Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es gilt jetzt den schwierigen Versuch, eine Oper zu
schildern, in welcher unendlich wenig geschieht und unendlich
viel gesungen wird. Die Ouvertüre zu den „
singern
weise in eine Fluth von chromatischen Gängen und Sequenzen
wirft, um sie schließlich in einem wahren Ton-Orcan über-
und durcheinander zu schleudern, muß in Uneingeweihten die
Vermuthung erregen, daß die
hauptsächlich mit Cyankali beschäftigten. Dieses Orchesterstück
für die unangenehmste Ouvertüre der Welt zu erklären, hin
dert mich lediglich die Rücksicht auf das noch entsetzlichere
Vorspiel zu „ Tristan und Isolde“. Ich muß dabei immer
Preis im Meistergesang zu erringen.
lena
in der Kirche, wo eben Vorbereitungen zu einer Versammlung
der Meistersinger getroffen werden.
ihn, auf welche Art man Meistersinger werden könne. Mit
einer entsetzlichen Gründlichkeit belehrt ihn
Einrichtungen des „Singgerichtes“ und die poetischen Regeln
der Tabulatur. Er zählt ihm an 40 bis 50 verschiedene
„Töne und Weisen“ vor, wie „die
röhrenweisʼ, die Frösch-, die Kälber-, die Stieglitzweisʼ, die ab
geschiedene Vielfraßweisʼ“ u. s. w. — es klingt wie ein in
Musik gesetzter Auszug aus Wagenseil. Endlich kommen
Der Stadtschreiber Beckmesser, ein boshafter alter
Sänger gegen die Schulregeln des Meistersangs begangen.
Zuvor werden dem
vorgelesen, worauf der Zuschauer, schon übersättigt von all
den früheren Explicationen der Meistersinger-Regeln, gerne
verzichten würde.
Kothner singt: „Ein jedes Meistergesanges Bar — stellʼ
geistvoller und anmuthiger Details es zu keiner rechten und
vollen Wirkung bringt, hauptsächlich durch die maßlose Unruhe
in der Begleitung und Modulation. Wir ziehen die stimmungs
vollen Strophen vor, mit denen
die gestellten Fragen beantwortet („Am stillen Herd in Win
terszeit“). Schade, daß die Gesänge Pognerʼs Anrede — das Beste in der Oper bilden, einander
wahre Geduldproben für den Hörer. Der Stoff gäbe, rasch
und launig behandelt, eine wirksame Introduction; zu einem
ganzen, langen Act ausgedehnt, wird er von unerträglich pro
saischer Schwere. Für die komische Oper — und das sind
die „
und Lösung, ganz abgesehen von den zwei ausgesprochenen
Buffo-Figuren
Talent in keiner Weise geschaffen. Der Conversationston, wel
cher doch fast ausschließlich in den zwei ersten Acten herrscht,
klingt nicht einen Augenblick leicht und fließend, sondern ist
durch eine schwerfällige, gesuchte, fortwährend unruhige Musik
wiedergegeben, deren Instrumentirung obendrein in complicir
tester und lautester Weise arbeitet. Die Sänger müssen
einander die alltäglichsten, auf den gewöhnlichen Sprach
ton angewiesenen Fragen und Antworten zuschreien,
um den Schwall des Orchesters zu übertönen. Schreiten wir
von dieser ganz verfehlten Färbung des gewöhnlichen Gesprächs
zu dem Ausdruck des eigentlich Komischen weiter, so wird das
Unzureichende der
sie, in den Rollen
will, wird sie gespreizt, überladen, ja häßlich bis zur Unaus
stehlichkeit. Mit den grausen Dissonanzen, in welchen
messer
dung Glosterʼs in „
hervorzuheben. Humor und Grazie fehlen aber
ständig, das hat er mit seinem
gemein. Wenn es schon Meyerbeer schwerfällt, den Aus
Dieser Act beginnt mit einem Singen und Springen
der Lehrbuben, die sich auf das Johannesfest freuen und, wie
gewöhnlich, ihren Collegen
kommen des Weges und singen ein höchst uninteressantes Ge
spräch.
des
Jetzt merkʼ ich wahrlich, Pech ist kein Wachs.“
berichtet ihr den ungünstigen Ausgang. Von der Schwerfällig
keit dieses sich endlos hinziehenden Dialogs läßt sich schwer eine
Vorstellung geben. Jeder „alte Meister“ hätte sich hier leicht
mit dem einfältigen Mittel geholfen, die Beiden auch einmal
zusammen singen zu lassen, allenfalls die Conversation mit
einem Duettsatz zu schließen. Aber bei Richard
dürfen die Leute nur Einer nach dem Andern, nie zugleich
singen, weil das unnatürlich sein soll und obendrein angenehm
klänge.
