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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Zu den anziehendsten, rührendsten Freundschafts
verhältnissen zwischen Künstlern gehört das Bündniß
mit Felix Mendelssohn-Bartholdy. Von den mir
Zuerst ist es Sebastian Bach, der musikalische Abgott
es zeigte sich wieder, daß das Publicum immer gut ist, wenn
man ihm nur das Gute gibt.“ Bald nach diesem Briefe kam
und wohnte bei
„Sie haben mir wieder,“ schreibt
„einen göttlichen
ben, und das Ganze sieht so zierlich und nett und doch ge
lehrt aus, wie mein Zimmer in der „Bärenmühle!“ Und aus
wie ich täglich mit Dankbarkeit an die Tage denke, die ich
bei Ihnen im Bücherzimmer mit vier Fenstern wohnte! Sie
haben mir eine sehr frohe Zeit gemacht, und so lange mir die
Erinnerung daran bleibt, so lange werde ich’s Ihnen danken.
Das möchte ich aber gar zu gerne wieder einmal mündlich
thun und möchte wieder einmal einen ordentlichen Menschen
sehen, eine ordentliche Stimme hören und ordentliche Musik
machen können. Hier im kalten
nicht. Bewunderung und Verehrung hat man vollauf von den
Menschen, aber keine Freude. Sie sind herabgesunken oder
vielmehr sie sinken täglich, und das ist ein Jammer mit an
zusehen. Daß sie keine Wahrheit und keinen Heldensinn haben,
wußt’ ich schon längst. Aber der grelle Widerspruch eines
warmen, blühenden, phantastisch schönen Landes über alle Län
der, mit kalten, trockenen, ärmlich philisterhaften Menschen,
unter allen anderen Völkern, das hätt’ ich mir nicht so arg
gedacht. Wenn man mit einem kleinen Jungen spricht oder
Kinder nur ansieht und da noch das alte Feuer, den alten
Geist und die Lebendigkeit hervorsprühen sieht, und dann die
Aelteren, denen alle Richtung, alle Gesinnung fehlt, die so
durch und durch sittlich, also auch geistig verdorben sind —
man möchte zuweilen traurig darüber werden, und dann sehen
Berge, Bäume, Meer und Inseln so lächelnd d’rüber herein
und blicken so heiter und so schön, trotz allem Elend um sie
herum; es ist ein sonderbares Bild. Das erklärt auch, warum
es ehemals das Land der Kunst war; die Zeit ist längst
vorüber, und ob sie wiederkommt, weiß Keiner von
uns. Sollten Sie aber wol denken, daß ich eine un
glaubliche Sehnsucht nach irgend einem gesunden Ton, einem
schönen Klang habe? Was das Volk hier singt, ist so ent
setzlich barbarisch, die Stimmen so unrein und gemein roh,
daß man gewiß denkt, hier kommt ein Betrunkener der tau
melt, bis man merkt, der Mann sei ganz nüchtern und singe
eine der berühmten Barcarolen.“ Aehnliche Klagen, stets ab
wechselnd mit herrlichen Schilderungen
wiederholen sich in den Briefen aus
delssohn
in
von Ihnen haben kann, davon bin ich überzeugt. Das Beste,
was Sie haben, versteht hier Keiner, und dazu ist das Re
pertoire so unglaublich klein, so nur auf
daß es Ihnen unmöglich auf einige Zeit nur erträglich sein
kann.“ „Wissen Sie woll noch,“ schließt
Brief aus
vier einmal eine Stelle aus Erster Walpur
“ componirte: „Doch ist es Tag, sobald man mag
nicht, daß
die ganze Sache zu nehmen“. Aus
manche feine Bemerkung über Kunst und Leben, hierauf aus
dergleichen. Die Herren Verleger zeigten sich häufig sehr
nachlässig im Antworten und sehr knickerisch in ihren An
boten. Nach einer solchen Erfahrung schreibt
„daß ich mir den Teufel draus mache, ob mein
bin, werden sie mich loben“. Nicht ohne Schwierigkeit und
eifrigste Bemühung gelingt es
einen schematischen Katalog aller in
positionen
loben,“ schreibt er an
als er von irgend einem lausigen Feldzug zurückkam: Mon
père, je suis content de moi.“ In diesem und in folgenden
Briefen (aus
Details über
Weise, wobei der unbefangene, lebendige Kunstsinn stets die
Oberhand behält über blos antiquarisches Interesse. So zwei
felt er keinen Augenblick an der Unechtheit einer vermeintlich
Bach’schen
Wie diese
genden
Auf
antwortet dieser: „Ich will in keinem Falle jetzt gerade ein
Liederheft wieder ediren, ich schlage mich wieder auf eine
Weile ins Ernsthafte, sonst hält mich das Lumpengesindel für
ihresgleichen und freuen sich über meine „fließende“ Schreib
art, ein Wort, das ich nicht ausstehen kann.“ Aus
dorf
tigkeit entwickelte, erhält er
seinen Plänen, Arbeiten und Erlebnissen. Die Oper beschäftigt
ihn sehr, und er wünscht
dorf
türe: „
mit besonderer Wärme: „Weiß
macht, wenn auch ordentlichen Musikern wol ein Stück von
mir gefällt, wie du mir das von der
(mit euch meine ich hier dich, sonst Niemanden). Auch ist’s
mir lieb, wenn ich abgehe, als Maculatur, wenn’s nur geht.
