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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Feuersbrunst im neuen Musikvereine und
die allenthalben uns umhüpfenden Flämmchen der Faschingslust
haben eine momentane Stockung in unserem Concertleben ver
ursacht. Die einzigen kräftigeren Pulsschläge desselben waren
in jüngster Zeit ein Philharmonisches Concert unter Des
Leitung und
tion in der
und gesangvoll, wirkt ebenso bestechend in den Bravourstellen
wie in der kleinsten, leise hingehauchten Verzierung. Wir hof
fen dem Namen
men zu begegnen.
Herr Hellmesberger, welcher in seiner letzten Soirée
und Journalist war nun mit Einem Schlage Apotheker
wider Willen und löste seine Aufgabe mit so viel Vorsicht und
Klugheit, daß keiner von seinen Patienten gestorben ist, viel
leicht sogar einige gesund wurden. Trotzdem suchte
dieser für den Dilettanten doch sehr beängstigenden Thätigkeit
baldmöglichst zu entkommen und kehrte nach
er der tüchtige Orchestergeiger wurde, als den wir ihn jetzt
kennen. Eines hatte er aber noch nicht versucht, nämlich Com
ponist zu werden. Diese Lockung war unwiderstehlich. Herr
nicht im Stiche: das Stück wurde vortrefflich gespielt und
von den Zuhörern mit Beifall überschüttet. Und wirklich hat
der Autor seine vielfach erprobte „Findigkeit“ auch hier be
währt.
und geht, genau wie seine pharmaceutischen Compositionen,
Niemandem an Leben oder Gesundheit. Neue Stoffe haben
wir darin nicht entdeckt, aber eine Anzahl mehr oder minder
bewährter Chemikalien (besonders aus Recepten von
mann
und combinirt, mitunter sogar durch Sordinen-Effecte u. dgl.
zu einer angenehm prickelnden Wirkung gesteigert, welche etwa
an kohlensaure Limonade erinnert. Herr
Zweck erreicht: er zeigte uns, daß er auch geschickt zu com
poniren versteht (hoffentlich wird er keine Gewohnheit daraus
machen) und daß er seine sämmtlichen Talente noch lange
nicht ausgespielt habe. Gleich nach dem Adagio (dem Satz
mit den Sourdines gazeuses) brach ein solcher Beifall aus,
daß uns unwillkürlich der Ausruf
„O wackrer Apotheker, dein Trank wirkt schnell!“
Am Donnerstag Abends gab es gleichzeitig zwei Concerte —
eine Collision, die man bei dem gegenwärtig schwachen Stande
der Musik-Productionen leicht hätte vermeiden können. Fräu
lein Leopoldine Pfuhl, eine junge, talentvolle, wenngleich
höchst bedeutende Tonwerk wurde
dem
„ Wein
hatte auf das Einstudiren, insbesondere der ebenso
Aus den theatralischen Ereignissen dieser Woche sticht der
entschiedene Erfolg von Offenbach’s komischer Oper „
tändelnden Leichtigkeit nicht ohne Werth. Es gleicht einem
Wunder, daß dieser fruchtbarste aller modernen Opern-Com
ponisten noch nicht erschöpft ist. Eine Fülle lieblicher und
pikanter Melodien strömt ihm zu; daß eine und die andere
davon
cher Productivität unausweichlich. Genug, daß „
zu den gelungensten Arbeiten
das Gepräge einer sorgfältigeren Ausarbeitung trägt. Diese grö
ßere Sorgfalt des Componisten äußert sich fürs erste in dem
getreuen, oft sehr fein empfundenen Anschmiegen der Melodie
an das Wort und die Situation, sodann in der Delicatesse
der Instrumentirung. Wie reizend ist z. B. die Begleitung
der Barcarole im zweiten Acte, wie ungezwungen zugleich und
charakteristisch! Außer dieser Barcarole (wol der hübschesten
Nummer) enthält die Oper noch mehrere Gesangstücke ern
steren Charakters, in welchen der Ausdruck leichter Schwermuth,
Sehnsucht oder Zärtlichkeit durchaus wahr und zart wiedergegeben
ist, ohne je in das Pathos der Großen Oper umzuschlagen. Solche
Nummern sind zum Beispiel die Romanze der
Act: „II n’est plus un enfant“,
Grabe des Papageis und sein Abschied vom Pensionat, end
lich das kleine Liebesduett zwischen
dritten Act. Was im Carltheater den größten Beifall erregte, ja
geradezu Enthusiasmus hervorrief, ist das Finale des zweiten Actes
mit dem Trinklied, eine frische, aber sehr handgreifliche Musik,
Product großer Bühnenkenntniß, aber etwas liederlicher Phan
tasie. Hingegen stimmen wir gern in den Applaus ein, wel
chen das Publicum mehreren komischen Nummern spendete,
unter welchen das „Schlüsselduett“ des
die große Tanzlection
Einige unbedeutende Musiknummern unterlaufen natürlich auch,
doch keine, die man häßlich oder störend nennen könnte. Eines
hat „
Unwahrheit der beliebten Behauptung,
seine Erfolge nicht der Musik, sondern den schlüpfrigen Texten
und decolletirten Frauenrollen. In „
das Eine noch das Andere zu finden, so wenig wie in der
„
„
rette, welche Tags zuvor mit großem Erfolge im alten Opern
hause gegeben worden, ziehen wir dem „
kleine Partitur, die nur ein großes Talent machen konnte.
Tagen vollständig niedergeschrieben.
Die Aufführung des „
Großen und Ganzen sehr lobenswerth, ja gewissermaßen
epochemachend für diese Bühne, welche mit einem mittelmäßig
geschulten und wenig stimmbegabten Sängerpersonal zum
erstenmal ein Repertoirestück der Pariser Opéra Comique
mit entschiedenstem Erfolge aufführte. Die Gerechtigkeit gegen
kalische Theil seines Werkes im Carltheater keineswegs zur
vollen Geltung kam. Die Hauptrolle,
schmelzenden Tenor des gefeierten Capoul geschrieben, mußte
Trotzdem herrschte in der Vorstellung durchwegs Geist und
Leben, dabei eine Präcision des Zusammenspiels, welche einige
musikalische Mängel vergessen ließ. Das Publicum errieth das
große Verdienst des Directors Ascher um diese Vorstellung