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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Sie haben sich mehr als einmal mit mir der Fort
schritte erfreut, welche das öffentliche Musikleben
letzten zehn Jahren gemacht hat. Auch weiß ich Sie einverstanden,
wenn mein Essay über die Geschichte des
den drei letzten Bänden der „
Achtundvierzig als den Punkt bezeichnet, von welchem bei uns auch
im musikalischen Gemeinwesen eine neue Aera datirt.
all’ seinem Tonreichthum doch auch auf diesem Gebiet „vormärzliche“
Zustände, die zum großen Theil in dem allgemeinen Charakter unserer
damaligen Bildung, namentlich in der Isolirtheit derselben ihre Er
klärung finden. Der Gedanke des geistigen Zusammengehens
eich
durchdrang, machte sich sofort auch auf musikalischem Gebiete geltend.
Man wandte sich mit Heftigkeit von der allzulang bevorzugten
lienisch
seitigen Cultus der Vergangenheit und öffnete den Fahnenträgern
der modernen Ideen die Pforten. Nachträglich beeilte man sich, von
den geistigen Processen Kenntniß zu nehmen, welche sich in
land
dieser Anschauungen trachtete man, endlich das Concertwesen, welches
bei uns doch nur die zweite Rolle neben dem Theater gespielt, in
größerem Styl zu organisiren, zu befestigen und nach allen Dimen
sionen zu erweitern. Die Keime von
so schnell auf, sehr allmälig folgte den revolutionirenden Ideen die
reformirende That. Die nächsten Jahre waren eine Periode mühsam
vorbereitenden, mitunter lästig zögernden Uebergangs. Allein in
stetigem Fortschritt traten nach einander die Errungenschaften unsers
Musiklebens hervor, auf deren Besitz wir jetzt stolz sind: die Reorga
nisation des Conservatoriums und die glänzende Reform der „Ge
sellschaftsconcerte,“ Hellmesberger’s Quartettsoiréen, die Wieder
Neben und nach diesen Errungenschaften ist auch die allerneueste
Zeit nicht unthätig stehen geblieben. Seit Kurzem sind wir im Be
sitz einiger Einrichtungen, die allerdings nicht so augenfällig, sondern
mehr aus dem Hintergrund, aus zweiter Hand wirken, die aber trotz
dem volle Beachtung verdienen. Der musikalische Geschichtschreiber
der Jahre
stitutionen hervorheben, welche, verschieden in ihrer Tendenz und
Tragweite, doch Merksteine unserer künstlerischen Entwicklung bilden:
die Gründung einer kaiserlichen Opernschule, die Einführung der
Normalstimmung und die Systemisirung jährlicher Künstler
stipendien. Eine vierte neue Einrichtung pädagogischer Tendenz
Ich sehe Sie bedenklich lächeln, indem ich mit unserer „Opern
schule“ anhebe und diese geheimnißvolle Sphynx in die Reihe unserer
„Errungenschaften“ rücke. In Wahrheit kann ich mich so wenig als
Sie rühmen, Resultate der „Opernschule“ gesehen zu haben. Die
gegenwärtige Einrichtung und Leitung derselben flößt mir wenig Ver
trauen ein. Dies Institut wird unter den obwaltenden Verhältnissen
vielleicht für lange Zeit nicht dasjenige leisten, was man davon
gewünscht und gehofft. Allein die Thatsache, daß wir eine von
Privatinteressen unabhängige kaiserliche Opernschule besitzen, bleibt bei
alledem erheblich genug. Sie ganz zu würdigen, muß man sich erin
nern, wie lange wir ein Institut der Art herbeigesehnt und wie drin
gend die ersten Dramaturgen
Theaterschulen geschrieben und — vergebens geschrieben haben.
Als Eduard Devrient im Jahre
Das
pfung der Revolution, besitzt ein weitläufiges, für 500 Zöglinge ein
gerichtetes Gebäude. Bis zur Juli-Revolution, nach welcher erhebliche
Einschränkungen eintraten, ertheilten 72 Professoren den Unterricht
in ebenso viel Classen, deren keine mehr als 8 Zöglinge enthalten
durfte. Die Eleven für die Bühne werden in 4 Classen unterrichtet,
nur eine davon ist der Ausbildung der Operisten gewidmet. Jeder
der 3 Professoren für das recitirende Drama hat wöchentlich zweimal
eine zweistündige Lection zu ertheilen, daher findet an jedem Tag
Unterricht statt und sämmtliche Schauspiel-Eleven (auch die
Operisten) müssen täglich dem Unterricht beiwohnen, um so auch von
denjenigen Professoren zu lernen, denen sie nicht zur eigentlichen
Unterweisung zugetheilt sind. Diese Professoren sind (oder waren) die
erprobtesten, gebildetsten Künstler vom Théâtre français und der
Großen Oper. Eine Theaterschule von solcher Vollständigkeit war in
das recitirende Drama absichtlich aus dem Wege zu gehen, wie schon
aus der Thatsache hervorleuchtet, daß eine dramaturgische Autorität,
wie Laube, die Errichtung der Hofopernschule erst durch die Zeitun
Stellen wir uns auf den praktischen Standpunkt der Hofopern
direction und gestehen, daß die Sorge für die Zukunft ihrer Bühne
ihr vorderhand als die dringendste erscheinen mußte. Die Klage über
den zunehmenden Verfall des
Gesangskräfte, ist eine allgemeine und begründete. Und doch möchte