Ich lese eigentlich wenig Sachen mit mehr Interesse, als das
Notenpapier, worin
einschlagen, und denke, „„die Leute haben ihr Stück auch lieb
gehabt und muß ihnen nun so gehen!““ und denke, das
arrivirt mir auch.“ So erfreut
stimmung befreundeter Musiker ist, so gleichgiltig läßt ihn
das Urtheil der Musikzeitungen, von denen er sehr despectirlich
spricht: „Im Ernst, soll ich das Blatt lesen?“ fragt er
mir auch rathen magst, so lese ich’s doch nicht. Die einzige
musikalische Zeitung, die ich liebe, ist der
weil er Reden von Lord
die welthistorisch schön sind. Wie die Leute sprechen und
denken, wenn man das liest, beneidet man die Engländer
wider etwas, denn die
den sie gegen
kaum.“
Im September
kurzes Wiedersehen in
Vertrag, daß
Monats schreiben soll. Auf dem Rückweg verweilt
sohn Hauptmann (der später
schule zu
auf, und zu meiner Freude kann ich dir sagen, daß er mir
in allen Beziehungen eine so angenehme, wohlthuende Erschei
nung war, wie ich lange nicht gesehen. Er ist erstlich durch
und durch gut und ernsthaft und ein wahrer Musiker, und
dann hat sein Wesen eine gewisse Ruhe ohne Kälte, Vor
nehmheit ohne allen Dünkel, wie ich’s liebe. Ich fühlte mich
so recht behaglich mit ihm; wo wir einer Meinung waren,
freute mich’s, und wo wir auseinandergingen, war mir’s
wieder interessant — kurz du hast mir gewiß nicht zu viel von
ihm gesagt, und ich danke dir für den frohen Tag, den ich
mit ihm zugebracht habe. Nur Eins hat mir leid gethan an
ihm, das ist eine gewisse Resignation in seinem Wesen,
namentlich hinsichtlich der Compositionen, die mir nur durch
den Mangel an anregender, theilnehmender Umgebung, nicht
aus tieferen Gründen herzustammen schien; aber darum that
es mir doppelt leid, und ich gäbe was d’rum, wenn ich länger
mit ihm hätte zusammen sein können, um dem mehr nachzu
spüren. Denn als wir über seine
aufrichtig angab, was mir darin sehr zusagte und was nicht,
und als ich ihn bat, eine neue, noch bessere zu machen, die
die Fehler nicht hätte, an denen er sich stieß und die ihn selbst
mehr störten, als die Anderen wol, da wurde er lebendiger,
als ob es ihm neu wäre, daß ein Musiker an den Sachen
des anderen herzlichen Antheil nehmen kann, und er versprach
mir, eine neue Messe zu schreiben, und ich glaube, an dem
Tage dachte er ernstlich daran. Aber ich fürchte, wenn die
Zweifel dann wieder kommen, ohne daß sie Einer wegleugnet
und vertreibt, und wenn die Umgebungen wieder erkälten,
statt anzuregen, dann wird er wenig mehr in diese Stim
mung zurückkommen oder die ganze Sache gar vergessen.
Doch schreibe ich ihm nächstens und erinnere ihn an sein Ver
sprechen; das sollte schön sein, wenn ich’s wirklich dazu
brächte, daß er die Messe schriebe.“ Ich konnte mir’s nicht
versagen, diese ganze, den Besuch bei
Stelle aus
von der Bescheidenheit, Wärme und Liebenswürdigkeit
Lob. — Interessant ist auch
eine Soirée in
stellte mich ungeberdig genug an, und es gelang mir auch
schlecht. Einmal mag ich nun vor Hofmarschallinnen nicht
spielen, ich passe da nicht hin, und dann machte mich
befangen. Er hatte mir den Morgen sein neues Oratorium
vorgesungen, ohne daß mir warm dabei geworden wäre, und
da denke ich immer, es müßte ihm bei meinen Sachen noch
schlimmer gehen, sie müßten ihm mißfallen. Denn er schreibt
doch seine Ueberzeugung hin, das muß wahr sein, und lügt
nicht dem Publicum zuliebe; darum bin ich ihm auch gut,
ob ich gleich das Wenigste von seiner Kirchenmusik und gar
keine enharmonische Verwechslung leiden kann.“
In
liche Begeisterung für das Theater und seine Harmonie mit
erbarmungslos die idealistischen Träume. Am 2. December
über Bord geworfen habe, ist mir sauwohl. Curios,
mann
halten wenig auf mich, und so was ennuyirt mich sonst stark;
diesmal aber glitscht es ab, wie Wasser von einem Wachs
tuchhut, und ich sitze darunter im Trockenen.“
Gegen Preisausschreibungen hatte
gefleischten Widerwillen. „In
50 Ducaten ausgesetzt, und
keine Symphonie zusammenbringen können, und wenn sie sich
drei Jahre kasteiten. Wär’ es ein Comité von den besten Com
