†
Auber.
Ed. H. So ist denn wirklich auch Auber heimgegan
gen, dessen Unverwüstlichkeit und ewige Jugend sprichwörtlich
geworden! Die Jahre, die sich auf seinem weißen Haupte ge
sammelt, schienen so wenig Macht zu haben über diese gra
nitene Constitution, daß man an ein baldiges Ende des Neun
undachtzigjährigen gar nicht dachte. An solcher, fast äußerster
Grenze menschlicher Lebensdauer braucht es keines besonderen
Erklärungsgrundes für das schließliche Stillstehen der Ma
schine. Trotzdem dürfte die neueste Schreckens-Tragödie von
Paris das Ende Auber’s wahrscheinlich beschleunigt haben;
schmerzlich verbittert hat sie es gewiß. Nähere Nachrichten
fehlen noch; wir wissen nicht einmal, wann und wie Auber
von London, wohin er mit zahlreichen Parisern vor der deut
schen Belagerung geflüchtet war, nach Paris zurückgelangt sei.
Ob er in Paris selbst, in seinem wohnlichen Hause, Rue
St. Georges, gestorben, in dessen Nachbarschaft jetzt das
Hotel seines Freundes Thiers unter den Fäusten „patrio
tischer“ Barbaren zusammenkracht? Was für welthistorische
Ereignisse hat Auber mit erlebt! Die Hinrichtung Lud
wig’s XVI., die Schreckenszeit der ersten Revolution, Bona
parte’s Siege und Kaiserreich, die Restauration, Louis Na
poleon’s Glück und Ende! In all diesen politischen Wand
lungen blieb Auber seiner Kunst in unermüdlicher Thätigkeit
treu. Die Musik und Paris, das waren seine Götter, die
beiden nie versiegenden Lebensquellen, die ihn frisch und glück
lich erhielten. Wie liebte er sein Paris! Er verließ es nie
mals, selbst zur Sommerszeit nicht; ein Gang über die
Boulevards, ein Ritt ins Bois de Boulogne ersetzte ihm
Italien und die Schweiz. Als er einst einen Fremden, der
ihn besucht, zur Thür begleitete, sprach er, auf einige Land
schaftsbilder an der Wand zeigend: „Betrachten Sie diese
Berge und Wälder; es ist ungefähr Alles, was ich je von
der Natur und ihren Reizen gesehen. Ich denke,“ fügte er
lächelnd hinzu, „Scribe hat mich in meinen Opern genug
auf Reisen geschickt, daß ich wol mit gutem Gewissen daheim
bleiben und mich ausruhen darf.“
Als ich im Frühling 1867 während der Weltausstellung
Auber zuletzt sah, strahlte Paris in berückendem Zauber, der
Hof Louis Napoleon’s in seinem höchsten Glanze. Niemand
ahnte damals die Nähe so schrecklicher Katastrophen, am wenig
sten der alte Herr selbst, welcher aufgeräumter als je in den
Salons, in der Oper, in unseren Sitzungen erschien, allent
halben mit Ehren und Liebenswürdigkeiten überhäuft. Ganze
Generationen waren nach ihm gekommen und vor ihm ge
gangen, er allein wandelte in seinem Uralter ungebeugt, lebens
froh, im vollen Sonnenschein des Glückes. Aber der Tod
und das Unglück vergessen Niemanden. Frankreichs liebens
würdigster und berühmtester Künstler mußte 89 Jahre alt
werden, um sein Paris von Parisern entehrt und zerfleischt
zu sehen und inmitten eines wüsten Barricaden-Pöbels, unter
dem Donner des brudermörderischen Bombardements den
letzten Atemzug zu thun.
