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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der Begriff der Weltliteratur, im Verkehre der
Wissenschaften längst verwirklicht, beginnt nun auch für das
allgemeinste Vergnügen der Gegenwart, das Theater, Leben
zu erhalten. Nicht nur die Gelehrten und Poeten, auch die
Schauspieler haben aufgehört, blos für ihre Nation zu exi
stiren, sie werden Wandervögel und ergötzen auf ihrem Fluge
Hörerschaften der verschiedensten Zungen. Wien insbeson
Unmittelbar vor dem Eintreffen der Franzosen haben
sich Fräulein Geistinger und Herr
dirte, während sie nur die Bearbeitung eines
Originaltextes ist, nämlich der „
J. Massé.
Wir würden uns herzlich freuen, wenn in
am liebsten in
komische Singspiel auftauchte, aber es müßte wirklich ein
originelles sein und seine eigene Sprache sprechen, nicht ein
gebrochenes
für die komische Oper an
Als Nachahmer der Franzosen benehmen wir uns allezeit
am plumpsten. Auf
werden wir niemals mit den Franzosen rivalisiren. Was
Offenbach’s eigenthümliches, glänzend und mühelos spru
Wer wie
achtzig Opern und Singspiele (beiläufig zweihundert Acte)
componirt hat, dem kann es nicht ausbleiben, daß er sich
manchmal wiederholt, zwischen Neuem und Gelungenem auch
wieder Schwaches, Uebereiltes, Unbedeutendes liefert. Was
wir in dieser Saison Neues von ihm hörten, zählt überwie
gend zu dieser Kategorie. Aber er behält darin doch immer
sein eigenes „cachet“, bleibt doch überall er selbst. Das Un
bedeutendste davon ist „
Tagen componirt und in Einem Zuge niedergeschrieben. Ob
wol expreß für Fräulein Mila Röder geschaffen, um deren
musikalischer Werth auch blieb. Besser ist der „
(
eine so waghalsige Höhe gipfelt, daß die Heiterkeit des Zu
schauers einen ärgerlichen Beisatz von „gar zu dumm“ be
kommt. Die Musik enthält neben ganz Oberflächlichem und
bereits Gehörtem doch wieder mehrere hübsche Nummern,
worunter zwei größere, echt komische Ensembleestücke.
Eine ganz eigene Bewandtniß hat es mit der dritten
actige komische Oper „
de
licher Mitwirkung der Damen Geistinger und
wenig ein herzliches Gelächter erzielt in seinen komischen
Scenen, als gerührten Antheil in seinen tragischen. Wie ge
sagt, die ideal-phantastische Atmosphäre, welche, an
Märchendramen erinnernd, das Gedicht von
hat
zelnen musikalisch verlockenden Scenen sein Urtheil bestochen.
Augenscheinlich wollte gerade im „
sein Bestes geben, aber nicht überall macht er es damit zum
Besten. Sein eigenstes Gebiet mußte er hier verlassen: das
entschieden heitere und komische Genre mit knappen musikali
schen Formen. Die größere Anstrengung und Sorgfalt,
so achtbar sie sind, können nicht entscheiden für ein
Kunstwerk. Gerade bei Naturen wie
relativ mühelosere Arbeit am besten, großen Anstrengungen
ist er auf die Dauer nicht gewachsen. Es fehlt nicht an Musik
stücken im „
Haltung und complicirteres musikalisches Gewebe sich ansehn
lich über das Niveau des „
zessin von Trapezunt
man sich der unwiderstehlichen Heiterkeit und Melodienfrische
dieser Comödien noch lange hingeben wird, wenn der zwischen
falschem Ernst und falschem Scherz romantisch schielende „
tasio
bach
Graziöse, das die ernstere Empfindung nicht ausschließt, ge
lingt ihm vortrefflich; die meisten seiner älteren einactigen
Operetten, aus neuerer Zeit insbesondere „
richole
zende Belege dafür. Aber er scheitert regelmäßig am Pathe
tischen und würde besser jeder Versuchung dazu aus dem
Wege gehen. Das haben am auffallendsten seine „
Nixen
das Textbuch, zum Siechthum verurtheilt waren. Sogar in
einem und demselben Werke kann man oft diese Kluft, welche
die Grenze seiner Begabung zieht, wahrnehmen. Wie reizend
ist die Serenade
lichen, langathmigen Melodie und allmälig in reicher Modu
lation anwachsenden Steigerung, aus deren purpurnem Ge
wölk der leise hingehauchte Refrain: „Moi, pour un peu
d’amour“ wie ein schimmernder Thautropfen niederfällt. Das
selbe Thema, welches zärtlich geflüstert und pianissimo beglei
tet in mäßigem Dreiachtel-Tact so hübsche Wirkung macht,
verwendet nun
vollen Schluß eines langen Liebesduetts;
Tact (also gleichsam skurzirt) und von Posaunenstößen be
gleitet. Das ist roh und unwahr, falsches Pathos im Ge
schmacke trivialer
eröffnet eine Coloratur-Arie der
hier sind es wieder die analogen Scenen aus „
den „
unwillkürlich und sehr zu seinem Nachtheile gedrängt sieht.
