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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Sie werden es oft genug in allen Tonarten
vernommen haben, das traurige Lied von den „zu wenig Me
daillen“. Ich will es nicht wiederholen, obwol das knappe
Ausmaß dieser heiß ersehnten Metallstücke wenige Classen so
schwer trifft, als gerade die unsere. Die Gesammtheit der
musikalischen Instrumente enthält zu viele gleich wichtige und
gleich glänzend vertretene Kategorien, die mit einander nicht
verglichen werden können, weil ihre Fabrication nichts ge
mein hat. Ist der beste Geigenmacher weniger als der beste
Piano-Fabrikant? Kann man die ersten Meister in der Flö
ten-Fabrication über oder unter jene der Blechinstrumente
setzen? Und all die übrigen Gattungen, von der Orgel bis
zur Zither, vom Harmonium bis zur Trommel, sind sie nicht
alle selbstständige Industriezweige, in welchen das relativ
Beste geleistet werden kann und hier wirklich geleistet ist?
Kann eine Jury wirklich die Repräsentanten so verschiedener
Classen nummernweise nach ihrem Werth rangiren, wie es
das
vorgeschriebene Medaillenzahl überschreitenden Namen einfach
von dem Bogen herabzuschneiden? Auf die ganze von allen
Ländern beschickte Classe der Musik-Instrumente sollten nach
dem Reglement höchstens 2 goldene, 15 silberne, 36 broncene
Medaillen und 50 ehrenvolle Erwähnungen fallen. Die Classe
umfaßt circa 500 Aussteller mit 3000 Instrumenten. Es ist
zu hoffen, daß die ausführlich begründeten Vorschläge unserer
Jury genehmigt werden, welche 4 goldene, 50 silberne, 60
broncene Medaillen und 44 Mentions honorables verlangt.
Selbst dann bleibt die Zahl der Auszeichnungen im Verhält
niß zur Quantität und Qualität der ausgestellten Instru
mente eine sehr geringe, und mancher bei früheren Ausstel
lungen belohnte, jetzt übergangene oder zurückgesetzte Fabrikant
wird sich gekränkt fühlen. Eine gute und heilsame Seite aber
hat diese Sparsamkeit: die Ausstellungs-Medaillen, die seit
Bedeutung.
Die un
gleich größere Auszeichnung, als jene irgend einer früheren
Die Gesammtzahl der Aussteller bei der ersten
s
große und 252 kleine Goldmedaillen bewilligt waren, 2300
silberne, 3900 broncene und 4000 Mentions honorables.
Die Zahl der Aussteller im Jahre
das Doppelte, nämlich gegen 47,000, und dennoch sind
für Alle nur 100 goldene, 1000 silberne und 3000 bron
cene Medaillen bestimmt. Wie viel seltener, also werthvoller
diesmal die Auszeichnungen sind, läßt sich somit mathematisch
berechnen; dieser Zahlenunterschied enthält jedoch lange nicht
die ganze Wahrheit. Diese erkennt man nur, wenn man die
verschiedene Abstufung der früheren und der gegenwärtigen
Medaillen berücksichtigt. Im Jahre große
und kleine Goldmedaillen (Médailles d’honneurs), die sil
bernen (mißverständlich „première medaille“ genannten)
waren somit Auszeichnungen von drittem Range. Wer im
Jahre
oder zweiter, sondern auf dritter Linie. Aussteller also, welche bei
der ersten
medaille erhalten haben (z. B. Lemböck,
oder gar mit einer Mention honorable abgespeist (
Damit sollte nicht sowol ein Rückschritt dieser Fabri
kanten behauptet, als vielmehr die Ansicht ausgesprochen sein,
daß unter den gegenwärtigen Concurrenten die Genannten
eine so vortheilhafte Rolle nicht mehr spielen. Noch viel frei
gebiger mit Medaillen verfuhr man bei der
Ausstellung von
tirt, daß jeder zweite Aussteller eine Auszeichnung erhalten
habe! Es war eine sehr bequeme Maßregel und eine wohl
feile obendrein, nur Eine Gattung von Medaillen, und zwar
von Bronce prägen zu lassen. Das Ausgezeichnetste und das
eben nur Hinreichende, Anständige wurde mit derselben Aus
zeichnung bedacht, und mancher Aussteller foppte sich und
Andere, indem er von einer „ersten“ Medaille sprach, während
es eben nur die einzige vorhandene war. Es war ein Fehler der
siren, und ein zweiter, sie in fast unbeschränkter Zahl auszu
geben. Dem Mittelgut gedieh diese Nivellirung zu unver
hofftem Vortheil, dem höchsten Verdienst hingegen nur zu
Leid und Warnung. Noch eine solche Weltausstellung der
Medaillengleichheit und Brüderlichkeit, und man wird es er
leben, daß alle Firmen ersten Ranges davon wegbleiben. Die
geradezu eklipsirt werden.
Mit Recht ist man hier wieder zu der Abstufung der
Medaillen zurückgekehrt. Freilich muß diese vierfache Abstu
fung noch immer insoweit ungenau bleiben, als sie feinere
Unterschiede des Verdienstes auch nicht auszudrücken und das
Zusammenfassen mancher nicht völlig ebenbürtiger Namen in
Eine Kategorie kaum vermeiden kann. Allzu empfindliche Aus
steller haben wirklich nicht ermangelt, jetzt schon ein Weh
geschrei zu erheben, daß ihre Medaille, mit der sie ganz zu
frieden waren, auch dem X. oder Y. zugefallen sei. Möchten
diese Herren in ihrem — vielleicht gerechten — Selbstgefühl
doch das Mögliche bedenken! Die Japanesen haben fünfzehn
verschiedene Begrüßungsformen, womit sie je nach dem Grad
der Ehrfurcht oder Intimität den Eintretenden becomplimen
tiren. Die Jury müßte wenigstens über diesen
Reichthum in Medaillenform verfügen können, um wirklich
jeder Schattirung des Verdienstes gerecht zu werden.
Wie uns ein anderer Correspondent mittheilt, wurde in der
Jury nicht blos über jeden Aussteller und dessen Auszeichnung de
battirt und abgestimmt, sondern hierauf noch eigens über die Num
mer, unter welcher er in der Reihenfolge je nach dem relativen Ver
Noch in einer anderen Hinsicht weist die Medaillenliste
von
Fortschritt auf: Der wahrhaft erschreckende Löwenantheil,
den die Franzosen bei der ersten
zuerkannten, hat sich in bescheidene Dimensionen zurückge
zogen und einer gerechteren Würdigung der Ausländer Platz
gemacht. So haben beispielsweise im Jahre Cla
viere 4 Franzosen die
Was die österreichischen Instrumentenmacher betrifft,
Erfolg bei dem Publicum wie bei der Jury ein sehr ehren
voller, ja größtentheils glänzender war. Den besten Beweis
liefert die Medaillen-Vertheilung und eine Vergleichung der
selben einestheils mit den
früheren Ausstellungen, anderntheils mit dem, was andere
Staaten an Auszeichnungen diesmal heimführen. Es ward
hoffentlich unwiderleglich dargethan, daß die diesjährigen
Medaillen, weil sie sparsam vertheilt wurden, einen ungleich
höheren Werth besitzen, als alle früheren. Aber ganz abgese
hen von diesem Qualitäts-Unterschied und trotz dieser Spar
samkeit der Vertheilung, hat die
Fabrication bei keiner früheren Ausstellung so
viele Medaillen als diesmal davongetra
gen. Im Jahre