Oper und Concert.
(Gastspiel der Frau v.
Voggenhuber. — Quartett-Production von
Joachim. —
Zweites Gesellschafts-Concert.)
Ed. H. Die Sängerin v. Voggenhuber aus Bremen
beschloß ihr kurzes, aber sehr günstig aufgenommenes Gastspiel
als Selica in der „Afrikanerin“. Sie hat in dieser Rolle,
wie in den zwei früheren (Fidelio und Margarethe),
das Publicum und die Kritik durch so werthvolle künstlerische
Eigenschaften befriedigt, daß sie trotz ihrer freundlichen Er
scheinung beinahe hier engagirt worden wäre. Daß in
dieser Frau ein echtes, nicht gewöhnliches Talent stecke,
ließ sich trotz ihrer Befangenheit sofort erkennen. Ihre Be
gabung ist um so höher anzuschlagen, als Frau v. Vog
genhuber so gut wie Alles aus sich selbst schöpfen mußte, keine
bedeutenden Vorbilder vor Augen hatte und bisher nur auf
kleinere Bühnen angewiesen war. Eine noch weitere Vervoll
kommnung dieser Sängerin unter einer tüchtigen Direction
und in einem großen künstlerischen Ensemble scheint kaum zu
bezweifeln. Die Stimme der jungen Dame ist ein Sopran
von weichem, sympathischem Klang und mäßiger Kraft; der
Umfang derselben bewältigt abnorme Partien wie Fides und
Selica ohne jede Punctirung. Sie intonirt rein, faßt die Töne
sicher und spricht deutlich aus. Was zunächst für die Leistun
gen der Frau v. Voggenhuber einnahm, ist die warme, echte
Empfindung, die aus dem Herzen quillt, ohne unnatürliche
Effecte zu suchen oder sich gefallsüchtig vorzudrängen. Ein tiefer
Ernst der Auffassung geht damit Hand in Hand; die Sän
gerin geht in dem darzustellenden Charakter vollständig auf und
ist singend wie im stummen Spiel immer ganz bei der Sache.
Die eigentliche Gesangskunst (in der Regel die schwache Seite
der „dramatischen“ Sängerinnen in Deutschland) ist auch bei
Frau v. Voggenhuber nicht hoch ausgebildet. Ihrer Coloratur
fehlt die Gleichheit und Leichtigkeit, geschweige denn der Glanz.
Stücke, wie das Schlummerlied der Selica und die Schmuck-
ArieGretchenʼs blieben deßhalb unter der gewohnten Wirkung.
Auch andere nicht colorirte, aber musikalisch bedeutungsvolle
Stellen ermangelten der vollkommenen Technik, des letzten
Schliffes der Phrasirung. Als Fidelio arbeitete sich Frau
v. Voggenhuber aus großer Befangenheit zu einem siegreichen
Aufschwung in der Kerkerscene empor; die Scenen der Selica
im vierten Act sang sie mit wohlthuender Wärme und spielte
den fünften Act geradezu meisterhaft. Als Gretchen (in Gou
nodʼs „Faust“) erreichte sie zwar weder die glühende Leiden
schaftlichkeit der Frau Dustmann, noch weniger die voll
endete Kunst und Zierlichkeit der Artôt, aber es war ein
echtes und rechtes „Gretchen“, eine Leistung aus Einem Guß,
Gesang und Darstellung Aeußerungen eines Wesens. Und
das ist die große Uebermacht des geistigen Theiles in aller
Kunst, daß er über technische Anstöße hinwegzuheben vermag.
Im „Faust“ sang Herr Rokitansky zum erstenmale
den Mephisto, ohne die Leistungen seiner Vorgänger Schmid
und Mayerhofer zu erreichen. Dr. Schmid steht durch
die Pracht seiner nicht blos starken, sondern metallreichen
Stimme im Vortheile gegen die beiden anderen Bassisten;
er singt die zwei Lieder Mephistoʼs sehr wirksam und verdient
nur den Vorwurf, den Humor der Gartenscene durch un
articulirte Nestroy-Laute und Gesten ins Triviale herabzuziehen.
