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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Sommersaison im Hofoperntheater läßt sich
weit besser an, als es sonst unmittelbar nach den Theater
ferien der Fall zu sein pflegt. Die Abwesenheit zahlreicher noch
beurlaubter Mitglieder, die Unlust der Sänger, die, durch den
Anblick des spärlichen Publicums gelähmt, wieder auf dieses
ungünstig zurückwirken, dazu ein abgespieltes Repertoire und
der weitverbreitete Aberglaube, daß ein warmer Sommerabend
sich besser in
im
angeregten Gedanken, die Opernferien mindestens um einen
halben Monat zu verlängern. Den Vorschlag halten wir auf
recht, obwol diesmal, wie gesagt, die
hender als gewöhnlich sind. Das Publicum bekommt in rascher
Folge eine Reihe fünfactiger Lieblingsopern und dazu das Gast
spiel des so sehr beliebten Tenoristen Sontheim. „
Im Ganzen spricht der Beginn der Sommersaison für
die Einsicht und den redlichen Eifer der neuen Direction,
wenn sie uns auch so Manches noch schuldig geblieben ist.
Wir wissen, daß Herr v. Dingelstedt nicht alles Wün
renderes, als wenn die tragische Heldin, die in Wahnsinn da
vonstürzt oder gar todt hinweggeschleppt wird, sofort bei offe
ner Scene, also mitten in der Handlung, auf den Applaus
des Publicums lächelnd und kniend wieder aus der Coulisse
tritt, in zahllosen Verbeugungen alle mimischen Kunststücke
eitler Bescheidenheit erschöpft und zum Ueberflusse auch noch
eine Schicht Blumen und Kränze vom Boden aufsammelt!
Noch schlimmer, wenn der Jubel nach einem Duett oder Ter
zett losgeht. In der letzten Vorstellung der „
das einleitende Duett zwischen den Herren Sontheim und
neswegs pedantisch, wenn wir großes Gewicht auf eine Thea
ter-Disciplin legen, welche nicht der Ausdruck einer willkür
lichen Etiquette, sondern der Achtung vor der Integrität des
Kunstwerkes ist. Das Burgtheater ist ein wahres
Muster in dieser Hinsicht; es geht in seiner strengen Decenz
noch weiter als das Théâtre Français in
den Hervorruf der Schauspieler nicht einmal nach dem Act
schlusse. Diese Strenge beanspruchen wir für ein Operntheater
nicht, sie könnte für Tenoristen und Primadonnen tödtliche
Folgen haben. Im Burgtheater herrscht eine eigenthümlich
wohlthuende Atmosphäre von Anstand und Mäßigung — Pu
blicum und Künstler sind durch eine lange Lehrzeit dazu erzo
gen worden und bedürfen keiner lärmenderen Demonstrationen.
Man weiß dort auch ohne Hervorruf, wer die Lieblinge des
Publicums sind, und ein herzlicher, nicht betäubender Applaus
wiegt im Burgtheater schwerer als der schwerste Kranz „nächst
dem Kärntnerthor“. „Es gibt doch kein besseres Zeichen eines
tüchtigen Kopfes, als eine schwere Hand,“ so sagt bei
speare
operntheaters zurückzukommen: es ist gewiß, daß sie eher zu
wenig als zu viel verbietet. Da man doch offenbar die Sache
und nicht die Personen im Auge hat, so ist es z. B. ganz
ungerechtfertigt, fremden Sängern zu gestatten, was den ein
heimischen verboten ist; die Störung bleibt dieselbe. Eine con
sequente ästhetische Polizei müßte noch weiter gehen: sie müßte
das Hinabwerfen von Kränzen, Bouquets und anderen Wurf
geschossen auf die offene Scene untersagen. Dafür ist in den
Zwischenacten hinlänglich Raum und Zeit, gerade wie für das
Hervorrufen. Diese immer störende, meistens unzeitige und sel
ten unbestellte Schleuderei während des Stückes selbst ist, ge
linde gesagt, eine Barbarei. Man verlege sie in die Zwischen
acte; damit werden auch die schriftlichen Instructionen über
flüssig (wir hatten solche von einer hiesigen Sängerin in Hän
den), worin der Freund genau unterrichtet wird, nach welcher
Arie er den grünen Tribut zu werfen habe, den sie dann so
hold erschrocken an die bescheidene Brust drückt. Wir haben
wenig Hoffnung auf einen solchen neuen Verbotsparagraph
„de effusis et ejectis“; was wir aber beanspruchen, ist die
strenge Aufrechthaltung der alten Paragraphe. Entschließt sich
die Direction nicht rasch dazu, so dürfte es im Hofopernthea
ter bald zugehen wie bei einer Benefice-Vorstellung in einem
Einmal im Zuge der musikalischen pia desideria, haben
wir auch einen Wunsch bezüglich unserer Sommer-Liedertafeln
auf dem Herzen. Fanden wir in der Oper das unzeitige Vor
treten der Sänger störend, so fragen wir umgekehrt die Lie
dertafeln, warum ihre Sänger sich gar so sehr verstecken? Und
zwar hinter Militärbanden verstecken, welche den besten und
größten Theil des Abends mit ihren Productionen in Beschlag
nehmen. Diese Potpourris, Polkas und Flügelhorn-Variatio
nen mögen in ihrer Art noch so schätzbar sein, das Publicum,
welches eine Gesangsproduction besucht, will doch vor Allem
singen hören. Da gab der Akademische Gesang
verein kürzlich im Volksgarten eine Liedertafel, welche
des Publicums, der noch bis Mitternacht im Garten zu sitzen
wünscht, möge dann aus den Schallbechern der Tubas und
Bombardons der Polkasegen so reichlich quillen, als es die
Empfänglichkeit der Hörer und die Lunge der kriegerischen
Bläser gestattet.