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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wer sich der Oper „
gegeben — der kennt auch die Handlung von
„
die Beiden wahrscheinlich keine Ahnung davon, daß in
Michel
nehmen nahezu fertig waren, und daß dem
die unbestreitbare Priorität auch an
statten kommen würde. Ein Jahr nachdem „
von Felicien
hatte, kam
in
pertoire wieder zu verschwinden. Der
von der Brautfahrt der Prinzessin
„Tulpenwange“), welche ihrem noch unbekannten Verlobten,
dem
winnt der Sänger
das Herz der
lungstage erfährt, daß der Sänger und der königliche Bräu
tigam eine und dieselbe Person sind. Der Stoff bietet reich
liche Gelegenheit zu lyrischer Ausbreitung der Musik bei
empfindlichem Mangel an dramatischer Lebendigkeit und Stei
gerung. Die dürftige Handlung mit ihren passiven, wenig
individualisirten Trägern verfällt aus Mangel an kräftigen
Contrasten einer bedenklichen Monotonie. Die
einem langen sentimentalen Duette dieser Beiden gleichsteht;
die Nebenfiguren erregen keinerlei Interesse. Der
der
fürstlichen Liebespaare ein munteres Seitenstück zu geben,
damit doch ein Hauch von Komik die elegische Grundstimmung
durchziehe. Die naive Zofe der
verschmähter Anbeter, der wichtigthuende Großvezier
sollen diese Retter in der Noth sein; leider ist es
nicht gelungen, sie wirksam zu individualisiren, die Versuche
dazu versiegen in schüchternen Anfängen. Ein ganz überflüssi
ger Lückenbüßer ist
ter Liebhaber
daran gethan, diesen
in den beiden heiteren Figuren (
das komische Element etwas stärker zu betonen. Das Text
buch zu „
blühende Diction, wie dies von Julius Rodenberg nicht
Eine Vergleichung der Rubinstein’schen Oper mit
Glanz spiegelt ein viel intensiveres, reicheres Talent; hingegen
herrscht in
zwischen ihren schwächeren Momenten und ihren besten kein
so großer Abstand wie bei
„
Eindruck als „
schen
den sein, wie das noch unversehrt an der Opéra Comique
fortglimmende der „
Wie Felicien
stein
kalischen
Domäne von
Talent viel weiter hinausreicht und auch auf
ja diese Vielseitigkeit in allen Formen und Gattungen der
Musik gehört zu seinen charakteristischen Eigenschaften, wie die
Einseitigkeit und der enge Horizont zu jenen Felicien
Von
Rookh
Specialität als musikalischer Orientalist den Ausschlag gab. Nicht
das ganze Talent
sten Seiten liegt gleichfalls in dem Anklingen
Musikweise. Diese Lieblingsneigung für exotische Melodik, Har
monik und Instrumentirung hat ihn offenbar zu dem undra
matischen Stoffe des „
nicht
so bliebe!
Werken am meisten populär geworden, und wirklich stempelt
jener
Kleinen Liedern verleiht dieses exotische Element einen großen
Reiz, ganzen Opern hingegen eine erkältende Monotonie. Die
melancholischen Doppeltriolen und Moll-Dreiklange des „
lassen uns nicht los im „
„zum Stamme Jener, welche sterben“, wenn sie derglei
chen lieben.
Auch in
Haide
hervorragende Rolle, sie waren mäßig angebracht und an rech
ter Stelle. Alle Zigeunerscenen wirkten packend in dieser
Oper, sie documentirten ein frisches, energisches Talent, frei
lich auch ein bedenkliches Ueberwiegen der musikalischen Local
farbe, der nationalen Charakteristik über das eigentliche See
lenleben, über den Ausdruck des rein Menschlichen. Als musi
kalisches Kunstwerk bezeichnet „
er ist übersichtlicher, sauberer in der Form, ohne verletzende
Uebertreibungen im Ausdruck, ungleich feiner in der Instru
mentirung. Aber dramatischer waren „
mit theilweisen Aenderungen im dritten Act und radicaler
Umarbeitung des vierten wären sie heute noch eine lebens
fähige Oper. So große technische Fortschritte der Componist
im „
schen Musik finden wir auch hier wieder aus den „
der Haide
zeugender Kraft in allen Scenen, wo nicht die Musik in frem
den Sprachen, sondern das Herz in seiner eigensten Sprache
reden soll. Da bleibt uns
Wort schuldig, oft noch mehr als das; er wird mitunter ge
radezu flach und conventionell. Noch eine andere Eigenthüm
lichkeit
die Musik an Schwung und Gehalt gegen das Ende immer
mehr abnimmt. Man weiß, wie
größeren Werken mit ganzer Kraft, gleichsam zum höchsten
Fluge einsetzt, um im Verlaufe immer mehr herabzusinken.
