Hofoperntheater.
(„
Der Nordstern“, von
Meyerbeer.)
Ed. H. Das Hofoperntheater hat den seit dem Rücktritte
Fräulein Wildauer’s zurückgelegten „Nordstern“ von Meyer
beer nunmehr neu besetzt wieder auf die Scene gebracht.
Jahrelang hatten wir die Oper nicht gehört, und als nun
die ersten Töne der Ouverture mit ihrem soldatisch-ehernen
Schritte wieder an uns vorüberzogen, da weckten sie alte,
liebe Erinnerungen. Wir glaubten uns über zwanzig Jahre
hinweg ins Theater an der Wien versetzt, vor uns die Zelte
des schlesischen Feldlagers und Jenny Lind, das Tambourin
in der Hand, als Vielka. Ja, der Weg zum „Nordstern“
führt über eine geliebte Leiche, über Meyerbeer’s ältere und
bessere Oper: „Das Feldlager in Schlesien“ (in Wien „Vielka“
genannt), welche der Meister hingeopfert, um mit ihrem glän
zendsten Geschmeide den „Nordstern“ zu schmücken. Meyerbeer
pflegte zwar mit großem Eifer hervorzuheben, der „Nordstern“
sei eine ganz neue, selbstständige Oper, in welche er blos neun
Nummern aus dem „Feldlager“ herübergenommen — für die
Existenz des letzteren war dies zu viel und zu wenig. Zu
viel, als daß das „Feldlager“ nach dem Verluste seiner be
deutendsten und imposantesten Musikstücke noch fortexistiren
könnte; zu wenig, um uns einzureden, es sei uns das ur
prüngliche Werk dennoch in neuer Form erhalten. Wir geste
hen gerne unsere Vorliebe für das „Schlesische Feldlager“.
Mögen auch Jugendeindrücke und die unaustilgbare Erinne
rung an Jenny Lind einen Theil daran haben, ein größerer
gehört doch dem Gedanken, daß an keinem anderen Werke
Meyerbeer’s die deutsche Nation so unmittelbar interessirt war,
als eben an diesem. Das „Feldlager“ war — abgesehen von
dem längst verschollenen Singspiel: „Die beiden Khalifen“ —
die einzige deutsche Oper unseres berühmten Landsmannes;
sie war es nicht blos der Sprache, sondern auch dem Inhalt
und dem Geiste nach. Ungleich knapper und bescheidener als
„Robert“ und die „Hugenotten“, enthielt das „Feldlager“
doch Musikstücke, deren dramatische Kraft und blendende
Technik jene Opern geradezu voraussetzt. Nicht minder werth
voll aber als diese (theilweise in den „Nordstern“ ver
pflanzten) einzelnen Stücke erschien uns der biedere, gemüth
volle deutsche Ton, der einen großen Theil der Musik zum
„Feldlager“ durchzog und welcher sonst bei Meyerbeer nur
äußerst selten und leise anklingt. Im „Feldlager“ zeigte der
Meister zum erstenmale unwiderleglich, daß er auch diesen
Ton in seiner Gewalt habe. Gerade die einfacheren, herzliche
ren Gesänge sind aber im „Nordstern“, sämmtlich weggeblie
ben. Dieser „Nordstern“ ist ein zweideutiges Kind, das bei
der Geburt seiner schöneren Mutter das Leben kostete. Aber,
selbst abgesehen von dem rein musikalischen Verluste, bleibt
es eine Art nationaler Felonie, daß Meyerbeer seine einzige
deutsche Oper in Stücke hieb, um daraus, nach Atreus’ Ma
nier, eine pikante Schüssel für die Pariser zu bereiten.
