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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Unsere diesjährige Concertsaison charakterisirt ein
auffallendes Zurücktreten der Virtuosen- und Einzel-Concerte
hinter die großen cyclischen Productionen der Orchester- und
Kammermusik. Sie spiegelt hierin im Kleinen nur den Cha
rakter wieder, den das Concertwesen seit einem Decennium
überhaupt angenommen hat, und der eben in jenem entschiede
nen Vorherrschen der großen Formen und Gesammtmittel vor
den Leistungen des Einzelnen besteht. Die Concerte haben eine
größere Tiefe des Inhalts und Breite der Form gewonnen,
und ersetzen durch diese Qualität reichlich, was sie an absoluter
Menge einbüßen. Wurde doch diese oft erstaunliche Menge
nur durch das Uebergewicht der Virtuosen-Concerte und jener
kleinen Einzel-Productionen verursacht, welche, von wenig Nutzen
für die Kunst, überdies durch ihre unruhige Beweglichkeit die
Theilnahme an größeren, ernsten Kunstleistungen störend beein
trächtigten. Nach längerer Pause sind jüngst zwei Concert
geber aufgetreten, jeder mit einem einzigen Concert: der Sänger
Reichardt und die Pianistin
mitunter, wie in
Manierirte streifend. Wirksamer erschien uns
dere Specialität, die leichte, flüssige Coloratur, für welche ihn
eine ungemeine Schmiegsamkeit der Kehle und günstige Ver
bindung des Brustregisters mit der Kopfstimme vorzüglich be
fähigen. Herr Reichardt glänzte mit seinem Passagenwerk in
Den rühmlichen Erfolg Fräulein Hauffe’s im letzten
Stich. Clara
Gatten vollständig im Tact, das „Andantino gracioso“ leb
hafter, das Ganze mit jener gleichmäßig feinen und scharfen
Rhythmik, die alles Verschwommene ausschließt. Der musika
lische Charakter eines Stückes spricht sich keineswegs mit solcher
Schärfe aus, daß der ausübende Künstler nicht Spielraum
fände für seine eigenthümliche Auffassung, ohne jenen zu ver
letzen. Clara Schumann
Composition vorzugsweise mit dem Geiste auf, Fräulein
überwiegend mit dem Gemüthe. Bei dem überwiegend zarten,
weichen Charakter des
letzteres wenigstens gefährlicher. Daß dieser leichte Schatten
die Gesammtleistung keineswegs verdunkelte, bewies der
reichliche Beifall, — daß er mehr in gefälliger Stimmung
als in der eigentlichen Kunstanschauung Fräulein
seinen Grund hatte, ihr eigenes Concert. Hier leuchteten
die reichen Vorzüge der Künstlerin ungetrübt im reinsten Licht.
Die Schönheit ihres kraftvollen und bei aller Kraft doch
weichen, gesangvollen Anschlags, die sichere, durchgebildete
Technik, die richtige und feine Auffassung bei gewissenhafter
Correctheit jedes Details wirkten zum erfreulichsten Bilde zu
sammen. Bei Fräulein
Empfindung, eine echt künstlerische, wahrhaft musikalische Natur
vor sich zu haben, die ebenso fern von Koketterie und puppen
hafter Dressur, als von genialthuender Nachlässigkeit steht.
Fräulein Hauffe spielte
Cornet sang einige ihrer Vortragsweise sehr fernliegende
Aus der Zahl der kleineren Productionen von halbpri
vatem Charakter nennen wir die im Salon des Hofclavier
machers Ehrbar stattfindenden Compagnie-Concerte der Her
Die Quartettcyklen von Hellmesberger und von
Schumann einzuschieben, hört es sich doch in seiner
wissen, ist sein Einfluß auf die Hofcapelle ein sehr unter
geordneter und zufälliger. Nun scheint uns dieses mit den besten
Kräften ausgestattete Institut bezüglich seiner kirchlichen Aufgabe
einer Reform in echt künstlerischem Geist bedürftig. Bekanntlich ge
noß die Kirchenmusik in der Burgcapelle stets einen so ausge
zeichneten Ruf, daß jeder in
Fremde sich zuerst dahin führen ließ. Diesen Liebesdienst er
wiesen wir vor Kurzem auch einem musikkundigen Reisenden.
Wer schildert dessen Erstaunen, als er daselbst eine Messe mit
sentimentalen Flügelhorn-Solos hörte! Unseres Wissens
ist dies profane Instrument, der Liebling
giments-Capellmeister, bisher in keine
am wenigsten in die kaiserliche Burgcapelle. Die Hauptrolle
in dem Repertoir der letzteren scheinen jene äußerst weltlichen
Compositionen zu spielen, welche bei den hiesigen Musikern
unter dem schelmischen Titel „Eisenbahnmessen“ bekannt sind,
da ihr Verfasser sie auf seinen täglichen Sommerfahrten zwi
schen
und
behaupten sogar, der Componist habe eine eigene Kyrie-Sta
tion, eine Credo-Station u. s. w. Dies halten wir jedoch für
eine neidische Erfindung schwerfälligerer Tonsetzer. Keine Er
findung ist aber die Geschichte mit dem Flügelhorn und der
von unsern witzigen Orchestermitgliedern erfundene neue Gat
tungsbegriff „Cavalleriemessen“. Hof-Capellmeister
hat durch längeren praktischen Kirchendienst, durch mehrere sehr
gediegene Kirchen-Compositionen, endlich durch die besten Ora
torien-Aufführungen, deren sich
Beruf dargethan, große kirchliche Aufgaben in echt künstleri
schem Geist zu lösen. Möge es ihm gelingen, diese Kraft auch
in voller Freiheit zum Frommen der Hofburgcapelle bewäh
ren zu dürfen.