Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wer, von Musik- und Musikvereins-Passion be
seelt, nicht Stimme genug zum Sänger besitzt, hat doch mei
stens hinreichenden Athem, um die Clarinette oder Trompete
zu blasen. Auf Grund dieser trostreichen Wahrnehmung ent
standen wol all die kleineren und größeren Harmoniemusik-
Vereine, welche ganz
tenstücke zu den jüngst hier geschilderten Männergesang-Ver
einen, könnten sie schlechtweg als blasende „Orphéons“ bezeich
net werden. Jede Stadt und jedes Städtchen in
hat ihre vollständige „Musique d’harmonie“, oder wenigstens
ihre „Fanfare“, so heißt die kleinere, blos aus Blech-Instru
menten bestehende Zusammensetzung. Sie recrutiren sich im
Allgemeinen aus denselben socialen Schichten, wie die Or
phéons: aus Handwerkern, Kaufleuten, kleinen Gemeinde-Beam
ten u. s. w.; nur erstrecken sich diese blasenden Genossenschaften
etwas niedriger und etwas höher in die Altersclassen, man
sieht da zwölf- bis fünfzehnjährige Knaben (wahre Schuster
jungen
bilden ausgediente Soldaten ein neues charakteristisches Ele
ment — ein sehr wichtiges obendrein, denn solche Veteranen
einer Regiments-Capelle werden, sobald sie in ihrem Heimat
städtchen sich zur Ruhe setzen, meistens Gründer oder Grund
festen einer Civil-Harmoniemusik. Letzerer gegenüber fühlen
sich die Orphéons als die individuellere, feinere, wol
auch vornehmere Kunstblüthe, als das Conceptspersonal
der Tonkunst, neben Registratur und Expedit derselben.
Der Regierung wie den Gemeinden sind aber die
Blasenden wie die Singenden „gleich liebe Kinder“. Nicht
jedes Städtchen kann einer Regimentsmusik theilhaftig, noch
weniger ohne den „
ture selig werden. So werden denn die Fanfaren des Ortes
durch Municipal-Beiträge und freiwillige Sammlungen nach
Möglichkeit unterstützt. Die Regierung sorgt für regelmäßige
Preisconcurse in den Arrondissements und Departements, die
dabei errungenen Medaillen reihen jeden Verein in eine höhere
oder tiefere „Division“. Diese Bruderschaften von der Regel
des Herrn
sie reihen sich der Nationalgarde, den Sappeurs und Pompiers
ihres Ortes ein und dürfen in Uniform ausrücken. Zu dem
Wettkampf nach
stärksten Vereine aus der Provinz erschienen: Fanfaren von
40 bis 60, Harmoniemusiken von 60 bis 90 Mann und
darüber. Was die künstlerische Bedeutung dieser Vereine be
trifft, so steht sie, wie jene der Orphéons, erst in zweiter
Reihe neben der geselligen. Nur die allerbesten der
zösisch
oder gar Vorzügliches; aber auch die geringste von ihnen darf
sich rühmen, einige Seelen dem Trunke und Kartenspiel ent
zogen zu haben. Für die Männer der Arbeit hat selbst ein
derber Verkehr mit der Kunst etwas Befreiendes, Veredeln
des; der Ehrgeiz, einem musikalischen Vereine anzugehören,
gibt noch einen weiteren Ruck nach Oben. Das Aufblühen
dieser Vereine reicht nicht viel weiter zurück als 20 Jahre,
und dennoch bestehen ihrer schon gegen 2000 im ganzen
Lande.
Der Vorgang der Jury war ungefähr derselbe wie bei
den Orphéons. Sie theilte sich in verschiedene Sectionen, die
durch volle zwei Tage gleichzeitig in verschiedenen Localitäten
die einzelnen Vereine hörten. Die Jury bestimmte, welche von
den Fanfaren und Harmoniemusiken als die besten zu der Be
werbung um den großen Preis zuzulassen seien. Diese hatten
sich dann in einer letzten Production gegen einander zu mes
sen. Zuvor vereinigten sich sämmtliche Vereine (wie früher die
Orphéons) noch zu einem „Festival“, das blos aus Gesammt-
Productionen bestand. Ganz streng darf man dies Wort nicht
nehmen, denn das Schisma zwischen der alten und neuen
(
große Hälften, welche nur immer abwechselnd spielen konnten.
Die Regierung, welche das Normal-Diapason in allen Regi
mentern, Schulen und subventionirten Theatern im Verord
nungswege eingeführt, konnte Privatvereine unmöglich dazu
zwingen. Ja, letztere, meist in knappen Geldverhältnissen, stürz
ten sich mit Eifer auf die Blas-Instrumente alter Stim
mung, welche von den Regimentsmusiken plötzlich um Spott
preise verkauft wurden. Das Local der Productionen war aber
mals der unglückliche Glaspalast in den
Nicht nur waren die Harmoniemusiken hier auf den Halbsold
des Effectes gesetzt, dessen sie in jedem anderen Locale sicher
sind, sie hatten auch noch mit den tückischen Echos des Saales
zu kämpfen. Bei marschartigem Rhythmus oder kurz abgebro
chenen Accorden hörte man lauter Nachschläge oder hinkende
Synkopen. Es war ein unbegreiflicher Fehler der
Commission, daß sie für die speciell musikalischen Feste
nicht auch einen akustischen Saal, allenfalls eines der großen
Theater, bestimmt hatte. Der Componist der preisgekrönten
Cantate zog es vor, sein Werk lieber gar nicht, als im Indu
striepalaste aufführen zu lassen, und die „Historischen Concerte“,
welche den Schluß der Ausstellungsmusiken bilden sollten, fal
len aus demselben Grunde weg. „Ce n’est pas une salle
sérieuse,“ erklärte das Comité der „Historischen“ und ging
auf Nimmerwiedersehen auseinander.