Daß Meyerbeer nach verschiedenen entmuthigenden Erfahrun
gen in Deutschland sich entschloß, seine Wirksamkeit von Paris
aus, dem Centralpunkte des europäischen Opernwesens, zu
versuchen, war ihm aus praktischem Gesichtspunkt damals nicht
ganz zu verargen. Wußte er doch, daß eine dort reussirende
Oper bald den Weg über alle Bühnen machen werde. Nach
dem aber „Robert“ und „Die Hugenotten“ von Paris
aus diese Reise um die Welt so glänzend vollbracht und die
fernere Carrière ihres Schöpfers für alle Fälle sichergestellt
hatten, waren seine folgenden Opern vollkommen sicher, nun
mehr von Berlin oder Wien aus ebenso rasch den Weg in
andere Sprachen und andere Länder zu finden. Das war der
Zeitpunkt, wo Meyerbeer die Schuld an sein Vaterland hätte
zahlen können und sollen. Als er, durch eine besondere Fest
gelegenheit veranlaßt, für Berlin „Das Feldlager in Schle
sien“ schrieb, hielt er die Münze zu dieser Zahlung in Hän
den — er ließ sie einschmelzen, um abermals französisches
Geld daraus zu prägen. Ob Meyerbeer auf dem Gipfel
seines Ruhmes niemals die Sehnsucht empfand, eine deutsche
Oper zu schreiben? Er versicherte es mit größter Lebhaftig
keit, als wir ihn einmal zu interpelliren wagten. Nur dem
Mangel an guten und bereitwilligen Textdichtern in Deutsch
land gab er die Schuld des Versäumnisses. Umgekehrt klag
ten wieder diese, es sei unmöglich, mit Meyerbeer zu arbei
ten, unmöglich, ihn zufriedenzustellen. Rellstab wußte,
Bauernfeld und Holtei wissen davon zu erzählen. Letz
terer insbesondere scheute keine Mühe und kein Nachdenken,
um Meyerbeer durch ein deutsches Libretto anzulocken. Er
bot ihm unter Anderem das treffliche Sujet: „Des Adlers
Horst“ an (später von Gläser componirt), aber Meyerbeer,
„welcher stets ein europäisches Renommée vor Augen hatte“,
stieß sich daran, daß die Handlung in den schlesischen
Bergen spielen sollte. Diese Localität dünkte ihm zu uninter
essant; vor dem schottischen Costüme der ursprünglich zu
Grunde liegenden Schopenhauer’schen Novelle scheute er sich
aber aus Furcht vor einem Vergleich mit der „Weißen
Frau“
Auch Bürger’s „Leonore“ begann Holtei auf Meyerbeer’s
Wunsch als große phantastische Oper zu bearbeiten; er machte schließ
lich sein bekanntes melodramatisches Liederspiel daraus.
. Der Zug ist nicht nur bezeichnend für Meyerbeer,
er wirft auch speciell auf die Entstehung des „Nordstern“
ein erklärendes Licht. Der Grund, weßhalb Meyerbeer sein
„Feldlager“ cassirte, lag einfach in dem stark betonten preu
ßischen Element des Textbuches. Eine Verherrlichung Fried
rich’s des Großen auf der breiten Unterlage einer Schilde
rung deutschen Kriegslebens, und verwebt mit einer einfachen
Herzens- und Familiengeschichte, erschien ihm zu eng und in
teresselos für sein „europäisches“ Publicum. Statt Preußen
wählte er Rußland, ein Tausch, der uns sehr mißglückt scheint.
Oder sollten wirklich irgend einem gebildeten Publicum Basch
kiren und Kalmücken näher stehen, als die Preußen des sieben
jährigen Krieges? ein russisches Feldlager uns lebhafter in
teressiren, als ein deutsches? die Silhouette des großen Fritz
unbedeutender sein, als eine Carricatur vom Czar Peter?
Wir vermochten für unser Theil uns für deutsche Sitte und
Geschichte selbst in dem etwas verzerrenden specifischen Preußen
thum zu erwärmen; für den Kriegsruhm der Kosaken ver
mögen wir es nicht. Rellstab’s Textbuch zum „Feldlager“
war nicht gut, das steht außer Frage, Scribe’s „Nordstern“
ist zehnmal schlechter.