ponisten der ganzen Welt, so möcht’ ich auch um keinen Preis
concurriren; der bloße Gedanke, daß ich eine Preismusik com
ponirte, machte mich so unmusikalisch wie
zusammengenommen. Und hätte ich eine Symphonie fertig liegen,
so würde ich mich wohl hüten, die hinzuschicken, denn da können
die andern Leute drüber urtheilen, und am Ende findet sich’s
doch, ob sie was taugt oder nicht. Das ist so eine Art Treib
hauscultur, und die 50 Ducaten sind das Mistbeet, ob aber
eine Cactus-Symphonie herauskommt, ist die große Frage.“
Auch mit seinem chronischen Librettoschmerz wendet sich
delssohn
aus
hungrig genug bin ich darauf, und wollte nicht übel darüber
herfallen. Aber
keinen Vers, und sonst kenne ich keinen ordentlichen Dichter
menschen. Jetzt muß ich darüber lachen, daß ich es einmal
mit
Theater-Angelegenheiten habe ich den Mann und seinen mir
widrigen Charakter recht kennen gelernt, und sehe nun, wie
dumm das von mir war, so im Allgemeinen an einen
Alles in Vornehmigkeit und Selbstbewußtsein unter; wenn
Einer jetzt wol einen Vers macht, den die Journale loben
können, oder gar wirkliches Talent hat, so kriegt er gleich so
verteufelt viel Selbstbewußtsein, daß er gar nichts Andres
mehr weiß, und statt sich munter umherzutummeln und sich’s
sauer werden zu lassen, ruht er gleich auf den Lorbeern, die
er noch lange nicht hat.
ebenso. Aber die Maler hier, die muß man loben; das sind
ordentliche Menschen, und fleißig und freuen sich ihres Lebens.“
Nach einigen
gen nun die Briefe fast ununterbrochen aus
delssohn
nach
abgeredet, ein Engagement in
Dieser Brief, ddo.
weise das einzige an
ches in die gedruckte
S. 306) aufgenommen wurde. Und doch hat
geber den ganzen reichen Briefschatz zur Disposition gestellt.
Wunsch,
einer Art Vermittlerrolle zwischen diesem und der Gesellschaft
der
unter
Aus der Reise wurde bekanntlich nichts;
fangs geneigt, zu kommen, fühlte sich jedoch durch das wenig
correcte und wenig rücksichtsvolle Benehmen der „Gesellschaft“
bald zum entgegengesetzten Entschlusse veranlaßt. Seine aus
führlichen Briefe über diesen Punkt sind für die früheren
Musikverhältnisse in
„Gesellschaft“ nicht eben rühmlich. Auf das angelegentlichste
empfiehlt
die Jenny Lind. „Ich bilde mir ein, es muß dir mit
fährt, mir genau so schmeichelhaft, als wenn’s mir selbst wi
derführe, und hilft mir und uns Allen ebenso gut weiter.
Und dir, dem Sänger, muß es noch gar eine beson
dere Freude sein, diese Vereinigung von glücklich
ster Anlage, tiefstem Studium und innerster Herz
lichkeit einmal endlich zu finden.“ — In den letz
ten Briefen
haftig, ich muß einmal nach
Mai
links davon erzählen, und ihr sagt mir Alle so viel Freund
liches über meine Musik und so viel Außerordentliches über
ihre Ausführung dort, daß mir der Mund sehr wässerig wird.
Vielleicht bring’ ich den „
so gegen den Winter, oder ich warte, bis ich einen Opernstoff
gefunden und componirt habe und bis die Jenny
einmal da ist — und das Letztere wäre mir das Liebste —
aber auf irgend eine Art hoffe ich mir doch eure
einmal selbst anzusehen, und dann gehe ich zuerst nicht nach
dem Stephansthurm, auch nicht zum Sperl, sondern in die
Bärenmühle. Aber da wohnst du freilich nicht mehr — also
dahin, wo du wohnst!“ — Leider ist dieser Plan, auf dessen
Realisirung
Tod
Während sich in
sters und zur ersten Aufführung des „
ganz unerwartet die Nachricht von seinem Tode, am 4. No
vember
delssohn
aus
weit entfernt von jeder Ahnung, daß es der letzte Brief an
den Freund, der letzte Gruß im Leben sei! Dieser Schluß
lautet: „Bleib’ mir gut, deinem alten, sehr unveränderlichen,
aber sehr eiligen, aber sehr vergnügten, die Seinigen sehr wohl
angetroffen habenden, sehr faulen, die Deinigen tausendmal
grüßenden, einen miserablen Briefstyl schreibenden, mit seinen
fünf Kindern fast täglich spazieren fahrenden, ihnen Kuchen kau
fenden, sie möglichst erziehenden und dennoch fast gelbschnäb
lichen, burschikosen und die verfluchten Philister von ganzer
Seele perhorrescirenden, wohlbekannten Felix
Bartholdy