .
Ap-
✾ ✾ ✾
Approbatio Theologica .
PRæsentem Capellam mortualem Patris
Abrahami à Sanctâ Clarâ nuper in Do
mino defuncti , quam Reverendissimus ,
Perillustris ac perquam Gratiosus Domi
nus Joannes Wernerus , Episcopus Drago
nensis &c . mihi infrà scripto revidendam
commisit , pyræ Phoenicis per omnia simi
lem deprehendi , utpote ex meris lignis
aromaticis , & odoriferis compositam ; ar
deat ergò , & præluceat aliis ad felicem
mortem , & gloriosam resurrectionem ,
ità Censeo Bambergæ in monte S . Michaë
lis Archangeli die 19 . Septembris Anno
1710 .
P . Gregorius Pfodenhauer ,
O . S . B . in monte St . Mi
chaëlis Professus , & Le
ctor .
J. J.
✾ ✾ ✾
J . J .
Geneigter Leser .
JNdem die letzte Schrifft von
dem in Teutschland so hoch be
liebten P . Abraham de S . Clara
zum Vorscheine kommt / wo
rin̅en Er erwiesen / daß Er / als
ein Palm=Baum / in dem Alter eben so viel
Safft als in der Jugend besitze / und als ein
ausgehendes Feuer sein Liecht nur zuvor
verdoppele ; So wird es verhoffentlich so
angenehm seyn / als sehr es biß anhero ver
langet worden / wann man von seinem
merckwürdigen Leben einige Nachricht er
stattet / und Jhn / aus dem Tode / von neuem
zu aller Verwunderung vorstellet .
Sein Name erinnert uns des grossen
Jsraelitischen Patriarchens / oder des
Stamm=Vatters / des geheiligten Saa
mens / welcher unzählig war als der Sand
am Meer / und die Sterne am Himmel / al
2lein Vorrede.
lein weil Er niemals in einer Ehe gestan
den / sondern / Krafft seiner heiligen Gelüb
be / nur die Braut des hohen Liedes zum
Zweck seiner Liebe hatte / so ist Er zwar alle
zeit / den Kindern nach / in dem Stande / als
Sara war ehe sie lachte / zu betrachten / aber
wir können Jhn nichts desto weniger auf
zweyerley Art / eben wie Abraham / einen
Vatter vieler Völcker und unzähliger
Nachkommen nennen .
Es hatte Jhn der Höchste mit so viel un
zähligen Gaben ausgerüstet / daß das dar
aus entstandene Lob / welches Er sich selbst
gebahr / dem unzahlbaren Sande gleichte .
Seine GOttes=Furcht / seine Andacht /
seine Demuth / sein Eiffer in der Religion /
seine Treue gegen die Kirche / seine Liebe
gegen den Nechsten / seine Gelehrsamkeit /
seine Beredtsamkeit / sein Erkandtnuß / seine
Kunst allen alles zu werden / sein Geheim
nuß aller Hertzen zu gewinnen / sein Art zu
straffen ohne zu beleidigen / sein Meister=
Stück den Weinberg des HErrn zu bauen /
in welchem Er das grobe Holtz abhieb / daß
zwar die Thränen darnach flossen / die aber
nicht ein bitterer Schmertz der Beleidi
gung / sondern eine verwundernde Bewe
gung Vorrede.
gung des erkannten Guten heraus pressete .
Dieses / sage ich / sind die zwölff Geschlechts
Aeltesten / welche Jhm so viel Verwunde
rung bey denen / so Jhn höreten / so viel Liebe
bey denen / so Jhn sahen / und so viel Hochach
tung bey denen / so Jhn lasen / zuwege brach
ten / daß die daraus entsprossene Lob=Sprü
che eben so unzählig als des gesegneten Ab
rahams fruchtbare Nachkommen . Ohne
allhier zu berühren / daß Jhn die Menge sei
ner heraus gegebenen Schrifften / von wel
chen wir hernach reden wollen / zu einen
andern und gedoppelten fruchtbaren Ab
raham machten .
Unter diesen oberzehlten Stamm=Tu
genden theilte sich seine Beredtsamkeit als
das Geschlechte Josephs in zwey Haubt=
Aeste aus auf / nemlich in die Annehmlichkeit /
alles geschickt vorzubringen / und in Hertz
hafftigkeit die Warheit ohne Scheu zu re
den . Wenn die übrigen Tugenden unse
ren Abraham zu einen grossen Mann ma
chen / so erwirbt Jhm diese den Namen eines
Meisters der Vollkommenheit / und zwar
um so viel desto gewisser / als es wahr ist / daß
alle Menschen durch den Klang der musi
cirten Warheit beleidiget werden / und daß
3wegen Vorrede.
wegen dieser Gefahr gar selten ein solcher
Musicus einen reinen Thon vorbringet /
sondern vielmehr die Saiten nach den Oh
ren der Welt verstimmet . Unser Abra
ham war an dem grösten Hof der Welt
Hof=Prediger / wo Er / zu seinen grossen Ga
ben / zwar den Vortheil fand / daß die Ma
jestät / der Er predigt / selbst haben wollte /
daß Er die Laster dem Hof ohne Masquen
vorstellete / ob ihn nun solches zwar ausser
Gefahr setzete / so war doch dieser Zweck
noch lange nicht erhalten / daß ein jeder / so
von unserm Pater Abraham die Warheit
gehöret / mit dem scharffen Prediger der
Warheit vergnügt gewest / dieses geschahe
aber ; alle trungen sich / von Pater Abraham
die Warheit zu hören / und solcher Zulauff
rührte nicht von dem Schutz des Kaysers
her / denn dieser konnte Jhm nur Sicherheit
verschaffen / sondern aus dem Geheimnus /
so Er besaß / alle Menschen zu zwingen / seine
ungeheuchelte Warheit zu hören .
Als die Königin Christina aus Schwe
den zu erst nach Rom kam / ward ihr alles /
was diese grosse Stadt von so vielen Jahren
Wunder=würdiges gesammlet / gewiesen /
unter allen diesen bezeugte sie über keines so
viel Vorrede.
viel Verwunderung / als über eine / von
dem vortrefflichen Bernini / aus Marmor
verfertigte Warheit . Ein dabey stehen
der Cardinal sagte / Er müste dieses vor ein
Zeichen glücklicher Zeiten halten / weil
sonst die Warheit bey Hofe nicht so sehr ge
achtet würde ! ja / versetzte die Königin / es
sind auch nicht alle Warheiten von Mar
mor . Unser P . Abraham wuste die Ver
achtung dieser Tugend bey Hofe allzuwohl /
Er wuste / daß man mit dieser Königin alle
Warheiten zu Marmor=Säulen wünsche
te / aber diese Verwünschung irrete Jhn so
wenig / daß Er desto mehr Regung bekam /
die Warheit unter Bildern vorzustellen /
welche alle Menschen verwundern musten .
Die Laster / so Er / als in der Medusä Haubt /
vor sich sahe / hatten bey Jhm gantz andere
Würckung / denn an statt versteinert zu
werden und zu verstummen / machten sie
Jhn beredt / daß Er die Warheit denen Zu
hörern desto deutlicher in das Gesichte sag
te / und diese insgesamt rissen sich / von einem
Mann / welcher nicht zu heucheln / und den
Wein sehr wenig mit Oel zu vermengen
wuste / die Warheit zu hören .
Hierinn gleichte Er einem geschickten
Wund= Vorrede.
Wund=Arzt / welcher ohne Furcht die unnü
tze Glieder schneidet und brennet / worbey
ihm seine bewährten Curen nur desto mehr
Zulauffen machen . Es ist wahr / dieser er
fahrne Prediger der Warheit besaß die
Kunst / auch die bitterste̅ Lehren annehmlich
vorzubringen / aber dieses waren keine Ge
wande / worunter sich etwann die nackete
Warheit verstecket / und nur halb sehen läs
set / oder Zucker und Säffte / welche durch die
überhäuffte Anmischung die Artzney halb
verderben / nein / Er war niemals beliebter /
als wann Er ohne Verblümung redete / weil
Er so dann als ein guter Baum nichts an
ders als lauter Früchte trug . Wann ich
also den Auszug des unzähligen Lobs un
sers berühmten Predigers zusammen fassen
soll / so bestehet es in dem / daß Er / biß in sei
nen Tod / die Warheit / ohne Verstellung /
mit jedermanns Approbation , geprediget .
Wir sind bemühet / wenn wir vortreffli
che Früchte sehen / deren Vatterland zu wis
sen . Unsere Begierde aber ist viel gerech
ter / zu erfahren / wo ein solcher berühmter
Lehrer seinen Ursprung hat . Hier hat sich
nun niemand zu ärgern / wann er höret / daß
Greensteten / ein Dorff in Schwaben / der
schlech= Vorrede.
schlechte Geburts=Ort unsers unvergleich
lichen Abrahams . Die Eichen pflegen
am besten in denen Thälern zu wachsen /
und die wohlriechenden Blumen sind öff
ters mehr in den Gründe̅ als in den Höhen .
Der Sinn=reiche Boccalini meldet von
dem Parnaso : Die daselbst verlohrne Treue
wäre nirgends als in des Adonis Hunds=
Stall bey denen Hunden als treuen Thie
ren wieder zu finden gewest / weil sie in denen
Palästen bey denen Menschen keinen
Raum gehabt . Kan man hier nicht sagen
die Warheit findet ihr sicherstes Vatter
land auf den Dörffern unter denen Bau
ern / welches freye Land die Pest der Hei
cheley nicht so leicht inficiret als die Paläste
des Hoffs .
Seine Eltern waren also zwar arme
und schlechte Leute / welche ihm aber einen
grossen Reichthum der Ehre und des Ver
mögens gegönnet / da sie ihm den Vortheil
erworben / daß er von ehrlichen Leuten ge
bohren war . Denn dieses ist der Schatz
welchen der vornehmste Adel zum Grunde
haben muß / wann er anders ein beständi
ges und unumstößliches Werck der Ehre
aufführen will . Die Zeit seiner Geburt
war der 4 . Julii des 1642 . 2. Julii des 1644. Jahrs Christi /
welche Vorrede.
welche Zeit unserm Vatterlande wegen des
annoch anhaltenden dreyssig=jährigen
Krieges betrübt war / aber auch dadurch
nicht gantz ohne Erholung und Respiration
gewest zu seyn scheinet / weil ein solches Ge
müthe / so hernach die Laster mit so einer un
ausgesetzter Freudigkeit bekämpffen helf
fen / die erste Lufft darinn gezogen .
Kaum vergönneten die Jahre / daß die
ses Kind / woran hernach die verderbten
Sitten der Menschen ihren Mann und Be
streiter so nachdrücklich gefunden / eine Be
gierde zeigen könnte / so war es unersättlich
unterrichtet zu werden und etwas Gutes
zu begreiffen . Jn solcher Bemühung
ward seine erste Kindheit zugebracht . Er
hatte aber noch nicht die Kinder=Schuhe
ausgezogen / so führet ihn sein Verhängnuß
aus seinem Vatterlande / und hieß ihn in
Oesterreich wandern / in das Land / wo er
hernach vor Kaiser und Fürsten zum Ver
gnügen sollte vorgestellet werden . Hier
fand er nun mehre Gelegenheit / seiner Lehr=
Begierde Genügen zu thun / wie er dann
in denen Studiis / welche bey seinen Jahren
können erfordert werden / andern zum
Beyspiel dienete / welche hingegen in ihm
Vorrede.
Prophezeyen lerneten . Denn sie sagten
einstimmig zu voraus / Abraham würde
mit der Zeit ein groses Merck=Zeit Merck=Zeichen o. Merck=Zeug der Gött
lichen Ehre werden / und der Stand / worin
nen er sich auch begäbe / würde an ihm eine
Säule zu gewarten haben .
Nachdem er zwantzig Jahr in einer
solchen Vorbereitung / die ihm zu den künff
tigen Ruhm=würdigen Leben gleichsam den
Weg gebahnet / zugebracht / entschloß er sich
die Welt nicht zu verlassen / sondern mit ihr
nunmehr recht zu thun zu haben / indem er
die Laster darinn zu besiegen nebst andern
geistlichen Ordens=Leuten die geweihete
Hand anlegen wollte . Er erwählte also
denjenigen Orden / worinnen er schon viel
Gutes empfangen / und ward im Jahr
1662 . ein Mit=Glied Ordinis Eremit . San
cti Augustini . Dieses geschah zu Marien=
Brunn in Oesterreich / welchen süssen Na
men er ohnedem allezeit vor den Quell sei
ner Andacht und seines geistlichen Nach
forschens gehalten . Jn diesem neuen
Stande verdoppelte er seine Begierde / in
dem Erkänntnuß Göttlicher Wissenschaff
ten zuzunehmen / gleichwie die in andere
Erde umgesetzte Pflantzen zu mehrer Stär
2cke Vorrede.
cke und Vollkommenheit gelangen ; wor
bey wir auch den Ordens=Namen / welchen
er damahls angenommen / nicht zu überge
hen haben / denn es geschahe nicht ohnge
fehr / daß er Abraham de Sancta Clara genen
net war / weil ihm dadurch der helle Ruhm
seiner Geistlichen Verdienste gleichsam zu
vor verkündiget worden . Es brauchte auch
nicht lange Zeit / so sahe man die gesetzten
Merckmahle seiner erworbenen Gelehr
samkeit / die er mit der Geschicklichkeit / solche
wohl an den Mann zu bringen / verknüpfte /
welches so eine rare Tugend / als gemein es
ist / daß man zwar schöne und spielende
Blumen / aber ohne Geruch findet . Denn
er ward noch vorher andern betrettenen
Staffeln der Gelehrsamkeit / der höchsten
Doctor=Würde in der Theologi theilhafftig
gemachet .
Hierbey blieb sein Ruhm=würdiger
Eiffer nicht / er war der Meinung / daß die
ser alleine Meister zu seyn verdienete / wel
cher täglich ein Meisterstuck zu machen ge
schickt / und also befließ er sich durch öffters
Predigen dem Volcke die Göttlichen Be
fehl und die Menschlichen Laster auszule
gen / und zu zeigen / wie sie die ersten auf die
Un= Vorrede.
Unterdruckung der andern Gründen und
so dann beobachten müsten . Seine Lehre
war so Geistreich / seine Darthuung so über
zeugend und seine Ausdruckung so geschickt /
daß alle Hertz und Ohren sich an ihme zu sät
tigen verlangten . Es sollte hier etwas von
seiner Beredtsamkeit gedacht werden / al
lein gleichwie die Mahler nur Roth mit
Roth ausdrücken können / so müste man
eben die Arth seiner Beredtsamkeit besi
tzen / wenn man von derselben geschickt reden
wollte . Es haben sich viel bemühet das
Geheimnuß zu ergründen / wie es käme
daß alle Leute auch zum öfftern die wieder
holte Darthuung ihrer Laster von ihm hö
ren wollten / es kam aber bloß daher / weil
er nicht allein die Schädlichkeit der Sün
den straffte / sondern auch ihre Hässlichkeit
verlachte / und die Ernsthafftigkeit des straf
fenden Cato mit der Freudigkeit des Welt
verlachenden Democritus zu verknüpffen
wuste / dann er hatte beobachtet / daß dieses
Gold wie bey den Pillen die Bitterkeit be
decket / und der beisenden Lehre den Platz
öffnete / damit sie hernach die sicherste Wir
ckung verrichten konnte . Kein Mensch
konnte ihm widerstehen / ihn nicht hören zu
3wol= Vorrede.
wollen / also war er geschickt bey allen Men
schen / welche nur einiger massen der gesun
den Vernunfft Platz geben / auch wider
ihren Willen zu fruchten . Auf solche
Art bediente er sich des Kunst=Griffs Ho
ratii zu einen viel heiligern Absehen und wu
ste noch mit mehrer Geschicklichkeit und
Nutzen zu Wercke zu richten / was Persius
von jenen lobet :
Omne vafer vitium ridenti Flac
cus amico , Tangit & admissus circum præcor
dia ludit . Weil nun seine Tugenden dem erleuchte
sten Käyserlichen Hof nicht verborgen blei
ben konnten / ward er hervorgezogen und
unter die Zahl der Käyserlichen Hoff=Pre
diger gesetzet / welches die höchste Vergel
tung seiner grossen Verdienste und ein un
wiedersprechliches Zeugnuß seiner Wür
digkeit seyn kan . Nicht zwar bloß daher
daß er Hof=Prediger gewesen / es enthält
zwar auch dieses etwas ungemeines / aber
viel grösser / daß ihn der grosse und fromme
Käy= Vorrede.
Käyser Leopold dazu erklärte . Denn die
ses unsterblichen Printzens erleuchte Weis
heit und allgemeine Gelehrsamkeit war so
groß / daß derjenige das Urtheil der gantzen
vernünfftigen Welt vor sich hatte / welcher
von ihm vor andern auserlesen ward . Jn
solcher hohen Verrichtung hat unser Pater
20 . Jahr lang die Bewunderung des Hoffs
und aller andern / so ihn gehöret / gehauf
fet .
Die übrigen Verrichtungen / so Pater
Abraham geführet / gehören meinsten zu
seinen Orden / und sind so löblich von ihm
verwaltet worden / als sein grosser Geist
fähig war / alles verdienet zu übernehmen
und geschickt zu verrichten . Wie er nun an
dreyen Orthen sein gewidmetes Leben ge
führet / als nemlich zu Marienbrunn / zu
Grätz und zu Wien / so hat er daselbst alle
Officia , so bey den Orden gebrauchlich / ge
tragen / als eines Provincialis , Procurato
ris , Lectoris , Patris Spiritualis , wie nicht we
niger eines Prioris , und hat er absonderlich
das erste Amt drey Jahr die Verwaltung
aber eines Definitoris seiner Provin tz zwölff
Jahr verrichtet . Jn diesen dreyen Con
ven ten hielt man ihn vor einen neuen Fun
4da- Vorrede.
dator und Stiffter / weil er selbe durch uner
müdete Vorsorge an vielen Stucken ver
besserte und vermehrte .
Bey so vielen Laste̅ / so dieser emsige und
unermüdete Lehrer getragen / muß man sich
billich verwundern / wie es möglich gewest
daß er die Welt noch mit so vielen gelehrten
Schrifften glücklich machen können . Aber
wer eine solche Vollkommenheit der Wis
senschafften besitzet / arbeitet ohne Mühe /
und sammlet mehr Früchte in seinen reichen
Stunden als andere in ihren ledigen Jah
ren . Also will ich nur das Verzeichnuß sei
ner Schrifften mit anhängen ; denn einem
jeden das verdiente Lob bey zu legen / wird
dieser Raum eben so enge als die Feder zu
unvermögen seyn . Sein erstes Werck
war die Grammatica religiosa , wo
rinn so viel Geist als Gelehrsamkeit zu fin
den . Jn dem so genannten Mercks=
Wien Auf! auf! ihr Christen weiset er die wunderthätige Hülf
fe GOTTES bey der Türckischen bela
gerung Belagerung dieses Haupt=Orts / und in Lösch=
Wien will er / daß die Buß=Thränen der
Lebenden in der Pest abgeschiedenen und
noch Vorrede.
noch leidenden Seelen erquicken sollen . Jn
Reim dich / oder ich ließ dich / hat
er absonderlich erwiesen daß er Schertz zu
Ernst wie ein guter Koch / Saltz zu den
Speissen nicht zu viel und nicht zu wenig zu
mischen weiß . Judas der Ertz=
Schelm sind Predigten / welche die La
sterhafften bekehren und die Frommen be
kräfftigen . Damit die Christen desto williger
wären / gegen den Feind dieses heiligen Na
mens zu fechten / rufft er ihnen in dem Buch
zu : Auf ! auf ! ihr Christen . Die Ver
achtung der Welt lehret er in Huy und
Pfuy . Alle Stände der Welt empfangen
seine Lehren in : Etwas vor Alle .
Damit er die Gemüther desto besser aufwek
te / vermengte er den Kern der Historien mit
gestlichen geistlichen Andachten in dem so genannten
Misch Masch . Jn dem Geistl .
Kram=Laden / finden alle / so Geist
und Andacht suchen / die verlangte Hülffe /
und ist dieses absonderlich ein vollständiger
Begriff aller seiner Predigten . Ausser
5die= Vorrede.
diesen ist noch ein so genannntes genanntes Kacka /
kacka bekannt / worinnen er durch eine
legende Henne die Andacht erwecket . Jn sei
ner letzten Kranckheit war er nach der gött
lichen Hülffe durstig / und also schrieb er den
Wohlangefüllten Wein=Keller
er bereitete sich aber immer mehr und mehr
zu der annahenden Stunde des Tods / weil
er nun bey der Todes=Arbeit nicht müssig
gehen wollte / sondern verlangte / daß auch
die Welt seine letzte Todes=Gedancken nuz
bar anwenden möchte / zierte er die To
den=Capell zu Loretto in Wien mit Sinn=
Bildern über alle Stände / sehr nachdenck
lich aus / welche auch daselbst durch den
Pensel der Ewigkeit einverleibet worden /
doch damit sie nicht weniger ausser Wien
dem Leser zu Theil werden / sind sie demsel
ben hiemit unter dem Name̅ der gemahl
ten Toden=Capelle als Pater Abra
hams letzte Arbeit überlieffert .
Mit solcher Annehmlichkeit hat Pater
Abraham geprediget / und mit solchem Bey
fall hat er geschrieben / welches beydes die
Rechenschafft seiner nutzlich vollbrachten
Le= Vorrede.
Lebens=Lauffs stellen kan . Nachdem er
nun also 67 . 65. Jahr seinen Beruff vollführet
worinnen er seinem GOtt möglichste An
dacht / seinem Nechsten unzehliche Liebe / sei
nem Orden unermüdete Treue / den La
stern / Hohn und Verfolgung / denen Tu
genden Beyhülffe und Vorschub erwiesen /
schloß er sein Leben An . 1709 . den 1 . De
cember unter Ruhm und Hochachtung al
ler dere̅ / so ihn gekannt oder seine Schrifften
gelesen . Wie sein gantzes Leben merckwür
dig / so enthält sein Tod selbst etwas beson
ders in sich . Er wahr ohnfehlbar weinend /
wie alle Menschen / auf die Welt gebracht
worden / und er hatte Ursach Thränen zu
vergiessen / da er mit so vielen Lastern sollte
zu streiten bekommen . Sein Ende aber ver
hielte sich gantz anders / dann nachdem er
die Eitelkeit und Ohnmacht der Mensch
lichen Thorheit in dieser Welt verspot
ten lernen / hat er lachend die Augen zuge
than / welches besondere Ende wenig
Menschen in der Welt wiederfahren / und
kan man daraus erkennen / wie gesetzt
sein Gemüthe / und wie Standhafftig er sich
gegen den sonst entsetzlichen Tod gefasset .
Man hält es vor ein Wunder eines uner
schrockenen Muths / daß / als der Käyserli
che Vorrede.
che General Graff Roth=Kirch auf das
Tod=Bette kam / er einen Spiegel zu Füssen
setzen liesse / damit er sehen möchte sagte er /
ob er / der niemahls eine Furcht gehabt / sich
nun vor dem Tod fürchten würde . Pater Ab
raham weist noch viel was grössers in die
sem Augenblick / welches der erschröcklichste
des gantzen Menschen Lebens / er braucht
keinen Spiegel / seine Hertzhafftigkeit zu er
fahren / das Lachen / womit er den Tod em
pfängt / ist andern ein Spiegel / wormit er
noch die letzte Lehre gibt : daß / nach einer gu
ten Vorbereitung / der Tod keine Furcht
sondern lauter lachende Vergnügen
erwecken kan .
Regi=
✾ ✾ ✾
ES ist die weite Welt ein Schau=
Platz vieler Siege
Der blassen Sterblichkeit / die
sich an alles wage /
Und neben uns herschleicht / gleich
bey der frischen Wiege /
Da sie / durch jede Stund / an un
serm Leben nagt .
Denn sie hilfft Jugend nicht / wenn
sie gleich freundlich lachet
Aus einem Rosen=Mund / der Her
tzen lockt und lenckt :
Nicht weisen Alters Witz / der sich
zur Seule machet /
Wann sich der Wohlfarths=Bau
der Städt und Länder senckt .
Die Kronen müssen sich vor ihrem
Scepter neigen :
Sie leget in den Staub der Py
ramiden stoltz /
Wann ihr gespitztes Haubt will nach
den Wolcken steigen ;
Der
✾ ✾ ✾
Der Sieger Grösse messt ihr
Särge=Zinn und Holtz .
Vor seine Schätze legt der Reiche
Schloß und Riegel :
Das Sterben nimmt sie ihm / und
theilt sie Erben aus .
Rühmt der und jener sich von schätz
barem Adels=Siegel ;
So lachet solches Ruhms des
Grabs uraltes Haus .
Nur der gelehrte Kiel / den nicht die
Eitelkeiten /
Zum hohen Flug gebracht / ent
schwingt sich diesem Sieg :
Mit dem will Famä Hand die
Sterblichkeit bestreiten /
Und dieser ist ihr Schwerdt in
dem Verwesungs-Krieg .
Denn wenn des Fleissigen / der löb
lich hat geschrieben /
Sein Geist unsterblich lebt ; so
lebt auch in der Zeit
Was von dem Geist herkommt / und
was man stets wird lieben /
So
✾ ✾ ✾
So lang man lobt und ehrt Kunst
und Gelehrsamkeit .
Auf solche Weise lebt auch noch in
seinen Schrifften /
Herr Pater Abraham / den Fama
groß gemacht :
Den Ehren=Seulen selbst so man
che Zeilen stifften /
Als dessen kluger Geist scharffsin
nig vorgebracht .
Er that / was er gelehrt und blieb in
diesen Schrancken /
Wo der Gehorsam wird gekrö
net nach dem Lauf ;
Er tödtete sein Fleisch durch süsse
Sterb=Gedancken /
Und opfferte sein Hertz zu JEsus
Füssen auf .
Daß dieser leben mögt in vieler Men
schen Hertzen /
Wollt er die Eitelkeit zuvor da
löschen aus /
Und führte sie gemach von roher Luft
und Schertzen /
Durch
✾ ✾ ✾
Durch Schrifften und Gemähl /
zum duncklen Todten=Haus .
Er aber ist recht klar von Sancta
Clara worden /
Weil er die Klarheits=Quell / das
Heil der Welt geliebt .
Er lässt die Brüderschafft / geht von
dem Todten-Orden
Zur Ewigkeit / die ihn mit Lebens=
Schmuck umgibt .
Sollt ihm nun mancher Kiel nicht
noch Lob=Blumen bringen /
Aus Danck / zu seinem Grab ? Hie
gilt kein Wörter=Glantz :
So taugt auch keine Gans den
Schwanen zu besingen /
Noch unser welckes Laub zu jenem
Sternen=Krantz
.
Regi=
✾ ✾ ✾
Register
aller
Numerorum und Titul /
Welche in diesem Werck enthal
ten .
Num . 1 .
Per peccatum Mors .
Rom . 5 . v . 12 .
Durch diesen Apffel=Biß / Jst uns der Tod gewiß . pag . 1 .
Num . 2 .
Mortuus est Aaron .
Devt . 32 . v . 50 .
Der Stadthalter auf der Erden /
Muß dem Tod zu Theil auch werden . 4 5
Num . 3 .
Quasi Aquæ dilabimur .
2 . Reg . 14 . v . 14 .
Auch Biret und Kappen /
Kan ich wohl ertappen . p . 8
Num . 4 .
Mortuus ergo Saul .
1 . Reg . 31 . v . 4 .
Auch selbst die Cron /
Jch nicht verschon . 11
Num.
Register /
Num . 5 .
Non erat Mercator ultra .
Zach . 14 . v . 21 .
Jch / spricht der Tod /
Mach Bancorot . p . 14
Num . 6 .
Non est sermo in lingua mea
Ps . 138 . v . v. 4 .
So wohl beredet als du bist /
So fäht dich doch des Todes List 17 .
Num . 7 .
Utinam saperent ac novissima provide
rent .
Deut . 32 . v . 29 .
Den gelehrten Kopff
Nehm ich auch beym Schopff . 23
Num . 8 .
Submersi sunt quasi plumbum .
Exod .
15 . v . 10 .
So weich das Wasser immer ist /
So viel es harte Menschen frist . p . 20 29
Num . 9 .
Pestilentia , aut corruptus aër .
Reg . 8 . v . 57 .
Der Tod nie mehre trifft /
Als wann die Lufft vergifft . 35
Num . 10 .
Dies ejus sicut umbra prætereunt .
Psalm
143 . v . 4 .
Alle Kunst ist umsunst /
Und beym Tod ohn alle Gunst . 40
Num.
aller Titul.
Num . 11 .
Cùm morietur homo , hæreditabit ser
pentes .
Eccl . 10 . v . 13 .
Wann man dich wird begraben /
Must du Gesellen haben . p . 43
Num . 12 .
O mors , quàm amara est memoria tua !
Eccl . 41 . v . 1 .
O wie bitter kommts ihn an /
Wann da stirbt ein reicher Mann . p . 48
Num . 13 .
Abjectus est Clypeus fortium .
2 . Reg . Sam. 21 .
Mars hin / Mars her /
Mors gilt noch mehr . p . 54
Num . 14 .
Suspensus igitur Haman .
Esth . 7 . v . 10 .
Auch der Hofmann / der so stutzt /
Wird von schnellem Tod getrutzt . p . 57
Num . 15 .
Et sic repentè præcipitas me .
Job . 10 . v . 8 .
Offt mancher trinckt /
Todt nieder sinckt . p . 63
Num . 16 .
In mortibus civium ? suorum
Lev . 21 . v . 1 .
Burger / fahre dort und hier /
Du fleuchst dennoch nicht vor mir . p . 69
2
Num.
Register /
Num . 17 .
Tanquam vas figuli confringet .
Ps . 2 . v . 9 .
Betracht dich wohl und dich nicht irr /
Du bist des Hafners blöds Geschirr . p . 73
Num . 18 .
Numerus mensium apud te est .
Job .
14 . v . 5 .
Wann du stirbst / ist dir verborgen /
Drum steh immer fort in Sorgen . p . 77
Num . 19 .
Utinam saperent ac novissima provide
renti providerent.
Deut . 32 . v . 29 .
Sie sind so sehr vermessen /
Weil sie des Tods vergessen . p . 81
Num . 20 .
Defecit spiritus meus .
Psal . 76 . v . 4 .
Der Geist ist hinaus /
Nun ist der Kehraus . p . 85
Num . 21 .
Non est tibi pars , neque sors .
Act . 8 . v . 21 .
Du kanst nicht den Tod entfliehen /
Und wirst bald den Kürtzern ziehen . p . 88
Num . 22 .
Sagittæ tuæ acutæ .
Psal . 44 . v . 6 .
Mein Pfeil ist gut /
Nie fehlen thut . p . 92
Num.
aller Titul.
Num . 23 .
Crucior in hac flamma .
Luc . 16 . v . 24 .
Ach was leid ich doch /
Und muß leiden noch . p . 96
Num . 24 .
Linivit lutum super oculos .
Joh . 9 . v . 6 .
Des Laims vergiß nit mehr /
Von welchem du kommst her . p . 100
Num . 25 .
Educ de custodia animam meam .
Psal .
141 . v . 8 .
Ein Kercker ist mein Leib /
Worinn ich gerne bleib .
( Wo ich nicht gerne bleib ) p . 104
Nvm . 26 .
Cecidit flos .
Es . 40 . v . 7 .
Auch die Wiegen /
Jst schon zum Tod ein Stiegen . p . 108
Num . 27 .
Non habemus hîc permanentem civita
tem .
Heb . 13 . v . 14 .
Auch Jnful und Hut /
Der Tod nicht schonen thut . p . 111
Num . 28 .
Tempus breve est , qui habent uxors tan
quam non habentes .
1 . Cor . 7 . v . 29 .
3
O wie
Register /
O wie kurtz ist doch die Zeit /
Und der Lüste Nichtigkeit . p . 114
Num . 29 .
Omnes Nobiles Juda occidit .
Jerem . 29 .
v . 6 .
Der Adel ist mir /
Wie Porcellan=Geschirr . p . 119
Num . 30 .
Post hoc erimus , tanquam non fueri
mus .
Sap . 2 . v . 2 .
Auch der gröste Tittel
Jst fürm Tod kein Mittel . p . 125
Num . 31 .
Solum mihi super est sepulcrum .
Job .
17 . v . 1 .
Jns Grab thu ich scharren /
Den Weisen und den Narren . p . 133
Num 32 .
Interfecit flamma ignis .
Dan . 3 . v . 22 .
Dieses wilde Element /
Hat schon manchen gmacht das End . 139
Num . 33 .
Occisi sunt terræ motu .
Apoc . 6 . v . 12 .
Ob ich schon eine Mutter bin /
Doch mein Bewegen nimmt viel hin .
p . 142
Num.
aller Titul.
Num . 34 .
Versa est in luctum Cithara mea .
Job .
30 . v . 31 .
Music und Saiten=Spiel /
Gelten bey mir nicht viel . p . 147
Num . 35 .
Medice , cvra cura te ipsum .
Luc . 4 . v . 23 .
Des Artzten sein Kunst
Find bey mir kein Gunst . p . 152
Num . 36 .
Dives cum dormierit .
Job . 27 . v . 19 .
Geld und Gut /
Nichts helffen thut . p . 158
Num . 37 .
Quasi Aquæ dilabimur in terram .
2 . Reg .
14 . v . 14 .
Wie das Wasser sinckt in die Erden /
So wirds mit uns nicht anders wer
den . p . 161
Num . 38 .
Defecerunt sicut fumus dies mei .
Psalm
10 . v . 4 .
Mein Leben bestehet /
Wie der Rauch vergehet . p . 164
Num . 39 .
Æstimaverunt , lusum esse vitam no
stram .
Sap . 15 . v . 12 .
4
Das
Register
Das Leben ist ein Spiel /
Mit mir gwinnt keiner viel . p . 168
Num . 40 .
Cecidit flos .
Es . 40 . v . 7 .
Auch die schönesten Narcissen
Werden von mir abgerissen . p . 172
Num . 41 .
Oritur Sol & occidit .
Eccl . 1 . v . 5 .
Schöne steigt die Sonn hinauf /
Endet aber bald den Lauff . p . 176 178
Num . 42
Messis quidem multa .
Matth . 9 . v . 37 .
Bauer gehe mit /
Du ghörst in mein Schnitt . p . 182
Num . 43 .
Vita enim vestra vavor vapor ad modicum .
Jac . 4 . v . 15 .
Du stoltzirest / aber doch umsunst /
Dann dein Leben ist nur Erden=Dunst .
p . 185
Num . 44 .
Periit memoria eorum cum sonitu .
Ps .
7 . v . 9 . 9. v. 7.
Das Leben währt nicht lang /
Gleich wie der Glocken=Klang . p . 190
Num.
aller Titul.
Num . 45 .
Mortuus est in Senectute bona .
1 . Paral .
29 . v . 28 .
Baufällig und alt /
Kommt bald in Tods=Gewalt . p . 194
Num . 46 .
Comedent canes Carnes Jesabel .
4 . Reg .
9 . v . 37 .
Glatte Gsichter / schöne Gstalten /
Kommen nicht allzeit zum Falten . p . 198
Num . 47 .
Quis est Homo , qui non videbit mortem ?
Dem Menschen bin ich gar nicht gewo
gen /
Er wird von mir durch die Hechel gezo
gen . p . 203
Num . 48 .
In omnes homines mors pertransit .
Rom . 5 . v . 12 .
Jch thu auslachen .
Das Possen=Machen . p . 207
Num . 49 , .
Sicut fur in nocte .
1 . Thess . 5 . v . 2 .
5
Nnm.
Num.
Register
Jch komm zu Nacht wie ein Dieb /
Es sey dir leyd oder lieb . p . 212
Num . 50 .
Cœcus sedebat juxta viam mendicans .
Marc . 10 . v . 46 .
Jch find / ob ich kein Aug mehr hab /
Bey blinden Tritten doch mein Grab .
p . 216
Num . 51 .
Repentinus eis venit veniet interitus .
1 . Thess .
5 . v . 3 .
Der Tod ist blind /
Und doch geschwind . p . 222
Num . 52 .
Homo vanitati similis factus est .
Psalm
143 . v . 4
O Mensch ! ach prahle nicht so viel /
Dein Leben ist ein Kinderspiel . p . 228
Num . 53 .
Folium , quod vento rapitur .
Job . 13 . v .
25 .
Die Blätter fallen ab !
Und du wirst auch schabab . p . 233
Num.
aller Titul.
Num . 54 .
Quâ horâ non putatis .
Luc . 12 . v . 40 .
Die Stund einmahl ist ungewiß !
Drum des Gewissens nicht vergiß . pag .
237
Num . 55 .
Quotidiè morior .
1 . Cor . 15 . v . 31 .
Betracht ich / was ich muß werden /
So veracht ich wol die Erden . p . 242
Num . 56 .
Pretiosa in Conspectu Domini mors San
ctorum .
Ps . 115 . v . 15 .
Der ist wohl gerecht gestorben /
Weil er den Himmel erworben . p . 247
Num . 57 .
Posuisti in Nervo pedem meum .
Hiob ,
13 . v . 27 .
Jch bin wol ein elender Krippel /
Und tantz doch nach des Todes=Trippel .
p . 251
Num . 58 .
Sicut tela aranearum .
Job . 8 . v . 14 .
Des Menschen Leben /
Wie Spinnen=Weben . p . 254
Num . 59 .
Quid superbis terra & cinis .
Eccl . 10 . v . 9 .
Von
Register
Der Mensch ist in dem Tod verführt /
Wenn er auf Erd und Asch stoltzirt . p .
258
Num . 60 .
Advena sum & Peregrinus .
Ps . 38 . v . 13 .
Mein Leben ist ein Wandern /
Von dieser Stadt zur andern . p . 265
Num . 61 .
Nihil coinquinatum introibit in Re
gnum Cœlorum .
Apocal . 21 . v . 27 .
Lern Mensch die Sünde meiden /
sonst must du auch hier leyden . p . 269
Num . 62 .
Miseremini mei , miseremini mei . &c .
Erwäget doch auch unser Pein /
So werdet ihr Mitleidig seyn . p . 273
Num . 63 .
Hæccine est illa ?
4 Reg . 23 . 2. Reg. 9. v. 37.
Man kennet sie nicht mehr /
Wer sie gewest vorher . p . 281
Num . 64 .
Ascendit Angelus ad locum flentium .
Jud . 2 . v . 1 .
Ach
aller Titul.
Ach dieses Brod /
Hilfft uns aus Noth . 285
Num . 65 .
Salubris est cogitatio pro defunctis orare
2 . Matth . 12 . v . 46 .
Vergesset der Verstorbnen nit /
Es bringt auch euch viel Gutes mit . pag .
295
Num . 66 .
Vestra abundantia illorum inopiam sup
pleat .
2 . Cor . 8 . v . 14 .
Das Allmosen löscht das Feuer /
Den wir zahlen hoch und theuer . p . 302
Num . 67 .
Breves dies hominis .
Job . 4 . v . 5 .
Schnitzel und hau /
Gleichwol umschau . p . 309
Num . 68 .
Sedet in insidiis .
Ps . 10 . v . 8 .
Jch komm in aller still /
Und das erfahren viel . p . 312
Num.
Per peccatum mors .
Ad Rom . c . 5 . v . 12 .
Durch dieser Apfel-Biß , ist uns der Tod gewiß .
✾ ✾ ✾
1
Num . 1 .
Per Peccatum Mors .
Ad Rom . c . V . v . 12 .
Durch diesen Apffel=Biß Jst uns der Tod gewiß .
DEr Ursprung aller bösen
Sprünge ist des Teuf
fels Neid=Zahn / durch
welchen leyder ! die Sün
de und der Tod in die
Welt kommen / daß wir
alle Sünder und Kinder
des Todes seynd : Denn als der Lust em
pfangen hatte / gebahr er die Sünde / die
Sünde aber / da sie vollendet / gebahr er
den Tod . Jac . 1 .
Ey du abscheuliche Mißgeburth ! O
schändliche Genealogie ! Jst doch das gan
tze Herkommen nicht weit her . Ach aber
unseeliger Lust / der dem ersten Weib das
A Maul 2 ✾ ✾ ✾
Maul nach einer so gefährlichen und
schändlichen Unlust wässernd gemacht ! O
sauerer Apffel=biß / davon allen Eva=Kin
dern die Zähne stumpff und morsch worden !
du liebe Groß=Mutter aller Menschen / ey
hättest du an statt der Frucht des verbotte
nen Baums / einen harten Kiesel aufge
klaubt / und darein gebissen / daß dir die
Zähne davon gekracht / so würden deine
arme Kinder nicht so hart zahnen / und
nicht so viel Zahnluckigte Matronen und
Jungfrauen auf der Welt Sorge tragen /
wie sie die / an dem halben Mond ihres
Munds / ausgefaulte Pallisaden / mit El
fenbeinen wiederum zierlich ausflicken und
bevestigen möchten ! So würde man auch
nicht so viel Kosten und Posten auf wohl
riechend Zahn=Pulver / Zahn=Balsam /
Zahn=Pillen / ja Zahnputzer / Einsetzer
und Ausbrecher wenden müssen . Ja es
würden auch nicht so viel in der Hölle Zähn
klappen .
Alleine zu geschehenen Sachen soll
man das Beste reden / und inzwischen die
angebohrne böse Lust / so uns / wie der Ka
tzen das Maussen / anhängt / also eine heßli
che Kranckheit / so die Medici Picam nen
nen ✾ ✾ ✾ 3
nennen nen und die Menschen / Menschen=
Fleisch / Kohlen / Kreiden / Heuschre
cken und dergleichen / mit Begierd zu essen /
angereitzet / und also ein Genäsch / von
gifftigen Sodoms=Aepffeln / daran man
leichtlich die Zähne ausbeissen / oder das
Gewissen brandig machen kan / ansehen
und meyden : damit man nicht das Maul
immer auf ein Neues verbrenne / und zu be
sorgen habe / es dörffe der Neidische Le
bens=Feind der Tod / da es am besten
schmeckt / einem dasselbige / wie der genä
schigen Katzen / auf den Tisch stossen / oder
gar ein incurables Zahn=Weh machen ;
wie jene im 48 . Ps . empfunden / von wel
chen man liesst : Mors depascit eos , der Tod
naget sie / wie ein Wolff an einem Schöps=
Bein : denn wodurch man sündiget / da
durch wird man gestrafft . Beisst du viel
in den süssen Apffel der Wollust / so wird
dich der Unlust / der saure Apffel=Safft der
Sünden wieder beissen / daß dir die Zähn
davon aufstehen und die Augen übergehen
werden .
Es war kein Apffel=Muß / sondern
sonst ein bitterer Koch / von wilden Ran
cken und Coloquin ten / worüber dorten
A 2 in 4 ✾ ✾ ✾
in 4 . Reg . 4 . die Propheten=Kinder / zu
Zeiten Elisa / geschrien und geklaget : O
Mann GOttes / der Tod in Häfen ! Aber
die armen Menschen=Kinder müssen alle
noch immer / über das Apffel=Genäsch
ihrer ersten Eltern / also über bittere Colo
quin ten=Aepffel / schreyen und schreiben :
Durch diesen Apffel=Biß
Jst uns der Tod gewiß .
Num.
Mortuus est Aaron .
Deuter . c 32 . v . 50 .
Der Statthalter auf der Erden , muß dem Tod zu theil auch werden .
✾ ✾ ✾
5
Num . 2 .
Mortuus est Aaron .
Deut . 32 . v . 50 .
Der Stadthalter auf der Er
den Muß dem Tod zu Theil auch
werden .
DEr Tod ist kein guter Grammaticus :
Aller Schulfüchse Groß=Vatter
Priscianus macht / nechst seinen Ba
calaureis einen Hauffen Excipe daher / daß
einem / der Lateinisch lernen soll / darfür
grauet / also wie dem Hund vor der Hechel /
ja er schämt sich nicht / diese Regel / ohn
alle Excepcion , für die richtigste zu preisen :
Nulla Regula sine Exceptione .
Es heist : In Or Masculina sunt , ut A
mor , Honor , aber es hängt gleich das Ex
cipe daran : Excipe Arbor fœmininum est .
Es heist : In A & E , primæ Declinationis
fœminina sunt , als Mensa , Petra &c . Aber
das Excipe heisst : Excipe Cometa , Planeta
A 3 Papa 6 ✾ ✾ ✾
Papa &c . Masculina sunt . Alleine der Herr
Doctor Tod weiß von diesem Excipe nichts .
Er hat eine ganze Compendieuse Gramma
tic , und statuirt kein Masculinum , kein Fœ
mininum , kein Neutrum , sondern es ist
ihm alles Generis Communis , und Generis
Omnis . Fragst du : Cujus generis est Pa
pa ? so wird er also balden dem Prisciano ei
ne Ohrfeige geben und sagen : Papa est ge
neris Omnis , ja Homo est generis omnis .
Es gilt mir ein Mensch so viel als der ande
re / er sey darnach Pabst oder Schüler / er
trage eine dreyfache Cron oder einen
Stroh Hut und Nebel=Kappen .
Wo sind so viel H . Vätter und Christi
Stadthalter zu Rom / in so viel 100 . Jah
ren hinkommen ? Musten sie sich nit alle von
dem Tod unter das Generis Communis und
Omnis rechnen lassen ? Quis est homo , qui
vivet , & non videbit mortem ? Ps . 88 . v . 48 .
Es hat kein einiger ein Excipe erlangen / er
kauffen / noch erbetteln können . Wie es
in Deut . 32 . geheisen : Mortuus est Aaron , in
3 . Reg . 4 . Mortuus est Eli , 3 . Reg . 25 . Mor
tuus est Samuel , also hieß und heißts noch :
Petrus der Heilige Stadthalter starb / Li
nus der Heilige Vatter starb / Anacletus
des= ✾ ✾ ✾ 7
dessen Nachfolger starb . Alexander der
I . II . III . IV . V . starb / Bonifacius der I .
II . III . IV . V . &c . starb . Clemens I . II .
III . &c . Innocentius I . X . XI . XII . &c . starb /
so wirds noch / nach der Todten Gramma
tica biß ans Ende gehen und heissen : Papa est
generis omnis .
Der Stadthalter auf der Er
den
Muß dem Tod zu Theil auch
werden .
A 4
Num.
8
✾ ✾ ✾
Num . 3 .
Quasi Aquæ dilabimur .
2 . Reg . 14 . v . 14 .
Auch Biret und Kappen Kan ich wohl ertappen .
DJe DIe Weiber=Predigten sind denen
Männern gar selten angenehm : zu
mahlen wann sie mit nachdrückli
chen Emphati schen Acuminibus und Xantip
pini schen Flosculis Oratoriis , geschmückt
und gespickt sind : da heissts bald : der Apo
stel Paulus hat den Weibern das Predigen
verbotten / sie sollen dafür die Edle Kunst
Schweigen lernen und in dem Tacito studi
ren. Ja wann es manche zu lange machen
und zu viel Interrogationes und Exclama
tiones , mit unzeitigem Eiffer / einmischen
wollen / so recommandi rt man ihnen einen
Schloß=Riegel an ihren Mund / und ein
vest Siegel auf ihr Maul / damit das unru
hige Ubel / so ein kleine Feuer / aber tödli
ches Gifft ist / das ist ihre Zunge / nicht aus
breche und Wald und Welt anzünde .
Allein
Quasi aquæ dilabimur .
2 . Reg . 14 . v . 14 .
Auch Biret und Kappen , kan ich wohl ertappen .
✾ ✾ ✾
9
Alleine die Predigt eines klugen Wei
bes ist so wenig zu verwerffen / als König
David selbst die ausbündige Oration deß
klugen Weibes von Thekoa / ob sie gleich
mit Jacob unter einer Deck gelegen / und
David / mit ihrer verdeckten Schaalen /
listig hinter das Licht geführt / verachtet
hat / da sie ihn angeredet : Herr König :
wir müssen des Todes sterben / wie das
Wasser in die Erde versiegt und versinckt /
so müssen wir uns auch endlich zerstreuet
in die Erde verkriechen . Denn dadurch
hat sie des Königs Grimm wider Abso
lon , als ein verborgenes Aschen-Feuer /
glücklich gedämpfft und gelöscht .
Hat ein so grosser König sich nicht
geschämt / aus solcher Weiber-Predigt /
sich zu erbauen ; Was bilden sich dann
wohl geringere ein / so sich / etwas erbau
liches von einem Weib / auch einem listig
und bösen Weib / gedultig anzuhören /
zu gut düncken ? Absonderlich wenn sie
über das Memento mori glossir en? denn
die Todten Prediger sind allezeit die be
sten / sie mögen darnach Hosen anhaben
oder nicht . Nunquam satis dicitur , quod
nunquam satis discitur . Meditatio mortis
A 5 ist 10 ✾ ✾ ✾
ist und bleibt die beste Philosophie und
Theologie .
Aber gelehrten / und sonderlichen Geist
lichen Personen / scheinet solches Predi
gen eine ungereimte Sache zu seyn / die
offt meinen / ihnen stehe das Predigen al
lein zu / sie haben diese Lehre an den Schu
hen und Pantoffeln zerrissen und darin
nen längst ausgelernt ; hören auch / zumahl
wan̅ sie in hohem Ehrenstande leben / nichts
ungerners / als von solchen Melancholi schen
Grillen schwätzen / und dencken nicht / daß
auch die Schaben und Matten in Purpur
und Jnfulen / Biretten und Kappen sich
einquartiren / als wie die sechs füssigen Dra
goner / so die Egyptischen Zauberer nicht
vermöchten ins Feld zu stellen / in die Beltz
und Wammes . Aber ach sie müssens doch
hören / und täglich erfahren / daß der Men
schen=Fischer der Tod pralet :
Auch Biret und Kappen /
Kan ich wohl ertappen .
Num.
Mortuus ergo Saul .
1 . Reg . c . 31 . v . 4 .
Auch der Cron , ich nicht verschon .
✾ ✾ ✾
11
Num . 4 .
Mortuus ergo Saul .
1 . Reg . 31 . v . 4 .
Auch selbst die Cron Jch nicht verschon .
NJcht NIcht allein Saul / David und Sa
lomon / sondern auch Crœsus , Cy
rus , Alexander M . Darius und un
zehlich viel gekrönte Häubter sind groß
mächtige / herrliche / tapffere / weise / reiche
und berühmte Könige gewesen : Aber ge
wesen ; Sie waren zuvor / dem Titul nach
alle einander gleich / aber an Weisheit /
Macht / Statur / herrlichen Reichthum
und Tapfferkeit / einander sehr ungleich .
Einen hat das falsche Glück so vexi rt / den
andern anderst / aber jetzt sind sie einander
alle gleich / sie sind alle Staub und Aschen /
und kan sie ein einiger Mensch alle zugleich
in einen Trag=Korb fassen / und öffentliche
Schau tragen . Was jetzt des Alexandri
M. Reit=12 ✾ ✾ ✾
M . Reit=Knecht ist / der den Bucephalum
gestrigelt / was der Wagner ist / der des
Darii güldenen Wagen gekünstelt / was
des Crœsi Prophet Solon , und des Cyri
Feldscheerer / ja des Sauls Schwerdt=Fe
ger / des Davids Taschen=Macher ist / und
wes jetzt Salomons Goldschmids / Zim
mermanns= und Steinmetzen=Gesellen
sind / das sind jetzt alle diese grosse Könige
selbst auch . Wie man jener ihr Grab
nicht mehr finden kan ; So kan man auch
dieser ihre nicht mehr finden . Denn der
grobe Dieb / der Tod / erweiset niemand
Respect / sondern er wirfft alles über= und
untereinander ins Grab / Könige und
Bauern / Edelleut und Bettelleut / wie die
Karten und Schach=Spiel / und wenn
man Feuerabend macht / untereinander ge
worffen werden / das thut er so wohl bey
dem / der auf einem herrlichen Stuhl sitzt /
biß zu dem untersten / der auf der Erden
und in der Asche liegt / von dem an / der mit
Himmel=blauen Seiden bekleidet ist / und
die Crone trägt / biß zu dem / der mit einem
groben Leinwandt bedeckt ist . Sagt der
Ecclesiastes im 40 . Capitel und in 10 .
macht er schier gar zu teutsch : Was er
hebt ✾ ✾ ✾ 13
hebt sich doch / schreibt er / Erde und Asche ?
Heute König / morgen todt / und der
nimmt den Gassen=Jungen nicht allein den
Hut / sondern auch gar den Königen die
Cron / und sagt :
Auch selbst die Cron
Jch nicht verschon .
Num.
14
✾ ✾ ✾
Num . 5 .
Non erat Mercator ultra .
Zach . 14 . v . 21 .
Jch / spricht der Tod Mach Bancorott .
DJe DIe Cananitter waren rechte
Schnitter und Beutel=Spicker / sie
haben eingeschnitten / wo sie nicht
gesäet und gesammlet / wo sie nicht gestreuet
haben / und waren unter denen Jsraeliten
was heutiges Tags die langfingrichten
moßigten Ebräer unter den Christen sind :
Die / wie der Magnet den Stahl / also diesel
ben Gold und Silber an sich stehlen / in su
cum & sanguinem verti ren / wie die Egel
das Menschen=Blut .
Ob gleich viel unbeschnittene Mauschel
unter den Christlichen Kauffleuten zu fin
den / so ist doch der Kauffmanns=Stand an
sich selbsten ein Gott=gefälliger / rühmlich=
nutzlich= und nöthiger Stand / und hat Kö
nig Salomon selbst seine eigene Kauffleuth
gehabt / die ihme Pferde aus Egypten und
allerley Wahr eingekaufft . 1 . Reg . 10 . v . 18 .
Bey denen zu Tyro haben die Kauffleuth
mit Non erit Mercator ultra .
Zach . c . 14 v . 21 .
Jch , spricht der Todt , mach Bancorott
✾ ✾ ✾ 15
mit ihrer Kunst so wohl profidi rt und Pan
craticè herum springen können / daß Esaias
am 33 . Cap . von ihnen meldet : Sie seyen
Fürsten und ihre Krammer die Herrlichsten
im Lande gewesen . Diese Wechsel=Bälge
müssen die Wechsel=Brieffe wohl verstan
den haben . Ob es bey ihnen auch eingetrof
fen / was Hoseas am 12 . v . 7 . gesagt . Der
Kauffmann hat eine falsche Waag in der
Hand / er lebt unrecht und betreugt / daran
wird schwerlich ein Jud selber zweiffeln .
Zumal Sirach in 26 . 28 . gar bedencklich
schreibt / ein Kauffmann wird schwerlich
ohn Versäumnis seyn / und wer Wirth
schafft treibt / wird nicht gerecht seyn von
Sünden in seinen Reden . Was aber offt
mal für ein Facit heraus kommt / lehrt die
Erfahrung ; Heut spielt der / morgen ein
anderer / ja manchmal eine gantze Com
pagnie / aber was ? Keine Comödie / keine
Politionelle / sondern eine Tragödie / der
Titul heisset : Bancorott / das Possen=Spiel
heisset Petrus currit , da fället einer von ei
nem Falliment in das andere / daß manchem
die Haare gen Berge stehen / und ein ande
rer in eine Ohnmacht fallen möchte .