Wir haben uns daran gewöhnen müssen, in den meisten
„historischen“ Opern lediglich eine Speculation auf den Reiz
der Trachten und Decorationen zu finden, wobei der geschichtliche
Kern der Handlung nach Belieben mißhandelt wird. Aber ein größe
rer Scandal ist mit historischen Persönlichkeiten und Thatsachen bis
her nicht getrieben worden, als in Scribe’s Textbuch zum „Nord
stern“. Dieser rohe Trunkenbold Petroff, welcher fortwährend
zwischen bestialischem Zorn und schwächlicher Sentimentalität,
zwischen Axt und Flöte taumelt, hat mit dem gewaltigen Re
formator Rußlands ebensowenig gemein, als der irrsinnig ge
wordene Recrut des „Nordstern“ mit der nur zu verständigen
Kaiserin Katharina. Die historischen und dramatischen Un
wahrscheinlichkeiten häufen sich von Scene zu Scene mit einer
Schnelligkeit und gipfeln im dritten Act zu einer Höhe des
Unsinns, vor welcher selbst ein Köhlerglaube zurückweicht und
der Antheil des willigsten Zuschauers erstirbt. Scribe, der
geistreichste Operndichter unserer Zeit, scheitert hier an der
Zumuthung Meyerbeer’s, Scenen aus dem „Schlesischen Feld
lager“ in einen völlig heterogenen Stoff gut oder übel ein
zufügen. Die klägliche Maskerade, welche Meyerbeer selbst
mit diesen Feldlager-Stücken vornehmen mußten, ist nicht min
der merkwürdig, ja sie steht in der Musikgeschichte einzig da.
So hat der imposante Soldatenchor in C-moll im „Feld
lager“ die Begeisterung der für ihren König kämpfenden
Truppen zum Inhalt; nach einer prachtvollen Steigerung
gipfelt sich dieser Enthusiasmus in dem hellen C-dur-Trio:
„Die Trommel dröhnt, die Fahnen weh’n!“ Im „Nord
stern“ ist dieser Chor zu einem „Chor der Verschworenen“
geworden, welche, Wuth und Rache schnaubend, sich gegen
ihren Feldherrn zusammenrotten. („Assez d’opprobres,
assez d’affronts!“) Da jedoch der lustige Aufschwung
des C-dur-Trios doch gar zu schlecht zu einem
finsteren Complot paßte, wird er im „Nordstern“ durch den
Witz motivirt, daß ein Officier plötzlich über die Bühne eilt
und den Verschworenen zuflüstert, der General nähere sich,
um Revue zu halten. Da stellen sich die Verschworenen
eiligst in Reih’ und Glied und singen den Generalstab mit
dem C-dur-Trio an. So ist der Chor durch den neuen Text
in zwei Gegensätze zerschlagen worden: finstere Rachsucht und
officiell erheuchelter Jubel — dieselbe Musik, die im „Feld
lager“ als ungebrochener Ausdruck eines schönen Gefühls,
der muthigen Soldatentreue, erklang. — Der Grenadier
marsch mit Trommeln und Pfeifen (dessen Motiv wirklich
aus dem siebenjährigen Kriege stammt und von den Garde-
Grenadieren in Potsdam noch heute zu hören ist) breitete
über die Scenerie des „Schlesischen Feldlagers“ eine histo
rische Färbung von unvergleichlicher Lebendigkeit. Dies so
geistreich angebrachte kriegerische Rococco verliert unter
Tataren und Baschkiren allen Sinn und Reiz. Was soll
man aber vollends dazu sagen, wenn der biedere Dessauer
marsch, dessen Melodie und Bedeutung jedes Kind in
Deutschland kennt, im „Nordstern“ als „heiliger Marsch
der Russen“ ertönt! Wir können die peinliche Empfindung
kaum beschreiben, welche dieser musikalische Vaterlandsverrath
eines der gefeiertesten Söhne Deutschlands jedesmal in uns
aufwühlt. Schließlich wollen wir nur noch der wesent
lich veränderten Bedeutung gedenken, welche die be
rühmte Flöten-Arie der Vielka in dem Munde
Katharina’s annimmt. Im „Feldlager“ ist diese Scene
ein heiteres Genrebild: Vielka ermuntert ihren Geliebten, das
aus dem Gartenzimmer des Königs erklingende Flöten-Concert
nachzuspielen, und hilft durch Mitsingen der Melodie dem