Für ein dramatisches Werk ist diese an sich nicht glückliche
Eigenschaft doppelt gefährlich, da verlangen wir Erhebung,
Steigerung, bedeutende Culminationspunkte und lassen uns
allenfalls einen unbedeutenderen, gleichsam nur präludiren
den Anfang gefallen. In „
weitaus der beste, der zweite geringfügiger, der dritte am
dürftigsten.
Die ganze Exposition ist vortrefflich. Man kann einer
Handlung nicht besser den Boden bereiten, als
es hier thut. Wie eine stimmungsvolle Landschaft breitet sich
die Musik aus: farbenglühende Vegetation, betäubender Duft,
tagheller Mondschein. Alles harrt erwartungsvoll der Men
schen, welche nun handelnd auftreten, Glück und Schmerz
hier durchleben sollen. Beinahe verwinzigen sich die Haupt
personen im ersten Acte zur bloßen Staffage der Landschaft.
In die Herrschaft theilen sich Orchester, Chor und Ballet.
Die Chöre klingen frisch und charakteristisch, die Balletmusik
gehört zu dem Schönsten, was in diesem Fach geschrieben
wurde. Nichts Zarteres, Eigenthümlicheres kann man sich
denken, als den „Lichtertanz“ der Bajaderen, mit seiner lang
samen Klage in D-moll, aus welcher die hinreißende Me
lodie in A-dur als Trio auftaucht, wie ein silberweißer
Schwan aus dunklen Fluthen. Wie dann in die Reprise des
D-moll-Satzes die Stimmen
verflechten („Fahret wohl, ihr bunten Flammen“) und in schön
getragenem, mächtig steigerndem Gesang das Ganze krönend ab
schließen — das ist genial gedacht und in der Ausführung eines
großen Meisters würdig. Die unbedeutende Arie
welche einige unglückliche Anläufe zur Komik versucht, und
die viel zu breit ausgesponnene, in ihren mystischen und reli
giösen Anspielungen jedem Publicum ganz unverständliche
Erzählung des
glücklicherweise ist das Finale nicht fern, welches ungemein
hübsch angelegt und durchgeführt ist. In den aufgeregten
Chor (Streit zwischen
tönt plötzlich die Stimme des
zur Abendandacht ruft. Dazu tritt zuerst das psalmodirende
Gebet des Volkes und hierauf in sinnreicher Combination das
Liebesgeflüster zwischen
liebten Werbungen
immer nach einigen Tacten refrainartig durch den Unisono
ruf: „
stimmungsvoll pianissimo aus.
Dieses Finale gehört zu den glücklichsten Eingebungen
mit einem überwiegend günstigen Eindruck. Ach, wenn es
nur immer so bliebe! Aber die Handlung, die dramatische
Bewegung, die man nach dem blos exponirenden ersten Act
nun mit Recht erwartet, bleibt aus; es bleibt Alles in zärt
liche Empfindungen stehen und stocken, und die Musik wird
immer eintöniger, matter, unlustiger. Gleich die erste Arie der
der melodischer Erfindung; Verse, die an das tiefste Gefühl
des Tondichters appelliren („Auf dem Haupt die gold’ne Krone
und in der Brust ein brechend Herz“) werden hier ziemlich
conventionell erledigt. Mißrathen ist das folgende Duett
zwischen der
duetts im „
Gesang der Heldin mit den neckischen Scherzen ihrer Zofe
vereinigen, aber das verdrießliche tiefe Gemurmel der Letzteren
läßt den Hörer an alles Andere eher denken, als an muth
willige Heiterkeit. Ungleich erfreulicher wirkt das folgende
Liebesduett zwischen
durch seinen absoluten melodischen Reiz, als durch die spär
liche Charakteristik. Es folgt ein langes Liebesduett zwischen
enthält, im Ganzen aber doch mehr Anwendung äußerer
Ausdrucksmittel als wirklichen Ausdruck verräth. Gerade
die als Culminationspunkt beabsichtigte Stelle: „O Liebe, du
lohnst nun der Seele Erdenhaft“, bleibt tief unter unseren
Erwartungen und unter ihrer Aufgabe. Daß
dem sich anschließenden Finale viel Orchesterlärm zu Hilfe
nimmt, kann ihm kaum verargt werden, auf die lange schmach
tende Nachtigallen-Herrschaft mag ihm ein ausgiebiges Getöse
selbst wohlgethan haben. Was wir aber einem Componisten
von seinem Talent verargen, sind banale Themen, wie
B-dur-Melodie: „Der Menge Droh’n und Toben“, welche das
musikalische Stammkapital des ganzen Finales bildet.
