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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. „Was ein Mann für Andere bedeutet, der beste
Theil seines Lebens bleibt in dieser Form für die nächsten
Geschlechter, vielleicht bis in die fernste Zukunft. Und sowol
die, welche ein gutes Buch schreiben, als auch solche, deren
Leben und Thun im Buche dargestellt wird, sie beharren in der
That lebendig unter uns. Wir dürfen sagen, im Buche dauert
das geistige Leben des Einzelnen, und nur der Geist, welcher
eingebucht ist, hat sichere Dauer auf Erden.“ Es fügte sich
hübsch, daß wir in der Lectüre von Freytag’s anmuthiger
Wir können hier nur die Absicht haben, unsere Leser auf
Kreißle’s „
Als Beethoven die Augen schloß, ging es seinen Ver
sterben könne. Ehe man sich des Schlages nur recht bewußt,
des Verlustes völlig klar geworden, war, ein Jahr nach
Beethoven, auch derjenige erblaßt, der inzwischen still und
In seinem sechzehnten Jahre kehrte
liche Haus zurück und trat bei seinem
ein. Drei Jahre hielt Pegasus im Joche aus, ruhig, wenn
auch nicht willig. Und welch ein Joch es für diese hochflie
gende Künstlernatur war, kleinen Kindern nicht ohne Beihilfe
handgreiflicher Ermahnungen das ABC einzuüben, läßt sich
denken. Sein Kopf summte schon wie ein Bienenstock von
süßen, blüthenduftigen Melodien. Endlich ward ihm der geistige
Druck doch zu unerträglich, und er gehorchte der innern Stimme,
die ihn zur Tonkunst rief. Hier, dünkt uns, liegt der einzige ent
scheidende Abschnitt in
nun folgt, ist einheitliche „zweite Periode,“ ihr Inhalt ein
ununterbrochener Strom musikalischen Schaffens. Das freund
schaftliche Zusammenleben mit Bauernfeld und Moriz
In Geldsachen zeitlebens ein Kind, hat
nie verstanden, aus seinen Werken, die bei der unendlichen
Leichtigkeit seines Producirens ihm eine sorgenfreie Existenz
hätten bereiten können, angemessenen Vortheil zu ziehen. Lec
tionen geben war ihm, gerade wie
verhaßt. Ein öffentliches Musikamt hat er nie bekleidet, wenn auch
zweimal angesucht. Es war eine Musikdirectors-Stelle in
und die Stelle eines Vice-Hofcapellmeisters in
sich erfolglos bewarb. Eine zeitlang fungirte
petitor am Hofoperntheater; „ich passe nicht dazu,“ pflegte er
selbst zu sagen. Mit Ausnahme eines Sommeraufenthaltes
beim Fürsten
durch
lichen Tondichters nicht unbehelligt gelassen — auch eine
flüchtige Aehnlichkeit mit dem comtessenschwärmenden
— stammen in
an
element fühlte sich aber
österreich
in den besten Familien, in den stattlichsten Klöstern mit Jubel
empfangen und festgehalten. „Als wenn das Sterben das
Schlimmste wäre, was uns Menschen begegnen kann,“ schreibt
ziehung auf seinen eben von schwerer Krankheit genesenen
Bruder
Berge und Seen schauen, deren Anblick uns zu erdrücken und
zu verschlingen droht, er würde das winzige Menschenleben
nicht gar so sehr lieben, als daß er es nicht für ein großes
Glück halten sollte, der unbegreiflichen Kraft der Erde zu
neuem Leben wieder anvertraut zu werden.“
sollte „diese göttlichen Berge und Seen“ nicht wieder schauen.
Von heftiger, kurzer Krankheit hingestreckt, endete
32 Jahre alt, am 19. November
Die Umrisse von
gezeichnet, mit allem noch erreichbaren Detail auszufüllen und
dies Detail urkundlich festzustellen, war das Ziel, welches Herr
v. Kreißle
dem er mit rühmenswerther Ausdauer und Gewissenhaftigkeit zuge
strebt hat. Von dem zweiten Theil der Aufgabe, der ästhetisch
kritischen ganz abgesehen, stößt schon jenes rein biogra
phische Unternehmen auf große Schwierigkeiten. Sie liegen
hauptsächlich in dem so einfachen bescheidenen Verlauf dieses
Künstlerlebens.