schwächeren Musikgedächtniß Conrad’s nach. Die Scene bietet
den seltenen Fall der dramatisch motivirten Stellung eines
Virtuosenstücks in der Oper, und Vielka singt die schwierigen
Flöten-Passagen mit jener leichten, siegesfrohen Sicherheit
nach, welche den echtesten und gewinnendsten Charakterzug der
Virtuosität bildet. Dies reizende Flöten-Wettspiel, das im
„Feldlager“ keine andere Bedeutung anspricht, als Freude
am Musiciren, dient im „Nordstern“ zur methodischen Heilung
einer Irrsinnigen! Peter der Große und der Tischler Georg
blasen von beiden Seiten des Saales das Flöten-Concert,
während die geisteskranke Katharina, bleich und irren Blickes,
die bekannten Töne in ihrem verwirrten Gedächtnisse aufsucht
und nachzusingen trachtet. Mit welcher ins Widerliche ver
kehrten Empfindung man die „Flöten-Arie“ in dieser Situa
tion hört, ist nur zu einleuchtend. Rellstab hat in seinem
Text zum „Feldlager“ das Flötenspiel Friedrich’s des Großen
(eine weltbekannte historische Reminiscenz, welche, auf Czar
Peter übertragen, gar keinen Sinn hat) als ein glück
liches Auskunftsmittel benützt, die Gegenwart des gro
ßen Fritz anzudeuten, dessen wirkliches Erscheinen auf
der Bühne durch eine strenge Etiquette verboten ist.
Wie lange noch werden die Höfe aus kleinlichen Rück
sichten der Dichtkunst ein so reiches nationales Stoff
gebiet und sich selbst einen so mächtigen Hebel patriotischer
Begeisterung entziehen? Werden wir es noch erleben, daß
die glorreichen Gestalten unserer Maria Theresia und Jo
seph’s des Zweiten vor dem begeisterten Volke lebendig werden?
Maria Theresia ist allerdings schon einmal als Heldin
einer Oper gefeiert worden. Die Geschichte ist sehr wenig be
kannt und dürfte namentlich für den österreichischen Leserkreis
nicht ohne Interesse sein. Der französische Maler Frago
nard hatte in den Zwanziger-Jahren dieses Jahrhunderts
ein großes Bild: „Maria Theresia mit dem kleinen Joseph
auf dem Arme“, in Paris ausgestellt, welches durch seinen
dramatischen Effect den Poeten Bernard zu einem Opern
text begeisterte. Dieses nach der großen Kaiserin betitelte
Libretto wurde von der Theater-Jury einstimmig approbirt,
angenommen und dem durch seine Romanzen berühmt ge
wordenen Tondichter Felix Blangini zur Composition anver
traut. Blangini (welcher in seinen 1834 erschienenen Memoiren
ausführlich davon erzählt) componirte die Oper; Madame
Branchu, die treffliche dramatische Sängerin, sollte die
Maria Theresia singen und studirte eifrigst die Rolle mit
Garat. Die Proben hatten unter R. Kreutzer’s Leitung
begonnen; der Tag der Aufführung nahte. Da wird Blan
gini plötzlich mitgetheilt, daß im Ministerrath das
Verbot von „Marie-Thérèse“ beschlossen worden sei. Nie
mand weiß sich das Verbot zu erklären, das keinerlei Moti
virung enthielt. Blangini eilt zur Censurbehörde, diese
versichert, gänzlich unschuldig zu sein. Endlich erlangt der un
glückliche Componist eine Audienz bei dem General-Director
der Polizei, welcher ihm nach einigen ausweichenden Phrasen
begütigend zuflüstert: „Die ganze Sache läßt sich noch arran
giren, wenn Sie aus dem Söhnchen, mit welchem Maria
Theresia vor dem ungarischen Landtag erscheint, eine Tochter
machen.“ Man fürchtete nämlich, daß die feierliche Ansprache
der Kaiserin: „Voilà l’enfant de la patrie!“ und ihr „beim
Grab des Vaters und bei der Wiege des Sohnes“ geleisteter
Schwur napoleonische Demonstrationen hervorrufen und man
das Söhnlein auf dem Arm Maria Theresia’s als eine An
spielung auf den jungen König von Rom begrüßen würde.
