Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es ist eine der ergötzlichsten Possen, welche sich
unter obigem Titel allabendlich im Carltheater abspielt. Ein
Schwank mit echt komischen Figuren und drolligsten Situatio
nen, ohne jenen fieberhaften Betrieb von Wortwitzen und
politischen Anspielungen, womit unsere einheimischen Possen
uns nachgerade aus dem Theater jagen. Ja, das war wie
der das alte, ungezwungene, gesunde Lachen im ganzen Hause
— die immer seltener werdende beste Kritik einer Posse! So
harmlos die Handlung auch sei und so toll manche Scene
dieser „
haltlos in der Luft zappelnder Unsinn, was den Inhalt des
Stückes bildet. Letzterer wurzelt vielmehr in einer recht glück
lichen Grundidee: eine arme, fröhliche Seiltänzertruppe, welche
plötzlich zu Reichthum gelangt, aber die Sehnsucht nach dem
alten Vagabundentreiben nicht bezwingen kann. Eine morgen
frische Realistik durchweht die Schilderung der Gauklertruppe,
welche wir beim Aufziehen des Vorhanges in Thätigkeit sehen.
Der Bajazzo
Trommel. Die leichtgeschürzte Seiltänzerin
krone (Frau
während der Principal
langen Stecken auf die Abbildungen all der Wunder deutet,
welche das Innere seiner Wachsfiguren-Bude birgt. Da stürzt
sein Töchterchen
Schreckensnachricht heraus, sie habe der schönsten Wachsfigur,
der Prinzessin von
schlagen! Sie weiß indessen Rath zu schaffen, zieht schnell das
Costüm der verstümmelten Figur an und paradirt selbst als
wächserne
Erfolge — denn der junge Prinz
verliebt sich zum Sterben in sie. Glücklicherweise findet ihn
da sein
welcher fortwährend auf der Suche nach seinem Zöglinge er
scheint und außerdem durch falsche Conjugationen und Decli
nationen die größte Heiterkeit erregt. Gegenüber dem
Wachsfiguren-Cabinet soll eben eine schöne Villa ausgespielt
werden. Das Los, welches Prinz
melbüchse
und die Seiltänzer wandern hochvergnügt auf ihr neues Schloß,
jedoch nicht ohne die geliebten Wachsfiguren mitzunehmen.
Wir sehen im zweiten Acte
lächerlicher Eleganz ausstaffirt, in seinem Schloßgarten. Trotz
des Ueberflusses langweilen sich die guten Leutchen entsetzlich.
„Glaubst du, Papa,“ sagt
valier spielenden
Nachts in den Garten schleichst, um Purzelbäume zu schla
gen? Und bist du nicht erst gestern auf die zum Wäschetrock
nen aufgespannten Stricke geklettert und hast dann in der
Küche heimlich Feuer gefressen?“
aber die Eitelkeit, sich nobel und standesgemäß zu benehmen,
behält die Oberhand. Da geräth Prinz
zessin
einen lächerlichen kleinen Despoten, bei dem Glauben zu lassen,
er strebe nur nach dem Besitze der Wachsfigur. Fürst
(Herr
befangen zu sehen, verlangt von
Wachsfigur, und da weder Bitten noch Drohungen fruchten,
nimmt er die ganze neugeadelte Gauklertruppe sammt ihrem
Kunstcabinet an seinen Hof. Dort weiß Prinz
dem Recepte aufgefundener alter Tagebücher seines
seine Umgebung regelmäßig zu überlisten, läßt sich ruhig ob
seiner Wachsfiguren-Liebe verspotten und kost überglücklich mit
dem
von einem Ausfluge zurückkehrend, den
zen Kunstreiter-Familie bei einem lustigen Souper. Da es
an den Tag gekommen, daß der durchlauchtige
dem selbst mit einer Kunstreiterin heimlich verheiratet gewesen,
hindert er nicht länger die Vereinigung seines
der lebendigen „
erhält endlich seine langumworbene
das Stück mit einer Doppelheirat zu allseitiger Zufriedenheit.
Die komischen Figuren und Situationen der Operette,
allerdings mit dem derben Pinsel des Caricaturen-Malers
colorirt, erreichen ihren Zweck, den Zuschauer in unausgesetz
ter Lustigkeit zu erhalten, ohne irgendwie das Gebiet des
Zweideutigen oder Unschicklichen zu streifen. Die Musik zu
diesem Libretto ist gut
melodienreich, hier und dort etwas seicht oder banal, dann
wieder geistreich und distinguirt. An musikalischer Fülle und
Originalität erreicht die „
nicht den „
Leben
bach
daß der Mann, welcher seit 20 Jahren über ein Halbhundert
Singspiele geliefert, sich noch nicht erschöpft hat. Freilich
wird aus dieser beispiellosen Thätigkeit auch begreiflich, daß
seine Musik mit jedem neuen Werke uns bekannter vorkommt.
