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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Das bedeutendste musikalische Ereigniß — nicht
blos des Tages oder der Woche — ist die Eröffnung des
neuen Musikvereins-Gebäude nächst der
am
trat schon am folgenden Tage das neue Gebäude in Activität
mit dem ersten „Gesellschaftsconcerte“. Welch erhebendes Musik
fest! Die Befriedigung künstlerischen und patriotischen Stolzes
flog leuchtend über alle Mienen, hier ausbrechend im Froh
gefühle lauter Bewunderung, dort nicht schwächer, nur milder
in dankbarer Rührung. Der Tag wird jedem der Anwesenden
unvergeßlich bleiben, und es schadet dieser Erinnerung nicht,
daß man sich diesmal mehr dem Schauen hingab, als dem
Hören. Die wundervolle Harmonie der Architektur übte an
dem Tage noch größere Macht über die Versammlung, als
die Harmonie der Musik. „Wie schön, wie prachtvoll!“ hörte
man ringsum, und jeder Nachbar wurde zum Echo dieses
Ausrufes. Die Schönheiten des neuen Gebäudes von Innen
und Außen sind bereits von kundigerer Hand beschrieben. Ich
bin zu sehr Laie in der Architektur, als daß ich mich unter
stehen sollte, Meister Hansen zu rühmen; mein Lob wäre
nicht ganz beruhigen. Von allen Seiten quellen uns Gold und
Farben entgegen; das Auge, in unsteter Bewunderung all die
ser bunten Gemälde, reichen Ornamente, goldenen Figuren
u. s. w., vermißt den ernsten, ruhigen Grundton. Der Ein
druck ist überwiegend der eines pompösen Ballsaales, einer
Arena des Tanzes und der rauschenden Fröhlichkeit. Eine
Stätte classischer Musik, dem Cultus des geistigsten, abstrac
testen aller Sinne geweiht, sollte die musikalische Einkehr des
Hörers, dieses gesammelte, innerlich mitarbeitende Genießen
nicht allzusehr zerstreuen durch luxuriöse Pracht der Wände.
Der Musikvereinssaal wirkt durch Aufgebot von Gold und
Farben blendender als der Zuschauerraum des neuen Opern
hauses, in welchem der decorative Schmuck sich auf viel grö
ßere Dimensionen vertheilt und dessen künstlerische Bestimmung
überdies eine buntere, luxuriösere Ausschmückung als die eines
Concertsaales rechtfertigen würde. Der Engländer verwendet
selbst in seinen stattlichsten Concertsälen sehr wenig auf deco
rativen Luxus, um so mehr auf die Größe der Dimensionen,
welche auch unbemittelten Hörern den Genuß guter Musik er
möglicht. Man denke an St. James-Hall und Exeter-Hall in
Parterres geht viel Raum verloren und erscheint der Saal
überdies kleiner, als er thatsächlich ist. Eine vollständig um
den Saal laufende zweite Galerie wäre vom prak
tischen Gesichtspunkte um so wünschenswerther, als das
„Stehparterre“ eine sehr geringe Zuhörerzahl faßt. (Ein
Stehparterre ist, nebenbei gesagt, an und für sich eine
Barbarei, im Concerte wie in der Oper.) Im allgemeinen
Interesse mußte man wünschen, daß noch ein billigerer Platz
als zu Einem Gulden in diesem Prachtsaale angebracht wäre,
was bei der gegenwärtigen Disposition nicht thunlich ist. Man
schien eben äußere Schönheit und Eleganz vor Allem anzu
streben, und diese Vorzüge besitzt
Grade. Er besitzt noch einen anderen, musikalisch wichtigeren:
eine gute Akustik. Obwol man an jede fremde Akustik sich im
mer erst einigermaßen gewöhnen muß, fand die Klangwirkung
des ersten Concertes allgemeines Lob. Das ist ein gutes Zei
chen. Der Saal gibt den Ton mit großer Kraft ohne Echo
zurück; man wird, besondere Anlässe ausgenommen, keine allzu
starke Orchester-Besetzung nöthig haben. Am schönsten entfaltete
sich der Klang der Singstimmen, er wirkte bezaubernd in dem
läßt der Ton der Violinen wie der Bläser kaum etwas zu wünschen;
nur die Celli und Bässe wurden in den tieferen Lagen und
in figurirten Stellen nicht recht deutlich, womit keineswegs
der dreimalige Bajonnet-Angriff der Contrabässe in dem
Scherzo der
die, von zwölf Bässen gespielt, in keinem Saale der Welt
deutlich werden kann. Da muß von jeher die Einbildungs
