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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nichts Besseres vermöchten wir unseren
sch
schen, als daß keine der
ungehört und ungenützt vorübergehen möge. Wer es bislang
nicht gewußt oder nicht geglaubt, was den
fehlt, dem wird es durch die sich ununterbrochen aufdrängende
Vergleichung mit den Italienern jetzt zur Klarheit gediehen
sein: die Herrschaft über die Gesangstechnik. Nicht an ein
zelne Künstler des Hofoperntheaters denken wir dabei, ja nicht
einmal an dieses, andere Bühnen noch weit überragende In
stitut selbst, sondern an die
für prachtvolle Stimmen finden wir bei ihnen, welche Schätze
an musikalischen und dramatischen Anlagen — und dennoch,
welch mangelhafte, dilettantische Ausbildung dieser Kunstmit
tel. An allgemeiner wissenschaftlicher Bildung dürften unsere
Landsleute den
theils überlegen sein, in der für den Künstler unentbehrlichsten, der
technischen, stehen sie weit hinter ihnen zurück. Die
sch
rige, ernste Kunst, die sorgsam erlernt sein will; die
begnügen sich meist mit der Stimme, dem Talent, der Rou
tine und einer vornehmen Abneigung gegen Gesangsstudien.
Die technische Ausbildung des Materials — nicht das Letzte,
aber das Erste und Unentbehrlichste in aller Kunst — liegt in
dem ernsten Willen eines Jeden; deßhalb soll die Kritik an
einem so auffallenden Beispiel wie unsere
nicht stillschweigend vorübergehen. Wir zum mindesten glau
ben mit solchem Fingerzeig eine Pflicht zu erfüllen, wohl wis
send, daß er uns keine Rosen tragen wird.
Das Lob der Gewissenhaftigkeit und ernsten Berufstreue,
das den Deutschen allgemein gespendet wird, erleidet in Be
zug auf die
„Ich kenne keine fremde Bühne, welche an sorgfältiger Vor
bereitung des Kunstmaterials unsere
überträfe,“ sagt Laube in seinem trefflichen
ein ungleicher Wechsel glänzender und mittelmäßiger Momente,
Beides mit einem leichten Anflug von Zufälligkeit. Dort
bejahrte Tenoristen, deren Stimme durch sorgsame Pflege
den schönsten Wohllaut bewahrt hat, hier junge Sänger mit
vorzeitig brüchigem, unsicheren Organ. Bei Franzosen und
Italienern Alles gefeilt, in sich fertig und wirksam, bei den
Deutschen das Meiste in kühnem Sichhineinstürzen bald er
reicht, bald verfehlt. Mit diesen allgemeinen Bemerkungen
wollen wir natürlich weder rühmliche Ausnahmen leug
nen, noch den Sängern allein die Schuld an diesem
weithin herrschenden Zustande aufbürden. Das
Publicum macht leider an die Gesangskunst seiner Opern
sänger, auch der kostspieligsten, geringe Ansprüche und erläßt
diesen die jahrelangen mühevollen Studien, die es von jedem
erträglichen Instrumental-Virtuosen fordert. So haben wir
einerseits das Publicum als Mitschuldigen. Andererseits ist
die Vernachlässigung technischer Meisterschaft ein Charakter
zug, der sich analog auch in anderen Gebieten
Kunst äußert, und manchmal unsere genialsten Erfinder und
Denker weit hinter dem Einflusse zurückbleiben läßt, welcher
ihren Ideen gebührt, und den ihre
oft erringen. Unter den gefeierten
welche geben, die nicht eine Hand correct zeichnen können.
„Es gibt Maler und Malenkönner,“ erwiderte einmal
gereizt einer der geistreichsten von ihnen, „ich bin Maler.“
Wir glauben, man solle Beides sein. In der Oper gibt es
Sänger und Singenkönner, — Letztere sind selten Deutsche.
Verlassen wir für heute dies Thema, um dem erfolgrei
chen Gastspiele Fräulein Stehleʼs einige Worte zu widmen.
endlich ein intensives dramatisches Talent. Gewiß eine Ver
einigung von Gaben, die für sich schon äußerst werthvoll
und an einer ganz neu auftauchenden Erscheinung von bei
nahe blendender Wirkung ist. Dieser Anerkennung mußten wir
leider im vorigen Jahre jedesmal einiges Bedauern über die
lückenhafte, naturalistische Gesangsbildung Fräulein
beimischen. Wir konnten nach ihren effectvollsten Rollen nicht ver
schweigen, daß hier die Gesangskunst nicht auf der Höhe des Talentes
stehe. Die schwere, dumpfe Tonbildung, der Mangel an
Klangschattirungen, die Ungelenkheit der Coloratur, das
Hinüberziehen der Intervalle mittelst falscher Vorschläge, die
Gewaltsamkeit der hohen Töne — alles das haben wir in
Fräulein
wiedergefunden. Die Hoffnung, die wir am Schluß ihres
letzten Gastspieles aussprachen: es möge uns die reichbegabte
Künstlerin bald als Meisterin im Gesang wiederkehren, hat
sich bis jetzt nicht erfüllt. Ja, ihre
Partie) stand als Gesangsleistung sogar entschieden unter je
der ihrer vorjährigen Rollen. Hier wurde das seufzende
Hinüberschleifen der Töne, verbunden mit jenen nachdrückli
chen Accenten, welche Fräulein
len liebt, manchmal zur förmlichen Wehklage. In der Bal
lade vom „fliegenden
sie, um für das G bequem Athem zu schöpfen, thatsächlich
im Sieben- statt im Sechsachteltact) mißlang die einfache
Verbindung der drei Noten F, G, F im Refrain jedesmal,
in dem großen Duett mißlang das hohe H jedesmal. Die
Es-dur-Romanze des
denselben Mangel an ruhiger, correcter Tonverbindung wie
im vorigen Jahre. Wir sprechen hier absichtlich gar nicht
vom eigentlichen Coloratur- und Bravourgesang, weit enfernt,
von einer
tuosität zu erwarten. Warum jedoch eine Sängerin von
Stimme, Gehör und musikalischer Bildung nicht sollte eine
viertactige einfache Melodie ebenso correct vortragen können,
wie unsere Italiener, ist nicht einzusehen. Wie auffallend
stachen in dem kleinen Quintett aus „Così fan tutte“ (im
Mozart-Concert) die wenigen Noten Calzolariʼs und
Das glänzende Darstellungstalent der Künstlerin haben
wir im vorigen Jahre rühmend hervorgehoben, doch nicht
ohne die freundschaftliche Warnung, Fräulein
vor der Häufung und Ausklügelung mimischer „Intentionen“ und
vor dem Fehler des Zuvielspielens hüten. Daß diese Besorg
niß nicht ganz ungegründet war, zeigten diesmal
Schluchzen in der Domscene, die lange, stumme Bravour
mimik vor dem Eintritt des
Uebertreibungen des Pagen
aber übertriebene Effecte, die wir
ten. Es gehört unstreitig viel Talent dazu, um derlei machen
zu können, aber auch schon ein bedenklich künstelndes Talent,
um sie wirklich zu machen. Daß solche Details zum großen
Theil auf dem Wege der Reflexion nachträglich hineingezeich
net sind, glauben wir unter Anderm aus der „
zu entnehmen, welche Fräulein Stehle erst ein einzigesmal (in
liche Leistung voll schöner Effecte und ihr Erfolg um so gewichti
ger, als jede Nachfolgerin der Bettelheim hier einen schwe
Wir hoffen, Fräulein Stehle und ihre