Ob viel dergleichen Kauffleuthe auf
den 16 ✾ ✾ ✾
den Börsen herum spatziern / so / mit jenem
klugen Kauffmann zu vergleichen / von wel
chem Christus beym Matthäo am 13 . Cap .
rühmet ; er habe alles verkaufft / und einen
einzigen Acker / darauf er eine köstliche Per
le gefunden / an sich gehandelt / damit er
himmlisch reich werden möchte / solches ste
het dahin / mancher verkaufft wohl seine
Seele / und kaufft die Hölle / denn es heist
noch immer Virtus post nummos . Die
Fuchsen und Schimmel sind manchem lie
ber als der Himmel . O wie viele schreiben
ihren Glauben mit dem K . und können sich
nicht gnug klauben / je mehr sie klauben / je
weniger sie glauben . Allein sie klauben und
glauben so viel sie wollen / so müssen sie doch
endlich manqui ren und Schiffbruch ley
den / wenn ihnen der ärgste Practiquenma
cher und Beutel=Schneider / der Tod / Wech
sel=Brieff und Capitalien vor der Nasen
weg fischet und gantze Ballen Kauffmanns=
Güter aus und davon trägt .
Jch / spricht der Tod /
Mach Bancorott .
Num.
Non est sermo in lingua
mea .
Psal . 138 . v . 4
So wohl beredet als du bist , so fängt dich doch des Todes List
✾ ✾ ✾
17
Num . 6 .
Non est sermo in lingua mea .
Psalm 138 . v . 4 .
So wohl beredet als du bist / So fäht dich doch des Todes List .
OB gleich Schweigen eine grössere
Kunst ist / als Reden / so ist doch die
Beredtsamkeit nicht genug zu lo
ben / und mit den auserlesensten Worten
nicht genug zu preisen . Was manche zier
liche kluge Rede für Gewicht und Nach
druck so vielen mißlichen Sachen gegeben /
ist mit Demosthenis und Ciceronis Zungen
nicht auszusprechen . Was ist wohl nöthi
gers / so wohl in geistlichen als politisch=
weltlichen Ständen / auch im Krieg selbst /
da man zwar öffters einander mit Bomben
und Carcassen / viertels und halben Car
thaunen respondi tr / und nützlicher als die
Kunst / wohlbedächtlich und nachdrücklich
B zu 18 ✾ ✾ ✾
zu reden / so auf der Cantzel und dem Cathe
der / vor Kayser= und Königliche Thronen /
bey allen Audientzen und Assembleen r c.
beliebet und belobt ist .
Die alten Gallier haben ihren Hercu
lem / wegen seiner ungemeinen Beredtsam
keit / abgebildet / wie ihme eine güldene
Ketten aus dem Munde heraus gegangen /
und biß zu den Ohren und Hertzen seiner
Zuhörer gereichet ; als wenn er sie / mit den
selben / ziehen und bewegen können / wie er
gewollt . Wenn ein Prediger von der
Cantzel heutiges Tages güldene Ketten
aus seinem Munde ziehen / und seinen Zuhö
rern nur um die Hälse hängen oder sie da
mit beschencken würde / so würden bald al
le Kirchen zu eng werden : Denn es will
ohnedem ein jeglicher Hanns Wurst und
Hanna Wurstin in einer güldenen Ketten
oder dergleichen prangen / als wie eine eng
lische Tock aus Bayerland im guldenen
Hals=Band ; Aber mit der geistlichen gul
denen Ketten der Bußpredigten / wollen
sich wenig mehr ziehen noch zieren lassen /
und wenn gleich Paulus und Chrysosto
mus ✾ ✾ ✾ 19
mus selbsten aufstünden / und lauter Honig
aus ihrem Munde herfür fliessen liessen / de
ren Maul ohnedem / wie auch von Demost
hene , Pindaro und andern gesagt wird / in
ihrer Jugend ein Bien=Haus gewesen / da
rinnen die Jmmen das Honig abgelegt ha
ben / so würde man ihrer doch bald genug
haben : Wiewohl manches Redners
Mund mehr ein Wespen=Nest / als ein
Jmmen=Haus ist / daraus / an statt des
Honigs / öffters Gifft und Gall herfür
fleust / und ein gantzer Schwarm Wespen
und Horneissen den Zuhörern um die Oh
ren also herum summen und brummen /
daß man besorgen sollte / sie dürfften ihnen
in die Augen nisteln wollen / wie die
Schwalben in Tobias Schlaff=Gemach .
Dergleichen die alten und jungen Kater
und Ketzer / und andere stachlichte / spitzige
und scharffe Scheer=Messer / Zungen=Krä
mer geistlichen und weltlichen Stands /
gewohnt waren und noch sind .
Wiewohl auch höchstnöthig / daß ab
sonderlich ein geistlicher Redner offtmals
seine Zunge / wie eine kluge Schlange oder
Biene ihren Stachel schleiffen / spitzen
B 2 durch 20 ✾ ✾ ✾
durch die scharffen Buß=Predigten / die
Hertzen seiner Zuhörer verwunden / und
aber bald mit dem Hönig des Göttlichen
Trosts hinwieder lindern soll / welche
Kunst der Apostel Paulus / absonderli
chen gegen seine Corinther / so wohl
schrifftlich als mündlich fürtrefflich bewie
sen / und kan diß vielleicht eine Ursache seyn /
warum der Heilige Augustinus unter an
dern auch gewünscht / daß er den Apostel
Paulus hätte mögen predigen hören : Un
erachtet er selber am Maul nicht lahm ge
wesen .
Die meinsten aber / weil sie vielleicht
des Schmierens nöthig haben / oder aus
Geitz wollen geschmiert seyn / taugen ihre
Zungen in lauter Honig und Oel / und
sind glücklich / die Hertzen und Beutel zu
bewegen / sie leinen den Stab weg hinter
die Thür des Schaaf=Stalls / und bedie
nen sich nur des Stabs sanfft . Da gehets
gantz sachte daher / daß man ja keinem
Schäfflein das Aureum vellus verwirren
oder einen Beulen schlagen möge .
Da gehets aller Orten alles heraus /
als wenns geschmiert wäre / wie ein N . ge
schmier= ✾ ✾ ✾ 21
schmierter Wagen / oder Chaise Rulande
und polierter Braten=Wender . Allein
sie werden einmal wieder dafür geschmiert
und gesalbet werden / daß ihnen der Kopff
saussen und die Zähn davon klappen wer
den .
Die alten Griechen müssen mit dem Zun
gen=Handwerck wohl haben herum sprin
gen können : Massen / beym Val . Maximo ,
von Cynea , des Königs Pyrrhi Gesand
ten sein Herr selber rühmt : Sein Orator
habe ihm mit seiner Beredtsamkeit / mehr
Städte unterthänig gemacht / als er / der
König / mit all seinem Kriegs=Heer / nicht
bezwingen können . Vielleicht hat dieser
solche Kunst / mit dem Zungen=Schwerdt
zu siegen / von Meister Pericles , oder dieser
bey jenem gelernt ; denn Pericles , der be
rümte Zungen=Fecht= und Tantzmeister hat
zum wenigsten ein unvergleichliches Mei
ster=Stuck darinnen gemacht / daß / ob er
gleich von Archidamo überwunden und
aus dem Feld geschlagen worden / er ihn
doch mit seiner Beredtsamkeit dahin ge
bracht / daß derselbe gestehen derselbe gestehen müssen / Pe
ricles habe ihn überwunden . Das heist
B 3 wohl 22 ✾ ✾ ✾
wohl auf der Maul=Drommel spielen kön
nen / und andere nach seiner Leyer tantzen
lernen . Aber wo sind alle diese Wunder
würdige alte und junge / geistliche und welt
liche Red=Meister hin ? Jhre Svada ist
verschwitzt / ihre polierte Zungen verrost /
ihr Hönig=reicher Mund verstummt / ein
jeder unter ihnen muß mit David klagen :
Non est sermo in lingua mea , und heist /
hieß und wird ferner heissen :
So wohl beredet / als du bist /
So fäht dich doch des Todes
List
.
Num.
Utinam saperent ,
ac novissima providerent .
Deut . 32 . v . 29 .
Den gelehrten Kopf nim ich auch beym Schopf .
✾ ✾ ✾
23
Num . 7 .
Utinam saperent ac Novissi
ma providerent !
Deut . 32 . v . 29 .
Den gelehrten Kopff Nehm ich auch beym Schopf .
ZWischen einem Gelehrten und Un
gelehrten ist ein solcher Unterschied /
sagt der spitzfündige Aristippus , als
zwischen einem gewandten Schul=Pferd
und einem Karn=Caball ; Ja als zwischen
einem wohl=angelegten Lust=Garten und
verwildem Gebüsch / zwischen einem be
saamten Acker und einem Distel=Feld / zwi
schen einer gesaltznen und geschmaltzenen
und einer ungesaltzenen und ungeschmal
tzenen Wasser Suppen . Wann der Un
gelehrte eine ungemeine Sache wie ein
Kuh ein neues Thor anglotzet / hat herge
gen ein Gelehrter wohl zwey und ein halb
Duzend und ein Spießlein voll : curiose Ob
servationes und Wunderns=würdige Spe
culationes darüber / ob er gleich keine Au
gen=Spiegel auf die catonische Nasen setzt /
noch die Sache durch ein Flöhe=Glas be
B 4 gu= 24 ✾ ✾ ✾
gucket . Zum Exempel : Wenn ein Astro
nomus , Geometra , Historicus , Geogra
phus , in seinen Tabellen und Charten /
auf der schnellen Augen=Post geschwinder /
als die Türckischen Tauben=Postillionen /
bald im Himmel / bald auf Erden / bald et
liche tausend Meil und Jahre zuruck / bald
vor sich / herum streichet / bald den Colos
sum , bald die Mausolæa , bald Rom / bald
Constantinopel / und andere Mirabilia
und Mirawundria mit grosser Lust betrach
tet ; So sieht ein Davus solche Tabellen
und Caracteren für Krähen=Füß an / und
will die Kunst fast für eine Hexerey aus
schreyen .
Eben dieser Aristippus hat / da er ein
sten Schiffbruch erlitten / nichts als sein
blosses Leben und seinen Philosophischen
Barbarossam davon gebracht / aber wegen
seiner Gelehrsamkeit von denen Unbekand
ten / Land=Fremden / da er ans Ufer kam /
sehr wehrt gehalten / und samt seinen Ge
sellen bestens tracti rt worden / seinen
Lands=Leuten heim entbiethen lassen : Sie
sollten ihnen solche Schätze sammlen / wel
che auch im Schiffbruch nicht verlohren
giengen / sondern mit an das Land schwim
men. ✾ ✾ ✾ 25
men . Was hat er aber anders gemeynt /
als die Gelehrsamkeit ? Welches auch Bias
mit seinem Exempel erklärt / welcher / da er
aus der Feuers=Brunst seines Hauses / als
eine Seele aus dem Fegefeuer / Faden=na
ckender heraus gefahren / und ihm ein an
derer zugeruffen / warum er so gar nichts
mitgenommen habe / geantwortet : Omnia
mea mecum porto . Jch habe schon alles
das Meinige bey mir : Anzuzeigen / daß ein
Mensch nichts so eigentlich besitze als Kunst
Gelehrsamkeit und Wissenschafft . Denn
Geld / Gut / Kleider und Zierrathen / ja
gantze Fürstenthümer und Königreiche
können so leichtlich von Feinden weggetra
pert werden / als 1 . Schiff voll Heering und
Stockfisch . Aber die Gelehrsamkeit nicht .
Was ist aber ein grosser Herr / ein reicher
Herr / ein schöner Herr / so aber nichts studirt
oder sonsten in nützlichen Künsten und
Wissenschafften / nicht unterrichtet und ge
wixt ist ? Wenn man einem solchen seine
Herrlichkeit nimmt / so ist er ein elender
Tropff / der im Exilio die Bettel=Rheto
ric profitirt . Wenn man einem reichen Ig
noran ten und stoltzen Thaler=Schmeltzer
sein silbern und güldenes Nest ausnimmt /
B 5 so 26 ✾ ✾ ✾
so ist er so viel als des Croesi Maul=Esel /
dem die güldenen Zäum und kostbahren
Decken und Reichthümer abgenommen
worden . Er taugt weder zum Reiten noch
zum Ziehen / weder zum Sieden noch zum
Braten .
Ein schöner Galan und aus der A . B . C .
Schul entlauffener Narcissus und lebendi
ger Affen=Spiegel / wenn er seine Engli
sche Schönheit / durch die Galanterie / oder
ein 3 . tägiges Liebes=Fieber / samt seiner
Courage verlohren / ist einem Haus gleich /
daran Gewitter und Regen die Tünch und
Gemählde also ausgelöschet / daß man
kaum sehen und erkennen kan / ob es ge
schrieben oder gemahlt gewesen .
Aber auch ein abscheulicher Æsopus ,
ein staubigter Epictectus und Hunds=Theo
genes ist viel edler / reicher / schöner und
glücklicher / als alle diese . Ja der ärmste /
verachteste Holtzhauer ist glücklicher als ein
solcher Schissel=Räumer / Gläser=Leerer
und Pflaster=Tretter / jener verdient sein
Taglohn ohne Grießgrämen / und läst sich
mit Nudeln und Wasser=Spatzen / Pom
pernickel und Quellen=Safft abfüttern und
vergnügen : Aber ein solcher Brocken=Fres
ser ✾ ✾ ✾ 27
ser und Kannenheber / ein reich gewesener
armer Schlucker / der schon alles ver
schluckt und vergluckt / ist nicht so capable /
ein einiges viertheil Holtz zu hauen / um sei
nen leeren Magen und Beutel / nur im we
nigsten zu consoliren / und die Wurm=Lö
cher / an statt des Parmesans / mit einem
Böhmis . Streich=Käß zu verschmieren :
Denn er würde sich darzu schicken / als wie
die fetten Schooß= und Bussen=Hündlein
zum Haasen=Jagen / und ein Elephant zum
voltisiren .
Da hingegen das Sprichwort noch täg
lich wahr bleibet : Sæpè sub sordido palliolo
magna sapientia latet . Ein armes Män
telein verhült einen / am Verstand und
Gelehrsamkeit reichen Mann . Allein es
bleibt bey dem auch diß noch immer wahr /
daß öffter unter einem köstlichen Castor-
und Doctor- Hut / unter einem seidenen
Mantel / unter einem sammeten Rock und
Hosen / unter einer ungeheuren Fuder Heu
gleichen Geiß= und Schäps=Perruquen r c.
Magna stultia verborgen . Denn mancher
blähet sich / als hätte er / bey eingenomme
ner Purganz , den Bartholum und Plato
nem , und die Quint Essenz aller Gelehr
ten / 28 ✾ ✾ ✾
ten / in allen Facultäten / im Leib / und heist
bey ihnen : Parturiunt montes , nascetur ri
diculus mus . Dieser meynet / es sey kein
solcher Statist und Ertz=Politicus , kein sol
cher Polyhistor , kein solcher Orator , & om
nia tresque jemals in der Welt gewesen als
er / er hört das Gras in den Elisischen
Feldern wachsen / und die schwindsüchtigen
Flöh / in Seraglio zu Constantinopel / biß
auf Paris / husten / und die Fisch im Was
ser singen ; Allein seine Kunst bestehet im
Traum thörigten Einbildungen / indem er
meynet / er sey gelehrt / so wissens andere
gewiß / daß er doch ein Thor ist . Utinam
saperent ! &c . Ach daß sie alle diese Gril
len / in dem Meer der Vergessenheit auf
ewig erträncken / und an den Tod geden
cken mögten / dem ein Oedipus so viel gilt /
als ein Davus , und einem so wohl als dem
andern nach dem Leben greifft und spricht :
Den gelehrten Kopff
Nehm ich auch beym Schopf .
Num.
Submersi sunt , quasi
plumbum .
Exod . c . 15 . v . 10 .
So weich das Wasser im̅er ist so viel es harte Menschen frist .
✾ ✾ ✾
29
Num . 8 .
Submersi sunt quasi plum
bum .
Exod . 15 . v . 10 .
So weich das Wasser im
mer ist / So viel es harte Menschen frist .
SO weich sonst das Wasser ist / daß
ein Mensch leichtlich darinnen als
eine Mücke in der Butter-Milch
ertrincken kan / so hart ist es hergegen im
Winter : denn man auf dem Eiß schleiffen /
auf Schlitt-Schuhen fliegen / aber auch
auf Nasen und Stirn tantzen / mit aller
ley Schlitten allerhand aufhebends machen
auch wohl den Hals brechen kan / zu ver
wundern ist / daß das weiche Wasser so hart
wird / daß grosse geladene Wägen / gantz
gerüstete Armeen mit Stuck und Bagage /
Trummel und Pfeiffen darüber hingehen
kön= 30 ✾ ✾ ✾
nen können . Wiewohl auch das Eisenharte Eiß
denjenigen / so sie getragen / öffters ein kal
tes Deckbette abgegeben / oder gar bey den
weissen Beern in Grönland / so eingeschlos
sen worden ; daß sie gleichsam Cristallisi rt un̅
in Stein vermetamorphosi rt worden . Es
sey aber das Wasser hart oder weich / so ist
die passage darauf sehr gefährlich / und
wird auf der See das Sprichwort offt er
füllet : Wer sich in Gefahr gibt / der
kommt darinnen um . Das müssen harte
verwegene Waghälse gewesen seyn / die
sich zu erst so tief ins Wasser gewaget / und
so wohl Sommer und Winter / als Herbst
und Frühling auf der ungetreuen See / in
so manchen Sturm und Ungestümm / zwi
schen Wind und Wellen / Klippen und
Sandbäncken / mitten zwischen Tod und
Leben / herum vagi ren und sich immerzu
mit dem Tod herum balge̅ und plagen müs
sen / biß sie endlich sich zu tod schwimmen
und ersauffen müssen . Wiewohl sich auf der
Erden vielmehr durch Wein / Bier /
Brandwein / und dergleichen Wasser ge
lepper zu todt sauffen / als auf der See er
trincken und versincken .
Columbus und Magellanus haben vie
len ✾ ✾ ✾ 31
len andern hierinnen das Eiß gebrochen
und manchen solche Lust erweckt / daß sie
mit tausend Unlust / Gefahr und Verwe
genheit / mehr als einmahl den gantzen
Erd=Kreiß umgesegelt / und einen sehr
grossen Reyhen auf dem weichen Wasser=
Platz herum getantzt / da ihnen der heulen
de Æolus wenige liebliche Mascarad en / Bou
res , Menuet und Courant en aufgepfiffen .
Ob gleich solche hinter und vor sich
Schiff und Volck verunglücken / und das
Jngeräusch solcher Wasser=Pasteten aus
leeren gesehen / so achten sie es doch nicht /
und meinen / sie seyn auf der Erden eben so
unsicher als auf der offenbahren See . Zu
mahlen ihrer mehr auf dem Land sterben
und sonst umkommen / als auf der See .
Was mag aber wohl die Ursach seyn / wa
rum die Menschen solche beschwehrliche
Gefährlichkeiten nicht scheuen / sondern
Leib und Leben so liderlich in die Schantze
schlagen ? Ach nichts anders als das ley
dige Jnteresse und die unersättliche Neu
gierigkeit . Der Jndianer guldene Gö
tzen und Affen / da ein Aff hundert ja tau
send Affen macht . Die Peruviani sche / Me
xicani sche und Hexicani sche guldene Mist=
Hauf= 32 ✾ ✾ ✾
Hauffen und Goldhölen / die mit Perlen
und Edelgesteinen / mit Pfeffer / Zimmet
Mußcatenblüh und Nüssen / Caca , Zucker
und dergleichen Raritæ ten und Kostbarkei
ten angefüllte Bauernhütten und unter
irrdische Palläste haben diesen Wasser=
Mäusen das Maul so wässerig gemacht /
und wie der Magnet das Eissen / so einen
weiten Weeg und gefährliche Spatzier Rei
se an sich gezogen .
Womit die Europæi schen Amphibia
und Gold=Würmer ihre schwimmende
Austern und Schnecken=Palläste pflegen
anzufüllen / und nach Hauß zu eilen / als
flögen sie davon / als hätten sie solche Schä
tze / auf der ungekehrten Seebanck gefischt .
Aber wie viel solche Hamster und Gold=
Mäuse sind mit ihren Reichthümern unter
Weegen verschwitzt / als wie eine Juden=
Seel . Wie viel hat der Scharbock zu
todt gehutzt / die Klippen und Sand=Bän
cke / Würbel und Capers verzescht und ver
schluckt / als wie die Katze sich zur Zeit der
Vogelweyde / mancher Troschel / Ler
chen und Fincken in der Speißkammer un
gerupfft impatrocini rt und incorpori rt.
Das schlimste ist / daß man auch mit
ten ✾ ✾ ✾ 33
ten im tieffsten Wasser einander blutige
Battallien lieffert / und mit Feuer einander
wider Gewohnheit / nicht zum Wein= son
dern zum Wasser=trincken / nöthiget / mit
Bombardier=Galliotten und Branders
einander sehr Warm einheitzt / ein solchen
rondeau dazu aufspielt / daß mancher so
hoch voltisi rt / daß er das Aufstehen ver
gisst / eh daß ers meint / toll und voll wird /
und wider seinen Willen muß schwimmen
lernen . O manchem wäre es alsdann
besser / wenn das weiche Wasser alsdann
hart wäre ! er würde lieber auf einem Bu
ben=Schlitten / ohne Rennthier und Ge
leut / ohne Gold und Perlen / nach Hauß
schleichen / wie die Katz aus der Speiß=
Kammer ! Allein in diesen Weyhern fäht
man solche Fische / und heisst offt wie beym
Fisch / der in der Angel gefangen wird :
Dum capit capitur : Es ist fürwahr ein ar
ge List / daß offt der Fisch den Fischer frisst .
Was machts ? der Contre Admiral Tod
commandi rt en Chef , auf der See / er fäh
ret und zerbricht Steuer und Rudern /
Mast und Ancker / er zerreisst Tau und
Seegel und admiri rt den Admiral so wenig
als den Matrossen , sondern führt sie unver
C sehend 34 ✾ ✾ ✾
sehend allzusammen ins Bad / und lieffert
sie dem alten Charon pfützen Naß ein /
schiebt hernach die Schuld / als hätte er
nie kein Wasser betrübt / auf die harten
Menschen / die nicht zu Haus bleiben wol
len / und auf das weiche Wasser sich bege
ben / vorgebende :
So weich das Wasser im
mer ist /
So viel es harte Menschen
frisst
.
HODIE MIHI CRAS TIBI .
Num.
Pestilentia , aut corruptus aër .
3 . Reg . c . 8 . V 37 .
Der Tod nie mehre trifft , als wan̅ die Lufft voll Gifft .
✾ ✾ ✾
35
Num . 9 .
Pestilentia , aut corruptus
aer .
3 . Reg . 8 . v . 57 .
Der Tod nie mehre trifft / Als wann die Lufft vergifft .
FEuer und Wasser haben schon un
zehlig viel Million en Menschen
mehr / als alle Menschen=Fresser
und Hottentodts gefressen ; aber die Lufft
hat noch viel tausendmahl mehr ver
schluckt . Der Mader mit der Sensen /
der Schnitter mit der Sichel / die Graß=
Magd mit dem Stumpf / der Holtz=Hau
er mit der Hacken / die Barbier und Ba
der mit dem Scheer=Messer / machen zwar
eine grosse Niederlage ; aber die in Fin
stern schleichende langbeinigte Pestilentz
giebt / mit ihrer Sensen / obigen allen
nichts nach . Da fallen hundert zur Lin
C 2 cken 36 ✾ ✾ ✾
cken / dort zehen tausend zur Rechten . Ach
leyder ! gantze Städt / gantze Königreich
und Länder werden ruini rt. Es ist zwar
kein Wunder : denn diese Welt ist ja nichts
anders / als ein Hof=Spital / Lazareth
und Siech=Haus / darinnen das gantze
Menschliche Geschlecht / von der Sün
den=Pest / so durch alle hindurch gedrun
gen / und wie ein Käß von Maden / und
ein eingebeitzt Wild=Bret von Essig / mit
ihrem Gifft durch gekrochen / und durch
gebeitzt hat / so infici rt / daß es offtmals
heisst : da liegen sie bey Hauffen / wie in
einer Nacht / im Syrischen = Lager / hun
dert und fünff und achtzig tausend Mann /
allenthalben voller Leichnahme herum ge
legen . Es . 37 .
Und was das ärgste / je mehr die Pest
aufreibt und aufraumt / je mehr greifft
sie um sich . Je mehr Menschen sterben /
je mehr wird die Lufft vergifft ; je mehr
unbegraben bleiben / je gräßlicher und
ansteckender wird der Gestanck . Man
zündet mit Diogene Cynico , gantze Wäl
der an / die Lufft von denen Arsenicani
schen und Mercuriali schen Gifft zu reini
gen. ✾ ✾ ✾ 37
gen . Man macht einen so dicken Pest=
Rauch / als wenn die Feuer=Mauer in der
Hölle wollte brennend werden / man per
fumi rt die Zimmer mit Virginischen / Tür
ckischen und Englischen r c. Tobacks=
Rauch / mit Myrrhen und Aloë , man
löscht Kalch mit Essig ab / und verschmiret
so viel Pest=Balsam / als Wagenschmier .
Man isst so viel und vielerley Gifft=Pulver
und himmlische auch andere Theriacs- Pil
len / Methridat , Orphietan , Gifft=Latwer
gen und dergleichen / daß es zu verwun
dern / wie der Tod nicht selbsten von sol
chen lebendigen Alexipharmacis und Anti
dotis infici tr werde .
Ja Kröten und Vipern / Schlangen
und Drachen werden wider die Pest auf
gehetzt . Da kriegt mancher einen Beu
len und weiß nicht wie / wo und warum ;
indem er sich nicht entsinnen kan / daß er ir
gend wo angehutzt / oder von einem andern
hinter den Ohren gekräuet worden .
Mann verschoppet und vermacht Thür
und Thor / Fenster und Lufft=Löcher / vor
dem bösen Lufft / aber es hilfft am Ende doch
nichts / Doctor / Apothecker / Barbierer /
Bader und Wund=Artzt / Distilator und
C 3 The- 38 ✾ ✾ ✾
Theriacs- Krämer / Methridat=Wurtzel=
und Kräuter=Jubilirer / Marck=Schreyer /
Ziegeuner / Hencker und Henckers=Gesind /
Juden und Judengenoßen / werden alle mit
ihrer Kunst zu Schanden / denn die Pest ist
so unverschämt / daß sie ungeladen und
ungebetten auch gar in die Apothecken
Material- Kammern und Theriacs- Büchsen
selbsten kommt / ja auch in die Clöster /
Collegia , Studier= und Schreib=Stuben
in Käyserliche und Königliche Palläste so
wohl / als in die Bauern=Hütten / und
heisst offt : Wer Herr im Haus der geh hin
aus . Und wenn mancher grosser Herr
manche galande Staats-Dame und Frauen=
Zimmer sich mehr vor solchem Ubel als für
allem Fräulichen Ungeziefer hütet / alle
Alexipharmaca ausleckt / und sich / wie je
ner / an nackenden Kraut und Ruben / kranck
gegessen / auch so viel Myrrhen und köst
iche Specereyen eingebackt / daß sie eine
lebendige Mumia abgeben könnten ; so
schleicht doch die Pest hinter ihnen her / und
blässt auf einmahl alle Schönheit und Lieb
lichkeit / Holdseligkeit und Annehmlichkeit
weg / daß Helena un̅ Cleopatra , Absolon und
Narcissus gantz Wetterfarb werden / als
wann ✾ ✾ ✾ 39
wann sie in einem sehr heissen Sommer
campi ren müsten . Da halten sie gleich
sam die Hand vor das Gesicht / und ruffen :
Sehet mich nicht an / daß ich so schwartz bin /
denn die Sonn hat mich so verbrennt . O
des Elends ! Ach des Jammers ! kan man
doch offtmals nicht Todten=Gräber genug
um theures Geld erlangen . Mercks Wien !
mercks Dantzig ! mercks Ungern ! mercks
Pohlen ! r c.
Der Tod nie mehrer trifft /
Als wann die Lufft vergifft .
IHS
C 4
Num.
40
✾ ✾ ✾
Num . 10 .
Dies ejus sicut umbra præter
eunt .
Psalm 143 . v . 4 .
Alle Kunst ist umsonst / Und beym Tod ohn alle Gunst .
DJe DIe klugen Affen der Natur / denen /
wie denen Poe ten / das Lügen und
mit Schatten zu handeln erlaubt
ist / die Mahler / Bildhauer / Gold=
Silber= und Kupffer=Stecher / Eisen=
Stahl= Glas= und Holtz=Schneider / Con
trefait=Drechsler / Wachs=Posierer /
Künst=Giesser / Tockenmacher und der
gleichen von Kunst= und Gunst=Profession
macher / Apelles , Praxiteles , Protogenes ,
Zeuxes , Parrhasius , Verones , Bot und
Vos , Paluca und Carl Loth , Titian und Cal
lot , König und Bauer / und was noch heu
tiges Tags die fruchtbare Kunst für Weiß=
Roth= und Schwartz=Künstler ausbrutet .
Diese alle / Meister und Gesellen / Künstler
und Stümpler / so nit allein die Augen der
Pferd u . Vögel / sondern auch die schärpfste̅
Menschen=Augen mit blossen Schatten und
Liecht Dies ejus sicut umbra
prætereunt .
Ps . 143 . v . 4 .
Alle Kunst ist umsunst , und beym Tod ohn alle Gunst .
✾ ✾ ✾ 41
Liecht meisterlich hinter das Liecht führen
können / sind vor des Todes Pensel nicht
sicher / er contrafait sie endlich alle nach sei
nem Ebenbild ab / ob sie gleich so viel nach
dem Leben gezeichnet / u . sie mit lebendigem
Farben so ähnlich entworffen / daß man
ihnen das Zeugnus geben müssen : Es feh
le ihren Bildern nichts als die Rede .
Es haben zwar die herrlichsten Mei
ster / vielleicht sich beym Tod zu recom
mendi ren / diesem beindrechslerischen
Dürrer die Ehre gethan / und ihn viel hun
dertmal / gleichsam nach dem Leben / er
schröcklich schön abgemahlt / abgebildet
und abgestochen / und zwar mit höchsten Re
spect , wie er zum Exempel bald auf einem
Päbstlichen Stuhl oder Königl . Thron
sitzt / bald in einem Cardinals=Hut oder Jn
ful / bald in einem breiten Hut / mit bunten
Federn stutzet / bald wie er bey einem Rei
chen die Ducaten wägen hilfft / bald wie er
eine schöne Dame zum Tantz führet / bald
wie er / mit grossen Gesundheit=Gläsern /
an grosser Herren Tafeln ein Bombarde
ment anstellet / und was dergleichen Flat
terien mehr sind / so ihm schon tausend
Künstler gemacht haben : Allein es scheint /
C 5 aller= 42 ✾ ✾ ✾
allerdings der undanckbare Gesell sey
nicht allein selbst kein Virtuos , sondern er
achte auch dergleichen Ornamenta des
Menschlichen Geschlechts / dadurch so vie
le verewiget werden / sehr wenig oder gar
nichts / und gelte ihm ein Grab=Tüncher
und Todten=Graber mehr / als ein Hof=
Mahler und Kunst=Stecher : Denn wenn
diese manchmal die rarsten Stücke kaum
halb ausgekünstelt haben / so rufft er ihnen
unversehens zu : Manum de Tabula . Die
Hand von der Butten oder Politten . Leg
den Pinsel und Stichel / und dich zugleich
mit nieder / streck dich / machs Maul auf /
thu den letzten Seufftzer und stirb . Da
liegt die Kunst samt dem Künstler in Staub
und Aschen / und wird von den Würmern
anatomi rt und dem Tode verähnlichet .
Dies ejus sicut umbra prætereunt . Er liegt
im Schatten des Tods / und sein Leben ist
dahin / wie ein Schatten . Und heist :
Alle Gunst Kunst ist umsonst
Und beym Tod ohn alle Gunst .
Num.
Cum morietur homo , hære
ditabit serpentes .
Eccl . c . 10 . v . 13 .
Wan̅ man dich wird begraben so mustu die Gesellen haben .
✾ ✾ ✾
43
Num . 11 .
Cùm morietur homo , hæredi
tabit serpentes .
Eccles . 10 . v . 13 .
Wann man dich wird be
graben Must du Gesellen haben .
DAs schöne und edle Geschöpff der
Mensch ist / wenn man ihn beym
Liecht beschauet / auch ein elender
Wurm / der im Leben und nach dem Tod
unzehlig viele Würmer ausheckt . Auch
die Milchfinder Milchkinder hegen schon gantze Wurm=
Nester im Leib / als wie die welschen Nu
deln / dick und dünnne dünne / groß und kleine /
lang und kurtze . Ob das Marck in dem
Ruckgrad des Menschen / im Grab zu ei
ner Schlangen / die Zunge aber zu einer
Kröte werde / und mehr andere aushecke /
haben zwar viel geglaubet / aber wenig ge
sehen : Daß aber das Menschliche Jnge
bäude / Lungen / Hertz / Leber / Miltz / Ma
gen 44 ✾ ✾ ✾
gen / Nieren und Gedärmer absonderlich
das Gehirn eine Residentz der Maden und
Würmer / Schlangen und Kröten / ja
manchmal Läus und allerley schändliche
Ungezieffer sey / das werden die Todten=
Gräber am besten bezeugen können . Wie
viel wackere vornehme Leut sind nicht et
wann von Mäusen / sondern gar / was sich
darauf reimt / von Müller=Compagnio nen /
bey lebendigem Leib gefressen worden .
Es ist unlängst in einer namhafften
Stadt ein alter Dödel gestorben / oder zu
todt gebissen worden / nach dessen Todt so
viel Schwadronen / ja gantze Armeen grau
mondir te Dragoner andere Quartier ge
sucht / daß man sie mit Kehrwischen hat ab
weisen müssen .
Beym König Herodes werden wohl
dergleichen Trabanten genug / so wohl in
seinem Leben / als Tod gewacht und aufge
wartet haben / Act . 12 . was ist ein solcher
Mensch anders / als ein todtes Aas / bey le
bendigem Leibe .
Ach Menschen=Kind ! du stinckender
Maden=Sack / was erhebst du dich doch ?
Was prangest du doch ? Wie viele männ
lichen und weiblichen Geschlechts / tragen /
in ✾ ✾ ✾ 45
in ihrem Pracht / gleichsam zum Vorbild /
was sie seynd / Schlangen= und Ottern=Ge
zichte / von Haaren / Banden und Spi
tzen / Ketten und Perlen um das Haubt /
an dem Hals und sonsten anders wo . Daß
es kein Wunder wäre / wenn sich Medusa und
alle Furi en in der Hölle darüber beschwehr
ten / daß man ihre galante Mode so ge
mein machet . Aber was erhebt sich doch
die arme Erde und Asche ? Jst doch der
Mensch ein eitel / greulicher / abscheulicher /
heßlicher / gräßlicher Koth / weil er noch
lebet / und wenn er ein gantz Regiment Do
ctores und zwar der Extract , die Quint Es
senz aller Gallericorum und Hippocrito
rum &c . lange daran flicken / purgiren /
clystiren / aderlassen / schrepffen / schmieren /
pflasteriren und balsamiren / so gehets
doch endlich also : Heute König / morgen
todt / heunt Monarch / morgen im Sarg
und wenn der Mensch todt ist / fressen ihn die
Schlangen und Würmer . Eccles . 10 . und
gehet ihnen wie dem aus Geitz zu viel ge
sammleten Manna in der Wüsten / davon
Mose registri rt / daß Würmer darinnen ge
wachsen und dasselbe seye stinckend worden .
Ey wie hält man doch offtmals / wann man
die 46 ✾ ✾ ✾
die Leichnahme so lang herumziehet / und ei
nen besondern Staat und Gepräng damit
machet / die Nasen / vor dem allerschönsten /
liebsten und werthesten Hertzens=Schatz so
sorgfältig zu / als hätte jemand den Beltz
verbrennt . HErr / er stinckt schon ! heist
es / ja schon im Leben / noch mehr aber im
Tod ! wohl hat Hiob gethan / daß er solches
beyzeit recht betrachtet / und gesagt : Das
Grab ist mein Haus und in Finsterniß ist
mein Bett gemacht . Die Verwesung
heiß ich meinen Vatter und die Würmer
meine Mutter und meine Schwestern .
Hiob 17 . Jesaias redet noch von einem wun
derlichern aber lebendigen Ober= und Un
ter=Bett / wenn er in 14 . Cap . schreibt :
Moden Maden werden dein Unter=Bett seyn /
und die Würmer dein Decke . Wunder /
daß einen diß Bett nicht wegträgt oder gar
mit einem davon laufft ! vielleicht deckt man
deßwegen so groß und schwehre Steine auf
die Gräber / und wo der meinsten Wür
mer sind / die grösten / ja gantze Mausolöen .
Diß gieng noch endlich alles hin / wenn
es nur nicht bey den meinsten hiesse : Jhr
Wurm wird nicht sterben / nemlich der Ge
wissens=Wurm / den sie wegen ihrer Un
bußfer= ✾ ✾ ✾ 47
bußfertigkeit im Leben / und auch nach dem
Tod in ihren Seelen herum getragen / und
hernach von der höllischen Schlangen ver
gesellschafftet / einen solchen den Höllen=
Aas ewig naget / beisset und frisset / ärger
als viel 1000 . Moden Maden / Würmer und
Schlangen dessen vermoderten Säu=Sack /
in stetem General=Sturm / angefallen ha
ben : O Menschen=Wurm vergiß dieser
Würmer in deinem gantzen Leben nit / und
hüte dich für dem unsterblichen Wurm . Es
bleibt dabey :
Wann man dich wird be
graben .
Wirst du Gesellen haben .
Num.
48
✾ ✾ ✾
Num . 12 .
O mors , quàm amara est me
moria tua !
Eccles . 41 . 1 .
O wie bitter kommts ihn an / Wenn da stirbt ein reicher Mann .
O Tod / du Kräuter=Salat / du
Gall=Aepffel=Brey und Fieber=
Tinctur / wie bitter bist du ! wenn
an dich gedenckt ein reicher Korn=Jud und
voller toller Schwermer und Schlemmer /
der guter Tag und Nächt / ja alles genug
hat / ohne Sorgen lebt / dem es nach
Wunsch allenthalben gehet / und noch wohl
bröseln und kleiben mag . Der keinen
Eckel vor dem Wein hat / ob er gleich den
besten im Maul nicht leyden mag / darne
ben ein Spißlein Endten / samt einer Schüs
sel O mors , quam amara est me
moria tua !
Eccl . c . 41 . v . 1 .
O wie bitter komts ihn an , wan̅ da stirbt ein reicher Mann .
✾ ✾ ✾ 49
sel
voll Lamms=Nierlein / an statt der Ca
pern / mit gutem Appetit verzehren kan /
und sich noch nach mehr umsiehet . Der
viel Säck im Seckel / und Kisten und Kä
sten voll Gold und Silber / wie Heu /
gantze Regimenter Louisdor , und Hol
ländische Curassier , bey ihm einquartirt
oder arrestirt hat . Bey dem die alten
Kappen= und Schlappen Thaler / die wil
den Männer zu Roß und Fuß / ja die gan
tze Thaler=Histori / von dem ersten Joa
chims=Thaler an biß zu dem letzten / die
gantze Genealogie der Kayser / Könige
und Churfürsten / alle Gedächtnus=Mün
tzen / Contrefayen der Heiligen Vätter zu
Rom / so ohne was die Antiquen Ebräisch /
Griechisch und Lateinische / silbern und gul
dene Müntzen / von David und Salomo /
von Philippo und Alexandro M . von Ro
mulo und Remo her sind . Aufs beste con
servirt / und gleich als ein Bataille rangirt
zu finden . Oder der allein von Silber=
Geschmeid / die Leipzig= und Franckfurter=
Meß verlegen kan . Der heut spatziren
fährt / morgen spatziren reitet / übermor
gen spatziren geht / zu früh das Frühstuck
biß auf Mittag ausdehnet / nach der Mit
D tag= 50 ✾ ✾ ✾
tag=Mahlzeit bene potus die Commö
die oder Opera besucht / ferner da ein Ball /
dort ein Assemblee frequenti rt / discuri rt /
courtisi rt / chartisi rt / conversi rt / diverti rt /
biß er endlich unter der Music / oder an
dern fleischlichen Lustbarkeiten und Süs
sigkeiten einschläfft / und in sanffter Ruh
die übrige Nacht und den folgenden Tag /
biß es 9 . oder 10 . schlägt / trotz allen Mur
mel=Thieren / so von S . Gallen=Tag / biß
auf S . Jürgen=Tag in ihren Nestern ra
sten / im sanfften Pflaumen=Bett liegend
zuruck legt / ja wohl aus Nacht Tag / und
aus Tag Nacht machet . Und also an nichts
wenigers / als an den Tod und Sterben /
noch weniger aber an das Lamento des in
der Höllen lächtzenden Schlemmers ge
dencket / der auch ein Tröpfflein Wassers
seine glühende Zunge damit zu kühlen / ver
gebens betteln / und hören müssen : Du hast
dein Gutes empfangen in deinem Leben .
Allein er mag daran dencken oder nicht /
gerne davon hören oder nicht / gerne ster
ben oder nicht / so macht ihm der Tod kein
besonders / sondern wenn seine Zeit aus /
und das Ende seiner Freude und eiteln
Glückseeligkeit herbey kommt / so beraubt
ihn ✾ ✾ ✾ 15 51
ihn der Tod alles seines Reichthums / und
zeucht ihm an statt seiner sammeten und sei
denen / guldenen u . silbernen / verschamerir
ten und bosementirten Kleider / seinen Küt
tel an / und wenn er gleich sich zu todt
schreyen möchte : Ach nur Zeit / biß mor
gen ! so ist alles vergeblich / die Uhr ist aus /
zur Welt hinaus .
Ey das heist gar zu sehr übereilet / sagt
mancher / ich muß vor mein Testament ma
chen und mein Haus bestellen / was für Un
ordnungen würde es unter meinen Erben
geben / Dinten / Federn / Pappier / Doctor /
Notarien / Zeugen r c. her . Ein anderer
läst zu seinem Trost seinen Abgott / ein Käst
lein voll Ducaten bringen / und rührt sie zu
guter letzt noch einmal herum / daß sie nicht
anbrennen . Ein anderer läst etliche Küp
pel seiner liebsten Jag=Hunde vor sein Bett
ruffen / ihnen vielleicht das Ultimum vale
zuzuruffen : Die dann ihrem Herrn / nach
dem er sie beklagt / daß er ein so armes
Häufflein hinter sich verlassen müsse / und
ihnen per testamentum mehr / als allen
Hospitæ len vermacht / auch zu guter letzt
eins herab heulen und bellen müssen / viel
leicht daß er sich vor der Höllen=Hunde
D 2 Ge= 52 ✾ ✾ ✾
Geheul / desto weniger entsetzen möge / da
hin er auf der schon gesatteteln schnellen
Toden=Post / in kurtzen würde gebracht
werden .
Ach aber thörigte Welt=Kinder ! Uber
sehen ist auch verspielt ; Jhr wustet wohl /
daß ihr keine Stunde für dem Tod sicher ge
wesen / warum habt ihr euch nicht eher da
zu geschickt . Jhr seyd deßwegen ja offt ge
nug auf der Cantzel und von der Todten=
Glocken / dem unvernünfftige̅ Leich=Predi
ger selbsten erinnert und gewarnet worden .
O arme Reiche ! wohlan nun ihr Rei
chen / weinet und heulet über euer Elend /
das über euch kommen wird . Jhr habt
herrlich gelebt in dieser Welt / und eurer
Wollust gepflogen / und euere Hertzen ge
weidet und geschoppet als auf einen
Schlacht=Tag Jac . 5 . beym Henckermahl .
Derowegen sagt David im 48 . Ps . v . 17 .
Fürchte dich nicht / wenn ein Mensch reich
wird / und wenn sich die Herrlichkeit seines
Hauses mehret / denn er wird / wenn er
stirbt / nichts mitnehmen / und seine Herrlich
keit wird mit ihm nicht hinunter fahren
noch nachrennen . Es bleibt alles in der
Welt . Fuimus Troes , Irus & est subito , qui
modo ✾ ✾ ✾ 53
modo Crœsus erat . Und gehet mit vielen
als wie mit den grossen Flüssen / je grösser
und breiter sie werden / je näher sie zum
Meer kommen / und werden letzlich gantz
saltzigt : Also versaltzt der Tod dene̅ Reichen
die Süssigkeit ihrer Freude auf die Letze /
wenn ihr Lebens Strom in das Meer der
Ewigkeit fallen soll und muß / gantz entsetz
lich / daß sie klagen müssen : O mors , quàm
amara est memoria tua ! O bitteres Tod
ten=Träncklein .
O wie bitter kommts ihn an /
Wenn da stirbt ein reicher
Mann
.
D 3
Num.
54
✾ ✾ ✾
Num . 13 .
Abjectus est Clypeus fortium .
2 . Reg . Sam. 1 . v . 21 .
Mars hin Mars her / Mors gilt noch mehr .
WEr da ? Wer da ? Gieb Antwort /
oder ich schieß dich / daß dir der
Dampff zum Hals heraus geht !
der u . der / dieser und jener schwartze Käsper
lein hol mich ? Antwort ! oder ich geb Feuer
auf dich . Gemach ! gemach ! Herr Horribili
cribrifax , halts Maul / oder ich treffe dich mit
meinem Pfeil / daß dir das Hertz als wie ein
Kalbs=Leber / am Brat=Spieß stecket . Hol
la ! wer da ? Jch bin der auf dem fahlen
Pferd . Was fahl / gelb / weiß / schwartz
Pferd ? Wer da ? Mein Nam heist Tod /
und die Hölle folget mir nach . Grossen
Danck ! behüt mich GOtt vor dir / und
machte dieser Martis- Sohn mehr als 3 .
Creutz / von Hertzen wünschende / daß es
die Stund schlüge / damit er abgelöset und
zugleich von diesem Abentheuer erlöset
würde / ingedenck / daß ihm mehr denn eine
Katz Abjectus est clypeus
fortium .
2 . Reg . Sam. c . 1 . v . 21 .
Mars hin , Mars her , Mors gilt noch mehr .
✾ ✾ ✾ 55
Katz den Buckel hinauf geloffen / und weil
ihm ein Schauer über den andern ankom
men / zum Anzeichen / daß / so offt der Tod
ihm über sein Grab geschritten / habe er
nur an den Tod zu dencken .
Allein was ? Jch soll mich für den Tod
fürchten ? Jch / der ich so viele Feldzüge ge
than / so mancher Bataille und Belage
rung / Parthey und Rencontre beyge
wohnt / und wie eine Mauer gestanden / ja
biß aufs Blut gekämpffet / so viel Stich
und Hieb / Schuß und Bomben=Ohrfeigen
gekriegt / und also nie Feuer / noch Tod / ge
fürchtet / soll ich mich jetzt vor dem General
Haut und Bein fürchten ? Mit nichten !
heraus du Reuter auf dem fahlen Pferd !
heraus du Soldaten Feind ! wie es meinen
Cameraden ergangen / so gehe es mir auch .
Jch fürchte mich nicht für dir / du Marode-
Reuter und Strassen-Rauber ! Hab ich
so manchem Türcken-Kopff auf meinem
Säbel getragen / so manchen Rebellen er
legt / so manchen Frantzosen Gras lehren
fressen / so offt mit Läusen / Hunger und
Durst / Hitz und Frost chargi rt / und jetzt
soll ich mich weich finden lassen ! heraus du
Hund ! ich wehr mich biß auf den letzten
Bluts-Tropffen .
D 4
Al=
56
✾ ✾ ✾
Allein Mitten in solchem Combat
kommt ein Pfeil / und macht alles Pralens
ein End . Die Ronde kommt / und findet
diesen tapffern Herrn frist mich nicht / am
Schiller=Häußlein / eißkalt erstart und ge
frohren / lehnend . Denn / O wie viele hat
man auf der Schildwacht also gefunden .
Ein grosser General / von Pfeil des
Todes getroffen / schreibt zwar aus Man
gel Feder und Dinten / auf seinen Schild /
mit einem / in seinen Wunden Blut / einge
tauchten Finger : Invictus morior , aber
indem er solches schreibt / verrathet er / daß
er vom Tod überwunden worden ; und
bleibt also dabey :
Mars hin Mars her /
Mors gilt noch mehr .
Num.
Suspensus est igitur
Aman .
Esth . c 7 . v . 10 .
Auch der Hofman̅ der so stutzt wird vom schnellen Tod getrutzt .
✾ ✾ ✾
57
Num . 14 .
Suspensus igitur Haman .
Esth . 7 . v . 10 .
Auch der Hofmann / der so stutzt / Wird von schnellem Tod ge
trutzt .
AUs dem Weg ! macht Platz ! Jhr
Hochgräfliche Excellen tz / der gehei
me Rath / der hohe Officiant und
der grosse Staats=Mann kommt / ziehet
den Hut ab / macht Reverentz / biß auf die
lincke Kniescheiben ; seht / welche ein gros
ser Haman , den der König ehren will : betet
an / denn der König hats gebotten / vor
dem müssen sich gantze Völcker fürchten /
den er gilt alles . Er ist das Factotum , er
hat des Königs Hertz in Händen . Siehe /
da kommen Supplicant en / dorten unter
thänige Vasallen . Hier sitzt Absolons Af
fe und wartet / wenn jemand einen Han
D 5 del 58 ✾ ✾ ✾
del hätte / daß er zum Könige vor Gericht
kommen sollte / und rufft sie zu sich / und
spricht : Aus welcher Stadt bist du / wann
er dann spricht : ich bin aus dem Stamm
Jsrael aus Jtalien / Teutschland einer / ant
wortet er ihm : Siehe deine Sache ist recht
und schlecht ; aber du hast keine Audien tz
beym Könige . Jch will dir præter prop
ter schon helffen : O wer setzet mich zum
Richter im Lande / daß jedermann zu mir
käme / der eine rechte Sache hat / daß ich
ihm helffe ? 4 . Könige 15 . Aber du Poly
pragmon ! wo steigst du hin ? weisst du nicht :
wer hoch steigt / der fällt oder hängt hoch ?
denckst du nicht an den hochansehligen
Amon , und viel andere hochgestiegene
Staat= und Stands=Ragett en / mit denen
es geheissen : Dum splendet frangitur . Ju
das der Ertz=Schelm hat aus Ehr= und
Geld=Geitz seinem Herrn und dem gantzen
hochwürdigen Collegio , den Heiligen Apo
steln vorschreiben wollen / wie man das Nar
den=Wasser besser amploi ren und vor
theuer Geld verkauffen sollte ; er machte
mit denen beschnittenen Hohen Priestern
eine Verrätherey / spickte seinen Beutel
und schmerbte seinen Barbarossen aufs be
ste ✾ ✾ ✾ 59
ste / aber wie ist ihm solcher Staats=Streich
gelungen ? Er starb wie Ahitophel , und ei
ne Amsel in der Schnatt / ein Fuchs in der
Fallen / und ein Hecht an der Angel .
Mancher Hof=Fuchsschwantz blässet
sich auf wie ein Dudel=Sack / und startzt
wie eine gefrohrne Köhl=Stauden / die
Strassen sind ihm zu eng / die Hosen sind
ihm zu schmahl / so daß man besorgen muß /
er dörffte wie ein überfüllter Säusack zer
börsten . Er steckt im Sammet und Sei
den / in Pracht und Herrlichkeit wie ein
Pfau in seinen Federn und ein Stachel=
Schwein in seiner Rüst=Kammer / und
will / wie ein neuer Heiliger / angebe
tet / verehret / beschenckt und gefeyret
werden .
Ach aber / wie lange währet solcher
Bauernstoltz ? wie alles seine Zeit hat so
hat auch solcher Hochmuth seine Zeit / und
nimmt ein Ende mit Schrecken wie ein Or
log=Schiff / darinnen Feuer in die Pulver=
Kammer kommen . Wann man hinter
seine Spring kommt / und offtmals nur
ein Füncklein Warheit und Gerechtigkeit /
seine heimtückische verborgene Mordbren
nerey= 60 ✾ ✾ ✾
nereyen angreifft / so geht alles in die
Lufft und in Stücken / Ehre / Credit ,
Macht und Kunst / Staat und Prah
lerey .
O wie viel sind schon solcher Staats=
Stutzer in Teutschland und Engelland /
Spanien und Franckreich zwischen Him
mel und Erden arresti rt / oder sonst wie die
Pickling / aufgehängt worden .
Wie es aber bey Hof viel Aemt
lein gibt / und selten ein Aemtlein ist /
das nicht Hängens werth / also giebt es
auch kleine / mittelmässige und grosse Hof=
Stutzer / grosser Herrn Haarstutzer und
Schuchbutzer / Schwammendrücker und
Strimpfflicker / Dinten=Lecker und Pa
pier=Verderber / Quint enmacher und Lü
gen=Drechsler / die aber alle einen solchen
ansehnlichen Staat führen / gantze Scho
ber Heu auf dem Kopff tragen / und so vol
ler Haar=Puder sind als eine Maus so
aus dem Beutel=Kasten / und ein Arcadi
sches Pferd / so aus der Mühl entloffen .
Fragt man : wo kommt dieser Pral=
Hanns zu solchem Staat / ist er doch vor
weniger Zeit des Hunds=Jungens Jung /
oder ✾ ✾ ✾ 61
oder wanns hoch kommt / dieses oder je
nes Herrn Laquey oder Kammer=Die
ner / Amanuensis , oder Universal-Ser
viteur gewesen ? da bekommt man bald zur
Antwort : Er ist wegen einer glückli
chen Mariage oder anderer Heimtragerey
und sonderbahrer Treu so hoch recom
mendi rt und promovi rt worden ; er sitzt in
Röhren und kan sich Pfeiffen schneiden wie
er will . Er hat dieses galante Aemtlein / sein
Weib verdient viel neben her / er hat
viel Schwäger / aber nur einem Schwähr .
Wiewohl er dennoch seinen prächtigen
Habit / von der Fuß=Solen an / biß ü
bers Haupt noch schuldig ist / und solchen
lieber mit vielen höflichen Complimen
ten als harten Thalern bezahlen woll
te / wenn ihn nur der verdrießliche Credi
tor quitti ren wollte . Da heissts recht :
Es ist nicht alles Gold was gleisst .
Was haben aber endlich alle solche
Hoff=Stutzer und ehrlicher Leuth=Trutzer
davon ? Ein böses Gewissen / die Haut
voll Schelmen / wo nicht dem Strick /
doch das Glück / daß sie wie die Katz
aus dem Tauben=Schlag / mehrentheils
sine 62 ✾ ✾ ✾
sine lux & sine Crux , wie jene Latenische
Dorf=Schulmeister gereimt / quasi incog
nito , aus der Welt schleichen und so viel
Ruhm hinter sich lassen / als der Teuffel=
Stanck / wann er per Exorcismum , aus ei
ner alten Capelle / verjagt worden .
Denn :
Auch der Hofmann / der so
stutzt /
Wird von schnellem Tod ge
trutzt .
Num.
Et sic repentè præci
pitas me .
Job . cap . 10 . v . 8 .
Offt mancher trinckt , Todt nider sinckt .
✾ ✾ ✾
63
Num . 15 .
Et sic repentæ precipitas
me .
Job . 10 . v . 8 .
Offt mancher trinckt / Todt nieder sinckt .
MAn sagt mir wohl von zu viel Trin
cken / aber nicht von viel Dürsten .
Der Durst ist eine grosse Qual /
absonderlich wenn es einem geht / wie je
nem Edelmann / welcher geklagt / daß man
ihn zu Nacht im Schlaff so sehr Durst ley
den lassen / und also sein Diener sich erbot
ten : Jhr Gnaden sollten nur befehlen / wenn
er ihm zu trincken bringen sollte / geant
wortet : Hanns / weck mich auf / wenn du
wilst / so dursts mich .
