Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wir hätten keine Musik im Sommer? Welche
Täuschung. Allerdings keine Musik, über die man schrei
ben muß, keine „
die man hören muß, mag man wollen oder nicht. Sie wu
chert im Sommer wie ein giftiges Unkraut in
O Leierkasten! Ihr privilegirten Peiniger des menschlichen
Gehörs, ihr gesetzlich befugten Quäler aller Ruhebedürftigen
und Kranken, Aller, die da studiren und geistig arbeiten —
wie lange noch werdet ihr uns vom Morgen bis zur Nacht
mißhandeln dürfen? Zehn Jahre sind es, seit wir, und An
dere vor uns, das letztemal mit Spott und bitterem Ernst
gegen diese einer Residenzstadt so unwürdige Stadtplage
loszogen. Wir thaten es ziemlich hoffnungslos, denn, wie
vorherzusehen, wehrten sich die Ritter jedes durch Alter „ehr
würdig“ gewordenen Scandals für ihre lieben Drehorgeln,
und ereiferten sich unsere Humanitätsbolde gegen die Abstel
lung einer Ohrenqual, welche wenigstens 10 bis 12 Fami
lien zugleich peinigt, aber 4 bis 5 Köchinnen amüsirt. Daß
unsere lange zurückgedrängten Seufzer jetzt wieder Luft be
kommen, daran ist niemand Anderer Schuld als der Statt
halter von
(„ein zweiter Daniel!“) soll nämlich beschlossen haben, die
Zahl der orgelnden Gehörsmörder in
und mit Schonung der bestehenden „Rechte“ keine weiteren
zu ertheilen. So soll dieses mittelalterliche Institut allmälig
einfrieren.
dein Beispiel fruchtbar sein! Das Land, welches unsere
Musik und unsere Musikantenschaar seit jeher so reichlich ver
mehrte, würde sich um uns kaum weniger verdient
machen, gäbe es diesmal das Signal zur Verminderung
unserer musikalischen Zwangsgenüsse.
Ich weiß nicht, ob die Quantität unserer
orgeln sich von Jahr zu Jahr vermehrt, ihre Qualität aber
wird immer gefährlicher. Was waren jene ehemaligen klei
nen Flötenwerke, jene tragbaren Vorrathskästchen alter
kolosse, die auf vier Rädern in Begleitung eines Directors
und mehrerer Regisseure ihren musikalischen Großhandel trei
ben! Die vormärzlichen Leierkästen verhielten sich zu den
„vervollkommten“ von heute, wie Stubenfliegen zu giftigen
Scorpionen. Ein erschütterndes Klaggeschrei dringt plötzlich
wie ein Schwert in mein Ohr. Es ist der Sturm aus der
Leierkasten mit riesigem „vollem Werk“ und sechs Trompe
ten im Leib vor meinem Fenster andreht. Ich eile, das
Fenster zu schließen — zweimal täglich erscheint diese musi
kalische Guillotine mit ihrem
Ouverture
wüste, alte Weib, das mit gleichgiltiger Bulldoggmiene fort
orgelt, während der „Director“, rechts und links die Kappe
ziehend, nach allen Fenstern hinauf begehrende Bücklinge
schneidet! Wenn, wie zu erwarten steht, die Vervollkomm
nung dieser Torturwerkzeuge so weit gediehen sein wird, daß
sie uns das
Symphonie
einigem Gehör und Ehrgefühl auswandern müssen.
Will und kann man die Leierkästen nicht geradezu auf
heben, so möge man sie wenigstens in der
verbieten oder außerordentlich beschränken. Hier bringt es
die Enge der Straßen mit sich, daß man immer mehrere
Drehorgeln, ein halb Dutzend Claviere und verschiedene Ge
sangsübungen zugleich hört. Es ist thatsächlich so weit ge
kommen, daß man in der
Sommer bei festverschlossenen Fenstern zubringen muß. Leier
kästen sollten im engeren Sinn des Wortes eine Landplage
sein. Wie auf flachem Lande das Hausiren überhaupt einen
Sinn hat, so auch das Hausiren mit Musik. Dorfbewohnern,
die nur des Sonntags Musik hören, mag es willkommen
sein, wenn eine verstimmte Pfeifenlade ihnen den seltenen
Genuß einiger Opern- oder Walzermelodien ins Haus bringt.
Da jubeln die Kinder, da tanzen die Mägde und ich weiß
nichts Wichtiges, was dadurch gestört würde. Anders im
Innern einer Residenzstadt. Hier quillt ohnehin von Früh
bis in die späte Nacht Musik aus allen Thüren, allen Fen
stern. Aus jeder Kneipe, jedem öffentlichen Garten ertönt
Abends Gesang und Musik, treffliche Militärbanden durch
ziehen die Stadt, die häusliche Musik-Consumtion ist ins
Ungeheuerliche angewachsen. Und nun privilegiert man noch
eine Unzahl ohrenmörderischer Drehorgeln, die nach Belieben
zu zweien und dreien sich in einer engen Straße aufpflanzen
und Hunderte von ruhig arbeitenden Menschenkindern peinigen
dürfen! Das Einzige, was gegen den allgemeinen Wunsch
nach Abstellung dieser Calamität immer wieder eingewendet
wird, ist: daß diese Musikhausirer ja Erwerbsteuer zahlen.
