Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Henri Murger, der humoristische Poet des
Von einem ästhetischen Aufnehmen und Genießen kann
man kaum mehr sprechen, wo es sich in erster Linie um die
Frage des „Aushaltens“ handelt, und deßhalb beeilen wir
uns, um eine ausgiebige Kürzung der „
zu bitten. Die Componisten der großen fünfactigen Opern
wüthen gegen ihr eigens Fleisch; trotz aller nachträglichen
Reductionen bewirken sie doch nur, daß das Publicum ent
weder erst zum zweiten Act erscheint, wie in
dem fünften fortgeht, wie in
beide Mittel combinirt. Nun ist aber ein vorzeitiges Ermü
den und Abstumpfen der Zuhörer in der „
ganz besonderem Nachtheil, weil gerade die beiden letzten Acte
dieser Oper die weitaus besten sind. Man wird sich zu einer
recht heroischen Operation der drei ersten Acte entschließen
müssen, wenn man den Eindruck der beiden letzten retten
will, und deßhalb entschließe man sich lieber rasch. Im ersten
Act sind zahlreiche kleinere Striche möglich, im zweiten wür
den wir ohneweiters das „Schlummerlied“ opfern, als einen
der schwächsten Momente der Partitur, sowie unserer sonst
so verdienstvollen „
und Landkarten-Duett vertrüge ein verkleinertes Format. Der
dritte Act könnte mit dem Gebet „O grand saint Domini
que“ beginnen, gleich zur Ballade
von dem Duett zwischen
tungs- und den Schlußsatz bringen. Im vierten Acte kann
kaum etwas wegbleiben, wol aber im fünften der sehr ge
quälte Cis-moll-Satz des Frauen-Duetts. Durch diese Am
putationen wäre die „
kürzt und ihre Lebenskraft um Jahre verlängert.
Vergegenwärtigen wir uns die Handlung der Oper in
ihren wesentlichsten Umrissen. Der Dichter (
sie an die welthistorischen Entdeckungsfahrten der Portugiesen
längs der Küste von
15. Jahrhunderts begonnen, durch Bartolomeo Diaz
heim) und
Der zweite Act spielt im Kerker.
hindert den Meuchelmord, den der wilde
weißen Nebenbuhler begehen will. Da tritt
hat die Freiheit des Geliebten mit dem schwersten Opfer er
kauft, durch ihre Vermälung mit
Pläne
der ihm drei Schiffe zu der Entdeckungsreise bewil
ligt habe.
dem er in voreiliger Großmuth
Sklaven an
Der dritte Act spielt auf hoher See, in den Cajüten
und auf dem Verdeck von
von den drei Fahrzeugen, das ihm geblieben ist; der treulose
es den Klippen der ihm bekannten Insel (
gegen.
ausgerüstet und dem
er eilt zu
zu warnen. Eben will
buhler zum Dank für dessen Warnung erschießen lassen, als
das Schiff krachend auf eine Klippe auffährt und zahllose
Indianer mit wildem Kriegsgeschrei den Bord erklimmen, die
ganze Besatzung theils niedermetzelnd, theils gefangen nehmend.
In
rend ans Land.
Im vierten Acte sehen wir die Eingeborenen der räthsel
haften Insel ihrer jungen
einzige von den noch übriggebliebenen
nern, soll geopfert werden;
barischen Fremdengesetz, indem sie sich als seine Gattin erklärt
und
er aber schwört ihr ewige Liebe und Treue und führt sie,
von Priestern und Bajadèren geleitet, zur Hochzeitsfeier,
während aus der Ferne die Stimme
giesisch
Im Anfang des fünften Actes stehen sich die beiden Neben
buhlerinnen,
Resignation wetteifernd.
Zusammenkunft mit
hehlen, daß dieser nur durch Pflicht und Dankbarkeit sich an
die
und
giesisch
beschließt zu sterben, und begibt sich auf das Vorgebirge, wo
der Blüthenduft des Manzenillobaumes sein tödtliches Gift
aushaucht. Während am Horizont die Flagge von
absegelndem Schiff auftaucht, kehrt
zu spät, um sie zu retten. Er gibt sich den Tod zu ihren
Füßen.