Es ist aber hierinnen nichts so schul
dig als die böse Gewohnheit . Es werden
heutiges Tags in allen Religionen / viel
gefunden / noch mehr aber der Nassen=
Brü= 64 ✾ ✾ ✾
Brüder / so wie Frösche immer am oder im
Wasser / sondern in Wein und Bier=Ge
lagen sitzen / und ziehen / daß sie erschwar
tzen mögten . Coax en / schwätzen und
schreyen / als wenn sie es den Nachtigalen
zuvorthun wollten . Wenn mancher
nicht schwimmen kan / in all dem Liqui
do , Bier / Wein / Theè , Caffeè , Cho
ckelate , Rossolis und dergleichen / so er
Zeit Lebens ausgetruncken / wenn es zu
sammen in einem tieffen Ort geleitet würde /
baden solten / so ist zu fürchten / er dürffte da
rinnen ersauffen müssen . Allein sie ersauffen
dennoch zu letzt : Wenn sie auch sonsten
trotz einem Meer=Schwein schwimmen /
und ihre Ruhe in solcher Bewegung fin
den können / denn wenn ein Schiff gar
zu viel Wasser einnimmt / muß es endlich
versincken / und hilfft offt das Pump
werck weniger als nichts . Wenn die
Menschen aus der Wein= und Biersucht
die Wassersucht bekommen / klagen sie
sehr über suppressionen Urinæ , und werden
durstiger als sie zuvor gewesen / biß sie
von dem Durst verschmachten müssen .
Es ersauffen des Jahrs zwar viele
Leuthe / wie wohl ungerne im Wasser ;
aber ✾ ✾ ✾ 65
aber noch vielmehr und zwar muthwillig
in Wein / Bier / Brandwein und der
gleichen r c. die grossen Gesundheit=Glä
ser haben mehr Menschen verschlungen /
als der Strudel in der Donau / und der
See=Würbel in Norwegen / sie sollen
Kranckheit=Gläser heissen und Charons -
Schiffe / die einen in die andere Welt
führen . Jener desperate Kauffmanns=
Diener hat nach eingenom̅enem Schmauß
und Sauß sich gar einen überflüs
sigen Schlaff=Trunck belieben lassen / in
dem er die Spiel=Leuth mit ihm zu einem
Schiffreichen Fluß geführet / und daselbst
tapffer aufmachen lassen / auch ihnen zu
guter Letze noch einen Thaler zugeworffen
und so gleich in der Tieffe des Wassers sich
vorsetzlich ersäufft . Was thun die leben
dige Wein= und Bierschleuche / die sich ein
Ronda nach dem andern hinein machen
lassen / anders als dieser verzweiffelte
Sauf=Teuffel gethan !
Manche halten viel auf schöne gülde
ne und silberne Trinck=Geschirr / son
derlich auf schöne Cristallene künstlich ge
schnittene und mit Sinnreichen Emblema-
E tibus 66 ✾ ✾ ✾
tibus gezierte Gläser / und schaffen sich
gantze Bibliothecken davon / man könnte
aber manchen solchen Liebhaber fragen /
wie jener Philosophus einen so ihm ein son
derbar kostbar und schönes Trinck=Ge
schier / als ein Rarität gezeuget : Quot
Dominos occidit hoc poculum ? O es
sind solche irritamenta malorum nichts
anderst als instrumenta mortis .
Der König Belzac hat an seinem
Hof auch diese Pestilentz / auszusauffen
was voll eingeschenck worden / zu seinem
grossen Schade̅ eingeführt / und ein böß Ex
empel gegeben / nach welchem man sich an
den meinsten Höfen grosser Herren rich
tet und Sauf=Helden machet / über wel
che doch der eifferige Prophet Esaias am
5 . Capitel vers . 11 . und 12 . das Weh
ausgeruffen : Weh euch / die ihr des
Morgens früh aufstehet / der Truncken
heit nachzugehen / und zu sauffen biß auf
den Abend / anf auf daß ihr von Wein er
hitzet werdet . Jhr habt Harpffen und
Trummeln / und Leyern und Pfeiffen / und
Wein in euern Zechen .
Allein
✾ ✾ ✾
67
Allein was hilffts ? der Apostel war
net auch darfür daß man sich nicht voll
sauffen soll / weil ein liederlich unordent
lich Leben daraus erfolget / ja er schreibt
ausdrücklich / die Trunckenbolde sollen das
Reich GOttes nicht ererben : dennoch ist
nichts gemeiners fast aller Orten ; wenn
GOTT nicht versprochen hätte / er
wollte keine Sündflut mehr über den
Erdboden kommen lassen / so könnte man
gefürchtet haben / er dürffte sie den dürff
tigen Brüdern zur Straffe / noch ein
mahl verhängen / damit sie sich genug sauf
fen möchten .
Es hat aber GOTT der HERR
schon ein ander ein ander Straffmittel an dem ver
dammten Schlemmer in der Hölle gewie
sen / der / im höchsten Durst / nach einem
Tröpfflein Wassers vergeblich gelechzet /
da er zuvor in Wein geschwommen / und
als ein guter Bassist manchen Bassaui schen
Vertrag wird haben machen helffen . Man
lieset nicht / daß sich jemahls eine Kuh zu
todt gesoffen / aber leyder / sind alle Hi
storien voll / wie sich so viele auch tapffere
Leuthe schändlich zu todt gesoffen / oder
E 2 von 68 ✾ ✾ ✾
von andern mit salus und profit in die an
dere Welt fortgeschicket worden . Zumah
len öffters eben der effect erfolgt / als wenn
einer einen Becher voll Gifft ausgetrun
cken / und todt zur Erden gesuncken ist .
Deßwegen Astiages nicht Wein trincken
wollen / weil er geglaubt / er führe Gifft
mit sich / und mache die Leuthe rasend ; noch
weniger wird er Wein getruncken haben /
wenn er gesehen / wie öffters sich manche
den schnellen Tod über den Hals gezogen .
Denn :
Offt mancher trinckt /
Todt niedersinckt
.
Num.
In mortibus civium suorum .
Levit . c . 21 . v . 1 .
Burger fahre dort und hier du fliehst dennoch nicht von mir .
✾ ✾ ✾
69
Num . 16 .
In mortibus civium suorum .
Levit . 21 . v . 1 .
Burger / fahre dort und hier / Du fleuchst dennoch nicht vor mir .
EJn EIn erbahrer bürgerlicher Mantel
und redlicher Handel und Nah
rung / wie er Namen haben mag / ist
fast der glückseeligste Stand in der Welt /
und haben solche Leute nicht halb so viel
Sorgen und Verantwortungen auf ihnen
als geistliche und weltliche Regenten und
Herren ; denn die Seelen und Landes=
Sorgen sind die grösten und schwehrsten .
Ein Handelsmann expedi rt seine Brieffe /
und vertauscht seine Waaren / so er redlich
und mit redlichen Leuten handelt / ist er mit
mittelmässigem Profit zu frieden . Laufft er
aber mit dem Juden=Spieß / und sucht mit
Gewalt reich zu werden per fas & nefas , so
macht er sich selber viel vergebliche Unruh
und schwehre Sorgen / und kan niemand als
E 3 sich 70 ✾ ✾ ✾
sich selber die Schuld seiner Beschweh
rung beymessen . Ein Krämmer erwar
tet der Kauffer / und wenn er nicht Mäuß=
Pillen für Pfeffer verkaufft / noch falsche
Waar / Maaß und Gewicht führet / son
dern was recht und billich ist / jedermann zu
kommen läst / kan ohne grosses Kopffreissen /
in seinem Kram / manches Profitigen ma
chen / da ein betriegerischer Filtz nicht hin
dencken darff .
Ein Künstler / Handwercks=Mann /
welcherley Profession er auch zugethan ist /
wo er nicht lieber schläfft und saufft / als ar
beitet und spahret / kan sich des Seegens
GOttes täglich getrösten / da mancher ar
me Bauer und Soldat mit Frohnen und
Wachen / Marchiren und Strapatzieren
ärger geplagt wird / als die Stockfische auf
der Hammer=Mühl . Daß aber viele Bur
ger mit ihrem Stand nicht zufrieden seyn /
sondern immer höher steigen und grosse
Herren / Edelleut und dergleichen werden
wollen / das lehrt zwar die tägliche Erfah
rung . Allein O wie manchem gehts / wie
des Æsopi Dächslein / der nach den Schat
ten geschnappt und das Fleisch in dem Bach
fallen lassen ! wenn darnach der Pracht und
Hoch= ✾ ✾ ✾ 71
Hochmuth / das Wohlleben / Spatziernge
hen und Popitzen dazu kommt / so heist bey
solchen Einbildern / Edelmann / Bettel
mann / Stockfisch / da trägt der Jud eins
nach dem andern hin / die Kleider / Bett /
Kupffer und auch das Zihn . Da machen
die Handwercker liederliche Arbeit / und
geben um halb Geld dahin / verderben sich
und andere mit ihnen / der Kauffmann ver
liehrt mit solchem bösen Gut / Credit und
Profit im Land / und fallen endlich in
Schulden und Armuth / daß weder der eine
noch der ander etwas hat . Weib und Kin
der sind des reichlichen Haushaltens ge
wohnt / und treiben öffters die Männer zu
solchen Practiquen und Hildperts=Griffen
an / daß sie verkauffen und entlauffen müs
sen : Da heists darnach / O des bösen
Weibs ! O der Hoffärtigen Kinder / nie
mand bringet mich in solch Unglück / als die
Meinigen / ich bin vor wenig Jahren so und
so gestanden / habe die Wochen so viel ver
dient / habe so viel ererbt / so viel erspahrt /
aber jetzt ist die Spahr=Büchse zerbrochen /
und samt der Bahrschafft in nichts verme
tamorphisi rt worden / darauf laufft man
die Allmosen an / will sich in die Spitäler
E 4 reti= 72 ✾ ✾ ✾
retiriren und post festum fasten lernen /
oder in dieses oder jenes Hängens=würdige
Aemtlein einschleichen / allerley verwegene
unzulässige Professionen treiben / biß man
sie auf die Finger / oder gar auf den Buckel
klopfft / daß ihnen die Schwarten kracht ;
Wenn manche aber alles versucht / über
Berg und Thal herum gezogen / sich in bes
sern Stand zu setzen / so begegnet ihnen end
lich der Tod / und sagt so wohl glücklichen
als unglücklichen / guten als liederlichen
Bürgern unter das Gesicht :
Burger / fahre dort und hier /
Du fleuchst dennoch nicht
vor mir .
Num.
Tanquam vas figuli con
fringet .
Psal . 2 .
Betracht es wohl und dich nit irr Du bist des Haffners blöds Geschirr .
✾ ✾ ✾
73
Num . 17 .
Tamquam vas figuli con
fringet .
Psalm 2 . v . 9 .
Betracht dich wohl und dich nicht irr / Du bist des Hafners blöds Geschirr .
DEr Allmächtige Schöpffer war
gleich Anfangs ein Töpffer / und
hat den Adam / aus einer rothen
Erden gemacht / und ist also der Mensch
nichts anders / als ein Leimen=Patz / ein er
denes Gefäß / welches leichtlich zu Trüm
mern gehet / wie ein blödes Werck und ge
brechlicher Hutzel=Hafen . GOtt wird
zwar / beym Propheten Jesaia und Jere
mia / und sonst öffter in H . Schrifft / mit ei
nem Töpffer verglichen / der allerley grosse
und kleine Geschirr / zu Ehren und Uneh
ren / machen kan / aber beym Esa . 30 . Cap .
wird er einem / der die Töpff wieder wacker
zerschmeissen und zertrümmern kan / der ein
E 5 gan= 74 ✾ ✾ ✾
gantzes Volck wie einen Topffe zerschmet
tern will / den man zerstösst und sein nicht
achtet / also / daß man von seinem Hafen=
Scherben nicht einen so gantz findet / darin
nen man nur Feuer vom Heerde wegholen /
oder Wasser aus dem Brunnen schöpffen
könnte . So muß der Topff wieder zu Er
den werden / daraus er gemacht ist / und
wenn ein Mensch noch so lang lebet / und
als ein guter Fleisch=Hafen oder Wasser=
Krug lang gehalten / so wird doch das
Sprichwort endlich an ihm erfüllet : Der
Topff und Krug gehet so lange zum Ofen=
Loch und Brunnen / biß er zerbricht . Da
mancher böser Bub darüber lacht / manch
böses Weib aber darüber flucht oder schilt .
Es giebt zwar heutiges Tags / wie ehe
dessen bey denen Römern / gar künstliche
Töpffer / die von andern Leimen=Händlern /
als wie die Goldschmid von dem Grob
schmieden / unterschieden seyn wollen :
Welche nicht mit rothen / schlechten / Dohn /
wie andere Schmierhaintzen umgehen /
sondern mit Porcellan / nicht zwar mit
Bayrischen / sondern mit Holländischen / ja
gar Jndianischen / Chinesischen zierlich for
mirten und gemahlten Nacht=Geschirren /
Schal= ✾ ✾ ✾ 75
Schallen und Tellern / Köpigen und der
gleichen Raritäten handeln und prangen ;
wenn mans aber beym Liecht besiht / so ist
einer so wohl ein schmieriger Töpffer / als
der ander / und bricht des einen Arbeit so
leicht / als des andern zu vielen Stücken .
Wenn eine Holländische oder Jndianische
Schaale vom Tisch hinab fällt / so giebts
Trümmer / und zwar offtmals eher / als von
teutschen / groben / starcken Geschirr zu be
fürchten .
Diese Töpffer und Töpffe bilden uns
gar ähnlich die eitle Impression , die sich
ein sterblicher Menschen=Kopff und zer
brechlicher Topff / vor dem andern machet /
da immer einer besser / angesehener / edler
und hochschätzbahrer seyn will / als der an
dere . Da sie doch alle aus einer Mutter
der Erden entsprungen / und einer so wohl
aus Laimen possi rt worden als der andere .
Erd ist Erd / sie sey weiß oder roth / gelb oder
schwartz / ja der Dauerhafftigkeit nach hält
offt ein Bauern Milch=Hafen länger und
besser als eine Königl . Confect=Schaale .
Glück und Glas / wie bald bricht das ? Kopf
und Topff wie bald bricht der ? Reimt sich
zwar nicht / ist aber doch wahr / Glück und
Schaalen ( wer lacht / muß zahlen ) brechen
allzumalen .
Es
76
✾ ✾ ✾
Es haben lustige Studen ten einsten / auf
einem Jahr=Marck einem Töpffer sein üb
riges Geschirr / so er nicht gar verkauffen
können / überhaubts abgekaufft / und ange
fangen einen Topff / eine Schüssel / Deller
und Napf nach dem andern zu zerschmeissen /
als nun die armen Weiber solche Unbarm
hertzigkeit gegen die unschuldigen Geschirr
gesehen / sind sie zugelauffen / und haben die
selben retten / erbitten und erbetten wollen /
allein sie haben wenig oder nichts erhalten .
Was thut der Tod anders / wenn er bald
grosse / bald kleine Menschen=Köpffe als
Töpffe zerschmeist / und unerachtet man
che liebe Mutter für ihre zarte Kinder fle
hentlich bitten / manche Kinder für ihre El
tern und Geschwistrigt / so ist doch der Tod
gantz unerbittlich / er macht allenthalben
Trümmer / und achtet nicht / ob man dar
über weint oder lacht Tanquam vas figuli
confringit .
Betracht dich wohl / und dich
nicht irr /
Du bist des Hafners blöds
Geschirr
.
Num.
Numerus mensium ejus
apud te est .
Job . c . 14 . v . 5 .
Wan̅ du stirbst , das ist verborgen , drum steh im̅er fort in Sorgen .
✾ ✾ ✾
77
Num . 18 .
Numerus mensium apud
te est .
Job . 14 . v . 5 .
Wann du stirbst / ist dir ver
borgen / Drum steh immerfort in Sorgen .
DJe DIe Stern=Gucker habens weit ge
bracht / sie können schon zum vor
aus wissen und unfehlbar ausrech
nen / wenn die Sonne oder der Mond soll
halb oder gantz / ein Trittel oder Viertel
verfinstert werden / an welchem himmli
schen Zeichen / in welchem Monat / an wel
chem Tag / in welcher Stund / vierthel
Stund / ja fast in welcher Minuten / über 1 .
10 . 20 . 30 . 100 . und mehr Jahr solche Fin
sternüssen sich ereignen werden / aber die
Stund ihres Todes können sie nicht wissen /
und wenn alle Albahazer , Halo und Nati
vi tät=Steller ihre Häfelein zusammen trü
gen / und alle Zigeuner und höllische Mord
bren= 78 ✾ ✾ ✾
brenner ihre Kräfften 10 . Joch Ochsen
weiß / anspanneten / würden sie ihrer oder
anderer Sterbens=Stunde eben so wenig
zuvor wissen können / als sie zuvor ihre eige
ne Geburts=Stunde gewust haben . Der
Mensch kommt in die Welt / und weiß we
der wenn oder wie / er kommt aus der Welt
und und und weiß nicht wenn oder wie . Mei
ne Zeit stehet in deinen Händen / sagt Da
vid / als wenn GOtt eine Sonnen Uhr in
seiner Hand / mit denen gewissen Stund=Li
nien hätte / wie er ohnedem beym Esaia
gesagt / daß er uns in seine Hände gezeich
net / alle Stunden vor Augen habe / und al
lein wisse / wenn unsere letzte Stund herbey
komme . Denn seiner Vorsehung und All
wissenheit ist nichts verborgen . Diese All
wissenschafft GOttes und Allunwissenheit
der Menschen hat schon manchen gelehrten
frommen / auch grossen und gekrönten
Häubtern / nicht geringe Grillen in Kopff /
und Mücken ins Hertz gesetzt . Wie viel
haben sie deswegen studi rt / lucubri rt /
disputi rt / spintisi rt / haselirt / spendi rt und
critisi rt. Die besten Hertzens=Freunde /
Ehegatten und Bluts= und Muths=Freun
de / haben es mit einander angelegt und ein
ander ✾ ✾ ✾ 79
ander bey vielen Contestationen , mit Hertz /
Mund und Hand / versprochen / sie wollen /
8 . 6 . 4 . 2 . Täge / welcher Theil eher / als
der andere stirbt / kommen / und den Uber
bleibenden / wegen seines herannahenden
Todes erinnern : Aber es ist keiner kom
men / und hat sein Versprechen gehalten /
auch nicht halten können ; denn kein Engel
im Himmel weiß / wie viel weniger eine
Menschen=Seele / wenn dieses oder jenes
Menschen Todes=Stunde præcise einfällt /
sondern nur allein GOtt . Wann ja zu
weilen jemand in eines solchen Freundes
Gestalt erschienen / so ists vielleicht ein An
zeichen gewesen / daß der Verstorbene in
einen solchen Quartier einlogirt / da der
Wirth ein Lügner und Mörder von An
fang gewesen / und einen solchen verwege
nen Menschen / mit lauter Betrug / geäffet /
oder da er als eine listige alte Schlange aus
natürlichen Ursachen / wohl abnehmen kön
nen / zu spat und recht zur Unzeit einige
zweydeutige Anzeigen gegeben / die aber
denselben wenig / ja nichts mehr nutzen noch
helffen können . Was An . 1090 . zu Nante
in Bretagne mit zweyen solchen verwegenen
Personen vorgegangen / und was der letz
tere 80 ✾ ✾ ✾
tere für schlechten Nutzen davon gehabt /
solches ist aus Vincentii Histori en=Spiegel
zu sehen . Diß sind Versuchungen GOt
tes und thörigte Rathschläge der sichern
Welt=Kinder / die gern gottloß leben / aber
seelig sterben möchten / Nein ! GOtt hat
schon einen Riegel vorgeschoben / und Le
bens= und Sterbens=Stunden der Men
schen / ihm als ein besonder Regale , vorbe
halten / und in Deut . 18 . ausdrücklich ver
botten / daß man die Todten nicht fragen /
und also auch keine Antwort von ihnen er
warten sollen . Zu einem besondern Ab
sehen / wie der H . Augustinus angezeigt / da
er geschrieben : Latet ultima aut observetur
omnis . Deßwegen soll man jede Stund
für die letzte halten / da es heissen dörffte :
Punctum !
Wenn du stirbst / ist dir ver
borgen /
Drum steh immerfort in
Sorgen
.
Num.
Utinam saperent ac novissima
providerent .
Deut . c . 32 . v . 29 .
Sie sind so sehr vermessen , weil Sie dess Tods vergessen .
✾ ✾ ✾
81
Num . 19 .
Utinam saperent ac Novis
sima providerent !
Deut . 32 . v . 29 .
Sie sind so sehr vermessen / Weil sie des Tods verges
sen .
TAntz Dockele tantz / und vertantz
dein Crantz / spring / und verstol
per die Ehr / der Tod ist Spiel
mann und Tantz=Meister . Setz die Füß
fein zierlich / die pas müssen fein nach der
Mensur gehen / mach die Coupée fein sachte
wende kein Aug von deinem Spaß=Galan /
kehr ihm ja den Rücken nicht zu / mache ei
ne einfache / eine gedoppelte Tour . Trag
den Kopff wie ein Pfau in der Höhe / spring
wacker / schneid Capriol en / merck drauf !
jetzt spielt man ein Menuet , ein Bourée , ei
nen Französischen / einen Spanischen / einen
F Teut= 82 ✾ ✾ ✾
Teutschen in folio . Aber was ist das ? der
Pfeiffer macht zu letzt eine Courante , da sie
doch sonst zu erst pflegen getantzt zu werden
laufft ! laufft ! rufft der Tod / curre cito .
Der Tantz ist aus / fort mit mir nach Haus !
wohin ! ins Todten=Haus / ins Bein Haus .
Wiewiel Wieviel sind also über dem Tantzen plötz
lich gestorben / und haben aus dieser Welt
hinaus getantzt ! wohin ? Vielleicht dahin /
da die Teuffel auf dem Gesimse tantzen /
und der Vizlipuzli , nebst seinen Camera
den / auf dem Bock blasen / daß sie gantz
schwartz werden . Das heisst seine Ehr
sein Leben / ja seine Seeligkeit vertantzt .
Es muß wunderlich ausgesehen haben /
wenn als Alexander der dritte König in
Schottland / mit seiner Braut / nebst vie
len andern vornehmen / und Adelichen
Personen getantzt / und der langbeinigte
Capriolen-Schneider mit seiner Scheer
oder Sensen / wie man sie sonst pflegt in
Lebens=größ abzumahlen / hinter ihm her
gehupfft / was hats aber bedeutet ? noch
im selbigen Jahr ist er ums Leben kommen /
und hat mit dem Tod selbst eine Courant
machen müssen .
Wäre wohl zu wünschen / daß auf al
len ✾ ✾ ✾ 83
len Tantz=Böden des gelehrten Erasmi
Philosophia sacra , wie man sich zum Tod
bereiten solle / abgemahlet würde / da er den
Tod in allen Geistlichen und Weltl . Stän
den / hohen und niedern Personen / recht
nachdencklich abgebildet / und jedermann
zeiget / daß er nirgend vor dem Tod sicher
sey . Päbst / Käyser / Könige / Fürsten /
Edelleut / Burger und Bauren / Do
ctores und Narren / Riesen und Haasen
müssen alle an den Todten=Tantz . König
Alphonsus hat nicht allein zugeben / daß das
Tantzen eine erbare Thorheit seye / son
dern geurtheilet / es wäre zwischen einem
Tantzer und einem Naren kein anderer Un
terschied / als daß der eine sein Lebtag nar
ret / der ander aber / so lang er tantzet . Zum
wenigsten / wenn einer die Ohren zuhält
und bloß mit den Augen allein von Tantz
judici rt / wird man dessen Eitelkeit am be
sten erkennen können / und auf die Gedan
cken kommen / es müssen diejenigen / so also
hupffen / tantzen / sich drehen / schwingen
und springen / etwan im Hirn nicht recht
verwahrt / oder von der Tarantula gesto
chen worden seyn . Daß aber / wo Uppig
keit / Geilheit und Hoffart mittantzet / nicht
F 2 al= 84 ✾ ✾ ✾
allein der Tod / sondern auch der Teuffel
mit tantze / daran ist gantz kein Zweiffel /
absonderlich wenn es am Sabbath=Tag
geschiehet / und Venus / Bacchus und Mars
den Reyhen führen / und eine Dina oder
der Herodias Töchterlein um den Vorzug
certi ren. Diß Tantze=Dockele / der Hero
dias Töchterlein / so dem Heiligen Johanni
dem Täuffer den Kopff abgetantzt / hat / wie
Nicephorus berichtet / auch ohne Kopff
tantzen müssen / indem einsten das Eiß mit
ihr eingebrochen und ihr den Kopff abge
schnitten / daß derselbe ober dem Eiß ge
tantzt / der Rumpf aber unter dem Eiß
fort capriolisi ren müssen . Wo sie jetzt / der
Seelen nach / tantzt / ist leicht zu schliessen .
Sie sind so sehr vermessen /
Weil sie des Tods vergessen .
Num.
Defecit spiritus meus
Psal . 76 . v . 4 .
Der Geist ist hinaus , nun ist der Köraus .
✾ ✾ ✾
85
Num . 20 .
Defecit spiritus meus .
Psalm 76 . v . 4 .
Der Geist ist hinaus / Nun ist der Kehraus .
WJe WIe es denen Tantzern gehet / so
gehets auch den Spielleuten . Sie
Pfeiffen hernach auf der Sack=
Pfeiffen oder Hobboyen / sie fingern auf
der Leyern oder Lauten / auf der Viola di
Camba oder Violino . Ehe sie sichs ver
sehen / reisst der Tod die Säiten entzwey /
sticht ein Loch in die Sack=Pfeiffen / zer
bricht das Spiel / und stimmt ein Lamento
nach dem andern an / daß man nichts als
Klagen / Weinen und Heulen höret . Da hat
sichs dann ausgepfiffen / ausgeblasen / aus
geleyert / ausgefingert / ausgegeigt / aus
gefidelt und gedudelt / ausgeklämpert /
ausgeschlagen und gehackbretelt . Da
hat wohl manchmal der den Bocks=Pfeiffer
samt seinem Bock / der Bock geholt . Die
Wald=Hörner / Clarinetten / Fagotten /
F 3 Chal= 86 ✾ ✾ ✾
Chalmoen / von der Trompeten an biß
auf die Maul=Drommel sind den Harpffen
gleich / so die weinenden Jsraeliten / an dem
Wasser zu Babel / an die Weyden gehan
gen haben . Da folgt dann die stille Musica :
die Lunge / das ist / die Lateinische Sackpfeif
fe / welche dem Æolo nichts nachgeben / ist
so lumpicht und verschrumpfft / als ein
welcker und leerer Juden=Beutel von ei
ner Ochsen=Blasen . Der sonst immer
feuchte / nasse und schmaltzigte Mund / ist so
dürr und trocken / wie ein alte Latwergen=
Schachtel . Die liebliche Stimme ist
verstummt / die Finger / so stetig auf der
schnellen Post Tag und Nacht gelauffen /
sind erstarret und erkrummt / die subtilst en
Ohren / so dem besten Wind=Hund nichts
nachgegeben / sind den Ohren einer tauben
Natter gleich / die vor dem Beschwörer ver
stopffet worden .
Die so manches Rondeau gemacht /
so manche Gesundheit hinein drechseln helf
fen / und an und vor sich selbsten aber der
gleichen gar nicht bedorfft / indem ihnen
Wein und Bier / sonderlich wann es Fran
cò geheißen / ohnedem gelauffen oder ge
flossen wie jenem Poeten die Verse / bey ei
ner ✾ ✾ ✾ 87
ner 3 . Mässigen Butteliæ Koscher Wein /
ohne Anstoß und beschwehrlich / sehen jetzt
so sauer drein / und so durstig und schmach
tend aus / als wenn man sie an der Son
nen gedörret / oder sie sich selbst so ausca
steyet / daß ihnen der letzte Odem ausgegan
gen ist . Jetzt heissts / Ritternello tacet . Es
gehet alles Piano und wird von keinem Alle
gro mehr gehöret / es sey dann / daß der To
den Capell=Meister mit sechzehen Theilen
und zwey und dreyssig Theilen auf das Grab
zueilet / als wenn es auf der Post gienge
da gilt kein contra punct , aber wohl der
Chöraus / so endlich unversehens auf
schnappt / und heisst Geld her ! Leben her !
Der Geist ist hinaus /
Nun ist der Kehraus .
F 4
Num.
88
✾ ✾ ✾
Num . 21 .
Non est tibi pars , neque sors .
Act . 8 . v . 21 .
Du kanst nicht dem Tod ent
fliehen / Und wirst bald den Kürtzern
ziehen .
DJe DIe breitbartigten Jüden / Hecken=
Müntzer / Geld=Scheerer / und
Gold=Beschneider / Nativität=
Steller / Wahrsager / Zeichen-Deuter /
Cristallen=Schauer / Vestmacher / Hexen=
Meister / Zauberer / Beschwörer / und was
sonst diesen Ehr=bedürfftigen Tausend=
Künstlern / von beederley Geschlecht ver
wandt und bekandt ist / sind des Teuffels
Apostel und Propheten / so er / in dieser letz
ten Zeit / in aller Welt ausgesandt / und da
durch viel tausend leichtglaubige und aber
glaubige Lappen elendiglich beschmitzet und
betrogen hat . Denn der Teuffel verstellt
sich in ihnen in einen Engel des Liechts /
und lehrt sie sonst viele andere Brod= und
Diebs= Non est tibi pars neque sors .
Act : c . 8 . v . 21 .
Du kanst dem Tod nicht entfliehen , und wirst bald den kürtzern ziehen .
✾ ✾ ✾ 89
Diebs-Künste / als Taschen-Spiele̅ / Gau
ckeln / Seiltantzen / Quacksalben / meister
lichen Lügen und Zungen-Dreschen / Kup
peln / Rauben / Stehlen / Mordbrennen /
Meuchel=Morden / Vergifften / Betrügen /
Practicken machen ; Hieher gehören auch
die / so Silber und Gold machen wollen /
doch niemals können . Pasquillanten / fal
sche Bettel- und Wechsel-Brieff / Jubilie
rer / Kux-Kräntzler / Gard-Brüder / Zei
tung-Singer / Spielewercks-Esel / Stadt-
Land-Welt- und Leut-Betrüger / Verrä
ther / die unter dem Schein eines unsträff
lichen Lebens und Wandels / alle Boßhei
ten der höllischen Schlangen heimlich und
öffentlich ausüben / und / wie der Teuffel /
alle Land umher umziehen / meynen öffters /
sie haben mit Tod / Teuffel und Höll einen
ewigen Bund gemacht / er werde sie als
Cameraden und getreue Handlanger fer
ner passi ren lassen : Deswegen leben sie
ohn alles Gewissen / ohn allen Scham und
Scheu / ohn alle Religion / ohne allen Ge
horsam / in aller Reichs-freyer Sicherheit
und Boßheit / viel Jahr dahin / und geden
cken an nichts wenigers als an den Tod /
noch weniger an den Galgen / oder an die
F 5 Hölle / 90 ✾ ✾ ✾
Hölle / als wenn sie die herrlichsten / kräff
tigsten Privilegia dawider hätten / und ihnen
weder Hencker / Tod noch Teuffel den ge
ringsten Gewalt nur anbieten / geschweige
anthun dörffte : Da doch der Hanff / daran
sie öffters in der Lufft verarresti rt werden /
schon blühet / ja schon geröst / gebrecht / ge
hechelt / gesponnen und gewunden / vom
Hencker gekaufft und solcher Execution ac
comodi rt wird ; da doch der Tod sich schon
in ihre Gruckel-Taschen Gauckel-Taschen und Schmier-
Büchsen einquartirt / und das Stüblein in
der Höll allbereit für sie geheitzt / das Bad
zubereitet / und alles zu ihren Einzug im
Gewehr und Parade stehet / sie mit einem
extraordinai ren rahren Feuerwerck zu be
willkommen . Denn je grösser und berühm
ter / wohlverdienter / lieber und getreuer
des Teuffels einer gewesen / je eine grössere
Ehrbezeugung und Freude werden die
Teuffel ohne Zweiffel beweisen / biß sie die
selbe recht in die Mitten kriegen / und ihnen
alle Adern / Nerven und Eingeweyde aus
dem Leibe haspeln / auch ihre Seelen zum
Ballen-Spielen gebrauchen / wie die heu
tigen Juden dergleichen Höllen-Straffe
vestiglich glauben : Es stehet aber denen un
glau= ✾ ✾ ✾ 91
glaubigen Christen noch grössere Höllen-
Qual bevor / so sie sich aus solcher gottlosen
Wahrsagers / Zigeuners und übrigen ob
benandter Teuffels=Zunfft nicht beyzeiten
wegbegeben / ein ordentliches Leben und
rechtschaffenes Christenthum / nach völli
ger Absagung deß Teuffels und dessen
Wercken und Wesen / anfangen / inge
denck / daß sie sonst weder Theil noch Zu
spruch zu Christo und dessen Verdienst und
allen Wohlthaten der Kirchen / noch viel
weniger zum Himmel haben : Es bleibt
sonst dabey : Non est tibi pars neque sors .
Du kanst nicht dem Tod ent
fliehen /
Und wirst bald den Kürtzern
ziehen .
Num.
92
✾ ✾ ✾
Num . 22 .
Sagittæ tuæ acutæ .
Psalm 44 . v . 6 .
Mein Pfeil ist gut / Nie fehlen thut .
DEr Tod ist ein gewieser Schütz /
trotz allen Jägern und Schützen=
Meistern / die mit einer Kugel ei
nen Vogel / einen Fisch und einen Haasen
auf einen Schuß zugleich treffen können /
wie jener / so über einen Fluß nach einem
Haasen gezielt / da inzwischen ein Vogel
zugleich in den Schuß geflogen / und ein Fisch
aus dem Wasser in die Höhe gesprungen /
so / daß er drey auf einmal erschossen : Aber
der Tod schiesst und trifft mit seinem
scharpffen Pfeil offtermals viel Haasen
und lose Vögel auf einmal / und die besten
Schützen noch dazu . Die besten Schü
tzen verfehlen offt das Schwartze / aber der
Tod niemal / sondern er schiesst auf ein Nä
gelein und trifft das Hertz ungezielet . Wie
die verliebten Affen von ihrem blinden Bo
gen= Sagittæ tuæ acutæ
Psal . 44 . v . 6 .
Mein Pfeil ist gut , nie fehlen thut .
✾ ✾ ✾ 93
gen-Schützen dichten / daß er blindlings
mehr als ein Hertz auf einmal treffe / von
welchen Patienten man insgemein sagt :
Er hat einen Schuß / der Schußbarthel .
Der H . Sebastian ist / unter dem Diocle
tiano , zwar mit vielen Pfeilen verwundet
worde̅ / aber derer / die vom Tod tödlich ver
wundet worden / und die Pfeile noch in ih
rem Leib steckend herum tragen / ist noch
mehr ; einen hat er mit dem Pfeil der Pesti
lentz getroffen / daß ihm der gifftige Pfeil
bald das Hertz gar durchbohren wird . Ein
anderer steckt voller Pfeile der Schwind-
und Wassersucht . Diesen hat er im Kopff
so getroffen / daß er den Schlagfluß / als
eine invisible Ohrfeige herum trägt / einem
andern ist er den Händen und Füssen zu na
he kommen / und hat ihn gleichsam als einen
Hüner-Geyer / an die Haus-Thür an Zip
perleins-Bett angenagelt / daß er von den
Nerven-Flüssen / welche man sonsten Po
dagra und Chiragra genennet / gantz im
moble gemacht wird / als wie die höltzern
Statua mercurialis . Manchen trifft der
Todes=Pfeil / wie die Schwalbe den
Tobias ins Aug / daß er sich in des Bar
timäi Zunfft begeben / ja gar endlich mit
gebro= 94 ✾ ✾ ✾
gebrochenen Augen die Fenster-Läden /
beym hellen liechten Tag / zumachen muß .
Manchen trifft der Französische Todes-
Pfeil / daß ihm Nasen und Hosen von Leib
faulen wollen . Manchem trifft er die Lun
ge / dem andern die Lebern / dem dritten
die Nieren und Blasen / den Collum und
Colan , und so fort an . Wie gefährlich
und gifftig diese Pfeile seyen / können wir
nur daraus schliessen / daß / da sie offt kaum
einen kleine Finger an Hand oder Fuß / ein
wenig streiffen / ein solcher Mensch am
Brand sterben muß / an einer Nagel-Wur
tzel / an einem Hüner Aug .
Am allergewiesten scheust der Tod im
Krieg / in Batallien / Belagerungen und
Rencontren / da hilfft offt kein Harnisch /
kein Vestmachen / kein Amulet / kein Ver
sprechen / weder schwartze noch weisse
Kunst . Jndem der eine nach dem andern
ziehlt / drückt der Tertius , der Tod schon loß
und läst / wie der Satan / seine feurige Pfei
le als wie die Wespen und Horneisen aus
fliegen / dem schiest er den Kopff weg / ey
das ist gar zu grob / es wäre ein Ohr genug
gewesen / einem andern einen Arm oder
Bein / ey das ist gar zu grob / es wär ein
Fin= ✾ ✾ ✾ 95
Finger genug gewesen . Da erlegt er eine
gantze Reyhe / ein gantzes Regiment / ja
wohl eine halbe oder gantze Armee / ey das
ist zu grob . Es wäre eine Compagnie ge
nug gewesen . Je mehr sich einer hinter
dem Ofen versteckt oder entfernt / je eher ihn
der Tod erlauscht / und gilt hier das Sprich
wort nicht : Weit davon ist gut vor dem
Schuß : Sondern sein Pfeil ist gut . gut.
Nie fehlen thut / weder in der Nahe noch
Ferne . Denn ohnerachtet er keine Au
gen hat / so weiß er schon das Kind im Mut
ter=Leib zu treffen / und den Diogenem in
seinem Faß / den Phaleridem in seinem
Ochsen / und den Taucher in der Tieffe des
Meers .
Mein Pfeil ist gut /
Nie fehlen thut .
Num.
96
✾ ✾ ✾
Num . 23 .
Crucior in hac flamma .
Luc . 16 . v . 24 .
Ach was leyd ich doch / Und muß leyden noch !
FEuer ! Feuer ! rufft offt ein gantzes
Haus / ein gantzes Dorff / eine gan
tze Stadt . Da laufft alles zu
und schreyt : Wasser her ! Wasser ! man
laufft / man trägt / man schleifft und fährt
Wasser zu / man geust ins Feuer / man
spricht ins Feuer / man reist gantze Häu
ser ein / es will doch offtmals nichts helf
fen / das Feuer nimmt überhand / es
schlägt zum Fenster / zum Schlot zum
Dach heraus / es greifft um sich / entzün
det gantze Strassen und Gassen / O Jam
mer / der sucht sein Weib / seine Kinder /
sein Geld und Gut zu retten / und muß
offtmals zusehen / wie das / was man am
lieb= Crucior in hac flam̅a .
Luc . c . 16 . v . 24 .
O ! was leid ich doch , und muß leiden noch .
✾ ✾ ✾ 97
liebsten hat / ersticken oder lebendig bra
ten muß . Liebster GOTT / wie ist
dein Zorn / ein Feuer=brennender Zorn !
Aber wenn dessen Zorn recht anbrennt / so
brennt er biß in die unterste Hölle !
Leibliche Feuers=Noth ist zwar er
schröcklich / aber wenn die geistliche Feuers=
Noth einbricht / da ist das leibliche Feuer
nichts dagegen / wenn das Gewissens=
Feuer unversehens aufgehet / und endlich
wenn es an rechtschaffenen Buß=Thränen
mangelt / dadurch allein dasselbe kan ge
löschet werden / wenn das höllische Feuer
dazu schlägt / da ist keine Rettung / wenn
der Rhein und Mayn / die Oder und
Donau / ja alle Meeres-Wellen zugleich lö
schen wolten / un̅ Neptunus alle seine Macht
der Heeres-Wellen zum Löschen comman
dirte / so wäre es nicht so viel / als wenn
man einen Laskopff Wassers in die gröste
Feuers-Brunst ausgösse / wenn alle Was
ser Künste und Feuer-Spritzen aus Nürn
berg und Augspurg zugleich ihre Kunst be
wiesen .
Die vergebliche thörichte Hoffnung
der verdammten Höllen-Brände können
wir nur an dem in höllischer Flamme läch
G zenden 98 ✾ ✾ ✾
zenden reichen Schlemmer beym Luc . am
16 . Cap . erkennen / welcher / als er in der
Höll und in der Quaal war / sich vergeblich
eingebildet / man könne nur / mit einem ei
nigen Tröpfflein Wassers / so viel an einem
eingetaugten Finger hangen bleibt / seine
glüende Zunge kühlen .
Als Phalaris in seinem / dem Menschli
chen Geschlecht zu Leyd / erfundenen äher
nen Ochsen / zu wohl verdienter Straff /
wegen seiner bösen und schädlichen Inven
tion , gebraten wurde / und er gerüllet und
gebrüllet wie ein Ochs / muß solche lamen
table Music , nicht wenig Schauern und
Schrecken verursacht haben ; Aber wenn
die Gottlosen und Verdammten in der
Hölle zusammen heulen / muß es warlich
viel tausendmal gräßlicher und entsetzli
cher lauten / absonderlich wenn der hölli
sche Music=Chor der Teuffel mit einstim
met / da es figuraliter und choraliter heisset :
Wir leyden Pein in dieser Flammen . Wir
Narren haben des rechten Weegs verfeh
let / und das Liecht der Gerechtigkeit hat
uns nicht geschienen / und die Sonne ist uns
nicht aufgegangen / wir haben lauter böse /
unrechte / schädliche Weege gegangen / und
haben ✾ ✾ ✾ 99
haben gewandelt wüste Umweege / aber des
HErrn Weege haben wir nicht gewust
( noch wissen wollen ) was hilfft uns nun
der Pracht / was bringt uns nun der Reich
thum / samt dem Hochmuth ? Es ist alles
dahin gefahren / wie ein Schatten / wie ein
Geschrey / das vorüberfährt / wie ein Schiff /
ein Vogel / ein Pfeil dahin fährt .
Ach weh du armer Mensch / so bist du
gar verlohren / viel besser wäre es dir / du
wärest nie gebohren / dein Quälen nimmt
kein End / dein Pein hat keine Zeit in Ewig
keit / sondern must immerdar vergeblich
klagen und seufftzen .
Ach was leyd ich doch /
Und muß leyden noch !
G 2
Num.
100
✾ ✾ ✾
Num . 24 .
Linivit lutum super ocu
los .
Joh . 9 . v . 6 .
Deß Laims vergiß nit mehr / Von welchem du kommst her .
ES wäre eine wohlfeyle Augen=
Salbe / wenn von Speichel und
Erden dergleichen könnte gemacht
werden / wie CHristus zubereitet und dem
Blind=gebohrnen armen Bettler / un
weit von Jerusalem / die Augen damit ge
schmieret / und ihn sehend gemacht . Allein
es kan solche niemand / wenn es auch der
künstlichste privilegir te und approbir te
Oculist in der Welt wäre / so kräfftig nach
machen / denn es fehlet ihnen an GOttes
Finger uneracht nichts wenigers als Ma
terie dazu fehlet .
Doch kan diese kotigte Collyrium geist
licher Weiß die Augen ziemlich aufthun /
wenn man es recht gebraucht ; wenn man
nemlich die Worte des 3 . Cap . aus dem 1 .
Buch Linivit lutum su
per oculos
Joan . 9 . v . 6 .
Des Laims vergiß nit mehr , von welchem du komst her .
✾ ✾ ✾ 101
Buch Mose / fleissig vor Augen hat : Pulvis
es , & in pulverem reverteris : Du bist
Erden und sollst zur Erden werden . Du
bist ein armer Erden=Kloß / und wirst ge
bohren nackt und bloß . Schau / dein hoher
Stamm ist doch ja entsprungen aus dem
Erden=Schlam / als es ihm gelungen . Erd
und Asche bist du doch / wärest du gleich noch
so hoch / noch so klug / noch so reich / noch
so tapffer / noch so schön / noch so gelehrt /
noch so künstlich und geschickt . Was er
hebt sich doch Erd und Asche ? ist doch der
Mensch ein schändlicher Koth / so lang er
noch lebet Eccl . 10 . Es heisst nicht nur nach
dem Tod mit ihm / wie dort von Lazaro ge
sagt und geklagt worden : Herr er stinckt
schon / sondern es heisst schon bey Lebenszeit /
von der Geburt an / biß ins Sterb=Bett /
also von jedem Menschen / er stinckt schon !
Es stinckt schon der Königliche Printz
so kräfftig / als des schlechten Mistbauerns
neugebohrner Hansel / warum ? sie sind bee
de aus einem Teich gebacken und aus Lai
me̅ posiert / ob gleich der Eine weisser / zarter /
schöner un̅ dergleichen aufgezogen kommt /
der Andere aber schwartz und ungestalt .
Denn es ist einer Erden wie der ander / und
G 3 muß 102 ✾ ✾ ✾
muß wieder zu Erden werden / wenn er
gleich von Zucker gebacken zu seyn schiene .
Verulamius erzehlet / daß er einen alten
Edelmann gekannt / der ihm alle Morgen /
wenn er aufgestanden / einen frischen Er
den=Kloß bringen lassen / daran er eine
Weile gerochen / und solches / als ein Mit
tel zur Erhaltung der Gesundheit und Ver
längerung des Lebens ausgeruffen .
Jch wollte / daß nicht allein alle Edelleu
the / sondern auch alle Käyser / Könige /
Fürsten / und Geistliche / und Weltliche / ja
alle Menschen / diese Gewohnheit hätten /
wenn es eben dem Leibe nicht zur Gesund
heit dienen sollte / so werde es doch der See
len gewißlich dienen / so sie sich dabey ihrer
Sterblichkeit / und daß sie von der Erden
ursprünglich entsprossen / und wieder Er
den werden müssen / fleissig erinnerten .
Denn der Mensch mag sich aufblasen
und brüsten wie der gröste Frosch in dem
Frösch=Krieg deß Homeri , oder ein Frosch=
Mänßler Frosch-Mäußler / der Frosch=König Laußbeck Bausback ge
nannt / so ist er doch nichts anders als ein
Erden=Kloß / welchen GOttes Hand in
kurtzen zermalmen und zu Koth und eiteln
Staub und Aschen machen wird / es fähet
ja ✾ ✾ ✾ 103
ja offtmahls mancher schon bey lebendigen
Leib an zu faulen / und wie ein Aas zu stinken
als wenn er schon 4 . Tag im Grab gelegen
wäre / so / daß er sich an wohlriechenden
Haarbudern / Zahnpulvern und Bisam=
Katzen / fast arm kaufft / wie jener Neapo
lita ner / der die Peruqu en und Haarbuder
aus dergleichen Noth soll aufgebracht ha
ben / damit die Cornua , so aus seinem Cranio
begunnten / wie die gepeltzten Bäume / in die
höhe zu wachsen / versteckt und verdeckt
würden . Denn es siehet nicht schön / wann
die Männer Hörner tragen / wie die Bö
cke / sie seyen darnach natürlich oder überna
türlich / doch nutzen die hohen gehörnten Pe
ruqu en / so gleichsam aus des Müllers
Beutel=Kasten und aus der Jesmin Fla
schen neugebohren worden / in solchem Fall
sehr viel .
Besser wäre es wann wir Erd und
Aschen auf unsere Häupter streuten / im
Sack und in der Asche mit Hiob Buß
thäte nund thäten und uns selbsten erinnerten :
Deß Laims vergiß nit mehr /
Von welchem du kommst
her
.
G 4
Num.
104
✾ ✾ ✾
Num . 25 .
Educ de custodia animam
meam .
Psalm . 141 . v . 8 .
Ein Kercker ist mein Leib / Worinn ich gerne bleib . ( Wo ich nicht gerne bleib . )
EJn EIn Vögelein in Käfig ist öffters
seines Gefängnus so gewohnt / daß
es immer frölich herum springet /
singet und jubili ret / und wenn auch zuwei
len das Thürlein / aus Unvorsichtigkeit /
offen gelassen wird / verlangt es doch nicht
heraus / sondern bleibt freywillig in solchem
Gefängnus : So machen es die Welt ver
liebten Seelen / die nicht erkennen / daß / so
lange sie in dem Leibe wohnen / sie gleichsam
in einem Kercker leben / und mit den Ketten
der fleischlichen Lüsten und Begierde̅ ange
fesselt sind / denn corpus animi carcer est ,
hat schon längsten Seneca profiti rt / und ge
schrieben : Corpus non aliter aspicio , quàm
vin- Educ de custodia ani
mam meam .
Psal . 141 . v . 8 .
Ein Kercker ist mein Leib , worin̅ ich nit gern bleib .
✾ ✾ ✾ 105
vinculum libertati meæ circumdatum .
Contemptus corporis certa libertas est . Diß
aber wolle̅ viel tausend nicht wissen / daß der
Leib der Seelen Kercker / und die gewisseste
Freyheit die Verachtung desselben sey . Wie
aber gefangene Leute arme Leute sind / also
sind wir / solang wir in diesem Elend lebe̅ / ü
bel daran / u . ist kein Wunder / wann wir aus
dieser zerbrechlichen Hütten u . baufälligem
Kercker wünschen erlöset zu seyn / mit Pau
lo seufftzende : Cupio dissolvi . Die Himm
lisch=gesinnten Seelen sind denen Vögeln
gleich / welche gern aus ihren Käfig heraus
und ihren freyen Flug in der Lufft haben
mögten / damit sie / mit der Lerche Himmel
an steigen / ihrem GOTT und HErrn ein
schönes Danck= und Lob=Liedlein nach dem
andern anstimmen und mit den Heiligen
Engeln singen möchten : Gloria in excelsis
Deo ! zum wenigsten schwingen sich Him
melbegierige Seelen / mit Heiligen Ge
dancken / in die Höhe / mit allerley Himm
lischen Betrachtungen / und beschauen die
irrdische Eitelkeiten von oben herab / mit
erleuchteten Augen an / und vergessen gleich
sam allgemach das Jrrdische / in dem sie sich
an dem Himmlischen ergötzen . Gleich de
nen Paradeiß=Vögeln / die sich immer in
G 5 der 106 ✾ ✾ ✾
der höchsten reinsten Lufft aufhalten / und
sich der Erden nicht anders / als nur in
äusserster Noth / zu Erhaltung ihres Lebens /
bedienen .
O quàm sordet mihi terra , quando cœlum
respicio ! je mehr ich den Himmel betrachte /
je mehr stinckt mich die Erden an . Wer
wird mich erlösen aus dem Leibe dieses To
des ? fragt ein solche Erden=müde Seele
und wünschet / daß der HERR über Leben
und Tod / der die Schlüssel der Höllen
und des Todes hat / dem Kercker=Meister
aller gefangenen Seelen / dem Tod / wollte
Befehl geben / daß er bald komme / sie aus
lasse / und aus allem Ubel erlöse . Doch ver
langt eine solche Seele sich nicht mit Ge
walt selbst loß zu machen durch Beförde
rung seines Todes / wie jener gefangene
König in eisernem Käfig / oder sonst ein
wilder Vogel sich selbst zu todt hutzet / oder
wie ein an Ketten gefesselter Adler immer
nach der Sonnen in die Höhe flattert und
mit Gewalt sich losreissen und seine Frey
heit suchen will .
O nein ! so eine grosse Tugend der
Selbst=Mord bey denen Heydnischen Stoi
ckern ✾ ✾ ✾ 107
ckern gewesen / so ein schändliches Laster
ist er bey uns Christen . Sondern die
nach den Himmel sich sehnende Seelen /
warten auf das Nun Simeonis / auf das /
von dem HERRN über Leben und Tod /
bestimmte Todes=Stündlein / wenn der
selbe seinen Diener im Friede heimfahren
lässt / in die himmlische Freyheit Evolemus !
Evolemus ! Educ de custodia animam
meam !
Ein Kercker ist mein Leib /
Wo ich nicht gerne bleib .
Num.
108
✾ ✾ ✾
Num . 26 .
Cecidit flos .
Es . 40 . v . 7 .
Auch die Wiegen Jst schon zum Tod eine Stie
gen .
DJe DIe Geschicht-Schreiber erzehlen
von einem Mörder eine entsetzliche
doch bewegliche / Geschicht / daß ein
sten ein Rauber in ein Haus gebrochen und
nach dem er / wie ein Wolff im Schaafstall /
was ihm vor die Klauen und Zähne kom̅en /
Mann / Weib un̅ Magd erwürgt / sey er end
lich zu einen kleinen Kind gekom̅en / welches
in seiner Wiegen gelegen / und solchen Jam
mer mit Angst und Furcht angehöret / weil
es aber schon etwas reden können / und be
sorgt / daß es auch sein junges armes Leben
gelten würde / sprach es den Mörder / mit
freundlichen Minen und holdseeliger weh
müthiger Stimm / ( wie der Mörder es
hernachmals bekennet und beklagt ) also
an: Cecidit flos .
Esaiæ 40 . v . 7 .
Auch die Wiegen , ist schon zum Tod ein Stiegen .
✾ ✾ ✾ 109
an : Lieber Mann ! ach laß mich leben /
ich will dir all mein Docken geben .
Aber dieser unbarmhertzige Bößwicht /
hat sich durch das sehnliche / beweg
liche / kindliche Bitten / nicht bewegen las
sen / dem armen Kind das Leben zu schen
cken . Deßwegen er auch / Zeit währen
der Gefangenschafft / absonderliche An
fechtung in seinem Gewissen gefühlet / und
nichts mehr bereuet / als / daß er des armen
Kindes in der Wiegen nicht verschonet .
Solche Grausamkeit ist auch öffters von de
nen gemeine̅ Soldaten in denen Städten / so
sie mit stürmender Hand einbekom̅en / aus
geübet worden / daß sie / in der Furie , alles
was ihnen begegnet / alt und jung / niederge
macht / und auch des Kinds in der Wiegen /
ja in Mutter=Leib / nicht verschonet haben !
O brutale Grausamkeit der Menschen .
Es scheinet / diese Unmenschen haben solche
Unbarmhertzigkeit / gegen die armen un
schuldigen Kinder in der Wiegen / dem Ge
neral Haut und Bein / dem grausamen Tod /
abgelernt / der unerbittlich ist / wenn ihnen
die Kinder alle ihre Puppen- und Docken-
Kräme / ihre Docken-Kuchen / ihre Pferd
und Wägen / alle Schätze ihrer Rechen-
Pfenninge und Spielwercke für ihr Le
ben 110 ✾ ✾ ✾
ben anböten / ja wenn ihre Eltern viel 1000 .
Ducaten versprecheten / um ihres einig lie
ben Kindes Leben zu erbetteln / so würde
doch alles vergebens seyn . Es ist ihm
das Kind in der Wiegen schon zu alt . Sol
chen armen Kindern gehts wie den Mer
tzen=Veilgen und andern Frühlings-Blüm
lein / die offt wenn sie kaum die Blätter aus
gebreitet / von einem Mertzen=Schnee oder
Reiff auf einmal wieder vernichtet wer
den ; denn kaum haben sie das Liecht der
Welt gesehen / so kommt der Lebens=Feind /
der Tod / zur Wiegen / und reist diß Mertzen=
Veilgen ab . Wiewohl solche Kinderlein /
wie die Mertzen-Veilgen / von fernen am
lieblichsten riechen / indem wir glauben und
hoffen / daß sie bey GOtt viel besser aufge
hebt sind / als in diesem Todes-Thal / und
lernen aus der Erfahrung :
Auch die Wiegen
Jst schon zum Tod eine Stie
gen .
Num.
Non habemus hic perma
perma
nentem civitatem .
Hebr . 13 . v . 14 .
Auch Jnful und Hut , der Tod nicht schonen thut .
✾ ✾ ✾
111
Num . 27 .
Non habemus hîc perma
nentem civitatem .
Hebr . 13 . v . 14 .
Auch Jnful und Hut Der Tod nicht schonen thut .