Desto schlimmer. Bettler fertigt man mit einem Almosen
ab, oder nimmt keine Notiz von ihnen, falls man nicht will.
Wer kann aber von dem aufdringlichen Geheul der „vervoll
kommten“ Leiermänner keine Notiz nehmen? Das sind be
waffnete Bettler. Würde man Leute gegen Erlag einer
Schreiber dieser Zeilen wohnt in einer Straße der in
neren Stadt, welche als eine „ruhige und angenehme“ ge
rühmt wird. Wol wäre sie ruhig und angenehm, hätte nicht
der Musikdämon sie zu einem seiner beliebtesten Stations
plätze erkoren. Von den Leierkästen will ich nicht mehr reden,
die sich hier regelmäßig ablösen, oder auch gleichzeitig auf
geringe Distanz „werkeln“, der eine die
ture
mit fortwährendem „Tremolo“ auch einer neuen sauberen
„Vervollkommnung“. Vor ihnen ist keine Rettung, sie haben
kein Gefühl.
Aber mit den nicht steuerpflichtigen, vornehmeren Wer
kelmännern im ersten und zweiten Stock meiner unglücklichen
Gasse möchte ich noch ein bescheidenes freundnachbarliches
Wort sprechen. Eigentlich sind es Werkefräulein, musika
lische Satanellas, ohne Zweifel jung und hübsch, überaus ge
bildet, aber von sehr weitem musikalischen Gewissen, liberal
stem Gehör und stets verstimmtem Clavier. Während die
Fräulein mir gegenüber den ganzen lieben Tag alle
nacheinander abthun, blutet über ihnen ein junges Opfer
musikalischer Dressur unter langsamen Tonleitern und Uebun
gen. Rechts von mir begrüßt ein Fräulein mit (leider aus
giebiger) Sopranstimme den anbrechenden Morgen mit
nisch
zum Frühstück zu machen, und
todt. Einige Häuser weiter wird das Familiensouper regel
mäßig durch vierhändiges Abschlachten von Ouverturen ein
geleitet. Ist gerade Mondschein, so stöhnt auch eine Phys
harmonika ihren Weltschmerz in dies liebliche Ensemble. Das
wäre nun Alles recht und gut — bei geschlossenen Fenstern.
Aber warum kommt solchen gebildeten und kunstsinnigen Ge
müthern niemals, gar niemals der Gedanke, es könnten diese
außerordentlichen Musikproductionen andern Leuten in der
Straße doch vielleicht nicht immer erwünscht sein? Liegt nicht
in diesem unaufhörlichen Musiciren bei offenen Fenstern
auch eine Art Barbarei, ähnlich jener der Drehorgelmänner?
Musikalisches Faustrecht — im ersten Stock oder vor dem
Hausthor. Ist die Nächstenliebe nicht stark genug, die Fenster
zu schließen, so sollte es doch die Eitelkeit sein. Denn was
soll man von der musikalischen Empfindung und Bildung
eines Pianisten halten, der bei offenem Fenster im ersten
Stock ein Adagio in C-moll spielt, während unten eine
Drehorgel von 20 Pferdekraft ihn mit einem H-moll-Csardas
übertönt und vis-à-vis aus gleichfalls weitgeöffnetem Fenster
eine kräftige Sängerin ihr Verlangen nach einem „
in Des-dur proclamirt? Meine werthen Fräulein, bedenken
Sie doch!
Am verflossenen Samstag Abend — es war obendrein
ein prachtvoller, warmer Abend — hörte ich ausnahmsweise
keinen Ton in meiner Gasse. Das kam daher, weil ich mich
zu
Liedertafel, welche der Akademische Gesangverein alljähr
lich in dem schönen Garten der „Neuen Welt“ abhält, hat
sich bereits guten Ruf gemacht und übt eine bedeutende An
ziehungskraft auf das musikalische
hübsch und lustig zu, die jungen, frischen Stimmen jubeln noch
einmal so fröhlich durch die würzige Abendluft, und sind sie
ermüdet, so ergreift Fahrbachʼs Militär-Capelle, in ihrer
liche
preisgekrönten Chor „
daß der Akademische Gesangverein unter seinen zahlreichen
Verein errungen hat.
Unter den Novitäten waren zwei Compositionen von
E. S. Engelsberg die hervorragendsten. Das „
Das Publicum, das keinen der guten Witze und keine
der allerliebsten Melodien sich entgehen ließ, verlangte die
Wiederholung der „
ger, die „
Heine
den dürften.
Das „Jagdlied“ trägt folgendes Motto: