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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Als wir kürzlich in den Blättern die Notiz
lasen, es werde eine vollständige theatralische Aufführung der
„
bereitet, da sagten wir von ganzem Herzen: Amen. Denn
leider hat
digen dramatischen Eindruck der
zu erfahren, während das Publicum in
und
bendsten Kunstgenüssen zählt. Ein einzigesmal machte das
Theater an der Wien, vor etwa 18 Jahren, einen Versuch:
er ward nur halb gewagt und ist ganz mißlungen. Diese
verschämte „
als eine Lectüre mit vertheilten Rollen; die Schauspieler
saßen in Frack und Glacéhandschuhen vor den Fußlampen
und lasen ihren Part aus dem Buche, die Sänger hinter
ihnen aus den Noten. Das Publicum schien gleich nach den
ersten Scenen in der besten Stimmung, sich das Eintritts
geld an der Kasse zurückgeben zu lassen. Es hätte sich seither
längst verlohnt, die scenische Aufführung der „
Werk zu setzen, da gerade
kalische Kräfte verfügt, wie keine zweite Stadt in
land
stellung auch diesmal nicht ernstlich gefaßt oder daß er von
Hindernissen überwältigt wurde — die „
uns vorgestern im großen Redoutensaal erschien, war eben
nur der oftgehörte Musik-Extract mit „verbindender Decla
mation“. Der Wiener Männergesang-Verein gab die
Das Abtrennen, Abzapfen einer zu einem dramatischen
Ganzen gehörigen Musik bleibt an sich stets ein ästhetischer
Nothbehelf, mit dem wir je nach dem Charakter der Musik
uns schwerer oder leichter abfinden. Die Männergesang-Ver
eine handeln in vollem Recht, wenn sie ihr an größeren ern
sten Compositionen armes Repertoire durch die
schen Chöre zu „
dieselben, unbekümmert um deren theatralische Bestimmung, als
Concertmusik festhalten. Durch ihren absoluten Musikgehalt
wie durch ihre relativ größere Unabhängigkeit von der Scene
sind diese Chöre mehr als andere geeignet, ein selbstständiges
Concertleben zu führen; ungleich mehr z. B. als die Meyer
ʼsche „
Gegen Meyerbeerʼs „
kann, steht
Sie verhält sich zur Tragödie des
der antike Chor zu dem dramatischen Ganzen überhaupt; eine
Art Staat im Staate, nicht mithandelnd, sondern die Hand
lung nur mitdenkend und mitfühlend. Was hier zu näherem
Verständniß noch wünschenswerth bleibt, kann durch ein soge
nanntes „verbindendes Gedicht“ leicht beschafft werden. Wir
gestehen unsere lebhafte Abneigung gegen diese Art poetischer
Fremdenführer, die uns aus der idealen Region der Musik
alle fünf Minuten wieder auf die platte Erde herabziehen.
Was wir lebendig vor uns sehen sollen, davon wird uns in
säuberlichen Versen erzählt, daß es eben geschehen sei oder so
fort geschehen werde. Wir würden, wo es nur halbwegs mög
lich, alle verbindenden Declamationen entfernen und durch
Ueberschriften und kurze Bemerkungen im Programm ersetzen.
Ueberdies sind die meisten dieser erklärenden Gedichte durch
ihre Breite und Redseligkeit weit mehr geeignet, die Zuhörer
zu zerstreuen und zu langweilen, als sie zu fesseln.
Mit Ausnahme des immer zündenden
„
führung lag es wol nicht, denn die Chöre gingen sehr präcis,
und das Gedicht fand in Herrn Lewinsky, Fräulein
Wenige Tage bevor Herr Weinwurm sich als
Erfolg ein anderer Referent bereits gemeldet hat. Zu der
Beliebtheit des Componisten gesellte sich diesmal noch das
stadtbekannte Censur-Martyrium seines Werkes, um diesem
eine besondere Aufmerksamkeit zu sichern. In der That hat
stanzenzug unserer Volksvertretung, die sich aus der Gemeinde
zum Landtag und von da zum Reichsrath entpuppt, vollstän
dig nach rückwärts durchgemacht. Ursprünglich war das Stück
eine allerliebste Reichsrathssitzung, aus dieser wurde ein
vorsichtigerer Landtag, endlich aus diesem ein noch ungefähr
licherer, zahmer Gemeinderath, und zwar in Wolkenkukuks
heim. Was die Vorsicht hoher Behörden an diesem von der harm
losesten Heiterkeit eingegebenen Scherz bedenklich fand, können wir
nicht ergründen; so viel aber steht außer Zweifel, daß die
Verwandlung der „Minister“ in „Magister“ sammt zahlreichen
ähnlichen Entstellungen den ganzen Boden dieses Scherzes
verrückt und mitunter die besten Einfälle in Unsinn verkehrt
hat. Melodien sind glücklicherweise zollfrei, und so ist wenigstens
der frischen und herzlichen Musik Engelsbergʼs kein Leid
Hellmesbergerʼs zweite Quartett Soirée begann mit
lenweise
Nachahmung Beethoven’scher Eigenthümlichkeiten an seiner
matische Blitze möge freilich Niemand erwarten, das
mento
musik, als musikalische „Unterhaltung“. Das concertante Her
vortreten der ersten Violine, welche nicht ohne Koketterie die
pikanteste Conversation führt, der knappe Zuschnitt der sechs
Sätze, endlich der gefällige Aufputz des — ganz quartettmäßig
gesetzten — Stückes durch zwei tiefe Waldhörner halten jene
Physiognomie unverkennbar fest. Die beiden tiefen B-Hörner,
auf die Naturtöne beschränkt, greifen in das Getriebe des
musikalischen Gedankens nicht selbst ein, aber sie verleihen
dem Ganzen eine reizende Tonfülle und Färbung. Dieser
frische, gesättigte Klang der in den einfachsten Gän
gen sich so friedlich bewegenden Waldhörner gibt dem
Bilde etwas eigenthümlich Idyllisches, Serenadenartiges. Wir
denken unwillkürlich an Gartenmusik und schmucke Rococco-
Pavillons mit erleuchteten Fenstern, unten im Park schöne,
seidenrauschende Damen mit gepudertem Haar, und Herren
mit feinen Gesichtern und bunter Tracht. Dies Alles in dem
idealisirenden Reiz einer fremdartigen und doch uns nahen
Vergangenheit, ohne den Beischmack von Lächerlichkeit, den
jetzt jene Lebensformen für uns so leicht annehmen. Auch auf
jene bemalten Fächer und Spitzenmanschetten sind Thränen
der Freude und des Kummers gefallen, wie heute, und unter
den hohen, goldgestickten Schnürleibchen des vorigen Jahrhun
derts pochten die Herzen in Haß und Liebe, wie heute.
vor uns hin. Das Stück wurde auch gar zu schön gespielt.
Hellmesberger fand seit lange keine so dankbare Stätte