man leidenschaftlichen Tadlern oft antworten, wie jener Theaterhabitué,
der auf die herausfordernde Frage: „Und wie gefällt denn Ihnen un
sere jetzige miserable Oper?“ erwiderte: „Besser als im nächsten
Jahr!“ Der Gedanke, durch eine planmäßige Vorsorge die nächste
Zukunft des Operntheaters dem bloßen Zufall zu entreißen, liegt nahe
genug. Wir sehen die Himmelsgabe schöner Stimmen selten werden,
und noch seltener deren vollendete Ausbildung. „Unsere heutigen
Sängerinnen haben meistens mit 30 Jahren keine Stimme mehr,“
hörte ich einmal in Jenny Lind äußern, — „das ist die
Durch ein eigenes Institut für’s Erste schöne Stimmen zur
Oper heranzulocken, sodann sie methodisch für die Bühne auszubilden,
und drittens durch die Wohlthat dieser Ausbildung ein natürliches
Vorrecht auf ihre dauernde Verwendung zu erwerben — das mochten
die leitenden Gesichtspunkte bei der Gründung der Hofopernschule
sein. Die innere Organisation dieses Institutes, das in
nur an dem
interessant sie jedem Theaterfreund sein mußte, in eigenthümliches
Halbdunkel gehüllt. Blos die Grundzüge wurden veröffentlicht, vieles
Andere konnte nur in der Theaterkanzlei eingesehen werden, während
doch in Allem und Jedem die größte Publicität angezeigt war. Die
Hauptbestimmungen (wenn sie nicht seither wieder verändert wurden),
sind, soweit sie uns hier interessiren, folgende: Die k. k. Hofopern
schule ist eine „vom Theater vollständig unabhängige“ (?) Hofanstalt,
unter der Oberleitung des Oberstkämmerer-Amtes. Sie hat für die
Heranbildung eines „kräftigen Nachwuchses an Gesangskünstlern“ für
das Hofoperntheater zu sorgen. Die Mädchen und Jünglinge, welche
sich der Oper zuwenden wollen, werden (nicht über 30 an der Zahl)
nach einer Aufnahmsprüfung in den „niederen Curs“ eingereiht,
welcher drei Jahrgänge umfaßt. Diejenigen Eleven, deren Fleiß und
Talent nach Ablauf dieser Zeit zu höhern Erwartungen berechtigt,
treten ein in die eigentlichen Ausbildungsclassen, den fünf Jahre um
fassenden „höhern Curs“. Für diese Zeit von acht Jahren muß
jeder Eintretende sich verpflichten. Er erhält unentgeltlichen Unterricht
im Gesang, Clavierspiel, den Anfangsgründen des Generalbaßes, in
Mimik und Declamation. In den ersten Jahren haben die Eleven
nur ihrer Ausbildung obzuliegen und beziehen keinerlei Remuneration.
„Vom vierten Jahrgang an,“ werden sie im Chor oder in kleinen
Rollen nach dem Maß ihrer Eignung bei den Opernvorstellungen
verwendet und beziehen dafür Remunerationen, welche Anfangs zwi
schen 25 und 60 fl., in den letzten Jahren zwischen 150 und 120 fl.
monatlich betragen. Die Zöglinge, — welche ein förmliches Decret
als „Eleven der k. k. Hofopernschule“ erhalten, — dürfen ohne Zu
stimmung bei keinerlei öffentlichen Productionen mitwirken, sich außer
den (einmonatlichen) Ferien von
lauf der acht Jahre kein Engagement eingehen.
Das wichtigste Bedenken gegen diese Bestimmungen, betrifft die
Verwendung der Eleven im Theaterchor. Diese Verwendung ist that
sächlich noch in weit größerem als dem statutenmäßigen Umfang vor
genommen worden; die Eleven wurden nicht erst im vierten, sondern
bereits im ersten Jahrgang der Opernschule auf das Ausgiebigste im
Opernchor verwendet.
den ganzen Winter und Frühling hindurch war das Auswendiglernen
nichtsnutziger Chöre fast der einzige Lehrstoff, Theaterproben und Vor
stellungen die überwiegende Beschäftigung der Eleven. Am Schluß
der
und die falsche Richtung, in welche die Opernschule damit geräth,
ausgesprochen und kann nur wiederholen, daß dieses Institut zu etwas
ganz anderem bestimmt war und bestimmt ist, als zu einer Wind
lade, welche lediglich unsern athemlosen Theaterchor mit Luft zu
speisen hat. Im Detail hat die Organisation ihre guten und bedenk
lichen Seiten. In der Hauptsache wird — (von der oben gerügten
Verwendung abgesehen) — das Gedeihen der Opernschule, wie aller
ähnlichen Institute, wesentlich von den leitenden und lehrenden Per
sönlichkeiten abhängen. Die künstlerische Richtung und wissenschaft
liche Bildung des Directors der Opernschule sind hiebei um so
wichtigere Erfordernisse, als er statutenmäßig den Lehrgang und die
Methode bestimmt, so daß die einzelnen Fachlehrer pädagogisch und
ästhetisch nicht selbständig sind. Was wieder diese Lehrer betrifft,
so hat uns das Beispiel
wichtig genug hält, um sie aus den ersten dramatischen Künstlern
der
lehrenden Kräfte an unserer Hofopernschule ihrer Aufgabe gewachsen
sind, werden wol in nicht allzulanger Zeit die Resultate dieses In
stitutes darthun. Wir wollen nicht verzagen, wenn gegenwärtig
manche Stelle mittelmäßig besetzt erscheint: die Persönlichkeiten wech
seln, das Institut bleibt. Und diese, die Opernschule, wie sie sein
kann und soll, ist immerhin eine Thatsache, die der Musikhistoriker
unter den
zählen wird.