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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
schüttelt und widmete sich nun mit ganzer Kraft dem Studium
zunächst der dramatischen Musik. Der Mann seiner größten,
ja schrankenlosen Bewunderung ist
ster Haß gehört
gen
als Chef einer Handvoll
er dazu machen wollte. In den Zwischenacten erklärte er
ihnen die Schönheiten des Textbuches und der Partitur, und
wehe dem Sänger oder Orchester-Dirigenten, der sich die ge
ringste Aenderung erlaubte. „Wo bleiben die Posaunen? Hier
stehen keine Becken! Wer untersteht sich,
so schrie der junge Enthusiast ganz laut während dieser Vor
stellung und erlebte meistens die Satisfaction, daß der Diri
gent, aus Furcht vor der Wiederholung solcher Scandale, die
gerügten Unrichtigkeiten verbesserte. Neue, ungeahnte Ideale
schlossen sich nun in rascher Auseinanderfolge dem jungen
Weber,
Eine
Theater gastirt, führt nun eine der bewegtesten und folgen
reichsten Perioden in
erstenmale ein
Miß Smithson als
kaum eine Vorstellung machen von der unbändigen, vulcanischen
Natur seines Gemüthes. Ruhige Leser dürften wol darin über
einstimmen, daß sich
Er verliert vollständig „den Schlaf, die Lebhaftigkeit des
Geistes, jedes Interesse für seine Lieblingsstudien, jede Mög
lichkeit zu arbeiten“. Erschöpft von tagelangem ziellosen Um
herirren in den Straßen und Umgebungen von
er einmal im Schnee, am Ufer der gefrorenen
zweitesmal auf freiem Felde, ein drittesmal auf einem Tische
in einem Boulevard-Kaffeehause. Nach jener „
stellung hatte sich
der einer ähnlichen Erschütterung auszusetzen. Doch kann er
der Anzeige von „
Wirkung ist furchtbar. Vom dritten Acte an vermag er —
der übrigens kein Wort
athmen, eine eiserne Faust preßt sein Herz zusammen, er sagt
sich aus innerster Ueberzeugung: „Jetzt bin ich verloren.“
Von den
Todesangst fern, doch grübelt er unablässig, wie er die Auf
merksamkeit Miß
niemals in die Nähe zu kommen wagt. Es gelingt ihm, mit
einer Concert-Aufführung mehrerer seiner Compositionen Auf
sehen zu erregen — nur sie allein hat nie davon reden ge
hört. Er schreibt wiederholt an sie, ohne jemals eine Zeile
von ihr zu erhalten; endlich verbietet sie ihrer Kammer
frau, Briefe von diesem schrecklichen Menschen anzunehmen.
Unter dem Eindrucke dieser verzehrenden Leidenschaft componirt
Symphonie fantastique“, die (in späterer
tuen interessirt er sich nicht. Den Ruhm der päpstlichen Ca
pelle nennt er einen ganz unverdienten, den Kirchen-Composi
tionen
keit“ zu, findet es aber komisch (une plaisanterie), von dem
„Genie“ dieses Meisters zu sprechen. In
lioz Mendelssohn-Bartholdy, von dem er
Für
behrung, zugleich aber auch gekräftigter künstlerischer Zuver
sicht. Ein Concert, dass er unter Mitwirkung Franz
gibt, trägt 7000 Francs ein, welche sofort den Gläubigern
seiner Frau in die Hände fallen. Erst mehrere Jahre später
und unter empfindlichen Entbehrungen gelang es
Schuld gänzlich zu tilgen. Auf Anregung
seine Productionen ein Concertstück von
wünschte, schrieb dieser die
durchzieht diese ganze
repräsentirend, eine Solo-Viola;
für seine Zwecke nicht concertant genug. Als aber
ein Jahr später die
in
davon, daß er dem Componisten am anderen Morgen
20,000 Francs nebst einem enthusiastischen Schreiben zu
schickte.