WJe WIe es in dieser Sterblichkeit / Päpst /
Kaysern / Königen / Fürsten und
Herren gehet / so gehets auch Car
dinälen / Ertz-Bischöffen / Bischöffen / Prä
laten und grossen geistlichen Herren . Sie
haben so viel Privilegie̅ wider den Tod / als
der ärmste Bauer und Schaaf-Hirt . Der
Tod fürchtet sich für einen silbern verguld
ten Hirten-Stab / er heisse darnach sanfft
oder weh / eben so wenig / als für einen höl
tzernen / und setzet so bald den Cardinals-
Hut auf / als einen gemeinen . Die Jnfuln
gelten bey ihm nicht mehr als die Schlap
pen / und andere Kappen . Wenn man alle
Zierrahten und Schmuck / samt Ehr und
Herrlichkeit / in eine Wag-Schalen und in
die andere aber seine Sensen und Uhr lege
te / so würden diese jene alle überwägen .
Denn wenn die Lebens=Uhr eines Cardi
nals / 112 ✾ ✾ ✾
nals / Bischoffs und dergleichen ausgelof
fen / und das Grummet ihres Haubts zei
tig / so kommt er mit seiner Sensen / mähets
ab / und sammlets in die Scheure des
Grabs / zum Zeichen / daß man hier keines
Bleibens habe / so wenig das Gras auf den
Wiesen und die Garben auf den Feldern .
Auch das Conclave ist vom Tod nicht be
freyet : Als nach dem Tod Pabsts Urbani
des VIII . dieses Namens An . 1644 die Her
ren Cardin äle im Conclavi beschäfftiget
waren / einen neuen Pabst zu wählen / schlich
der Tod auch mit hinein und bließ dem Car
dinal Guido Bentivoglio von Ferrara , uner
achtet er / unter andern auch deß H . Stuhls
fähig geachtet wurde / unter den wichtig
sten Gedancken / das Lebens=Licht aus . So
liessen sich auch dazumal / aus Beysorge / es
dörffte ihnen auch so ergehen / die Cardin äle
Matthæi und Gabrielli kranck heraus tra
gen / frische Lufft zu schöpffen und dem Tod
noch eine Weile zu entfliehen . Aber wie
lange ? Alle ihr Herrlichkeit / hohe Würde /
Gelehrsamkeit / Weißheit und hoher Ver
stand in denen schwehrsten geistl . und weltl .
Verrichtungen der Welt / sind gegen denen
Intriqu en des Todes nur Kinder=Spiel .
Alle ✾ ✾ ✾ 113
Alle ihre in geistl . und weltl . Rechten wohl
gegründete Rationes sind / wenn sie der Tod
überschlagen und gewogen / jederzeit viel zu
leicht erfunden worden / so / daß öffters in
einem Jahr viel alte Patriarchen ad Patres
gehen / und alles der Welt dahinten lassen
müssen . Schade ists / daß sie ihre Gelehr
samkeit / Weißheit und Erfahrenheit kei
nem andern guten Kopff per Testamentum
vermachen können / welches billig mehr zu
achten wäre / als alle Schätze der Welt .
Allein was wäre auch dieses ! wenn einer
10 . Cardinæl , Ertzbischöffe / Patriar chen
und Bischöffe im Leib unter einem Hut bey
sammen hätte / so würde der Tod eben so
wenig darauf regardi ren / als auf die Ge
lehrsamkeit eines einfältigen Dorff=Prie
sters und A . B . C . D . Professoris ! son
dern sagen : Jhr Eminenz ! Non habemus
hic permanentem civitatem .
Auch Jnful und Hut /
Der Tod nicht schonen thut .
H
Num.
114
✾ ✾ ✾
Num . 28 .
Tempus breve est , qui habent
uxores tanquam non habentes .
1 . Cor . 7 . v . 29 .
O wie kurtz ist doch die Zeit / Und der Lüste Nichtigkeit .
JHr Männer liebet euere Weiber /
befiehlet der Apostel in der Epistel
an die Epheser am 5 . 22 . und Colos .
3 / 16 . und wiederholt solches und schreibt /
ihr Weiber seyd euren Männern unter
thänig / wie sichs gebühret im Herrn im 33 .
v . an die Epheser / nachdem er zuvor die Ur
sach / warum es billig sey / daß ein jeglicher
sein Weib liebe / dabey gesetzt / wer sein Weib
liebet / der liebet sich selbst : Denn niemand
hat jemals sein eigen Fleisch gehasset / son
dern er pfleget sein / was sich ein Mann
selbst Guts gönnet und thut / das soll er
auch Tempus breve est , qui habent
uxores , tanquam non habentes .
1 . Corinth . 7 . v . 29 .
O wie so kurtz ist doch die Zeit , und aller Lust ein Nichtigkeit .
✾ ✾ ✾ 115
auch seinem Weib thun . Es Er soll sie so lie
ben als sich selbst . Wie wohl derer sehr
viel zu finden / die nichts wenigers als die
sen Apostolischen Befehl respecti ren. Sie
lieben sich / und ihre Weiber hassen sie . Sie
mästen sich / und ihre Weiber lassen sie
fast Hungers sterben . Sie schaffen sich
allerhand Lust und Ergötzlichkeit / die
Weiber lassen sie daheim wie einen Essig=
Krug hinter dem Offen verschimmlen
und versäuren . Wenn solches frommen
und häußlichen / fleissigen / friedfertigen /
klugen und keuschen Weibern begegnet /
trägt man billig ein Mitleyden mit ihnen /
daß sie eine so verkehrte Welt zum Man
ne genommen und bekommen : Sinds
aber böse / die so wenig geliebt und geehrt
werden / so geschiehet ihnen nicht unrecht /
weil sie auch ihr Pflicht nicht ebenfalls re
ciprocè in acht nehmen / und ihre Män
ner nicht lieben als sich selbst / sondern
andere / ja ihren eigensinnigen Weisel-
Kopffe mehr lieben als ihre Männer .
Und weil sie dann ihren Männern / als
ihren Herren / nächst dergleichen mässige
Gegen=Liebe sollen unterthänig seyn / ha
H 2 ben 116 ✾ ✾ ✾
ben sie desto mehrern Verweiß und Straf
fe verdienet . Was aber manche wilde
Männer zu wenig thun / und ihre auch
fromme / kluge / fleissige / keusche und un
terthänige Weiber nicht als ihre eigene
Leiber lieben / das thun manche Weiber=
Hänsel zu viel / sie ehren sie als ihre Göt
tinen / es fehlet nicht viel / indem sie ihre
Weiber ohnedem auf den Händen tragen /
daß sie selbige nicht gar aus Liebe fressen
oder zum wenigsten wie die Affen ihre
Jungen rings um belecken und fast zu todt
drücken . Da heists mein Schatz ! mein
Kind ! mein Hertz ! mein Engel ! mein An
der ich ! mit was soll ich eine Ehr erwei
sen ? Welche Freud oder Ergötzlichkeit
soll ich ihr schaffen ? Beliebet diß ? Be
liebt jenes ? Nicht allein das Hertz / son
dern auch Haab und Gut / Ehr und Re
putation verschwendet ein solcher Gockel=
Mann seiner Brut=Hennen zu lieb : Ab
sonderlich wenn sie alle paar Monat ein
neu Mode=Kleid / und so offt sich das Wet
ter ändert / neue Handschuch / Fantagen /
Fugger und Vorstecker / Borten und
Spitzen / r c. r c. haben müssen / und sich
sonst ✾ ✾ ✾ 117
sonst ums Haushalten so wenig beküm
mert / als ihr Kind im Lauf=Wagen / son
dern lieber in die Commödie / als Kuchen /
lieber auf den Ball / als in den Keller / ja lie
ber ins Bett und zu Tisch / als in die Kirche
und zur Messe geht / hergegen bald da / bald
dorten bey ihres gleichen einkehrt / spatzi
ren fährt / und wohl gar hinter ihrem so tödt
lich verliebten Schatz / eine Handelschafft /
mit Hirsch=Geweyhen anfängt / und ein
Falliment über das andere machet / biß end
lich / wo es die Einkünfften und Amts=Be
stallungen nicht auswerffen / solche genero
se Ausgaben fortzusetzen / der Schatz das
fas und nefas spielen / und auf den stehlern
Gelächter musici ren lernen muß . Aber
in fine videbitur , cujus Toni ; Denn endlich
muß ein solcher Windel=Wascher in der
Lufft Capriolen schneiden lernen / oder son
sten seinen lieben Schatz mit dem Rucken
ansehen / zum Thor hinaus schleichen / und
sich nicht einmal umsehen / wie der Jltes
aus dem Tauben=Schlag . Oder wenns
noch wohl abgehet / so er sich zu todt geliebt
und gekümmert hat / macht er in grosser De
speration ein Testament / wie jener : Der
auf seinem Tod=Bett also testi rt: Jch ver
H 3 schaffe 118 ✾ ✾ ✾
schaffe und legi re meinen Leib der Erden /
meine Seel dem Teuffel / ja nicht allein mei
ne Seel / sondern auch die Seele meines
Weibs und die Seele meines Beicht=Vat
ters . Denn mein Weib / indem sie mich zu
vielen 1000 . Sünden verreitzt / hat mich in
solch Unglück gestürtzt / und mein Beicht=
Vatter hat durch die Finger gesehen / und
mir nicht scharff genug auf die Hauben ge
griffen / mich zu bekehren . Gehe es also ei
nem wie dem andern ! O besser nie kein
Weib gehabt / als mit dergleichen Raben=
Vieh den Raben / oder gar dem Raben=
Vatter in der Höll zu Theil werden müs
sen ! was muß mancher in so kurtzer Zeit mit
einem solchen Haus=Ubel / mit einer solchen
Muß dich haben ausstehen / ertragen / er
dulten und leyden ? Besser kein Weib ha
ben / als seines Weibs Serviteur und in ihre
Liebes=Garn verstrickter Haas und einge
sponnener Seyden=Wurm seyn . Zum we
nigsten sollen die / so Weiber haben / sich al
so aufführen / als hätten sie keine .
O wie kurtz ist doch die Zeit /
Und der Lüste Nichtigkeit !
Num.
Omnes Nobiles Iuda occidit .
Jerem . 39 . v . 6 .
Der Adel ist mir , wie ein Porcellan G’schirr .
✾ ✾ ✾
119
Num . 29 .
Omnes Nobiles Juda occi
dit .
Jerem . 39 . v . 6 .
Der Adel ist mir / Wie Porcellan=Geschirr .
DEr Welt Geschlechte / Adel / hohe
Anverwandschafft und vornehme
Freundschafft / mit allen ihren
Wappen und Prærogativ en gehören zur
Welt und in das Register der Eitelkeit .
Niemand kommt in den Himmel / als eines
Käysers / Königs oder Fürsten Kind /
niemand als ein Graf / Baron oder Edel
mann / sondern als ein GOTTes=Kind /
als ein Bluts=verwandter und Bruder des
HErrn JESU . Gelten also Wappen
und Adels=Briefe im Himmel nichts / so
respect irt auch schon der Tod auf Erden die
selben weniger als nichts . Könige und
Bauer / Edelmann und Bettelmann gelten
bey ihm einer so viel / als der ander . Zeigt
H 4 ihm 120 ✾ ✾ ✾
ihm ein grosser Herr seine viele vornehme
Ahnen und Vorfahren / so weisst er ihm
hergegen den Stamm=Vatter aller Men
schen / mit der Uberschrifft : Du bist Staub
und sollst wieder zu Staub werden . Gen . 3 .
v . 19 . Schau / dein hoher Stamm ist doch ja
entsprungen aus dem Erden=Schlamm da
es ihm gelungen . Erd und Asche bist du
doch / wärest du gleich noch so hoch . Nimm
nur ein rein weisses Schnup=Tuch / und
wische dein Angesicht damit ab / so wirst du
alsobald dein Stamm=Wappen darinnen
finden / nemlich Staub und Aschen .
Der Prediger Salomon hat dieses
wohl betrachtet / deßwegen er im 3 . Cap .
v . 20 . schreibt : Es ist alles von Staub ge
macht / und wird wieder zu Staub . Und
Syrach bekennet im 17 . Cap . Alle Men
schen sind Staub und Erden . Der Kö
nig David stimmet auch mit ein / im 21 . Ps .
Du legest mich in den Staub des Todes .
Wer es nicht glauben will / der gehe in die
Todten=Krüffte grosser Herren und Po
tentaten in der Welt : Was wird er anders
finden / als Erde / Staub und Aschen ?
und leicht schliessen können / was er auch
werde bald werden / Asche und Erden .
Jch
✾ ✾ ✾
121
Jch will zwar keinem nicht zu nahe ge
redt haben / sondern einem jeden gerne sei
ne Ehre gönnen / doch die Warheit gehet
allem Respect vor . Wir Menschen führen
alle den Todten=Kopff im Wappen / setzt
man noch so viel offner Helm dazu / so sind
sie doch nichts anders als Zierrathen und
Deckel der Todten=Köpffe / welche immer
einer dem andern erblich überlässt / und
heisst endlich / viel Ahnen viel Todten=Köpff /
und hat ein solcher desto mehr Zeugnüsse /
daß auch ihn die Ordnung des Sterbens
treffen werde / wie seine Vor=Eltern .
Es heisst zwar im gemeinen Sprich
wort : Fortes generantur fortibus Heroes
heroibus . Tapffere Helden zeugen wie
der tapffere Helden . Diß ist zwar offt
wahr / aber auch offt nicht . Das ist aber
allezeit unfehlbar wahr : Mortales generan
tur mortalibus .
Ein Adler wird keine Tauben oder
Wachtel ziehen / ein Löw keinen Haasen /
aber doch wieder einen Sterblichen . Jn
zwischen trifft diß bey Menschen nicht alle
zeit ein / daß der Sohn eines Helden=mü
thigen / weisen / klugen Vatter / nebst Na
men und Wappen auch dessen Qualtæ ten
H 5 erer 122 ✾ ✾ ✾
ererbe . Wann sich aber ein solcher nur
dem Stamm / Schild und Namen nach
edler Mensch seines hohen Geschlechts rüh
met und erhebet / was ist es anders / als die
Elster Æsopi , die mit fremden Federn aus
geputzt einher stutzt / auf ihren Pracht ge
trutzt / und aber von andern verlacht wor
den ? Es hat den grossen Alexander sehr
verdrossen daß ein Soldat / so auch Alexan
der geheissen / ein liederlicher und verzag
ter Tropf gewesen : Deßwegen er ihm ein
sten diesen Verweiß gegeben : Aut nomen
muta , aut mores ; Aendere deine Sitten
und Lebens=Art / oder deinen Namen /
denn ich mag keinen Alexanderum bey mir
leyden / der nichts nutz ist / wie du .
Ob nicht mancher tapfferer Ritter / ge
gen seinen zwar ehlichen aber nicht ähnli
chen Sohn eben dergleichen Verweiß ge
brauchen müste oder sollte / laß ich einen
jeden judici ren.
Wanns wahr ist / was die Natur=Kün
diger vom Adler schreiben / daß er seine
jungen an die Sonne trage / und sie gleich
sam probir e / ob sie ihm ähnlich seyn / denn
welche die Sonne mit unverwandten Au
gen anschauen / diese hegt und trägt er wie
der ✾ ✾ ✾ 123
der ins Nest / die aber das Sonnen=Licht
nicht vertragen können / lasse er auf die Er
den zu todt fallen / so wäre es wunderns
würdige Sache / und könnte wohl auf dieje
nigen Eltern gezogen werden / so eine Prob
unter ihren Kindern anstellen und erfahren
sollen / welche ihnen nachgerathen oder
nicht / damit sie nach eines jeden Conduite
angesehen und versetzet werden möchten .
Denn es sind nicht alle gleich / die mit dem
Käyser reiten ; einer kan seinen Adel ver
herrlichen mit dem Degen / ein anderer
mit der Feder / mancher in allen beeden :
Ex utroque Cæsar , Princeps , aut Nobilis
wie mans heutiges Tags gerne haben will
und zu grössern Würden erhöhet / und sind
solche besondere Qualitæ ten an einem vor
nehme̅ Herrn desto scheinbarer und ansehn
licher / als wie ein Diamant / in einem
güldenen Ring schöner spielt und in das
Aug fällt / als wenn er in einem messingen
oder kupffernen Ring gefasst wäre . Doch
sollen von GOtt gedoppelt hochbegabte
und gesegnete Leute sich dessen nicht erhe
ben / noch andere geringern Stands / die
etwann nicht die Geburt / sondern die
Kunst / Gelehrsamkeit / Geschicklichkeit
und 124 ✾ ✾ ✾
und Erfahrenheit adelt und erhöhet / ne
ben sich oder ober sich nicht neiden noch ver
achten / sondern allezeit im frischen Ge
dächtnis behalten und in Praxi erweisen /
was Eccl . am 3 . v . 10 . ermahnet . Je grös
ser du bist / je mehr dich demüthige in allen
Dingen so wirst du für GOtt Gnade
finden / ja nicht allein für GOtt / sondern
auch für allen Tugend liebenden Menschen
der Welt . Dabey aber soll er nicht ver
gessen / daß wer hoch steigt / auch hoch fal
le / und daß Glück und Glaß bald zerbre
che / und ein sterblicher Erden=Kloß / ob er
zu einen schönen Porcellan oder gemeinen
Topf vom Glücke præpari rt / geschmiert o
der geziert worden / leichtlich zerbrochen
werde / denn dem Tod gilt einer so viel als
der ander / welcher sagt :
Der Adel ist mir /
Wie Porcellan=Geschirr .
Num.
Domi
Domi
Post hoc erimus . erimus
tanquam non fuerimus .
Sap . 2 . v . 2 .
Auch der gröste Tittel , ist fürn Tod kein Mittel .
✾ ✾ ✾
125
Num . 30 .
Post hoc erimus , tanquam
non fuerimus .
Sap . 2 . v . 2 .
Auch der gröste Tittel Jst fürm Tod kein Mittel .
DJe DIe Tittel=Sucht ist eine Verräthe
rin der verborgenen Eigenliebe
und Ehrgeitzes / und greifft heuti
ges Tags / wie die ansteckende Pest / weit
und breit um sich / indeme fast niemand mit
seinem Ehren=Tittel will vergnügt seyn :
sondern fast ein jeder hoch / hoch / hoch ge
scholten seyn . Ob sie gleich noch so von
schlecht / schlecht / schlechten und geringern
Stamm und Herkommen / als wie die
Zwerg=Bäumlein in denen heutigen Gär
ten . Wann sich ein liederlicher Hopffen
oder Winter=Grün ein wenig an einen
hohen Baum anhänget / so steigt und steigt
er immer höher / als wann er den Baum ü
ber wachsen wollte / dem er doch sehr be
schwehrlich wird / und ihm öffters Safft und
Krafft 126 ✾ ✾ ✾
Krafft aussaugt wie die Blut=Egeln . Al
so hängen sich manche Ehrsüchtige / gern
grosse / geringe aber schädliche und unver
schämte Leute an manchen grossen Herrn /
klettern an demselben hinauf / und wenn sie
sich per fas & nefas vest gesetzt / in einem
Aemtlein / das hängens wert / eingebettelt /
eingeschlichen r c. und etwann eine wohlver
diente Haußhalterin oder Hager zum
Weib auf Abrechnung genommen / wol
len sie mehr angesehen werden / als ihr
Herr selbst / so daß man offt zehenmal lie
ber mit dem Gnädigen Herrn selbst reden
wollte / als mit ihre Ungnaden / mit seinem
in einem grossen Quasi Herrn vermetamor
phisir ten Staats-Serviteur . Und da kan man
den auch mehr Hoch / hoch / hoch r c. nicht ge
nung ehren / tittuliren / und caressiren /
hoffieren r c. Mancher Edelmann / der das
B nicht gerne voransetzt / und doch an allen /
als hieran nicht Mangel leidet / mag leicht
etliche Monat / oder ein und anders Jahr
an einem Hof sein Fortun zu machen gesucht /
oder ein oder den andern Feldzug / in höch
ster Unschuld / ohne alle Blutschuld / beyge
wohnet haben / wenn er wieder kommt /
und einen grossen Feder=Busch auf dem Hut
trägt / ✾ ✾ ✾ 127
trägt / da siehet der Gnädige Herr schon nach
grössern Respect um / und darf sich wohl
schon von einer künfftigen Excellenz von
weiten traumen lassen . Wenn dieses nur
von edeln Gemüthern geschiehet / die durch
solche Begierden / ihren edlen Stamm
nicht nur im Ruhm zu erhalten oder mehr
zu vergrössern suchen / denen solche Ehr
sucht öffters angeboren und ein Sporn zu
Tapfferkeit und Unternehmung gefähr
licher Dinge ist / so wärs ihnen noch wohl
eher zu verzeihen : Aber wenn gemeine
Bürger / unedle Praler und Eisen=fresser /
Geld=Wipper / Feder=Fechter / Käß= und
Toback=Jubili rer / ja wohl Handwercks=
Leute / so von Schmid=Eß und Rußheim
entsprossen / mit ihrer Titulatur und Rang
nicht zu frieden seyn / sondern immer Edel
Wohl=Edel / Hoch=Edel r c. heissen / und zu
gleich den Rang vor andern / die zwar nicht
so viel Geld / mit dem Juden-Spieß / wie
sie erloffen / aber am gewissen Verstand und
redlichen Künsten und Wissenschafften / so
weit der Himmel von der Erden ist / ihnen
überlegen sind / prætendi ren / das ist billig
vor aller Welt ein schändlicher Bauern=
Stoltz zu schelten : Zumahlen wenn sie
so 128 ✾ ✾ ✾
so insupportable sind / daß sie die Brieffe /
darauf der Tittel nicht nach ihrer Inpres
sion , eingerichtet ist entweder gar nicht /
oder doch mit Protesti ren und Unwillen
annehmen / und sonst in gemeiner Conver
sation , weder Geistlich noch Weltlich mehr
æstimi ren / noch ihren schuldigen Respect be
zeugen / sondern sich so brüsten und aufblä
hen / daß man fast dörffte fürchten / sie wür
den wie Judas zerbörsten . GOtt erbar
me sich über diejenigen / so ihnen / Nah
rungs wegen / einiger Massen unterthänig
seyn / und ihnen in die Hand sehen müssen !
Der gestrengste General / so vorzeiten die
Leute / um geringer Ursach willen aufzu
hängen befohlen / und öffters geruffen :
Hängt die Bestie ! kan nicht so horrenda to
nitrua aus seinem Munde haben heraus
fulmini ren lassen / als diese Wohl und Hoch=
Edle Herren von Friß mich nicht .
Welches dann denen noch geringern
von Scheerhaussen und Wollen=Thal / von
Spitzbergen und Dockenheim r c. eine Aer
gernis gibt / daß sie / weil sie / im Rang die
nächsten / ihren Kram des Ehrgeitzes
gleichfalls auslegen / und sich Adelich oder
weit über Stands=mässig kleiden / Kut
schen ✾ ✾ ✾ 129
schen und Pferd halten / und so groß thun /
als hätten sie ihr lebetag weder von der
Elen noch Scheer / Waag noch Maas /
Pfeffer oder Teuffels=Dreck r c. Profession
gemacht .
Also narriren absonderlich in grossen
Städten gege̅ Ost / Sud / West und Norden /
leyder ! sehr viele / und zwar nicht allein im
Leben / sondern auch im Sterben / da be
fehlen sie / was man ihnen für prächtige
Leichbegengnis und grosse Titulatu ren ge
ben oder erkauffen soll . Aber der Armen
und Dürfftigen gedencken sie am allerwe
nigsten . Was für unnütze Kosten über
machter Pracht und Hochmuth öffters bey
solchen Leichbegängnüssen ausgeübet wer
de / ist nicht zu beschreiben . Wunder ists daß
sie nit auch ihre Katzen und Hunde in seide
nen Flor kleiden . Da müssen Oratores und
Poeten alle Kunst wahrscheinlich zu lügen
zusammen fassen / damit ja kein Lob auf der
Welt vergessen werde / daß man diesen ver
storbenen grossen Hansen nicht geben soll
te . O Thorheit von den Grossen auf der
Welt / grösser / höher / besser / edler seyn
wollen / als man ist ! ja etwas Grosses seyn
wollen / da man doch nichts ist !
J
Wann
130
✾ ✾ ✾
Wann das nicht nach der Narren Kap
pen tappen heisst / so weiß ich nicht / was
man also nennen soll . O ihr Tittel=Nar
ren ! was habt ihr davon ? merckt ihr nicht
daß alle verständige Leute euch auslachen
und euren Hochmuth und Phantasey hassen
und verfluchen ? Was habt ihr für Interes
se davon zu hoffen / als daß eure Kinder
wenn sie sich künfftighin der Bürgerlichen
Nahrung schämen und Edelleut abgeben /
oder nur wie die Comödianten agiren /
wenn sie wieder solche Tittel=Affen nach zie
hen / endlich sich so vermehren und verzeh
ren / daß sie euchs unter der Erden / mit
dem / weiß nicht wer / dancken / daß ihr aus
Verwegenheit und Hochmuth so hoch ge
stiegen / und sie zu einen so gefährlichen Fall
auf eine gefährliche Spitz gestellet / da sie
von Tittel weder zu nagen noch zu beissen
finden / sondern den Schwindel bekommen /
und gerne wieder unten anfangen wollten /
wann es ihnen keine Schande wäre / oder
wol / wo sie nicht fallen wollen / müssen . Oder
endlich gar mit ihnen heisst : Edelmann /
Bettelmann Stock=Fisch .
Wollte GOTT / daß diese eitele Leu
te ✾ ✾ ✾ 131
te an anderer Leut Schaden wollten
klug werden . Zumahl ihnen täglich
solch ungleiche Kinder vor den Augen
herum gehen / die ihnen in ihrer miserab
len Gestalt gleichsam zuruffen : Be
trachte mich / bedencke dich . O wär mein
Groß=Vatter / an statt deß Degens bey
seiner Ellen und an statt des Adelichen
Wappen=Schilds bey der Waag=Scha
le geblieben / so dörffte ich und die meini
gen nicht alle Bissen mit Sorg und Kum
mer abmessen und abwägen !
Weg mit solcher Eitelkeit ! wir haben
schon rechte alte Edelleuth und vorneh
me Stands=Personen genug / und kön
nen dieselben nicht alle amploi rt werden :
es ist unnöthig / daß gemeine Leute nach
hohen Dingen trachten / besser ists / gern
im niedrigen Stande bleiben / wie Ec
clesiastes vermahnet / und sich als ein
rechtschaffener Christ aufführen / und die
sem Titel gemäß leben / den wir von
unserm Erlöser ererbt haben / daß wir
nemlich Christen / GOttes Kinder /
Brüder und Schwestern des HERRN
JESU / Tempel und Wohnungen deß
J 2 Hei= 132 ✾ ✾ ✾
Heiligen Geistes / Gesellschaffter der
Heiligen Engel und Auserwählten / ja
Bürger des Himmels betittelt und von
GOTT selbsten Liebe und Getreue ge
nennet werden . An diesen Titeln lassen
wir uns billig genügen / es mag uns
sonst die Welt tituli ren so schlecht sie wol
le . Es müssen doch alle Edle und Unedle
sterben .
Auch der gröste Tittel
Jst fürm Tod kein Mittel .
Num.
Solum mihi super est
sepulchrum .
Job . 17 . v . 1 .
Jns Grab thue ich scharren den Weisen und den Narren .
✾ ✾ ✾
133
Num . 31 .
Solum mihi super est sepul
crum .
Job . Job. 17 . v . 1 .
Jns Grab thu ich scharren Den Weisen und den Nar
ren .
EJn EIn thörichter Mensch merckt sei
nen Untergang nicht / wenn er
schon siehet / daß auch die Weisen
sterben / der Unwitzige und der Narr wer
den zugleich umkommen / sagt David im 48 .
Psalm v . 11 . und lehret dabey / daß die
Weisen so wohl sterben als die Narren .
Der thörigte Nabal muste so wohl den
Todten=Tantz antretten / als der weise Sa
lomon .
Der weise Ecclesiast . schreibt im 2 . Cap .
v . 12 . 12. 17 . sehr nachdencklich hievon : Jch
bin fortgangen / die Weißheit zu beschauen /
J 3 auch 134 ✾ ✾ ✾
auch Jrrthum und Thorheit / und ich sahe /
daß die Weißheit der Thorheit so weit vor
gienge / so groß der Unterschied ist zwi
schen Liecht und Finsternis ; Der Weise
hat seine Augen im Haubt / aber der Narr
wandelt im Finsternuß / ich habe gemerckt /
daß ihrer beyden Untergang gleich war .
Da sprach ich in meinem Hertzen : Wann
des Narren und mein End gleich seyn
wird / was ist mir dann nutz / daß ich grös
ern Fleiß auf die Weißheit angewendet
habe ? Und ich hielte sprach mit meinem
Gemüth / und merckte / daß diß auch Ei
telkeit war / denn man wird so wenig an
den Narren immerdar gedencken / und
die künfftige Zeit wird alles zugleich in
Vergessenheit stellen : Der Gelehrte
stirbt gleich wie auch der Ungelehrte . Und
dieses gehet noch immer also auf der Welt
fort / der geheime Rath und klügste Staats=
Minister stirbt sowohl als der Hof=Narr /
der Doctor so wohl / als Arlekin . Und
ist kein Wunder ; Denn es ist einer wie
der ander . Beede sind sterbliche Men
schen / und haben einerley Sold und Lohn
zu gewarten / nemlich den Tod / welcher der
Sünden Sold und Liedlohn ist .
Sonst
✾ ✾ ✾
135
Sonst ist zwar ein grosser Unterscheid
zwischen einem weisen Mann und einem
Narren ! der Unweise spricht in seinem
Hertzen : Es ist kein GOtt . Wie David
im 12 . Psalm klaget / der Narr redet
Thorheit / macht viel Wort / schwätzt von
dem / das er nicht verstehet / verleumdet
seinen Nächsten / ist jähzornig und unge
dultig . Hat Wohlgefallen an ihm selbst /
und verliebt sich in sich selbst / wie Narcis
sus / er will alles besser wissen als andere /
hat allenthalben das gröste Maul / und will
vor klug angesehen seyn / ist stoltz und hof
färtig / verachtet alle andere / lässt sich
nicht weisen / sondern will allezeit recht
haben / freuet sich seiner Thorheit / und
schleppt sich mit viel Præjudiciis und Jrr
thumen / hält die Sünde für Spielwerck /
lebt in steter Sicherheit / glaubt weder
Teuffel noch Höll / weder Himmel noch
Engel / ist unbeständig in allen seinen
Wissen / Glauben und Lebens=Wandel .
Hält viel auf Wahrsagerey / Träume
und Aberglauben . Hält die Weißheit für
Thorheit / die Frommen für Narren /
hassen / was sie lieben / und lieben / was
J 4 sie 136 ✾ ✾ ✾
sie hassen sollen / sind ihnen und andern
Leuten beschwehrlich / waschhafftig und
falsch / voller Lügen und Lästerungen / ja
ein Narr stirbt endlich in seiner Thorheit .
Der Weise hergegen thut von dem allen
das Widerspiel : Er ehret GOTT in
seinem Hertzen und hat ihn allezeit vor Au
gen / er redet Weißheit und macht nicht
viel Wort / er redet nicht von Sachen / die
ihm zu hoch oder unbekannt sind / er ver
leumdet niemand / und redet von niemand
etwas Böses / er ist sanfftmüthig und ge
dultig / er verläugnet sich selbst / und hat
kein Wohlgefallen an sich selbst / die Ei
gen=Liebe ist ihm ein Greul . Lässt gerne
andere reden und sich berichten / schweigt
gerne und macht nichts aus sich selbst / ist
demüthig und ehrerbietig / hält andere
höher als sich selbst / nimmt gerne gute
Lehre und Unterweisung an / ist friedfer
tig und giebt gerne nach / betrübt sich über
seine Fehler und Schwachheiten / glau
bet nicht alles / was er höret / und lässet sich
mit Præjudiciis nicht præoccupi ren: Be
weinet seine Sünden / suchet in steter Wach
samkeit und Buß zu leben / fürchtet sich
vor ✾ ✾ ✾ 137
vor Teuffel und Höll / und hoffet einsten
in dem Himmel den Engeln gleich zu wer
den / er liebet Beständigkeit in allem sei
nen Wesen / er lässt sich von GOTT und
seinem Wort / und von seiner GOttes=
Furcht weder Glück noch Unglück / we
der Fleisch / Teuffel noch Welt abtreiben .
Meydet allen Aberglauben und Betrug
des Satans / liebt und ehret die Weißheit
und die Weisen / hasset und fliehet die
Narren / ist verschwiegen und niemand
beschwehrlich / warhafftig und redlich / oh
ne alle Heucheley / und bereitet sich täg
lich zu einen seeligen Sterben / ja hält die
se Kunst für die beste Philosophie : Sterben
vor dem Sterben / der Welt absterben .
Spiegel her ! Mensch betrachte dich /
wer bist du ? Prüffe dich / dein eigenes Hertz
und Gewissen / wird dir / als in einem Spie
gel am besten zeigen / wer du unter den
zweyen seyest / ein Weiser oder Narr / und
bedencke / was für einen Bund du mit dem
Tod habest : Daß nemlich Weisen und
Narren / einer wie der ander / sterben muß .
Stirbst du in deiner Thorheit / so wirst du
ewiglich ein Narr bleiben / und müssen .
J 5 Zeuchst 138 ✾ ✾ ✾
Zeuchst du aber bey Zeiten das Narren=
Kleid deiner Unbußfertigkeit aus / und be
kehrest dich von Hertzen=Grund / und be
fleissigst dich der Christlichen Weißheit see
lig zu sterben / so wird dir deine Thorheit
nicht schaden / Ezech . 33 . v . 12 . und vergiß
nicht / daß du sterben must / du werdest und
bleibest hernach klug oder nicht : Denn
beym Tod ist alles eins .
Die Weisen und Narren
Thu ich ins Grab verschar
ren .
Num.
Interfecit flam̅a ignis .
Dan . 3 . v . 22 .
Dieses wilde Element hat schon Manch’n g’macht ein End .
✾ ✾ ✾
139
Num . 32 .
Interfecit flamma ignis .
Dan . 3 . v . 22 .
Dieses wilde Element Hat schon manchen g’macht das End .
WJr WIr haben in gantzer H . Schrifft
nicht mehr als ein Exempel / daß
ein Mensch Mitten unter dem
Feuer lebendig gen Himmel gefahren / als
des feurigen Propheten Eliä / von wel
chem der Ecclesiastes rühmte . Elias der
Prophet stund auf / wie ein Feuer / und sein
Wort brande wie eine Fackel / er hat drey
mal Feuer vom Himmel herab geworffen .
Er ist im Würbel des Feuers aufgenom
men worden / auf einem Wagen mit feuri
gen Rosen . Eccles . 48 . und ist also im Wet
ter auf einer feurigen Post gen Himmel ge
fahren / wie solche Geschicht im 4 . Buch
der Könige am 2 . v . 11 . zu lesen . Das
war ein groß Wunder / daß das Feuer die
sen Propheten nicht sollte jämmerlichen
verbrand haben . Allein wenn GOttes
All= 140 ✾ ✾ ✾
Allmacht befiehlet / so darff auch das Feuer
nicht brennen noch anzünden / wie wir eben
falls ein klares helles Exempel an denen
3 . Männern im Feuer-Ofen haben / welche
nicht nur allein das Feuer / aus GOttes
Direction , nicht anzünden noch brennen /
sondern man hat auch an ihren Kleidern
nicht einmal einen Brand riechen können /
auch ihre Haubt=Haare / noch weniger ihre
Mäntel sind im geringsten nicht versehret
worden . Dan . 3 . 27 .
So ists gut in dem Fegefeuer oder gar in
der Hölle zu seyn / wenn das Feuer einen
nicht heiß machen würde / dürffte mancher
Spott=Vogel sagen ; allein wisse du / daß
erstlich GOtt deinetwegen nichts beson
ders machen werde / und daß auch durch
GOttes Verfügung / ein klein Feuerlein /
grössere Qual verursachen könne / als der
brennende Ætna , Vesuvius , Hecla und der
gleichen Vulcani selbst : Und diß in deinem
unbußfertigen Hertzen und bösen Gewis
sen / da öffters ein Compendium zu finden /
endlich die vollen höllischen Flammen zum
Augen / Ohren / Nasen und Maul / das ist /
zu allen Fenstern heraus schlägt .
Es fehlt auch der Allmacht GOttes nit
das ✾ ✾ ✾ 141
das leibliche Feuer so zu verstärcken / daß
man es nicht löschen kan / wie dergleichen
Feuers=Brünste observi rt worden / da man
das Feuer mit keinem Wasser löschen kön
nen / welches so lang wie ein Krebs heimlich
und öffentlich um sich gefressen / biß man
demselben alle umstehende Gebäude aus
den Zähnen gerissen / oder zum wenigsten
vor dem Maul weg geraumet . Kan leibl .
und natürlicher Weise das Sonnen=Feuer /
durch ein grosses Brenn=Glas / einen so un
glaublichen Gewalt üben / daß auf einem
kleinen runden Platz / kaum eines Guldi
ner groß / Gold und Silber / Eisen und
Kupffer / Stein und Talck kan zerschmol
tzen werden / wie viel mehr kan ein Füncklein
des Zorn=Feuers GOttes / welches biß in
die unterste Hölle hinab brennt / in Leib und
Seelen würcke̅ / daß manche lebendige Höl
lenbränd schon in diesem Leben klagen müs
sen : Wir leyden Pein in dieser Flammen .
Gedencke an die aufrührische Rotte / Core ,
Dothan und Abiram , Sodom und Gomor
ra . Gedencke an das Feuer in Podagra , hitzigen
Fiebern / Pest=Bäulen und dergleichen . Auch
Dieses wilde Elemet
Hat schon manchen g’macht ein End .
Num.
142
✾ ✾ ✾
Num . 33 .
Occisi sunt terræ motu .
Apoc . 6 . v . 12 .
Ob ich schon eine Mutter bin / Doch mein Bewegen nimmt viel hin .
NEapol und Sicilien / Rom und
gantz Welschland / auch viel Län
der in der N . Welt haben schon
viel Jahr her erfahren / was es für ein Jam
mer sey / wenn die liebe Mutter aller Men
schen / die Erde / den Schüttler oder das kal
te Fieber bekommt / wie des Apostel Petri
Frau Mutter / oder sonst vor dem Zorn des
Allmächtigen Schöpffers so erschrickt /
daß sie wie ein Espen=Laub zittert und
bebet .
Wenn unser Heyland die erschröckli
che Zeichen / so vor dem Jüngsten Tag her
gehen sollen / verkündiget / so sagt er : Es
werden Erdbeben seyn hin und wieder .
Matth . 24 . Es hat aber diß Ubel sich schon
von undencklichen Jahren her öffters er
eignet / ob gleich der Jüngste Tag noch nicht
ein= Occisa sunt terræ motu .
Apoc . 6 . v . 12 .
Ob ich schon eine Mutter bin , doch mein Bewegen nimt viel hin .
✾ ✾ ✾ 143
eingebrochen / daß man klagen müssen : Par
turiunt Montes , und die Leute besorget / es
dörfften die Berge über sie fallen und die
Hügel sie bedecken . Zumalen öffters gan
tze Dörffer / ja gantze Städte / die grösten
Palläste / an geistlichen und weltlichen Ge
bäuen / in gar kurtzer Zeit / kaum daß man
ein Ave Maria oder Vatter Unser betten
können / über den Hauffen geworffen wor
den / wie der Kinder Lust=Häuser / so sie von
Karten=Blättern auf den Tisch bauen / und
wenn sie ein wenig daran stossen / alle bey
Hauffen da liegen . Der Welt=berühmte
P . Kircher kan einem ein Lied davon singen /
und hat in der Vorrede seines schönen
Buchs Mundus subterranius genannt / weit
läufftig erzehlet / wie er mit seinen Augen /
da er zu Schiff war / von ferne eine gantze
Stadt / durch Erdbeben versincken gesehen .
Da er auch die Ursachen solcher Erdfäll /
Erbeben und wunderliche Einfälle der al
ten Mutter der Erden / weitläufftig anfüh
ret . Was für einen grausamen Schrecken
solche Erbeben bey denen Menschen / bey
gantzen Städten und Königreichen erwe
cken können / und allbereit erwecket habe /
können die alten und neuen Geschicht=
Schrei= 144 ✾ ✾ ✾
Schreiber nicht genugsam ausdrücken .
Moses selbsten erzehlet / was das Volck Js
rael für Angst und Schrecken ausgestan
den / da der gantze Berg Sinai sehr gebebet /
Exod . 19 . v . 18 . Ps . 28 . v . 9 . So sind / nach der
Ausrechnung Eusebii , im Jahr Christi 33 .
so starcke Erdbeben gewesen / biß gen Bythi
ni en hin / davon viel Städt eingefallen .
Zu Zeiten des Kaysers Tiberii sind / nach
Aussag Plinii , allein in Asia 12 . Städte
durchs Erdbeben ruini rt worden / nach Ni
cephori Rechnung sind deren 14 . gewesen /
wobey besagter Tyrann die Schuld solches
Unfalls auf die Christen geschoben / und ei
ne grosse Verfolgung wider dieselbigen
ergehen lassen .
Es hat aber der Allweise / Allmächtige
GOtt / auch aus diesem Unheil das Beste
heraus zu ziehen gewust / indem er denen
Christen zu Antiochia so viel Gnade und
Barmhertzigkeit erwiesen / daß wenn sie die
Häuser / so von dem Erdbeben beweget
wurden / angesprochen : Christus nobiscum
state . Christus ist bey uns / stehet stille ! die
selben auch stehend und unversehrt geblie
ben . Da hergegen andere Wohnungen
bald da / bald dorten Schaden gelitten / und
viele Menschen dabey um das Leben gekom
men. ✾ ✾ ✾ 145
men . O wie viel 1000 . hat der Tod durch
Erdbeben weggerafft ! Zu Zeiten Herodis
Ascalonitæ sind in einen einige̅ über 30000 .
Menschen umkommen / wie Orosius meldet .
Plato und Marcellinus erzehlen / daß eine
gantze Jnsul / so grösser als Africa und Asia
gewesen / derer Könige vor Zeiten gantz
Egypten und Lydien unter ihr Joch ge
bracht / in einem Erdbeben samt allen ihren
tapffern Jnwohnern / gäntzlich versuncken
und nicht mehr zu finden sey . So ist also ein
Mensch fast eben so wenig auf dem festen
Lande / als auf dem Meere seines Lebens
versichert ; Ach freylich nicht wegen des
Erdbebens des Macrocosmi , sondern auch
wegen des Erdbeben des Microcosmi , der
kleinern Welt / nemlich des Menschlichen
Leibes . O welches Zittern und Schüttern
erfährt mancher Mensch an seinem Leib
und allen Gliedern desselben ! so wohl wenn
die Seelen= und Sünden=Angst wie ein un
versehens Erdbeben / einen überfällt ; oder
wenn Unglück / Kriegs=Gefahr / Hertzen
leyd / schnelle Todes=Fälle der lieben Unse
rigen / sich ereignen / oder wenn eine gefähr
liche Kranckheit sich einfindet / daß einem
die Haut für den Tod schauert / die Knie
schlottern / die Lenden schüttern und die
K Beine 146 ✾ ✾ ✾
Beine zittern / wie dergleichen Erdbeben
an seinem eigenen Leib der stoltze König Bal
thasar erfahren müssen / wie Daniel 5 . 6 . be
zeugt / und die tägliche Erfahrung so wohl
an Krancken als Sterbenden selbst redet /
da manche mit David auf der Zittern schla
gen und klagen : Mein Hertz ist erschrocken
in mir / die Furcht des Todes hat mich über
fallen / Grausen und Zittern ist über mich
kommen . Ps . 54 . v . 5 . 6 . O wohl dem / der
vorhero sich schon befliessen / dem Befehl des
H . Apostels Pauli Phil . 2 . v . 12 . wohl nach
zukommen : Würcket eure Seeligkeit mit
Furcht und Zittern ! denn auch dem festen
Land und der besten Gesundheit ist nicht
wohl zu trauen / derowegen man sich alle
zeit bereyt halten soll / daß man von dem
Tod / auch durch ein Erdbeben nicht unver
sehens übereilet werde ; Denn der Erde
und allen irrdischen Dingen ist einmal so
wenig zu trauen als dem falschen Meer .
Sondern sie muß selber in dergleichen Ca
sibus bekennen :
Ob ich schon ein Mutter bin /
Doch mein Bewegen nimmt
viel hin .
Num.
Versa est in Iuctum luctum Cithara mea .
Job . 30 . v . 31 .
Music und Saiten=Spiel , gelten bey mir nit viel .
✾ ✾ ✾
147
Num . 34 .
Versa est in luctum Cithara
mea .
Job . 30 . v . 31 .
Music und Saiten=Spiel / Gelten bey mir nicht viel .
DEr den Menschen die Ohren / Kehle
und Finger gemacht / hat auch die
Music erfunde̅ . Pythagoras , Orpheus
und Lynus sollen / der Heydnischen Erzeh
lung und alten falsch gestimmten Leyren
nach / die ersten Erfinder der Music gewe
sen seyn / allein die H . Schrifft lehrt uns ein
anders / daß nemlich von Jubal / Lamechs
Sohn / die ersten Geiger und Pfeiffer her
kommen . Gen . 4 . v . 21 . Daher vielleicht
Jubilum und Jubilare bey denen Lateini
schen Spiel=Leuten entsprungen . Als das
Volck Jsrael aus der Egyptischen Dienst
barkeit erlöset worden / sang nicht allein
Mose / mit Einstimmung des gantzen Jsrae
K 2 litischen 148 ✾ ✾ ✾
litischen Volcks / GOTT dem HErrn
ein schönes Danck= und Lob=Lied / sondern
Mirjam Mosis Schwester / samt ihren
Gespielen / musicirten mit Paucken / und
und und diese Prophetin sang darein . Exod . 15 .
Der künstliche Harpffenist David und sein
Capell=Meister Assaph waren so glücklich /
daß sie GOTT im Himmel und seine
Kirche auf Erden mit lieblichen Meister=
Stucken erfreuen und den Teuffel verja
gen können . So haben auch die grossen
Könige in Jsrael / Salomo / Ezechias / Jo
saphat und Josias die Music sehr geliebet
und GOTT in dem Tempel zu Jerusa
lem mit allerley Saiten=Spielen und an
dern Jnstrumenten gelobet und gedancket /
wie solche Lieder / als die Psalmen David
solches selbst an den Tag legen / daß man
GOTT mit neuen Liedern / mit Paucken /
lieblichen Harpffen / Psalten und Posau
nen / ja wie im 2 . Buch der Könige 6 . v . 5 .
mit Schellen und Zimbeln / und allerley
Saiten=Spielen gelobet haben / deßwegen
im allerletzten Psalm zu solcher Music je
derman ja alles was Odem hat / aufgemun
tert wird : Lobet GOTT mit dem Schall
der Posaune / lobet ihn mit Trummeln und
Rey= ✾ ✾ ✾ 149
Reyhen / mit Saiten=Spiel und Pfeiffen /
lobt ihn mit wohl=lautenden Freuden=
Cymbeln .
Aus der Kirchen ist ferner die Music
in die Privat=Häuser gezogen worden / da
mancher Liebhaber der Music sich und an
dere mit seiner lieblichen Laute oder Harffe /
viola di Gamba , Spinet oder Orgelwerck /
Violin oder Flöthen / und dergleichen sich so
ergötzt / u . in die Music verliebt / daß er sich
selbst vergist / wie jener / der über seine Vio
la di Gamba geschrieben : Tu mea sera & so
la voluptas du bist mein letztes und einiges
Vergnügen / oder Musica noster Amor .
Warum ? Musica difficiles abigit de pe
ctore curas . Denn auch der alte Tättel
Socrates , sich nicht geschämet mit seinem
Mondschein auf dem Haubt / mitten un
ter die Schüler sich zu stellen / und erst in
seinem hohen Alter die Music / und zwar
Geigen oder Leyern zu lernen / weil er
dafür gehalten / daß solches Wissen in ge
meinem Leben nützlich und nöthig sey : Wel
ches auch die Erfahrung bezeuget / zumalen
man manche Grillen / ja den Teuffel selbst
damit öffters vertreiben kan .
Es giebt auch die Natur Anlaß / die Mu
K 3 sie 150 ✾ ✾ ✾
sic unter diejenigen Dinge zu rechnen / wel
che den Menschen nützlich und nöthig sind :
Denn wenn ein Mensch kaum etliche Tage
auf diese Welt gebohren worden / oder auch
hernachmals / in seiner schwachen Kind
heit / vor Schmertzen nicht schlaffen kan /
wenn aber die Amme oder Kinds=Kapell=
Meisterin ein und anders Wiegen=Liedlein
vorsinget / O wie süsse schlummern / saus
seln und schlaffen sie ein ! wenn sie vor der
Zeit aufwachen und unruhig werden wol
len / kan ein einig liebliches Josephs=Lied
lein die Augen wieder wundersam zuschlies
sen . Nicht allein den neugebohrnen Kin
dern ist solche Schlaff=Music nützlich und
nöthig / sondern es erquicken sich viele ga
lante vornehme erwachsene Personen da
ran / wenn sie mit einer lieblichen Nacht=
Music beehret / aufgewecket und gleichsam
wieder eingeschläffert werden .
Am wundersamsten sollte einem für
kommen / wenn er in 4 . Reg . 3 . v . 15 . lieset /
daß / wann der Prophet Elisa weissagen sol
len / er einen Spielmann begehrt / damit
sein Gemüth desto besser ermuntert wor
den .
Ob aber ein Sterbender Freude und
Ver= ✾ ✾ ✾ 151
Vergnügung an der Music finden könne /
sollte einer wohl zweiffeln / wenn nicht
ein bekandtes Exempel solches etlicher
massen erwiesen / indem wir lesen / daß nicht
nur Ludovicus Cortes ein Jurist zu Padua
Vermög seines Testaments / mit lauter
lustigen Music und Saiten=Spielen sich
auf seinem Tod=Bette / sondern auch daß
ein anderer vornehmer Herr sich die für
trefflichste Music bestellet / unter welcher
er gantz vergnügt eingeschlaffen / und diß
Zeitliche samt der Music geseegnet .
Wann dieser gemeynt / den Tod noch
eine Weile zu averti ren und diverti ren / und
also sein Leben zu fristen / hat er sich sehr be
trogen / denn der Tod schneidet Saiten
und Freuden in einem Augenblick ab / ma
chet eine Pausam generalem und bekennet
selber :
Music und Saiten=Spiel
Gelten bey mir nicht viel .
K 4
Num.
152
✾ ✾ ✾
Num . 35 .
Medice , cura te ipsum .
Luc . 4 . v . 23 .
Des Artzten sein Kunst Findt bey mir kein Gunst .
WElche denen feindlichen Aprochen
und Sappen des Todes am mein
sten contramini ren / sind die Medici ,
die Herren Doctores der Artzney . Sowohl
die Galenici als Hippocratici , und was son
sten von diesen Ertz=Vättern abstam̅et / von
alten und neuen Schismaticis , darunter die
Paracelsi sten und Helmontia ner mit ihren
vermeynten Gold=Pulvern und Gold=Tin
ctu ren / guldenen Panace en und Universal -
Artzneyen / item mit ihrem verlohrnen oder
nie erfundenen Lapide Philosophorum sich
aller Orten sehen und hören lassen / mit der
allerzierlichsten Praler= und Lügner=Rhe
toric ausgeschmückt und ausgespickt / daß
man sie wohl für delicate zugerichtete Haa
sen mögte passiren lassen . Derer Anzahl
heutiges Tags / bey der nach dem Auro po
tabili so durstigen Welt / so angewachsen /
daß man in grösten Städten kaum so viel
scheck= Medice
Cura te ipsum .
Luc . 4 . v . 23 .
Des Artzten sein Kunst , find bey mir kein Gunst .
✾ ✾ ✾ 153
scheckigte Hund finden kan / als solche Me
dicastros und Aff ter=Doctores in einem
Städtlein / zumalen sie auch das Privile
gium der Herren Medicorum , impunè oc
cidendi , mit zu geniesen haben . Es will jetzt
ein jeder Narr ein Doctor seyn / da sie wahr
hafftig Doch=Toren sind . Die um ein
schlechtes Geld manche albere / leichtglau
bige Leute von hohen und niedern Stands
zu Narren zu machen und zu persuadi ren
wissen / sie könnten mit ihren NB . Arcanis
den Tod auf viel Meil Weeg von ihren
Höfen und Pallästen verbannen / daß er in
einem halben Seculo sich dort herum nicht
dörffte blicken noch spühren lassen / als wie
einer der Vogel=frey gemacht worden .
Mit was für sesqui pedalibus verbis sie
ihre Schmiererey und Antidota Mortis ,
Alexipharmaca wider alle Pestilentziali
sche / ansteckende / hitzige Fleck= und Haupt=
Fieber / und Summa Summarum alle
Kranckheiten / sie mögen Namen haben
wie sie wollen / sie mögen sich von Neapoli
oder Franckreich / Ungarn oder Polen her
schreiben / herausstreichen / ist billig zu ver
wundern . Der prangt mit einem herrli
chen Specifico wider die Gelbsucht / und
K 5 hat 154 ✾ ✾ ✾
hat er sie selber am Hals : Ein andere stol
tziert mit seinem Antipodagrico , Antihe
ctico , Antinephritico &c . &c . und ist er
schon davon fast erkrummet / erlahmet und
verhutzelt / wie ein verwelckter Pfifferling .
Dieser prahlt mit einem Elixier vitæ und
Tinctura Carminativa wider die Ructus
Stomachi und Flatus intestinorum , und
kroltzt ihm der Bauch . Er kan besser als
Demosthenes und Cicero , ore clauso , re
den / daß man ihn einen Büchsen=Schuß
weit vernemlich hören kan . Ein anderer
pflegt / deme der Tod selbst schon aus den
Augen heraus lacht / seine Antimoniali
schen / Solari schen / Lunari schen / Martiali
schen / Tatarri schen Saltz und Magisteriis und
himmlischen Theriacks- Pillen fast Göttli
che Natur zuzuschreiben / daß es kein
Wunder / wenn manche grosse Herren / die
sich von der Immortali tät träumen lassen /
einen oder zween Gran von solchem Reme
dio mortis für ein grosses Geld bezahlen
und sich aber öffters den Tod / den sie son
sten viel wohlfeyler bekommen können / all
zutheuer an sich gekaufft . Denn ach wie
bey vielen hat eine Panacea oder Mercurius
vitæ den Tod befördert ! das aqua vitæ mi
rabilis ✾ ✾ ✾ 155
bilis ist manchen schon ein Aqua mortis la
mentabilis worden / auch dem / der sie ge
macht und verschrieben / und zwar nit eben
nur aus Verordnung eines Pseudochymici
oder Circumforanei , eines Marckschreyers /
Theriacali sten / Methridati sten Orphiani sten
und Oculi sten / Stein= und Bruch=Schnei
ders / der die Sehenden blind und die Kran
cken todt machen kan / sondern auch / von
manchen Hochgelehrten / Hochberühmten /
Hocherfahrnen / Hochansehnlichem vieler
grosser Herren und Fürsten hochbeliebten
und principe Medicorum .
