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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Leser, welche uns kürzlich auf unserem
Friedhofsgang durch die Reihen verblichener patriotischer
Concerte freundlich begleiteten, entsinnen sich, daß diese
politisch-musikalischen Demonstrationen sich meistens Wohl
thätigkeits-Akademien zu ihrem Schauplatz erwählt hatten.
Schon bei dieser Specialität mußte die große Zahl der zu
wohlthätigen Zwecken gegebenen Concerte auffallen. In der
That bilden seit dem Anfang dieses Jahrhunderts die Wohl
thätigkeits-Akademien einen integrirenden Bestandtheil
Als eines der erfolgreichsten Mittel, die allgemeine
Mildthätigkeit in Anspruch zu nehmen, hat man in
seit jeher auch die Concerte verwendet. Wir erinnern, daß
bei der Gründung der „Gesellschaft der Musikfreunde“ diese den
humanitären Zweck ihrer Bestrebungen fast ebenso stark als den
künstlerischen betonte; eine Rücksicht, die sich im Laufe weniger
Jahre allerdings verlor, da die erste Sorge der Gesellschaft die
sein mußte, selbst fortzubestehen und die Kosten ihrer großen
Concerte aus dem Ertrag zu decken. Ein Wohlthätigkeitszweck,
der ausnahmsweise die musicirenden Concertgeber selbst an
ging, hat auch die „Tonkünstler-Societät“ und deren Con
certe ins Leben gerufen. Die vier jährlichen Akademien dieses
Vereins für den Witwen- und Waisenfonds der Musiker
waren die ersten stehenden („festgesetzten“) Concerte in
hunderts hinaus. Kaum hatte ein öffentliches Concertleben
sich zu bilden begonnen, als einzelne, besonders begünstigte
Wohlthätigkeits-Institute das Vorrecht errangen, alljähr
lich eine Akademie zu ihrem Vortheil zu veranstalten, d. h.
von mildthätigen Künstlern aufführen zu lassen. Die beson
dere Begünstigung bestand in dem Monopol der betreffenden
Akademie auf einen bestimmten theaterfreien (Norma-)Abend
und auf die Benützung eines der beiden Hoftheater oder des
kaiserlichen Redoutensaales.
Das erste dieser Institute war der sogenannte „Hof
theatral-Armenfonds“, d. h. die Versorgungskasse armer
Für den „Bürgerspitalsfonds“ (Versorgungs
haus zu
jährlich eine Akademie statt; die erste im Jahre
Joseph Haydn die „
chenregiments den lange innegehabten ersten Weihnachtsfeier
tag; nach verschiedenen Provisorien ist sie jetzt definitiv in das
Hofoperntheater und zwar auf den Norma-Abend des Feiertags
Mariä Verkündigung verlegt. Die Concerte für das Bürger
versorgungshaus standen in großem Ansehen und erfreuten sich
in künstlerischer wie in pecuniärer Hinsicht vieler Berücksichti
gung. Der
der unaussprechlichen „Bürgerspitals-Wirthschafts-Commis
sion“ besondere Auszeichnungen an Künstler, deren Mitwir
kung bei diesen Akademien sich vorzugsweise ersprießlich ge
zeigt hatte; so erhielt der Hofopernsänger Weinmüller das
Regelmäßig war auch die jährliche Akademie für die „öffent
lichen Wohlthätigkeits-Anstalten“ (bald nach Beginn
Neben den Bürgerspitals-Akademien waren die ange
sehensten jene der „Adeligen Frauen“. Der hohe Rang
der Gründerinnen, der Schutz des Hofes, endlich auch der
etwas weitere und freiere Gesichtskreis in ihren Humanitäts
zwecken verhalf dieser Gesellschaft zu besonderem Ansehen und
ihren Akademien — am Aschermittwoch jeden Jahres im
Kärntnerthor-Theater — zu glänzenden künstlerischen Illustra
tionen. „Die Gesellschaft der adeligen Frauen zur Beförde
rung des Guten und Nützlichen“ (so lautete ihr voller Titel)
wurde im Jahre Sonnleith
gemachten Plan gegründet. Die Fürstinnen Caroline
Die gewöhnlichen Locale für die größeren Wohlthätig
keits-Akademien waren die beiden Hoftheater und die Redou
tensäle, da der kaiserliche Hof sie zu diesen Zwecken unent
geltlich einräumte. Einige Wohlthätigkeits-Concerte hingen
durch ihre Widmung mit dem schönen, der Musik äußerst
günstigen Universitätssaal zusammen, der sich aus
nahmslos nur „wohlthätigen“ Productionen erschloß. Dazu
gehörte vornehmlich die alljährliche Akademie für „Witwen
von Mitgliedern der juridischen Facultät“, meist von Di
lettanten ausgeführt und in der Regel vom Hofsecretär I.
