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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. „
Büchern und Kritiken, wurde nach mehr als sechzigjährigem
Scheintode ehevorgestern wieder ins Leben gerufen.
In Milder in der
Haß in glühende Neigung. Sie ruft den
und sein Gefolge herbei, welche sie dieser schmachvollen Liebe
zu entreißen suchen (dritter Act). Es ist zu spät, auch
naldo
brannt, und die beiden Liebenden werden von
mida
Ocean getragen, wo der Ritter in den Armen seiner reizenden
Bezwingerin auf Heer und Heldenthum vergißt. Da
entsendet Gottfried v.
nachforschen und ihn ins Lager zurückführen sollen. Wir sehen die
Beiden,
Mission antreten.
niß durch Ungethüme und Schreckbilder aller Art zu beirren;
als dies mißlingt, ruft sie die reizendsten Truppen der Ver
führungskunst ins Gefecht. Liebliche Nymphen und Schäferin
nen umgaukeln die beiden
stalt
seiner beinahe bemächtigt, als
rettend dazwischentritt und den gefährdeten Freund fortzieht.
Der fünfte Act führt uns in
beiden
mit Rosen bekränzt, weichlichem Genusse hingegeben.
demantstrahlender Schild zerstört auch hier den Zauber, und
sein Ruf: „Notre général vous rappèle!“ bewegt den sich er
mannenden
bleibt allein zurück, verlassen, in Zorn und Reue erglühend;
sie läßt ihren Zauberpalast von Dämonen zerstören und erhebt
sich auf einem geflügelten Drachenwagen in die Lüfte. (Nach
der hiesigen Scenirung versinkt
ihr zusammen.)
Das Libretto, von dem gefeierten Hofpoeten
wig Lulli, den Schöpfer der
(von Marmontel überarbeitet) gleichfalls für
Vor Allem war die Natur von
Stylprincip einer eminent romantischen Dichtung wie „
nicht günstig.
in Handlungen aus der
gie, in „classischen“ Stoffen, wie „
genia in Tauris
herbe Einfachheit seiner Musik ganz wunderbar dem Geiste der
Dichtung und unseren Vorstellungen von der Antike. Die
scharfen, plastischen Contouren seiner Melodien, die nachdrück
liche Declamation, die gemessene Haltung und vornehme Spar
samkeit der Begleitung machen diese Opern in Wahrheit zu
einem musikalischen Abbild der Antike, wie wir im Bereiche
der Oper kein zweites besitzen. Nicht nur die Vorzüge, auch
die eigenthümlichen Schwächen der
ganz einzig für die Betonung antiker Dramen. Darum wider
fährt es so vielen
Schwächen gar nicht als solche erkennen, vielmehr für Resul
tate eines außerordentlichen und selbstverleugnenden Kunstver
standes auch dasjenige halten, was in der Beschränktheit von
denn ohneweiters jedes Nichtweiterkönnen
Nichtweiterwollen bewundert und als „echt
Lücke seiner musikalischen Kunst gepriesen. Auf antikem Bo
den wurden
dessen konnte auch in diesen Griechenstücken Niemandem ent
gehen, daß
nicht so treffenden Ausdruck besitze, wie für das Dämonische,
Wilde, Schauerliche (in den Scythenchören, Gesängen der Furien
und dergleichen), daß namentlich die Liebesscenen zwischen
und
mehr fordert aber gerade in diesem Punkte die Operndichtung
„
Motiv, sondern Mittelpunkt und Gipfel des Ganzen bildet!
Denn auch der Haß
gekommen und sich selbst bekämpfende Liebe. Lediglich in ein
zelnen Partien dieser Oper erhebt sich
zen Größe, wo ein stolzes Gefühl sich in pathetischem Reci
tativ ausspricht und wo dämonische Mächte ihre grauen
volle Thätigkeit entfalten. Hier begegnen wir
ster musikalischer Kraft. Die Beschwörung der Furien des
Hasses, welche in wildem Chor und Tanz die verzweifelnde
röthe einer moderneren Kunst angeglühter, tief erschütternder
Monolog („O ciel, quelle horrible menace!“) gehört zu den
größten, genialsten Schöpfungen des Meisters.
Ein Fehler in der Scenirung scheint es mir, daß die Furien
des Hasses bis zur letzten Note im Vordergrunde verweilen, anstatt,
wie es auch die allegorische Bedeutung verlangt, allmälig immer
weiter von
nale des dritten Actes ist zugleich der Gipfelpunkt der Oper.
