Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Während bereits der letzte Schnee des Concert
winters vor den Strahlen der Ostersonne schmilzt, geht durch
die musikalischen Kreise
keit und Bewegung ganz eigener Art. Sie gilt dem in wenig
Tagen stattfindenden 50jährigen Jubiläum des Ober-Cantors
am Salomon Sulzer. Die Kunst
Ich selbst habe
seiner Stimme und überhaupt nur zweimal gehört: bei der
Einweihung des neuen Tempels in der
der Hochzeit der schönen Fanny
mir sein noch immer klangreicher Bariton und seine schwung
volle Vortragsweise einen tiefen Eindruck. Dieser Vortrag, in
welchem vom leisesten Atemzug bis zum mächtigsten Ton
sturm jede Note — jede Pause möchte man fast sagen — tief
aus dem Innersten kam, den Reiz des Fremdartigen mit der
Ueberzeugungskraft wahrer, glühender Andacht verbindend, er
mußte Jedermann, weß Glaubens und Vaterlandes immer,
unwiderstehlich fesseln und erregen. Das war tönendes Feuer,
etwas überlodernd und qualmend vielleicht — jedenfalls der
lebendigste Gegensatz zu jenem mechanisch gleichmäßigen Ab
singen ritueller Formeln, das in anderen Culten Styl und
Vorschrift geworden. Ein zerknirschtes Aufseufzen, ein begei
stertes Emporjubeln zu Gott, stets mit dem vollen Aufgebot,
der Empfindung und gleichsam gespornt durch den Gedanken,
mit der Wahrheit jedes einzelnen Tones für die ganze Ge
meinde, ja für ganz
ein wunderbar ergänzendes und erläuterndes Seitenstück an
dem seither verstorbenen Prediger Mannheimer. Der alte
Liszt erzählt in seinem Buche „
Die Wirkungen des Sängers, wie alle höchstpersönlichen,
erlöschen mit dem Individuum; nur in der Erinnerung der
Zeitgenossen und den Bestrebungen der Schüler schlummern
sie wie unter einem Schleier fort. Sulzer hat dafür gesorgt,
nigen Chören, sowie in vielen der recitativartigen Einzelge
sänge des Cantors hat der Componist ältere, im jüdischen
Gottesdienst zu besonderer Bedeutung gelangte Melodien zu
Grunde gelegt.
Bei einem der ältesten Themen gibt uns
schauung der altjüdischen Notirungsweise („Neginah“), die, in Form
von kleinen Häkchen, Punkten und Strichen über den Wörtern an
gebracht, die größte Verwandtschaft mit den altchristlichen Neumen
hat. Indem das Hebräische zeilenweise von rechts nach links gelesen
wird, so ist es einer Notirung nach unserem Musiksystem eigentlich
unzugänglich. Im „
in hebräischen, der ganze gesungene Text hingegen in lateinischen Buch
staben ausgesetzt.
