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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Ein guter und würdiger Gedanke war es, das
neue Opernhaus am Neujahrstage
schütz
hatte es doch lange vorher Wunderdinge von der neuen Aus
stattung rühmen hören. Insbesondere
schlucht“ sollte für den „
sch
der Hauptmagnet, wo nicht die Hauptsache. Zwischen beiden
Leistungen liegt aber eine tiefe Kluft, und jener erste Erfolg
wird sich kaum wiederholen. Das Publicum, das sich an
anderes sein, ein viel roheres und kindischeres, als jenes der
„
„
Act. An diesem wahrhaft poetischen, zum Charakter der Oper
trefflich stimmenden Landschaftsbilde, wird man sich jederzeit
herzlich erfreuen; das große Talent
hier rein und kräftig, in seiner eigensten Sphäre. Sehr hübsch
erfunden und ausgeführt ist auch der Vordergrund der ersten
Decoration (Schießstand mit der Schänke); würde ein anderer
Hintergrund dieses Bild harmonisch abschließen, es wäre in
seiner Art ein würdiges Seitenstück zu der Waldpartie im
letzten Acte. Als Hintergrund figurirt leider ein perspectivisch
unmögliches Dörfchen mit gletscherartigen Gebirgen, welche in
vier bis fünf verschiedenfarbigen Beleuchtungen das Auge ver
wirren und den Charakter der Landschaft problematisch machen.
Wir zählen nicht zu den rigorosen Ausstattungskrittlern, welche
an jede Gartenbank auf der Scene den Maßstab historischer
und geographischer Treue legen, im Gegentheil dünkt uns
solch auf die Spitze getriebener Realismus ein Unheil für die
dramatische Kunst. Ist aber unsere Decorations-Malerei
einmal so weit gegangen, die „
schaftlich getreuen Bilder-Atlas von
sollte sie sich auch in
ist eine unverdiente Schmeichelei für das Land, sowie der
See, auf welchen
wohnung mit den gothischen Kirchenfenstern. Endlich beruhi
gen sich die rothen, violetten, blauen Lichter über der Alpen
landschaft des ersten Actes und weichen einer lange entbehrten
anständigen Dunkelheit:
vom Scheitel bis zur Sohle rothgekleidete Fratze wird mittelst
einer prakticablen Leiste über die Bühne geschoben, das
rechte Bein preßt sie etwas ängstlich auf eine eiserne Stütze,
das linke hält sie in die Höhe, wie ein Grotesktänzer im
Ballet. Die Wirkung ist einfach komisch. Man muß diesen
Teufelssiegellack mit eigenen Augen gesehen haben, um zu be
greifen, wohin die Sucht führt, in alten Opern überall ohne
Noth Neues anzubringen, Alles, auch das Gute und Richtige,
anders zu machen. Dämonische Kräfte wie
und Componisten wohlweislich mehr angedeutet als ausgeführt,
wollen auf der Bühne in einem mysteriösen Halbdunkel ge
halten sein. Herr Franz Gaul (von dem die übrigen kleid
scheidener geworden, sei es, daß sie an Geschmacksbildung ge
wonnen oder an Kehlengeläufigkeit verloren haben. Heutzu
tage figuriren als Repräsentanten der hochmüthig gewordenen
Virtuosität die Decorations-Maler mit ihren Gehilfen von
der Maschinerie und Beleuchtung. Ihr Studium geht we
niger dahin, wie der vom Componisten beabsichtigte Eindruck
der Scene zweckmäßig zu unterstützen sei, als vielmehr, wie
sie die Aufmerksamkeit von der Musik weg auf ihre eigene
decorative Leistung ablenken könnten. Der virtuose Decorateur
stellt sich neben den Dichter und Componisten und legt, wo
diese es nicht ahnten, seine optischen Bravour-Cadenzen ein.
Betrachten wir im neuen Opernhause die Wolfsschlucht. Den
Unfug, sie — ganz gegen die Absicht des Componisten und
gegen die dramatische Oekonomie des Stückes — zu einem
selbstständigen „dritten Act“ auszurenken, nahm man natürlich
vom alten Theater herüber. Das alle Aufmerksamkeit ge
waltsam auf sich ziehende Hauptstück der Decoration ist ein
imposanter, lebendiger Wasserfall, dessen Rauschen die Musik
wie den Dialog ungenirt übertönt. Noch schlimmer als dies
Rauschen ist die unausstehliche elektrische Beleuchtung, welche
nach einander und gleichzeitig rothe, blaue, grüne Lichter über
den Wasserfall tanzen läßt. Damit nimmt man der Scenerie
den Charakter des Schrecklichen, Unheimlichen, um eine glän
zende Spielerei zu gewinnen. Wir würden denjenigen für den
besten Freund der Direction halten, der ihr den elektrischen
Apparat und all ihre farbigen Lichter versteckte, so daß sie
einige Wochen lang mit den gewöhnlichen Abstufungen von
Hell und Dunkel ausreichen müßte. Eine Entziehungscur von
unausbleiblich wohlthätigen Folgen! Kehren wir zur Wolfs
schlucht zurück.
sprochen und
es der Wasserfall erlaubt) seine Stimme, sehen aber von
Decoration versteckt ihn vollständig für alle nicht auf der äußer
sten Rechten sitzenden Zuschauer, welche dafür wieder gar
nichts sehen von den auf der anderen Seite auftauchenden
Phantomen der Mutter und
ginnt; ein dicker Uhu, viel zu nah und zu groß, bewegt sal
bungsvoll die Flügel, wie ein predigender Mönch die Arme.