Denn auch grosse Medici , denen der
Hippocrates und Galenus Paracelsus und
der Apollo selbsten an allen Orten zu Sack
und Taschen hervor guckt / haben unzehlig
vielmal den Fleck neben das Loch gesetzt /
und mortem pro vita procuri rt / die doch
sich eingebildet / sie könnten den Tod ins
Narren=Häussel sperren / wenn sie nur
wollten / ja sie hätten ihn wie ein Gespenst
gefangen / und vor aller Welt öffentlich
Schau getragen . Allein wenn ihre Excel
lenz bißweilen kommt / den Patien ten zu be
suchen / so laufft man ihm entgegen / er soll
sich nicht bemühen / der Patient habe auf die
gestri= 156 ✾ ✾ ✾
gestrigen Stärck=Pillen und empfangenen
Clystier , Purgier und Aderlässe / Vomitiv
und Schwitz=Pulver diß Zeitliche schon
mit dem Ewigen verwechselt . Holla ! fol
get die Antwort : Wie kommt das ? Jst
das möglich ? Es muß nur ein Schlagfluß
per accidenz dazu kommen seyn / denn mei
ne Medicamenta sind præsentissima , pro
batissima , infallibilia . Effectus testatur de
causa . Bald hat sich der Patient nicht me
dicè genug verhalten / bald ist der Monds=
Bruch daran schuldig / bald müste in der
Apothecken ein Fehler vorgangen seyn /
oder er müste sich verschrieben und vor zwey
Gran von Tartaro Emetico , zwey Drach
mas oder gar Untzen gesetzet und ein X . für
ein V . gemacht haben . Wiewohl die Haubt=
Excüse alsobalden angeführet wird : Non
est in Medico semper relevetur ut æger , in
terdum docta plus valet arte malum . So
eine gefährliche und ungewiesse Sache um
die Medicin , so liederlich und verwegen ge
hen manche damit um / lebt also ein Medicus
in einem gefährlichen Stand / und ist doch
ein malum necessarium in hac mortalitate .
Wohl dem / der dessen entbehren kan ! die
guten Bissel aus der Todten=Kuchen sind
jeder= ✾ ✾ ✾ 157
jederman wohl zu vergönnen . Doch ha
ben auch solche Leute schwehre Verant
wortungen auf ihnen / wann sie eines eini
gen Menschen Leben verwahrlosen / noch
viel schwehrer / wenn sie so viele dem Tod
in die Hände lieffern und den Kirchhoff fül
len . Sie mögen nicht vergessen / was in
der Epistel an die Hebr . 9 . v . 27 . auch ihnen
zur Nachricht aufgezeichnet worden : Den
Menschen ist gesetzt einmal zu sterben / dar
nach aber das Gericht .
Denn es kommt die Zeit so wohl alten
Practicis , als jungen Doctoribus , die kaum
angefangen / wider den Tod zu agi ren / und
ihn mit ihren Pilulis , Wind=Kugeln und
Stinck=Töpffen zu bombardi ren / daß der
Tod sie ausspöttelt und ausbeutelt : Medi
ce , cura te ipsum te ipsum .
Des Artzten seine Kunst
Findt bey mir keine Gunst .
Num.
158
✾ ✾ ✾
Num . 36 .
Dives cum dormierit .
Job . 27 . v . 19 .
Geld und Gut Nichts helffen thut .
ES hat schon mancher sein Leben mit
Geld errettet / nicht nur im Krieg /
sondern auch sonst auf der Reiß / ja
wohl zu Haus . Jn mancherley Leibes und
Lebens=Gefahren haben öffters die Schim
mel und Fuchsen das beste gethan / und
manchen dem Unglück glücklich entzoge̅ / der
sonst als wie ein schwehrer Karrn im Mo
rast hätte müssen stecken bleiben . Mancher
hat mit seinem weissen und rothen Viger
ner / seine Kercker=Meister samt der Wacht /
so ihn auf dem Tod sollten gefangen halten /
so geschmiert / berauscht und geschwärtzt /
daß er samt seinem Kopff / der schon ge
wackelt hatte / davon lauffen können . Das
mag wohl seyn / und lehrt es zwar auch die
tägliche Erfahrung / daß man mit Geld
sein Leben in mancherley Fällen retten und
erhalten können . Das geschicht aber nur
zwischen Menschen / die sich gerne mit sol
chem Dives cum dormierit .
Job . 27 . v . 19 .
Geld und Gut , nichts helffen thut .
✾ ✾ ✾ 159
chem Balsam schmiren lassen / aber zwi
schen GOtt und Menschen / und zwischen
Tod und Menschen gehet diese Schmierung
nicht an / GOtt und der Tod hält Gold und
Geld für Koth . Was kan ein Mensch ge
ben / daß er sein Leben wieder von GOtt
erkauffen möchte / wenn er dasselbe einmal
verlohren / oder nicht gerne verliehren wol
te ? Es gehet solchen Gold=Käfern / die zum
Gold=Klumpen sagen : du bist mein Trost /
recht wie den albern Kindern / die sich Geld
von Karten=Blättern machen / und meynen
sie seye̅ reiche Leute / wenn sie aber im Kram
Zucker dafür kauffen wollen / sich auslachen
lassen und hören müssen / daß ihr Geld nicht
gültig sey .
So machts auch der Tod / wann ihm ein
reicher Gold=Wurm und Thaler=Wür
bel / der gantze Schiffe / so mit Geld und
Gold beladen / an sich gezogen / alle seine
Louy d’or , alle Duplon en / Pistolett en / Kro
nen / Ducaten und Reichsthaler / und zu
gleich all sein Gold und Silber=Geschmeid
Perlen und Edelgestein / seine gantze Schaz=
Kammer / ja sein gantzes Königreich anböt
te / wie der Teuffel dem HErrn CHristo
auf einem sehr hohen Berg / alle Reiche der
Welt 160 ✾ ✾ ✾
Welt und ihre Herrlichkeit offeri rt / daß ihm
der Tod nur noch einige Tage sein Leben
schencken wollte / so würde er ihn nur aus
lachen und sagen : Du Narr ! meinestu / daß
man allenthalben so viel von Geld hält / als
bey euch thörichten Menschen ? Jch achte
des Drecks nicht / auf ! fort ! packe dich mit
deinem gläntzenden Misthauffen . Fort mit
dir / du must sterben und nicht lebendig blei
ben .
Und wenn auch mancher / den Tod zu
trotzen und ihm zu entwischen / die berühm
testen Doctores und Todten=Feinde auf der
Welt von allen Orten und Enden der Welt
herbeschreiben / und durch seinen güldenen
Magnet an sich ziehen ließ / mit den allerrei
chesten Verheissungen und Belohnungen /
über das auch gantze Fuder Perlen=Milch
und Aurum potabile ausschöpffe / gantze
Kübel voll Lebens=Balsam verschmierte / so
wird er doch endlich mit seinem Schaden er
fahren / und mit seinem Tod bezeugen und
klagen :
Geld und Gut /
Nichts helffen thut .
Num.
Quasi aquæ dilabimur in terram .
2 . Reg . 14 . v . 14 .
Wie das Wasser sinkt in die Erden , so wirds mit uns nit anders werden .
✾ ✾ ✾
161
Num . 37 .
Quasi Aquæ dilabimur in
terram .
2 . Reg . 14 . v . 14 .
Wie das Wasser sinckt in die Erden / So wirds mit uns nicht an
ders werden .
OB gleich offt starck und lang regnet
und ein Kittel=Wascher nach dem
andern kommt / daß man fast be
sorgen sollte / wenn GOtt dem Noah / und
dem Menschlichen Geschlecht / nicht ein an
ders versprochen und gesagt hätte : Meinen
Bund will ich mit euch aufrichten / und soll
hinführo mit nichten alles Fleisch durchs
Wasser der Sündfluth getödtet werden /
auch soll hinführo keine Sündfluth mehr
kommen und die Erden verwüsten / Gen . 9 .
v . 11 . es dörffte noch eine Sündfluth kom
men / so verschlaufft / verlaufft un̅ verkriecht
sich doch offt in wenig Stunden all solches
Regen=Wasser / als wie die Regen=Wür
L mer 162 ✾ ✾ ✾
mer in die Erden / daß man nicht glauben
sollte / wie doch solche Menge Wasser so ge
schwind sich unsichtbar gemacht habe : Also
werden offtmals in kurtzer Zeit gantze Län
der von der Pestilentz / gantze Armeen , die /
wie die Sündflut / die gantze Welt über
schwemmt / von der Erden verschluckt und
wie Wasser eingesoffen / daß man bald nichts
als Staub und Aschen daselbst finden kan .
Es mag leicht ein dürrer Ost=Wind dar
über streichen / so wird die durstige Mut
ter der Erden alles Blut und Leben so vie
ler tausend Menschen an sich ziehen / wie ein
dürr Fuder Heu ein Schaff voll warm
Wasser . Ne gutta supersit .
Wie viel tausend Jsraelitten sind in der
Wüsten / auf der Reise nach dem gelobten
Land / wie Wasser versiegt ? Jn einer Nacht
schlug der Engel des Herrn im Lager von
Assyrien 185000 . 4 . Reg . 19 / 35 . Wo ist das
grosse Heer deß Königs Darii / die mit ihren
Cameelen und Pferden fast gantze Strö
me ausgetruncken ? sie sind wie Wasser
in die Erde verschlupfft . O wie viel 100000 .
haben doch nur in etlichen Jahren her von
Krieg / u . Pestilentz / und 100 . andern Krank
heiten und Zufällen getödtet in die Erden
sich ✾ ✾ ✾ 163
sich verkrochen ! weil die Menschen die Sün
de / wie Wasser in sich sauffen . Hiob . 15 . v .
16 . so werden sie auch von der Erden hin
wiederum wie Wasser eingeschluckt / und
muß ein jeder mit David aus dem 21 . Ps .
endlich klagen : Jch bin ausgeschüttet wie
Wasser . Wie bald wird mich die Erde gar
verschlinge̅ ? Sehr nachdenklich schreibt der
weise Salomon in seinen Sprüchen am 30 .
Cap . v . 16 . Die Erde wird nicht Wassers
satt / so wenig das Feuer spricht / es ist genug .
So wird auch die Erde nicht Menschen satt .
Derowegen / O Mensch ! schike dich bey Zeit
recht dazu / die Erde hat vielleicht schon ihr
Maul und Rachen weit gegen dich aufge
than / dich zu verschlingen / wie dorten der
grosse Fisch den jungen Tobiam verschlun
gen wollte / welcher mit lauter Stimm ge
schrien : O Herr er will mich fresse̅ ! Schrey
en hilfft zwar hier nicht / aber wohl bereuen
und seine Nichtigkeit demütig erkennen .
Wie das Wasser sinckt in die
Erden /
So wirds mit uns nicht an
ders werden .
L 2
Num.
164
✾ ✾ ✾
Num . 38 .
Defecerunt sicut fumus dies
mei .
Ps . 10 . v . 4 .
Mein Leben bestehet / Wie der Rauch vergehet .
UNter andern eiteln nichtig=flüchtig=
eiteln u . vergänglichen Dingen / wo
mit das Menschliche Leben gar wohl
und schicklich kan verglichen werden / ist
auch Rauch und Dampf / welcher geschwind
entstehet / und zwar bald eine grosse Figur
macht / sich weit und breit ausdehnet / aber
auch wieder nach un̅ nach zertheilet und ver
jaget wird . So ist auch warhafftig unser Le
ben beschaffen / es bestehet u . vergehet bald .
Wie ein Rauch einen lieblichen Geruch von
sich giebt / als der andere / nach dem die Mate
rien beschaffen / so auf die Kohlen geworffen
werden / zum Exempel wenn man Teuffels=
Dreck / asam fœtidam , Filtz / Bocks=Horn
und Klauen / alte Beltze und Lumpen r c.
auf Defecerunt sicut fumus
dies mei .
Ps . 10 . v . 4 .
Mein Leben bestehet , wie der Rauch vergehet .
✾ ✾ ✾ 165
auf eine mit glüenden Kohlen gefüllte
Kohl=Pfannen legt / so wird die Nase wenig
dadurch soulagi rt werden / wenn sie klaget :
Es stinkt ! Hergegen / wenn man Weyrauch /
Zimmet / Galban / Nägelein / Agtstein Sto
rax und dergleichen dem Rauch=Gefäß
einverleibet / so wird man den lieblichen
Geruch nicht genugsam rühmen und prei
sen können .
So ists auch mit deß Menschen Leben
beschaffen / der sich mit Teuffels=Wercken /
und allerley Schanden und Sünden / wi
der sein Gewissen / beflecket / dessen Leben und
Lob stinckt / und solches Gestänck währet
öffters biß in den Tod / und nach dem Tod :
Hergegen giebt auch eines Menschen Gott
seliges Leben einen lieblichen Geruch / so im
Leben / als nach dessen Absterben / von sich /
so allezeit länger dauret / als solches tugend
hafften Menschen Leben selber .
Hierzu kommet noch dieses / daß ein
gifftiger Dampf viele Menschen infici ren /
ein klein Körnlein Weyhrauch aber viele er
quicken kan . Also kan auch ein böses Leben
eines eiteln hoffärtigen / geitzigen / wol
lüstigen / unzüchtigen Menschen viele är
gern / und hergegen ein gutes Leben eines
L 3 from= 166 ✾ ✾ ✾
frommen Christen auch viele erbaue . Es
gehet aber auf dieser Welt insgemein so zu /
daß ein stinckender Bock un̅ Mast=Schwein
für dem die H . Engel / und alle rechtschaffne
Christen die Nasen zuhalten / sich einbildet /
es sey alles Bisam / so von ihm ausdünstet /
und hergegen wär ein anderer / alles mit
Mistbalsam / der den lieblichsten Geruch ei
nes Gottseeligeu Gottseeligen Lebens und Andächtigen
Gebets täglich auf dem Altar seines glau
bigen Hertzens GOtt opffert .
Solchen Leuten hat der Teuffel den
Schnuppen gemacht / daß sie entweder
nichts Gutes von ihren neben Christen rie
chen können / oder / wie die hystericæ den
lieblichen Geruch nicht leyden wollen / son
dern lieber alte angezündete Schuchfleck /
und andere stinckende Species , damit man
Menschen und Vieh mortifici ren kan / für
Ambra und Bisam achten . Solche Mist=
Fincken mögen wol eines Schnupptobacks
der selbst=Erkändtnis sich bedienen / da
mit der Unflath aus ihren Nasen und Ge
hirn gezogen werde . Sie mögen nur in
ihren eigenen Busen / oder in ihr und ande
rer Sterblichen Todten=Särge und Grä
ber ihre verkehrten Nasen stecken / damit sie
nicht ✾ ✾ ✾ 167
nit / als Nasen=Weise / dermaleins zum ewi
gen Schwefel=Dampf verwiesen werden /
da der Rauch ihrer Quaal wird aufsteigen
in Ewigkeit / Offenb . Johannis Cap . 14 .
vers . 11 .
Ach ihr Sterbliche ! lasset uns beden
cken / daß von Natur nichts guts in uns /
nichts / als Stanck / unserer Sünden / in die
Höhe steige / und daß all unser Leben eitel /
nichtig / flüchtig / vergänglich und ein
Dampf / und der Reinigung allezeit höchst benöthiget seye / damit wir uns bey Zeit
recht erkennen / und / an statt deß eiteln
Dampfs unserer Eigenliebe / nach bestän
digen / und sonderlich nach solchen Dingen
trachten / die uns einen Geruch des Lebens
zum Leben / und nicht einen Geruch des To
des zum Tode geben / 2 . Cor . 2 . v . 16 . Denn
es wird doch einmahl mit einem jeden heis
sen : Defecerunt sicut fumus dies mei :
Mein Leben bestehet
Wie ein Rauch vergehet .
L 4
Num.
168
✾ ✾ ✾
Num . 39 .
Æstimaverunt lusum esse vi
tam nostram .
Sap . 15 . v . 12 .
Das Leben ist ein Spiel / Mit mir g’winnt keiner viel .
DJe DIe eigennützige / gewinnsichtige ge
wissenlose / GOtt und Ehr=verges
sene Spieler und Doppler / Leut=
Beschneutzer und Beutel=Credenzer , und
dergleichen spitzfündige tausend Künstler /
die dafür halten unser Leben sey nur eine
Kurtzweil / und der Wandel des Men
schen sey allein auf zeitlichen Gewinn ge
richtet / den man überall her / auch aus bösen
Dingen / ziehen müsse / kommen auch auf
das Theatrum / in dieser Todten=Capell /
aber so lustig und listig sie sonsten drein se
hen / so betrübt sieht dieser aus . Wenn er
auch sonst so viel verspielt hätte / glaub ich
nicht / daß er sich gar die Haar würde aus
gerissen haben / allein jetzt ist er gantz ausser
Sin= Æstimaverunt lusum esse
vitam nostram .
Sap . 15 . v . 12 .
Das Leben ist ein Spiel , mit mir g’wint keiner viel .
✾ ✾ ✾ 169
Sinnen . Warum ? Er ist über den Un
rechten kommen : Denn der Tod versteht
das Elphenbein und Ochsenbein so gut / als
die Menschen=Bein . Es kan niemand so
gut knüpffen als er . Mit wem er anfäht
zu spielen / der verspielt / wenn er sein leb
tag nicht ein Spiel verspielt hätte . Die
Ursach solcher Verzweifflung ist / weil er
Zeit Lebens an nichts wenigers / als an den
Tod und sein Sterben gedacht und nun
aber allzufrüh erfahren muß / daß er Lab et,
seine zusammen gespielte gestohlene Duca
ten und Thaler / samt seinem Leben und sei
ner Seelen Heyl und Seeligkeit verspie
let / gemartscht und geschneidert worden .
O wie viel sind also schachmatt worden / eh
sie sichs versehen ! Der berühmte Jesuita /
Delrio erzehlet an einem Ort / daß er ei
nen Edelmann / so in grossen Ehren war /
gekannt / der sein lebenlang das Karten=
Spiel geliebet / als er aber auf sein Tod=
Bette kam / hat er begehrt / daß man
Karten hergeben sollte / auf daß / ob er
selbst nicht mehr spielen könnte / er doch
andern Spielenden zusehen und sich daran
belustigen möchte . Ob ihn dieses verfluch
te Gebet=Buch in seiner letzten Stunde /
L 5 so 170 ✾ ✾ ✾
so viel Trost ertheilen können / als er wohl
wird vonnöthen gehabt haben / oder noch
vonnöthen hat / mag er auf seine Gefahr /
erfahren haben . Ach unglücklich gespielt /
das Leben verspielt ! wie betrüben sich man
che Kriegs Gurgeln / wenn sie / ihrer Ubel
thaten halber / auf der Trummel / wer un
ter ihnen soll gehangen werden / ums Leben
spielen müssen ! wie bald ist da das Leben
verspielt ! wenn aber an solchem Verlust
auch der Verlust des ewigen Lebens han
get / O so ist der Verlust / Schimpff und
Schande noch grösser und unersetzlicher .
Besser in Ewigkeit nicht spielen / als
also spielen !
Das Menschliche Leben ist einem Spiel
auf dem Bret=Spiel gleich / so man das
Verkehren nennet . Gleichwie in diesem
Spiel nicht allemal der Wurff geräth wie
man will / die Kunst aber meinstens darin
nen bestehet / daß man / was unglückliche
Augen verwirren durch fürsichtiges Se
tzen und Versetzen wieder einbringen muß :
Also geräths in unserm Leben auch nicht
wohl / wie wir wünschen / der ist aber klug /
der mit gebührender Aufsicht seinen Feh
lern und Unfällen begegnet / und was zu
ändern ✾ ✾ ✾ 171
ändern ist / mit standhaffter Gedult erträ
get und überwindet / vornemlich aber auf
das Ende des Spiels fleissig Achtung giebt /
wohl wissende / wie das Spiel ein Ende
nimmt / und die Bret=Stein wieder zusam
men und unter einander geworffen wer
den / also müsse auch unser Leben ein Ende
nehmen / und / wir haben gewonnen oder
verspielt / endlich dem Tod Hosen und
Wammes überlassen / und ihm gewonnen
geben ; deßwegen er auch rühmt :
Das Leben ist ein Spiel /
Mit mir g’winnt keiner viel .
Num.
172
✾ ✾ ✾
Num . 40 .
Cecidit flos .
Es . 40 . v . 7 .
Auch die schönesten Narcis
sen Werden von mir abgeris
sen .
DEr Heilige Apostel Jacobus ver
kündiget denen Reichen dieser
Welt in seiner Epistel am 1 . Ca
pitel eine schlechte Zeitung / wenn er im
10 . und 11 . Versicul schreibt . Der Rei
che wird wie ein Blum des Gras verge
hen / denn die Sonn ist aufgegangen mit
der Hitze / und das Gras verwelckt / und
seine Blum ist abgefallen / und die Schön
heit seiner Gestalt vergangen ; Was hier
von denen Reichen verkündiget wird / daß das
spricht der Prophet Esaias am 40 . Ca
pitel Cecidit Flos .
Esaiæ . 40 . v . 7 .
Auch die schöneste Narcissen werden von mir abgerissen .
✾ ✾ ✾ 173
pitel von allen Menschen : Alles Fleisch
ist Gras / und alle seine Herrlichkeit ist wie
eine Blume auf dem Felde / das Gras ist
verdorret / und die Blume ist abgefallen /
denn der Geist des HERRN hat gebla
sen . Jn der Warheit / das Volck ist
groß . Das Gras ist dürre worden / und
die Blum ist abgefallen . Welches auch
Sanct Peter in seiner 1 . Epistel 1 . Ca
pitel v . 24 . wiederholet . Job und Da
vid haben von dieser vergänglichen Blum
ein schönes Liedlein gesungen : Der
Mensch vom Weib gebohren / lebt kurtze
Zeit / und wird mit vielen Elend erfüllet /
er gehet auf wie eine Blume / und wird zer
tretten . Job 14 . v . 1 . 2 . David schreibt
im 102 . Psalm v . 15 . Des Menschen Ta
ge sind wie Gras / er wird ausblühen / wie
eine Blume auf dem Felde : Denn es
wird ein Wind darüber wehen / so wird er
nicht mehr bestehen / und er wird seinen Ort
hinführo nicht mehr kennen .
Es ist zu verwundern / warum uns der
Heilige GOtt so offt wissen lassen / daß alle
Menschen den Blumen gleich sind / ehe
welche / mans sich versiehet / verwelcken / und
ihre 174 ✾ ✾ ✾
ihre Zierd und Schönheit verliehren :
Ohne Zweiffel / weil diß gleich uns so gar
aptè , schicklich und eigentlich sich applici
ren lässt . Denn was ist dem Menschen
in allen Stücken ähnlicher / als eine Blu
me ? und was ist einer Blume ähnlicher als
ein Mensch ?
Eine Blume geht erst nach und nach
aus ihrer Zwiebel oder Wurtzel auf / wenn
sie die Sonnen=Wärme empfindet /
kommt sie hervor / und wächset gleichsam
im Verborgenen / biß ihr Haubt / nach vie
lem ausgestandenem Ungemach vom Re
gen / Wind / Hitz und Frost hervor bricht /
und ihre Schöne sich nach und nach zeiget .
Ein Mensch wird in Mutter=Leib empfan
gen / und durch die natürliche Wärme be
lebet und geheget / und wächset so lang im
Verborgenen / biß die Stund seiner Ge
burt herein bricht / und er sein Haubt em
por heben / und des Tages Liecht / und freyer
Lufft / geniesen kan . Darauf wächst er un
ter mancherley Anstoß / Unruh / Schmer
tzen und Kinder=Beschwehrnissen immer
grösser / biß er eine vollkommene Gestalt
bekommt / rothe Wangen und Lippen /
Krafft ✾ ✾ ✾ 175
Krafft und Stärck / Anmuthigkeit und
Schönheit . Keine Blume kan offtmals
so herrlich prangen / keine Rose so schön
glühen / keine Tulipan die Augen so hoch
ergötzen / als manche schöne holdseelige
Menschen=Blum : Ein schöner Absolon /
eine schöne Esther . Ein lustiger und an
muthiger Narcissus und Narcissa . De
ren Engel=Angesichter auch die Mohren
und Teuffel bewundern und beneyden /
und Paris und Helena sich vor ihnen ver
kriechen müssen . Sie sehen öffters aus /
als wenns erst neulich aus einem Ey wä
ren geschählet worden : Der Mahler kan
die Farben nicht hoch genug treiben / und
die liebliche / holdseelige / anmuthige / und
Engel=gleiche Minen nicht zierlich und
ähnlich genug ausdrücken und ausschmü
cken . Ach aber hinfällige / vergängliche
Waar ! O eitler Blumen=Kram von al
ler Menschen Schönheit und Zierd ! wie es
den schönsten Blumen gehet / so gehets auch
den Menschen=Kindern / Wann die Ro
se / die Tulipan / das tollgeschmückte
Mahen=Haubt / die Narcissen und Tube
rosen / und alle Reichthum und Zierd / und
Flo= 176 ✾ ✾ ✾
Floren=Kinder am schönsten und anmuthig
sten prangen / und den herrlichsten Glantz u .
lieblichsten Geruch trotz allen Apotheckern /
von sich geben / so kommt der Gärtner und
schneidets in einem Schnips ab / oder kommt
ein rauer Nord= oder hitziger Sud=Wind /
oder sonst ein Unfall von einem Ungewitter
oder Ungeziefer / Vogel / Maus / Raupen
und dergleichen / und legen die schöne
Blume mit all ihrem Schmuck und Ge
ruch in des Todes Staub . So gehts natür
lich mit denen schönsten Menschen=Kindern
sowohl / als mit den heßlichen Affen=Ge
sichtern auch . Eh sie sichs versehen / kommt
eine Kranckheit und endlich ein Todten=
Windlein / so liegt die Blum im Staub /
und der Gärtner / der Tod / schneidet und
reisst gantz unbarmhertzig den Lebens=Fa
den und die Sonnen=Blum ab . Cecidit
flos , heisst es alsdenn : Ach meine schöne
Liebste / ach meine schöne Tochter / meine
schöne Schwester / mein schöner Bruder /
Mann oder Freund / liegt in des Todes
Staub . Die holdseligen Augen sind ge
brochen / die Lippen und Wangen verbli
chen / der weisse Lilien=Leib erblasset und
ver= ✾ ✾ ✾ 177
verwelcket . O Schönheit / Eitelkeit !
wer sich darinnen vergaffet / der ist dem
gleich / der sich in eine schöne Blume verlie
bet . Wie bald aber verwelcken beede / und
bleibet solchen Liebhabern nichts zuruck /
als die Einbildung und Klag : Ach Schad /
daß die so edle Blum so bald verwelcken
müssen . Je mehr sie sich darüber betrü
ben / je weniger fragt der Tod darnach .
Da macht sich der Blumen=Feind kein Ge
wissen drüber / und heist bey ihm offt / je
schöner / je lieber / die heßlichen bleiben
über / die schönen sterben .
Auch die schönesten Narcissen
Werden von mir abgerissen .
M
Num.
176
178
✾ ✾ ✾
Num . 41 .
Oritur Sol & occidit .
Eccl . 1 . v . 5 .
Schöne steigt die Sonne hinauf / Endet aber bald den Lauff .
ES steigt und fällt alles in der Welt /
und ist also nichtes beständiges un
ter der Sonnen . Sie gehet auf
und gehet unter / und kehret wiederum zu
ihrem Ort / daselbst kommt sie abermal
hervor / und drehet sich durch den Mittag /
und wendet sich gegen Mitternacht . Der
Wind gehet rings herum / und durchwe
het alles / und kommt wieder zu seinen
Kreissen . Alle Ströme lauffen ins Meer
und das Meer gehet nicht über / die Strö
me kommen wiederum zu dem Ort / daraus
sie hergegangen sind / damit sie aufs neue
fliessen / wie der Ecclesiastes im 1 . Cap . fer
ner philosophi rt. Also gehet die Son
ne deß menschlichen Lebens auf / und gehet
wieder mit dem Tod unter . Manchmal
geht sie frölich auf / aber traurig unter /
manch= Oritur Sol et occidit .
Eccl . 1 v . 5 .
Schöne steigt die Sonn hinauf endet aber bald den Lauf .
✾ ✾ ✾ 179
manchmal geht sie traurig auf / aber frölich
unter . Welches ist nun besser ? Wenn
die Sonne in einer schönen lieblichen
Abend=Röthe heiter und hell untergehet /
so verkündiget sie einen schönen folgenden
Tag ; Wann sie aber in schwartzen dü
stern Wolcken untergehet / besorgt man
nicht unbillig / sie werde mit dergleichen
Wolcken aufgehen und einen trüben Tag
machen . Also / wenn ein Mensch im
Glauben und Busse mit willig= und fröli
chem Hertzen seelig stirbt / so folgt der aller
lieblichste Morgen des lieben Jüngsten
Tags / daran der seelig verblichene Cörper
mit der Seele vereinigt / wieder neu bele
bet / herrlich=verkläret / ja schöner als die
lieblichste Morgen=Sonne / wieder auffer
stehen / und zur ewigen Freud und Seelig
keit wird eingehen . Wann aber ein
Mensch ohne Glauben und Buß unwillig
und traurig stirbt / so folgt ein trüber / dü
sterer / ja der allerunglücklichste Tag eines
solchen Menschen drauf / daran sein ver
storbener Leib zwar neu=belebt / und mit
der Seelen vereiniget / aber in die äusserste
Fünsternuß hinaus und ewig verdammt
und gequälet werden muß . O unglück
M 2 seeli= 180 ✾ ✾ ✾
seeliger Untergang / und noch unglückseeli
ger Aufgang .
Wie eine Braut / wenn sie Morgens
aufwachet / und siehet den schönen heitern
Tag / daran sie ihr Bräutigam heimfüh
ren wird / sich von gantzem Hertzen erfreu
et / also werden sich die Frommen und
Glaubigen / so seelig und frölich verschie
den sind / einsten in der Aufferstehung un
aussprechlich freuen / wenn sie den lieben
Jüngsten Tag anbrechen / und sich herrlich
verklärt / und von ihrem Seelen=Bräu
tigam JESU Christo / in seines Vatters
Hause / da viel Wohnungen sind / sich wer
den heimführen sehen .
O Liecht / O Freud / O Wonne ! jetzt
gehet auf die Sonne / die nimmer unterge
het und ewiglich bestehet .
Wie aber ein Maleficant , wenn er
Morgens erwacht / und deß Sonnen=
Liechts / und desjenigen Tages gewahr
wird / daran er soll gerädert / oder sonst
erbärmlich hingerichtet werden / von gan
tzem Hertzen zu erschrecken / ja zu zittern
und zu zagen pfleget / also wird es auch
einsten am Jüngsten Tag denen / so unbuß
fertig gestorben / ergehen / es wird ihnen
ban= ✾ ✾ ✾ 181
bange seyn / und werden zagen und ver
zagen / weil der Gerichts=Tag angebro
chen / daran sie hören werden : Gehet hin
von mir ihr Vermaledeyten / in das ewi
ge Feuer / das dem Teuffel und seinen En
geln bereitet ist . Alsdann werden sie in
die ewige Pein gehen . Matth . 25 . v .
41 . 46 .
Wer also nicht ewig brennen und bra
ten will / der bekehre sich noch heut / damit
die Morgen=Sonne / die Barmhertzigkeit
GOttes / wie bishero alle Morgen neu
aufgegangen ist / und lasse die Sonne nicht
untergehen über seinen und über GOttes
Zorn : Denn
Schöne steigt die Sonn hinauf
Endet aber bald den Lauff .
M 3
Num.
182
✾ ✾ ✾
Num . 42 .
Messis quidem multa .
Matth . 9 . v . 37 .
Bauer gehe mit / Du ghörst in mein Schnitt .
DEr mühsame Bauers=Mann läßt
sichs sein Lebenlang Blut=sauer
werden / muß im Schweiß seines
Angesichts sein schwartzes Brod mit
Sorg und Kummer essen / und sich von
manchem Blut=Egel Krafft und Safft / ja
das helle Blut aussaugen lassen / und das
Fest des Heil . Märterers Bartholomäi
nicht nur deß Jahrs einmal / sondern öff
ters par sine begehen . Thuts sein Herr
nicht / so thuts sein Schreiber / thuts der
Vogt nicht / so thuts der Soldat / die ohne
dem sich von Nimwegen schreiben / und des
Dings gewohnt sind . Da heists öffters /
Bauer Schelm / Geld her ! Fleisch her !
Fisch Messis quidem multa .
Matth . 9 . v . 37 .
Bauer gehe mit , du g’hörst in mein Schnit .
✾ ✾ ✾ 183
Fisch her ! Bier her ! Wein her ! Bran
dewein her ! Schuncken her ! Gänß
her ! r c. Ob dieser noch so hefftig im
Kopff kratzt / daß sein Ober=Parlament
in Confusion geräth / so hilfft doch kein
Zittern vor dem Frost . Was er manch
mal so tief vergraben und vor den Räube
rischen Fleder=Mäusen und Ziegeuneri
schen Mauß=Köpffen noch so heimlich ver
borgen und gleichsam in einen Wetz=
Stein eingenehet / das muß jetzt hervor /
ob der Rost Messer=Rucken dicks darüber
stünde . Es sey denn / daß man ihm den
Kopff und den Beutel gar zu sehr incom
modi rte / daß er Rebellisch werden / nebst
seinen Nachbarn das Toden=Schwerdt /
die Sense ergreiffen und dem Tod ins Amt
greiffen müste / denn niemand kan mit die
sem Gewehr / Trotz allen Fecht=Mei
stern / so tapffer herum springen / als der
Bauer und der Tod . Der Tod mähet
die Menschen um / wie der Bauer das
Graß auf der Wiesen / und ob man den
Menschen=Mörder nur allein mit der
Sensen / und nicht zu gleich mit der Sichel
und Graß=Stumpff zu mahlen pfleget / so
verstehet er sich doch auf diese Jnstrumen
M 4 ta 184 ✾ ✾ ✾
ta ebenfalls sehr wohl / denn zur Zeit der
Erndte / wann die Aehren das Haupt han
gen / das Getraid zeitig ist / und die Felder
beginnen grau und weiß zu werden / da
kommt der Menschen=Schnitter / der Tod
mit seiner Sichel / und schneidet mit dem
Bauern in die Wette / und eh sichs derselbe
versiehet / schneidet er demselben / da er noch
die Sichel in Händen hat / Witz ! dem Le
bens=Faden / wie einen Stroh=Halm ab /
und legt ihn / wie der Schnitter / eine Hand
voll Korn nach der Länge zu seiner Arbeit
hin / und heißt :
Bauer gehe mit !
Du ghörst in mein Schnitt .
Num.
Enim vita vestra vapor
ad modicum .
Jacob . 4 . v . 15 .
Du stolzirest aber doch um
sunst dan̅ dein Leben ist nur Erden=
Dunst .
✾ ✾ ✾
185
Num . 43 .
Vita enim vestra vapor ad
modicum .
Jac . 4 . v . 15 .
Du stoltzierest / aber doch um
sunst / Dann dein Leben ist nur Er
den=Dunst .
WJe WIe alle Creaturen Propheten und
Prediger unserer Sterblichkeit
abgeben : also können / vor und
nach der Sonnen Auf= und Untergang / die
Morgen= und Abend=Röthe / nemlich
die aus der Erden und allen Wassern und
Feuern aufsteigende Dienste und Dämpf
fe / ob sie noch so schön von den Sonnen=
Strahlen illuminirt und gezieret sind / die
menschliche Nichtigkeit und Flüchtigkeit
vor die Augen und Nasen mahlen und stel
len .
Wie solches der H . Apostel Jacobus
M 5 in 186 ✾ ✾ ✾
in seiner Epistel am 4 . Cap . und 15 . Ver
sicul gleichfalls zu erinnern nicht unterlas
sen / und geschrieben : das menschliche Le
ben sey nichts anders / als ein Dampff /
der eine kleine Weile stehet / bald aber
zergehet und verschwindet . Und gesetzt /
es seyen solche Dünste / wie dicke Nebel /
hohe Säulen und grosse breite Wolcken /
noch so hoch / daß sie uns die Sonne ver
finstern / und gleichsam aus Tag Nacht
machen können / so müssen sie alle doch in
weniger Zeit / als ein Thau / Regen / oder
Schnee herab stürtzen / ob sie sich noch so
lang der Sonnen widersetzet / ja mit Kol
lern und Pollern / Donnern und Kra
chen / Strahlen und Blitzen / Hageln und
Schlagen / gleichsam Himmel und Erden
bestürmen wollen . Sie werden wieder
zu Wasser und Dampff / der sie zuvor ge
wesen .
Was können uns diese erst=beschriebe
ne prahlende Regen= und Wetter=Wol
cken deutlicher abbilden / als die grossen
und mächtigen Tyrannen der Welt ? wel
che / durch viel blutige Kriege und andere
gewaltsame Unternehmungen und Grau
samkeiten / zwar eine Zeitlang steigen und
stür= ✾ ✾ ✾ 187
stürmen / donnern und blitzen / morden
und brennen / verfolgen und wüten / bald
aber wie ein Ungewitter vorbey gehen / und
zu nüchte werden : daß man noch sagen
kan : Nubes erant . Es waren nur Wet
ter=Wolcken / die sich selbsten untereinan
der zerschlagen / zu nicht machen / und in
Regen und Dampff herab fallen müs
sen .
Wie jener Kirchen=Lehrer seine ver
folgten Schäflein getröstet : Nubecula
est , citò transitura . Die Verfolgung sey
nur ein kleines Wölcklein / so aber bald
werde vorbey gehen .
Ferner können auch die stinckende giff
tige Dünste und Dämpffe ein Vorbild
geben der gen Himmel schreyenden Sün
den der Menschen / welche sie und GOtt
von einander scheiden / und sich zwischen
beeden lagern / also / daß sie ihnen die
Strahlen der Göttlichen Gnade nnd und
Seegens aufhalten / endlich aber mit lau
ter Donnern und Blitzen des Göttl . Zorns
ihnen auf den Kopff herab kommen / daß
sie in ihrer Boßheit / ehe sie sichs versehen /
wie Sodom und Gomorra / entsetzlich ge
strafft / und in solchem Wetter / nicht wie
Enoch 188 ✾ ✾ ✾
Enoch und Elias in den Himmel / sondern
wie Core / Dathan und Abiram in den
Höllen=Pfuhl hinunter fahren müssen .
Wovon der Rauch ihrer Quaal aufsteigen
wird in Ewigkeit / Apoc . 14 . 11 .
O hätten sie am Rauch und Dampff
die Eitelkeit und Flüchtigkeit ihres Lebens
bußfertig betrachtet / so würde sie der
Rauch nicht ewig in die Augen und Ge
wissen beissen !
Aber wer achtet und betrachtet solches
zu rechter Zeit ?
Sollten denn nicht zum wenigsten die
jenigen / so immer mit Dunst / Rauch und
Dampff umgehen / sonderlich die perfumi r
ten Tobacks=Schmaucher / so ihren Mund
zum Ofen Loch / und ihr Hirn=Häusel zu
einer Rauch=Kammer machen / solche me
ditationem mortis anstellen / da sie doch
so schöne Observationes haben können ? Zu
malen wenn sie ihr kleines Feuerwerck an
stecken / und so manchen schönen Himmel
blauen / von kleinen und grossen ringlicht
gedrehten und abgezirckelten Dampff=Ra
ritäten in die Höhe blasen / und dem Vul
cano ihr stinckendes Opffer bringen . Giebt
ihnen doch alles / was sie bey solcher
Schlot= ✾ ✾ ✾ 189
Schlotfeger=Arbeit zu Hand / und in den
Mund nehmen / zu solchen unnützlichen
Gedancken überflüssige Anleitung . Se
hen sie die Tobacks=Pfeiffen an ; sie ist
Erd und Dohn / und leichtlich zerbrochen .
Was sind ihre Feuer=Wercke anders ?
Dohn und Koth / ein zerbrechlich und zer
gängliches Töpffer=Werck . Sehen sie den
Toback selbsten an / er sey ein Jndianer / En
gelländer / Holländer oder Teutscher / so
sind es Blätter einer verwelcklichen Pflan
tzen . Was ist der Mensch anders / als ein
Graß / das bald welck wird / und verdorret /
ehender als die Tobacks=Blätter ? Es ist
bald eine Pfeiffe ausgeschmaucht ; wie bald
ist die Lebens=Krafft eines Menschen ver
raucht ! Was wird endlich aus dem Toback ?
Staub und Aschen . Was aus dem Men
schen ? eben das / was lässet solch Feuer zu
ruck ? Dampff und Stanck ; was der
Mensch ? eben das . Was bilden sich dann
die so elende stinckende Dämpffe und nichtige flüch
tige Eitelkeiten / die immer höher steigen wollen /
die Menschen / endlich noch ein ? O gehet doch
zum Dampff und Toback=Rauch in die Schul
und lernet : Vita nostra vapor ad modicum .
Du stolzierest / aber doch umsunst
Denn dein Leben ist nur Erden=Dunst .
Num.
190
✾ ✾ ✾
Num . 44 .
Periit memoria eorum cum
sonitu .
Psal . 7 . v . 9 . 9. v. 7.
Das Leben währt nicht lang / Gleich wie der Glocken=Klang .
DAs andächtige Alterthum hat un
ter andern löbl . und zu mancher
ley erbaulicher Andacht anmah
nenden Ceremonien auch das Todten=
Geläut angestellt / daß man / nemlich wenn
man eine Christliche Leiche zu Grab trägt /
und als ein geistlich Waitzen=Körnlein / in
den Heil . Gottes=Acker versencken will /
die Todten=Glocke pfleget zu läuten / und
diß nicht eben bloß dem seelig = Verstorbe
nen zu Ehren / wie in den See= und andern
Nordischen Städten der Gebrauch / daß
man nur zum Gepräng / das Glocken=
Spiel dem Verstorbenen / oder vielmehr
seinem Beutel zu Ehren gehen und zusam
men spielen läßt / sondern vielmehr die
lebendig Hinterbliebene zu erinnern / daß
nun abermal einer aus ihrem Mittel den
Weeg Periit memoria eorum
cum sonitu .
Psal . 9 . v . 7 .
Das Leben wehrt nit lang , gleichwie der Glocken klang .
✾ ✾ ✾ 191
Weeg aller Welt / den sie alle gehen müs
sen / gegangen / und nun an dem sey / daß
man dessen verblichenen Cörper jetzo der
Erden einverleiben / und denen Motten
und Würmern zu Preiß geben werde / sie
dabey zu ermahnen / daß sie sich bey solchem
Glocken=Klang ihrer Sterblichkeit erin
nern / sich bußfertig zum Tod bereiten
und gedencken sollen : Wer weiß / wie bald
mir auch diese Glocke werde geläutet wer
den . Ja von diesem Schall sollen ihnen
die Ohren immer klingen / und so offt
sie eine Stunde schlagen hören / gedencken :
Vielleicht ist diß die letzte Stunde mei
nes Lebens . Vielleicht rufft mir diese
Glocke zu : Kling klang / du lebst nicht
lang . Heut heut ist aus dein Zeit . Wenn
die Todten=Glocken ausgeläutet und etli
che Schläg noch thut / glauben manche / es
werde bald wieder eines sterben / ja es
fürchten sich wohl einige Krancke / und kla
gen : Es gilt mir / der Tod rufft mir . Die
Todten=Glocke gibt das Zeichen . Recht so !
jederman / nicht allein die Krancken und alte
verlebte Leute / sondern auch alle Christen /
die nicht unbereit sterben wollen / sollen
also 129 192 ✾ ✾ ✾
also gedencken / und aber sich unverzüglich
von denen Eitelkeiten der Welt / absonder
lich von allen Sünden sich abziehen und
von gantzen Hertzen zu GOTT bekeh
ren . Damit / wenn jemand ungefähr /
bey einem jählingen Schlag=Fluß die bee
den Ohren zugleich anfangen zu klingen
und sein Hertz zu pochen und zu zersprin
gen / welches die rechten Todten=Glocken
sind / er alsdann frölich abscheiden / und der
Seelen nach / die tröstliche Stimme
Christi hören möge : Ey du frommer und
getreuer Knecht / gehe ein zu deines HErrn
Freude !
Ferner kan man auch sich der Kürtze
und Vergänglichkeit des Menschlichen
Lebens / ja seiner Ehren und Herrlich
keit / Schönheit / Gelehrsamkeit / Kunst
und Geschicklichkeit bey dieser Todten=
Glocke erinnern .
Der Kürtze unsers Lebens können
wir gedencken / wenn wir abnehmen /
wie kurtz diß Todten=Geläut sey / ein je
der Glocken=Schlag ist gleichsam ein
Wiederholung der Täge unsers vergange
nen Lebens / und wenn man aufhört zu
läuten / so klingt die Glocke zwar ein we
nig ✾ ✾ ✾ 193
nig nach / aber bald ist alles still / als wenn
sie nicht geläutet worden wäre . So
geths gehts mit unserm Leben / wann wir aufhö
ren zu leben / so hört man zwar noch eine
kleine Zeit einigen Nach=Klang unserer
Tugenden / unserer Ehren und Glücksee
ligkeiten / aber wie lang währt solcher
Ruhm ? wie bald werden wir in der Welt
vergessen / ob gleich das Gedächtnus der
Frommen im Seegen bleibt / bey den From
men / allein bey den Welt=Kindern / ist
was man Gutes gethan / leichtlich verges
sen . Und wenn manchen ewiges Eh
ren=Gedächtnus aufgerichtet wird / so
wird es mit der Zeit kaum so viel æstimi rt /
als wenn man von Ferne eine Glocke läu
ten hört / und verschwindt solcher Thon
leichtlich wieder . Pietas pulchra sepultu
ra pulchrum Epitaphium est . Die Gott
seeligkeit ist die schönste Begräbnus und
das schönste Epitaphium / ja Mausolœum
selbst . Sonsten heißts von den grossen
Hannsen und Tyrannen in der Welt : Pe
riit memoria eorum cum sonitu .
Jhr ( Wüten ) Leben währt nicht
lang /
Gleich wie der Glocken=Klang .
N
Num.
194
✾ ✾ ✾
Num . 45 .
Mortuus est in Senectute
bona .
1 . Paral . 29 . v . 28 .
Baufällig und alt Kommt bald in Tods Gwalt .
WEnn ein Haus lang stehet / so wirds
baufällig / eh man sichs versieht
und neigt sich zum Ruin / wenn
ein Mensch lang lebt / wird er schleifferlich /
alt / kahl und kalt / und neigt sich zum Grab
eh ers offt glaubt .
Der alte und kluge Kreiß Seneca kam
einmal in sein Suburbanum oder Land=
Guth / und sahe / daß die Gebäu desselben
gleichsam aus Ehrerbiethen / sich gegen
ihm neigten / und schiene / als wenn sie ihm
gar zu Füssen fallen wollten . Diß Com
pliment verdroß ihm sehr / expostuli rte deß
wegen mit dem Gärtner / warum er alles
so eingehen / und nicht bey Zeit / wann et
was Schadhafft worden / repari ren lassen :
Der Mortuus est in se
nectute bona
1 . Parali . 29 . v . 28 .
Was baufällig morsch u . alt kom̅t bald in die Tods Gewalt .
✾ ✾ ✾ 195
Der Gärtner gab zur Antwort / es sey
ohnedem geschehen / und hierinnen nichts
versäumet worden . Die Ursach solcher
Baufälligkeit sey einig und allein / weil es
schon alte Gebäude wären / die endlich mit
der Zeit verfallen müsten . Er gieng mit
Ungedult weiter im Garten / und sahe die
schönsten Bäume / als verdorrete und ab
gestutzte Storn da stehen / und beschwehr
te sich abermal über den Unfleiß des Gärt
ners / er hätte sie nicht fleißig gewartet und
begossen : Allein er muste wieder hören /
die Ursach solches Ruins wäre das Alter
thum . Seneca verwundert sich / daß die
se Gebäude / dazu er den ersten Grund=
Stein geleget / schon sollten einfallen wol
len / und daß die Bäume / die er mit eigner
Hand gesetzt / sollten schon Alterthums
wegen verdorren und zu Storren werden werden.
Er sahe aber einen uralten Kreißen unter
der Thür stehen / und fragt den Gärtner :
was er für eine Freude hätte / einen halb
todten Menschen auf der Gassen aufzuklau
ben und zu beherbergen ? als er nahe hin
zu kam / redet ihn derselbe also an : Mein
gnädiger Herr / kennt er mich dann nicht ?
ich bin der und der / an welchem er / da ich
N 2 noch 196 ✾ ✾ ✾
noch ein Kind war / so grosse Freude hatte /
und mir öffters schöne Bildlein und Pup
pen mit gebracht : Aber jetzt kan ich hohen
Alters wegen nicht mehr fort . So muß
ich wider Verhoffen glauben und mich
überzeugen lassen / daß ich alt sey / sagte
Seneca . Tacitis senescimus annis . Wir
werden stillschweigends alt / und wachsen
unvermerckt zur Erden . Ja wir baufällige /
hinfällige Menschen sind übler daran / als
die Gebäude u . Bäume . Manche stehen viel
hundert Jahr / wir / ja aus 1000 . kaum ei
ner lebt hundert Jahr / darnach heißts : Er
starb . Vor der Sündfluth mags in die
sem Stuck etwas besser mit des Menschen
Leben beschaffen gewesen seyn / da es geheis
sen : Adam war 930 . Jahr alt und starb /
Seth war 112 912 . Jahr alt und starb / Enos
war 905 . Jahr alt und starb / Kenan war
910 . Jahr alt und starb / Mathusalah war
gar 965 969 . Jahr alt und starb . Gen . 5 . aber
jetzt heißts : Unser Leben währet 70 . Jahr /
und wenns hoch kommt / so sinds 80 . Jährl .
und darnach heist es schon : Und starb . Ein
grosser Abschlag 60 . 70 . 80 . von acht / neun
hundert und 65 . Jahren . Allein es liegt
nicht an der Vielheit der Lebens=Jahre /
GOtt ✾ ✾ ✾ 197
GOtt ist ein Kind von 8 . Tagen alt genug
zum Sterben / GOtt fragt nicht : Quàm
diu , sed quàm bene . Nicht wie lange wir
gelebt haben / sondern wie wohl . Hat Ei
nem GOTT viel Jahre zugelegt / so muß
er auch mehr Rechenschafft geben / wie er
solche angewendet . Wem viel anver
trauet ist / von dem wird man viel fordern .
Je weniger nun unsere Jahre und je kür
tzer unser Leben ist / je sorgfältiger sollen wir
die Zeit in acht nehmen / und die Baufällig
keit unsers Leibes als ein Kennzeichen und
Warnung ansehen / wegen unsers heran
nahenden Todes / und gedencken :
Baufällig und alt
Kommt bald in Tods Gwalt .
N 3
Num.
198
✾ ✾ ✾
Num . 46 .
Commedent canes carnes
Jesabel .
4 . Reg . 9 . v . 37 .
Glatte Gsichter schöne Gstalten Kommen nicht allzeit zum Falten .
JN die Comödien und auf die Ball /
Hochzeiten und Festivit äten hört
und sieht man wohl / daß sich das
Frauenzimmer schmücke / und sich auf das
galanteste aufbutze / aber zum Sterben hat
sich schwehrlich noch eine geschmückt und
geschminckt / poudresi rt und pomadesi rt /
flasterirt und fabriclesi rt; ausser die schänd
liche Jesabel / zum Hunds=Mahl / da sie sel
ber die Wildpret=Pasteten und Canari-
Sect-Pipen abgegeben .
Diese erschröckliche Hunds=Gasterey /
dabey eine geschmückte und geschminckte
Königs=Tochter / biß auf den Haupt=
Schedel und die Füsse / und das Obertheil
der Hände verzehret / und zuvor von den
Pferden fricasi rt worden / ist nicht ohne
Verwunderung zu lesen im 4 . Reg . 9 . Cap .
da Comedent oanes canes carnes
Iezabel .
4 . Reg . 9 . v . 37 .
Glatte Gsichter , schöne Gstalten kom̅en nit alzeit zum Falten .
✾ ✾ ✾ 199
da Jesabel den Einzug Jehu hörte / be
strich sie ihr Angesicht mit Schmincke und
schmückte ihr Haupt / und sahe aus dem Fen
ster . Wer ist diese ? fragte Jehu / und sprach :
stürtzet sie von oben herab / und die Wand
war mit Blut besprenget / und die Pferde
zertratten sie mit ihren Füssen / alsdann
leckten die Hund ihr Blut / und frassen sie
auf biß auf obbesagte wenige Stücke / denn
es muste das Wort des Herrn / das er durch
seinen Knecht Eliam / den Thesbiter ge
redt hatte / wahr werden : Auf dem Acker
Jesrael sollen die Hunde Jesabel Fleisch es
sen / u . das Fleisch Jesabel / soll auf dem Acker
Jesrael / wie Koth auf dem Angesicht der
Erden liegen / dergestalt / daß die vorüber
gehen / sagen sollen ! Jst diß die Jesabel ?
Kommt her ihr schönen Jesabel / ihr stol
tzen / hoffärtigen und geschmückten Staats=
Tocken / ihr übertünchte Todten=Gräber /
seht an das Straff=Gericht / so GOtt über
eine abgöttische / blutgierige / boßhaffte /
hochmüthige Pfaffen=Feindin / ob sie gleich
eines Königs Tochter gewesen / ergehen
lassen / weil sie die Propheten des HErrn
erwürget und ausgerottet / ja dem Pro
pheten Eliä selbst den Tod geschwohren /
N 4 und 200 ✾ ✾ ✾
und ihm durch einen Bothen sagen lassen :
diß thun mir die Götter und das darzu / wo
ich nicht morgen um diese Stunde deine
Seele machen werde / wie die Seele eines
von diesen erschlagenen Propheten im 3 .
Buch der Kön . 19 . Cap . Sehet aber an /
was sie für ein Ende mit Schrecken genom
men / wie auch ihr Blut / weil sie der Pro
pheten Blut vergossen / hat müssen vergos
sen werden / denn wer Menschen=Blut
vergeußt / deß Blut soll auch vergossen
werden . Gen . 9 . v . 6 . Womit man sündi
get / damit wird man gestrafft .
Wenn man heutiges Tages alle Pfaf
fen=Feindinnen / die nicht leyden und hören
können / daß man ihre Babylonische Huren=
Hoffart auf der Cantzel und im Beichtstuhl
straffet / und dahero / weil sie nicht anderst
können / diejenigen mit der Zunge todt schla
gen / so ihnen die Warheit in ihre geschminck
te Goschen hinein sagen / gleicher Weis soll
te zu einem Hunds=Confect machen / so
würden die Hunde manchen fetten
Schlamp bekommen . Allein obs ihnen
gleich manchmal lang hingehet / so müssen
ihre glatte Gesichter und schöne Gestalten
erblassen und erbleichen / eh sie noch zu Fal
ten ✾ ✾ ✾ 201
ten kommen / und die Schmincke nicht mehr
auf den Wangen hangen bleiben und haff
ten kan : Denn der Tod ruffet offt unver
sehens / wie Jehu ! Stürtzet sie von oben
herab ! wohin ? ins Grab . Wo mehr hin ?
in die Höll / da die Höllen=Hunde / der ewige
Tod sie naget ! Wer euch verachtet / der
verachtet mich / sagt Christus zu seinen
Dienern / Luc . 10 . Wer aber euch verach
tet / der verachtet den / der mich gesandt hat .
Wer aber GOTT den HErrn verachtet /
der wird wieder verachtet werden . Weh
dir / der du verachtest / wirst du nicht auch
verachtet werden ? Es . 33 . v . 1 .
Merckts wohl ihr spöttischen / gefürneste
Jezabels=Gesichter ! wenn ihr auch euern
gantzen Köcher gifftiger Lästerungs=Pfei
le / alle auf die / so euch die klare Warheit
ohne Schminck und Gleißnerey / unter das
Gesicht sagen / und euch schamroth machen /
wegen eurer alle Tag neuen ärgerlich= und
lächerlichen Mode ausfiltzen / loß schiesset /
so trefft ihr euch nur selber / und macht eu
re Verdammnus nur grösser . Ach daß
ihr bey Zeiten mit heissen Buß=Thränen
eure übertünchte Todten=Larven / ablegen
und abreiben möget / damit ihr nicht in der
N 5 Helfft 202 ✾ ✾ ✾
Helfft eurer Tage eure Schönheit und die
Röthe eurer Wangen / mit der Todten=
Schmincke vertauschen müsset . Jhr
machts natürlich / wie die Tochter des He
rodis / die dem H . Johanni dem Täuffer den
Kopff abgetantzt / weil er gesagt hat : Non
licet . Es ist nicht recht . Tantzt u . schminckt
und lästert wider die / so sagen : Non licet .