Ziemlich ermüdet gelangt der Hörer an den dritten und
letzten Act, welcher die längst errathene Lösung des Räthels
ungebührlich retardirt und den Schluß durch lauter unmoti
virte Lückenbüßer hinausdehnt. Zu diesen Lückenbüßern gehören
das Liebesduett zwischen
Arie der Letzteren, beides ganz unbedeutende Musikstücke ohne
jegliche Berechtigung an dieser Stelle. Auch die große Scene
und Arie der
nichts Neues und wirkt hier, dicht vor dem Ausgang, doppelt
ermüdend. Einige Erquickung wird dem Hörer hierauf durch
den charakteristischen Frauenchor: „Auf dem Spiegel blauer
Wogen“ und den frischen, rauschend instrumentirten Marsch
in C-dur. Es erscheint der
zu erkennen, umarmt sie, läßt aber noch keineswegs den Vor
hang sinken, sondern wird neuerdings sehr redselig über seine
Gefühle, wozu er sich obendrein die Tonart As-dur aussucht.
Bei der hiesigen Aufführung wird dem guten Manne glück
licherweise etwas früher das Wort entzogen und das Ende
der Oper durch zweckmäßige Striche um einige Minuten be
schleunigt.
Das Publicum, welches den Componisten nach dem ersten
Acte stürmisch hervorrief, wurde im Verlaufe des Abends
immer kühler und gleichgiltiger, man konnte die Langweile auf allen
Gesichtern lesen. Einige allzu eifrige Klatscher wurden nach dem
zweiten Acte durch Zischlaute zur Ruhe verwiesen, und nach
dem dritten Acte gab es keinen Zweifel mehr über den Miß
erfolg des „
persönlich anwesenden Componisten, der überdies gerade in
Boden fällt, dann darf man die Lebensfähigkeit dieses Werkes
wol bezweifeln. Wie gesagt, liegt die gute Hälfte der Schuld
im Textbuche; dasselbe ist eine wohlzubereitete Grube, in welche
jeder Componist hineinfallen müßte. Daß
und tiefer stürzte, als es bei seinem Talente nothwendig und
voraussichtlich war, das ist freilich wieder seine Schuld, die
Schuld seines flüchtigen, kritiklosen und unausdauernden Ar
beitens. Trotz alledem thut uns der Fall des „
aufrichtig leid, einmal wegen seiner zahlreichen großen Schön
heiten, die wir ungern der Vergessenheit würden anheimfallen
sehen, sodann ob des gesunden musikalischen Princips, das
die ganze Composition beherrscht. Sie ist durchweg musikalisch
empfangen und ausgetragen; das Gesetz selbstständiger musi
kalischer Schönheit, faßlicher Melodie und übersichtlicher Form,
ohne welches wir uns wol ein Recitativ oder eine „Scene“,
aber keine ganze Oper denken können, ist überall und zwang
los eingehalten. In der Musik zu „
kommene Eurhythmie der Theile im Großen wie im Kleinsten,
und die besten Nummern bilden, selbst abgezogen
von dem Texte, ein musikalisch klares, befriedigendes
Ganzes.
der Arie mit Repetition des ersten Theiles nach dem Mittel
satz (Arie der
lieds (
musikalische Gedanke liegt bei ihm in den Singstimmen,
nicht im Orchester. Wo die Form durchbrochen, zerstückelt
erscheint, wie in
dramatische Anlage des Textes den Wechsel der Ton- und
Tactarten, des Rhythmus etc. mit sich. Eine „Auflösung der
Form“ ist da nur in dem Sinne vorhanden, wie sie auch
in einzelnen dramatischen Scenen
vorkommt. Wenn ein hiesiger Kritiker den „
einen Ausfluß von Richard Wagner’s Principien dar
Für die Aufführung des „
des Hofoperntheaters alles Erdenkliche gethan, indem sie die
besten Kräfte beschäftigte und eine glänzende neue Ausstattung
daran wendete. Director Herbeck dirigirte die Oper selbst