Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der Leser, dem wir soeben die Handlung der
„
von größerem Umfange als „
entstehen konnte. Dies war nur möglich durch gewaltsames
Ausdehnen und Zerren der ärmlichen Handlung, welche, ohne
spannende Verwicklung oder Zwischenfälle, fortwährend stillesteht.
Die zähe Weitschweifigkeit dieser Reden und Gegenreden, häus
lichen Gespräche und trockenen Belehrungen, welche durchweg in
ganz ähnlicher Ausdrucksweise und behäbig schleppendem Tempo
über ameisenartig wühlendem Orchester sich bewegen, legt dem
Hörer mitunter starke Geduldproben auf. Von dieser ermü
denden Behandlung abgesehen, scheint uns der Stoff ohneweiters
ein Fortschritt, ein Weg zum Besseren und Gesünderen im
Vergleich mit
zu seiner (nur den Mythus als berechtigtes Stoffgebiet
anerkennenden) Theorie, aber in richtigem Instinct ist
von seinen abstrusen, unter dem Wasser und über den Wolken
spielenden Fabelstücken zum wirklichen Theater zurückgekehrt.
Er wendet endlich seinen Zwergen, Riesen und Walkyren den
Rücken, stellt sich mitten in die reale Welt und gibt uns
lebensvolle Bilder aus dem
des Mittelalters. Diese
fachen kleinbürgerlichen Erlebnissen und hausbackenen Knittelversen
sind uns doch entschieden lieber, als diese schwindelhafte Verzückung
und das bombastische Alliterationsgestotter im „
„
des Volksfestes auf der
poetisch glücklichen Griff gethan.
Was um so empfindlicher auffällt, ist
mor. Für die komische Oper — und das sind die „
nach ihrer ganzen Anlage wie durch ihre beiden ausgesprochenen
Buffo-Figuren — erscheint
Der Conversationston, welcher doch fast ausschließlich in den
zwei ersten Acten herrscht, klingt nicht einen Augenblick leicht und
fließend, er ist vielmehr durch eine schwerfällige, gesuchte, fort
während unruhige Musik wiedergegeben, deren Instrumentirung
obendrein in complicirtester und lautester Weise arbeitet. Die
Sänger müssen die alltäglichsten, auf gewöhnlichen Sprechton an
gewiesenen Fragen und Antworten einander zuschreien, um den
Schwall des Orchesters zu übertönen. Mit dieser verfehlten Fär
bung verbindet sich die verfehlte Zeichnung durch eine meist sprach
widrige, unnatürlich auf und abspringende Declamation. Im Aus
druck des Komischen ist
wird sie regelmäßig gespreizt, überladen, ja widerwärtig. Mit den
grausen Dissonanzen, in welchen der „komische“
oder wehklagt, könnte man die entsetzlichsten Scenen eines Schauer
dramas begleiten, und wo der Lehrjunge
und Wasser“ spricht, da spielt das Orchester Galgen und Rad.
Wenn friedliche Bürger und Handwerker ihr Mißfallen an einem
Gedicht in so wüthenden Tönen ausdrücken, wie es im ersten und
im dritten Act der „
bleibt dem Componisten noch übrig etwa für die
volution? Von dem gar nicht komischen, sondern nur häßlichen
und gemeinen Prügelfinale des zweiten Actes wollen wir gar
nicht sprechen. Laube’s wehmüthiger Ausruf bei der
schon den größten Theil des „
„
geblieben, ja er hat es noch strenger in allen Details durchge
führt. Diese von keiner Anfechtung beirrte Consequenz gibt dem
Werke den überall imponirenden Charakterzug der Sicherheit und
Ueberzeugung. Das Princip selbst (zu welchem auch die „
stersinger
ler festen Form in ein gestaltloses, sinnlich berauschendes Klin
gen, das Ersetzen selbstständiger, gegliederter Melodien durch ein
vages Melodisiren. Die „unendliche Melodie“ (man kann
dieses von
druck gebrauchen) ist die herrschende, zugleich die musikalisch
unterwühlende Macht in den „
Motiv beginnt, es wird, bevor es zur eigentlichen Melodie, zum
Thema sich gestaltet, gleichsam umgebogen, geknickt, durch fort
währendes Moduliren und enharmonisches Rücken höher oder
tiefer gestellt, durch Rosalien fortgesetzt, dann angestückelt und
wieder verkürzt, bald von diesem, bald von jenem Instrument
wiederholt oder nachgebildet. Mit ängstlicher Vermeidung jeder
abschließenden Cadenz fließt diese knochenlose Ton-Molluske, sich
immer wieder aus sich selbst erneuernd, ins Unabsehbare fort.