Der dahinsausende wilde Eber, die vier feurigen Räder —
Erscheinungen, welche nicht blos Gewohnheit und Tradition,
sondern die ausgesprochene, in der Tonmalerei verwirklichte
Absicht des Componisten für sich haben — sind im neuen
Opernhause gestrichen. Dafür walzen im Hintergrund einige
Teufel und umschleichen den Kugelherd ein halbes Dutzend gräu
liche Thiere („Viecher“ sagen wir in
mung von den zwei räudigen Kötern aus der
„
achteltact in As, mit den schauerlichen gestopften Tönen der
Hörner, diese geniale Tonmalerei der „wilden Jagd“. Aber
wo bleibt sie selbst, die wilde Jagd? Vergebens spähen wir
nach ihr. Erst nach diesem malenden Orchestersatz, der doch
untrennbar mit dem Sichtbarwerden des wilden Heeres zu
sammenhängt, erscheint letzteres, und zwar wieder in ganz
neuer Auffassung. Anstatt wolkengleich, als phantastische
Schattenbilder über den Horizont zu fliegen, senken sich aus
den Soffitten leibhaftige berittene Männer raketenschwingend
herab, von
fen. Ein ärgeres Verkennen dieser Scene, ein plumperes
Illustriren des Geisterspuks ist uns selten vorgekommen. Zur
Versinnlichung der wilden Jagd gibt es gar kein scenisches
Mittel, welches das bisher gebräuchliche Schattenspiel zu er
setzen vermöchte, diese körperlos dahinfliegenden, sich bald aus
dehnenden, bald zusammenziehenden Luftgestalten von Jägern,
Rossen und Hunden! C. M.
seines „
rations-Malers
dem abziehenden Rauch des Feuers, bei welchem
geln gießt, entwickeln zu lassen.
eben auch das Schauerliche mit poetischem Sinne aufgefaßt
sehen. Nach dem Erscheinen dieser reitenden Bengel erheben
sich im Vordergrunde der Bühne dichte Rauchsäulen; man
sieht und hört nichts mehr von
um nicht zu ersticken, offenbar längst die Bühne verlassen
haben), dafür kutschirt der rothe
cipède über die Bühne, welche endlich nur noch ein Chaos
von Rauch und Funken darstellt. Wir können in dieser ge
priesenen „Wolfsschlucht“ nur ein grobes, poesieloses Mate
rialisiren der Gespensterwelt erblicken, das bei allem Aufge
bot der Mittel (weil eben falscher Mittel) nicht einmal den
Eindruck des Schauerlichen hervorbringt. Die Tendenz unse
res neuen Opernhauses, auf Ballet-Effecte zu speculiren, hat
sich im „
es hohe Zeit ist, an die Umkehr zu denken. Will man durch
aus das Aeußerste leisten in Beleuchtungs-Effecten, Maschi
nenwundern und Decorationsprunk, so thue man es im
Ballet, das ist der Platz dafür. Unsere guten Opern lasse
man ungeschoren; sie sind geschaffen, damit wir uns am
Schönen hörend und sehend erbauen, nicht damit uns Hören
und Sehen vergeht. Die Aufnahme der neuen Decorationen
war verschieden; während der Wald im letzten Acte lebhaf
teste allgemeine Anerkennung fand, erfreute sich die Wolfs
schlucht nur der Zustimmung der Galerien. Der Wasserfall
wurde applaudirt, worauf natürlich die beiden Decorations-
Maler Hoffmann und
Es geschieht ganz im Geiste des neuen Opernhauses,
wenn wir auf die Musik erst in zweiter Linie zu sprechen
kommen. Glücklicherweise läßt sich über die musikalische Aus
führung des „
elektrisches Licht, sondern die echte Sonnenwärme der Kunst
durchglühte sie. Fräulein Ehnn (
vortrefflich, namentlich das Trinklied; dem dramatischen Theile
der Rolle, welche dem eigentlichen Charakterspieler ein dank
bares Feld öffnet, wurde er nicht ganz gerecht. An dem un
geschickten Arrangement im letzten Acte, welches die Gestalt
Zuschauer beinahe vollständig entzieht, trägt Herr
keine Schuld. Zur letzten Phrase sollte
merkt, sich höchstens auf die Knie erheben. Die Herren Ro
,
„Woran liegt die Schuld? Ist etwa
Doch der
Oder treibt er selbst den Unfug?
Ach, das wäre niederträchtig.“
Das kurze Gastspiel der Sängerin Murska bietet der