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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. „
zählt fünfzig Jahre, ist also in der Gesellschaft der heute sich
herumtummelnden Opern bereits eine Respectperson von ehr
würdigem Alter. So entrückt ist dieses Werk den Erinnerun
gen unserer Generation, daß sie selbst von dessen Libretto
meistens unrichtige Vorstellungen hegt. Die Oper „
chen
naiven Tragik, noch die künstlich lallende, altkluge
sirung Tieck, in welcher die Vögel Unsinn sprechen und
tracht bereits ihr Herz gewonnen. Die große Einfachheit der
Handlung und ihre Motivirung aus einer hier gänzlich un
nothwendigen Zauberwelt sind dem modernen Geschmack ziem
lich fernegerückt. Insbesondere für Zwitter wie der
haben wir nicht mehr das rechte Verständniß; gerne sehen
wir diesen erhabenen Zauberer als umgekehrten
mal über den Hintergrund der Bühne marschiren, so oft der
Tugend Gefahr droht; wenn er aber im letzten Act persönlich
und sentimental wird, sein Leben beklagt und ein baldiges
Absterben wünscht, so werden wir ungeduldig wie bei einem
schlechten Spaß. Offenbar stammt dieser
dem zaubernden Prinzen-Erzieher
drillon
„ Isouardʼschen
An die Composition des „
dieu
rere Jahre rastloser Arbeit verwendet. Sie durften ihn nicht
reuen, denn der Erfolg der Oper war ebenso glänzend als
anhaltend. Wir begreifen ihn vollkommen. Man denke sich nur
fünfzig Jahre zurück und stelle sich gleichsam auf den histori
schen Isolirschemel jenes Zeitpunktes, wo all die reizenden
Blüthen des späteren
spiels noch nicht aufgebrochen waren und „
rouge
in
bewunderungswürdiger künstlerischer Einheit des Styls, von
feinem Geschmack, niemals trivial oder übertrieben, und melodiös
im Charakter jener musikalischen Conversation, welche die
Franzosen vor Allem lieben. Feinheit und Eleganz walten
vorherrschend, die Empfindung wird nur leicht gestreift, nir
gends ins Herz getroffen; die Charaktere locken als scharf
gezeichnete lohnende Contouren die ausmalende Hand des
Schauspielers. Neben kleinen Romanzen und Couplets (wie
die allerliebsten der
käppchen
wicklung, wie
chen
stücke, welche die damaligen Normalmaße der Opéra comique
(„
ten. Dies Alles erschien noch gehoben durch eine feine, be
wegliche Instrumentirung, welche namentlich in Behandlung
des Wunderbaren (Harfen-, Flöten- und Waldhornsolos) als
originell und effectvoll gerühmt werden durfte. „
chenneu. Die Neuheit ist aber das wahrhafte
rothe Käppchen, unter dessen Schimmer Melodien so zauber
haft hervorblicken, welche uns später, ohne das Käppchen,
sehr menschlich und alltäglich dünken. Das rothe Käppchen
der
begann es doch blaß und fadenscheinig zu werden. Noch immer
sind wir uns der künstlerischen Vorzüge dieser Partitur wohl
bewußt und hören Vieles daraus mit aufrichtigem Vergnü
gen. Als Ganzes hat sie die Zaubermacht über uns verloren,
denn wir vermissen, was uns unmittelbar ergreift, packt, fest
hält, was uns nicht blos freundlich anregt, sondern auch ein
wenig aufregt. Wir hören heute rascher und ungeduldiger,
wir fühlen accentuirter und energischer, als unsere Vorgänger
Anno
gleichförmig, die Melodie nicht warm, die Harmonisirung
nicht reich genug. Der Puls der ganzen Oper scheint uns zu
langsam zu gehen. Ja wie eine brüderliche Auseinander
setzung kommt uns mitunter vor, was unseren Großeltern
als glühende Leidenschaft erschien, z. B.
geständniß am Schluß des dritten Acts („
mʼentendre!“); die erste Romanze des
mehr im Tone gereifter Gouvernanten, als schwärmerischer
Jünglinge, und an dem Lockenhaupt des salbungsvollen
ner
nicht erblickte: ein böses Anhängsel.
Der Componist, welcher zuerst das gefeierte „
chen
der Repertoires rückwarf, war Boieldieu selbst mit seiner
ein poröses Talent möchten wir sagen, das die Atmosphäre
der Zeit unwillkürlich einsog. Förmliche Anklänge an
finden sich in der „
bedeutende, aber der ungewöhnliche, stärkere Melodienduft,
der die ganze Oper durchzieht, gemahnt uns wie ein Hauch
aus den fernen Orangenwäldern
in der Musik zum „
Aus unseren Bemerkungen über
chen
succès dʼestime im Hofoperntheater keineswegs die Auffüh
rung allein verantwortlich machen. Allerdings hat die Auffüh
rung ihrerseits für den Erfolg der Oper auch gerade nicht ein
Uebriges gethan. „
Genre, dem es angehört, will nicht blos mit dem feinsten
Ausdrucke gesungen, sondern auch durchwegs gut gespielt wer
den. „Gut spielen“ ist leider in der Opernpraxis ein sehr
dehnbarer Begriff. Will man schon die nothdürftig correcte,
anständige Ausfüllung der allgemeinsten dramatischen Umrisse
so nennen, so wurde auch in
gespielt“. Dieser Grad von Schauspielkunst, der nichts geradezu
auf den Kopf stellt oder verdirbt, aber auch nie aus seiner
Neutralität einen selbstständigen Schritt herauswagt, ist un
ter den
landmehr leisten; für eine
große Zahl von Rollen, die mittelst schablonenmäßiger An
wendung der gebräuchlichsten Ausdrucksmittel gespielt werden
können, mag das auch hinreichen. Die
jedoch bedarf zu ihrer vollen Wirkung mehr; sie verlangt von
ihren Hauptdarstellern geradezu schauspielerisches Talent.
Das
äußerlich ausgefüllt, sondern lebendig und eigenthümlich ge
staltet („geschaffen“) zu sehen. Es verlangt und findet in der
Spiel-Oper neben dem musikalischen Genuß den Eindruck
eines gut aufgeführten Lustspiels. J. F. Reichardt erzählt
oft mehr applaudiren hörte, als die Gesangstücke. In
ger für seine gesprochene Prosa beklatscht wird; eher könnte
ihm das Gegentheil widerfahren. Wirkliche schauspielerische
Talente wird man in den Spiel-Opern am Kärntnerthor-
Theater wenige entdecken. Wir erkennen den löblichen Eifer,
mit welchem unsere Sänger gegen die Klippen des Sprechens
und Spielens ankämpfen — der „mindere Grad von Dispo
sitions-Fähigkeit“, kann ihnen nicht als Schuld angerechnet
werden. Fräulein Tellheim als
Fräulein Benza, die wir bisher nur als