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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die „Philharmoniker“, vordem im Kärntnerthor-
Theater seßhaft, haben ihre Concerte gegenwärtig in den Großen
Musikvereinssaal verlegt und am 13. d. M. begonnen. In
dem Maße, als der große Saal den kleinen an Pracht und
Höhe überragt, erwiesen sich auch dessen Unbequemlichkeiten
imposanter. Wie das Philharmonische Comité die ohnehin sehr
eng angelegten Bänke noch viel enger zusammenschob, um für
mehrere hundert exterritoriale Sessel Raum zu schaffen, das
erregte geradezu Bewunderung. Indem die Philharmoniker
dergestalt gleichsam über die Leiber ihrer Gäste hinweg eine
hohe Einnahme erzielen, überantworten sie allmälig
goldglänzenden Musikpalast der allgemeinen Unzufriedenheit.
den gequetschten Abonnenten bereits in allen Tonarten variirt:
Kann ich auf goldenen Hermen sitzen? Ersetzt mir
Ornamentik die fehlende Ventilation? Tragen mich Schwäne,
Delphine und anderes allegorisches Vieh auf ihrem stylisirten
Rücken zur Garderobe? Der Mensch ist nun einmal so un
dankbar, daß er diese Herrlichkeiten just nicht ansieht, wenn
ihm alle Glieder wehthun. Gebenedeit seist du, o neues
Opernhaus! Einziger Musiksaal, in welchem das Sitzen eine
Wahrheit und das Schwitzen ein Märchen ist, wo der Bauern
spruch: „Gesegnet sei der Eingang und der Ausgang“ un
sichtbar über dem Parquet schwebt und „Selig sind die Har
renden“ über der Garderobe! Heiliger
verleumdeter Mann, der du auch Nichtgründern ein bequemes
Parterre gegründet hast, sei bedankt! Und wenn es dir mög
lich ist, bitt’ auch für uns!
Musik läßt uns für Augenblicke auf körperliche Drang
sale vergessen, wohlgemerkt, wenn sie schön ist und gut ge
spielt wird. Dies war drei Stücken des ersten Philharmonie-
Concertes nachzurühmen: der „
mann Epstein in letzterem, be
Feinheit und Präcision der Ausführung: der
„ Rudorff. Der Componist gehört
gemaltes Bild, das den Beschauer halb unverständlich, halb
unerfreulich anblickt. Die Instrumentirung bietet dem Mu
siker vieles Interessante; die melodische Erfindung ist nur ein
charakteristisches Zeichen mehr von der eigenthümlichen Unfrucht
barkeit unseres musikalischen jungen
Auf das Philharmonie-Concert folgten innerhalb weniger
Tage zwei vollständige Händel. „
Nachahmung hinausgeht, in so streng musikalischen Grenzen
sich hält, endlich so genial erfunden ist, da spottet sie jeder
kleinlichen Anfechtung. Ueber die Macht und Größe der Chöre
im „
Unternehmen. Der durch kühne Anwendung der Chromatik
und des verminderten Septimen-Accords fast modern gefärbte
Chor: „Das hören die Völker und sind erstaunt“, hat unter
allen am tiefsten ergriffen.
„
bearbeitet) ist mit
Der Stoff, obgleich
nicht das ganze Volk, sondern einzelne Persönlichkeiten, indi
viduelle Leidenschaften und Stimmungen stehen im Vorder
grunde, Arien und Duette überwiegen die Chöre. Letzte sind
von echt
gesängen wirkten die meisten ernüchternd durch ihre veraltete
steife Form und ihren stereotypen seelenlosen Passagenschmuck.
In Arien und Duetten hat sich
Formen und dem Geschmacke seines Publicums willig gefügt
— wir, die wir seither von mehreren Bäumen der Erkennt
niß, wie
uns von jener Zeit und jenem Geschmacke durch eine breite
Kluft getrennt, d. h. durch unermeßliche Fortschritte, welche
die Musik seither nicht blos in ihrer technischen Ausrüstung,
sondern im psychologischen und poetischen Ausdrucke gemacht
hat. Ich sehe nicht ein, warum wir uns schämen sollten, heute
noch einige andere musikalische Bedürfnisse zu haben, als die
Engländer von
mene Befriedigung fanden? Warum wir nicht eingestehen
sollten, daß
seiner Zeit war und uns neben Großartigem und Herrlichem
auch ganz Veraltetes, Formalistisches und Ausdrucks
loses bietet, das uns gänzlich kalt läßt? Von
der Arie und dem Duett fordern wir seit
selbstständige, seelenvolle Melodie und überzeugenden charakteri
stischen Ausdruck, während
in regelrechter Ausfüllung eines stereotypen Schemas lediglich
die musikalischen Elemente in Fluß zu setzen, welche dann oft
noch lange fließen, nachdem die musikalische Idee zu Ende ist.
Der polyphone, in der Arie gänzlich undramatische Styl,
welcher die Singstimme in das concertirende Wesen der In
strumente verflicht, ihr nur einen Antheil an dem contra
punktischen Gewebe des Ganzen zumißt, ist für uns so voll
ständig überwunden, wie die langen, steifen Solfeggien uns
ungenießbar sind. Die zarteren Saiten des Gemüthes werden
von
nur ein schwaches Echo in unserer Brust. Melodisch reizende
und zugleich seelenvolle Arien, wie
mich“, sind Ausnahmen bei
stätigen. Endlich gibt es kaum einen zweiten großen Tondichter,
der sich so ungenirt wiederholt, so oft auf dieselben Figuren,
Rhythmen, Schlußfälle, ja auf dieselbe Stimmung und Gepräge
der einzelnen Sätze zurückkommt. Daraus ist erklärlich und
verzeihlich, wenn Musiker jüngst beim ersten Anhören der „
der Meinung waren, es seien eine Anzahl Nummern aus
anderen
sie ihnen. Dr. Ambros, gewiß der wohlwollendste Beurtheiler,
wahre Wort: „
gewaltiges Genie und dennoch ein Manierist“, würde
vielleicht nie ausgesprochen haben, hätten jene Autoren in
ihrem
Publicum verhält es sich nicht viel anders. Es hält auf sein
gutes Recht, Kunstwerke, abgesehen von dem Ruhme ihres
Autors, unbefangen auf sich wirken zu lassen. Es wird nicht
„classischer“ gesinnt, sondern nur widerstrebender und un
gläubiger, wenn es sich fortwährend abkanzeln und seine Lieb
lingsmeister herabwürdigen hört, sobald es irgend ein Werk
vor-
weihrauchdampfende Altäre errichten, nebst einem Scheiterhäuf
chen für Andersdenkende, leisten ihrem Helden einen sehr zwei
felhaften Dienst. Das Auditorium, welches sich zur Auffüh
rung
und gebildetes heißen. Nimmt man es für competent in seinem
Entzücken über eine Reihe
sofort wie einen Haufen Kinder oder Wilder behandeln, so
bald es eine oder die andere Arie ausdruckslos und lang
weilig findet. Die Meisterwerke
werden immer ihr aufrichtiges, andächtiges Publicum finden,
bei uns sogar ein zahlreiches. Das hindert nicht, daß es sich
diesen Meistern so ganz unbedingt und herzlich nicht hingeben
kann, wie einem
Blut von unserem Blute sind. Und diese, speciell diese
Empfindung fehlt unseren Hörern gegenüber jenen Altmeistern;
sie ist durch keine apologetische Kritik zu ersetzen, noch zu ver
dammen.
Die Aufführung des „
Sowol die von Herrn Frank einstudirten Chöre, als das