Das richtige Datum von Auber’s Geburtstag ist der
29. Januar 1782, so hat es Fétis von Auber’s Vater selbst
erhalten. Häufig findet man das Jahr 1784 angegeben — ein
Irrthum, der übrigens nicht wie bei Beethoven, Weber und
Meyerbeer aus der elterlichen Schwäche floß, ihr Wunderkind
um zwei Jahre jünger zu machen. Im Gegentheil, Auber’s
Talent entwickelte sich spät, und er hat, ursprünglich zum Kauf
mann bestimmt, lange Zeit gar nicht daran gedacht, die Musik
zum Lebensberuf zu wählen. Mit einigen Romanzen, Clavier-
und Violoncellstücken machte er sich als Amateur in den
Salons beliebt. Für ein Dilettanten-Theater schrieb er (1805)
seine erste Operette: „Julie“; das Orchester bestand aus zwei
Violinen, zwei Bratschen, einem Cello und einem Contrabaß,
im Ganzen sechs Personen. Bei der Probe bemerkte er, daß
der erste Violinspieler den Bogen aufs Gerathewohl über die
Saiten spazieren ließ, um die Darstellerin der Julie besser
betrachten zu können. „Mein Herr,“ sagt ihm Auber schüch
tern, „möchten Sie nicht so gütig sein, auf die Musik zu
achten; ich glaube, Sie sind nicht ganz im Tact.“ — „Wol
möglich, aber betrachten Sie doch, ich beschwöre Sie, diese
junge Dame! Ich bin zuerst Maler, dann erst Musiker
und begegnet mir ein schönes Modell, so muß ich es bewun
dern.“ Dieser Geiger war niemand Anderer als der Maler
Ingres. So lernten die beiden berühmten Meister einan
der kennen, um durch volle 62 Jahre die intimsten Freunde
zu bleiben. Als Auber’s Vater, ein wohlhabender Kunsthänd
ler, durch Unglücksfälle sein Vermögen verlor, entschloß sich
der Sohn, sein musikalisches Talent ernsthaft für seinen Le
bensunterhalt zu verwerthen. Seine musikalischen Studien
hatte er bei Cherubini ganz von vorn wieder angefangen und
erreichte es im Jahre 1813, seine erste Oper: „Le séjour
militaire“ im Théâtre Feydeau (der damaligen Opéra Co
mique) zur Aufführung zu bringen. Sie gefiel nicht, und
Auber mußte nach diesem Mißerfolge sich fünf Jahre lang
bei allen Pariser Dichtern vergeblich um ein Libretto bemühen.
Auf Cherubini’s Verwendung gab ihm endlich Plarard,
einer der literarischen Machthaber des Théâtre Feydeau, drei
Textbücher zur Composition. Zwei dieser Opern hatten das
gleiche Mißgeschick, die dritte endlich: „La Bergère châ
telaine“, erlebte eine glänzende Aufnahme und zahlreiche
Wiederholungen. Auber zählte 38 Jahre, als er diesen ersten
Erfolg errang; Rossini schied mit 37 Jahren für immer von
der Bühne. Von der „Bergère châtelaine“, also vom Jahre
1820, datirt Auber’s Berühmtheit. Seither hat er dem
französischen Theater eine Reihe von mehr als 40 Opern
geschenkt, welche fast sämmtlich die Zeitgenossen entzückten
und von denen eine ansehnliche Zahl heute noch in unversehr
ter Frische wirkt.
Werth und Bedeutung Auber’s stehen in der Musik
geschichte seit lange fest. Sie nennt Auber als einen der
ersten Meister des musikalischen Lustspieles, für das er einen
seiner Nationalität und den modernen Anforderungen entspre
chenden Conversations-Styl ausgebildet hat, ohne der Melodie
und Formschönheit ihr Recht zu entziehen. Gegen die andrin
gende Uebermacht Rossini’s hat Auber die französische Natio
nalität (ähnlich wie Weber die deutsche) glänzend repräsentirt
und geschützt. Auber’s Musik verkörpert alle anmuthigen, lie
benswürdigen Seiten des französischen National-Charakters;
seine besten Opern sind Werke von allgemein giltigem, blei
bendem Werthe, die schwächeren zum mindesten graziöses Ge
plauder eines Mannes von Geist. Je unbedeutender und tri
vialer seine Nachahmer sind, je ärmer mit jedem Jahre die
Production komischer Opern überhaupt wird, desto werth
voller und erfreulicher erscheint uns, was Auber geschaffen.
Dieser Meister wächst noch im Sarge.
