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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wenn ich ein großer Mann und todt wäre, nichts
könnte mich so sehr beunruhigen, als der Gedanke, etwa noch zu einer
Trauerfestlichkeit im Theater herhalten zu müssen. Insbesondere das
Ungewißheit lassen.
Soll eine Trauer-Festvorstellung (ein fatal zusammengesetzter
Begriff!) einen vernünftigen Sinn haben, so muß sie gleichsam un
mittelbar aus dem allgemeinen Gefühle der Trauer und Verehrung
hervorbrechen, sie muß den Charakter des Improvisirten tragen.
So gab man in verschiedenen größeren Städten
und
Büste und sprach allenfalls einige Gelegenheitsverse. Das Publicum,
noch unmittelbar bewegt von der unerwarteten Todesnachricht, fühlte
das Bedürfniß, von dem Verstorbenen zu sprechen, ihn zu rühmen,
ihn auf dem Schauplatze seines Wirkens sich gleichsam persönlich
noch zu vergegenwärtigen. Also erregt, strömte man ins Theater, in
der feierlichen Stimmung, mit der man ein vornehmes Trauerhaus
betritt. Nur so und nicht anders scheinen uns derlei theatralische Exe
quien gerechtfertigt. Auch jedes neue äußere Lockmittel dünkt uns
unpassend bei solchem Anlaß. Nur das erregtere Gefühl der ihr
Bestes aufbietenden Darsteller, die aus zwiefachem Quell zu einem
Strome der Theilnahme sich verdoppelnde Empfindung der Hörer
möge die Vorstellung von jeder gewöhnlichen unterscheiden. Die alten
Decorationen, das alte Costum, nichts darf neu sein, als der Schmerz
um den Verlust des Meisters.
Was nach drei Tagen ein rührendes Erinnerungsfest, wird
nach drei Monaten ein frostig gekünstelter, officieller Leichen
schmaus. Und so lange hat sich unser Hofoperntheater zu seiner
die so wenig Zeit hat zur Trauer! Und noch immer kann dieser unglück
liche „
digte (in verflossener Woche allein dreimal), nicht ins Leben treten, er wird
zum Mythus, oder prosaischer gesagt, zur langweiligsten aller Zei
tungsenten. An äußerem Glanze wird man es zwar dem dramatischen
Katafalk nicht fehlen lassen. Hugenotten und Katholiken, Hoffräuleins
und Zigeunermädchen, Soldaten und Mönche (nein „Rathsherren“),
alle sollen sie in funkelneuen Gewändern stolziren. Die Verschworenen
werden im vierten Act sitzen, anstatt zu stehen, und die Freitreppe, welche
statt rechts. Das ist alles recht schön, wir fürchten nur das Eine, daß die
ganze Festvorstellung bald einem Glase Wein gleichen wird, das man
durch langes Stehen hat matt und abschmeckend werden lassen.
Während man in
sich so frisch und wirksam erhalten haben, wie vor 30 Jahren, eine
glänzende Erinnerungsfeier wenigstens vorbereitet, hat das Publicum
in den größten Städten
dankbare Verehrung für den verstorbenen Meister in herzlichster Weise
einhellig kundgegeben. Nicht in angenehmster Weise fiel uns hiebei
die Art oder vielmehr Unart ein, mit welcher die Meyerbeer von jeher behandelt hat, und noch immer behandelt.