Aus Furcht vor der „Gewöhnlichkeit“ der natürlichen Ganz- oder
Halbschlüsse verfällt
danterie; er wird nämlich monoton gerade dadurch, daß er regel
mäßig, wo das Ohr einen abschließenden Dreiklang erwartet, in
einen dissonirenden Accord einlenkt. Welch überraschend wohl
thuenden Effect machen die zwei lang austönenden C-dur-Accorde
vor
der Hörer drei Stunden lang nach einem einzigen gesunden
Dreiklang geschmachtet hat. Ueberschaut man ganze große
Partien dieser Oper mit einem Blick, so gewahrt man immer
dieselbe Einförmigkeit des Total-Eindruckes, bei fortwähren
der nervöser Unruhe und Störung des Details. Nur an den
wenigen Stellen, wo ein lyrischer Ruhepunkt, eine Art Liedform
schon im Texte geboten ist (die Gesänge
lied), concentrirt sich der Gesang wenigstens eine Weile hindurch
zur selbstständigen, wirklichen Melodie; hingegen ist im ganzen
Fortgang des Dramatischen, in den Monologen, Dialogen, Ge
sammtscenen der Faden der Melodie nicht in die Singstimmen,
sondern ins Orchester verlegt, wo er als „unendlicher“ sich wie
in einer Spinnfabrik gleichförmig abhaspelt. Diese melodien
spinnende Orchester-Begleitung bildet eigentlich das zusammen
hängende und selbstständige Tonbild in den „
Singstimme accommodirt sich dieser Begleitung, indem sie halb
declamirend, halb singend ihre Phrasen einwebt. Man sieht, daß
diese Methode des Componirens der bisher von allen Meistern
geübten entgegengesetzt ist. Die Melodie der Singstimme war
jederzeit in der Conception des Tondichters das Erste und Bestim
mende, welchem die Begleitung (sei sie von noch so freier oder com
plicirter Bewegung) untergeordnet wurde. Man konnte in der Regel
zu der gegebenen Singstimme die Begleitung oder doch eine Be
gleitung annähernd errathen und besaß hingegen in dem Accom
pagnement ein für sich unselbstständiges Etwas. In den „
singern
Unvollständiges, sondern gar nichts; die Begleitung ist Alles,
ist eine selbstständige symphonische Schöpfung, eine Orchester-
Phantasie mit begleitender Singstimme ad libitum. Gibt man
einem geschickten, mit
von den „
chester-Begleitung, so wird er passende Singstimmen in die leeren
Notensysteme eintragen können, etwa wie der Bildhauer die feh
lende Hand einer aufgefundenen Statue ergänzt. Niemandem
würde es jedoch gelingen, zu der Partie des
so wenig wie die ganze Statue zu einer abgetrennten Hand. Das
natürliche Verhältniß ist auf den Kopf gestellt: das Orchester
unten ist der Sänger, der Träger des leitenden Gedankens; die
Sänger auf der Bühne sind ausfüllende Instrumente. Um bei
dieser Methode, welche keineswegs eine schärfer charakterisirende,
specialisirende, sondern im Gegentheil eine nivellirende, verall
gemeinernde ist, doch ein Mittel für Charakteristik der Personen
zu gewinnen und dem Ohr einen Rettungsanker in dem Ocean
der melodischen Unendlichkeit zu schaffen, verwendet
sogenannten Gedächtniß- oder Leitmotive, d. h. Themen, welche
im Orchester jedesmal anklingen, sobald eine bestimmte Person
auftritt oder ein bestimmtes Ereigniß erwähnt wird. Die Zunft
der Meistersinger hat ihr eigenes marschartiges Motiv, der Lehr
junge
Uniformen, an welchen man die Leute im Gedränge oder in der
Dämmerung erkennt. Nun begründen bei
nißmotive nicht blos Personen-, sondern auch Sachenrechte. So
bald irgendwer in der Oper vom
singen spricht, ertönt das Motiv Pogner’s aus dem ersten Act;
gefärbt, Anfangs freut sich der Hörer an diesen Melodiechen,
deren Verfolgen und Erkennen überdies den Verstand beschäftigt;
je unablässiger sie ihn aber hin und her schaukeln, desto unbehag
licher wird ihm zu Muthe. Für den Musiker, der befähigt und
geneigt ist, sich vorzugsweise an dem technischen Detail zu er
freuen und darüber zeitweise das Unerquickliche des Total-Ein
drucks zu vergessen, hat die Orchester-Begleitung der „
singer
cher
Orchester anbringt, verändert, deren zwei und drei mit einander ver
webt, ist ohne Frage bewunderungswürdig. Schade nur, daß diese
„dramatische Polyphonie“, wie man das neue Princip
nermu
sikalisch gedachten Polyphonie bezeichnen könnte, durchweg
Die Aufführung der „
freund ein denkwürdiges Kunsterlebniß bleiben, wenn auch keines
von jenen, deren echter Schönheitssegen uns beglückend und läu
ternd durch’s Leben begleitet. Wir erblicken in dieser Oper keine
Schöpfung von tiefer Ursprünglichkeit, von bleibender Wahrheit
und Schönheit, sondern ein geistreiches Experiment, das durch
die zähe Energie seiner Durchführung und die unleugbare Neu
heit nicht sowol des Erfundenen, als der Methode des Erfinders
frappirt. Die „
zu den interessanten musikalischen Abnormitäten. Als Regel ge
dacht würden sie das Ende der Musik bedeuten, während sie als
Specialitäten immerhin bedeutender und nachhaltiger anregen,
als ein Dutzend Alltagsopern von tadelloser Correctheit der
Form und „Gesinnung“.
Ueber die vortreffliche Aufführung der „
Hofoperntheater haben wir bereits gestern in Kürze berichtet und
erinnern nochmals gerne an das besondere Verdienst der Sänger
Beck und