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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Treten wir nun näher an den musikalischen Theil
der „
unserer Erinnerung Revue passiren. Da ist gleich die Ouver
ture ein raffinirtes Effectstück von größter Ausdehnung und
absonderlichsten Zurüstungen. Sie beginnt mit der leisen,
leichtgeschwungenen Violinfigur in h-moll, welche in der Oper
das Auftreten
Allegrothema im Sechsachteltact mit dem abgestimmten Glöck
lein schließt sich an. Das Orchester übergeht allmälig in die
Schilderung eines Sturmes, — plötzlich hält dieser inne und
hinter dem Vorhang der Bühne ertönt ein kurzer melodiöser
Chor: „O heilige Jungfrau!“ Der Sturm beginnt von
neuem, weicht dann einem Marsch von angeblich kirchlichem
Charakter, dessen sentimentale Violoncell-Melodie dem bekann
ten „ Meyerbeer’s aus dem Gesichte ge
Die Oper beginnt mit einem Hirtenchor von graciöser,
polonaisenartiger Melodie. Wie fast alle lyrischen, nicht in
die Handlung eingreifenden Chöre
ser keinen chormäßigen, ein Allgemeingefühl ausdrückenden Cha
rakter, die kokette Melodie und die nervös bewegliche Modula
tion sind ganz individuellen Ausdrucks, genau wie der Einlei
tungschor zum „
Charakteristisch für das Unchormäßige dieser Stücke sind
nebenbei die zahllosen Vortragszeichen in
„portez la voix“, „glissé“, „doux“, „très doux“ etc. etc.
zweistimmiger Gesang (zwei Hirtenknaben), dessen rhythmische
Einschnitte der Chor „Stark in die Hände schlagen“ markirt.
Es ist dies einer jener äußerlichen, fatalen Effecte, deren so
viele in „ Dinorah erscheint
Ein Orchester-Ritornell, das mittelst geschickter Mischung
von Oboe-, Fagott- und tiefen Clarinett-Tönen den Dudelsack
trefflich imitirt, führt Corentin ein. Seine
In dem folgenden Duett singt
nach, die
geschmacklos überladenes Concertstück, den Flöten-Imitationen im
„
nachgebildet. Die Nummer gibt uns den deutlichsten Begriff
davon, was in der „
anzusehen sei. Arie an die Magie ist eine der
schwächsten, affectirtesten Nummern der Oper. Aus einem
heroischen Mollsatz à la
lustige Polacca: „De l’or, de l’or — encore, encore“, die
an Trivialität das Höchste leistet. Die „Beschwörungs
scene“ zwischen
nischen“ Fis-moll-Satz schließt sich leider der Arie würdig an.
Das Trinkduett der Beiden beginnt unbedeutend und endet
gemein. In der Partitur ausdrücklich als „Duo bouffe“ be
zeichnet, hat dies Stück doch keinen Atemzug wahrer, behag
licher Komik; triviale Themen und der
lingsspaß, den einen Sänger die Phrasen des andern nach
plappern zu lassen, vertreten deren Stelle.
Zum Glück folgt auf diese schwachen, mitunter wider
wärtigen Scenen ein anmuthigeres Stück, das den ersten Act
mit glücklicher Wirkung abschließt, das „Terzettino de la
clochette.“ Gegen den Schluß erhebt sich eine anmuthige,
Den zweiten Act eröffnet ein Chor etwas angetrun
kener Landleute („Qu’il est bon, le vin“); die Männer sin
gen mit „Brummstimmen“, (!) die Frauen zupfen eine Me
lodie in geschleiften Sechzehnteln hinein. Die Composition ist
kokett und ganz humorlos, der wüthende Aufschrei ins hohe C,
„Qu’il est bon,“ am Schlusse ein echt
Nach einer kurzen Romanze der Dinorah in E-moll, die
teristischer, aber sehr übertriebener Weise aus — von den ko
mischen Nummern noch die beste, und dennoch wie raffinirt
und gezwungen!
Ein kurzes, wirkungsvolles Stück ist Dinorah’s „
Der dritte Act beginnt mit einigen Liedern, die als
episodische Ausfüllstücke den allzu nahen Ausgang der Oper auf
halten sollen. Sie gehören zu den glücklichsten Momenten des
ganzen Werkes. In dem frischen „Jägerlied“ mit der köst
lichen Begleitung von vier Waldhörnern weht uns eigentlich
zum erstenmale reine, gesunde Luft an. Auch der muntere
Zwiegesang der beiden Hirtenknaben, allerdings schon etwas
gekünstelter, macht den freundlichsten Eindruck. Nach unserem
Gefühle sind diese beiden, allerdings kurzen Nummern die
frischesten und originellsten des ganzen Werkes. Hier ruht das
Ohr und das Gemüth des Hörers erquickt und beruhigt aus.
Ungleich tiefer steht das Lied des Schnitters mit der musika
lischen Nachahmung des Sichelschärfens; das Gebet, zu
welchem hierauf der Jäger, der Schnitter und die zwei Hir
tenknaben sich vereinen, kann durch den reinen Zusammenschlag
von vier unbegleiteten schönen Stimmen günstig wirken. Diese
beiden Stücke blieben hier weg. Hoël trägt die todtgeglaubte
Fassen wir
Auge, so zeigt sie sich als eine gealterte, schwächliche Dame,
die, stark geschminkt und pfiffig costümirt, dabei von eleganten
und lebhaften Bewegungen, immerhin in großer Gesellschaft noch
irreführen kann. Selbst die heitersten Musikstücke dieser Oper
scheinen uns eigenthümlich gedrückt, wie vom Alter durchkältet.
