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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Den neuesten Zeitungsberichten zufolge ist die
Aufführung der Oper „
gegeben. Damit verschwindet selbst für das zarteste Gewissen
jede Furcht vor der Indiscretion einer dem allgemeinen Urtheil
voraneilenden Kritik. Die
27. August, die in Costüm und vollständiger Scenirung ohne
die geringste Unterbrechung vor sich ging, muß jedem mit
dem Werke vorher Vertrauten eine so klare und lebhafte Vor
stellung davon eingeprägt haben, wie eine öffentliche erste Auf
führung. Darum darf ich mir wol erlauben, dem durch zahl
lose „
zu guterletzt Einiges über das Werk selbst mitzutheilen.
Wagner nennt sein „
und uns in eine freie Gegend mit der Aussicht auf die glän
zende Götterburg Walhall führt. Die Sage erzählt, daß
ein Baumeister den Göttern versprochen hatte, die Burg in
drei Halbjahren zu erbauen, zum Schutz und Schirm der Götter
wider die Bergriesen. Zum Lohne hatte er sich die Göttin
des Halbgottes Loki wurde er verhindert, zu rechter Zeit mit
während Loge ihr den Tarnhelm entreißt. Die beiden Götter
überwältigen
fläche der Erde, wo er ihnen den ganzen Nibelungenschatz aus
folgen und zuletzt auch den wunderthätigen Ring opfern muß.
Der Nebeldunst des Vordergrundes löst sich allmälig auf, wir
befinden uns wieder in der
im Hintergrunde. Die beiden
Rheingold aus, das nun massenhaft herbeigeschleppt wird; zu
letzt streiten sie sich um den Ring,
mit einem Pfahl und macht sich mit dem Schatz auf und
davon. Donner und Blitz, hierauf ein immenser Regenbogen,
über dessen Wölbung die Götter nach Walhall einziehen, wäh
rend aus der Tiefe der Gesang der
Der scenische Aufbau der Handlung ist sehr geschickt,
diese selbst unserem Interesse fernstehend. Man muß leiden
schaftlicher Germanist sein, um sich für den ganzen Hofstaat
der altnordischen Mythologie zu erwärmen; wir wollen auf
der Bühne Menschen sehen, mit menschlichen Leidenschaften
und Schicksalen. Die tiefe Symbolik, welche die Sage in ihre
Götter-Gestalten legt, kommt in
nirgends zu Tage, eine gelehrte Kenntniß derselben kann man wol nur
von einem verschwindend kleinen Theil des Publicums erwarten.
So agiren denn die blutlosen Schemen, die uns
als
wie ausgestopfte Puppen, eine dem andern ähnlich. Einen
Versuch zu genauerer Charakteristik, aber einen mißglückten,
macht
nach
unter den Göttern einherschleicht, listig, verrätherisch, dabei
gewaltig durch die elementare Macht, die seinem Wesen als
Feuergott zu Grunde liegt.
halbkomischen Diplomaten, der sich eines abgeschmackten, lä
chelnden Conversations-Tones befleißt und dem Niemand seine
Abkunft von den Riesen, dieser ältesten Götterdynastie, glaubt.
Götter, Riesen und Zwerge als handelnde Person auf die
Bühne zu bringen, ist ein unmögliches Unternehmen: es spie
len sie doch immer Menschen von gewöhnlichem Mittelmaß.
Selbst die besten Dramatisirungen des
ten das Mißliche dieses Widerspruches erfahren und büßen:
des Widerspruchs zwischen unserer Vorstellung von übermensch
lichen Heldengestalten und deren dürftiger Verkörperung auf
der Bühne. Wenn
Sagenkreises zählt, wie aus dem ganzen Unternehmen her
vorgeht, so hat er sich verrechnet, wie seinerzeit
seiner künstlichen Wiederaufnahme der alt
logie. Gerade jene
und am frühesten vergessen worden. Die Figuren und Si
tuationen in „
gern
gold
Parterre nebst dem Theaterzettel auch ein Handbuch der alt
germanischen Mythologie und womöglich ein kleines Wörter
buch in die Hand bekommen. Denn in seiner alterthümelnden
Passion gebraucht
größten Bedauern — heutzutage kein Mensch mehr versteht.