Herr Mayerhofer, an Stimme und Statur von seinen
beiden Collegen um Kopfeshöhe überragt, ist ihnen als Schau
spieler weit überlegen. In der Declamation, Mimik und Kunst
der Maske übertrifft er fast alle Mitglieder des Operntheaters.
Er fand für die Partie des Mephisto einige neue glückliche
Motive (z. B. das Spiel mit der Börse während des ersten
Liedes), schadet aber der Leistung durch übermäßiges Detail,
wie in der unseligen Flucht vor den Schwertgriffen der frommen
Stammgäste. Die Scene, schwer und unangenehm zu spielen,
ist eine von keinem Darsteller gutzumachende Albernheit der
Textdichter. In Goetheʼs „Faust“ scheuen die bösen Geister
das Kirchliche nicht; ein böser Feind flüstert im Dome Gretchen
ins Ohr, und Mephisto selbst betrachtete sie im Beichtstuhl.
Was für ein armer Teufel, der sich vor der Kreuzform eines
Schwertgriffes ohnmächtig windet! Der Schauspieler thut hier
je weniger desto besser. Herr Rokitansky faßt die Scene
sehr gut; er stemmt sich anfangs in trotziger Haltung gegen
seine Bedränger und wendet sich erst allmälig ab, die Kreuze
nicht ansehend, aber von ihnen auch keineswegs erschüttert.
Ueberhaupt war Herr Rokitansky in den zwei ersten Acten
charakteristisch in Spiel und Gesang; es freute uns, endlich
etwas mehr Wärme und Eifer an ihm wahrzunehmen und ihn
wieder einmal loben zu können. Dieser Sänger ist uns eine
räthselhafte Erscheinung. Die Natur ist nicht karg an ihm
vorübergegangen, sein Kehlkopf ist nach der competenten Ver
sicherung Dr. Störkʼs ein Wunder an Größe. Rokitansky
besitzt außerdem tüchtige Gesangsstudien und große musikalische
Sicherheit. Seine allgemeine wissenschaftliche Bildung steht
hoch über dem gewöhnlichen Theaterniveau. Und dennoch mit
all diesen Vorzügen auf der Bühne so wenig anzufangen,
— wie fängt man das an? Es fehlt eben die rechte Be
geisterung für den Beruf, die Lust und Liebe zur
Sache. Herr Rokitansky vernachlässigt sich, seine Stimme
wie seine Kunst sind seit dem ersten Gastspiele ohne Frage zu
rückgegangen. Wir sehen ihn alle Rollen mit derselben ver
drießlich schwerfälligen Gleichgiltigkeit singen und spielen. Das
tonlose Fallenlassen der Periodenschlüsse ist ihm fast zur
stehenden Gewohnheit geworden, und wird dann zur Abwechslung
Einzelnes recht derb losgelegt, so wirken diese unvermittelten
Extreme noch naturalistischer. Wenn Herr Rokitansky sprich
wörtlich dankbare Rollen wie den „Bertram“ mit einer Flauheit
ausführt, daß keine Hand sich rührt (weder an Herrn Roki
tansky noch im Parterre), so kann man sich denken, wie we
nig Interesse kleinere Partien ihm einflößen. Nach solchen
Erfahrungen sahen wir ihn mit wahrem Vergnügen den Me
phisto charakteristischer und lebhafter anfassen. Leider währte
die Freude nicht lange, schon in der Gartenscene ward Me
phisto matt und humorlos, um schließlich im vierten und
fünften Acte in vollständiger Passivität zu verlöschen. Es
sind keine schmeichelhaften Wahrheiten, die wir Herrn Roki
tansky heute sagen, aber er ist der Mann dazu, wenn er will,
sie durch künstlerische Gegenbeweise zu widerlegen. Wäre Herr
Rokitansky nicht ein so reich ausgestatteter und intelligenter
Künstler, an welchen sich große Erwartungen knüpften, wir
hätten sanfter von ihm gesprochen und weniger.
