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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. In den musikalischen Kreisen von
es schon zu
rühmte Componist an einer
Publication erst nach seinem Ableben gestattet sein sollte.
Diese „
in prachtvoller Ausstattung bei Michel
erschienen und werden die Aufmerksamkeit aller für Musik sich
interessirenden Leser in hohem Grade erregen. Eine Persön
lichkeit wie
Schicksale zur Autobiographie ganz vorzugsweise berufen. Man
mag über den Reiz, den Einfluß und den bleibenden Werth
seiner Compositionen noch so verschieden denken, ja davon ganz
absehen,
die seltene Energie seines Charakters, durch ungewöhnliche
Feinheit des Geistes und der Empfindung, endlich auch durch
eine bis ins Greisenalter forttosende, wahrhaft tragische Lei
denschaftlichkeit. Zu diesem psychologischen Interesse tritt das
kunsthistorische in dem Lebenslaufe eines Mannes, der, wie
land
und ein halbes Jahrhundert lang als Tondichter und Kritiker
mit einschneidender Wirkung thätig war.
Abfassung seiner
schloß sie am Neujahrstage
nem Tode. Wenn man an diesem reichhaltigen Buche etwas
zu beklagen hat, so ist es die übergroße Ausdehnung und der
hohe Preis desselben, welche viele Leser abschrecken dürften.
Es gehört schon ein lebhaftes Interesse für den Autor dazu,
um sich durch mehr als 500 Seiten größten Octavformats
mit seiner Person zu beschäftigen. Solch gewaltigen Umfang er
hielt die
aus
als Feuilleton im
ständig wieder einverleibt sind. Sodann durch die bequeme
Breite, mit welcher
tonistischen „Causerie“, manchmal recht unerhebliche Scenen
oder Gespräche wiedergibt. Die Lebhaftigkeit seines Tempera
ments verleitet ihn, überall zu dramatisiren, wodurch seine Er
zählung allerdings den Reiz der Frische gewinnt, aber an
Haltung und Stetigkeit verliert. So ist
im Stande, kurz zu erzählen: „Ich ging trotz wiederholter
Abmahnungen meines Freundes nach
führt dies (pag. 440), ganz als wenn er ein Bühnenstück
schriebe, in einem sehr lebhaften Dialog aus, welcher doch
nichts Anderes enthält, als das fortwährend wiederholte: „Geh’
nicht!“ des Freundes und
gendes: „Ich gehe doch!“ Eine launige Conversation
mit dem alten Thürsteher des Conservatoriums füllt das
ganze 23. Capitel! Die eingefügten Reisebriefe endlich enthalten
über fremde Künstler und Kunst-Institute kritische Ausfüh
rungen von jetzt sehr antiquirtem oder nur mehr localem In
teresse. Das Merkwürdigste in
Zweifel seine Jugendzeit. Von dieser ist auch das Wenigste
bekannt geworden, weßhalb einige Mittheilungen daraus unseren
Lesern willkommen sein dürften. Hector
11. December
chen zwischen
vollen, geachteten Arztes daselbst. Man erzieht ihn natürlich
im katholischen Glauben, „einer reizenden Religion, seitdem sie
Niemanden mehr verbrennt“. Sie machte ganze sieben Jahre
lang seine größte Seligkeit aus, später hat er sich mit ihr über
worfen.
nichtsdestoweniger seiner bigotten
hatte, den
machen. Er ließ ihn sogar manchmal den Katechismus
aufsagen — „eine Gewissenhaftigkeit oder philosophische Gleich
giltigkeit“, zu welcher sich
über für unfähig erklärt.