Auch in der „
herer Melodien; doch ist es immer er selbst, bei dem
bach
„Cachet“, ihr unverkennbares Gepräge. Die Mache ist von
außerordentlicher Geschicklichkeit, Alles genau passend in Form
und Ausdruck, fein und discret in der Ausführung. Ein echt
besteht in der Natürlichkeit und Ungezwungenheit, womit die
meisten Musikstücke aus der Situation fließen und, ohne sich
ungebührlich breitzumachen, wieder in die Handlung einmünden.
Diese bescheidene Enthaltsamkeit des Componisten gegenüber
der Handlung bezeugen unter Anderem zwei kleine Chöre.
Zuerst ein Jägerchor von frischer, dabei nobler Haltung im
zweiten Acte, der nach kurzen Strophen abgeht, ohne die
Scene länger als zwei Minuten aufgehalten zu haben. Wie
viel
sich brächten, einen Jägerchor vor einer guten Viertelstunde zu
entlassen, wenn sie ihn einmal auf der Bühne haben? Noch
discreter verfährt
dritten Act, einem durchaus pianissimo gehaltenen Frauenchor,
welcher fast unmerklich wie ein Bild aus der Zauberlaterne
kommt und verschwindet. Kaum wird der Hörer inne, daß
da ein reizendes Musikstück angefangen habe, so ist es auch
schon zu Ende. Es gereicht dem Componisten, zugleich aber
auch dem Publicum des Carltheaters zum Lobe, daß diese
feine Filigran-Arbeit mehr gefiel, als selbst die rauschendsten
Glanznummern der Operette. Die Pagen-Ronde mußte
dreimal gesungen werden. Unter den 22 bis 24 Musikstücken
der „
gleichen Werthes; aber kein einziges ist mißlungen, störend
oder aus dem Styl des Ganzen fallend. Zu den besten
zählen wir (außer den erwähnten zwei Chören)
Couplets mit dem hübschen Refrain: „J’ai cassé le nez,“
und
ersten Act. Im zweiten Act das Buffo-Quartett mit dem von
Violoncell und Fagott glücklich imitirten Tellerrollen, die aller
liebsten Couplets von der Wachsfigur,
Die im Ganzen vortreffliche Uebersetzung nimmt sich hier doch
zu viel Freiheit, wenn sie den Refrain: „Elle dit: Papa, Mama, si
gentilment“ mit den Worten wiedergibt: „Sie sagt: Papa, Mama
und tanzt Cancan!“ Dies kleine Beispiel zeigt, wie leicht ein
fremdartiger Ton durch die Uebersetzung in die ursprüngliche Weise
geräth. Dies soll uns nicht hindern, die außerordentliche Geschicklich
keit anzuerkennen, welche Herr Capellmeister Julius Hopp neuerdings
Mag man nun an jeder einzelnen dieser Nummern mehr
oder weniger Gefallen finden, die Hauptsache bleibt, daß ein
gleichmäßiger Zug lebensfrohen Behagens, bald muthwilliger,
bald zärtlicher Heiterkeit das Ganze harmonisch durchströmt
und daß hier glücklichste melodiöse Erfindung im Bunde mit
einer durchwegs sicheren, ausgebildeten Technik erscheint. Wer
eine Vorstellung davon hat, wie schwer das Leichte in der
Musik ist, wer überhaupt nur musikalisches Verständniß für
das Genre des komischen Singspieles besitzt, der hütet sich
wohl, in die hochmüthige Parole einzustimmen, welche Offen
kurzweg als den „musikalischen Ausdruck des ver
Die nächste Zukunft wird uns über die Erfolge „
außer
fallen möge, das Eine muß jedem Musiker schon heute gewiß
sein, daß nur ein bedauerlicher Mangel an Urtheilskraft oder
an Aufrichtigkeit den weiten Abstand zwischen „
jene Kritiken wirklich der Ausdruck der öffentlichen Meinung
gewesen, die „
auf den glorreichen „
Gegentheil geschah, und
theater einen Triumph, den nicht persönliche Schmeichelei,
sondern das allgemeine, wahre Ergötzen an dem Werke
hervorrief.
An diesem glänzenden Erfolge hatte die vortreffliche Auf
führung einen bedeutenden Antheil. Fräulein Caroline Tell
vom k. k. Hofoperntheater feierte in der Rolle des
ersten Couplets hervorheben. Wie das energische und originelle
Talent dieser Künstlerin einer jeden Rolle (oft recht schlechten)
zur unverhofften Bereicherung gedeiht, so muß man es an
dererseits auch hinnehmen, wenn der
Satyre manchmal auf unschuldige Stellen fällt, wohin der Dich
ter sie kaum gewünscht hat. Solch scharfes Gewürz übertrug
auch Fräulein
vom Autor viel gutmüthiger angelegte
that sie es mit so drastischer Wirkung, daß sie vor Applaus
oft kaum zu Worte kommen konnte. Fräulein Meyerhoff,