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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Rollen, in welchen seit unserem letzten Be
richte Herr Albert Niemann sein Gastspiel fortgesetzt hat,
matischen Geist der Opernsänger (zumal der mit einer Art
Minorennitäts-Privilegium ausgestatteten Tenoristen) einen
sehr bescheidenen Maßstab anzulegen. Anständige Ausfüllung
herkömmlicher Schablonen wird in der Regel schon als „gutes“
oder „tüchtiges“ Spiel gelobt. Und doch ist dieser dramatische
Geist mit seinen zahllosen untrennbaren Fäden, wie Bildung,
Studium, schauspielerisches Talent, declamatorische Beredsam
keit die Eine Lebenshälfte, oder richtiger noch: das halbe Leben
einer wahrhaft künstlerischen Opernleistung. Die Vorzüge
Seltenheit. Ihm fehlt Vieles, was andere Tenoristen be
sitzen, dafür hat er Vieles, was gar kein anderer besitzt. Ein
edler und bedeutender Charakterkopf, in welchem unglücklicher
weise ein Auge kleiner ist als das andere, ist es wol werth,
im Profil betrachtet zu werden.
Von
aussichtlich, die mindest glückliche. Jugendlicher Schmelz der
Stimme, gepaart mit leichter, klangvoller Höhe, sind für den
dritten Act, den schönsten der Oper, von entscheidender Wich
tigkeit.
in der Intonation, erzielte als
folg. Und dennoch hat die Leistung durch einheitliche Auffas
sung und Durchführung durchwegs imponirt, häufig überrascht,
gleichgiltig gelassen niemals. Gleich die Scenen in
Studirzimmer, von
bekamen unter
Physiognomie. Die meisten Darsteller
ersten Acte den Eindruck, als hätten sie sich für einen Mas
kenball in das Costüm eines alten Gelehrten geworfen, das
sie namenlos genirt und das mit Eclat abzuwerfen sie kaum
erwarten können.
und mit der ganzen Traumwelt des skeptischen Dulders und
Grüblers, der einzige Tenorist, bei dem es möglich wird, an
die Gestalt des Goetheʼschen
zustehen. Mit vollem Rechte — denn wo steht denn
geschrieben, daß der Trank Einem nicht blos „dreißig
Jahre“, sondern auch die alten Hosen vom Leibe schafft? Es
gereicht einem Künstler zur Ehre, wenn er auf einen Umklei
dungs-Effect, den er mit seiner richtigen Einsicht nicht zu rei
men vermag, verzichtet. Erst im zweiten Acte erscheint
mann
dritten und vierten. Der
und nun grambeschwert, unstät die Welt durchschweift, prägt
sich auch in seiner Erscheinung aus. In schwarzer Tracht,
den dunklen Mantel umgeschlagen, den breitkrämpigen Hut tief
im Gesicht, tritt er unter die blendenden Zauberinnen auf dem
Brocken, dessen heidnischen Dianasaal die Tenoristen in
schmucker Balltoilette zu besteigen pflegen. Das sind lauter
Einzelheiten! höre ich ausrufen. Ohne Zweifel. Aber aus vie
len solchen Einzelheiten besteht eine Rolle und Einzelheiten bil
den unser Leben. Ob sie, streng und lebendig ineinanderge
fügt, aus einer künstlerischen Grundanschauung fließen, oder
ob sie willkürlich jeden Augenblick vom Charakter abspringen,
das begründet den Unterschied zwischen der dramatischen Kunst
leistung und einer Gesangs-Production im Costüme. Das
Terzett im vierten Acte ließ
fand er in der Kerkerscene ergreifende Accente. Für einen
Augenblick wenigstens schaute man in die ganze Tiefe des Ab
grundes, den
Jammer faßt mich an“ vor uns aufreißt.
Manche Verwandtschaft mit dem
unter dem doppelten Drucke einer anhaltend hohen Stimmlage
der Partie und der unaustilgbaren Erinnerung an Ander,
auch hier die bestimmte, einheitliche Durchführung des ganzen
Charakters. Sie ist nicht leicht, denn in dem Wesen
grin
dig mit inneren Widersprüchen verbunden ist. Diese Wider
sprüche zwischen der überirdischen Natur
seinen rein menschlichen Trieben und Empfindungen wird
nur ein Künstler annähernd lösen, welcher von vornherein
sich für eine Grundauffassung entscheidet und ihr in allen
zweifelhaften Momenten das letzte Wort einräumt.
hielt mit Recht die seraphische Natur
lage des Charakters fest und entfaltete sie in ebenso consequen
ten als maßvollen edlen Formen. Am schönsten bewährte er
diese Auffassung in dem Finale des zweiten Actes, wo von
allen Seiten Anklagen und Verdächtigungen die freche Stirne
gegen
muth gemilderter Hoheit steht
den und aufgehetzten Parteien, weder die Einen begütigend,
noch den Anderen drohend, den Blick still gen Himmel gerich
tet: Sie wissen nicht, was sie thun! Diese heldenhafte, dabei
stets milde Glorie wich keinen Augenblick von der Gestalt, sie
tilgte jede Erinnerung an kleinliche Empfindsamkeit, Rachsucht,
Ueberhebung. Daß sie mit beitrug, die Liebesscenen im dritten
Acte abzuschwächen, kann man zugestehen, doch trugen hier in
erster Linie die ungenügenden Mittel Schuld, nicht die berech
tigte Auffassung, welche ja beim Abschiede von
ger den vollsten Herzenston gestattete.
Zuletzt hörten wir Herrn Niemann in
holtem Hervorrufen
dʼun trait mortel blessé, sera ma première victime“) war
für
Herr Walter, dessen lyrischerem Temperamente solcher Zorn
bequemsten hohen Noten durch tiefere punktirte. Letzteres ge
schah z. B. zum großen Gewinn für den Vortrag mit den
zwei hohen A, die, rasch in Achtelnoten aufeinander folgend,
dem Thema der (von Niemann gesungenen) „Zorn-Arie“