kraft und das mitsingende Gedächtniß im Hörer ein wenig
nachhelfen. Akustische Vortheile sind überwiegend Sache der
Erfahrung und des Experimentes, man wird ohne Zweifel
auch im neuen Saale noch auf manche Verbesserung gerathen
durch Versuche mit veränderter Aufstellung u. dgl. Jedenfalls
wünschten wir aber eine höhere Stellung des Orchesters und
der Sänger, nicht blos im (wahrscheinlichen) Interesse des
Klanges, sondern ebensosehr des Anblickes, der ganzen äuße
ren Erscheinung. Das Orchester präsentirt sich auf seiner ge
genwärtigen mäßigen Erhöhung zu wenig getrennt vom Audi
torium, zu wenig emporragend. Im Concertsaale soll das
Orchester förmlich die Bühne repräsentiren — eine Bühne, auf
welcher auch die entfernter Sitzenden die ganze Figur wenig
stens der Solospieler und Sänger sehen können. In der Oper
gestaltet sich das Verhältniß ganz anders; da ist der scenische
Vorgang so sehr das Wichtigste, daß der Anblick all der bla
senden und geigenden Orchesterspieler nur störend wirkt; so
störend, daß lediglich die Gewohnheit ihn erträglich macht
und er dies zu sein aufhört, sobald wir den richtigen Gegen
satz aus eigener Anschauung kennen gelernt haben, wie in der
hat die
Idee durchgeführt, ein so preiswürdiges Beispiel gegeben,
daß ihr alle „
Das „
ist geblieben, nicht blos im Dienste
dern zum höchsten Vortheil aller dramatischen Werke. Nur
im
Illusion, weil er über die unsichtbaren Orchesterspieler hinweg
ungestört die ganze Bühne überblickt; nur dort wird dem
Sänger der ihm in der Oper gebührende Vorrang vor dem
Orchester, der Sieg über den modernen Instrumentenlärm.
Nach dem Verschwinden des „
pertoire wurde zwar in einige Zeitungen die Nachricht ge
schwärzt, man habe das Orchester wieder „hoch zu Roß“ auf
sein ehemaliges Podium erhoben; sie ist, wie mir ein Brief
des Capellmeisters Wüllner versichert, vollständig irrig.
Das Programm des Eröffnungsconcertes ging von dem
Grundgedanken einer Repräsentation jener großen Meister aus,
welche durch Geburt oder Ansässigkeit ein theurer Besitz
geworden:
mit Einer Nummer ( Bach)
mit wahrhaft begeisterter Energie die „
und
tung feierte auch der bewährte „Singverein“ der Gesellschaft
der Musikfreunde einen Triumph mit dem Vortrage zweier
Haydn und
einen Tag in
rühmten Orgeln daselbst gehört zu haben, die in regelmäßigen
Abend-Productionen gegen ein geringes Eintrittsgeld von den
(meistens sehr tüchtigen) Organisten gespielt werden. In die
sen Ländern würde jede mit einer vortrefflichen Orgel ausge
stattete Kirche es für einen Raub an dem kunstsinnigen Pu
blicum ansehen, den Gebrauch dieses Instrumentes auf den
rituellen Dienst zu beschränken und ihm jedes Lebenszeichen
künstlerischer Selbstständigkeit zu versagen. Vor Kurzem hielt
sich der als Organist rühmlich bekannte Heinrich
aus
ihm nicht, ein Orgel-Concert in einer der hiesigen katholischen
Kirchen veranstalten zu dürfen. In
furt
Kirchen Orgelvorträge gehalten. An dem Professor des hiesi
gen Conservatoriums, Anton Bruckner, besitzen wir einen
und deren Wirkung ganz zu ersetzen, aber jedenfalls erschließt
sie uns ein neues Kunstgebiet, pflegt sie einen bisher in
verwaisten Musikzweig von ältestem und höchstem Adel. Darauf
bei dem glänzenden Neubau nicht vergessen zu haben, gehört
zu den echtesten Verdiensten unserer „Gesellschaft der Musik
freunde“.
Die Eröffnung des neuen Musikvereinssaales und das
erste Concert daselbst haben so ziemlich die Aufmerksamkeit
von den übrigen Concerten abgelenkt. Der Vollständigkeit hal
ber registriren wir das Wichtigste daraus, zum Theil aus
zweiter Hand, da ein unmusikalisches Unwohlsein uns hinderte,
überall selbst dabei zu sein. Die glänzendsten Sterne der
Saison, Clara Schumann und das
ist und bleibt sie „Augenmusik“. Ein von dem
Verein mit Herrn
J. P. Gotthard hat, einstimmigen Berichten zufolge, den leb
Gibt es keine anderen Schulden zu tilgen, speciell im
Fache des Clavierconcertes? Zwei „Concertstücke“ von Schu
(