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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der Trauerglockenton, der in diesem Augenblick
die Beerdigung Ander’s verkündigt, widerhallt tief und schmerz
Den Freunden des Kärntnerthor-Theaters ist der Abend
des
zum erstenmal die Bühne betrat.
war in kleineren Gesellschaftskreisen und im „Männergesang-
Verein“, bekannt geworden; Stimme, Intelligenz und eine
sehr einnehmende Erscheinung wiesen ihm den Weg zur
Bühne.
Es war zu Anfang des Jahres
eigenhändigen Schreiben des Polizeiministers und obersten Directors
der k. k. Hoftheater, Graf Sedlnitzky, sich dem damaligen Ober-
Ober-Regisseurs Franz Wild
zu verhelfen. Die leisen Befürchtungen einiger Freunde, wie das
Wagstück des noch ungeschulten, incorrect aussprechenden,
gänzlich theaterfremden
mit dem Ausruf nieder: „Ich sage euch, daß seit Wild
gehört hat zu singen (sich selber setzte er bekanntlich immer
an die Spitze)
großen dramatischen Tenor bekommt.“
es selten in den Annalen eines Hoftheaters vorkommt. Ein
dürftiger, junger Mann, der sich noch auf keiner Bühne ver
sucht hatte, der weder von weit her kam, noch daheim auf der
Leiter kleiner Nebenrollen emporgeklettert war — er erschien
auf dem k. k. Hofoperntheater gleich in einer Hauptrolle als
Träger einer neuen Oper. Der günstige Erfolg des Abends
war ein entscheidender und
der Liebling des
bildeten gleichfalls lyrische Partien der deutschen Oper,
Mit der Höhe seiner Erfolge stieg auch
und Kunststreben. Als seine eigentlichen, jedenfalls bedeutend
sten Lehrer dürfen wir wol die Hasselt und
In seine vollste, reichste Blüthe trat
beer
derstrebendsten Elementen zusammengesetzte Rolle mit poetischem
Geist gestaltet, in Spiel und Gesang meisterhaft durchgeführt.
Sie war es, die ihm auch auf auswärtigen Bühnen große Er
folge und das unbestrittene Ansehen eines der ersten
Sänger erwarb. Die Jahre
punkt in
Gold, Frauengunst — Alles sein Eigen! Sein Leben glich einer
Blume, die sich auseinanderfaltet.
Schmelz und Wohllaut eingebüßt und war an Kraft und Aus
dauer gewachsen. Der Zug edler ritterlicher Männlichkeit
bildete sich immer schöner und bestimmter aus; selbst in den
zartesten lyrischen Partien, wie
tischen Schöpfungen breiteten sich nun in reichem Kranz um
den „ Raoul in den „
des Musikers, er war der durchsichtige Leib der edelsten Empfin
dung. Wir haben in diesen Rollen siegreichere Organe und
geschultere Gesangskünstler gehört, aber einer so freien, harmo
nischen, aus sich selbst hervorblühenden Leistung begegnen wir
kaum wieder.
Es lag etwas Räthselhaftes in
das Publicum. Weder seine Stimme, noch weniger deren
technische Ausbildung waren von ungewöhnlichem Glanz, es
sangen neben ihm
beiden Stücken entschieden überragten. Und dennoch wußte
seiner Rivalen in Seelenhafte im
Klang seiner Stimme, stets ausströmend in edlem, schönem
Ausdruck und überall getragen von echt dramatischem, lebens
wahrem Spiel, erklärt diese Gewalt.
Ander’s schauspielerische Begabung verlieh ihm ein
seiner Aufgaben, über die Geschichte
anderer Bühnenhelden war er informirt wie der beste Historiker.
Das Entscheidende in
Harmonische, Edle des Gesammteindrucks, die quellende Empfin
dung und Liebenswürdigkeit, die ihn nie und nirgends verließ,
die jede Vorstellung, in der er mitgewirkt, sofort adelte und
ihn ganz eigentlich als den Poeten unter unsern Sängern hin
gestellt hat.
Im Jahre
ein durch allzugroße Anstrengung und Aufregung hervorgerufe
ner Blutsturz. Eine berühmte medicinische Autorität in
deren Todesurtheile zum Glück nicht immer tödtlich sind, machte
für alle Zukunft das Kreuz über
geachtet trat
endlichem Jubel als
Der „
lichen Blumenmarkt verwandelt, und das Tischchen, an dem
Ander mit
mittleren und tiefen Lage kaum gelitten, nur die Höhe zeigte
nicht mehr ganz die frühere Kraft und Leichtigkeit, eine Ein
buße, die im Laufe der folgenden Jahre noch merklicher her
vortrat. Die zweite Hälfte der
eine Reihe der schönsten Leitungen
berühmtesten und bedeutendsten Gestalten fällt in diese Zeit:
Aufnahme der Oper entscheidend war und in gewissem Sinn
holte. Von da an wurden leider die Unterbrechungen von
der
40mal, in der folgenden
sonst die Zahl seiner Spielabende jährlich 75 bis 80 und
darüber betrug. Die Theater-Direction gewährte dem Leiden
den alle nur mögliche Rücksicht. Wenn dann
gerer Schonung wieder zum erstenmal auftrat (als
als
Ende, und niemals wird er an dem Benehmen des
Publicums wahrgenommen haben, daß die Zeit seiner Blüthe
hinter ihm lag. „Der ohne Stimme ist uns noch
immer lieber als die Anderen mit Stimme,“ lautete ein Wort,
das man bis in die allerletzte Zeit hundertfältig im Publicum
hören und in den Tagesblättern lesen konnte. In den letzten
Jahren brachte
den
der Haide
den Franz
und wohl undankbarste seiner Rollen. Zu Anfang des laufen
den Jahres schien
Sommerferien fühlte er sich aber unfähig, zu singen, und mußte
seinen Urlaub immer von neuem verlängern lassen. Seine
Stimme war ihm nicht mehr zu Willen und sein Nervenleben
so aufgeregt, daß ihn vor jedem Auftreten ein heftiges Fieber
schüttelte. Mehrmals geschah es, daß
im entscheidenden Moment nicht vor die Lampen treten wollte
und der Regisseur ihn förmlich auf die Scene hinausführen
mußte. Sein Zustand beschäftigte ihn auf das peinlichste, jede
Viertelstunde trat er ans Clavier und probirte seine Stimme.
Oft suchte er sich selbsttäuschend Muth zu machen, und wir
hörten ihn in der letzten Zeit gar häufig versichern, er fühle
sich besser bei Stimme, als je zuvor.
Die böse, nicht ruhende Ueberzeugung vom Gegentheil kam
dann nur umso heftiger in ihm zu Worte. Gegen seinen Freund
und Schwager E. Ranzoni (dem wir manche dieser Mit
lebhafter Erinnerung. Nach seinem unglücklichen letzten Aufre
ten, auf welchem er mit Gewalt bestand, wurde
der Wasserheilanstalt Wartenberg in