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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der zweite Weihnachts-Feiertag brachte diesmal
wie alljährlich ein „Philharmonisches Concert“. Musikalische
Psychologen oder Physiologen mögen nach den Gründen for
schen, warum unser sonst so elastisches Concert-Publicum
jedesmal an diesem Tage ganz eigenthümlich müde und zerstreut
erscheint. Die Thatsache selbst steht uns fest. Insbesondere für
Novitäten ist der Stephanstag ein dies nefastus;
ler
glauben keineswegs, daß die Composition zu anderer Zeit ein
enthusiastisches Publicum gefunden hätte; ein etwas theil
nehmenderes aber hatten wir doch gehofft. Ferdinand
soll nun einmal in
Composition, welche im übrigen
bende Erfolge errangen, gingen hier spurlos vorüber, wie die
Ouverturen in
„ Hillerʼs Opern sind hier unbekannt geblieben; die Annahme
Sinne gestoßen. Daß Hillerʼs Musik kein Trunk von der
Das
chen beeinflußt von
einen entschiedenen Zug zum Ursprünglichen, Erfinderischen,
namentlich zum Melodisch-Originellen in der Musik, ein Zug,
den man nur beglückwünschen kann und der sich in hohen
wie niedrigeren Kunstregionen (z. B. in der Vorliebe für die
trifft offenbar das Wahre, denn die schöpferische, originelle
Kraft ist und bleibt das Erste in der Musik, das Talent
wiegt schwerer als die gebildete Technik. Demungeachtet darf
man es bedauern, daß mitunter Compositionen von geistreicher,
vornehmer Individualität und feinster Durchbildung in
nicht die Anerkennung fanden, welche ihnen anderwärts in
Standpunkte vollauf verdienen. Die Zahl der musikalischen
Original-Genies ist eine sehr kleine, und wenn man conse
quent die Arbeiten der feinen Bildung als ungenügend ab
lehnt, wird dem Concert-Repertoire bald der nothwendigste
Zufluß fehlen. Am strengsten verhält sich unser Publicum gegen
Novitäten symphonischer Gattung. Daß dabei unwillkürlich
immer an Beethoven gedacht wird, das ist unser und der
unserer Epigonenzeit zu legen, scheint uns sehr zweifelhaft. Es gibt,
wie in der schönen Literatur so auch in der Musik neben den
großen genialen Dichtern eine andere zahlreichere Gruppe,
welche wir als die der angenehmen, liebenswürdigen Erzähler
bezeichnen möchten. Es sind Talente von geringer Naturkraft,
aber feiner Bildung, die von oben herab zu behandeln das
hörende Publicum noch weniger Ursache hat, als das viel
reicher bedachte lesende. Und doch ist letzteres viel toleranter und
dankbarer. In der Musik finden wir heutzutage Publicum und
Kritik erstaunlich streng geworden. Ersteres hat das volle
Recht, nur seinem unmittelbaren Impuls zu folgen. Die
Kritik hingegen, so meinen wir, sollte zweierlei nicht verges
sen. Einmal, daß man überhaupt sich hüten muß, die künst
lerische Production systematisch zu entmuthigen. Sodann, daß
gerade im Fach der reinen Instrumental-Musik wir ausschließ
lich auf
bühnen einen wesentlichen Succurs aus
lien
sch
die gesammte Production symphonischer Musik in den Hän
den einiger weniger
Letztere einfach an dem Felsen
für Novitäten wie die jüngst gehörten von Reinecke und
Geibelʼschen
uns schließlich doch einen echt
dem man ohne Regenschirm und Ueberrock keinen Augenblick
traut. Der erste Satz, ein stürmisches Allegro in E-moll,
das schon durch den Stoff an die Einleitung zu
sohn
energischen Fluß, geistreiche thematische Verwendung aller Mo
tive und Motivchen, ist aber etwas lang ausgesponnen. Die
beiden mittleren Sätze sind die gelungensten: ein zartes, sin
gendes Adagio (C-dur, 3/8) mit reizend ausklingendem
Schluß und ein lebhaft prickelndes Scherzo in schnellem
Zweivierteltact, das in Motiven und Instrumentirung aller
dings stark an
„Befreit vom Eis sind Strom und Bäche“ — nun möchten
wir im letzten Satz den Frühling ungestört mit voller Freu
digkeit genießen. Aber das Finale (E-dur, 9/8) bringt es nicht
zur vollen Blüthe, es will eben noch immer „Frühling wer
den“. Fast Alles hing hier von einem glücklichen
Mußte
bescheiden (nur Adagio und Scherzo fanden lebhafteren An
klang), so können wir trotzdem die Wahl des Stückes von
Seiten der Philharmonischen Gesellschaft nicht anfechten. Ein
Mann von dem Namen und Verdienste Hillerʼs hat den
ist in allen
bestem Erfolg gegeben worden. Sie ist keine epochemachende
geniale Schöpfung, aber die Arbeit eines echten Künstlers,
dessen Geist und Charakter, dessen glänzende Bildung und
technische Meisterschaft über jedem Zweifel stehen. Hiller ist
Wir haben noch der übrigen Nummern des Philharmo
nie-Concerts zu gedenken. Den Anfang machte die „
Ouverture Mendelssohn; dann folgte
Wollen wir mit ruhigem Gewissen und ohne Rückstände
das neue Jahr herankommen sehen, so müssen wir zunächst
den Namen einer Hellmesbergerʼs vierter Quartett-Soirée mit glücklichstem