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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wir hatten den Feldzug redlich mitgemacht.
Nicht durchgekämpft, aber durchgelitten. Es gibt Mißgeschicke,
die tiefer treffen als eine Gewehrkugel, und Wunden, welche
nicht schmerzloser sind, weil sie nach Innen bluten. Auch das
Herz hat seine Blessirten. Vielleicht war ihre Zahl größer
unter uns friedlichen Männern, als in den Feldlazarethen
der Armee.
Seit den ersten Atemzügen des Krieges hatte keiner von
den Freunden an Musik gedacht, die theure, mitunter einzige
Gefährtin unserer Tage. „Rast dieses Volk, daß es dem
Mord Musik macht?“ riefen wir unwillkürlich mit Rudolph
v.
offenem Fenster lärmte. Die Ruhe des Waffenstillstandes, das
Trostgefühl des immer näheren, immer gewisseren Friedens
legte sich allmälig wie eine linde Hand besänftigend auf den
brennenden Kopf, das tobende Herz. Nicht die stille Belage
rung der Sorge, aber das Kreuzfeuer der Telegramme und
Gerüchte hat endlich ausgelobt, und es bringt jeder Morgen
wenigstens nicht ein neues Unheil. Eine gewisse müde und
doch wohlthuende Abspannung bemächtigt sich der Geister.
Das ist der Moment, wo das aufathmende Gemüth sich wie
der nach der Kunst zu sehnen beginnt, wie der gerettete
Kranke nach dem Sonnenlicht.
Wir Freunde hatten den ganzen Spaziergang hindurch
Politik getrieben, Vergangenes und Künftiges erwägend, er
duldend. An der Hausthür angelangt, war es uns, als könn
ten wir nicht so scheiden. Fast schüchtern regte sich die Frage,
ob wir nicht ein wenig Musik machen sollten? Es lag ein
Paket Novitäten auf meinem Clavier, uneröffnet, wie seit
geraumer Zeit dieses selbst. Nicht ohne freudige Bewegung
gingen wir an die kleinen Vorbereitungen; der Eine
öffnete das Paket, der Andere das Piano. Es
verstand sich von selbst, daß mit vierhändigem Spiel der An
fang gemacht werde. Ist es doch die intimste, die bequemste
und in ihrer Begrenzung vollständigste Form häuslichen Mu
sicirens. Sie ist jünger, als unsere Generation wähnt, und
verdankt der rapiden Verbreitung des Clavierspiels, der Er
weiterung und Vervollkommnung der Pianofortes ihren Auf
schwung. Das Streichquartett, Trio oder Quintett, das sonst
in keinem gut musikalischen Haus fehlte, ist dadurch verdrängt;
ein Verlust ohne Zweifel, doch kein Nachtheil für die best
mögliche Kenntniß der Orchester-Literatur auf der eigenen
Stube. Wenn man die Musikalien-Kataloge aus
und
samkeit durchblättert, so begegnet man kaum Einem vierhän
digen Arrangement auf Dutzende von Bearbeitungen für drei,
vier und fünf verschiedene Instrumente. Auch
erste Symphonien waren längst für Streichquartett arrangirt,
ehe man sie vierhändig zu setzen begann. Heutzutage bringen
unsere Concerte keine Ouvertüre, keine Symphonie, die man
nicht sofort im vierhändigen Arrangement vorkosten oder nach
genießen kann. Eine Quelle von Vergnügen und Belehrung
fließt den Musikfreunden aus diesem bescheidenen Gebiete zu.
— „Wer ist Ihr Vierhändiger?“ fragte mich einst ein pas
sionirter Dilettant. Seine kühne Wortbildung, so ganz die
Persönlichkeit negirend und blos die musikalische Nützlichkeit
betonend, schien mir so übel nicht. Ein rechter „Vierhändiger“
ist ein Inbegriff von soliden Eigenschaften, er steigt im
Werthe, je weniger er zweihändige Prätensionen macht. Nicht
Jedermann kann eine Frau, eine Geliebte, einen Herzens-
und Geistesfreund sein nennen, aber „einen Vierhändigen“
sollte jeder Sterbliche besitzen, gleichsam als engagirten Tänzer
für die musikalische Lebenszeit.
