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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die kolossale Büste, welche gestern Mittags
vom Orchester im Redoutensaal auf das Publicum nieder
blickte, hat wol zum erstenmale einem Concert präsidirt. Es
ist Dante’s hagerer, ausdrucksvoller Kopf mit einem fri
Mit Ausnahme zweier Compositionen von Händel und
baut zu sehen. Eine glückliche Wahl war dies keineswegs, der
treffliche Sänger hätte in irgend einer guten
seine Vorzüge weit glänzender und eigenthümlicher entfaltet.
Es schien eben, als wollten die Italiener diesmal besonders
feierliche Mienen zeigen, sie hatten nur Stücke langsamen
Tempos, pathetischen düsteren Charakters und theilweise kirch
lichen Inhalts gewählt. Dadurch kam über die ganze Pro
duction ein unleugbar monotoner Anstrich, etwas Gezwunge
nes, Schwüles. So dankenswerth auch manche dieser Gaben
erschien, man fühlte, daß eine wesentliche, glänzende Seite
der
eigentliches Temperament, gewaltsam zurückgedrängt war.
Herr Mongini sang (etwas zu tief, wie die ganze Saison
Die dichtende und bildende Kunst hat bis auf die neueste
Zeit nicht aufgehört, sich Stoffe und Anregungen aus
zu holen; für die Musik strömt eine sichtbare Quelle weder
in der Persönlichkeit noch in dem Gedicht des großen Floren
tiners. Einige schwungvolle, die Macht der Töne preisende
Terzinen bezeugen wol, daß
schlossen war, ein näheres künstlerisches Verhältniß zur Musik
scheint er nicht gehabt zu haben. Versuchte doch die Tonkunst
eben ihre unbeholfenen ersten Schritte, als die moderne Poesie
bereits einen Wunderbau wie die
hatte. Die Tonkunst war damals kaum in den Besitz der
Notirung der Mensur, der nothwendigsten harmonischen Ge
setze gelangt, noch waren die Niederländer, die 200 Jahre
später den Contrapunkt und damit wirkliche musikalische
Kunstübung nach
noch bestand das ganze Musikleben in theoretischer Specula
tion und den ungeregelten Rhapsodien der Troubadours.
Dritthalb Jahrhunderte liegen zwischen der Geburt
und jener Palestrina’s. Die „
Wenn irgend einem
Verwandtschaft mit
werden darf, sich diesem Dichter musikalisch zu nähern, so ist
es dessen großer Landsmann Cherubini.
Der
zu dem „halbverstorbenen“ Componisten der „
ihm ringsum ganze Lorbeerwälder von Ruhm und Anerken
nung, und der alte Herr, anstatt „Apage
fen, wie die Andern, fiel richtig nieder und betete an. Mit
unsäglicher Mühe muß er die „
componirt haben, die in gestochener Partitur niedlichsten For
mates vor mir liegt, mich an eine der heitersten Stationen
meiner musikalischen Lebensreise erinnernd. Die
besteht aus vier Sätzen: die Hölle, das Fegefeuer, das Pa
radies und die triumphirende Rückkehr
„Die Hölle“ ist ein unabsehbares Adagio im Sechsachtel-Tact,
das die Tempobezeichnung „Largo infernale“ und mit köst
licher unbewußter Ironie die Extra-Aufschrift „Tormenti
senza speranza“ führt. An einen wirklichen Symphonie
satz, an gegliederte Form und thematische Arbeit darf man
dabei nicht denken, das Ganze spinnt sich wie eine wüste
Melodram- oder Zwischenacts-Musik in freiester Phantasie ab.
Ein Thema ist nirgends zu entdecken, nur ein kleines, lum
piges Motiv, an dem der Componist herumnagt, wie
an dem Schädel des Erzbischofs
Gerumpel der Bässe fahren unablässig grelle Piccolopfiffe,
Schreie verdammter Seelen, die zu stark gezwickt oder ge
brannt werden. Dazu gesellt sich ein wüthendes Kettengerassel,
sehr sinnreich hervorgebracht durch fortwährendes Bearbeiten
eines Metallbeckens mit einem großen Holzschlägel. Der
Schlägel spielt Zweiunddreißigstel, ja förmliche Triller auf
dem Becken und beschämt die blecherne Donnermaschine im
ersten Act der „
große und kleine Trommel, und was sonst noch die „Hölle“
musikalisch heiß machen kann, treten emsig heizend hinzu;
das Alles ohne eine Spur von musikalischem Gedanken, ohne
Melodie und Rhythmus und stets im langsamsten „Largo
infernale“.
Der zweite Satz: „II Purgatorio“, beginnt mit einer
Art Polka-Mazur. Einen Unterschied zwischen Hölle und
Fegefeuer wird es gewiß geben, aber gar so human hatten
wir uns Letzteres doch nicht vorgestellt. Das ist ja recht tröst
lich. Leider ist der Aufenthalt doch nicht ungetrübt, ein bar
barischer Lärm erhebt sich wieder, die Piccoli schreien, die
Ketten rasseln und der alte Maestro künstelt an Instrumen
tal-Effecten und kleinen „purgatorischen“ Contrapunkten herum,
daß es eine Art hat. Da fällt plötzlich das Clavier (bisher
unbeschäftigt) mit einem brillanten Solo von Passagen und
Trillerketten in das erstaunte Orchester: wir sind im „Para
dies“. Selig sind die Clavier-Virtuosen, denn ihrer ist das
Himmelreich! Ob hier
die heiligende Tonsur auf dem Haupte Liszt’s des Clavier
lich mit husarenmäßiger Gewalt ein Regiments-Triumph
marsch angeblasen kommt. Das ist „ Dante’s Rückkehr auf
Es geht mir wirklich nahe, in diesem Tone von einem
Werke sprechen zu müssen, das, an die Pietät einer großen
Nation zweifach appellirend, den Namen des größten
sch
nen vereinigt. Aber wenn der Contrast zwischen dieser geist-
und gemüthlosen, unmusikalischen, dabei höchst prätentiösen
Kindersymphonie und der großartigen Gedankenwelt
nicht komisch ist, dann weiß ich nicht, wo noch sonst Komi
sches zu finden wäre. Entschuldigend für den alten Maestro
ist allenfalls die kaum überwindliche Schwierigkeit, eine Rie
senschöpfung wie die „
den. Bei einem Gedenkfeste obendrein, das den Dichter selbst
feiern und unserer Verehrung für ihn den höchsten Ausdruck
leihen soll, steigern sich unwillkürlich die Anforderungen an
jeden Künstler, der solches aus eigenen Mitteln zu leisten sich
erkühnt. Man ruft zu solchen Festen die Anstrengung aller
Künste und vornehmlich der Musik auf, ohne zu bedenken,
daß nicht jede Nation zu jeder Zeit congeniale schöpferische
Naturen besitzt, die sich, sei es auch nur in huldigender Ab
sicht, neben den gefeierten Heros stellen können.
Wir Deutschen können mit den musikalischen Resultaten
unserer Goethe- und
In
Zweifel auch Donizetti’s „