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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Neun Jahre sind verflossen, seit Adelina
im Carltheater zum erstenmale die Wiener entzückte. Wir
theilten damals die allgemeine Bewunderung für die junge
Sängerin und deren phänomenale Begabung. Die Huldigun
gen, welche Adelina
empfangen, vermochten sie nicht zu blenden, sie selbst hat sich nicht
für eine unfehlbare „Diva“ gehalten, sondern an ihrer künst
lerischen Vervollkommnung redlich gearbeitet. Der ganze
Blüthenzauber ihres liebenswürdigen Naturells ist ihr treu
geblieben, neben demselben reifte mittlerweile ihre Kunst zur
prachtvollen Frucht. Diejenigen Stimmen, welche vor neun
Jahren die
telten, der sie ein schnelles Ende prophezeiten, dürften wol
jetzt verstummen. Der gegenwärtige Erfolg der
ragt weitaus jenen vom Jahre
gnügen sehr vergällt wird durch die fabelhaften Preise, die
tropische Hitze und das maßlose Beifallsgeschrei im Theater
an der Wien. Jener unwiderstehliche Reiz, welcher das erste
Auftreten der
am Singen und Darstellen, er ist ihr mit den Jugendjahren
nicht abhanden gekommen. Eine gottbegnadete Natur durch
ihre natürliche Mitgift, ist Adelina
glücklichsten durch die unversiegbare Freude an ihrem Beruf.
Diese Eigenschaft geht nicht immer Hand in Hand mit dem Er
folg. Carlotta
mehr zu singen nöthig haben wird. Ihrer Schwester
Singen und Spielen Lebensbedürfniß, und solche leidenschaftliche
Künstlernaturen gewinnen bald einen magnetischen Rapport zum
Publicum. In früheren Jahren war das musikalische Element,
Gesangkunst und Gesanglust, stark vorstechend in den Leistungen
der
gewachsen, die Auffassung vertieft, die Darstellung verfeinert.
Sie lebt vollständig in ihrer Rolle, bleibt stets bei der Sache,
niemals erlaubt sie sich, eine Scene gleichgiltig zu behandeln,
in welcher sie nichts oder wenig zu singen hat. Wie wunder
schön versteht sie zuzuhören, wenn
ihr sein Savoyardenlied vorsingt. Zeile für Zeile spielen theil
nehmend, verständißvoll ihre Mienen mit, wie ein musi
kalisches Accompagnement. Noch sprechender ist ihr stummes
Zuhören bei dem Trinklied, welches
der „
ihr selbst noch unbewußte Liebe für
reits in diesem Mienenspiel. Eine so ausdrucksvolle, fein
ausgeführte Darstellung wie ihr stummer Abschied von dem
Geliebten (zweiter Act der „
Jahre
künstelt, einfach und wahr gegeben. Aber nicht blos als Schau
spielerin, auch als Gesangskünstlerin hat sich Adelina
vervollkommnet. An Sicherheit, Leichtigkeit und Frische konnte
ihr Gesang unmöglich mehr zunehmen, an Correctheit und
edlem Geschmack jedoch hat er gewonnen. Wenigstens von
ihren jüngsten Rollen (
aus eigener Anschauung behaupten, während ich die ersten
Vorstellungen („
Krankheit leider verhindert war. In der „
namentlich die Eingangs-Arie und die Wahnsinnscene in einer
Schönheit des Tones, des Vortrages und der Coloratur, welche
man vollkommen nennen möchte. Der zweite Act dieser Oper
gehört zu den schwierigsten Aufgaben: in der ganzen Gewalt
pathetischer Situationen ist der Stimme eine auf die Spitze
ausgebildete Schmiegsamkeit zugemuthet, das tragische Pathos
soll mit den tändelnden Fiorituren einer vollendeten Virtuo
sität Hand in Hand gehen. Leider genossen wir diese meister
hafte Leistung der
der geistlosen, langweiligen Musik und der widerlich rühr
seligen Handlung. „
gezählt, auch nicht, als sie bei ihrem ersten Erscheinen in
Der Gedanke, diesmal für ein
spornte allerdings den sonst so flüchtigen
Sorgfalt an; schon die Ouvertüre (welche diesfalls nur in
jener zu „
über die
Stellen dieser Oper ist das Orchester feiner behandelt als
gewöhnlich, desgleichen der dramatische Ausdruck, welcher in
Einzelnem, z. B. dem Anfang des Duettes zwischen
und ihrem
erreicht. Ueberall hingegen, wo melodiöse Inspiration schöpfe
risch eintreten soll, namentlich in den Liebesscenen, wird die
Musik platt und geistlos. Es ist nicht Eine Nummer in der
„
„
der „
entscheidet eben nicht allein.
war offenbar mit der „
der Erschöpfung getreten; nur noch Einmal danach folgte ein
glänzendes Aufflackern („
die Flamme.
Ergreifender als in der „ Verdi’s „
So Bewunderungswürdiges die
ernsten Rollen leistet, die eigentliche Heimat ihres vielgestaltigen
Talentes bleibt doch das Reich des Heitern und Fröhlichen in
seiner ganzen Ausdehnung vom fein Graziösen bis zur ausge
lassenen Munterkeit.
im „
Leistungen erschienen. Als
von
lichsten Abende. Bekanntlich singt und spielt sie diese Rolle
mit einer Meisterschaft, daß wir fortwährend ein kleines Kunst
werk vor uns haben, in welchem blühende Naivetät und feinste
Berechnung fast ununterscheidbar zusammenfließen. In der
„Gesangslection“ sang Adelina
aus
Lied „
und morgenfrisch wie Lerchenschlag.
Von der übrigen
wir wenig Rühmliches melden, sie ist theilweise mittelgut,
theilweise weniger als das. Als bedeutender Künstler ragt
mir der Baritonist Graziani hervor, welcher eine ausge
Obgleich die
lische Interesse zu absorbiren scheint, so sehen wir doch Be
such und Theilnahme an den Leistungen des Hofopern
theaters in erfreulicher Stetigkeit. Wir haben in letzter
bühnen hat den Vortheil, daß der Sänger über zu geringe
oder einseitige Beschäftigung niemals klagen kann, in kurzer
Zeit muß er sehr viele und verschiedenartige Rollen sich an
eignen. So hat auch Fräulein
reiches Repertoire geschaffen. Ihr Gastspiel im neuen Opern
hause hat Fräulein
eröffnet, als
den „
meist in der letztgenannten, haben ihre frische Stimme, ihr hüb
scher Vortrag und lebhaftes, anmuthiges Spiel den günstigsten
Eindruck gemacht. Für Fräulein
ihrer hiesigen Thätigkeit ebenso rasch an Stimme abgemagert
wie an Leibesfülle zugenommen hat und deren Contract nicht
wieder erneuert wird, wäre Fräulein
schenswerther Ersatz.