weis herabgerissen, wie einem zu kassirenden Offizier die Waffen und
Epaulettes, gesteht er ihm schließlich „leider (!) einigen Esprit“ zu,
also soviel, als man dem letzten
men muß. Schumann, der immer ein milder, oft allzumilder Rich
Die Einseitigkeit des Ersteren begreifen und achten wir, bei
Letzterem werden wir sie immer als einen Mangel empfinden. Der
Künstler, der seine ganze Seele in eine eigenthümliche Richtung des
Schaffens legt, muß in gewissem Sinn exclusiv sein; er darf sein
Ideal so sicher für das einzig echte und würdige halten, daß er Alles,
was diesem widerstreitet, was anders ist, abweist. Ist es ein Ton
dichter von so tiefer feiner Eigenthümlichkeit, wie
seine Exclusivität bis zur Ungerechtigkeit gehen. Ihm, dem Compo
nisten
digkeit „
seinen Ruhm nicht vermindert, würde er diesen Mangel erkannt
haben, anstatt
für die ganze moderne Oper keine Gnade, vom wirklichen Theater
keinen Begriff. Mit all’ diesen Mängeln oder Begrenzungen hing
aber die köstliche Eigenthümlichkeit dieses echt und streng
Lieder- und Instrumental-Componisten zusammen, — und so bewahren
wir seine „
als einen denkwürdigen Beitrag zur Erkenntniß — Schumann’s,
Nun gibt es aber, um auf den zweiten Theil des „Quod licet
land
und
die gleiche Entschuldigung für sich zu haben. Es gibt in
sehr ehrenwerthe und tüchtige Musiker, die factisch keinen andern
kritischen Maßstab besitzen, als die Werke
im besten Fall
nun an den „
„
der Effecthascherei und des frivolen Sinnenkitzels“ mit Einem Streich
zu Boden. Dabei wird natürlich jedesmal das „verderbte Publicum“
heftig abgekanzelt, welches dann — ärgerlich, daß man ihm seine Lieb
linge systematisch verleidet — sich nur um so eigensinniger auch ihrer
Fehler annimmt. Von einem Kritiker, der an „
„
man kühn behaupten, daß er überhaupt kein Verständniß für die
Oper, und kein Organ für dasjenige besitze, was eine Musik zur
dramatischen und theatralisch wirksamen macht. Den gleichen Ver
dacht hegen wir sofort, wenn jemand die Italiener und Franzosen in
Bausch und Bogen verdammt. Wir Deutschen machen viel bessere
Musik, aber die Italiener und Franzosen haben viel mehr gute
Opern hervorgebracht. Dies Zugeständniß kann uns nicht zu weh
thun, ist doch die Oper das einzige musikalische Gebiet, das die
Romanen bebauen, dafür auch mit vollkommenerer Concentration der
Kräfte. Ueberflügelt einmal ein Deutscher im Opernfach alle auslän
dischen Rivalen, und erhält sich ein Halbjahrhundert lang in der Be
wunderung von ganz
patriotische Schicklichkeitsgefühl jenen unwürdigen Peitschenton unmög
lich machen, in welchem die
beer
Es muß etwas Wahres an Börne’s Behauptung sein, daß
die Musik nur in wenigen, meist untergeordneten Momenten den
Deutschen verkennen. Wir können uns kaum denken, daß ein anderer
als ein
Sextett, den Spottchor,
hätte schreiben können, von der Unzahl kleinerer geistvoller Züge und
wunderbar stimmungsvoller Ritornelle zu schweigen, in die nur ein
Deutscher sich mit solcher Liebe vertiefen konnte.
In den landläufigen Bannflüchen gegen
wol meistens der Haß gegen die Richtung der modernen großen Oper
überhaupt. Das ästhetisch und moralisch Verletzende, das in Opern
stoffen, wie der
schönigen, auch nicht den Theil Verantwortlichkeit, welcher den Com
ponisten solcher Stoffe trifft. Nur darf man nicht einseitig die Person
für eine Richtung verantwortlich machen, welche unwiderstehlich im
Charakter der Zeit lag, durch die gleichzeitige Literatur, auch schon
durch Opern, wie die „
Die Wendung der großen Oper, im Sinn der „
auch ohne
musikalischen und dramatischen Begabung ohne Gleichen behandelte,
bleibt allzeit sein Ruhm, daß er sie immer raffinirter zur Ueberladung
und Unnatur trieb, bildet seine Schuld.
Wer über den „
wird kaum umhin können, die Wagschale des Tadels schwerer als die des
Lobes zu belasten. Auch hier wird jedoch das Unerfreuliche, mitunter
Peinliche der ganzen Richtung die Kritik nicht von der Verpflichtung
entbinden,
stand, vom musikalischen Standpunkte aus, zu würdigen. Die Dom
scene im „
Bilder von einer hinreißenden Farbenpracht und Lebendigkeit, wie sie
neben
standen. Ein Künstler, dem Würfe, wie diese, gelungen, der mit Werken
wie „
weiter als irgend Einer vor ihm durch die Welt getragen, der sollte,
dächten wir, doch wenigstens das Eine erreicht haben, daß seine Lands
leute, — er möge ihnen nun sympathisch sein oder nicht, — mit
Respect von ihm reden.