In der langen, fruchtbaren Carrière Auber’s pulsirt ein
ziemlich gleichmäßiges, rasches Tempo. Eigentliche Entwick
lungs-Perioden, durchgreifende Wandlungen des Styles hat
Auber nicht aufzuweisen, und die chronologische Folge seiner
Opern spottet mitunter jedes Versuches, das Wachsthum sei
nes Talentes daran zu messen. Neben und zwischen seinen
besten Werken stehen oft die allerschwächsten. Auch seine mu
sikalische Herkunft war anfangs nicht so rein und ungemischt,
wie man jetzt leicht annimmt. Im Großen und Ganzen er
kennt man allerdings Auber sofort als die directe Fortsetzung
Boieldieu’s. Gibt es doch wenige Kunstgebiete, auf wel
chen eine so merkwürdige Einheit und Stetigkeit herrscht, wie
in der französischen Opéra Comique, wie sie von Grétry,
Philidor und Monsigny begründet, von Isouard und
Boieldieu auf größere poetische und musikalische Höhe geho
ben, endlich von Auber, nach ihm von Adam, Ambroise
Thomas etc. weitergeführt wurde. „La Bergère châte
laine“ (1820) ist ein schwacher, ungeschickter Boieldieu,
mit einigen aufleuchtenden Momenten von Eigenthümlichkeit.
Um diese Zeit begann die Herrschaft Rossini’scher Musik in
Paris. Sie nahm einen erstaunlichen Einfluß auf Auber, sei
es, daß er wirklich davon widerstandslos gefesselt
war, sei es, daß er eine Carrière in anderer Weise nicht
mehr für möglich hielt. Thatsache ist, daß Auber’s
nächste Oper: „Der Schnee“ (1823) nicht Auber’s
eigenste Sprache, sondern ein verdorbenes Rossinisch
spricht. Die Arien sind mit Coloratur überhäuft;
diese Coloratur ist die specifisch Rossini’sche, dane
ben Triolenketten, Orchester-Crescendos, Felicità-Schlüsse,
wie man sie frischweg aus dem „Tancred“ abschreiben kann.
Einzelne Nummern von anmuthigstem, echt französischem Reiz
blühten inzwischen, recht eigentlich Blümchen im Schnee.
Ein pikantes Textbuch und dankbare Rollen thaten das
Uebrige, dieser Oper auch in Deutschland Erfolge zu ver
schaffen, die uns heute aus der Partitur allein kaum mehr
erklärlich sind. Nun, sollte man glauben, würde der Componist
in dieser für ihn so erfolgreichen Rossini’schen Manier fort
arbeiten. Das gerade Gegentheil geschah. Gleich die Oper
des nächsten Jahres: „Leocadia“, enthält sich aller Colo
raturen, und die darauffolgende: „Der Maurer“ (1825),
läßt von Rossini’scher Manier kaum eine Spur mehr finden.
In dieser Oper haben wir im besten Sinne echt französische
Musik und zum erstenmale den echten Auber, wie wir ihn
seither kennen und lieben. „Der Maurer“ ist das Ideal von
einem musikalischen Genrebild; leider nur noch einmal und
nicht mit gleichem Gelingen hat uns Auber (in der „Braut“)
das gemüthliche Kleinleben des Bürgerthums geschildert. „Der
Maurer“ darf neben dem idealeren „Fra Diavolo“
als die schönste Blüthe von Auber’s Talent betrachtet wer
den, beide behaupten einen Ehrenplatz in der Geschichte der
komischen Oper.
Drei Jahre nach „Maurer und Schlosser“ (wie man
die Oper in Deutschland nennt) erschien Auber’s Meisterwerk
im ernsten Styl: „Die Stumme von Portici“. Und
was finden wir zwischen diesen beiden? Die flache, wieder
von Rossini’schen Anklängen wimmelnde „Fiorella“, welche
die Ueberraschung nicht ahnen läßt, die gleich darauf das
erstaunlich gewachsene Talent ihres Componisten in der
„Stummen“ der Welt bereiten würde. Die überall epoche
machende „Stumme von Portici“ (1828) war Aubers erster
Versuch in der großen Oper! Ein merkwürdiges Beispiel,
wie ein doch immerhin begrenztes Talent mit der Größe
seiner Aufgabe zu wachsen vermag. Niemand würde dem
leichten Romancier der komischen Oper einen so fortreißenden
dramatischen Zug und so glänzende Massenwirkung in großen
Situationen zugetraut haben. Sogar Leidenschaft und Innig
keit, die beiden schwächsten, oft auch ganz mangelnden Elemente
Auber’scher Musik, leuchten manchmal in der „Stummen“
überzeugend auf; am schönsten in den Melodramen Fenella’s.