mit größter Sorgfalt selbst und ausschließlich, konnte ihm
aber niemals Geschmack an den classischen Studien beibrin
gen. Hingegen schwärmte er für Landkarten und Reisebeschrei
bungen, welche seiner Phantasie ein unermeßliches Feld er
öffneten. Er war zwölf Jahre alt, als er gleichzeitig die zwei
großen Passionen seines Lebens kennen lernte: die Musik und
die Liebe. Gegenstand der letzteren war ein schönes achtzehn
jähriges Mädchen, das
(schon der Name entzückte ihn) hatte natürlich nur ein mit
leidiges Lächeln für die heftige Leidenschaft des Knaben, der
seinerseits dieses Jugend-Ideal niemals vergessen hat. Mit er
greifender Wahrheit schildert er die Qualen dieser leidenschaft
lichen ersten Liebe. In dieselbe Zeit fielen seine ersten, un
beholfenen Versuche in der Composition. Etwas früher hatte
er unter Anleitung seines Flageolet und die
Flöte spielen gelernt, hierauf auch die Guitarre. Dies
waren die drei ersten Instrumente, durch welche
die Musik eingeführt wurde, und die drei einzigen, die er in
seinem Leben spielen gelernt! Gewiß der seltsamste Anfang
und das dürftigste Material gerade für den Meister der großen
Instrumental-Effecte und Orchester-Combinationen!
freut sich übrigens, daß sein
unterrichten ließ: „Ich wäre sonst wahrscheinlich ein gefürchteter
Pianist geworden, wie vierzigtausend Andere.“ Seine ersten
Compositions-Versuche trugen, unter dem Einflusse der un
glücklichen Liebe von
Melodie zu einer Romanze aus „
rettete er später in den ersten Satz seiner „
Symphonie
großer Componisten, inbesondere Gluck’s und
Um ihn für die medicinischen Studien vorzubereiten, be
gann der
Widerwillen dagegen, und nur das Versprechen, man werde ihm
eine werthvolle Flöte mit allen neuen Klappen aus
kommen lassen, ermuthigte ihn, diesen Widerwillen vorläufig
noch zu bekämpfen. Mit neunzehn Jahren verließ er schweren
Herzens das Vaterhaus, um in
zu besuchen. Der erste Anblick der zerstückelten Leichen im
Secirsaale erfüllte ihn mit solchem Grausen, daß er zum offe
nen Fenster hinaussprang und lief, so weit ihn seine Füße
trugen. Sein College und Stubengenosse
seine ganze Beredsamkeit, um
zweiten Besuche des anatomischen Saales zu bewegen. Und
seltsamerweise ließ ihn der gefürchtete Anblick diesmal uner
schüttert, er empfand nichts weiter als kalten Ekel. Die me
dicinischen Studien wurden fortgesetzt, und
sich an den Gedanken, die große Zahl gemeinschädlicher Aerzte
noch um einen Unglücklichen zu vermehren, als ein Abend in
der Großen Oper seinen Gedanken eine neue Wendung gab.
„ Salieri war die erste Oper,
ten Componisten der „
aufnahm und stets mit aufrichtigem Wohlwollen behandelte.
Die Aufführung einer
nungen gesetzt, scheiterte an einer Probe, welche in Folge feh
lerhaft ausgeschriebener Stimmen einem Charivari glich.
lioz
wendete drei Monate angestrengter Arbeit auf die eigenhändige Co
piatur aller Auflagstimmen. Doch fehlten ihm vollständig die
Mittel, eine neue Aufführung zu bezahlen. Seine Bitte an
Chateaubriand um ein Darlehen von zwölfhundert Francs
grenzende dumpfe Verzweiflung; er berührte keine Speise,
sprach mit Niemandem und brachte die Tage entweder einge
schlossen in seinem Zimmer oder in Wäldern umherirrend zu.
Dieser Anblick beängstigte denn doch endlich den
milderte seinen Starrsinn.
zu seinen Musikstudien zurück, aber nur probeweise, für
einige Zeit; falls er da keine künstlerischen Erfolge,
keine Anerkennung seines Talentes zu erringen vermöchte,
müsse er unweigerlich eine andere Laufbahn einschlagen.
Diese Entscheidung sollte, der strengen
heimniß bleiben. In seinem Herzensjubel vermochte aber
nicht zu schweigen; er vertraute das Geheimniß der
an, und diese verrieth es an die
giösen Vorurtheilen vollständig befangen, hielt ihren
Erden entehrt und jenseits verdammt, wenn er sich einer mit
dem Theater so eng verbundenen Kunst widme. Nachdem
sie ihre Drohungen machtlos abprallen sieht, wirft sie sich vor
ihrem
entsagen. Er sucht sie zu beschwichtigen. Da springt die alte
Frau auf ihm zurufend: „So ziehe hin! Entehre deinen Na
men, tödte mich und deinen
Ich verlasse das Haus. Du bist mein Sohn nicht mehr; ich
fluche dir!“ Damit verschwand sie und flüchtete sich in ein
entferntes Landhaus. Als unmittelbar vor der Trennung
mit seinem
zu erbitten, lief sie davon, sobald sie die Beiden erblickte.
gessen; ihr schreibt er zumeist den Haß zu, der ihn seither gegen
allen religiösen Fanatismus und frommen Unverstand erfüllte.