Die Stadt Lille, bereits preisgekrönt im Männergesang,
großen Spiegelfabrik bestehe. Man muß gestehen, daß diese
Leute ihre Sache ernsthaft nehmen. Leider hatte der Dirigent
dieses Vereins die Tactlosigkeit, ein donnerndes „Refusé!“ zu
rufen, als ihm bei der Preisvertheilung der zweite große Preis
(statt des erwarteten ersten) zuerkannt wurde. Wenn dergleichen
Richter in eigener Sache wüßten, wie viel von der allgemeinen Sym
pathie sie durch solche Scenen sofort verscherzen! — Besonderes In
teresse erregte auch eine über 40 Mann starke Fanfare, die ihrer stark
demokratischen Physiognomie zum Trotz von einem Grafen
dirigirt wurde. Der Graf v. Beurges, ein hübscher junger
während — überall dieselbe Sicherheit, Reinheit und Leichtig
keit. In dieser Hinsicht sind die neuen
6 Pistons und unabhängigen Röhren) die vollkommensten Werk
zeuge; für die Kunst dürften sie ein blendendes Unheil werden.
Hat man einmal im Orchester Posaunen und Trompeten,
welche mit Leichtigkeit die Bravourpassagen einer Flöte oder
Clarinette hervorbringen, dann werden auch die Componisten
nicht widerstehen können, diese Eigenschaften ans Licht zu
ziehen und für die Posaunen clarinettmäßig zu schreiben. Die
haben zwei unheilvolle Consequenzen im Gefolge: einmal ver
leiten sie die Componisten zu einer bravourmäßigen, entarten
den Behandlung der Harmonie, sodann verdrängen sie allmä
lig ältere typische, in ihrem Klange unersetzbare Instrumente.
Nicht nur sind Oboen und Fagotte bereits aus den
sch
bereits durchwegs durch
Die Civil-Harmoniemusiken und Fanfaren folgen natürlich die
sem Beispiele, und es hat mich förmlich wehmüthig gestimmt,
die „ Freischütz“-Ouverture von den besten Civilgesellschaf
Während die Theilnahme an diesen Productionen der
zösisch
fand der wahrhaft internationale Wettkampf der Militär
musiken im Industriepalast unter dem enormsten Andrang
Die Jury bestand aus vierzehn Franzosen (den Gene
ralen Mellinet und
v. Bülow) und
Jeder mit den speciellen Verhältnissen Vertraute muß
unter den drei Preisträgern
lung, somit das relativ größte Verdienst zugestehen.
reichRegimentsmusik gesendet,
durchwegs Soldaten, und zwar mit denselben Instrumenten,
die sie im Felde gebrauchen. Hingegen darf man nicht ohne
Grund annehmen, daß die anderen Capellen sich durch ein
zelne virtuose Künstler ausnahmsweise verstärkt und manche
kostbarere Concert-Instrumente benützt haben.
überdies die Musiker zweier Garde-Regimenter vereinigt
und dadurch eine Tonmasse entwickelt, nach welcher die der
Oesterreicher schwach erscheinen mußte. Die Preußen waren
uns an Quantität und Qualität der Instrumente überlegen,
wol auch in der unfehlbaren Sicherheit und letzten Feile der
Ausführung. In dem Vortrag der
gegen herrschte mehr Leben und Temperament, mehr Sinnlich
keit und musikalische Empfindung. Die siegreiche Capelle dieses
Regiments (Nr. 73, Herzog von Würtemberg) ist erst seit
wenigen Jahren constituirt, und erst seit zwei Jahren unter
der trefflichen Leitung ihres jugendlichen Capellmeisters Zim
; der Werbbezirk dieses Regiments ist
Den Oesterreichern, Preußen und der Garde de
reihten sich zunächst die Russen, Baiern und die Guides de la
Garde impérial von
zu kränken, theilte die Jury den zweiten Preis unter diese drei
Concurrenten. Die
Idee, ein Potpourri von
tragen, deren einfache und charakteristische Schönheit nach den
vielen Virtuosenstücken, „
günstigsten Eindruck machte. Die starke Besetzung der Holz-Blas-
Instrumente verlieh der
Charakter von gesangvoller Weichheit und Empfindung.
Die treffliche Ausführung des „ Lohengrin“-Marsches
durch die baierische Militärmusik ließ den künstlerischen
Die Guiden gaben eine förmliche Vir
tuosen-Production, den „
Unzahl halsbrecherischer Solo-Variationen. Es gilt davon, was
oben von der Militärmusik solch kokette und läppische Spielereien noch
widerlicher. Natürlich wurden alle chromatischen und Triller-
Kunststücke der neuen
mals ins Feuer geführt — eine geblasene Reclame. Die Virtuo
sität der Solisten ließ übrigens die Zusammensetzung dieser
„Regimentsmusik“ etwas zweifelhaft erscheinen; hat doch die
gement von Künstlern für drei Jahre) bei ihren Regiments
musiken protegirt.
Die berühmte Capelle der
bestehende Cavallerie-Musik in
Schluß der Ausstellung aufgelöst werden. Kaiser
alle Musikbanden der Cavallerie aus Ersparungsrücksichten abge
schafft und dadurch allerdings in jedem Regiment 30 Mann und 30
Pferde für den activen Dienst gewonnen. Dieselbe Maßregel hatte aus
gleichem Grunde schon Bonaparte im Jahre