„Die Stumme“, welche über ihrem Lorbeer noch die Krone
einer historischen Bedeutung trägt (sie wurde in Frankreich,
Belgien und anderwärts die Revolutions-Oper par excel
lence,
Im Jahre 1830 zog Louis Philipp eines Abends Auber
freundschaftlich in eine Fensternische und sagte: „Sie sind uns nütz
licher gewesen, als Sie vielleicht selbst glauben.“ — „ Wie so, Sire?“
— „Alle Revolutionen, Herr Auber, ähneln einander; die eine sin
gen, heißt die andere hervorrufen. Ich will Sie zum Director meiner
Hofconcerte ernennen, aber von dem Tage an, das begreifen Sie,
möchte ich „Die Stumme von Portici“ etwas weniger häufig aufge
führt sehen.“
stand an der Spitze der nun folgenden neuen Rich
tung in der Großen Oper. Rossini’s „Tell“ (1829),
Meyerbeer’s „Robert“ (1831) und dessen spätere „Huge
notten“ verdanken ihr mächtige Anregung. In Auber’s Lauf
bahn nimmt „Die Stumme“ eine ähnliche Stelle ein, wie
„Wilhelm Tell“ unter den Werken Rossini’s. Nur daß Ros
sini mit dieser überraschend mächtigen Wendung seine Carrière
beschloß, während die analoge Erscheinung bei Auber in dessen
erste Periode fällt. Noch eine zweite bedeutsame Aehnlichkeit
verbindet diese beiden exceptionellen Schöpfungen: weder
„Tell“ noch „Die Stumme“, obgleich sie den höchsten Auf
schwung, das äußerste Aufgebot darstellen, dessen Auber’s und
Rossini’s Talent fähig ist, können als die vollkommenste
Blüthe desselben gelten. Beide Tondichter leisteten hier ihr
relativ Höchstes auf einem Gebiete, das nicht ihr eigenstes
war. „Der Barbier“ und „Fra Diavolo“ sind in sich ab
gerundeter und eigenthümlicher, sind vollkommenere Kunst
werke in ihrer Gattung als „Tell“ und „Die Stumme“.
Auber wußte das offenbar; trotz des fabelhaften Erfolges der
„Stummen“ kehrte er gleich zur komischen Oper zurück. In
der langen Reihe seiner 43 Opern begegnen wir nur sehr
wenig ernsten, darunter nur zwei bedeutenderen und erfolg
reichen: „Die Ballnacht“ (Gustave) und „Der ver
lorne Sohn“ („L’enfant prodigue“). Ein drittes, für die
Große Oper geschriebenes Werk gehört dahin eigentlich nur
wegen der überwiegenden Betheiligung des Ballets, es ist
die halbpantomimische Oper: „Der Gott und die Ba
jadere“, deren Heldin, gerade wie Fenella, nicht zu
singen hat.
Unmittelbar auf die „Stumme“ folgte die einst hoch
beliebte, heute bereits sehr verblaßte „Braut“, und nach dieser
der köstliche „Fra Diavolo“ (1830). Was nun die nächsten
sieben Jahre bringen bewegt sich wieder bergauf, bergab:
„Die Bajadere“, „Der Liebestrank“ (dessen Handlung
fast identisch mit dem Donizetti’schen), „Der Schwur“,
„Die Ballnacht“, „Lestocq“, „Das Pferd von
Erz“, „Die Gesandtin“, „Der schwarze Domino“.
