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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
„Hanslick. Ueber Bearbeitungen
älterer Tonwerke, namentlich Bach’scher und Händel’scher Vocalmusik
Von Robert Franz. (
müthe nahe; der sichtende und ausgleichende Verstand wird
schon von selbst auch seine Rechnung finden. Glücklich würde
ich mich preisen, wenn ich ein Geringes dazu beitragen könnte.
Ihr Interesse auf des Mannes ungemessene Größe lebhafter
hinzulenken. Haben Sie sich erst in seine Art vertieft, dann
wird er auch Ihre Seele gefangen nehmen und umstricken,
wie er das an den Seelen unserer Lieblinge in der Kunst, an
wußte: er schlug sie in Fesseln, um sie dafür um so freier
zu machen! Und das kann Jeder durch ihn an sich erle
ben — schon darum muß er der Menschheit nähergebracht
werden!“
Und nicht blos durch das Wort, durch die That hat
Robert
heit nähergebracht“. Diese That von unvergänglichem Werth
sind seine Bearbeitungen
förderten ungemein die Verbreitung und Aufnahme dieser
Werke und haben überhaupt zu
zurückfröstelnd vor dem starren Gerippe der Original-Parti
turen, nicht „mit dem Gemüth“ an den Meister heranzutreten
vermochte.
Daß die Mehrzahl begleiteter Vocal-Compositionen älterer
Meister eine lebendige Wirkung heute nur erreichen kann,
wenn eine künstlerisch nachhelfende Hand die Lücken darin er
gänzt, den Klangkörper vervollkommt, die Andeutungen aus
führt, geben wol derzeit alle Tonkünstler zu, welche die Musik
als lebendige Kunst und nicht als archäologisches Studium
auffassen. Nur über das Maß und über die Methode solcher
Nachhilfe kann Streit stattfinden. Wissen wir doch, daß die
meisten älteren Werke nicht nach dem Wortlaute der Parti
turen aufgeführt worden sind. Der bezifferte Baß in diesen
Partituren beweist, daß Improvisation auf der Orgel oder
dem Clavier ergänzend hinzutrat, und beglaubigte Nachrichten
sagen uns, daß namentlich
reichende Besetzung zu verfügen hatte, sein Accompagnement
fast zur Hauptsache machte, nothgedrungen dazu machen mußte.
„Wer das Delicate im Generalbaß und was sehr wohl accom
pagniren heißt, recht vernehmen will,“ schreibt der alte
Mitzler, „muß den großen J. S.
Robert
zahlreicher Lieder bekannt, die zu dem Zartesten und Gemüth
vollsten gehören, was wir in diesem Fache besitzen. Ruhm und
Erfolg auf dieser Bahn haben ihn jedoch nicht abgehalten,
seit nahezu zehn Jahren auf eigenes Produciren beinahe zu
verzichten, um seine ganze Kraft auf die Bearbeitung
scher und
weis von selbstloser, werkthätiger Verehrung der großen
Meister. Seine Beschäftigung mit
pagnement) aus verschiedenen Cantaten und Messen
denen neuestens als Seitenstück eine reiche
schönsten Arien von Händel folgte. Man höre nur, wie
In dem eben erschienenen „
Robert
jährige, unverdrossene Versuche gesammelt hat, und entwickelt
in klarer, anziehender Weise seine dabei beobachtete Methode.
In
als Dirigent der Sing-Akademie, die Musik
er die
Ausgaben auf. „Zwar machte das Publicum zuweilen große
Augen, wenn ihm in einer
Zwiegespräch zwischen Flöte und Contrabaß vorgetragen wurde
oder wenn gar der Continuo einen langen, grämlichen Monolog
zum Besten gab — dergleichen focht uns aber weiter nicht
an und kam auf Rechnung der guten alten Zeit, die man
hinnehmen zu müssen glaubte, wie sie eben war.“ Den Solo
nummern gegenüber griff
strich munter drauf los. Auf die Dauer konnte das nicht so
fortgehen: einmal wurde der Zusammenhang des Ganzen oft
bedenklich in Frage gestellt, dann standen wieder einzelne Arien
in gar zu herrlichen Umrissen da, als daß man sie ohnewei
ters übersehen durfte.
ein Accompagnement auszuarbeiten. Zuerst versuchte er es mit
accordischen Ausführungen, ohne von der Wirkung befriedigt
zu sein. Später fiel ihm ein, es mit der polyphonen
Schreibart zu versuchen. „Und siehe da: zu meiner freudigen
Ueberraschung wurde plötzlich Alles lebendig, die Stimmen
schienen nur darauf gewartet zu haben, daß man sie nieder
schriebe, und waren offenbar prämeditirt worden. Schnell be
griff ich, daß die Skizzen keineswegs flüchtige Entwürfe seien,
sondern ebenso vollendet und abgeschlossen wie der übrige
wirklich ausgeführte Tonsatz. Indem die alten Meister die
selben aufzeichneten, schufen sie zugleich das noch fehlende Stimm
gewebe im Geiste mit und konnten sich umsomehr darauf
verlassen, es wieder zu finden, als sie gewöhnlich selbst für
die Ausführung des Accompagnements Sorge trugen.“ Immer
von dem Streben geleitet, „hinter die eigentlichen Absichten der
Autoren zu kommen“, gelangte
volle Versuche zu einer festen Methode, die, auf dem Mate
rial der Skizzen fußend, mit deren Bestandtheilen die Aus
führung bestreiten lernte. „Sowol in der Structur des Basses,
als in dem Figurenwerk der Cantilene stellten sich Momente
dar, die sich zu Motivbildungen eigneten und mit denen gear
beitet werden konnte — waren sie nur erst aufgefunden, dann
entwickelte sich der weitere Verlauf wie von selbst. Be
greiflich genug: der Styl der alten Meister entsprang aus
den einfachsten, elementarsten Gesetzen — ihren Kunstgebilden
liegt ein ganz ähnliches Princip zu Grunde wie das, nach
welchem Pflanze, Blüthe und Frucht aus einem Keime
emportreiben.“ Die näheren technischen Ausführungen über
den Tonsatz und das Klangmaterial in
tungen möge man in der Broschüre selbst nachlesen; sie sind
lehrreich und überzeugend. Hier möge nur noch ein polemischer
Excurs des „
gehöriges Aufsehen machen dürfte in Tonkünstlerkreisen; er
ist gegen Herrn Chrysander gerichtet. Dieser Herr