Herr Adams, unser bildhübscher neuer Tenor, ist im
Gegensatze zu Rokitansky voll Eifer und Beweglichkeit, aber
sein Kehlkopf ist desto kleiner. Man müßte ein Sänger von
glänzendem Geiste und genialem Herzen sein, um mit dieser
kleinen, einfärbigen Stimme ein Publicum zu entzünden und
mit sich fortzureißen. Herr Adams erscheint aber blos nett,
anständig und gewissenhaft. Sein Gesang ist recht gut ge
schult, sein Spiel sehr gewandt, nicht sowol individualisirend,
als allgemeine Formen gefällig ausfüllend. Zarte lyrische Mo
mente gelingen ihm am besten, und Partien wie Edgardo oder
Elvino gehen nicht ohne Applaus für ihn vorüber. — Im
„Faust“ ist nunmehr Frau Marthe Schwertlein aus den
Händen einer ganz unzureichenden Darstellerin an Fräulein
Gindele übergegangen, welche diese kleine, aber für das Ge
lingen des dritten Actes wichtige Partie mit dem rühmlichsten
Eifer und Geschick ausführt.
Im Hofoperntheater ist der vortreffliche Bassist Herr
Schmid nach langem Krankenlager wieder in Nicolaiʼs
„Lustigen Weibern von Windsor“ aufgetreten. Nicht nur von
den Opernbesuchern war die Thätigkeit Schmidʼs schmerzlich
vermißt worden, die Theilnahme an dem Los des schwerge
prüften, als Künstler wie als Mensch hochgeachteten Mannes
war eine ganz allgemeine. Kein Wunder, daß man den Wie
dergenesenen mit Jubel empfing, sich der unversehrten Kraft
und Fülle seiner Stimme freute und ihm schließlich eine An
zahl von Kränzen warf, die vom Boden aufzulesen dem colos
salen „Falstaff“ schwer genug fallen mochte.
Joseph Joachim gab am Donnerstag — unterstützt von
den Herren Käßmayer, Hilbert und Röver — die erste
seiner drei Quartett-Productionen. Der musikalische Stoff
stürmt diesmal so lawinenartig auf uns ein, daß wir uns
auf wenige Worte beschränken müssen. Am kürzesten machen
wir es wol: daß wir Quartett-Musik niemals so vollendet schön
vortragen hörten. Man macht sich schwer eine Vorstellung
von dem ruhigen Pathos und der zusammengehaltenen Kraft,
mit welcher JoachimBeethovenʼsF-dur-Quartett (Rasu
mowsky) anstimmte, um es später zur ergreifendsten Klage zu
vertiefen und schließlich zur höchsten Energie zu entfesseln.
Man macht sich noch schwerer eine Vorstellung von dem Zau
ber, welchen ein Haydnʼsches Quartett unter Joachimʼs
Bogen gewinnt. Es ist als wenn ein wohlbekanntes Bildchen
nach allen Dimensionen größer, in allen Farben frischer und
sprechender würde. Zwischen den beiden Quartetten spielte
Joachim mit Brahms eine Sebastian Bachʼsche Sonate
in E-dur, deren reicher, breit ausströmender erster Satz das
etwas krause Formelwesen der folgenden bedeutend überstrahlt.
Natürlich, daß der Musikvereinssaal voll Zuhörer und diese
voller Freude waren.
