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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wir hatten diesmal nichts Neues zu vier Hän
den, sondern wechselten einander einzeln am Clavier ab: ein
Spieler, ein Hörer. Mehrere Clavier-Compositionen aus
Liszt’s neuester geistlicher Periode erregten vorzugsweise unser
Die Hefte durchblätternd, erinnerten wir uns eines Brie
fes von Alexander v. Humboldt an
Pianist nicht eben vorzugsweise zum Geistlichen prädestinirt.
Indeß — wer vermöchte in das Innerste eines Menschen
herzens zu blicken! Wer wäre vermessen genug, über einen
Schritt zu urtheilen, der nur über einen Abgrund von Ge
müthskämpfen hinweg denkbar ist und verleugnungsstark ein
Leben in zwei Hälften bricht?
Wir hatten ernstlich versucht, uns diesen Schritt aus
ihn auffallend zwar, aber nicht unbegreiflich zu finden. Wäre
es denn wirklich so unnatürlich, daß ein leicht erregbarer,
phantastischer Mensch, der, seit seiner Kindheit von einem
Triumph zum andern geworfen, in einem wildbewegten Leben
alle Genüsse, Ehren und Aufregungen bis zum Uebermaß
durchgekostet hat, sich in seinem 55. Jahre schmerzlich über
sättigt und unbefriedigt fühle? Daß er von dem rauschend
sten Weltgenuß in den Gegensatz einer ascetischen Frömmig
keit verfalle und den Blick von dieser ihm nur zu bekannten
Welt nach einer andern, ungekannten wende? Wir glaubten
in der That,
alles weltliche Trachten abzulegen, und werde, unbekümmert um
den Schmerzenschrei der feinen Gesellschaft, fortan in frommer
Beschaulichkeit ausruhen. Was geschah, war gerade das Um
gekehrte.
hinter den Sixtinischen Weihrauchwolken verborgen gehalten,
tritt rasch und munter in die sündhafte Welt heraus. Er eilt
von
sikfestes, dirigirt dort im geistlichen Kleid seine „
beth
Publicum. Hierauf stürzt er sich in den künstlerischen Stru
del von
Aufführung und soll dort sogar — wie witzig ist das Leben!
— durch sein heiliges Clavierspiel ein Frauenzimmer zur
Tugend bekehrt haben.
Das Weltkind
Wunder.
stücke publicirt: Transscriptionen aus
und aus Pergolese’s geistlichen Melodien, eine
Dem heiligen Franz de
sina
achtete nicht darauf und ging trockenen Fußes über das
Meer. Zur ersten Legende bemerkt
seine geringe Geschicklichkeit und vielleicht die engen Grenzen
des musikalischen Ausdruckes im Clavier ihn genöthigt hät
ten, hinter der wunderbaren Ueberfülle der Vogelpredigt sehr
zurückzubleiben, weßhalb er „le glorieux pauvret du
Sieht man nach alledem die beiden Musikstücke selbst
an, so findet man zwei gewöhnliche brillante Concert-Etüden,
deren eine als musikalisches Motiv das Vogelgezwitscher, die
andere das Meeresbrausen nachahmend fortspinnt. Die Stücke
sind dankbar für den Virtuosen und nicht ohne pikantes
Dissonanzengewürz; natürlich sorgt die Vogelpredigt für die
Bravour der rechten Hand, der Wogenspaziergang für die
der linken. Diese Compositionen könnten natürlich ebensogut
„Les amours des oiseaux“ und „Souvenir des bains
d’
lich auch so geheißen. Vielleicht führt uns
nach auch die übrigen Heiligen in derselben gefälligen Ma
nier vor. Vorläufig müssen wir bekennen, daß diese Appreti
rung des Heiligenscheins für den Concertsaal, diese getriller
ten und gehämmerten Mirakel uns einen unsäglich kindischen
Eindruck machen.
Wir waren, wie gesagt, wirklich der Meinung, der Abbé
musikalischen Salonbestrebungen von ganzem Herzen Adieu
sagen. Haben wir hierin geirrt, so war noch ein zweiter Weg
denkbar: die vollständige Trennung des Künstlers vom Geist
lichen. Manche seiner Freunde äußerten wiederholt die Mei
nung,
eine vollständige materielle Unabhängigkeit erreichen wollen.
So wenig wir dieser Motivirung beifallen möchten, welche
zu
stimmt, so wenig hätten wir, falls sie wahr ist, ein Recht,
ohneweiters darüber abzuurtheilen. Mannichfache, uns unbe
kannte, vielleicht sehr erhebliche Umstände mögen hier zusam
mengewirkt haben, und Umstände sind, nach Rahel, die
Wir hätten ihm den Muth zugetraut, seine Musik unton
surirt zu lassen. Gerade diese Verquickung geistlicher Titel mit
weltlichem Inhalt, dieses Abbé-Spielen und
Phase des ausgezeichneten Mannes nicht recht behagen will.
Die Salon-Bigotterie der „
der Hast des Componisten, sich dem
einem neuen Reiz ausgestattet, die langgemiedene Oeffentlich
keit wieder aufzusuchen, mußte die Vertheidiger seines wahren
geistlichen Berufes befremden. Wenn seine „
ein aus frommer Begeisterung entsprossenes, zur Ehre
geschaffenes Werk ist, warum sträubt sich
unseren Musikfreunden so sehr gewünschte Aufführung der
selben in
Kräfte und die musikalische Bildung
nicht geringere Garantien als
ner der Kirche kann unmöglich das Herz daran hängen, ob
der äußere Erfolg des Werkes überall von vornherein so ge
sichert sei, wie er es in
Weniges zu dem Anscheine, als pfropfe
ser auf geistlichen Stamm.
In dieser seltsamen Stellung und Thätigkeit hat Abbé
Aehnlichkeit: den berühmten Abbé Vogler. Es nimmt uns
und Verehrer eine Art Zauber. In der schildernden,
poetisirenden Tendenz seiner Musik deutet er gewissermaßen
auf die Zukunftsmusik; er spielte auf der Orgel den „
Herzog Leopold’s in den Fluthen
Jericho
Wundermann, seinen Gegnern ein geistreicher Charlatan.
Vogler’s Erfolge in
Jemandem spielt, zuvor sein Betbuch hinschickt, und nach
dem er eine Weile dagewesen ist, plötzlich aufsteht, in ein an
deres Zimmer geht, wo er keine Seele neben sich leidet, und
da aus seinem Buche betet“.
Zu solch eitlem Comödienspiel wird Liszt — unseres