Wer von dem Textbuch einer großen Oper Höheres ver
langt, als die Geschicklichkeit musikalischer und decorativer
Gelegenheitsmacherei, der muß
den für ein mittelmäßiges Werk erklären. Gegenüber den hand
greiflichen Mängeln und Schwächen dieses Librettos kommt
die Kritik höchstens in die Verlegenheit, wo anzufangen. Die
früheren Textbücher
unter der Last unmotivirter äußerlicher Effecte und innerer
Widersprüche, aber es lag ihnen doch eine bestimmte leitende
Idee zu Grunde, sie arbeiteten, gleichviel mit welchen Mit
teln, von einem Centrum zur Peripherie hin. In der „
kanerin
— der Schilderung exotischer Länder und Menschen — das
Centrum gesucht. Die Handlung hat keine zusammenhaltende
ideelle Einheit. Die Oper exponirt sich in großen historischen
Verhältnissen; die Interessen des Staates, der Wissenschaft,
der Weltcultur stehen allein im Vordergrund und machen
sich gegen den Fanatismus der Unwissenheit und Ortho
doxie geltend. Noch im zweiten und dritten Acte ist
der kühne Seefahrer, wenngleich sein Heldenthum durch
jämmerliche Nebenumstände schon einen gemischten Eindruck
macht. Zwischen den drei ersten und den beiden letzten Acten
klafft aber in der dramatischen Entwicklung ein förmlicher
Riß. Die weltgeschichtlichen und nationalen Interessen sind
abgethan, wie die Portugiesen in
Handlung verschrumpft zu einer rein individuellen Liebes- und
Großmuthsgeschichte. Den Charakteren fehlt Energie, logische
und sittliche Wahrheit. Der historische Vasco de
zum gewöhnlichen Opernhelden zugerichtet und benimmt sich
selbst als solcher ungewöhnlich gewöhnlich. Er wird weniger
zwischen zwei Welttheilen als zwischen zwei Frauen hin- und
hergeworfen, von denen er stets diejenige liebt, mit welcher er
sich gerade allein befindet. Schon im Kerker behandelt er
„Du bleibst bei mir in Leid und Freud’, bald wird
uns lachen die glücklichste Zeit,“ ruft er aus,
ans Herz drückend. Zwei Minuten später verschenkt der
Edle seine
Sklavin an
das Schiff seines Feindes, nur um die blauäugige
zu retten. Der vierte gehört wieder den schwarzen Augen.
Da taumelt
mein! Ewiglich! Vor meinem Gott, vor deinem Gott!“ und
was der schönen Dinge mehr sind. Am selben Tage fährt er
sans adieux mit
sal. Edler und verständiger ist jedenfalls die zweite Haupt
person,
eine thränenreiche Personification passiver Liebe und Groß
muth. Dieser Charakter stürzte den Dichter und noch mehr
den Componisten in einen andern ungelösten Widerspruch.
Die „
zu den Europäern erscheinen, ein ungebändigtes Naturkind,
naiv, großherzig, exotisch. In der Ausführung reducirt sich
diese Charakteristik beinahe auf die braune Schminke
und den wallenden Federschmuck; was sie thut, spricht und singt,
ist im Grunde so
modern wie
aus der Rue Lepelletier. Schärfer individualisirt ist von allen
Personen nur Nelusco, treu und zartfühlend gegen seine
Allen Charakteren, wie der ganzen Handlung sieht man
auf den ersten Blick an, wie der Dichter sie keineswegs aus
einem lebendigen Keime wahr und einfach entwickeln wollte,
sondern nur darauf bedacht war, möglichst viele contrastirende
Situationen, aufregende Momente und spannende, raffinirte
Details aneinanderzureihen. Was bleibt also an der gan
zen dramatischen Dichtung? Eine Anzahl effectvoller, bunt
wechselnder Scenen, geschickt verbunden und hübsch versifi
cirt
Manche Stellen des Originals haben mehr Wärme und
Wohlklang, als man gewöhnlich in Operntexten antrifft. Dies gilt
namentlich von
nehmen:
Schade, daß die Schlußworte des unsichtbaren Chors in der
von erprobten Bühnentalenten fordern können und müssen.