Alles Vorhergehende wie Nachfolgende fällt dagegen ab. Ein
zelne Perlen finden sich allerdings, wie z. B. der Schlußchor
des ersten Actes (welcher
Juan
langen Silberfäden ausgesponnene Scene
ten Acte und Aehnliches. Dazwischen sammelt sich aber viel
des Veralteten, musikalisch Dürftigen und Langweiligen. Die
Wandelbarkeit und Veränderung im musikalischen Geschmacke,
dieser langsam, aber unerbittlich fortschreitende ästhetische
Stoffwechsel, wird hier augenfällig. Musikstücke, welche von
giltig. Ihr großes relatives Verdienst zu schätzen, ist Sache
und Interesse des Kunsthistorikers, nicht des Publicums. Wenn
wir durch mehrere Jahre nichts Anderes zu hören bekämen,
als Opern von
danken dafür), so würden wir den durch ihn vollzogenen enor
men Fortschritt im Innersten fühlen und „
uns wie eine neue Offenbarung begeistern. Unsere Großväter
maßen
können ihn nur an seinen Nachfolgern messen, und da zieht
er gar häufig den Kürzeren. Denn trotz des scheinheiligen, in
jeder Epoche gleichmäßig wiederholten Klageliedes von dem
„tiefsten Verfalle der Tonkunst“ sind wir der Ueberzeugung,
daß die Musik in vielen Dingen (und nicht blos äußerlichen)
sehr erheblich fortgeschritten sei. Mozart, ein ungleich ge
nicht vom Flecke kommenden Rhythmik den wahren Ausdruck
leidenschaftlicher Liebe und sinnlicher Gluth? Daran ist der
Standpunkt der Musik zu allein schuld,
sondern ebensosehr
lichkeit, die zarten, schwärmerischen Regungen des Herzens waren
niemals die starke Seite
zählte, als er die „
dem Liebesduett zwischen
eine so wollüstige Färbung gegeben zu haben, daß er die Be
sorgniß aussprach, um dieses Duettes willen vielleicht der ewigen
Seligkeit verlustig zu werden. Requiescat in pace! Die
Kritik pflegt sich gern mit dem Satz herauszuhelfen, daß
Gluck’s Melodien, gegenüber den musikalisch reizenderen der
Zeit, konnte er im Heroischen und Tragischen ebensowenig an
zende Opera buffa wie die „
Recht finden wir
neben
liches Temperament, seine melodiöse Anmuth befähigten ihn,
zweiten Act des „
übertreffen, also mit dem Eindruck größerer Wahrheit zu wirken.
Auf dem Gebiet des Wunderbaren und Romantischen ist
unsere Generation musikalisch durch K. M.
verwöhnt, um hier
charakteristisch zu finden. Man vergleiche den vierten Act in
„
Heiling
galt vor 100 Jahren für sehr heroisch, für uns ist es reine
Vaudeville-Musik, ganz so wie die Strophen der
vieles Andere. Das Verführungsballet im vierten Acte hat
eine vollständige Analogie in „
Umschwung in der Balletmusik! Wer heutzutage noch die
monotone, sterile Tanzmusik
die Ballet-Compositionen in der „
„
weder an seiner Aufrichtigkeit oder an seinem Verstande zu
zweifeln. Diese und andere Partien der „
unter in jenem „Kampf ums Dasein“, den auch die Kunst
geschichte kennt, indem sie immer reichere, complicirtere Ge
staltungen an die Stelle dürftigerer setzt. Schöpfungen
von der genialen Lebens- und Widerstandskraft der
Scene
der Zeit noch lange trotzen; von so mächtigem
Stoff ist aber kein zweites Stück in der „
vornehme Haltung und edle Einfachheit des ganzen Werkes
imponirt zwar noch immer, allein das Ohr möchte überall
mehr! Wie oft müssen unsere besten Opern-Componisten den
Vorwurf hören, sie vermögen nicht mit so kleinen Mitteln so
große Wirkungen hervorzubringen, wie
aber mit größeren Mitteln erreichen sie sehr häufig Größeres.
Weit mehr als in den lyrischen Partien erkennt man
worten. „
Berühmtheit. Sie haben durch den Abfluß eines Jahrhun
derts nichts an ausdrucksvoller Richtigkeit der Declamation
verloren, wol aber viel von ihrem ehemals so mächtigen Ein
drucke. Wer wird z. B. heutzutage an dem Ausrufe: „Un
seul guerrier!“ im ersten, oder: „Notre général vous rappèle!“
im fünften Acte etwas Außerordentliches finden? Die musi
kalische Neuheit und Frische ist diesen und ähnlichen Stellen
von der Zeitenfluth abgewaschen, sie klingen uns nur noch
zweckmäßig, correct, vernünftig, nicht hinreißend. Ein Wort
göttischen Bewunderung der Franzosen für ein dramatisches
Aperçu in den „
und fügt die Bemerkung daran: „Wenn wir Neueren aus
jedem ähnlichen Kraftworte bei
Aufheben machen wollten, wir würden gar nicht fertig werden.“
Für die Aufführung der „
tion des Hofoperntheaters den aufrichtigsten Dank. Dem ge
bildeten Musikfreunde, dem die geschichtliche Bedeutung
gegenwärtig und die Partitur der „
die Vorstellung ein außerordentliches Interesse. Das große
Publicum (welches übrigens die Schönheit des dritten Actes
vollständig auffaßte und hervorhob) würde sich mitunter herz
lich langweilen, fände es nicht seine Rechnung in den vielen
prunkvollen Sehenswürdigkeiten, mit denen die Oper hier
ausgestattet ist. Ein fortwährender Wechsel neuer Decoratio
nen und Verwandlungen, glänzender Costüme und Tänze be
schäftigt das Auge des Zuschauers. Der Decorations-Maler
Brioschi war eigentlich der Held des Abends, sowie sein