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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die (seit
Societät in
Fest: die Feier ihres hundertsten Geburtstages. Ein hundert
jähriger Bestand will viel bedeuten auf dem Gebiete der
Musik, dieser rapid fortschreitenden, in Neubildungen aller
Art und Verbrauch des Alten so stürmisch vorgehenden Kunst.
Die organisirten stabilen Concert-Institute sind vollends jun
ger Herkunft, und in
keine von Fachmusikern gegründete Gesellschaft, welche sich so
hohen Alters rühmen könnte.
Nur
rische „Vormacht“ sich bewährte, war mit der Gründung eines
ähnlichen Tonkünstlervereines (
damit vielleicht eine Anregung mehr gegeben zu unserer vom
Jahre
Tonkunst für Witwen und Waisen“ in
In den Zwanziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts kam
ein
trefflicher Oboist von allen musikalischen Kreisen gesucht wurde und
viel Geld verdiente. Er war jedoch seinem Glücke nicht gewachsen,
wurde leichtsinnig, vernachlässigte sich und seine Familie und starb
endlich als Bettler auf der Straße. Bald darauf bemerkten die Ton
künstler
denen ihre Beschäftigung, Esel zu treiben, ziemlich fremd zu sein schien.
Davon unterrichtet, daß diese Knaben Söhne des unglücklichen
seien, beschlossen die genannten Männer, nicht nur diese Waisen aus
ihrer entwürdigenden Stellung zu befreien, sondern auch einen Fonds
zu gründen, um ähnlichen Vorkommnissen ihrer Kunstbrüder auf immer
vorzubeugen. Schon am 19. April
tag eines Vereines feiern, der segenbringend nun schon ins zweite
Jahrhundert seines Bestehens reicht. Der Verein „zur Unterstützung,
hilfsbedürftiger Musiker und deren Familien“ fand in
mächtige Stütze und hat sich seit dem Jahre
„Royal Society of Musicians of
(„ Pohl.)
capellmeister in
ärmeren Collegen redlich besorgt und gründete den genannten
Pensionsfonds für Witwen und Waisen
künstler — eine segensreiche Anstalt, nach deren Muster später
die ähnlichen Versorgungs- und Concert-Institute in
künstler-Societät bei ihrem Jubiläums-Concerte die Büste
mochte, so hätte sie wenigstens auf den Anschlagzetteln den
Namen ihres Gründers in Erinnerung bringen können.
wurde erst später der artistische Adoptiv-Vater, ja der musi
kalische Schutzheilige der Pensions-Gesellschaft, welche seinen
Werken die bessere Hälfte ihrer künstlerischen wie ihrer mate
riellen Existenz dankt.
Die
zweifachem Gesichtspunkte betrachtet sein: als musikalisches
Concert-Unternehmen und als Humanitäts-Institut zur Ver
sorgung von Witwen und Waisen. Im Laufe der Zeit, na
mentlich in dem Maße, als andere große Concert-Institute
hier entstanden und die Tonkünstler-Societät überflügelten, ist
die musikalische Bedeutung der letzteren hinter die humanitäre
entschieden zurückgetreten. Im Anfange war dies nicht der
Fall. Vielmehr genossen die Akademien unserer Tonkünstler-
Societät einen solchen Ruf, daß die berühmtesten Künstler,
wie
Componisten und Virtuosen darin aufzutreten. Oratorien,
früher mehr ein Gegenstand geistlicher und ästhetischer An
dacht und vorzugsweise in der Hofburgcapelle cultivirt, wur
den erst durch die Societät in regelmäßig wiederkehrenden
Concerten dem großen Publicum zugänglich gemacht und mit
Aufführung von Symphonien und Virtuosen-Productionen ver
bunden. Im Laufe von hundert Jahren hat dieser Verein
366 Akademien gegeben. Die erste derselben, am 29. März
Betulia liberata Starzer und
cher
zettel des Jubiläums-Concertes, welcher die „ Schöpfung“ als
Aeußerlich war die Festfeier durch eine reichere Beleuch
tung des Theaters, durch die Aufstellung einer Colossalbüste
Lewinsky declamirten
Endlich verlieh auch die Mitwirkung fremder, eigens zu dem
Jubiläum geladener Künstler (der Sänger Hill und
Vor Herrn
etwas hohl klingt, ist Herr
klangvolle, männlich kräftige Tenorstimme, die durch dunkle
Färbung und deutliche Tiefe nicht zum Nachtheil ihres Klanges
einen baritonartigen Timbre erhält. Beide Sänger wurden
in der „ Vogl’s Arie: „Mit Würd’ und Hoheit angethan“ machte
Beide Akademien fanden im Burgtheater statt. Daß
gerade an diesem Ehrentage das gewöhnliche, akustisch so be
rüchtigte Local beibehalten wurde, ist nicht anzufechten. Die
ganze, jetzt hundertjährige Geschichte der Tonkünstler-Societät
ist mit diesem Locale eng verwachsen, und zahlreiche ruhm
volle Erinnerungen hängen daran, welche an solchem Festtage
beredter als sonst zu dem Zuhörer sprechen. An seinem Jubi
läumstage durfte der Verein der ehrwürdigen Stätte nicht un
treu werden, an welcher einst
und spielten. Mit dieser Jubelfeier jedoch sollte der Verein
definitiv und für immer Abschied nehmen vom Burgtheater.
Eine neue Zeit braucht neue, vollkommenere Hilfsmittel. Das
Burgtheater ist als ein ganz schlechtes, verderbliches Local
für große Musik-Aufführungen obendrein schon in alten Zeiten
bekannt gewesen. Berichtete doch schon im Jahre 1796 der
Actuar der Societät, Wranitzky, amtlich über eine solche
Der Haydn-Verein ist jetzt so wohlhabend, daß er unbe
schadet seines finanziellen Zweckes auch für seine musikalische
Stellung ein kleines Geldopfer bringen kann. Gedenkt
er wirklich am Burgtheater, weil er es „umsonst“ hat, fest
zuhalten, so dürfte es bald geschehen, daß er dort in einem
ganz anderen Sinne „umsonst“ concertirt. An seinen vier
Productions-Abenden ohnehin von keiner Concurrenz beengt,
sollte der „Haydn“ nicht länger säumen, für seine Concerte
den großen Musikvereinssaal zu miethen. Wie
müßte dort das Winzerfest in den „
ein Stück, dessen Genialität die merkwürdigste Verjüngung
und Modernisirung des alten
vorausgegangenen „
Im Besitze ausgezeichneter Solisten, tüchtiger Dirigenten,
eines achtbaren Chor- und Orchesterkörpers, wie der „Haydn“
es derzeit ist, dürften seine Akademien im großen Musik
vereinssaale bald wieder eine Bedeutung erreichen, welche der
ruhmvollen Vergangenheit des Institutes entspricht und für
welche der Dank des Publicums auch in klingender Münze
nicht ausbleiben wird.
Schließlich verdient noch die „
zu werden, welche die Tonkünstler-Societät aus Anlaß ihres
Jubiläums soeben im Selbstverlage herausgegeben hat. Diese
von allem Raisonnement sich fernhaltende, rein actenmäßige
Darstellung ist von Herrn C. F. Pohl verfaßt und wie