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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Zwei mit Gästen aufgeputzte Vorstellungen,
„
der einmal ins alte Opernhaus. Das arme Kärntnerthor-
Theater, arg beschämt von seiner hart daneben prunkenden
Schwester, scheint sich wie Aschenbrödel am Herd jetzt enger
als je an die Käse- und Salamiläden im Comödiengäßchen
zu drücken. Der dem Menschen eingeborne Instinct der Ge
rechtigkeit und des Mitleids, welcher uns Partei nehmen
heißt für den Zurückgesetzten, Bedrückten gegen den Mäch
tigen und Glücklicheren, er kommt jetzt auch dem alten
Opernhause zu statten. Freilich kann man selbst als Musiker
nicht ganz vergessen, was man als Mensch darin erleidet:
alle Qualen der Unbequemlichkeit. Durch finstere Gänge schie
ben wir uns zu unserem Sperrsitz vor; dort glücklich ange
langt, können wir weder die Beine ausstrecken, noch unsere
Nachbarn hinauswerfen, wenn sie mit seidenbauschiger oder
natürlicher Ueberfülle die Hälfte unseres schutzlosen Platzes
usurpiren. In Schweiß gebadet, möchten wir nach dem
ersten oder zweiten Acte der drückenden Hitze entfliehen
und das bedenklich duftende Foyer dieses Theaters auf
suchen, das unter dem poetischen Namen „Cäciliengasse“ links
vom Zuschauerraum erbaut ist. Aber wehe dir, frecher Abküh
lungs-Gourmand, wenn du, weit vom Ecksitz, eine Reihe
grimmiger Nachbarn aufstehen machen mußt, um hinauszuge
langen! Hast du einmal die Spießruthen dieser entrüsteten
Mienen, impertinenten Murmeleien und harten Kniee passirt,
du thust es kein zweitesmal an dem Abend. Und dennoch, den
noch —
Den Aufführungen selbst war wenig Gutes nachzurühmen.
Im „
nore Hahn als
zahlreiche Musterbilder selbst für Anfänger so vollständig prä
parirte Rolle, daß sie selten einen verläßlichen Maßstab der
Beurtheilung darbietet. Im Verlaufe ihres weiteren Gastspie
les wird Fräulein Hahn zeigen, ob sie das vom Publicum
Die Vorstellung des „
Schon beim Anblicke des Theaterzettels mochte man die Worte
des
es lauter Mannschaft ohne Officiere — nicht einmal ein
Ordensritter war unter den Mitwirkenden. Fräulein Paum
sang die
Wie kam es, daß trotzdem das sehr zahlreiche Publicum
sich so theilnehmend zeigte, so schnell warm wurde und gleich
die Ouvertüre mit einem Jubel begrüßte, wie wir seinesglei
chen im neuen Hause nie gehört? Während in letzterem das
Auditorium sich wie eine vornehme, geladene Gesellschaft be
nimmt, kühl und zurückhaltend, glich das Publicum des „
schütz
sich im Sonnenscheine von
von Herzen erlabt. Die Tugenden
Vorscheine: die tiefere, intime Wirkung der Musik, die von
einer gewissen räumlichen Nähe derselben untrennbar ist. Die
eigentlichen Herzenstöne der Musik gelangen in weiten Räu
men allenfalls bis zu uns, gleiten aber wie zu weit abgeschos
sene Pfeile kraftlos von unserer Brust ab. Opern wie der
„
ten Melodiengespinnste, ihren gesprochenen Erzählungen machen
ihre rechte Wirkung nur in kleineren Theatern. Schon
„
Opernhause an unmittelbarer Gewalt über die Gemüther;
für den „
tektonischen Adelsstand erhoben werden soll, bangt uns noch
mehr. Der ganze Nachdruck der Aufführung wird offenbar auf
die Wolfsschlucht fallen, deren Spectakel schon im alten Hause
das Musikalische überwuchern. Es ist eine Versündigung an
abschließende Wolfsschluchtscene zu einem selbstständigen „drit
ten Act“ aufzublähen. Vor etwa 15 Jahren hatte man in