Nach
Studien bei
seine Schuld an
Er erhielt vom Hause nur ein Monatgeld von 120 Francs;
dazu kam der bescheidene Ertrag einiger Flöten- und Guitarre-
Lectionen. Trotzdem gelang es
größten persönlichen Entbehrungen auflegte, nach einigen Mo
naten 600 Francs zu ersparen und damit die Hälfte seiner
Schuld abzuzahlen. Es ist eines der rührendsten und für
lioz
Schuld bezahlen zu können, eine winzige Kammer im fünften
Stockwerke miethete und, anstatt wie früher beim Restaurant
zu diniren, sich montelang von Brot, Weintrauben und
Pflaumen nährte. Diese Malzeiten, zu dem Preise von
höchstens sechs bis acht Sous, verzehrte er auf dem
neuf
von diesen Entbehrungen seines Freundes unterrichtet und selbst
in Geldverlegenheit, hatte den unglücklichen Einfall, sich um
die Bezahlung der zweiten Hälfte seines Darlehens direct an
voll. Vater
Francs an
zu unterstützen, falls dieser nicht unverzüglich die Künstler
laufbahn verlasse. Der alte Herr fühlte längst Reue über seine
Nachgiebigkeit, sein
zugebracht, ohne eine Stellung zu erlangen, einen Erfolg zu
erringen; anstatt ein berühmter Componist, war er in den
Augen des
denmacher und unpraktischer Phantast.
mehr ab von seinem Lebens-Ideal; er blieb in
schlossen, sich mit Hilfe einiger Lectionen und großer Spar
samkeit allein fortzuhelfen. Mit Feuereifer componirte er eine
große Oper: „
heroische
welche damals alle Gemüther erfüllte. Alle Bemühungen des
jungen Componisten um eine Aufführung seiner Werke schei
terten vollständig. Der Winter kam.
cullisches Mal nicht mehr im Freien einnehmen, er brauchte
Holz, Licht, wärmere Kleider. Seine Lectionen, zu 1 Franc
die Stunde, hatten beinahe sämmtlich aufgehört. Er hat nur
die Wahl, demüthig zum
zu sterben. Da gibt die unbezähmbare Leidenschaft für die
Musik ihm neue Kraft.
Théâtre des Nouveautés engagiren, einer kleinen Bühne, welche
Vaudevilles und leichte komische Opern gab. Trotz seiner nur
mittelmäßigen Baritonstimme siegt
Sicherheit bei der Aufnahmsprobe über seine fünf Mitbewerber:
einen Leinweber, einen Hufschmied, einen invaliden Schauspieler
und einen Kirchensänger von Saint-Eustache. Sein Dienst begann
unverzüglich und wurde mit einer Monatsgage von 50 Francs
entlohnt. Es gelang
Schmerz ersparen wollte, seinen neuen Theaterdienst vollstän
dig geheimzuhalten. Sie erfuhren von dieser Choristen-
Carrière erst 7 bis 8 Jahre nach deren Abschluß, und zwar
durch Journale, welche zuerst biographische Notizen über ihn
veröffentlichten.
hatte, meldete sich zu dem Compositions-Concurs am Conser
vatorium; seine Cantate „
oberflächlicher und übelwollender Prüfung für „unausführbar“
erklärt. Nach so vielen Schicksalsschlägen fiel
gefährliche Krankheit. Da erscheint glücklicherweise sein
den so viel Festigkeit und Ernst doch endlich besiegen mochten,
und gewährte
konnte er seinen Choristendienst aufgeben, welcher, abgesehen
von der physischen Anstrengung, den jungen Componisten ver
rückt zu machen drohte. „Nur ein wahrhafter Musiker,“ ruft
er aus, „der zugleich unsere
vermag zu begreifen, was ich bei dem Lernen und Ausführen
dieser dummen Musiken gelitten habe!“