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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es war in den ersten Nachmittagsstunden, den
belebtesten und elegantesten der Ausstellung, als jüngst aus
einem Seitengang der
Trommelwirbel erscholl und die Besucher des Ausstellungs
palastes weithin in Aufregung versetzte. Mit dem Rufe: „Was
ist geschehen? Was bedeutet das?“ stürzten die Massen dem
Trommelschall entgegen, nach der etwas versteckt liegenden
Seitengalerie. Hier sahen sich die erregten Gemüther plötzlich
durch zwei ausgespannte Stricke und zwei aufrechte Sergents
de Ville von einer kleinen Herrengesellschaft abgetrennt,
welche, die Trommler vor sich und die Notizbücher zur Hand,
ruhig um ein Tischchen herumsaß. Es war unsere musika
lische Jury, vor welcher Trommel-Erfinder und Trommel-
Verbesserer ihre rasselnden Instrumente producirten. Das
Publicum aber stand erstaunt dahinter und mochte entnehmen,
wie der Kampf um eine Bronce-Medaille den Tambour ge
nau so heftig begeistern kann, wie der Sturmlauf gegen eine
Festung. Es war ohne Zweifel der populärste Moment in
dem öffentlichen Lebenslauf unserer Jury. Allerdings hatten
wir einiges Aufsehen und viele Theilnahme schon an den
vorhergehenden Tagen erregt, wo uns jedesmal von 10 bis
4 Uhr nur Blech-Instrumente vorgeblasen wurden. Man
wollte bemerken, daß damals die Jury-Mitglieder noch lange
nach Schluß der Sitzung auffallend laut sprachen; die Po
saunen hatten Jedem von uns eine leichte Taubheit als An
denken hinterlassen. Die Tage der Violinen und Guitarren
trugen einen milderen, gebildeteren Charakter, welcher in der
folgenden Periode der Flöten und Clarinetten sogar einen Zug
ländlicher Zufriedenheit und Lebensweisheit annahm. Na
menlose Wehmuth bemächtigte sich hingegen unseres Kreises
nach Anhörung von 40 bis 50 Harmoniums; die Gefühlvolle
ren von uns zerdrückten beim Abschied eine Thräne im Auge,
die Anderen ballten krampfhaft die Faust in der Tasche. Es
war vielleicht der schlimmste Tag.
Kehren wir für einen Augenblick an das grüne Tischchen
zurück, zu welchem uns die rebellischen Trommeln gelockt,
und betrachten uns die Persönlichkeiten der Jury. Als Präsi
dent fungirt der Senator und General der Nationalgarde,
Mellinet. Ein wahrer Charakterkopf, dieser 64jährige Hau
Der hitzige General, der bei Magenta sich mit 3000
Mann stundenlang gegen den drei- bis vierfach überlegenen
Feind behauptete und noch keinen Schritt wich, als ihm be
reits zwei Pferde unter dem Leibe erschossen waren, er ist im
Umgang die Herzlichkeit, Güte und Bescheidenheit selbst. Vom
Kriegerstand hat er im Frieden nur die Geradheit und Energie
beibehalten, nichts von jenem Uniformdünkel, der in anderen
Staaten eine so empfindliche Scheidewand zwischen Militär
und Civil aufrichtet. „Dites Général!“ unterbrach
einige der Aussteller, welche ihn mit dem (ihm gebührenden)
Titel „Excellenz“ ansprachen. Was den General, der seinen
musikalischen Dilettantismus offen eingesteht, in die Jury
brachte, sind seine großen Verdienste um die Organisirung der
vom Anfang her mit Rücksicht auf seinen hohen Rang und
sein großes persönliches Ansehen beschlossen — wir hatten sie
nie zu bereuen.
Einen eigenthümlichen Gegensatz zu dem hageren, unge
stümen General bildet die untersetzte, behaglich gerundete Figur
und das fröhlich lächelnde Antlitz des Dr. George Kast
, Mitglied des Institutes und zahlloser gelehrter Gesell
deren von den „Aeolsharfen“ und bringt Alles bei, was
irgendwann und irgendwo über diese Gegenstände gesagt und ge
schrieben worden. In seinen „
Ausrufe aller Arten Verkäufer, vom Mittelalter bis auf heute.
Ein Werk über die Militärmusik geht bis auf die Egypter,
Römer und Griechen zurück, ohne deßhalb irgend eine der
modernsten Einrichtungen zu vergessen. Obwol vorzugsweise
Polyhistor und musikalischer Archäolog, ist
wegs der praktischen Seite der Tonkunst ferngeblieben. Als
Componist und ausübender Künstler früher sehr thätig, hat
eine Schule (Methode) geschrieben, sogar für die Pauken!
Dies allein stempelt den Mann zum gelehrten Original; wer
ihn näher kennt, weiß überdies, daß dies Original nebst den
erstaunlichsten Kenntnissen auch das redlichste, wohlwollendste,
uneigennützigste Herz besitzt.
Die Künstlernatur par excellence ist in unserer Jury
durch den Componisten Ambroise Thomas vertreten.
Den größten Einfluß in der Jury hat Fétis, der ge
lehrte Musikhistoriker aus
Arbeiten dieses nun 84 Jahre alten Professors; er is da
mit noch nicht am Ende. Eine „
sechs Bänden ist unter der Presse, Anderes in Vorbereitung.
Das hohe Alter und gelehrte Ansehen des vielerfahrenen,
mitunter etwas eigensinnigen Mannes erklären das Ueberge
wicht, das die übrigen Jurors, die
ihm in den Berathungen zugestehen.
Noch zwei Preisrichter, von
land Schied
, der intelligente, vielgereiste Chef einer trefflichen
Nachschrift. Die Jury der 10. Classe (musikalische
Instrumente) hat ihren Vorschlag ausgearbeitet und wird
ihn demnächst der zweiten und dritten Instanz (Gruppenjury
und Conseil) übergeben, welchen die letzte Entscheidung darüber
zusteht.
Für österreichische Aussteller ist beantragt:
A. Die silberne Medaille:
1. für Claviere: Streicher,
B. Die Bronce-Medaille:
1. für Claviere: silberne Medaille notirt,
wurde in Folge einer nothwendigen Reduction nebst mehreren an
deren Fabrikanten in die Bronce-Medaillen eingereiht.
Promberger,
C. Die ehrenvolle Erwähnung:
1. für Claviere: Cramer,
Goldene Medaillen fallen nach dem Reglement auf die
ganze (500 Aussteller enthaltende) Classe 10 nur zwei, höch
stens drei Stück. Es war unmöglich, eine davon für
reich
allen Stimmen gegen Eine abgelehnt. Ueber den Vorschlag
für diese wenigen Goldmedaillen hat die Jury sich noch nicht
definitiv geeinigt; wahrscheinlich werden die Claviermacher
Broadwood in