Neben solchen Situationen, in welchen
artiges Gebiet gedrängt und dadurch raffinirt, unwahr wird,
bietet ihm „
seine eigene, fein und hell klingende Sprache zu sprechen. So
in dem kleinen musterhaften Buffo-Duett zwischen dem
und
so wirksamen Couplets: „Reprenez cet habit rose!“, über
deren Komik ganz eigenthümlich ein leichter elegischer Schim
mer hinstreift. Diese und andere Blümchen, welche
bach
zwingt, können uns doch seinen eigenen Boden nicht ersetzen,
wo Alles gleichsam von selbst zu wachsen scheint.
Das kleine einactige Singspiel für vier Personen ohne
Chor ist so gut wie eine Schöpfung
die moderne Wiedererweckung eines in Vergessenheit gerathe
nen Genres. Von
in den Anfängen der
trat das bescheidene kleine Singspiel allmälig in dem Maße
zurück, als die komische Oper sich zu größerer Ausdehnung
erweiterte. Man gab und gibt einactige Stücke dort höch
stens noch als „Lever du rideau“, als Lückenbüßer vor
halbleeren Bänken. Da durch angeblich „komische Opern“, wie
Kunstform so sehr nach der Richtung der großen Oper hin
gedrängt, daß das alte fröhliche Gesicht der Opéra comique
bald gar nicht mehr zu erkennen war. Da trat
auf mit seinen kleinen melodiösen Operetten: „
bei Laternenschein
geige
welche schnell seinen Namen und seine Melodien allerwärts ver
breiteten. Der arme unbekannte
seines Talentes eine Weltberühmtheit und der populärste aller
lebenden Componisten. Die von ihm so gut wie geschaffene
„Buffo-Oper“ verhält sich zur gegenwärtigen Opéra co
mique ungefähr wie diese zur großen Oper. Daß er mit
seinem Genre einem wirklichen Bedürfnisse begegnete, dafür
sprechen schon die zahlreichen Theater, welche seit Jahren haupt
sächlich von seinen Arbeiten leben. Es gibt kaum ein kleines
Städtchen in
dort seinen Melodien zu begegnen, sei’s im Theater oder der
Arena, von der Militärbande oder der Bademusik, gesungen,
gegeigt, geklimpert oder gepfiffen. Das will etwas sagen.
Ein Componist von so ungemeiner Begabung und Produc
tivität, der Schöpfer eines Genres, in dem er ohne Neben
buhler dasteht, und das, durch seine bescheidenen Ansprüche
überall aufführbar, Millionen von Menschen Freude und
Frohsinn gespendet hat, der verdiente doch endlich in einem
anderen als dem stereotyp höhnischen und hochmüthigen Tone
genannt zu werden, in welchem die
ausnahmslos gefällt. Wir glauben, daß ein sehr großer
Theil dieser kritischen Strafengel, besonders in
land
schlechten, plumpen Aufführungen kennt. Gehört es doch lei
der bei uns noch zum Nimbus des „gediegenen“ Musik-Recen
senten, daß er derlei populäre Opern nur mit halbem Ohr
und vorgefaßter Meinung hören und beileibe nicht genauer
ansehen darf. Nur so läßt sich erklären, wie musikalisch
urtheilsfähige Männer aus lauter
tät bis zur Bornirtheit ungerecht werden und von
Singspielen reden wie von etwas, das jeder Beliebige machen
kann. Die Kritik soll aber noch einen anderen Muth als den
des Tadelns haben: den Muth der Anerkennung. Es ist er
freulich, einen strengen und gelehrten Musikschriftsteller, wie
Dr. Ambros, hier eine Ausnahme machen zu sehen. Wir