Es ist nicht recht / daß ihr euch so toll der
Welt gleich stellet / so lang ihr wollt / wer
weiß / wie lang euch der Kopff in der Höhe
stehet . Es ist die Todes=Axt dem Baum
schon an die Wurtzel gelegt / welcher stoltze
Feigen=Baum / so nur Blättter Blätter und keine
Früchte bringet / wird abgehauen / und ins
Feuer geworffen . Prosit das Bad !
Ach ihr Drechslers=Docken und Hof=
Mahlerin bildet euch / und keine / wer sie
auch sonst sey / wann sie noch so schön / glatt /
weiß / zart / wohlgebildet / wohlgefärbet /
wohlgebutzt und gestutzt / mellirt und pollirt
wäre / ja nicht ein / als würdet ihr lange le
ben / und die Ehren=Runtzeln eures Lob=be
dürfftigen Alters sehen / und dieselben mit
ein paar Loth Pomade ausfüllen können .
O vergebliche Hoffnung !
Glatte Gsichter schöne Gstalten
Kom̅en nicht allzeit zum Falten
Num.
Quis est homo , qui non vi
debit mortem .
Ps . 88 . v . 49 .
Jch kan dich , Mensch , ohn viel Be
mühen , gewaltig durch die Hechel zihen .
✾ ✾ ✾
203
Num . 47 .
Quis est homo , qui non vide
bit mortem ?
Dem Menschen bin ich gar nicht gewogen / Er wird von mir durch die Hechel gezogen .
DEr schwartz=braune Hechel= und
Mausfallen=Jubilirer / der Tod /
weiß mit seiner Manufactur und
Hechel=Spielewerck so meisterlich herum
zu springen / als der leichteste Mode=Schnei
der mit seiner Scheer / und die Weiber mit
dem Flachs / und pflegt die Leute so zu hand
thieren / als nimmermehr die ärgsten Plau
der=Taschen den Flachs durch die Hechel
ziehen .
Das edle Geschöpff GOttes der
Flachs muß sehr viel leiden / eh er zur Lein
wat / und auf einen Altar oder Tisch gebrei
tet zu werden / würdig wird . Kaum als
er aus der Erden hervor kommt / ist er schon
Frost und Hitz / Regen und Wind unter
worf= 204 ✾ ✾ ✾
worffen / und muß / bis man ihn mit Wur
tzeln und allen ausraufft / viel erdulten ;
Dan̅ wird er gantz ungeschwungen in Bü
schel zusammen gefasset / und ihm der Kopff
herab gerüffelt / der übrige Leib wird ins
Wasser versenckt / mit Steinen beschwehrt
und wenn er genug gerößt ist / muß er an
der Sonnen trocknen / ja gar im Backofen
sich dörren / ferner mit Wäsch=Bläuen
jämmerlich zerklopffen / unter der Brechen
zerfleischen und zu knicken / öffters durch die
Hechel ziehen / in kleine Härlein zerzausen /
flechten und winden / überdas / spinnen / ab
haspeln / in Laugen und Aschen sieden / von
Weber abspuhlen und zusammen schlagen /
würcken / schmieren und abschneiden / im
Keller peitzen / mit der Ellen da und dort
herum vexiren / auf das Neue läuchnen / sie
den und kochen / auswaschen und ausbleu
en / bleichen und besprengen / pressen und
mangen / messen und abschneiden / stechen
und flicken / bemackeln und färben / beschmu
tzen / abschwärtzen / besudeln / wieder wa
schen / sieden / reiben / winden und mangen /
stärcken / biegeln und baden / ja endlich zer
schlittern / zerfasen und zerreissen lassen .
Das gröste Glück aber ist des Flachs /
daß ✾ ✾ ✾ 205
daß er unter die Haderlumpen=Weiber ge
räth / und wiewol mit gräßlichem Geschrey
gassatim aufgesucht und gekaufft wird / was
er inzwischem inzwischen abermal in der Stampff=
Mühl und sonst ausstehen muß / ist bekandt .
Wie aber andere Dinge der Natur /
nachdem sie unzähliche widrige Dinge aus
gestanden / endlich wie Sammet und Sei
den / Scharlach und Damast selber zu nich
te werden müssen / also hat sich der sonst so
viel geplagte Flachs / auf die letzte eben auch
nicht viel Gutes zu getrösten / indem er sich
manchmal zu viel bösen / falschen / schädli
chen Briefen / Schrifften und Büchern
muß gebrauchen / ja wol wo anders hin / zum
Käß und Toback einwickeln r c. anwenden
lassen .
Wiewol er im Gegentheil auch öffters
das grosse Glück hat / ein unschätzbar Mit
tel abzugeben / wodurch so wol das Wort
GOttes / als andere herrl . Wissenschafften /
dem gantzen Menschl . Geschlecht zum Be
sten / in alle Welt ausgebreitet werden kön
nen / ja er kommt vielmals in der vornehm
sten hochgelehrtesten Männer / ja Königl .
und Fürstl . Personen Hände / und wird
manchmal von denen galantesten Personen
im 206 ✾ ✾ ✾
im Busen getragen / gehertzt und geküsset /
und höher als Gold und Perlen geschätzt .
Wenn aber die Herrlichkeit des Flachs
noch so hoch gestiegen / und viele Secula ge
dauret / so ziehet ihn der Tod aufs neu wie
der durch die Hechel / daß er wegen Alter
thums / verliegen / vermodern / den Scha
ben und Motten zu theil / und wieder zu
Staub und Aschen werden muß / welches
das End vom gantzen Lied ist .
Wenn man nun zwischen der Genealo
gie / dem Lebens=Lauff und Fatalit ät deß
Flachses eine Vergleichung mit des Men
schen Geburt / Leben / vielerley Leyden /
Sterben / Verfaulen / Auferstehung und
herrl . Verklärung nach dem verklärten
Leib Christi wollte anstellen / würden wir
viele schöne Gleichheiten finden / wobey wir
unserer Sterblichkeit herrlich erinnern / und
die Eitelkeit und Mühseeligkeit unsers Le
bens wohl durch die Hechel ziehen / und den
Schluß machen können / daß wir der Tod
ten=Hechel alle unterworffen seyn / und da
bey bleiben / was der Tod hier sagt :
Dem Menschen bin ich gar nicht gewo
gen /
Er wird von mir durch die Hechel ge
zogen .
Num.
In omnes homines mors
pertransiit .
Ad Rom . 5 . v . 12 .
Jch thu’ auslachen , das Possen machen .
✾ ✾ ✾
207
Num . 48 .
In omnes homines mors per
transit .
Rom 5 . v . 12 .
Jch thu auslachen Das Possen machen .
DJe DIe Narren wollen immer was be
sonders haben / und die immer was
besonders haben wollen / sind Nar
ren . Wenn alle Narren Narren=Klei
der tragen müsten / würden viel neue Mo
den zuruck bleiben / und würden die Schel
len=Macher mehr zu arbeiten haben / als
die nach den Frantzosen stinckende a la mode
Schneider . Was will man aber machen :
Jedem Lappen gefällt sein Kappen / ich für
mich / jeder bleib auch Narr für sich . NB .
Dem Narren gefällt seine Weise wohl /
Prov . 12 . v . 15 . die alten abergläubischen
Lügen=Schmiede / so von Geheimnussen
der Natur geschrieben / haben zwar närrisch
geglaubt / daß / wenn man seine Augen mit
Fleder=Mauß=Blut schmiere / so könne man
zu Nacht die Teuffel und Hexen in der Lufft
fliegen sehen : Wenn man eine solche Au
gen= 208 ✾ ✾ ✾
gen=Salbe haben könnte / daß / wann man
die Augen damit schmieret / man alle Nar
ren sehen und erkennen könnte / so glaube /
daß ich / nachdem ich mich im Spiegel der
Selbst=Erkänntnis zwar wohl betrachtet /
damit ich mir nit vielleicht selbst erscheinen
möchte / vor ein Büchslein voll selbst einen
Reichsthaler bezahlen würde ; denn / O
wie viel Verdruß könnte man überhoben
seyn / wenn man die Narren von den Ge
scheiden unfehlbar unterscheiden könnte :
Ach mit Narren / deren leyder unzählich
viel giebt / kan der Allerklügste / Gedultigst
und Sanfftmüthigste nimmermehr zu recht
kommen . Wenn du den Narren im Mör
sel zerstiessest mit dem Stempffel wie Grütz /
so liesse doch seine Narrheit nicht von ihm .
Prov . 27 . So wenig ein Mohr sein Haut
verwandeln kan / wenn man ihn auch mit
10 . Pfund Venedischer Saiffen wäsche /
so wenig wird man einen Narren in bessern
Stand setzen können . Ein Doctor setzt
doch sein groß D . zu seinem Namen / aber
wen̅ ein jeder Narr ein N . zu seinem Namen
vorn oder nachsetzen sollte / so würden die
Schrifftgiesser viel tausend N extra machen
müssen .
Denn
✾ ✾ ✾
2 09
209
Denn ach wie viel und vielerley grosse
kleine und mittelmässige Narren finden wir
doch in der gantzen Welt / ne detur vacuum ,
und in jeder Stadt / ja jeder Gassen / und
leyder offmals in einem Hauß .
Jn manchem Hauß schilt der Vatter /
es schilt die Mutter / es schilt Sohn und
Tochter / das gieng noch hin / aber wanns
heisst : der Vatter ein Narr / die Mutter ein
Närrin / der Sohn ein Narr / die Tochter
eine Närrin / und weil sich gleich und gleich
gerne zusammen gesellet / der Diener ein
Narr / der Jung ein Narr / die Magd ein
Narr r c. r c. r c. Da ist ein rechter Narren=
Spital und heisst einmal bey ihren Nach
kommen ! Narraverunt Patres , & nos nar
rivimus narravimus omnes .
Daher entspringen so viel abentheuer
liche Singularist en als Sand am Meer / es
giebt allerley Narren / Kleider=Narren /
Parruquen=Narren / Tantz=Narren / Freß=
Narren / Geiz=Narre̅ / Hunds=Narren / Com
pagnie =Narren / Sauf=Narren / Spiel=Nar
ren / Huren=Narren / Geld=Narren / Zanck=
und Rauf=Narren / Opern= und Comödien=
Narren / verliebte=Narren / gelehrte=Nar
ren / Schmarotzer=Narren / Bart=Narren /
Brillen=Narren / Pferd=Narren / Chaise-
O Nar= 210 ✾ ✾ ✾
Narren / Bücher=Narren / Stock=Narren /
Courieuse Narren / und so fort / und so wei
ter und so ferner r c.
Was hält aber der Tod von solchem
grossen Karren voll Narren ? Eben so viel
als er von einem Karren voll Klugen / Hoch
verständigen / Hochgelehrten / Hochgeehr
ten / mit dem schlechten E . und von allen
Hocherfahrnen r c. hält . Die Weisen ster
ben so wol / als die Thoren und Narren um
kommen / sagt David im 48 . Ps .
Jst zwar nichts desto besser / dörffte wohl
ein Hochgelehrter / so das D . und N . zugleich
führt / sich wider den Phantasten den Tod
beschwehren wollen / und sagen : Jch habe
mich fast närrisch studi rt / disputi rt / pra
ctici rt / doci rt / Platonisi rt / Aristotelisi rt /
und so viel Papier verderbt / daß man alle
Käß=Krämer im Prag / Franckfurt und
Nürnberg / mit meinen Concept en / Re
Re
sponsis, Supplick en / Replick en / Dup- und
Triplick en / Recept en und Consiliis Medi
cis , ja Wunderwürdige Postillen und Lü
gen= oder Leichen=Predigten auf viel Jahr
verlegen könnte / und nun soll ich im Tode
nit besser respecti rt werden / als der Claus=
Narr und andere Æsopens posteri . Ach du
arme ✾ ✾ ✾ 211
armer Narr / je wunderlicher du dich zum
Sterben schickest / und je mehr du dich / als
wie die Katze vor der Schellen spreissest / je
tieffer verfällst du ins Narren=Register . Narren=Register.
Denn der Tod hat nit studirt , sondern
ist ein rechter Bücher=Feind / er achtet kein
Politionello , keinen Arlequin weder
Gauckler noch Tantzmeister / weder Do
ctor noch Narren . In omnes homines
mors pertransiit , und wenn der lustige
Pickelhering und Scarmuzi deß Mollieri
und der vornehmste Hof=Narr in der Welt
alle Künste und Muster / wodurch sie schon
viel tausend Narren gemacht / sich bey ihm
zu recommendi ren / anwenden wollten /
würden sie doch hören müssen :
Jch thu auslachen !
Das Possenmachen .
O 2
Num.
212
✾ ✾ ✾
Num . 49 .
Sicut fur in nocte .
1 . Thes . 4 . 5. v . 2
Jch komm zu Nacht wie ein Dieb / Es sey dir leyd oder lieb .
WAnn man offt am stärcksten schläft /
pfeifft / blässt und schnarcht / wie
Jonas unten im Schiff / im tieffen
Schlaff und vielleicht in einem schwehren
verwirrten Traum gelegen / so schleicht und
steigt offtmal ein ungebettener Nacht=Vo
gel zum Fenster hinein . Der Tod machts
eben so / aber nur etwas gröber / denn er
fällt gantz zum Fenster hinein / wie der Bau
er in die Nüsse und Töpffe . Der Tod ist
zu unsern Fenstern hinein gefallen / und in
unsere Häuser kommen / klaget der Pro
phet Jeremias im 9 . Cap . v . 21 .
Es mag wohl kein geringer Schrecken
seyn Sicut fur in nocte .
1 . Thessal 5 . v . 2 .
Jch kom̅ zur Nacht Zeit wie ein Dieb , es sey dir leid gleich oder lieb .
✾ ✾ ✾ 213
seyn / wenn bey nächtlicher Weil ein Dieb /
aus Unvorsichtigkeit in ein Zimmer hinein
fiel / und ein Gepolter u . Gerümpel machte /
darüber die Leute aus dem Schlaff erweckt
würden . Wer da ! wird es heissen / Knecht /
Magd ! Auf ! schlagt ein Licht / lasst sehen
wer da ist . Wenn aber der Dieb kommt /
fäht an zu würgen und zu morden / O
welcher Schrecken / welch Zetter=Geschrey
entstehet alsdann ! je weniger man sich sol
ches versehen / je grössere Bestürtzung kan
es verursachen : So gehts / wenn der Tod
gantz unversehens / bey Tag oder Nacht /
bey uns Menschen einsteigt / und bald die
sen bald jenen plötzlich übereilt / da ist
Schrecken und Furcht / Angst und Weh /
so wohl bey dem / den solches selber trifft /
als bey denen / die solches sehen / und einen
so unverhofften Todes=Fall nicht genug
sam bewundern noch beweinen können .
Oder wenn eine lustige Compagnie bey
sammen sitzt / isst / trinckt / lacht / schwätzt /
courtisi rt / r c. und der Tod kriegt einen
darunter unversehens beym Kopff / daß
er anfängt zu erblassen / die Augen zu
verdrehen / daß das Maul zu krümmen und
O 3 den 214 ✾ ✾ ✾
den letzten Geber zu thun . O welche
Furcht / Angst und Noth entstehet dann
in der Compagnie / wie bald geht alles aus
einander voller Courage scilicet . Allein
diß alles soll man vorher schon besorgen
und bedencken / was für einen Bund wir
mit dem Tod haben / nemlich keinen /
denn er kommt / wenn er will / und nicht
wenn wir wollen oder meinen / so werden
wir dann / wenn uns oder andern der
gleichen begegnet / nicht so sehr erschre
cken / absonderlich wenn wir wachsam
sind / und alle Stund uns auf die Zukunfft
des Todes bereiten / damit wenn er
kommt / er komme darnach bey Tag o
der Nacht / früh oder späth / wir ihn /
als einen von GOTT zugesandten Bo
then / der uns in die seelige Ewigkeit
einführen soll / freundlich empfangen
und sagen : Komm lieber Tod / drück
mir die Augen zu . Erwünschter Both /
komm / führe mich zu Ruh / ich weiß / daß
mir am besten wird geschehen / wann ich
durch dich werd an das Liecht gebracht /
aus dieser Nacht . Grossen Danck wird
der Bott mit den leichten Lauffer=Füssen
sa= ✾ ✾ ✾ 215
sagen / und unverzüglich fort eilen / denn
er kommt wie ein Dieb / und schleicht weg
wie ein Dieb . Wie ein Katz aus dem
Taubenschlage / und bleibt dabey : Sicut
fur in nocte . nocte.
Jch komm zu Nacht wie ein
Dieb /
Es sey dir leyd oder lieb .
O 5
O 4
Num.
216
✾ ✾ ✾
Num . 50 .
Cœcus sedebat juxta viam
mendicans .
Marc . 10 . v . 46 .
Jch find / ob ich kein Aug mehr hab / Bey blinden Tritten doch mein Grab .
WEnn ein Blinder den andern füh
ret und den Weeg weiset / werden
sie nicht alle beede in die Gruben
fallen ? So führt der Tod so wohl die
Scharff=sehenden als Stockblinden zu
Grab ohne Latern und Brillen / ob er zwar
selbst die Augen verlohren .
Doch haben die Blinden in vielen
Stücken einen grossen Vortheil vor allen
sehenden Menschen / so wohl im Leben als
auch im Sterben . Jm Leben darff er nicht
sorgen / daß er etwas sehen muß / woran er
sich ärgern könnte / die Leichtfertigkeit / Up
pigkeit Coecus sedebat juxta viam men
dicans .
Marc . 10 . v . 46 .
Jch find , ob ich kein Aug mehr hab , bey blinden Tritten doch mein Grab .
✾ ✾ ✾ 217
pigkeit / Hoffart und tausend andere Eitel
keiten der Welt . Er darff nicht sorgen /
daß ihm die Sonne oder ein Liecht blen
de r c. Er kan alle Brillen erspahren / wel
ches sonderlich in Spanien gar profitable
für einen Blinden seyn mag / da die grösten
Herren die grösten Brillen tragen / und
was Grosses dafür bezahlen müssen . Es
ist selten ein Schad / es ist ein Nutz dabey .
Und sind die Brillen / absonderlich wo man
sie nur zum Staat trägt / ein Uberfluß /
dessen man leichtlich entbehren könnte .
Deßwegen jener lustige Advocat / als sein
Gegenpart in seiner Oration versprochen /
alles Uberflüssige abzuschneiden / den
selben nicht unbillig einer Unwarheit be
schuldiget / weil derselbe eine Brille mit
zweyen Gläsern auf der Nasen / und doch
nur ein Aug im Kopff hatte / und sagte /
wenn er allen Uberfluß hätte abschneiden
wollen / so sollte er auch das eine Glas aus
der Brillen gleichfalls weggethan haben /
weil es ihm nichts nutz und überflüssig ge
wesen . Aber hier war die Antwort :
Superflua hæc non nocent , besser zuviel /
als zu wenig .
Jm Sterben haben die Blinden den
O 5 Vor= 218 ✾ ✾ ✾
Vortheil / daß ihnen nicht erst die Augen
brechen müssen / weil sie ohnedem schon
gebrochen und verdorben / zumalen / wenn
ihnen dieselben sind ausgestochen oder aus
gestossen worden .
Doch bleibts dabey : Ein blinder
Mann ein armer Mitleydens=würdiger
Mann ; was soll ich für Freude haben /
der ich im Finstern sitze / und das Liecht des
Tages nicht sehen kan ? Fragt und klagt
nicht vergebens der blinde Tobias dem
Engel Raphael . Tob . 5 . Absonderlich
Blind=gebohrne sind sehr unglückseelig / die
Zeit Lebens weder Sonn noch Mond / we
der Stern noch Himmel / weder Bäume
noch Blumen / weder Thier noch Men
schen / Vögel oder andere schöne / denen
Augen erfreuliche Wunder= und Pracht=
Geschöpff GOttes sehen noch betrachten
können .
Zwar hat GOTT manchmal solchen
elenden Leuten besondere / wundersame
Gaben des Verstandes und der andern
Sinnen mitgetheilt . Zum Exempel / wie
aus Engelland bekandt / daß ein gewisser
Stockblinder / durch das blosse Fühlen sei
ner vördersten Finger / an mancherley sei
denen ✾ ✾ ✾ 219
denen Bändern / die Farbe wahrhafftig
errathen können . So ist in einer grossen
Stadt vor einigen Jahren ein blinder
Bettler berühmt gewesen / welcher die klei
nen gangbahren Müntzen / absonderlich die
Creutzer und Pfenninge / gantz richtig zu
unterscheiden / und sonsten die schwehrsten
Rechnungen ohne Verzug / auszurechnen
gewust . Nicht weit von obigem Ort ist
ein junger Mensch bekandt / der / mit ei
ner / nach seiner Invention äusserlich auf
dem Schnitt gezeichnete Karten / mit se
henden Cameraden / manche halbe Näch
te durch gespielt / und selten ohne Gewinn
nach Haus gegangen . Von blinden Do
ctoren , Predicanten / Organisten / Pfeif
fern und Geigern ist unnöthig viel zu er
wehnen / indem nicht wenige derselben
da und dorten anzutreffen . Was die er
sten betrifft / ist sonderbahr merckwürdig /
daß in einer berühmten teutschen Stadt / et
wann vor 30 . Jahren / ein junger blinder
Mensch gelebt / so die Predigten / so öffent
lich gehalten wurden / nicht allein von
Wort zu Wort mercken / und auswendig
mehr als einmal / wie bey Alten und Kran
cken des Tags öffters geschehen / hersa
gen / 220 ✾ ✾ ✾
gen / sondern auch die Erhebungen und
Manieren der Stimme / oder der Musicæ
Oratoriæ so perfect nachäffen können /
nach allen Gelegenheiten der Affect en und
Materien / daß einer / der ausser dem Zim
mer / allwo der Orator , vor einem Stuhl
stehend / perori rt / gestanden und zuge
hört / schwöhren sollen / es wäre der P .
Prediger selbst zugegen und lege seine Pre
digt persöhnlich ab .
Liebster GOTT / giebst du so viel
herrliche wundersame Gaben denen Blin
den / wofür man dich billig loben / und dei
ne wundersame Schicksalen preisen / und
dir davor dancken muß / wie viel mehr
und höhere Gaben giebst du denen Sehen
den / darunter offtmals nicht wenige zu fin
den / denen es besser gewesen / wenn sie
wären blind worden / als daß sie mit sehen
den Augen solche herrliche Wohlthaten
schändlich und unverantwortlich mißbrau
chen und bey sich sonsten verliegen lassen .
O wie viel Blinde / Sehende giebt es doch
in der Welt / die sich / von bösem Feind / an
dem Stab mancherley Schanden und La
stern / von einer Seelen=Gefahr in die an
dere lassen herum führen / und offt anstos
sen ✾ ✾ ✾ 221
sen und fallen / biß sie endlich durch den zeit
lichen Tod in den ewigen Tod gelieffert /
und in die Gruben der ewigen Verdamm
nis / in den Pful / der mit Schweffel und
Feuer brennet / elendiglich gestürtzt wer
den ! HErr eröffne denen Blinden und
Sehenden die Augen / daß sie vorsichtiger
auf ihre Weege sehen und behutsamer wan
deln / damit sie nicht unversehens und un
bereitet von Tode zu Grab geführet und
noch tieffer verfallen mögen ! denn es muß
ein leiblicher und geistlicher Blinder ge
stehen :
Jch find / ob ich kein Aug
mehr hab /
Bey blinden Tritten doch
mein Grab .
Num.
222
✾ ✾ ✾
Num . 51 .
Repentinus eis venit veniet inte
ritus .
1 . Thes . 5 . v . 3 .
Der Tod ist blind Und doch geschwind .
GEschwindigkeit ist keine Zauberey .
Die Rennthiere / Hirsch / Pferd u .
Haasen / und die gantze Post=Lauf
fer=Zunfft / sie lauffen darnach auf 2 . oder
4 . Mercurius- Füssen / begehen die grösten
Hexereyen / indem sie / mit ihren Hexen
oder Füsen / solche Wunder thun / die ihnen
der beste Hexen=Meister natürlicher Weise
nimmermehr nachthun kan : Und doch ist
solche Kunst keine Zauberey / unerachtet
sie öffters bey Königen und Fürsten sehr
bewundert und für eine unglaubliche Sa
che Anfangs angesehen wird : Was vor
wenig Jahren her / so wohl Illustriss . als an
dere Repentinus eis ve
niet intcritus interitus .
1 . Thessal . 5 . v . 3 .
Der Tod ist blind , und doch geschwind .
✾ ✾ ✾ 223
dere Personen / für unbegreiffliche Ritt
( es ist kein Schnitt ) gethan / wiewohl
manches gutes Füchslein dem Tod in den
Hals collopi rt / diß können die Warheit=
Schreiber in denen Novell en / Kriegs=
Curriren und schnellen Postillionen nicht
gnugsam amplifici ren / illustri ren und ad
miri ren. Lat lopen ! sagt der Holländer :
Sie werden doch dem Tod nicht entlopen .
Sein Rennthier / oder wie sein Leib=Pferd
sonst in der hohen Offenbahrung Johan
nis recommendi rt wird / ist ein Falb=Pferd
und der drauf saß / ward der Tod / und die
Hölle folget ihm nach . Apoc . 6 . 8 . Eine
schöne Reuterey !
GOTT behüt uns für den letzten
Post=Kleppern ! tausendmal besser zu Fuß
gegangen / als so postirt ! unterdessen aber
reutet er alle und die allerschnellsten und
geschwindesten Post=Reuter zu Boden .
Der bricht den Fuß / der ander ein Arm /
der dritte erstickt vom Blut / der vierdte
reutet sich so merode / daß ihm die Gedär
me schier vor die Füsse zu fallen / viel an
dere brechen gar den Hals ; Allein der be
ste Bereuter / Perforce- Jäger und Wag
halse / das eigentliche Oppositum der
Schne= 224 ✾ ✾ ✾
Schnecken=Post / der Tod blässt gleich
sam vor allen lustig das Post=Horn mei
sterlich vornen her / und weiset ihnen den
Weeg in die andere Welt .
Ob es nun auf dem schmalen oder brei
ten Post=Weeg in die Ewigkeit angestel
let worden / da lässt er seinen General=
Postmeister den HErrn über Leben und
Tod dafür sorgen / aus dessen Ordre er
nie gehen darff . Jn wie viel Stunden
oder Jahren einer seine Lebens=Reise zu
ruck legt / daran ist ihm nicht viel gelegen .
Mit manchem eilet er aus dieser Welt .
Sap . 4 . Manchen führt er über Stock und
Stein / durchs finstere Todten=Thal /
durch viele Wälder und Creutz=Weege
und bringt sie / ehe sie sich versehen / in ih
re Vatter=Stadt / da sie absteigen und völ
lig ausruhen können / von ihren vielfälti
gen Strapatzen . Apoc . 14 . 13 .
Auf dieser schnellen Post ist auch gerit
ten Job / deßwegen bekennet er im 9 . Ca
pitel v . 25 . Dies mei velociores sunt cur
sores . Noch geschwinder / aber weit un
glücklicher ist geritten Absolon der schöne
Davids Sohn ; Denn nachdem er seinem
leiblichen Vatter nach Cron / Thron und
Scep= ✾ ✾ ✾ 225
Scepter gestrebt / muste er in völligem
Rennen mit seinen langen Gold=gelben
Haaren / an einer Eichen den Post=Ritt
seines wenigen aber bösen Lebens / elen
diglich beschliessen / und mit dreyen Lan
tzen solch Tournier schändlich enden . 2 .
Reg . 18 . und hieß : Verflucht sey der am
Holtz hängt . Deut . 21 . 23 . O unseeliger
Post=Reuter ! Der Heilige liebe Vatter
Augustinus schreibt sehr nachdencklich :
Vita præsens est cursus ad mortem , das ge
genwärtige Leben ist nichts / denn ein Lauff /
ein Post=Ritt zum Tod .
Wie nun die Posten immerzu aufein
ander folgen und einander folgen /
ablösen / also löset auch eine Lebens=
Zeit die andere ab / wie sie nach einander
folgen .
Die Jahre der Menschen werden
insgemein in sieben Jahr eingetheilet /
schreibt ein gelehrter Prediger / das erste
Alter ist die unmündige Kindheit / biß
ungefähr ins achte Jahr / das andere das
kindliche Alter / biß ins funffzehende
Jahr . Das dritte die wachsende Jugend /
biß ins zwey und zwantzigste / das vierdte /
P das 226 ✾ ✾ ✾
das blühende Alter / biß ins dreyssigste /
das fünffte / die Mannheit / biß ins fünff
tzigste / das sechste / das graue Alter biß
ins sechtzigste / das siebende / das hohe Al
ter / biß zum Tod / also hört der Post=
Ritt an einem Alter auf / so geht der
neue an .
Mors infantia infantiæ est puerita pueritia , sagt
Seneca , mors pueritiæ est adolescen
tia , mors adolescentiæ est juventus ,
mors Juventutis est virilitas , mors
virilitatis est senectus , mors senectu
tis est decrepita ætas , mors decrepitæ
ætatis est ipsa mors . Das ist : Der Tod
der Unmündigkeit ist die Kindheit / der Tod
der Kindheit ist das Wachsenthum / der
Tod des Wachsthums ist die blühende Ju
gend / der Tod der blühenden Jugend ist
die Mannheit / der Tod der Mannheit ist
das graue Alter / der Tod des grauen
Alters ist das hohe Alter / der Tod des ho
hen Alters ist der Tod selbst und Hintritt
aus diesem Leben .
Wenn wahr ist / was Hugo Victori
nus ✾ ✾ ✾ 227
nus schreibt : Ipsa caro est jumentum ani
mæ , unser Fleisch ist das Pferd / worauf die
Seele auf der Post reitet / so steiget die
Seel alsdann ab / und das Pferd kommt
zu Ruh .
Ende gut ist alles gut / Ende böß
ist alles böß / weh dem / der zu letzt
mit dem Pferd stürtzt ! Reuter und Pferd
ist verlohren und heisst : Repentinus eis ve
nis interitus .
Der Tod ist blind /
Aber doch geschwind .
P 2
Num.
228
✾ ✾ ✾
Num . 32 52 .
Homo vanitati similis fa
ctus est .
Psalm 143 . v . 4 .
O Mensch / ach prale nicht so viel / Dein Leben ist ein Kinder=
Spiel .
DEr Mensch ist der Eitelkeit gleich
worden / seine Tage gehen fürüber
wie ein Schatten / sagt hier der hei
lige König David / und im 38 . Psalm
mahlt er den Menschen noch schlechter ab :
Siehe / du hast meinen Tagen kurtze Frist
und Maas gesetzt / und mein Wesen ist für
dir gleich wie nichts . Ferner / es ist lauter
Eitelkeit alle Menschen / die das Leben
haben .
So ist also auch ein grosser König / wie
Da= Homo vanitati similis
factus est .
Psal . 143 . v . 4
O Mensch ! ach prahle nit so viel , dein Leben ist ein Kinder-Spiel .
✾ ✾ ✾ 229
David gewesen / der so viel Könige über
wunden / so viel Siege wider seine Feinde
erhalten / der so grosse Schätze gesammlet /
seinem eignem Ausspruch nach / samt all
seinem Wesen / lauter Eitelkeit ? Jst dann
eine so herrliche und rühmliche Cron und
Thron / Purper und Zepter / ja alle
Herrlichkeit / Pracht / Weisheit und
Schönheit / Gewalt und Hochheit Salo
monis selbst nichts als lauter Eitelkeit ge
wesen ? Ach freylich ist dem also ! Jst eine
Lilie / Tulipan / das schönste Mahen=
Haupt nicht ein vergänglich eitles Wesen ?
Wie bald ist sie umgebrochen ! wie bald sie
het man ihre Stätte nicht mehr ! doch ist
Salomon in aller seiner Herrlichkeit nicht
so bekleidet gewesen / als nur eine von de
nen Feld=Lilien / sagt unser Heyland selbst
beym Matthäo / am 6 . Capitel . Jst also
Salomon mit all seiner Herrlichkeit noch
eitler gewesen / als eine Feld=Blume . Wie
viel eitler werden wir / so gegen Salomon
betrachtet / arme elende Tropffen sind / zu
æstimi ren seyn : Die lange nicht die Weis
heit / Herrlichkeit / Schönheit / Macht
und Reichthümer Salomonis haben / und
bilden uns doch öffters weiß nicht was ein /
P 3 was 230 ✾ ✾ ✾
was wir für grosse Thier in der Welt seyn
wollen .
Es blähet sich mancher Haas / wie eine
Wasser=Blaß . Die Eitelkeiten=Mahler
haben unter andern es ziemlich wohl ge
troffen / wenn sie des Menschlichen Lebens
Vergänglichkeit mit einer Wasser=Blase
verglichen / welche / da sie kaum entste
het / schon wieder zerspringt und vergeht .
Sie bilden einen Genium oder nackend
Kindlein ab / so vermittelst eines Stroh=
Halms / aus einem Seiffen=Wasser / Bla
sen machet / und dieselbigen in die Lufft hin
aus blässt / es sollte einer meynen / er ha
be sein Lebentag nichts artigers und schö
ners / subtilers und zierlichers gesehen /
als eine solche fast Kugel=runde guldene
Blasen ; Allein dum splendet , frangitur ,
indem sie im schönsten Glantz daher
fleugt / schnips ist sie zersprungen und ver
schwunden .
Was ist für ein edlers Geschöpff und
herrliches Geschenck GOTTES / als
der Mensch / und des Menschen Leben ?
Was ist aber auch vergänglicher als dassel
be ? Es ist ein Kinder=Spiel / ein Wasser=
Blasen=Werck / welches / ehe man sichs ver
siehet / ✾ ✾ ✾ 231
siehet / zu nichte wird und verschwindet au
genblicklich auch schon im Mutter=Leibe / ehe
es von der Sonnen können angelacht wer
den . Wird dann ein Mensch mehrentheils
mit Leib= und Lebens=Gefahr auf diese Welt
gebohren / so findet man an vielen kaum ein
Leben / man muß ihnen offt in den Mund
blasen nur daß man den Lungen=Blasbalg
ein wenig in die Bewegung bringt / ist doch
offt vergebens / und blasen solche arme
Tröpfflein zugleich den Lebens=Geist aus .
Wie viel 1000 . sterben / von 10 . 12 . Jah
ren / ehe sie noch zum Verstand kommen .
Dieses Kind reisst das Kinder=Freiß / ein
anders das Zahnen / dieses die Kinder=Po
cken / ein anders die Flecken / Durchschläge /
Friessel / Fieber / Ruhr und Schlag=Flüß
lein / aus der Mutter Armen und legt es in
den Sarg . Wann die Menschen erwach
sen / groß / alt und kalt werden / sind sie alle
Tag und Stunde dem Todes=Hauch unter
worffen / der in einem Augenblick die Was
ser=Blase ihres Lebens zerblasen und ver
nichten kan . Obs gleich die wenigsten
glauben / ists doch wahr . Der Glaub
wird ihnen schon einmal in die Hände ge
hen / absonderlich den aufgeblasenen Mo
P 4 de= 232 ✾ ✾ ✾
de=Tocken / die nicht wissen / wie sie sich ge
nug brüsten und ausbreiten sollen / denen
die Gassen zu eng und die Welt zu klein .
Die sich blähen / als der allervornehmste
Frosch des Æsopi in der nächsten Mist=Pfi
tzen / daß man fast besorgen sollte / sie dörff
ten zerbersten . Man betrachte sie / wo
man wolle / vom Haubt an biß auf die Fuß=
Sohlen / aussen und innen / vornen und hin
ten / ihre Minen / ihre Geberden / ihre Klei
dung und Zierrathen / ihren Gang / ihre
Wort und Wercke / so muß man gestehen
und mit David ein= und anstimmen . Homo
vanitati similis , imò simillimus factus est .
Mensch / ach pral doch nicht
so viel !
Dein Leben ist ein Kinder=
Spiel .
Num.
Folium , quod vento
rapitur .
Job . 13 . v . 25 .
Die Blätter fallen ab , und du wirst auch schab ab .
✾ ✾ ✾
233
Num . 53 .
Folium quod vento rapi
tur .
Job . 13 . v . 25 .
Die Blätter fallen ab ! Und du wirst auch schabab .
SO schön der Baum im Frühling
geblühet und im Sommer gegrü
net / so falb und gelb werden im
Herbst und bey herannahendem Winter
dessen Blätter und Zierrathen / es mag sich
leichtlich ein rauhes Windlein regen / so
fallen die Blätter wie Schneeflocken häuf
fig ab / und wird der Baum endlich seiner
Zierd also beraubt / daß er gleich gantz na
ckend und bloß / ja als Dürr und voller
feuerwürdigen Reiser / dastehet / wie ein wil
der vermosster Storr / dem der Holtz=Hacker
bald die Axt an die Wurtzel legen soll . So
gehts mit uns Menschen und unserm Leben :
P 5 P 5 Wir 234 ✾ ✾ ✾
Wir grünnen / blühen und wachsen
und eilen vom Frühling / durch den Som
mer / mit dem schnellen Sonnen=Lauff / und
kommen öffters in einen gar frühen Herbst /
da fangen die Blätter unserer Lebens=
Krafft / unserer Schönheit / Stärcke und
Anmuthigkeit augenscheinlich anfalb an falb und
gelb zu werden / und nach und nach sich zu
verlieren / biß wir offt / vor der Zeit / kahl und
kalt werden / und unter die abstehenden dör
ren Storn gehören / die faulen un̅ umfallen
wolle̅ . Kein Baum kan uns dieses deutlicher
vor Augen stelle̅ als der Maulbeer=Baum /
so Arbor prudens , der kluge Baum von den
Gelehrten genennet wird / weil er mit sei
nen grünen Blättern sehr zuruck hält /
biß er gleichsam merckt / daß keine Kält
mehr hinterstellig sey / da öffters andere
Bäume ihre Blätter und Blüthen früh
zeitig reichlich hervor geben / so aber nicht
selten / durch einen einigen Mordbrenni
schen Reif in einer Nacht verbrennt und zu
nichte werden . Wie aber dieser kluge
Baum später ausschlägt / also verlieret er
auch seine Blätter später / als andere / a
ber ob er noch so lang mit seinen breiten
Blättern und Seiden=Würmer Futter
prahlet / muß er doch desto plötzlicher der
selben ✾ ✾ ✾ 235
selben sich berauben lassen . Wenn ein ei
niger weniger Frost unversehens entstehet /
denn da kan man seine Wunder sehen / wie
zum Exempel in einer einigen Stunde ein
Blat nach dem andern gleichsam anfäht zu
krachen und gantz sachte abgebrochen zu
werden / ob sie noch so lebhafft und grün
zu seyn scheinen . Und diß geschiehet zuse
hen / so / daß wann man ein oder anders Blat
in das Gesicht fäst / und dencket : Jetzt / jetzt
wird die Ordnung an dir seyn / es offtmals
mit Verwunderung eintrifft / biß nach so
kurtzer Zeit / der vor einer Stunde so schöne
grüne Baum / wie ein dürres Besen=Reis
sig dastehet / und aller Zierd beraubet ist
worden .
Solchem Maulbeer=Baum sind offt
manche starcke / tapffere / ansehnliche frische
kluge und verständige Leute sehr gleich / die
sonst eben nich tviel nicht viel Maulbeerens wider die
Gewalt des Todes machen / weil sie mey
nen / er sey noch ferne von ihnen : Allein es
vergehet offtmals keine Stunde / wann der
Todten=Reif ihnen den Hauptreif ihres Le
bens fast zersprenget / so entgehet ihnen
Krafft und Safft / und fallen die noch grü
nen Blätter ihres besten Alters und Lebens
zu= 236 ✾ ✾ ✾
zusehends ab / ob sie auch manchmal wegen
ihrer guten starcken und dauerhafften Na
tur / schon zimlich lang gestanden und viele
andere ausgedauret / nichts destoweniger
werden sie vom Todes=Frost übereilet / und
fast mit rothen Wangen und vollem Leib
Muth und Courage ins Grab gelegt / daß
man klagen könnte / wie dorten 2 . Reg . 1 .
v . 19 . geschehen : Ach wie sind die Helden
gefallen ! Quomodo ceciderunt fortes ! Al
lein wenns Goliath samt allen Enacks=Kin
dern selbsten wäre / so bleibts dabey : Sie
sind in folio folio à vento rapta !
Die Blätter fallen ab /
Und du wirst auch schabab .
Num.
Quâ horâ non putatis
Luc . 12 . v . 40 .
Die Stund ist einmal un
un
gewiß, drum deß gewissen nit vergiß .
✾ ✾ ✾
237
Num . 54 .
Qua hora non putatis .
Luc . 12 . v . 40 .
Die Stund einmahl ist un
gewiß ! Drum deß Gewissens nicht vergiß .
DAs sollt ihr aber wissen / wenn der
Haus=Vatter wüste / zu welcher
Stunde der Dieb käme / so wachet
er freylich / und liesse sein Haus nicht durch
graben : Darum seyd ihr nun auch bereit :
Denn des Menschen Sohn wird zu der
Stunde kommen / da ihrs nicht meinet ver
mahnet Christus selbsten / u . will allen Chri
sten die nöthige Wachsamkeit bestens anbe
fehle̅ damit sie nicht unbereit von Jüngsten
Tag oder vom Lebens=Feind / dem Tod über
eilet werden / denn auf beedes gilts wachen .
Wie dich GOtt findet / wird er dich richten .
Wenn der Baum gegen Mittag oder Mit
ter= 238 ✾ ✾ ✾
ternacht fällt / auf welchen Ort er fallen
wird / da wird er liegen / Cohelet . 11 . v . 3 .
Wir fragen den Tag manchmal : wie viel
schlägts ? damit wir diese und jene Zeit und
Gelegenheit nicht versäumen . Wie offt zie
het mancher seine Englische / silberne / gül
dene / mit kostbarem Schmeltzwerck gezier
te Repetir- Uhr heraus / theils zum Pracht /
theils damit er nichts / keine Compagnie / kei
ne Opera oder Comödie / keinen Ball ver
saume . Aber wie wenig sehen deßwe
gen nach der Uhr / daß sie sich gefast halten /
die ungewisse Zukunfft des HErrn nicht zu
versäumen ! wie fleissig zieht doch mancher
seine Uhr auf / aber die Gewissens=Uhr ver
wahrloset er / und lässet dieselbe liederlich ins
Stecken gerathen und gleichsam verstehen
und verrosten .
Rechtschaffene Liebhaber der Uhren se
hen fleissig nach der Sonnen / und richten
ihre Hauß= und Sack=Uhren nach der Son
nen=Uhr / und können also nicht betrogen
werden / so anders ihre Uhren richtig / und
wenn sie auch nicht allzurichtig gehen / so
suchen sie selbige doch / so viel möglich / nach
der Sonnen zu richten . Rechtschaffene
Christen und Liebhaber der göttlichen Ord
nung ✾ ✾ ✾ 239
nung richten ihr Leben fleissig nach dem un
betrüglichen Wort und Willen GOttes /
und wenn es nicht damit übereinstimmen
will / so ändern sie sich / so viel möglich / dar
nach / wolwissend daß solche Diferen tz Gott /
der ein GOtt der Ordnung ist / unmöglich
gefallen könne / sondern lauter gefährliche
Mißhelligkeiten und schädliche Fehler dar
aus entstehen .
Nun will aber GOTT / daß wir wa
chen und beten / und uns auf die letzte
Stunde des Todes so wohl / als auf die letz
te Stunde der Welt immerzu gefast machen
und bereit halten sollen / auf daß wir unserm
Tod so wohl / als auch dem Himmlischen
Bräutigam mit den 5 . klugen Jungfrauen /
entgegen gehen / und mit ihm zum Himmli
schen Hochzeitmahl seelig eingehen mögen .
Man hat nicht nur Zeig= und Schlag=Uh
ren / sondern auch Weck=Uhren / welche
man also richten kan / daß sie Morgens ge
gen Tag / oder auch um welche Stund man
es haben will / ein grosses Geschell machen
und die Menschen von Schlaff erwecken /
welches gar ein nützlich und manchmal
nöthiges Ding im Haußhalten ist / zumahl
man leichtlich eine Zeit und Gelegenheit
ver= 240 ✾ ✾ ✾
verschlaffen kan / daraus offtmals ein em
pfindlicher Schade entstehet . GOtt hat
die Seelen der Menschen zu einer Weck=
Uhr gemacht indem er / ihr das Gewissen
beygefüget / welches uns von Sündenschlaff
pflegt fleissig aufzuwecken / und offtmals un
versehens / wie die Ohren / anfängt zu klin
gen und zu kollren / daß mancher Mensch /
dem sein Christenthum ein Ernst ist / davon
erwecket und erschröcket wird / daß er an
fäht / wie dort David / da ihm das Hertz an
gefangen zu schlagen / und er geklagt : Jch
werde sehr hart beängstiget 1 . Reg . 24 . v .
10 . Voller Angst zu werden und sich nach
Gnade umzusehen . Denen aber ihr Chri
stenthum kein Ernst ist / begegnet / was allen
faulen Gesellen geschieht / die nemlich / ob
sie gleich den Wecker ihrer Uhr hören / sich
aber nicht daran kehren wollen / sondern sich
erst noch auf die andere faule Seiten legen /
und also die bestimmte Zeit / wenn sie hätten
aufstehen sollen / liederlich verschlaffen .
Denn also verachten viel den Gewissenswe
cker ihrer Seelen / und fahren im Sünden=
Schlaff fort / und ob sie auch dessen öffter /
durch öffentliche Warnungs= und Straff=
Predigten auch besondere Erinnerungen
erin ✾ ✾ ✾ 241
erinnert / und ihnen die Worte CHristi
vorgehalten werden aus dem Marco am
13 . Cap . v . 33 . Sehet zu / wachet und betet /
denn ihr wisset nicht / wenns Zeit ist / so wol
len sie nicht hören .
O verdammte 7 . Schläffer ! Jhr wer
det nicht hören noch von euerm Sünden=
Schlaff aufstehen / biß ihr die Gnaden=Zeit
verschlaffen / und der letzte Donner=Schlag
deß Jüngsten Tags euch erwecken und er
schröcken wird : da ihr zu spath heulen und
schreyen werdet : O ihr Berge fallet
über uns und ihr Hügel bedecket uns !
Was ich nun euch sage / das sage und schrei
be ich hier allen : Wachet !
Die Stund einmahl ist un
gewiß /
Drum deß Gewissens nicht
vergiß
.
Q
Num.
242
✾ ✾ ✾
Num . 55 .
Quotidie morior .
1 . Cor . 15 . v . 31 .
Betracht ich / was ich muß werden / So veracht ich wohl die Er
den .
WJe WIe ein angezündtes Liecht / so bald
es anfängt angebrandt zu werden /
von seinem Wesen etwas durchs
Feuer verleuret / und je länger es brennt /
je kürtzer es / und immer fast unempfindlich
abnimmt / biß es endlich gantz ausgebrannt
und erlischt / vergeht und stirbt / und lässt
nichts / als ein wenig Docht / Unflat und
viel Gestanck hinter sich / davor man die
Nasen zuhält / und besorgt / man dörffte eine
Galanterie=Kranckheit davon bekommen .
So gehts so wohl denen / in den Ge
dancken der Stoltzen / verachteten Liecht
lein / als auch denen grösten Kirchen= und
Staats=Liechtern der Welt / und heisst mit
ihnen Quotidie morior .
1 . Cor . 15 . v . 31 .
Betracht ich , was ich noch muß werden So frag ich wenig nach der Erden .
✾ ✾ ✾ 243
ihnen allen : Quotidie morimur . Wir
sterben täglich / und verliehren alle Stun
den eine Stund von unserm Leben und eilen
zum Ende / je länger wir leben / je mehr
wir sterben . Wir meynen zwar offt / unser
Leben sey einer langen grossen Wachs=Ker
tzen gleich / welche lang zu brennen pflegt /
und bilden uns ein / wir wollen noch lange
und herrlich leuchten : Allein es ist unser
gantzes Leben offtmals nur ein Stümpff
lein / nur ein dünnes Gauckel=Liechtlein /
welches / ehe man sichs versiehet / auslöscht .
Wie viel verlöschen schon in der Latern /
das ist / im Mutter Leib / vielen / die kaum et
liche Stunden brennen / blässt der Tod des das
Lebens=Liechtlein plötzlich aus . Es mag
leicht ein rauhes Windlein / ein Fieberlein
eine Gelb= oder Schwindsucht / ein Flüß
lein sowohl Grosse als Kleine / Hohe als
Niedere / Reiche als Arme / ein wenig an
wehen / so ists mit ihnen geschehen . Das
Lebens Liecht ist ausgelöscht . Absonder
lich geht das Ding offt zu / zur Zeit der Pe
stilentz / oder im Krieg / da blässt immer ei
ner dem andern das Liecht aus / ehe man
Hui ! oder Pfui sagt / da hält man bald die
Q 2 Na= 244 ✾ ✾ ✾
Nasen zu / und fürcht sich vor dem Todten=
Blasbalg .
So ist dann das gantze Menschliche Le
ben / so lang es währet / ein continuir liches
Sterben ? Ey / wer lebt dann auf der Er
den / wenn alle fort und fort / von Stunden
zu Stunden sterben ? Ach niemand denn
GOTT / die Heilige Engel und der Men
schen Seelen / wiewohl der Menschen See
le geistlicher Weise ebenfalls sterben kön
nen / sowohl wenn sie / durch boßhaffte wis
sentliche Sünden / das Leben / das aus
GOTT ist / den Heiligen Geist verliehren
und vor GOttes Augen / wie jener Bi
schoff zu Sarden Apoc . 13 . v . 1 . lebendig
todt sind / als auch wenn die Seelen ihren
bösen Lüsten und Sünde absterben . Wie
jenes Sterben ein unseliges Sterben ist /
wenn eine Menschliche Seele GOTT
und seiner Gnade abstirbt / so ist hergegen
dieses Sterben / wenn ein Menschen=Seel
den Sünden und Eitelkeiten der Welt / der
Wollust / dem Ehr= und Geld=Geitz / der
Hoffart / Zorn und Eigensinn abstirbt / ein
GOtt=gefälliges / rühmliches und seeliges
Sterben . Denn wer stirbt / ehe er stirbt /
der stirbt nicht / wann er stirbt .
Zu
✾ ✾ ✾
245
Zu dieser Kunst / täglich zu sterben / ge
hört mehr als ein paar Schuh / mehr als
ein geistlicher Rock / mehr als eine Capu
ziner=Kutten . Man darff eben nicht mit je
nem Altvatter in einem Todten=Grab woh
nen / damit man täglich sich seiner Sterb
lichkeit bestens erinnern und täglich ster
ben möge . Wir haben in allen Orten An
leitungen genug / solches zu betrachten und
zu lernen . Wir dörffen nur in unsere
Busen fühlen / und die Schläge unsers Her
tzens zehlen / um einen jeden Schlag kom
men wir näher zum letzten / wenn das Hertz
zerbricht und nicht mehr schlägt . Da man
denn gemeiniglich / wenn ein Mensch gestor
ben ist / wie viel es schlägt / zu fragen pfle
get / damit man anzeigen könne / in welcher
Zeit und Stunde er verschieden . Hörst
du aber eben jetzt / da du dieses liesst / etwann
eine Uhr schlagen / schlägts drey / vier / fünff /
oder ein und anders Viertel einer Stunde ;
Vielleicht ists eben diß die Zeit / da man
auch von dir sagen wird : Um diese Stunde
und diese Viertel Stunde ist der oder die
verschieden / und hat eben den letzten Seuff
tzer gethan . Diese Meditatio mortis solle
unser gantzes Studiren seyn / so werden
Q 3 wir 246 ✾ ✾ ✾
wir nicht Zeit haben / mit so vielen eitlen /
irrdischen / nichtigen / ja sündlichen und
verdammlichen Dingen uns zu schleppen
und die Köpffe darüber zu zerreissen / und
also das nöthigste / die Kunst täglich und see
lig zu sterben / darüber nicht versäumen /
wie viel tausend Sterbliche pflegen / die von
keinem Sterben hören noch wissen wollen /
und wenns möglich wäre / gern ewig leb
ten / allein indem sie sich vor dem Sterben
fürchten / so sterben sie schon täglich / sie wol
len oder wollen nicht / oportet ! und muß je
der Mensch bekennen : Quotidie morior .
Wohl aber denen / die täglich absterben /
und diß Jrrdische bey Zeiten verachten ler
nen ! sie werden im Sterben täglich und
stündlich zum ewigen Leben neugebohren
werden .
Betracht ich / was ich muß
werden /
So veracht ich wohl die Er
den .
Num.
Pretiosa in conspectu Do
mini mors Sanctorum
Psal . 115 . v . 15 .
Der ist wohl gerecht gestorben der den Him̅el hat erworben .
✾ ✾ ✾
247
Num . 56 .
Pretiosa in conspectu Domini
mors sanctorum .
Psalm 115 . v . 15 .
Der ist wohl gerecht gestor
ben / Weil er den Himmel hat er
worben .
SEelig sind / die in dem HErrn ster
ben . Ob sie manchmal noch so
unseelig auf dieser Welt zu seyn
scheinen / und wegen der schwehren Last des
Creutzes CHristi / so sie ihrem Heyland /
in Verachtung / in Armuth / in Kranckheit
und Schmertzen / in Verfolgung und tau
senderley Qual / Marter / Noth und Tod /
gehorsam und getreulich nachtragen / nichts
geachtet werden .
Hergegen unseelig sind / die nicht im
HErrn sterben / ob sie schon öffters noch so
seelig auf dieser Welt / wegen ihrer äusser
lichen zeitlichen Glückseeligkeit / Ehre /
Herrlichkeit / Reichthum / Gesundheit Wol
Q 4 lust 248 ✾ ✾ ✾
lust und Freuden zu seyn scheinen / und von
Creutz wenig wissen noch fühlen / vor glück
seelig gepriesen werden . Denn wer nicht
im HErrn lebt / kan nicht im HErrn sterben /
und also in der Ewigkeit den Nutzen und
Früchte des Creutzes Christi nicht genie
sen / sondern weil er hier / als ein Feind des
Creutzes Christi in Unglauben / Sünd und
Lastern gelebt / so wird er auch als ein sol
cher sterben / und als ein Feind des Creutzes
Christi in der Ewigkeit tracti rt werden .
Ob er hier noch so seelig gepriesen / noch
so so so herrlich begraben worden / so ist und
bleibt er doch in den Augen GOTTES /
aller Heiligen Engel und Auserweh
lten ein Greul und Höllen=Brand .
Da hingegen die im HErrn sterben / und
hier weder Ehr noch Lob / ja weder ehrli
che Begräbnis / noch Leich=Begängnis / er
langen können / sondern als ein Fluch und
Feg Opffer aller Leute verdammt und ver
worffen worden / in den Augen GOttes
und des gantzen Himmels / hoch angesehen /
lieb und werth geachtet werden . Die in den
Gedancken der Stoltzen hier verachtete
Liechtlein / werden dorten als Sonnen glän
tzen / da hergegen die grosse Sonnen und
Mond ✾ ✾ ✾ 249
Mond und Stellæ primæ magnitudinis ,
dorten totaliter eclipsi ren und verfinstert
werden sollen . Da wird man erst sehen /
was für ein Unterscheid seye zwischen den
Gerechten und Gottlosen / zwischem zwischen dem /
der GOtt gefürchtet und im HErrn gestor
ben / und zwischen dem / der nicht im Herrn
gestorben ist / noch GOtt vom Hertzen kind
lich gefürchtet hat . Da werden die Gott
losen erschrecken für der grossen Seeligkeit
der Frommen / und für Seelen=Angst seuff
tzen und sagen : Das ist der / welchen wir
für einen Narren hielten und für ein hö
nisch Bey= und Possen=Spiel . Wir Nar
ren hielten sein Leben für unsinnig / und sein
End für eine Schande / wie / ist er nun gezeh
let unter die Kinder GOttes und hat sein
Erb und Platz unter den Heiligen ? Ach
wir haben des rechten Weegs verfehlet und
sind eitel unrechte und schädliche Weeg ge
gangen ! was hilfft uns nun der Pracht ?