Das zweite Gesellschafts-Concert bestand aus
zwei musikalischen Cyklen sehr verschiedenen Charakters: dem
„Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms und der voll
ständigen „Rosamunde“-Musik von Schubert. „Rosamunde“
war bekanntlich ein im Theater an der Wien durchgefallenes
Ritterstück von Frau Helmine v. Chezy, demselben rastlosen
Blaustrumpf, der auch die „Euryanthe“ verfertigte, und so
auf Flügeln des Gesanges von Schubert und C. M. We
ber als Ueberfracht in die Unsterblichkeit spedirt wurde. Schu
bert hatte das Stück verschwenderisch mit einer Musik ge
schmückt, welche jetzt zum erstenmale vollständig aufgeführt zu
haben ein neues, schönes Verdienst des Hofcapellmeisters Her
beck ist. Mehrere Nummern, die größeren und selbstständi
geren, waren bereits aus früheren Gesellschafts-Concerten be
kannt. Von den neuen gefiel am meisten eine marschartige
Balletmusik in G-dur, die man zu den liebenswürdigsten
Genrebildern Schubertʼs zählen darf. Das glitzert und duf
tet wie ein glücklicher Frühlingsmorgen. Auffallend genug erin
nert das wuchtig aufstampfende G-moll-Unisono der Contrabässe an
den Zigeunertanz in den „Hugenotten“. Das ungemein graziös
gespielte Stück mußte wiederholt werden — wol das erste
und einzige Beispiel einer Balletmusik, welche ohne Mit
wirkung der Scene und des Tanzes im Concertsaal sol
chen Erfolg errung! Auch die übrigen Nummern athmen in
jedem Tacte die Schubert eigenthümliche anmuthige Romantik,
doch bedürfen sie zu ihrer vollen Wirkung mehr oder minder
des Theaters. Das Publicum dankte Herrn Herbeck für die
neue Schubertgabe und deren treffliche Vorführung durch wie
derholten Hervorruf; desgleichen dem Fräulein Magnus für
ihren warmen und fein nuancirten Vortrag der „Romanze“.
Wir können bei diesem Anlasse nicht umhin, die jüngst von
Herrn Speidel ausgegangene Anregung einer Gesammt
ausgabe von Schubertʼs Werken hier aufzunehmen und auf
das wärmste zu unterstützen. Möge Herr Spina, dessen
Verlag eine so rühmliche Thätigkeit auch für Schubert zu
entfalten begann, den letzten entscheidenden Entschluß fassen
und Oesterreich die Beschämung ersparen, daß es seinen
Schubert im Auslande herausgegeben sehe.
Das Gesellschafts-Concert brachte ferner (gleichfalls unter
Herbeckʼs Direction) ein noch ungedrucktes „Deutsches Re
quiem“, von Joh. Brahms für Chor und Orchester. Es
war nicht die ganze, aus sechs Sätzen bestehende Composition,
sondern nur deren erste Hälfte, die aufgeführt wurde. Den
Text bilden Bibelstellen, welche die Vergänglichkeit des Irdi
schen und die Hoffnung auf ein Jenseits aussprechen; die Com
position ist als eine großartige musikalische Todtenfeier mehr
noch für die Kirche als den Concertsaal gedacht. Das „Deutsche
Requiem“ ist ein Werk von ungewöhnlicher Bedeutung und
großer Meisterschaft. Es dünkt uns eine der reifsten Früchte,
welche aus dem Styl der letzten Beethovenʼschen Werke auf
dem Felde geistlicher Musik hervorgewachsen. Seit den Todten
messen und Trauercantaten unserer Classiker hat kaum eine
Musik die Schauer des Todes, den Ernst der Vergänglich
keit mit solcher Gewalt dargestellt. Die harmonische und con
trapunktische Kunst, die Brahms in der Schule Sebastian
Bachʼs erwarb und mit dem lebendigen Athem unserer Zeit
durchhaucht, tritt für den Hörer ganz zurück hinter dem von
rührender Klage bis zum vernichtenden Todesgrauen sich stei
gernden Ausdruck. Wie ergreifend erhebt sich der erste Satz
(„Selig, die da Leid tragen“) auf seinen ruhigen
und doch so überraschenden Harmonien, bald getra
gen von tiefem Violoncell- und Posaunenklang, bald
von leisen Harfentönen wie von Geister-Erscheinungen durchweht.