Ritter
Verse: „Ja, Ihr seid es! Nein, du bist es!“ u. s. f. kommt
es auch hier zu keinem Duettsatz; Jedes singt dem Andern
seine Gedanken extra vor, welche — musikalisch sehr reizlos
und gezwungen — sich endlich in dem Plane zur Flucht
vereinigen. Das Liebespaar ist bereit, doch muß es sich zuerst
vor dem vorbeiziehenden Nachtwächter und jetzt gar vor Herrn
Beckmesser in die Ecke drücken.
Gasse mit Menschen, die nun alle zu schimpfen, zu schreien
und prügeln beginnen, bis ein wahrer Teufelslärm
entsteht, wie man nie einen ähnlichen auf der Bühne
gehört hat. Beim Studium der Partitur hatte ich mir
gerade von diesem Finale viel mehr erwartet;
hat mit wahrhaft raffinirter Kunst dieses Durcheinander auf
gebaut, in welchem bald einzelne Stimmen, bald ganze Chor
gruppen sich gegenüberstehen, einander im Eifer das Wort vom
Munde abfangend. Seltsamerweise hat den Componisten hier
sein scharfer praktischer Blick getäuscht: von der ausge
tüpfelten musikalischen Disposition ist nichts, gar nichts zu
unterscheiden, man hört nichts als ein wahrhaft brutales
Schreien und Lärmen. Eine sehr gute Idee, daß
den Act nicht geradezu mit dem Straßenspectakel schließen,
sondern die Leute sich verlaufen und den Lärm allmälig ver
hallen läßt. Wir sehen den
die leere, mondbeglänzte Straße schreiten — einer jener poe
tisch-pittoresken Effecte, auf die sich
steht. Der zweite Act ist zu Ende, und wir haben geistreiche
Details bemerkt, aber kaum etwas gehört, was uns anhaltend
hätte erfreuen und erwärmen können. Um 9 Uhr beginnt
der dritte Act, der längste, aber auch beste der Oper. Zu An
fang desselben geht es freilich noch ganz in dem flauen, ge
dehnten Declamirton des zweiten Actes fort. Da gibt es eine
spießbürgerliche Einleitungs-Scene zwischen
zum Namenstage gratulirt. Es folgt ein langer, langer Mono
log des
blitzte nicht eine reizende kleine Instrumental-Schilderung
(„Glühwürmchen“) mitten in den salbungsvollen Singsang,
man geriethe in Gefahr, einzunicken. Ritter
unter Harfen-Arpeggien bei
seinen Traum zu erzählen.
leuchtend“, beginnt mit einer zarten Melodie, die zum Glücke
nicht schon mit dem dritten Tacte sich in den Ocean der
„Unendlichkeit“ verliert und sogar eine recht ruhige, einfache
Begleitung hat. Die Melodie macht einen günstigen Eindruck,
was der Componist nur zu gut weiß, denn er kann davon
nicht mehr fortkommen. Die vielen Strophen und späteren
Wiederholungen des Liedes schaden ohne Frage. Während
der später eintritt, will das Blatt stehlen,
ihm und erlaubt dem Ueberglücklichen, es beim Preissingen
am Johannesfeste ohneweiters als sein eigenes vorzutragen.
Die Unterredung zwischen
seiner Freude ebenso barbarisch und unnatürlich singt, wie
früher im Zorne) ist abermals eine starke Geduldprobe für
den Hörer. Zum Glück kommt endlich
schmucke, läßt sich vom
dehnen, als plötzlich auch
hereintritt. Es versteht sich beinahe von selbst, daß die Beiden
(wie „
ten lang „wie festgebannt“ in sprachlosem Entzücken gegenüber
stehen müssen.
„Morgentraumdeut-Weise“, die
ziehung des
Wir würden auf diese etwas kindische Feierlichkeit gern ver
zichten, wenn sich nicht daraus etwas höchst Ueberraschendes
und Erfreuliches entwickeln würde. Nämlich nichts weniger
als ein sehr wohlingendes, schön abgerundetes Vocal-
Quintett, dessen melodiöse Oberstimme zuerst
satzes, welcher in irgend einer anderen Oper vielleicht keine
ungewöhnliche Aufmerksamkeit erregt hätte. Das ist eines der
Geheimnisse unseres modernen Meistersingers. Die Scene
verwandelt sich in einen freien Wiesenplatz vor den Thoren
hen in festlicher Kleidung, mit Musik und Fahnen auf; die
Schuster, die Schneider, die Bäcker singen ihre Handwerks
lieder, deren poetische und musikalische Derbheit man sich hier
gern gefallen läßt. Ein kleiner Walzer, von einfachster Me
lodie, aber köstlicher Instrumentirung, belebt die Scene. Trom
petengeschmetter auf der Bühne verkündigt das Herannahen
der Meistersingerzunft. Die Scene bietet ein so prachtvolles,
rechtbewegtes und historisch treues Bild, daß das Auge mehr
beschäftigt ist als das Ohr. Man horcht deßhalb nicht so
genau auf die allzu gedehnte, salbungsvolle Anrede Hanns
Beckmesser ist der erste Sänger, der um den
(Schluß folgt.)