Mein Vierhändiger also ergreift das Notenpaket, hebt
ab wie im Kartenspiel und liest überrascht auf einem Hefte
die Aufschrift: „ Walzer zu vier Händen von
sonst hat dieser feine Organismus sich Jahr und Tag
der leichten, wohligen Luft
„
bert
Zigeunermusik nachgeklungen haben, dazu die hübschen Mäd
chen, der feurige Wein, die waldgrünen Höhen und was sonst
noch. Wer Antheil nimmt an der Entwicklung dieses echten
und tiefen, bisher vielleicht einseitigen Talentes, der wird die
„Walzer“ als glückliches Zeichen einer verjüngten und er
frischten Empfänglichkeit begrüßen, als eine Art Bekehrung
zu dem poetischen Hafisglauben
Tanzmusik wird natürlich Niemand erwarten: Walzer-Melodie
und -Rhythmus sind in künstlerisch freier Form behandelt und
durch vornehmen Ausdruck gleichsam nobilisirt. Trotzdem stört
darin keinerlei künstelnde Affectation, kein raffinirtes,
den Total-Eindruck überqualmendes Detail — überall herrscht
eine schlichte Unbefangenheit, wie wir sie in diesem Grade
kaum selbst erwartet hätten. Die
Zahl, wollen in keiner Weise großthun, sie sind durchwegs
kurz und haben weder Einleitung noch Finale. Der Cha
rakter der einzelnen Tänze nähert sich bald dem schwunghaf
ten
mitunter tönt wie aus der Ferne ein Anklang an
oder
rengeklirr, erst leise und wie probirend, dann immer entschie
dener und feuriger — wir sind, ohne Frage, auf
sch
Temperament mit brausender Energie auf; der Dreiviertel-
Tact erscheint fast als eine Skurzze des raschen Allabreve
schrittes im Csardas, als Begleitung erdröhnt nicht der ruhig
stolze Grundbaß des
leidenschaftliche Geflatter des Cymbals. Ohne Zweifel hätte
dies Stück den effectvollsten Abschluß gebildet, allein es liegt
ganz in dem Wesen
druck dem rauschenden vorzuziehen. Er schließt, zum
chisch
von bezauberndem Liebreiz: ein anmuthig wiegender Gesang
über einer ausdrucksvollen Mittelstimme, welche im zweiten
Theile unverändert als Oberstimme erscheint, während dazu
die frühere Hauptmelodie nun die Mittelstimme bildet. Das
Ganze in seiner durchsichtigen Klarheit zählt zu jenen echten
Kunststücken, die Keinem auffallen und Jedermann entzücken.
Das
der Anstrengung, appellirt aber an ein feines musikalisches Ge
fühl. Die einzelnen Walzer sind sehr verschiedenen Tempera
ments, der Spieler erräth dasselbe mehr aus ihrem musika
lischen Inhalte, als aus den sparsamen Tempo und Vor
tragsbezeichnungen.
Wir trugen eine neue Schicht von unserem Novitäten
berge ab und stießen auf J. O. Grimmʼs „
Auch Schubertʼs „
gleichbetitelten
ponisten ein beliebtes Concertstück in
wenig
Während wir jetzt die früher verkannten oder ganz unge
kannten Werke
seine „ Schubert schrieb sie zur Zeit des epidemischen
Unsere vier Fäuste hatten die besten Stollen des Noten
gebirges allmälig ausgeschürft, nur ein unheimlich glimmern
des Gestein lag noch unberührt: Richard Wagner. Mit
glanz selbst in dem begeistertsten Clavier-Auszug nicht zu Tage
und bleibt nur der einfache musikalische Schnitt. Wir können
nicht dafür, daß dieser Schnitt uns überaus gewöhnlich und
bürgerlich vorkommt. Der „
vielen Wendungen an die Festzüge im „
grin
nicht, was Alles die Eingeweihten in diese Musik etwa hin
eingeheimnissen, bezweifeln aber, daß sie jemand Anderem
als dem damit begrüßten freigebigen Souverän besonders
theuer sein werden.
Ist das Arrangement des „
neue Probe von Bülowʼs Gewandtheit, so grenzt das Un