Was giebt uns nun der Reichthum samt
dem Hochmuth ? Es ist alles dahin / aber wir
sitzen in der Brüh und haben den Fleck ne
ben das Loch gesetzt / indem wir die zeitliche
Glückseeligkeit vor die ewige erwählet .
Das Gute verspottet / das Böse gelobet /
Q 5 das 250 ✾ ✾ ✾
das Jrrdische geliebet / das Himmlische neg
ligi rt / unter welchen unseelig verachteten
und verdammten Höllen=Bränden auch
ohne Zweiffel / der Seelen nach / schon braten
wird / jener Spötter / so / auf wohl=gemeyn
ten Zuspruch eines Dominican ers: Moria
mur in Domino ! demselben die Kappe / oder
den sogenandten Dominum abgezogen sein
Haubt darein verhüllet und Spott=weise
gesagt : Moriamur in Domino ! und ist also
nicht in Domino , sondern im Diabolo ge
storben / und in solchem Narren=Schertz in
die Hölle gefahren . Wohl denen / die hier
verachtet / doch aber bey GOtt in Ehren
sind . Lasset uns fein fromm und heilig leben
und in guten Wercken uns unaufhörlich
üben / so wird auch unser Tod / er werde
hernach vor der Welt werth oder unwerth
geachtet / vor den Augen GOttes werth
gehalten werden / und uns zur Grabschrifft
dienen können :
Er ist wohl gerecht gestor
ben
Weil er den Himmel hat er
worben .
Num.
Posuisti in nervo pedem
meum .
Job . 13 . v . 27 .
Jch bin wohl ein elender Krippel und tantz doch nach des Todes trippel .
✾ ✾ ✾
251
Num . 57 .
Posuisti in Nervo pedem
meum .
Hiob . 13 . v . 27 .
Jch bin wohl ein elender Krippel / Und tantz doch nach des To
des Trippel .
DJese DIese Welt ist voller Schlingen und
Fuß Eisen gelegt / und gehets den
Menschen / wie einem Hun / so beym
Sailer in der Stuben herum laufft / wel
ches sich bald da / bald dorten in das Wergg
und Hanff verwickelt / und je länger es her
um gehet / je mehr verwickelt wird / biß es
endlich gar nimmer fort gehen kan . Das
sind erstlich die geistliche Bande / darein
uns die Welt verwirret / wenn man durch
Unnachlässigkeit / Fressen und Sauffen / Kol
lern / Zörnen / Hadern und Zancken / Schla
gen / Hauen / Stechen / Huren und Ehebre
chen / und dergleichen Uppigkeiten nicht al
lein die Seele sündlich und gefährlich ver
wickelt / 252 ✾ ✾ ✾
wickelt / sondern auch die Glieder des Leibs /
sonderlich Hände und Füsse also mißbrau
chet / daß endlich dieselben contract , krumm
und Lahm / und von so hitzigen Nerfen=Flüs
sen / so man vor Zeiten Chiragra und Poda
gra beehrntittelt / angefesselt / daß solche Pa
tien ten denen Heydnis . Götzen gleich wer
den / von welchen gesagt wird : Sie haben
Hände und greiffen nit / sie haben Füsse und
gehen nicht . Kommt dann Stein und Colic
dazu / so ist der Tanz fertig . Dieses ab
scheuliche Trifolium , so gerne an einander
hängen / als wie die Blätter im Klee / kön
nen einen zu einem grössern Hiob machen /
als jener / da er auf dem Mist=Hauffen ge
sessen / und seine Schwären mit Scherben
geschabt / jemals gewesen .
Jn diesen schlimmen Hanff verwickelt
gehen viel 1000 . auf der Welt / als in Ket
ten und Banden herum / wenn es nicht ge
hinckt oder gezescht heissen soll . Denn man
muß gar spitzig mit und von solchen Leuten
handeln / die Excandescia überlaufft sonst ihr
gantz Angesicht / als wie einem welschen
Hahn der Pip / daß sie anfangen zu kol
lern und zu schreyen / als wie jene / wenn
man ihnen ein Scharlach=farbes Fleckel vor
die ✾ ✾ ✾ 253
die Augen hält / oder zu einen Galliard eines
aufpfeifft / da wollen sie oben aus und nir
gend an / allein das Beste / sie sind von Tod
arresti rt / damit sie ihm nicht davon lauffen .
Ehe sie sichs versehen / steigt der erbare
Herr Zipper wie die Katz dem Buckel hin
auf / und setzt sich in den Nacken / daß sie den
Kopf weder wenden noch aufheben kön
nen / und folgends in den innern Leib / und
marschirt als die lauffende Gicht / bald da
bald dort um einen Creiß herum / biß der
Herr Tod ihne̅ die Füsse wieder zu recht legt /
regt und streckt / daß ihnen das Hertz kracht /
und alle Gelencke zerbrechen möchten /
wenn sie mit ihm forttantzen und klagen
müssen : Posuisti in Nervo pedem meum .
Jch bin wohl ein elender
Krippel /
Und tantz doch nach des To
des Trippel .
Num.
254
✾ ✾ ✾
Num . 58 .
Sicut tela Aranearum .
Job . 8 . v . 14 .
Deß Menschen Leben / Wie Spinnen=Weben .
DA Adam hackt und Eva span / wer
war damals ein Edelmann . Ob sie
einen klaren oder groben Faden ge
sponnen / ist schwehr zu errathen / so ist nicht
wissend / wer sie spinnen gelehret / und ob
sie es denen Spinnen oder Seiden=Wür
mern abgespickt habe . Jch habe zwar in
keiner Kunst=Kammer / auch unter keinem
Heiligthum dergleichen Rarit ät / angetrof
fen . Die Holländischen Mägdigen oder
vielleicht auch Jungfern pflegen so wohl in
denen Spinnhäusern / als andern Privat=
Häusern / ob sie gleich nicht allezeit Sei
den spinnen / den aller subtil sten / klärsten /
reinsten und nettesten Faden zu spinnen / dar
über sich unsere Lands=Leuth / die ohnedem
nicht gerne spinnen / öffters höchlich ver
wundern . Allein was soll alle diese zarte
Ar= Sicut tela aranearum .
Job . 8 . v . 14 .
Des Menschen Leben wie Spin̅eweben .
✾ ✾ ✾ 255
Arbeit der Menschen gegen dem subtil en
Spinnen der unvernünfftigen Thiere /
nemlich der Seyden=Würmer und Spin
nen seyn ? da gehets mit subtil ern Flachs und
Fingern / Spulen und Haspel zu . Der
Seyden=Wurm ist zwar künstlich / indem
er sich selbst in einem Knäul einspinnet / und
sich gleichsam sein Bett und Grab selbst be
reitet . Die Spinne aber ist noch künst
licher / sie spinnt nicht allein einen durch
sichtigen kaum sichtbaren Faden / sondern
sie giebt auch einen Weber und Netzstri
cker / welches sie gar künstlich nach der Ge
ometrie pflegt auszuwürcken / ja sie gibt
zugleich einen Seil=Tantzer / so auf solchem
subtil en Faden unaussprechlich geschwind
herum laufft / und überdas alles auch einen
Vogelfänger / denn sie lauscht in der Mit
ten ihres Garns / kommt nun eine Mucke
so ziehet die Spinne augenblicklich das Netz
zu / und eilet auf den Fang geschwinder als
alle Vogelsteller nach den Lerchen und Fin
cken / wenn sie zugezogen . Jndem aber die
se künstliche Spinnerin / Weberin / Seil=
Tantzer= und Vogelfängerin ihren Raub
am begierigsten verzehrt / siehe so kommt
unversehens eine schmutzigte / schmerbigte /
ge= 256 ✾ ✾ ✾
geschäfftigte / aufgepfläntzelte staubige To
cken / die Stuben=Magd mit ihrem stumpf
figten Kehrbesen / und reisst der aller
künstlichen Spinnerin der Welt / von der
vielleicht die Eva selbst das Spinnen ge
lernet / mit vielen harten / rauhen / tyran
nischen Schmäh=Worten ihr gantz Meister=
Stuck und Kunstgeweb in einen Augen
blick ein / tritt sie gar mit Füssen / da die un
geschickte Spinnen=Feindin / nicht ein eini
ges Fädenlein so subtil , zart und nett spin
nen könnte / wenn ihr das Leben gelten sol
te . So bald ist die Spinn=Kunst / das al
len seidenen Flor übertreffende Geweb /
die Wundersame Seiltantzerin und Vogel
fängerin / samt Meister und Gesellen zu
nichte gemacht / daß man kein Härlein da
von mehr sehen kan . Jch weiß nicht / ha
ben die Mägd vom Tod / oder der Tod von
Mägden diese geschwinde Vernichtung sol
cher raren Künstwercke gelernet .
Weil das Menschliche Leben leyder
auch einer Spinnen=Webe gleich / die au
genblicklich kan zu nichte werden / so macht
sich der Tod kein Gewissen / und reisst eines
Menschen Lebens=Faden samt seinem gan
tzen Hirn=Gespinst / ob es manchmal noch
so ✾ ✾ ✾ 257
so subtil und künstlich gesponnen und schön
gewebet ist / in einem Hui und Augenblick
gäntzlich ein / und zwar offtmals mitten im
Säiltantzen und Vogelfangen / mitten in
Spintisi ren und Stilisi ren.
So offt wir dergleichen Kunst=Werck
und Geweb an unsern Fenstern hängen se
hen / sollen wir gedencken / GOtt und
die Natur haben uns solches auch deßwegen
vor die Augen weben lassen / damit wir
uns / bey Betrachtung desselben / unserer
Sterblichkeit erinnern / unverzüglich
durch wahre Buß / zum Sterben bereiten
und bekennen sollen :
Deß Menschen Leben !
Wie Spinnen=Weben .
R
Num.
258
✾ ✾ ✾
Num . 59 .
Quid superbis terra & ci
nis .
Eccles . 10 . v . 9 .
Der Mensch ist in dem Tod verführt / Wenn er auf Erd und Asch stoltzirt .
JCh hab mein Lebtag keinen Pfau
en mit einem Menschen=Todten=
Kopff gesehen / aber viel Menschen
mit Pfauen= und Todten=Köpffen ! Man
darf nur die guldenen u . Silbernen Hörner
zusamt der Haut über den Kopff ziehen / so
werden wir bald einen A la mode Pfauen /
mit einem Todten=Kopff und galanten
Frauen=Schmuck sehen / der Pfau ist zwar
ein stoltzes Thier / wenn er 10 . Schwäntz
mit noch viel 100 . Spiegeln hätte / so wür
de er sie alle ausbreiten / und solte er die gan
tze Donaubrücken damit einnehmen / aber
ein Quid superbis , terra &
cinis ?
Eccl . 10 . v . 9 .
Der Mensch ist in den Tod ver
führt wan̅ Er auf Erd v . Asch stolzirt .
✾ ✾ ✾ 259
ein hoffärtiges Frauen=Zimmer ist bey wei
tem viel stöltzer . Der Pfau prangt nur
mit seinem eignen Schwantz / aber manches
in sich und viel andere verliebte und ver
schossene Frauen=Zimmer pranget mit viel
fremden Schwäntzen / so wohl auf dem
Haupt / als sonst an ihren langen / weit nach
schleiffenden / und weit sich ausbreitenden
Pfauen=Federn .
Die Jndianer / in warmen Ländern
schürtzen sich mit allerhand bunten Pape
geys= und andere schön gefärbten Vögel Fe
dern . Jch glaube / wanns mancher Da
lilä keine Schande wäre / sie äffte auch die
ser Mode nach / und kleidete sich in lauter
Pfauen=Federn . Wer weiß / was der
Mode=Teuffel für neue Muster aus Frank
reich bringen wird / damit die Feder=
Schmucker / so ohnedem nit viel Schlitten=
Pferde auszustaffiren haben / vor das Frau
en=Zimmer etwas zu arbeiten bekommen
mögen . Da wird dann ein Pfau zehen
Pfauen und ein Papegey zehen Papegey
en machen . Da wird man den Vogel an
den Federn bald können lernen . Wiewol
solche Tracht wohl manchen Königlichen
Schmuck übertreffen möchte . Dahero
R 2 der 260 ✾ ✾ ✾
der weise Philosophus Solon , den König
Crœsum , welcher ihm / auf dem Thron in
seiner höchsten Zierd und Herrlichkeit sizend
seinen Pracht gezeigt und gefragt : Ob er
dergleichen Schmuck gesehen / nur ausge
lacht / und gesagt : Er habe Pfauen / Pha
sanen / Papegeyen und andere Vögel gese
hen / welche viel schöner und herrlicher ge
schmuckt gewesen / als er der prächtige
Crœsus , in solchen zusammen geklaubten
Eitelkeiten . Lächerlich kommts heraus
wenn man bedenckt / was die elende stincken
de Menschen für eine leichtfertige Thorheit
mit ihrem Pracht und Hoffart begehen .
Sie nehmen und berauben anderer Crea
ture das ihre / und prangen damit / von
denen Schafen nehmen sie die Wollen / und
spinnens / färben sie entweder mit Holtz=
Blume̅ / oder Purpur=Würmlein / die Klei
der / so sie ihnen daraus nach der lächerliche̅
Mode machen lassen / ziehen sie an / und be
decken damit ihre Schand= und Sünden=
Blösse / so ihr Frau Groß=Mutter mit
Feigen=Blättern im Paradieß zugedeckt /
brüsten sich wohl in solchen ihrem Schand
deckel / und bilden sich ein / wenn ihr schönes
tolles gefärbtes Kleid schön gläntzet und
schim= ✾ ✾ ✾ 261
schimmert / sie gläntzen und schimmern also /
da ihr gelbe / schwarze oder blasse Haut ehen
der einem Todten=Kittel / als einem solchen
Schmuck ähnlich . Die armen Seiden=
Würmer berauben sie ihrer Spinnen=We
ben / und machen allerley Taffend und an
dere Gezeiche daraus / und prangen darin
nen / die Würmer mit Würmer=Gespinst .
Die unschuldigen Muscheln berauben sie
mit Gewalt ihrer gläntzenden Perlen / hän
gens / als einen Strick um den Hals und
Arme / und meynen / sie gläntzen so schön ;
So machen sie es auch mit den Edelgestei
nen / Gold und Silber / welche sie theils
aus tieffem Sand im Meer / oder aus den
ausgehöhlten Bergen / mit vieler 1000 .
Leib= und Lebens=Gefahr heraus graben
und wühlen ; Wann die an ihnen wie Sonn
und Sternen funckeln / so glauben sie gantz
alber / sie seyen so Majestätisch / schön und
herrlich ? da doch alles / was sie um und an ha
ben / nur von andern geraubte Sachen / und
dazu bloß aus der Einbildung der Men
schen so hochgeschätzete / nichtige vergängli
che Eitelkeiten sind . Solte man nicht ein
Vergleichung anstellen zwischen denen Hot
tentotten / so sich mit Menschen=Balsam be
R 3 strei= 262 ✾ ✾ ✾
streichen / und meinen / wer am besten stinckt
der sey der Schönste . O klügste Narren
und vornehmste / aber Respect , Frauen=
Zimmer da ! Und kommt mir solcher
Schmuck nicht anders für / als wie beym
Æsopo , von der Aelster erzehlet wird / daß
sie / ihr ein Ansehen bey andern Vögeln
zu machen / sich mit allerhand andern Vo
gel=Federn ausgeschmückt / als aber her
nach die andern Vögel den Betrug ge
merckt / und ein jeder seine Federn wieder
zu sich genommen / siehe so stund die zuvor so
herrlich gekleidete Aelster gantz beschämt
nackend da / und muß sich von andern bö
sen Vögeln auslachen lassen . Also / wenn
die Schafe ihre Wolle / der Seiden=Wurm
sein Gespinst / die Bäum ihre Baum=Wol
le / der Flachs seine Leinwad / die Muschel
ihre Perle / das Meer seine Edelgesteine /
und die Berge ihre Gold und Silber und
Diamanten / die weissen Geißböck ihre
blonden Fabrick lein wieder abholten / was
sollte hernach eine mit fremden Gütern
und Federn so toll heraus gebutzte Aelster
haben / da stehet sie nackend und bloß / arm
und elend / ohne Glantz und ohne Krantz .
Von Pfauen glaubt man / daß wenn er
mit= ✾ ✾ ✾ 263
mitten in seinem Prangen unversehens sei
ner heßlichen / gelbschwartzen Adamischen
Füsse ansichtig wird / er sich dafür entsetze
und schäme / auch alsobalden seinen ausge
breiten schönen Spiegel=Kram einlege und
zusammen ziehe / wie die Frauen=Zimmer
einen Parißischen Fugger . Ach daß doch
alle solche Pfauen=Affen / alle stoltze Frau
en=Zimmer / in den Spiegel der Selbst=Er
känntnis / wenn sie pralen und prangen /
ein wenig sich betrachteten / und ihres
Menschlichen Elendes und absonderlich
deß Weiblichen Geschlechtes Schwachheit /
Unvollkommenheit und Beschwehrlichkeit /
womit sie GOtt vor andern Geschöpffen
belegt / vornemlich aber daß sie mit Leib=
und Lebens=Gefahr und vielen entsetzlichen
Schmertzen / Kinder gebähren / und ihren
Männern / als ihren Herren müssen unter
than seyn / und noch überdas über das alles / alle
Stunden des Todes / und so sie in Kinds=
Nöthen sterben / des erschröcklichen und
erbärmlichen Todes sterben / und zu Staub
und Aschen werden / ja auch vor dem gestren
gen Richterstuhl CHristi / am Jüngsten
Gericht / wegen ihres verfluchten Prachts /
Stoltz= Hoch= und Ubermuths schwehre
R 4 Rech= 264 ✾ ✾ ✾
Rechenschafft geben müssen / so würden sie
doch etwann in ihrem Gewissen schamroth
werden / und ein jede sich selbst bestraffen
und anreden ! Quid superbis terra & cinis ?
Was erhebt r c. und selber diesen Schluß
machen :
Der Mensch ist in den Tod
verführt /
Wann er auf Erd und Asch
stoltzirt
.
Num.
Advena sum , et Pere
grinus .
Psal . 38 . v 13 .
Mein Leben ist ein Wandern von dieser Welt zur andern .
✾ ✾ ✾
265
Num . 60 .
Advena sum & peregrinus .
Psalm 38 . v . 13 .
Mein Leben ist ein Wandern Von dieser Stadt zur an
dern .
ES ist zwar ein altes und bekandtes
Sprichwort / wenn man von ei
nem Menschen / der sich in sich selbst
vergehet / oder auf teutsch nicht gar zu regu
lier in seinem Verstand und Hirn=Häusel
ist / sagt : Er ist nicht recht zu Haus . Allein
man muß diß Sprichwort über alle Men
schen ausdehnen . Es ist leyder ! hier kein
Mensch recht zu Haus . Wir haben hier
keine bleibende Stätte / unser Leben ist eine
Wallfarth / ein Pilgerschafft . Unser Hei
mat und Vatterland ist im Himmel . Wa
rum schreiben sich aber so viele grosse / mit
telmässige / kleine und gar kleine Herren /
von diesem oder jenem Strich der Erden
von diesem oder jenem Königreich / Für
stenthum / von dieser oder jener Grafschafft
und Herrschafft / von und auf diesen oder je
nem Ritter=Sitz und Bauren=Gut / so offt
R 5 nicht 266 ✾ ✾ ✾
nicht einmal in rerum natura zu finden / und
in diejenige Land=Char ten zu setzen / welche
einsten einem grossen Potentat en ein grosser
kurtzweiliger Rath / ( weil man solche keine
Narren mehr heissen darff ) præsenti rt / da
rinnen lauter neugebackener / erschröckli
cher grosser Herren invisible Land Güter /
davon sie sich herschreiben / sub loco einge
zeichnet zu finden waren ? Weil sie nicht
wissen wollen / daß sie sterben und davon
müssen / unerachtet sie täglich erfahren / wie
dieser Land Herr / jener reiche Nabal un
versehens fort gemust / und sein vermeynte
erbliche Eigen=herrliche Güter andern las
sen müssen . Der alte Jacob hat diese Pilger
schafft besser verstanden / wenn er dem Pha
rao bekannt : Die Zeit meiner Wallfarth
ist 130 . Jahr / wenig u . böß ist die Zeit mei
nes Lebens / und langet nicht an die Zeit
meiner Vätter in ihrer Wallfarth Gen . 47 .
Dieweil wir im Leibe wohnen / so wallen
wir dem Herrn / sagt Paulus 2 . Cor . 5 . und
giebt ein gutes Exempel zur Nachfolge /
wenn er dazu sagt : Wir befleissigen und be
mühen uns / daß wir sind daheim oder wol
len / daß wir dem HErrn wohlgefallen mö
gen . Allein könnte hier wohl jemand fra
gen ✾ ✾ ✾ 267
gen / kan denn ein Mensch zugleich auf dieser
Welt und daheim seyn / und als ein Pilger
hier fremd seyn und wallen ? Freylich : Jch
bin beedes / dein Pilgram u . dein Bürger /
wie alle unsere Vätter / bekennet David vor
GOtt selber im 38 . Ps . v . 13 dein Bürger
dorten im Himmel / da unser Politevma und
Burger=Recht ist / Philip . 3 . 20 . dein Pil
ger hier auf Erden . Wie kommts aber / daß
die Menschen / so hier nicht recht zu Haus /
sondern Pilger und Fremdlinge sind / auf
dieser Welt doch also leben / als wollten
oder müsten sie hier ewig leben ? Und hät
ten kein ander oder besser Vatterland zu
hoffen ? Darinnen sind sie eben nicht recht
zu Haus / weil sie meynen / sie seyen hier recht
zu Haus .
Wenn ein Pilgram oder Wandersmann
sich im Wirths=Haus einlogiren und auf
der Reiß verweilen wollte / als wollte er be
ständig daselbst verbleiben / gleichsam als
in den Seinigen / was würden ihm von
der Wirthin / für scheele Gesichter zu Ge
sicht kommen / wie offt würde ihm ausgebot
ten / und das Allon / fort ! fort ! vorgepfiffen
und vorgesungen werden ? Absonderlich
wo er kein Geld mehr hat / ja es dörffte ihm
end= 268 ✾ ✾ ✾
endlich gehen / wie dem verlohrnen Sohn /
den man die Müh überhoben / daß er seine
a la mode Kleider nicht selbst tragen dörf
fen / und der Post=Weeg mit einem Böhmi
schen Ohr=Löffel gezeiget / daß es heisset :
Hier ist nicht gut seyn . Mein Weeg ist der
weiteste . Noch weniger sind viel 100000 .
Menschen recht zu Haus / als ein solcher un
glücklicher Quartier- Meister: Denn sie le
ben / als wenn sie hier ewig leben müsten
oder dörfften . Sie bauen Palläste / kauf
fen Güter und machen sich mehr zu schaffen /
als jener reicher Korn=Jud / der Juda dem
Ertz=Schelmen an Bart und Part , nicht un
gleich gewesen / so schon ein neues Korn=
Haus / wie ein Schloß in die Lufft gebauet /
aber zu Stund hören müssen : Du Narr /
heute wird man deine Seele von dir for
dern . Heute wird dich der Tod auf seiner
leichten Post-Chaise in die andere Welt ab
holen . Du must nur endlich auch gestehen :
Hier niemand zu Haus :
Mein Leben ist ein Wandern
Von einer Welt zur andern .
Vergiß nur das Beste nicht !
Num.
Nihil coinquinatum introi
bit in regnum coelorum .
Apoc . 21 . v . 27 .
Lern Mensch die Sünde meiden , Sonst must auch du hier leiden .
✾ ✾ ✾
269
Num . 61 .
Nihil coinquinatum introibit
in Regnum Cœlorum .
Apoc . 21 . v . 27 .
Lern Mensch die Sünde mei
den / Sonst must du auch hier ley
den .
DEr bußfertige David / wenn er in sei
nem Gewissens=Register zuruck ge
blättert und so viel grobe Schnitzer
gefunden / so er in seiner Jugend gemacht /
ist er dafür hertzlich erschrocken / und hat
GOtt dieselben immer wieder aufs neu ab
gebetten und geseufftzet : HERR / gedencke
nicht der Sünden meiner Jugend und mei
ner Ubertrettung r c.
Wenn der verlohrne Sohn / nach seiner
Bekehrung / zuruck gedacht / wie er sein Gut
mit Huren verschlungen / verhoffartet / ver
bralet und verprasset hat / so wird er sich
ohne 270 ✾ ✾ ✾
ohne Zweiffel / wo er anderst in wahrer
Busse beharret / wenig darüber erfreuet /
wohl aber hertzlich betrübet / und eben der
gleichen Kyrie eleison ! mit David ange
stimmet haben . Gleichwie sich alte Gott
lose ihrer Sünden der Jugend rühmen
und freuen / und aber damit dieselben / weil
sie Wohlgefallen daran haben / auf das
Neue begehen und wiederholen / auch ihre
Gewissens=Wunden / sie zur Zeit / aus Ver
blendung des Satans / noch nicht fühlen /
nur grösser / tieffer und gefährlicher ma
chen ; also pflegen hergegen / alte / kluge /
fromme / bußfertige Ehren=Greissen / so offt
sie einiger Sünden ihrer Jugend einge
denck / oder / durch allerley Gelegenheit /
daran erinnert werden / wie David dafür
hertzlich zu erschrecken / und mit Daniel und
dem Jsraelitischen Volck bekennen ; Wir
müssen uns schämen / daß wir uns so sehr
versündiget haben / trösten sich aber dabey /
daß ihnen solche begangene Sünden in der
Beicht vergeben / und mit dem Purpur=
Mantel des blutigen Verdiensts Christi zu
gedecket / und ihre Gewissens=Wunden
durch Christi Wunden zugeheilet worden :
Und warnen die jungen Leute / daß sie sich
bey= ✾ ✾ ✾ 271
beyzeiten für solchen Sünden hüten sollen /
damit sie nicht im Alter dermaleins eben
dergleichen Nachwehen / in ihrem Gewissen
fühlen / und sich ihres vorigen Lebens vor
GOtt und allen H . Engeln und Menschen
schämen müssen . Deßwegen der H . Apo
stel seinem lieben Lehr=Schüler dem Timo
theo 2 . Epist . 2 . 22 . fest eingebunden :
Fleuch die Lüste der Jugend / als da sind
Frechheit / Sicherheit / Hoffart / Muthwil
len / Verwegenheit / Unmässigkeit / Unzucht
und Scortesie , Spielen / Rauffen / Balgen
und andere Wercke der Finsternis . Wie
dann solche saure Früchte auf den jungen
ungeschnatten Bäumen gar gerne wachsen /
und manches junges Blut / wie ein junges
ungezäumtes Pferd sich in allerley Sün
den und Wollüsten / pflegen zu tum̅eln und
herum zu weltzen / die aber offtmals in sol
chen Dölpel=Jahren / da sie sich klüger dün
cken / als alle ihre Lehrer / ja alle Weltwei
sen und Schwartzen aus Griechenland so
anlauffen / und manchmal zu ihren Glück /
den̅ mit Schaden wird man klug / manche zu
ihren zeitlichen und ewigen Unglück so an
hutzen / daß sie des Aufstehens vergessen .
Denn O wie viel solcher Kalbs=Häute hat
der 272 ✾ ✾ ✾
der Tod schon zu Marck getragen ! die sich
zu todt geritten / zu todt getruncken / zu todt
gefochten / zu todt getantzt / zu todt courti
si rt. r c. So führen auch die Sünden der
Jugend zu einen frühzeitigen Tod unverse
hens Berg ab / ins Grab . Wenn nun
nichts Gemeines oder Unreines ins Reich
GOttes soll eingehen / so mögen solche zuse
hen / wenn sie nicht in der Gnaden=Zeit sich
rechtschaffen bekehren / wie sie dem Feuer
entgehen mögen / welches die Flammen
und Brunst der hitzigen Jugend besser lö
schen kan / als alle kalte und warme Bäder
in Welschland und Teutschland .
Lern Mensch die Sünde mei
den /
Sonst must du auch hier ley
den .
Num.
Miseremini mei , mi
seremini mei , &c .
Job . 19 . v . 21 .
Erweget doch auch unsr Pein , So werdet ihr mitleidig seyn . seyn.
✾ ✾ ✾
273
Num . 62 .
Miseremini mei , miseremini
mei &c .
Job . 19 . v . 21 .
Erweget doch auch unser Pein / So werdet ihr mitleidig seyn .
NAchdem Jonas sein Buß=Predig
zu Ninive vollendet / gab er sich aus
der Stadt hinaus / und setzete sich
unweit derselben auf einen Hügel / den
Ausgang zu erwarten / was doch der Stadt
möchte wiederfahren / machte ihm auch an
bey eine kleine Lauber=Hütten / damit ihm
die Sonnen=Hitze nicht so hart könnte zuse
tzen / auch liesse der Allmächtige GOtt ein
Kürbes aufwachsen / dessen grosse breite
Blätter dem Propheten einen angeneh
men Schatten gemacht / worüber er sich
nicht wenig erfreuet / aber solche Begnü
gung hatte einen kleinen Bestand / massen
aus Befehl des Allerhöchsten in aller Frü
S he / 274 ✾ ✾ ✾
he / noch vor Aufgang der Morgenröth / ein
kleines Würmlein den Kürbes zerbissen /
worauf er alsobald verdorret / und nach
mals den brennenden Sonnen=Strahlen
freyen Paß auf das Haubt des Propheten
geben / welches ihm so grossen Verdruß
verursachet / daß er vor lauter Zorn und
Ungedult sich gegen GOTT nicht ein we
nig beklagt / ja so gar ohne Scheu sich hö
ren lassen / daß er auf solche Weis lieber
todt als lebendig wollte seyn .
Ey du ungedultiger Jonas ! so kanst du
nit leyden kleine Sonnen=Hitz ! so machen
die Sonnen=Strahlen so grosse Qualen ?
Aber du bist nicht allein so heickel / deines
gleichen find man / sieht man / hört man / un
zählbare Adams Kinder / welche die aller
geringste Hitze nit können ausstehen / wenn
sie von einem einigen Tropffen Pettschier=
Wachs getroffen worden / so muß das Au
we hundert und neuntzigmal wiederholt /
wann sie nur mit den blossen Händen ein
Liecht butzen / so schnellen sie mit den Fin
gern / als hätten sie dem Feuer=speyenden
Berg Ætna in den Busen griffen / wann
sie mit einem heissen Löffel = Suppen das
Maul verbrennen / so jammern und lamen
ti ren✾ ✾ ✾ 275
ti ren sie / daß sie auch die Augen derentwe
gen in die Schwemm reiten / O GOtt !
O Himmel ! wie wird euch das Fegfeuer
ankommen / gegen dessen Schmertzen
alle Pein der Welt nur für ein Schertzen
zu halten ?
Ein Truck unter der Preß / sagt /
ich leyde ; Ein Haar oder Flachs durch die
Hächel / sagt / ich leyde ; Ein Amboß
unter dem Hammer / sagt / ich leyde ; Ein
Weyrauch auf der Glut / sagt / ich leyde ;
Ein Braten auf dem Spieß / sagt / ich leyde ;
Ein Erd unter den Pflug / sagt / ich ley
de ; Ein Trayd=Körnlein unter dem Mühl=
Stein / sagt / ich leyde ; Ein jeder Mensch /
so geplagt wird / sagt / ich leyde ; Aber
hört ein wenig / macht die Ohren auf /
wann man euch sagt / daß all euer Ley
den nur Freuden seyn gegen den Feg=
Feuer .
Laß dir mit glühenden Pfriemen die
Augen ausstechen / diese gläsere Kuppler ;
Laß dir mit glühendem Messer abschneiden
die Nasen / diesen polierten Rauch=Fang ;
Laß dir mit glühender Scheer die Ohren
abschneiden / diese zwey Audientz=Zim
mer / laß dir mit glühendem Schnitzer die
S 2 Zung 276 ✾ ✾ ✾
Zung ausschneiden / diesen so künstlichen
Sprachmeister / laß dir mit glühenden
Zangen die Zähn ausbrechen / die Helffen
beinen Zerschroder ; Laß dir mit glühen
dem Beul die Finger abhauen / die so spitz
findigen Künstler ; Laß dir mit glühen
dem Stemmeisen die Zehen abhacken / die
sen so steiffen Fuß=Boden ; Laß dir mit
glühendem Scheermesser Riemen aus der
gantzen Haut schneiden / aus diesem so heick
len Überzug / so ist doch alles dieses nur ein
Schatten / mehr nicht als ein Schatten /
weiter nichts als ein Schatten / gegen der
mindesten Peyn im Fegfeuer . Alles Au
we gegen das Augen=Weh / alles Auwe
wegen Zahn=Weh / alles Auwe wegen
des Hals=Weh / alles Auwe wegen des
Brust=Weh / alles Auwe wegen des Ruck=
Weh / alles Auwe wegen des Miltz=Weh /
alles Auwe / so der Mensch am Leib / im
Leib / um den Leib erlitten hat / und noch
leidet / und ferners leyden wird / ist / ist /
ist / was ? Jst nur ein Einbildung / ein
Gedicht / nur ein gemahltes Wesen gegen
dem Fegfeuer .
Wie ist dir Jeremias gewesen in der
Gruben ? Ubel / das glaubt man . Wie
ist ✾ ✾ ✾ 277
ist dir Joseph gewesen in der Gefängnuß ?
Ubel / das glaubt man ; Wie ist euch Bur
gern gewesen in der Brunst zu Sodoma
und Gomorra ? Ubel / das glaubt man .
Wie ist dir Achan gewesen unter dem
Stein=Hauffen ? Ubel / das glaubt man .
Wie ist dir Absolon gewesen an dem Eich=
Baum ? Ubel / das glaubt man . Wie
ist dir Samson gewest / da du an Händ und
Füß gebunden worden ? Ubel / das
glaubt man . Wie ist euch armen Seelen
im Fegfeuer ? Ubel übel ! Aber das will
kein Mensch glauben / O GOTT ! Re
den läst sich viel / aber nicht genug / er
zehlen läst sich viel / aber nicht genug / mah
len läst sich viel / aber nicht genug / schrei
ben läst sich viel von dem Fegfeuer und des
sen grösten Pein / aber nicht genug / nie
genug / gleichwie nun ein Jgel über und
über voller Spitz und Spieß / und gäntz
lich nichts lindes an ihm / sondern alles
nur zum Verwunden und Beleydigen / al
so ist in jenem zeitlichen Kercker nichts zu se
hen / zu hören / zu riechen / zu kosten / zu füh
len / als lauter Weh ! Weh ! Weh !
Moyses der Jsraelitische Führer sand
te einmals / aus Befehl GOttes / zwölff
S 3 Män= 278 ✾ ✾ ✾
Männer aus / welche das gelobte Land
Canaan sollten auskundschafften / und
fein die gewisse Avisa zuruck bringen / wie
dasselbe beschaffen seye / diese nach viertzig
Tagen kommen zuruck / und weilen sie
schlechte behertzte Gesellen waren / auch
dero Busen mit Hasen=Balg gefüttert /
traueten ihnen nicht / obberührte Land
schafft mit gewaffneter Hand zu erobern /
und damit sie auch andern die Courage
möchten mindern / haben sie unverhofft
vorgeben / wie daß in demselbigen Land so
grosse Leute leben / quibus comparati ,
quasi locustæ videbamur , daß sie gegen
ihnen wie die Heuschrecken aussehen / ey
warum hat nicht das gantze Volck gepfif
fen zu dieser Centner=schwehren Lügen /
daß sie gegen denselbigen ungeheuren
Leuten nur wie Heuschrecken zu achten / das
heist aufgeschnitten !
Aber das heist nicht aufgeschnitten /
sondern ist die klare Warheit : Wenn man
die grosse und schwehre Pein des Fegfeuers
wohl erwägen thut / so sind alle Pein und
Tormenten der Heiligen Martyrer gegen
denselben Heuschrecken / ja wie nichts zu
schätzen / sondern können noch wohl den
Na Na= ✾ ✾ ✾ 279
Namen tragen eines kühlen Tau : Die
Heilige Magdalena de Pazzis wurde auf
eine Zeit verzuckt / nach solcher ziemlich
lang verweilter Verzuckung hat sie beyde
Händ in die Höhe gehebt / und mit wei
nenden Augen aufgeschryen : Omnia tor
menta , quæ passi sunt Martyres , sunt tan
quam amœnus hortus , respectu eorum ,
quæ infliguntur in purgatorio ; Alle Pein
der Martyrer und Blut=Zeugen Christi /
sagte diese heilige Jungfrau / alle / alle
seynd / gegen den Qualen / so die arme
Seelen im Fegefeuer ausstehen / wie ein
ergötzlicher Lust Garten zu halten ; Der
Rost Laurentii ist kein Rost / sondern
ein Rast ; Die Kieselstein Stephani seynd
keine Kieselstein / sondern Kitzelstein ;
Das Feuer Theopistä ist kein Feuer / son
dern ein Feuerabend ; Die Zang Apollo
niä ist kein Zang / sondern ein Gesang ;
Der Mühl=Stein Simeonis ist kein Mühl=
Stein / sondern ein Milderstein ; Die Pfeil
Sebastiani seynd keine Leibs=Pfeil / son
dern Liebes=Pfeil zu achten / gegen de
nen Peinen / in denen / bey denen / un
ter denen die armen Seelen liegen in
dem Fegfeuer / welcher vergleicht den Bach
S 4 Cedron 280 ✾ ✾ ✾
Cedron mit dem grossen Oceano ; welcher
vergleicht das schlechte Städtlein Hai / mit
der grossen Stadt Jericho ; welcher ver
gleicht die Pharoanischen Pharaonischen Mucken mit den
Machabeischen Elephanten / derselbe ver
gleicht auch alle gesambte Feuer=Flammen /
Funcken / Kohlen / Offen und Brünsten
der gantzen Welt mit der geringsten Peyn /
so alldort ein arme Seelen in einem Au
genblick leydet ! O leyden ! O leyden . Mi
seremini mei , miseremini mei ,
Erweget doch auch unsere
Pein /
So werdet ihr mitleidig seyn .
Num.
Hæccine est illa .
4 Reg . 9 . v . 32 . 2. Reg. 9. v. 37.
Wer kan aus diesen lesen wer Sie zuvor gewesen .
✾ ✾ ✾
281
Num . 63 .
Hæcine est illa ?
4 . Reg . 23 . 2. Reg. 9. v. 37.
Man kennet sie nicht mehr ! Wer sie gewest vorher .
MAnche Menschen verändern sich
bißweilen schon im Leben also / daß
man / wo sie eine Zeitlang abwe
send gewesen / wenn sie wieder kommen / sie
kaum mehr kennen kan / und dieses geschie
het auch den / so verreist gewesen / daß sie bey
ihrer Zuruck=Kunfft / kaum die alte Katz
oder den alten Schatz mehr kennen . Tem
pora mutantur & nos mutamur in illis , so
wohl physicè als moraliter . Wir verän
dern uns mit der Zeit unwissend wie . Man
cher Mensch wird schon bey jungen Jahren
alt / bleich und runtzlicht / es mag leicht ein
Fieberlein sich einfinden / ein Creutz / eine
schwehre Sorge oder Unglück r c. So fal
len die rothen völligen Wangen ein / ver
bleichen / werden runzlich und heßlich wie
ein schöner Apffel und Citronen in einer
S 5 war= 282 ✾ ✾ ✾
warmen Stuben . Die schönsten Jung
fern werden offt die heßligsten Goldgelben
Weiber / so / daß man meynen sollte / sie
hätten sich mit einem Gold=Fürnis lacki rt /
oder mit Saffran angestrichen . Mancher
schön gewesene Absolon und Paris / so sich
allzusehr das salus und prosit , das Courtesi
ren oder Crackelieren lassen angelegen seyn
verschrumpft und verhutzelt in seiner blü
henden Jugend / als wie eine Wurmstichi
ge Frucht oder frühzeitige Hutzel am Biern=
Baum / geschicht das am grünen Holtz / was
will am dürren werden ? Geschicht das im
Leben / was will erst im Tode werden ?
Heu quàm subita mutatio ! So bald der
Mensch den Todten=Kittel angezogen und
den Mund zu weit aufgemacht / siehet er ihm
schon öffters nicht mehr gleich . Liegt er
nur etliche Tage / absonderlich bey warmen
schwilligtem Wetter / was ist das für ein ent
setzlicher Anblick ! Grün und Gelb / Braun
und Blau / ja offt fast Mohren=färbig ist
das Angesicht / der übrige Leib mehrmals
dick aufgeschwollen / der noch überdas so
abscheulich stinckt / auch offtmals die Gesun
desten infic irt / daß es nicht zu beschreiben .
Eröffnet man solche Särge nach etlichen
Wochen ✾ ✾ ✾ 283
Wochen / Monaten oder Jahr / O welche
Specta ckel siehet man da ! O welche heßli
che Ungeziefer / Würmer und Motten / ja
Kröten und Schlangen siehet man an dem
gantzen Leib / an den so kurtz vorher so schö
nen Rosen=farben Wangen und Corallen=
Lippen / hauffenweis herum kriechen und
schwärmen / da guckt eine Kröte zum Mund
heraus / dort frisst eine Schlange an den
Brüsten / die Augen sind schon ausgehohlt
und sitzen weiß nicht was für kleine Croco
dillen darinnen / oder so die Mahlzeit schon
geendet und sie selber einander wieder auf
gezehrt / so liegt nichts anders im Sarg /
als ein Bein=Gripp / für dem sich fast jeder
man fürchtet und entsetzet .
Grosse Herren / Käyser / Könige / Für
sten oder auch andere / die / vermittelst Gold
und Gelds / der Fäulnis und Zerstäubung
entfliehen wollen / lassen sich einbalsamiren
und mit köstlichen Oli täten innen und aus
sen einschmieren und fast braten / oder wie
die Egyptier aufdürren und gleichsam in
der Zeit verewigen . Aber O eitles Be
ginnen ! Mensch du bist Erden und sollst zur
Erden werden / und wenn du noch so lang
diesem Befehl GOttes widerstrebest / so
muß 284 ✾ ✾ ✾
muß doch endlich auch dein Balsamirter
Maden=Sack vermodern und verfaulen .
Denn auch die Mumien sind endlich der
Corruption unterworffen / und wie viele
sind schon von krancken Menschen verzehrt
und wieder zu Staub und Aschen worden !
komme her / zeig mir der grossen Egypti
schen Könige und Königinnen Cörper /
wo sind die grossen Ptolomæi ? Wo ist Salo
monis aller schönst=gewester Leichnam ?
Auch die Pyrami den und Mausolea / die
Wunder der Welt verfallen mit der Zeit .
O homo , vanitas ! vanitas & omnium va
nitatum vanitas ! Nach dem Tod wird alles
gleich . Könige und Bauren / Arm und
reich . Fragst du von der schönen Helena /
Cleopatra und andern Venus-Bildern :
Hæccine est illa ? So wirst du bekennen
müssen : Jch sehe keine Gestalt noch Schöne .
Man kennet sie nicht mehr /
Wer sie gewest vorher . Fui !
Num.
Ascendit Angelus ad
Locum flentium .
Jud . c . 2 . v . 1 .
Ach dieses Brod , hilfft uns aus Noth .
✾ ✾ ✾
285
Num . 64 .
Ascendit Angelus ad Locum
flentium .
Jud . 2 . v . 1 .
Ach dieses Brod Hilfft uns aus Noth .
NAchdem die übergebenedeyte
Jungfrau Maria durch Uberschat
tung des Heiligen Geistes / GOt
tes Sohn in ihrem reinesten Leib empfan
gen / hat sie sich alsobald auf die Reis ge
macht / ihre liebste Mum und Baaß Elisa
beth / so dazumahl im sechsten Monat groß
Leibs gangen / zu besuchen und folgsam zu
bedienen / sie hat aber solche Reis in aller
Eyl vollzogen / massen sie den ersten Tag
deß April an einem Freytag / ( wie Colve
nerius zeiget ) ausgangen / u . am Montag
schon bey Zeiten in das Haus Zachariä / un
geacht deß grossen un̅ harten Gebürgs / sich
ein= 286 ✾ ✾ ✾
eingefunden / also in so wenig Tagen 95 .
Wälsche / das ist 19 . Teutsche Meilen
gemacht / welches an dem so zarten Jung
fräulein höchst zu verwundern / wie dann
solches der Evangelist selbst umständig be
schreibet . Daß sie nemlich eylends gegan
gen über das Gebürg in die Stadt Juda r c.
Weil sie wuste / daß durch ihre Ankunfft
der kleine Johannes noch im Mutter=Leib
von dem Band der Erbsünd sollte loß ge
macht werden / also hat sie solche Reis oh
ne einigen Auffenthalt / aufs allerschleunig
ste vollzogen / gantz eylends / uns zu einer
sonderbaren Lehr ; wann wir doch wollen
dermahlen unserm Nechsten aus einem
Elend helffen / daß wir solche Hülf im ge
ringsten nicht aufschieben / sondern / ohne
weitern Verzug unsere barmherzige Händ
darreichen / eylends / eylends .
Nichts Tyrannischer und grausamer
kan erdacht werden / als wenn wir die
Hülff gegen den abgestorbenen Christglau
bigen auf so lange Banck schieben . Wann
ein Todsfall geschicht / ist meinstens das
erste Schicken zum Schneider / damit die
Klag= ✾ ✾ ✾ 285 287
Klag=Kleider ohne Hindernuß verfertiget
werden / unter dessen bratet und brennet
er / man schickt zu zwey oder ja wohl gar
drey Tischler / welcher um leichtern werth
die Truhen mache / unter dessen bratet er
und brinnet er ; man deutet es der Obrig
keit an wegen der gewöhnlichen Speer / un
terdessen bratet er / brennet er / man
thut es der gantzen Freundschafft zu wissen /
unterdessen bratet er / und brennet er /
mit harter Mühe des folgenden Tags wird
ein oder andere Meß gelesen . Die Pia le
gata können dermahlen nicht abgestattet
werden / denn das Testament hat ein
Clausul , aus welchem vermuthlich ein
Process geschmiedet wird / der sich aber
vor Jahr und Tag nicht enden wird / un
terdessen bratet er / und brennet er . Kurtz
vor seinem Tod hat mir mein Vatter
auferlegt / ich soll diese Schuld bezahlen /
welches auch / geliebtes geliebt es GOTT / ge
schehen soll / aber ich will erst warten /
in was für einen Preiß heuer das Traid
werde kommen / unterdessen bratet er und
brennet er . Die Kirchfahrt / die er na
cher Marien=Zell verlobt / soll ich / so
bald 288 ✾ ✾ ✾
bald es nur möglich / an statt seiner verrich
ten / aber dermahl weil es Herbstzeit /
und der Wein=Garten ein wachsames
Aug braucht / kans nicht seyn / will sehen
wie es sich im Frühling wird schicken /
unterdessen bratet und brennet er . O
Grausamkeit eines solchen Tieger=Her
tzen / eines solchen steinharten Gemüths !
Wie der verlohrne Sohn wieder aus
den Ländern / und Elenden kommen / und
dem alten Vatter zu Füssen gefallen / wie
der Vatter gesehen / daß er vor Hun
ger so ausgemergelt / und so wenig
Fleisch / als deß Samsons gebrauchter
Esels=Kinnbacken / wie er wahrgenom
men / daß er keine Schuh an Füssen /
und nur zum Kraut eintretten gericht /
der als ein Unkraut gelebt / wie er ver
merckt / daß sein Rock so voller Löcher /
als hätten die Erdmäuß darinnen ihren
Tum̅elplaz / wie er gesehen den elenden Auf
zug und mühseligen Stand seines Sohns /
da hat er der liebe Vatter befohlen citò pro
ferte &c . geschwind / daß man ihm ein neues
Kleid anlege / citò , geschwind / daß man zu
der ✾ ✾ ✾ 289
Kuchel der Kuchl schaue / und ein Mittagmahl zu
richte / Cito , geschwind und eylends r c.
Mein Vatter / lasse lieber den saubern Ge
sellen noch etliche Tage in seinen Hadern
herum schlampen / vielleicht buhlen die
Pappier=Macher um ihn / lasse ihn eine
Zeit fasten / er hat ohnedas zu viel gelöf
felt / lasse ihn noch eine Weil leyden / da
mit es ihm eine Witzigung sey : Ach mein !
sagte der Vatter / ich kunte es über mein
Hertz nicht nehmen / er ist mein Fleisch
und Blut : Jch kan nicht auch nur ein
Viertel Stund mehr zusehen / daß er sol
che Noth soll leyden / Citò , Citò .
Wie könnt dann ihr Kinder / um GOt
tes willen / wie könnt ihr ein so Stachel
hartes Hertz haben / und zulassen / daß
eure liebste Eltern nicht nur eine Viertel=
Stund leyden / sondern so viel Jahr und
Zeit / denn erweget nur / daß ein einige
Viertel=Stund / an welcher ihr die Hei
lige Meß / das Allmosen aufschiebt / ihnen
viel Jahr dunckt zu seyn . Nur gar zu be
kandt ist jene Geschicht / so sich mit zweyen
frommen und gottseeligen Religiosen zu
T getra= 290 ✾ ✾ ✾
getragen / welche als vertrauteste Freund
unter ihnen diesen Pact gemacht / daß
welcher vor den andern werde mit Tod
abgehen / vor dem soll der Lebendige al
sobald das Heilige Meß=Opffer verrichten /
und zwar ohne den geringsten Verzug /
welches auch also Vermög des Verspre
chens geschehen / aber nach vollendter
Heiliger Meß erscheinet der Todte dem
Lebendigen / ropffte ihm vor seine Nach
lässigkeit / daß er seinem Schwuhr / und
so treuen Versprechen nicht nachkommen /
um weil er grausamer Weis ihn zwan
tzig gantzer Jahr im Fegfeuer gelassen :
Mit nichten / antwortet der Lebendige /
deme sey nicht also / es sey erst ein hal
be Stund / daß er Todes verblichen /
und den Augenblick gleichsam nach sei
nem Hinscheiden habe er die Heilige Meß
angefangen . Wann deme also / sagt
hierwieder der Todte / so muß man be
kennen / daß einem im Fegfeuer eine eintzi
ge halbe Stund vorkomme wie zwantzig
gantzer Jahr .
Citò , Citò , wohlan dann barmher
tzige Gemüther ! verweylet nicht einen
Au= ✾ ✾ ✾ 291
Augenblick denen Verstorbenen zu helf
fen / schiebt es nicht eine Viertel Stund
auf vor sie zu beten / last doch um GOT
TES willen nicht hören das Morgen /
das Ubermorgen / das ein andermal /
sondern gleich jetzt / jetzt / da die Seel
von Leib geschieden / werfft ein Allmo
sen in die Händ der Armen / jetzt da der
Cörper noch warm / schickt in die Kir
chen / und GOTTES=Häuser zu be
ten / jetzt da man ihm die Augen zutruckt /
erhebt euere Augen gen Himmel / und
seufftzet um Barmhertzigkeit bey dem All
mächtigen GOtt .
Cito , Citò . Wann des Menschen
oder Nächsten Haus brennt / und aller
im Feuer stehet und steckt / ist doch niemand
der nicht laufft und schnaufft / und sucht
zu löschen / und wir können zusehen / daß
etliche Tage / etliche Monat / ja viel
Jahr und Zeit unsere Eltern / unsere
Freund und Anverwandte / sollen im
Feuer und Flammen liegen ? Ach nein / das
soll man von eines Menschen Hertzen nicht
vermuthen .
T 2
Ab=
292
✾ ✾ ✾
Abraham / Abraham der Gottsförch
tige Patriarch / macht nun viel zu Schan
den . Er hat auf eine Zeit drey frembde
Männer erblickt / denen er nicht allein
entgegen gangen / sondern geloffen / cu
currit , selbe demüthigst ersucht / sie wol
len doch die Einkehr bey ihme nehmen / er
sey erbietig ihnen die Füsse zu waschen / und
sie mit einem Bissen Brod zu bedienen .
Das war noch nicht genug / Abraham
eylet in die Hütten zu der Sara / eylet und
sagt : Bache geschwind ein weiß Brod für
die Leut / er aber lieff zum Vieh und holte
das beste Kalb / gabe es dem Knaben / und
dieser eylte / und kochte es / Gen . 18 . Wer
seynd doch diese gewesen / wessenthalben
sie zu bedienen man allerseits in dem Haus
des Abrahams ? Abraham currit , Uxor
festinat , Puer accelerat , &c . Fremde
seynd sie gewest / die der Abraham nie ge
sehen noch gekannt . Pfuy der Schand
bey uns ! Abraham springt den Fremden
so eylends bey / und wir unsern nechsten
Bluts=Verwandten in jener Welt so lau
und langsam ; Er spendi rt ihnen also
bald ein weisses Brod / und wir lassen offt
etli= ✾ ✾ ✾ 293
etliche Tag und Wochen verstreichen /
biß wir ihnen ein Bissel vergönnen und
vorlegen von dem Schnee=weissen Brod
der Engeln . Jch will / sagt mancher /
wohl etliche Heilige Meß lesen lassen /
aber ich muß vorhero wissen / ob es die
Verlassenschafft austrägt / was für
Schuldner sich nach und nach werden ein
finden / damit ich mit der Welt nicht mit
lauter Meß=Opffer das Meinige auch mit
aufopffere : Unterdessen heist es so viel /
als lasst ihn brennen / und braten . O
eyskalte Hertzen ? Habt ihr doch ein
Mitleyden / wann ein Hund mit einem
Stein geworffen wird / und durchs Ge
schrey und Winseln sein Zuflucht zu euch
nimmt : Wie könnt ihr dann zusehen /
zulassen / zuhören / daß eure eigene Be
freunde oder beste Bekandte so lang war
ten müssen im Feuer und Flammen eurer
Hülff !
Citò , Citò , ach eylet doch um GOt
tes willen / ihnen zu helffen / und feyret
nicht einen Augenblick wegen des unbe
schreiblichen Feuers / nehmet dißfalls die
T 3 Schnel= 294 ✾ ✾ ✾
Schnelle des Hirschen an euch / damit ein
jeder zu seiner Zeit mit dem Psalmisten
David sprechen könne : Perfecit pedes
meos tanquam Cervorum . Psalm 17 . Er
hat meine Füß den Hirschen gleich gesetzt .
Ja den Engeln gleich : Ascendit Angelus
ad locum flentium .
Auch dieses Brod
Hilfft uns aus Noth .
Num.
Salubris est
cogitatio pro defunctis orare .
2 . Mach . 12 . v . 46 .
Vergesset der Verstorbnen nit es bringt auch euch viel gutes mit .
✾ ✾ ✾
295
Num . 65 .
Salubris est cogitatio pro de
functis orare .
2 . Mach . 12 . v . 46 .
Vergesset der Verstorbnen nit Es bringt auch euch viel Gu
tes mit .
FOrt mit dir in die Keichen / sagt
das Evangelium / es sey dir gesagt /
Amen ! es sey dir geschwohren / du
wirst von dannen nicht heraus kommen /
biß du den letzten Heller bezahlest . Dieses
alles gehet die armen Seelen im Fegfeuer
an / welche ihre gemachte Schulden in je
nem feurigen Kercker bey Heller und Pfe
ning bezahlen müssen / aber wo nehmen ?