Ein hohes Alter nehmen übrigens selbst diese Reliquien
nicht in Anspruch; die ältesten jüdischen Melodien reichen
nicht über 400 Jahre. Bei dem hohen Alter und der stren
gen Zucht der jüdischen Traditionen, zumal im Gottesdienste,
wäre es gerade kein Wunder, wollten die Juden ihre älte
sten Melodien bis zu
Tempelmusik, zurückgeführt wissen. Um so rühmlicher und
redlicher handelt Sulzer, indem er jede derartige Träu
Eine ins Einzelne gehende Würdigung des
Werkes müssen wir uns an dieser Stelle versagen, wäre sie
doch ohne Notenbeispiele auch kaum von Nutzen. Nur einige
allgemeinere Bemerkungen seien hier noch gestattet. Der
zweite Theil des
dem modernen Ton- und Modulations-System angehörig,
läßt ein eigenthümliches
vermissen. Mit voller Anschaulichkeit tritt dasselbe allerdings
erst heraus, wenn die Note durch den charakteristischen na
tionalen Vortrag belebt und individualisirt wird. Aber auch die
Note an sich trägt diesen Typus: wir finden ihn in dem
Vorwiegen des Recitativischen, das im Munde eines Cantors,
wie
nimmt; in gewissen rhythmischen, harmonischen, vorzüglich
aber melodischen Grundzügen, wiederkehrenden Cadenzen und
Schlußformeln. Ein namhafter neuerer Musik-Historiker geht
offenbar zu weit, wenn er dem jüdischen Synagogal-Gesang
einen original-jüdischen Charakter aus dem Grunde abspricht,
weil die Juden seit ihrer Zerstreuung über den
überall dem modernen Adoptivlande sich assimiliren, so daß
die Musik der
der
dem Gottesdienste der
Juden beizuwohnen (in
um durch alle Verschiedenheiten hindurch das überwiegend Ge
meinsame in ihrem Gesange wahrzunehmen. Und dies Ge
meinsame ist eben der specifisch
mehr an arabische,
an die Nationalmusik der Deutschen, Portugiesen und
Polen.
Wie sehr erinnert z. B. das
liches bei
Verwandtschaft der jüdischen mit der arabischen Gesangweise bestätigt
uns (von älteren Sammlungen abgesehen) ganz neuerdings das Werk
von Alexandre Christianowitsch, „
Lebt doch im jüdischen Volke neben dem Charakterzug der
Assimilirung der noch stärkere eines zähen Festhaltens an den
nationalen Sitten und Traditionen. Am stärksten wirkte er
in den unteren Volksclassen, und diese sind überall die treue,
alte Garde der Religiosität. So dürfen wir denn auch im
„
Gesangs, einen nationalen Grundton anerkennen. Die Ge
sänge sind durchaus vocal, ohne Instrumental-Begleitung,
und werden vom Cantor theils allein, theils gemeinsam mit
dem Chor vorgetragen. Letzterer ist ein geschulter Sängerchor
von Männern und Knaben; die Nichtbetheiligung der Ge
meinde, sowie die Ausschließung der Frauen vom Tempelge
sang steht in strenger Uebereinstimmung mit dem alten
monisch
fender Wirkung sind die (an unsere katholischen Responsorien
mahnenden) Wechselgesänge zwischen dem Cantor und dem
Chor; jener beginnt allein mit einem kräftigen Motiv —
die häufigen Intonationen vom Grundton in die Quinte ge
ben ihm den Charakter des Rufenden, Emporschwingenden — der
Chor erwidert in kürzeren oder längeren vierstimmigen Sätzen.
Einige Chöre hat
damit thatsächlich gegen allzu orthodoxe Stimmen für das
Recht der Orgel in der Synagoge plaidirt. In großen Räu
men ist dies Instrument zur Unterstützung und Ausfüllung
reiner Vocalmusik nahezu unentbehrlich; sein universal reli
giöser Charakter eignet es für jeden monotheistischen Cultus.
Historisch dürfen die Juden überdies auf ihre „Magrepha“
und „Maschrokita“ pochen, die, primitiv und bald überwunden,
doch immerhin Orgeln waren. Dem christlichen Abendlande
verdankt die Orgel ihre Ausbildung, aber nicht ihre Herkunft.
Das musikalische Verdienst
des Kenners gesteigert durch viele eigenthümliche, in der
Sprache wie im Ritus begründete Schwierigkeiten. Die Me
lodie muß allezeit dominiren, die Stimme des Cantors dem
Chor stets voraus und überlegen sein, kein Wort darf wieder
holt werden. Die Texte entbehren jeglicher Strophen-Architek
tonik und fügen sich schwer dem musikalischen Tact und
Periodenbau; dazu treten die strengsten Ansprüche auf die
Beachtung der überaus schwierigen Prosodie des Hebräischen.
Wir glauben, daß kein Musiker den neuen Band des
Sulzer’schen „