Mosel dirigirt. Ihre Programme zeichneten sich vor jenen
Im Universitätssaal fanden auch durch einige Jahre
Concerte für die Witwen medicinischer Facultätsglieder
statt, sowie alljährlich eine Akademie für das „Hand
lungs-Kranken-Institut“, d. h. für mittellose Kranke
Es dürfte unsern Lesern aufgefallen sein, daß man von
kirchlicher Seite gegen die Wohlthätigkeits-Concerte ehemals
weit liberaler vorging als gegenwärtig. Am Aschermitt
woch, am
Nur der sehr drückenden Folgen müssen wir erwähnen,
welche diese plötzliche kirchliche Correctheit für die „Tonkünst
ler-Societät“ herbeiführte. Dieses Institut hatte seit
seiner Gründung (
Akademien gegeben, und zwar an den von
ihm ausdrücklich zugesicherten theaterfreien Tagen des Palm
sonntag und -Montag, des 22. und 23. December.
Da kam der Societät aus heiterem Himmel eine a. h.
Entschließung vom 12. October alle Aka
demien an Normatagen verbot, und dazu gehörten
Nach mehreren Audienzen der Vorstände bei dem Kai
ser
tag des Kaisers
räumt, so daß die Pensions-Gesellschaft durch volle zehn
Jahre (
Gleich nach der Thronbesteigung des Kaisers Ferdi
wendete sich die „Tonkünstler-Societät“ an diesen Mon
Was die künstlerische Physiognomie der Wohlthätig
keits-Concerte betrifft, so charakterisirte sie sich weniger durch
Classicität, Ernst und Uebereinstimmung, als durch sinnlichen
Reiz und große Quantität des Gebotenen. Zwölf bis vier
zehn Stücke bildeten in den Zwanziger- und Dreißiger-Jah
ren das übliche Maß eines solchen Programms. Es begann
mit einer Orchester-Ouverture, darauf folgten in buntem Ge
misch mehrere Declamations-Stücke, vier bis sechs Gesangs
nummern, meist
Solo-Concertstücke für Clavier, Geige, Cello, Flöte oder Horn;
zum Schlusse endlich wieder eine Ouverture, seltener ein oder
zwei Symphoniesätze oder ein Chor.
Etwa vom Jahre Tableaux oder
„Mimisch-plastische Darstellungen“ einen fast unentbehrlichen
Bestandtheil solcher Akademien. Die „Gesellschaft adeliger
Damen“ wählte hiezu (
berühmten Gemälden: „ Ra
, „
„Diese Bilder — wie sie Goethe in den „
schichte der bildenden Künste. Die Schröder führte in einer
Declamationsstücke waren früher ein unentbehrlicher
und stark vertretener Bestandtheil jeder Wohlthätigkeits-Aka
demie. In dem Zeitraum von
allen Akademien so viel declamirt, daß das Publicum dessen
müde war. „Gottlob, endlich einmal eine Akademie ohne
Kunstredner!“ ruft die
cert des Violinspielers Pixis (
Gegenwärtig ist die Declamation aus den eigentlichen Con
certprogrammen beinahe gänzlich verschwunden und selbst in den
Wohlthätigkeits-Akademien nur sehr mäßig vertreten. Decla
matoren, welche als solche Akademien geben, wie ehemals
Theodor v. Sydow, sind seit dreißig bis vierzig Jahren
Aehnliches mit der „Vorlesung“ eingeführt, die er alljährlich
zu einem wohlthätigen Zweck ohne jegliche fremde Unter
stützung abhält.
So sehr auch die Wohlthätigkeits-Akademien jederzeit auf
bunte Zusammenstellung bedacht waren, so brachten sie doch
in den Jahren
bildeten mitunter die Stätte, wo neue Werke
ihren ersten Einzug in die Welt hielten oder ihn zuerst wie
derholten.
Czerny) in
So lange es in stabile Orchester-Concerte gab (Gesellschafts- und
Spirituel-Concerte, philharmonische) hatten die Wohlthätig
keits-Akademien eine weit größere musikalische Bedeutung.
Componisten und Virtuosen ersten Ranges, welche jetzt ge
eignetere Schauplätze ihres Auftretens finden, benützten ehe
dem mit Freude die Wohlthätigkeits-Akademien, welche ihrer
seits wieder sich um gediegene Musik bekümmern mußten, so
lange davon dem Publicum anderwärts nichts oder sehr we
nig geboten war. In dem Maße nun, als später große sta
bile Orchester-Concerte die Pflege classischer Musik übernah
men und vervollkommneten, warfen sich die Wohlthätigkeits-
Concerte auf das äußerlich Lockende, Leichte und Bunte;
glänzende Oberflächlichkeit wurde ihnen nunmehr Princip und
Specialität. In diesem Genre erlebten sie ihre Glanzperiode
in den Dreißiger-Jahren, unter der vereinten Pathenschaft der
Virtuosen, der