Gegen den früheren erstaunlichen Erfindungsreichthum
beer
versiegend, durch Reminiscenzen und Abfälle ersetzt, denen ein
enormes Kunstgeschick den Glanz der Neuheit anzutäuschen
versteht. Originell im besten Sinn, d. h. wahrhaft neu und
schön zugleich sind kaum hundert Tacte in der ganzen Oper. Der
reiche Componist hatte leicht borgen, er hat namentlich seinen
„
Kennzeichen, dem zerhackten Rhythmus, der gekünstelten und
überladenen Melodie, den grellen (nicht durch Wort oder
Scene gerechtfertigten) Uebergängen, finden sich in der „
auf Schritt und Tritt.
Die „pikanten“ Verschiebungen des Rhythmus, insbesondere
das abscheuliche daktylische Abschnappen desselben am Ende einer
Periode findet sich in der „
beer
vierteltact) singt:
„Der Abendglocke Ton klingt aus den Dörfern schon“,
bis zu
4/4-Tact)
„Dich rächet meine Reue, (2 Tacte)
Daß ich Thor schied von Dir“ (1 Tact),
dehnt sich Eine lange Reihe solcher Beispiele aus.
diese Musik innerlich dürftig und unwahr. Das blendende Licht,
das sie ausströmt, ist der gefühllose Glanz von Edelsteinen,
nicht der glänzende Strahl eines seelenvollen Auges. In keiner
früheren Oper des Meisters finden wir so viel Unbedeutendes
und Banales, in keiner die bloße Virtuosität in solchem Ueber
gewicht über die eigentlich musikalische Erfindung. Von „
und den „
„
keine in der „
und mißachtete „
und selbst an wahrem dramatischen Ausdruck unbedingt rei
cher, als „
mehr Er selbst ist, nur nicht immer im günstigsten Sinne.
Gegen ihre Vorgängerinnen hat „
einheitlicher, gleichmäßiger zu sein und keiner großen äußern
Zurüstungen zu bedürfen. Musikalisch dünkt uns darin Alles
klein, ausgenommen das Kleine. Als komische Oper darf
man nun vollends „
Stab zu brechen. Und doch will der Componist sie also an
gesehen wissen. Wenn seinem so vielseitigen und beweglichen
Talent ein Feld des Ausdrucks unzugänglich war, so ist es
das Komische. Die specifisch musikalischen Ausdrucksmittel für
das Komische sind an und für sich äußerst gering, Hauptsache
bleibt immer die allgemeine heitere Grundstimmung, das fröh
lich behagliche Temperament, die gesunde unbefangene Lust am
Leben und am Spaß.
liegt dem ferne, das unruhig aufgeregte Temperament seiner
Musik, das des Glanzes und der grellen Effecte keinen Augen
blick entbehren kann, reagirt heftig gegen die Lebenslust der
Opera buffa. Einzelne komische Effecte gelingen ihm, eine
gute komische Oper nimmermehr, denn diese ist ohne Natür
lichkeit und volles inneres Behagen undenkbar.
Was unterscheidet trotz alledem die „
haft von vielen ähnlichen Novitäten und hebt sie über das
Niveau der Tageserscheinungen empor? Ihre formelle Abrun
dung und technische Meisterschaft. Wir begegnen nirgends einem
unsichern Probiren und Experimentiren, einem Anlehnen oder
Nachahmen; durch das ganze Werk herrscht die Sicherheit des
erfahrenen Meisters. Alles kommt gerade so, wirkt genau so,
wie der Componist es gewollt. Zu dieser imponirenden Sicher
heit einer ausgebildeten Technik kommt als zweiter durchgrei
fender Vorzug die Klarheit und Uebersichtlichkeit der Form.
Den Rhythmus im Kleinen verzerrt
Vergnügen, die Eurhythmie im Großen respectirt er immer.
Der wohlgegliederte, übersichtliche Bau ist ihm Bedürfniß und
hängt mit seiner tüchtigen, strengen Schule zusammen. Klingt
auch die Musik im Einzelnen unerheblich, mitunter selbst wider
wärtig, das Ganze ist doch im bezeichnenden Sinne musika
lisch, aus specifisch musikalischer Anschauung hervorgegangen.
schwindelerregenden, geheimnißvollen „Intentionen“ abzuquälen,
die unverständlicher und meistens illusorischer sind, als
beer
So wird es erklärlich, daß „
man all’ die pikanten Zuthaten mit in Anschlag bringt) das
Publicum ergötzt und selbst den Kenner bis zu einem gewissen
Grade anregt und fesselt. Für nachhaltig können wir die Wir
kung der „
finement ist zu vorwiegend, als daß das Publicum, einmal
gegen diese Reizmittel abgestumpft, nicht den totalen Mangel
an Empfindung und Wahrheit wahrnehmen und erkalten sollte.
In der That hat sich „
Unglaubliche dafür geschah, nicht auf dem Repertoire erhalten
können. Wenn sie hier in
gewährt, so wird sie dies zum guten Theil der vorzüglichen
Aufführung zu danken haben.
„
rection und Regie haben es an nichts fehlen lassen. Die Ma
schinerie wie die Decorationen erwiesen sich von bestem Effect.
Die Wildniß im zweiten Act, dann das reizende Landschafts
bild im dritten gehören zu den gelungensten Compositionen
des Herrn Brioschi, der umsomehr Dank verdient, als ihm
Von den drei verdienstvollen Darstellern der Hauptrollen
nennen wir Herrn Beck zuerst, da seine Leistung als
leichtansprechende bedeutende Höhe, geläufige Coloratur, brillanten
Triller, besitzt Fräulein Murska, und was dieser Sängerin