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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. So wären denn auch bei uns die berühmten
Leitstern, Carlotta Patti, und den ihm folgenden heiligen
einfachen Preis, den auch der mittelmäßigste Concertgeber
für seine Person hier prätendirt. In diesem Zusammen
wirken auserlesener Künstler liegt aber noch ein eigener, ein
höherer Reiz, als dieser blos finanzielle. So oft noch zwei
berühmte Virtuosen gleichzeitig in
man auf Schritt und Tritt den Wunsch: Würden doch ein
mal Beide zusammenspielen! In den seltenen Fällen, daß
dies ausnahmsweise geschah, und
Collegialität oder zu wohlthätigen Zwecken einmal ein Duo
ausführten, wurde der Saal förmlich gestürmt. Der Grund,
weßhalb sich trotzdem niemals zwei Virtuosen zu gemeinsamen
Concertreisen verbanden, war: ihr Stolz. Wer mochte Gold
und Beifall mit einem Nebenbuhler theilen? Eine Folge die
ser Isolirung war, daß man bei jedem Concert eines be
rühmten Virtuosen stets eine Anzahl sogenannter Zwischen-
oder Ausfüllnummern in den Kauf bekam, welche durch ihre
Mittelmäßigkeit gehörig abstechen mußten. Dieses von den
Concertgebern so schwer zu beschaffende und von den Hörern
so wenig geachtete Füllwerk ist in Ullman’s Concerten
Ein Umstand, der viele Musikfreunde gegen die
man
des Erwerbes, das schnelle Reisetempo, in dem die Gesellschaft
mehr Concerte gebend, als früher ein Virtuose in der ganzen
Saison. Das hat allerdings wenig Gemüthliches und mög
licherweise viel Unangenehmes — für die Künstler. Bleiben
wir aber beim Publicum. Was verliert dieses durch den
Umstand, daß die Künstler, welche es heute entzücken, vor
wenig Tagen noch in
und bereits für die nächste Woche in
kündigt sind? Das sind heutzutage Spazierfahrten, vor wenig
Decennien waren es Reisen. Wenn wir in der Jugend
geschichte, der patriarchalischen eisenbahnlosen, des Virtuo
senthums blättern und die unaufhörlichen weiten Reisen eines
Lolly,
Aber die entsetzlichen Reclamen dieses Herrn Ullman!
großen Ruf „nicht durch das, was die strenge Kritik veredelte
Kunst nennt, wie eine Sonntag oder Jenny
In
samkeit, gewohnt, mit Schüreifen und Thorbalken gekitzelt zu
werden, die gröbsten Mittel der Reclame erwartet, wo selbst
der Gebildete den Champagner nicht ohne Branntweinzusatz
mag, geschweige denn den Concertzettel — dort versteht Herr
fand sein Erfindungsgeist das richtige Terrain; was er dort
Alles ausheckte, um Geld und Ruhm zu machen, erscheint
uns Kindern der alten Welt mitunter geradezu unglaublich.
Als die berühmte Sonntag, welche von
Beine gebracht, die von der
in
Wie kommt es nur, wird man fragen, daß die als
Dame und Künstlerin so vornehme
zeichnetsten Virtuosen nach ihr sich gern diesem Unternehmer
engagirten? Diese zweite Frage, das Verhältniß der con
certirenden Künstler zu einem mit ihrem Talent speculirenden
Unternehmer, ist etwas bedenklicher, als die früher beleuchtete
über das Interesse des Publicums. Wir gestehen unverholen,
daß diese Art künstlerischer Leibeigenschaft uns stets einen
unangenehmen Eindruck gemacht hat, und daß wir diese sub
jective Empfindung niemals ganz verloren haben, noch ver
lieren werden. Gerade deßhalb hielten wir es eben für
Pflicht, die durch ihre Neuheit uns frappirende und dadurch
vielleicht ungerecht stimmende Erscheinung der modernen
Associations-Concerte möglichst unbefangen von beiden Seiten
zu betrachten. Fragt man die engagirten Künstler selbst, so
vernimmt man fast durchaus, daß sie sich dabei wohl und
zufrieden befinden. Sie beziehen, unabhängig von den Tages
einnahmen, einen sehr namhaften fixen Gehalt und den voll
ständigen Ersatz der Reisekosten. In unserer Zeit, wo die
Virtuosen-Concerte längst eine undankbare und mißliche
Speculation geworden sind, muß dem Künstler ein sicheres
Budget sehr willkommen sein. Es ist für den einzelnen
Virtuosen gar kostspielig, gegenwärtig Concerte zu geben, es
ist aber auch nebenbei sehr mühevoll, zeitraubend und ver
drießlich, all die nothwendigen Vorbereitungen dazu selbst zu
treffen. „Ich würde mit Vergnügen jedes Concert dreimal
hinter einander spielen,“ so sagte uns mehr als Ein Virtuose,
„wäre ich dadurch der Mühen und Sorgen enthoben, die mir
das Arrangement eines einzigen verursacht.“ Diesen Wunsch
erfüllt die
spielen etwas öfter als sonst, sind aber aller Sorgen ent
hoben. Der Unternehmer ist ihr Reisemarschall, Secretär
und Bankier.
