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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Halévy hat einmal das Kunststück vollbracht,
sten Partien, witzlos und alltäglich in den komischen. —
Ein armes Landmädchen,
gehärmt in ein Dorf, um bei dem jungen Holzschnitzer
brice
Ohnmacht, denn sie erblickt in ihm den „Schatten“ eines von
ihr heimlich geliebten Officiers, des Grafen
kriegsrechtlich erschossen wurde.
halb irrsinnig, aus ihrer Kammer ins Freie und will sich in
einen Abgrund stürzen;
daß Letzterer leibhaftig der todtgeglaubte
blos dessen Schatten ist; man hatte mit blindgeladenen Ge
wehren nach ihm geschossen. Der Urheber dieses Rettungs
mittels wird verrathen und soll nun selbst zum Tode verur
theilt werden;
dem Kriegsgerichte, um seinen Freund zu retten. Gerrüht
von solchem Edelmuth, pardonnirt der König Beide;
kehrt in sein Dorf zurück und heiratet
eine Doppelhochzeit gebe, werden auch die beiden munteren
Personen, welche die ernste Handlung des Stückes umspielen,
der Doctor
Diese für einen ganzen Theater-Abend viel zu dürftige Hand
lung wird unmäßig gedehnt, retardirt und durch zahlreiche
ermüdende Lückenbüßer (Trinklieder, Romanzen etc.) hinaus
gezogen. Schon der erste Act mit seiner mehr als behag
lichen Kleinmalerei stimmt ungeduldig; man acceptirt ihn indeß
als eine Anweisung auf nachfolgende spannende Verwicklungen.
Die Anweisung erweist sich als falsch; nach dem zweiten und
dritten Acte findet man, daß der erste noch der beste gewesen.
Die Vermuthung, daß
ersten, so erfolgreichen Opern, „
nahezu erschöpft habe, bestätigte schon „
Einzelheiten diese Oper, namentlich in den Volksscenen des
zweiten Actes, noch enthält. Seither vermindern sich
Melodien in dem Maße, als seine „
wachsen; jede spätere Oper wird um eine Tinte blässer,
bis uns schließlich von dem berühmten Componisten
der „
Eine einzige Nummer können wir unbedingt und von Herzen
rühmen: das Strophenlied des
Cocotte“ im ersten Acte. „Cocotte“ heißt des
Reitpferd, dessen (tactweise im Orchester erklingendes) Schel
lengeläute von allen Patienten der Umgebung so freudig be
grüßt wird. Die Melodie hat etwas Schlichtes, Treuherziges;
der muntere Zweivierteltact und der gleichmäßig trabende
Rhythmus passen hier vortrefflich. Allein wie lästig wird uns
in der ganzen übrigen Partitur die erbarmungslose Herrschaft
dieses quadrillemäßigen Zweivierteltactes! In der ganzen,
neunzehn Musiknummern zählenden Oper finden sich kaum
drei bis vier, die nicht in zweitheiligem Tacte stünden; im
ersten Acte wird dieser ein einzigesmal durch ein Andante im
Dreivierteltacte („Ton sourire“) unterbrochen. Wo es aber
einmal bei
der Quadrillen-Typus, eine dürftige Harmonie und ein dre
schermäßiges Gleichmaß des Rhythmus (der nicht immer
volle Aehren drischt) so gut wie garantirt. Trotzdem über
ragen die munteren Gesangsnummern an Werth die senti
mentalen: für die ihm fehlende Tiefe und Innigkeit des Ge
fühles besitzt
ganten, manchmal auch ganz trivialen Süßlichkeit. Ein
und dem späteren
scheinige Melodien „pikant“ zu machen, verwendet
zum Uebermaß, indem er dissonirende Intervalle der Ge
sangspartie durch starke Accente auf guten Tacttheilen heraus
hebt, was sich im langsamen Tempo mitunter ganz abscheu
lich macht; z. B. in der Romanze des
zweiten Acte), wo die Singstimme gleich anfangs und oft im
Verlaufe sich auf einem h breitmacht, während das Orchester
den C-dur-Dreiklang arpeggirt. Die heiteren Nummern sind,
