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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Von allen Novitäten, welche
Oper seit langer Zeit erlebte, ist die bedeutendste und glän
zendste das neue Opernhaus selbst. Auch das Alte erscheint neu
darin. Die Neuheit künstlerischer Eindrücke ist allerdings für
den Beurtheiler nicht ohne Gefahr. Wie jedes große, compli
cirte Werk dichtender, malender oder musikalischer Kunst wieder
holte Betrachtung fordert und jedesmal neue Eigenthümlichkeiten,
sei es auf der Licht- oder Schattenseite, enthüllt, so will auch
unser Opernhaus — nicht blos als architektonische Schöpfung,
sondern als lebendiger theatralischer Organismus — studirt
sein. Selbst die Macht der Gewöhnung muß als beruhigendes
Element hinzutreten, Sänger und Zuhörer, wie die
Kritiker haben den ersten, befremdenden Eindruck noch zu ver
winden. Müssen wir uns doch oft an die Sprechweise fremder
Schauspieler erst gewöhnen, ehe wir sie ganz würdigen und
liebgewinnen, wie viel mehr an das Organ eines neuen Thea
tergebäudes. Nach dem ersten Eindrucke und rein musikalisch
gesprochen, scheint mir das Organ unserer neuen Oper stark,
aber nicht distinct, nicht fein abgestuft, es läßt wenig indivi
duelle Durchgeistigung zu, ist packend in wuchtigem, energischem
Vortrage, verschwommen im zarten und zierlichen. Ein pracht
volles Haus, aber kein tadelloses musikalisches Instrument.
Die beiden Vorstellungen („
danapal
in die Wunder des neuen Theaters einführten, ließen dessen
Bedeutung für dramatischen und musikalischen Effect wenig
stens in den Hauptzügen erkennen. Der Ruhm und die Gefahr
des neuen Opernhauses liegen in seiner Größe. Mit unwider
stehlicher Macht gibt es all dasjenige wieder, was zu seiner
vollen Wirkung eine colossale Bühne, einen weiten Zuschauer
raum und alle Hilfsmittel vorgeschrittener Beleuchtungs- und
Decorationskunst beansprucht. Dem Auge bietet es den vollen
decorativen Zauber der Scene, dem Ohre die eigentlich dema
gogischen Wirkungen der Musik. Um jenes unersetzliche intime
Verhältniß des Hörers zur Musik und den darstellenden Cha
rakteren, welches kleinere Räume so wohlthätig befördern, ist
es hingegen in dem neuen Opernpalast geschehen. In der
„
oder zehnten Reihe des Parquets) die darstellenden Personen
so klein, in so ungewohntem Mißverhältnisse zu der enormen
Höhe der Bühne, daß ich anfangs eine Kindervorstellung zu
sehen glaubte. An diesen Personen, die, scheinbar meilenfern
von mir, sich in weitem Raume verloren, konnte kein rechter
Antheil aufkommen. Die Individualität der eigentlichen Träger
der Handlung verschwindet, nur das Gewühl und Gewimmel
des Volkes, die Action der Massen wirkt mit voller, bisher
ungeahnter Gewalt. Die Mimik der stummen
gewiß meisterhaft, ich vermuthe das von Fräulein Salvioni;
Wie mit der feineren Motivirung der Mimik und Action
im neuen Hause, geht es auch mit dem zarteren Geäder des
musikalischen Vortrages. Alle Sänger schienen sich anzustrengen;
wo aber die Nuancen übertrieben werden müssen, da gibt es
keine Nuancen mehr. Von den Singstimmen sind es nur die
hohen und hellen, also vornehmlich die Soprane, denen das
Opernhaus günstig ist. Tiefere Stimmen von weichem, rundem
Klang, wie Bignioʼs schöner Bariton, oder etwas gedeckte,
gut durch; am effectvollsten vielleicht Herr Müller. Man
Vielleicht vermögen es Akustiker von Fach ebensowenig, denn
die Akustik in ihrer praktischen Anwendung steckt noch voll
Mysterien, und am allermeisten die Akustik der Gebäude. Daß
ein Gebäude gut oder schlecht akustisch sei, weiß man (abge
sehen von den ersten fundamentalen Bedingungen) meistens
erst, wenn es ganz fertig und dem Patienten nicht mehr zu
helfen ist. Man hat mehr als einmal Gebäude von anerkannt
trefflicher Akustik zu ähnlichem Zwecke sklavisch copirt, und siehe
da! die akustische Eigenschaft stellte sich aus unbekannten Grün
den trotzdem nicht ein. Hier hat die Wissenschaft Hand in
Hand mit scharfsinnig beobachtender Empirie noch ein weites,
fruchtbares Feld vor sich.
Die starke Seite des neuen Opernhauses kommt nirgends
so überwältigend zum Ausdrucke, wie in dem Ballet „
napal
nem geehrten Collegen A. M. eingehend beurtheilt worden; ich
wüßte nur bestätigend beizufügen, daß man ein prachtvolleres
Schauspiel kaum in irgend einem Theater
wird. „
dender Ausstattung, an malerischer Wirkung, an Exactheit der
Tänze und Massen-Evolutionen Alles, was ich an Balleten
in der
lin
tanz bei vielfärbig einfallenden Lichte, dieses stürmische Ama
zonen-Ballet, diese malerische Schlußgruppe auf
Scheiterhaufen — sie bilden fast ein Non plus ultra choreo
graphischer Augenweide. Und hätte dies Bild selbst wirklich
vor ähnlichen nichts voraus, als daß sein imposanter Rah
men (das Opernhaus) so neu und blendend ist, so wäre schon
dies Eine für die Wirkung einer Ausstattungs-Production ent
scheidend.
Die Wirkung von „
daß der neue Prachtbau in erster Linie ein Ballethaus
par excellence ist, in zweiter Linie ein Opernhaus, und
zwar nur für große Opern (in der
des Wortes), welche auf Massenwirkung und Decorations-
Effecte bei entscheidendem Vortreten von Chor und Ballet be
rechnet sind. Was das neue Opernhaus in diesem
Fache zu leisten vermag, hat die gestrige Aufführung
von Rossiniʼs „
platze in
Decoration mit dem
tung den Vorzug geben soll. Was die Ausstattung und Sce
nirung betrifft, möchte ich die Regie nur vor zwei Gefahren
warnen. Einmal vor der Ueberfüllung der Scene mit Perso
nen, sodann vor dem Mißbrauche mit Beleuchtungs-Effecten.
In allen Volkscenen der „
die Bühne mit Menschen so vollgepfropft, daß sich keine
Gruppen bilden können, vielmehr ein unübersichtlicher
Knäuel entsteht. Auch muß man sich eine Steige
rung frei lassen, wie sie nach der ersten Scene im
„
kung der Massen nicht gar zu schnell abnützen.
Von den Beleuchtungs-Effecten, die wir in den besproche
nen Vorstellungen sahen, waren manche von bester Wirkung,
andere aber grell und unnatürlich. Das roth einfallende Licht
am Schlusse des ersten Actes von „
nothwendig noch der Scene günstig, und die spectakelhafte Be
leuchtung der Gletscher im letzten Acte hat der schönen Deco
ration weit eher geschadet als genützt. Jedenfalls sind derlei
Lichteffecte, gut oder schlecht, Reizmittel stärkster Art, mit wel
chen man sparen sollte. Die Leistungen der Solosänger im
„
auch diesmal die durchaus maßvolle, edle Darstellung des
Bignio, welcher in den Damen