„In Schindler
ganz richtig, „gab es nicht Berg, nicht Thal, nur gebahnte
Fläche, auf der er stets in gleichmäßigem Rhythmus sich be
wegte. Auch sein Gemüthszustand glich einer spiegelglatten
Fläche und war durch äußerliche Dinge nur schwer zu irriti
ren. Seine Tage flossen dahin, wie es dem arm Geborenen
und arm Gebliebenen in bürgerlicher Sphäre geziemt.“ Nur
Jemand, der
standen, und der zugleich ein Stück Poet ist, wäre vielleicht
im Stande, uns den stillen, räthselvollen und doch so liebens
würdigen Mann so zu schildern, daß er uns Andern lebendig
würde. Und dennoch haben zwei Männer, in welchen beide
Bedingungen zusammentreffen, es wiederholt abgelehnt, sich an
Schubert’s Biographie zu versuchen:
„Es ist,“ fährt er in der Vorrede fort, „meine auf Er
fahrung gestützte Ueberzeugung, daß in nicht ferner Zeit bei
dem allmäligen Heimgang der noch lebenden Zeugen von
schlechterdings zu den Unmöglichkeiten gehören wird, und daß
fürder, ungeachtet so mancher unvermeidlicher Lücken, kaum ein
Mehreres geboten werden dürfte, als in dieser Darstellung ent
halten ist.“ Wir geben dem Verfasser hierin vollständig Recht
und können ihm nur dankbar sein, daß er die erhebliche Mühe
auf sich genommen, Alles zu sammeln, was an mündlichen
und schriftlichen Mittheilungen über
sonstigen Behelfen aufzutreiben war. Was seine Arbeit zur ge
nauen Feststellung von
zur Chronologie seiner Werke beibringt, ist höchst schätzbar
und macht dieselbe zu einem unentbehrlichen Nachschlage
buch für Alle, die sich in dem Gebiet dieser Thatsachen
orientiren wollen. Daß uns
Persönlichkeit durch Kreißle’s umfangreichen Band nicht le
sätzen von Bauernfeld,
Offenbar war es dem Verfasser zunächst darum zu thun,
ein möglichst reiches Material zu sammeln und sicherzustellen.
Und diese Aufgabe hat er mit der Genauigkeit eines muster
haften Registrators gelöst. Niemand, der von dem Werth
solcher Arbeit und von deren Schwierigkeit einen Begriff hat,
wird Kreißle’s Thätigkeit unterschätzen.
Die Sorgfalt, nichts von dem gesammelten Material
verlorengehen zu lassen, hat den Verfasser sogar verleitet, mit
unter sehr überflüssige Dinge aufzunehmen, wenn sie ihm
nur irgend einen Zusammenhang mit
nen. Es werden uns die „Personalien“ und Familien-Ver
hältnisse keines Menschen erspart, der je in Berührung mit
unbedeutenden Statisten förmlich wimmelt. Darf das Inter
esse, welches speciell die ältere
haben mag, hierin wirklich entscheidend sein? Noch freigebiger
ist der Verfasser mit dem Abdruck von Briefen. Wenn wir
ihm den Abdruck jedes nur auffindbaren Briefes von Schu
Hand zugestehen, so zeigen wir uns wol liberal genug.
Was soll uns hingegen der vollständige Abdruck der
zahlreichen, rein geschäftlichen Briefe von den Musikverlegern
Probst,
halt sich mit den zwei Worten wiedergeben ließ: Der Ver
leger N. N. nahm die ihm offerirten
sitionen an, oder er nahm sie nicht an. Was sollen uns fer
ner ganz unbedeutende Briefe dritter Personen an dritte Per
sonen, z. B. des Herrn Jenger an Frau
Es bleibt uns nur mehr wenig Raum, um dem Leser
von dem biographischen Denkmal zu erzählen, das der ver
dienstvolle Schletterer
dem beinahe verschollenen Lieder-Componisten Reichardt ge
ßer dicker Lexikonband, den man beim Lesen wie eine Altar
bibel auf den Tisch breiten muß, und als Titelblatt: „
Friedrich Reichardt. Erster Band
sch
ihrer Arbeit zu bringen? Mit eigener Hand decimiren sie ihren
Leserkreis durch jene mißverstandene Gründlichkeit, die oft nur
in dem Unvermögen besteht, Wesentliches von Unwesentlichem
zu unterscheiden, jenes kurz und dieses gar nicht zu sagen!
Schon Jahn’s „
Wenn nun vollends Nohl blos für
lebendiges Stammbuch seiner Zeit. Er war Augenzeuge der
frischen Geistes, die Befreiung
nisch
späteren aus
teressantesten Aufschlüssen über die musikalischen wie über die
gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit.
Als Tondichter können wir
stellen, als sein enthusiastischer Biograph es thut, doch bleibt
ihm in seinen Liedern und Opern der Vorzug einer damals
ungewöhnlichen Bildung und das geschichtliche Verdienst frucht
barer Anregung.
durch die Totalität seiner Persönlichkeit, als durch seine Com
positionen. Er war der erste
schiedenem Beruf schriftstellerisch thätig war, und der hiedurch
prophetisch auf die verwandten Künstlernaturen C. M. We
und