wie gesagt, besser gelungen; das erste Duett, das
Quartett im ersten Finale und andere haben wenigstens
einen frischen, leichten Zug. Neues und Originelles
wird man jedoch auch hier wenig finden, desto mehr
Reminiscenzen an „
die Charakteristik der Personen und Situationen betrifft,
so begnügt sich die Musik so ziemlich mit dem allgemeinen
Gegensatz von Ernst und Lustig. Die weitaus gelungenste
Figur in der Oper ist der Doctor
rettung des Dichters und des Componisten muß constatirt
werden, daß gerade diese dankbarste Rolle hier in der Dar
stellung vergriffen und dadurch der Total-Eindruck des Stückes
beeinträchtigt wurde. Den guten Dorfarzt
wir uns als einen heiteren, behäbigen Mann gesetzten Alters,
mit gepudertem Haar (das Stück spielt im vorigen Jahr
hundert) und stattlichem
von ihm gesagt, daß er weder jung noch hübsch sei, er muß
auch ein wenig komisch sein und doch alle Herzen für sich ge
winnen. Diese Figur (für welche Rott in jüngeren Jahren
Den Flotow aus guter Zeit und von guter Art hör
nicht auf den nationalen Boden einer Kunstleitung und auf
die Umgebung eines Sängers an! Die von Herrn
herumgeführte Gesellschaft bestand bekanntlich aus einem wil
den Tenorriesen (
welche aus Bescheidenheit ihren Mangel an Talent nicht
durch allzu viel Stimme auffallend machen wollten. Von
dieser Unterlage hob sich die zierliche
türlichen Spiel und ihrem leicht beweglichen Stimmchen sehr
günstig ab. Aber im neuen Opernhause! Wie klang das
Stimmchen da spitz und reizlos, wie naturalistisch die Colo
ratur mit ihrem zwar hübschen Triller, aber unsicher erhasch
ten hohen Staccato und der häufig schwankenden Intonation!
Auch der Vortrag blieb unbedeutend, schwunglos; ohne rhyth
mische Elasticität in brillanten Stücken, wie das Spinnquar
tett, ohne Innigkeit in den sentimentalen, wie die (längst
zur Hagebutte gewordene) „
tung ließ Fräulein
für die mangelnde Eleganz durch warm durchbrechende Herz
lichkeit zu entschädigen. Bewunderungswürdig ist der Fleiß,
mit welchem Fräulein
uns doch, die Sängerin spreche eine mühsam eingelernte, ihr
unverständliche Sprache. Zu Anfang der Oper erntete Fräu
lein Benatti reichlichen Beifall, derselbe verlief sich jedoch
Die Philharmonischen Concerte haben unter
der bewährten, ausgezeichneten Leitung des Capellmeisters
Dessoff im großen Musikvereinssaal begonnen. Auf die
ferner
vität
die aber trotzdem nicht nur rasend beklatscht, sondern zur
Wiederholung förmlich erzwungen wurde. Das war mit Sicher
heit vorherzusagen, denn der Componist der Novität heißt
Richard Wagner. Der Anhang
Die Reihe der Virtuosen-Concerte eröffnete in dieser
Saison der Pianist Herr Joseph Wieniawski. Vor acht
so übersättigt von Clavierconcerten, hat so oft das Allerbeste
gehört und hört noch täglich so viel des Guten, daß nur mehr
eine erstaunliche Bravour oder eine ganz ausgesprochene künst
lerische Eigenthümlichkeit uns enthusiastischere Theilnahme ab
gewinnen kann. Solche ungewöhnliche Bravour oder origi
nelle künstlerische Persönlichkeit haben wir an Herrn
nicht wahrgenommen. Am besten dürfte er, wie es sich für
den Polen ziemt,
und die
heit, auch mit manchem feineren Zuge vor; hingegen ver
scheuchte er stellenweise durch zu starkes Accentuiren der Me
lodie die eigenthümlich träumerische Poesie des
turno
letzten Satzes obendrein überhetzt. Weniger glücklich denn
als Pianist debutirte der Concertgeber als Componist
einer dreisätzigen
mit Herrn Popper spielte. Im Style etwa zwischen