Und doch ist dies nur ein Vorspiel zu der gewaltigen Tragö
die des zweiten Satzes in B-moll („denn alles Fleisch ist wie
Gras“), in welchem das Grauen der Verwesung nur von dem
verklärten Lächeln eines brechenden Auges erhellt wird. Es ist
der bedeutendste von den drei Sätzen und würde uns noch
größer dünken, wenn er mit der letzten dröhnenden Wieder
holung des Hauptthemas in B-moll schlösse; das angefügte
B-dur Allegro: „Die Erlösten des Herrn“ erscheint mehr wie
ein äußerlicher Anhang, als wie ein organischer Abschluß. An
Größe der Conception steht der dritte Satz den beiden ersten
nicht nach, an contrapunktischer Kunst übertrifft er sie. Den
noch wirkt er nicht so klar und harmonisch wie jene, er be
stürmt den Hörer mit Eindrücken von mitunter sehr gewalt
samer Art, denen nach der vorhergegangenen Aufregung und
Anspannung schwer Stand zu halten ist. Der Satz hebt mit
einem Bariton-Solo an („Herr, lehre mich doch, daß es ein
Ende mit mir haben muß“), welches vom Chore bald beant
wortet, bald unterstützt wird; Alles im Tone tiefster Trauer.
Das D-moll-Andante geht schließlich in die Dur-Tonart über
und bringt über dem Orgelpunkt der Tonica einen
vierstimmigen fugirten Satz: „Der Gerechten Seelen sind in
Gottes Hand“. Dieser Orgelpunkt hat die unbarmherzige
Länge von 72 Vierviertel-Tacten (tempo moderato) und wird
von den (nach D herabstimmenden) Contrabässen, Hörnern,
Posaunen und einer ununterbrochen in Sextolen schlagenden
(nicht wirbelnden) Pauke ausgehalten. Der Componist hat
diese in der Partitur imponirende Stelle in ihrer äußeren
Wirkung nicht richtig berechnet. Einmal verschlingt der dröh
nende Orgelpunkt das Geflechte der Singstimmen, das man
nicht mehr zu erkennen vermag, sodann versetzt das unaufhör
liche Paukengehämmer auf Einem Ton den Zuhörer in eine
nervöse Aufregung, die jede ästhetische Aufnahme vereitelt. Je
mand verglich die Wirkung dieses Orgelpunktes mit der beän
stigenden Empfindung, die man beim Fahren durch einen sehr
langen Tunnel hat. Vom Orgelpedal gehalten, würde die Stelle
wahrscheinlich diese allarmirende Wirkung verlieren, welche hier dem
Erfolg des dritten Satzes so sehr schadete. Während die beiden ersten
Sätze des „Requiem“ trotz ihres düsteren Ernstes mit einhelligem
Beifall aufgenommen wurden, war das Schicksal des dritten
Satzes ein sehr zweifelhaftes. Daß eine so schwerfaßliche, nur
in Todesgedanken webende Composition keinen populären Er
folg erwartet und viele Elemente eines großen Publicums un
befriedigt lassen wird, ist begreiflich. Aber selbst dem Wider
streben, so glaubten wir, müßte sich eine Ahnung von der
Größe und dem Ernste des Werkes beimischen und Respect
auferlegen. Dies schien nicht der Fall bei einem Halbdutzend
grauer Fanatiker alter Schule, welche die Unart begingen, die
applaudirende Majorität und den vortretenden Componisten
mit anhaltendem Zischen zu begrüßen. Daß ein solches „Re
quiem“ auf den Anstand und die gute Sitte in einem Wiener
Concertsaale ertönen könne, hat uns auf das bedauer
lichste überrascht. Brahms selbst braucht sich darob
nicht zu grämen. In wenigen Jahren wird das Publicum ge
wiß sein „Requiem“ mit ungetheilter Würdigung aufnehmen
und werden selbst die Concertdiener vom Hörensagen hinläng
lichen Respect dafür haben, um etwa aufzischende musikalische
Vipern vor die Thür zu setzen.