Stellen wie: „Mein Friedel sei, du frauliches Kind,“ „Bin
glatt und glau,“ „Glühender Glanz entgleißt weihlich
im Wag’!“ trifft man auf jeder Seite. Wie in diesen eben
herausgegriffenen Beispielen, so herrscht in der ganzen Dich
tung, sprachverderbend und sinnverrückend, die Alliteration.
Und nicht der Gedanke ruft bei
ration hervor, sondern umgekehrt. Diese unausgesetzte läp
pische Buchstaben- und Lautspielerei umschwirrt uns wie ein
lästiger Schwarm von Wespen. Etwas Abgeschmackteres als
die Diction von
bis zur letzten kommt schwerlich irgendwo zum Vorschein.
Man schaukelt bei der Lectüre dieses poetischen Ungethüms
seekrank zwischen Aerger und Lachen. Ein wahres Glück, daß
man bei der Aufführung selbst fast nichts von den Textwor
ten versteht, die gefährlichen Symptome „allgemeiner Heiter
keit“ würden nicht ausbleiben.
Die theatralische Form des „
völlig neu, als die ganze Oper ununterbrochen in Einem Zug,
ohne irgend einen Actschluß sich abspielt. Die vier Bilder
oder Scenen entwickeln sich aus einander bei offener Scene, nach
Art von Dissolving views aus Dämpfen, während gleicher
weise die Musik unten atemlos fortdampft. Zwischen den
einzelnen Scenen tritt nicht einmal ein kurzer Ruhepunkt ein,
wie nach den Sätzen einer Symphonie. Die Oper spielt buch
stäblich von Anfang bis zu Ende, also gegen drei Stunden
lang ohne Pause fort. Bei der monotonen Unruhe, welche
diese Musik charakterisirt, und bei dem Uebermaß von Schau
gepränge auf der Bühne ist das kein Spaß. Im „
gold
Maschinenwesens eine ungebührliche und unerhörte Wichtigkeit.
Das Auge wird fortwährend durch zauberhaften Decorations-
Wechsel, durch Feerien, Flugmaschinen, Lichteffecte und farbige
Dämpfe beschäftigt und geblendet. Es gibt keine zweite Oper,
in welcher ein Componist sich so vollständig zum dienstfertigen
Begleiter des Maschinisten und Decorations-Malers degradirt
hätte, wie im „
Brot mit Thränen aß, wird bezeugen, daß in allen „
gold
lich von den schwimmenden Nixen, den farbigen Dämpfen,
der Götterburg und dem Regenbogen die Rede war, nur sel
ten von der Musik. Ist nicht Meyerbeer, der von
Der musikalische Styl des „
„
mation der Singstimmen, dazu die in ewigen Trugschlüssen sich
aufreibende „unendliche Melodie“ im Orchester. Die Consequenz,
mit welcher
erregt eine Art gruselnder Bewunderung. Keine symmetrische
Form, kein selbstständig melodiöses, rhythmisch gegliedertes
Thema, kein Ensemblesatz. Wir sehen die ganze Götter- und
Riesengesellschaft, 8—10 Personen stark, den halben Abend
hindurch neben einander auf der Bühne stehen, und niemals
singen ihrer Zwei zugleich. Langsam und pathetisch recitirt
Einer nach dem Anderen, während die Uebrigen stumm und
gelangweilt zusehen. Ein drei Stunden langer musikalischer
Gänsemarsch! Wenn das ein Fortschritt heißen soll, von dem
unschätzbaren Kunstgewinn des mehrstimmigen Gesanges zu
dem einstimmigen Kindheitslallen der ersten Opernversuche zu
rückzukehren, so danken wir für den Fortschritt. Würde etwa
ein moderner Maler auf jene vor-
gehen dürfen, welche, das Gesetz der Perspective noch nicht
kennend, die Menschen einander auf den Köpfen gehend dar
stellte? Auch keine dramatische Nöthigung spricht für sol
chen Puritanismus (ganz abgesehen davon, daß wir das musi
kalische Schönheitsprincip auch in der Oper gewahrt wissen
Ohr lebt förmlich auf. Wer die Wirkung dieses langentbehr
ten Zusammenklanges auf die Hörerschaft beobachtet hat und
unter dem Eindrucke dieses Contrastes noch nicht im Klaren
ist über die Verkehrtheit des
dem ist nicht zu helfen.