Auber’s Erfindung zeigt sich noch stellenweise von unver
sehrter Anmuth und Frische, allein sie ermüdet schon häufiger
und beginnt ihre Zuflucht zu oberflächlichem Geplauder oder
raffinirten Effecten zu nehmen. „Der schwarze Domino“
(1837), wol das Beste, was der Meister seit „Fra Diavolo“
geschrieben, dünkt uns ein Abschnitt, ein Uebergangspunkt,
wenngleich kein scharf markirter. Auber’s Liebenswürdigkeit
und Esprit strahlen hier noch einmal in vollem Glanze, aber
bereits mit entschiedener Bevorzugung des Pikanten und Tanz
mäßigen. Die Epoche vom „Maurer“ bis zum „Domino“,
in ihren Spitzen betrachtet, bildet die wahre Blüthen- und
Erntezeit von Auber’s Talent. So reizende Partien sich in
den späteren Opern noch finden (vor Allem in „Teufels
Antheil“, „Krondiamanten“ und „Haydée“), das
Ermatten der Erfindungskraft, das Schablonenmäßige der
Form, die Herrschaft lockerer Tanzrhythmen ist doch nicht zu
verkennen. Auch Scribe (durch 40 Jahre der treue, geistes
verwandte Mitarbeiter Auber’s) nimmt schließlich einen ent
scheidenden Einfluß auf dessen neue Wendung. Seine Opern
bücher werden ausgearbeitete Lustspiele von so complicirter
Intrigue, daß die Musik sich nirgends mehr lyrisch auszu
breiten vermag, sondern, von der Handlung gehetzt, nur neben
herlaufend oder sprungweise sich geltend machen kann. Man
denke an „Zanetta“, „Sirene“, „Die Barcarole“,
den „Herzog von Olonnes“ und ähnliche Opern Auber’s
aus den Vierziger-Jahren. Die besseren dieser Werke, die, wie
gesagt, noch immer viel Anmuth und Geist besitzen, errangen
in Paris noch reelle, wenn auch nicht mehr so anhaltende
Erfolge; sie drangen selbst nach Deutschland. Seit dem „Ver
lorenen Sohn“ (1850) spann Auber nur mehr die dünnen
weißen Fäden eines musikalischen Altweibersommers. Nichts von
diesen Gespinnsten aus den Jahren 1850 bis 1867 vermochte
aufrichtigen Beifall zu finden oder über die Grenzen Frankreichs
zu dringen. Es sind dies: „Zerline, oder: Der Orangenkorb“,
„Marco Spada“ (veranlaßt durch ein Bild von Horace Vernet:
„Die Beichte des Räubers“), „Jenny Bell“, „Manon Lescaut“,
„Die Circassierin“ und „Die Braut des Königs von Garbes“.
Nur die Bewunderung für solche noch im höchsten Alter rege
Schaffenslust und die Pietät für eine so blüthenreiche Ver
gangenheit breiten ihren verklärenden Schimmer darüber. Es
fügte sich schön, daß gerade die allerletzte Oper des 86jähri
gen Auber: „Le premier jour de bonheur“, wieder
glücklichere Einfälle und einen frischeren, melodiösen Zug auf
wies, so daß ihre erste Aufführung in der Opéra Comique,
im Februar 1868, aufrichtig und lebhaft ansprach und zu
einem unerhörten Triumph für den greisen Tondichter wurde.
Das Werk, in welchem allerdings Tanzrhythmen und oberfläch
liche Conversations-Musik vorherrschen, hat mehrere Nummern
von gediegenerem musikalischen Gehalt und reizender Origi
nalität. Es dürfte überall ansprechen, wo die Sänger zugleich
gute Schauspieler sind. Diese Probe hat der „Erste Glücks
tag“ bereits auf mehreren deutschen Bühnen mit Glück bestan
den. Am Ende der Vorstellung wurde Auber von den An
wesenden mit stürmischem Jubel gerufen; da er sich jedoch
weigerte, vor dem Publicum zu erscheinen, wartete die Menge
draußen vor dem Opernhause, um da den Scheidenden zu
sehen und noch einmal zu begrüßen. Und als der Greis sicht
bar wurde, da erdröhnte die Luft von dem Vivatruf aus tau
send Kehlen. Das war der rührende Ausgang des „Ersten
Glückstages“, den Auber wol mit Recht seinen „letzten“
nennen durfte.