Die in
Contracte kommen uns Deutschen etwas seltsam vor. „Herr
Vieuxtemps oder Herr
Die Gewohnheit macht, daß wir im Bühnenwesen, ins
besondere bei den
kaum mehr bemerken, was uns an den Concert-Associationen
noch so sehr befremdet. Auch dort dasselbe Princip des ge
meinschaftlichen Reisens und Producirens, der Herrschaft des
zahlenden Unternehmers über seine Künstler. In
verwendet der Director der
Majesty’s theatre seine Opernsänger nach Belieben in den
verschiedensten Städten
im Concertsaal, und hat das Recht, ihnen jede Mitwirkung
in öffentlichen oder Privat-Akademien zu untersagen. Von
allen Kunstzweigen hat aber von jeher das musikalische Vir
tuosenthum die geschäftliche Seite, die Tendenz nach Geld
gewinn, am wenigsten verleugnet. Schon der alte Forkel,
der im Allgemeinen den Concerten eine große künstlerische
Mission zugesteht, definirt (
solche, „die blos zum Gelderwerb gegeben werden“. Der
Virtuose reist in der Regel, um Geld zu verdienen.
Die musikalischen Institute, bei welchen der tiefere künst
lerische Gehalt als Hauptsache, die echte Kunstpflege als
Selbstzweck erscheint, sind die stehenden Orchester-, Chor- und
Kammer-Concerte. Die Virtuosen-Concerte als solche waren es
niemals. Nur vereinzelte Virtuosen gab es und wird es hoffentlich
immer geben, welche die höchsten Ziele der Kunst verfolgen,
und diese werden auch künftig allein reisen. Die Ullman’schen
Stelle der großmüthigen Aristokraten und Bankiers ist jetzt
das große Publicum getreten, und alle geschäftliche Thätigkeit
und Berechnung concentrirt sich in der Person des Unter
nehmers. Indem dieser, als Geschäftsmann von Fach, seine
Aufgabe überdies mit mehr Geschick und Erfolg löst, als der
Künstler es vermöchte, so befördert er gleichzeitig das Interesse
seines Geschäfts, der Virtuosen und des Publicums.
Dies wären etwa die Gesichtspunkte, welche für die viel
angefeindete Form der Associations-Concerte sprechen. Wir
geben sie lediglich als Thatsachen und ohne einen ungebühr
lichen Nachdruck darauf zu legen; der Leser möge sie nach
Gefallen abwägen, allein erwägen muß sie, wer über das
Ganze urtheilen will. Wir erblicken in diesen Associations-
Concerten eine neue, interessante Culturerscheinung, die aller
dings nur aus dem leidigen Geschäftsgeist der Gegenwart sich
herausgebildet hat, aber auch erst bei der jetzigen Vervollkomm
nung des Weltverkehrs und der imposanten Masse des mo
dernen Publicums möglich ward. Sie tritt mit einer Sicher
heit und einem Erfolg auf, die ihren Einfluß auf die künftige
Gestaltung der Virtuosen-Concerte außer Zweifel setzen.
Nachschrift. Soeben hat das erste „
einen großen Erfolg errungen. Die dichtgefüllten Räume des
großen, vortrefflich hergerichteten Dianasaales boten einen
festlichen Anblick. Carlotta Patti eroberte na