Qui non habet in ære , luat in pelle : Da
heist es / der nicht bey Mitteln ist / der bezah
le es mit der Haut / oder ein anderer / aus
Mitleyden und Barmhertzigkeit bezahle
für ihn / massen der gerechte Richter nicht
einen Heller nachlässet .
T 4
Sel=
296
✾ ✾ ✾
Seltzam ist / was man von einem Schwe
dischen Haubtmann Mancinus vorbringet /
weil diesem Soldaten so viel Monat=Sold
ausständig / zumal von Sold der Soldat
den Namen geschöpfft / hat er endlich die
Sach vor den König Carolum selbst ge
bracht / und verlangte unterthänigst die ih
me ausständige 600 . Reichs=Thaler / was
sagte der dazumal ungedultige König ? 600 .
Reichs=Thaler / an statt dieser will ich dir
600 . Teuffel auf den Kopff wünschen : Das
schmertzte nicht ein wenig den guten Offi
cier , kunte aber dermalen wider den Strom
nicht schwimmen / und muste dermal die lie
be Gedult anziehen / unterdessen wachsen
seine Schulden nicht ein wenig im Wirths=
Haus / also zwar / daß solche bereits auf 300 .
Reichs=Thaler sich beloffen / welches Geld
die Frau Wirthin in baarer Bezahlung
forderte / worüber aber der Haubtmann /
ein sehr sauers Gesicht gemacht / was ?
sprach er / 300 . Reichs=Thaler / an statt
deren sollt ihr 300 . Teuffel auf dem Kopff
haben ; solche freche Antwort veranlasste
die Wirthin / daß sie gar die Sach nacher
Hof brachte / und kame die ernstliche Be
scheidung / der Officier soll erscheinen / de
me ✾ ✾ ✾ 297
me dann unter grosser Leibes=Straff auf
erlegt worden / er solle bezahlen / worauf
der Soldat geantwort : Wie daß er sie be
reits mit Königlicher Müntze baar conten
tirt / dann ihm unlängst der König auf Er
forderung 600 . Thaler / 600 . Teuffel habe
geben / und weil er ihr der Wirthin nicht
mehr als 300 . Thaler / vermög der gemach
ten Rechnung / schuldig sey / also habe er sie
mit 300 . Teuffel abgefertiget / man werde
hoffentlich hierinnfalls des Königs Mün
tze nicht verachten / r c. Auf solche Weis
läst sich der Göttliche gerechte Richter
nicht bezahlen / sondern es müssen die arme
verstorbene Christglaubige / die noch mit
einem Schulden=Rest / von der Welt ge
schieden / ihn contenti ren / biß auf den letz
tern Heller / aber wo nehmen ? Um GOt
tes willen / wo nehmen ? sie haben nichts / da
hero werden sie arme Seelen genennt / und
weil sie nichts haben / wormit sie den All
mächtigen befriedigen können / müssen sie
dafür lange / grosse / schwehre / harte / stren
ge und unbeschreibliche Pein und Tormen
ten ausstehen / oder / oder / oder / welches ihr
einiges Bitten / Bitten / und Seufftzen / und
Schreyen ist / oder jemand anderer aus
T 5 uns 298 ✾ ✾ ✾
uns muß aus Mitleyden für sie bezahlen /
damit doch einmal der Allmächtige GOtt /
ein Creutz mache durch das Schuld=Buch ;
Aber wo nehmen ? Petrus ließ sich wohl
einmal verlauten / da er von einem Bettler
bey der Kirch=Thür um ein Allmosen an
gesprochen worden / daß er weder Pfen
nig noch Heller / weniger etwas von Gold
habe / r c. Aber diese Entschuldigung kön
nen wir auf keine Weeg vorschützen / Geld
genug / Geld ohne Abgang / Geld so viel
man verlangt / und zwar die beste Maria=
Groschen / kan man verstehen das Heilige
Ave Maria / und folgsam den Heiligen
Rosen=Krantz / wormit die grosse Schul
den im Fegfeuer können bezahlet werden .
Der seelige Alanus de Rupe erzehlt /
daß ihm sehr viel Brüder und Schwestern
aus der Ertz=Brüderschafft des Heiligen
Rosen=Krantz gesagt haben / auch mit ei
nem Eyd betheuert / daß ihm gar offt / da sie
den H . Rosen=Krantz andächtig gebetet /
seyen Seelen aus dem Fegfeuer erschienen /
dero Stirn mir einem rothen Creutzlein be
zeichnet gewesen / welche sehr grossen
Danck ablegten um dieses Heilige Gebet /
auch anbey ermahnten / sie sollen fernes in
die= ✾ ✾ ✾ 299
dieser Andacht fortfahren / massen nach
dem Heiligen Meß=Opffer kein kräfftigers
Mittel sey / ihre Pein zu mindern / und die
Schulden für sie zu bezahlen / als der Hei
lige Rosen=Krantz / desgleichen in Surio
zu lesen / daß des Königs Philippi in
Franckreich leibliche Tochter und Hertzo
gin in Braband / der Heiligen Ludgarden
erschienen / und ihr angedeutet / daß sie nicht
lang im Fegfeuer verblieben / vermittels
des Heiligen Rosen=Krantz / den sie täglich
bey Lebzeiten gebetet . Wann die Rosen
kühlen / wie aller Medicorum Aussag ist /
so wundert mich nicht / daß die mit grosser
Hitz geplagte Seelen / in jenem zeitlichen
Kercker / also trachten nach dem Heiligen
Rosen=Krantz .
Von der seeligen Elisabeth aus Ara
gonien wird geschrieben : Daß sie eins
mals durch Göttliche Eingebung ein
Kirchen=Gebäu / dessen Abriß der Him
mel selbst gemacht / habe angefangen / wie
nun zur Abends=Zeit die Arbeiter nacher
Haus gangen / gab sie jeden eine Rosen / in
dem bestund der Taglohn ; Weil die gute
Leute nur wohl erkännt die gröste Hellig
keit dieser Elisabeth / also haben sie derowe
gen 300 ✾ ✾ ✾
gen kein widriges Gesicht gezeigt / son
dern die Rosen mit Danck angenommen /
solche wegen ihres guten Geruchs an die
Nasen gehalten / und gleichsam darum ge
danckt ; Aber siehe Wunder ! da sie die Ro
sen in Händen hielten / seynd solche augen
blicklich zu grossen güldenen Pfenningen
verändert worden .
Was dazumalen geschehen / geschicht
noch öffter / daß nemlich die Rosen zu Geld
werden / solches um bericht die arme See
len im Fegfeuer / die es mit grossem Danck
bestehen / daß ein Rosen=Krantz / so man
für diese arme Tropffen GOtt aufopffert /
das angenehmste Geld sey in den Augen
GOttes / und nicht ein wenig von ihren
Schulden abzahle . Zu Capernaum wur
de der Peter angeredet / er solle den Zinß=
Groschen zahlen / wo nehmen ? Unser
HErr befiehlt ihm / er solle den Angel ins
Meer werffen / dem nechsten Fisch / den er
würde heraus ziehen soll er ins Maul greif
fen / da werde er schon Geld finden / wie es
dann auch geschehen .
Wir wollten gern für die arme Seelen
im Fegfeuer die Schuld bezahlen / aber wo
Geld nehmen ? Geld genug / zu Caper
naum ✾ ✾ ✾ 301
naum hat ein Fisch Geld gespendirt / jetzt
aber giebt uns der Fischer Geld . Be
schaue jemand / alle Ablas=Brieffe / so nun
von dem Päbstlichen Stuhl kommen / ob
selbe nit vom Fischer ? Ein jeder wird vom
Fischer=Ring bestättiget / sub annulo Pisca
toris ; Ein solcher Ablas ist an statt des be
sten Gelds / womit die Schulden der ar
men Seelen bezahlt werden . Bleibt also
dabey : Salubris est cogitatio , pro defunctis
orare .
Vergesset der Verstorbnen nit
Es bringt auch euch viel Gu
tes mit .
Num.
302
✾ ✾ ✾
Num . 66 .
Vestra abundantia illorum
inopiam suppleat ,
2 . Cor . 8 . v . 14 .
Das Allmosen löscht das Feuer / Dem wir zahlen hoch und theuer .
HEilig ist / heilsam ist / Liebwürdig
ist / Lobwürdig ist / wann sich ein
Christlicher Mensch der Armen
Seelen im Fegfeuer annimmt / aber er
soll vor allen andern denjenigen Hülf er
reichen / die da in seiner Freundschafft /
zu allererst den lieben verstorbenen Eltern /
weil die forderist ihre Hoffnung setzen auf
die Hülffe der hinterlassenen Kindern ;
Nach dem Exempel des Heiligen Vatters
Augustini / welcher jemand ersucht und in
ständig gebetten / sie wollen doch in ihrem
Gebet / und absonderlich die Priester in ih
rem 1000
Vestra abundantia illo
rum inopiam suppleat .
2 . Corinth . 8 . v . 14 .
Das Almosen löscht das Feuer , drin̅ wir zahlen hoch v . theuer .
✾ ✾ ✾ 303
rem H . Meß=Opffer seiner verstorbenen
Mutter Monicä und seines Vatters Pa
tritii eingedenck seyn .
Es hoffen die lieben Eltern auf ihre
Kinder / daß sie werden nachfolgen dem
Samson / welcher denjenigen Hönig=Fla
den / so er in dem Rachen des erwürgten
Löwens gefunden / nicht allein für sich be
halten / sondern davon eine gute Portion
seinen Eltern zugebracht : Also werden sie
auch ihnen lassen zukommen das Göttliche
Manna / und süsseste Himmels=Brod des
Altars .
Es hoffen die Kinder auf ihre annoch
lebenden Eltern / daß solche werden nach
folgen der Agar / welche auf keine Weis
könnte ertragen / daß Jsmael ihr Sohn
sollte vor Durst sterben / sondern sie hat
so lang bey dem Himmel supplici ret /
biß GOtt einen Engel gesandt / der ihr
ein klare Brunnquell gewiesen hat in der
Wüsten : Also werden sie auch ihnen ver
hülflich seyn / damit sie doch einmahl gelan
gen zu demjenigen / welcher der Samari
tanin gesagt hat / daß er sey der Brunn deß
ewigen Lebens .
Es hoffen die Geschwistrige auf ihre
hin= 304 ✾ ✾ ✾
hinterlassene Brüder und Schwestern / daß
sie werden nachfolgen der sorgfältigen
Martha / welche alle Hausgeschäfften bey
seits gelegt / und in aller Eyl ( hat so gar der
Magdalena nichts darvon angedeut ) dem
HErn JEsu entgegen geloffen / und ih
ren verstorbenen Bruder recommendi rt /
wie dann bald der Bescheid ergangen / re
surget Frater tuus . Dein Bruder wird auf
erstehen ! Also werden sie ebenfalls ihrer
öffters gedencken / und bey dem Göttlichen
Heyland das ewige Leben ihnen zu wegen
bringen .
Es hoffen die verstorbenen Ehe=Wei
ber auf ihre hinterlassene Männer / und
hinwiederum die Ehemänner auf ihr an
noch im Leben verbliebene Weiber / daß sie
werden nachfolgen der bescheidenen Abi
gail / welche alle Mittel angewandt / kei
nen einigen Unkosten gespahrt / damit sie
nur das Ubel von ihrem / obschon groben
Mann / möchte abwenden / so ihme von
David gedrohet wäre : Also werden sie glei
cher gestalten in alleweg suchen / wie sie doch
das grosse Elend / worinnen sie allbereits
stecken / einmahl von ihnen können wenden .
Spiegelt euch alle an demjenigem Kind von
dem ✾ ✾ ✾ 305
dem geschrieben wird / wie daß es einmahl
bey nächtlicher Weil in dem Traum ein H .
Bischoff gesehen hab / was gestalten ein
Knab eine überaus schöne Frau und Ma
tronin mit einem guldenen Angel / und sil
berne̅ Schnürlein aus einen tieffen See her
aus gezogen : nachdem der H . Mann hier
über erwacht / so führte er den geschöpften
Traum etwas mehrers zu Gemüth / sin
net und ersinnet / daß was anders dardurch
bedeutet werde / erhebt sich deßwegen als
bald auf und eylet nach der Kirchen : wie er
auf dem Freyhof oder Kirchhof kommen /
wird er ansichtig eines Knabens / der auf
einem Grab gesessen . Es fragt gleich der
H . Mann : mein Kind ! was machest du da ?
dem Knaben als einem weichhertzigen
Kind / giengen die Augen über / gabe also
mit Seufftzer untermengte Antwort / es
seye seine liebe Mutter allda begraben also
bete er aus Kindlicher Schuldigkeit ein
Vatter Unser für sie : Woraus der fromme
Mann ungezweiffelt abgenommen / daß die
Mutter durch dieses Kindes Gebett seye
von dem Fegfeuer erlöst worden / und daß
der guldene Angel / den er in dem Traum
gesehen / seye das Gebet gewest / mit deme
U der 306 ✾ ✾ ✾
der Knab seine Mutter aus der Tieffe ge
zogen .
O Kinder ! forderist ihr Welt=Kinder !
Euer Jugend versausst gemeiniglich in un
nützer Zeit=Verschwendung / und wässern
euch die Zähn mehr nach Lustbarkeiten /
Spielen / Hertzen und Fischen ; Klaubt doch
euch aus so guldener Zeit / die ihr das ge
meine Gesindel=Brod offt unachtsam ver
schimmeln läst / nur ein einiges Stündlein
aus / und stellet ein gleichmässiges Fischen an
wie obberührter danckbarer Sohn / damit
ihr eure betrangte Eltern von der Tiefe / de
profundo lacu heraus ziehet und erlöset /
spiegelt euch Christliche Kinder / an dem
allgemeinen Christen=Feind dem Türcken /
obschon dessen Sitten mit den wilden Thie
ren ähnlicher seynd als den Menschen / so
neigt sie doch der natürliche Antrieb darzu /
daß sie auch für ihre abgestorbene Freund
beten : Dann also schreibet Giraldus , daß
die hohe und vornehmsten Türcken zu ihren
Gräbern gemeiniglich schöne Tempel an
bauen / welche sie in ihrer Sprach Mosche
nennen / und zu derselben etliche Türcki
sche Priester / so sie Jalasum , und Patrocad
heis= ✾ ✾ ✾ 307
heissen / mit ewigen Renthen und Einkom
men stellen / damit sie für die verstorbene
Freund beten / auch so ein Bluts=Verwand
ter mit Tod abgehet / theilen sie häuffige
Allmosen aus / und nicht nur allein denen
armen Leuthen / sondern auch den Thieren .
Da wird man sehen / daß manche die Vö
gel in einer grossen Menge zusammen kauf
fen / und sie nachmals in freye Lufft loß las
sen ; Etliche zerbrösslen viel Brods / und
werffen es denen Fischen ins Wasser ; Etli
che schütten gantze Metzen des besten Ge
trayds zu dem Omeißhauffen bey Begräb
nüssen / neben andern verwunderlichen Ce
remonien , schreyen sie mit lauter Stimm :
Huon alla , Anon alla , so auf unser teutsche
Sprach heist / GOtt erbarm dich deß Ver
storbenen .
Thun nun dieses diejenigen / die in dem
Jrrthum biß über die Ohren sitzen / die in
dem wahren Glauben nicht erleucht / die
sonst von der Mutterschoß an zu aller Ty
ranney und Grausamkeit geneigt seynd /
was sollt dann erst ihr Christliche Kinder
die ihr von Christlichem Blut herstammet ?
Die ihr sowohl von der Natur / als von
U 2 den 308 ✾ ✾ ✾
den Gebotten GOttes bewohnt und ge
mahnet werdet / den Eltern helffen / und
ihrer nicht vergessen . Dem Befehl nach
zukommen : Vestra abundantia illorum
in opiam inopia suppleat :
Das Allmosen löscht das
Feuer /
Dem wir bezahlen hoch und
theuer
.
IHS
Num.
Breves dies homims hominis .
Job . 4 . v . 5 .
Schnitzel und hau , gleichwohl umschau .
✾ ✾ ✾
309
Num . 67 .
Breves dies hominis .
Job . 4 . v . 5 .
Schnitzel und hau Gleichwohl umschau .
DA Athen und Rom im besten Flor
gestanden / hat auch unter andern
edlen Künsten / die Bildhauerey
daselbsten herrlich florirt / davon heutiges
Tags kaum ein Schatten übergeblieben .
Praxiteles und seine Gesellen / haben
gleichsam mit der Natur gestritten / und
die leblosen Marmor=Steine mit solchen
Minen und Stellungen ausgekünstelt /
daß man meynen sollen / sie hätten ihnen
ein Leben gegeben / daß sie einen anreden
oder umarmen wollten . Wie denn zu
Athen ein nackend Marmor=Bild / bona
fortuna genannt / so natürlich und hold
seelig zubereitet worden / daß sich ein vor
U 3 neh= 310 ✾ ✾ ✾
nehmer Jüngling in dasselbe biß in den Tod
verliebet / und nächtlicher Weile seine
sündliche Kurtzweil mit demselben Kunst=
Bild getrieben habe / und als ihm solches
vom Rath verwehret worden / für Un
muth soll gestorben seyn . So liebte Pyg
malion , der König in Cypern / das Bild
Veneris . Kayser Verus ließ sein liebes
schönes Pferd von Gold machen / und trugs
stes stets bey sich auf der Brust .
Jn curieusen Kunst=Kammern findet
man hier und dorten noch wenige gantze
Bilder von obigen Griechischen oder La
teinischen Meistern / sondern bald diß / bald
jenes Stuck / so in denen Zerstörungen des
alten Griechen=Landes und Roms / von
denen zerbrochenen Kunst=Bildern / über
geblieben / oder nachmals aus denen Rui
nen sind heraus gegraben worden . Da
ist eine Kunst=reiche Hand / dort ein Arm
oder Bein r c. Daran die heutigen Künst
ler können ihre Augen weyden und ihre
Meisel exerci ren.
Wiewohl in Jtalien noch manche un
schätzbare Meister=Stücke von dergleichen
wundersamen Arbeit zu finden ; und schon
von ✾ ✾ ✾ 311
von viel tausend Künstlern abgezeichnet
und nachgestümpelt worden / und zwar offt
mals nicht mit geringen Unkosten / Fleiß
und Müh / ja offtmals nicht ohne Gefahr
Leibes und Lebens . Dann indem man
cher an seinem Kunst=Bild am allerfleissig
sten geschnitzelt und gehauet / so schnitzelt
und haut der Tod an ihm und seinem Le
ben / biß er den Meister selbst zu einer leblo
sen Statuen macht / und zwar / ehe er sich
versieht / deswegen heists :
Schnitzel und hau /
Gleichwohl umschau .
U 4
Num.
312
✾ ✾ ✾
Num . 68 .
Sedet in insidiis .
Psalm 10 . v . 8 .
Jch komm in aller Still / Und das erfahren viel .
DJe DIe galantesten Dames bringen öff
ters ihre meinste Lebens=Zeit zu /
womit ? Mit Kirchen=gehen ? Meß
hören ? Krancke und Arme besuchen ? Bet
ten / Lesen / Allmosen geben / Wahlfarthen
und dergleichen ? Oder mit häußlichen
Verrichtungen / Aufsehen auf das Hauß
halten / und Gesind / Versorgung ihres
Ehegemahls / Lehr und Zucht ihrer Kin
der ? Mit Nehen / Sticken und andern
dem weiblichen Geschlecht wohl anständi
gen Künsten und Tugenden ? Ach leyder !
solche sind so dünn gesäet / als der armen
Leute Korn auf einem sandigten Acker .
Es giebt wenig Martha / aber viel Ma
rien Sedet in
insidiis .
Psal . 10 . v . 8 .
Jch kom̅ in aller Still , und das erfahren viel .
✾ ✾ ✾ 313
rien / die mit Haaren umgehen / aber nicht
daß sie ihre Buß=Thränen an den Füs
sen des lieben Heylandes abtrückneten /
sondern sie gehen des Morgens manche lie
be Stund mit ihren Haaren um / wenn
sie anders nicht zu faul sind / mit ihren ei
genen Haaren so viel Müh zu haben / son
dern dieselben / wie die Nonnen abschnei
den lassen / und sich mit fremden / lockier
ten / geschmierden / pomadisirten / poudei
sirten mit allerhand Zitter=Nadel und Edel
steinen gezierten Haar=Aufputz / krönen und
schmücken / daß sie manchem Schnee=weis
sen Löwen=Hündlein nicht viel nachgeben .
Pomade und Haar=Buder sind heuti
ges Tags solch Dinge / die man unter die
jenigen rechnen kan : Quibus carere non
possumus . Wo wollte manche gern jung aussehende / in dem alten Testaments=
Register verschimmelte Dame ihren
Grau=Schimmel oder Mühl=Haasen auf
dem Kopff verbergen / wenn sie der Haar=
Pouder und der Rosen=Pomade / wie des
Zähn=Klappens / beraubt wäre . Wo
wollte manches Füchslein ihre Eichhörn
lein=Schwäntzlein vermetamorphisi ren
U 5 und 314 ✾ ✾ ✾
und manch aus der schwartzen Kuust Kunst ent
lehnte Fronte , als wie der Teuffel in einen
Engel des Liechts können verstellet wer
den / wo nicht dergleichen Schmiralien das
Beste thäten ?
Und so will also manche in ihr Haar
verwirrte Crispina leyder ! auch geschmie
ret seyn . Mit was für Zeit / Verlust /
Versaumung des Heiligen Dienst GOt
tes und nothwendigen Haus=Geschäfften /
manche die Locken in eine Ordnung brin
gen / damit keiner einen Præcedens- Streit
mit dem andern anfahe / ist mehr bekandt /
als mit dem allersubtilsten Haar=Pensel
abzumahlen : Gerad wider den Befehl
des Apostel Petri / welcher befohlen / daß
der Weiber=Schmuck nicht auswendig mit
Haar=flechten und Gold=umhängen seyn
soll . 1 . Petr . 3 . v . 3 . und der grosse Hey
den=Lehrer Paulus schreibt in der 2 . Tim .
2 . v . 9 . Die Weiber sollen sich in einen zier
lichen Kleide / mit Scham und Zucht schmü
cken / nicht mit Zöpffen oder Gold / oder
Perlen oder köstlichen Gewand . Wel
cher Haar=Pracht auch schon im Alten
Testament GOTT dem HERRN an
den ✾ ✾ ✾ 315
den stoltzen Töchtern Zion nicht gefallen /
die mit aufgerichtem Hals und geschmück
tem Angesichte / und krausen Haaren einher
geschwäntzt / denen er aber gedrohet er wol
le ihre Scheitel kahl machen und ihnen ei
ne Glatze für ein kraus Haar geben / und
die Haar=Band / Spiegel und Borten und
Beutel r c. wegnehmen / ja er woll ihnen
Stanck / an statt des guten Geruchs / zu
wehen lassen . Es . 3 . v . 16 . 24 .
Da wird manche scheel dazu gesehen
haben / und noch ins künfftige scheel sehen al
le / die / wie Narcissus / sich in ihr eigen Ge
stalt und goldene Haar=Locken verscham
merirt ; Absonderlich wenn sie der Tod
beym Schopff kriegt und ihnen die Haar /
als wie die Weiber den Flachs / ausraufft /
und zwar da sie sichs am wenigsten verse
hen / ja Mitten in der Haar=Arbeit begrif
fen sind . Alsdann wird an denen / so
fortfahren in ihrer Sünde / erfüllet wer
den / was David im 67 . Psalm v . 22 . ge
drohet : Er wolle ihren Kopff / samt dem
Haar=Schedel zerbrechen und zerschmeis
sen .
Weil nun zwischen des Menschen Leben
und 316 ✾ ✾ ✾
und Tod kein Haar breit Distanz ist / so sol
len alle / so wohl Manns= als Weibs=Perso
nen / so sich an denen Haaren versündigen /
sich besser bedencken / damit sie nicht einmal
Haar lassen / und von dem leidigen Teuffel
bey den Haaren in die Hölle gezogen wer
den müssen / nachdem sie vom Tod überei
let in aller Still überrumpelt worden : Se
det in insidiis und sagt :
Jch komm in aller Still /
Und das erfahren viel .
IHS
Regi=
✾ ✾ ✾
Register über die vornehmsten
Sachen /
Die in diesem Wercklein begrif
fen .
A
.
ADam wurde von dem Allmächtigen
Schöpffer aus einer roten Erden ge
macht . pag . 73
Adel ist dem Tod wie ein Porcelan=Ge
schirr 119 . gehört in das Register der Eitelkeit
119 . Asch und Erde ist er doch / wäre er auch
gleich noch so hoch . 120
Adels= Brieff gelten im Himmel nichts . 119
Adler ziehet keine Tauben oder Wachteln 121 .
probiret seine Jungen bey den Sonnen=Strah
len . 122 . 123
Aertzte / derer giebts an manchem Orth mehr als
der scheckigten Hunde . 152 . 153
Aff / in Jndien macht einer huntert tausend . 31 .
Ahnen / viel Ahnen viel Todten=Köpffe . 121
Alexander Magnus verbietet einem Soldaten
der auch Alexander geheissen , entweder diesen
Namen fahren zu lassen / oder anderst zu leben .
120 122
All=
Register
Allwissenschafft GOttes und Allunwissenheit
der Menschen hat manchem nicht geringe Gril
len im Kopff und Mucken ins Hertz gesetzet . 78
Apffel=Biß / von dem sind allen Eva Kiudern Kindern die
Zähn Stumpf worden 2 . Apffel=Biß der Wol=
Lust / macht daß uns der sauere Safft wieder
beisset ibid . 3 Apffel=Genäsch hinterlässet einen
bittern Coloquint en=Apffel=Safft. 3
Aschen ist der Mensch . 120 .
B
.
Bauer lässt ihms werden sauer 182 . kan mit sei
nem Sensen=Gewehr trotz allen Fechtmeistern
recht dapffer herum springen / und zwar gleich dem
Tod . 183
Beredtsamkeit suche Redkunst .
Beschwörer / sind des Teuffels Apostel und Pro
pheten . 88
Biret und Kappen kan der Tod ertappen . 8
Burger / viele sind mit ihrem Stand nicht zu frie
den 70 . werden beschrieben / wie es ihnen gehet .
70 . 75 72
Burger=Stand ist unter allen Ständen fast der
glückseeligste . 69
C
.
Cananiter waren rechte Schnittter Schnitter und Beutel
spicker . 14
Cardinals=Hut wird vom Tod nicht verschonet .
111
Chrysostomus / sein Mund ist in seiner Jugend
ein Bienenhaus gewesen . 19 .
Colo=
über die vornehmsten Sachen.
Coloquinten=Mus der Propheten Kinder
schmäckt wie der Tod in Häfen . 4
Columbus hat den gantzen Erdkreiß umgesegelt .
30 . 31
Conchave Conclave wird vom Tod nicht verschonet . 112
Cristallen=Schauer sind des Teuffels Apostel
und Propheten . 88
Cronen will der Tod nicht schonen . 11 . 12
D
.
Dampf ist des Menschen Leben . 164 . 185
Demosthenes sein Mund ist in seiner Jugend ein
Bienenhaus gewesen . 19
Dieb / ein grober ist der Tod / erweiset niemand
Respect . 12
Doctor stirbt so wol als der Arlekin . 134 . jetzt will
ein jeder Narr ein Doctor seyn / da sie gemeini
glich Dach=Toren Doch-Toren sind 153 . sind gemeiniglich
Prahler 153 Oculisten Stein= und Bruchschnei
der 155 . grosse Medici haben vielmahl den
Fleck neben das Loch gesetzt 155 . bilden ihnen
ein / sie können den Tod in Narren=Häuslein
sperren ibid . wie sie sich gemeiniglich entschuldi
gen / wann die Artzney nicht angeschlagen . 156
Dunst ist das Menschliche Leben . 185
Durst ist eine grosse Qual 63 . darüber jener Edel
mann geklaget 63 . Art der durstigen Brüder .
64
E
.
Edelleut und Betelleut sterben ohne Unterscheid .
12
Ehrfüchtige sind den Zwerg=Bäumlein / und dem
Hopfen Register
Hopfen und Winter=Grün gleich 125 . 126 . sind
Edelleute / die das B . nicht gern voransetzen 126 .
sind offt Käs= und Toback=Jubilirer 127 . sind
offt von Schmid=Ess und Rußheim entsprossen
127 . sind hoch= und Wohl=Edle Herren von Friß
mich=nicht 128 . sind von Scheerhaussen und
Wollen=Tal / von Spitzbergen und Docken
heim 128 . sind rechte Titul=Narren 130 . Mit
ihnen heists : Edelmann / Bettelmann / Stock
fisch . 130
Erdbeben erschröcken manchen Menschen / daß
er zitteret wie ein Espen=Laub 142 . thun plötz
lich erschröcklichen Schaden 143 . Exempla hier
von 144 . 145 . 146 . das zu Antiochia / hat den Chri
sten kein Leid zugefüget . 144
Erde wird nicht Wassers noch Menschen satt .
163
Exempel von einem Kind in der Wiegen / und ei
nem Mörder . 108
F
.
Fegfeuer / im selbigen gehts übel her 275 . 286 280 .
seq . 302 . 303 . seq .
Feuers=Noth / die leibliche ist erschröcklich 96 . 97 .
das Gewissens=Feuer / wann es an rechtschaf
fenen Buß=Thränen mangelt / noch erschröck
licher ibid . höllisches Feuer ist das allererschröck
lichste 97 . die Gottlosen werde̅ grausamer in dem
höllischen Feuer brüllen / als der Phalaris in
seinem selbst=erfundenen brüllenden = Ochsen .
97 98
Feuer / dieses wilde Element hat schon manchem
ge= der vornehmsten Sachen.
gmacht das End 139 . mitten unter demselben
ist Elias lebendig gen Himmel gefahren 139 .
wenn GOtt nicht befiehlt / so darf das Feuer
nicht brennen 140 . ein kleines kan grössere Qual
verursachen als Aetna / Vesuvius und Hecla
140 . eines und anders kan man nicht löschen .
141 .
Finsternissen wissen die Sterngucker accurat zu
prophezeyen / wann sie kommen werden . 77
Fisch frisst offt den Fischer . 33
Flachs muß sehr viel leiden / ehe er zu Leinwat wird .
203 . seq .
G
.
Geheimer=Rath und klügster Staats=Mini
ster stirbt so wol als der Hof=Narr . 134
Geld kan so leicht von Feind hinweg getragen wer
den als ein Schilff Schiff voll Hering u . Stockfisch 25 .
mancher hat sein Leben mit Geld errettet 158 .
der Tod aber fragts nichts nach demselben 159 .
Luy d’Or , Duplonen / Pistoletten / Kronen /
Ducaten und Reichsthaler werden nicht geacht
159 . Es heist / Geld und Gut nichts helffen thut .
160
Gelehrter / zwischen demselben u . einem Ungelehr
ten ist ein Unterschied wie zwischen einem gewan
ten Schulpferd und Karrn=Caball . 23 . &c .
24 . seq . 134
Geographus wird artig beschrieben . 24
Geometra wird artig beschriben . 24
Gesichter und schöne Ge stalten Gestalten kommen nicht all
zeit zum Falten . 198 . seq .
X
Glo=
Register
Glocke / dessen kurtzer Klang ist unserm Leben
gleich 109 190 Kling klang du lebst nicht lang . 191
Gold=Beschneider sind des Teuffels Apostel und
Propheten . 58 88
Gott wird mit einem Töpffer oder Haffner ver
glichen 73 . und einem solchen / der die Töpffe wie
der wacker zerschmeissen kan . 73
Grab=Tücher Grab=Tüncher und Todten=Graber gelten beym
Tod mehr als Hof=Mahler und Kunst=Stecher .
42
H
.
Haffner / mit dem wird Gott verglichen 73 . es
giebt heutiges Tages gar künstliche 74 . auch
Schmier=Hantzen ibid . 75 . ihren Häfen sind
den Menschen gleich / da immer einer besser seyn
will als der ander . 75
Handwercks=Mann / wo er nicht lieber schläfft
und saufft / als arbeitet und sparet / kan sich des
Seegens Gottes reichlich getrösten . 70
Hanns=Wurst u . Hanna=Wurstin wollen gülde
ne Ketten tragen / wie eine englische Tock aus
Beyerland im güldenen Halsband . 18
Heckenmüntzer sind des Teuffels Apostel und
Propheten . 88
Hercules wie er wegen seiner Beredsamkeit von
den Galliern gebildet worden . 18
Herr / ein grosser / der nichts studirt / wann man
ihm seine Herrlichkeit genommen / ist ein elender
Tropff . 25
Hexenmeister sind des Teuffels Apostel und
Propheten . 88
Histo=
über die vornehmsten Sachen.
Historicus wird artig beschrieben 24
Hoffman / steigt gemeiniglich hoch / fällt aber auch
tief 58 . sind Staats= und Stands=Raggeten
ibid . mancher blässt sich auf / wie ein Dudel=
Sack / und startzet wie eine gefrohrne Köhlstau
den 59 . Nimmt ein End mit Schrecken wie ein
Orlog=Schiff / darinnen Feuer in die Pulver=
Kammer gekommen . ibid . ein anderer ist gros
ser Herren Haar=Stutzer / und Schuh=Butzer /
Schwammen=Drucker und Strimpff=Flicker /
Dinten=Lecker und Papier=Verderber / Quin
tenmacher und Lügen=Drechsler . 60 . nimmt ge
meiniglich ein schlechtes End . 61
Hunds=Gasterey ist erschröcklich . 198
Hurtigkeit ist kein Zauberey . 222
J
.
Jesabel hat viel ihres gleichen / das Schmincken
belangend . 198 . 199 . Jesabels Gesichter sollen
an die Hunds=Gasterey gedencken . 201
Jgnoranten tragen offt unter einem seidenen
Mantel / sammeten Rock und Hosen grosse
Thorheiten verborgen . 27
Jnful wird vom Tod nicht verschont . 111
Jubal Lamechs Sohn ist der erste Geiger und
Pfeiffer gewesen . 147
Judas / will ein Staats=Mann seyn / sein Staats=
Streich aber ist ihm übel gelungen . 59
Juden sind langfingrichte Mosigte Ebreer 14 .
Stehlen Gold und Silber / wie der Magnet den
Stahl . ibid . Sind unbeschnittne Mauschel . ib .
X 2 die Register /
die Breitbartigten sind des Teuffels Apostel
und Propheten . 88
K
.
Kappen kan der Tod ertappen . 8
Kauffleute sind in einem GOtt gefälllgen gefälligen / rühm
lichen / nutzlich und nöthigen Stand . 14 . 15 . un
terweilen Wechsel=Bälge / die die Wechsel=
Brieffe wohl verstehen . 15 . Spielen Banco
rott / einer fällt von einem Falliment ins ander .
15 . die Fuchsen und Schimmel sind manchem
lieber als der Himmel . 16 . der Tod fischt ihnen
Wechsel=Bälg und Capitalien vor der Nasen
hinweg . 16 . welche mit dem Juden=Spieß lauf
fen / machen sich viel vergeblicher Unruhen . 69
Kinderspiel ist des Menschen Leben . 228
König achtet der Tod wenig . 11 . Sind Staub
und Aschen / ein einiger Mensch kan sie in einen
Trag=Korb fassen . 11
Krämer / wann er nicht Mäuß=Pillen für Pfeffer
verkaufft / noch falsche Waar und Gewicht füh
ret / kan manches Profitigen machen . 70
Krippel müssen tantzen nach den Todes=Trippel .
251
Kunst / alle ist beym Tod ohn alle Gunst . 40 . alle
die von ihr Profession machen / müssen an den
Todes=Reyhen . 41
Künstler / wo er nicht lieber schläfft und saufft / als
er arbeitet und spahret / kan sich des Seegens
GOttes täglich getrösten . 70
L
.
Läuse sind sechsfüssige Dragoner / die sich gerne in
Beltz über die vornehmsten Sachen
Beltz und Wammes einquartieren . 10 . haben
manchen Menschen gefressen / wie den König
Herodem . 44
Leimen / daraus ist der Mensch formirt . 103
Leben der Menschen bestehet / wie der Rauch
vergehet . 164 . ist ein Spiel . 168 . das Leben
währt nicht lang gleichwie der Glocken=Kleng Glocken-Klang .
190 . ist ein continuirliches Sterben . 242 . 243 .
244 . 245 . 246 . ist wie Spinnen=Weben . 254 .
Leben ist ein Wandern von einer Stadt zur an
dern . 265
Leib des Menschen ist der Seelen Kercker . 104
Lufft / sonderlich die inficirte / hat viel 1000 . mal
mehr Menschen verschluckt als alle Menschen=
Fresser und Hottentotts . 35
Lust / die böse gebiert / Unlust . 1 . 2 . hängt uns wie
der Katzen das Mausen an . 2 . daraus entspringet
die Pica / oder schwanger Weiber Gelüste . 2 . 3
Lynus soll ein Erfinder der Music gewesen
seyn . 147
M
.
Männer sollen ihre Weiber lieben . 114 . sie lassen
sie aber unterweilen daheim wie einen Essigkrug
hinter dem Ofen verschimmeln und versauren .
115 . Manche Weiber=Hänsel aber wollen ihre
Weiber gar aus Liebe fressen . 116 . Haab und
Gut verschwendet ein solcher Gockelmann seiner
Bruthennen zu Lieb . 116
Mäntelein / ein armes verhüllt einen am Ver
stand und Gelǝhrsamkeit Gelehrsamkeit reichen Mann . 27
Magellanes hat den gantzen Erdkreiß umgese
gelt . 30 . 31
X 3
Mars
Register.
Mars vorm Mors sich muß verkriechen / und dem
selben unterliegen . 54
Matronen / die Zahnluckigten pflegen ihre aus
gefaulte Pallisaden mit Elfenbeinen wieder zu
gleich auszufliecken und zu befestigen . 2
Mauldromme / was auf derselben Spielen kön
nen bedeute . 22
Mensch ist ein elender Wurm / der im Leben und
nach dem Tod unzehlig viel Würmer aushecket
43 . ein Maden=Sack . 44 . ist ein eitel / greuli
scher / abscheulicher / heßlicher gräßlicher Koth . 47 . 45
Motten werden sein Unterbett und die Würmer
seine Decke seyn . 46 . die Menschen=Würmer
sollen der Würmer in ihrem gantzen Leben nicht
vergessen . 47 . ist ein Leimen=Patz und gebrechli
cher Hutzel=Hafen . 73 . einer ist ein Bauren=
Milch=Hafen / ein anderer gleichet einer Confect=
Schalen . 73 75 . brechen doch allzumalen . ib . ein ar
tiges Studenten=Stücklein wird erzehlt / das
sich trefflich hieher schickt . 76 . der Mensch kommt
in die Welt / und weiß nit wenn oder wie / kommt
aus der Welt / und weiß nicht wenn oder wie . 78 .
Erd und Aschen ist er doch / u . wär er gleich noch
so hoch . 101 . 120 . 121 . der Königl . Printz stinckt
eben so kräfftig als des schlechten Mist=Baurens
Hansel . 101 . der Mensch vergeß des Laimens nit
als woraus er ist zugericht . 103 . alle führen den
Toden=Kopf im Wappen 121 . ist ein Gras . 172 .
173 . eine Blume . 172 . 173 . muß viel leyden wie
der Flachs 206 . sein Leben ist ein Kinderspiel .
220 228 . seq .
Men=
über die vornehmsten Sachen.
Menschen sind gleich den Baum=Blättern . 233 .
seq . der Mensch ist in dem Tod verführt / wann er
auf Erd und Asch stoltzirt . 258 . manche kennet
man nicht mehr / wer sie sind gewest vorher . 281
Mißgeburt / eine abscheuliche ist die Sünd . 1 .
daher der Tod kame . ibid .
Music Erfinder ist GOtt . 147 . hat viel Liebha
ber gehabt . 148 . ist aus der Kirchen auch in die
Privat=Häuser gezogen worden . 149 . Die Na
tur giebt Anlaß / die Music unter diejenigen Din
ge zu zehlen / welche den Menschen nützlich und nö
thig sind . 150 . wenn die Kinds=Capellmeisterin
ein Liedlein singt / da schlaffen die Kindlein sanfft
ein . ibid . die Nacht=Music ist vielen angenehm .
150 . giebt auch manchem Vergnügung im
Tod . 151
N
.
Nabal der Thörichte muß so wohl den Toden=
Tantz antretten als der weise Salomon . 133
Narren / worinnen sie von dem Weisen unterschie
den ? 135 . der Tod pflegt auszulachen die nichts
als Possen machen . 207 . es giebt allerley Nar
ren . 209
Nativität=Steller sind des Teuffels Apostel
und Propheten . 88
Neid=Zahn ist der Ursprung aller bösen Spüng Sprüng . 1
O
.
Oedipus gilt dem Tod so viel als ein Davus . 28
Orpheus soll ein Erfinder der Music gewesen
seyn . 147
X 4
Papa
Register.
P
.
Papa ist dem Tod nicht generis masculini oder
fœminini , sondern generis omnis , es gielt ihm
ein Pabst so viel als der ander . 6
Pestilentz / die im Finstern schleichende trifft mit
ihrer Sensen viel 1000 . Menschen ohne Aufste
hen . 35 . 36 . je mehr sie aufreibt / je mehr greifft
sie um sich . 36 . 37 . unzehlich Mittel werden ge
brauchet . ibid . da heists : Wer Herr im Haus /
der geh hinaus . 38
Pfeil des Todes ist gut / nie fehlen thut . 92
Philosophus Aristippus und Bias werden ar
tig beschrieben . 24 . 25
Pindarus / Sein Mund ist in seiner Jugend ein
Bienen=Haus gewesen / darein sie ihr Honig ge
leget . 19
Prahler hören das Gras in den Elysischen Feldern
wachsen / und die schwindsüchtigen Flöh in Se
raglio zu Constantinopel bis auf Paris husten /
und die Fisch im Wasser singen . 28
Predigten der Weiber sind den Männern selten
angenehm 8 . werden von Geistlichen Personen
vor ungereimte Sachen gehalten . 11 10
Priscianus . Dem giebt der Tod eine Ohrfeigen
über die ander . 6
Pythagoras soll ein Erfinder der Music gewesen .
147
R
.
Rauch ist des Menschen Leben . 164
Redkunst ist nit genugsam zu loben . 17 . Demost
henes und Cicero haben darinn excelli rt. 17
Redner / unterschiedlich haben aus ihrem Munde
lauter Honig herfür fliessen lassen . 18 . 19 . man
cher über die vornehmsten Sachen.
cher Mund ist mehr ein Wespen=Nest als Jm
men Haus . ibid . mancher geistlicher muß seine
Zunge wie eine kluge Schlangen oder Biene ih
ren Stachel spitzen r c. 19 . 20 . andere / die gerne
geschmiert seyn wollen / taugen ihre Zungen in
lauter Honig und Oel . 20 . die alten Griechen
waren auch treffliche Redner . 21 .
Regul / keine ist ohne Ausnahm . 5
Reicher Jgnorant und Thaler=Schmeltzer /
wann man ihm sein gülden und silbern Nest aus
nimmt / so ist er so viel als des Crösi Maul=
Esel . 25 . 26 . wann stirbt ein reicher Mann / wie
bitter kommts ihn an . 48 . reicher Schlemmer
wird artig beschrieben . 48 . 49 . seq . der Reiche
wird wie ein Blum des Grases vergehen : 172
Reich gewesener Schlucker schickt sich zum Arbei
ten wie die Busen Hündlein zum Haasen=Ja
gen / und ein Elephant zum Voltisiren . 26 . 27
S
.
Saitenspiel gilt beym Tod nicht viel . 147
Salomon der Weise muß sowohl den Toden=
Tantz antretten als der thörigte Nabal . 133
Sauffer / viele ersauffen im Wasser / aber noch
vielmehr muthwillig in Wein / Bier / Brand=
Wein und dergleichen r c. 65 . Exempel von einem
Kauffmanns=Diener / der gar ein Sauff Teuf
fel war . 65 . seq . sind unterweilen gute Bassisten /
welche manchen Baussauischen Bassauischen Vertrag we r
den werden haben machen helffen . 67 . haben offt einan
X 5 der Register.
der mit Salus und Prosit in die andere Welt
fortgeschickt 68
Sauff=Gläser und Geschirr sind nichts anders
als Jnstrumenten des Todes . 66
Schöner Galan gleicht einem Haus / das denen
Winden und Regen unterworffen . 26
Schöpffer war Anfangs ein Töpffer . 73
Schützen / der Tod ist ein gewisser . 92 . einer hat
einen Haasen / Vogel und Fisch auf einmal ge
schossen . 92 . die besten verfehlen offt das
Schwartze / der Tod aber schiest auf ein Näge
lein . 92
Schweigen ist eine grösse grösser Kunst als reden . 17
See=Battallien werden beschrieben . 33
Seele / dero Lieb Leib ist ihr Kercker . 107
Selbst=Mord war bey den Heyden eine Tugend /
bey den Christen aber ist er ein schändliches La
ster . 106 . 107
Soldat ist ist ist unterweilen ein Horribilicribri
fax , 54 . den achtet der Tod nicht viel / er mag
kollern wie er will 55 . mancher ist auf der Schild
wacht todt gefunden worden . 56
Sonne steiget schön hinauf / endigt aber bald den
Lauff . 176 . 177 . 178 180 . 181
Spiel ist des Menschen Leben . 168
Spieler sind Leut=Beschneutzer und Beutel=Cre
dentzer . 168 . Exempel von einem Spieler . 169
Spielleut sind vom Tod nicht befreyt 85 . man
chen Bocks=Pfeiffer / samt seinem Bock hat der
Bock geholt . ibid . bey ihnen heists / der Geist ist
hinaus nun ist der Kehraus . 87
Spin=
über die vornehmsten Sachen.
Spinnenweben ist des Menschen Leben . 254
Sterben müssen alle Menschen / durch den Apffel=
Biß ist der Tod gewiß 1 . der Aaron / alle Heil .
Vätter und Christi Stadthalter 5 . 6 . 7 . und ist
doch den Menschen verborgen 77 . Sterben soll
man täglich 242 . dieser ist wol recht gestorben /
der den Himmel hat erworben . 247 . 248 . 249 .
Sterngucker habens mit ihrer Kunst weit ge
bracht 77 . wissen aber ihre Todes=Stund nicht .
ibid . seq .
Stiegen zum Tod ist die Wiegen . 108
Stoltze sollen an den Tod gedencken . 258
Stund des Todes ist ungewiß . 237
Sünd ist eine abscheuliche Mißgeburt 1 . welche
den Tod in die Welt gebracht 1 . 2 . 3 . soll man
lernen meiden . 259 269
T
.
Tantzen mag gern das Frauenzimmer 81 . was
dabey in acht genommen werde ibid . über dem
sind viele plötzlich gestorben 82 . in der Hölle tan
tzen die Teuffel auf dem Gesims / und der Viz
liputzli samt seinen Cameraden blasen auf dem
Bock 82 . bey Alexandri III . Königs in Schott=
Land Tantz mit seiner Braut / hat sich der Ca
prioln=Schneider der Tod auch eingefunden
und per Compagnie mit getantzt 82 . Todes=
Bereitung gehört auf die Tantz=Böden abge
mahlet zu werden 83 . Tantzen ist ein erbare
Thorheit ibid . zwischen einem Tantzer und Nar
ren ist ein schlechter Unterschied 83 . das Tantze=
Dockele Herodias Töchterlein / so dem H . Jo
hanni Register
hanni den Kopff abgetantzt / hat auch ohne
Kopff auf dem Eiß tantzen müssen . 84
Testament / ein verzweiffeltes eines Ehemanns .
118
Teuffel werden ihre Liebe Getreue mit einem ex
traordinari Feuerwerck in der Höll empfan
gen . 90
Titel auch der gröste Tittel ist fürm Tod kein Mit
tel 125 . die besten sind Gottes Kinder / Brü
dern und Schwestern des Herrn JEsu / Tem
pel und Wohnungen des H . Geistes 131 . 132 .
Titul=Sucht greifft heutiges Tags wie die an
steckende Pest um sich . 125
Tobacks=Schmaucher können den Tod am be
sten betrachten . 188 . 189
Tod kommt von der Sünd her 1 . als von einer
abscheulichen Mißgeburt 1 . 2 . ist ein neidischer
Lebens=Feind 2 . stöst uns wie der genäschigen
Katzen / das Maul auf den Tisch 3 . naget uns
wie ein Wolff an einem Schöpf=Bein Schöps=Bein ibid . ist
aller Schul=Fuchs Groß=Vatter und kein gu
ter Grammaticus 5 . bey ihm ist Papa , der
Pabst generis omnis , ibid . 6 Aaron / alle Heil .
Vätter und Stadthalter Christi sind bey ihm
generis communis und omnis 6 . Er ertappt
Biret und Kappen 8 . verschonet nicht der Kron
11 . ist ein grober Dieb / wirfft alles über und
untereinander ins Grab 12 . macht Bancorott
15 . ist der ärgste Practiquenmacher und Beu
telschneider fischet den Kauffleuten Wechsel=
Brief und Capitali en vor der Nasen hinweg
16. über die vornehmsten Sachen.
16 . so wol beredt der Redner ist / so fällt ihn doch
des Todes List 17 . 22 . den gelehrten Kopf nim̅t
der Tod beym Schopff 23 . seq . 28 . der Contre=
Admiral Tod commandirt en Chef auf der See
zerbricht Steuer und Ruder r c. 33 . der Tod
nie mehrer trifft / als wann die Lufft vergifft 35 .
alle Kunst ist beym Tod ohn alle Gunst 40 . ist ein
Gall=Apffel=Brey und Fieber=Tinctur 48 . er
versaltzt den Reichen die Süssigkeit ihrer Freud
53 . Mars hin Mars her / Mors gilt noch mehr
54 . ob gleich der Hofman̅ stutzt / der Tod ihn dan
noch trutzt 57 . der Tod macht manchen im Trin
cken sincken 63 . der Burger mag sich sehr bemü
hen / kan dannoch dem Tod nit entfliehen 69 . 72 .
der Tod ist ein unerbittlicher Haffner oder Töpf
fer 76 . wann der Tod kommt / ist verborgen /
darum steht man stets in Sorgen 77 . 80 . er ist
ein Spielmann und Tantzmeister 81 . ist ein
langbeinigter Capriolen=Schneider 82 . es sind
die Spielleuth vom Tod nicht befreyt 83 . seq .
mit der Zauberer=Rott hat der Tod sein Spott
88 . seq . sein Pfeil ist gut / nie fehlen thut 92 . ist
ein gewisser Schützenmeister ibid . zum Tod ist
die Wiegen ein Stiegen 108 . Jnful und Hut
der Tod nicht schonen thut 111 . dem Tod ist der
Adel wie ein Porcellan=Geschirr 119 . er ästi
mirt keine Wappen oder Adels=Brief 119 . Kö
nig und Bauer / Edelmann und Bettelmann
gelten bey ihm einer so viel als der ander 119 .
Auch der gröste Titel ist fürm Tod kein Mittel
125 . der Tod ins Grab thut scharren den Wei
sen Register.
sen und den Narren 133 . ist der Sünden=Sold
und Liedlohn 134 . die Music und Saitenspiel
gelten bey dem Tod nicht viel 147 . 151 . des Arz
en Arzten seine Kunst findt bey dem Tod kein Gunst
152 . bey dem Tod das Geld und Gut / wenig
ja nichts helffen thut 158 . das Leben ist ein
Spiel / mit dem Tod gwinnt man nicht viel
168 . verstehet das Elffenbein und Ochsenbein
so gut als die Menschenbein 169 . auch die schö
neste̅ Narcissen werden vom Tod abgerissen 172 .
175 . Es nim̅t der Tod den Baure̅ mit / ob er gleich
sehr um Aufschub bitt 182 . mähet die Menschen
um wie der Bauer das Gras auf der Wiesen
183 . seq . baufällig und alt kommt bald in Tods
Gewalt 194 . der Tod denen Menschen ist gar
nicht gewogen / sie werden von ihm durch die
Hechel gezogen 203 . ist ein schwartz=brauner
Hechel= und Maus-Fallen Jubilirer 203 . seq .
kommt zu Nacht wie ein Dieb / es sey einem leyd
oder lieb 212 . der Tod ist blind und führt den
Blind/n Blinden / kan ihn auch in der Blindheit finden
216 . kan alle Brillen erspahren 217 . der Tod
ist blind und doch geschwind 222 . des Todes=
Stund ist ungewiß 237 . Krippel müssen tan
tzen nach den Todes=Trippel 250 251 . man schnitze
le und schau / doch nach dem Tod umschau 309 .
309 . 309. 310 . 311 . Es kommt der Tod in aller Still /
und das erfahren ihrer viel . 312 . 313
Todte soll man nicht fragen / und auch keine Ant
wort von ihnen erwarten . 80
Tod=
über die vornehmsten Sachen
Todten=Glocke giebt gute Erinnerung . 190 .
191 . 192
Todtenkopf führen alle Menschen im Wappen .
121
Töpfer S . Haffner .
V
.
Verstorbene / derer soll man nicht vergessen . 286
sep . seq. 295 . seq . 301
Vestmacher sind die Teuffels Apostel und Pro
pheten . 88
Uhren Rechtschaffene Liehaben Liebhaber derselben sehen
fleissig nach der Sonen . 238 . 239
W
.
Wahrsager sind des Teuffels Apostel und Pro
pheten . 88
Wanderschafft ist unser Leben . 265 . seq .
Wasser / so weich es sonst ist / so hart ist es dagegen
29 . auf dem Wasser wird das Sprichwort offt
erfüllet : Wer sich in Gefahr begiebt / der kom̅t
darinnen um 30 . mehr sauffen sich zu todt auf
Erden durch Wein / Bier / Brandwein / und
dergleichen Gelapper=Oels auf dem Wasser
30 wie dasselbe in die Erde sincket / also sterben
die Menschen dahin . 162
Weiber ihne Predigten sind den Männern sel
ten angenehm 8 . doch haben manche kluge da
mit viel ausgerichtet 9 . auch die listigen und bö
sen soll man gedultig anhören 9 . ob sie gleich
keine Hosen anhaben ibid . sollen ihren Männern
unterthänig seyn 114 . bekümmern sich mehrma
len so wenig um ihr Haushalten als ihr Kind
im Register
im Lauffwagen 117 . besser kein Weib haben /
als seines Weibs Serviteur seyn . 118
Weiser hat seine Augen im Haubt / der Narr wan
delt in Finsternis 134 . worinen die Narren von
deu den Weisen unschieden sind . 135
Welt ist ein Hofspital / Lazareth und Siechhaus
darinnen das gantze Menschliche Geschlecht von
der Sünden Pest wie ein Käs von Maden /
und ein eingebeizt Wilden=Bret von Essig mit
ihrem Gifft durch krochen / und gantz inficirt ist .
36
Wiegen ist zum Tod ein Stiegen 108 . Exempel
von einem Kind in der Wiegen und einem
Mörder . ibid .
Wollust bringt Unlust 3 . ist nichtig . 114
Wurm / ein elender ist der Mensch S . Mensch .
Zahnlucken kommen von der Even Apffel=Biß
her / daß sie Stumpf und Morsch werden / her
nach ausgefallen . 2
Zauberer sind des Teuffels Apostel und Prophe
ten . 88
Zeichendeuter sind des Teuffels Apostel und
Propheten . 88
Zeit des Lebens ist kurtz . 114
Zungenhandwerck / mit demselben haben die
alten Griechen wol herum springen können . 21
Zungen=Schwerdt / mit demselben hat Pericles
seinen Obsieger Archidamum beredet / daß der
selbe gestanden / Pericles hab ihn überwunden .
21
ENDE
.