Fragen wir nun, welches Maß von Glück und Erfindung
dem Componisten gerade im „
sinkt dies Werk vollends tief unter
tionen. In jeder seiner übrigen Opern hat
Wärme des Ausdrucks, mehr Kraft der Erfindung bewährt.
Die „
doch wieder reizvolle Oasen enthalten — Proben von der
Vollkraft des
„
empor. Die wärmsten Verehrer des Componisten müssen die
Inferiorität seiner „
Ganzes geradezu arm, kalt und mittelmäßig. Die raffinirte
sten Orchester-Combinationen können nicht darüber täuschen,
wie nüchtern und seelenlos aller Gesang im „
Dies graue declamatorische Einerlei fällt uns wie ein schwerer
Nebel auf die Brust. Scenen, deren eigenthümlichem Cha
rakter diese Art Musik noch allenfalls entspricht (wie
die Erscheinung der warnenden „
contrastirenden Umgebung sich effectvoll abheben würden, ver
sagen hier, weil eben Alles in denselben Farben gemalt ist.
Da alle Personen im „
sind, so krystallisirt sich keine einzige zur lebendigen Indivi
dualität, selbst in den charakteristischesten Momenten nicht.
Ein solcher Moment ist z. B. der Fluch, den der beraubte,
racheschnaubende
Wir erwarten hier ein Musikstück von leidenschaftlicher rhyth
mischer Kraft und Gedrungenheit. Statt dessen entledigt sich
verdrießlichen Nachmittagspredigers.
Den vortheilhaftesten Eindruck macht jedenfalls das erste
Bild: die
gestumpft und kann sich dem eigenthümlich anregenden, ganz
ungewohnten Schauspiel mit Interesse hingeben. Daß dieser
Reiz weit mehr ein malerischer und poetischer als ein musikali
scher sei, darüber legt man sich unter dem Eindruck des
Total-Effects keine Rechenschaft, auch paßt dazu
descriptive, das Bild gleichsam nur elementarisch umfluthende
Musik noch am besten. Je weiter, desto schwerfälliger, ein
töniger, blutloser wird die Musik. Nur momentan unterbricht
irgend ein geistreicher Klang-Effect das wachsende Unbehagen
des Hörers. Mit rein reflectirendem Interesse bemerkt dieser
allenfalls noch, wie Einzelnes musikalisch zum Sprechen ge
troffen sei: das plumpe Auftreten der beiden
rothe Feuerschein in der (durch achtzehn abgestimmte Amboße
colorirten) Schmiedescene u. dgl. Bald jedoch übersättigt
und belästigt ihn solch kalte Verstandesmusik, die kein anderes
Ziel kennt, als dem Ohre etwas vorzumalen. Er sehnt den
Schluß herbei und verläßt das Theater in einer an physisches
Unwohlsein grenzenden Nervenabspannung.
An der nun vereitelten Aufführung des „
verliert
mehr ein lebensfähiges Bühnenstück. Wenn der sich selbst als
„
bergim günstigsten
Fall kaum einen Succès d’estime“ prophezeite, so hat