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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Ein musikalischer Berichterstatter sollte es sich in
diesem Augenblicke dreimal wohl überlegen, ehe er die halbver
gessene Feuilletonfeder wieder zur Hand nimmt. Denn nach
welcher Richtung diesseits und jenseits der Ringstraße er auch
ausblicke, nirgends winkt ihm ein musikalisches Ereigniß von
Bedeutung und Interesse. Die Musik ruht in diesen Monaten
ausschließlich auf der Thätigkeit des Hofoperntheaters; ruht
im bequemsten Sinne des Wortes. „In der Oper geschieht
nichts,“ so lautet unfehlbar der Refrain aller Gespräche, welche
über dies Institut laut werden. Man kann den Eindruck nicht
länger abwehren, daß hier ein Umschlag der öffentlichen
Meinung stattgefunden habe. Dieser Umschlag ist kein günstiger.
Er vollzog sich allmälig, von der Höhe eines allzu sanguinischen
Vertrauens herabschwenkend bis zur förmlichen Unzufriedenheit.
Glücklicherweise hat sich letztere noch nicht festgesiedelt, sie klopft
erst an und scheint bereit, beim Anblick der ersten erfreulichen
Thaten (nicht Versprechungen) zu fliehen. Aber auch auf dieses
Klopfen muß man beizeiten Acht haben.
Herr v. Dingelstedt betrat das verwaiste Opern
vor den Augen junger Sängerinnen gleichsam im Feuer exer
ciren — diesmal hatten die schönen Augen des Directors wacker
das Ihrige gethan. Alle Herzen flogen ihm zu und nicht blos
weibliche.
Direction besetzt und einstudirt, warf bereits ein verklärendes
Frühroth auf
hier angekommen, nur die letzte Hand an die Vorstellung an
gelegt, aber mit so viel Eifer und Haltung, daß das gesammte
Personal plötzlich unter dem Zauber der neuen Persönlichkeit
stand und über das gewohnte Maß unserer Gesammtleistungen
hinauswuchs. Ein Jahr ist seither ins Land gegangen, und
wir fragen: was wurde geleistet? Sehr wenig. Das ganze
Resultat dieses Jahres waren eine neue Oper („
zwei durchgefallene Ballette. Mehrere Opern wurden scenisch
ein wenig aufgefrischt, was man dankbar anerkannte, aber
keineswegs classische Werke aus vergangener oder halbvergangener
Zeit, sondern eben nur allbekannte Repertoirestücke, die eine
Weile gestockt hatten, wie „
„
namentlich in scenischer Hinsicht laut zu Gunsten der neuen
Direction. Aber seit jenem
hafte Stille! Ließ sich mit den reichen Kräften unserer Oper,
die noch durch zahlreiche Gäste fortwährend Succurs erhielt,
seither gar nichts Neues bringen, gar nichts zu früh Ver
gessenes wiederbeleben? Das Repertoire des Operntheaters ist
zum Entsetzen monoton, monotoner als seit Menschengedenken.
Immer wieder „
und die abgeleiertste aller angeblich komischen Opern,
„
nicht gegeben, war für den letzten
sprochen, verschwand aber mehrere Tage früher geheimniß
voll wieder vom Repertoire. Kein erfrischender Luftzug, der
diese Stagnation unterbräche. Die vielen Gastspiele können
wir als Ersatz nimmermehr ansehen. Zahlreiche, rasch auf
einanderfolgende Gastspiele sind überhaupt vom Uebel, sie
bringen eine schädliche Unruhe in den Pulsschlag einer großen
Bühne, verwirren und entwerthen das einheimische Personal.
Ueberdies waren unsere Gäste (mit Ausnahme Sontheim’s)
Unter dem Geflatter dieser mehr oder minder kostspie
ligen Zugvögel klafften die Lücken im eigenen Hause. Fräulein
Murska ist noch nicht ersetzt. Das Engagement der Colo
Von den engagirten Mitgliedern werden manche häufig
zurückgesetzt, andere ungebührlich vorgedrängt. Zu den letzteren
gehört Fräulein Siegstädt, eine fleißige und verläßliche junge
Ein bureaukratisch stufenweises Hinaufrücken kann nicht Regel
sein in der Kunst. Man lasse Fräulein
früheren, gar nicht unwichtigen Platze; sie ist immer eine
schätzbare Stimme im Ensemble, aber kein Solo-Instrument.
Im Ballet haben wir den Abgang der Meisterin
und der blühenden Rosenknospe Bianca Lucas zu beklagen.
wird von der Grazie und Leichtigkeit Fräulein
sehr befriedigt sein, wenn man nicht von vornherein über
spannte Vorstellungen mitbringt, was vielleicht in Folge eini
ger Berichte unser Fall war. Auch muß man sich unter der
heit ist die der reifen Aehre. Die plastische Regelmäßigkeit
und Fülle ihres Körpers rühmt man mit Recht, die Gesichts
züge sind von stark südlichem Gepräge, mehr energisch als
lieblich. Wir haben Fräulein
(als
tigkeit dieser beim Publicum bereits hochbeliebten Künstlerin
unser Interesse erregt. Die Ausstattung des Ballets „
ralda
rührten uns einige musikalische Versetzstücke im Orchester.
Man hatte nämlich für die Tänze des zweiten Actes ein
Potpourri aus Offenbach’s „
Wir haben die bedauerlichen Lücken im Personalstande
aufgezählt; dafür erfreuen wir uns wenigstens des neuen Er
werbes von drei Künstlern, die nicht auf der Bühne agiren.
Es sind dies der vortreffliche Violoncellist Popper, der
umfassende historische und ethnographische Studien und ein
seit Jahren gesammeltes reiches Material vor Allen be
rufen ist.
Als nächste Novität (wahrscheinlich für Mitte
ist „ Mignon“ von Ambroise
Ob gerade „
wagen wir nicht zu entscheiden, aber irgend eine Novität sollte
rasch nach „
in die Energie der Direction wieder zu heben. Die so verklärt
klimpernden Kassenausweise in der
nicht; es wäre doch gar zu traurig, sollte eine Großstadt wie
rend der Zeit des größten Fremdenzudranges und der Burg
theater-Ferien obendrein. Die Zufriedenheit des einheimischen
ständigen Publicums muß zurückerobert werden, mit eigenen
Kräften. Wir wünschen wieder Leben und Bewegung in das
Institut gebracht, wünschen eine starke, nicht blos eine weiße
und schön geformte Hand planvoll die Zügel lenken zu sehen.
Die vielen, sich bedenklich häufenden Störungen im täglichen
Dienst wollen wir nicht auf Rechnung des abwesenden Direc
tors setzen, obwol sie auf eine stark gelockerte Disciplin hin
deuten. Vom Herzen gönnen wir Dingelstedt seine Muße