kaum mächtig, Frau und Kind herbei, welche an seinem Bette
auf die Knie fielen und mit Freudenthränen Gott für die
unerwartete Hilfe dankten.
sorgenfrei jenem großen Werke zu widmen, in das er seine
beste Kraft legen wollte, um es
dramatische Symphonie „ Romeo und Julia“. Leider erlebte
Aufklärung über seinen so krankhaft übertriebenen Widerwil
len gegen ein von ihm so glänzend vertretenes Fach. Bei dem
herrschenden Lob- und Complimentir-System der
Tageskritik (wenigstens einheimischen Künstlern gegenüber)
war es ihm, dem selbstproducirenden Tonkünstler, doppelt
schwer gemacht, seine abfällige Meinung unverblümt auszu
sprechen. Ganz irrthümlicherweise hielt man in
land
Man braucht nur einen beliebigen Jahrgang des
des Debats
zu überzeugen. Compositionen
in seinem Herzen verachtete und verlachte und die er im ver
trauten Gespräche gnadenlos mit einigen zweischneidigen Worten
hinrichtete, hat er in seinem
milde, sogar freundlich behandelt. Allerdings gewahrt der
Kundige zwischen den Zeilen die Anstrengung dieses kritischen
Eiertanzes. Man vergleiche
Kritiken über den „großen Meister
des Debats
den
Feuilletonist
nur in zwei Fällen gegönnt: gegen die Verstümmler Richard
Wagner, dessen Erfolge ihm das Herz abfraßen. Im Uebrigen
Es folgen die bereits seit Jahren bekannten „
schen Reisebriefe
tik in
Aufnahme, die er in diesen Städten gefunden, zählte er stets
zu den Glanzpunkten seines Lebens. Manche irrthümliche An
gabe oder Auffassung wird man einem des
unkundigen Reisenden leicht nachsehen. Nur Eines berührte
mich peinlich:
äußersten Geringschätzung (avec le plus mortel dédain) be
handelt worden, während man sich gleichzeitig zu den Opern
von Salieri drängte! Bei der oberflächlichsten Nachfor
sondern
Aufführung in
und denselben fortan bei jeder Wiederholung behauptete, weiß
in
sei er selbst Componist und Musikschriftsteller von dem Range
eines
men. Unter diese von
ten Kindermärchen gehört es auch, daß C. M. v. Weber in
Je weiter gegen das Ende, desto trüber und verbitterter
wird
ihm zu Theil gewordene Auszeichnungen und künstlerische (auch
pecuniär glänzende) Erfolge erzählt, wie die Aufführung der
„
und Benedict
honorirt), mehrere Concerte im Saale
sich doch immer tiefer in die Ueberzeugung, von
lauter Feinden und Intriganten umgeben zu sein.
Seine Bannflüche gegen Künstler, Kritiker, Thea
ter-Directoren, Concertleiter, vollends gegen die „bar
barische Nation“ der Franzosen werden immer häufiger
und heftiger. In seinem 61. Jahre ergreift ihn nochmals
die jugendliche Leidenschaft für seine um sechs Jahre ältere
nach langen Nachforschungen in
würdige alte Frau, der er beinahe fremd ist, schreibt
zärtliche Briefe von kindischer Leidenschaftlichkeit und melan
cholischer Gefühleschwelgerei. Diese Briefe druckt er nebst den
Antworten in seinen
worte dieses edlen, in Verbitterung zusammenbrechenden Geistes
sind von erschütternder Traurigkeit. Sie lauten: „Ich
schreibe nichts mehr, ich componire nichts mehr. Die musi
kalische Welt von
wie die Künste gepflegt, die Künstler geschätzt werden, das
Alles erregt mir Brechreiz oder Wuthanfälle. Aber denken
wir nicht mehr an die Kunst.
ohne Zorn und Bitterkeit sterben.“