Blangini hatte zu viel Respect vor der Weltgeschichte, um
sich zu dieser Aenderung zu bequem (Meyerbeer’s „Nord
stern“ war noch nicht erschienen), und so ist denn seine
„Marie-Thérèse“ zwar im Clavierauszug gedruckt, aber nie
mals aufgeführt worden.
Was die Aufführung des „Nordstern“ im Hofopern
theater betrifft, so gebührt Herrn Beck, welcher die übrigen
Mitspielenden weit überragte, das erste und unbeschränkteste
Lob. Sein Czar Peter war schon bei den ersten Vorstellun
gen, also vor zehn Jahren, eine Figur voll Energie und Le
bendigkeit; seither hat Beck die Rolle in den musikalischen
Details noch sorgfältiger ausgearbeitet und (wie namentlich
die Zeltscene darthat) ganz auffallende Fortschritte als Schau
spieler gemacht. Kaum wird ein zweiter Sänger dieser im
Grunde widerlichen Rolle so viel Wirkung und Reiz abge
winnen, als Herr Beck, dem auch die Gunst des Publicums
sich im vollsten Maße zuwendete. Fräulein Murska hatte
als Katharina insoferne einen erschwerten Stand, als ihr die
frühere Darstellerin dieser Rolle, Fräulein Wildauer, im
Spiele weit überlegen war. Dies zeigte sich am auffälligsten
in den ersten Couplets („Le bonnet sur l’oreille“), deren
Vortrag schauspielerisches Talent und einigen Humor ver
langt. Nach dieser ohne alle Wirkung verklungenen Nummer
steigerte sich aber die Leistung Fräulein Murska’s bis zum
Ende. Katharina ist wesentlich Coloratur-Partie, ihre zahl
losen Triller und Rouladen erheben gewichtigere Ansprüche,
als die paar schwachen dramatischen Anläufe. Fräulein
Murska schwamm somit fast ununterbrochen in ihrem
eigensten Elemente und übertraf nicht blos, wie zu vermuthen
war, die Gesangs-Virtuosität ihrer Vorgängerin, son
dern näherte sich in der höchsten Region ihrer Triller
und Passagen mitunter den berühmtesten Künstlerinnen. In
einigen Stellen des dritten Actes athmete ihr Gesang auch eine
Wärme und Empfindung, wie wir sie bei Fräulein Murska
noch selten wahrgenommen. Ohne Zweifel wird ihre noch
nicht ganz ausgearbeitete „Katharina“ im Laufe einiger Re
prisen sich noch wesentlich vervollkommnen. Dasselbe gilt von
Fräulein Tellheim, die sich als Prascovia sehr niedlich
präsentirte, aber ihrer Aufgabe noch nicht vollkommen sicher
schien. Herr Mayerhofer spielt und singt den Gritzenko
im zweiten und dritten Act vortrefflich; die Arie im ersten
bietet ihm einiges Unbequeme. Die sehr unbedeutende Rolle
des Georg war durch Herrn Prott und die stark zusammen
gestrichene des Danielowitz durch Herrn Erl genügend besetzt;
freilich würde die letztgenannte Rolle, die in den Ensembles
des zweiten Actes von Wichtigkeit ist, durch eine frischere
Stimme unendlich gewinnen. Das originelle Marketenderin
nen-Lied wurde von den Fräulein Benza und Siegstädt
allerliebst gesungen und gespielt. Fräulein Benza, welche
dem Eifer, der sie stets auszeichnete, allmälig auch die nö
thige Mäßigung beizugesellen beginnt, erfreute überdies durch
sehr charakteristische Haltung. Das Ensemble der von Herrn
Proch dirigirten Oper klappte vollkommen in dem schwierigen
zweiten Finale; im ersten Act sündigten die Männerchöre
einigemal stark gegen die Reinheit der Intonation.