scenischen Fortschritte des Kärntnerthor-Theaters und seine
immer mehr gegen die Ausstattungsoper gravitirende Tendenz
führten dazu, die weit größere Pracht des neuen Hauses muß
nothwendig noch weiter führen. Große Opernhäuser, wie sie
mit der Scala und San Carlo in
Impériale in
hause in
selbst einen außerordentlichen Einfluß. Die Art zu singen und
zu componiren, sogar zu hören und zu beurtheilen wird eine
andere. Der Gegenstand ist so wichtig, daß ich, mein letztes
Feuilleton ergänzend, wol noch einmal darauf zurückkommen
darf. Was dort über das Verhältniß unseres neuen Opern
hauses zur musikalischen Wirkung gesagt wurde, geht nur in
Einzelheiten diesen Bau speciell an, überwiegend trifft es alle
großen Opernbühnen. Hector Berlioz schrieb einmal im
dem Beispiele eines Trios oder Streichquartettes, das, in einem
geräumigen Zimmer gespielt, die Zuhörer lebhaft be
wegt, rührt, hinreißt. Nun denke man sich, das Zim
mer erweitere sich während dieser Production allmälig zum
Saale, so daß die Hörer von den Spielern weiter wegrücken.
Das Auditorium wird sofort ruhiger werden, es hört noch
immer, aber es vibrirt beinahe nicht mehr, es bewundert noch
die Schönheiten des Werkes, aber mit dem Verstande, nicht
in Folge unwiderstehlichen Eindrucks. Der Saal dehnt sich noch
mehr aus, so weit ungefähr, als ob die drei oder vier Spieler auf
der Bühne des Opernhauses und die Zuhörer in den rückwär
tigen Logen en face der Bühne sich befänden. Der Zuschauer
hört noch immer, aber vibrirt gar nicht mehr; das musika
lische Fluidum kann nicht bis zu ihm dringen, er wird kalt
und obendrein ärgerlich, weil er größere Anstrengungen macht,
den Faden der Composition nicht zu verlieren. Umsonst —
die Unempfindlichkeit lähmt, die Langweile übermannt ihn,
und er hört schließlich gar nicht mehr zu.
wie er kalt geblieben sei (wüthend über seine eigene Kälte)
während des ersten Actes von
Großen Oper. Sollte Gluck wirklich Unrecht haben? Bald
eine feste, pietätvolle Stätte im alten Hause behalten soll. So
lange wenigstens im alten Hause, als nicht etwa ein neues,
eigens für dieses kleinere, der Kunst nicht minder werthvolle
Genre erbaut wird. Vorderhand denken wir uns die Einthei
lung so, daß im neuen Gebäude wöchentlich vier bis fünf
Vorstellungen (darunter zweimal Ballet) gegeben und an den
übrigen (festen) Tagen ausschließlich kleinere Opern im Kärnt
nerthor-Theater gespielt werden. Die gesammte Literatur
der komischen und Conversations-Oper, des musikalischen Fa
milien- und Rührstückes mit gesprochenem Dialog fiele dem
Kärntnerthor-Theater zu und wäre mit gleicher künstlerischer
Sorgfalt wie die Opern im neuen Hause zu pflegen. Dieses
reiche und lohnende Feld wird allmälig seine eigene Ausbil
dung verlangen und für die Hauptpartien sein eigenes Perso
nal; es wird mit der Zeit nicht blos der Lückenbüßer, sondern
der gleich geachtete und gleich beschäftigte Rival der „großen Oper“
sein. Uebereinstimmend mit dem Anwachsen der Bevölkerung,
des Reichthums und Kunstbedürfnisses in
dann dieser Seitenzweig hoffentlich zu einem eigenen, selbst
ständigen Opern-Institut, welches — sei es nun unter einem
Hofdirector oder einem Privatpächter — ungefähr die Stellung
der Opéra Comique und theilweise des Théâtre Lyrique
in
Die Opéra Comique pflegt bekanntlich nicht blos das eigent
lich komische Fach (wie die Werke von Auber,